Schreibe eigene Geschichten über Pokémon und deine Lieblings-Charaktere.

Azurblau

#389608 von rampe
10.10.2008, 23:14
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Altersfreigabe: ab... 12 maybe? (nja lesen kann mans eig trotzdem =D=P)
Disclaimer: Die Pokemonwelt und alles, was so dazugehört, gehört Game Freak und Nintendo. Ich mache mit dieser Geschichte keinen Profit und möchte das Copyright nicht verletzen. alles klar? dann gehts jez los =P

Kapitel 1



Ich blicke vom Steilhang hinab, als mich plötzlich jemand von hinten anspringt. Ich stolpere nach vorne und verliere den Halt, die Wiese kommt unaufhaltsam immer näher. Ich sehe meine Eltern schon an meinem Grab stehen, trauernd um ihren einzigen Sohn, der grausam ermordet wurde.

Naja, das ist vielleicht ein kleines Bisschen übertrieben. Der Aufprall ist weich - vor wenigen Minuten hat es noch geregnet - und mein beinahe Mörder und ich rollen herunter. Naja, Steilhang ist vielleicht auch etwas übertrieben, aber immerhin ist es ein Hügel auf Professor Eichs Grundstück. Meine Kleidung ist trotz allem ruiniert. Die Flecken gehen bestimmt nicht mehr raus.

Das Gewicht auf meinem Rücken lässt nach und ich kann endlich mein Gesicht aus dem Schlamm heben und in das grinsende, ebenfalls mit Erde geschmückte Gesicht von Lukas, Professor Eichs Enkel, sehen. Eigentlich will ich ja beleidigt sein für so eine Unverschämtheit, aber das Schmunzeln kann ich bei dem Anblick auch nicht mehr unterdrücken und wir müssen beide anfangen zu lachen.

Nach einer Weile kommen wir wieder zu Atem und machen uns langsam auf den Rückweg.

Rechts von uns ist ein See mit einigen PflanzenPokémon. Kleine Hoppspross-Gruppen fliegen herum, lassen sich von dem leichten Wind treiben.

Auf dem Boden scheinen sich ein Papungha und ein Bisasam über irgendwas spannendes zu unterhalten. Vielleicht erzählt Bisasam ihm irgendein Abenteuer, dass es mit Großvater Ash erlebt hat.

Das grüne PflanzenPokémon wedelt aufgeregt mit seinen Ranken herum, dann springt es ein paar mal im Zickzack, als ob es einer gefährlichen Attacke ausweichen würde und feuert einige Rasierblätter in die Luft, die sogar so weit wegfliegen, dass ich sie nicht mehr sehen kann.

Es ist wirklich stark, obwohl es sich nie entwickelt hat. Professor Eich sagt immer, dass es für die Stärke eines Pokémon gar nicht so wichtig ist, ob es sich entwickelt oder nicht und dass ein Bisasam mit der Zeit sogar stärker werden kann als ein Bisaflor.

"Wie soll man sich denn zwischen einem der Drei entscheiden können, wenn man sofort von jedem aufs Neue fasziniert ist, wenn man eines davon sieht?", in Lukas' Stimme klingt leichte Verzweiflung mit, die ich voll und ganz nochvollziehen kann.

"Und das fragst du mich? Am besten machen wir es wie Großvater Ash: Wir verschlafen und dann müssen wir uns nur noch zwischen zwei entscheiden."

"Und dann nimmst du einfach das, was eine Schwäche gegen meins hat, und wir müssen uns gar nicht mehr entscheiden!"

Seine Augen blitzen herausfordernd, aber sein gespielt böses Grinsen wirkt einfach nur noch super-niedlich, weil sich ein Papungha gerade dazu entschieden hat, seine Samen über ihm zu verstreuen und er in lauter weiße Flocken gehüllt wird.


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Einige Stunden später sitzen Lukas und ich mit 2 Tassen heißer Schokolade (mit 10 Jahren sollten wir eigentlich Kaffee trinken dürfen!) auf dem Sofa im Wohnzimmer der Familie Eich. Wir unterhalten uns erneut darüber, welches Pokémon wir uns morgen aussuchen werden und die Erwachsenen sehen die Nachrichten, total langweilig, irgendwas über Team Rocket, die mal wieder erfolglos versucht haben, Pokémon zu klauen. Laut Großvater Ash und Professor Eich machen die das schon seit über 50 Jahren - merken die nicht langsam, dass das nichts bringt?

