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Trainer wider willen - Fortset...

#1284470 von KleinKokuna
26.02.2017, 18:26
Also, wie in meinem vorletzten Post erwähnt, wird meine FF am jetzt hier fortgesetzt. Dann ist mir mein Laptop auch nicht mehr so böse, weil er sich langsam schon schwer getan hatte, als ich noch mehr Text in den einzelnen Post gesteckt habe^^.

Und wer den Anfang der FF (nochmal) lesen möchte, möge bitte dem Link hier folgen :D :http://forum.pokefans.net/fanart-fanfiction/topic101440.html

Und darum, hier das Inhaltsverzeichnis und weiter geht's :)!

Inhaltsverzeichnis:

Dritter Teil:
Kapitel 12: Eine lehrreiche Niederlage
Kapitel 13: Svens Idee
Kapitel 14: In Gefahr!
Kapitel 15: Die Familie Rougon
Kapitel 16: Das Beizjagd-Festival!

Vierter Teil:
Kapitel 17: Svens Wunsch
Kapitel 18: Zeit des Verlusts
Kapitel 19: Der wahre Dietbert!
Kapitel 20: Die Maske fällt!
Zuletzt geändert von KleinKokuna am 10.12.2017, 12:01, insgesamt 8-mal geändert.
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Re: Trainer wider willen - For...

#1284472 von KleinKokuna
26.02.2017, 18:33
Dritter Teil:

Kapitel 12: Eine lehrreiche Niederlage

Das Licht der Entwicklung verblasste allmählich wieder, während Sven mit bangem Blick das Ergebnis betrachtete und Juwelchen sowie Tobi, welche beide ja noch völlig ahnungslos waren, aus allen Wolken fielen!

„Flamara!“, rief Fussel zunächst noch fröhlich aus und hob seinen nun noch buschiger gewordenen Schweif in die Höhe. Aus dem kleinen, kräftigen Evoli war nun ein ebenfalls etwas zu klein geratenes, aber noch deutlich kraftvolleres und dank seines Fellkragens auch enorm flauschiges Flamara geworden.

Erst einen Augenblick später merkte Fussel selber, dass da gerade etwas komplett schief gelaufen war!

„Fla…? Flamara?!“, entfuhr es ihm völlig schockiert, betrachtete sich so gut wie möglich und wurde dadurch noch verstörter. „Flamara! Flaaa!“, schrie es darum ganz panisch und verständnislos. Warum hatte es diese flauschige Rute? Wo war sein Flossenschweif?! Und warum trug es immer noch ein auf einmal so rotes Fell und hatte keine glatte, blaue Haut?!! Und… Und… Und…???!!!

„Mara!“, jaulte es verstört, während es am ganzen Leib zitterte, nicht zu begreifen schien und wohl beinahe in Ohnmacht gefallen wäre.

„So ein…!“ Wütend und empört zerbiss Sven einen Fluch und ballte die Fäuste: War dieser Samsonson tatsächlich so schuftig um das arme unbeteiligte Fussel für seine völlig übertriebene Rache zu missbrauchen!!!

Ihn drängte es dazu, sofort zum Telefon zu greifen, diesen Laden anzurufen und sich mit ein paar geharnischten Worten über diesen Azubi zu beschweren. Denn der junge Mann konnte sich wegen dieser Tat schon zusammenreimen, dass dieser Samson wohl der scheinbar schüchterne Azubi vom Samstag war. Wie sonst hätte er von Fussels Wunsch erfahren können, zumal das wohl auch die verschwundenen Wassersteine erklären würde.

Dann entschied er sich jedoch dagegen. Diese Schandtat konnte das ja nicht mehr rückgängig machen. Fussel zu trösten war erst mal viel wichtiger!

Er hob das immer noch zitternde, völlig neben sich stehende Feuerpokémon behutsam auf, was nun nicht mehr ganz so leicht war, denn jetzt wog Fussel immerhin knappe dreißig Kilo. „Ach mein armer, armer Fussel…“, begann Sven mitleidig und sah seinem frischentwickeltem Pokémon tief in dessen traurige, große und blauschwarze Augen. Auch wenn jetzt nicht ganz der richtige Moment dafür war, musste der junge Mann feststellen, dass sich so ein Flamara wunderbar plüschig und warm; fast wie eine Wärmflasche; anfühlte.

„Flam…“, flüsterte Fussel traurig und wie benommen, denn es konnte immer noch nicht ganz begreifen, was gerade passiert war. Auch Juwelchen und Tobi waren völlig ratlos und sahen ihren Teamkollegen ebenfalls mitfühlend an, bevor sie Sven fragend betrachteten. Immerhin schien ihr Trainer mehr zu wissen, sodass dieser es ihnen erklärte.

„…Und nur um sich an mir wegen seiner Kündigung zu rächen, hat dieser Kerl seine Position missbraucht und uns den falschen Stein geschickt.“, schloss der junge Mann seine Erklärungen, wobei er merkte, wie sowohl Juwelchen als auch Tobi immer mehr in Wut gerieten. Sie dachten das gleiche wie er: ‚So ein elender [Zensiert]!‘

Nur Fussel zeigte keinerlei nennenswerte Reaktion. Es sah immer noch vollkommen verdattert drein und offensichtlich schien alles Äußere im Moment nur sehr gedämpft oder gar nicht zu ihm durchzudringen.

„Ich weiß, dass das mehr als hart für dich ist.“, sprach Sven ganz sanft und verständig auf seine Evolition ein: „Doch sei dir sicher, dass du nach einiger Zeit die Kraft finden wirst um wieder nach vorn zu blicken! Denn davon geht die Welt doch nicht gleich unter, ja?“

„Mara!“ ‚Doch tut sie :cry:!‘

Plötzlich ging ein Ruck durch Fussels Körper und es hustete ungewollt ein Glutbröckchen heraus, welches einen schönen, großen Brandfleck im Sofa hinterließ. „Schöne Bescherung :/!“, dachte sich der junge Mann und legte Flamara ganz sanft auf diesem ab, wo es an Ort und Stelle zusammengekauert und apathisch liegen blieb.

„Lassen wir Fussel für einen Moment allein, denn jetzt können wir ihm noch nicht helfen.“, sprach Sven mit Bedauern in seiner Stimme zu seinen anderen Pokémon: „Es wird noch eine Weile brauchen, bis es das Geschehene realisiert hat. Gönnen wir ihm also etwas Ruhe bis dahin.“

„Rocara!“, zürnte das kleine Gesteinspokémon dann völlig außer sich, als sie aus dem Wohnzimmer draußen waren. „Das sehe ich genauso Leute!“, stimmte der junge Mann genauso wütend mit ein und nahm dankbar seinen PokéCom, den ihm Tobi schon in seiner Geistesgegenwart reichte, entgegen: „Die werden jetzt mal was von mir zu hören bekommen!!“

Nachdem er die Nummer eingegeben hatte, tutete es unverschämt lange, bis sich am anderen Ende der Leitung endlich eine gelangweilte Stimme meldete.

„Guten Tag, sie sind hier bei ‚Stein&Fein‘, was kann ich für sie tun?“, nuschelte jemand, der es gar nicht nötig hatte sich vorzustellen, mit der Begeisterung eines betäubten Lahmus in den Hörer, während im Hintergrund das verdächtige Dudeln eines alten Handheldspiels zu hören war. „Hallo, hier ist Sven Rougon ich…“, wollte Sven schon zornig loslegen, als ihm der Verkäufer schon das Wort abschnitt und lapidar meinte: „Warten sie mal kurz, ich erreich gleich den nächsten Level!“

„Was zum…?!“, konnte der junge Mann nur noch sagen, als er auch schon in die Warteschleife geleitet wurde und ihm fast der Kragen platzte: „Ja spielt dieser Kerl den Videospiele, anstatt zu arbeiten?!“

„So da bin ich wieder.“, meldete sich das betäubte Lahmus wieder beiläufig zu Wort, denn es war unüberhörbar, dass er derweil weiter an seinem Kasten herum tippte: „Also was wollten sie Herr… Oh Moment, da ist der Endgegner! Warten sie…!“

„Nein ich warte jetzt nicht wegen ihres blöden Endgegners!“, brüllte Sven da in den Hörer: „Ich hab ihnen nämlich ein paar Takte über ihren Azubi namens Samson Samsonson zu sagen!! Also hören sie mir gefälligst zu!! Und was sind sie überhaupt für ein lausiger Verkäufer?!“

Er konnte es selbst kaum glauben, aber der junge Mann ertappte sich dabei wie er jetzt tausendmal lieber seinen Nachbarn an der Strippe hätte. Mochte man Dietbert Strohsack einige Macken vorwerfen, aber der verstand wenigstens was vom richtigen Verhalten gegenüber eines Kunden!

„Der heißt nicht Blöd, sondern ‚Lord Langweilix‘… Ach verflixt ist der schwer…! Menno, schon wieder tot, das Spiel ist doof!“, nuschelte die Fehlbesetzung von Verkäufer nebenher frustriert, schaltete aber dafür endlich seine Spielkonsole aus und erklärte mit der gleichen ‚Begeisterung‘: „Hör mal ich bin gar kein Verkäufer sondern nur der Bruder des Inhabers, der schnell diesen blöden Laden hüten soll, auch wenn ich gar keinen Bock darauf habe. Hätte auch eigentlich irgendeinen Knopf drücken sollen, der alle Anrufe direkt an den AB weiterleitet, weil ich angeblich zu unfachmännisch für so was bin. Tch! Ich habe halt Wichtigeres zu tun!“

„DAS habe ich gemerkt!“, dachte sich Sven sarkastisch und wollte jetzt endlich auf das eigentliche Thema kommen: „So aber ganz gleich ob sie ein Verkäufer sind oder nicht will ich mich über ihren Azubi Samson Samsonson beschweren

„Ach dieser Samsonson hat heute früh völlig überraschend gekündigt, nur darum muss ich überhaupt aushelfen!“, antwortete der Typ nun ärgerlich: „Wollte nur schnell noch eine Elementarsteinlieferung zu einem gewissen Herrn Rougon machen. Vielleicht kennen sie den ja. Na ja, von mir brauchen sie dann ja jedenfalls nichts mehr, tschüss…“

-Tuuuttt-

„Ich kenn‘ mich gleich selber nicht mehr…!“, stammelte Sven, der selten so wütend war wie jetzt, mit bebender Stimme und nahm deswegen erst mal in der Küche Platz um sich zu beruhigen. Er verwarf den Gedanken, später nochmal dort anzurufen, denn es hätte ja keinen Sinn mehr gehabt. Diesen Samsonson würde er auf diese Weise nicht mehr erwischen, der war schon sicherlich über alle Berge und lachte sich ins Fäustchen über seinen gelungenen Schachzug.

„Botogel.“ Tobi reichte seinem Trainer fürsorglich eine Tsitrubeere, welche dieser dankbar annahm. Tatsächlich fühlte er sich, als er diese milde, fruchtige Säure der Beere in seinem Mund verspürte, gleich besser, vielleicht lag es auch daran, weil er sich mit dem Kauen etwas beschäftigen und ablenken konnte. Jedenfalls hatte er danach wieder einen halbwegs klaren Kopf und beschloss gleich noch Chantal anzurufen um ihr von diesem gemeinen Streich zu berichten.

„Das ist ja furchtbar! Was für ein Lump muss man nur sein, um ein Pokémon so abscheulich für seine Rache zu missbrauchen?!“, rief die junge Frau darum etwas später ebenfalls im Tonfall höchster Entrüstung aus: „Das arme Fussel! Ein Pokémon mit Absicht und gegen seinen Willen falsch zu entwickeln… Das ist einfach grundfalsch! Warst du mit dem Ärmsten schon in einem Pokémon-Center?“

„Das ist mein nächstes Ziel Chantal.“, erklärte Sven ernst: „Ich weiß nicht, wie lange ich dort brauchen werde, aber kann ich dich danach zurückrufen?“ „Aber selbstverständlich!“, beeilte sich die junge Frau zu antworten: „Es steht zwar hier beim Orden noch ein Test an, aber wenn jemand diese Situation verstehen wird, dann die. Also egal wie spät es wird, ich bin da wenn du anrufst! Bis dann und dir und deinem Fussel viel Glück!“ „Ja bis dann und danke!“, verabschiedete sich der junge Mann nun ebenfalls und legte auf.

„Okay Leute, ab mit uns, das Pokémon-Center wartet!“, verkündete Sven entschlossen, machte sich ausgehfertig, zog Tobi und das immer noch völlig traumatisierte Flamara in deren Bälle zurück und ging festen Schrittes mit Juwelchen los…

„Gut, dass sie uns sofort aufgesucht haben, Herr Rougon.“, erklärte ihm die anwesende Schwester Joy dann in diesem, nach Fussels Erstuntersuchung, freundlich und erläuterte die Lage: „Ihr Fussel leidet unter einer ‚Entwicklungsdepression’, das ist eine sehr seltene Form zeitweiliger Antriebslosigkeit und gedrückter Stimmung, deren Intensität mal stärker mal schwächer ausfallen kann. Aber seien sie unbesorgt: Mit einer echten Depression hat diese Krankheit glücklicherweise nichts zu tun.“

„Und was kann ich, nein, können meine anderen Pokémon und ich konkret für Fussel tun?“, wollte der junge Mann natürlich sofort besorgt wissen.

„So lapidar es auch klingen mag: Führen sie ihr gewohntes Leben fort. Zeigen sie ihrem Flamara so oft sie können ihre Zuneigung, lassen sie es mit anderen Pokémon spielen und, ganz wichtig, trainieren sie es auch weiterhin wie gehabt! Zwar wird es Tage geben, an denen es nicht die Kraft dazu haben wird, aber es ist dennoch wichtig, dass es nach und nach lernt mit seiner neuen Situation klarzukommen.“, antwortete die Pflegerin eindringlich: „Eine Entwicklung ist unumkehrbar, das weiß jeder. Anders als Menschen muss Fussel sich eines Tages damit abfinden, den Rest seines Lebens im scheinbar falschen Körper zu stecken.“

„Können wir etwas in dieser Hinsicht für Fussel tun?“, hakte Sven hoffnungsvoll nach. „Entschuldigen sie Herr Rougon, aber dafür gibt es kein Universalrezept.“, meinte die Schwester mit einer bedauerlichen Geste: „Die Entwicklungsdepression ist eine seltene und kaum erforschte psychische Störung. Immerhin kommt es ja nur höchst selten vor, dass ein Pokémon mit einer verzweigten Entwicklung den ‚falschen’ Weg einschlägt. Das Einzige was ich ihnen sagen kann ist, dass bisher jedes Pokémon sich eines Tages aus diesem Zustand wieder herauskämpfen hat können. Manches früher, manches erst später. Natürlich nur mit der Hilfe anderer. Von einem ‚Schlüsselreiz’ ist die Rede, doch der ist von Pokémon zu Pokémon so verschieden wie Tag und Nacht. Mehr kann ich ihnen leider nicht sagen. Aber ich bin mir sicher, dass sie das schon schaffen werden, denn meine Kollegin hat mir schon von ihnen erzählt und sie meint, sie seien ein fantastischer Trainer.“

„Oh, danke.“, machte der junge Mann geehrt und nickte dankbar: „Das was sie mir sagen konnten ist schon viel wert! Dann werden meine Pokémon und ich unser Bestes geben um Fussel so schnell wie möglich aus seinem Loch zu holen! Nochmals vielen Dank und einen schönen Tag noch!“

„Nichts zu danken Herr Rougon und ihnen ebenfalls trotz all dem noch einen schönen Tag!“, entgegnete die Pflegerin freundlich und winkte Sven und Juwelchen hinterher.

„Gib es ruhig zu Fanny.“, meinte eine zweite Schwester Joy, die soeben dazu trat, mit einem wissenden Lächeln zu ihrer Kollegin: „Du Perfektionistin bist natürlich nicht mit deiner Leistung zufrieden.“ „Bin ich auch nicht!“, gestand die Fanny genannte Schwester unzufrieden: „Dieser Sven ist eine dieser Personen, die für ihre Pokémon leben, obwohl er erst seit einer guten Wochen damit angefangen hat. Einfach bewundernswert! Ich hätte seinem Flamara zu gerne mehr geholfen, aber mit Worten allein kann ich das einfach nicht! Für so etwas müssten Taten sprechen, aber ich wäre nicht stark genug dafür…“

„Warum rufst du dann nicht einfach…“, wollte ihre Kollegin schon zum Spaß anheben, als sie beim Anblick von Fanny stockte: „H… Hey Fanny! Was machst du da? Du weißt, dass ich nur einen Witz machen wollte, oder?!“ „Das war kein Witz, das war DIE Idee! Danke dir!“, murmelte Fanny mit Feuereifer, welche tatsächlich das Telefonbuch ergriffen hatte und nun bereits eine ganz besondere Nummer wählte: „Er wird ihnen sicherlich helfen können…! Haltet durch Sven und Fussel! Die gute alte Fanny wird euch retten!“

Von diesen redlichen Bemühungen bekamen Sven und seine Pokémon natürlich vorerst nichts mit. Zuhause angekommen galt es zunächst Chantal anzurufen und zu unterrichten, bevor der junge Mann den Rat der Pflegerin befolgte und seinen gewohnten Tagesablauf wieder aufnahm.

Und da er für heute beim besten Willen sein kleines Schläfchen nach der Arbeit nicht mehr machen wollte, ging er raus um Jean oder Francoise oder irgendeinen anderen Trainer für ein paar kleine Übungseinheiten aufzusuchen.

Der Dienstag verlief ähnlich, nur mit dem Unterschied, dass Fussel seinen ersten Schock überwunden hatte und sich wieder halbwegs am Leben beteiligte. Sein Unmut über diese Situation war aber trotzdem nicht zu übersehen. Zwar genoss es die Zuneigung und Nähe von Sven und spielte auch ab und zu mit Juwelchen und Tobi, doch diese diffuse Traurigkeit lag wie ein bedrückender, grauer Schleier auf allem.

Am Mittwoch wiederum war Flamara so schlapp und unlustig, dass es fast den ganzen Tag teilnahmslos und melancholisch auf dem Sofa lag und nicht mal einen Bissen von seinem Futter annahm. Selbst Juwelchens Aufheiterungsversuche scheiterten völlig.

„Cara…“, seufzte das kleine Gesteinspokémon mitleidig, denn es fand es schrecklich seinen Teamkollegen so niedergeschlagen zu sehen. „Sei nicht traurig Juwelchen.“, versuchte Sven seinen Schützling aufzumuntern, wenngleich ihm Fussels Anblick auch etwas Klamm ums Herz werden lies: „Du weißt, was uns Schwester Joy gesagt hat. Heute ist wohl einer dieser Tage an denen nichts geht. Aber genau darum müssen wir anderen versuchen weiterhin fröhlich zu sein. Allein schon Fussel zuliebe! Denn sonst denkt es am Ende noch, dass es uns mit runterzieht und fühlt sich schuldig. Also lasst uns lächeln, ja?“

Das war ein Argument und auch Fussel schien den Worten von Sven zuzustimmen und ein klein bisschen ging es ihm ja auch besser, als er von diesem am Kopf gekrault wurde. „Flam…“, stöhnte es lustlos. Es wollte ja wirklich nicht, dass seine Freunde mit ihm rumtrauerten. Aber es hatte einfach nicht die Kraft sich aufzuraffen… Es fühlte sich einfach zu falsch an, ein Flamara zu sein… Vor allem, weil es nun nie mehr seinen Traum verwirklichen konnte! Niemals würde es so eins mit dem Wasser werden können, wie Fussel es sich eigentlich gewünscht hätte…

Gegen Abend zu wurde aber sogar das Feuerpokémon wieder munterer, denn Chantal kam, wie verabredet, zu Besuch. Einerseits um sich trotzdem Fussels neue Erscheinung anzusehen und andererseits wollte sie ihrem Freund aber auch selber noch etwas Tolles zeigen.

„Ach so ein süßes, flauschiges Flamara bist du nun also?“, sprach die junge Frau verzückt, während sie Fussel ausgiebig streichelte und herzte: „Du wirst dich schon daran gewöhnen, glaub mir!“ „Mara T-T!“, seufzte es niedergeschlagen, wenngleich ihm diese Liebkosungen sehr gefielen. Es wollte sich eigentlich gar nicht daran gewöhnen, sondern wäre viel lieber ein hydrodynamisches und glattes Aquana geworden…

„Fussel schein es wirklich sehr schwer zu nehmen, was?“, fragte Chantal den jungen Mann mitfühlend, als sie zusammen in dessen Garten gingen. „Allerdings. Bevor du kamst, war es den ganzen bisherigen Tag nur apathisch auf dem Sofa gesessen.“, bestätigte Sven mit einem ernsten Nicken, bevor er hoffnungsvoller meinte: „Aber Schwester Joy hat ausdrücklich gesagt, dass jedes Pokémon mit viel Hilfe wieder aus diesem Loch herausgekommen ist! Mir und meinen Pokémon bleibt nichts anders übrig als frohen Mutes weiterzumachen. Und ich bin sicher, dass uns zur rechten Zeit schon etwas einfallen wird!“

Dann bemühte er sich darum auch gleich um ein fröhliches Lächeln und fuhr fort: „Und allein schon deshalb möchten Juwelchen, Tobi und auch Fussel genauso wie ich selber doch jetzt zu gerne wissen, ob dein kleiner Ausflug in den eisigen Norden von Erfolg gekrönt war?“

„Und wie!“, lachte seine Freundin ausgelassen, während sie den jungen Mann insgeheim für seine Entschlossenheit bei dieser schweren Sache bewunderte. Zu Svens größter Überraschung zauberte sie dann nicht nur einen sondern gleich zwei Bälle, einen Netz- und einen Mondball, hervor!

„Darf ich vorstellen? Meine neuesten Teammitglieder: Tinkerbell und Fräulein Flauschig^^!“, verkündete Chantal freudig, während sie die Bälle im hohen Bogen warf und sich sogleich ein Reißlaus und ein Waumboll daraus befreiten und neugierig ihre Umgebung sowie den jungen Mann und dessen Pokémon betrachteten.

Sven staunte nicht schlecht, denn ein Reißlaus hatte er nie zuvor hautnah gesehen! Immerhin lebten diese Laufschrittpokémon ja hauptsächlich an und in den Meeren Alolas und wurden bis jetzt sehr selten anderswo gesichtet. Doch schon beim ersten Blick wusste der junge Mann, dass es schon einen Grund gab, warum der Zuckerschock-Orden dieses hier in Mungenau äußerst exotische Pokémon gepflegt hatte. Denn Tinkerbells silberner Panzer war völlig zerfurcht und vernarbt; es sah allgemein ziemlich lädiert aus. So hatte es auch eine schlimme Narbe, welche sich quer über dessen linkes Auge zog, sodass es dieses nicht ganz öffnen konnte und ihm fehlte ein großes Stück seiner rechten Antenne.

Trotzdem war nicht zu übersehen, dass dieses Reißlaus vor Lebensfreude regelrecht sprühte und sich nicht an seinem verstümmelten Äußeren störte. Viel zutraulicher und mutiger, als seine meisten wilden Verwandten, näherte sich Tinkerbell nach und nach zuerst Sven und dann auch dessen Pokémon, ließ sich sogar streicheln und schnupperte interessiert an jedem herum und quiekte vor Vergnügen.

Waumboll folgte ihm derweil schweigsam und wie ein Schatten und tat es Reißlaus gleich, blieb aber dennoch wie ein gewissenhafter Wächter im Hintergrund. –Man musste kein Hellseher sein um zu erkennen, dass Tinkerbell und Fräulein Flauschig wohl richtig eng miteinander befreundet waren.

„Tinkerbell ist in eine Schiffschraube geraten und danach wegen seiner schweren Verletzungen viele Wochen lang hilflos auf dem Meer getrieben, weißt du.“, erklärte Chantal sehr sachlich, denn übertriebenes Mitleid konnte der Käfer/Wassertyp gar nicht leiden, während sie fröhlich die Szenerie betrachtete: „Die Strömung hat es dann tatsächlich in die Nähe von Frosthaf’n gespült, wo man es schleunigst aus dem Wasser gefischt, versorgt und für seine Genesung zum Orden gebracht hatte.“

„Und dort hat es sich dann wohl mit Fräulein Flauschig angefreundet?“, riet Sven scharfsinnig. „Anfreunden ist fast das falsche Wort dafür, hihi.“, kicherte die junge Frau bei diesem Gedanken heiter: „Kaum, dass Tinkerbell eingeliefert wurde, hat sich Fräulein Flauschig sofort um es gekümmert und ist seitdem nicht mehr von dessen Seite gewichen! Als dann feststand, dass Tinkerbell bei einem fürsorglichen Trainer besser aufgehoben wäre, als es wieder in die Wildnis zu entlassen, hat der Orden schnell feststellen müssen, dass die beiden nur im Doppelpack zu haben waren. Hach, du hättest dabei sein sollen, das war so süß, als ich sie zum ersten Mal gesehen habe <3! Und hey: Jetzt haben wir beide eine Fee im Team^^!“

„Das stimmt, ja!“, erkannte der junge Mann freudig und deutete mit einem Schmunzeln auf Tinkerbell: „Und so wie es aussieht, ist jetzt Tinkerbell an der Reihe, sich um jemanden kümmern zu wollen.“

In der Tat näherte sich das Reißlaus gerade ohne Angst Fussel, welches völlig desinteressiert dasaß und eher missmutig Abstand vom Laufschrittpokémon nehmen wollte. Schließlich war es ein Wasserpokémon! Genau der Elementartyp, denn es selbst doch soo gerne angenommen hätte…

„Rocara.“, sprach Juwelchen streng aus und hinderte zusammen mit Tobi und Fräulein Flauschig das Feuerpokémon daran. „Reißlaus^^!“, grüßte Tinkerbell ausgelassen und sah seinen Gegenüber aufmunternd an. ‚Das wird schon wieder, sieh mich doch an!‘ „Flamara…“ ‚Das ist was ganz anderes :(!‘

Fussel und Tinkerbell wirkten aber wirklich wie ein vollkommener Gegensatz:

Während Flamaras Wunden von seelischer Natur waren und nicht sofort sichtbar unter seinem makellosen Äußeren bluteten, so trug Reißlaus seinen zerrupften Körper ohne falsche Scheu zur Schau, aber hatte innerlich seinen Frieden damit gemacht und war nun stärker denn je.

Nur sehr verhalten und unter dem Drängen der anderen Pokémon ließ sich Fussel darauf ein, mit ihnen zu spielen. Es hatte einfach keine Lust zu gar nichts, doch ein bisschen besser fühlte es sich dennoch dabei. Vielleicht konnte Tinkerbell dem Feuerpokémon nicht komplett helfen, aber wenn es ihm wenigstens für ein paar Stunden den Trübsinn nehmen konnte war ja auch schon viel gewonnen!

„So! Während unsere Pokémon sich beschnuppern würde ich es sehr begrüßen, wenn mir das liebe Fräulein Marquart noch erzählen würde, was es erlebt hat, bevor ich ins Bett muss.“, forderte Sven seine Freundin neckisch auf, wenngleich er dafür wieder einen freundschaftlichen Knuff in die Rippen kassierte und machte es sich bequem. „Wenn es der werte Herr Rougon wünscht, dann nur zu gern^^.“, gab Chantal freudig zurück und begann.

Ausschweifend und Gestenreich schilderte sie ihrem Gegenüber darum fasziniert die wilden Schönheit dieser rauen Landschaft im Norden, die aus uralten Nadelwäldern, weiten Grassteppen und von lauter kleinen Bächen und Seen durchsetzen Feuchtwiesen und Mooren bestand. Sie erzählte von den zahllosen Pokémonarten, welche dort, trotz des eher unwirtlichen Klimas, ihre Heimat hatten, genauso beeindruckt wie von der schönen Atmosphäre Frosthaf’ns, welche sich mit der von Regelsberg messen könnte.

Dann schwärmte die junge Frau natürlich ausführlich vom Zuckerschock-Orden selbst, welcher in seiner prächtigen, sternförmigen Burg auf einer kleinen Anhöhe am Rande der Stadt residierte und hinter deren mittelalterlichen Fassade sich eine hochmoderne Pflegeeinrichtung befand. Und die Mitglieder selbst seien auch bewundernswert bescheidene und ehrliche Leute, deren Herz für das Wohl der Pokémon schlug und die sich selbstlos für das Wohlbefinden ihrer Schützlinge einsetzten. Darum ist es ihnen auch so wichtig, ihre Pokémon nur in die Obhut guter Trainer zu bringen, weshalb sie keine Mühe für umfangreiche Tests scheuten. Alles in allem sehr vorbildliche Menschen, nur deren Ordenstracht war ziemlich… ‚speziell^^‘.

Gebannt hing der junge Mann an ihren Lippen und lauschte Neugierig ihren Ausführungen. Sein Interesse nahm sogar noch zu, denn nun wollte Chantal ihm noch von den Tests erzählen, sollte aber nicht mehr dazu kommen.

Denn viel zu früh schlug die Uhr in Svens Wohnzimmer inzwischen Acht Uhr und gemahnte daran, dass es Zeit fürs Bett wurde, denn morgen stand ja wieder ein Arbeitstag an. Etwas unwillig verabschiedete sich die junge Frau mit ihren neuen Pokémon darum von ihrem Freund, versprach ihm bei Gelegenheit diese Erzählung noch zu Ende zu bringen und wünschte ihm für Fussel nochmals viel Glück und baldigen Erfolg.

So zogen die Tage ins Land und allmählich hielt auch der, glücklicherweise alles andere als graue, Alltag wieder Einzug in das Leben von Sven und dessen Pokémon ein. Fussel litt weiterhin an seiner Verstimmung und an manchen Tagen war es so unglücklich, dass man es gar nicht mit ansehen konnte.

Doch der junge Mann lernte, damit umzugehen und das Leben dennoch zu genießen, denn es half, wie schon gesagt, ja doch niemanden, wenn man sich selber auch jede Freude verweigerte. Und insgeheim grübelte Sven auch weiterhin daran, was denn dieser Schlüsselreiz für Fussel sein könnte, wobei ihn Juwelchen, Tobi und natürlich alle anderen, die von dieser Sache wussten, nach Kräften unterstützten. -Die heimlichen Sorgen, die er sich dennoch um seinen Schützling machte, versuchte er so gut es ging in den Hintergrund zu drängen. Auch wenn er spürte, dass das nicht ewig gut gehen würde…

Wann immer es ging, bemühte sich der junge Mann deshalb darum auch, Fussel Feuerangriffe beizubringen und diese zu vertiefen. Wenngleich es das nicht einsehen wollte, aber Fussel war nun mal jetzt unumstößlich ein feuriges Flamara, welches eben auch Angriffe seines Typs beherrschen sollte. Natürlich lernte das Feuerpokémon diese Techniken ohne große Begeisterung, aber wegen den redlichen Bemühungen seines Trainers klaglos und mit Erfolg.

Mitunter nahmen die Anstrengungen von Sven aber manchmal etwas verschrobene Züge an…

„Äh… Sven, was machst du da?!“, wollte Chantal, die zu einem spontanen Besuch am Samstagnachmittag aufgekreuzt war, verdutzt von diesem wissen. Der junge Mann war nämlich gerade dabei den Boden zu wischen und empfing sie barfüßig, während er ein Rotweiß kariertes Kopftuch, eine blaue, labbrige Jogginghose, sowie ein ebenso abgetragenes, kreischgrünes T-Shirt trug und einen Wischmop in der Hand hielt.

„Hausputz, immerhin ist es doch Samstag. Darum hab ich auch diese unmöglichen Klamotten an, das ist meine ‚Saubermach-Form‘, hihi!“, antwortete Sven lustig und voller Tatendrang und schwang seinen Mop stolz herum: „Das ist übrigens der neue ‚Turbo-Mopp‘! Und ich kann dir jetzt schon sagen, er hält, was die Werbung über ihn verspricht!“

‚…Hausarbeit vergiftet ihr Leben? Hier ist das Gegengift! Mit der neuen Auswringmechanik auf Quetschgriffbasis, die sich fast schneller als mit der doppelten kosmischen Geschwindigkeit dreht, ist er nicht mehr zu stoppen! Er kann wischen, nachtrocknen und eignet sich auch dafür Leuten, die mit dreckigen Schuhen die gewischte Fläche sofort wieder betreten wollen, eins überzubraten. Mit der neuen Teleskopstange und der Flexibilität des Mopp selber erreicht man auch die schwersten Stellen. Mit ihm können sie alle glatten Böden mühelos reinigen – aber nicht den Abwasch erledigen! Denken sie darum immer an den Namen dieses Wunders: Der Turbo-Mopp!...‘

„Nein, dass meine ich gar nicht!“, erwiderte die junge Frau immer noch verdattert und deutete auf etwas hinter ihrem Freund: „Ich will wissen, was du Fussel da machen lässt?!“ Denn es sah so für einen Außenstehenden durchaus merkwürdig aus, was Flamara da tat:

Zusammen mit Juwelchen und Tobi saß es vor einem großen Eimer voll angenehm duftendem Seifenwasser und hustete in regelmäßigen Abständen ein kleines Feuerbällchen hinein. Während Rocara nur neugierig diesen Vorgang beachtete – nie im Leben hätte es freiwillig auch nur einen kleinen Teil seines Körpers absichtlich nass gemacht! – hielt Botogel seinen Flügel ins Wasser um die Temperatur zu prüfen. „Togel!“, sprach es, schüttelte den Kopf und sah Fussel fordernd an: „Botogel!“ ‚Das ist noch zu kalt! Noch ein Feuer bitte.‘

„Mara.“, entgegnete Flamara etwas zögerlich und hustete erneut. Man sah Fussel an, dass es; anders als Juwelchen und Botogel, welche diese Aufgabe sehr ernst nahmen; selbst ziemlich verwundert über diese Idee seines Trainers war. Allerdings sorgte Svens Einfall wirklich dafür, dass das Feuerpokémon ausnahmsweise das Lamentieren über sein neues, ungewolltes Aussehen vergas.

„Ach so…“, erkannte der junge Mann derweil und erklärte auch hier voller Stolz: „Ich nutze Fussels Feuer und lass es mein Putzwasser warmmachen. So kann es sich gleichzeitig mit Wasser beschäftigen und auch seine neuen Feuerkräfte besser kennenlernen. Vielleicht hilft ihm das ja ein bisschen?“

„…Ah ja…“, machte Chantal, die nicht so recht wusste, was sie darauf sagen sollte, weshalb sie einfach meinte: „Immerhin scheint es Fussel etwas zu gefallen, das ist ja auch gut… Irgendwie…“ Sie verschränkte die Arme, zog eine Augenbraue hoch, legte den Kopf schief und dachte sich mit einem verwunderten Lächeln: „In manchen Dingen wirst du dich wohl niemals ändern Sven…“

„Ich tu, was ich kann.“, entgegnete Sven unterdessen enthusiastisch und fragte seine Freundin spaßeshalber: „Du hast nicht zufällig Zeit und Lust uns mit deinen Pokémon beim Putzen zu helfen, oder?“ „Was ich?! Wo denkst du hin, ich bin schwer beschäftigt und muss gleich weiter^^.“, antwortete die junge Frau lachend, knuffte ihren Freund wieder und fügte augenzwinkernd hinzu: „Schließlich muss ich mein Team auch mal ohne dich trainieren, sonst wird es ja langweilig, kicher! Aber morgen lassen wir wieder bei einem Kampf die Fetzen fliegen, klar?“

„Aber gerne doch!“, stimmte Sven sofort mit ein und grinste: „Dann wünsch ich dir heute noch viel Spaß beim Training. Bis morgen dann!“ „Ja bis morgen. Hihi, und dir auch viel Spaß beim Hausputz :P!“, kicherte die junge Frau frech und ging.

„Hm… Ob das Wasser schon die richtige Temperatur hat?“, fragte sich der junge Mann gerade, als…

„Booo!!!“ Laut und panisch schreiend rannte Tobi an ihm vorbei und hielt direkt auf den Aigre zu, denn diesmal hatte sich Fussels Feuer verirrt, sodass die Federn des Lieferantenpokémon nun in Flammen standen!

-Platsch!-

-Zisch!-

„Tooogel…“, seufzte das Lieferantenpokémon erleichtert auf, nachdem es pitschnass wieder aus dem Fluss herauskam. Dank seiner schnellen Reaktion war dem Eis/Flugtyp nichts passiert, außer, dass die schönen, weißen Federn seines Gesichtsschleiers nun merklich angekokelt waren, was ungewollt ziemlich lustig aussah. Sogar Fussel verzog bei diesem Anblick ganz leicht sein Gesicht und Sven war sich sicher, dass nur noch sooo viel zu einem herzhaften Lachkrampf gefehlt hat!

Genauso fröhlich verging auch der Sonntag, wenngleich dieser am Nachmittag dann durch den Kampf gegen Chantal deutlich fordernder als der Samstag war. Sie hatten sich für einen Doppelkampf entschieden, sodass sich Juwelchen und Tobi gegen Henner und Gladius behaupten mussten. Und obwohl der junge Mann und seine beiden Schützlinge alles gaben, verloren sie. Jedoch deutlich knapper als es selbst die junge Frau erwartet hatte, weshalb sie sich sehr beeindruckt vom Fortschritt ihres Freundes zeigte^^.

Selbst Fussel wirkte an diesem herrlichen Sonntag nicht ganz so niedergeschlagen und hatte den Kampf immerhin halbherzig mit verfolgt, während es dennoch von einer gewissen Lustlosigkeit geplant, zusammengerollt einfach dasaß und die Sonne genoss. Trotzdem hegte Sven schon die leise Hoffnung, dass es vielleicht bald wieder aufwärts mit Flamara gehen würde, weshalb er sich voller Zuversicht dann am Abend nach einem wunderschönen, mit Chantal verbrachten Tag, ins Bett legte.

Doch ein unschöner Zwischenfall sorgte dafür, dass Sven schmerzlich wieder bewusst wurde, dass eben nicht ‚alles in Ordnung‘ war:

Denn irgendwann im Verlauf dieser Nacht erwachte Fussel aus einem schrecklichen Albtraum und war so durch den Wind, dass der junge Mann und seine anderen Pokémon es eine ganze Weile lang trösten mussten. Und als sich Flamara und die ganze Situation an sich wieder halbwegs beruhigt hatte und Sven völlig übermüdet die Augen wieder schloss, klingelte auch keine halbe Stunde später schon der Wecker…

Demensprechen verhalten startete deswegen auch der Montag, denn der junge Kampf kämpfte sich trotz allem aus dem Bett. Er hatte nämlich keine Lust nach nur einer Woche schon wieder seinen Meister um freie Zeit zu bitten; wenngleich dieser, der von dieser dreckigen Geschichte schon seit letztem Mittwoch wusste und wie die restlichte Belegschaft ebenfalls maßlos entrüstet darüber war, sie ihm ohne weiteres genehmigt hätte. –In dieser Hinsicht war Sven jedoch zu stolz und pflichtbewusst um sich Eingeständnisse zu machen!

„Das Ärmste…“, murmelte der junge Mann besorgt, während er nachdenklich Fussel betrachtete: „Dieser Alptraum hat es komplett runtergezogen…“

Wie befürchtet saß das arme Feuerpokémon nämlich völlig apathisch und zusammengekauert wie ein brütendes Porenta einfach nur da und starrte traurig ins Leere. Von seinem angebotenen Futter hatte es nur pflichtschuldig ein paar Bissen hinuntergewürgt und schnell mit etwas Wasser nachgespült, denn es hatte keinen Appetit. Es wollte einfach nur gar nichts tun. Es hat doch alles eh keinen Sinn…:(

„Ich muss mich mehr anstrengen!“, ermahnte sich Sven, dessen Kopf durch das Frühstück glücklicherweise wieder etwas klarer wurde, entschlossen: „Irgendwie muss mir doch Einfallen, was für eine Erfahrung Fussel machen muss um sein neues Aussehen zu akzeptieren.“

Dann seufzte er aber gleich darauf frustriert. Was war dieser Schlüsselreiz bei Flamara bloß?! Wenn er doch nur wüsste in welche Richtung er denken sollte!

„Hach ein kleiner Wink wäre nicht schlecht…“, schoss es ihm durch den Kopf und sah hilfesuchend Juwelchen und Tobi an. Die konnten ihm leider auch nicht weiterhelfen, weshalb Sven beschloss seine Überlegungen auf der Arbeit fortzusetzen.

Es mochte merkwürdig klingen, aber der junge Mann hatte immer das Gefühl, dass ihm die besten Gedanken und Ideen meist in den frühen Morgenstunden kamen, wenn er auch körperlich am schaffen war.

Und in diesem Fall behielt er auch recht damit!

„Juwelchen! Tobi! Hört mal her ihr zwei.“, begann er darum auf dem Heimweg nach der Arbeit zu seinen Schützlingen mit einem verschwörerischen Lächeln, welches ahnen ließ, dass ihm ein Einfall gekommen war: „Nachdem ich mich ausgeruht habe gehen wir gleich in die Regelsberger Leiten. Diesmal aber in die härteren Bereiche! Wenn Fussel sieht wie wir in fordernden Kämpfen alles aus uns herausholen, schafft er es vielleicht sich aufzuraffen. Und vielleicht… Ja vielleicht findet Fussel dann auch die Kraft selbst zu kämpfen und kriegt so endlich ein positives Gefühl für seinen neuen Körper und kommt endlich aus dieser Verstimmung raus! Was meint ihr dazu? Es ist immerhin einen Versucht wert, oder?“

„Rocara!“ „Botogel!“ Seine beiden Pokémon bekundeten lautstark und mit einem eifrigen Nicken ihre Zustimmung. Das war eine sehr gute Idee sogar! Fussel liebte das Kämpfen genauso sehr wie das Schwimmen. Wenn nicht auf diese Weise, wie dann sollte man ihm helfen können?

„Wunderbar, dann ist es also abgemacht!“, freute sich Sven überschwänglich. Jetzt hatte er wenigstens einen konkreten Plan, von dem er natürlich sehr hoffte, dass er auch aufging. „Was kann dann heute noch unangenehmes passieren?“, entschlüpfte es ihm voller Übermut.

…vielleicht etwas in der Art^^?

„Vorsicht Herr Rougon!“, warnte ihn da nämlich wie aufs Stichwort die Stimme seines Nachbarn, bevor auch schon ein riesiger, aufblasbarer Globus, welcher allerdings wie eine massive Steinkugel aussah, aus dessen Grundstück heraus auf die Straße hopste und knapp am jungen Mann und dessen Pokémon vorbeirollte.

„Manometer, dass Ding hüpft ja wie ein Gummiball!“, maulte Dietbert Strohsack ärgerlich, nachdem er den Globus wieder eingefangen hatte: „Das hat man mir im Geschäft aber nicht gesagt, grummel, mecker…“ Mühelos hob er diesen dann aber auf und rief zu seinem Grundstück: „Mach dich bereit Coco! Hier kommt er!“

„Rasaff!“, antwortete der Kampftyp, welcher bis eben noch Farbe und Pinsel in seinen Fäusten hielt, verständig und fing den Globus gekonnt auf. „Super Coco!“, lobte Herr Strohsack sein Pokémon freundlich: „Leg ihn einfach mal ab. Ich komme gleich, dann können wir weitermachen.“

Zuerst aber wandte sich Dietbert seinem Nachbarn zu, welcher ihn bis dato nur verdattert angestarrt hatte. „Na da staunt ihr was?“, fragte Herr Strohsack und baute sich angeberisch vor Sven, Juwelchen und Tobi auf, denen es allen dreien noch die Sprache verschlagen hatte.

