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Losing Memory - Vergessen

#502576 von ShinyBlue
16.05.2009, 14:31
FF ohne Pokeanteil =0
Nun gut, zur FF: Losing Memory - Vergessen handelt von einem Jungen, der dem Tod knapp von der Schippe springt - auf Kosten seines Gedächtnisses, oder zumindest Teilen davon.
Ansonsten: Bitte detaillierte Kritik. Viel Spaß beim Lesen :lol:


Kapitel 1: Cogito

Es war heiß, so unbeschreiblich heiß. Die Luft um mich herum schien sich in wabernden, dickflüssigen Sirup verwandelt zu haben, ich konnte nicht vor, ich konnte nicht zurück, und ich konnte nicht atmen. Die Luft war einfach viel zu heiß. Meine geschlossenen Augen ertrugen die grellen Flammen nicht mehr, das Licht des Infernos drang durch meine Augenlider und setzte meine Seele in Brand.
Erneut zuckte eine Flammenzunge in meine Richtung, blind rollte ich mich instinktiv zur Seite. Ich rettete so mein Leben, zumindest für wenige Sekunden. Ich hörte die Schreie wie aus weiter Ferne, aber ich wusste, dass die Menschen nur wenige Meter neben mir befanden. Aber ich konnte nichts für sie tun, die Hölle hatte ihre zerstörerischen Gewalten gen Erde geschickt, und in diesem brennenden Haus wusste jeder, dass seine Zeit unwiderruflich abgelaufen war.
Niemand hier war mehr als ein Bauernopfer in einem tödlichen Konflikt zweier Mächte, die existierten, lange bevor das erste Leben auf diesem Planeten entstand und die noch existieren würden, lange, nachdem alles Leben vergangen war. Ich spürte, wie mein Lebenswille in dieser realen Hölle verbrannten wie das altersschwache, morsche Holzgerüst dieses Hauses.
Alles ist vorbei, dachte ich, und ich wartete auf den Tod. Seltsamerweise hatte ich keine Furcht, der Tod war mir bis jetzt immer wie das Schlimmste auf Erden und darunter vorgekommen, aber in diesen Sekunden schien er mir fast wie eine Erlösung. Dann brach der Boden unter meinen Füßen ein, und ich fiel in ein Loch aus Schmerzen, Furcht und ewiger Finsternis.
Mir wurde erst langsam bewusst, dass ich einen Körper hatte. Schier endlos trieb ich dahin auf den Fluten des tiefschwarzen Ozeans, der die Welt der Toten von der der Lebenden trennte, als mich eine unsichtbare Hand mit schier unglaublicher Kraft zurück in die Gegenwart holte. Ich war tot, das wusste ich mit Sicherheit. Und doch, ich dachte.
Cogito, ergo sum. Ich denke. Also bin ich. Lebendig, wenn auch so nahe am Tod, wie man nur sein konnte. Langsam wurde mir bewusst, dass ich, oder vielmehr der Teil, der von den Menschen flapsig als die Seele bezeichnet wurde, nicht mehr als passives Stückchen Geistesenergie davongespült wurde, sondern dass dieser Teil wieder das war, was er vor unendlich langer Zeit gewesen zu sein schien:
Das Bewusstsein eines Menschen.
Ich fühlte einen Schmerz. Er war neu für mich, so wie fast alles neu für mich war, und doch seltsam bekannt, denn er war das letzte, was ich gespürt hatte, bevor der Vorhang zwischen Diesseits und Jenseits zerriss. Langsam merkte ich, dass ich wieder existierte, in einer Existenz, die der, die ich kannte, jedoch kaum glich. Sicher, ich fühlte alles, was ich vorher fühlte, ich schlug die Augen auf und sah die Welt, wie ich sie kannte, und doch war etwas anders. Ich wusste nicht was, aber…
Halt. Ich wusste überhaupt nichts.
Langsam versuchte ich mich aufzurichten. Es gelang mir nicht. Ich versuchte, meine Hand zu heben. Ich brachte gerade genug Platz zwischen sie und den Boden, dass ich die Grashalme nicht mehr spürte. Grashalme. Wie lange hatte ich keine mehr gesehen.
Ich erinnerte mich flüchtig an die grünen Halme. Es gab doch noch Erinnerungen, auf die ich zurückgreifen konnte. Auch wenn diese hinter einer unsichtbaren Wand aus Schock und Vergessen verborgen schienen.
Phil.
Ein Name, der mir plötzlich und ohne Zusammenhang in den Sinn kam.
Mein Name.
Was war nur mit mir geschehen? Ich hatte keine Ahnung. Ich erinnerte mich nicht an meine Kindheit, nicht an Freunde oder an irgendetwas, was ich mal gemacht hatte. Wie alt war ich überhaupt?
Es gelang mir, mich aufrecht hinzusetzen. Meine Knochen schmerzten, und es kam mir so vor, als hätte ich meine Gelenke jahrelang nicht mehr benutzt. Gar kein so abwegiger Gedanke.
Mit seltsamer Angst, die irgendwo in meinem Inneren herangewachsen war, betrachtete ich meine Umgebung. Es war eine solche Sturmflut unbekannter Eindrücke für mich, dass ich die Augen instinktiv wieder zukniff, um zurück in das Reich der gewohnten Dunkelheit zu gelangen. Überall sah ich Bäume, Büsche, Sträucher.
Die Farben strömten auf mein Bewusstsein ein, ein ganzer Regenbogen, der in meinen Nerven schmerzte, fast, als wäre ich von einem körperlichen Hieb getroffen worden. Ich lag nur wenige Meter entfernt von einem See, dessen spiegelglatte Oberfläche das Licht des Himmels so brach, dass es aussah, als wäre es kein See, was ich da anschaute, sondern ein Becken voller flüssiger Saphire.
Der Boden auf dem ich lag, war eine Wiese, ebenfalls von phantastischer Farbintensität und dermaßen bunt, dass ich mir sicher war, selbst in den verschlossenen Kammern meines Gedächtnisses nichts Derartiges finden zu können. Die Grashalme hinterließen grüne Flecken auf meinem weißen Pullover. Ich war mir nicht sicher, ob ich je einen solchen Pullover besessen hatte, ich glaubte eher nicht daran.
Ich wusste nicht einmal, wie ich hierhergekommen war. Für das Jenseits war dieser Ort zu irdisch, doch es konnte nicht der Ort sein, an dem ich das Bewusstsein verlor. Ich kannte diesen Ort nicht, und ich war sicher nicht alleine hierher gelangt. Langsam, wie in Zeitlupe und darauf bedacht, auch ja nicht umzufallen, versuchte ich aufzustehen. Auf zittrigen Beinen wankte ich Richtung See. Im Wasser erkannte ich deutlich ein Gesicht. Mein Gesicht. Ich war so erleichtert, als ich erkannte, dass es genau so aussah wie in meiner Erinnerung.
Auf meiner Kleidung, abgesehen von ein paar Grasflecken schneeweiß, prangte ein blauer, achtzackiger Stern, der auf seltsame Art und Weise lebendig wirkte. Meine Kräfte kehrten langsam in meinen Körper zurück. Ich atmete die kühle Luft ein, die sonderbar frisch wirkte, so, als wäre sie in Wirklichkeit ein magisches Lebenselixier, das mir neue Kraft spendete.
Schlagartig sank die Temperatur auf der Wiese. Obwohl kein Wind wehte, erschienen die ersten, stetig wachsenden Wellen auf dem See. Die weiße Gischt umspülte bereits meine Füße, als ich mich aus der Erstarrung löste.
Um mich herum fing das Gras an zu welken. Sie kommen. Ich wusste nicht, woher der Gedanke kam, oder überhaupt wer sie waren. Aber ich wusste, dass ich laufen musste. Ich drehte mich um, während der See immer wilder wurde und mehr an einen reißenden Strom als an ein stehendes Gewässer erinnerte.
Ein tonloses Wispern, dass man mehr spüren als hören könnte, klang in den Baumwipfeln auf. Langsam steigerte sich das Wispern zu einem unheimlichen Singsang, ich hörte Stimmen, die mit Sicherheit keinen Menschen gehörten.
Panik machte sich in mir breit, ein Gefühl, als wäre ein lauerndes, unglaublich starkes und böses Etwas hinter mir her. Ich nahm meine Kräfte zusammen und rannte. Ich sprang über die Büsche, stolperte über Wurzeln und wollte weg, nur weg, egal wie, fort von dem See und den unheimlichen Stimmen.
Ein dorniger Strauch riss eine gezackte Wunde in meine Hand, aber sie war nicht sehr tief und ich kümmerte mich nicht weiter herum. Die Stimmen wurden lauter, und auch wenn ich kein Wort verstand, es war etwas durch und durch bösartiges in ihnen. Ich hatte die Lichtung, auf der ich erwacht war, weit hinter mir gelassen, nun befand ich mich in einem Teil des Waldes, der trotz der hoch am Himmel stehenden Sonne vom dichten Laubwerk der Bäume in tiefe Schatten getaucht wurde.
Ich rannte immer weiter, ziellos, bis ich eine Hütte mitten im Wald erblickte. Es war ein kleines Häuschen, aus dunklem Holz gefertigt und reichlich windschief, und obwohl es einen unscheinbaren Eindruck auf mich machte, war es in diesem Moment der einzige Zufluchtsort für mich.
Die kleinen Fenster des Holzhäuschens waren durch schwere, mottenzerfressene Gardinen vor neugierigen Blicken geschützt. Auf dem Dach hatte eine Vogelfamilie ihr Nest gebaut. Es wirkte verlassen und marode, ich konnte mir nicht vorstellen, dass in den letzten Jahren irgendwer dort gelebt haben könnte.
Rostige Nägel hielten die alte Hütte notdürftig zusammen. Ich übersah den blauen Stern mit den acht Zacken, der unscheinbar und von der Witterung fast unkenntlich gemacht über der Holztür prangte.
Ich riss mit der Kraft der Verzweiflung fast die Tür aus den Angeln, und ich hatte schließlich einen Moment gewonnen, in dem ich kurz ausruhen konnte. Dieser Moment währte nur eine knappe Sekunde lang. Bis ich endlich begriff, dass ich erwartet wurde…

Kapitel 2: Spiritus loci

Die beiden Männer waren schon einige Zeit still. Sie hatten sich eine Menge zu erzählen gehabt, aber sie hatten in den letzten Stunden auch genug Zeit dafür gehabt. Beide trugen die gleiche Kleidung, jeder war in eine weiße Robe gehüllt, die bis auf den Boden reichte. Beide hatten ein Abzeichen auf der Brust, einen achtzackigen, blauen Stern.
Der Kleinere hatte kurzgeschorene, Rote Haare und war ein breitschultriges Kraftpaket. Sein Gesicht glich dem einer Bulldogge, aber in seinen Zügen lag ein seltsamer Sanftmut, der gar nicht zu dem ersten Eindruck des Mannes zu passen Schien. Er hatte kleine, dunkle Augen, die er stets halb geschlossen hielt. Trotzdem lag in seinem Blick ein Wissen und eine Wachsamkeit, wie man sie selten aus den Augen eines so grobschlächtigen Mannes lesen konnte, und wenn man ihm direkt in die Augen schaute, würde man vermuten, dass der Feiste mit seinem Blick bis in die geheimsten Gedankengänge der Menschen schauen konnte. Auch wenn dieser Schein trog, war ein Fünkchen Wahrheit daran.
Sein gegenüber verhielt sich zu ihm wie das Licht zur Dunkelheit, es war ein hagerer Greis mit einem schmal geschnittenen Gesicht. Trotz seines Alters war sein Haar immer noch dunkel und dicht. Seine Brille, ein paar dünne Gläser, die die hellblauen Augen des Mannes wie kleine Lupen vergrößerten, saß ein wenig schief auf der großen Nase, die als markanter Zinken aus dem schmalen Gesicht hervorragte. Seine zahlreichen Falten waren überwiegend Lachfalten, und auf den ersten Blick wirkte er wie ein lustiger, alter Kauz. Erst beim zweiten Hinschauen erkannte man den Ernst, der in seinen Augen blitzte, und die offensichtliche Sorge.
Die beiden Männer standen sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand. Sie waren nur zwei von Tausenden, die das selbe Ziel verfolgten, aber ihre Gegner waren ihnen in Zahlendingen zehnfach überlegen. In ihrer Mission hatten die beiden Männer nicht nur versagt, sie hatten auch einen ihrer Mitstreiter verloren.
Der Ältere erinnerte sich an die Szenen vergangenen Monat in Chester-House, jenem verfluchten hochherrschaftlichen Anwesen, in dem ihr junger Freund, Lehrling und Mitstreiter Phil ums Leben gekommen war. Zusammen mit ihrer Hoffnung, eine Spur zum Schlüssel zu erreichen. Zum ersten von Fünfen. Doch nun war die Gegenseite am Zug, und die Bedrohung, die vor einem Monat Realität geworden war, war auch hier und heute noch allgegenwärtig.
Die zwei Gestalten, die mitten im Wald in einer Holzhütte saßen, suchten verzweifelt nach einem Ausweg. Cecil, der ältere der beiden Männer, hatte wochenlang die alten Schriften nach Hinweisen untersucht, aber die Pergamente gaben keine Auskunft über das weitere Fortschreiten ihres Auftrags. Wenn sich die Dinge nicht schleunigst änderten, dann würde der blaue Stern bald völlig von der Welt getilgt sein.
Und mit ihm alles Leben.
Sie hatten keine Angst vor dem Tod, der Tod war nichts Endgültiges und die zwei Männer hatten schon zu oft in den Schlund der Verdammnis geblickt, als dass sie sich vor so banalen Dingen wie der menschlichen Hölle fürchteten. Aber sie fürchteten das, was ihre Feinde für sie bereit hielten. Und sie konnten es nicht akzeptieren, so, wie es kommen würde. Cecil räusperte sich.
,,Jack, ich…“
Der Jüngere sah kurz auf, Cecils Worte ließen ihn aus seinen Gedanken aufschrecken. In diesem Moment riss jemand die Tür ein, und ein Mann, eher noch ein Junge von ungefähr zwanzig Jahren, trat ein. Seine braunen Haare klebten ihm schweißnass an der Stirn, sein Atem ging schnell und keuchend, und seine Augen, die einen ungewöhnlichen Grünton hatten, traten ein Stück weit hervor. Er trug eine ähnliche Kleidung wie die zwei Männer, sie war ebenfalls weiß und mit einem blauen, achtzackigen Stern bestickt. Jack und Cecil stockte der Atem.
Ich hatte nicht gewusst, was mich in der einsamen Hütte mitten in einem Wald, der sich an der Grenze zwischen dieser und einer anderen, fremden Welt befand, erwartete. Überdimensionierte Spinnenweben vielleicht, ein wildes Tier, dass sich die Hütte als Schlafplatz auserkoren hatte, oder ein gigantisches Monstrum, so gewaltig, dass es sich ducken müsste, um überhaupt in die Holzhütte hineinzupassen und bereit, mich mit rasiermesserscharfen , dolchartigen Klauen zu zermalmen und mich endgültig in das Reich ohne Wiederkehr zu schicken.
Eventuell auch der Sensenmann persönlich, ich malte mir in Gedanken schon aus, wie Gevatter Tod mir in fast freundschaftlichem Plauderton erklärte, dass ich doch bitte zu sterben hatte, schließlich war ich in einem brennenden Haus entweder erstickt, verbrannt oder von herunterfallenden Holzbrettern erschlagen worden. Ich wusste, dass es so sein musste, mein Gedächtnis gab mir wieder ein wenig mehr preis. Einige andere Informationen, vielleicht zu grausam, um sie zu begreifen oder verarbeiten zu können, blieben mir weiterhin vorenthalten. Aber das zählte nun alles nicht.
Ich wollte nur weg von dieser Kakofonie völlig fremder Laute, die sich in den letzten Minuten meiner Flucht zu einem ohrenbetäubenden Crescendo gesteigert hatten. Ich schlug die Tür des Holzhäuschens hinter mir zu, die Hütte erzitterte unter der Wucht der zufallenden Tür. Ich schaute mich im Raum um. Und blickte in zwei entgeisterte Augenpaare. Bekannte Augenpaare, auch wenn ich nicht wusste woher.
Es waren zwei Männer mit mir in der Holzhütte, und beide trugen weiße Kleidung wie ich auch. Und sie hatten das selbe, seltsame Emblem auf dieser Kleidung aufgenäht. Der Stern gab mir Rätsel auf, er wirkte auf mich wie eine versteckte Botschaft, die ich entschlüsseln musste.
Vielleicht lag in ihm ja der Schlüssel zu meinem Gedächtnis. Ich wusste nicht, wie ich den beiden Gestalten begegnen sollte. Zum einen waren sie mir fremd wie alles in der Welt und außerdem an einem völlig absurden Ort aufgetaucht, andererseits spürte ich, dass von diesen Männern keine Gefahr ausging. Ein unbestimmter, kleiner Teil meiner Erinnerung war durch ihren Anblick in mir frei gesetzt worden, ich spürte, dass diese Männer auf meiner Seite standen.
Was auch immer meine Seite war.
Plötzlich erschien mir auch meine Kleidung nicht mehr so fremd, sie schien die Zusammengehörigkeit zu symbolisieren, die mich mit den Zweien aus der Hütte verband. Eine Weile stand ich einfach nur so da.
Es herrschte vollkommene Stille. Es war nicht leise, es war vollkommen lautlos. Nicht das kleinste Geräusch war zu hören, und auch das unheilvolle Wimmern der Stimmen im Wald war verstummt. Trotzdem hämmerte der Lärm meines eigenen Herzschlags unerträglich laut in meinen Ohren, ein schrecklicher, wenn auch unhörbarer Lärm. Um die bedrückende Stille zu durchbrechen, sagte der Jüngere der beiden, ein kleines, kompaktes Kraftpaket, langsam und mit rauer Stimme:
,,Das kannich sein, kann das. Phil… Bissu das echt?“
Seine seltsame Aussprache öffnete einen weiteren kleinen Kasten meines verschlossenen Gedächtnisses. Jack, dieser Name war plötzlich da, und plötzlich war ich mir hundertprozentig sicher, dass diese zwei Männer nicht meine Feinde waren. Sie waren definitiv meine Verbündeten, vielleicht sogar gute Freunde.
,,Ich… Ich weiß nicht“, antwortete ich nach kurzem Zögern.
War ich Ich? Und wenn nicht, wer dann? Anscheinend war ich noch der selbe, der ich vor meiner langen, tiefen Bewusstlosigkeit war. Wobei ich glaubte, dass es mehr war als nur eine Bewusstlosigkeit.
,,Mein Gott, was ist denn passiert?“
Die Stimme des Älteren war fest und kräftig, viel zu jugendlich für sein Alter. Aber sie passte nur zu gut zu dieser paradoxen Person, die zwar unglaublich alt, aber doch gleichzeitig jung und gesund wirkte. ,,Ich… Ich weiß es nicht… Ich…“ Die Hütte schien sich um mich herum zu drehen.
Der alte Mann, den ich als Cecil erkannte (wer auch immer das sein mochte) war plötzlich zweimal da, der andere ebenso und plötzlich wurde alles schwarz und versank in einer dunklen, nicht enden wollenden Spirale, die das Licht verschlang und langsam auch mein Bewusstsein zurück in einen Schlaf riss, der nicht besonders tief war, aber immerhin reichte, um mir eine mittelgroße Beule zuzufügen, als ich auf dem harten Dielenboden der Hütte aufschlug.
Ich hörte ihre Stimmen wie durch Watte. Dumpf klang die Unterhaltung, die Cecil und Jack aufgeregt und laut führten, in meinen Ohren. Ich befand mich in jenem seltsamen Zustand zwischen schlafen und wachen, in dem man registriert, was in der näheren Umgebung geschieht, ohne darauf Einfluss nehmen zu können.
Ich verschwendete gar keine Energie damit, meinen erschöpften Körper dazu zu bewegen, aufzuwachen, sondern lauschte ihrem Gespräch.
,,Wenn ich es dir doch sage, er ist es. Er muss es sein. Ich spüre es überdeutlich.“
„ Kannich sein“, grunzte der Andere.
,,Wir hams doch gesehen. Is nich wieder rausgekommen, der Junge.“
,,Aber wurde er gefunden? Nein, wurde er nicht. Und ich kann dir sagen, warum. Irgendetwas hat ihn geschützt.“
,,Und was? Glaub kaum, dass ‚s so einfach is.“
,,Spiritus loci“, murmelte Cecil.
,,Meinste etwa…?“
,,Ja, ich meine. Chester-House war nicht irgendein Ort. Chester-House wohnte die selbe Energie inne, die man in Stonehenge spürt. Die in den Tempelgräbern Südamerikas wirkt. Spiritus loci. Chester House hat seine Magie benutzt, um…“
,,Versteh schon. Aber warum?“
,,Das, mein lieber Jack, wüsste ich nur zu gern. Aber ich denke, wir müssen auf die Antwort warten, bis er wieder aufwacht.“
Das tat ich in diesem Moment.