"Denkst du, man kann eine Aquaknarre von Schiggy trinken?", fragt Lukas und als er meinen erstaunten Gesichtsausdruck sieht, spricht er weiter "Es wäre doch praktisch, wenn man durch Kanto reisen könnte, ohne sich Gedanken darum machen zu müssen, wo die nächste Wasserquelle ist."

"Wahrscheinlich kann man das schon. Aber das ist doch irgendwie eklig. Außerdem kann man mit einem Glumanda Feuer machen und erfriert im Winter nicht, wenn man kein Pokémoncenter findet."

"Und was kann Bisasam?", fragt er weiter.

"Keine Ahnung. Vielleicht Bananen von Bäumen pflücken."

"Naja, ist ja auch egal, entscheiden können wir uns eh nicht. Warte mal kurz auf mich", grinst er, während er in seine Tasse auf den Tisch stellt und im Flur verschwindet. Er geht wohl in sein Zimmer. Nach ein paar Minuten ist er wieder unten und versteckt irgendwas hinter seinem Rücken.

"Ich wollte dir noch was schenken, bevor wir die Reise antreten, damit du mich nicht vergisst", mit diesen Worten holt er einen blauen, länglich-kugelförmigen Gegenstand heraus, der ein paar vulkanähnliche Löcher hat. Es ist eine Flöte, auch wenn nur das rote Mundstück entfernt an eine normale Blockflöte erinnert. Lukas hat mir darauf ein paar Mal vorgespielt und es klang einfach göttlich, nicht zu vergleichen mit anderen Instrumenten.

"Du willst sie mir wirklich schenken?", frage ich ungläubig.

"Ja, ich weiß doch, dass du total fasziniert davon bist."

"Wow...Danke."

Vorsichtig nehme ich ihm die Flöte ab und sehe sie mir einen Moment an. Wenn man sie nur ansieht, hat man sofort das Gefühl, direkt in einen wunderschönen blauen Himmel zu sehen. Ich reiße mich von dem Anblick los, lege sie auf den Tisch und wende mich wieder Lukas zu.

"Ich habe auch was für dich."

Ich löse den Verschluss der Kette um meinen Hals und gebe sie ihm. An ihr ist eine kleine, metallene Feder befestigt, die je nachdem, wie man sie ins Licht hält in unterschiedlichen Farben glitzert. Großvater hat sie mir geschenkt. Er meinte, sie wären von einem Pokémon, das er auf seiner Reise immer wieder gesehen hat. Einmal hat es dann eine Feder verloren, die zu dem Anhänger geworden ist. Laut einer Legende sollen die Federn ewiges Glück bringen. Lukas war schon immer begeistert von dieser Geschichte.

Dankend nimmt er die Kette und bindet sie sich um.



Kapitel 2



Fünf Jahre sind vergangen, seit ich meine Reise als Pokémontrainer anfing. Team Rocket erlangte mit der Zeit immer mehr Macht, bis es schließlich ganz Kanto regierte. Lukas trat ihnen in Azuria City bei, nachdem er ein Angebot von einem Mitglied bekam, das gesehen hatte, wie er auf einer Brücke einige Trainer besiegte.

Ich wurde fast ein Jahr später Mitglied, nachdem ich in der Pokémonliga verlor und Team Rocket mir anbot, meine Fähigkeiten zu verbessern. Damals dachte ich noch, ich könnte es irgendwann besiegen und Kanto wieder von ihm befreien, davon konnten mich auch meine Eltern nicht abhalten, mit denen ich deswegen ewig gestritten habe. Mit 11 Jahren ist man noch so naiv.

In Johto erklärte mir Lukas, wie man züchtet. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass so viel System hinter Team Rockets Aktionen steckt. Dass Pokémon lebendige Wesen mit Gefühlen sind, zählt für sie überhaupt nicht. Sie suchen sich die stärksten Pokémon raus und paaren sie. Die Nachkommen, die nicht stark genug sind, werden sofort nach dem Schlüpfen freigelassen, die anderen werden zur Weiterzucht eingesetzt oder sie sind so stark, dass sie in ein Team kommen. Egal was passiert, einen Trainer, der sie liebt, sehen sie wohl alle nicht.