Denn Dietbert Strohsack trug außer einem kitschigen und knappen Lendenschurz und einer hässlichen, Perücke mit goldgelockten, schulterlangen Haaren keinerlei Kleidung. Mittels Bodypainting hatte sein Nachbar dazu noch versucht, seinen langen, dürren Körper wie den eines athletischen, sonnengebräunten Atlas aussehen zu lassen, was alles vollends verdarb…

Alles in allem präsentierte sich ihnen Dietbert Strohsack auf eine Weise, wie man seinen Nachbar eigentlich nie, niemals sehen möchte :o! (Den Smiley muss man mal tausend nehmen!)

„Ähm… Staunen ist das falsche Wort…“, stammelte der junge Mann, als er sich wieder gefangen hatte vorsichtig und suchte nach den richtigen Worten. Dietbert arbeitete wohl mal wieder an einem ‚Kunstwerk‘ und da galt es einerseits ihm zu zeigen, dass man seine Bemühungen großartig fand, doch andererseits durfte man nicht zu begeistert wirken, weil man sonst gnadenlos zugetextet wurde. –Eine diplomatische Gradwanderung ohnegleichen also!

Sven kannte dieses Spielchen aber zum Glück schon, weshalb er sich, seinen Augen und auch denen seiner Pokémon einen Riesengefallen tat und ganz überzeugend antwortete: „Nein im Ernst, sie sehen richtig überzeugend aus Herr Strohsack! Da weiß man anfangs gar nicht, was man dazu sagen soll; ja sie lassen einen glatt verstummen! Entschuldigen sie bitte, dass ich sie hier aufhalte. Sie sollten schleunigst weiter mit ihrem Kunstwerk machen, damit die gesamte Nachbarschaft es nur so bald wie möglich bewundern kann!“

„Seien sie unbesorgt Herr Rougon! In meinem unermesslichen Großmut kann ich als großartiger Künstler ihre Reaktion nur zu gut verstehen, weshalb ich ihnen verzeihe.“, entgegnete Herr Strohsack gekünstelt und prahlerisch und bemühte sich um ein würdevolles Auftreten um seinem jetzigen Aussehen gerecht zu werden: „Aber sie müssen eines noch wissen: Man muss sich nach Möglichkeit auch wie sein Kunstwerk verhalten können! Manometer, ich habe schon die ganze Woche für geübt um so überzeugend wie möglich diesen antiken Typen perfekt zu imitieren. Ich denke aber, dass ich das schon ganz gut hingekriegt habe. Nein! Gewiss habe ich es schon perfektioniert! Er würde sich selbst nicht wiedererkennen, wenn ich vor ihm stünde, ja! Hähähä! Nun denn, ich muss los und zusammen mit Coco Großes schaffen, haha!“

„Rocara…“, seufzte Juwelchen erleichtert und schmiegte sich dankbar an seinen Trainer, als Dietbert sich auch endlich wieder auf sein Grundstück verzog. Alle drei atmeten sie befreit auf: Diese Folter war nun glücklicherweise vorbei^^.

„Botogel!“, lobte ihn da auch Tobi. Es hätte nicht gedacht, dass Sven sich so gekonnt verstellen und seine Ironie so gut verbergen konnte! Allerdings schüttelte es sich gleich darauf angeekelt den Kopf. „Boo…“, stöhnte es verstört. Dieses Bild würde es wohl nun sein ganzes Leben lang verfolgen!

Rasch besannen sich die drei aber wieder auf ihr eigentliches Ziel an diesem Tag und traten den restlichen Heimweg an. Hier sollten die Pläne des jungen Mannes aber eine völlig überraschende Wendung erfahren…

„Hm? Was ist denn das?“, fragte Sven erstaunt, denn beim Prüfen seiner Post war ihm ein Brief ohne Absender gleich aufgefallen. Nur seine Adresse war, verfasst in schönster und wohl mit einem edlen Füllfederhalter geschriebener Handschrift, auf dem grasgrünen Umschlag zu finden. Interessiert öffnete er diesen und fand darin einen weiteren vor. Dieser war von reinem Weiß, doch der unbekannte Absender hatte noch kunstvoll mit zinnoberroter Ölfarbe eine Schleife, sowie einen dazugehörigen vertikalen und horizontalen Strich darauf gemalt, sodass der Umschlag wie ein kleines Präsent wirkte.

Zu diesem ‚Geschenk‘ befand sich auch noch ein sorgsam gefalteter Zettel darin. Auf diesem stand in ebenfalls formschönen und feinleserlich in Schreibschrift geschriebenen Lettern folgendes:

‚Hochverehrter Herr Rougon!

Ich hoffe Sie sind nicht zu überrascht von diesem Schreiben und möchte Sie hiermit gerne einladen.

Zu was? Nun das werden Sie ehrfahren, wenn sie mein ‚Präsent‘ öffnen.

Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn Sie sich dazu entschließen, denn ich möchte Sie nur zu gerne mal kennenlernen.

Außerdem glaube ich, dass ich Ihnen auch in manchen Belangen helfen könnte.

Ganz gleich, wie Sie sich entscheiden mögen, Sie sollen wissen, dass ich ab 16:00 Uhr dort sein werde.

Auf Ihr kommen freut sich

Lycoris radiata

P.S: Bedanken Sie sich bei Gelegenheit bitte auch in meinem Namen bei Fanny Baillehache (eine der Pflegerinnen des hiesigen Pokémon-Centers) für ihr wundervolles Engagement!


„Na sowas!“, machte der junge Mann, nachdem er in der Küche Platz genommen und den Brief gleich mehrmals gelesen hatte, baff: „Das ist nun ja wirklich eine Überraschung.“ Er sah diesen und die beiden Umschläge nochmals an. Alle drei bestanden aus einem feinen, speziellen und deswegen auch teurem Briefpapier, welches man ausschließlich auf Nachfrage in der Post oder in sehr gut sortierten Schreibwarenhandlungen erhielt. Zu solch einem ‚Luxus‘ griff man eigentlich nur, wenn man jemanden einen ganz wichtigen Brief, zum Beispiel einen Liebesbrief oder ähnliches schickte.

„Offensichtlich waren ihm diese Mehrkosten für einen Brief an mich es wohl wert…“, sinnierte Sven nach seiner ersten Überraschung nun vor allem beeindruckt, denn dieser Schrieb allein war schon ein kleines, schlichtes aber dennoch schönes Kunstwerk an sich. Neben seinem Pseudonym hatte der unbekannte Verfasser nämlich auch eine kunstvoll mit Tusche gemalte Amaryllisblüte sowie einen Haselnusszweig dazu gemalt.

‚Lycoris radiata‘…

Dunkel erinnerte sich der junge Mann daran, dass ihm dieser Name etwas sagte… Ja genau! Das war der Fachbegriff einer bestimmten Blumenart; der ‚rosaroten Spinnenlilie‘! Sven grübelte kurz ergebnislos darüber nach, warum der anonyme Schreiber ausgerechnet eine Blume als Pseudonym gewählt hatte. Schlussendlich zuckte er mit den Schultern und begnügte sich mit der Aussage, dass er schon seine Gründe dafür haben wird…

„Rocara!“, drängte ihn Juwelchen da, welches wie Tobi vor Neugierde fast platzte, bettelnd. Ihr Trainer soll endlich diesen zweiten Umschlag aufmachen!

„Haha, bin schon dabei.“, erklärte er rasch und öffnete behutsam das ‚Präsent‘. Darin befand sich eine Freikarte für das ‚Regelsberger Kunstmuseum‘, was abermals dafür sorgte, dass Sven der Mund offenstand!

Denn das Kunstmuseum zählte zu einem der renommiertesten und berühmtesten Museen von ganz Mungenau und war demensprechend gut besucht. Allerdings waren auch die Eintrittspreise dort deftig gesalzen! Man musste schon ein leidenschaftlicher Kunstliebhaber sein wenn man ohne Dauerkarte und außerhalb einer besonderen Veranstaltung sich einfach spontan zu einem Besucht entschloss. –Die regen Besucherzahlen des Museums zeigten aber deutlich, dass es genug solche Leute gab, welche den hohen Eintritt den Künsten zuliebe nicht scheuten.

Der junge Mann zählte allerdings nicht zu diesen Enthusiasten und überlegte angestrengt, ob er dieser Einladung wirklich folgen sollte. Denn eigentlich wollte er sich heute ja mit Fussels Problem befassen. Wenn aber andererseits diese Schwester Joy vom Montag diese Scharade erst in Gang gesetzt hatte, konnte man diese Sache doch nicht so schnell verwerfen…

Fest stand bloß, dass Fussel Hilfe brauchte, je eher, desto besser! Das sah Sven nämlich gerade wieder überdeutlich:

Da es nicht viel von Kunst oder gar Museen hielt, hatte sich Tobi, seit diese Worte gefallen waren, abgewandt und versuchte stattdessen Flamara dazu zu bringen, etwas zu essen. „Mara T-T…“, seufzte dieses niedergeschlagen und schlurfte mit hängenden Ohren und Schweif lustlos zu seinem Napf, nachdem das Lieferantenpokémon es schon sehr dazu drängen musste. Wieder nur ein paar Happen, etwas Wasser und dann kroch das Feuerpokémon auch schon wie mit letzter Kraft ins Wohnzimmer um dort auf dem Sofa in stummer Klage über sein Schicksal herumzuliegen.

Mochte draußen noch so sehr die Sonne scheinen; wenn man Fussel so sah, könnte man glauben, es hätte eine dicke, schwarze Regenwolke über seinem Kopf.

Sven und auch seinen anderen Pokémon tat es immer wieder aufs Neue im Herzen weh, Fussel so zu sehen. „So kann das auf Dauer echt nicht weitergehen!“, bemerkte der junge Mann sorgenvoll, aber weil er seine Müdigkeit immer deutlicher spürte und sein Kopf deshalb wie vernagelt war, konnte er beim besten Willen jetzt sofort keine Entscheidung erzwingen. „Es hilft alles nichts!“, seufzte Sven, ging geschwind zum Kühlschrank um sich ein paar kleine Happen zu gönnen, bevor er sich zu seinem Schlafzimmer aufmachte: „Ich muss jetzt erst mal kurz darüber schlafen, dann sehen wir weiter…“

„Okay Leute ich hab eine neue Idee!“, begann der junge Mann entschlossen und nach seinem erholsamen Nickerchen wieder voller Elan: „Was haltet ihr davon wenn wir zuerst dieser Einladung folgen und uns mit diesem geheimnisvollen Jemand treffen? Wir haben ja immerhin Sommer und somit genug Zeit nach diesem Treffen immer noch in die Leiten zu gehen, falls er uns, entgegen seiner Behauptungen, bei Fussels Problem doch nicht helfen kann. Was meint ihr?“

„Cara.“, stimmte Juwelchen für alle überzeugt zu. Das klang durchaus nach einer vernünftigen Idee!

„Okay, dann brechen wir auf, sobald ich alles beisammen habe!“, freute sich Sven enthusiastisch und machte sich ans Werk.

Alsbald stand der junge Mann schon in einer luftigen, aber sehr feinen, dunkelbraunen Leinenhose, einem ebenfalls dünnen, kurzärmeligen, azurblauen Hemd und braunen Halbschuhen zusammen mit Juwelchen vor seiner jetzt abgesperrten Haustür und genoss kurz das herrliche Wetter. Die Sonne strahlte seit dem Sommeranfang auch an diesem Tag kräftig vom wolkenlosen Himmel, während eine leichte Brise die sommerlichen Temperaturen erträglicher machten. Denn auch im sonst eher kühlen Mungenau herrschten nun für ein paar Wochen landesweit Temperaturen um die 30 Grad. Unermüdlich und gänzlich von der Hitze unbeeindruckt bereicherten auch weiterhin die Vogelpokémon ihre Umgebung mit ihrem melodischen Gesang, während die Luft ebenfalls voll war vom aromatischen Duft der Pflanzenpokémon.

Hier merkte man am deutlichsten, dass der Sommer ins Land gezogen war:

Dominierten vor ein paar Wochen noch die leichten, blumigen Düfte, so herrschte jetzt eher eine herzhafte und würzige Note vor; wie von reifenden Früchten oder von Gräsern und Laub, die im vollen Saft standen. Ja auch einen Hauch von frischem Heu konnte man schon erahnen, denn die Heuernte stand kurz bevor, bzw. machte sich mancher Landwirt sogar schon ans Mähen. Schließlich brach mit diesem Montag bereits die dritte Juniwoche an. In anderen Teilen Mungenaus war diese sogar schon abgeschlossen, während sie in wieder anderen Orten auch erst Anfang Juli richtig begann.

„Hach, einfach wundervoll!“, schwärmte Sven, als er glücklich zusammen mit Juwelchen losging. Obwohl es doch ein ganz schönes Stück war, entschied sich der junge Mann dazu, animiert vom schönen Wetter und mit dem Hintergedanken, unterwegs ein paar kleine Kämpfe austragen zu können, den Weg zu Fuß zu bewältigen. Allerdings war es auch erst ein Uhr – sie hatten also genügend Zeit für eine entspannte Bummelei.

Das Kunstmuseum lag nämlich am sogenannten ‚neuen Ende‘, also am südlichen Ende der Stadt, welches auch den neuesten Stadtteil darstellte, während der nördliche Teil, in der Nähe der Leiten, den ältesten bildete, wovon die alten Gehöfte auch heute noch zeugten. Mit einem Augenzwinkern wurde darum immer erklärt, dass Regelsberg ‚nach Süden gezogen sei‘, als es wuchs.

„Weißt du Juwelchen, der heutige Tag erinnert mich sehr an den Sonntag vor gut drei Wochen, als ich dich im Aigre gefunden habe.“, sinnierte der junge Mann, während er ausgelassen zusammen mit dem Edelsteinpokémon durch die angenehmen Schatten spendeten Alleen der Stadt spazierten: Verrückt was sich binnen dieser kurzen Zeit alles getan hat, nicht?“ „Cara?“, konnte die kleine Fee nur machen, schließlich war es den Großteil dieses Tages ja ohnmächtig gewesen. Aber der erste Abend mit Sven war trotzdem klasse :D!

Insgeheim spürte Juwelchen aber, dass sein Trainer nur davon erzählte, um sich wenigstens etwas von der Sorge um Fussel abzulenken. Sven hatte ja kein Herz aus Stein, er litt, trotz seiner an den Tag gelegten und wirklich ehrlichen Freude, dennoch mit seinem Pokémon. Ein Teil von ihm, der Tief in seinem Innersten war, würde darum wohl auch erst wieder zur Ruhe kommen, wenn Fussel seine Entwicklungsdepression überwunden hätte.

„Rocara!“, schnurrte der Gestein/Feetyp darum tröstend und zuversichtlich und schmiegte sich zufrieden an den jungen Mann. Sven war eben ein richtig guter Trainer, dass hatte die kleine Fee schon von Anfang an gewusst^^.

Eine ganze Weile lang flanierten die beiden noch durch die malerischen Alleen entlang eines Weges, welcher direkt am ruhig dahinfließenden Aigre inmitten der Stadt lag. In der heißen Jahreszeit zahlte sich die offene, ländliche und grünreiche Bauweise von Regelsberg mal wieder besonders aus, denn anders als in so mancher anderen Großstadt gab es hier keine Probleme mit etwaigem Hitzestau oder vergleichbaren Ärgernissen.

Etwas wehmütig betrachtete Sven derweil den Fluss; es war ihm anzusehen, dass er unweigerlich wieder an Fussels Liebe für das Wasser dachte. Was noch verstärkt wurde, durch die Tatsache, dass Flamara ja sogar genau in diesem Fluss einen Teil seines Lebens verbracht hatte…

Dann riss er sich aber los und beobachtete mit Juwelchen das geschäftige Treiben. Jetzt im Sommer ging es in Regelsberg natürlich besonders lebhaft zu, da nun die meisten Touristen hier ihren Urlaub verbrachten. Ganze Gruppen von R-Bikes rauschten an ihnen vorbei und die zahlreichen Eisdielen und schattigen Gärten der Restaurants waren gut besucht. Viele Pokémon wie Taubsi, Rattfratz, Staralili oder Dusselgurr scharten sich regelrecht um diese Orte, in der Hoffnung, ein paar Brocken abzukriegen, oder sich etwas zu stibitzen. –Nicht selten hatten sie auch damit Erfolg.

Unterdessen jagte ein großer Schwarm Schwalbini lärmend über die Dächer der Stadt und vollführten halsbrecherische Flugmanöver, mitunter sogar ganz dicht über den Köpfen der Leute, sodass so mancher Hut vom Kopf gefegt wurde oder jemand erschrocken aufschrie^^.

Der junge Mann mochte diese herrliche, harmonische Stimmung, welche so schön das Bild eines perfekten Sommertages bot. Trotzdem bog er alsbald in eine Seitengasse ein und somit weg von diesem Idyll. Ihn zog es jetzt an den Stadtrand. Dort wollte er, vorbei an den sattgrünen Äckern, Wiesen und Hecken die restliche Strecke bis zum Museum zurücklegen, denn hier waren auch stets die kampfwilligen Trainer unterwegs.

Es dauerte auch nicht lange bis er sich ein kleines aber feines Scharmützel mit einem noch käsebleichen, blonden Urlauber, welcher nach eigenen Angaben erst seit gestern aus seiner Heimatstadt Blizzach kam, und dessen Geradaks lieferte. Sven hatte Tobi dafür in den Kampf geschickt und anfangs waren der Eis/Flugtyp und das Sprinterpokémon noch gleichauf. Doch sein Gegenüber beging den Fehler in einem scheinbar günstigen Moment sein Normalpokémon die Bauchtrommel einsetzen zu lassen, um auf Kosten der Ausdauer für kurze Zeit enormen Schaden verursachen und so den Sieg davontragen zu können.

Der junge Mann hatte diesen Moment jedoch nur durch das scheinbare ausbrechen von Botogels Übereifer vorgetäuscht, sodass er es war, welcher den Sieg dank einer Kombination von Tobis Steigerungshieb und Eissplitter einheimste.

„Boah! Das war echt nicht von schlechten Eltern! Die Mungenauer Trainer haben ganz schön was drauf!“, meinte der Mann anerkennend und überredete Sven dazu, mit ihm noch schnell ein Selfie zu machen: „Auch wenn es eine Niederlage war, wird das trotzdem eine tolle Erinnerung an meinen Urlaub sein :D!“

Als Sieger ließ es sich der junge Mann nicht nehmen, auch das Pokémon seines Gegners wieder fit zu machen, was ihm natürlich noch mehr Bewunderung einbrachte. „Danke Mann!“, sprach der Urlauber angenehm überrascht: „Ihr Mungenauer seid echt schwer in Ordnung! Hat sich jetzt schon gelohnt hierher zu kommen. Allein schon deshalb, weil es bei euch so friedlich ist. In meiner Heimat Sinnoh haben sich bis vor ein paar Jahren noch so ein paar Krawallgurken rumgetrieben, weißt du? Haben sich ‚Team Galaktik‘ genannt, aber ich will dir jetzt gar nicht groß die Ohren vollsülzen. Der Laden hat sich ja eh schon aufgelöst. Stattdessen will ich mich noch mal in aller Form für diesen coolen Kampf bedanken und wünsch dir und deinen Pokémon noch einen wundervollen Tag. Auf Wiedersehen!“

„Danke, gleichfalls!“, grüßte Sven ausgelassen. Man verabschiedete sich voneinander und ein jeder zog wieder seiner Wege.

Der junge Mann gönnte sich und seinen Pokémon noch ein paar solche kleine Übungskämpfe, bis er beim Blick auf seine Taschenuhr; er zog diese immer noch dem PokéCom vor; feststellte, dass es bald Viertel nach Drei war. Zeit also, sich gemütlich und ohne Hast konkret Richtung Museum aufzumachen. Denn wenn er schon eine Freikarte geschenkt bekam, wollte er sich vor diesem Treffen mit dem ‚mysteriösem Unbekannten‘ doch zu gerne noch ein bisschen die Kunstwerke ansehen^^.

Entspannt gingen Sven und Juwelchen darum ihrer Wege und betrachteten die Landschaft, welche an dieser Stelle am Rande von Regelsberg deutlich offener war. Hier befanden sich schließlich viele der landwirtschaftlich genutzten Flächen, sodass sich hauptsächlich Äcker und Wiesen abwechselten. Nur hie und da wurden die Grenzen der Felder mit dichten, auch im Sommer immer noch in voller Blüte stehenden, Beerenbüschen markiert. Ab und zu standen auch ein paar alte Obstbäume herum, aber meistens wuchsen hier nun Gräser und Getreide um die Wette.

Während letztere wie Roggen, Gerste, Hafer oder Weizen noch in ihrem jeweils individuellen Grünton im vollen Saft standen und noch ein paar Monate bis zur Ernte brauchten, so sah man dem hohen Gras an, dass es bald reif für die Mahd war. Alle Felder aber, ob Acker oder Wiese, hatten jedoch gemein, dass sie nun bepflanzt waren und die Landschaft mit ihrem facettenreichen Grün und den, hier und da von den Blumen eingestreuten anderen Farbtönen, erfreuten.

Darum wurde der junge Mann auch stutzig als er auf seinem weiteren Weg plötzlich an brachem Ackerland vorbeizog. Dieses Gefühl wurde noch verstärkt, weil er wusste, wem diese Ländereien gehörten und er diesen Jemand auch mitten auf seinem Brachland stehend sah.

„Rocara!“, knurrte da Rocara schon angriffslustig und sah mit finsterem, feindseligem Blick und angelegten Ohren ebenfalls zu diesem Typen. Die kleine Fee hatte ihn sofort erkannt und Sven hatte alle Mühe, Juwelchen rasch zu erklären, dass jetzt keine Gefahr von ihm ausgehe, bevor es wohl auf ihn losgegangen wäre. Allerdings konnte er die Reaktion seines Pokémon nur zu gut nachvollziehen, schließlich geriet auch sein Blut vor Zorn in Brand, wenn er diesen Typen sah und sich an diese schlimme Geschichte erinnerte.

Denn dieser Kerl war niemand anders als Granbullkopf!

Doch wie es der junge Mann schon versuchte seine Pokémon zu erklären, wurde bald klar, dass Buteau diesmal wirklich keinen Streit suchte oder in sonst einer Form danach trachtete Ärger zu machen. Ja es schien fast so, als ob er gar nicht merken würde, dass keine drei Meter hinter ihm jemand stand und ihn beobachtete, denn dafür war er viel zu sehr mit ‚seiner‘ Erde beschäftigt.

Das war eine von Granbullkopfs Eigenheiten:

Mochte er einerseits ein brutaler Gewaltmensch sein, so war er auf der anderen Seite ein Bauer mit Leib und Seele wie kein Zweiter! Mit geradezu zärtlicher Leidenschaft pflanzte er sich, egal zu welcher Jahreszeit, immer wieder vor seinen Feldern auf und betrachtete sie wie ein Verliebter. Auch jetzt gerade hob er einen Klumpen Erde auf und zerdrückte ihn genießerisch zwischen seinen dicken Fingern, roch sogar daran und wirkte dadurch vollends glücklich. –Die Leute der Gegend sagten nicht ohne Grund hinter vorgehaltener Hand, dass Buteau wohl am liebsten sein Geld und seinen Besitz ehelichen und mit ihnen auch noch ein Kind machen würde…

Was Sven aber misstrauisch machte, war die Tatsache, dass Granbullkopf diesmal seine Äcker brach liegen ließ. „Das muss doch was dahinterstecken…“, schoss es ihm, während er sich vorsichtig mit dem immer noch knurrenden Juwelchen entfernte, durch den Kopf.

Das war nämlich wirklich sehr verdächtig, denn Buteau erwirtschaftete im Vergleich zu vielen anderen hiesigen Kleinbauern erstaunlich viel aus seinen Flächen heraus. Und das dank seiner Hingabe und Sorgfalt sogar von exquisiter Qualität. Sein Getreide, seine Kartoffeln usw. gingen auf den Märkten, die er belieferte, weg wie warme Semmeln und wegen seines Talents zum Feilschen verdiente er beträchtlich daran. –Dass er seine Pokémon gnadenlos dafür ausbeutete, um seinen Traktor und seine Maschinen zu schonen, bestritt der alte Gauner natürlich ohne mit der Wimper zu zucken. Zumal der Verbrecher ohnehin seine, mitunter von ihm abhängigen, Abnehmer so einschüchterte, dass sie es nicht wagten ihn darauf anzusprechen, seine Waren wegen der moralischen Bedenken abzulehnen oder gar die Polizei einzuschalten…

Jedenfalls konnte etwas nicht stimmen, wenn Granbullkopf dem Müßiggang frönte, so mir nichts dir nichts freiwillig auf seine enormen Einnahmen verzichtete und sich stattdessen (scheinbar) ausschließlich auf sein Heu konzentrierte.

„Cara!“, fauchte Juwelchen regelrecht und Sven, der genauso empfand, nickte ernst: „Ganz genau Juwelchen! Der Kerl führt doch was im Schilde! Eher könnten man Granbullkopf ein Körperteil abschlagen, als dass er sich die Möglichkeit, Geld zu verdienen, durch die Lappen gehen lässt…!“

Er wurde das Gefühl nicht los, dass der Grund dafür wohl wieder irgendein Verbrechen war. Eines, bei dem Buteau offenbar viel absahnen konnte! Und befremdlicherweise überkam Sven die leise, unbestimmte Ahnung, dass es irgendwie auch ihn betraf…

Dann schüttelte der junge Mann aber entschieden den Kopf und sah zu, dass er weg kam, bevor dieser Kerl aus seiner Versunkenheit wieder auftauchte. Er würde Granbullkopf nämlich garantiert nicht auf die Schliche kommen, wenn er sich hier von ihm erwischen oder gar in einen Kampf verwickeln lassen würde! Auch wenn es ihn natürlich innerlich sehr dazu verleitete Buteau, jetzt, wo er ein richtiger Trainer war, ordentlich runterzuputzen um sich für diesen schlimmen Streich von vor ein paar Wochen an Juwelchen zu rächen.

„Aber für sowas ist jetzt keine Zeit!“, ermahnte er sich beim weggehen in Gedanken streng: „Fussel zu helfen hat jetzt die oberste Priorität.“ Juwelchen sah das, wenn auch mit Wiederwillen, genauso, warf aber trotzdem noch einen letzten, giftigen Blick auf Granbullkopf. Dann verloren sie ihn aber sowieso bald aus den Augen, da der Weg eine scharfe Kurve beschrieb und er, samt seiner Äcker, durch eine dichte Reihe Hecken und Beerenbüsche verdeckt wurden. „Glück gehabt!“, flüsterte der junge Mann erleichtert, denn kaum, dass sie Buteau aus den Augen verloren hatten, hörten sie noch, wie dessen Holo-Log anfing zu klingeln und ihn so aus seinen Träumereien riss.

„Himmelsakrament! Immer zur unmöglichsten Zeit will er Alte was von mir!“, fluchte er genervt, doch bevor er den Anruf annahm, entließ er Granbull und Magnayen aus deren Bällen um rasch die Umgebung nach unerwünschten Mithören abzusuchen. Aber zu diesem Zeitpunkt waren Sven und Juwelchen schon weit genug entfernt…

„Keine Sorge Juwelchen, der kriegt eines Tages auch noch sein Fett weg.“, prophezeite der junge Mann der immer noch knurrenden Fee entschlossen und streichelte dann Rocara sacht über dessen angenehm glatten und kühlen Edelstein auf seinem Kopf. Sofort beruhigte sich der Gestein/Feetyp schlagartig und begann genießerisch zu schnurren, denn das war eine seiner Lieblingsstellen.

„Ja so ist es besser Juwelchen.“, freute sich Sven mit seinem Pokémon, während sie entspannt ihren Weg fortsetzten und er es dabei weiter streichelte: „Schau, es ist so sein herrlicher Tag heute, den lassen wir uns doch nicht von seinem Kerl vermiesen!“ „Rocara!“ Das fand Juwelchen allerdings auch, weswegen es sich wieder fröhlich um die eigene Achse drehte und am liebsten mit den andern beiden unterwegs gespielt hätte, auch wenn es wusste, dass dies jetzt nicht ging.

In Fussels Fall war die Lage ja klar, denn es war nach wie vor immer noch down. Und was Tobi betraf, so ließ der junge Mann es in seinem Ball damit es sich von den vorherigen Kämpfen wieder erholen konnte. Schließlich wollten sie nach diesem Treffen im Museum ja noch die Regelsberger Leiten unsicher machen^^.

Aus diesem Grund lehnte Sven nun auch die nicht wenigen Bitten nach einem Kampf rundherum ab und vertröstete sie auf ein anderes Mal. Denn sie trafen noch auf etliche Trainer und gerade die ansässigen unter ihnen hätten sich zu gerne allein schon wegen Rocara einen Kampf mit ihm gewünscht. Ein kleines Schmunzeln konnte sich der junge Mann dabei nicht verkneifen, denn kaum, dass man ein Trainer war, wurde man von den Leuten, denen man mitunter schon jahrelang immer wieder über den Weg lief, plötzlich ganz anders behandelt.

Bald schon steuerten Sven und Juwelchen wieder auf die Stadt zu, da sie das ‚neue Ende‘ nun erreicht hatten und auch nicht lange danach staunend vor dem Regelsberger Kunstmuseum standen.

Dieses war wirklich ein eigenwilliges Konstrukt:

Seine Grundform war nämlich ein gewaltiges, da mehrere Meter hohes und breites, ‚Rhomboeder‘; also quasi ein ‚verzogener‘ Würfel, da jede Seite aus einer Raute bestand, sodass es für den Betrachter ziemlich windschief wirkte. Seine Fassade bestand komplett aus diesem verspiegeltem Glas, was dafür sorgte, dass es im Inneren des Museums sehr hell war, aber man von außen trotzdem nicht in dieses hineinspitzen konnte. Außerdem hatte dieses Glas die Eigenschaft bei Sonnenbestrahlung schwach in verschiedenen Regenbogenfarben zu leuchten. –An dieser Stelle sollte wohl erwähnt werden, dass der Erbauer des Museums, welcher zugleich auch der Kurator ist, ein sehr exzentrischer Mann mit mitunter seltsamen Vorlieben war…

„Cara…?“ Skeptisch betrachtete Juwelchen dieses farbenfrohe und sonderbare Bauwerk. Soll das wirklich Kunst sein?!

„Hahaha, ja beim ersten Mal wirkt das Museum zugebenermaßen ziemlich schräg!“, lachte der junge Mann amüsiert, biss sich aber sogleich auf die Zunge, weil er von einer Gruppe älterer, vornehm gekleideter Herren, allesamt gebildete Kunstkenner, mit strengen Blicken getadelt wurde. ‚Hmpf! So ein Kunstbanause! Der sollte sich was schämen, sich so über einen ehrbaren Hort der Kultur lustig zu machen!‘, schienen sie sich zu denken und zogen achtlos an ihm vorbei.

„Booo :aetsch:!“, machte Tobi, welches Sven zusammen mit Fussel rausgelassen hatte, damit auch sie das Museum sehen konnten, genervt von dieser steifen Haltung und schnitt hinter deren Rücken eine Grimasse nach der anderen. Solche Langweiler!

„Lass gut sein Tobi. Sollen die doch denken, was sie wollen^^.“, meinte der junge Mann ausgelassen und deutete lieber auf das Museum: „Na, wie findet ihr beiden diesen ‚strahlenden Stern am Himmel der Kunst‘, wie es die Zeitung damals bei seiner Eröffnung genannt hatte?“

„Botogel :down:…“ Das Lieferantenpokémon war wenig angetan von diesem ‚Stern‘, der allem Anschein nach in einen Verkehrsunfall geraten und von einem betrunkenen Letarking wieder zusammengebaut worden war. Und weil es wusste, dass sie da auch noch allen Ernstes hineinmussten, bat es seinen Trainer darum, wieder in den Ball zu gehen. Dort konnte es die Zeit wenigstens für ein erholsames Schläfchen nutzen…

„Und was sagst du dazu Fussel?“, fragte er sein Flamara, welches wie schon in der ganzen letzten Zeit zusammengekauert und mit leerem Blick einfach dasaß, behutsam. „Flam T-T…“, seufzte es lustlos und sah Sven traurig an. Seine Bemühungen in allen Ehren aber es wollte auch einfach nur in seinen Ball zurück und erst wieder zuhause dort raus. Der einzige Unterschied zwischen dem Haus seines Trainers und allen anderen Orte war doch bloß, dass es nur in ersterem ein Sofa gab auf dem es sich verkriechen und traurig sein konnte :(.

„Keine Angst Fussel, das wird nicht mehr lange dauern.“, flüsterte Sven einfühlsam, bevor er Juwelchen aufmunternd zunickte und sie sich um Eingang begaben. Auch heute zog es wieder viele Kunstbegeisterte ins Museum, wobei diesmal aber auch außerhalb eine ungewöhnliche Attraktion auf die Besucher wartete: Denn auf einer direkt angrenzenden Wiese weidete brav und ohne Einzäunung eine Herde aus Voltilamm und Mähikel, bewacht von jeweils einem Voltenso, Hundemon, Chevrumm… und eben auch von einem Lucario!

„Rocara!“, rief das Edelsteinpokémon überrascht und erkennend aus, als es das sah. Die kannte es doch! „Potzblitz!“, machte auch der junge Mann erstaunt: „Das ist doch Anubis! Also ist das die Herde vom alten Soulas! Was macht der denn hier in Regelsberg?“

„Cario!“, sprach Anubis derweil freudig, da es seinerseits Sven und Juwelchen erkannt hatte und winkte ihnen zu. Dabei fiel sofort auf, dass es den Schäferstab seines Trainers in den Pfoten hielt, was zeigte, dass Lucario stellvertretend für diesen die Herde hüten sollte.

Sven begriff für einen Augenblick gar nichts mehr. „Du passt auf die Herde auf, damit Vater Soulas ins Museum gehen kann :huh:?“, fragte er verwirrt das Aurapokémon: „Seit wann interessiert sich dein Trainer denn für sowas?!“ „Lucario^^!“, antwortete Anubis mit einem vielsagendem Lächeln, welches schlussendlich doch nichts verriet, bevor es mit einer anmutigen Geste den Stab schwang und damit auf den Eingang des Museums deutete. „Ah ja verstehe schon…“, meinte der junge Mann grinsend: „Aus dir ist nichts rauszukriegen. Wir müssen schon hineingehen, was :D? Na gut, dann ab mit uns Juwelchen!“

Neugierig traten die beide darum durch die große Tür ins Innere und erst jetzt sahen Sven und Juwelchen, dass es gerade eine Sonderausstellung hier im Erdgeschoss gab. Und zwar zu diesem Thema:

‚Relicanth – Unverändert im Lauf der Geschichte!‘

„Entschuldigen sie junger Mann, aber Pokémon außerhalb ihrer Bälle sind hier nur in Ausnahmefällen erlaubt!“, ermahnte ihn eine Angestellte gleich an der Kasse, nachdem sie die Freikarte überprüft hatte. „Schön, ich denke das wird hier auch der Fall sein.“, entgegnete Sven gut gelaunt und zeigte ihr seinen Trainerpass und deutete auf Juwelchens Chip.

„Was?! Sie sind dieser Sven Rougon?! Oh nein! Dann stimmt es also, was in der Regelsberger Gazette stand! Oh weh! Das ist ja furchtbar!!!“, keuchte die Dame plötzlich schockiert, wurde kreidebleich, sank in Embryonalhaltung zusammen und wimmerte nur noch unverständlich: „Es GIBT eine Parallelwelt! Dann hatten diese temperamentvolle junge Frau und ihr Flurmel damals doch recht! Nein, nicht schon wieder eine Geiselnahme… Keine Rakete…! Keine ultimative Waffe…! Ich halt das kein zweites Mal mehr aus!!“

„:o! …Okay…“, machte der junge Mann, welcher wie Juwelchen nun auch kurz mit entgleisten Gesichtszügen dastand, verstört und noch bevor er sich fangen und der Frau helfen konnte, eilte bereits ein anderer Angestellter zu seiner Kollegin. „I… Ich hab nichts gemacht! Ehrlich!“, stammelte Sven ganz schnell und verlegen, denn ihm war die ganze Sache ziemlich peinlich, zumal so langsam immer mehr Besucher etwas davon mitbekamen und begannen zuzusehen: „Ich hab ihr bloß meine Pass gezeigt und dann hat sie schon angefangen!“

Der Museumsangestellte, ein schlanker, hochgewachsener Mann Anfang Dreißig, der einen äußerst gepflegten schwarzen Anzug, eine schwarze Sonnenbrille und auch schwarz gefärbte Haare mit einem Zopf in Form einer Flamme hatte, bat mit einer Geste kurz um Ruhe und fingerte dann sein Funkgerät hervor. „Hey ich brauch hier an der Kasse mal gepflegt schnell Hilfe, Ingeborg hat ihre Tabletten nicht genommen und einen Anfall gekriegt!“, sprach der Mann erstaunlich gefasst in den Hörer und befreite im gleichen Atemzug sein Hunduster aus dessen Ball, damit es sich um diese Ingeborg kümmern konnte.

Keine Minute später tauchten dann zwei weitere Mitarbeiter auf, von denen einer die Kasse wieder besetzte und die Besucher bat sich wieder zu verteilen. Der andere, ein sehr kräftiger Mann mit dem Körperbau eines Maschok, hob seinerseits die wimmernde Frau mit Leichtigkeit auf und brachte sie zur Beruhigung in das Krankenzimmer. Diese ganze Sache war darum binnen weniger Augenblicke erledigt und schon bald deutete nichts mehr auf diesen merkwürdigen Vorfall hin.

„Ich möchte sie sehr gepflegt um Verzeihung für diesen Aufruhr bitten.“, meinte der erste Angestellte mit Bedauern in der Stimme und verneigte sich höflich vor Sven: „Unsere Ingeborg hat eine sehr sensible Psyche, da sie leider eine gepflegte Schwäche für Okkultes hat und damit diesen lachhaften Aussagen der Regelsberger Gazette Glauben schenkt. Außerdem ist sie immer noch gepflegt traumatisiert von dieser Geiselnahme im Raumfahrtzentrum von Moosbach City, bei der sie zu ihrem Unglück zugegen war. Sie haben ja vielleicht davon gehört?“

Der junge Mann nickte wissend. Wer hatte nicht davon gehört? Das war vor ein paar Jahren das ganz große Thema in Hoenn, weil es so kurze Zeit nach den Unruhen um Groudon und Kyogre geschah. Niemand wusste zwar genaueres, aber man erzählte sich davon, dass Wolfang und Jördis; beides Vorstände von Team Aqua beziehungsweise Team Magma; gemeinsam mit einigen Rüpeln das Raumfahrtzentrum überfallen hatten, weil sie sich vom Wandel ihrer Teams und ihrer Bosse überrumpelt und verraten fühlten.

Was genau sie dort vorhatten war ebenfalls nur gerüchteweise bekannt. Angeblich wollten sie eine mächtige Rakete entführen um einen verheerenden Selbstmordanschlag auszuüben. Weiter hieß es in diesen Gerüchten, dass sie vom frisch entthronten Champ Troy Trumm; dem neuen Champ, der ein junger aber äußerst begabter Trainer war und einer geheimnisvollen Meteoranerin und ihrem Flurmel aufgehalten wurden. Die Verantwortlichen bestritten aber bis heute diese Einzelheiten und gaben nur zu, dass es eine Geiselnahme gegeben hatte, dieser aber zu keinem Zeitpunkt eine größere Bedrohung darstellte. (Wer’s glaubt…)

„Jedenfalls muss unsere geschätzte Ingeborg eigentlich seit diesem Vorfall in regelmäßigen Abständen gepflegt ihre verschriebenen Tabletten nehmen, damit sie sich nicht zu sehr in ihre Fantasien reinsteigert.“, erklärte der Mann weiter und zuckte die Schultern: „Bedauerlicherweise ist sie immer wieder überzeugt davon, dass dies nicht nötig sei. Tja und wenn dann so eine ‚Berühmtheit’ wie sie Herr Rougon, über welche die Gazette die haarsträubendsten Geschichten geschrieben hat, vor ihr auftaucht rächt sich diese Überheblichkeit leider auf ganz ungepflegte Weise. Darum möchte ich mich nochmals gepflegt bei ihnen für diese kleinen Aufruhr entschuldigen und ihnen und ihrem entzückenden und sehr gepflegt wirkenden Rocara einen angenehmen Aufenthalt hier wünschen.“

Der Angestellte verneigte sich darum erneut und entfernte sich dann von Sven und Juwelchen, die nun endlich Zeit hatten sich die Ausstellung anzusehen und rasch merkten, dass ‚exzentrisch‘ die richtige Umschreibung für den Kurator war.

Zuerst gab es auf einer Infotafel, ganz harmlos, eine kleine Einleitung zu dieser Ausstellung und Fakten über das mannigfaltig dargestellte Pokémon zu lesen. Dazu fanden sich auch einige fossile Abdrücke, ganze, datierte Skelette oder Abgüsse davon, die erläuterten, wie viel Millionen Jahre zwischen diesen einzelnen Stücken lagen. Diese verdeutlichten sehr eindrucksvoll, wie wenig bis gar nicht sich das Gestein/Wasserpokémon in all dieser endlos langen Zeit verändert hatte und darum zur Recht als ‚Bestandpokémon‘ bezeichnet wurde.

Aber direkt dahinter hing ein, an mehreren Seilen befestigtes, fünf Meter langes Relicanth – aus Klopapierrollen zusammengesetzt und so mit Bonbonpapierchen beklebt, dass es deren Farben hatte :tja:.

Und dieses Skurrile zog sich wie ein roter Faden durch das ganze Museum:

Entgegen den Erwartungen des jungen Mannes fand er in den vielen Räumlichkeiten, in die das Erdgeschoss durch mobile Wände unterteilt wurde, nur sehr wenige hochwertige Ölgemälde, Zeichnungen oder ähnliche künstlerische und durchaus schöne und kreative Bildnisse oder Skulpturen vor, welche das Bestandpokémon zum Thema hatten. –Das betrachtet er ohne Zweifel als Kunst und er und Juwelchen zeigten sich sehr beeindruckt von dieser enormen Schaffenskraft, welche die jeweiligen Personen an den Tag gelegt haben mussten.

Bei vielen Ausstellungsstücken erhärtete sich bei Sven aber lediglich der Verdacht, dass der Kurator wohl einfach wahllos alles, was auch nur entferntesten mit dem Gestein/Wassertyp zu tun hatte, zusammengetragen hatte. Dafür war dieser jedoch bekannt und; sehr zur Verwunderung des jungen Mannes; hochgeschätzt. Viele Leute bewunderten tatsächlich diese kuriosen Exponate und lobten den ‚guten Geschmack‘ des Kurators.

Da gab es zum Beispiel Unterhosen mit Relicanthmotiv, Relicanthnudeln, eine Kartoffel und sogar den getrockneten Fladen (!) eines Miltank in Form eines… ja richtig, eines Relicanth zu ‚bestaunen‘. In einem Schaukasten fand sich auch eines aus Schokolade… Leider nicht wirklich süß, denn er Künstler hatte diese braune Köstlichkeit nur als Grundform und Nährboden benutzt um einen langlebigen, dichten und flauschigen Schimmelteppich drauf wachsen zu lassen :roll:. Doch auch dazu gab es reichlich Lob, viele ‚Ahs‘ und ‚Ohs‘ und ganz oft hörte man das Klickten der Kameras.