Kapitel 3: In puncto


Ich spürte einen seltsam bitteren Geschmack auf der Zunge. Langsam und unter großer Anstrengung stand ich auf, ein wenig orientierungslos zwar, aber immerhin schaffte ich es, mich gerade hinzustellen ohne hin und her zu schwanken. Das kostete mir mehr Kraft, als mir lieb war.
Ich fühlte mich ausgelaugt und seltsam leer, was ich zum einen auf mein leeres Gedächtnis zurückführte, zum anderen auf meinen desolaten körperlichen Zustand zurückführte. Zum ersten Mal wurde mir überhaupt bewusst, wie schlecht es mir ging.
Es grenzte schon an ein Wunder, dass ich überhaupt diese Hütte erreicht hatte, ohne erneut ins Koma zu fallen. Ich schaute kurz auf den Abreißkalender, der an der Wand hing.
Wenn er wirklich aktuell war und nicht das letzte Mal vor Monaten oder Jahren abgerissen wurde, war ich einen guten Monat einfach weg gewesen.
Ich war ein wenig überrascht, nach so langer Zeit überhaupt noch normal laufen zu können, überhaupt war für mich die Tatsache, dass ich nach dem Erwachen praktisch sofort wieder den Umständen entsprechend fit war, nicht logisch zu erklären. Es war, als wäre die Zeit für mich kaum vergangen, mir war zwar bewusst, dass ich eine halbe Ewigkeit zwischen Leben und Tod in der Schwebe gehangen hatte, gleichzeitig erschien es mir, als ob ich nur für Minuten von meiner gewohnten Welt getrennt war.
Aber sowohl mein Körper als auch mein Geist befanden sich in einem kaum zurechnungsfähigen Zustand, sodass mein durcheinandergewirbeltes Zeitempfinden nicht wirklich überraschend kam.
Ich hustete, die Luft in der Hütte war staubig und stickig und trug nicht wirklich zu meiner Genesung bei. Während ich mir einen freien Stuhl schnappte und mich zu den beiden Fremden – nein, es waren keine Fremden, ich kannte sie irgendwoher – setzte, gab mein Kopf weitere, bruchstückhafte Erinnerungen frei.
Ich erkannte den anderen Mann als Jack, ich erinnerte mich an ein riesiges Gebäude, das ebenfalls (wie sollte es anders sein?) von einem großen, blauen, achtzackigen Stern über dem Eingang geziert wurde, dann etwas anderes, Lichtblitze von erstaunlicher Kraft und Energie, zielgerichtet auf kleine, bewegliche Scheiben, offensichtlich mächtig, eine Waffe, und doch empfand ich keine Furcht, als die Erinnerung wie ein stummer Film in meinem Kopf ablief…
Ich verscheuchte die seltsamen Gedanken.
In meinem früheren Leben schien ich ein seltsamer Typ gewesen sein.
Was hieß hier früheres Leben, ich befand mich immer noch mittendrin!
Und das registrierten nun auch Cecil und Jack, die bisher beharrlich geschwiegen hatten. Mit einem Gesichtsausdruck, den ich als eine Mischung aus Wiedersehensfreude, Verwirrung und einem kleinen bisschen Furcht erkannte, fragte Jack:
,,Du, Phil, spinnich jetz… Oder tust du leben tun?“
Ich musste automatisch schmunzeln. Sein Dialekt war einfach nur komisch und passte nun gar nicht in diese seltsame Situation.
,,Ich denke, ich tue leben tun“, erwiderte ich mit ironischem Unterton.
Auf Jacks feistem Gesicht zeigte sich ein breites Grinsen.
,,Spiritus Loci, wie? Haste die Magie von Chester seinem Haus angezapft? Cleveres Kerlchen.“
Anscheinend hatte ich das getan. Ich wusste nun, dass ich in Chester-House fast umgekommen war, aber wie ich mich gerettet hatte, war mir schleierhaft. Ja, Magie schien das Stichwort zu sein.
Oder eher das Zauberwort.
Aber was hatte ich damit zu tun?
War ich… War ich etwa ein Magier?
,,Ich glaube, ich hab das irgendwie da raus geschafft“, mutmaßte ich.
,,Aber… Wie komme ich hierher? Wo bin ich?“
Ich konnte kaum rational denken, die Fragen, so sinnlos sie auch sein mochten, sprudelten einfach so aus mir heraus. Die sinnloseste hatte ich mir aber anscheinend für den Schluss aufgespart:
,,Wer bin ich?“
Jacks Miene war eine einzige Konfusion, während Cecil, bisher eher zurückhaltend, besorgt und mit geradezu akademischer Neugier irgendetwas mit mir tat.
Ich fühlte mich, als würde in meinem ohnehin angeschlagenen Geist herumgewühlt, als würden die Erinnerungen, die mir geblieben waren, noch einmal gründlich durchmischt, und aus heiterem Himmel stellte sich bei mir ein leichtes Schwindelgefühl ein. Cecils Gesicht hatte plötzlich einen geradezu unheimlich wissenden Ausdruck.
Täuschte ich mich, oder glühte der Stern an seinem Umhang für einen Augenblick auf, in dem Augenblick, in welchem mich auch das Schwindelgefühl ereilte?
Cecil rückte sich seine Brille zurecht, auf seiner Stirn erschienen kleine Schweißperlen, dann räusperte er sich und erklärte kurz:
,,Du hast dein Gedächtnis verloren.“
,,Hab ich nich“, nuschelte Jack.
,,Nicht du, Phil! So ist es doch, oder?“
Ich nickte instinktiv. ,,Was ist in meinem Leben bisher so passiert? Also, was habe ich getan, was war meine Aufgabe, und dieser Stern…“
Die acht Zacken schienen zu leben, mich ohne Augen oder andere Sehorgane anzustarren. Es war mehr als nur ein Erkennungszeichen.
Cecil seufzte.
,,Ich denke, in puncto Loge des blauen Sterns musst du wirklich einiges Wissen, sonst ist es für dich zu gefährlich, in der Welt dort draußen zu leben. Zu schwierig, zu überleben.“
Das meinte er mit vollem Ernst. Diesen Ernst legte er auch in die nachfolgenden Worte.
,,Du bist nicht einfach irgendein Mensch, der durch Glück und Zufall den Einsturz und den Brand eines altehrwürdigen Londoner Herrenhauses überlebt hat. Du bist dort auch nicht zufällig gewesen. Das Wort Zufall solltest du gar nicht kennen.“
Mit einem Mal war Cecil mir fast unsympathisch. Aber wahrscheinlich hatte er sogar recht.
,,Du bist ein Waise, Phil, wie jeder von uns. Und ein Bewahrer der Kraft, einer magischen Energie, die es Leuten wie dir und mir erlaubt, unglaubliche und unheimliche Dinge zu tun. Wir, Jack und ich, haben dich im Alter von 5 Jahren aus einem Waisenhaus in Liverpool geholt.
Und dich zu einem Mitglied der Loge des blauen Sterns gemacht, einem Orden, dem du seit damals angehörst und mit dem du für die Ziele eintrittst, die der Orden verfolgt, um die Menschheit vor der Bedrohung zu retten, die du als die Liga der Titanen kennst.
Oder kanntest.
Es sind schreckliche Wesen, Geschöpfe, die mit einer Macht und Zerstörungskraft ausgestattet sind, die Ihresgleichen sucht. Sie kamen auf die Erde, lange bevor die ersten Säugetiere auf dieser Erde lebten, und sie machten sich diese Welt untertan.
Es war nicht ihre erste eroberte Welt, sie hatten schon die Jahrmilliarden zuvor die unterschiedlichsten Planeten besetzt, aber auf der Erde gab es schon erste Spuren von Leben.
Die Titanen, später Vorbild für Sagen und Legenden der Menschen, die allesamt ein Fünkchen Wahrheit enthalten, haben das primitive Leben in den Urtiefen der Ozeanen versklavt, den Urtieren, so sinnlos es für uns auch scheinen mag, absichtlich ihren Willen aufgezwungen, allein, um Macht über diese Kreaturen urzeitlicher Ozeane zu haben.
Macht, Schmerzen, Hass – mehr können die Titanen nicht empfinden, sie wollen ersteres erlangen undletzteres verbreiten.
Allerdings griffen sie dadurch in eine Instanz ein, die solche Behandlung nicht duldet – sie griffen in die Schöpfung selbst ein, in den Kreislauf des Lebens, der durch das Wirken dieser gigantischen Nicht-Lebewesen gestört wurde.
Daher ließen Kreaturen, die das menschliche Auge nie gesehen hat und die sich mit der menschlichen Sprache nicht beschreiben lassen, einen wahren Hagel von Meteoriten auf die Erde niederprasseln, um die finsteren Götterwesen ein für alle mal zu vernichten.
Die Titanen jedoch ahnten die Gefahr, bevor sie sie erreicht hatte, und sie flohen zu einem Ort, wo es weder Raum noch Zeit gibt, wo die physikalischen Gesetze ihre Gültigkeit verlieren und von dem es kein Entkommen gibt. Sie lauern seit damals in diesem mystischen Korridor zwischen den Universen und warten auf ihre Rückkehr.
Die Liga der Titanen hat von dort zwar keine direkte Macht mehr, aber sie verpflanzt die dunkle Saat in die Menschen, und es gab immer und wird menschliche Individuen geben, die die fünf Schlüssel zu diesem Korridor suchen, die die Titanen auf der Erde hinterließen.
Der blaue Stern ist das Emblem der Zauberer von Swyrta, einem Geheimbund, der seit der Antike besteht und sich sämtliches Wissen über die Titanen angeeignet hat. Seit damals tobt ein stiller Kampf zwischen denen, die von den Titanen besessen sind, und der Loge des blauen Sterns.
Ausgerechnet jetzt neigt sich der Kampf dem Ende zu, da in letzter Zeit immer mehr Hinweise auf den Verbleib der Schlüssel aufgetaucht sind. Du wurdest also vom Orden aufgenommen und ausgebildet.
Du hast übrigens erstaunliches Talent… Nun gut, auf einer… Du würdest es eine Mission nennen, die wir zusammen letzten Monat durchgeführt hatten…“
Er suchte nach Worten, denn es war einfach unmöglich zu beschreiben.
,,Nun, bist du gestorben. Wenn man das so sagen kann, schließlich…“
,,Schließlich lebe ich.“
,,Genau. Ach, ich muss hier raus… Ich bin nicht mehr der Jüngste, und die ganze Aufregung in Kombination mit der schlechten Luft hier drinnen…“
,,Wir müssen sowieso wech“, raunte Jack.
Cecil nickte kurz. Ich stimmte ebenfalls zu, durch Cecils Vortrag öffneten sich immer mehr Kammern meiner Erinnerung, auch grausame Dinge, die mir fast den Verstand raubten, und alles auf einmal prasselte wie ein rauschender Wasserfall auf mich ein…
Ich hatte noch viele Fragen, aber erstmal hatte ich genug. Schließlich folgte ich Cecil und Jack nach draußen. Ich sog die frische Waldluft in meine Lungen.
Die ganze Umgebung wirkte auf einmal viel freundlicher, die Stimmen, die mich hierher gejagt hatten, waren verschwunden, und es schien alles etwas heller geworden zu sein. Mit einer seltsamen, neuen Lebensfreude ging ich über den nadelbedeckten Boden. Moment mal – war es nicht ein Laubwald gewesen, durch den ich vor einer knappen Stunde gerannt war?

Kapitel 4: Carpe diem!


Wir, Cecil, Jack und ich, waren in den letzten Minuten immer mehr vom gemütlichen Fußgängertempo zuerst in einen leichten Trab, schließlich in einen schnellen Lauf verfallen. Ich lief den Beiden einfach immer hinterher, ich wusste ja auch nicht, wo ich sonst hinsollte. Oder wo ich war und wie ich hierherkam, denn eines war mir klar geworden:
Der Wald, durch den ich gerade lief, hatte keine Ähnlichkeit mit dem, in dem ich erwacht war. Keuchend blickte ich nach vorne, wo die beiden Männer in ihren schneeweißen Roben durchs Unterholz hetzten. Warum sie es so eilig hatten, wusste ich eben so wenig. Ich hatte durch die kurze Geschichte meines Lebens und die Information über die Titanen einen kleinen Überblick darüber bekommen, womit ich es in meinem Leben bisher zu tun hatte.
Ich war nicht besonders erfreut darüber gewesen. Und außerdem hatten sich daraus gleich wieder neue Fragen ergeben.
Wenn ich nicht mehr wusste, was ich früher getan hatte und schließlich auch mein besonderes Talent, das Cecil erwähnt hatte, nicht bewusst einsetzen konnte, dann machte es für mich keinen Sinn, dass sie mich überhaupt darüber aufgeklärt hatten. Sie hatten mich einer Gefahr ausgesetzt, der ich nicht gewachsen war.
Und wenn sie mich sinnloserweise vor ihr beschützen wollten, dann doch wohl auch nur, weil sie sich davon irgendetwas erhofften. Gut, wir standen auf der selben Seite, aber sie sahen mir nicht so aus, als ob wir damals, vor den Ereignissen in Chester-House, überhaupt gut befreundet gewesen wären. Befreundet, ja, aber nicht besonders gut.
Meine Kräfte waren ohnehin nicht völlig in meinen Körper zurückgekehrt, aber dieser Hindernislauf über Baumwurzeln, Büsche und kleinere Tiere, über die ich manchmal springen musste. Ein wenig wunderte ich mich, dass Cecil das alles trotz seines Alters so locker ertragen konnte, aber Cecil war mir sowieso ein Rätsel in jeder Hinsicht.
Allmählich wurden die Schritte meiner Vorderleute langsamer. Ich wich einem dünnen Ast aus, der mir den Weg versperrte, spurtete die letzten paar Schritte und kam, erschöpft und erfreut, eine kurze Pause einlegen zu dürfen, zum stehen. Cecil und Jack hatten mich an den Rand eines kleines Dorfes geführt, das ich von meiner Position, auf einem kleinen, steil abfallenden Hügel stehend, leicht überblicken konnte.
Es war ein sehr kleiner Ort, eines dieser Dörfer, die groß genug waren, um als kleiner, brauner Fleck auf einer Landkarte aufzutauchen, aber klein genug, damit jeder jeden kannte. Ihm haftete dieser seltsame Flair an, die meine poetische Ader mit „ein wenig verträumt“, mein Verstand hätte es „ein wenig zurückgeblieben“ genannt.
Es war eines der Dörfer, in denen die Zeit seit hundert Jahren stillgestanden zu sein schien, ein Relikt aus einer Generation, der vielleicht meine Urgroßeltern angehört hatten. Meine urplötzlich zurückgekehrte Erfahrung mit dieser Art von Siedlungen sagte mir, dass die Bewohner solcher Dörfer für sich bleiben wollten und keine Fremden mochten.
Wahrscheinlich gab es in diesem Dorf kein noch so kleines Hotel, vielleicht nicht einmal ein Gasthaus. Trotzdem übermannte mich für einen Moment der Wunsch, hier einfach ein paar Tage zu bleiben und auszuruhen und wieder zu Kräften zu kommen. Aber irgendwie war mir nicht wohl bei diesem Gedanken.
Wie eine unsichtbare, große Spinne hockte eine unbestimmte Angst in meiner Seele, und die kleinen, windschiefen Häuser, zu einem erstaunlich großen Teil nur aus leichtem Holz gefertigt, wirkten auf mich plötzlich wie eine Herde lauernder Tiere, die ihr Opfer erwarteten. Logisch gedacht waren meine Befürchtungen Unsinn. Aber ich wusste einfach, dass in diesem Ort nicht alles mit Logik zu erklären war, vielleicht noch weniger als in dem Wald, der so plötzlich völlig verändert gewesen war.
Oder der See. Nein, der See war anders… Ich hatte wieder einmal Kopfschmerzen, diesmal aber, weil meine Gedanken in meinem Kopf munter Karussell fuhren.
Jack und Cecil schienen kurz vergessen zu haben, dass es mich gab. Die beiden Männer wechselten ein paar Worte, während ich registrierte, dass die Schatten, die die Häuser warfen, ein wenig zu finster waren, als dass sie zur Realität zählen konnten.
Allerdings konnte meine Phantasie oder das Dämmerlicht mir einen Streich gespielt haben.
,,Es sieht mir ein wenig zu ruhig aus…“, murmelte Cecil.
Er wirkte auf mich angestrengter als während des Laufens. Jack hatte einen ähnlichen Ausdruck der Erschöpfung und offensichtlich auch Bestürzung ausgesetzt.
,,Is glaub ich bessa, wenn wirs schnell machen tun.
“ Wäre die Situation nicht so bizarr, wäre es glatt komisch gewesen, wie sich die Beiden vor einem kleinen Dorf fürchteten. Aber irgendwie kam mir ihre Furcht schrecklich berechtigt vor.
,,Dann los.“ Cecil stieg den Hügel hinab, Jack folgte ihm und schließlich bildete ich die Nachhut. Langsam und bedächtig, als würden wir beobachtet, schlichen wir von einer Hauswand zur anderen. Ich warf manchmal verstohlene Blicke durch die Fensterscheiben, die wie durch ungeheure Kälte beschlagen waren.
Doch die Eisblumen beunruhigten mich nicht so sehr, wie das, was ich in den Räumen hinter den Fenstern sah. In keinem Haus befand sich auch nur eine Menschenseele.
Hätte ich nicht vom Hügel aus gesehen, dass sich auf den Straßen einige Menschen tummelten (von denen wir jedoch noch keinen einzigen gesehen hatten), hätte ich das Dorf glatt für unbewohnt erklärt. Obwohl ich irgendwie mehr spürte als nur die Anwesenheit von Menschen. Es gab noch etwas Anderes. Und ich hatte das ungute Gefühl, dass es uns feindlich gesonnen und der Grund für die Sorgen Cecils und Jacks war…
Wir liefen praktisch im Zickzack zwischen den Häuserreihen entlang. Unbemerkt und hakenschlagend hatten wir schon bald das Zentrum des Dorfes erreicht. Dort, auf einem wie mit dem Zirkel gezogenen Platz, in dessen Mittelpunkt ein großes Feuer brannte, das sich von aufgetürmten Reisigmassen ernährte, schein sich das ganze Dorf versammelt zu haben. Die Leute trugen Lumpen, die man kaum als ordentliche Kleidung bezeichnen konnte. Um das Feuer herum standen einige Gestalten, die sich von den übrigen abhoben.
Wie, konnte ich mit Worten nicht erklären, aber in ihren Augen, die ich aus einem Versteck hinter einer halb verfallenen Mauer, hinter der ebenfalls Cecil und Jack kauerten, beobachtete, schien ein anderes Feuer zu brennen, um ein Vielfaches gefährlich und verzehrender als das in der Mitte des kreisrunden Marktplatzes.
Die einfachen Leute, nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder, hatten sich mit Mistgabeln, rostigen Schwertern oder einfachen Holzlatten bewaffnet. Ich wusste, dass sie jemanden erwarteten. Und ich ahnte, wen.
Die Menge stimmte ein Lied an. Ich konnte die Worte nicht verstehen, ich wusste noch nicht einmal, ob die Silben, die sie aussprachen, überhaupt Worte waren.
Im flackernden Schein des riesigen Feuers erkannte ich die Gesichter der Dorfbewohner besser, mit Beginn des Singsangs hatten sich ihre Mienen seltsam verändert. Plötzlich war jede Menschlichkeit aus ihrem Blick gewichen, unwillentlich musste ich an Marionetten denken, deren Fäden aus Tönen bestanden. Plötzlich gab mir mein Gedächtnis eine weitere Information preis.
Aber keine, die aus der Zeit vor Chester-House stammte
. Ich hatte diese Stimmen schon einmal gehört. Im Wald, durch den ich zur Hütte geflohen war. Und ich war mir sicher, dass es die selben Stimmen waren.
Der Gesang wurde immer leiser, immer mehr Dorfbewohner verstummten. Schließlich waren nur noch die Personen, die direkt am Feuer standen, zu hören.
,,Jetzt“, flüsterte Cecil energisch.
Schnell trat er hinter der niedrigen Mauer hervor und lief, scheinbar unbemerkt von sämtlichen herumstehenden Dörflern, einfach über den Marktplatz, wobei er darauf achtete, einen großen Bogen um das Feuer zu machen.
Was auch immer das hier für eine Beschwörung werden sollte, anscheinend hatte sie die Menschen hier für ein paar Augenblicke in eine Art Trance versetzt, und das nutzten nun auch Jack und ich aus. So schnell unsere Füße uns trugen liefen wir im Slalom zwischen den Dorfbewohnern hindurch.
Die Worte der um das Feuer stehenden Männer gewannen plötzlich an Lautstärke, und auf schwer zu beschreibende Art auch an Intensität. Während mir vorher nur ein kalter Schauer über den Rücken lief, hatte ich bei jeder Silbe mehr das Gefühl, als würde ich von innen heraus gefrieren. Wir hatten den Platz schon fast vollständig überquert, als der Gesang urplötzlich verstummte.
Und damit wich auch der seltsam entrückte Ausdruck von den Gesichtern der Dorfbewohner. Dsetzten sich in Bewegung, hoben ihre improvisierten Waffen – und rannten auf uns zu! Uns blieb keine Zeit, einen Ausgang zu suchen, denn wir waren von wirklich jeder Seite umstellt.
Einer der Männer, die um das Feuer herum standen, rief: ,,Werft sie ins Feuer.“
Seine stimme klang hart und schneidend, vollkommen gefühlslos und seltsam kalt. Und sie hatte nichts Menschliches an sich. Die ersten Männer hatten uns erreicht.
Auf einem kleinen, freien Fleck zusammengedrängt, sahen wir uns nun einer Übermacht von vielleicht 200 Menschen gegenüber, die dazu noch bewaffnet waren. Ich wusste nicht genau, wodurch ich nach dem Inferno von Chester-House noch lebte, aber mir war bewusst, dass mein zweites Leben um einiges kürzer sein würde als das erste. Weder Cecil und Jack sprachen ein Wort. Beide standen stocksteif und wie unter riesiger Anspannung da und ihre Münder formten Worte, ohne dass ein Laut über ihre Lippen kam.
Irgendwie erinnerten sie mich jetzt fast an die Männer, die während des Gesanges scheinbar von der Realität völlig abgekapselt waren. Ich wusste nicht, was sie da machten, aber ich hoffte, dass sie es schnell genug taten. Der erste der Männer hatte seine Mistgabel schon aus gestreckt, die rostige Forke berührte traf mich hart am Oberkörper.
Oder besser, den Stern, der auf meinem Oberteil festgenäht worden war… Ich spürte den Schmerz, der dem Mistgabelangriff folgen sollte, kein bisschen. Aber ich spürte das ungeheure Licht, das aus ihm zu schießen schien, und die Wucht, mit der die Angreifer um uns herum zurückprallten. Der Stern hatte mir nun den letzten Beweis erbracht, dass er weitaus mehr als nur ein Symbol war.
Er wirkte auf mich lebendiger als die meisten Menschen in diesem Dorf.
Aber das trügerische Gefühl der Sicherheit kam zu früh: Die nächste Reihe bewaffneter Dorfbewohner befand sich auf dem Vormarsch.
Sie erreichte uns nie.
Denn plötzlich wurde ich von einer unsichtbaren Macht nach hinten gesogen, ich fiel, aber ich kam nicht auf dem Boden auf, ich fiel viel mehr in einen reißenden Strudel aus Licht und Farben, der mich selbst durch meine geschlossenen Lider blendete. Alles um mich herum schien verzerrt und drehte sich in sich selbst, das Geräusch meines eigenen Herzschlages ertönte von überall und nirgends und tausendmal lauter als normal, und plötzlich war es vorbei.
Wir befanden uns nicht mehr auf dem Marktplatz.
Wir waren noch nicht einmal im selben Dorf.
Vor mir ragte eine große, aus indigofarbenen Steinen gefertigte Burg in die Höhe. Das beeindruckende, reichlich verzierte, zweiflügelige Tor, das uns den Weg hinein versperrte, wurde von einem gemalten, achtzackigen, blauen Stern verschönert.
Und ich wusste, wo ich war.
,,Morgen werden wir dir zeigen, was es mit der Loge auf sich hat“, eröffnete mir Cecil.
,,Wir haben nicht viel mehr als diesen Tag Zeit. Carpe diem. Nutze den Tag.“
Seine weiteren Worte hörte ich gar nicht mehr, als ich schließlich vor Erschöpfung in einen ruhigen, seligen Schlaf glitt…