Kurz nachdem ich zwölf wurde, nahm ich den Auftrag an, in Hoenn Angriffspunkte für eine Übernahme von Team Rocket zu suchen. Letztendlich war es mehr eine Flucht. Außerhalb von Kanto und Johto überwacht Team Rocket seine Mitglieder nicht so stark.

Trotzdem verbrachte ich dort viel Zeit mit Züchten und gehörte später zu den besten Trainern in der Kampfzone.

Dort traf ich auch einige Pokémontrainer, die meinen Kampfstil als so lieblos empfanden, dass sie mich durch ganz Sinnoh verfolgten und mich immer wieder zu Pokémonkämpfen herausforderten, die mir sogar gefielen, auch wenn ich ihnen um Klassen überlegen war. Es hatte etwas Angenehmes, dass die Treffen immer nach dem gleichen Muster abliefen und es nicht wichtig war, ob ich gewann oder nicht.

Genau diese Trainer sind mir jetzt sogar bis hierer gefolgt, auf das Schiff, das uns nach Johto bringen wird.

"Was macht ihr denn hier?", frage ich.

Meine Stimme klingt bissiger als beabsichtigt. Dabei will ich doch nur nicht, dass sie aus ihrer wunderschönen Welt gerissen werden, und sehen müssen, wie brutal Team Rocket mit den Pokémon umgeht.

"Wonach sieht es denn aus? Den Himmel bewundern? Den Boden putzen? Wir fahren mit dir nach Johto! Denkst du wirklich du könntest dich nach 2 Jahren einfach aus dem Staub machen?"

Kim sieht mich vorwurfsvoll an, genauso wie immer, wenn wir uns treffen. Es ist mit der Zeit zur Gewohnheit geworden, dass wir uns gegenseitig provozieren. Aber dieses Mal ist es anders. Ich darf darauf nicht eingehen, nicht wenn Team Rocket Mitglieder auf dem Schiff sein könnten. Aber ich kann ihnen auch schlecht sagen, wie grausam Team Rocket ist.
"Doch, das kann ich."

Ich drehe mich von ihnen weg und versuche dem Drang einfach loszurennen zu widerstehen und möglichst ruhig zu meinem Zimmer zu gehen. Als ich es aufschließe fällt Kim leider (oder zum Glück?) doch auf, dass es sinnvoll ist, mich aufzuhalten, bevor ich hinter der Tür verschwunden bin.

"Warte doch."

Ich sollte das ignorieren und die Tür kommentarlos hinter mir schließen.

"Komm mit", sage ich stattdessen, öffne die Tür und schließe sie wieder hinter uns.

Und jetzt?

Kims Lippen bewegen sich einige Male lautlos, bis ich dann doch die Worte hören kann, wenn auch sehr leise.

"Warum...gehst du nach...Johto zurück? Du weißt doch sicher, dass es da...gefährlich ist...also wegen Team Rocket und so."

"Deswegen solltest du auch wieder zurück nach Hoenn fahren oder noch besser sofort dahin zurückfliegen."

Nein, ich mache mir ganz sicher keine Sorgen.

"Und du?"

Von dem herausfordernden Funkeln ist in den blauen Augen vor mir keine Spur mehr, nur noch ein ängstlicher, flehender Ausdruck, wie ich ihn bisher noch nicht gesehen habe. Ich fühle mich sofort schlecht, wenn ich daran denke, sie anlügen zu müssen.

"Ich bin ein Mitglied von Team Rocket."


Kapitel 3



Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Habe ich diese Worte wirklich ausgesprochen? Ob Kim weiß, dass ich damit erpressbar bin? Es dürfte nicht allzu schwer zu erraten sein, dass ich das unabsichtlich gesagt habe. Team Rocket freut sich bestimmt zu erfahren, dass ich nicht einfach so lügen kann. Oder dass ich Kim nicht anlügen kann.

"Also werde ich persönlich dafür sorgen, dass es dort für dich gefährlich wird, wenn du nicht sofort verschwindest", sollte ich jetzt wohl sagen, um meine Aussage zu rechtfertigen.

Aber ich kann das nicht. Ich kann niemandem drohen, den ich seit 2 Jahren kontinuierlich sehe.

Kim ist bleich und fängt an zu zittern. Aus den blauen Augen lösen sich die ersten Tränen. Mein Herz zieht sich schmerzhaft zusammen. Das wollte ich doch gar nicht.