Sven kam sich unter diesen ganzen ‚Kunstkennern‘ richtig verloren und deplatziert vor, denn er konnte selbst beim besten Willen nicht die hier scheinbar herrschende Ansicht teilen, dass alles, was man hier vorfand, ‚grandiose Kunst‘ nennen konnte. Er musste unweigerlich an die Erklärung eines guten Bekannten dazu denken, der meinte, dass es ‚Kunst‘ und ‚Wunst‘ gäbe. Und ‚Kunst‘ käme nun mal von ‚Können‘, während ‚Wunst‘ lediglich von ‚Wollen‘ herrührte. Eine Ansicht, die der junge Mann nun umso mehr teilen konnte!

Aber um nicht zu sehr aufzufallen stimmte er den begeisterten Kommentaren brav mit einem Nicken zu und dachte sich seinen Teil. Immerhin sah er wenigstens ab und zu einem anderen Besucher auch an, dass dieser sich etwas anderes von dieser Ausstellung erhofft hatte…

„Hey, sieh dir das mal an Juwelchen!“, begann Sven irgendwann vor einem weiteren Exponat und versuchte, wider besserer Vernunft, Begeistert zu klingen: „Das ist die ‚Raufasertapete Relicanth‘. Ein Fehldruck mit Wasserfleck (in welcher Form muss man nicht erwähnen, oder?), der vor dreißig Jahren gedruckt wurde. Und stell dir mal vor: Es hat über zehn Jahre gedauert, bis bekannt wurde, dass dieses Motiv nur die Folge eines unbemerkten Wasserschadens war. Unglaublich, gell?“

„Cara!“ Juwelchen sah Sven ernst an, da wollte und konnte es nicht mitspielen. „Aber ja: Das hier ist doch die reinste Zumutung!“, gestand sich dadurch auch der junge Mann ein und raufte sich verzweifelt die Haare: „Da ist selbst ein Triangelkonzert von Dietbert Strohsack noch Kunst, verglichen mit diesem Schund, denn man hier fälschlicherweise als solchen Ausstellt! Nichts gegen die paar echten Kunstwerke hier. Aber eine verschimmelte Schokoskulptur? Eine Tapete mit Wasserfleck? Ernsthaft?! Wenn wir hier nicht auf diesen Jemand warten würden, würde ich am liebsten sofort gehen!“

Er sah auf seine Uhr und musste feststellen, dass es immer noch fünfzehn ganze Minuten bis vier waren. Wie sollte er die bloß rumkriegen? Nicht mal Arceus Höchstselbst hätte ihn und Juwelchen dazu zwingen könnten, sich einfach die restlichen ‚Werke‘ anzusehen. Das hielt er einfach nicht mehr aus!

„Entschuldigen sie bitte, aber gibt es ein Problem?“, fragte da der gepflegt gekleidete Angestellte von vorhin interessiert, rückte schnell seine Sonnenbrille zurecht und ging auf den jungen Mann zu: „Ich wurde unbeabsichtigt gepflegt Ohrenzeuge ihres kleinen Wutausbruchs. Gibt es etwa ein Problem mit diesem gepflegten Exponat?“

Sven wurde aschfahl. Große Klasse! Ausgerechnet ein Mitarbeiter dieses Museums hatte ihn gehört, wie er diese Ausstellung schlecht gemacht hatte! Das konnte ja heiter werden!

„Ähm… Also nicht direkt mit dem, äh, wunderbaren Kunstwerk hier. Nein, nein, natürlich nicht. Äh, es ist nur… Ja…“, stotterte der junge Mann schweißgebadet und ertappt, weil er fürchtete, dass ihm jetzt ordentlich Ärger ins Haus stand. Wie da nur halbwegs heil rauskommen ohne rausgeworfen zu werden und dieses Treffen dadurch zu versäumen?

„Haha, keine Bange Herr Rougon ich finde die meisten dieser Ausstellungstücke auch nur, um es gepflegt zu sagen, fürchterlich.“, gab der Mitarbeiter offen mit einem herzlichen Lachen zu und erklärte: „Ich habe diese Situation nur genutzt und mir einen gepflegten Scherz erlaubt - sehen sie mir das bitte nach^^. Eigentlich suche ich sie wegen eines ganz anderen Grundes auf, falls sie verstehen, was ich meine?“

Das tat Sven nur zu gut und holte schon den Brief aus seiner Hosentasche hervor: „Es geht um diese Einladung, richtig?“ „Korrekt!“ antwortete der Angestellte eifrig: „Der gepflegte Verfasser hat sich eben bei mir gemeldet und sein baldiges Kommen angekündigt. Und da wir uns, wenn auch leider nicht gepflegt, vorhin schon getroffen hatten, konnte ich ihm auch gleich von eurer Anwesenheit unterrichten.“

Er hielt kurz inne um abermals den Sitz seiner Krawatte und seiner Sonnenbrille zu überprüfen und brachte dann die Sache rasch zum Punkt: „Und nun möchte ich euch gepflegt darum bitten mir in den obersten Stock zur Privatgalerie zu folgen, damit ihr euch fernab dieses Trubels hier treffen könnt. Wenn ich sie deshalb zum Aufzug führen darf?“

„Klar!“, entgegnete der junge Mann schnell und tauschte einen raschen, neugierigen Blick mit Juwelchen. Die Privatgalerie gleich, das war schon ein Ding! Dort wurden nur ausgewählte Stücke (die man auch wirklich als Kunst bezeichnen konnte) ausgestellt und normalerweise kam man da nicht so leicht rein. Wunder was: Sie war ja auch privat :P!

„Eine Frage hätte ich da noch an sie persönlich.“, beeilte sich Sven zu fragen um seine aufkeimende Ahnung gegenüber dieses Angestellten noch rasch zu befriedigen, da sie den Aufzug bald erreicht hatten: „Die Art wie sie sich kleiden und frisieren und ständig dieses ‚gepflegt‘… Sie sind doch nicht etwa ein…?“

„Gut erkannt Herr Rougon.“, unterbrach in der Museumsmitarbeiter mit einer urtümlichen Gelassenheit und ohne anzuhalten: „Ich bin ein ehemaliges gepflegtes Mitglied von Team Flare! Sie sind auch nicht der erste, der das erkannt hat, denn ich stehe gepflegt offen dazu, wie sie sehen. Aber keine Angst: Ich habe, nachdem sich unsere Basis wortwörtlich in Rauch aufgelöst hat, eingesehen, dass die Zielsetzung meines Teams gepflegt daneben war und bin jetzt sauber! Für einige Zeit habe ich dann in Batika City gelebt, wo mich sogar die Polizei nicht entdeckt hatte. Allerdings habe ich mich nach einer Weile selber gestellt und um meine Beteiligung an dieser Sache gepflegt wiedergutzumachen, gebe ich hier als Angestellter nun mein Bestes.“

Begleitet von einem melodischen Klingeln öffnete sich aber nun schon die Tür des Aufzuges und nach einer kurzen Verabschiedung traten Sven und Juwelchen auch schon ein. „Hm… Der hat immerhin noch begriffen, in was für einen Mist er verwickelt war und sich gebessert.“, sinnierte der junge Mann dann während es aufwärts ging grüblerisch: „Ich frage mich ernsthaft ob Granbullkopf auch mal so viel Grips haben und sich für seine Verbrechen verantworten wird?“ „Rocara!“, machte Juwelchen wenig überzeugt. ‚Da werden wir wohl noch bis zum Sankt Nimmerleinstag warten müssen!‘

-Bling!-

Die Tür des Aufzugs öffnete sich nun auch schon wieder, sodass Sven und Juwelchen schweigend und staunend die Privatgalerie betraten. Anders als im Erdgeschoss herrschte hier ein dezentes, jedoch angenehmes Dämmerlich, da die Scheiben hier verdunkelt waren. Der Boden und auch die Wände, an denen die eingerahmten und perfekt beleuchteten und in Szene gesetzten Kunstwerke hingen, waren mit einem dunkelblauen, samtigen Stoff ausgelegt.

„Also das sieht mir gleich viel mehr nach einem Kunstmuseum aus.“, hauchte der junge Mann bezaubert und bemühte sich darum nicht zu laut zu sein. Die Stille, die diesem Raum innewohnte, hatte etwas entspannendes, ja Heiliges an sich, was man nicht stören sollte. Ja, die Privatgalerie wirkte wie eine heimelige Zuflucht, in der man für ein paar Stunden dem Stress des Alltags entfliehen konnte, wenn man es poetisch ausdrücken möchte.

Dann obsiegte bei Sven und Juwelchen aber die vor allem die Neugierde. Sie hatten noch ein paar Minuten Zeit um sich ECHTE Kunst ansehen zu können! Es war fast eine Qual sich in der kurzen Zeit auf ein paar Bilder zu einigen; alle hätten sie nie und nimmer geschafft.

Das erste, was sie sich ansahen trug den Titel: ‚Zu früh gefreut!‘

Dieses detailreiche Ölgemälde zeigte eine der kritischsten Augenblicke in der Geschichte Sinnohs: Zyrus, der Boss von Team Galaktik, stand mit kalter, triumphierender Miene auf der von dunklen Wolken verhangenen Spitze des Kraterberges, der sogenannten Speersäule. In seinen Händen hielt er zwei seltsame rote Ketten mit denen er Palkia, das legendäre Pokémon des Raumes und der Dimensionen und Dialga, das legendäre Pokémon, welches die Zeit beherrschte, unter seiner Kontrolle hielt. Darüber kreisten hilflos die legendären Pokémon Selfe, Vesprit und Tobutz, welchen die Kraft fehlte um diesem schändlichen Treiben Einhalt zu gebieten.

Keiner der im Bild beteiligten merkte, wie sich direkt hinter Zyrus ein pechschwarzes Loch im Boden auftat, von dem aus zwei rot glühende Augen wütend auf den Galaktikboss starrten…

‚Eine andere Welt‘, hieß das zweite Werk, dass die beiden, schon zutiefst beeindruckt vom ersten, anschließend sprachlos betrachteten.

Hier stellte ein äußerst gekonnt erschaffenes Mosaik eine dunkle, fremdartige, von eigentümlichen Kristallstrukturen erfüllte Welt dar, in der merkwürdige quallenartige Pokémon durch die Lüfte schwebten.

Sven und Rocara sahen sich kurz fragend an. Sie hatten noch nie solche Pokémon in ihrem Leben gesehen, denn diese dort stellten weder Tentoxa oder Apoqualyp dar. Auch die dargestellte Welt war ihnen völlig unbekannt und da es eine Privatsammlung war, gab es auch keine Infotafel oder sowas. Nur ein kleines Kärtchen hing daran auf dem knapp stand:

‚Ultradimension – ein Ort, den man angeblich von Alola aus erreichen kann.

…Danke an Lilly für ihre genaue und lebhafte Beschreibung…‘


„Verrückt!“, dachte sich der junge Mann nur und fuhr sich verständnislos mit seiner Hand durchs Haar: „Wer möchte schon freiwillig so eine trostlose Welt bereisen und sich mit diesen Kreaturen abgeben?!“

„Cara!“ Sacht drängte das Edelsteinpokémon seinen Trainer weiter. Ein paar Bilder möchte es zu gerne noch sehen! Ein Wunsch den dieser natürlich teilte.

Das nächste verschlug ihnen ebenfalls die Sprache – nur in einem ganz anderen Sinne^^.

‚Dietberkules und Cocysseus im heroischen Kampf gegen den schrecklichen, bösen, und megastarken Lindwurm!!!

Diese Überschrift prangte übertrieben groß und fett über dem Gemälde und zeigte wie Dietbert, welcher auch dort diese unmögliche Aufmachung von heute trug, und seine Coco als maßlos überzeichnete Helden gegen ein Trikephalo kämpften, welches zehnmal größer als ein normales war. Außerdem hatte dieses elf statt drei Köpfe, die an meterlangen Hälsen saßen, Rettanhaare wie eine Medusa auf jedem einzelnen darauf und spukte gerade wohl so ziemlich jeden Elementarangriff, denn man nur speien konnte auf die; natürlich; völlig unbeeindruckten ‚Helden‘.

Verglichen mit den vorherigen Kunstwerken, wirkte das Werk seines Nachbarn einfach als das, was es ist: Eine hilflose, vergebens mit üppiger Farbe und abstrakten Formen geschönte Krakelei, die ein Kindergartenkind besser hinbekommen würde. …Und eher in den Müll gehörte.

„Ehehe…“ machte Sven verdattert: „Das hat wohl aus Mitleid seinen Weg hierher gefunden :tja:…“ Dann rissen sich die beiden aber auch schon vom Anblick dieses ‚Gemäldes‘ los, für eines hatten sie noch Zeit.

„Und ich weiß auch schon welches Juwelchen!“, flüsterte der junge Mann ganz aufgeregt, denn ihm war klar geworden, wem diese Galerie wohl gehörte: „Nämlich das Berühmteste, welches dieser Jemand hier selbst erschaffen hat, sein Meisterwerk sozusagen!“

Sie mussten gar nicht lange suchen, denn wie erwartet, thronte dieses Bild am anderen Ende des Raumes und war in mehrerer Hinsicht atemberaubend!

Auf einer mächtigen Steintafel, die fast so hoch wie der Raum selbst war, also beinahe zweieinhalb Meter, war in einer Mischung aus farbenfrohem Gemälde und antiker Höhlenmalerei, die denen der Meteoraner glich, eine beeindruckende Szenerie aus Hoenn festgehalten worden.

‚Die letzte Prüfung der Wissenshüterin‘, lautete der kunstvoll in goldfarbenen Lettern geschriebene Titel dieses monumentalen Werkes und zeigte folgendes:

In der Luft über der Spitze des Himmelturms kämpften ein Mega-Brutalanda und das legendäre Mega-Rayquaza gegeneinander. Die beiden wirkten so dynamisch und plastisch, dass man meinen könnte, sie würden jeden Augenblick aus dem Gemälde springen und ihren Kampf außerhalb von diesem Fortsetzen.

Mit geradezu professioneller Genauigkeit wurden nämlich selbst die kleinsten Details der beiden megaentwickelten Pokémon sowie der Umgebung herausgearbeitet. Die feinen, hellblauen beziehungsweise roten Schuppen des Drachenpokémon ebenso wie das smaragdgrüne Schimmern des Himmelhochpokémon oder die feinen, goldenen Barthaare von diesem, welche die rätselhaften Luftströmungen scheinbar gerade in diesem Moment erzeugten.

Unter ihnen, auf dem deltaförmigen Drachenbeschwörungsaltar, sah man deutlich schemenhafter zwei Personen stehen. Eine von ihnen war ein junger, braunhaariger Trainer, von dem man nicht mal sagen konnte, ob er ein Junge oder ein Mädchen war. Der Künstler hatte um ihn herum eine smaragdfarbene Aura angedeutet um zu zeigen, dass er der Auserwählte war, dem Rayquaza gehorchte. Die andere Person war eine junge Frau mit schwarzen Haaren im Pagenschnitt, die einen ähnlichen Umhang wie der hiesige Champ und einen Beinreif, der entfernt Rayquaza ähnelte, mit einem funkelnden Schlüsselstein daran, trug. Gemeinsam mit einem Flurmel, das dicht bei ihr stand, sah sie diesem Kampf in den Lüften bewegt zu. Obwohl sie wusste, dass sie mit ihrem Brutalanda nicht gewinnen konnte, wirkte sie unglaublich glücklich und erleichtert, ja geradezu erlöst, als ob eine schwere Bürde von ihr abfiel.

Ja selbst als Zuschauer erhielt man den Eindruck, dass mit dem Ausgang dieses Kampfes auch ein Unheil, welches der Welt drohte, erfolgreich abgewendet wurde.

Dass war es auch, was dieses Werk so unglaublich machte: Man fühlte sich sofort in dieses Geschehen hineingezogen, konnte die Gefühle und die Stimmung, die gerade in dieser festgehaltenen Szenerie herrschte, richtig spüren, als ob man es selbst erlebt hätte.

Völlig von der Sogwirkung dieses wahrhaft als Meisterwerk bezeichneten Gemäldes verzaubert; in welches der Künstler sehr viel Herzblut und Leidenschaft investiert hatte; vergasen Sven und Juwelchen die Zeit und hörten nicht einmal mehr, dass die Aufzugtür sich nun ein weiteres Mal öffnete und eine weitere Person den Raum betrat. Darum erschraken sie auch fürchterlich als eine, ihnen doch bekannt vorkommende Stimme, ergriffen meinte: „Es ist wahrlich beeindruckend, nicht wahr?“

„Uwah!“, schrie der junge Mann überrascht auf, drehte sich um und bekam deswegen erst recht nicht mehr den Mund zu.

Denn vor ihm und Juwelchen stand nun Herzog Alastair René von Bauzhausen, oder um es kurz zu machen, der Champ! Natürlich in steter Begleitung von Elodie und Melody, die sich heute jedoch dezent im Hintergrund hielten und ihre Gegenüber nur neugierig betrachteten. Anders als damals im Freilichtmuseum trug er heute allerdings keine Ritterrüstung sondern feine, aber dennoch alltägliche Kleidung, nämlich eine dunkelblaue Jeans, ein hellgrünes Hemd und eine braune, kurzärmelige Weste und wirkte dadurch richtig bodenständig und bürgerlich, was ihn gleich auf den ersten Blick sympathisch machte.

„Oho tut mir leid, euch beide einfach so einen Schrecken einzujagen.“, entschuldigte sich der Herzog vornehm, machte ein kleine Verbeugung, und lächelte verträumt beim Anblick des Bildes, vor allem beim Blick auf die junge Frau auf diesem: „Ich vergesse nur immer, welche gewaltige Wirkung mein bescheidenes Werk auf die meisten Leute hat… Auch wenn Eigenlob natürlich selbstredend stinkt, haha! Jedenfalls freue ich mich sehr, dass ihr meiner Einladung gefolgt seid und ich euch hier nun begrüßen darf.“

Sven fiel aus allen Wolken und riss die Augen auf. „SIE haben diesen Brief an mich verfasst?!“, entfuhr es ihm erstaunt und hatte alle Mühe damit, dass sein Mund nicht schon wieder offenstand und stammelte unsicher und etwas hilflos: „Aber warum dann diese Scharade mit dieser Lycoris radiata euer äh, Herzoglichkeit? Oder Durchlaucht…?“ Wie zum Grypheldis spricht man einen Herzog überhaupt richtig an?! Das kam alles viel zu plötzlich!

„Ruhig Blut Sven, ich bin auch nur ein Mensch wie du^^.“, lachte der Champ verständig und beruhigend: „Lassen wir diese Floskeln einfach. Nenn mich schlicht und ergreifen Alastair, oder sieze mich einfach wenn dir das leichter fällt, in Ordnung?“ „O… Okay.“, machte der junge Mann noch etwas eingeschüchtert, riss sich aber zusammen, was ihm leichter fiel als gedacht. Anders als bei so manchem Würdeträger fühlte man sich in der Gegenwart des Herzogs nicht unbedeutender oder niedriger als dieser, sondern gleichauf mit ihm. Zumal in seinen dunkelbraunen Augen auch keine Überheblichkeit oder dergleichen sondern nur die offene und ehrliche Freude über das Erscheinen seiner Gäste lag.

„Und um deine Frage zu beantworten: Mein Pseudonym hat rein ideelle Gründe.“, erklärte Alastair wieder mit diesem verträumten, ja sogar verliebten Lächeln: „Lycoris radiata oder auch die rosarote Spinnenlilie ist in manchen Teilen dieser Welt auch als ‚higanbana‘, die ‚Blume des Himmels‘ oder aber auch als ‚shibitobana‘, die ‚Blume des Todes‘ bekannt. Darüber hinaus steht sie in der Blumensprache für eine schmerzliche Erinnerung…“

Es fiel auf, dass der Champ bei diesen Worten einen fast sehnsüchtigen Blick auf die Frau auf dem Gemälde warf, bis er sich mit einem herzlichen Lachen wieder dem jungen Mann und Juwelchen zuwandte. „Und außerdem wollte ich euch nicht dazu zwingen, hier zu erscheinen!“, stellte er klar: „Aber wenn ich mit meinem echten Namen unterschrieben hätte, hättest du dich doch sicherlich dazu verpflichtet gefühlt. Nicht wahr?“

Sven nickte zunächst nur zustimmend. „Wo er Recht hat, hat er Recht.“, dachte er sich und sprach den nächsten Gedanken sogar laut aus: „Seien sie mir nicht böse, aber ich hätte nie gedacht, dass Fanny sogar extra sie, den Champ, bemüht, nur um mir bei meinem Problem zu helfen. Und schon gar nicht, dass sie sich dieser Sache sogar persönlich annehmen.“

„Warum denn nicht?“, entgegnete der Herzog und machte kurz eine verständnislose Miene: „Nur weil du nicht mit Rängen und Titeln behangen bist, bist du doch kein geringerer Mensch als ich. Wir alle, Menschen, Pokémon und die Natur sind absolut gleichwertig! Darum finde ich es ja auch so lobenswert das sich Fräulein Baillehache nicht von meinem Status hat abschrecken lassen, sondern mich einfach um meine Hilfe gebeten hat, weil sie daran glaubte, dass ich diese auch geben kann. So sollte es durchaus viel öfter vorkommen!“

Dann lächelte Alastair aber auch schon wieder charmant.

„Zumal dass eine großartige Gelegenheit ist, euch beide endlich einmal näher kennenzulernen. Denn ihr habt ohnehin schon das Interesse von Elodie, Melody und mir selbst geweckt.“, verriet der Herzog geheimnisvoll: „Immerhin sind auch uns die Geschichten um einen jungen Mann zu Ohren gekommen, der eigentlich nie selbst ein Pokémon haben oder gar ein Trainer sein wollte, aber sich nun durch einen Zufall gleich um ein hier geschütztes Rocara kümmert. Und offenbar hat mein Appell auf dem Freilichtmuseum in Bad Boreos; wo ich leider nur einen kurzen Blick auf euch erhaschen konnte; Wirkung gezeigt, denn deine Anmeldung zur Liga kam richtig überraschend und war mit Abstand die letzte in der ganzen Geschichte von Mungenau, Sven^^.“

Mit einem prüfenden Blick betrachtete er beide, Mensch und Pokémon, und nickte zufrieden und wohlwollend.

„Juwelchen, Tobi und Fussel… Schöne Spitznamen hast du dir da ausgedacht Sven.“, meinte der Champ lobend: „Vor allem du und dein Juwelchen; das im Übrigen jetzt schon sehr gut trainiert und fit wirkt; habt sicherlich einiges durchmachen müssen, bevor ihr euch gemeinsam auf ein neues Leben als Trainer und dessen Pokémon einlassen konntet.“

„Ja…“, sprach Sven gedehnt und verlegen: „Wobei ich mal behaupten kann, dass ich mich schwerer mit dieser Einsicht getan habe als Juwelchen…“ „Rocara!“ Sanft schmiegte sich das kleine Gesteinspokémon an den jungen Mann und sah in aufmunternd und voll von Zuneigung an. ‚Das ist alles schon vergeben und vergessen!‘

„Hach ja, was für ein schöner Anblick!“, freute sich Alastair vergnügt: „Ihr beide gebt jetzt schon ein wunderbares Gespann ab und macht der alten Tradition von Mungenau alle Ehre! Oh ja! Ich sehe sogar noch mehr in euch.“

„‚Wie sehr bestimmen Wünsche dein Handeln? Und wie viel von der Wirklichkeit musst du kennen, bevor du guten Gewissens in Aktion treten kannst?‘“, intonierte er andächtig, weil dem Champ diese Worte offenbar sehr viel bedeuteten und erzählte: „Diese zwei Fragen hat sie mir damals am Ende unseres einzigen Treffens gestellt… Es war vor fünf Jahren in Hoenn, etwa drei Tage nach der großen Astronomieshow, als ich ihr zufällig am Rande von Metarost City begegnet bin, wie sie nachdenklich in Richtung der Meteorfälle geblickt hat. Sie wirkte noch etwas erschöpft, aber strahlte schon den Willen aus, etwas Neues zu wagen, ganz so, als wäre sie erst vor kurzem von einer mächtigen Bürde befreit worden…“

„Flunkifer!“, wiedersprach Elodie mit gespielter Strenge und verschränkten Armen und wurde von Melody unterstützt: „Serpi!“

„Gewiss doch, dass sie mir überhaupt aufgefallen ist, habe ich euch beiden zu verdanken, haha!“, ergänzte der Herzog vergnügt: „Ihr seid losgerannt, weil ihr unbedingt ihr Flurmel; ihre süße, kleine ‚Avelina‘; kennenlernen wolltet und habt euch auf Anhieb verstanden. So kamen auch wir beiden ins Gespräch und sie stellte sich mir als ‚Amalia‘ vom Volk der Meteoraner vor. (Hach, was war sie nur für eine wundervolle Frau :love:!)

Stundenlang flanierten wir am Strand von Route 115 entlang und unterhielten uns ausgiebig. Ja wir beide verstanden uns; vertrauten uns förmlich; ebenso prächtig wie unsere Pokémon. Darum hat mir Amalia einige überraschende Dinge und Informationen zu den auch erst vergangenen Ereignissen in Hoenn erzählt, die wahrscheinlich nur die allerwenigsten wussten.

Eines dieser Ereignisse habe ich auch mit all meiner künstlerischen Schaffenskraft in diesem Gemälde, welches euch zu meiner Freude sehr zu gefallen scheint, festgehalten. Das habe ich ihr nämlich fest versprochen. Denn da ohnehin kaum einer weiß, was sich damals wirklich zugetragen hatte, wollte ich damit verhindern, dass diese bemerkenswerte Geschichte und die damit verbundenen, enormen Leistungen dieser faszinierenden Frau völlig in Vergessenheit geraten. Oh, aber ich schweife ab…

Irgendwann rückte dann aber leider schon der Zeitpunkt des Abschieds in greifbare Nähe und sie erklärte mir bedauerlich, dass wir uns wahrscheinlich nie wieder sehen würden. Sie werde bald Hoenn verlassen und eine Reise mit ungewissem Ziel beginnen um herauszufinden, wo ihr Platz in dieser Welt sei, worin ich sie natürlich bestärkt habe. Dann hat sie mir ganz offen und trotzdem behutsam klargemacht, dass sie leider nicht so tiefe Gefühle für mich empfindet, wie ich für sie, denn diese waren schon weit mehr als freundschaftlich.

Doch gerade durch ihre bewundernswerte Offenheit, ist mir selber klar geworden, dass ich nicht der Richtige für sie bin und habe sogar den Mut aufgebracht, ihr das zu sagen und wünschte ihr dann alles Gute für die Zukunft. Mit einem Lächeln hat Amalia es mir gleich getan und unterstrichen, dass ich ihr immer als guter Freund in Erinnerung bleiben werde…“

Alastair seufzte kurz voller Wehmut bei diesem Gedanken daran und meinte abschließend: „Und genau danach stellte sie mir diese beiden Fragen, über deren Antworten ich damals erst nachdenken musste.

Aber sie haben mir auch die Augen geöffnet!

Als Nachfahre einer ganzen Reihe von Frauen und Männern, die gewaltsam vor tausend Jahren damit begonnen hatten, maßgeblichen Einfluss auf die Geschichte und Geschicke Mungenaus zu nehmen, ist es mein Wunsch und meine Pflicht, dass ich meinen Teil dazu beitrage, dass wir auch weiterhin unseren hohen Lebensstandard halten können und die dazu nötigen Opfer aus der Vergangenheit nicht vergessen werden. Darum scheue ich mich auch nicht, die dunklen Seiten des Geschlechts der Bauzhausener aufzuzeigen und selbst aktiv zu werden, wenn meine Hilfe notwendig ist. So wie bei euch.“

Deutlich geheimnisvoller fügte der Champ noch hinzu: „Wunsch und Wirklichkeit… Wenn ich euch beide so ansehe, dann sehe ich sofort diese Aspekte dort vereint.“ „Cara…“ Für Sven unmerklich schüttelte Juwelchen sacht verneinend seinen Körper, denn es hatte schon begriffen, worauf der Herzog anspielte, wollte aber nicht, dass sein Trainer etwas davon mitbekam. Die Zeit war noch nicht reif dafür!

„Oh aber wo bleiben nur meine Manieren?“, sprach Alastair dann wieder mit einem sympathischen Lächeln und machte eine entschuldigende Geste, die heimlich Rocara zeigte, dass er auf dessen Wunsch Rücksicht nehme: „Ich texte euch hier mit meinen sehnsüchtigen Geschichten von damals zu, obwohl es doch die Entwicklungsdepression von Fussel in Augenschien zu nehmen gilt! Kommt! Wir fahren mit dem Aufzug zum Dach. Dort wartet eine weitere Überraschung auf euch…“

Sven nickte nur stumm und zwinkerte Juwelchen heimlich und mit einem verschmitzten Grinsen zu. Er hatte dieser Geschichte nur zu gerne gelauscht, denn er wusste ja, wie prägend diese Begegnung für den noch jungen Herzog war und er hatte auch gespürt wie sehr sich Alastair dabei bemühte, nicht zu ausschweifend zu werden. Vor allem fand es der junge Mann sehr romantisch und bewundernswert, dass der Champ auch noch nach fünf Jahren immer noch so tiefe Gefühle für diese Amalia empfand, obwohl er sie nie wiedersehen würde und selbst behauptete, er sei nicht die Richtige für sie.

„Hoffentlich findet er eines Tages eine Frau, die auch den Mensch, der hinter dem Titel des Champs steckt, mit all seinen Stärken und Schwächen liebt und mit seiner Art zu lieben auch etwas anfangen kann.“, dachte sich Sven verträumt, weil er dabei an seine eigenen Gefühle für Chantal dachte und schon etwas stolz darauf war, wie schön er das jetzt formuliert hatte^^.

Denn wenngleich der Herzog, wie fast jede Berühmtheit, eine ganze Riege weiblicher Fans hatte, so würden von ihnen sicherlich nicht mehr als höchstens eine Handvoll übrig bleiben, die wirklich den Mensch Alastair und nicht nur seinen Status (oder sein Geld) liebten. Der junge Mann wusste nämlich, dass der Champ, trotz seiner Freunde, in dieser Hinsicht sehr einsam war und konnte es darum nachvollzeihen, wenn dieser eine Gelegenheit wie diese nutze um mal mit jemanden über seine heimlichen Schwärmereien zu reden.

„Serpiroyal?“ Melody sah Sven fragend mit ihren femininen, rötlichen Augen an, weil dieser während seiner Überlegungen kurz stehen geblieben war. Doch der junge Mann musste gar nichts sagen, da das Hoheitspokémon schon beim Anblick von diesem auf den Trichter kam. „Serpi!“, sprach es darum und nickte bestätigend. Melody und Elodie wussten es selber schon längst: Eine Frau muss für ihren Trainer her, aber eine richtige und kein liederliches Püppchen! Leider war das eine Aufgabe, die sich viel schwieriger und langwieriger gestaltete, als der härteste Pokémonkampf!

Ein kurzer, verschwörerischer Blick wurde zwischen den beiden ‚Damen‘ gewechselt, bevor Flunkifer mit einer eindeutigen Geste Sven und Juwelchen um Verschwiegenheit bat. Ihr Trainer musste ja nicht von allen ihren Bemühungen erfahren und sobald sie wieder Zuhause waren, würden sie es vielleicht doch mal mit diesen Dating-Portalen im Internet versuchen :P

„Rocara!“ Juwelchen bewunderte sichtlich den Einsatz der beiden Pokémon für ihren Trainer, während der junge Mann grinsend den nicht ernst gemeinten Gedanken, dass Pokémon, die zu oft außerhalb ihrer Bälle sind, ganz offensichtlich auf dumme Ideen kommen, für sich behielt.

„Ach ja: Eines muss ich doch noch loswerden Sven und Juwelchen.“, hob Alastair entschuldigend an, als sie den Aufzug betraten und er gerade noch schnell Melody, die ja viel zu groß für diese enge Kabine wäre, in ihren schmucken Pokéball, welcher ihre Grüntöne als Musterung hatte, zurückzog: „Ich möchte euch um Verzeihung bitten, dass ich euch ausgerechnet während dieser skurrilen Sonderausstellung hierher bestellt habe. Aber ihr wisst ja selber wie exzentrisch der Kurator sein kann, haha. Vielleicht sollte ich euch eines Tages zur Entschuldigung erneut in meine Privatgalerie einladen, damit ihr euch die ganzen Bilder in Ruhe ansehen könnt?“

„Oh, das wäre Klasse!“, sprach Sven freudig aus, während auch Juwelchen zustimmend und eifrig nickte. Der junge Mann fühlte sich so Wohl in der Gegenwart des Herzogs, dass er sich zu einer ganz bestimmten Frage ermutigt fühlte: „Aber wenn das ihre Privatgalerie ist, warum hängt dort ausgerechnet ein Bild meines Nachbarn?“

„Ach, das hat einen ganz simplen Grund...“, meinte der Champ mit einem ganz ungewohnt frechem Grinsen auf der Backe: „Euer geschätzter Nachbar und ‚Kunstexperte‘ Dietbert Strohsack ist gut mit dem Kurator befreundet. Und da diesem das Museum eben gehört und ich diese Räumlichkeiten nur gemietet habe, hat er darauf bestanden, dass ich eines von den ‚Meisterwerken‘ seines Freundes dort mit ausstellen soll^^.“

„Ah ja!“, machte Sven vielsagend und erwiderte dieses Grinsen sofort. Von diesem Augenblick an war ihm Alastair vollkommen sympathisch^^.

-Bling!-

Schon öffneten sich die Türen des Aufzugs bereits und die kleine Gruppe fand sich sofort auf dem großen Flachdach des Museums wieder. Und gleich auf dem ersten Blick wurde klar, dass dieser Ort nichts für Leute mit Höhenangst war:

Durch seine Rautenform wirkte dieses nämlich ebenfalls ziemlich verschoben und nur ein nicht mehr als 50 Zentimeter hohes Mäuerchen umrahmte die Fläche, sodass man fast ungehindert auf den viele Meter weit unten liegenden Erdboden blicken konnte und eine Ahnung bekam, wie weit oben man hier eigentlich war. Sogar Sven wurde etwas schwindelig, als er so nach unten blickte.

Das schärfste aber war der Boden des Daches selber! Denn er bestand komplett aus Glas, welches so durchsichtig war, dass man meinten konnte, man schwebe in der Luft. Natürlich war das extrem robustes Panzerglas – der damalige Baumeister hat das extra demonstriert in dem er gleich drei Pampross im Galopp mehrmals auf diesem herumlaufen hat lassen :roll:

Trotzdem konnte einem ganz anders werden wenn man sich zum ersten Mal auf so einem ungewohnten Untergrund fortbewegte. Auch der junge Mann setzte darum zunächst nur vorsichtig einen Fuß vor den anderen, als ob er sich auf eine Eisfläche von der er nicht wusste, ob sie ihn trug, wagte. Juwelchen störte sich weniger daran, denn schließlich schwebte es ja^^.

Bald hatte Sven sich aber schon daran gewöhnt und genoss für einen Moment mit Rocara staunend den herrlichen Ausblick, den man von hier oben auf die Stadt und die Umgebung hatte. Auch der Wind war hier schon etwas kräftiger als direkt am Boden und milderte die Sommerhitze spürbar.

Ein altes, rostiges Lachen brachte seine Aufmerksamkeit jedoch schlagartig zurück auf das Dach. „Du bist also tatsächlich gekommen Sven.“, sprach eine große, hagere Gestalt, die unbeeindruckt von der trotzdem nicht gerade kühlen Temperatur einen großen, schwarzen Filzmantel und -hut trug und wie ein knorriger, alter Baum dastand, dem Wind und Wetter eben nichts anhaben konnten.

„Vater Soulas?!“, rief der junge Mann überrascht, denn er hatte seinen Gegenüber sofort an der Stimme erkannt: „Was macht ihr hier…? Moment! Ihr seid doch nicht auch etwa deswegen extra hierhergekommen?“

Der alte Schäfer, welcher seelenruhig ganz in einer Ecke des Daches stand und bis dato zusammen mit seinem Flabébé seinen Blick in die Ferne hat schweifen lassen, drehte sich langsam um, betrachtete Sven und Juwelchen neugierig mit seinen hellblauen Augen und nickte bedächtig.

„Oh doch Sven, ich bin tatsächlich wegen deines Flamaras hier.“, bestätigte der Alte und deutete mit einem Lächeln auf Alastair: „Genauer gesagt, wurde ich von ihm herbestellt! Sicherlich hat er dir schon die Ohren vollgesülzt, dass ihm seine Titel und so nicht besser machen als einen normalen Menschen… Aber wehe, er will etwas von einem! Dann lässt auch der Grünschnabel da ganz den großen Herren raushängen, bei dem man springen muss, wenn er ruft! Zumal er das hier auch alleine deichseln könnte.“

„Ja natürlich.“, gab der Champ, der trotz seiner Jugend dem alten Schäfer in Sachen Schlagfertigkeit in nichts nachstand, genauso lächelnd zurück: „War es nicht eher so, dass du sofort deine Hilfe zugesagt hast, als du von mir erfuhrst, dass es um Sven ging? Und hast du mich nicht sogar darum gebeten dieses Treffen erst für den heutigen Tag festzulegen, damit du genug Zeit hast um hierherzukommen?“

„Nicht schlecht Jüngelchen, hoho!“, lachte der alte Soulas vergnügt über diese Antwort und Sven merkte gleich, dass die zwei sich gut leiden konnten. „Ihr beiden wollt mir also helfen.“, erkannte der junge Mann: „Aber was genau habt ihr jetzt vor?“

„Das siehst du gleich.“, antwortete Alastair geheimnisvoll: „Würdest du nun bitte dein Fussel aus dem Ball lassen?“ „Natürlich!“, sprach Sven und öffnete diesen auch schon, sodass nun wieder ein rotgelbes, flauschiges Häuflein Elend mit hängenden Ohren zwischen den drei Männern auf dem Boden kauerte.

„Flam?“, stöhnte Fussel lustlos und sah mit mattem Blick die zwei Fremden ohne jegliches Interesse an. Sowohl der Herzog als auch der alte Schäfer betrachteten wiederum das Feuerpokémon prüfend, wobei ihre gute Laune von eben augenblicklich einem ernsten und nachdenklichen Gesichtsausdruck wich.

„Hm…“, brummte Vater Soulas als erstes, strich grübelnd mit Daumen und Zeigefinger über sein wie immer mit weißen Bartstoppeln übersätes Kinn, was ein leises Kratzgeräusch verursachte und meinte: „Dein Flamara hat es aber voll erwischt! Ich habe in meinem ganzen Leben zwar nur zwei weitere Pokémon mit einer Entwicklungsdepression gesehen, aber denen ging es längst nicht so dreckig wie deinem. Das hat es nun schon seit einer Woche, richtig?“

„Genau!“, bestätigte der junge Mann besorgt und schilderte dann detailliert alles, was sich in dieser Zeitspanne bezüglich Fussel zugetragen hatte. „Ihr könnt ihm doch helfen, oder?“, fragte Sven danach fast ängstlich, denn die ernsten Mienen seiner Gegenüber verursachten ein sehr ungutes Gefühl in ihm.

„Das wird sich zeigen Sven.“, antwortete Alastair ehrlich, bevor sich dieses herausfordernde Funkeln, wie es viele begabte Trainer vor einem Kampf bekamen, in seine Augen schlich: „Aber wenn wir unser Bestes geben, haben wir sicherlich Erfolg!“

Der Herzog machte eine vornehme ausladende Geste und fragte ernst: „Sven, sind du und deine Pokémon bereit gegen einen Arenaleiter anzutreten?“ „Einen Arenaleiter?“, echote der junge Mann zunächst erstaunt, bevor er begriff und sein Blick am alten Soulas hängen blieb.

„Hoho, ganz recht Junge, ich bin einer.“, antwortete der Alte belustigt von dieser Reaktion und öffnete seinen Filzmantel ein wenig, sodass ein regenbogenfarbenes Abzeichen mit dem Logo des Arenaleiterverbandes sichtbar wurde: „Du hast dich offenbar schon gut informiert, haha! Das sieht dir ähnlich.“

In der Tat überraschte es den jungen Mann nicht, dass der alte Schäfer ein Arenaleiter war, obwohl er gar keine Arena oder ähnliches leitete. Denn diese Sache lief auf Mungenau etwas anders, als in anderen Regionen:

Das Amt eines Arenaleiters war hierzulande vergleichbar mit einem Ehrenamt, für welches sich überzeugte Trainer bewerben konnten. Hatten die Absolventen dann mehrere Tests, die sowohl praktischer als auch theoretischer Natur und alles andere als einfach waren, erfolgreich abgeschlossen, wurden sie in diesen erlesenen Kreis aufgenommen. Das war der Grund, warum es in Mungenau zwar mehr als acht Leiter aber trotzdem nicht unüberschaubar viele gab.

Und auch wenn sie keine Arena hatten und diese Amt eher ‚nebenbei‘ ausführten, waren die hiesigen Arenaleiter genauso harte Brocken wie ihre Kollegen aus den anderen Regionen!

Geleitet und verwaltet wurde das Ganze vom schon erwähnten Arenaleiterverband, einer eigens dafür geschaffenen Behörde, welche die Prüfungen für die angehenden Leiter stellt und immer wieder anpasst, für die Herstellung und Verteilung der Orden zuständig ist und auch kontrolliert, ob die Arenaleiter ihren Aufgaben hinreichend nachkommen können und wollen. Und zu guter Letzt ist der Verband auch dafür zuständig den Trainern über das Internet und diverse Printmedien alle aktuellen Arenaleiter detailliert aufzulisten und auch die verschiedensten Informationen über diese anzuzeigen. –Genau diese letzte Sache, wer und wo Arenaleiter war, hatte Sven noch nicht in Angriff genommen, weil er das ja eigentlich nach Fussels Entwicklung tun wollte…

„Ich frage dich nur zu Sicherheit nochmal selber: Bist du bereit für einen Kampf gegen mich?“, wollte Vater Soulas von seinem Gegenüber wissen, während sich nun auch in seinem alten, wettergerbten Gesicht die Vorfreude auf den bevorstehendem Kampf abzeichnete, was ihn unerwartet richtig jung wirken lies: „Dies wird nämlich kein belangloser Spaß werden, sondern ich werde alles geben was ich habe, sowie ich es auch bei einem Herausforderer machen würde! Allein schon, weil ich wissen will, was in dir steckt! Außerdem können wir Fussel umso mehr helfen, je härter wir beide kämpfen. Und solltest du gewinnen, bekommst du selbstredend auch den Orden gleich dazu.“

Sven, der entschlossen sowohl Juwelchen, als auch Tobi, dass er gerade aus seinem Ball gelassen hatte, zunickte antwortete mit fester Stimme: „Ja wir sind bereit!“

„Sehr schön Junge!“, freute sich der alte Schäfer, richtete sich seinen Filzhut zurecht und warf einen alten, aber schön in Schuss gehaltenen Pokéball, aus dem sich ein Ampharos befreite. Sofort sah der junge Mann an diesem, dass Vater Soulas es wirklich ernst meinte, denn das Leuchtepokémon trug einen Ampharosnit als Kette um seinen Hals!

Der Alte holte auch schon seinen Schlüsselstein hervor und aktivierte ihn, sodass das Elektropokémon kurzeitig in einer hellen Lichtkugel verschwand, bevor diese wie Glas zersprang und es als Mega-Ampharos wieder zum Vorschein kam.