Kapitel 5: Fons et origo


Ich schaute mich um. Ich schwebte mitten in der Luft, genauer gesagt befand ich mich jenseits des Bodens, denn Luft war hier nirgendwo.
Hier war überhaupt nichts, was man in dem Universum, in dem ich nun schon zum zweiten Mal lebte, finden konnte. Ich sah einen Berg aus glänzendem, grauem Stein, zackig, irgendwie kühl wirkend und – auf dem Kopf.
Über mir erstreckte sich eine Fläche dunkelgrüner Grashalme, die den Berg umgab und auf der einige Tiere, robuste, kompakt gebaute Wildponys, ein Hirsch und unzählige Nagetiere, eine schön grüne Mahlzeit zu sich nahmen.
Hie und da ragten kleinere Felsen, in etwa doppelt mannshoch, aus der Decke oder dem Boden, wie man es auch nennen wollte.
Denn wenn es in diesem Traum, was es ja zweifelsohne war, überhaupt so etwas wie Schwerkraft oder Naturgesetze gab, dann wirkten diese von dort, wo sich ein azurblauer Himmel und eine gleißend helle Mittagssonne befanden.
Also – von unten.
Fast noch Merkwürdiger als diese Tatsache war aber, dass der Berg irgendwie nicht wie ein wirklicher Berg im eigentlichen Sinne wirkte.
Zum einen war der Berg der einzige weit und breit, ringsherum erstreckte sich ein flaches, weites Tal, das irgendwann in einem Wäldchen mündete, und auf der anderen Seite konnte man vom Berg aus das Meer sehen, auch wenn es in einem Traum nicht möglich war, hörte ich den Wellengang und schmeckte das Salz auf der Zunge.
Was mich aber noch mehr beunruhigte, war die Tatsache, dass der Berg eine exakte geometrische Pyramide darstellte. Was immer dieser Berg auch war, er war auf jeden Fall nicht auf natürliche Art und Weise entstanden.
Und langsam kam mir das Gefühl, dass auch Menschen hier nicht am Werk gewesen sein konnten… Und ein weiterer Blick in den Himmel bestätigte mich.
Obwohl die Sonne schien und es mitten am Tag war, leuchteten deutlich erkennbar acht Sterne in einem eigentümlichen blauen Licht am Firmament.
Und diese Sterne waren in einem ganz bestimmten Muster arrangiert…

Die Kreatur bewegte sich.
Sie hatte sich lange nicht mehr bewegt, vielleicht Wochen nicht, vielleicht Jahre nicht, vielleicht war sie auch in einen Jahrzehnte währenden Schlaf gefallen.
Es konnten jedoch genauso gut Millennien vergangen sein.
Das Zeitempfinden des Wesens dachte nicht in den Zeiträumen der Menschen. Eine Epoche war ein Augenblick, eine Sekunde eine Ewigkeit.
Die stechenden, bannenden Augen der Kreatur öffneten sich langsam, während der massige Leib sich auf alle 4 Pfoten, die eigentlich kopfgroße Pranken waren, erhob.
Durch wenige Ritzen im Fels fiel etwas Sonnenlicht. Um die Kreatur herum war nichts als Fels, graue, rissige, aber dennoch massive Blöcke.
Es war ein Ort der Ruhe und des Schutzes, aber gleichzeitig war es auch ein steinernes Gefängnis, aus dem es selbst für ein so gewaltiges Geschöpf wie die Kreatur es war keinen Ausweg gab. Das lag weniger am Gestein, das hier allgegenwärtig war, als vielmehr an dem magischen Schutzsystem, das niemanden in den Berg hinein ließ.
Aber auch nichts hinaus.
Die Bestie trabte unruhig hin und her. Sie spürte instinktiv, dass sie bald schon hinaus konnte.
Eine Magie war im Kommen, die stärker war als ihre eigene, machtvoller noch als die des Berges selbst. Eine Magie, die aus der Quelle und dem Ursprung des Lebens selbst kam.
Doch bis dahin hieß es warten.
Knurrend ließ sich die Bestie in einen unruhigen Halbschlaf zurücksinken.
Bald, sehr bald…


Ich hatte wieder einmal meine Erinnerungen verloren. Nicht das ganze Gedächtnis, aber zumindest die Details meines Traums, der mir die Schweißperlen auf die Stirn getrieben hatte.
Das Gefühl körper- und namenloser Bedrohung, einzelne Bilder, die ich nicht klar vor meinem inneren Auge fassen konnte und die immer wieder verschwammen…
Ich machte mir gar nicht mehr die Mühe, begreifen zu wollen. Irgendwann würde ich es, und wenn nicht, war es immer noch besser, als an diesen Unmöglichkeiten, die mein Leben prägten, zu zerbrechen.
Cecil und Jack waren nicht da, und ich war auch nicht mehr vor dem riesigen, burgähnlichen Gebäude, sondern offensichtlich mittendrin. Ich befand mich in einem Raum, der eine seltsame Mischung aus Bibliothek, Kuriositätenkabinett und Schlafzimmer darstellte.
Ich war in einem Bett aufgewacht, dass man ohne zu übertreiben als puren Luxus bezeichnen konnte. Trotz der frostigen Temperaturen, die nachts in alten Gemäuern wie diesem hier herrschten, war mein kein bisschen kalt, was vielleicht an der Unzahl samtüberzogener Kopfkissen lag, die sich in meinem 5-Quadratmeter-Bett tummelten.
Der Schlafbereich war klar abgetrennt, er war nämlich das einzige Fleckchen des Raumes, welches nicht mit Regalen zugestellt war. Die ersten Regale waren noch halbwegs normal gefüllt.
Es waren hauptsächlich Bücher, allerdings uralte. Einige waren wahrscheinlich noch auf Pergament, Papyrus oder anderen antiken Materialien verfasst worden.
Und tatsächlich, schon bald hatte ich die ersten Schriftrollen gefunden, halb zerfallenes, faseriges Papier, auf dem Runen standen, die ich nicht entziffern konnte. Einige gegerbte Tierhäute, auf denen in hebräischer Schrift etwas eingeritzt war, dann wieder neuere Schriftstücke, in bestem Englisch verfasst.
Altgriechische Literatur, unendlich viele lateinische Texte und immer wieder Sprachen, die selbst in meinem immer vollständiger werdenden Gedächtnis nicht enthalten waren.
Die Titel, die ich entziffern konnte, gaben Aufschluss darüber, womit ich es hier zu tun hatte:
Es handelte sich um magische Schriften, Zauberbücher und solche über Wesen, die es auf dieser Welt nicht geben sollte.
Ich war mir sicher, dass mein Leben nicht nur etwas mysteriös gewesen war.
Ich war wohl so ziemlich der unnormalste Mensch der Welt gewesen, wenn ich mit solchen Dingen zu tun hatte.

Der Inhalt der nächsten Regale war jedoch einfach nur abstoßend: In faust- bis kopfgroßen Einmachgläsern waren Dinge, die mir den Magen umdrehten. Hätte ich nicht so lange nichts ordentliches mehr gegessen, wer weiß, was dann passiert wäre. So allerdings war mir nur übel, ich ging schnell zum offenen Fenster, um frische Luft zu schnappen.
Von dort aus konnte ich den gesamten Vorhof der Burg sehen, ein richtiger kleiner Park mit sorgfältig gestutzten Zierbüschen und einem kleinen Springbrunnen, aus dem stetig klares Wasser sprudelte, das in einem Bach den ganzen Garten entlangfloss und von oben betrachtet den Garten in viele unterschiedlich große Teile teilte, da der Bach mehr als einmal abzweigte.
Als ich den Anblick des offensichtlich lebendigen doppelköpfigen Eichhörnchens, das in der öligen Flüssigkeit des Einmachglases herumschwamm, einigermaßen überwunden hatte, widmete ich mich einem besonders dicken Buch, das mir sofort ins Auge gefallen war.
Auf dem Einband stand in schnörkeligen, verzierten Lettern das Wort TITANON geschrieben.
Das Buch fühlte sich angenehm kühl an. Von ihm ging eine eigene, eigentümlich, fluoreszierende Leuchtkraft aus, die es leicht mit der des Kronleuchters über mir aufnehmen konnte. Der Drang, in dem Buch zu lesen, wurde immer stärker. Jetzt gab es nur noch mich und das Buch.
Ich wusste, ich würde etwas wichtiges versäumen, wenn ich es nicht auf der Stelle aufschlug. Irgendetwas in mir warnte mich davor, es zu tun, aber ich ignorierte die Stimme aus dem Inneren.
Ich hatte die Hand schon angesetzt, das Buch aufzuschlagen, als mir eine andere Hand den Arm verrenkte:
,,Rühr das nicht an“, zischte jemand.
,,Oder du bist tot. Und das wäre nicht mein Verdienst.“


Kapitel 6: Magister

Der unsichtbare Schleier, der meinen Geist vor der Wirklichkeit verschloss, zerriss in demselben Moment, in dem das Echo der rettenden Stimme verklungen war.
Schnell nahm ich meine Hand vom Buchdeckel, dort, wo ich den ledernen Einband berührt hatte, waren meine Finger rot und wund und irgendwie roch es verbrannt.
Plötzlich war das Buch wieder nur ein Buch, die magische Anziehungskraft, die es noch eben auf mich ausgeübt hatte, war verflogen.
Schweißperlen hatten sich auf meiner Stirn gebildet. War es schon die ganze Zeit so heiß gewesen?
Ich hatte das Gefühl, zu verbrühen, langsam nur schien es kühler zu werden. Eisiger Nachtwind wehte durch das Fenster zu mir herein, langsam spürte ich ihn wieder.
Einzelne Bilder aus meinem Traum und aus… Bilder aus etwas Anderem flackerten blass und unscharf vor meinem inneren Auge auf.
Sterne, die mitten am Tag leuchteten…
Acht Sterne…
Das Bild war schneller verflogen, als es gekommen war, und plötzlich war ich wieder in dem Zimmer, der nicht mehr als ein Raum war, wenngleich er einige seltsame Mysterien zu bergen schien.
Die Realität hatte mich eingeholt. Es war nachts, es war kalt, vor mir das Bücherregal, mein Arm tat weh, und der Grund stand hinter mir…
Ich drehte mich um.
Ich hatte erwartet, einem breitschultrigen Hünen von der Statur eines ausgewachsenen Bären hinter mir zu haben. Zumindest hatte mir mein halb ausgekugelter Arm so etwas in der Art geflüstert.
Dementsprechend überrascht war ich, als ich mich umdrehte und einen kleinen, dürren Mann sah, der nun meinen Arm losließ und mich durch eine Brille, die der Cecils ähnelte, beäugte.
„Kein Zweifel, er ist es…“
Er hatte eine hohe, geradezu schrille Stimme, die zu seiner schmächtigen Statur passte.
Ein schmaler, heller Haarkranz war alles, was ihm noch an Frisur geblieben war.
Im Gegensatz zu mir, Cecil und Jack, die direkt hinter diesem merkwürdigen Männlein standen, trug er kein weißes Oberteil, sondern etwas, das eher wie ein Kartoffelsack mit Ärmeln aussah.
Allerdings war der Stoff viel feiner und an manchen Stellen mit funkelnden Edelsteinen besetzt.
Eins war jedoch genau so wie bei den weißen Umhängen, Roben und Pullovern:
Der achtzackige, blaue Stern, der wie ein eigentümliches, eigenartiges und eigenständiges Lebewesen auf der Brust dieses Mannes hockte.
„So, da ist unser lieber Phil doch tatsächlich wieder unter den Lebenden…“ Seine Stimme war nicht nur schrill, sie war auch ein klarer Beweis, dass der Typ ein Rad ab hatte. So sprach kein normaler Mensch.

Trotzdem war er mir nicht unsympathisch. Das lag wahrscheinlich daran, dass sich gerade ein Teil meiner Erinnerung den Weg zurück freiboxte…
Gab es überhaupt eine einzige illustre Gestalt auf der Welt und darunter, die ich nicht persönlich gekannt hatte?
„Na, wenn das so ist, dann würde ich mal sagen, das muss gefeiert werden…“
Inzwischen war ich zu meiner riesigen Schlafstätte zurückgekehrt. Auch Cecil und Jack saßen dort bereits.
„Wo hab ich denn…“ Der kleine Mann durchsuchte die Regale nach irgendwas.
Er stand schon auf den Zehenspitzen, kam jedoch trotzdem nicht an die obersten Regalfächer.
„Hier muss doch irgendwo… Aah, da haben wir es ja. Nein, das ist es nicht, dass ist Eichhornkonservierer… Da haben wir ihn ja.“
Er nahm eine Flasche, die fast so groß war wie er selbst, aus einem Regal; dazu drei Gläser, von denen er zwei in der freien Hand hielt und eins auf dem Kopf balancierte. Mit mehr Glück als Verstand legte er die wenigen Meter zum Bett zurück.
„Setzt euch doch… Ach, ihr sitzt ja schon.“ Er entkorkte die Flasche, heller Schaum sprudelte heraus.
„Mir tun die armen Gnome leid, die das nachher wieder wegwischen müssen… Tehehe.“ Er schenkte sich selbst, Cecil und Jack ein wenig von der Flüssigkeit ein.
„Hätte ich noch Apfelsaft, mein lieber Phil, hättest du jetzt mit uns anstoßen können, aber wir wollen ja nicht, dass du dir deine restlichen Erinnerungen wegsäufst… Das hier ist ein Champagner aus dem Jahre 1864, ein ganz edler Tropfen… Cheers, Ladies, nastrovje und so weiter.“
Er kippte den Inhalt seines Glases aus dem Fenster und trank direkt aus der Flasche.
„Hab ich mich eigentlich schon vorgestellt?“
„Nein, haben sie nicht.“
„Du magst wohl immer noch keine rhetorischen Fragen, was? Dann lass es mich anders formulieren. Ich bin Rupert Huddlestine, leitender Magister a.D. der Logenakademie… Und inzwischen Schlüsselsucher Nummer 1, beziehungsweise koordiniere ich das Ganze hier.“
„Okay…“
Ich wusste nicht genau, was ich von ihm halten sollte. Und ich wusste immer noch nicht, was es mit dem Buch auf sich hatte.
Und eigentlich schuldete dieser seltsame Rupert Huddlestine mir noch tausende Antworten.
Aber das war ihm offensichtlich egal, nun suchte er erstmal das Gespräch mit den anderen beiden.
„So, Cecilchen, Jacky, es geht also gleich los? Ihr habt das Portal hier?“
„Genau, haben wir“, bestätigte Cecil.
„Ihr habts wohl heute mit den rhetorischen Fragen, wie!? Naja, wie auch immer. Wir wissen jetzt, wo sich einer der Schlüssel befindet, und wir wissen, wie wir dort hinkommen. Und mit wir meine ich euch.“
„Also, wir wären dann bereit.“ Jack konnte tatsächlich deutliche und korrekte Sätze sprechen, wenn er wollte.
Inzwischen versuchte ich, in meinem Kopf die Informationen zu verknüpfen. Offensichtlich ging es darum, dass wir einen Schlüssel zu diesen Titanen, oder wie sie hießen, geortet hatten.
Da ich immer noch zum Trupp von Cecil und Jack gehörte, hieß das für mich, dass ich nicht lange meine Ruhe haben würde…
Aber irgendetwas in mir sagte mir, dass ich nie wieder meine Ruhe haben würde, wenn ich nicht mitkäme.
„Also, die Sachen sind gepackt, die Schuhe sind geputzt, alles ist bereit… Wer kümmert sich um den da?“ Huddlestine deutete auf mich.
„Komm ich denn nicht mit?“
„Siehst du etwa so aus? Du hast dein Gedächtnis verloren, du bist arbeitsunfähig, Kleiner. Du willst doch nicht ein zweites Mal sterben, oder?“
Das wollte ich nicht.
Und ich ahnte, dass die Reise, wohin auch immer sie gehen mochte, verdammt noch mal lebensgefährlich sein würde.
Aber das war mir egal. Was sollte mein neues Leben, wenn ich es nicht nutzen konnte?
„Ich komme mit. Egal was ihr sagt, ich bleibe auf keinen Fall hier. Vielleicht geht es mir nicht gut, ganz sicher sogar. Aber wie soll es mir wieder besser gehen, wenn ich nicht die Möglichkeit habe, weiter zu leben wie bisher? Ich werde versuchen, nützlich zu sein und mich nicht in Gefahr zu begeben. Aber ich komme mit.“
„Keine Chance, Phililein… Ich trage hier die Verantwortung, und die kann ich für dich beim besten Willen nicht übernehmen! Nach der Nummer in Chester-House stand ich ja schon kurz vorm Rauswurf, und ich wohne eigentlich gerne in Häusern, in denen das Prickelwasser so gut ist.“
„Ich übernehme die Verantwortung für Phil, Rupert.“
Cecil hatte sich zu Wort gemeldet.
„Wenn ihm etwas passiert, trage ich die Konsequenzen. Ich kenne Phil gut genug, um zu wissen, dass er bei solch wichtigen Missionen unverzichtbar ist – ob mit oder ohne Erinnerung.“
„Gut, dann bin ich ja fein raus. Jack, Cecil, Junge mitohne Erinnerung – es wird Zeit. Das Portal funktioniert nur vor Sonnenaufgang. Also folgt mir.“
Er führte uns durch die Regalreihen, anscheinend kannte er diese schmalen Gänge wie seine Westentasche.
Jeder andere Mensch hätte sich hier drin verlaufen.