"Es tut mir Leid...wirklich."

Es ist mir jetzt doch egal, wenn Team Rocket das erfährt.

"Natürlich...denkst du ernsthaft, ich falle jetzt auf so etwas Billiges wie "Es tut mir Leid" rein?" Die Stimme klingt traurig und irgendwie enttäuscht.

"Ich..." Was soll ich darauf schon antworten? Es stimmt ja, ich würde eine Entschuldigung in der Situation auch niemandem glauben.

"Ich wusste damals nicht, worauf ich mich einlasse...vor 5 Jahren war Team Rocket nur eine Gruppe aus Dieben, die immer wieder erfolglose Aktionen durchführte. Dann ist einer meiner Freunde Mitglied geworden und ich habe mich ihnen später auch angeschlossen."

Ich muss tief durchatmen, das war wohl einer der größten Fehler, die ich je in meinem bisherigen Leben gemacht habe und für den ich mich täglich verfluche, wenn ich sehe, welche Pokémon-Kampfmaschinen ich herangezogen habe. Auszusprechen, was ich getan habe fällt mir inzwischen viel schwerer, als es nur zu denken.

"Ich wusste einfach nicht, dass sie so mächtig werden würden. Ich wusste ja nicht mal, wie sie das machen würden."

"Hm..."

"Ich versuche Team Rocket aufzuhalten, bevor sie noch mehr Regionen einnehmen können, auch wenn es total unrealistisch ist."

Ich weiß, dass es ein Fehler ist, das zu erzählen, mal ganz abgesehen davon, dass es total unglaubwürdig klingt, aber das ist mir egal. Ich kann diesen verachtenden Blicken nicht ertragen.

"Auch wenn du mir das jetzt nicht glaubst, erzähle es wenigstens bitte nicht Team Rocket", flehe ich.

Kim sieht mich skeptisch an, wenigstens nicht mehr ganz so abweisend, wie am Anfang, aber auch nicht überzeugt. Ich schrecke aus meinen Gedanken auf, als das Zimmer plötzlich in rotes Licht getaucht wird. Aus einem von Kims Pokebällen hat sich wohl ein Heiteira befreit. Es teilt das Ei, das es bei sich trägt in zwei Hälften und gibt erst Kim eine davon und kommt danach zu mir und hält mir die andere hin.

"Heiteira scheint dir zu vertrauen. Und wenn du das Ei jetzt nicht bald annimmst, kann ich dir nicht garantieren, dass ich dir danach überhaupt noch zuhöre, was du sagen willst." Ihre Stimme klingt genervt von meinem Zögern.

"Danke, Heiteira", sage ich und nehme das Ei an mich und Heiteira geht zurück in ihren Pokeball. Das Ei schmeckt unerwartet gut und nachdem ich es aufgegessen habe, fühle ich mich irgendwie glücklicher als vorher.

"Michael?" Ich sehe Kim an und das erste Mal an diesem Tag kann ich Ansätze eines Lächelns in den Gesichtszügen erkennen.

"Ich glaube dir deine Geschichte. Und ich würde dir wirklich gerne dabei helfen, Team Rocket zu bekämpfen, auch wenn es gefährlich ist und Sebastian und Martina auch. Wir haben darüber geredet, bevor wir in das Schiff eingestiegen sind und sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir dich nicht alleine gehen lassen."

"Das kann ich verstehen. Auch wenn es mir lieber wäre, wenn ihr euch nicht auch noch in Gefahr bringt. Aber abhalten kann ich euch eh nicht, oder?"

Das Kopfschütteln als Antwort genügt mir.


Kapitel 4


"Michael..."

Kims Stimme. Sie klingt anders als sonst, irgendwie trauriger. Ich fühle eine Hand an meiner Schulter, dann eine zweite und wie ich an einen Körper gezogen werde.

So schön warm.

Vorsichtig öffne ich die Augen, dankbar, dass es inzwischen Abend geworden ist. Ich sehe das von blonden Haaren umrahmte, vertraute Gesicht. Die blauen Augen sind auf mich gerichtet, das Glitzern in ihnen ist ungewohnt.

"Hey, weine doch nicht.", meine Worte klingen nicht sehr überzeugend, aber trotzdem verziehen sich Kims Lippen zu einem Lächeln, auch wenn es nicht so richtig gelingen mag.