„Pharos!“, rief es mit seiner mächtigen Stimme, die eindrucksvoll von seinen enormen Kräften kündigte und diesen wiederhallenden Klang hatte, den Pokémon durch die Megaentwicklung bekamen. Äußerlich unterschied sich Mega-Ampharos von seiner normalen Form vor allem durch sein langes, wallendes und schneeweißes Haar und seinen ebenso buschigen und mit rubinroten Kugeln verzierten Schweif. Auf beides schien dieses Exemplar besonders stolz zu sein, denn es schüttelte anmutig seinen Kopf damit seine prächtige Mähne herumflog. Fühlte es sich doch dadurch an seine Zeit als wolliges Voltilamm erinnert^^.

„Ich werde nur mit Ampharos kämpfen!“, erklärte der alte Schäfer noch schnell und nahm Haltung an, während sein Flabébé aufgeregt um ihn herumflog und beide Parteien anfeuerte: „Du darfst hingegen frei zwischen deinen beiden wechseln. Also triff deine Wahl und gib alles!!“

„Okay…“ Sven holte tief Luft, fokussierte sich auf den Kampf und ließ sich wieder von diesem energetischen Gefühl übermannen. Dann deutete er auf das gegnerische Pokémon und rief: „Du fängst an Tobi! Den Eissplitter!“

„Die Agilität und dann den Drachenpuls!“, konterte Vater Soulas souverän und die Auseinandersetzung begann.

„Und wir vier hübschen werden ihn ganz genau beobachten!“, stellte Alastair derweil klar und fasste dabei vor allem Fussel ins Augen: „Ganz besonders du Fussel!“ „Flam…“, stöhnte Flamara, welches zwischen Elodie und Melody auf dem Boden kauerte, lustlos. Es wollte nicht zuschauen. Warum auch? Es gehörte nicht in diesen Körper und würde niemals wieder schwimmen oder kämpfen können! Sein Leben war doch im Grunde schon verwirkt und vorbei :(

„Du willst vielleicht nicht, aber du MUSST Fussel, denn dein neues Leben bei Sven fängt doch gerade erst an, dass wirft man nicht einfach weg!“, merkte der Herzog mit Nachdruck und Strenge in seiner Stimme an, die kein wenn und aber zuließ und sah das Feuerpokémon dabei so auffordernd und autoritär an, dass es einfach gehorchen musste. „Du willst es jetzt noch nicht einsehen, doch der Tag wird kommen, an dem du dich deinem neuen Aussehen stellen musst!“, mahnte der Champ eindringlich und in diesem Moment strahlt er dabei die gleiche Härte und Unerbittlichkeit aus, wie sie schon sein Vorfahr Hieronymus Heinrich von Bauzhausen besessen hatte: „Schon heute, ja schon in ein paar Minuten kannst du aber gleich mit ansehen, was passiert, wenn du dich nicht deinem Schicksal stellen wirst!“

Damit lenkte Alastair die Aufmerksamkeit von Fussel wieder auf den Kampf, welches sah, dass es nicht gut für Sven und Tobi lief!

Obwohl Botogel geschmeidig und flink den harten Angriffen seines Gegners ausweichen konnte, war schon kurz nach Kampfbeginn ersichtlich, dass Mega-Ampharos trotz allem den Ton angab. So sehr sich Tobi und sein Trainer auch bemühten; so bekamen sie dennoch kaum Gelegenheit für einen Gegenschlag. Und selbst wenn, wurden die meisten Attacken vom Elektropokémon mit Gegenangriffen neutralisiert oder von seinem wallenden Haar abgefangen. Die wenigen Treffer, die doch mal ins Schwarze trafen – selbst der eigentlich wegen des Drachentyps sehr effektive Eissplitter – wurden vom Leuchtepokémon weggesteckt, als wären es nur kleine Streicheleinheiten.

„…Bo…!“, keuchte Tobi schon ganz ausgepumpt und atmete schwer. Lange würde es das nicht mehr durchhalten können! Dabei gab es doch schon alles und hatte sogar einen Übereifer im Griff, aber es wollte trotzdem einfach nicht reichen… „Das ist ganz schön zäh!“, murmelte auch Sven sichtlich nervös, währen sich bereits einige Schweißperlen auf seiner Stirn abzeichneten und es ihm, trotz der sommerlichen Temperaturen, fröstelte. Er wusste zwar, dass megaentwickelte Pokémon enorm stark waren, aber es war nochmal etwas ganz anderes, wenn man es selbst erlebte! Der junge Mann spürte, dass er Vater Soulas noch nicht gewachsen war, aber er wollte schon allein Fussel zuliebe weiter versuchen und so lange wie möglich durchhalten. Außerdem wurde ihm bewusst, dass er ja heute ohnehin vorhatte ein paar harte Kämpfe auszutragen. Jetzt hatte er einen, und was für einen!

Tief durchatmend versuchte er sich weiter auf den Kampf zu konzentrieren und schien auch endlich eine kleine Lücke gefunden zu haben, um Mega-Ampharos wenigstens einmal hart zu erwischen!

„Tobi, nochmal den Eissplitter, die Beeren und dann den Steigerungshieb!“, rief er hastig und hoffte innig, dass diese Taktik klappen würde. Botogel mobilisierte ein letztes Mal seine ganze Kraft und verschoss zuerst eine großzügige Ladung Eissplitter, die selbst das Elektropokémon nicht ohne weiteres Abwehren konnte. Noch während das Leuchtepokémon beschäftig war, warf Tobi seine letzten Jabocabeeren auf dieses um es weiter aufzuhalten und stürmte dann, weit mit seinem leuchtenden, rechten Flügel ausholend, auf es zu.

In der Tat hätte das Lieferantenpokémon auf diese Weise seinem Gegner zum ersten Mal in diesem Kampf spürbaren Schaden zufügen können, doch der alte Soulas war ein zu erfahrener Trainer, als das ihn dieser Trick kalt erwischen könnte! Wenn jemand seit über einem halben Jahrhundert mit Hingabe Pokémon trainiert und mit diesen auf viele gemeinsame Jahre zurückblicken kann, spielte man einfach in einer anderen Liga.

Deswegen holte sich der alte Schäfer souverän den ersten Sieg indem er seelenruhig den entscheidenden Befehl gab: „Ampharos, lass dein Haar herab!“

„Nein!“, keuchte Sven schockiert und wurde kurz ganz bleich, als ihm klar wurde, dass Tobi damit verloren hatte. Durch diese heftigen Angriffe fehlte Mega-Ampharos zwar jetzt die Zeit zum ausweichen, aber dies war auch gar nicht nötig. Es musste einfach seinen Kopf schütteln um seine wallenden Mähne in Bewegung zu versetzten, sodass sich das verdutzte Botogel hoffnungslos in diese haarigen Pracht verfing und auch sein letzter Angriff damit ins leere ging.

„Booo!!!“, jaulte der Eis/Flugtyp panisch und versuchte sich vergeblich zu befreien, was es aber nur noch schlimmer machte. „Donnerblitz!“, wollte Vater Soulas bereits befehlen, doch dann griff der junge Mann schon ein.

„Aufhören!“, rief er eiligst und bittend: „Tobi und ich wissen, dass wir diesen Teil des Kampfes verloren haben Vater Soulas, es ist gut.“ „Eine sehr kluge Entscheidung Sven, Respekt!“, antwortete der Alte und drückte seine Hochachtung vor der Haltung seines Gegners mit einem bedächtigen Nicken aus: „Nicht jeder will rechtzeitig wahrhaben, wann es sich nicht mehr lohnt weiterzukämpfen um seine Pokémon vor unnötigem Schaden zu bewahren. Allein damit zeigst du mir, dass du ein guter Trainer bist.“

Und zu seinem Pokémon gewandt sprach er: „Okay Ampharos! Tobi gibt auf, hilf ihm bitte raus, ja?

„Ampharos!“ Das Leuchtepokémon griff sacht nach Botogel, holte es aus seiner Haarpracht und reichte es behutsam in die Hände von Sven. „Boo…“, machte Tobi enttäuscht und wirkte, da ihm bewusst war, dass es verloren hatte ohne auch nur etwas auszurichten, nun völlig erschöpft. „Egal was du jetzt denken magst, du warst richtig klasse!“, munterte der junge Mann sein Pokémon sofort auf, denn ihm war nicht entgangen, dass Tobi seinem Trainer aller Enttäuschung zum Trotz auch zutiefst dankbar für dessen Reaktion war: „Ruh dich jetzt aus und feuere Juwelchen an, ja?“ „Togel!“, machte der Eis/Flugtyp sofort und nickte dabei. Noch war der Kampf ja nicht gelaufen.

„Dann musst du jetzt ran Juwelchen!“, meinte Sven trotzdem noch entschlossen zum Edelsteinpokémon: „Zeit für die zweite Runde!“ „Rocara!“, stimmte Juwelchen mit ein, brachte sich in Stellung und zeigte deutlich, dass es gewillt war so hart zu kämpfen wie es nur konnte!

Denn alle drei hatten bei einem raschen Blick auf Fussel gemerkt, dass sich schon etwas an ihm verändert hatte. Es wirkte nämlich zwar immer noch todunglücklich, als ob es Arceus selbst zu Grabe tragen würde, aber längst nicht mehr so teilnahmslos und apathisch wie sonst. Stattdessen sah das Feuerpokémon interessiert dem Geschehen zu, machte aber den Eindruck, als ob es gerade heftig in einem inneren Zwiespalt gefangen war, sich schuldig fühlte und mit sich rang.

„Da tut sich was in Fussels Kopf!“, dachte sich der junge Mann erfreut und hoffte inständig, dass er und Juwelchen im weiteren Kampf ihren Teamkameraden helfen konnten: „Was immer Alastair mit ihm macht, es scheint jedenfalls Wirkung zu zeigen!“

Sven konnte ja nicht ahnen, was der Champ alles zu Flamara sagte, doch in so einem schweren Fall waren harte Bandagen nun mal notwendig!

„Wenn du es nur willst, dann muss das nicht die letzte Runde für deinen Trainer sein Fussel.“, sprach der Herzog deswegen weiterhin leise aber eindringlich und streng zu seinem ‚Patienten‘: „So stark und ausdauernd Juwelchen auch sein mag, es wird trotzdem verlieren und damit auch Sven… Doch Mega-Ampharos würde danach geschwächt sein und du mit deiner enormen Kraft könntest es dann mit Leichtigkeit besiegen! Du müsstest dafür nur dein neues Aussehen akzeptieren Fussel. Sieg oder Niederlage… Du hast es in der Hand! Es liegt alles an dir!“ „Mara!“, winselte Fussel gequält und kläglich, während es am ganzen Leib zitterte und sich hilflos umsah. Doch auch Elodie und Melody teilten den strengen Blick ihres Trainers, sodass sich das Feuerpokémon noch elender und schuldiger fühlte. Denn es konnte nicht einfach aus sich heraustreten! Nein! Das ging nicht! Nicht in dieser Form! Nicht mal für Sven oder seine Freunde! Niemals!!!

„Juwelchen Antik-Kraft! Hau ordentlich rein!“, befahl Sven unterdessen dem kleinen Gesteinspokémon, was dafür sorgte, dass nun einige Felsbrocken auf Mega-Ampharos kraftvoll zurasten. Dieses konnte den Angriff lediglich mit einem Drachenpuls abwehren, als Juwelchen auch schon zu seiner neusten Attacken ansetzte.

„Zauberschein!“, rief der junge Mann euphorisch, denn diesen mächtigen Feenangriff konnte ihr Gegner nicht so leicht abwehren. „Cara!“ Die ganzen Edelsteine auf Juwelchen begannen zu leuchten, als es einen gewaltigen Lichtblitz in Richtung des Leuchtepokémon entfesselte. „Ampha!!!“, jaulte Mega-Ampharos getroffen, da es diesem großflächigen Angriff nicht rechtzeitig ausweichen konnte und so zum ersten Mal in diesem Kampf überhaupt einen ernsthaften Treffer einstecken musste.

Dies ficht den alten Soulas aber nicht im Geringsten an, sondern befahl augenblicklich den Donnerblitz. Zwar feuerte Rocara da schon den nächsten Zauberschein ab, doch diesmal war das Elektropokémon ebenfalls bereits am angreifen. So wurde jeder vom Angriff des anderen erwischt, aber obwohl Juwelchen enorm robust war, war es außerstande diesem mächtigen Elektroangriff lange standzuhalten. Der Angriff des Edelsteinpokémon wurde darum unterbrochen, während es jaulend vom heftigen Stromschlag etwas weggeschleudert wurde.

„Eisenschweif Ampharos!“, setzte der Schäfer sofort nach. „Schnell den Reflektor Juwelchen!“, konterte Sven hastig, aber dank seiner schnellen Reaktion gerade noch rechtzeitig. Noch bevor die stählerne Rute von Mega-Ampharos Juwelchen erwischte und damit wegen dessen hoher Anfälligkeit für Stahlangriffe wohl K.O. geschlagen hätte, konnte dieses noch rasch den Schild hochziehen, was den Angriff wenigstens etwas abmilderte.

Dennoch war Rocara deutlich angeschlagen, aber genau dies entfachte seinen Willen jetzt erst recht alles zu geben! Augenblicklich setzte es zu einem weiteren Zauberschein aus nächster Nähe an, der dafür sorgte, dass nun das Elektropokémon weggedrückt wurde und ebenfalls einige Blessuren davontrug. Der junge Mann ließ Juwelchen dann auch schon die Antik-Kraft benutzen und es war fast so, als ob der Kampf jetzt erst richtig an Fahrt aufnahm und noch nichts entschieden war!

„Flamara…“, keuchte Fussel ganz verzweifelt und wünschte sich so sehr, dass sein Trainer diesen Kampf gewinnen würde, ohne auf es selbst angewiesen zu sein. Obwohl das Feuerpokémon noch gar nichts gemacht hatte, war es am Ende seiner Kräfte. Der (heilsame) Druck von Alastair, die dadurch erwachten Schuldgefühle und nicht zuletzt dieser innere Zwiespalt, mit dem es rang, machten Fussel völlig fertig! Allein schon deshalb, weil es spürte, dass selbst wenn es wüsste, dass es um alles ging, niemals von sich aus die Kraft aufbringen könnte Sven in seiner jetzigen Gestalt zu helfen. Es schaffte es einfach nicht und das war fast das Schlimmste für Fussel…

„Es geht wohl nicht, wie?“, fragte der Champ mit strenger und vorwurfsvoller Stimme, in welcher man nicht mal eine Spur von dem freundlichen, sympathischen jungen Mann, der er doch eigentlich war, fand. Mit einer bedauerlichen Gebärde deutete er wieder auf den Kampf und meinte enttäuscht: „Du hast es so gewollt! Sieh gut hin Fussel!“

Anders als Sven und seine Pokémon hatte der Herzog von Anfang schon geahnt, wie dieser Kampf ausgehen würde und sah sich nun bestätigt:

Kurzfristig wurde zwar schon der Eindruck erweckt, dass Sven und Juwelchen gleichauf mit ihren Gegner waren, denn das kleine Gesteinspokémon war nach seinen ersten Treffer wirklich zu Höchstform aufgelaufen und konnte tatsächlich mehr austeilen, als es einstecken musste. Doch in Wahrheit hatte der alte Soulas, der dank seiner geballten Lebenserfahrung immer noch die Ruhe in Person war, nur auf eine günstige Gelegenheit gewartet um den Kampf zu entscheiden. So sehr Mega-Ampharos auch getroffen wurde; es und sein Trainer hatten einfach mehr Ausdauer und den längeren Atem als ihre Gegner!

Der K.O. kam dann aber zumindest für den jungen Mann trotzdem überraschend und plötzlich!

Juwelchen hatte gerade eine Antik-Kraft losgelassen, als das Elektropokémon gar nicht mehr versuchte den Angriff abzuwehren, sondern ohne Rücksicht auf Verluste einfach auf Rocara zuraste, wenngleich es dadurch einen heftigen Volltreffer abbekam. Der Plan ging aber auf, weil es nah genug an Juwelchen rangekommen war und dieses anstatt Abstand zu nehmen, wieder einen Zauberschein benutzen wollte.

Und das hatte Vater Soulas gekonnt ausgenutzt! Denn in der Hitze des Gefechts, hatten Sven und sein Pokémon vergessen, dass der Reflektor mittlerweile wieder verpufft war, sodass Mega-Ampharos diesmal Juwelchen mit einem blitzschnell ausgeführtem Eisenschweif direkt treffen und so besiegen konnte.

„…Caraaaa….“, stöhnte Juwelchen, als es kraftlos auf dem Boden aufschlug und sich nicht mehr rühren konnte. „Juwelchen!“, stieß Sven besorgt hervor, eilte zu seinem Pokémon und hob es sanft auf. „Du warst super! Du warst richtig super, Juwelchen…“, stammelte er fürsorglich und besprühte es mit ein paar Tränken, damit es wieder zu Kräften kam, wobei der junge Mann spürte, dass er eigentlich auch einen gebrauche könnte. Der Kampf hatte vielleicht nicht länger als eine Viertelstunde gedauert, aber Sven hatte sich so reingesteigert, dass er sich, ernüchtert von dieser Niederlage, auf einmal völlig leer und müde fühlte. Ihm war sogar so, als ob die ganze Erschöpfung, welche er bislang wegen der Anstrengungen für Fussel verdrängt hatte, sich nun ungehindert wie eine bleierne Decke auf ihn legte und ihm alle verbliebenen Kräfte raubte.

„Gut gemacht!“, lobte ihn Vater Soulas ehrlich begeistert und schaffte es nur mit diesen zwei völlig ernst gemeinten Worten seinen ganzen Gefühlen und seiner Anerkennung Ausdruck zu verleihen. „Ampha!“, pflichtete ihm sein Ampharos da freudig bei, welches sich gerade zurückverwandelte und doch ziemlich mitgenommen wirkte. Das Elektropokémon selbst störte sich nicht an diesen Blessuren, sondern bedauerte eher, dass es nun seine wundervolle Mähne wieder verloren hatte^^.

„Haha! Fantastisch Sven!“, lachte auch Alastair herzlich, während er ausgiebig applaudierte: „Du und dein Team ward wirklich fabelhaft! Auch wenn ihr verloren habt, könnt ihr stolz darauf sein jetzt schon so lange gegen eine megaentwickeltes Pokémon durchgehalten zu haben.“ „Bébé!“, kicherte Flabébé ebenfalls zufrieden, während es in seiner kindlichen Unbefangenheit weiterhin neugierig umher huschte und allen Parteien freudig zeigte, dass das ein wirklich, wirklich großartiger Kampf war!

„Oh nicht doch, bitte! Eine Niederlage so aufzubauschen, also wirklich…“, entgegnete Sven der trotz seiner Erschöpfung ganz rot vor Verlegenheit wurde, weil man ihm und seinen Pokémon so dermaßen schmeichelte. (Und sich selbstredend trotzdem darüber freute, weil er ja im Grunde wusste, dass es ja um etwas ganz anderes als Sieg oder Niederlage ging.)

„Cara!“, meinte Juwelchen da entschieden, worin es von Tobi unterstützt wurde: „Botogel!“ Sie sahen ihren Trainer auffordernd an und der junge Mann sah sofort, dass sie ihm sagen wollten, dass er sich dieses Lob ehrlich verdient hatte. Er konnte ruhig offen seinen Stolz über diese Leistung zeigen.

„Ach Leute…“, sprach Sven gerührt, bevor es ihm siedend heiß einfiel: „Und was ist jetzt mit Fussel?“ „Haha, sei unbesorgt Sven!“, versicherte der Champ, welcher wie Vater Soulas ja nur auf diese Frage gewartet hatte, amüsiert und in bester Stimmung: „Unsere gemeinsamen Anstrengungen waren von Erfolg gekrönt! Fussel geht es jetzt schon viel besser.“

„Wirklich?“, hauchte der junge Mann freudig und mit leuchtenden Augen. Für einen kurzen Moment war seine Erschöpfung wie weggeblasen und machte einem unbeschreiblichen Glücksgefühl Platz, als er sein Flamara jetzt betrachtete.

Für einen Außenstehenden bot der Anblick zunächst keinen Unterschied, denn das Feuerpokémon saß nach wie vor zusammengekauert und unglücklich an Ort und Stelle. Doch wenn man es näher betrachtete erkannte man schnell, dass Fussel nicht wieder in seine Apathie zurückgefallen und auch seine Niedergeschlagenheit eine andere als vor dem Kampf war. Zumal es jetzt intensiv nachzudenken schien und dabei wieder Notiz von seinem Umfeld nahm – ein enormer Fortschritt!

Was Sven aber daran etwas irritierte war die Tatsache, dass Fussel ihm oder seinen Teamkameraden nicht ins Gesicht schauen konnte. Trafen sich ihre Blicke, so sah es schnell wie von Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen geplagt an ihnen vorbei und seufzte traurig.

„Was hat es denn?“, fragte der junge Mann verwirrt und sah seine beiden Gegenüber ratlos an. „Nun, ich habe Fussel sehr streng ins Gewissen geredet, was ihm nicht gerade gefallen oder sich gar gut angefühlt hat.“, erklärte der Herzog offen: „Aber ich musste so hart zu ihm sein, denn nur so ist es jetzt in er Lage sich mit seiner Situation auseinanderzusetzen.“

Alastair machte eine entschuldigende Geste, schärfte aber dann eindringlich ein: „Trotzdem ist das nur ein erster Schritt in die richtige Richtung! Mein alter Freund und ich haben unseren jeweiligen Part um euch zu helfen erfüllt: Vater Soulas hat dir und deinem Team in einem harten Kampf alles abverlangt, während ich mich um Fussel gekümmert habe. Doch unser beider Bemühungen hatten nur allein den Zweck euch zwei in die Lage zu bringen, gemeinsam eine Lösung zu finden. Denn nur ihr zwei zusammen; Mensch und Pokémon; könnt den finalen Schritt, den ‚Schlüsselreiz‘, um Fussel aus seiner Depression zu holen, finden und auch ausführen.“

„Genau! Manchmal muss man erst einen harten Kampf bestreiten um zu merken, dass kein Kampf notwendig ist.“, fügte Vater Soulas weise hinzu und zitierte damit eine alte Trainerweisheit, die sich schon oft bewahrheitet hatte.

„Ach so ist das…“, machte Sven dankbar, da er begriff, was die beiden gerade für ihn Fussel getan hatten. Doch er fühlte sich nun endgültig entkräftet, weswegen sein Kopf wie leergefegt war und er seine Dankbarkeit nicht mehr so ausdrücken konnte, wie er gerne wollte.

Seine Gegenüber verstanden das aber nur zu gut.

„Die Sorge um Fussel hat die ganze Zeit heimlich an dir genagt Sven, nicht wahr?“, sprach der alte Schäfer verständig weiter und lächelte freundlich und zugegebenermaßen auch ein bisschen Stolz, weil er seinem Freund hat helfen können: „Aber das wird bald vorbei sein! Sobald dein Kopf wieder klar ist, wird es nicht mehr lange dauern. Darum geh jetzt nach Hause und ruhe dich ordentlich aus Junge. Wir erwarten jetzt wahrlich keine überschwängliche Freude mehr von dir. Folge mir am besten einfach zu meiner Herde, dann kann dich mein Chevrumm zu deinem Haus bringen.“

„Und ich, sowie Elodie und Melody verabschieden uns leider schon hier von dir.“, meinte Alastair ebenfalls stolz aber auch mit Bedauern: „Du kannst dir sicherlich vorstellen, was passieren würde, wenn du zusammen mit dem Champ einfach so durch ein gut besuchtes Museum spazierst, nicht? Darum wünschen wir dir hier schon alles Gute für dich, deine Pokémon und natürlich deine weitere Trainerkarriere! Ich habe nämlich das schöne Gefühl, dass wir uns nur allzu bald wiedersehen werden…“

„Vielen Dank! Und ebenfalls auf Wiedersehen!“, erwiderte der junge Mann und bemühte sich ein letztes Mal für heute um ein herzliches Lächeln: „Aber ehrlich: Wirklich vielen, vielen Dank für euer Hilfe!“

„Nichts zu danken!“, rief ihm der Herzog fröhlich hinterher, als Sven zusammen mit dem alten Soulas bereits im Aufzug verschwand. Alastair verschränkte die Arme hinter seinem Rücken, trat an den Rand des Daches und blickte gemeinsam mit seinen zwei ‚Damen‘ nachdenklich in Richtung der Stadt. Trotzdem lächelte er dabei und genoss die kühle Brise, welche sein dunkelbraunes Haar zerzauste. Bald sah er auch schon ein Chevrumm sich im gemächlichen Trab Richtung Norden bewegen. Es konnte nicht schneller laufen, weil Sven wegen seiner Müdigkeit sowieso nur sehr unsicher auf dem Rücken des Pflanzenpokémon saß. Zumal er sich nur mit einer Hand an den Hörner festhielt, da der junge Mann seinen anderen Arm brauchte um Juwelchen zu halten.

„Da haben wir wirklich gute Arbeit geleistet Jüngelchen.“, meldete sich wenig später wieder die Stimme des Schäfers zu Wort und klang hochzufrieden: „Denke mal Sven wird schon bald auf den Trichter kommen, wie er Fussel helfen kann, dass spür ich in all meinen alten Knochen, haha.“

Deutlich leiser aber ehrlich fügte er hinzu: „Aber Danke übrigens nochmal, dass ich bei diesem Treffen dabei sein durfte! Seit ich gehört habe, dass der Junge sich ernsthaft am Training von Pokémon versucht, habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als gegen ihn mal zu kämpfen^^.“

„Das ist doch gern geschehen alter Freund.“, entgegnete der Champ lächelnd und meinte frech: „Dafür hast du ja auch die meiste Arbeit machen dürfen :P!“

Dann verdüsterte sich Alastairs Miene aber. „Hach, Sven ist wirklich ein wundervoller Mensch und hingabevoller Trainer, da kann man nicht meckern. Vor allem mit seinem Juwelchen ist er jetzt schon so eng befreundet…“, sprach er seufzend und sah hinauf ins strahlende, wolkenlose Blau des Himmels, als ob er dort in die Zukunft blicken könnte: „Und trotzdem liegt ein dunkler Schatten über dem Glück der beiden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es soweit ist…“

„Du hast ihnen aber nichts gesagt, oder?“, wollte Vater Soulas besorgt von seinem Freund wissen. „Natürlich nicht, nur eine leise Andeutung, die er nicht verstanden hat.“, versicherte der Herzog sofort und meinte ironisch: „Jetzt rächt es sich also, dass sich meine Vorfahren vor gut 100 Jahren freiwillig dazu entschlossen haben, ihren aktiven Einfluss auf die Politik auf ein Minimum zu reduzieren. Natürlich ist das nur gut, da es nun niemanden mehr gibt, der eigenmächtig die Gesetze nach Belieben auslegen kann wie er will… Seufz… Aber manchmal bedeutet es halt auch, sich ohnmächtig zu fühlen, weil man nicht weiß, wie die Verantwortlichen entscheiden werden…“

Er blickte wieder auf die Stadt, fand alsbald das Chevrumm mit seinem Reiter wieder und sprach leise und bittend:

„Wunsch und Wirklichkeit… Ich hoffe so sehr für euch, dass es in diesem Fall vereinbar ist…“

Kapitel 13: Svens Idee

Wunibald Zauberhaars altehrwürdiges Attacken-Dojo und Fitnesscenter

Wir bringen deinen Pokémon spielend leicht neue Angriffe bei, während du als Trainer dabei auch endlich mal was für deine Figur tust!

Also tritt ein und bring viel Geld mit hinein!


Diese herzliche und eindeutige Einladung stand auf einem restaurierten Holzschild aus dunklem Eichenholz, welche über dem Eingang des besagten Gebäudes, das sich im Zentrum von Regelsberg befand, hing, aber im totalen Kontrast zu diesem stand. Das fing schon bei der Eingangstür an, da diese eine hochmoderne, sich selbst öffnende und schließende Glastür, wie man sie bei Supermärkten auch kennt, war. Seit Anfang dieses Jahres war das Dojo nämlich für umfangreiche Umbaumaßnahmen geschlossen gewesen, da der alte Bau – ein über 100 Jahre altes Fachwerkhaus – Opfer einer Invasion nagewütiger Rattikarl wurde. Binnen einer einzigen Nacht und trotz des schlussendlich erfolgreichen Versuchs, diese wieder zu vertreiben, hatten sie die Bausubstanz so geschädigt, dass dieser Schritt notwendig wurde.

Das war auch der Grund, warum das Gebäude nun eher einer modernen, aber schlichten Turnhalle; deren Fassade übrigens in einem frischen Grünton strahlte; glich, aber damit immerhin dem zweiten Teil seines Namens gerecht wurde^^.

Und heute, an diesem Dienstagnachmittag, war nun die große Neueröffnung, sodass an der Eingangstür ein großes Plakat mit folgenden Worten stand:

Heute große Neueröffnung!

Nachlässe von bis zu 2% für das Grundtraining bis Ende dieser Woche!

(Mehr Rabatte gibt’s nicht ihr gierigen Schnorrer!)

Wir trainieren KEINE Rattikarl!!!

Auf ihr Kommen freut sich herzlichst die Familie Zauberhaar.


Obwohl diese Einladung nicht sehr von Großzügigkeit kündigte, war das Dojo gut besucht, denn es galt unter den hiesigen Trainern als beliebter Treffpunkt und Geheimtipp, weshalb sie mit einer gewissen Sehnsucht auf die Wiedereröffnung gewartet hatten.

Wenngleich es in der weiteren Umgebung von Regelsberg durchaus noch zwei weitere Attackenlehrer gab, so bot nur Wunibalds Geschäft den Trainern die zusätzliche Möglichkeit, zusammen mit ihren Pokémon unter Anleitung sportliche Übungen zu machen und sich danach in geselliger Runde noch etwas zu entspannen und auch etwas zu essen. Eine kleine Gaststätte, die einfache aber äußerst leckere regionale Hausmannskost kredenzte, gehörte nämlich schon von Tradition aus dazu und war eine der Gründe, warum sich das Etablissement der Zauberhaars so von den üblichen Lehrern abhob. Darum verzieh man dem alten Wunibald seine Eigensinnig- und (scheinbare) Knausrigkeit gerne, da alle wussten, dass der Alte und auch seine Frau Heidrun, welche übrigens die Küche mit fähiger und eiserner Hand führte, im Grunde alles in ihrer Macht stehende taten, damit sich ihre Kunden wohlfühlten.

Und dieser Ort würde ja nicht erwähnt werden, wenn nicht Sven einer der Besucher gewesen wäre:P. Er wollte sich nämlich nur zu gerne ein eigenes Bild von diesem Dojo machen, nachdem ihm schon Chantal, Herr Kecleon und noch ganz viele andere davon vorgeschwärmt hatten. Zumal erhoffte sich der junge Mann dort die nötige Zerstreuung zu finden um endlich auf einen konkreten Gedanken zu kommen.

Nach seinem heftigen Kampf gegen Vater Soulas gestern konnte man ohne zu übertreiben sagen, dass für Sven und seine Pokémon damit der Tag gelaufen war. Kaum daheim angekommen hatte sich der junge Mann völlig ausgelaugt, ohne auch nur aus seinen Sachen zu schlüpfen oder noch etwas zu essen, sofort aufs Bett geschmissen und war gleich darauf in einen tiefen traumlosen Schlaf gefallen. –Seine ebenfalls erschöpften Pokémon hatten es ihrem Trainer gleichgetan, sodass es bereits um fünf Uhr völlig still im Haus des jungen Mannes war und allesamt fast bis um zehn Uhr morgens des heutigen Tages schliefen!

Das genau dies eines der Ziele war, die der alte Soulas sowie Alastair bei ihren ‚Patienten‘ erreichen wollten, wurde Sven schon kurz nach dem Aufwachen bewusst, denn er hatte rasch gemerkt, dass es in seinem Kopf während seines Schlummers heftig gearbeitet hatte. Der junge Mann spürte förmlich, dass ihm die Lösung für Fussels Problem bereits im Kopf wie ein verrücktes Traunfugil herumspukte, aber genau wie ein solches (noch) nicht zu fassen war. Es war fast ein bisschen so wie in diesen lebhaften Träumen aus denen man erwacht und weiß, dass man etwas Aufregendes geträumt hatte, aber einem partout nicht einfallen will was es denn nun war. –Eine Art dünne Wand im Kopf, die sich nicht so ohne weiteres einreißen lässt und schon gar nicht, wenn er die ganze Zeit zwanghaft daran dachte…

Am liebsten hätte Sven deswegen Chantal angerufen oder besucht, um sich dann schier endlos mit ihr darüber zu unterhalten. Der junge Mann war sich sicher, dass ihm oder vielleicht auch seiner Freundin dabei garantiert der entscheidende Gedanke gekommen wäre. Doch er wusste von Palmyre, dass die junge Frau heute den ganzen Tag unterwegs war und wohl erst am Abend wieder daheim sein würde.

Der Grund hing nämlich mit der Arbeit ihrer Tochter zusammen, ein dringender Termin, denn sie nicht länger aufschieben könne, hatte ihm deren Mutter erklärt. Und mit einem Augenzwinkern und vielsagendem, wissenden Lächeln hatte sie noch hinzugefügt, dass es Chantal gar nicht ähnlich sah, Dinge, die mit ihrer geliebten Arbeit zusammenhingen, so dermaßen aufzuschieben, was Sven rot anlaufen hat lassen. Denn der junge Mann hatte schon verstanden, was ihm Palmyre durch die Blume sagen wollte: Chantal hatte ihm zuliebe das Wahrnehmen dieses Termins so lange wie möglich hinausgezögert, um die Zeit stattdessen mit Sven zu verbringen. Ein Umstand der sein Herz natürlich vor Glück jauchzen lies, weil er doch zeigte, wie viel die junge Frau für ihn empfand. Allerdings machte es ihn auch ziemlich verlegen, sodass er sich vornahm nach Möglichkeit von allein darauf zu kommen. –Er konnte Chantal ja immer noch abends anrufen^^…

„Und darum jetzt das Dojo.“, dachte sich der junge Mann insgeheim, als er jetzt in einem bequemen Trainingsanzug und barfuß zusammen mit einigen anderen Besuchern im Inneren des Dojos neugierig mit Juwelchen auf den Meister watete. Der Übungsraum, eine große, gut klimatisierte Halle, welche den Großteil des Gebäudes ausmachte, war sehr hell und freundlich und, entgegen der unscheinbaren äußeren Fassade, so stilvoll und malerisch dekoriert, dass man sich fast wie in Johto oder im Mahile-Ziergarten fühlte. An den Wänden waren nämlich wunderschöne Bilder von Reisfeldern, Pagoden, die sehr dem Glockenturm aus Teak City ähnelten, und Bambuswäldern im Sonnenaufgang, sowie der anmutige Flug des legendären Pokémon Ho-Oh, das einen strahlenden Regenbogen hinter sich herzog, abgebildet. Angenehm feiner, grauweißer Sand bedeckte den Boden und hatte den Zweck, dass Stürze gedämpft und man ein besseres Gefühl für seine Bewegungen bekommen sollte und sich auch etwas mehr dabei anstrengen musste. (Was ja nur selten ein Schaden war^^.) Aus mehreren Lautsprechern tönte dabei gedämpft Musik, wobei diese Stücke wiederrum nicht wirklich zu einem Trainingsort passten. Es kamen nämlich so alte Lieder wie:

‚Er schenkte mir den Prismaturm beim ersten Rendezvous!‘

‚Kriminal Zwango‘


Oder auch:

‚Hier im Dschungel da ruft das Wommel, dass Pyroleo schläft heut Nacht!‘

Da das Grundtraining erst um Zwei Uhr nachmittags begann, es aber erst kurz vor dreiviertel Zwei war, vertrieben sich die Anwesenden die Zeit mit erheiternden Gesprächen. Die meisten davon waren eher belanglos wie das von zahlreichen und unsinnigen Explosionen begleitete Finale der 11.ten Staffel von ‚Alarm für Arbok 11 – Die Arenapolizei‘, der neuste Skandal des eher mittelmäßigen Sängers ‚Justin Bidifas‘ oder die neue Kindersendung ‚Alarm für Dummisel 12 – Die Flegmondedektive ‘.

Ein deutlich ernsteres Thema, über das seit gestern wohl jeder sprach, war eine Serie von Pokémondiebstählen, die sich Anfang dieses Monats im Westen der Region ereignet hatte und es insgesamt fünf Opfer zu beklagen gab. Wenngleich Sven die Abendnachrichten, die zuerst davon berichteten, gestern verschlafen hatte, so wusste er dennoch Bescheid, weil ihm sein Nachbar Alexandre, der ja immerhin Polizist war, schon davon erzählt und er auch in der Zeitung davon gelesen hatte. Der Diebstahl eines Pokémon war ohne Frage eine schlimme Sache und alle Anwesenden empörten sich jedes Mal auf Neue über dieses Verbrechen und legten ein tiefes Mitgefühl für die Opfer an den Tag.

Und allesamt waren sie auch froh, dass die Polizei verkünden konnte, dass sie durch ihre intensiven Ermittlungen den Täter zwar noch nicht gefasst, aber so in die Defensive drängen konnte, dass dieser sich gezwungen sah unterzutauchen. In der Tat war es seit einer Weile in der besagten Gegend ruhig geblieben und man hoffte, dass dieser Verbrecher bald geschnappt sein würde.

Für den meisten Gesprächsstoff sorgte aber die Tatsache, wie zurückhaltend die dafür zuständige Polizeistelle mit ihren Informationen war. Weder wusste man näher über die einzelnen Taten Bescheid, noch hatten die Ermittler ein Phantombild ausgestellt. Man konnte nur rätseln welche Strategie die Polizei mit ihrer Verschwiegenheit bezwecken wollte, doch einen guten Grund musste es ja scheinbar geben…

Dann wurden die Gespräche aber schlagartig eingestellt, denn eine melodischer Gong (ein sogenanntes ‚persisches Glockenspiel‘) ertönte und zeigte damit an, dass es nun zwei Uhr war und das Training gleich begann…

…aber trotzdem kam niemand?

Sven und Juwelchen sahen sich jedenfalls, wie einige andere auch, verwundert in der Erwartung, dass jeden Moment eine Tür aufflog, um, doch es passierte nichts dergleichen. Nur diejenigen, die auch schon das ‚alte‘ Dojo besucht hatten, wussten was es damit auf sich hatte, freuten sich jedes Mal darauf und erzählten den ‚Neulingen‘ jedoch nichts davon um die Überraschung zu wahren.

Plötzlich ertönte ein wilder Kampfschrei und der Meister des Dojos, Wunibald Zauberhaar, brach zusammen mit einem Karadonis und einem Laschoking‚ mit einer anmutigen und kraftvollen Geste aus einer Wand (sie war aus Pappe…) und baute sich entschlossen vor seinen Kunden auf.

Auf den ersten Blick sah man, dass Wunibald der Vater von Hartwig, dem Arenaleiter von Anemonia City sein könnte und trotz seiner bereits 65 Jahren noch sehr rüstig und fit war. Beide besaßen nämlich die ähnlich kräftige und muskulöse Statur, aber auch die leichten Anzeichen, dass sie in letzter Zeit ein bisschen aus der Form geraten sind^^. Im Gegensatz zu diesem war Herr Zauberhaar aber richtig braun gebrannt, hatte schärfer geschnittene Gesichtszüge, eine knollige Nase und kleine, streng wirkende hellgraue Augen mit buschigen weißen Augenbrauen darüber. Die Haare auf seinem Kopf waren spiegelglatt abrasiert und fast wie als Gegensatz hatte sich Wunibald dafür einen ellenlagen, weißen Bart stehen lassen, den er sich sogar wie einen Schal um seinen Hals gewickelt hatte.

„Ich heiße euch herzlich in meiner Trainingsstätte und anlässlich der großen Neueröffnung von dieser willkommen, verehrte Gäste.“, grüßte der Meister, der einen schlichten, weißen Trainingsanzug trug, derweil freundlich und autoritär mit seiner etwas knurrigen und tiefen Stimme und machte wie seine beiden Pokémon eine kurze, höfliche Verbeugung: „Es freut mich und auch meine Familie und Angestellten sehr zu sehen, dass sich neben den treuen Stammkunden auch viele Neulinge heute hier eingefunden haben um einen Blick auf diese Stätte zu werfen. Wir alle wünschen euch eine angenehme Zeit hier und würden uns sehr freuen, wenn wir vielleicht den ein oder anderen Neukunden so überzeugen, dass er von nun an öfters vorbeischaut.“

Er machte nochmal eine kleine Verbeugung und sprach dann weiter. „Wenngleich mich schon manche namentlich kennen, möchte ich mich und meine Partner dennoch kurz vorstellen.“, erklärte Herr Zauberhaar: „Karadonis hier hört auf den Namen ‚Pyradonis‘ und hilft beim physischen Training, während ‚Nostradamus‘, mein Laschking folglich für das spezielle zuständig ist. Und ich selbst bin Wunibald Zauberhaar, der Meister des Dojos hier und Oberhaupt der Familie Zauberhaar!“

Ein lautes, weibliches Hohngelächter drang aus der nahen Küche, doch Wunibald ignorierte dies geflissentlich und weil manche der Kunden trotzdem schon anfingen zu grinsen, nahm er Haltung an und schickte sich drein um beginnen zu können. –So ziemlich jeder aus Regelsberg wusste schon, dass in Wahrheit Heidrun die Hosen in dieser Beziehung anhatte. Zwar wurde Wunibald nie Müde damit, zu behaupten, dass er in dieser Ehe für die großen Entscheidungen zuständig war, aber was half dies, wenn es in diesen 40 Ehejahren bislang nur ‚kleine‘ Entscheidungen, die der Frau zufielen, gab :P?

„Also dann wollen wir mal mit dem Grundtraining beginnen! Lasst also all eure Pokémon, die mitmachen sollen jetzt aus den Bällen und schon geht’s los!“, eröffnete der Meister darum hastig und ohne groß weitere Worte zu verlieren drückte er rasch einen Knopf in der Wand, welcher dafür sorgte, dass nun passendere Musik aus den Lautsprechern drang und sie Anfangen konnten.

Wie der Name schon vermuten ließ, war dieses Grundtraining eine Mischung aus Ausdauersport und Muskelaufbautraining, deren Härte in den zwei Stunden, die so eine Einheit dauerte, ganz schön zunahm. Dabei erwiesen sich Wunibald Zauberhaar und sein Pyradonis als strenge aber fähige Lehrer, die ihren ‚Schülern‘ viel abverlangten, aber so, dass sich diese auch Mühe gaben. Mit geradezu militärischem Drill trieben sie ihre Gegenüber an und waren sich dabei nicht zu fein, allen zu zeigen wie schnell, ausdauernd und gewissenhaft man dieses Training absolvieren konnte. Dieser Umstand brachte dem Alten doch immer wieder Bewunderung ein, denn man musste schon was auf dem Kasten haben, um bei diesem Tempo so lange durchzuhalten und dazu noch nicht mal ins Schwitzen zu kommen!