Er gab jedem von uns einen kleinen, aber schweren Rucksack.
„Da ist alles drin, was ihr braucht.“
Er zog einen staubigen, grauen Vorhang von einem Gebilde herunter, dass sich als Spiegel entpuppte.
Ich wollte, wahrscheinlich aus angeborener Neugierde, die spiegelnde Fläche berühren. Huddlestine gab mir einen Klaps auf die Finger.
„Immer alles gleich anfassen, was? Pass auf.“
Er nahm ein Glas mit einem doppelköpfigen Eichhörnchen, warf es in Richtung Spiegel – und hindurch.
„Wahrscheinlich wärst du irgendwo überm Ozean wieder herausgekommen“, analysierte er trocken.
Dann berührte er selbst den Spiegel, verschwand aber nicht, sondern murmelte ein paar Worte und trat zurück.
„So, Cecil zuerst… Dann Jack, altes Haus, lauf schon durch…“
Beide verschwanden wortlos im Spiegel.
„So, Phil. Viel Spaß und viel Glück in den Ebenen von Swyrta. Du wirst es brauchen.“
Er schubste mich in den Spiegel – und ich fiel.
Und fiel.
Und fiel.
Und ich hörte aus weiter Ferne das Grollen einer Bestie…

Kapitel 7: Barbaricum


Grauer Nebel waberte vor meinen Augen. Ich fiel nicht mehr. Überall spürte ich dünne Halme, die mich kitzelten. Grashalme, schon wieder. Ein wenig fühlte ich mich an mein erstes Erwachen nach dem Vorfall in Chester House erinnert. War das alles nur ein Traum? Gab es womöglich nichts von dem, was ich bisher erlebt hatte, wirklich?
„Sach ma, Cecil, schläft der Kleene noch!?“
Jacks Stimme raubte mir meine Hoffnungen. Ich war also doch Phil, der Junge, der seine Erinnerungen an ein schreckliches Leben voller schwarzer Magie und Grausamkeiten verloren hatte, aber immer noch im selben Gestalt gewordenen Albtraum lebte.
Immer noch lebte.
Der Sturz durch den Spiegel hätte mir alle Knochen brechen müssen, denn auch wenn das Gras der Wiese hier den Sturz ein winziges bisschen gedämpft hätte, kein Mensch konnte einen solchen Sturz überleben.
War ich überhaupt ein Mensch? Normale Menschen fallen nicht durch Spiegel auf irgendwelche Wiesen. Normale Menschen trugen auch keine weißen Kleider mit achtzackigen blauen Sternen darauf, die mehr Lebewesen als Stickerei waren und mich jedes Mal, wenn ich einen von ihnen ansah, spürte ich die unheimliche Kraft, die diese Sterne ausstrahlten.
Der Nebel vor meinen Augen löste sich langsam auf. Ich sah einen strahlend blauen Himmel, an dem nur einige fluffige Schäfchenwolken die Sonne verdeckten. Vor kurzem musste es geregnet haben, denn das Gras, auf dem ich lag, war noch nass und der Boden durchgeweicht. Aber… Nein, ich musste mich getäuscht haben. Dort waren keine Sterne am Himmel. Meine Fantasie hatte mir wohl einen Streich gespielt, denn im nächsten Moment war alles wieder normal.
Langsam, wie in Zeitlupe, stand ich auf. Ich hatte den Ort, an dem ich war, noch nie gesehen. Nur wenige Meter von mir entfernt verwandelte sich die Wiese in grobkörnigen Sand, exotisch anmutende Muscheln und Seetang pflasterten den Weg. Langsam, aber stetig spülten die Wellen weitere kleine Muscheln an und nahmen ebenso viele mit, wenn sie sich wieder zurückzogen. Bis zum Horizont war kein Schiff zu sehen, nur ein paar Möwen kreisten ufernah.
„Er is auf“, erkannte Jack.
Ich musterte meine beiden Begleiter. Wenn ich ehrlich bin, wusste ich nichts über sie, und irgendwie wurde mir immer klarer, dass ich auch vor meiner Amnesie nicht viel über sie gewusst haben musste. Aber sie waren die einzigen Freunde, die ich in dieser fremden Welt hatte, und ich musste zusehen, dass ich meine Erinnerungen an die zwei möglichst bald zurückerlangte. Oder… sollte ich sie jetzt hier zurücklassen? Die beiden und mit ihnen mein altes Leben, dieses Leben, von dem ich nur wusste, dass es ganz und gar nicht normal und äußerst beunruhigend war?
Selbst wenn ich gewollt hätte, ich konnte nicht. Mein Gewissen legte sich wie eine unsichtbare Fessel um meine Beine und verhinderte eine Flucht. Ich hatte ein zweites Leben geschenkt bekommen. Ich sollte es nutzen, um eine sinnvolle Aufgabe zu übernehmen. Und anscheinend spielte ich eine Schlüsselrolle in irgendeinem unheimlichen Kampf zwischen dem Guten und Bösen. Aber wie erkannte ich meine Feinde, wie meine Freunde? Und wo verschwammen die Grenzen zwischen meiner Seite und der des Feindes…
Ich bekam schreckliche Kopfschmerzen. Auch einem geistig sortierten Menschen wären solche Gedanken auf Dauer nicht bekommen, aber in meiner Situation, verwirrt und ohne Gedächtnis, verstärkte sich dieser Effekt noch.
„So, Phil.“ Cecil rückte seine schmale Brille zurecht. „Willkommen in Swyrta.“
Ich hatte mir den Ort anders vorgestellt. Wieder einmal überkamen mich einige Erinnerungen an damals, und ich war mir sicher, noch nie hier gewesen zu sein. Allerdings war mir Swyrta ein Begriff. Hier, oder zumindest hier in der Nähe, hatten die Zauberer von Swyrta gelebt, und eine schwache magische Aura schwebte noch immer über diesem Ort. Ich wusste nicht, woher ich dieses Wissen nahm, aber es war so, wie ich sagte. Ich schaute mich um. Dem Meer gegenüber lag dichter Wald. Jack war bereits im dichten Strauchwerk verschwunden. Cecil war zu mir heran getreten, in seinem Gesicht spiegelte sich eine Mischung aus Entschlossenheit, Sorge und… Ja, es war Furcht, die ich in seinem Blick las.
„Ich will, dass du eins weißt, Phil“, flüsterte er. „Dieser Ort befindet sich zwar auf unserer Welt. Aber hier herrschen andere Gesetze. In diesem Wald wirst du Dinge sehen… Trugbilder von gigantischen Spinnen und Käfern, eingebildete Drachen und wilde Tiere, Schlangen, die urplötzlich auf deinen Schultern liegen und versuchen, dich zu erwürgen. Achte nicht auf sie. In Fjurtor ist nichts wirklich Wirklichkeit.“
Fjurtor. Der Name sagte mir nichts, aber ich wusste, dass er das meinte, was so tat, als wäre es ein Wald. Ich schluckte. Die Bäume sahen genau so aus, wie sie aussehen sollten, und doch war etwas an ihnen nicht richtig. Ohne Cecils Warnung wäre es mir dort wahrscheinlich schlimm ergangen… Ich folgte Cecil ins Gebüsch, wo wir auch auf Jack trafen. Der Stern auf seiner Kleidung war hier irgendwie matter als draußen. Allerdings konnte das auch nur daran liegen, dass nur wenig Licht durch die Baumkronen bis an den Boden gelangen konnte. Anfangs kamen wir zügig voran. Das eine oder andere Mal verhakten sich meine Füße an einer moosbewachsenen Wurzel, die vorwitzig aus dem Waldboden hervorlugte. Plötzlich hörte ich ein Zischen. Ein längliches, schwarzgelbes Tier huschte meinen Oberarm hoch…
Es konnte gar nicht da sein.
Und es war auch nicht da.
Die Echse, oder was auch immer der Wald mir vorgegaukelt hatte, hatte sich von einem Moment zum anderen praktisch in Luft aufgelöst.
Es fing also an. Ich hörte Stimmen, einen stetig auf- und abschwellenden Singsang, der von überall zugleich und irgendwie auch aus mir selbst heraus zu kommen schien. Ich konzentrierte mich, und sofort verstummten die Stimmen. Der Stern auf meinem Pullover glomm kurz auf. Der Wald hatte zwar einiges an schwarzer Magie zu bieten, diese war allerdings viel zu schwach, um mir irgendetwas anhaben zu können. Hinter mir zerbrach ein Stock. Ich drehte mich um...
Und sah eine große, breitschultrige Gestalt hinter mir stehen. Sie war in ein violettes, bis auf den Boden reichendes Gewand gehüllt, hatte einen brutalen Ausdruck im Gesicht und ein trübes linkes Auge. Vor allem aber hielt sie einen dicken Ast in der Hand, der anscheinend einen Knüppel darstellen sollte. Ich schaute zu Cecil und Jack. Sie hatten das seltsame Trugbild auch gesehen, und anscheinend sendete der Wald gerne Sinnestäuschungen dieser Art aus, denn auch meinen Begleitern näherten sich ähnliche Gestalten. Ich konzentrierte mich und stieß mit der rechten Hand durch den nur scheinbaren Körper hindurch.
Zumindest wollte ich es.
Allerdings traf meine Hand auf Widerstand.
Ich fing an zu schreien, doch schnell traf mich der Ast am Kopf und meine Stimme erstarb.

Die Bestie jaulte auf. Das tat sie schon seit einiger Zeit und in regelmäßigen Abständen, denn wieder hatten sich neue Risse in der Felswand ergeben, die die monströse Kreatur sichtlich erfreuten. Die Magie, die sie seit so langer Zeit in diesem Berg gefangen hielt, wurde langsam aber sicher schwächer. Es konnte sich nur noch um wenige Tage handeln, bis von diesem Berg nur noch ein Häufchen Asche übrig geblieben war.
Das katzenartige Monstrum legte sich noch einmal schlafen. Knurrend sondierten seine Gedanken die Umgebung. Da waren Eindringlinge in seinem Wald.
Aber man kümmerte sich um diese.
Die Augenlider der Bestie fielen zu.


Fortsetzung folgt ...
Zuletzt geändert von ShinyBlue am 07.09.2009, 16:33, insgesamt 12-mal geändert.
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Re: Losing Memory - Vergessen

#502625 von ShinyBlue
16.05.2009, 16:01
Kapitel 8: Deus ex Machina


Ich wachte auf, weil Wasser in rascher Folge auf meine Stirn tropfte. Die Augen noch geschlossen kam mir in den Sinn, dass früher eine ähnliche Methode angewandt wurde, um Gefangene zu Foltern. Ich verstand, warum diese Art recht beliebt gewesen ist, der kleine Tropfen verursachte mir ungeheure Kopfschmerzen. Vielleicht rührten diese auch von dem Schlag her, der mich für kurze Zeit das Bewusstsein hatte verlieren lassen. Ich versuchte, aufzustehen, aber meine Hände waren mit einem Strick an eine Art Pfeiler hinter mir gebunden, an dem ich lehnte. Ich schlug die Augen auf. Um mich herum standen lauter Stalagmiten, hellbrauner, feuchtglänzender Stein, in dem sich das Licht der knapp zwei Dutzend Fackeln, die den Höhlenartigen Raum erhellten, vielfach spiegelte. Ein kurzes Kopfdrehen genügte, um die Situation abzuschätzen: Neben mir hockten Jack und Cecil, auf die gleiche Art und Weise gefesselt, und schauten gedankenverloren Löcher in die Luft. Bewacht wurden wir von einer handvoll Wächtern in bodenlangen, tiefroten Kutten. Ihre Kleidung erinnerte mich auf grausige Weise an getrocknetes Blut und es bereitete mir Schwierigkeiten, sie länger als ein paar Sekunden intensiv zu betrachten. Wenigstens waren unsere Bewacher etwas menschlicher als das, was mich und meine Begleiter vor Kurzem im Wald überfallen hatte. Langsam erholte sich mein Kopf von den Misshandlungen, die ihm in den letzten Stunden zugefügt wurden. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich nicht mehr die Kleidung trug, mit der ich diese Reise angetreten hatte, an ihre Stelle war ein braunes, Sackartiges Gewand aus grobem Leinen getreten, welches durch sein ständiges Kratzen die Situation nicht unbedingt erträglicher machte. Auch Jack und Cecil waren umgezogen worden. Der armselige Anblick ging mit einer schwer zu definierenden Leere einher, auf einmal kam wieder die Frage, warum ich ein Leben fortsetzte, was schon beendet war. Nicht einmal ein schönes Leben war es. Und doch, irgendwie… Ich führte den Gedanken nicht zu Ende. Da ich an den Tropfstein gefesselt war, konnte ich nicht überblicken, was hinter mir passierte und wie weitläufig diese Höhle überhaupt war. Aber an den Mienen unserer Bewacher erkannte ich: Wir waren nicht mehr allein. Unsere Fesseln wurden gelöst. Mit einem unsanften Stupser bedeuteten uns die Wachen, aufzustehen. Meine Beine waren taub, aber wacklig kam ich schließlich doch noch in den Stand und drehte mich um. Für einen Moment stand mein Herz still. Nicht, dass der erhaben wirkende, großgewachsene Mann besonders furchteinflößend war. Auch gab es keine Spur von erkennen, in meinem löchrigen Gedächtnis fand sich niemand, den ich dieser Gestalt zuordnen könnte. Aber das unheimliche und heftige Gefühl fast schon körperlich spürbarer Macht, dass diese Person umgab, ließ mich erschaudern. „Kommt.“ Wie mechanisch setzten wir uns in Bewegung, erst Cecil, dann Jack und schließlich ich selbst. Die unheimliche Gestalt war in einen tiefvioletten Mantel gehüllt, der an den Ärmeln mit goldenen Stickereien verziert war. Ohne, dass wir uns wehren konnten, wurden wir durch die Höhle geführt. Nach wenigen Schritten standen wir knöcheltief in eiskaltem Wasser, da uns auch die Schuhe abgenommen wurden, blieb mir wenigstens das eklige Gefühl von nassem Schuh erspart. Von einem ständigen Plätschern begleitet setzten wir unseren Weg fort, immer an der Felswand entlang, um uns nicht im verwinkelten Labyrinth aus Tropfsteinen zu verlaufen. Für einen kurzen Moment war mir so, als würde ich von jenseits der Felswände Hufgetrappel hören, aber das war wahrscheinlich nur ein Produkt meiner Fantasie. Was sollte es anders sein, wir befanden uns in einer Höhle, wahrscheinlich hunderte Meter unter der Erdoberfläche. Langsam wurde das Wasser weniger tief und etwas wärmer. Wenig später hatten wir trockenen, warmen Stein unter unseren nackten Fußsohlen. Den ganzen Weg über waren wir von hell leuchtenden Fackeln, die an Eisenhalterungen im Stein befestigt waren, begleitet gewesen. Anscheinend wurde dieser Gang hier öfters benutzt. Aber wofür? Die Helligkeit der Fackeln wich einer anderen Helligkeit: Die Sonne hatte uns wieder. Allerdings anders, als ich mir das vorgestellt hatte. Denn sie schien nicht einfach auf eine Wiese oder einen trockenen Lehmboden. Sie schien ín den Kegel eines gigantischen Vulkans. Oder etwas ähnlichem. Denn obwohl in der Mitte in einem tiefen Krater ein wenig Lava müde vor sich hin gluckerte, um das Zentrum herum war jede Menge fester, gar nicht mal sonderlich heißer Granit. Und auf diesem großen, steinernen Felsring befanden sich Menschen. Menschen, die ähnliche gekleidet waren wie der offensichtliche Anführer, der uns abgeholt hatte. Und diese Menschen riefen in mir eine Erinnerung hervor, die nicht allzu lange zurücklag: Nach unserer Flucht aus dem Wald, in diesem Dorf. Dort lebten ganz ähnliche Gestalten, optisch unterschieden sie sich wie Tag und Nacht, aber ich wusste mit Bestimmtheit, dass diese Menschen zum selben Schlag gehörten. Vor dem Lavaloch war ein Altar aufgebaut. Mattes Bronze, in eine grobe Form gegossen, mehr nicht. Aber die dunklen, wabernden Schatten, die das Licht zu verschlucken schienen, waren mir ebensowenig entgangen wie meinen beiden Begleitern. Die Menschen waren näher gekommen, der Mann im violetten Umhang vor den Altar getreten. Alles wirkte auf mich wie eine Sekte, und offenbar fand hier gleich eine Zeremonie statt. Und ich wurde das beklemmende Gefühl nicht los, dass es sich um eine Opferzeremonie handelte. Und wer geopfert werden sollte, konnte ich mir auch schon denken…
Jäh wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, als der Anführer der seltsamen Gestalten die Stimme erhob.
„Magier von Swyrta! Endlich ist der Zeitpunkt gekommen, auf den wir so viele Jahre lang hingearbeitet haben. Diese Drei sind Freunde der Titanen und hierher aufgebrochen mit dem Ziel, einen magischen Schlüssel zu entwenden. Doch sie konnten unseren Spähern nicht entwischen und werden nun den letzten, entscheidenden Schritt tun, der uns noch vom Erwecken des großen Befreiers trennt. In die Lava sollen sie geworfen werden, als Opfer zu den höheren Zwecken und zum Bewahren des Friedens! Bald schon, nach ewigem Schlafe in den Tiefen dieses Berges wird die Bestie des Lichts zu uns zurückkehren, Silamon wird…“
Es war, als ob sich mein Bewusstsein mit einem Schlag ausschalten würde. Dieser Name, er ließ Erinnerungen in mir kochen, von denen ich nicht einmal ahnte. Plötzlich war ich wie ferngesteuert. Ich hob nur meinen Arm und einige der Männer, die um uns herum standen, taumelten zurück und bekamen schreckliches Nasenbluten. Eine weitere Handbewegung wie in Trance, alle Umstehenden außer Cecil, Jack und natürlich dem Meister dieses Clans sackten in sich zusammen. Ich sah den Schrecken in den Augen meiner Begleiter, aber ich ignorierte ihn. Auf meiner neuen, einfachen Kleidung erschien urplötzlich ein blauer Stern wie aus dem Nichts… Ich wollte mich auf den letzten Verbliebenen meiner Feinde stürzen, als dieser seine linke Hand unter dem Mantel hervorzog. Ein Ring mit einem silbernen Stein war darin eingefasst. Im nächsten Moment erlosch der Stern auf meiner Brust und ich wurde von einer gigantischen Druckwelle zurückgeschleudert. Die ersten Verletzten Gegner standen wieder auf… Pferdehufe galoppierten über den Stein. Ich erkannte das Geräusch als das wieder, welches ich bereits in der Höhle flüchtig wahrgenommen hatte. Wie gelangten Pferde in einen Vulkan? Mehr konnte ich nicht denken, in diesem Moment wurde ich wie so oft in den letzten Tagen bewusstlos. Ich sah nicht mehr die Reiter ankommen, wie sie mit Pfeil und Bogen die Magier bedrohten, mich, Cecil und Jack auf den Rücken ihrer Pferde luden und verschwanden, auf welchem Wege auch immer…

Kapitel 9: Praeteritum

Es dämmerte.
Schwer hingen die Wolken am Horizont, auch wenn die Sonne noch zu sehen war, es war damit zu rechnen, dass der Regen noch vor Einbruch der Dunkelheit das Tal überschwemmte. Weit erstreckten sich die Ebenen von Swyrta unter ihnen, die Wälder, die Fluren, die Flüsse, diese unberührte, wunderschöne Natur, von der Reisende aller Welt schwärmerisch berichteten. Doch dafür hatten die Reiter keinen Blick.
Müde waren sie allesamt, ein gutes Dutzend ritt die schmalen Serpentinen des Vulkanes hinab. Das Ungetüm aus lehmig braunem Felsgestein war die einzige Erhebung weit und breit, nicht umsonst sprach man allgemein von den Ebenen.
Einige Hügel hie und da, auf denen die Einheimischen Clans ihre Dörfer errichtet hatten, aber ansonsten war sämtliches Land flach. In den Augen der Reiter las man deutlich Nervosität und Anspannung, die sicherlich in der steil abfallenden Serpentinenstrecke begründet lagen. Den Rest ihrer Gesichter hatten sie mit alten, in kaltem Wasser getränkten Tüchern bedeckt, um ihre Gesichter vor den glühend heißen vulkanischen Winden zu schützen.
Nur Sehschlitze hatten sie freigelassen, und bei manchen waren die nassen Lumpen schon fast über die Augen gerutscht. Das hätte den Tod für denjenigen bedeutet, der dies zuließ, da die schwierige Strecke äußerste Konzentration von Pferd und Reiter abverlangte. Der Untergrund war bröckliger, staubtrockener Kies, der sich an manchen Stellen mit etwas sichererem Granit abwechselte.
Dazu waren die Reittiere allesamt noch jung und unerfahren, mehr als einmal wäre eines von ihnen fast weggerutscht oder hatte vor einer besonders kiesigen Passage fast seinen Reiter abgeworfen. Müdigkeit hatte sich unter den Reitern breit gemacht, doch das monotone, aber durchdringende Getrappel der Pferdehufe und der Ernst der Situation hinderte die Reisenden, auf dem Pferderücken einzuschlafen oder eine Rast einzulegen.
In der Ferne sahen sie schon die flackernden Lichter ihres Dorfes, ein zusätzlicher Ansporn für sie, jetzt nicht nachzulassen. Die letzten drei in der Gruppe hielten einige Meter Abstand, denn sie transportierten eine zusätzliche Last: Die leblos wirkende Gestalt eines Jungen, vielleicht siebzehn Jahre alt, sowie zwei etwas ältere Männer, die sich ähnelten, obwohl sie optisch keinerlei Gemeinsamkeiten hatten. Schweigsam wie der leise Wind, der unten in den Wäldern die Blätter rascheln ließ, ritten sie weiter.
Zeit zum Reden würde kommen.
Bald.

