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Erkenntnisreicher FanFiction-W...

#1272726 von Vulnonchen+
01.11.2016, 21:19
Erkenntnisreicher FanFiction-Wettbewerb

Aufgabe | Voting | Ergebnis


by Donnerstern


Traurigerweise gab es nur so viele Votes wie auch Abgaben - eine ziemlich ernüchternde Statistik. Leute, was ist los mit euch? Beim nächsten Wettbewerb will ich wieder mehr Einsatz sehen! ;D
Nun aber zur kleinen Siegerehrung:


Platzierung




Platz 2
KleinKokuna


Ein Pokémon für die Liebe!

Unruhig wälzte sich Sebastian in seinem Bett hin und her, doch er wusste schon längst, dass er keinen Schlaf finden würde. Zu sehr schmerzte sein Herz und in Gedanken war er stets immer noch an den Geschehnissen des vergangen Nachmittages.

Die Aufregung war groß, als sich vor einigen Wochen die Nachricht verbreitete, dass Isabell – eine famose, 18-jährige Nachwuchstrainerin aus Kalos, welche bereits alle Orden ihrer Heimat errungen hatte - der verschlafenen Insel ‚Bosrebb’ einen Besuch abstatten wollte.

Bosrebb lag etwas abseits der bekannteren Sevii-Eilande von Kanto, weshalb sich selten jemand hierher verirrte. Doch genau dies war der Grund für Isabells Besuch: Sie hoffte auf seltene Pokémon und auch auf starke Trainer, mit interessanten Kampftechniken.

Und genau hier fing das Problem an: Sebastian, von Freunden auch einfach ‚Sepp’ genannt, interessierte sich nicht die Bohne für Pokémon, obwohl er bereits fast 20 Jahre alt war. –Seine Freunde, James und Barnabas, mühten sich seit ihrer Kindheit vergebens ab in doch noch dafür zu begeistern.

Als er dann aber Isabell erblickte, hatte er sich sofort in sie verliebt: Eine wunderschöne, kräftige und sportliche Frau mit exotisch anmutendem, silbergrauem Haar im Pagenschnitt und geheimnisvollen, smaragdgrünen Augen und einem verführerischem Lächeln auf ihren roten Lippen.

Wider aller Vernunft versuchte er trotz der Tatsache, dass er kein Trainer war, sie zu begeistern. Als er sie dann endlich am letzten Tag ihres Aufenthalts mal allein antraf, überreichte er ihr einen wunderschönen Blumenstrauß und gestand ihr seine Liebe, doch das Gespräch verlief ganz anders als erhofft…

„Dieser Strauß ist wirklich wunderschön… Aber was will ich damit?“, antwortete sie kühl und sah ihn etwas verächtlich an: „Ich habe dich in all der Zeit bereits öfters herumlaufen sehen, doch unter den Trainern, die gegen mich gekämpft haben, warst du nicht dabei.“

„Nun… Ähm, dass liegt daran, dass ich kein Trainer bin…“, gestand Sepp kleinlaut: „Ich habe mich nie dafür interessiert…“

„Ach und was sollen wir beide dann miteiander anfangen?!“, brauste sie auf und entließ ‚Arthur’, ihr Brigaron, aus seinem Ball und tätschelte es liebevoll: „Ich lebe für meine Pokémon! Ich habe sie schon immer geliebt und werde das auch nicht aufgeben! Tut mir leid, dir das so hart sagen zu müssen, aber wir beide passen nicht zusammen. Ein dahergelaufener Kerl, der kein Interesse an Pokémon hat! Wie stellst du dir denn eine gemeinsame Zukunft mit mir vor? Nein, nein such dir eine Andere, die so tickt wie du… Lebewohl!“

Mit diesen Worten rauschte sie auch davon und ließ Sepp mit einem unnützen Blumenstrauß und gebrochenem Herzen allein zurück…

…und jetzt lag er mitten in der Nacht wach in seinem Bett und quälte sich endlos mit dem immer gleichen Gedanken daran! „Argh, ich halte das nicht aus!“, rief er und richtete sich auf und wurde von unendlicher Traurigkeit erfasst: „Ich liebe sie doch… Ich weiß es einfach! Und jetzt ist sie fort… Isabell, meine wunderschöne Isabell, warum können wir nicht zusammen sein?“

Plötzlich, als hätte jemand einen Stein nach ihm geworfen, wurde es Sepp klar: „Aber ja doch: Wir können doch zusammen sein! Ich muss doch nur…!“

Schwungvoll sprang er aus seinem Bett, zog sich an und rief seine Kumpels an. Er musste gar nicht warten, bis sie abheben, denn schon lange hatte er mit ihnen eine Art Geheimsprache entwickelt: Er ließ es einfach eine bestimmt lange Zeit läuten, bevor er einfach wieder auflegte.

Dann stürmte er auch schon zu ihrem üblichen Treffpunkt auf dem Marktplatz des Dorfes. Es war eine klare, vom Vollmond erhellte, Nacht; perfekt für sein Unterfangen!