„Trainiert bis eure Muskeln schmerzen!“, rief der Alte dabei stets: „Und dann trainiert noch mehr!“

Während Tobi diesen Übungen sehr zugeneigt war und regelrecht aufblühte, rann Sven bereits nach einer Stunde ganz schön der Schweiß vom Körper und er spürte jetzt schon Muskeln schmerzen, von denen er gar nicht wusste, dass er sie überhaupt hatte. Zwar war der junge Mann alles andere als eine Sofakartoffel; er ging gerne auch lange Spazieren, fuhr mit dem Rad und langte bei seiner Arbeit tüchtig zu. Doch all diese Dinge konnte er meist gemütlich und in seinem Tempo erledigen, sodass dies eine andere Sache war, als dieses fordernde Training mit dem er sich jetzt konfrontiert sah. Auch wenn er wusste, dass es ihm ja gut tun würde.

Indes sorgte Nostradamus mit seinen Psychokräften dafür, dass auch die Schlaumeier unter den Pokémon wie ein Magnetilo oder ein Bronzel, sich genauso schön anstrengen durften wie all anderen^^. Juwelchen kam das sehr zupass, wollte es sich doch keine Gelegenheit entgehen lassen um stärker zu werden, sodass es sich so gut reinhängte wie nur irgend möglich.

„Rocara :D!“, feuerte das Edelsteinpokémon seinen Trainer, der schon ganz aus der Puste war, deswegen freudig an und amüsierte sich prächtig. „Schnauf, keuch…. Jedenfalls… schnauf… mühen wir uns alle gemeinsam ab…“, keuchte Sven atemlos und verzog das Gesicht zu einem Lächeln, das weniger gequält wirkte, als man meinen konnte. Denn irgendwie…

…machte es ihm richtig Spaß sich so mit seinen Pokémon zu verausgaben! Auf jeden Fall würde dies garantiert nicht der letzte Besuch hier sein, allein schon weil er, sobald das Dojo wieder Attacken lehren würde, dessen Dienste nur zu gerne in Anspruch nehmen wollte. „Und wenn erst Fussel wieder überm Berg ist, wird es richtig klasse!“, freute der junge Mann, denn nach den gestrigen Ereignissen hatte sich Flamara beschämt in seinen Ball verkrochen und wollte da auch nicht so schnell wieder raus. Sven nahm dies zum Anlass kurz nachzudenken, ob es in seinem Oberstübchen nicht vielleicht schon soweit wäre…

…aber noch sprang der rettende Gedanke nicht aus seinem Loch. „Schade…“, schoss es ihm durch den Kopf und versuchte sich wieder auf das Training zu konzentrieren: „Dann muss ich noch einen Moment warten… Aber trotz allem wäre eine Pause langsam nicht schlecht…“

Eine solche gab es zwar nicht, doch um Punk Vier Uhr nahm diese Einheit bereits wieder ihr Ende. Ein erleichtertes Aufseufzen erfüllte die Halle, als Meister Wunibald dies verkündete und zum Abschluss alle ihre Muskeln mit speziellen Übungen lockerten und dehnten. Auch hier bewies er der Alte sein Können, denn Sven merkte nach diesen Abschlussübungen, dass seine Muskeln gleich fast nicht mehr schmerzten und er also keinen so schlimmen Muskelkater morgen zu befürchten hatte als angenommen.

„So meine verehrten und zahlenden Kunden, ich hoffe euch hat dieser Einstand in meine Trainingsmethoden gefallen.“, meinte Heer Zauberhaar zufrieden und zeigte selbst, wie auch seine Pokémon, kaum Ermüdungserscheinungen: „Der nächste Kurs wird um fünf Uhr stattfinden, aber da wir in dieser Woche ohnehin ausschließlich das Grundtraining anbieten, will ich euch eher an Herz legen, dass ab jetzt unsere Gaststätte geöffnet hat. Meine Frau hat auch heute wieder eine ganze Reihe von Köstlichkeiten vorbereitet und würde sich auch genauso sehr über ihren Besuch freuen. Ich verabschiede mich an dieser Stelle von euch, bedanke mich für ihr Interesse und bin selbstredend aber für weitere Fragen offen. Auf ein baldiges Wiedersehen.“

Damit verneigte sich Wunibald Zauberhaar ein letztes Mal und ging, während sich die meisten Kunden zunächst in die Umkleidekabinen zurückzogen um sich zu duschen und frische Sachen anzulegen. Sehr viele von ihnen machten sich dann auf den Weg zum Gasthaus, da den Trainern und Pokémon nach diesen zwei Stunden gehörig die Mägen knurrten. Und was wäre ein hartes Training, wenn man die Pfunde, die man gerade losgeworden ist, sich nicht gleich wieder anfuttern könnte :P? Ein paar andere nahmen hingegen den Heimweg in Angriff, doch allgemein konnte man sehen, dass jeder zufrieden mit diesem Besuch war.

Sven wiederum wollte, trotz seines ebenfalls leeren Magens, weder ins Gasthaus noch gleich nach Hause, sondern suchte stattdessen Meister Wunibald gleich wieder auf. Dieser war gerade dabei die dünne Pappwand wieder herzurichten, hob aber sofort den Kopf, als er den jungen Mann auf sich zugehen sah.

„Ah, der werte Herr Rougon möchte noch etwas wissen, nur zu.“, riet der Alte freundlich, ließ von seiner Arbeit ab und fügte offen hinzu: „Ich habe von dir und deinem Rocara ja schon einiges gehört und fast schon gehofft dich und deine Pokémon hier zu sehen, wenn ich ehrlich bin. Zumal dir und deinen beiden Pokémon das Training augenscheinlich sehr gefallen hat.“

Sven musste allerdings gar nicht den Mund aufmachen, denn Wunibald erkannte sofort, was dieser wollte und seine Augen leuchteten freudig: „Sag bloß, du willst dich jetzt schon für einen Attackenkurs anmelden?“ „Genauso ist es!“, bestätigte der junge Mann interessiert: „Ich würde, unter anderem, Juwelchen nämlich zu gerne die Erdkräfte beibringen, damit es sich besser gegen Stahlpokémon wehren kann.“ „Cara!“, unterstrich Juwelchen fröhlich und drehte sich dabei um die eigene Achse. „Oh, ein sehr verständiger Ansatz wirklich.“, meinte Herr Zauberhaar nickend und wickelte dabei seinen Bart erst von seinem Hals um ihn dann andersherum wieder auf diesen aufzuwickeln; was eine Art Tick von ihm war: „Eine breite Attackenauswahl ist sehr wichtig, wenn man auf seine, fachmännisch ausgedrückte, ‚Couverage‘ achtet um sich gegen so viele Gegner wie möglich behaupten zu können. Dein süßes Rocara ist mir bereits beim Training vorhin schon als kämpferisches Energiebündel aufgefallen. Das sollte keine Probleme damit haben diesen Angriff schnell zu erlernen und auch voll auszunutzen. Also schön, dann will ich dir gleich mal den Preis für so was nennen…“

-Kreisch!-

„WAS?!“, schrie Sven vor Schreck ganz laut, sodass sich alle Anwesenden zu ihm umdrehten: „Das ist aber ein stolzer Preis um es freundlich zu formulieren!“ „Na hör mal, das ist eine erstklassige Attacke die dir ein erstklassiger Meister auf erstklassige Weise beibringt. Und erstklassige Qualität hat eben auch eine erstklassigen Preis!“, entgegnete Wunibald beharrlich, verschränkte dabei die Arme und zitierte: „Erst wenn das Geld im Kasten kling, dir der alte Wunibald einen Angriff beibringt!“

„Ein schöner Spruch, nicht wahr?“, fuhr der Alte gleich fort und da er in Erzähllaune war, plauderte er noch ein bisschen: „Den hat in leicht abgewandelter Form ein Vorfahre mütterlicherseits vor gut 500 Jahren in einer fernen Region schon benutzt. Hat damals damit irgendwelche nutzlosen Blätter Papier; sogenannte ‚Ablassbriefe‘; im Auftrag seiner Geldgeber an die Leute verhökert. Damit war dann aber Schluss als ein gewisser ‚Martin L.‘ und andere Menschen sich eingemischt hatten, sodass mein lieber Vorfahr ausgewandert und eben hier gelandet ist. Dort hat er dann bald die Kunst des Attackenlehrens erworben und sein Verkaufstalent genutzt um so eine der ersten Linien der Mungenauer Attackenlehrer zu legen.“

„Ah ja…“, machte der junge Mann erst mal und versuchte sich gedanklich schon mal mit diesem Preis zu arrangieren. Schließlich wollte er Juwelchen diesen Angriff nur zu gerne beibringen und er wusste ja jetzt schon, dass Wunibald Zauberhaar ein erstklassiger Lehrer war und er so schnell keinen besseren (oder günstigeren) finden würde. Darum holte er tief Luft und fragte: „Können sie mir vielleicht den Preis nochmal sagen?“ „Gerne! Also er lautet…“

-Nochmal Kreisch!

„Mensch Paps, immer erlaubst du dir mit den Neulingen solche Späße, hihi! Schäm dich!“, tadelte ihn da eine vergnügt kichernde Frauenstimme, die Sven und Juwelchen doch bekannt vorkam!

„Reinhild?!“, entfuhr es dem jungen Mann darum verblüfft, als er die junge Verkäuferin und ihr Dressella erblickte. Diese kicherte erst mal erneut belustigt bei der Reaktion ihres Gegenübers und stellte ihre prall gefüllten Einkaufstaschen, die sie und Lilly bei sich trugen, ab. Offenbar kam sie gerade von der Arbeit heim, denn Sven wusste, dass Reinhild am Dienstag bis kurz vor vier arbeiten musste und außerdem roch er schon den vertrauten und feinen Geruch vom Gebäck aus Hourdequins Bäckerei, der aus ihren Taschen strömte. Aber allein schon bei dieser Menge ahnte der junge Mann, dass die junge Verkäuferin diese Sachen nicht nur für sich allein gekauft hatte.

„Hihi, und ich hab schon mit den anderen gewettet, dass ich dich heute und hier bei Mamas und Papas Arbeitsplatz vorfinden werde Sven.“, lachte Reinhild bestätigt und giggelte noch mehr, als sie sah, wie Sven die Augen bei diesen Worten aufriss: „Ja ganz Recht: Ich bin Reinhild Zauberhaar, die Tochter von Wunibald und Heidrun, *kicher*! Dass du das bis jetzt nicht wusstest sieht dir ähnlich Sven, hihi! Das kommt davon, wenn man sich so lange nicht mit Pokémon beschäftigen will^^.“

„Also Reinhild Zauberhaar… Ein Name, der wie die Faust aufs Auge passt.“, dachte sich Sven zunächst, bis er seine Sprache wiederfand und neugierig wurde: „Okay, alles schön gut und offenbar erledigst du für deine Eltern auch die Einkäufe und das löblicherweise gleich bei unserem Arbeitsplatz… Aber was hast du am Anfang jetzt mit diesen Späßen gemeint?“

„Sie hat gar nichts gemei…“, wollte Wunibald schon einwerfen, aber seine Tochter schnitt ihm einfach das Wort ab.

„Na Paps Preisvorschlag natürlich!“, antwortete Reinhild verschmitzt grinsend: „Paps gilt immer als Geizhals und damit macht er sich bei Neulingen einen Spaß mit. In Wahrheit will er immer nur die Hälfte, so iss er halt mein Papa :D!“

„Die Hälfte?! Das Stimmt doch gar nicht du freche Matz!“, ereiferte sich Herr Zauberhaar und versuchte so autoritär wie möglich zu wirken, wobei man kein Experte sein musste, um zu erkennen, dass er sich nur aufspielte. Allerdings nahm die junge Verkäuferin diese Aussage nur zu gerne als Steilvorlage an, legte sich den Zeigefinger an die Lippen und meinte grüblerisch: „Stimmt schon Paps… Du willst ja nur ein Drittel^^.“

„Reinhild!!!“

„Ach sei doch nicht so Paps! Ich weiß doch, dass du die Hälfte meinst, du kannst es ruhig zugeben.“, lachte Reinhild fröhlich, was ihren Vater dazu bewog ein unverständliches Grummeln auszustoßen, dass man aber als Zustimmung deuten konnte. „Du bist eben der Beste Paps.“, fand die junge Verkäuferin dann versöhnlich und drückte Wunibald brav einen Kuss auf die Wange, was diesen vollends erweichen ließ. „Ja, ja schon gut, immer kochst du mich weich…“, brummelte Herr Zauberhaar gespielt beleidigt, denn in Wirklichkeit schlich sich schon ein stolzes, väterliches Lächeln auf sein Gesicht.

Eigentlich wollte sich Wunibald darum nun um die Formalitäten kümmern, jedoch öffnete sich ein Schiebefenster, welches einen kleinen Einblick in die Küche des Gashauses erlaubte und der kräftige, aber dennoch sehr feminine Kopf von Heidrun kam zum Vorschein. Sie hatte ihr ansonsten langes, seidiges, leicht gelocktes, hellbraunes Haar unter einer weißen Haube verborgen und ihr ganzes, fein geschnittenes Gesicht wirkte trotz ihrer 60 Jahre noch rosig und frisch, dass so manches Model neidisch werden würde.

Ihre großen haselnussbraunen Augen fassten ihren Gatten allerdings sehr auffordernd ins Auge, als sie in einer Art und Weise sprach, die jedes Aufbegehren im Keim erstickten: „Liebling, ganz egal was du machen wolltest, lass das unsere Tochter erledigen! Ich brauche dich, Pyradonis und Nostradamus hier fürs Kartoffelschälen! Also spar dir deine Widerworte und beweg deinen hübschen Hintern hierher. Husch, husch!“

„*Seufz*! Komme schon mein Engel…“, stöhnte Herr Zauberhaar ergeben, der die Befehle seiner Frau wie eine Naturgewalt – welches sie ja auch waren – hinnahm, aber dennoch auch hier schwer verbergen konnte, dass er seine Frau sehr liebte und ihr deswegen gerne zur Hand ging. Darum sah er seine Tochter bittend an: „Da ihr beiden euch ja ohnehin kennt… Würdest du dich dann bitte darum kümmern, Sven nächste Woche für einen Kurs in meine Unterlagen einzutragen?“ „Kein Problem Paps, verlass dich auf mich.“, antwortete Reinhild sofort mit einem allerliebsten Lächeln, was auch ihren Vater dazu brachte, es ihr gleichzutun. „Hach so ist meine Jüngste eben, danke!“, antwortete Herr Zauberhaar noch schnell und eilte dann auch schon mit seinen Pokémon in Richtung der Küche.

„*Kicher* Paps hat es mit Mama auch nicht immer leicht.“, lachte die junge Zauberhaar mitleidig: „Aber die beiden haben sich im Grunde aber wirklich lieb und Paps ist und bleibt ein echter Meister! Du wirst schon sehen, was er drauf hat! Okay, warte kurz, ich geh den Zettel holen. Du und deine Pokémon können ja solange Lilly zusehen, wie sie den ‚Nahkampf‘ übt.“

„Moment! Dressella können doch gar keinen…“, wollte Sven schon anheben, doch da rauschte Reinhild bereits davon, während ihn Juwelchen und Tobi auf das Blumenzierpokémon aufmerksam machten, was ihn sofort verstummen lies.

Lilly hatte nämlich in der Zwischenzeit ein Stehaufmännchen aufgebaut, sich ein rotes Band um den Kopf gewickelt und konzentrierte sich jetzt für einen kurzen Moment mit geschlossenen Augen.

„sssSSSEEELLLAAA!“, rief es dann und hieb wie eine wilde Amazone kraftvoll mit seinen so unscheinbar wirkenden Blätterarmen auf das Trainingsgerät ein und zwar in einer so schnellen Abfolge, dass der junge Mann nur noch eine verschwommen, grüne Welle ausmachen konnte. Dabei tänzelte Dressella gekonnt um das Stehaufmännchen herum und entging so jedem einzelnen Konter.

„Du wolltest was sagen Sven?“, neckte ihn die junge Verkäufern nach ihrer Rückkehr schon frech und gleichermaßen angeberisch und hielt ihm den Zettel vor die Nase. „Nur eines: Warum arbeitest du nicht bei deinem Vater als angehende Attackenlehrerin?“, meinte Sven beeindruckt, während er gemeinsam mit Juwelchen und Tobi weiterhin gebannt Lilly beim Training zusah: „Das Talent hast du ja auf jeden Fall!“

Denn anhand der geübten und geschmeidigen Bewegungen von Dressella, spürte der junge Mann einfach schon, wie viel Reinhild mit ihrem Pokémon trainiert haben muss, damit es diese für es eher ungewöhnliche Attacke erlernen und meistern konnte. Außerdem wurden Sven sowie Juwelchen und Tobi sofort klar, dass der Kampf am letzten Montag wohl ganz anders für sie ausgegangen wäre, wenn die junge Verkäuferin wirklich ihre Lilly für das Duell ausgewählt hätte…

„Ja das stimm schon… Und Mama und Paps sagen mir das auch andauernd…“, entgegnete Reinhild durchaus geschmeichelt, lächelte dann aber wieder frech: „Aber weißt du, als Verkäuferin habe ich es einfach nochmal viel, viel leichter den aktuellen Klatsch und Tratsch aufzuschnappen und weiterzuerzählen, als hier im Dojo, *kicher*!“

„So, aber den Zettel solltest du dennoch mal ausfüllen.“, erinnerte sie ihn gewissenhaft, sodass sich der junge Mann von diesem Anblick losriss und sich nun auch an das Formular machte. Dies war eine Sache von wenigen Minuten und nicht ohne Vorfreude auf diese bevorstehende Lektion am nächsten Dienstag gab Sven der jungen Zauberhaar diesen zurück und erfuhr dabei noch, dass er erst an diesem Tag den, jetzt viel moderateren, Preis zahlen musste.

Er bedankte sich bei ihr und rief nach seinen Pokémon, die in der Zwischenzeit näher zu Lilly gegangen waren um ihr noch besser zusehen zu können, denn er wollte jetzt auch gehen. Zwar hätte er ebenfalls auch gerne dem Training des Blumenzierpokémon noch etwas beigewohnt, doch da sich die Lösung für Fussels Dilemma hier doch nicht eingestellt hatte, gab es keinen Grund mehr weiter zu bleiben. „Vielleicht bei einem langen Spaziergang?“, sinnierte der junge Mann und wollte sich eigentlich schon bei Reinhild verabschieden.

Er konnte aber gar nicht mehr den Mund dafür aufmachen, weil eine Tür ungestüm aufgerissen wurde und zwei Stimmen voll kindlicher Freude riefen: „Hey! Unsere Blume ist wieder da! Endlich hat das Warten ein Ende!“

Zuerst sauste dann ein Hydragil schnell wie der Blitz hinein, gefolgt von einem jungen Mann, der höchstens zwei Jahre älter als Reinhild war und einer jungen Frau Anfang dreißig und zu guter Letzt robbte auch noch ein Primarene, so schnell es eben ging, hinterher.

Sven, dessen Augen vor Verblüffung kreisrund geworden waren, wusste, ohne dass auch nur eine Erklärung gefallen war, sofort, dass dies die älteren Geschwister von Reinhild sein mussten. Denn alle drei teilten sich diesen vollschlanken, aber dennoch sportlichen Körperbau, waren fast gleich groß – Reinhild mit ihren 1,75 Meter war sie nur einen Kopf kleiner als diese – und hatten auch fast identische Gesichtszüge –Soweit man das zumindest bei ihrer Verkleidung erkennen konnte, da dies der wohl ausschlaggebendste Punkt für die Vermutung des jungen Mannes war: Denn auch diese zwei hatten alle Mühe aufgewandt um wie ihre Pokémon auszusehen!

So wie die junge Verkäuferin durch ihr Kleid, das Färben ihrer Haare und das Tragen diverser Accessoires, wie den Kontaktlinsen oder der Plastikblume, ihrem Dressella nacheiferte, so praktizierten dies auch ihre ältere Geschwister genauso ernsthaft, wobei sofort ersichtlich wurde, dass Hydragil ihrem Bruder und das Primarene logischerweise damit ihrer älteren Schwester gehörte.

Ihr Bruder trug deshalb eine Art graublauen, quergestreiften Ganzkörperanzug – natürlich auch mit den zwei langen schalartigen ‚Fransen‘ – und eine rosarote Sturmhaube, samt dem schwarzen, sternförmigen Muster auf der Stirn und den beiden grünen Streifen, die, ähnlich dem Original, auch nur noch die Augen erkennen ließ

Dieser Logik folgend trug Reinhilds große Schwester eine eng anliegende, dunkelblaue Hose mit den gleichen rosa Zacken und dem hellblauen Saum und hatte, ganz an ihr Solistenpokémon angelehnt, auch nur ein sehr knappes saumartiges Oberteil an. Durch Kontaktlinsen konnte sie auch diese eigentümliche, blaurosa Augenfarbe ihres Pokémon imitieren und hatte sich ebenfalls zwei rosa Seesterne in den Anfang ihrer langen, mit Perlen oder blasenartigen Strukturen zusammengebundenen, hellblau gefärbten Haare gesteckt.

„So viel dazu, dass sich das auswächst :tja:…“, dachte sich der von den Neuankömmlingen noch völlig unbeachtete junge Mann derweil mit einem Kopfschütteln, während Reinhild und Lilly, die dafür sogar von ihrem Training abgelassen hatte, diese freudig begrüßte.

„Selkie! Ninja! Da seid ihr ja schon!“, rief die junge Zauberhaar herzlich aus und durch ihre Geste wurde ersichtlich, dass sie mit diesen komischen Spitznahmen tatsächlich ihre Geschwister und nicht deren Pokémon meinte: „Ich hab alles dabei, wie immer eigentlich, hihi!“ „Oh Klasse, dann her damit!“, meinte ihr großer Bruder schon ganz ungeduldig, welcher allerdings wie seine Schwester bereits, gleich ausgehungerten Räubern, ungestüm die Einkauftaschen durchwühlte. Bald schon hatte er das Gesuchte auch gefunden und hielt dieses wie einen Pokal in die Höhe. „Bei Arceus, die Königin der feinen Backwaren: Die Nussschnecke ist mein!“, sprach er triumphierend, doch seine ältere Schwester hielt dagegen: „Was redest du denn da Ninja? Wenn hier ein Backwerk einer Königskrone würdig ist, dann ist es ja wohl ganz klar das Marmeladenhörnchen!“

„Wer’s glaubt Selkie!“, gab der Ninja genannte junge Mann sofort zurück und funkelte seine große Schwester herausfordernd an: „Aber du willst es ja wieder wissen! Stimmt’s?“ Diese nickte nur kämpferisch und meinte nur noch: „Wer zuerst seine drei Backwaren schafft hat gewonnen!“

Dann fielen sie auch schon über ihre Speise her, dass die Krümel nur so flogen, und Reinhild ihren älteren Geschwistern dabei vergnügt zusah. Hydragil und Primarene wirkten verglichen mit ihren Trainern deutlich reifer und warteten geduldig, bis Lilly ihnen ihre Leckereien in Form von selbstgemachten Pokériegeln aus der Tasche reichte, welche sie anschließend sehr gesittet und genüsslich verspeisten.

„Botogel…“, murmelte Tobi da mit hochgezogenen Augenbrauen und verschränkten Flügeln und sprach damit aus, was alle drei, die diesem Treiben doch sehr irritiert zusahen, dachten: ‚So eine komische Sippe…‘

„Oh sorry Sven, dich und deine zwei süßen Pokémon hätte ich ja beinahe vergessen *kicher*.“, lachte Reinhild entschuldigend, nachdem sie bemerkte, dass der junge Mann und seine Pokémon ja immer noch da waren und jetzt doch so langsam auf eine Erklärung warteten. „Also darf ich vorstellen?“, hob die junge Zauberhaar deshalb an und deutete auf ihre älteren Geschwister, die sich noch immer über ihr Gebäck hermachten, und deren ebenfalls noch speisenden Pokémon: „Das sind mein großer Bruder Joshua und sein Hydragil Archibald. Und meine große Schwester hört eigentlich auch auf den Namen Renate und ihr Primarene heißt Undine. Aber meistens nennen wir uns bei unseren Spitznamen, wie du schon gemerkt hast *kicher*. Du musst wissen, dass die beiden als reisende Trainer durch Mungenau tingeln und nur ab und zu bei mir und meinen Eltern vorbeischneien. Und außerdem sind sie ganz süchtig nach dem Gebäck aus unserem Arbeitsplatz^^.“

„Na hör mal, das ist ja auch das beste Gebäck von ganz Mungenau! Da wollen wir uns schon ordentlich den Bauch vollschlagen, wenn wir schon mal da sind. Deshalb darf unsere kleine Blume an diesen Tagen immer gleich ordentlich beim guten Hourdequin einkaufen. Denn nirgends sind die Nussschnecken besser als von dort, das kann man gar nicht oft genug sagen!“, fügte Joshua, welcher soeben in dieser knappen Zeit tatsächlich mal drei Nussschnecken am Stück verdrückt hatte, pappsatt und zufrieden hinzu, wischte sich mit einem Taschentuch den Mund ab, formte mit seinen Fingern das Victoryzeichen und verkündete feierlich: „Und wie in jeder Woche, in der wir Zeit für diese gebackenen Gaumenfreuden haben, ermitteln Selkie und ich dann, wessen Gebäck diesmal die Königswürde tragen darf und diesmal habe ja wohl ich gewonnen :]!“ „Hampf, *schmatz*, ja *schling, kau, schluck* diesmal vielleicht!“, meinte Renate, die sich noch blitzschnell den Rest ihres dritten Marmeladenhörnchens reingeschoben hatte, spöttisch lächelnd und stemmte die Hände in ihre Hüften: „Bild dir ja nicht zu viel darauf ein Ninja, bloß weil du deiner Nussschnecke einmal zum Sieg verholfen hast! Hihihi, vielleicht hab ich dich ja mit Absicht gewinnen lassen, wer weiß?“

„Marene!“, meldete sich da das Solistenpokémon entschieden zu Wort und tippte ihrer Trainerin sacht mit ihrer linken Flosse an die Schulter. „Dragil!“, sprach auch das Entschalungspokémon und tat das Gleiche bei seinem Trainer, womit alle beide sie darauf aufmerksam machen wollten, dass die üblichen Zankereien doch bitte warten sollen, weil ja noch Sven samt Juwelchen und Botogel anwesend waren. Und es wäre nun schon langsam an der Zeit ihnen wenigstens etwas Aufmerksamkeit zu schenken…

„Ist ja schon gut Undine, die hätten wir doch nicht vergessen…“, wollte Renate schon sagen, doch beim strengen Blick ihres Wasser/Feentyps biss sie sich ertappt auf die Unterlippe und lenkte mit einem verlegenen Blick ein: „Naja, vielleicht doch… Äh… Also gut, du bist also dieser ‚berühmte‘ Sven Rougon dessen abenteuerliche Geschichte, welche dich mit deinem Rocara zusammenbrachte und dich schließlich auf den Pfad eines Trainers führte, wir schon ausführlich von unserer Blume erfahren haben?“ „Ja das stimmt…!“, konnte Sven noch gar nicht richtig antworten, als ihm bereits alle beiden großen Geschwister von Reinhild je eine Hand schüttelten und voll kindlicher Fröhlichkeit meinten: „Freut uns sehr dich und deine Pokémon kennenzulernen :D!“

„Primarene!“ „Hydragil!“ Riefen auch die beiden Pokémon freundlich, beschränkten sich aber auf eine höfliche Verbeugung – es wurde immer offensichtlicher, dass diese zwei deutlich reifer und erwachsener waren, als ihre eigenen Trainer. „Oh und ganz besonders möchten wir uns auch für deinen Einsatz auf der Arbeit bei dir bedanken!“, ergänzte Joshua mit leuchtenden Augen: „Da du ja beim guten Hourdequin als Bäcker arbeitest, bist du ja auch mitverantwortlich dafür, dass das Gebäck dort so unvergleichlich lecker ist – ganz besonders die Nussschnecken natürlich, heheh! Dafür nochmal vielen Dank!“ „Ach äh, danke schön für das Lob, wenngleich ihr euch lieber bei der ganzen Belegschaft dafür bedanken solltet.“, gab der junge Mann zwar schon geschmeichelt aber auch ehrlich zu bedenken, denn es stimmte ja, dass er nicht alleine für die gute Qualität verantwortlich war.

Eigentlich wollte sich Sven jetzt nun so langsam auf die Socken machen; er wusste ja nun über Reinhilds Geschwister Bescheid und fand sie zwar sympathisch aber grundlegend genauso seltsam wie sie selber^^. Das lag jetzt aber nicht an ihrer doch irgendwie erfrischenden und neckisch wirkenden, fröhlichen, kindlichen Art sondern eher an ihrer Versessenheit, wie ihre Schwester unbedingt ihrem jeweiligen Pokémon zu ähneln. Der junge Mann konnte diese Intention nicht ganz nachvollziehen und hätte sich nie im Leben zu so etwas überreden lassen! (Arceus bewahre!) Mit einem Schulterzucken sagte er sich, dass es wohl ihre eigene Form war, der Liebe zu ihren Pokémon Ausdruck zu verleihen. (Wenn sie halt meinen :roll:…)

Sven wusste allerdings, dass es nicht gerade höflich war, sich einfach so ganz ohne etwas Smalltalk zu verziehen, zumal er die paar Minuten ja durchaus noch entbehren konnte, bevor er sich wieder der Lösung von Fussels Problem widmete. Darum stellte er eher beiläufig noch eine Frage, mit der er unwissentlich aber genau den richtigen Nerv seiner Gegenüber traf :P.

„Und ihr beide mögt es also auch, euch zu verkleiden?“

„Sven, Sven, Sven, da sieht man mal wieder, dass du keine Ahnung hast!“, tadelte ihn da Reinhild, die sich wieder eingeschalten hatte, mit einem frechen Grinsen, während sie belehrend den Finger hob: „Das war wir drei da betreiben ist keine simple Verkleidung sondern Cosplay! Und wir mögen es nicht nur…“

Bei diesen Worten umarmten sich die Geschwister samt ihrer Pokémon hingebungsvoll – außer vielleicht Archibald, aber dummerweise hatte Undine so lange Arme, dass das Primarene den Käfertyp, dem diese Sache doch etwas peinlich war, jedes Mal mit ihn diese Umarmung ziehen konnte.

Und dann riefen sie inbrünstig im Chor: „Wir LIEBEN es! Nicht mögen, lieben!!!“

„Es ist doch ein wundervolles Gefühl seinem geliebten Pokémon so ähnlich wie möglich zu sein, wenn man sich schon nicht in eines verwandeln kann, nicht?“, fand Reinhild ganz begeistert und aufgekratzt, als ob sie schon wieder Pokériegel genascht hätte, nur, dass ihre Geschwister diesen Ausdruck teilten.

„Da hat unsere Blume völlig recht! Das ist eine Art Lebenseinstellung!“, unterstrich Joshua sogleich genauso enthusiastisch und hielt sich vor Wonne die Hände an sein Herz: „Wir sehen Cosplay als Ausdruck der tiefen Sehnsucht, einmal aus seiner menschlichen Hülle schlüpfen und die Frei- als auch Wildheit eines Pokémon genießen zu können, wenigstens ansatzweise gerecht zu werden :herz:! Und der Wunsch nach Verwandlung, das Ausleben können seiner verborgenen Neigungen und das Verwischen der Grenzen zwischen Mensch und Pokémon ist doch etwas, was es schon seit Anbeginn der Menschheit gab. Schließlich existieren nicht umsonst so viele alte Märchen, Sagen und Erzählungen darüber, dass Menschen zu Pokémon werden, oder sogar umgekehrt! Sie alle entspringen diesem tiefen Sehnen.“

„Genau! Über Primarene gibt es beispielsweise eine ganz wundervolle und romantische Legende <3!“, hob Renate sogleich genauso euphorisch und verträumt an: „In machen Küstenregionen dieser Welt erzählt man sich nämlich, dass vor allem weibliche Primarene aus ihrer Pokémonhaut schlüpfen können um sieben Jahre lang als bildschöne Menschenfrauen an Land zu leben, wenn sie das möchten. Oft kommt es dann auch vor, dass sich ein Mann unsterblich in solch eine Frau verliebt und sie eine Familie gründen. Nach Ablauf dieser Zeit allerdings wird die Sehnsucht, wieder ein Pokémon zu werden, aber oft so groß, dass sie wieder zurück in ihre Pokémonhaut, die sie irgendwo versteckt haben, schlüpfen um den Rest ihres Lebens wieder als Primarene zu verbringen. Ihre Familie vergisst das Pokémon aber natürlich nicht, sondern wacht vom Meer aus über diese.

Und manchmal lassen sie sich auch von ihren Männern fangen, damit sie auch in ihrer eigentlichen Gestalt weiterhin an dessen Seite sein können :herz:! Hach, findest du nicht auch, dass das eine wunderschöne Vorstellung ist, Sven?“

Seine eigene Ehefrau und eventuell auch die Mutter der gemeinsamen Kinder in den Kampf zu schicken und zu trainieren :eyebrow: …?

Selbst beim besten Willen konnte der junge Mann angesichts dieser Vorstellung es nicht verhindern, dass er verwundert eine Augenbraue hob. Er fand diesen Gedanken nämlich schlicht und ergreifend einfach reichlich schräg und fühlte sich schon wieder an den Film ‚Zeitreisende soll man nicht aufhalten – Teil 2‘ erinnert. Zumal ihm diese ganze Cosplaysache, vielleicht wegen dieser an den Tag gelegten, leidenschaftlichen Begeisterung der drei da, eher befremdlich vorkam :/…

„Rocara >:(!“ Empört stieß das Edelsteinpokémon seinen Trainer an, denn es fand diese Geschichte und diesen Enthusiasmus dieser Geschwister für diese Sache im Gegenteil zu diesem wunderbar romantisch und bewundernswert! Darum hielt es Svens Verhalten für ziemlich unangebracht. „Botogel :)!“, rief Tobi hingegen fröhlich aus. Es hatte bereits eine Persimbeere in den Flügeln und schien tatsächlich zu überlegen, ob es den dreien diese nicht vielleicht anbieten sollte. Vor allem aber wirkte es unsagbar erleichtert darüber, dass der junge Mann offenbar das Gleiche über diesen Schwachsinn dachte wie es selber. Scheinbar waren Hopfen und Malz bei ihm doch noch nicht völlig verloren :D!

„Cara!“, machte Juwelchen entrüstet, weil es sich plötzlich in der Unterzahl wusste, sodass es beleidigt die Ohren anlegte, seine himmelblauen Augen zusammenkniff und beide böse anstarrte. Solche unromantischen Blödmänner! Das brachte Sven und Botogel aber wieder zum Lachen; wussten sie doch, dass es das nicht ernst meinte.

„Richtig so Juwelchen! Das gehört sich nicht!“, ereiferten sich auch Reinhild und Lilly erbost und stemmten die Hände in die Hüften. Die junge Zauberhaar wusste zwar schon, was der junge Mann von ihrer Leidenschaft hielt, doch dass er sich selbst angesichts der geballten Begeisterung ihrer Geschwister wenigstens nicht ein bisschen für diese Einstellung erwärmen konnte, missfiel ihr ganz schön!

„Ruhig Blut Reinhild, an dieser ‚Abwehrreaktion‘ sind wir selber schuld. Wir hätten den Ärmsten nicht so mit unserer geballten Schwärmerei überrumpeln sollen, dass war etwas Zuviel auf einmal. Also friss ihn bitte nicht auf, ja? *Kicher*“, legte sich da Renate verständig ins Mittel und versetzte ihre kleine Schwester damit in größtes Erstaunen, denn es kam selten vor, dass sie mit ihrem richtigen Namen angesprochen wurde: „Außerdem darf ja jeder darüber denken wie er mag, solange er einen damit nicht verletzt. Aber viel wichtiger ist es doch, das man sich selber in seiner Haut wohlfühlt.“

Plötzlich wirkte Reinhilds große Schwester gar nicht mehr kindlich, sondern richtig reif und erwachsen und ähnelte auf diese Weise ihrem Primarene mehr, als in der ganzen Zeit davor.

„Als ich etwa in deinem Alter war Schwesterlein, habe ich nämlich auch eine Zeit lang gezweifelt, ob mir das Cosplay noch zusagt.“, erklärte sie der erstaunen Reinhild weise: „Denn mir ist beim Blick in den Spiel zu dieser Zeit erstmals richtig bewusst geworden, dass ich mich äußerlich sehr verändert habe: Ich war kein kleines Mädchen mehr sondern eine junge, so gut wie erwachsene Frau. Aber habe ich mich auch innerlich verändert? Auf diese Frage habe ich erst eine Antwort gefunden, als ich für eine Weile allen Ernstes auf Cosplay verzichtet und mich ‚normal‘ angezogen habe. Doch dadurch ist sehr schnell klar geworden, dass die Antwort ‚nein‘ lautete. Egal wie sehr ich mich auch verändert habe, meine große Leidenschaft ist die gleiche geblieben. Ich musste nur mal darauf verzichten und es dann erneut ausprobieren, damit mir das bewusst wurde!“

-Klick!-

„Wow Selkie, dass wusste ich ja noch gar nicht!“, hauchte die junge Zauberhaar erstaunt und hatte ganz große Augen angesichts dieses Geständnisses ihrer großen Schwester und meinte darum nachsichtig: „Na gut, vielleicht haben wir etwas zu dick am Anfang aufgetragen Sven… Aber jetzt kannst du doch mehr damit anfangen, oder? Sven? Sven?! Sven?!!“

In der Tat hatte die vernünftige und ruhige Ansprache von Renate beim jungen Mann für deutlich mehr Verständnis für diese Begeisterung gesorgt, als dieser fast übertriebene Ausbruch von Leidenschaft vorhin, der ihn mehr verschreckt hatte^^. Doch die Worte von Reinhilds großer Schwester hatten noch einen ganz anderen, viel wichtigeren Effekt! Sie waren wie ein Wink, denn endlich begriff er!

Ihm war so, als würden sich in seinem Kopf Zahnräder wie bei einem Gangwechsel in Bewegung setzen: Zunächst ganz langsam und sperrig, doch dann wurde der störende Sand des Zweifels und der Unwissenheit einfach hinaus gedrückt sodass sie schlussendlich, gleich einem Uhrwerk, perfekt zusammenarbeiteten und auf Hochtouren liefen. Sein Kopf arbeitete und hatte endlich eine Lösung ausgespuckt!

„Das ist es…! Ja, das ist es!!!“, jubilierte Sven, dessen Gesicht vor purer Freude nur so strahlte, zunächst geistesabwesend und leise um dann zu überschwänglich und lauthals zu wechseln: „Juhu! Das ist die Idee! Ja doch, dass ist DIE Idee!!! Endlich, juchhe!“

„Danke Leute, ihr seid wirklich die Besten!“, rief er voller Glückseligkeit und umarmten die drei verblüfften Geschwister freudig, bevor er sich Reinhild schnappte und, seiner protestierenden Muskeln zum Trotz, sie ohne Mühe wie bei einem wilden Tanz herumwirbelte. „Mir ist endlich die Idee gekommen! Und das nur dank euch! Danke, danke, danke!“, sprach er dabei ständig und wirkte nun seinerseits ganz berauscht vor Glück. Um seiner wilden Freude, die Sven innerlich ganz aufwühlte, noch mehr Ausdruck zu verleihen, hätte er der jungen Zauberhaar, die nach diesem flotten Schritt ziemlich verdutzt und zerzaust wirkte, am liebsten noch einen dicken Kuss aufgedrückt…

…da er aber ahnte, dass ihm Chantal dafür den Kopf mit einem Buttermesser abschneiden würde, griff er sich dafür Lilly und gab ihr so einen innigen Schmatzer aufs Gesicht, dass das Blumenzierpokémon danach ganz benommen und errötend dastand.

„Oh nochmals vielen lieben Dank ihr drei, das werde ich euch nie vergessen!“, meinte er nochmals überglücklich, bevor er sich zum gehen wandte und dabei seinen Pokémon, welche sich genauso wie ihr Trainer freuten, wenngleich sie nur ahnten, dass ihm wohl eine Lösung gekommen war, zurief: „Ab mit uns auf den Wochenmarkt und dann nach Hause! Wir haben heute was zum Feiern und müssen planen bis zum Umfallen!!!“

„Rocara!“ „Botogel!“ Stimmten Juwelchen und Tobi freudig mit ein und folgten Sven eifrig, der mit beschwingtem Schritt und laut singend das Dojo verließ.

„Hm… Schätze mal du hast ihn auf eine ziemlich gute Idee gebracht Selkie^^.“, reimte sich Joshua grinsend zusammen und hatte die Arme hinter seine Kopf verschränkt: „Und was für eine Leidenschaft er an den Tag legen kann! Einfach beachtlich!“ „Ja das sieht ganz danach aus, als ob wir ihm irgendwie helfen konnten, hihi.“, lachte Renate noch ganz amüsiert über die überbordende Freude, der Sven gerade so anheimgefallen war. „Leidenschaft hat er durchaus!“, schnaufte auch Reinhild, die sich ihr Outfit wieder zurechtmachte, ganz angetan: „Lilly und ich haben uns schon immer gefragt, warum Chantal ihn sich nicht schon viel früher gekrallt hat *kicher*!“

Und ohne, dass ihre großen Geschwister etwas merkten, grinste die junge Zauberhaar innerlich freudig über beide Ohren: Ihr heimlicher Plan, dass ihre großen Geschwister, die (noch) nichts von Fussels Dilemma wussten, Sven unwissentlich auf den richtigen Gedanken bringen könnten, war aufgegangen ^^.

Denn natürlich wusste sie selbst als leidenschaftliche Klatschbase schon seit heute Morgen dank Fanny darüber Bescheid, was für eine wichtige Lektion Sven und Fussel bezüglich ihres Problems gestern erhalten hatten und wollte nun ihren Teil dazu beitragen. „Und wie es aussieht mit Erfolg, hihi.“, kicherte sie vergnügt– wenngleich ihr Svens Abneigung gegenüber dem Cosplay noch immer nicht schmeckte und sie vom Geständnis ihrer großen Schwester doch durchaus überrascht war. Doch sie begnügte sich damit, mit den Schultern zu zucken, man kann ja nicht alles auf einmal verlangen, weswegen sich jetzt erst mal daran machte ihre älteren Geschwister aufzuklären…

Nur Lilly stand noch ganz sprachlos und wie weggetreten herum und hielt sich noch die Stelle an der Sven das Dressella geküsst hatte. „Sella :love:…“, seufzte es verträumt. Also gut küssen konnte er ja; zu schade, dass es wohl leider nicht nur mal für einen Tag aus seiner Pokémonhaut schlüpfen konnte :P!

Gegen fünf Uhr nachmittags befanden sich Sven, der immer noch fröhlich vor sich hin summte, und Juwelchen indessen bereits auf dem Heimweg und nun trug der junge Mann seinerseits zwei große Einkaufstasche aus grauem Altpapier. Er hatte sich auf dem Wochenmarkt rasch mit allem eingedeckt was er für sein ‚Festmahl‘, wie er es nannte, brauchte: Er wollte sich nämlich eine Lasagne gönnen – und zwar eine nach jenem alten Rezept, welches ihm seine Mutter damals beim Ausziehen aufgeschrieben und mitgegeben hatte. Denn diese Variation war ein wahrer Gaumenschmaus, jedoch sehr zeitaufwendig und darum etwas besonderes. Schließlich musste allein die Tamotbeerensoße circa eineinhalb Stunden lang köcheln, doch es lohnte sich! „Und so ein Schmaus ist genau das richtige für so einen wundervoll verlaufenen Tag!“, dachte sich Sven freudig und mundwässrig allein bei dem Gedanken daran.