Ich war nicht aufgewacht, dass wusste ich. Doch ebenso war mir bewusst, dass ich nicht mehr schlief. Ich war bei vollem Bewusstsein, und doch konnte ich nicht handeln.
Wo war ich überhaupt?
Ich sah mich um. Um mich herum herrschte reges Treiben, ich stand inmitten einer nicht allzu kleinen Halle, deren Wände mit einer schlichten, weißen Tapete ausgekleidet waren, die man jedoch kaum zu sehen bekam, da Gobelins, wahrscheinlich kostbare Erbstücke aus mittelalterlicher Epoche, den größten Teil der Wände bedeckten.
Auf dem größten Teppich war in intensiven Farbtönen eine Schlacht abgebildet, ob es sich um eine historisch bedeutende handelte, wusste ich nicht. Es konnte die Schlacht von Hastings sein, aber Geschichte war nie meine Welt.
Menschen schrieben Geschichte, Menschen machten Geschichte, und doch war das meiste, was diese Menschen als Geschichte verkaufen wollten, doch so klein und unbedeutend, dass die Anerkennung ihrer Wichtigkeit nur aus der Beeinflussbarkeit der Masse zu erklären war.
Die Decke war stuckbesetzt, in der Mitte des Raumes hing ein großer, silberner Kronleuchter herab. Alles in diesem Raum wirkte prächtig, nicht zuletzt die Gäste, die in feinsten Anzügen oder Kleidern an den festlich gedeckten Tischen saßen, deren fliederfarbene Tischdecken ebenso kostbar erschienen wie das Festmahl, welches von mindestens zwanzig Meisterköchen zubereitet worden sein musste.
Der Mann, der auf einem kleinen Podest stehend über Alles wachte, wirkte dagegen skurril, fast lächerlich. Klein, schmächtig, ein Monokelträger, der nur noch einen dünnen Haarkranz besaß. Stanley Chester, letzter lebender Nachkomme des Chester-Imperiums. Plötzlich… erinnerte ich mich. Ich wusste, warum ich hier war; wonach ich suchte.
Die tuschelnden Menschen um mich herum waren verstummt, wie von allein setzte ich mich auf den nächstbesten freien Platz. Er war für einen Phil Mason reserviert.
Vorne hatte Chester mit einer langen, wahrscheinlich furchtbar belanglosen Rede begonnen, die wie durch Watte zu mir drang und von der ich kein Wort wirklich verstand, nur, dass sie mit einer Reihe Danksagungen begann. Es ging um „archäologische Ausgrabungen“ auf einer Insel, deren Namen ich nicht verstand.
Allerdings merkte ich langsam, wo ich mich befand: In meiner eigenen Erinnerung, in einer Szene, die sich kurz bevor ich meine Erinnerungen verlor ereignet haben musste. Cecil hatte mich nach Chester House, wo ich mich zweifelsohne befand, geschleust, um aus den Funden dieser Ausgrabung, die Chester auf dieser Feier wohl präsentieren wollte, etwas zu stehlen! Die Wucht, mit der diese Erinnerungen mich trafen, hätte mir wohl Kopfschmerzen verursacht, wenn ich nicht sowieso träumen würde.
Träumte ich?
Ich konnte mich nicht länger auf diesen Gedanken konzentrieren, da meine Reaktionen vorprogrammiert waren. Vorne berichtete Chester mit einer Stimme, die zu tief für die mickrige Gestalt war, von den Schätzen, die er gefunden hatte.
Diese breitete er der Reihe nach vor sich auf einem breiten Tisch aus, jedes kleinere Stück mit einem Seidentuch umwickelt, damit das glänzende Gold auch ja keinen Schmutzfleck bekam. Spangen, Ringe, Münzen mit eingravierten Antlitzen früherer Herrscher – es gab nichts, was in dieser Sammlung von Preziosen nicht vorhanden war. Zu all diesen Kleinoden gesellte sich ein Spiegel mit goldener Umrahmung – und in diesem Moment wusste ich sicher, dass ich so einen Spiegel schon einmal gesehen hatte.
Oder besser: Noch sehen würde, denn schließlich war das hier meine Vergangenheit.
Und ebenso sicher wusste ich, worum es sich bei den Kleinoden handelte: Es waren die Schätze der Menschen aus Swyrta, jenem sagenumwobenen Landstrich, in dem sich mein bewusstloses, körperliches Ich grade befand!
Und natürlich blieb mir auch längst nicht mehr verborgen was ich, ein Schlüsselsucher, hier zu finden gedachte: Einen Schlüssel zum Korridor der Titanen! Urplötzlich loderten Flammen vor mir auf. Der Tisch vor Chester fing praktisch aus dem Nichts Feuer, und dieses breitete sich rasend schnell im Raum aus.
Als ob alles mit Öl getränkt wäre. Aber der Nährboden für dieses Feuer war das, woraus es ursprünglich auch entstand:
Magie!
Erst jetzt war mir der Gast mit dem Ziegenbart aufgefallen, der sich nicht wie die Anderen von der Hysterie um den plötzlichen Brand hatte anstecken lassen, sondern weiter still dastand und unverständliche Worte murmelte.
Die Aura, die von ihm ausging, erinnerte mich unweigerlich an die Geschehnisse innerhalb des Vulkans. Offenbar entdeckte er mich im selben Moment wie ich ihn, denn er ließ von den Flammen, die allein weiter am teuren Mobiliar züngelten, ab und wandte sich mir zu.
Ich spannte alle Muskeln in meinem Körper an, wissend, dass es sich um einen meiner Feinde handeln musste. Aber warum trug die Person einen Anzug mit einem aufgestickten blauen Stern?
War das nicht das Symbol meiner Loge, bei dem ich mich sicher fühlen sollte?
Oder hatten Cecil und Jack… Sie trugen doch den selben Stern auf ihrer Kleidung, und ich selbst hatte erfahren, wie mich seine Macht geschützt hatte. Und doch hatte ich im Vulkan Kräfte entfesselt, die garantiert nicht von irgendwelchen auf Kleidung gestickten Sternen stammten.
Was ging hier vor?
Und eine weitere Frage folgte diesem Gedankengang: Der Magier im Vulkanschlot sprach von sich und seinen Gefolgsleuten als „Zauberer von Swyrta“ – eben der Geheimbund, zu dessen Nachfolgern ich zweifelsohne gehörte.
Wie passte das zusammen?
Während ich gedanklich nicht bei der Sache war, schleuderte mein Gegner einen Lichtblitz auf mich, der geradewegs aus seiner Handfläche entsprungen sein musste. Ich tauchte unter diesem hinweg und landete unter einem der Tische, der Angriff schlug derweil in die gegenüberliegende Wand ein und hinterließ ein faustgroßes Loch, von dem man allerdings nicht mehr lange etwas sehen würde, da das Feuer diese Stelle in Kürze erreichen sollte.
Feuer!
Natürlich stand auch ein Teil des Tisches in Flammen, unter dem ich mich befand. Schnell krabbelte ich wieder darunter hervor, der Feind mit dem Ziegenbart war inzwischen auf dem Podest Chesters angelangt.
Chester selbst war natürlich der Erste gewesen, der die Flucht ergriffen hatte. Ein feiger Mann, der seinen Reichtum einem netten Erbteil und guten Freunden aus höheren Kreisen zu verdanken hatte. Hektisch wühlte der Mann in den unzähligen Schätzen.
Ohrringe. Broschen. Alles wurde vom Tisch gefegt und kullerte über den Boden oder sprang durch den Raum. Er suchte nach dem selben Artefakt wie ich, und schließlich fand er eine kleine Schatulle, mit Saphiren besetzt…
Ich hechtete nach vorne zum Tisch, rauf auf das Podest, wobei ich den Tisch umstieß und ein heilloses Chaos im Raum anrichtete, welches aber niemanden mehr störte, da alle vor dem Feuer, welches mich und meinen Gegner einhüllte, nach draußen geflohen waren. Ich packte den Mann am Handgelenk und versuchte, ihm die Schatulle zu entreißen, doch er schubste mich einfach weg. Wie ein kleines Kind taumelte ich zurück, obwohl ich eigentlich von der körperlichen Verfassung her im Vorteil hätte sein müssen.
Plötzlich bemerkte ich eine kleine Gruppe von Menschen, die es nicht aus dem Raum geschafft hatten. Im puren Überlebenswahn hatten Chester und seine Leute alle Ausgänge verriegelt, und die Flammen griffen immer weiter um sich, selbst die Luft schien fast schon zu brennen.
Auch mich hatten die Flammen schon erreicht, vor einer Flammenzunge, die gewiss mein bärtiger Kontrahent auf mich geschickt hatte, konnte ich mich grade noch einmal so auf den Boden retten. Ich erinnerte mich vage, dass ich in dieser Szene mit dem Leben schon abgeschlossen hatte.
Wieder hörte ich die eingesperrten Personen schreien. Dadurch war offenbar nicht nur ich kurzzeitig abgelenkt, auch mein Gegenüber war unkonzentriert. Ich schlug ihm die Schatulle aus der Hand, sie flog Richtung Spiegel, der immer noch neben uns stand – und hindurch.
Ich machte den Fehler, hinterher zu springen – und mich auf eine Reise durch Raum und Zeit, eine Reise ins Ungewisse zu begeben. Durch einen glücklichen Zufall sollte ich diese Reise überleben. Aber zurück blieben Fragen.

Ich wachte auf. Erstaunlicherweise sah ich nicht erst alles verschwommen, auch hatte ich keine Kopfschmerzen mehr.
Es war nicht wie bei meinen anderen Erwachen, mich durchpulste immer noch die unglaubliche Energie, die ich im Vulkan zur Verteidigung benutzt hatte.
Ich setzte mich auf. Ich lag in einem gewöhnlichen Bett, auf einem kleinen Schränkchen neben mir stand ein Glas Wasser und ein Brot, außerdem ein wenig Papierkram. Und auf dem Holz des Schränkchens war ein unscheinbarer, kleiner, achtzackiger blauer Stern eingraviert.
Neben mir saß auf einem Holzstuhl eine Person, anscheinend im Halbschlaf. Die Person war ein Mädchen, etwa so alt wie ich. Sie war wirklich alles andere als hässlich, lange, blonde Haare umrahmten ihr Gesicht. Sie öffnete eines ihrer haselnussbraunen Augen.
„Was guckst du so?“ Ich fühlte mich ein wenig ertappt. Doch sie lächelte nur, was die Peinlichkeit ein wenig linderte.
„Warte kurz.“
Sie verließ den Raum, ich hörte, wie sie etwas nach draußen rief: „Cecil, er ist wach!“
Mein alter Mentor und Begleiter kam mit der Unbekannten zurück.
Er räusperte sich, seine Brille verrutschte dabei ein wenig. „Danke, dass du auf ihn aufgepasst hast, Anastasia.“
Dann wandte er sich an mich: „Phil, ich denke, wir schulden dir eine Erklärung. Die wirst du bekommen. Aber vorher solltest du das Dorf hier etwas kennen lernen…“
„Cecil, ich würde ihn sonst auch ein wenig rumführen…“ Anastasia wirkte ein wenig unruhig, ich konnte mir nicht erklären, warum.
Doch erst einmal freute ich mich darüber, dass vorerst Ruhe in mein Leben eingekehrt zu sein schien…


Kapitel 10: Abalus


Ich folgte Anastasia, die mich durch einen kurzen Flur nach draußen führte. Ich war mir nicht sicher, was ich erwartet hatte, vielleicht eines dieser rückständigen Dörfer, die man überall in England zu sehen bekam; einen Aneinaderreihung von maroden Holzhäusern, jedes nicht größer als ein Stockwerk plus Erdgeschoss und mit Bewohnern, die sich bei Besuch fragten, ob die heilige Inquisition vor der Tür stünde.
Nachdem mir Cecil den Ort als "Dorf" angekündigt hatte, kam mir wohl so etwas in den Sinn, aber schon nach wenigen Augenblicken an der frischen Luft änderte sich dieser Eindruck. Ich kam geradewegs aus einem vierstöckigen Backsteinhaus, so modern wie die neueren Häuser Londons. Die Straße war in gutem Zustand, ein Pferdefuhrwerk kreuzte unseren Weg.
An einigen Ecken leuchtete sogar eine Straßenlaterne. Wenn das hier ein Dorf war, dann ein ordentlich entwickeltes.
Aber war es nicht sowieso klar, dass kein Ort, an den ich ging, normal sein konnte? Apfelbäume, parallel zueinander an jeder Straßenseite gepflanzt, machten den Weg zur Allee. Während ich mich fragte, warum grade Apfelbäume hier standen, entdeckte ich zwei Jugendliche, etwa in meinem Alter.
Sie lachten und sprachen ausgelassen über das, was sie erlebt hatten und noch erleben wollten, erzählten Witze, waren einfach nur fröhlich, so, wie es Jungen im Alter von sechzehn oder siebzehn Jahren sein sollten. War ich zu nachdenklich? Hatte ich eine andere Chance, als nachdenklich zu sein, nach all dem, was mir widerfahren war? Ich riss mich gewaltsam aus diesem trübseligen Gedankengang, indem ich gen Himmel blickte. Es war Abend geworden, die Sterne leuchteten in einem bläulichen Licht.

Ich wusste, dass es solche Orte gab, solche mit der achteckigen Sternkonstellation am Firmament.
Ich hatte ein gutes Stück Erinnerung zurückbekommen.
Ich wusste nun sogar, wie ich die Magie, die ich in mir trug, sinnvoll anwendete. Ich erinnerte mich an jede Lektion, die ich während meines noch kurzen Lebens gelernt hatte.
Wenn ich nicht grade an das dachte, was ich versäumte, ging es mir sogar richtig gut. Gedankenverloren konzentrierte ich mich auf einen Apfel, der leicht faulig und etwas modrig riechend vor mir lag und schon vor einiger Zeit von einem der Bäume gefallen sein musste.
Nachdem ich eine uralte Formel in Gedanken rezitierte, fing der Apfel an, in die Luft zu schweben...
Der bräunlich-faule Teil wurde wieder zur glänzend grünen Schale, und der Apfel nahm wieder seinen angestammten Platz am Baum ein.
Doch nur kurz.
Anastasia, die ich für einen Moment völlig aus den Augen verloren hatte, pflückte sich den Apfel direkt wieder herunter und biss herzhaft hinein.
"Ein bisschen sauer, vielleicht, aber gut."
Sie warf mir einen weiteren Apfel zu, den ich magisch stoppte und direkt über meiner Hand hinunterfallen ließ.
Diese bewussten magischen Spielereien bereiteten mir ein sonderbares, aber fabelhaftes Vergnügen. Ich probierte den Apfel, er schmeckte anders als die, die ich bisher kannte.
Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich vermutet, dass dieser Apfel Magie enthielt. Reiß dich zusammen, sagte ich mir, das, was du da grade als übernatürliches Phänomen deklarieren willst, ist Obst!
Ich hielt mich zu lange mit diesen Früchten auf.
Meinte wohl auch Anastasia. Ungeduldig wartete sie an der Straßenecke.
Ich wartete nicht länger und ging zu ihr rüber.
"Wo bin ich hier überhaupt?"
Die Frage klang selbst in meinen Ohren albern, war aber berechtigt. Aus ihrem Lächeln schloss ich sofort, dass Anastasia mir nicht sofort eine klare Antwort geben würde.

"Wahrscheinlich kennst du den Ort. Ich weiß ja nicht, wie viel dir Cecil von Swyrta erzählt hat, aber die Legende von König Artus und den Rittern der Tafelrunde solltest du kennen, oder?"
Ich nickte. Jeder kannte die alte Sage, niemand wusste, ob sie der Wahrheit entsprach.
Niemand?
Anastasia fuhr fort:
"Artus' Hofzauberer Merlin war ein Zauberer von Swyrta. Er wurde hier geboren. Später brachte er auch Artus einmal hierher, als er seinen letzten Kampf knapp überlebt hatte... Der bekanntere Name dieser Insel, die du als Swyrta kennst, nennt sich Avalon."
Ich wusste nicht, was mir mehr die Sprache verschlug, diese unglaubliche Neuigkeit oder die Tatsache, dass Anastasia keine Miene dabei verzog. Ich hatte schon viele Legenden gehört, die von Avalon, dem heiligen Gral oder dem Schwert Excalibur, aber es waren Legenden, gegründet auf Verschwörungstheorien, Dichtungen und völlig irrationalen Behauptungen.
Das einzige, was ich aufgrund meiner Vergangenheit nachvollziehen konnte, war Magie.
Aber doch war alles so logisch:
Der berühmteste Magier der englischen Geschichte kam vom Orden des blauen Sterns, Avalon oder Swyrta, wie auch immer, man konnte die Insel nur durch ein magisches Portal erreichen. Ich hatte irgendwann aufgeschnappt, dass das Stadttor von Glastonbury in Südengland so ein Portal war, allerdings nur für Leute zugänglich, die genau wussten, wohin sie wollten.
Natürlich gab es auch noch andere Zugänge - offenbar waren die Dimensionstunnel, die ich bisher als Spiegel erfahren hatte, ebenfalls eine Möglichkeit.
Es ergab alles einen Sinn...
"Du grübelst schon wieder. Bist du immer so ein Tagträumer?"
Anastasias Haselnussaugen blickten mich an.
"Ich denke schon."
Ich wusste nicht wirklich, wie ich reagieren sollte. Aber ich musste gar nicht weiter reagieren.
"Du bist unsicher."
Ich bewunderte Anastasia insgeheim, dass jemand wie sie es mit einer so desorienterten Person länger als fünf Minuten aushielt.
"Komm."
Sie führte mich durch die Straßen und Gassen der kleinen Stadt, alles so so aus, als wäre es ein fortschrittlicher Teil der normalen Welt und nicht ein abgeschiedener Ort zwischen Dies- und Jenseits. Schließlich kamen wir zum Marktplatz des Ortes, in dessen Zentrum sich eine große Tanne erhob, deren Stamm einen Durchmesser von mehreren Metern haben musste und die alle anderen Häuser der Stadt überragte.
Magische Lichter beleuchteten den Platz, der um diese Uhrzeit menschenleer war. Ich roch das Tannenharz und den Duft eines Kuchens, den jemand zum Auskühlen an ein Fenster gestellt hatte und dessen Duftnote vom lauwarmen Wind zu Anastasia und mir geweht wurde. Es war Apfelkuchen, das überraschte mich kein bisschen. Avalon war nach seinen berühmten Äpfeln benannt worden.
Pflaumenkuchen wäre einfach nur unlogisch gewesen, oder?
Doch diesmal hielt ich mich nicht erneut damit auf, über sinnlose Begebenheiten in meiner Umgebung zu philosophieren. Ich hatte schon zu viele Monologe gehalten in den letzten Tagen.
Es war Zeit für Dialoge.
Doch erneut war es Anastasia, die die Initiative ergriff:
"Wer bist du eigentlich?"
Die Frage war so elementar, dass ich wirklich nicht wusste, wie ich reagieren konnte. Schließlich wusste ich die Antwort selbst kaum. Ich begann unsicher und zögerlich, zu antworten.
"Ähm... Ich heiße Phil, bin siebzahn Jahre alt..."
Es klang albern.
"Ich komme aus London, England."
Musste ich erwähnen, dass London in England lag?
"Ich bin Magier, ich weiß nicht, ob ich wichtig bin oder Talent habe... Ich wurde lange ausgebildet, habe bisher wenig erlebt. Ich wäre einmal fast gestorben. Ich helfe Cecil und Jack dabei, die Schlüssel zum Gefängnis dieser Titanen zu finden... Ich weiß aber nicht, wie ich dabei helfen kann, wie diese Schlüssel aussehen und wer genau diese Titanen überhaupt sind."