Wie üblich erschienen alle beiden Freunde gleichzeitig, doch wie ebenfalls üblich war es Barnabas, der die Dinge in ungewohnt offener Manier anschnitt. „Sag mal, hast du einen an der Waffel?! Es ist Mitternacht vorbei und du klingelst uns aus den Federn!“, maulte der kleinwüchsige Barnabas sofort los, während der etwas schlaksige, aber vornehme James wie immer höflich hinzufügte: „Oh ich kann mir schon denken, was Milord umtreibt: Es geht um den Korb, den Euch Milady Isabell gegeben hat, nicht wahr?“

Sepp nickte nur, doch Barnabas konnte nicht anders als spitz hinzuzufügen: „Korb ist gut! Die Hübsche hat dich eiskalt auflaufen lassen!“ Mit seiner Hand zeichnete er dabei die letzten Augenblicke der Titanic nach.

„Ja so ist es, aber ich habe mich entschieden um sie zu kämpfen!“, sprach Sebastian entschlossen, öffnete seine Tasche und als seine Freunde dessen Inhalt sahen, machten sie große Augen: „Ich bin bereit dafür… Und ihr sollt meine Zeugen sein!“

Dann stürmte er auch schon in Richtung des ‚Lümmelwaldes’ und zwar so schnell, dass seine Kumpels ihm nur mit Mühe folgen konnten. „Er hat doch einen an der Waffel!“, keuchte Barnabas atemlos, als er und James Kampfeslärm hörten: „Ich komme mir vor wie in einer dieser Kurzgeschichten, die innerhalb eines Tages geschrieben wurden!“

Sie brachen durch das Gebüsch und erblickten gerade noch wie Sepp mit einem Stock gegen ein Owei antrat. Das Eipokémon war noch ganz schlaftrunken und hatte so seinem entschlossenen Gegner nichts entgegenzusetzen. Mit einem letzten Streich, dem ‚Hieb der Liebe’ schwächte Sebastian den Pflanze/Psychotyp noch an, als er auch schon einen Pokéball hervorholte, ihn küsste und mit den Worten ‚Für dich Isabell!’ warf.

Drei Augenpaare sahen gebannt zu wie der Ball wackelte: Einmal, Zweimal, Dreimal …uuund Blink! „Gefangen!“, jubelten alle drei ganz außer sich vor Freude! Mit einem verliebten Lächeln hob Sepp den Ball auf und entließ das frisch gefangen Owei gleich wieder.

„O…wei?“, fragte das Eipokémon etwas verwirrt und sah zu seinem neuen Trainer erwartungsvoll auf. „Willst du mir helfen zu einem guten Trainer zu werden und meine Liebste zu finden… Dotterli?“, wollte Sebastian von ihm wissen und lächelte es dabei freundlich an. „Owei! Owei!“, stimmte es fröhlich zu und umkreiste ihn.

„Danke!“, murmelte er und man konnte nicht sagen ob er Dotterli oder noch jemand anderen meinte. Er sah hinauf zu den Sternen und fühlte sich richtig gut.

„Danke… Du hast mir klar gemacht, was ich mit meinem Leben anfangen will… Ich will und werde ein Trainer werden und dich finden… Isabell…“




Platz 1
Simno


Spring mit mir

Die Krawatte saß, der Anzug schmiegte sich an seinen Körper als hätte er ihn nicht mit seinem letzten Euro gekauft, sondern bei einem italienischen Meister anpassen lassen, und die Schuhe waren auf Hochglanz poliert. Die Füße darin wippten nervös hin und her. Noch eine Stunde bis zum Vorstellungsgespräch. Er mochte den Gedanken nicht, bald wieder täglich die einfarbigen, gemusterten oder gestreiften Fesseln der Finanzbranche um seinen Hals tragen zu müssen, aber sein Versuch der Selbstständigkeit endete am Rande der Mittellosigkeit und nun musste er sich wieder in den sicheren Hafen des Angestelltenverhältnisses flüchten. Mit einem gekonnten Strich seines schwarzen Plastikkammes vollendete er seine Verwandlung in den schleimigen Spießer, den seine zukünftigen Vorgesetzten von einem Bewerber erwarteten. Wie sein Äußeres hatte er auch seine Worte fein säuberlich zurechtgelegt. Mit chirurgischer Präzision und messerscharfer Artikulation wiederholte er ein letztes Mal die 4 Gründe, warum gerade er die Stelle bekommen sollte und überprüfte dabei das Ergebnis seiner makellosen Dentalpflege im zahnpastabefleckten Badezimmerspiegel. Er war bereit.