Wie schon am Montag, so herrschte auch heute wieder ein herrliches, sommerliches Wetter. Die Sonne strahlte auch jetzt vom wolkenlosen Himmel, alle Pflanzen grünten und blühten und die Luft war weiterhin erfüllt vom Gesang der Vogelpokémon und dem wohligen Duft der Pflanzenpokémon.

Nur ein paar Dinge waren an diesem Dienstag anders als gestern: Es war nicht mehr ganz so heiß und auch der Wind hatte deutlich aufgefrischt, was der junge Mann allerdings sehr angenehm fand. Und zum anderen mischte sich ein weiteres, sehr dominantes Geräusch in die herrschende Kulisse, sowie sich Sven, der immer noch voll guter Dinge war, seinem Viertel näherte. „Hach ja…“, dachte sich der junge Mann schulterzuckend und wechselte einen vergnügten Blick mit Juwelchen, denn dies konnte ihre gute Laune nicht mehr trüben, jetzt, da er endlich wusste, wie er Fussel helfen konnte. Denn es war nun nicht mehr zu überhören:

Dietbert Strohsack und seine Coco ‚musizierten‘ mal wieder – das war wohl auch der Grund, warum Sven keinen seiner anderen Nachbarn, trotz des schönen Wetters, in deren Gärten vorfand^^.

Aber das störte ihn heute nicht weiter, dafür war er viel zu glücklich. Stattdessen beschleunigte er seinen Schritt nur, damit er schneller nach Hause kam, schließlich gab es noch einiges zu tun!

Wie ein Wirbelwind hatte der junge Mann dort die Vorbereitungen für sein Festmahl abgeschlossen, als halbwegs guter Hobbykoch hatte er ja schon Übung darin, sodass nach zehn Minuten die Tamotbeerensoße bereits köchelte und nach weiteren zehn Minuten auch die Béchamelsoße fertig, sowie der Käse gerieben war. Jetzt hieße es warten und genau diese Zeit wollte er nun nutzen!

Zunächst entließ er Fussel aus seinem Ball – es war das erste Mal seit der Niederlage gegen Vater Soulas gestern. Und dennoch kam dieses auch nur sehr widerwillig zum Vorschein, was Sven dazu zwang, den Ball schleunigst wieder zu schließen, als Flamara draußen war, da es sonst sofort wieder in diesen zurückgegangen wäre.

„Mara…“, seufzte es und sah unglücklich und beschämt zu Boden. Die Art und Weise wie der Champ Fussel gestern den Kopf gewaschen hatte wirkte immer noch nach, denn auch heute noch wurde es von diesen heftigen Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen geplagt und konnte den Anderen immer noch nicht in die Augen schauen. Und das auch noch zu Recht!

„Hey Fussel genug Trübsal geblasen!“, meinte der junge Mann ganz sanft zu seinem Pokémon und schob ihm dessen gut gefüllten Napf vor die Schnauze: „Iss doch ein bisschen was, dann wird es dir sicherlich besser gehen. Und danach lassen wir dich auch in Ruhe für heute, ja?“ „Flam…“, machte es unlustig, doch da seine Teammitglieder und auch sein Trainer es so bittend ansahen, zwang es sich dazu ein paar Bissen zu nehmen, obwohl es nach wie vor keinerlei Appetit hatte. Und nach einer ganzen Woche sah man dies dem Feuerpokémon nun doch so langsam an; vor allem dessen Flanken wirkten mittlerweile ziemlich eingefallen.

„Flamara…“ Bittend und traurig sah Fussel seinen Trainer anschließend an und wollte damit ausdrücken, dass es wieder in seinen Ball zurück und dann an irgendeinen ruhigen Ort gelegt werden möchte. Es hielt es bei seinen Freunden einfach nicht aus, es fühlte sich zu mies und schuldig und wollte einfach alleine sein…

Sven erfüllte seinem Pokémon natürlich diesen Wunsch und legte den Ball dann, schön auf einem Kissen drapiert, auf das Sofa im Wohnzimmer. Er selbst sowie Juwelchen und Tobi würden sich jetzt sowieso in der Küche aufhalten. Doch auch wenn es Fussel nun auch nicht mehr so schlecht wie an den Tagen vorher ging und ihm ja eine Lösung in den Sinn gekommen war, hatte er dennoch einen kleinen Stich im Herzen bei dessen traurigen Anblick verspürt.

Dieser Trübsinn verflog glücklicherweise rasch wieder, als er sich ein Notizbuch, eine Karte der näheren Umgebung und den Laptop schnappte und sich zusammen mit Juwelchen und Tobi an die Ausarbeitung seines Planes machte. Das Ganze machte natürlich noch mehr Spaß, weil sie diesen Plan heimlich wie eine Kriegslist ausheckten, da sie nicht wollten, dass Fussel vorzeitig etwas davon erfuhr. Zudem war Sven so voller Vorfreude darauf, denn er zweifelte nicht daran, dass es ihm damit gelingen würde, Fussel aus seinem Loch zu locken. Juwelchen und Tobi teilten dieses Gefühl und bestärkten ihren Trainer selbstredend in dessen Zuversicht.

Nach Abschluss ihrer umfangreichen und sorgfältigen Planung war in der Zwischenzeit die Lasagne bereits in den Ofen gekommen und würde nun auch schon bald fertig sein. Schon waberte der köstliche Duft durch das ganze Haus und Svens Magen begann sofort lautstark zu knurren, als er diesen bewusst wahrnahm. Dies war aber wenig verwunderlich, denn er hatte ja seit Mittag nichts mehr gegessen und sich zuerst körperlich im Dojo und nun auch noch hier geistig angestrengt.

„Aber hat sich wirklich gelohnt, Leute!“, fasste der junge Mann hochzufrieden zusammen, räumte nach und nach den Küchentisch frei und lächelte freudig: „Morgen wird ein ganz großer Tag!“ Beim Blick auf die Uhr stelle er fest, dass er trotzdem noch fünf Minuten hatte, bis das Essen komplett soweit war und ihm kam in den Sinn, Chantal anzurufen, um ihr schnell alles zu erzählen. Vielleicht war sie ja schon wieder daheim?

„Was denn Tobi?“, erwiderte Sven, der schon wieder dieses verliebte Lächeln auf der Backe hatte, angesichts des strengen Blicks von Botogel verlegen und ertappt: „Ich will und kann ihr wirklich in den paar Minuten, die das Essen noch braucht, alles sagen! Du glaubst doch nicht, dass ich mit ihr ein ellenlanges Gespräch anfangen und damit riskieren würde, dass ich die Lasagne im Ofen verbrennen lasse, nur weil ich vor lauter Verliebtheit nicht mehr daran denke :oops:… Als ob ich alles um mich herum vergessen würde, wenn ich nur ihre wunderschöne Stimme hören würde :love:…“

„Togel!“ ‚Doch ganz genau das ist zu befürchten, du rettungsloser Romantiker…‘

„Ihr ruf‘ sie trotzdem an!“, entschied der junge Mann hochrot im Gesicht und drehte sich dabei um, damit er den vorwurfsvollen und besserwisserischen Ausdruck von Tobi nicht sehen musste. Er versuchte auch gar nicht auf das theatralische Seufzen des Lieferantenpokémon zu achten und tippte schon verträumt die Nummer in den PokéCom ein.

Es begann zu tuten, doch anders als sonst, hob Chantal nicht sofort ab, sodass Sven sich in seiner verliebten Ungeduld schon damit abfand, dass sie entweder zu beschäftigt oder schlicht und ergreifend doch noch nicht Zuhause war.

-Dingdong!-

„Was? Die Haustür?“, stammelte der junge Mann erst mal verwirrt und Begriff anfangs nicht. Da aber Juwelchen und Tobi bereits vorausgingen, legte er seinen PokéCom ab und folgte ihnen; er wollte ja diesen unerwarteten Besuch nicht nur von seinen Pokémon empfangen lassen.

„Hallöchen Sven!“, grüßte ihn dort Chantal, kaum, dass er die Türe geöffnet hatte, sofort mit einem freudigen und verschmitztem Lächeln, weil sie schon erwartet hatte, dass ihr Freund von diesem spontanen Besucht positiv überrascht sein würde.

Die junge Frau trug heute auch ausnahmsweise keinen Kimono, sondern ‚gewöhnliche‘ aber sehr feine Kleidung, was wohl mit ihrem arbeitsbedingtem Termin zusammenhing, hatte ihre Haare ebenfalls offen und hielt ihre Marbel im Arm, welches auch seinerseits den jungen Mann sowie Juwelchen und Tobi begrüßte. Und obwohl Chantal äußerst zufrieden und glücklich mit dem Verlauf ihres Tages wirkte, konnte Sven ihr dennoch ansehen, dass sie – genau wie er selbst – auch redlich erschöpft war und sich nun noch einen schönen Abend machen wollte.

„*Kicher* Hast du mir nachspioniert?“, wollte sie zum Spaß wissen und kicherte dabei weiter amüsiert: „Ich bin nämlich just in diesem Augenblick erst hier angekommen und kaum, dass ich ein paar Meter vor deinem Haus stand, läutet mein Holo-Log und zeigt mir deine Nummer an, hihi! Also dachte ich mir, dass ich doch gleich direkt bei dir vorbeischneien kann. Mami und Papi haben mir nämlich heute Mittag eine Nachricht geschickt und ich denke mal, mein heiß geliebter Freund möchte mir sicherlich schildern, wie glorreich er sogar im Beisein des Champs gegen Vater Soulas abgeschmiert ist :P?“

„Oh nicht nur das!“, entgegnete Sven ganz stolz, stemmte angeberisch die Hände in die Hüften und meinte mit leuchtenden Augen: „Ich glaube… Nein! Ich bin überzeugt davon, dass mir dadurch auch endlich die Lösung für Fussels Dilemma in den Sinn gekommen ist!“ „Wirklich?!“, entfuhr es seiner Freundin schlagartig ganz begeistert und erleichtert: „Das wäre wirklich fantastisch Sven! Du musst mir unbedingt alles erzählen, jetzt gleich!“

Dann hielt sie jedoch inne und schnupperte wie ihr Zorua hochinteressiert, da der köstliche Duft der inzwischen längst fertigen, aber immer noch im Ofen befindlichen Lasagne in der Luft lag. „Hm… Das riecht aber lecker!“, fand Chantal, deren Magen augenblicklich zu knurren anfing, und sog nochmals prüfend und genießerisch die Luft ein: „Mal sehen… Nudelplatten aus Hartweizengries… Zwei Sorten von Käse… Gemüse wie Lauch, Karotten und Zwiebeln…Tamotbeeren und Béchamelsoße… Gewürzt mit Salz, Pfeffer, Suppenbrühe und einer speziellen Kräutermischung… Ganz klar: Du hast dir wieder mal diese köstliche Lasagne gemacht!“

„Wow!“, machte der junge Mann beeindruckt: „Du hast eine ganz schön feine Nase Chantal!“ „Ach danke, wenn ich hungrig bin hab ich schon immer eine gute Mahlzeit in all ihren Einzelheiten zehn Meilen gegen den Wind wittern können :D!“, gab die junge Frau geschmeichelt zurück, bevor ihr Magen erneut knurrte und sie ihren Freund bittend mit großen Augen ansah: „Hättest du etwas dagegen, wenn ich bei dir mitessen dürfte? Ich hab nämlich den ganzen Tag noch nichts Ordentliches gegessen und hätte mir wohl nur schnell irgendwas zusammengekocht. Aber deine Lasagne riecht sooo gut und du könntest mir ja dabei auch alles erzählen… Also darf ich, bitte? Bitte? Bitteee?“

„Selbstverständlich darfst du… Uah!“, entfuhr es Sven überrumpelt, denn voller Freude war ihm Chantal bereits um den Hals gefallen, hatte ihm einen Kuss auf die Stirn gedrückt und zog ihn nun in Windeseile mit in die Küche „Oh danke Sven!“, rief sie dabei glücklich und ganz aufgedreht, weil sie gleich etwas zwischen die Kiemen bekommen würde: „Los doch, los! Deck den Tisch Sven, schalt den Ofen aus, hol das Besteckt und was zu trinken, damit wir anfangen können!!!“

„Äh… Ja klar… Mach ich schon…“, stammelte der junge Mann für einen Moment noch ganz benommen von diesem ‚Überfall‘, der seine Knie schon wieder weich werden lies – jetzt hatte sie ihn sogar schon vor Freude geküsst :love:…. Doch das währte nicht lange, schließlich knurrte sein Magen ja ebenfalls schon heftig, zumal ihm auch gerade wundervoll bewusst wurde, dass er ja jetzt zusammen mit seiner Liebsten speisen UND ihr sogar noch alles erzählen konnte! –Gab es etwas Schöneres?

„Boo…“, stöhnte Tobi genervt, obwohl es sich ja heimlich für das Glück seines Trainers freute, hielt sich bewusst abseits, um die beiden Verliebten unter sich zu lassen, und aß in aller Ruhe eine Pirsifbeere. Diese hatten binnen kürzester Zeit, den Tisch gedeckt, Gläser und eine große Flasche Beerenschorle bereitgestellt um endlich (!) die dampfende, köstlich aussehende Lasagne aus dem Ofen zu holen.

„Okay Sven dann schieß mal los!“, forderte die junge Frau ihren Freund ganz neugierig auf und lud sich dabei ohne falsche Bescheidenheit mal eben die Hälfte der Lasagne, welcher in einer großen 40x25x5 Auflaufform war und diese fast bis zum Rand auffüllte, auf den Teller. „Nur zu gern meine Liebe.“, erwiderte Sven immer noch vor Freude über diesen genialen Einfall strahlend, während er sich lediglich mit einem Viertel der Lasagne, welches ihm mehr als ausreichte um satt zu werden, begnügte.

Also begann er ausschweifend zu erzählen: Angefangen von der seltsamen Einladung ins Kunstmuseum, über den die Hilfe von Vater Soulas und des Champs bis hin zu seiner genialen Idee, auf die ihn Renate gebracht hatte. Die Worte sprudelten förmlich aus ihm heraus, denn er war so froh darüber, endlich mit seiner Freundin darüber reden zu können und unbewusst fiel auch nach und nach diese Last, die Fussels Zustand seinem Herzen aufgebürdet hatte, von ihm ab. Denn auch jetzt zweifelte er nicht im Geringsten daran, dass er Fussel so helfen könne. Nur ab und zu hielt er inne um einen kleinen Bissen von seiner wirklich gelungenen Lasagne zu nehmen, oder einen Schluck zu trinken.

Aufmerksam hörte Chantal ihrem Freund derweil zu, freute sich ehrlich mit ihm über diesen rettenden Einfall und war heimlich sogar etwas neidisch auf ihn, weil man ja nicht alle Tage einfach so Hilfe vom Champ erhält – und sogar einen kleinen Blick in dessen Privatgalerie erhaschen konnte. Außerdem war sie ziemlich stolz auf den jungen Mann, weil er sich jetzt schon so gut gegen einen Arenaleiter behaupten konnte. Und das, obwohl er bald erst seit einem Monat ein Trainer war!

Anders als Sven schaufelte die junge Frau dabei aber gleichzeitig mit einem beachtlichen Tempo ihren Anteil des Essens in sich hinein. Sie war ja nicht umsonst, trotz ihrer schlanken und sportlichen, ja fast etwas mageren Figur, eine Meisterin im Wettessen und wurde ‚die gepflegte Verschlingerin‘ genannt!

Denn anders als die meisten Leute verlor Chantal selbst beim größten Hunger nie ihre gute Etikette und machte selbst jetzt, angesichts dieses wirklich fantastischen Essens, welches man am liebsten mit bloßen Händen in sich hineinstopfen möchte, weiterhin von Messer und Gabel gebrauch und aß trotz ihrer Geschwindigkeit so anständig, dass ihre feine Kleidung nicht mal den kleinsten Fleck abbekam. Sven zeigte sich angesichts dieser Disziplin durchaus beeindruckt und fühlte sich vor allem aber sehr geehrt von der Tatsache, dass seiner Freundin seine Lasagne scheinbar so gut schmeckte. –So gut sogar, dass sie auch noch die Hälfte des bisher übrig gebliebenen Viertels auch noch restlos und mit der gleichen Begeisterung verzehrte, während der andere Teil ihrer Marbel zugutekam. Ihr Zorua hatte nämlich auch noch etwas Hunger gehabt, aber wollte nicht wirklich was von Fussels Futter annehmen – ein Umstand, denn weder Juwelchen noch Tobi groß wunderte.... Stattdessen saß keine Sekunde darauf einfach wieder ein kleines Mädchen mit am Küchentisch und aß mit der gleichen Hingabe wie Chantal ihren Anteil auf, sodass von der Lasagne, die Sven allein noch für zwei bis drei Mahlzeiten gereicht hätte, nichts mehr übrigblieb.

„Boah, war das lecker! Ein großes Lob an die Küche *kicher*!“, lachte die junge Frau ausgelassen und hochzufrieden, tupfte sich mit einer Serviette etwas die Lippen ab und massierte ihren, trotz dieser enormen Menge an Essen, höchstens ansatzweise aufgeblähten Bauch. „Und was Fussel betrifft kannst du dich morgen voll und ganz auf meine Hilfe und die meiner Pokémon verlassen!“, unterstrich Chantal dann gleich viel ernster und entschlossen und schenkte Sven ein aufmunterndes Lächeln: „Dieser Einfall ist so gut, der muss einfach klappen! Das sagt mir sogar meine weibliche Intuition, hihi!“

„Juwelchen, Tobi und ich werden unser Bestes geben, dass es auch so laufen wird!“, bestätigte der junge Mann, welcher dankbar zurücklächelte und seiner Freunden verliebt in die Augen sah. Jetzt hatte er einfach noch Lust dazu, etwas Zeit mit seiner Freundin zu verbringen – er würde es schon überleben, wenn er sich erst eine Stunde später aufs Ohr hauen würde^^.

Doch dann blickte sich Chantal kurz um und schaute Sven etwas verstohlen an: „Du hast nicht zufällig noch einen kleinen Nachtisch hier, oder :D?...“

Auch wenn der junge Mann leider keinen solchen zur Hand hatte, verbrachten er und seine Freundin noch einen schönen, entspannenden Abend, der voller Vorfreude auf den kommenden großen Tag war.

Und wie jeder Wochentag fing dieser zunächst ganz gewöhnlich mit der Arbeit an…

…aber nur auf den ersten Blick, denn heute verließ Sven seinen Betrieb bereits um halb Zehn!

Zwar verbot es ihm sein Stolz sich kurzfristig einfach so einen Tag frei zu nehmen, doch die Umsetzung seiner Idee war ihm aber dennoch wichtig genug, seinen Meister gestern noch zu bitten, dass er heute früher aufhören konnte. Selbstredend ging Maître Hourdequin sofort darauf ein, denn natürlich lag es ihm am Herzen, dass sein Geselle seinem Pokémon endlich helfen konnte. Wie seine Angestellten war Svens Meister nämlich immer noch maßlos bestürzt und erzürnt über diese dreckige Geschichte, die man Fussel angetan hatte. Je eher der junge Mann dieser Sache also ein Ende bereiten konnte, desto besser!

Deshalb spielte es auch keine Rolle, dass es eigentlich wenige Wochen vor dem Urlaub wegen diesem und den zahlreichen Touristen deutlich mehr Arbeit gab. (Die hiesigen Kunden bestellten und kauften nämlich jedes Jahr aufs Neue immer so viel im Vorfeld, als würde es die Bäckerei nach diesen drei Wochen nicht mehr geben :roll:…) Schließlich waren Conkeldurr und die anderen Pokémon des Chefs, sowie natürlich auch die anderen Angestellten wie Estelle oder Zephyre nicht aus Zucker.

Aus diesem Grund nahm Sven ganz gerührt die ganzen Glückwünsche entgegen, als er sich dann zusammen mit Juwelchen auf den Heimweg machte und versprach seinen Kollegen, ihnen so schnell wie möglich vom Ausgang seiner Anstrengungen zu berichten. Allen voran selbstverständlich Reinhild und Lilly, die als Klatschbasen doch so früh wie möglich solcherlei Neuigkeiten erfahren wollten :P!

Das Dressella den jungen Mann dabei anhimmelnd ansah und ihm Luftküsse zuwarf, bemerkte dieser in seinem Eifer gar nicht und dann zog die Verkäuferin ihr Pokémon auch wieder mit sich und seufzte. Sie hatte sowas schon befürchtet…

Derweil hatte sich Sven draußen an der Haltestelle bereits seinen Helm aufgehockt, da düste auch schon Rotom aufgeregt heran, wusste dieses doch, dass es sogar dabei sein durfte, wenn der junge Mann seinen Plan ausführen würde. „Roto! Rotom!“, grüßte das Plasmapokémon darum die beiden fröhlich aus seinem R-Bike heraus. „Rocara!“, antwortete Juwelchen genauso freudig und ungeduldig, weswegen es sofort in seinen Korb hüpfte, den das Fahrrad nun seit dem Tag, an dem Sven seine Pokémon mit zur Arbeit nahm, vorne am Lenker hatte und Sven beeilte sich, dass er in den Sattel kam.

„Okay, lass uns losfetzen!“, rief der junge Mann enthusiastisch aus und trat in die Pedale, denn er war genauso aufgekratzt wie die beide. Dabei wurde ihm wieder wie so oft schon an diesem Tag bewusst, was für ein fähiger Meister Wunibald doch war, denn er spürte vom gestrigen Training nur ein leises Ziehen in seinen Muskeln, welches man nicht mal einen Muskelkater nennen konnte . Während dieser kurzen Fahrt sog Sven genießerisch die würzige, feuchtkühle Luft ein, welche ein Sommertag nach einem starken Regenguss zu eigen hatte, und frohlockte dadurch noch mehr, weil ihm diese Witterung genauso zusagte, wie ein Sonnentag.

Ein kleines, aber dafür heftiges Gewitter, samt Starkregen und kräftigen Windböen, hatte sich im Verlauf dieser Nacht im Gebiet rings um Regelsberg entladen und dafür gesorgt, dass es heute angenehm kühl war und der Himmel noch voller dicker, bauschiger Wolken hing, die ein träger Wind nur mühsam auseinander riss. Deswegen linste die Sonne immer nur ganz kurz hie und da aus den blauen Lücken hinunter und so herrschte an diesem Morgen eine gedämpfte Helligkeit, die etwas Entspannendes an sich hatte.

Solcherlei Gewittern, die völlig ohne Vorwarnung auftauchten; denn gestern war es ja bis zum Abend noch völlig unbewölkt und auch nicht im Geringsten schwül gewesen; sagte man bis heute nach, dass sie das Werk eines legendären Elektropokémon wären. Je nachdem wie viel Schaden oder Nutzen diese Erscheinung verursacht machte man entweder die legendären Pokémon Voltolos, Raikou, Zapdos oder Zekrom dafür verantwortlich und selbst die moderne Wissenschaft konnte sich dieses so urplötzliche und ohne Vorwarnung entstehende Wetterphänomen bis heute nicht anders erklären.

Doch ganz gleich welches dieser vier legendären Pokémon angeblich von seiner Macht, Gewitter zu erzeugen, Gebrauch gemacht hatte: Für die Natur war es eine willkommene Erfrischung gewesen. Das Grün der Pflanzen und Pflanzenpokémon wirkte nach diesem heftigen Guss noch frischer und kräftiger und die Farbenpracht und vor allem der Duft der zahllosen Blüten erfüllte die Luft noch intensiver als zuvor.

Nur die Bauern ärgerten sich, denn weil die Heuernte ansteht beziehungsweise schon im Gange war und auch das Getreide schon sehr hoch stand, hatte dieses Gewitter etliche Halme umgeknickt und eigentlich fast schon fertig getrocknetes Heu wieder völlig durchnässt. Früher war dies eine durchaus ernst zu nehmende Katastrophe gewesen, wurde doch manchmal nur in einer wilden Nacht die Arbeit von Monaten und manchmal auch die komplette Ernte zunichte gemacht. Heute, dank der Hilfe der Pokémon und einer guten Organisation, war so etwas glücklicherweise nur ein kleines Ärgernis. Pokémon wie Tauboss, Ramoth und Vulnona wurden dazu benutzt, das nasse Heu durch die Luft zu wirbeln und unter der Hitze, die das Fuchspokémon durch seine Dürrefähigkeit absonderte, rasch zu trocken. Und Pflanzenpokémon wie Meganie konnten durch ihren heilsamen Atem oder ähnlicher Fähigkeiten die umgelegten Ähren fast gänzlich wieder beleben und aufrichten, sodass sich die Schäden sehr in Grenzen hielten.

Sven wunderte sich indes darum nicht, dass zahllose Traktoren oder Fahrzeuge des hiesigen Bauernverbandes die Straßen von Regelsberg an diesem Morgen beherrschten. Denn nichtsdestotrotz gab es wegen dieses Gewitters einiges zu tun! Und bei diesem Gedanken musst er schmunzeln, weil es bei ihm doch nicht anders war^^.

Bald hatte der junge Mann auch schon sein Haus erreicht und lächelte erfreut, da vor diesem bereits ein Fahrradanhänger stand. „Okay, warte hier bitte einen Moment hier Rotom, ich mach mich nur schnell frisch, hol Fussel und dann geht’s gleich weiter!“, erklärte Sven dem Plasmapokémon anschließend und flitzte mit Juwelchen ins Haus. Er war so aufgeregt, dass er sich wirklich nur rasch duschte, frische Sachen anzog und sein Essen in Form von belegten Semmeln in seinen ansonsten schon vorbereiteten Rucksack packte – er konnte jetzt unmöglich noch einen Bissen runterbringen.

Gemeinsam mit Juwelchen und Tobi, welches der junge Mann aus seinem Ball gelassen hatte, verließ er dann sein Haus nach nicht mal einer Viertelstunde schon wieder und eilte die Böschung zum Ufer des Aigre hinab, wo bereits Chantal samt einigen ihrer Pokémon, dem Faulen Joe und eben auch Fussel bereits warteten.

„Und da bist du ja schon, hihi!“, begrüßte ihn seine Freundin, die bis eben noch mit Henner, Gladius und Marbel einfach zufrieden auf einer rotkarierten Picknickdecke im noch feuchten Gras gelegen war, sofort amüsiert und kam ihm entgegen: „Was Pünktlichkeit betrifft bis du wirklich unschlagbar, dass muss man dir lassen *kicher*!“ „Na hör mal, Pünktlichkeit ist die Tugend der Könige, haha.“, scherzte Sven fröhlich und begutachtete das Idyll, welches sich ihm bot, einen Moment:

Wie schon erwähnt lagen die beiden Kampfpokémon entspannt auf der gemütlichen Decke und sahen den Wolken beim vorbeiziehen zu, während das kleine Zorua sich bis eben eingerollt und geschlafen hatte und nun Sven grüßend zublinzelte. Doch Lohgock und Galagladi hatten ganz im Sinne gewissenhafter Wächter immer heimlich die Geschehnisse direkt am Aigre im Auge behalten.

Dort kauerte Fussel nachdenklich und achtlos im nassen und von zahllosen farbenfrohen Blumen durchsetzten Gras und betrachtete mit skeptischem, ja fast zynischem Blick sein Spiegelbild im Wasser und seufzte dann und wann leise. Es fühlte sich nicht ganz wohl hier zwischen all den anderen Pokémon, doch Sven hatte wohlweißlich Fussels Ball mit auf die Arbeit genommen, denn heute wird sich nicht zurückgezogen!

Derweil lag zusammengerollt der Faule Joe direkt daneben und wie auch immer das Vipitis das anstellte, so spielte es für Flamara eine traurige Melodie auf einem großen, abgerissenem Stück Schilfgras wie bei einer Grasflöte. Diese hörte sich trotzdem sehr schön an und zu seiner Freude bemerkte der junge Mann, dass Fussel dieses Spiel sehr zusagte, wenngleich es sich um einen neutralen Gesichtsausdruck bemühte.

Auch Tinkerbell und Fräulein Flauschig gaben ihr Bestes, um das Feuerpokémon aufzuheitern. So schwamm das Reißlaus dicht unterhalb der Wasseroberfläche und hatte sich von Chantal die Rückenflosse eines Tohaido aus Plastik umbinden lassen. Damit zog es dicht vor Fussel und begleitet von ‚bedrohlichem Blubbern‘ seine Kreise und imitierte den Horrorfilm ‚Das weiße Tohaido‘. –Das war ein alter Pokéwoodstreifen, der schlicht davon handelte, dass ein schneeweißes, übergroßes Brutalpokémon haufenweise Menschen frisst. (Nach Angaben des Regisseurs aber zeigt sich das wahre Potenzial des Filmes erst, wenn man ihn sich rückwärts ansieht. Denn dann zeigt er ein Tohaido, welches so lange Menschen ausspuckt, bis diese eine Strandbar eröffnen…)

Fräulein Flauschig tänzelte derweil federleicht über dem Wasser und tat so, als ob es vor dem gefährlichen ‚Tohaido‘ die Flucht ergriff und dabei lachten beide so fröhlich, dass Fussel ein ganz leichtes Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Aus dem kleinen Waumboll war übrigens in der Zwischenzeit ein Elfun geworden und der Grund dafür hing ebenfalls mit Fussels Dilemma zusammen:

Der junge Mann hatte nämlich wegen des Ärgers mit dem falschen Evolutionsstein vom Inhaber des Stein&Fein Geschäfts nachträglich noch einen Sonnenstein samt einer ehrlichen Entschuldigung geschenkt bekommen. Da Sven kein Pokémon besaß, welches mit so einem Stein etwas anfangen konnte, war er alsbald auf den Gedanken gekommen, diesen wiederum Chantal zu schenken. Die junge Frau hatte sich riesig über diese Geste gefreut und über das Gesicht des jungen Mannes huschte auch jetzt noch ein freudiges Lächeln, als er daran dachte.

Denn weil Fräulein Flauschig schon länger nach Entwicklung strebte, kam dieser sehr gelegen, weshalb es jetzt als Elfun zusammen mit Tinkerbell versuchte, Fussel gänzlich zum Lachen zu bringen. El Elfun!“, rief das Pflanzenpokémon freudig und das Laufschrittpokémon stimmte mit ein: „Reißlaus^^“ ‚Komm schon Fussel! Lach doch mal, das wird dir guttun!‘

„Mara…!“, schnaubte dieses ärgerlich, sah wieder auf sein wegen der Strömung leicht verschwommenes Spiegelbild, seufzte erneut und schämte sich so.

Ein wirklich tolles Pokémon war es doch! Es hatte nicht mal die Kraft aufbringen können seinem Trainer oder seinen Teamkollegen zu helfen! Und es spürte nach wie vor, dass es sich nicht mal aufraffen könnte, wenn einer seiner Freunde in Lebensgefahr schweben würde! Das, das war für Fussel das Schlimmste! Nur weil es im falschen Körper steckte fiel es allen doch nur zur Last und deswegen verbot es sich selbst, zu lachen oder fröhlich zu sein. Das hatte es doch gar nicht verdient!

„Sei doch nicht so streng mit dir Fussel!“, sprach da Sven sanft zu seinem Pokémon und weil dieses das Spiegelbild seines Trainers neben ihm im Wasser sah, hob es fragend den Kopf: „Mara?“ „Klar ist einiges schiefgelaufen, aber das biegen wir heute gerade! Schließlich trifft dich doch gar keine Schuld!“, erklärte der junge Mann Flamara entschlossen, worin er von Juwelchen, Tobi und auch allen anderen Pokémon unterstützt wurde: „Also raff dich auf Fussel! Wir vier Hübschen unternehmen jetzt einen kleinen Ausflug!“

„Flam?“, machte Fussel etwas unwillig, denn eigentlich hatte es keine Lust auf so etwas. Doch dann quiekte es empört, da Henner das Feuerpokémon einfach hochhob und in den gepolsterten Anhänger, den Chantal und Marbel schon vorbereitet und an das R-Bike angebracht hatten, hineinsetzte. „Botogel!“, rief Tobi aufgeregt und pflanzte sich seinerseits auch hinein, während Juwelchen mit einem freudigen ‚Rocara!‘ in seinem Korb vorne Platz nahm.

„Togel!“, meinte das Lieferantenpokémon aufmunternd und knuffte Fussel in die Seite. ‚Tu wenigstens so, als ob du dich freust, denn das, was wir jetzt vorhaben, wird einfach klasse!‘

„Nun denn…“, begann Chantal die sacht die Hände ihres Freundes ergriffen hatte und ihm tief in die Augen sah: „Dann wünschen meine Pokémon und ich euch viel Erfolg bei eurer ‚Mission‘.“ „Oh danke Euch, das wird schon, da bin ich sicher!“, entgegnete der junge Mann dankbar und verliebt und erwiderte diesen Blick.

Ihn störte es nicht im Geringsten, dass Chantal diesen kleinen Abschied so aufbauschte. Im Gegenteil: Er genoss es förmlich, dass er jetzt ihre Hände halten durfte und sie ohne falsche Scheu solche Vertraulichkeiten austauschen konnten.

„Und noch dir noch mal vielen Dank dafür, dass du dir heute früh extra noch die Zeit genommen hast um bei Fussel sein zu können.“, fügte Sven noch hinzu, denn auch wenn es nicht so aussah, hatte es Chantal einiges an Planungsarbeit gekostet um sich den heutigen Morgen frei zu halten. Jetzt, da die Urlaubsaison richtig anlief, gab es für Pokéballdesigner reichlich Arbeit, da nicht wenige Touristen sich einen solchen selbst designten Pokéball als Andenken an diesen Urlaub oder als Präsent für die ‚Daheimgebliebenen‘ kauften.„Für dich doch immer^^.“, entgegnete seine Freundin geschmeichelt und lächelte verführerisch.

„Zorua!“, sprach Marbel derweil im Namen aller Pokémon freundlich und wünschte dem jungen Mann und seinen Pokémon ebenfalls viel Glück. Und angesichts dieser Szenerie sah sich der Faule Joe dazu veranlasst nun eine romantische Abschiedsmelodie auf seinem Grashalm zu spielen und lies erneut die Frage aufkommen: Wie macht dieses Vipitis das nur :huh:?

„Und es ist wirklich in Ordnung, dass ich das alleine mache?“, fragte Sven noch zum Abschied, als er nach einer Weile ihre Hände losgelassen, sich seinen Helm aufgesetzt und bereits in den Sattel geschwungen hatte. „Ach du Dummerle!“, gab die junge Frau lachend zurück und knuffte ihrem Freund in die Schulter: „Es gibt Dinge die ein Trainer und seine Pokémon allein durchziehen müssen! Das ist einfach so und darum finde ich es auch gut, dass du extra dorthin fährst, wo du ungestört bist.“

Mit einem frechen Grinsen fügte sie noch hinzu und hob dabei mahnend ihren rechten Zeigefinger: „Was absolut nicht in Ordnung wäre ist, wenn ich nicht die erste Person hier bin, die vom Ausgang deines Plans erfährt, klar? Also mach endlich das du fortkommst, sonst stehen wir noch bis Mittag hier rum^^.“ „Hehe, na gut! Dann sehen wir uns später für eine kleinen Plausch… Meine Süße!“, entgegnete der junge Mann gut aufgelegt, nahm all seinen Mut zusammen und drückte nun seinerseits Chantal einen leichten Kuss auf die Wange, düste dann ganz, ganz schnell los und jubelte innerlich, weil es sich so gut anfühlte und er es endlich auch geschafft hatte :lol:!

„Huch!“, konnte die junge Frau zunächst noch machen, hielt sich leicht errötend ihre Wange, bevor sie voller Freude ihr versammeltes Team betrachtete, dann wieder ihrem Freund nachsah und grinsend meinte: „Ich hätte nie gedacht, dass Sven nicht nur in Sachen Trainerdasein so schnell dazulernt , hihi!“

Fröhlich pfeifend bretterte Sven derweil zunächst den gleichen Weg entlang, der ihn aus seinem Viertel in Richtung der Regelsberger Leiten bringen würde. Doch kurz davor bog er ab und folgte nun einfach einem langen und gut ausgebauten Fahrradweg, welcher zwischen dem Waldrand und den zahllosen Feldern, Wiesen, Hecken und Hainen verlief.

Die Sonne hatte sich inzwischen wieder heraus gekämpft und es versprach erneut ein angenehm warmer und heiterer Sommertag zu werden. Sowohl Juwelchen vorn in seinem Korb als auch Tobi hinten im offenen Anhänger summten ausgelassen mit ihrem Trainer mit und genossen es die Gegend so an sich vorbeirauschen zu sehen und sich vom Fahrtwind umwehen zu lassen.

Anders als noch vor ein paar Wochen um diese Zeit herrschte heute aber kein ruhiges Idyll, denn wegen des Gewitters wimmelte es auf den Feldern nur so vor eifriger Betriebsamkeit. Überall sah man die Pokémongruppen des Bauernverbandes wie sie nach und nach die Schäden auf den Feldern und Wiesen wieder behoben um sich gleich darauf dem nächsten zu widmen. Und kaum war eine solche Wiese wiederhergestellt, setzte sich ein bereits wartender Traktor mit Mähwerk in Bewegung um das sehr hohe, saftig grüne Gras wieder ‚richtig‘ umzulegen. Manchmal wurden dadurch Pokémon wie Nagelotz oder Fasasnob aufgescheucht, die laut schimpfend Reißaus nahmen, obwohl sie ja das Spiel schon kannten, während sich die meisten anderen für diesen Zeitraum einfach in die Leiten zurückzogen.

Andere Bauern waren unterdessen schon einen Schritt weiter und sahen zu, dass sie das dank der Pokémon gerettete, schon angetrocknete Heu mittels ihrer Wendegeräte ordentlich herumwirbelten, damit es in der Sommersonne bald gänzlich fertig werden würde. Die Luft war jetzt schon regelrecht gewürzt vom dessen unvergleichlichen und aromatischen Duft und trotz der vielen Traktoren war es längst nicht so laut und lärmend wie man meinen konnte. Schließlich waren diese entweder ‚gewöhnliche‘ mit leistungsfähigen Elektromotoren ausgestattete Modelle oder sogar ‚R-Traktoren‘, aus deren Scheinwerfer fröhlich die Gesichter zweier Rotom linsten, sodass nur ein durchdringendes Surren in der Gegend wiederhallte.

Unter diesen Bauern war aber (was denn auch sonst?) auch Granbullkopf und trotz seiner guten Laune kam Sven um einen Stoßseufzer nicht herum, als er diesen Lump in seinem geradezu monströs großem, grasgrünen Traktor erblickte, wie er dort auf einer seiner Wiesen gerade sein fast fertiges Heu wendete. Denn natürlich hatte dieser Kerl Flächen rund um ganz Regelsberg; es gab fast keinen Weg am Rande der Stadt, der nicht irgendwo an eines seiner Stücke grenzte.

Doch diese unliebsame Begegnung konnte die Stimmung des jungen Mannes und seiner Pokémon nicht lange trüben. Er gönnte sich sogar jetzt schon wieder ein richtig schadenfrohes, freches Grinsen, weil er sah, was für eine fürchterliche Laune Buteau hatte, deren Grund ganz einfach war: Wie man sich fast schon denken konnte, war Granbullkopf; der sein Geld übrigens Zuhause wie ein Pachirisu hortete, da er den Banken misstraute; wegen seines Geizes und seiner Unbeliebtheit kein (zahlendes) Mitglied irgendeines hiesigen Bauernverbandes. Darum saß er nach so einer schlechten Witterung wie gestern Nacht entweder auf seinem Schaden oder musste eben extra tief in die Tasche greifen, wenn er die gleichen Annehmlichkeiten wie die anderen, ehrbaren Bauern genießen und die Hilfe spezieller Pokémon in Anspruch nehmen wollte.

Und offensichtlich war Buteau für die Rettung seines Heus sogar bereit gewesen, seinen Geiz zu bezwingen, was ihm aber nicht nur Geld kostete. Denn Sven konnte neben der Wiese Herrn Hardy, einen der Vorsitzenden des Verbandes, mit seinem Vulnona und seinem Tauboss sehen, wie er, an seinen Wagen gelehnt, genüsslich und betont langsam die Geldscheine nochmals zählte, nur um Granbullkopf zu ärgern. Dessen Gesicht verzerrte sich nämlich immer zu einer furchbaren, ohnmächtigen Grimasse, wenn er beim umherfahren jedes Mal aufs Neue sehen musste, wie viel Geld ihn das gekostet hatte! Von der kleinen, strengen Standpauke die ihm der ansonsten eher lustige ältere Herr Hardy vorher gegeben hatte, weil er seinerseits auch nicht viel von Buteau hielt, ganz zu schweigen…

„Jeder kriegt so wie er’s verdient^^.“, befand der junge Mann schadenfroh, nachdem sie Herrn Hardy freundlich gegrüßt und gänzlich vorbeigefahren waren. Er trat nochmals kräftiger in die Pedale und bald bog er vom Fahrradweg in einen kleinen Feldweg ab, der weg von diesem geschäftigen Treiben und hinein in einen äußerst dicht bewaldeten Teil der Regelsberger Leiten führte. Von einem Moment auf den anderen radelten sie darum plötzlich durch das dämmrige Dickicht des Waldes und in diesem Bereich der Leiten fühlte man sich fast wie im Steineichenwald in Johto. Doch dieses Dämmerlicht und der modrige Duft hatten nichts Unheimliches sondern etwas sehr Entspannendes an sich. Aus diesem Grund genossen die vier diese Atmosphäre, schwiegen und beobachteten die Umgebung.

„Aber weißt du Fussel, du hast es nicht verdient dich so schlecht zu machen. Auch wenn du das im Moment noch ganz anders siehst…“, hob Sven nach einer Weile der Stille plötzlich ernst an und begann eine Geschichte zu erzählen:

Sie handelte von einem jungen Mann aus einfachen Verhältnissen, der in einer kleinen Mietwohnung irgendwo in einer Großstadt lebte. Er verdiente nicht viel Geld, doch es reichte ihm fürs Leben. Sein innigster Traum aber war es, einmal das sonnige Meer von Alola, welches er geradezu innig liebte, seit er es als Kind auf diesen schönen Postkarten gesehen hatte, mit eigenen Augen zu sehen.

Also sparte er eisern und viele Jahre lang um sich einen Flug dorthin leisten zu können. Eines schönen Tages hatte er sogar das nötige Geld beisammen und voller Freude buchte er seine Reise, stieg mit klopfendem Herz in den Flieger doch wegen der langen Flugzeit schlief er dennoch irgendwann ein…

Als er wieder erwachte erklärte ihm eine Stewardess folgendes: ‚Entschuldigen sie vielmals aber wir haben unser Reiseziel geändert: Wir sind nicht in Alola sondern in Einall, genauer gesagt in Neviao City.‘

Der junge Mann war schockiert! Was wollte er denn bitteschön in Neviao City, weit weg von jeglichem Meer, mit seinen hiesigen Sümpfen und dem prasselnden Regen, da es dort gerade Herbst war?!

Er war wie betäubt und verbrachte die ersten Tage seines so hart ersparten Urlaubs traurig und zurückgezogen in seinem Zimmer und haderte mit seinem Schicksal. Der Mann wusste, dass er nie mehr eine weitere Reise bezahlen könne, es also eine einmalige Sache in seinem Leben sein würde.

Und nun war diese Chance, einmal, nur ein einziges Mal das Meer von Alola mit allen Sinnen zu erleben, verhauen, ohne, dass er etwas dafür konnte!

Doch nach einigen Tage des Trübsal blasens kam ihm ein anderer Gedanke in den Sinn: Das hier war und blieb immer noch sein eigener Urlaub, für den er so lange gespart hatte! Wollte er ihn wirklich einfach so verstreichen lassen, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, trotzdem Spaß daran zu haben?