Ein reichlich lückenhafter Bericht über mein Leben, oder besser das, was ich noch wusste. Doch Anastasia schien besser zu verstehen, was in mir vorging, als ich es selbst tat.
Doch endlich fing ich auch mal an, das Gespräch mitzubestimmen.
"So, ich hab alles gesagt, was ich selbst noch weiß. Jetzt bist du dran."
Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Inzwischen hatten wir auf einer Bank platzgenommen, vor uns lag ein prächtiger Springbrunnen, der stetig sprudelte, ohne überzulaufen oder zu versiegen.
Ich kannte mich mit Architektur wenig aus, vermutete aber, dass entweder Meister oder Magier am Werk gewesen waren. Oder vielleicht beides.
"Mein Name ist Anastasia Oktavia, sechzehn Jahre."
Ich merkte, dass sie meine Vorstellung ein Stück weit imitierte. Ich wusste nicht, ob das herablassend-ironisch klingen sollte, ich hatte in meinen siebzehn Jahren genug Paranoia angehäuft, um daran zu glauben.
Aber ich fand es in diesem Moment eigentlich nur witzig, so war es wohl auch gedacht.
"Ich wurde hier auf Avalon geboren, ich lebe schon immer hier. Ein paar Mal war ich auf deiner Seite der Realität."
Es klang in meinen Ohren befremdlich, aber für die Bewohner Avalons schien meine Welt völlig anders zu sein als das, was ich hier vorfand, auch wenn es sich für mich erstaunlich wenig voneinander unterschied. Ich erinnerte mich an Merlin, der einen großen Teil seines Lebens auf "meiner Seite" verbracht hatte.
Er kam aus Avalon. Wie viele Avalonier lebten wohl unerkannt auf der anderen Seite?
Vielleicht waren Cecil, Jack, mein verrückter Lehrmeister und der Orden im gesamten nicht die einzigen?
Ich driftete wieder ab. Anastasia hatte damit gerechnet, zumindest sprach sie erst nach einer kurzen Pause weiter.
"Ich bin die Tochter des Fryo. Das ist ein altes Wort für den Anführer unserer Sippe, in einer alten Sprache... Du würdest vielleicht Bürgermeister sagen, obwohl die Aufgabe mehr auf einen Feldherren passen würde."
Sie seufzte. Ich vermutete, dass die Menschen im Vulkan kaum einem Konflikt mit den Menschen hier aus dem Weg gehen würden.
"Ich bin Magierin", fuhr sie fort.
"Wir alle hier haben gewisse magische Fähigkeiten. Aber... Naja, ich bin noch in der Lernphase."
Ich wusste nicht, ob das die Wahrheit war. Wahrscheinlich waren ihre Fähigkeiten den meinen weit überlegen.
Ich wusste auch nicht, warum es mich nicht überraschte, dass dieses Mädchen magische Kräfte besaß. Anders hätte sie es kaum mit mir ausgehalten.
"Ich..."
Sie wollte weiterreden, aber Trommelschläge unterbrachen sie. Im Schein der magischen Lichter, die über den Platz tanzten, sahen wir eine Menschenmasse auf uns zukommen. An der Front standen drei Trommler, die schon von Weitem den Zug ankündigten.
Sofort empfand ich eine gewisse Furcht. Kurz nach meinem Erwachen im Dorf und während meiner Zeit im Vulkan hatte ich Erfahrungen mit großen Menschenmengen, allerdings keine positiven.
Wie als ob sie meine Gedanken lesen könnte, beruhigte mich Anastasia.
"Das sind Verbündete von dir", sagte sie.
"Die Magier dieses Dorfes. Zumindest die besten davon. Cecil und Jack sind auch dabei. Und natürlich die Männer, die euch gerettet haben."
Sie wusste anscheinend mehr über mich, als sie zugeben wollte.
"Ich hätte es dir erzählen sollen", meinte sie.
"Heute ist Krisensitzung auf dem Marktplatz. Die Bestie bricht aus."
Der Klang ihrer Stimme hatte in meinem Kopf ein sonderbares Echo.


Kapitel 11: Concilium - I


Die Menschenmenge näherte sich uns mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit, offenbar hatten sie es eilig.
Kein Wunder, es war spät, und offenbar mussten die Magier von Swyrta noch einen besonderen Versammlungsort erreichen. Der Wind pfiff kühl über den Platz, als einige tänzelnde magische Lichter sich unters Volk mischten und die Gesichter der Prozessionsanhänger für kurze Zeit erleuchteten.
Ich war erleichtert, normale Menschengesichter zu erblicken und keine Entstellten oder Besessenen.
Ich hatte in den letzten Stunden sehr viele negative Erfahrungen machen müssen, und eine weitere wäre sicherlich ein guter Grund für eine weitere, schockbegründete Bewusstlosigkeit gewesen.
Doch wie Cecil, Jack oder Anastasia waren die Avalonier allesamt völlig gewöhnlich. Nur die Magie, die sie alle umgab, war für mich deutlich zu spüren, ansonsten zeigten ihre Gesichter Angst, Entschlossenheit und...
Irgendetwas Beunruhigendes.
Doch ich war nie jemand gewesen, der Menschen gut durchschauen konnte, und ich musste mir resignierend eingestehen, dass ich trotz meiner magischen Fähigkeiten nie zum Gedankenleser aufsteigen würde.

Ich blickte zu Anastasia, die offenbar jemanden in der Menschenmenge suchte – und fand, wie ich vermutete, da nach einigen Sekunden ein Lächeln über ihr Gesicht huschte.
Ich erwartete, dass der Tross weiter an uns vorbeiziehen würde, um irgendeine Art Versammlungshalle aufzusuchen, aber zu meiner Überraschung machten die Magier halt, sobald sie uns und den Marktplatz erreicht hatten.
Einige der Anwesenden grüßten Anastasia und betrachteten mich skeptisch. Wir waren nun mittendrin im großen Pulk.
Zu meiner Überraschung stoppten die Magier allerdings genau an dieser Stelle. Viele von ihnen waren in die weißen Gewänder gekleidet, blaue Sterne, wohin ich auch sah.
Ein hochgewachsener, athletischer Mann hob sich irgendwie von der Menge ab – im Schein eines der magischen Lichter sah ich für kurze Zeit, dass vom blauen Stern auf seiner Brust acht Linien ausgingen, die sich in einem verschnörkelten Muster über die komplette Robe zu ziehen schienen
und – was ich erst sehen konnte, als der Mann sich mit dem Rücken zu mir drehte.
Einer plötzlichen Eingebung folgend drehte ich mich zu Anastasia um und fragte:
„Ist der dort dein Vater?“
Ich fragte das Nichts.
Anastasia war verschwunden, ich war nun allein inmitten der fremden Zauberer von Swyrta.
Verwirrt blickte ich mich um, doch im Gewimmel unzähliger Körper war es, als wollte man aus einem Schwarm Glühwürmchen das Hellste herauspicken:
Nicht unmöglich, aber schwierig.
Ich erinnerte mich flüchtig an meine Ausbildungszeit, in der sämtliche Menschen mit ausreichender magischer Begabung männlichen Geschlechts waren. Hier verhielt es sich anders, was mir die Suche nach Anastasia kaum erleichterte.
Ich versuchte, mich vom Fleck zu bewegen – und stieß prompt gegen einen kleinen, kräftigen Mann, der mir nur allzu bekannt vorkam.
„Cecil, hier drüben isser!“
Jacks Bulldoggengesicht zeigte ein freundliches Lächeln. Offenbar war ich nicht der einzige, der jemanden suchte. Allerdings hatten Jack und Cecil, dessen bebrilltes, asketisch wirkendes Gesicht nun neben Jack auftauchte, im Gegensatz zu mir mit ihrer Suche Erfolg gehabt.
Der Geruch der Luft hatte sich verändert. Tannenharz und Apfelkuchen waren dem miefigen Aroma menschlichen Schweißes gewichen.
Es war erstaunlich, wie schnell das harmonische Ambiente einem unkoordinierten Aufruhr gewichen war.
Zumindest schien es so.
Doch offenbar war alles viel besser geplant, als ich gedacht hatte. Cecil und Jack wandten sich kurz von mir ab, murmelten eine magische Formel – und aus dem festen Steinboden schossen komfortable, steinerne Sitzschalen, durch die Magie in den Stein gemeißelt und durch eine steinerne Säule aus dem Boden hervorgeschoben.
Beide nahmen in ihrer jeweiligen Schale platz – und die Säule streckte sich weiter gen Himmel, bis die Sitzenden über den Köpfen der anderen thronten. Die anderen Magier folgten ihrem Beispiel, bald schon ergab sich eine halbkreisförmige Konstellation aus erhöhten Steinsitzen, von denen die Äußersten auch die Höchsten waren.
Ich versuchte, meine Kraft zu bündeln und rezitierte den Zauber, den ich bei Jack und Cecil aufgeschnappt hatte.
Und tatsächlich: Auch aus dem Boden vor mir schoss ein steinerner Sitz, der mich in luftigere Höhen katapultierte.
Nur einer der Avalonier stand noch auf dem Boden, der Mann, den ich als Anastasias Vater vermutet hatte. Er hatte dieselbe helle Haarfarbe, und auch wenn seine Augen etwas dunkler waren als die seiner Tochter, so war die familiäre Ähnlichkeit doch verblüffend.
Von meiner erhöhten Position aus hatte ich nun auch wieder Anastasia im Blick. Sie saß ein paar Reihen vor mir und unterhielt sich fröhlich mit einem gutaussehenden, jungen Magier. Ich konnte kein Wort verstehen, dazu war das Getuschel der Menge in der Addition viel zu laut. Erneut kam mir die Assoziation eines Schwarms voller kleiner, brummender Insekten.
Die magischen Lichter, die sich meiner Höhe angepasst hatten, erinnerten mich zusätzlich an Glühwürmchen.
Ich musste bei meinen eigenen abwegigen Gedanken grinsen.
Unten hob der Fryo die Hand. Eine Stimme aus der Menge brüllte dazu:
„Ruhe! Dan wird uns die Neuigkeiten jetzt verkünden!“
„Ich denke, das merken sie auch selbst, Rudolphe“, meinte Anastasias Vater augenzwinkernd.
Seine Stimme schien magisch verstärkt zu sein, jedenfalls kam sie mir so vor, als ob er direkt neben mir stehen würde – jetzt erst bemerkte ich, dass die magischen Lichter bei jedem seiner Worte flackerten.
Offenbar erzeugten sie nicht nur Licht, sondern leiteten auch Schallwellen weiter. Dan fing an zu reden:
„Liebe Magier von Swyrta, unsere Welt und die jenseits der Portale befindet sich unzweifelhaft in einer der größten Krisen seit Anbeginn der Zeit. Das Böse gewinnt an Macht, und es ist an uns, alles daran zu setzen, das Gleichgewicht der Mächte beizubehalten…“
Ich folgte der Ansprache nicht mehr aufmerksam. Meine Gedanken glitten ab, zurück nach Chester House und an den namenlosen See, an dem ich aufgewacht war… Erst einige Minuten später konzentrierte ich mich wieder auf die Worte des Anführers – genau zur rechten Zeit, wie mir schien.
„… und die Gegenseite wird nicht zögern, das letzte erforderliche Opfer in den eigenen Reihen zu suchen. Daher müssen wir handeln, bevor die Bestie ausbrechen kann. Für jene, die noch nicht von dem Monster aus dem Stein gehört haben: Es ist der Wächter des Schlüssels, eingesperrt im Vulkan nördlich von hier… Wenn die Bestie in die Freiheit entlassen wird, ist sie in der Lage, nicht nur unsere Stadt, sondern ganz Avalon in Schutt und Asche zu legen. Ihre Kräfte übersteigen die unseren um ein Vielfaches. Und wenn das Monster also in unserem Land wütet, ist der Schlüssel ungeschützt…“


Kapitel 11: Concilium – II

„… und das ist unsere Chance. Wir müssen warten, bis das Monster seine Ketten sprengt, um dann im richtigen Moment anzugreifen. Wir haben nur diese eine Chance.“
Eine gewisse Bitternis schwang in seinen Worten mit.
Ich kannte diesen Tonfall bisher nur von einem Begräbnis, dem ich beiwohnen musste. Es war in meiner Lehrzeit gewesen, und ich erinnerte mich dunkel an einen uralten, fettleibigen Magiermeister, dessen Leberversagen nur eine Frage der Zeit gewesen war.
Gab es nicht auch irgendwo tief in mir drin etwas Schönes, an das ich mich entsinnen konnte?

Die magischen Lichter um mich herum zitterten und tanzten ein wenig auf der Stelle, als wollten sie andeuten, dass sie mit dem, was sie da weiterleiteten, nicht grade glücklich waren.
Im Schein der leuchtenden Wesen bemerkte ich, wie eine junge Frau ein paar Reihen vor mir eines der Lichter ergriff, welches daraufhin erlosch, weswegen ich nur kurz gelockte, dunkle Haare erblicken konnte.
Die Konturen ihres Gesichts blieben mir verborgen.
Das Mädchen räusperte sich und flüsterte in das magische Ding:
„Heißt das, wir nehmen den Tod eines Magiers in Kauf? Das kann doch nicht unser Ziel sein, oder?“
Der Fryo der Avalonier schien an einem wunden Punkt getroffen worden zu sein.
„Novalie, ich weiß, einer muss wohl oder übel sterben, damit der Schlüssel geborgen werden kann, aber…“
„Kein aber. Wenn niemand stirbt, wird auch das Monster nicht wiederauferstehen, und wenn das nicht geschieht, ist der Schlüssel in Sicherheit.“
Ich merkte auch aus der Entfernung, dass der Anführer dort unten nervös war.
Langsam fand auch ich mich besser in dieser Welt der Magie und Gefahren zurecht, und ich begriff, dass es – salopp gesagt – ein ziemliches Problemchen innerhalb dieser Welt gab.

Ein Schlüssel.
Ein Monster.
Eine Horde wütender Schwarzmagier, die mir bestimmt nicht positiv gesonnen waren.
Und… Ein Opfer.

Vielleicht war ich doch gestorben und dies nun die Hölle?

Während Dan von der Rednerposition heftig mit aufgebrachten Dorfmagiern diskutierte, blickte ich mich um.
Ich sah Anastasia, die sich nun nicht mehr unterhielt, sondern nervös an den Fingernägeln kaute. Dass es hier jedem so zu gehen schien wie mir, wirkte auch nicht wirklich beruhigend auf mich.
Ich blickte mich um zu Cecil und Jack. Während Letzterer ein bisschen verschlafen in seinem schwebenden Sitz hin und her ruckelte, folgten Cecils kluge Augen dem Geschehen mit Aufmerksamkeit und Sorge.
Erst jetzt fiel mir auf, dass er ein kleines Päckchen umklammert hielt.

Wieso hatte er immer noch Geheimnisse vor mir? Ich erinnerte mich an seine Worte, als wir uns das erste Mal trafen.
Wobei… Natürlich war es nur das erste Mal nach meiner längeren Unpässlichkeit.
„Du hast übrigens erstaunliches Talent…“ Talent, wofür? Sollte ich eine besondere Rolle spielen, oder…
Ich wusste nicht, woher und wieso dieser Gedanke kam, aber er traf mich mitten ins Mark. Ich hatte magisches Talent, ich konnte es kaum sinnvoll nutzen, niemand würde mich vermissen. Ich wäre das perfekte Opfer für den Plan.
Hatte ich ein Leben noch verdient, nachdem ich bereits mein zweites angefangen zu haben schien? Und war es nicht der perfekte Plan, zuerst die Tochter des Anführers zu mir zu schicken, damit ich Vertrauen fasste, um…
Es war paranoid.
Sie würden niemanden opfern.
Wir waren die Guten.
Oder?
„… und deswegen soll niemand mitkommen, wenn er sich des Risikos nicht bewusst ist. Die Lage bringt es mit sich, dass niemand von uns seines Lebens sicher ist und auch bereit sein muss, zugunsten der Gemeinschaft sich selbst und sein Leben nicht zu schonen. So hart es klingt, aber besondere Not fordert besondere Mittel.“
Das schien das Ende der Rede zu sein, zumindest ging der Rest im allgemeinen Gemurmel und im schabenden Geräusch der im Boden versinkenden Steinsäulen unter.
Die magischen Lichter leuchteten heller, verstärkten nun aber die Töne nicht mehr, was meine Ohren als äußerst angenehm empfanden.
Ich war einer dieser Menschen, die in schweren Zeiten nach Stille suchten, und das anonyme Summen der Menge war zwar ebenfalls laut, aber bei weitem nicht mehr so direkt wie die beunruhigende Ansprache es eben noch war.
Langsam leerte sich der Platz, ich konnte endlich wieder atmen, ohne befürchten zu müssen, dass durch die Nase zusätzlich noch unschöner Körpergeruch aufgenommen würde.
Man musste dankbar sein für den Luxus, der einem noch blieb, und sei es ein wenig Frischluft.

Ich wusste genug über das menschliche Nervensystem, um zu wissen, dass im Gehirn keine Zahnräder ineinandergriffen.
Trotzdem ratterte es in meinem durch die zahlreichen Bewusstseinsverluste der letzten Tage geschwächten Schädel wie mechanisch.
Wider aller Vernunft gebar mein verwirrter Verstand die fixe Idee, dass ich einer Intrige aufgesessen war.
Alles war so unwirklich.
Sollte ich mitspielen?
Hatte ich eine andere Wahl, als mitzuspielen?
Ich sollte wohl erst einmal mit Cecil und Jack reden.
Und wieder ein neuer Zweifel, der sich in meinen Gedankengängen verirrt hatte und nicht wieder hinausfand:
Was hatten sie noch zu verbergen?
Ich kramte in meinen Erinnerungen, aber es kam mir so vor, als gäbe es in meinem Gedächtnis nur noch viele verschlossene Geheimkammern mehr, die ich bisher nicht entdeckt hatte und deren Ungewissheit mich schaudern ließ.
Ich bemühte mich, kühlen Kopf zu bewahren. Absolut nichts war passiert, abgesehen davon, dass sich meine Fantasie kurzzeitig verselbstständigt hatte.
Im Zwielicht nahm ich drei schemenhafte Gestalten war, ich konnte erkennen, dass es Cecil, Jack und Dan, Anastasias Vater, waren, die dort im Halbdunkel standen.
Der Platz hatte sich nahezu vollkommen geleert.
Der harzige Geruch des großen Baumes füllte wieder die Luft, der Kuchen war inzwischen verschwunden. Ich störte mich nicht daran. Ich hing einfach weiter meinen Gedanken nach und starrte geistesabwesend auf den blubbernden Springbrunnen, in dessen Tropfen sich das Licht wunderschön brach.
Trügerische Sicherheit umfing mich.

Von hinten näherte sich jemand. Ich hörte die Schritte und wunderte mich ein wenig, woher ich sofort wusste, dass es Anastasia war.
„Es ist spät“, hörte ich sie sagen.
Ihre Stimme wirkte auf mich ausdruckslos, neutral. Ich störte mich wieder an Kleinigkeiten, aber verdammt – selbst im Detail steckte der Teufel.
„Komm, du musst nach Hause.“
Ich hatte kein Zuhause. Das wurde Anastasia im selben Moment klar wie mir, schnell fügte sie hinzu:
„Jedenfalls denke ich, dass du lieber bei uns auf einer Matratze schlafen willst als unter freiem Himmel auf kaltem Steinboden.“
Ich drehte mich nun um, schaute sie an und wandte dann meinen Blick gen Himmel.
Die Nacht war sternenklar.
Ein magisches Feuerchen schnell entfacht.
Die Ruhe kostbar.

„Ich weiß das Angebot wirklich zu schätzen, aber ich denke, ich schlafe heute auf Kopfsteinpflaster.“
„Na, dann wünsch ich dir und dem Straßendreck eine schöne gemeinsame Zeit.“
Ich konnte ihr es beim besten Willen nicht verübeln, dass sie sauer auf mich war. Während nun auch noch der letzte andere Mensch vom Marktplatz verschwunden war, fing ich an, es mir einzurichten, so gut es ging.
Ich verwendete eine abgewandelte Form des Sitzschalen-Zaubers, um aus dem massiven Stein wenigstens eine halbwegs bequeme Unterlage zu machen.
Warm angezogen war ich, doch trotzdem fröstelte es mich. Der Wind hatte etwas aufgefrischt.
Ich pfiff zwei magische Lichter zu mir, wie ich gehofft hatte, spendeten sie auch etwas Wärme. Eine Taube spazierte auf dem Brunnenrand entlang.
Welch eine Idylle.
Ich lachte, als sie auf dem nassen Rand ausrutschte und zur Hälfte ins Wasser fiel und wollte schon aufstehen, um ihr zu helfen, aber sie schaffte es von alleine, wieder ans Ufer zu kommen. Am Firmament leuchteten die bekannten bläulichen Sterne und verhöhnten meine Sicherheit und die Ruhe, in der ich mich wähnte.
Was für eine verrückte Welt.
Was für zwei verrückte Welten.

Ich befand mich in einem ungewöhnlichen Schwebezustand zwischen paranoider Furcht und mystischer Glücksseligkeit, ich fühlte mich in dieser wundervoll klaren Nacht so frei wie irgend möglich und doch belastete die Angst vor dem, was da kommen würde, meine Gedanken.