"Tu' ich ja gar nicht."

Ich hebe meinen Arm und meine Finger streichen schließlich die erste Träne weg und verweilen auf der warmen Haut. Eine mit dunkelroter Flüssigkeit beschmierte Hand drückt meine sanft, während der Daumen beruhigend darüber streicht und das unerwünschte Kribbeln in meinem Körper verstärkt.

"Du bist verletzt?"

Kurz sehe ich Verwirrung in den blauen Augen aufblitzen, dann sind sie wieder so traurig wie vorher. War ja klar, schließlich kenne ich die Antwort. Oder sollte sie kennen...

"Das geht schon."

Es tut mir Leid, würde ich jetzt gerne sagen, aber irgendwie kann ich mir nicht eingestehen, dass ich an der Trauer schuld bin.

Stattdessen bleibe ich stumm. Sollte es mir nicht eigentlich leicht fallen, Worte zu finden, wenn mir die Zeit davonrinnt?

Kims Gesicht kommt immer näher, bis uns nur noch wenige Zentimeter trennen.

"Michael, ich..."

Ein Zögern. Die Hand fährt jetzt behutsam durch meine Haare.

"Ich...liebe dich."

Diesmal ist das Lächeln überzeugend, genauso wie die Worte, die ich schon so lange mal hören wollte und die mich jetzt vergessen lassen, wie aussichtslos die Situation ist und auch mir fällt das Lächeln jetzt leicht.

"Ich liebe dich auch."
Kurz sehen wir uns noch an, dann wird auch der letzte Abstand zwischen uns geschlossen und in diesem Moment bin ich einfach nur glücklich.

Meine Augen schließen sich.

Zum letzten Mal.


Kapitel 5



Anmerkung: Kims point of view

"Kim?"

Und wieder Schnee, viel zu heller Schnee. Dieser Berg ist so langweilig.

Stundenlang sitzen wir schon hier, auf dem Bett des Pokemon-Centers. Michael lehnt mit dem Rücken zu mir in einer Umarmung.

Nach ein paar Schritten stehe ich erneut vor einem steinigeren Teil des Berges. Auch dieses Mal hilft Despotar mir beim Aufstieg.

Ich halte mich an ihm fest und es klettert nach oben, immer darauf bedacht, dass ich nicht herunterfalle.

Aus einem Impuls heraus umarme ich es.

"Danke."

"Ja?"

Wie lange ist es her, dass ich mich das letzte Mal bei einem Pokemon bedankt habe? 1 Jahr? Oder schon 2 Jahre?

Es muss jedenfalls vor Despotars Zeit bei mir gewesen sein, denn es sieht mich an, als hätte ich den Verstand verloren.

Ich rufe es zurück in den Pokéball und setze meinen Weg fort.


In ein paar Stunden wird der Kampf gegen Team Rocket beginnen und wir müssen uns wieder trennen.

Da haben sich die Augen gerade an das Licht gewöhnt, und dann sieht man in der dunklen Höhle wieder nichts mehr. Fast wäre ich über einen Stein gestolpert.


Michael wird den Angriff starten, irgendwo im Hauptquartier von Team Rocket und ich werde draußen mit den anderen die Ausgänge absichern.

Nur noch ein paar Stufen.

"Wenn ich sterbe..."

Ich bleibe stehen. Ich will mich nicht mehr daran erinnern müssen, wie ich ihn auf dem Boden liegen sah, nicht wissend, ob er noch am Leben war, auch wenn die Wunden sämtliche Hoffnungen auf Überlebenschancen im Keim erstickte. Die Erinnerung an den Sieg gegen Team Rocket ist doch viel schöner...
Wie kommt er denn auf so eine absurde Idee? Er dreht sich zu mir um, sieht mich jetzt direkt an, während er irgendwas aus seiner Jackentasche zieht.

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn er nicht mehr gelebt hätte. Vielleicht hätte sich dieses Bild dann nicht so sehr in mein Gedachtnis gebrannt.

"...gehst du dann zur Speersäule und spielst auf der Flöte?"

Wenigstens kann ich ihm jetzt diesen Wunsch erfüllen, wenn ich schon nicht auf seiner Beerdigung erschienen bin.

Diese Flöte also...

Ich hole sie aus meiner Tasche heraus.

"Du stirbst doch nicht."