Also raffte er sich auf, deckte sich mit den richtigen Klamotten ein und begann, wenn auch zunächst unlustig, die Stadt zu erkunden. Er besuchte die ehemalige Arena, sah den Einheimischen bei ihren Tänzen zu Ehren der beiden legendären Drachenpokémon zu und lauschte den alten Erzählungen, welche die Leute von damals wussten.

Ohne das es ihm richtig bewusst wurde, fand er langsam Gefallen an diesem Ort und weitete seine Entdeckungstouren auch auf die nähere Umgebung aus: So durchwanderte er das Moor von Nevaio, betrachtete staunend die Drachenstiege und nahm an Führungen am Wendelberg teil.


„…Und als sein Urlaub dann zu Ende war, konnte der Mann voller Freude feststellen, dass er zwar niemals wissen würde, wie es in Alola sei, doch dafür hatte er einmalige, unauslöschliche und schöne Erfahrungen in Nevaio City sammeln können, die sein Leben genauso bereicherten.“, beendete Sven seine Geschichte und warf während der Fahrt einen Blick nach hinten auf Fussel: „Und das nur, weil er von Herzen versucht hatte, sich mit seiner Lage anzufreunden und das Beste aus ihr zu machen. Genau diesen Versuch solltest du auch unternehmen Fussel!“

„Flamara?“ Fussel legte nachdenklich den Kopf schief und ließ die Ohren hängen. Es hatte die Botschaft dieser Geschichte und den Wink seines Trainers, anders als Juwelchen und Tobi, nicht verstanden. Oder besser gesagt: Es wollte sie nicht verstehen. Flamara kam dieser Gedanke, sich mit seinem neuen Aussehen anzufreunden, wie blanker Verrat an seinem Wunsch; denn es sich nun nie mehr erfüllen könnte, vor. Nie, niemals könnte es sich auf so etwas einlassen!

Sowohl der junge Mann als auch Juwelchen und Tobi warfen sich bei dieser verständlichen Reaktion von Flamara nur mit einem Lächeln ein paar vielsagende Blicke zu. Und leise murmelte Sven, während er sich wieder auf den Weg konzentrierte: „Oh, warte nur ab Fussel! Warte nur ab! Gleich werden wir ja wissen, wie du wirklich dazu stehst…“

Nach nicht mal mehr fünf Minuten öffnete sich der dichte Wald vor ihnen urplötzlich und gab den Blick auf einen gewaltigen, kreisrunden aber auch magisch wirkenden See frei. Umrahmt von den uralten, efeuumrankten Weiden und Birken und den zahllosen, farbenfrohen Blumen, die innerhalb des schmalen Uferstreifens wuchsen, wirkte dieser See mit seinem intensiven dunkelbauen bis türkisfarbenen Wasser, welches im Sonnenlicht zu schimmern schien, mehr wie ein Portal in eine andere Welt.

Passend dazu trug dieser Waldsee den Namen ‚Schimmersee‘ und war neben seinem größeren Bruder, dem ‚Glitzersee‘, eines der größten Binnengewässer in der Umgebung von Regelsberg und jene mit der wohl interessantesten Entstehungsgeschichte überhaupt:

Der Einschlag eines kleinen Meteors, welcher vorher noch in zwei unterschiedlich große Teile zerbrochen war, hatte diese Seen nämlich vor zehntausenden von Jahren erschaffen und ihnen ihre Form verliehen. Und eine durch den Impakt freigelegte, bis dato unterirdische Quelle sorgte dafür, dass sich die beiden Krater rasch mit Wasser füllten und bis heute zuverlässig und ohne oberirdische Zuflüsse von dieser gespeist wurden.

Wegen seiner Reinheit und Ergiebigkeit war das Wasser dieser beiden Seen seit jeher bei der Bevölkerung beliebt da sie vor allem in Zeiten großer Dürre, wenn selbst der Aigre nur noch ein Rinnsal war, ein mitunter Überlebenswichtiges Reservoir für Mensch und Pokémon waren. Die intensive und ungewöhnliche Färbung des Wassers war dafür verantwortlich, dass sich schon früh Märchen und Sagen um diese Binnengewässer rankten. Zum Beispiel sollen sich an beiden Seen in klaren Vollmondnächten um Punkt Mitternacht zahllose Feenpokémon eintreffen und dort geheime Zeremonien abhalten, ähnlich dem Tanz der Piepi am Mondberg in Kanto.

Auch wenn man heutzutage keine Dürre mehr fürchten muss, erfreuten sich die beiden Seen nach wie vor großer Beliebtheit. Vor allem der außerhalb des Waldes gelegene und größere Glitzersee, den man bequem über den Regelsberger Schnellweg erreichen konnte, war ein regelrechter Touristenmagnet. Er war Badeort, Anglerparadies, Trainingsstätte, Ausflugsziel und Campingplatz in einem und da die Mungenauer Regierung sich früh für einen ‚sanften Tourismus‘ eingesetzt hatte dennoch ein Naturreservat.

Der vergleichsweise versteckte Schimmersee hingegen war eher ein Geheimtipp und selbst die Einheimischen verirrten sich selten hierher. Hier fanden sich diejenigen ein, die sich nach Ruhe und Muse sehnten, die Künstler und auch so manches Liebespärchen traf sich lieber heimlich hier für ein romantisches Rendezvous beim Abendrot. Und ja, auch der Grundstein für so manche neue Generation wurde hier gelegt <3…

Und genau wegen seiner Abgeschiedenheit war es der perfekte Ort für Svens Unterfangen!

Knirschend kam das R-Bike im kleinen Kiesplatz vor dem Schimmersee zum stehen. Der junge Mann stieg ab und lief mit seinen Pokémon bis zum Ufer, wo sich das Wasser leicht wegen einer sanften Brise kräuselte, die auch die Blumen zu wiegen und die alten Bäumen zum rauschen brachte. Nebst diesen Geräuschen und dem leisen Rascheln im Gebüsch und den erstickten Lauten einiger Pokémon war es hier herrlich still. Einmal noch sog Sven die aromatische Luft ganz bewusst ein, bevor er einen lächelnden Blich auf Fussel warf, welches anders als Juwelchen und Tobi noch im Anhänger saß und nicht wusste, was sie hier sollten.

„Okay Fussel, jetzt komm doch mal her zu uns.“, sprach der junge Mann sanft zu seinem Pokémon und sah dieses auffordernd an. „Mara?“, machte Fussel unsicher und wollte zunächst seinen Platz nicht verlassen. Doch Rocara und Botogel, ja auch Rotom in seinem R-Bike, halfen Sven dabei das Feuerpokémon zu überzeugen, sodass es sich, wenn auch zögerlich, dem See näherte.

Dabei fiel auf, dass sowohl der junge Mann als auch Juwelchen und Tobi jetzt einen sehr ernsten und erwartungsvollen Ausdruck im Gesicht hatten. Fussel ahnte, dass sie etwas mit ihm vorhatten. Etwas sehr wichtiges sogar, denn seine beiden Teamkollegen verzichteten sogar fürs Erste darauf, diesen wundersamen Ort zu erkunden, wie sie es sonst an neuen Plätzen eigentlich zu tun gedachten. Trotzdem war es so in seiner sinisteren Gedankenspirale gefangen, dass ihm nicht in den Sinn kam, WAS sie von ihm bloß hier wollten.

Deswegen machte Fussel auch ein ganz verblüfftes Gesicht, als Sven, nachdem sie zu viert einen Moment lang einfach am Ufer gestanden und auf die Wasseroberfläche geschaut hatten, ihm folgendes sagte:

„Schwimm doch mal einfach eine Runde Fussel.“

„Flamara!“ Ungläubig riss das Feuerpokémon seine Augen ganz weit auf und blickte alle ganz verstört an. Meinte sein Trainer das etwa allen Ernstes?!

„Flam!“, jaulte Fussel deswegen verzweifelt, schüttelte aufs heftigste seinen flauschigen Kopf, bebte am ganzen Körper und fühlte sich wieder so kraft und hilflos wie am Montag.

Nein! Das ging nicht! Es war jetzt ein Flamara – ein Feuerpokémon! Es hatte nichts mehr mit dem Wasser zu schaffen. Mochte es sich auch so sehr danach sehnen, so sehnlichst es sich wünschen… Es würde ihm niemals mehr möglich sein ein Aquana zu werden und somit hatte es auch keine Möglichkeit mehr eins mit seinem Lieblingselement zu werden! Dieser Weg war ihm verbaut und darum sollen seine Freunde doch bitte endlich einsehen, dass es nur noch eines war: Ein wertloses Pokémon, welches zu nichts zu gebrauchen war!

„Hör sofort auf damit dich fertig zu machen Fussel!!!“

Svens laute Stimme hallte gerade wegen dieser hier herrschenden Stille förmlich gebieterisch und überdeutlich durch die Gegend und lies Fussel tatsächlich innehalten. Völlig verwundert starrte es seinen Trainer an und auch Tobi und Juwelchen wirkten ebenfalls überrascht. Noch nie hatte der junge Mann bis jetzt seine Stimme so gegenüber einem seiner Schützlinge erhoben!

Doch jetzt stand er fast, nein, genauso entschlossen wie Herzog Alastair vor Flamara, fixierte es mit seinem strengen Blick und hatte energisch seine Hände in die Hüften gestemmt.

„Fussel, ist dir denn nicht klar, dass genau DAS es ist, was dich die ganze Zeit so runtergezogen hat?“, fuhr Sven fort und wurde deutlicher: „Du aber auch ich Dummkopf haben die ganze vergangene Woche nur die Unterschiede zu deiner früheren Erscheinung gesehen und das Offensichtlichste vergessen! Und ich könnte mich selbst dafür Ohrfeigen, dass es erst der Hilfe des Champs, eines Arenaleiters und der älteren Geschwister von Reinhild bedurft hatte, um darauf zu kommen!

Ja, du bist jetzt ein Flamara, und was weiter? Sieh dich doch mal genauer an: Du bist doch nichts anderes als ein größeres und flauschigeres Evoli! Es gibt kein äußeres Feuer, das dich daran hindern würde, weiter deiner alten Leidenschaft nachzugehen. Verstehst du Fussel?“

„Flamara…?“ Das Gesicht des Feuerpokémon hellte sich schlagartig auf, als es endlich begriff: Sein Trainer hatte recht! Es war in seinem Innersten immer noch das allergleiche Pokémon wie vorher, samt all seiner Träume und Wünsche. Nur sein Äußeres hatte sich verändert, doch nun wurde ihm dank Svens Worte richtig klar, dass dies vielleicht doch kein so großes Hindernis war, wie es sich zunächst eingeredet hatte…

Zum ersten Mal seit seiner Entwicklung stand Fussel darum nun aufrecht da, blickte ganz anders auf sein Spiegelbild im Wasser und lächelte sanft. Vielleicht, ja vielleicht sollte es wirklich einfach mal schwimmen um zu sehen, wie sich das als Flamara anfühlt?

„Ganz richtig Fussel!“, bestätigte der junge Mann nun wieder deutlich sanfter seinem Pokémon und wirkte über dessen Erkenntnis überglücklich: „Du wirst zwar niemals ein Aquana sein können, doch du solltest es immerhin wenigstens einmal versuchen, ob du nicht vielleicht ein schwimmendes Flamara sein kannst. Nur wenn du das ausprobierst, wirst du wissen woran du bist. Das ist der Schlüsselreiz. So einfach, dass wir Holzköpfe ohne Hilfe nicht darauf kommen konnten, haha! Also versuch es ruhig Fussel, dafür sind wir hier.“

„Flamara!“ Voll tiefster Dankbarkeit sah das Feuerpokémon seinen Trainer und seine Freunde an. Dann atmete es tief durch und schritt erhobenen Hauptes und unter den aufmunternden Blicken der Anderen auf das Wasser zu. Die sanft kräuselnden Wellen sorgten dafür, dass es seine Pfoten alsbald umspülte und Fussel lief ein zufriedener Schauer über den Rücken. Wie hatte es diese zärtliche Berührung vermisst! Es spürte sofort, dass ihm sein neuer Typ nicht im Wege sein würde, was es vollends strahlen lies. All seine dunklen Gedanken waren wie weggeblasen, da ihm klar wurde, dass es wirklich wieder schwimmen konnte!

Eigentlich wollte es sich jetzt mit einem tollkühnen Sprung in die Fluten stürzen und sich ordentlich austoben…

Aber ein lautes Rascheln, gepaart mit einem atemlosen Keuchen ließ alle innehalten. Da brach auch schon eine Frau Ende Dreißig, in einem dieser elitären Anzügen, welche bevorzugt von Ass-Trainern aus der Einall-Region getragen wurden, aus dem Gebüsch und baute sich mit verschränkten Armen vor Sven und seinen Pokémon auf. Sie war größer als der junge Mann, sehr sportlich gebaut und besaß langes, gelocktes Haar, das sie sich Türkis gefärbt hatte und trug eine einfache Brille hinter der ihre gerade zusammengekniffenen, graugrünen Augen, ihrem Gegenüber einen strafenden Blick zuwarf. Allgemein machte sie einen sehr strengen, ja militärischen Eindruck, der professionellen Pokémontrainern mitunter zu eigen ist. (Und ganz nebenbei fühlte sich der junge Mann durch ihren Anblick und ihr Verhalten ziemlich an seine ungeliebte Deutschlehrerin aus der Schule erinnert :P.)

„Einen Augenblick mal! Was soll das hier werden, wenn es fertig ist?!“, wollte sie eher rhetorisch von Sven wissen, klang dabei sehr vorwurfsvoll und sprach darum auch gleich selber weiter: „Da hofft man Wochentags allein ein paar Mußestunden am Schimmersee verbringen zu können und was kriege ich da zu sehen? Einen verantwortungslosen, ganz offensichtlich noch grünen Trainer, der ein Feuerpokémon zum Schwimmen zwingen will!“

„He, machen sie mal halb lang gute Frau!“, entgegnete Sven ruhig aber entschieden und sah ihr entschlossen in die Augen: „Hier wird niemand zu etwas gezwungen! Fussel möchte nämlich von sich aus schwimmen.“ „Mara!“, unterstrich Fussel gleichermaßen mit fester und angriffslustiger Stimme, hob seinen Schweif und seine Ohren steil empor und brachte damit zum Ausdruck, dass es nicht ‚nur‘ schwimmen sondern auch im Wasser kämpfen könne! „Rocara!“, mischte sich auch Juwelchen empört angesichts dieser aus der Luft gegriffenen Anschuldigung ein. „Botogel!“, machte Tobi abschließend und schüttelte den Kopf. Konnten sie denn nirgendwo hingehen, ohne, dass sich ihnen irgendein Kasper in den Weg stellte?

„Ohoho! Deine Pokémon stehen ja richtig für dich ein! So verantwortungslos bist du offenbar doch nicht.“, lachte die Ass-Trainerin belustigt und funkelte den jungen Mann herausfordernd und hochmütig grinsend an: „Ein Flamara, dass angeblich freiwillig ins Wasser will… Und ganz augenscheinlich auch bereit ist mir das zu beweisen, *kicher*! Was für eine Geschichte wohl dahinter steckt?“

Schon hatte sie einen Köderball gezückt, denn sie gekonnt und angeberisch auf ihrer Fingerspitze rotieren lies. „Aber eine Geschichte ist etwas zum ausruhen und davor sollte man sich schon anstrengen, sonst macht es keinen Spaß!“, meinte sie, warf den Ball in hohem Bogen und daraus befreite sich ein…

„GRRRAAA!“

Ein riesiges Garados!

Donnernd kam es auf dem Boden auf und brüllte so laut, dass sich einige Pokémon ganz erschrocken aus dem Staub machten. Es war ein sehr großer Vertreter seiner Art und an seinen glänzenden, blau bis beigefarbene Schuppen, die auf dem muskulösen und beweglichen Körper lagen, den blitzend weißen, nadelspitzen Zähnen, seinem kämpferischen Funkeln in den tiefroten Augen und seiner mächtigen Ausstrahlung sah man sofort, dass es auch gut trainiert und heiß auf einen Kampf war!

„Hehe! So King Koi, wir kommen heute doch eher zu einem kleinen Kampf, als wir dachten!“, kicherte sie selbstgefällig und knuffte ihrem Grausampokémon sanft in die Seite, was dieses mit einem weiteren zustimmenden Brüllen quittierte, bevor seine Trainerin seine Aufmerksamkeit auf Fussel, welches keinen Zentimeter zurückgewichen war, lenkte: „Dieses kleine, knuffige Flamara will uns weismachen, dass es auf seinen Typ pfeift und auch im Wasser kämpfen kann, lustig nicht?“

„Gara!“ Das King Koi genannte Wasser/Flugpokémon konnte sich ebenfalls ein geringschätziges, wegen seiner Größe sehr knurrig und dröhnend klingendes Lachen nicht verkneifen und sah wortwörtlich auf Fussel herab. Dieses blickte wiederum völlig unbeeindruckt zu seinem Gegner hinauf, hatte jetzt seine Ohren angelegt und knurrte das Garados angriffslustig an. Nur weil es größer war, hatte es noch lange keine Angst vor ihm!

„Hehe, da will es aber jemand wissen! Gut! Dann fangen wir mal an!“, bestimmte die Ass-Trainerin - die es bis jetzt noch nicht für notwendig erachtet hatte, sich vorzustellen oder gar Sven nach seinem Namen zu fragen - mit einer hochtrabenden Geste und befahl ihrem Pokémon: „Ab ins Wasser mit dir mein Bester!“

Augenblicklich glitt das Garados für seine Größe überraschend lautlos in den See, schlängelte sich als dunkler Schatten knapp unter Wasser rasch bis etwa zur Mitte, ließ dort seinen Kopf wieder auftauchen und sah, genau wie seine Trainerin, mit einem hochmütigen aber auch sehr gespannten Blick auf Sven und Fussel.

„So Grünschnabel, du darfst den ersten Zug machen!“, sprach die Frau ganz begierig, weil es jetzt losging und sie doch sehr neugierig war, wie viel Wahrheit in den Worten ihres Gegenübers steckte.

„Okay Fussel!“, meinte Sven derweil ganz ruhig und gefasst zu Flamara, weil er spürte, dass sein Pokémon mehr als bereit für diesen Kampf war: „Zeig ihnen was in dir steckt!“

Sie tauschten einen intensiven Blick miteinander, nickten sich zu und dann sprang Fussel auch schon mit einem lauten ‚Mara!‘ ebenfalls ins Wasser, schwamm mit geschmeidigen und flinken Schwimmbewegungen gekonnt auf seinen Gegner zu und wirkte dabei so unendlich glücklich. Dies tat es mit einer solchen Begeisterung, Selbstsicherheit und Selbstverständlichkeit - so als hätte es nie etwas anders im Leben gemacht - dass für einen kurzen Moment die Ass-Trainerin und ihr Pokémon einen ganz ungläubigen Gesichtsausdruck hatten. –Wahrscheinlich hatten sie gedacht, ein unbeholfen paddelndes, nasses Fellknäul zu sehen, welches mehr schlecht als recht vorankam, und keinen so begnadeten Schwimmer, der sich sogar mit einem Bojelin hätte messen können!

„Ruckzuckhieb Fussel!“, befahl der junge Mann dann auch schon und seine Gegnerin schüttelte mit Mühe ihre Verblüffung ab, konterte jedoch blitzschnell: „Knirscher!“

Schon setzte sich nun auch King Koi in Bewegung und sein langer, schlangenartiger Körper schnellte beängstigend flink vor um das herannahende Flamara zu packen. Doch Fussel war nicht nur ein schneller sondern auch ein wendiger Schwimmer! Reaktionsschnell tauchte es unter, sodass Garados es knapp verfehlte und nur ins Wasser biss, schoss dann wieder heraus und rammte mit ganzer Kraft den Hals seines Gegners, was diesen aufheulen lies.

Das Feuerpokémon stieß sich danach vom Wasser/Flugtyp am, damit es wieder ins Wasser käme, aber noch in der Luft wurde es von diesem mit einem heftigen Nassschweif erwischt und weggeschleudert. Jaulend platschte es einige Meter weiter hinten in den See, hatte sich jedoch schnell wieder gefangen und knurrend, mit grimmigen Blick und angelegten Ohren, schwamm es sogleich wieder auf King Koi zu.

„Los den Drachentanz und dann hol es dir schnell!“, wies die Ass-Trainerin ihren Schützling rasch an, denn schon nach diesem kleinen Schlagabtausch hatte sie erkannt, dass Fussel wirklich ein ernst zu nehmender Gegner war! Sven hingegen hielt sich mit Befehlen zurück und beobachtete stattdessen lieber gespannt die Lage. Er hatte in Fussels Blick die wilde Entschlossenheit gesehen, diesen Kampf weitgehend allein zu meistern und konnte diesen Wunsch nur zu gut verstehen. Der junge Mann spürte, dass Flamara sich auf diese Art bei ihm und Juwelchen und Tobi für diese schreckliche Woche entschuldigen wollte.

Indessen brüllte Garados laut auf: Noch bevor es seinen Drachentanz richtig beenden konnte, hatte Fussel es wieder erreicht und traktierte King Koi nun mit einigen Feuerzahnangriffen, die durch seinen starken Biss enorm schmerzhaft waren.

Wütend unterbrach der Wasser/Flugtyp seinen Angriff, weil es einsah, dass das Feuerpokémon ihm keine Gelegenheit geben würde, sich zu stärken, und griff stattdessen mit einem Wutanfall an: Wie von Sinnen und von einer rot glühenden Aura umhüllt attackierte Garados seinen Gegner schnell und fast unberechenbar mit wilden Bissen und Hieben seines riesigen Körpers. Es kostete Fussel enorm viel Mühe und Anstrengungen, diesem heftigen Angriff so gut es ging auszuweichen, denn nur ein einziger Treffer wäre aufgrund des gewaltigen Größenunterschieds schon Fatal! Allerdings gelang Flamara, dank seines Geschicks und seiner Wendigkeit im Wasser, dieses Kunststück mit Bravur, was dafür sorgte, dass die Ass-Trainerin ganz erstaunt schlucken musste. Sie konnte nicht verbergen, dass sie von Fussels Können beeindruckt war.

Der Kampf nahm derweil weiter gehörig an Fahrt auf: Kaum, dass der Wutanfall von King Koi nachließ, ging das Feuerpokémon auch schon wieder zum Angriff über! Von allen Seiten schoss Fussel wie ein wildgewordenes Kanivanha aus dem Wasser heraus und deckte seinen Gegner mit Ruckzuckhieben, Feuerzähnen und Eisenschweifattacken ein. Flamara trieb seinen Eifer sogar so weit, dass es eigenständig den Kampf immer wieder auch nach Unterwasser verlegte und sich auch dort beachtlich gut gegen seinen Gegner behauptete! Schließlich waren Flamara kleine Kraftpakete und Fussel, dessen Muskeln schon als Evoli durch das Schwimmen im reißenden Aigre gestählt waren, konnte man in der Hinsicht als Paradebeispiel nehmen, sodass sie es in Sachen Kraft locker mit so großen Pokémon wie eben Garados aufnehmen konnten.

Dennoch konnte man mit Fug und Recht behaupten, dass beide Parteien in etwa gleichstark waren!

Denn King Koi war keinesfalls in die Defensive gedrängt, obwohl es so viele Angriffe einstecken musste, was schon zeigte, wie gut es trainiert war. Mit einer unglaublichen Zähigkeit hielt es die durchaus heftigen Attacken seines Gegners einfach aus, ganz ohne sich augenscheinlich daran zu erschöpfen, schlug bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit zurück und spielte dabei seine schiere Größe als Vorteil aus: Garados wusste, dass es nicht mehr als drei, vier Treffer landen musste um das kleine Flamara an den Rand des K.Os zu bringen. Zumal es selbst die Verwirrung nach seinen Wutanfällen wie einen lästigen Schwindel ohne viel Mühe abschüttelte!

So zog sich dieser Schlagabtausch, der das Wasser des Schimmersees zum schäumen brachte, in die Länge, ohne, dass sich schon ein Sieger abzuzeichnen schien. Jedoch nur auf den ersten Blick:

Auch wenn Fussel weiterhin wild und hart attackierte und nach außen hin immer noch einen kämpferischen Eindruck vermittelte, spürte Sven bereits, dass die Kräfte seines Schützlings bald verbraucht sein würden. Diese Woche ohne ausreichend Nahrung oder gar Training und vor allem diese ganzen sinisteren Gedanken waren ja nicht so ohne Weiteres am Feuerpokémon vorbeigezogen. Fussel war schlicht und ergreifend noch nicht wieder in Form und die Freude und der Eifer, wieder in seinem Element einen Kampf ausfechten zu können, reichte bei so einem gut trainierten Gegner leider nicht aus.

Und am kühlen, siegessicheren Grinsen der Ass-Trainerin merkte der junge Mann mit Unbehagen, dass diese, sowie ihr Garados, Fussels Pokerface ebenfalls schon durschaut hatten! Sie musste ihrem Pokémon darum gar keine Befehle mehr geben; es wusste ja was zu tun war: Zeit schinden und warten, bis Flamara nicht mehr konnte…

„Oh so aber nicht!“, dachte sich Sven grimmig, da er nicht wollte, dass Fussel, welches es nun endlich aus seiner Entwicklungsdepression geschafft hatte, gleich eine Niederlage gegen eine so hochnäsige Tante einstecken musste! Schlagartig kam ihm sogar ein Einfall, der die Situation herumreißen könnte.

Der junge Mann legte seine Hände wie einen Trichter an seinen Mund, damit Fussel ihn trotz des Kampflärms auch hören konnte, und rief mit aller Kraft: „Fussel! Denk an den Samstag!“

„Mara!“ Fussel nickte seinem Trainer dankbar zu, denn es hatte verstanden, was dieser ihm sagen wollte. Grollend biss es die Zähne zusammen und tat zuerst so, als wollte es King Koi erneut mit einem Ruckzuckhieb angreifen, was dieses wie erhofft zum Ausweichen zwang. Flamara verfehlte (scheinbar) seinen Gegner und landete im Wasser, doch anstatt wie im bisherigen Kampferverlauf sofort zu wenden, um Garados erneut angreifen zu können, schwamm es so schnell wie möglich von diesem davon, weil es an Abstand gewinnen wollte.

Fussels Gegner schöpften glücklicherweise keinen Verdacht, sondern interpretierten diese Handlung in ihrem Sinne, sodass die Ass-Trainerin freudig und triumphierend auflachte. „Ha! Es ist soweit King Koi: Mach den Drachentanz und hol dir deinen Sieg!“, befahl sie ihrem Pokémon darum, weil sie beide glaubten, dass Fussel sich nur von seinem Gegner entfernte, weil ihm nun die Puste ausging.

„Garados!“, brüllte King Koi siegessicher und führte jetzt in aller Ruhe den mystischen, von rötlichen Wolken begleiteten, Tanz auf, welcher kurzfristig sein Tempo und seine Angriffskraft steigerte. Dieses Schauspiel dauerte keine ganze Minute, als es auch schon deutlich schneller und kraftvoller als zuvor auf Flamara zuschoss, damit es diesen anstrengenden Kampf beenden konnte.

Das Feuerpokémon, welches aus den Augenwinkeln Garados herannahen sah, grinste derweil diebisch in sich hinein, holte noch schnell tief Luft und ließ sich dann einfach ins Wasser sinken. Und kaum unter der Wasseroberfläche; da war King Koi trotz seines hohen Tempos noch einige Meter von ihm entfernt; entfesselte es seine Geheimwaffe: Den Flammensturm!

Fussel hatte diese heftige Feuerattacke, dank den Bemühungen seines Trainers, relativ schnell im Verlauf der letzten Woche erlernt und deren Einsatz auch schon, wenn zu der Zeit auch noch mit Widerwillen, weitgehend perfektioniert. Es hat diesen Angriff im bisherigen Kampfverlauf nur nicht benutzt, weil es auf schnelle und harte, physische Attacken gesetzt hatte, damit King Koi einerseits nicht die Gelegenheit bekommen konnte, sich mit dem Drachentanz zu stärken – was verheerend gewesen wäre. Und andererseits waren Garados, anders als ihr Äußeres es vielleicht vermuten ließ, anfälliger für physische als spezielle Attacken. Deswegen traten die Wasser/Flugtypen auch immer so bedrohlich und einschüchternd auf, weil sie mit diesem Verhalten dieses Manko zu kompensieren versuchen.

Jetzt jedenfalls lagen die Dinge anders und Fussel schloss seine Augen, konzentrierte sich und ließ mit aller Kraft seine feurige Energie nach außen strömen. Da es Unterwasser war, konnte sich zwar nicht dieser für diesen Angriff typischen Feuerkranz, der nach allen Richtungen ausstrahlte, bilden, doch um Flamara herum war alsbald ein intensiv rot glühender Schimmer zu sehen und das Wasser in der näheren Umgebung begann zu kochen!

Nicht lange und auch an der Wasseroberfläche brodelte und blubberte das Wasser wie in einem Kochtopf, was Sven und seine Pokémon jubeln aber die Ass-Trainerin erbleichen und ganz hastig und erschrocken rufen lies: „Halt King Koi! Brech den Angriff sofort ab!!!“

Aber Garados hatte keine Chance mehr zu entkommen! Da es so schnell war, war es bereits abgetaucht, noch bevor die Worte seiner Trainerin es erreicht hatten und schoss auf Fussel zu. Genauer genommen wollte es auf es zuschießen, doch dann fand es sich auch schon unversehens im siedend heißen Wasser wieder, wand sich vor Schmerz und konnte nichts anderes mehr tun, als sein Heil in der Flucht zu suchen!

Die Wasseroberfläche explodierte und das nun deutlich sichtbar angeschlagene und erschöpfte King Koi rettete sich; ein Wasserpokémon; an Land, was eine sehr paradoxe Situation erschuf. An seinem Gesicht, vor allem den Flossen, Barteln und Lippen, konnte man wegen ihrer geröteten Farbe sehen, dass sich Garados verbrannt hatte und diese Schwächung sorgte dafür, dass es nicht länger verbergen konnte, wie ausgezehrt es durch diesen harten Kampf in Wahrheit schon war.

Derweil hörte das Wasser langsam wieder auf zu kochen und Fussels kleiner Kopf, welcher durch das nasse, enger anliegende Fell noch kleiner wirkte, tauchte auf, fasste King Koi scharf ins Auge und mit einem zufriedenen Knurren schwamm es mit immer noch kräftigen wie eleganten Schwimmzügen ebenfalls ans rasch ans Ufer.

Noch bevor jemand reagieren konnte, schoss Flamara auch schon aus dem See heraus, sprintete auf seinen Gegner zu, sprang in die Luft, vollführte dort eine Drehung und nutzte diesen Schwung um Garados mit einem auf dessen Genick zielenden Eisenschweif den Rest zu geben. „GRAaa…“, keuchte King Koi noch auf, bevor es ihm schwarz vor Augen wurde und es besiegt auf den Boden krachte.

„Flamara!“, rief Fussel triumphierend aus, schüttelte sich sein Fell trocken um für einen Moment dann stolz mit gewölbter Brust, hoch erhobenen Ohren und Schweif, fest auf vier Beinen vor seinem besiegten Gegner zu stehen und hochzufrieden kleine, sich fein kräuselnde Rauchwölkchen aus seiner Nase zu stoßen. –Es hatte gewonnen!

Erst dann gab sich Flamara der Erschöpfung hin und fiel kraftlos und schlapp, aber völlig im Reinen mit sich selbst, in die Arme von Sven, dessen vor Freudentränen schon nasses Gesicht, ebenfalls zeigte, wie froh er war, dass Fussel endlich seine Depression; den eigentlichen Gegner; besiegt hatte. „Ach Fussel… Ach Fussel, du warst super… Einfach Klasse…“, stammelte der junge Mann überglücklich, während er sein Pokémon an sich drückte und nicht aufhören konnte zu weinen: „Du hast es geschafft Fussel! Du kannst jetzt endlich der sein, wer du willst!“

„Rocara!“ Auch Juwelchen schmiegte sich freudig an seinen Trainer und seinen Partner und selbst Tobi fiel ohne Scheu in diese Rührseligkeit mit ein. „Botogel!“, machte es dabei und war genauso gerührt wie die anderen, sodass es Mühe hatte, nicht auch noch zu weinen^^.

„Mara :D!“ Fussel schnurrte vor Freude, leckte Sven und seinen Teampartnern das Gesicht ab und konnte endlich aus vollem Herzen diese Liebkosungen genießen.

„Unglaublich…“, hauchte indes die Ass-Trainerin, nachdem sie den ersten Schock über diese unverhoffte Niederlage verwunden hatte, ergriffen und beobachtete gemeinsam mit ihrem Garados, welches sie gerade mit frisch geriebenen Beeren verarztete, dieses herzerwärmende Bild. Angesichts dieses Herzvergießens und dem vorherigen, deftigen Kampf, der nur zu deutlich gezeigt hatte, was für ein fähiger Trainer dieser junge Mann war, schämte sie sich für ihr überhebliches Auftreten und trat darum ziemlich zögerlich an Sven und seine Pokémon heran.

„Alle Achtung! Du bist ja ein viel talentierterer Trainer, als ich anfangs dachte! Und dein Fussel ist ein wirklich beeindruckendes Flamara, dass hätte ich absolut nicht erwartet!“, meinte sie darum kleinlaut und versöhnlich, rückte ihre Brille zurecht und überwand ihren Stolz, weil sie ziemlich streng von acht Augenpaaren angesehen wurde: „Okay, okay! Bitte verzeiht mir, dass ich mich wie eine hochnäsige Besserwisserin vor euch aufgeführt habe! Es tut mir wirklich ehrlich leid, ja?“

„Entschuldigung angenommen.“, entgegnete der junge Mann mit einem frechen Grinsen, welches seine Pokémon teilte, während er aus seinem Rucksack sein Essen und das seiner Schützlinge auspackte – was vor allem von Fussel mit gierigen Blicken verfolgt wurde. Kein Wunder nachdem es so lange nur mehr dürftig gegessen hatte, weshalb es nach dem blitzschnellen Verschlingen seiner Portion noch längst nicht satt war.

„Ich bin übrigens Sven. Sven Rougon und das sind Juwelchen, Tobi und Fussel – das schwimmende Flamara^^.“, stellte er sich vor und sorgte dafür, dass die Ass-Trainerin kurz stutzte und dann einen erkennenden, wie vielsagenden Gesichtsausdruck bekam. „Ach, SIE sind dieser berühmte Quereinsteiger über den man schon in der ganzen Gegend spricht?!“, entfuhr es ihr, warf einen Blick auf Juwelchen und machte eine ärgerliche Geste: „Aber natürlich, darum haben sie auch ein Rocara dabei – das erklärt alles… Und ich habe das die ganze Zeit nicht bemerkt, wie nachlässig von mir!“ Sie zuckte mit den Schultern, nahm nun ebenfalls Platz und meinte mit einem freundlichen Lächeln, dass ihr viel besser stand: „Für einen Anfänger, haben sie aber bereits ein ganz schön besonderes Team beisammen Herr Rougon. Erst ein Rocara und nun auch noch ein schwimmendes Flamara, beeindruckend, wirklich! Ach ja: Meine Wenigkeit hört auf den Namen Lucille Conquart.“

Ein heiteres und angenehmes Gespräch am nun wieder herrlichen ruhigen und malerischen Ufer des Schimmersees nahm damit seinen Anfang. Und gleich zu Beginn versetzte Frau Conquart den jungen Mann in Erstaunen, weil sie sich ganz unumwunden als Journalistin vorstellte, die vor nicht mal einer Woche zur neuen Chefredakteurin der Regelsberger Gazette ernannt wurde!

Doch anders als die anderen Schmierfinken, mit denen sich Sven bisher von diesem Blatt herumärgern musste, gab sich Lucille sehr höflich und nett, siezte ihn sogar und zeigte, dass sie eigentlich eine ganz freundliche, umgängliche und vor allem vertrauenswürdige Person war. Sie versicherte ihm nämlich sofort, dass ohne seine Einwilligung kein Sterbenswörtchen mehr in ihrer Zeitung mehr auftauchen würde. -Nur dieses elitäre Gehabe eines Ass-Trainers (und seiner damaligen Lehrerin) konnte und wollte sie nicht gänzlich ablegen, aber sie behandelte den jungen Mann und Fussel wie ebenbürtige Rivalen und zollte ihnen somit den Respekt, denn sie sich redlich verdient hatten.

Beste Freunde wurden die beiden darum in dieser halben Stunde zwar nicht, doch Sven sah keinen Grund darin, Lucille nicht ausführlich und unterstützt von seinen Pokémon, ganz besonders natürlich Fussel selbst, dessen Geschichte zu erzählen. Frau Conquart folgte ihnen aufmerksam und interessiert und nickte anerkennend, je mehr der junge Mann ihr erzählte.

„So verhält sich das also… Wirklich interessant!“, fand Lucille dann zugegebenermaßen ganz beeindruckt, als er am Ende angelangt war und sich beide daran machten, wieder aufzubrechen: „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas möglich ist. Ich hab zwar schon von Boden und Gesteinspokémon gehört, die mit Freude ins Wasser gehen, aber ein Feuerpokémon wie dein Fussel ist ja noch etwas ganz anders! Jedenfalls meinen herzlichen Glückwunsch, dass ihr es geschafft habt, diese Intrige von diesem Samsonson wieder zunichte zu machen. Außerdem möchte ich mich, auch im Namen von King Koi, bei euch für diesen phänomenalen Kampf bedanken. Und ganz selbstverständlich will ich mich bei ihnen auch dafür bedanken, dass sie mir die Geschichte ihres Pokémon erzählt haben, obwohl ich nun auch für die Regelsberger Gazette arbeite. Immerhin hat mein Vorgänger es ziemlich übertrieben und ihnen indirekt diese ganze Sache ja auch eingebrockt.“

Sie machte eine gespielt hoffnungslose Gebärde und Geste und meinte: „Da wird noch viel Arbeit auf mich zukommen. Dennoch hoffe ich, dass sie eines Tages bereit sein werden, ihre Einwilligung zu geben, dass wir weiterhin Neuigkeiten über sie berichten dürfen. Aber jetzt möchte ich euch lieber alleine lassen, damit ihr euern wirklich großartigen Erfolg auch in aller Ruhe feiern könnt!“

Dann warf sie einen Luxusball aus dem sich ein großes, prächtiges Ibitak befreite, welches mit einem speziellen Geschirr und daran befestigten Gurten ausgestattet war. Diese brandneue und patentierte Ausrüstung war dafür gedacht, dass fliegenden Pokémon einen Menschen viel angenehmer und auch sicherer transportieren können, als wenn sich dieser nur auf dessen Rücken setzen würde.

Mit geübten Handgriffen hatte sich die Chefredakteurin binnen weniger Augenblicke die Gurte angelegt, sodass das Ibitak, auf ein Handzeichen seiner Trainerin hin, diese bereits mit wenigen kräftigen Flügelschlägen in die Lüfte hob. „Dann wünsche ich ihnen und ihren Pokémon noch einen wundervollen Tag Herr Rougon!“, rief sie Sven noch zusammen mit einem freundlichen Gruß zu, bis ihr Normal/Flugpokémon auch schon die ideale Flughöhe erreicht und es zusammen mit Lucille mit rasch aus der Sichtweite des jungen Mannes und seiner Pokémon davon flog.

„Wow… Wer hätte das gedacht…?“, murmelte Sven ganz erstaunt und sah der Ass-Trainerin noch einen Moment lang nach. Schließlich zuckte er mit den Achseln, fuhr sich, wie es seine Gewohnheit war, mit der Hand durch sein Haar und fand mit einem milden Lächeln: „Naja, jetzt kann man wenigstens hoffen, dass mit so einer Chefredakteurin dieses Käseblatt nicht mehr ganz so schrecklich wird, haha!“

Unvermittelt musste er ganz heftig gähnen und fühlte eine bleierne Erschöpfung rasch seine Glieder hochsteigen, doch damit hatte der junge Mann, nachdem er jetzt schon den ganzen halben Tag lang ohne Pause auf den Beinen war, gerechnet. Aber diesen Preis zahlte er nur zu gern, angesichts dessen, was sie geleistet hatten: Endlich war Fussel aus diesem Loch draußen und hatte sogar gleich einen famosen Sieg einfahren können!

Sven war hochzufrieden und aus diesem Grund sah er Juwelchen, Tobi und vor allem Fussel fröhlich und ausgelassen an und meinte: „Lasst uns jetzt auch wieder nach Hause fahren, ja?“

Dieser Vorschlag wurde selbstredend einstimmig angenommen und deshalb düste der junge Mann, so schnell er eben noch konnte, zusammen mit seinen Pokémon auf Rotom, welches als stiller Genießer sich ebenfalls über den Ausgang dieses Abenteuers freute, wieder in Richtung Regelsberg. Wie bei der Hinfahrt pfiff er dabei voller Freude, die jetzt berechtigterweise noch größer war als vorher. Derweil genossen Juwelchen und Tobi ihrerseits wieder, ebenfalls glücklich, den Fahrtwind und die vorbeiziehende Landschaft und hielten sich bewusst im Hintergrund.

Immer wieder warf Sven nämlich einen Blick nach hinten und lächelte Fussel an, was dieses erwiderte. Jetzt war auch Flamara in der Lage, die Fahrt zu genießen und mochte es im Moment noch so erschöpft und kraftlos wirken; den inneren Frieden und das Glück, wieder im Reinen mit sich zu sein, war ihm immer noch überdeutlich anzusehen.

„Also Fussel…“, hob der junge Mann irgendwann zum Feuerpokémon gewandt und gut aufgelegt an: „Was hältst du davon, wenn wir alle uns für den Rest des Tages eine schöne und faule Zeit machen?“

„Mara!“

„Und wie wäre es, wenn wir gleich morgen damit beginnen richtig deine Fertigkeiten trainieren?“

„Mara!“

„Und zu guter Letzt: Was würdest du dazu sagen, wenn ich, sobald wir daheim sind, dir deinen Napf randvoll mit deinem Futter mache?“

„MARA!“

***

Tags darauf, am bereits sehr späten Donnerstagabend, donnerte ein monströs großer, grasgrüner Traktor, der einen voll mit losen Heu beladenen Anhänger mit sich führte, den Regelsberger Schnellweg entlang und bog fast ohne zu verlangsamen mit einem waghalsigen Manöver in eine Seitenstraße ab.

Autos hupten empört, Reifen quietschen, weil manch einer angesichts dieses enorm ausscherenden Anhängers lieber auf die Bremse trat und so ziemlich jeder, der dabei sein musste, fluchte und schimpfte auf diesen rücksichtslosen Kerl.

Diesem war das natürlich herzlich egal. Ungerührt nahm er wieder an Fahrt auf und folgte der schmalen Landstraße, die ausschließlich zu einem kleinen, verschlafenen Kaff führte, welches viele Kilometer entfernt nördlich von Regelsberg in einer offenen, hügeligen Graslandschaft lag. Auf seinem weiteren Weg scheuchte er einige erschrockene Pokémon auf, die bis eben noch auf der Straße gespielt oder die Wärme des Asphalts genossen haben, da sie es nicht gewohnt waren, dass so ein Rowdy hier herumkreuzte.

Plötzlich gewahrte er das Blaulicht eines Polizeifahrzeugs im Rückspiegel und grinste dreckig in sich hinein. „Himmelsakrament! Dachte ich mir fast schon, dass irgendeine von diesen Memmen, die allesamt keinen Schneid haben, die Gendarmen ruft.“, murmelte er überheblich und sich völlig unbeeindruckt gebend und gab sich damit als Granbullkopf zu erkennen.