Ich konnte nicht schlafen, noch nicht.
Ich hatte in letzter Zeit zu viel geschlafen, und auch wenn die Rede gegen Ende etwas einschläfernd wirkte, schienen sich meine Energiereserven noch immer aufzuladen. Die Nacht war noch jung, und ich spürte irgendetwas.
Etwas Nahes, Wichtiges.

Ich nahm mir fest vor, gleich wieder zu meinem Platz zurückzukehren, doch vorher hatte ich noch eine Kleinigkeit zu erledigen.
Und dabei half mir der Fakt, dass der Gegenstand, nachdem ich suchte und der wahrscheinlich immer noch in meinem kleinen Päckchen vor neugierigen Blicken verborgen lag.

Kapitel 12: Nubilum


Die Kette glänzte in einem matten Silberton und fühlte sich kühl an. Langsam ließ der junge Mann sie durch die Finger gleiten.
Ein gewisser Schwermut umfing seine Gedanken, wenn er daran dachte, was er mit dieser Kette gemacht hatte - was diese Kette mit ihm gemacht hatte.
Er legte die Kette zurück in den kleinen Stoffbeutel, den er irgendwann in einem anderen Leben geschenkt bekommen hatte. Es lagerte dort ein kleines Vermögen, all das, was er durch Falschspielen auf Jahrmärkten und kleinere Diebstähle angehäuft hatte; Broschen, Ringe, Münzen, Uhren, Dinge, die so seltsam aussahen, dass sie nur aus der Fantasie eines unterbeschäftigten Goldschmiedes kommen konnten.
Er nahm eine kleine Bronzeschlange heraus, spürte das geliebte Gefühl des Triumphes, das ihn bei jedem neuen Stück in seiner Sammlung überkam, und legte das Kleinod zurück an seinen Platz.

Das hier war seine, Michaels Lichtung.
Sein Augenblick, sein Stück Himmel.
Er brauchte nicht mehr, um zufrieden zu sein, aber er empfand es als unheimlich wohltuend, immer wieder kleine Kostbarkeiten zu stehlen.
Er ging keiner geregelten Arbeit nach. Manchmal, im Sommer, half er den Bauern auf dem Feld beim pflücken der Heidelbeeren, doch auch das nur, weil jede zweite Beere in den Mund und nicht in den Korb wanderte. Er vagabundierte den Rest des Jahres durch die Wälder, schlief in Scheunen oder in Baumhäusern, die die Kinder Avalons an den unmöglichsten Stellen errichtet hatten.
Das sah zwar manchmal seltsam aus, bot für Michael aber stets eine Zuflucht in kalten der verregneten Nächten. Er hasste die Nacht. Die Nacht hatte sein Herz angefangen zu vergiften.
Die Nacht war immer ein Ende, das Ende eines jeden Tages, und damit das Ende eines von Michaels unzähligen, unheimlich kurzen Leben. Wenn er aufwachte, war er wieder ein anderer, reiste an andere Orte und traf andere Menschen. Nur seine Lichtung war immer schon die selbe gewesen.
Seit Jahren kehrte er immer wieder zu diesem Platz zurück, es war das Vertraute, was dem Mystischen dieser Welt entgegentreten musste. Die zweite Seite einer Medaille, die so faszinierend wie verstörend war. Er sah sich als Lebenskünstler, der sein eigenes Werk manchmal nicht begreifen konnte.
In dieser Nacht hatte er keinen Schlafplatz gefunden. Er bewegte sich an der Grenze zum dunklen Waldstück. Ihn hatte immer schon fasziniert, dass direkt unter dem Baumstumpf, auf dem er saß, ein kleiner Bach entsprang, ein Bach, der sich in vielen Kilometern zu einem kleinen Gluss ausgedehnt haben würde und der von den Einheimischen nur "Fjurtors Furt" genannt wurde.
Dieser Bach war die Grenze zwischen dem Unglaublichen und dem Unaufgeregten. Eine Grenze, die Michael nur allzu gerne überschritt. Heute war er zu lange im Wald gewesen, um rechtzeitig eine Stadt zu erreichen.
Er wollte eigentlich heimlich die pläneschmiedenden Swyrtaner, die in ihrem größten Dorf für diesen Abend eine Versammlung angesetzt hatten, belauschen. Er fühlte, wie ein schwer zu fassendes Unheil sich zusammenbraute, und wie eine dunstige Wolke hing seit einiger Zeit ein Gefühl, dass in vielerlei Hinsicht der Angst ähnelte, über Michael.
Gedankenverloren griff er erneut in den Beutel, erwischte erneut die Bronzeschlange und polierte sie kurz mit einem Zipfel seines weißen Hemdes. Die Schlange war nicht wirklich sauber, und so musste Michael zusehen, wie sich ein kleiner, dunkler Fleck wie von einem Ölspritzer auf seiner Kleidung ausbreitete.
Sein Gesicht wurde kurz zu einer verkniffenen Grimasse, er war für einen Landstreicher recht eitel und hasste es, wenn man ihm seine wilde Herkunft ansah. Schnell zog er den langen Mantel über, den er aufgrund der schwülwarmen Sommerluft abgelegt hatte. Die Sonne war schon hinter dem Horizont verschwunden, langsam fing es ihn ohnehin wieder an, zu frösteln. Er war müde, innerlich ein wenig aufgewühlt und wollte einfach nur schlafen - das magische Licht, welches er zu erschaffen gelernt hatte, erlosch.
Dennoch wich die Helligkeit nicht dem Dunkel der Nacht. Verwirrt blickte Michael gen Himmel, doch der Mond war hinter den Gestalt gewordenen Wolken der Angst verschwunden. Nur die blauen Sterne am avalonischen Nachthimmel waren noch deutlich am Firmament auszumachen. Er schaute sich auf der Lichtung um.
Nichts an den umstehenden Fichten und an den dornigen Büschen, die den ovalen Platz säumten, hatte sich verändert, das leise Plätschern des Baches klang ihm noch genau so in den Ohren wie die unzähligen Male zuvor.
Es gab nur einen wirklich gravierenden Unterschied zur Normalität. Langsam erhob er sich von seinem Sitzplatz und schritt langsam über trockene Gräser und moosbewachsene Hölzer in das Zentrum der Lichtung.
Er war sich sicher, dass der geheimnisvoll glimmende Spiegel, der die Umgebung mit seinem Licht durchdrang und auf schaurige Art und Weise erhellte, zuvor noch nicht dort gestanden hatte. Und ebenso überraschend war es für Michael, im Spiegel nicht sein eigenes Antlitz zu erblicken.

Halb schlafwandelnd bahnte ich mir meinen Weg durch die Seitenstraßen.
Was für eine seltsam gewöhnliche Stadt.
Ich fühlte mich für den Bruchteil einer Sekunde der Realität entrückt, als würde ich von weit oben, vielleicht noch jenseits des Sternenzelts, hinabschauen auf dieser wundervoll wundersame Siedlung, die so still und unscheinbar dalag inmitten von Meer und Wäldern und Feldern und Wiesen.
Während ich so, von der Aura jenes unbekannten magischen Artefaktes getrieben, an steinernen Hauswänden entlangschlich, aus deren Ritzen noch die Wärme des grade erloschenen Kaminfeuers nach außen drang, fragte ich mich, ob nicht auch das All in dieser Welt ein anderes war. Dieser Mond, den ich hinter den Wolken vermutete, vielleicht ein fremder.
Ich hatte keine Zeit für solche Überlegungen, überhaupt machte ich mir zu viele Gedanken. Ich konnte nichts einfach aufgeben, keine kurze Eingebung, keinen Gedankengang, alles quälte und peinigte mich noch lange. Ich hatte sicher viele Sorgen, aber die meisten waren hausgemacht und ausgedacht. Was mich ablenkte und meine Gedanken wieder bündelte, war mein Ziel.

Ich musste hinter das Geheimnis kommen, welches Cecil und Jack vor mir verbergen wollten. Dafür, dass ich mich absolut überhaupt nicht in dieser Welt, geschweige denn in dieser Stadt auskannte, hatte ich ein gutes Gefühl. So fühlte sich also der Mut der Verzweiflung an, für einen Moment war ich ein wenig traurig, dass die Verzweiflung anscheinend Bedingung für diese Sicherheit war.
Ich wollte mir ein Szenario ausmalen, für den Fall, dass ich eines Tages ein normales Leben führen konnte, doch die Bilder vor meinem inneren Auge konnten nicht mit klarem Pinselstrich gezeichnet werden. Nicht, dass ich keine Kreativität hätte, nur war ich zu desillusioniert, um daran zu glauben, und daher mühte ich mich, einen schönen Gedanken zu erfinden, bis ich plötzlich fast mit meinem Kopf gegen eine Wand stieß.
Wie automatisch war ich der Spur des Päckchens, die sich für mich klar spürbar als kräftiger Energiestrom in der Luft um mich herum abzeichnete, gefolgt.
Nun spürte ich nichts mehr.
Nicht, dass ich die Fährte verloren hätte, ich war einfach zu nah dran.
Und ich war dort hingelangt, wo ich ganz am Anfang schon war: Ich stand vor der Wand jenes Hauses, in dem ich erwacht war, nachdem ich vor den seltsamen Magiern aus dem Vulkan gerettet worden war.
Die Straßenlaternen erleuchteten nur einen kleinen Teil der Szenerie, die sich mir in dieser Straße bot, aber es reichte, um sich zurechtzufinden. Die altbekannten Apfelbäume warfen ihre Schatten an die Hauswand. Oft hieß es in Büchern, dass der Schatten der Zweige aussah, als würden Arme nach irgendetwas oder irgendjemandem greifen.
Ich musste mir eingestehen, dass nicht einmal ich mit meiner ganzen Paranoia Derartiges in die Schatten hineinterpretieren konnte und musste fast anfangen, zu lachen, weil ich mich inzwischen schon darüber ärgerte, dass ich nicht paranoid genug war. Aber halt, ich hatte einen Auftrag zu erfüllen. Nervös klopfte ich mir den Schmutz von der Kleidung ab.

Gut, jetzt war ich so weit gekommen, aber was nun?
Ins Haus hinein, Cecils Zimmer suchen, Päckchen klauen, verschwinden? So einfach konnte es nicht sein. Cecil war ein hochrangiger Magier, er hatte definitiv ausreichende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ich wippte von einem Bein aufs andere.
Schockiert stellte ich fest, dass ich genau im Schein der Laterne stand, und wich ein paar Schritte zur Seite. Wie ein Verbrecher, dachte ich mir.
Heimlich, immer darauf bedacht, nicht entdeckt zu werden, und doch nie wirklich frei von Gewissen. Ich fand es faszinierend, die Facetten der menschlichen Schwächen an mir selbst zu beobachten...
Verdammt, was tat ich hier?

"Das frag ich mich allerdings auch."
Ich hatte wieder mal laut gedacht. Wie von der Tarantel gestochen wirbelte ich herum - und schaute direkt in Anastasias Haselnussaugen. Dieses Mädchen war wirklich überall und nirgends.
"Du solltest nicht hier sein."
Meine eigenen Worte machten wenig Sinn. Das war mir klar.
Aber es war immer noch besser, als gar nichts zu sagen oder wegzulaufen.
"Aber du, oder wie? Darf ich wissen, warum du jetzt doch wieder zurückgekommen bist?"
"Nein." Ich klang ziemlich grimmig.
"Mich würde aber wirklich interessieren, warum du noch so spät hier draußen bist und nicht, wie du mir selbst empfohlen hast, auf einer kuschligen Matratze schläfst."
Ich hatte ein gewisses Talent, Leute aus der Fassung zu bringen, aber ich hatte eine würdige Gegnerin erwischt.
"Du hast hier draußen 'ne Menge Lärm gemacht, da wollte ich nachsehen, was passiert ist."
"Ich hab keinen Lärm gemacht."
"Ich hab empfindliche Ohren, okay!? Sehr empfindlich."
"Naja, mir solls egal sein. Ich geh jetzt jedenfalls wieder zurück zum Marktplatz." Manchmal musste man wissen, wann es Zeit war, den Rückzug anzutreten.
"Weißt du... Ich komme mit."
Verwirrt blickte ich sie an. Doch ohne eine Erklärung war sie mir wieder einmal ein paar Schritte vorraus.

Für einen kurzen Moment gaben die Wolken den Mond frei.




Die Krähe hat geschrieben:Meinen Respekt, wirklich nicht schlecht!

Wenn ich das richtig sehe, ist diese Geschichte sagen wir mal genretschnisch recht weit von deinen bisherigen Werken entfernt.
Und dieses erste Kapitel Cogito ist dir wirklich gut gelungen!
Anschauliches Beschreiben der Umgebung und der Situation mit den Monologen Phils
lassen das Werk sehr spannend werden. Es kommt die Frage nach dem "Was" und dem "Warum" auf,
der Protagonist ist ja selbst nicht ganz in der Lage, zu verstehen, was vor sich geht.
Alles wirkt ein bisschen schleierhaft und vorallem misteriös.
Das macht dein Werk auch recht anspruchsvoll, wie ich finde. Ja, anspruchsvoll,
das beschreibt es eigentlich ganz gut.

Mich stört die Erzählweise aber auch ein wenig, es ist alles so undurchsichtig,
teilweise gar hektisch, was dafür aber die Atmosphäre gut untermauert.

Was es wohl mit diesem komischen Terrain auf sich hat, und was dieser Stern symbolisiert?
- Da möchte man gleich weiterlesen. Ich hoffe, dass die nächsten Kapitel ein wenig mehr Klarheit schaffen.

Die Ideen mit Gastautor & CaP-Projekt finde ich clever, da kommt bestimmt einiges Interessantes bei heraus. *thumbs up*

P.S.: Nehme ich dir nicht gerade eine Platzhalter-Position weg? D:
Oder wird dein Werk nicht allzu lang? :O
Zuletzt geändert von ShinyBlue am 06.04.2010, 15:43, insgesamt 7-mal geändert.
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Re: Losing Memory - Vergessen

#502837 von Kirara
16.05.2009, 21:27
Boahhhhhh! Ist die cool. Hab sie mir jetzt schon zum zweiten mal durchgelesen.
Was hast du für nen coolen Schreibstil?!
Ist wie als würde man in so einem Bestseller-Roman lesen.
Ich will weiterlesen!
Das ist soooo spannend.
Bitte, bitte schreib weiter!!!!!!
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Re: Losing Memory - Vergessen

#503076 von ShinyBlue
17.05.2009, 13:52
Schwesterchen, übertreibs nicht -.-'

Naja, Kapitel 2 ist draußen. Hoffentlich gibts jetzt noch ein paar mehr Kritiken, jeder Beitrag Feedback ist ein sinnvoller Beitrag ;)

Btw. zur Statistik: Das Wort Nummer 1337 in Kapitel 2 hab ich um 13:37 Uhr geschrieben, und das nicht einmal absichtlich xD
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Re: Losing Memory - Vergessen

#506452 von ShinyBlue
23.05.2009, 13:24
So, jetzt ist Kapitel 3 auch draußen - allerdings auf Kosten des Banners (-.-), da bei mir die Seite mit Banner nicht mehr geladen werden konnte und ich das Kapitel nicht editieren konnte... Wahrscheinlich werde ich den Banner einfach verkleinern und hoffen, dass es nächstes Mal funktioniert.

Naja, ich denke, die Story hat mehr Kommentare verdient als... Wie viele haben das letzte Mal Feedback gegeben? Ach ja, niemand o.o
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Re: Losing Memory - Vergessen

#506693 von rayne
23.05.2009, 20:08
Wow, eine wirklich tolle Geschichte!
Du hast einen echt guten Schreibstil, die Geschichte ist schön erzählt und man kann sich in Phil richtig gut hineinversetzten.
Ich bin jetzt schon richtig gespannt, was als nächstes passiert, also schreib schön weiter, ja?

Übrigens habe ich noch einen kleinen Fehler gefunden:

Dann brach der Boden untermeinen Füßen ein, und ich fiel in ein Loch aus Schmerzen, Furcht und ewiger Finsternis.


"unter meinen" schreibt man auseinander!
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Re: Losing Memory - Vergessen

#506795 von blond angel
23.05.2009, 23:50
Ich hoffe du bist mir nicht böse, wenn ich dir keine Fehlerberichtigungen aufschreibe, mir ist sowas echt wayne xD
Man kann deinen Text prima lesen, von daher stört mich da gar nichts dran.

Womit wir bei der Geschichte wären:
Ich muss wirklich sagen "Hut ab!".
Jetzt mal so unter uns: Ich steh sowas von auf den Ich-Erzähler.
Und du hast ihn hier mit Bravur angewandt.
Alles stürzt auf Phil und so auch auf den Leser ein, man kann sich nicht gut in Phil hineinversetzen, man IST Phil.
So sollte es eigentlich sein und so ist es auch bei guten Geschichten, so wie dieser.

Die lateinischen Kapiteltitel greifen die Stimmung der Story auf und ... ja, mir gefällt einfach das Gesamtpaket und damit basta :D
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Re: Losing Memory - Vergessen

#508911 von ShinyBlue
28.05.2009, 15:25
>Ankündigungspost Kapitel 4<

Ich finde, ich habe mich selbst übertroffen. Was ja auch nicht so schwer ist.

Ach ja, btw. suche ich aktuell noch eine/n Partner/in für ein kooperative FanFiction/in. Ich hab nämlich eine *hust* geniale Idee, die ich unbedingt an die Öffentlichkeit bringen will *-*

Bitte weiter fleißig Kommis schreiben, wenn ihr die FF nicht lest, habt ihr was verpasst, wenn ihr keine Kommentare schreibt... Keine Ahnung was dann, aber wär schon nicht schlecht, wenn ich welche bekommen würde.
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Re: Losing Memory - Vergessen

#508940 von rayne
28.05.2009, 15:49
Wieder mal ein tolles und spannendes Kapitel!
Deine FF wird immer besser und besser, ein großes Lob an dich!
Ich bin schon in freudiger Erwartung auf die nächsten Kapitel, also schreib schön weiter :lol: !
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Re: Losing Memory - Vergessen

#510977 von N-Friend
31.05.2009, 23:47
Oh, der junge Hüpfer Blue kann also auch ohne mich schreiben =o und das auch noch viel besser. Mir wid jetzt erst wirklich bewusst, welche Ehre es ist mit dir zu schreiben Blue... entschuldigung, ich meine Meister Blue.
Oder ist die Story von deinem jüngeren bruder und gibst sie als deine aus? =o (verschwörungstheorie ftw)

Nun ja, ich bin wirklich erstaunt was du da für ein Werk hinlegst. Das Wort "Mysteriös" trifft es sehr gut, die Story ist sowohl an Spannung schwer zu übertreffen, als auch an Überraschung. Dadurch, das der Protagonist mit dem schönen namen Phil, sich selbst an nichts erinnern kann bleibt nicht nur er selbst ein Rätsel, sondern auch der Hintergrund der geschichte. Es stellen sich in den ersten Kapitel viele Fragen auf, die zwar mit der zeit erklärt werden (siehe Kapitel 3), jedoch dann auch wieder neue aufkommen (siehe Kapitel 4)
Es ist also ein Kreislauf von Fragen und Antworten, die das ganze spannend machen und den Leser somit fesseln. EIn echter Page-Turner könnte man zu einem Buch sagen, oder in diesem Fall eher ein echter "Runter-Scroller" oO

Mysteriös, das war schon nach den ersten paar Zeilen der erste Gedanke der mir kam. Wunderbar hast du diese Metaphern eingesetzt, du hast es surreal beschrieben aber dennoch so, das man es sich noch Vorstellen knnte. Eine Existenz zwischen Leben und Tod. Und obwohl du jung bist hast du wieder einmal gezeigt, das du es kannst.
Ich zitiere: "Seltsamerweise hatte ich keine Furcht, der Tod war mir bis jetzt immer wie das Schlimmste auf Erden und darunter vorgekommen, aber in diesen Sekunden schien er mir fast wie eine Erlösung."
Dies ist nur einer von vielen Sätzen, die mich beeindruckte. Wähhrend Phil ein Schatten seiner selbst ist und nur in seinen gedanken lebt, kommt die Frage zwischen Leben und Tod. Der Tod hat für ihn eine andere Bedeutung mit dem Eintritt des für ihn sicheren Todes. Eine Erlösung, ist es das was er sucht. Ist ihm dieses Leben zwischen "zwei Mächten" etwa so schwer gefallen, das der Tod eine bessere Alternative war?
Nun gut ich interpretiere wieder zu viel. Doch grade der Anfang ist dir gut gelungen.
Plötzlich erwachte er und verlor viele seiner Erinnerungen. Er sah eine für ihn neue Welt. Alles neu, und doch zum Teil vertraut. Dieser Kontrast wurde häufig von dir genutzt, man konnte sich ein Bild machen, auch wenn du leider zum Teil widersprüchliches verfasst hast. Oder spiegelte das nur die verschwommenen Tatsachen wieder?