Meine Augen versinken augenblicklich in dem Blau. Es ist, als würde man direkt in den Himmel sehen.

Lass mich bitte nicht alleine...

Mehrere Wassertropfen vermischen sich mit dem Blau. Wann habe ich angefangen zu weinen?

"Versprichst du es?", die Worte klingen so entschuldigend. Als wüsste er jetzt schon, dass er nicht überleben würde.

Der Schmerz raubt mir für einen Moment den Atem. Ich sehe Michael, wie er in meinen Armen liegt, die Augen geschlossen, ein Lächeln auf den Lippen. Eigentlich sogar trotz den Tränen in seinem Gesicht ein friedliches Bild, wäre er nicht von Wunden übersät.

"Ja, ich verspreche es."

Oder würde er wenigstens noch atmen.

Wieso sollte ich es auch nicht tun?

Mir wird erst jetzt klar, wie viel Überwindung es kostet, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Die ganzen Erinnerungen, die ich in den letzten Tagen erfolgreich verdrängt hatte, kommen jetzt wieder hoch.

Ich renne die letzten Meter bevor ich es mir doch anders überlege und umkehre.

Sobald ich die ersten Schritte in der Speersäule mache, höre ich eine leise Töne von der Flöte.

Vorsichtig fange ich an zu spielen und mit jedem Ton verschwindet der Schmerz etwas mehr.





Konstruktive Kritik etc pp erwünscht =P!
Jegliche nicht-konstruktive Kritik fällt meinen Moderationsrechten zum Opfer! muahahaha!
Zuletzt geändert von rampe am 28.06.2009, 20:48, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Azurblau

#390947 von Ridley
12.10.2008, 22:05
Eine wunderschöne FanFic,extrem krativ,die Idee die Geschehnisse
zu Überfliegen,so klingt es Realitätsnah,und nicht mehr nach Pokémon-eine Gut Gelungene Geschichte.Doch ein Bisschen Pkmn würde nicht schaden,die Überliegende Schreibweise nimmt einem auch manchmal die Spannung.
MfG
Heatran
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Re: Azurblau

#528313 von N-Friend
28.06.2009, 13:53
So ich entschloss mich mal wieder diese geschichte zu lesen. Hab ich zwar schon vor circa einem halben Jahr gemacht, aber da war das irgendwie zu hoch für mich xD
Und nun kann ich auch mal einen kommentar schreiben =)

Erst einmal kann ich sagen, die geschichte hat was. Schon der Anfang hat mich irgendwie zum schmunzeln gebracht. Erst die Dramatik und dann die Ironie xD
Du hast einen schönen Zeitraffer benutzt, vom Anfang von allem, bis hin zum EIntritt in die Organisation. Eigentlich traurig, dass sie beigetreten sind, wo sie doch so gelacht haben, dass Team Rocket nichts drauf hat.
Das Stilmittel, die Story im Präsens zu schreiben (und für die Leser auch zu lesen) ist extrem ungewohnt, aber irgendwie passte es. du hast es wirklich geschickt eingesetzt, einerseits erzählst du die jetzige Situation, andererseits, was damals passiert ist. Deine Story wimmelt nur so von Gefühlen, sie wurden auch super zwischen den Zeilen eingebaut
Apropros zwischen den zeilen, irgendwie war es auch seltsam, dass du einen ganzen Zeilenabsatz gemacht hast, anstatt nur eine neue Zeile anzufangen. Nichtsdestotrotz kamen die Gefühle wunderschön zur geltung. Du hast insgesamt eine ganze Geschichte erzählt, aber nur die wichtigsten Passagen genau. Vom Anfang der Reise, über das geständniss bis hin zum Tod. Nur das Nötigste, und das so mit bravour, dass man es ganz einfach am Stück lesen kann.
Wobei, so einfach war das gar nicht. Das Ende, genial wie du zwischen Erinnerung und Handlung hin und her gerutscht bist. Auf eine gewisse Art und weise ist dieses auch wunderschön, trotz dem Tod des Protagonisten.

Zeichensetzungsfehler und Rechtschreibfehler stören überhaupt nicht, hab auch nur zwei gefunden. Von der Story her Top, von den Beschreibungen her auch super. Alles in allem ist dir diese Geschichte wunderbar gelungen und imo hätte sie auch den Sieg verdient gehabt. (Die andere aber auch xP)

mfg
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