Der kalte, spätherbstliche Wind schnitt unangenehm durch seine dünnen Anzughosen als er mit aufgesetzt selbstsicherem Gang durch die morgendlich schwindende Dunkelheit schritt. Noch bescherten ihm die niedrigen Temperaturen einen angenehm kühlen Kopf, doch bald würde die Benommenheit bei ihm Einzug halten, die ihn bei dieser Kälte oftmals überkam. Er hielt vor einem Zebrastreifen, in rotes Licht der warnenden Ampel getaucht, obwohl weit und breit kein Auto zu sehen war. Er wartete ab, bis die Umgebung sich grün verfärbte und setzte seinen Weg fort. Nun lag nur noch die Brücke zwischen ihm und dem größten Gebäude der Stadt. Er fröstelte; ob es an der Kälte oder an seiner trüben Zukunft lag, vermochte er nicht zu entscheiden. Unter ihm zog der Fluss vorbei. Die ohnehin schon beeindruckenden Wassermassen hatten in den letzten Tagen durch die andauernden Regenfälle noch mehr an Gewalt zugenommen und wälzten sich durch das enge Flussbett. Erst jetzt fiel ihm auf, dass es seit Tagen das erste Mal nicht regnete. Der Boden war nass und an unebenen Stellen von großflächigen Pfützen bedeckt, doch die Wolken, die in grauen Gebilden über der Stadt hingen, hielten ihre Tropfen fürs erste bei sich.

Was für ein trostloser Tag um neu anzufangen, dachte er sich, als er plötzlich eine Gestalt auf seinem Weg erblickte. Es war das erste Lebewesen, das ihm an diesem Morgen begegnete. Beim Näherkommen konnte er ein paar Details ausmachen. Es war ein Mensch, erwachsen, der Kleidung nach zu urteilen eine Frau. Sie hatte sich die Kapuze der grünen Daunenjacke, die so gar nicht zu den pinken Gummistiefeln passen wollte, tief ins Gesicht gezogen. Die Hände hatte sie in den Taschen begraben, den Blick hatte sie in die andere Richtung gewandt.
Als er fast bei ihr war, bereit, nach außen auszuweichen um schnell an ihr vorbeizugehen, drehte sie sich plötzlich um. Der Blick ihrer dunklen Augen traf zielsicher die seinen und brachte ihn zu einem abrupten Anhalten.
‚Spring mit mir!’ sagte sie herausfordernd.
‚Wie bitte?’
‚Spring mit mir!’
Er blickte auf die Wasseroberfläche.
‚Nein, warum sollte ich?’
‚Weil das Leben zu grau ist.’
Er schüttelte den Kopf und versucht sich an ihr vorbei zu drängen. Sie packte seine Schulter, worauf er sich in einer hastigen Bewegung umdrehte.
‚Hör zu, ich habe einen wichtigen Termin und keine Zeit für solche Dummheiten,’ bellte er sie an. Sie überwand ihren erschrockenen Gesichtausdruck und ließ ihn einem einladenden Lächeln weichen.
‚Geh nicht, spring mit mir.’
Sie packte seine Hand. Ein Gefühl wie ein sanfter elektrischer Schlag zog durch seinen Körper. Seine Knie wurden weich und sein Selbstbewusstsein schwand mit seinen 4 Gründen, warum er sein Leben in einem Beruf verbringen wollte, den er hasste. Sie packte seine zweite Hand und führte ihn, ganz nah an ihrem Körper, and die Kante. Tief sah sie ihm in die Augen, so tief, dass ihm beinahe schwindlig wurde.
‚Eins.’
Er begann zu zittern.
‚Zwei.’
Nervös wippten seine Knie hoch und runter.
‚DREI.’
Sie sprangen.


Sie jauchzte, als sie sich in die Pfütze stürzten, er schrie. Das schmutzige Wasser spritzte von beiden Füßen auf seine sorgfältig gebügelte Hose, einer seiner glänzenden Knöpfe löste sich vom Anzug und fiel auf die nassen Straßenbahnschienen.
Er blieb noch einige Augenblicke in der Pfütze stehen, bis sie ihn sanft wieder auf den Gehsteig zog.
‚Danke, dass du mit mir gesprungen bist,’ sagte sie und drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange, bevor sie plötzlich verschwand.
‚Danke, dass du mich gerettet hast,’ murmelte er adressatenlos vor sich hin und machte sich auf den Nachhauseweg.


Herzlichen Glückwunsch!
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Re: Erkenntnisreicher FanFicti...

#1272731 von KleinKokuna
01.11.2016, 21:32
Zu aller erst mal herzlichen Glückwunsch an Simno für seine geniale und durchdachte Geschichte :up:!

Ich bin, so wie ich das aus den paar Votes richtig gelesen habe, wohl 'a bisserl' am Thema vorbeigeschrammt :lol: :tja:. Allerdings hoffe ich auch, dass es beim nächsten Mal mehr Teilnehmer gibt, würde sehr gerne wissen wo ich wirklich stehen würde^^. (Solange freue ich mich aber über meinen zweiten Platz - bei zwei Teilnehmern :'D)
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Re: Erkenntnisreicher FanFicti...

#1272758 von Simno
02.11.2016, 09:51
Juhu, ich habe was gewonnen :)
Danke für den Glückwunsch, an die Voter und natürlich Veranstalter. Schade, dass so wenige teilgenommen haben. Ich hoffe natürlich, das schreckt nicht davon ab, weitere Wettbewerbe zu veranstalten.
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