Nun gut, die Geschichte schritt voran, durch die Ich-Perspektive konnte man sehr gut Phils Gedanken verfolgen. Man konnte sich in ihn hineinverstezten. Für mich gab es kein N-Friend, der das lies, für mich gab es nur einen Phil, der seine Gedanken wieder zurückerlangen möchte (ach, wie melancholisch)

Die Lateinischen Titel sind interessant, gut gewählt und so.
Das Mysteriöse legte sich aber über die gesamte Geschichte wie ein Schleier, wie bereits erwähnt stellen sich immer neue Fragen, die einen zum nachdenken bringen. Warum sind die drei ins Dorf gegangen, wo sie doch nur frische Luft schnappen wollten? Warum griffen die Verrückten sie an? Ist die Bindung zwischen Jack, Cecil und Phil etwa doch bedeutender und bringen Phils Gedanken dies nur durcheinander.
Ich kann mir gut vorstellen wie schwer es ist, eine Geschichte zu schreiben, wo der Protagonist (der in der Ich-Perspektive ist) Erinnerungen verloren hat. Vieles ist unklar und man muss sörter wie "scheinen" benutzten. Dies ist dir wirklich sehr gut gelungen, mein Freund. Du bringst einem die Geschichte so nah, wie du sie beschreibst und ich übertreibe keinesfalls wenn ich sage, das diese Kunst sehr gut von dir angewandt wurde.
Zwischenzeitlich kamen mir Fragen auf, die in die Richtung gehen "Warum erinnert er sich an sowas unwchtiges" (wie zum Beispiel den Tag, an dem er weg war)
aber im Großen und Ganzen hast du die Zurückgewinnung der Erinnerungen sehr gut beschrieben.
Die Blöcke sind natürlich nicht immer einfach zu lesen, aber mit der richtigen Technik auch kein Problem. Vielleicht wäre eine Formatierung an der ein oder anderen Stelle besser gewesen.
In Kapitel 2 hast du neben der Phil-Perspektive auch die er-perspektive beschrieben. Ein interessanter Wechsel, wo aber wieder jegliche Gefühle fehlten. Wie sagen sie das, was denken sie dabei. Ein dialog ohne Gefühle ist schwer zu erkennen.
Wo ich grad bei der wörtlichen Rede bin finde ich den Dialekt von Jack gut gelungen. Es ist eine Charakteristik mit der man ihn gut erkennen kann.
Aber nicht nur das auch das Beschrieben der Personen hattest du drauf. Du hast häufig bestimmte Merkmale von Cecil und Jack beschrieben, die bei Phil ja noch fehlen - zurecht noch fehlten.
Deine Rechtschreibung kennst du ja, während ich mit WORD cheate musst du dich auf dein WIssen verlassen. Und dafür ist das doch ziemlich gut. In einem Diktat hätte ich mit nur 8 Fehlern weniger noch eine 5- bekommen... Da bist du wohl besser. (Ja 19 Fehler sind schon viel ^^)
Doch insgesamt stören die Rechtschreibfehler und Zeichensetzungsfehler und was sonst noch alles dazukommt wie Wortwiederholungen wenig.
Zwischenzeitlich hackte dein Ausdruck, zum Teil hast du dir auch zu viel vorgenommen (8 Kommata in einem Satz oder so... wtf wie soll man das flüssig lesen? oO)

Dennoch bin ich von deiner Schreibtechnik überzeugt, es freut mich mit einem wie dir eine kooperative FF zu schrieben. In diesem SInne freue ich mich auf eine Fortsetzung dieser geschichte und warte schon auf das nächste spannende und mysteriöse Kapitel. Auf das ich wieder an die Stiory gefesselt werde.

mfg N-Friend


P.S.: @ alle FF begeisterten. Ihr habt die einmalige (oder auch zweimalige) Chance mit Blue eine kooperative FF zu schrieben, da er noch einen partner braucht (sein anderer ist ihm zu schlecht). Also nutzt diese Chance, es wird sich sicher lohnen und spaß machen ;-) nicht mehr =o
-0
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Re: Losing Memory - Vergessen

#515647 von Beta
07.06.2009, 11:45
Ich bin jetzt erst bis Ende Kapitel 2 gekommen, aber ich muss sagen:

WOW! 8)
Diese Story ist echt genial!
Die Beschreibungen, die der Geschichte echten Stil geben, passen problemlos zu diesem Gedankenspiel;
das kennzeichnet eine echt gute Geschichte:
Ich als Verleger würde dich sofort annehmen.

Und sonst kann ich nur sagen:
:up: :up: :up:

{(!!!!) :o :o :o }
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Re: Losing Memory - Vergessen

#517749 von ShinyBlue
10.06.2009, 21:20
Dankeschön für die ganzen Kommentare :) Über so viel (oder mehr) würde sich sicher auch Kapitel 5 freuen, fons et origo - Quelle & Ursprung.

Naja, das Kapitel ist draußen, viel Spaß beim Lesen ^^
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Re: Losing Memory - Vergessen

#517824 von Tialgo
10.06.2009, 22:58
So, ich hab mal auf Ex duchgelesen. Und ich muss dir sagen, es hat sich hundert pro gelohnt^^
Ich finde die Geschichte ziemlich spannend, aufregend, irgendwie auch ziemlich mysteriös.

Mehr hab' ich eigentlich nicht zu sagen, nur das ich mich auf 'ne Fortsetzung hiervon freue =)
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Re: Losing Memory - Vergessen

#518117 von rayne
11.06.2009, 15:48
Ich hab mir jetzt mal die Zeit genommen, dass neue Kapitel zu lesen.
Ist dir mal wieder toll gelungen, die zwei mysteriösen Mysterien ( :lol: ) haben die Spannung noch mehr erhöht, so dass wir wieder auf ein neues Kapitel gespannt sein dürfen!

Was mir allerdings aufgefallen ist: Bei der Sache mit dem Berg hast du sehr oft das Wort "Berg" benutzt. Das ist aber jetzt nicht so wichtig...
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Re: Losing Memory - Vergessen

#520221 von Kirara
14.06.2009, 15:08
Die wird echt immer besser.Durch deinen tollen Schreibstil kann man sich gut in Phil hineinversetzen (haben die anderen ja auch schon gesagt)Vielleicht wird das Eichhörnchen aus Kapitel 5 später nocheinmal aufgegriffen.XDFreu mich schon auf die Fortsetzung, mal sehen was es mit dem Buch auf sich hat...
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Re: Losing Memory - Vergessen

#528339 von N-Friend
28.06.2009, 14:29
Auch Kapitel 5 ist Umschlossen von Geheimnissen. Ich frag mich echt, wie man eine Geschichte mit so vielen Wurzeln so überlegen kann, dass sie am Ende doch zum Baum wird. Und ja, es gibt viele Schnüre, aber irgendwann müssen sie zu einem Knoten werden und durch deinen Stil und die Spannung machst du das bisher nahezu perfekt. Jedes Wort aufs neue ein genß, jeder Satz so gut wie kein zweiter.
Man fragt sich häufig, "warum das?", oder "wie denn?" und sowas. Und du klärst auch einiges auf, lässt aber noch so viel Gedankenfreiheit, das man sich super reinversetzen kann. Allein die beschreibungen am Anfang des 5. Kapitels hauen mich aus den imaginären Socken. Du lässt den Leser im langsam verschwinden nebel tappen, aber holst dennoch mit weiteren nebelmaschinen aus.

Ich bin wirklich gespannt wie es weitergeht und was es mit dem Buch, dem Traum und allem drum und dran auf sich hat. Du bist ein ganz großer Schreiber und die, die dir das Wasser reichen können kann man an einer hand abzählen (zwei wären zu viel)

mfg dein größter Fan =P
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Re: Losing Memory - Vergessen

#532129 von ShinyBlue
05.07.2009, 13:32
So, Ankündigungspost, Postcount + 1 =D
Ich hab weder Kiribans noch Umfragen noch einen unglaublich tollen Schreibstil, aber ich hab die Garantie auf Gedächtnisverlust und supertollige Kapitöööl... Deswegen hoffe ich, dass ihr nicht nur alle fleißig lest, sondern vor allem das macht, was ihr sollt: Eure Meinung in Form eines kreativen Kritikposts kundtun. Damit mein ich euch alle. Tut nicht weh, kostet nichts. Also: Bitteschön, Kapitel 6 zum Abschuss freigegeben ^_^

MfG
Blue
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Re: Losing Memory - Vergessen

#532141 von blond angel
05.07.2009, 13:51
ShinyBlue hat geschrieben:Ich hab weder Kiribans noch Umfragen noch einen unglaublich tollen Schreibstil,


Wer da wohl gemeint sein könnte.
Ich fühle mich GAR nicht angesprochen :huh:

xD

Soviel dazu. Nun zu deinem glänzenden sechsten Kapitel:
Ja, so baaaahnbrechend viel gibt es nicht zu sagen.
Mir gefällt es wirklich sehr. Wie auch die anderen Kapitel. Das Kapitel liefert viele Antworten, aber gleichzeitig genauso viele neue Fragen -.-''
Das zeichnet eine so gute FF eben aus.
Potenzial hat diese doch sehr mysteriöse Idee auf jeden Fall und mit deinem tadellosen Schreibstil vervollkommnest du das auf jeden Fall.
Allerdings gibt es da auch diese eine Sache, die mich langsam wirklich stört:
Die Formatierung.
So eine epische Formatierung, wie du sie zuletzt benutzt hast, ist natürlich ECHT TOLL.
Wahrscheinlich mach ich das deshalb auch ( :] ).... xD.
Aber mich störts einfach, dass du es bei den älteren Kapiteln noch nicht so gemacht hast (oder zumindest noch nicht so intensiv).
Das sieht irgendwie merkwürdig aus...

Ja, soweit wäre alles gesagt.
Ich freue mich auf folgende Kapitel *wink*
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Re: Losing Memory - Vergessen

#532145 von Tialgo
05.07.2009, 13:57
Also, du dreipunktekerl!... xD


Ich finde das neue Kapitel ganz gelungen, natürlich werfen sich jetzt wieder viele fragen auf.
Mehr kann ich nicht sagen
Ich könnte jetzt noch
ganz
viele
Absätze machen
damit das länger aussieht
Aber das täuscht.

~ Keep on writing
Tialgo =)
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Re: Losing Memory - Vergessen

#534261 von Markus95
09.07.2009, 19:21
Hallo! =o Vorwort kriegste nicht.

Nun ja, ich steh nicht unbedingt auf solche Geschichten, so Mythologisch-Mysteriöses. Wär ich nun ein Schleimer würd ich sagen, "aber bei dir ist das anders". Ich bin aber kein Schleimer xD
Abgesehen davon ist dein Schreibstil aber toll, Beschreibungen sind viele enthalten, viele Metaphern und so weiter. Das machst du fabulös, wie ich bereits im Chat sagte. Deine Beschreibungen sind nicht abgehackt - Übergänge sind schön (im Gegensatz zu meine FF vielleicht ;)) Nur manchmal ist es mir zu übertrieben und überintellektuell, so dass es gekünstelt vorkommt (bspw. hier ein wenig: "Ich wollte nur weg von dieser Kakofonie völlig fremder Laute, die sich in den letzten Minuten meiner Flucht zu einem ohrenbetäubenden Crescendo gesteigert hatten." - aber das ist nicht gravierend).

Achte darauf, entweder sachlichen Stil oder aber umgangsprachlichen Stil zu verwenden. Da der überwiegende Teil sachlich ist, empfehle ich dir so etwas rauszulassen:
die sich in meinem 5-Quadratmeter-Bett tummelten.

Das kommt irgendwie blöd, so pseudo-lustig. Sag lieber, dass es ein großes Bett ist.

Außerdem: Nicht unbedingt "Schwarz-Weiß-Kämpfe" - böse gegen gut. Das ist irgendwie so unkomplex. Gehe auf den Hass dieser Titanen-Truppe ein, sag, warum sie so sind. Dass sie "einfach bloß hassend" sind, ist zu simpel.
Vermeide abgedroschene Motive, zum Beispiel ist "ein Waise" ist so eine Sache. Es ist keineswegs störend, aber wenn du weiter in die Story hineingehst, solltest du so Standard-Dinge weglassen, ich hoffe du verstehst wie ich das meine (solche Sachen, die immerzu in irgendwelchen Geschichten vorkommen).
Und was besonders wichtig ist, mache uns bekannt mit deinen Charakteren. Nur wenn man mit ihnen wirklich mitfühlen kann, bekommt die Geschichte eine Spannung. Ein Charakter, mit dem man einfach mitleidet, weil man sich in irgendeiner Weise mit ihm identifiziert oder ihn sympathisch findet, macht die Geschichte viel, viel spannender.
Wobei ich denke, dass das schwer ist. Ich will nicht sagen, dass es mir persönlich gelingt in meiner rübenroten FF.

Das nur so am Rande - ich will auch zu allgemeinen Sachen meinen Senf dazugeben, weil ich so gerne meinen Senf dazugebe. Auch wenn die Kritik vielleicht relativ negativ und kritisch scheint, dein Schreibstil ist klasse und so weiter und so fort! Und das Lob nehmen mir wahrscheinlich sowieso andere vorweg ; )

(btw die Anführungszeichen, ne?)
Zuletzt geändert von Markus95 am 01.10.2009, 13:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Losing Memory - Vergessen

#562034 von ShinyBlue
07.09.2009, 16:35
So, neues Kapitel. Bissel gekürzt, ebenso wie die Einleitung, da ich keinen Platzhalter gemacht hab (ich Depp) und der Startpost überfüllt ist.
Hab lange nicht mehr wirklich geschrieben, hoffe, das Kapitel ist trotzdem okay...
Nach mindestens 3 Kommentaren schreib ich weiter :)

MfG
Das Blaue Dingens.
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Re: Losing Memory - Vergessen

#562220 von Netan
07.09.2009, 21:57
Dachte mal gib auch mal nen paar Kommentare mehr von mich. Gefällt mir sehr gut, da ich sowie solche Geschichten mag. Ich finde das dir das neue Kapitel sehr gut gelungen ist und du es wirklich schaffst die ganze FF über bisher es Mysteriös zu halten.
Zum schluss noch:
Ich will wissen wie es weiter geht
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Re: Losing Memory - Vergessen

#562486 von Kirara
08.09.2009, 18:29
Schön, dass endlich weitergeht. =D
Kapitel ist dir gut gelungen, die Idee mit dem Wald, der Sachen vortäuscht, find ich gut. Mal sehen was passiert, wenn das Katzenvieh ausbricht. Zerstörung !!!xD
Ich könnte jetzt Tialgos Beispiel folgen
und ganz viele
Absätze
machen.....tu ich aber nicht ;P
Mach weiter so!! Bin schon auf das nächst Kapitel gespannt . Also Leute, schreibt Kommentare!!

Mfg
Kirara
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Re: Losing Memory - Vergessen

#562872 von Tialgo
09.09.2009, 19:24
So, da hat das Blupokémon auch etwas geschrieben. Hirngewicht weiß ich nicht und es frisst anscheinend gerne Unnützes Zeug und verwandelt es in Kommentare. Ein wahres wunderwerk der Technik.

So, jetzt kommen wir zu deiner FF:
Ganz gut das neue Kapitel!
Ich liebe diese Namen. Erinnert mich an den Heulenden Fjord oder die Boreanische Tundra aus ... (Name der Redaktion bekannt).
Oder so.
Und da alle meinem Beispiel folgen
muss ich das
natürlich
auch so machen.

kepp o. writening
mit freundlichen Rechtschreibfehlern, ich =)
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Re: Losing Memory - Vergessen

#580383 von ShinyBlue
22.10.2009, 16:57
Ding-Dong! Eine wichtige Durchsage:


Da ich vorhabe, demnächst doch mal wieder zu arbeiten (ihh, Arbeit!) und das nächste Kapitel "Deus ex machina" fertigzustellen, ich grade sowieso nichts zu tun habe und es langsam mal wieder Zeit wird, startet nun auch bei LM das CaP-Projekt (Create a Person, lukk hiar: pokemon-fanart-fanfiction/topic26208.html#p485278 ).
Das heißt, ihr könnt ab jetzt einen Steckbrief für eine imaginäre Person, die gut in die Geschichte passen würde entwerfen und ihn mir per PN schicken, was dann damit passiert, steht im verlinkten Beitrag.
Es kann also wie interaktiv interagiert werden, viel Spaß dabei, ich hoffe auf viele Teilnehmer und ihr dürft euch aufs nächste Kapitel freuen, wenn ich das mit dem fehlenden Platzhalter geregelt habt, dürft ihrs dann auch lesen. Bevor ich hier die Steckbriefvorlage post, das ganze nochmal auf baumarktisch:
Die Geschichte, die Gewichte, die Gerichte, das Witzige, das Hitzige, das Spritzige, mach es zu deinem Projekt. Der Wahnsinn, der Unsinn, der Schwachsinn, das Hintersinnige, das Hinterletzte. Der Raum, der Schaum, der Baum. Die Vollkommenheit, die Verschwommenheit, die Benommenheit. Mach es zu deinem Projekt!


So, Steckbriefvorlage:

    Name: (Sollte jeder mal gehabt haben.)
    Alter: (Keine Alternativanrede für euren Vater, sondern eine Zahl von 9 bis 99.)
    Magier/Nichtmagier: (Wird im späteren Storyverlauf sicher noch einmal ganz interessant :) )
    Gut/Böse: (Der missverständlichste Punkt, da ich nicht wirklich vorhabe, das uralte Billigschema einfach so durchzuziehen... Sagen wir pro oder contra Phil.)
    Beschreibung: (Hintergrundinfos? Immer her da mit. Optisch wie charakterlich für eure Figur wahrscheinlich unentbehrlich.)

Viel Spaß beim capsen, ich freu mich über jede Einsendung =D
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Re: Losing Memory - Vergessen

#582539 von ShinyBlue
26.10.2009, 21:30
So, nächstes Kapitel ist online, cih hoffe auf viele Kommentare, auch wenn es relativ kurz ist, denke ich, die Dramatik ist ganz gut geworden. Wer den lateinischen Titel nicht versteht, PNt mich am besten. Danke an -KramChef- und gasi, der eine ließ seinen Post plätten, der andere hat ihn geplättet - jetzt hab ich nen Platzhalter, der Krähe ihr Kommentar steht unter dem neuen Kapitel als Quote.
Absätze mach ich morgen rein.
Und ich würde mich wirklich über Teilnehmer am CaP-Projekt freuen =D
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Re: Losing Memory - Vergessen

#584497 von N-Friend
01.11.2009, 19:51
Auch Kapitel 8 geht so in Ordnung. EIn weiteres mal feinste Beschreibungen und eine schöne Atmosphäre.
Das Kapitel hat jetzt zwar nicht wirklich die große Wendung wie in den Kapiteln zuvor gebracht und es ist auch nicht wirklich viel passiert und schon gar nichts unvorhersehbares, aber das muss es ja auch nicht immer geben. Inhaltlich nicht sehr weit gekommen, aber stilistisch pakend erzählt und die Spannung aufgebaut, feinfein. Das Ende war zwar meiner Meinung nach etwas zu schnell, aber nu gut. RG technisch hab ich nichts zu bemängeln. Wenn ich mir die gesamte Geschichte noch mal durch den Kopf gehen lasse, dann erkenne ich immer noch nicht wirklich den Konflikt der sogenannten Guten und Bösen, ich sehe die Story ja nur als Memoryloser Typ. Deshalb bin ich gespannt wie es weiter geht.
Keep on writing!
btw, Der Krähe ihr Kommentar hätte man auch verspoilern können ;>

mfg
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Re: Losing Memory - Vergessen

#587481 von ShinyBlue
09.11.2009, 22:40
Sorry, aber ich musste jetzt mal sagen, dass ein neues Kapitel draußen ist, Blondis CaP-Chara einen ersten Kurzauftritt hat und ich es ja doch kann, wenn ich möchte 8)
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Re: Losing Memory - Vergessen

#587609 von Netan
10.11.2009, 14:33
gelungendes Kapitel. Sehr nette idee dieses Flashback ins Chester-House einzuabuen. Endlich kam mal etwas Licht ins Dunkle, jedenfalls was das House betrifft. Allerdings wurden auch noch mehr fragen aufgeworden.
Zum Beispiel: Wer sind jetzt eigentlich die Bösen? Nach Phil scheinen die ''Bösewichte'' ja zum selben Orden wie er selbst zu gehören.
Ach ja neben bei gefragt: läuft das cap projekt eigentlich jetzt noch weiter?
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Re: Losing Memory - Vergessen

#587815 von ShinyBlue
10.11.2009, 20:27
thx für den Kommentar :)
Natürlich, das CaP-Projekt läuft dauerhaft. Vielleicht ziehe ich irgendwann einen Schlussstrich, wenn genug Einsendungen gekommen sind, aber bei vllt. 1,5 Charas, die ich schon bekommen habe, erscheint das unwahrscheinlich xD
So, ummein Posthunting abzuschließen, kündige ich noch an, einen Gaststar fürs nächste Kapitel engagiert zu haben. Ansonsten: Ich will noch minimal 2 Kommentare =/
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