Betont lässig fuhr Buteau seinen Koloss rechts an den Straßenrand und empfing die beiden Beamten und ihr Arkani mit richtig beleidigender Dreistigkeit. „Ach guten Abend, die Herren!“, grüßte sie Granbullkopf übertrieben freundlich: „Was verschafft mir denn die Ehre?“

„Zum einen eine allgemeine Verkehrskontrolle.“, erklärte einer der Polizisten kurz angebunden, ja fast feindselig, während das Arkani knurrte und sein ebenfalls nicht wirklich gut aufgelegt wirkender Kollege auch noch ein Kapilz aus seinem Ball lies: „Und zum anderen haben wir eben ein paar Beschwerden erhalten, weil sie mal wieder zu riskant abgebogen sind!“

‚Und außerdem schadet es gar nichts, so einem dreckigen Lumpenkerl wie dir so oft wie möglich auf die Finger zu schauen!‘, dachte sich der Beamte grimmig. Denn die Blicke, welche die beiden Polizisten mit Buteau hinter der biederen Miene der erzwungen wirkenden Höflichkeit wechselten waren eindeutig: Kurz und heftig aufblitzend wie die Klinge eines Messers.

„Da sie sich aber mit ihrem Manöver lediglich in einem Graubereich bewegt haben und niemand zu Schaden gekommen ist, bleibt uns nur übrig, sie; mal wieder; zu einem vorsichtigeren Fahrstil zu ermahnen. (Leider, verdammt noch mal, irgendwann kriegen wir dich!!!)“, knirschte nun der andere Beamte unwillig, bekam aber gleich darauf ein herausforderndes Grinsen: „Sie haben doch sicherlich nichts dagegen, wenn wir mal eben ihren Traktor und ihre Ladung überprüfen?“

„Nur zu, meine Herren!“, versetzte Granbullkopf lachend, der so unverfroren war, dass er sich unbesorgt in seinem Sitz zurücklehnte, den Radio aufdrehte und die Füße hochlegte. Und währen die Polizisten und ihre Pokémon zunächst den Traktor, der übrigens zu ihrem Leidwesen tadellos gepflegt war, inspizierten, trieb Buteau seine Dreistigkeit auf die Spitze indem er sogar anfing, zu Abend zu essen. Einige Scheiben dick geschnittenes, dunkles Roggenbrot, welches üppig mit Butter bestrichen und würzigem Käse belegt war, kamen zum Vorschein und dazu trank er in großen Schlücken einen kräftigen Kaffee, den er in einer Thermokanne mit sich führte.

Kurzum: Granbullkopf führte die beiden Beamten vor, ohne, dass sie etwas dagegen tun könnten. Es war ja nicht verboten, während einer Kontrolle zu essen – es war nur ziemlich unhöflich.

Rotzfrech bot er ihnen, nachdem sie wirklich nicht auch nur den kleinsten Kratzer am Traktor gefunden hatten, auch ein Stück an. Wütend darüber, dass er sich so über sie lustig machte, winkten sie mit einer groben Geste ab.

„Also ihr Traktor ist in einem tadellosen Zustand.“, begann einer der Polizisten wieder kühl und sah Buteau streng an: „Dann kommen wir jetzt zur Ladung. Und eines vorweg: Seit wann liefern sie denn ihr Heu bis nach Achseldorf?“ (Benannt übrigens nach seinem Gründer Wilhelm Achsel – nicht das wer noch was anderes denkt :P!)

„Ich habe da einen neuen Kunden, der zahlt gut und mein Heu spricht eben für sich.“, antwortete Buteau seelenruhig grinsend und in gewisser Hinsicht ja auch wahrheitsgemäß; sein Heu besaß wirklich eine ausgezeichnete Qualität die sich schnell herumsprach. „Ach ja?“, machte der Beamte und fasste Granbullkopf scharf ins Auge: „Dann wollen wir uns euer Heu noch kurz mal näher ansehen.“

Obwohl er die sagte, warteten beide Polizisten noch ein paar Sekunden lang ab, in der Hoffnung, dass sich in Buteaus Gesicht ein verdächtiger Zug oder etwas Ähnliches schleichen würde…

Doch nichts dergleichen war der Fall, sodass sie gemeinsam mit ihren Pokémon kurz auf den randvoll beladenen, aber dennoch ordnungsgemäß gesicherten Anhänger kletterten und mit ihren Armen im wohlig duftenden Heu wühlten. Nichts verdächtiges, wirklich nur die getrockneten Halme. Selbst die langen Arme von Kapilz fanden nichts Ungewöhnliches und wegen des starken Geruchs, der jeden anderen, möglichen Duft verdeckte, konnten sie sich auch nicht auf Arkanis feine Nase verlassen.

„Ihre Ladung ist… Soweit in Ordnung.“, knirschte einer der Polizisten unwillig und es zerriss ihm fast das Herz als er fortfahren musste: „Es ist gut, sie dürfen weiterfahren, die Kontrolle ist beendet.“ „Danke meine Herren, sie haben immerhin dafür gesorgt, dass ich jetzt schon zu meinem Abendbrot komme.“, lachte Granbullkopf mit einem spöttischen Augenzwinkern, richtete sich wieder in seinem Sitz auf und donnerte alsbald mit seinem Ungetüm weiter nach Achseldorf: „Und noch einen schönen Abend, haha!“

„Kapilz!“, zürnte das Pflanze/Kampfpokémon und vollführte ein paar imaginäre Hiebe um seinen Frust auszulassen. Den beiden Polizisten ging es ähnlich. „Dieser gerissene Schlauberger! Immer kommt er durch…“, knurrte einer von ihnen und hob drohend seine Faust in Richtung Buteau: „Der führt was Schilde, bei Arceus!“ „Ja, aber uns sind die Hände gebunden…“, bemerkte der andere ärgerlich und resigniert und streichelte Arkani, welches sich tröstend an ihn schmiegte. „Ihm Zweifel für den Angeklagten…“, zitierte er mit bitterer Miene und schüttelte den Kopf. Sie hatten ihm auch jetzt nichts nachweisen können und damit ihren Kredit verspielt. Denn Granbullkopf war tatsächlich so dreist gewesen und hatte sich bei den zuständigen Behörden erfolgreich darüber beschwert, dass man ihm dieses Jahr so oft ohne triftigen Grund auf die Finger geschaut hätte.

Die Polizei von Regelsberg ahnte zwar schon länger, dass Buteau irgendein großes Ding plante. Aber was will man machen, wenn man keine handfesten Beweise vorliegen kann? Gesetz ist eben manchmal auch leider Gesetz, sie konnten ihn nicht willkürlich verhaften oder verhören. Mit einem düsteren Ausdruck in ihrem Gesicht blickten die beiden Beamten darum Richtung Achseldorf, weil sie wussten, dass Buteau von nun an freie Bahn hatte. Sie würden ihn so schnell nicht wieder kontrollieren dürfen, wenn sie sich nicht selbst strafbar machen wollten – welch bittere Ironie!

Granbullkopf selber fand das verständlicherweise eher zum Lachen. „Haha, diese Hohlköpfe sahen so aus, als ob sie sich gleich vor Wut in ihre Hintern beißen möchten.“, witzelte Buteau böse, warf noch einen mal einen Blick in den Rückspiegel, sah nur die leere Straße hinter ihm und begann deshalb an den Knöpfen seines Radios zu drehen. Die Musik brach ab und stattdessen ertönte ein leises Rauschen, bis Granbullkopf in das versteckte Mikrophon in seinem Lenkrad sprach: „Hier Granbullkopf! Operation ‚Blindgänger‘ war ein voller Erfolg! Sag deinen Leuten im Dorf Bescheid, dass sie mir abladen helfen sollen! Ab morgen bringe ich dann die Teile der Maschine…“


Kapitel 14: In Gefahr!

„Siehst du Juwelchen? Genau das ist der Grund, warum diese Arbeit so beliebt bei uns ist^^.“, erklärte Sven gerade mit einem spitzbübischen Lächeln seinem Pokémon, während er sich genießerisch die Kakaoglasur, die an seiner linken Hand klebte, abschleckte. Der junge Mann hatte gerade den letzten Rotweinkuchen mit raschen und gekonnten Handgriffen mit dieser süßen Köstlichkeit bepinselt und ihn auf eine Ablage zum Trocknen gelegt. Dort reihten sich bereits sechs andere seiner Sorte, sowie 12 Nuss und 5 Gewürzkuchen aneinander. Nicht mehr lange und sie wären soweit, dass man sie losmachen und auf Bleche in den Laden beziehungsweise in Folie verpacken und ins Lager bringen konnte. Der Großteil dieser Kuchen war nämlich bestellt und Sven atmete, trotz der leckeren Kakaoglasur als Lohn, erleichtert und zufrieden auf, als er damit fertig war. Denn nun waren sämtliche ‚Extrawürste‘ abgehakt und die Angestellten konnten endlich mit dem Saubermachen anfangen, was nichts anderes hieß, als dass der Feierabend in greifbare Nähe rückte. Immerhin war es bereits nach acht Uhr am Morgen; dass klang jetzt früh, doch der junge Mann sowie seine Kollegen standen schon seit Mitternacht auf der Matte. –Meister Hourdequin und seine Pokémon malochten zu dieser Zeit sogar bereits seit gut zwei Stunden!

Schließlich war heute nicht irgendein Samstag sondern der letzte Arbeitstag vor dem wohlverdienten, dreiwöchigen Betriebsurlaub! Und an einem solchen gab es eben viel zu tun: Dreimal Semmeln und ganze zweimal Brot, allesamt den kompletten Ofen belegend, hatten sie in dieser Zeit gebacken und eine Menge war davon auch schon wieder verkauft worden an diesem Morgen. Und dazu kamen eben noch die zahllosen Bestellungen wie eben die Kuchen, die der junge Mann nun fertig gestellt hatte.

Da er sich um diese jedoch nicht mehr kümmern brauchte, weil dies und die Reinigung der Konditoreiabteilung die Aufgabe von Törtchen war, sah Sven zu, dass er sich auch noch ordentlich die Hände wusch und zusammen mit Juwelchen wieder in die Backstube eilte, um seinen Kollegen zu helfen. Dabei wurde sein diebisches Grinsen angesichts des tadelnden Blick des Schlagsahnepokémon nur noch breiter, denn Sabbaione sah solche Naschereien in ‚seiner‘ Abteilung nicht gern und tolerierte sie nur gerade so.

„Cara^^!“, sprach Juwelchen derweil vergnügt und der junge Mann nickte zustimmend: „Du hast es erfasst Juwelchen: Ein Pokémon, dass eh schon mit einem zuckersüßen Fell umhüllt ist, hat leicht reden :P!“

In der Backstube sah es indes mehr wie auf einer einzigen großen Baustelle aus: Überall und zwar wirklich (!) überall wurde gekehrt, gewischt und geputzt. Zu diesem Zweck hatten Conkeldurr und Magnus auch die schweren Maschinen und massiven Arbeitstische weggezogen, damit auch die Stellen drankommen, die man beim normalen Saubermachen für gewöhnlich auslässt. Estelle, ihre beiden Pokémon, Zephyre sowie die anderen Pokémon von Maître Hourdequin waren dadurch mehr als gut beschäftigt.

Der Chef selber hatte gemeinsam mit Kasimir in dieser Zeit das mobile Laugengerät hinaus in den Hof geschafft, um dort die alte und verbrauchte Lauge abzulassen und dieses ebenfalls grünlich zu reinigen. Und hier konnten sich die Giftpokémon des Azubis äußerst wirksam profilieren. Mussten sie vor Kasimir die Lauge aufwendig und kostspielig entsorgen, so wurde diese jetzt von seinem Smogon, Sleima, Unratütox und vor allem seinem Schluckwech ganz einfach wie ein leckerer Cocktail von diesen mittels Strohhalmen restlos ausgeschlürft. Dabei fiel auch auf, dass die Pokémon des Stifts gar keinen so strengen Geruch hatten, wie man es eigentlich erwarten würde. Im Gegenteil: Sie verströmten vielmehr einen leicht blumigen, angenehmen und an Bergamotte erinnernden Duft, der dafür sorgte, dass man, neben ihrer liebenswerten Art, gern in ihrer Nähe blieb. –Das lag daran, dass Kasimir sie mit speziellen Knurpsen, die ein starkes Duftöl enthielten, fütterte. Ein alter Trick, auf den viele Trainer von geruchsintensiven Giftpokémon in Mungenau zurückgriffen.

Sven konnte nicht leugnen, dass er diesen Trubel vor so einem Urlaub liebte und zwar jedes Mal aufs Neue! Diese letzten, gemeinsamen Anstrengungen verursachten bei ihm immer wieder dieses wohlige und belebende Gefühl von Aufbruchsstimmung, sodass er die nötige Kraft fand, auch am Schluss noch beschwingt und fröhlich seine Arbeit zu Ende zu bringen.

Und heute nahm der junge Mann diese Empfindung noch stärker war als sonst, da er Tobi und Fussel erblickte die eifrig und begeistert dabei waren einen Teil des Fußbodens zu wischen. Obwohl die Ereignisse am Schimmersee nun auch schon eineinhalb Wochen her waren, schlich sich immer noch ein besonderer Glanz und ein Gefühl des Stolzes in Svens Augen, wenn er sah, dass Flamara wieder dieses aufgeweckte Energiebündel wie in seinen Tagen als Evoli war. Auch körperlich war das Feuerpokémon mittlerweile wieder in bester Verfassung; sein seidig glänzendes Fell und die kräftigen und geschmeidigen Muskeln die darunter spielten sprachen eine deutliche Sprache.

Das Einzige, was noch an seine Zeit der Depression erinnerte, war wohl die Tatsache, dass Fussel nun mitunter viel besonnener und geduldiger sein konnte und seine enormen Kräfte in Zaum zu halten wusste. – Ein Umstand, der unter anderem Svens Schuhen ein Wohlgefallen war^^.

„Fussel wirkt jetzt viel reifer als damals, aber auch endlich wieder richtig fröhlich und lebhaft…“, sinnierte Sven mit einem sanften Lächeln, bis er von Juwelchen angestupst wurde, welches seinen Trainer auffordernd mit seinen himmelblauen Augen ansah und mit gespielter Strenge rief: „Rocara!“

Selbstverständlich war Rocara genauso glücklich über die Heilung seines Teammitgliedes wie der junge Mann, doch sie würden den anderen nicht helfen mit der Arbeit fertig zu werden, wenn sie nur herumstanden und Fussel beobachteten!

Amüsiert lachte Sven auf, streichelte Juwelchen kurz am Kopf und stürzte sich anschließend mit ihm ins Getümmel. Es gab noch viel zu erledigen, doch trotzdem währte die komplette Reinigung der Backstube und alles darum herum nicht länger als eine Dreiviertelstunde. Dafür langten zu viele fleißige Hände zu und ehe man sich’s versah, waren sie fertig!

„So Leute das wäre geschafft!“, fand Maître Hourdequin anschließend zufrieden: „Ab jetzt ist Urlaubszeit. Und den haben wir uns alle sauer verdient, haha!“ Doch trotz der Tatsache, dass Isidores Worte wie ein Abschied klangen, machten alle Anwesenden noch keine Anstalten zu gehen. Sie wirkten vielmehr erwartungsvoll und neugierig.

Estelle war es schließlich, die den Gedanken aussprach: „Ist Desiree etwa doch noch nicht zurück aus Alola?“ Das brachte ihren Meister zum schmunzeln, er hatte sich schon gedacht, dass es das sein würde. Immerhin war er selbst es ja gewesen, der seinen Angestellten erzählt hatte, dass seine Frau rechtzeitig wieder hier sein und ihnen auch zeigen würde, was für exotische Pokémon sie aus dieser fernen Region für ihre Tochter gefangen hatte.

„Hm, hm…“, machte Meister Hourdequin darum erst mal, teilte einen vielsagenden Blick mit seinen Pokémon, und sagte dann: „Da müssen wir mal nachsehen… ^^.“ Isidore öffnete die Tür und sofort stürmten erst mal zwei niedliche Picochilla herein, die sich aufmerksam und ganz aufgekratzt umsahen. „Pico!!!“, rief das eine. „Chilla!!!“, quiekte das andere und dabei hüpften sie alle beide freudig um alle Anwesenden herum und begrüßten sie überschwänglich, denn sie hatten sich ja schon so lang nicht mehr gesehen. Ganz besonders stürmisch wurden aber natürlich Svens Pokémon gegrüßt, denn die kannten sie ja noch überhaupt, gar nie nicht!

„Hehe, darf ich vorstellen? Das sind die Picochillabrüder ‚Romeo‘ und ‚Gonzo‘ – Desirees Hauptpokémon.“, klärte Sven seine Schützlinge, die gerade von den beiden Normalpokémon eifrig umkreist und zugetextet wurden, grinsend auf. Juwelchen waren die Chinchillapokémon sofort sympathisch, weswegen es ihnen ein freudiges ‚Rocara!‘ entgegenbrachte und mit ihnen spielte. Fussel legte den gleichen Enthusiasmus an den Tag und sogar das meist etwas zurückhaltende Tobi freundete sich erstaunlich schnell mit ihnen an.

Wenn Conkeldurr und seine Truppe, welche die Pokémon von Desiree nur allzu gut kannten, nicht gewesen wären, hätten diese zwei Wirbelwinde im Nu auch alle anderen Pokémon dazu animiert mit ihnen richtig wild und ausgelassen zu toben um damit die Tatsache, dass die Backstube gerade sauber geworden war, rasch wieder zunichte zu machen. Denn wie jedes Picochilla hatten auch diese Brüder einen ausgeprägten Putzfimmel und waren deswegen nachvollziehbar enttäuscht, dass sie und ihre Trainerin erst viel zu spät, wo es ja gar nichts mehr zum Putzen gab, hier angekommen waren.

Aber natürlich war Meistagrif auch kein kompletter Spielverderber, weswegen er und seine Kollegen dafür sorgten, dass ein verhaltenes Spiel dennoch möglich war – immerhin würden ja Romeo und Gonzo sich auch ums aufräumen kümmern :P!

Überglücklich quiekend gingen die beiden Brüder auf diesen Kompromiss ein, sodass sich die Backstube in einen kleinen Spielplatz verwandelte. Doch nicht allzu lange, denn plötzlich hielten die Chinchillapokémon inne, spitzten erwartungsvoll die Ohren und sahen freudig zur Tür.

„Haha, dann bist also nun tatsächlich ein Trainer geworden Sven! Wollte mir mein werter Herr Gemahl wirklich kein Ursaring aufbinden, haha!“, lachte nun eine melodische Frauenstimme und Desiree, Maître Hourdequins Frau, betrat anmutig den Raum. Wie ihr Mann war Desiree eine hochgewachsene, sehr kräftige, aber dennoch elegante und schöne Frau Mitte Vierzig, deren feuerrotes, gelocktes Haar ihr bis zu den Schultern reichte.

Obwohl erst heute Morgen aus Alola wieder zurück, wirkte sie immer noch frisch und ausgeruht und ihre dunkel gebrannte Haut sowie ihre weite, farbenfrohe und luftige Kleidung, welche an die traditionellen Gewänder aus dieser Region angelehnt war, sprachen für sich. Dazu hatte sie auch noch ein wunderschönes, handgefertigtes Lei um den Hals, eine schmucke Sonnenbrille im Haar stecken und trug eine neue, blattgrüne, frisch in einer Boutique in Alola gekaufte, Handtasche aus Dratinileder.

Das Desiree wie ihr Mann und ihre Tochter auch eine erfahrene Trainerin war, merkte Sven sofort an ihrem interessiertem, prüfendem Blick, mit dem sie ihn und sein Team aus ihren graublauen Augen anvisierte. Und offenbar gefiel ihr sehr, was sie sah, denn sie nickte zustimmend und meinte freundlich und lobend: „Ein interessantes Team hast du da Junge, nicht schlecht! Deine Pokémon haben auf jeden Fall das Zeug, es mal sehr weit zu bringen und du solltest ihnen auch diese Potenzial entlocken können.“

„Oh, äh… Danke.“, machte der junge Mann etwas verlegen und hielt sich die Hand an seinen Hinterkopf – jeder lobte ihn und seine Pokémon immer so übertrieben über den grünen Klee, das war ihm irgendwie peinlich. Wenngleich er sich in seinem Innersten selbstredend darüber freute. Seine Pokémon genossen dieses Lob weitaus ungezwungener, aber sie wussten ja schon wie ihr Trainer tickte^^.

„Pico!“ „Chilla!“ Riefen da jedoch Romeo und Gonzo auffordernd und waren schon in Desirees Arme gesprungen. „Haha! Ich hab schon verstanden meine Süßen.“, lachte Hourdequins Gemahlin vergnügt und betrachtete die bereits mehr als neugierige Belegschaft mit einem amüsiertem Lächeln: „Jetzt wird es wohl an der Zeit euch zu erzählen, was ich für Suzanne gefangen habe und wie es in Alola aussieht. Also, wollt ihr meinem kleinen Reisebericht lauschen?“

Und wie sie das wollten!

Deswegen entspann sich nun ein heiterer Plausch in dem Desiree sehr ausführlich und gut aufgelegt die zahlreichen, neugierigen Fragen der Angestellten und auch ihres Mannes über Alola beantwortete und auch die eigenen Eindrücke über diese ferne, exotische Region schilderte. Sie wiederum löcherte vor allem Sven mit Fragen, denn als Trainerin, die wie die meisten anderen auch schon immer dieses enorme Potenzial im jungen Mann gesehen hatte, wollte seinen bisherigen Werdegang so detailliert wie möglich und aus seinem eigenen Munde hören. Diesem blieb also nichts anderes übrig, als die ganze Geschichte mit Juwelchen und seinen beiden anderen Teammitgliedern nochmal zu erzählen, doch diesmal tat er es nur zu gern und fühlte sich sogar richtig gut dabei. Wahrscheinlich, so sagte er sich selber, weil er sich endlich richtig darauf eingelassen hatte.

Der Höhepunkt des Tages ließ dann auch nicht mehr lange auf sich warten, da Desiree nun einen Premierball und einen Sympaball hervorholte und unter den hochinteressierten Blicken aller Anwesenden sich daraus ein Miniras und ein Molunk befreiten. Die beiden waren ganz offenkundig noch jung und unerfahren und betrachteten die ganzen versammelten Personen darum zunächst ganz schüchtern und suchten zuerst Schutz hinter Desirees Beinen.

Doch bereits nach etwas gutem zureden von ihr und ihren Picochillabrüder, war das erste Eis gebrochen, sodass das Drachen und das Feuer/Giftpokémon begannen, die Anwesenden anfangs vorsichtig zu beschnuppern, bevor sie auch schon alle mit freundlicher Neugierde kennenlernen wollten.

Eine ganze Weile lang betrachteten und beschäftigten sich ausnahmslos alle, Menschen wie ihre Pokémon, intensiv und hochinteressiert mit diesen wirklich exotischen Neuzugängen. Dazu erklärte Desiree ein bisschen was über die Umstände, unter denen sie das jeweilige Pokémon gefangen hatte.

Übrigens störte sich keiner an dem Umstand, dass die beiden ja eigentlich geschützte Pokémon waren. Für erfahrene Trainer, die bereits einiges in ihrer Laufbahn erreicht hatten, denen man zutraute, dass sie verantwortungsvoll auch mit einem nicht einheimischen Pokémon umgehen konnte und auch nicht negativ aufgefallen waren, gab es nämlich gewisse Ausnahmeregelungen bezüglich dieser Sache. Und sowohl Isidore als auch seine Frau erfüllten diese Bedingungen vollständig und waren clever genug gewesen ihrer Tochter damals nach der Geschichte mit Shardrago auch gleich so einen ‚Freibrief‘ zu ermöglichen.

Ohne es zu wollen, spürte Sven dabei etwas Neid in sich aufsteigen, weil ihm dadurch wieder bewusst wurde, dass er Juwelchen ja immer noch nur auf Zeit hatte. Zumal er anders als sein Meister nichts vorzuweisen hatte, was es rechtfertigen würde, dass er Rocara wirklich behalten könnte. Er wusste wie streng die Mungenauer Behörden waren, Freundschaft allein zählte da nur selten etwas, zumal bei Juwelchen die Sachlage ja sowieso noch ganz anders lag…

„Boah! Die sind wirklich voll cool!“, brachte es Kasimir indessen auf den Punkt, holte damit den jungen Mann zurück ins jetzt und betrachtete vor allem das Giftechsenpokémon neugierig: „Danke, dass sie die uns gezeigt haben Frau Hourdequin! Da wird sich Suzanne aber freuen!“ „Haha, das wollen wir doch schwer hoffen.“, lachte Maître Hourdequin belustigt und umfasste dabei vertraulich die Taille seiner Frau: „Aber meine Liebste war schon immer diejenige, die wusste, was unser entzückendes Töchterlein mag, da verlass ich mich ganz auf ihr Gespür.“

Die beiden wechselten einen vielsagenden Blick, bevor Desiree mit einem geheimnisvollen Ausdruck meinte: „Wisst ihr, ich hab nicht nur die beiden da aus Alola mitgebracht.“

Sofort hatte sie wieder die ungeteilte Aufmerksamkeit aller. „Etwa noch ein ganz besonderes drittes Pokémon?“, wollte Kasimir sofort aufgeregt wissen und bettelte: „Oh bitte zeigen sie es uns! Bitte!“

„Oh ja ‚besonders‘ ist das richtige Wort für dieses. Es ist nämlich wirklich sehr speziell. Zum Beispiel hält es nicht viel von Pokébällen…“, erklärte sie, während sie vergeblich in ihrer Handtasche wühlte und deswegen ausrief: „Hach, wie befürchtet: Dieses kleine Frechzigzachs hat den Trubel meiner Picochilla ausgenutzt und sich mal wieder versteckt. Hihi, immer auf Achse dieser Kleine! Aber wie dem auch sei… Würdet ihr mir suchen helfen? Es muss irgendwo hier in der Backstube sein. Aber passt gut auf, denn es ist wirklich sehr schmal und klein.“

„Gerne doch!“, antwortete Zephyre für alle freundlich und natürlich auch neugierig, weswegen die Angestellten schnell untereinander ausgemacht hatten, wer welchen Bereich absucht. Sven fielen dabei die Arbeitstische mit ihren vielen Fächern und Schubladen zu, die er sogleich sorgsam mit seinen Pokémon unter die Lupe nahm.

„Hm, was das wohl für ein kleines Pokémon sein mag?“, fragte sich der junge Mann interessiert, als er fürs Erste ohne Ergebnis nach und nach in den Schubfächern schaute. Er dachte ja dabei an ein Wommel oder Curelei, beides sehr kleine Pokémon aus Alola, die in gewisser Weise wirklich speziell und besonders waren. Zumindest wenn man bedachte, dass sie als Feenpokémon ein Geschenk für eine Drachentrainerin gedacht waren. Denn selbst Molunk hatte ja immerhin noch ein drachenartiges Erscheinungsbild und erlernte sogar Angriffe dieses Typs.

Für eine ganze Zeit lang verlief die Suche auch bei seinen Kollegen ergebnislos; selbst die Pokémon konnten anfangs nichts finden. Doch dann gewahrte Fussel aus den Augenwinkeln eine flüchtige Bewegung, spitzte die Ohren und zupfte seinem Trainer an dessen Hose um seine Aufmerksamkeit zu erhalten.

„Hast du was gefunden Fussel?“, wollte Sven von seinem Feuerpokémon darum neugierig wissen. „Mara!“, antwortete die Evolition in einem überzeugten Tonfall und machte den jungen Mann auf eine Schublade aufmerksam, in der noch keiner nachgesehen hatte. Schnell wie der Wind hatten sich auch alle anderen Menschen und Pokémon im diese versammelt und betrachteten sie nun gebannt. Und in der Tat raschelte es noch kurz in diesem Schub, bevor es ganz still darin wurde.

„Oh lasst uns schnell nachschauen!“, drängte Kasimir ungeduldig und wollte schon die Schublade aufreißen, doch Zephyre, der zwar genauso neugierig aber viel ruhiger und gelassener war, hielt den Stift zurück und meinte mit Blick auf Sven: „Mach du sie auf, immerhin hat eines deiner Pokémon es ja entdeckt.“

Der junge Mann nickte nur, zog den Schub raus und alle stutzten kurz, denn es lag zwar kein Pokémon, dafür aber ein komisches Papiermännchen drin, von dem man ganz sicher sagen konnte, dass das vorher noch nicht da war. „Ganz schön schräg…“, schoss es Sven durch den Kopf und dachte sich kurz augenzwinkernd, dass er es vielleicht mit nach Hause nehmen sollte, damit Dietbert Strohsack und Coco auch mal echte Kunst zu sehen bekämen^^.

Immerhin war dieses etwa 30 Zentimeter lange, schneeweiße Papiermännchen nämlich eine kunstvoll gefaltete, mit goldenen und roten Zierelementen versehene, Origamifigur, die ein bisschen wie ein einäugiger Samurai aussah und an sich ganz hübsch wirkte.

„Was zum…?!“, entfuhr es Sven wie seinen Kollegen dann jedoch erschrocken. Hatte dieses Papiermännchen etwa gerade… gezwinkert :o?!

„KATAGAMI!!!“

Flapp!

Schon klebte es im Gesicht des jungen Mannes, der daraufhin panisch schreiend durch die Backstube rannte.

„Waaahhh! Macht das weg! Macht das weg! Macht das weeeg!!!“, schrie er dabei unentwegt, während die vermeintliche Origamifigur ein schadenfrohes, vergnügtes Kichern von sich gab und Juwelchen, Tobi und Fussel nicht so recht wussten, wie sie Sven helfen sollten.

„Bei Fuß Issun, aber schnell!“, befahl Desiree da mit strenger Stimme und tatsächlich gehorchte dieses… Wesen aufs Wort, ließ von Svens Gesicht ab und segelte leichtfüßig wie, ja, wie ein Blatt Papier eben durch den Raum und heftete sich schließlich ganz schamlos rücklings an Desirees Oberweite.

Diese störte sich nicht daran, wahrscheinlich spürte sie es nicht einmal, sondern schimpfte die Origamifigur wenig glaubwürdig aus, da sie dabei versöhnlich lächelte, wie beim drolligen Streich eines kleinen Kindes: „Schäm dich Issun, einfach so die Leute zu ärgern! Und deine hübschen Handschuhe hast du auch schon wieder abgestreift… Dabei verletzt man sich doch so leicht an dir!“

„Gami!“, quietsche das Papiermännchen gleichermaßen amüsiert wie entschuldigend und betrachtete alle mit seinem schelmisch zusammengekniffenen, gelben Auge. Dabei es hob brav seine Arme, die in der Tat wie hauchdünne und rasiermesserscharfe Katanas aussahen und ließ es zu, dass Desiree ihm zwei kleine, wie Schwertscheiden wirkende, ‚Handschuhe‘ überstreifte.

„Katagami!“, rief es dann erneut fröhlich und schien unglaublich stolz über diese Handschuhe zu sein, da es nun wie wild mit seinen Armen ruderte, bevor es vor Glück begann, seltsame, fremdartige Laute von sich zu geben. Allen wurde spätestens ab hier klar, dass es sich bei diesem Papiermännchen, wenn überhaupt, um ein sehr sonderbares Pokémon handeln musste. Denn selbst die anwesenden Pokémon reagierten verwirrt auf diese Geräusche, die sie ganz ersichtlich nicht verstanden oder zu deuten wussten. -Einzig Miniras und Molunk zeigten sich unbeeindruckt davon, da sie zwar noch grün hinter den Ohren waren, doch als Pokémon aus Alola von ihren Eltern bereits einige Geschichten diesbezüglich kannten. „Molunk…“, schnaubte das Giftechsenpokémon darum eher genervt als verwirrt und stieß dabei eine süßlich riechende Giftwolke aus, während Miniras zustimmend nickte: „Mini!“ So ein Angeber… Typisch UB halt!

„Uff…“, machte Sven und nachdem er sich wieder etwas beruhigt hatte, betrachtete er dieses sonderbare (und ganz schön unverschämte und rotzfreche^^) Papiermännchen wie die meisten ziemlich skeptisch: „Also das ist jetzt dieses besondere, dritte Pokémon? Aber was ist das denn genau für eines? Von so einem komischem Pokémon habe ich ja noch nie was gehört.“

„Nun, bis ich ihm begegnet bin, wusste ich auch nicht, dass es solche Pokémon gibt.“, gab Desiree unumwunden zu, streichelte lächelnd diesem Origamimännchen über den Kopf und fuhr mit gesenkter Stimme fort: „Wisst ihr, nach einem abendlichen Spaziergang im Mahile Ziergarten war es plötzlich in meiner Handtasche und wollte mich eigentlich zuerst nach seiner Entdeckung in meinem Hotelzimmer angreifen!“

„Pico!“, quiekten da Romeo und Gonzo prahlerisch dazwischen und stemmten ganz stolz ihre Ärmchen in die Hüften, was ihre Trainerin zum Lachen brachte: „Ja, ja ihr zwei habt selbstverständlich sofort eingegriffen und Issun damals ganz schön die Stirn geboten und es schlussendlich auch besiegt, hihi. Es ging zwar die halbe Einrichtung dabei drauf, aber dafür hat sich Issun beruhigt und sofort Freundschaft mit uns geschlossen. Fangen lassen wollte es sich allerdings nicht, dass hat es uns sehr deutlich mitgeteilt – so schnell wie es die Bälle zerteilt hat, hab ich gar nicht werfen können^^.“

Dann bekam die sonst so fröhlich und sorglos wirkende Desiree plötzlich einen ganz nachdenklichen Ausdruck:

„Das Issun ein besonderes Pokémon sein musste, wurde mir schon während des Kampfes klar… Die schiere Kraft und Wendigkeit die es da an den Tag legte war Beeindruckend und konnte man durchaus mit einem Legendärem vergleichen! Unter anderem zerteilte es mit einem einzigen Hieb mal eben meinen massiven Zimmertresor fein säuberlich in zwei Teile! Ich und meine Picochilla hatten schon lange keinen so fordernden Kampf gegen ein wildes Pokémon gehabt. Außerdem haben die Pokébälle, die Issun nicht zerlegt hat, überhaupt nicht auf es reagiert…

Und diese Vermutung wurde auch gleich darauf bestätigt, da keine zehn Minuten nach diesem Kampf plötzlich zwei Beamte, eine Frau namens ‚Anabel‘ und ein Mann der sich als ‚Le Belle‘ vorstellte, von der internationalen Polizei vor der Tür standen! Wie sie davon erfahren haben, dass sich Issun in meinem Zimmer befindet kann ich nur raten, doch ich vermute mal, dass sie ihm schon länger auf den Fersen waren. Vielleicht war das auch der Grund, warum es sich in meiner Tasche versteckt hatte.“

„Wow!“, unterbrach sie Kasimir ganz erstaunt und fragte in seiner jugendlichen Ungeduld voreilig: „Sagen sie bloß, die Polizisten wollten ihnen Issun wieder wegnehmen?!“

„Du hast es erraten Kasimir, dass wollten sie in der Tat!“, bestätigte Desiree zunächst ernst: „Sie erklärten mir ohne Umschweife, dass es sich bei Issun um ein seltenes, bislang kaum erforschtes Pokémon handelte, dass wegen seiner enormen Stärke und Unberechenbarkeit eine Gefahr darstellen könnte. Und deswegen wollten sie es zum Schutz der Allgemeinheit sicherstellen…“

Doch dann lächelte sie schon wieder: „Zumindest solange, bis sie zugebenermaßen ziemlich perplex sahen, wie zahm und anhänglich sich Issun mir und meinen Picochilla gegenüber verhielt. Eben alles andere als eine Gefahr für die Allgemeinheit^^.

Das wiederum weckte ihre Neugierde und wir kamen ins Gespräch in dessen Verlauf ich unter anderem erfuhr, dass Issun ein Katagami; ein Pokémon welches die Typen Pflanze und Stahl in sich vereinte; war. Und weil es Issun so gut bei mir gefiel und es selbst den ausdrücklichen Wunsch äußerste, bei mir zu bleiben, haben sich die beiden sogar bereit erklärt dafür zu sorgen, dass ich es auch behalten darf, aber das seht ihr ja selber, hihi!“

„Katagami!“, unterstrich Issun derweil fröhlich, wedelte wild mit seinen Armen und löste sich wieder von Frau Hourdequins Busen um sie freudig und leichtfüßig zu umkreisen, bevor es sich vor den Angestellten ‚aufbaute‘ und genießerisch in deren ungeteilter Aufmerksamkeit badete.

Es war offensichtlich, dass es Issun genoss im Mittelpunkt zu stehen und für etwas Besonderes gehalten zu werden, doch genauso ersichtlich war es für die Anwesenden, dass Desiree ihnen scheinbar nicht alles über dieses Pokémon sagen wollte oder durfte. –An sich aber kein Wunder, wenn sich schon die internationale Polizei damit befasste, weshalb sie sich diesbezüglich damit zufrieden gaben und keine weiteren Fragen stellten.

„Jedenfalls bin ich bereits sehr gespannt, was Suzanne zu diesem aufgeweckten, kleinen Schelm sagen wird und umgekehrt, hihi.“, kicherte Desiree indessen abschließend und fügte noch hinzu: „Und ich möchte mich noch für den kleinen Trubel entschuldigen, den Issun angerichtet hat – vor allem bei dir Sven.“ In ihren Zwischentönen und Gesten machte sie darüber hinaus noch deutlich, dass sie sich auch für diese Geheimniskrämerei entschuldigen möchte, doch sie hatte den Beamten versprochen, keine unnötigen Details vorerst zu verraten.

„Ach halb so schlimm. Immerhin haben wir ja von ihnen einige hochinteressante Pokémon zu Gesicht und erstaunliche Details über Alola bekommen^^.“, wiegelte der junge Mann darum freundlich und wissend ab und meinte dann verständlich: „Außerdem sollten wir uns eh langsam auf den Heimweg machen.“

Das stimmte in der Tat: Es war schon halb Elf vorbei – seit über einer Stunde nach Feierabend standen sie schon in der Backstube herum und plauderten!

Mit Ausnahme von Kasimir hatten alle Angestellten schon gemerkt, wie Maître Hourdequin langsam ungeduldig wurde, aber sich bemühte es nicht zu zeigen. Und sie konnten ihn auch verstehen:

Isidore sah heute seine geliebte Ehefrau zum ersten Mal seit Monaten wieder und auch, wenn sie erst übermorgen zu ihrer Tochter nach Johto reisen würden, würde er trotzdem viel zu kurz mit ihr die traute Zweisamkeit genießen können. Schließlich war für ihn als Chef die Arbeit mit dem Saubermachen der Backstube nicht getan. Er musste sich noch um die Bestellungen kümmern, später auch dafür sorgen das der Laden in Ordnung gebracht wurde, Vorsorge für die Eröffnung nach dem Urlaub treffen, sich mit – schauder!- etwas Buchhaltung befassen, packen und, und, und…

Darum begriffen Sven, Estelle und Zephyre, dass es unhöflich und aufdringlich wäre, noch länger hierzubleiben, denn immerhin hatte ihr Meister ja Wort gehalten und jetzt war eben genug. Deswegen bedankten sie sich allesamt noch mal aufs herzlichste bei Desiree für das Zeigen von Suzannes neuesten Teammitgliedern, wünschten ihr, ihrem Mann und deren Pokémon nochmals einen wunderschönen Urlaub, packten den etwas verdatterten Kasimir; welcher gern noch geblieben und sich mit dem Molunk beschäftigt hätte; an den Schultern und wandten sich zum gehen.

Während Isidore nun für einen Moment allein mit seiner Frau sein konnte und die beiden Picochillabrüder unter der Aufsicht von Conkeldurr die Backstube wieder freudig säuberten, hatte sich Sven geschwind umgezogen und sich von den anderen Angestellten verabschiedet. Tobi und Fussel wiederum, die nun zu Recht müde waren, rief er in ihre Bälle zurück, damit sie sich schon mal ausruhen konnten. Der junge Mann hingegen fühlte sich noch voller Energie, sodass er beschwingt zusammen mit Juwelchen noch in den Lagen ging. Er wollte sich dort noch ein letztes Mal vor dem Urlaub mit ein paar Lebensmitteln eindeckten, bevor er selber den Heimweg antrat.

„Cara, cara!“, summte Juwelchen fröhlich, umkreiste seinen Trainer wie so oft ausgelassen und sah zu, wie dieser nach und nach die Dinge, die er brauchte, in seine Stofftasche packte. Das Rocara genauso erschöpft war wie seine Teamkollegen, war ihm fast nicht anzumerken. Dennoch wollte Sven auch der kleinen Fee die Möglichkeit geben, sich ausruhen zu können und da er es ja nicht wie seine anderen Pokémon in einen Ball stecken durfte, hatte er sich schon vor einiger Zeit etwas Vergleichbares einfallen lassen…

„Gut, ich bin fertig Juwelchen.“, meinte der junge Mann zum Gestein/Feetyp nachdem er seine Waren an die Kasse gelegt hatte und öffnete seinen Rucksack. „Rocara!“, rief Juwelchen da aus und war mit einem Satz in diesen gehüpft, sodass nur noch sein Kopf mit den himmelblauen Augen und die Ohren herausschauten. Rocara hatte Gefallen daran gefunden, sich von Sven in dessen Rucksack herumtragen zu lassen, denn so hatte es immer noch einen halbwegs guten Überblick und war auch in der Lage sich ein bisschen zu entspannen. Und da das Edelsteinpokémon nur 30 Zentimeter groß und mit seinen fast sechs Kilo noch nicht zu schwer war, konnte der junge Mann es auf diese Weise leicht unterbringen und transportieren. –Nur seine eventuellen Einkäufe musste Sven dann immer in seiner Tasche in der Hand tragen, denn vor allem die sensibleren Sachen wie Butter oder Eier würden sonst unabsichtlich von Juwelchens hartem Körper zerdrückt und schön im Inneren des Rucksacks verteilt werden :roll:

„Du freust dich sicherlich schon darauf, dass es ein Uhr nachmittags wird und du auch in den Urlaub kannst, nicht wahr Michel?“, fragte der junge Mann während des Abkassierens gut gelaunt den Verkäufer, der noch ein schmächtiger 17-jähriger, blasser Junge mit hellbraunen, kurzen Haaren und eigentlich noch ein Azubi war. Reinhild war nämlich nicht die einzige Verkäuferin in Hourdequins Laden, aber durchaus die Einnehmendste :P.

Genau genommen war Michel die passende Ergänzung dafür, denn er war keine Quasselstrippe sondern sehr verschlossen und in sich gekehrt, sodass seine Antwort entsprechend karg ausfiel:

„…“

„Und bestimmt hast du viel in den drei Wochen vor, nicht?“, sprach Sven beim Einpacken seiner Waren weiter, ohne sich daran zu stören.

„…“

„Ich wünsch dir auf jeden Fall viel Spaß Michel.“

„…“

„Und dir selbstredend auch Kirlia!“

„Kirlia!“, antwortete das Emotionspokémon freudig und vollführte eine kleine Pirouette um auszudrücken, dass es Sven und seinen Pokémon das gleiche wünschte. Kirlia war Michels einziges aber innig geliebtes Pokémon, welches er schon als Trasla kurz nach seiner Geburt erhalten hatte. Und mit Fug und Recht konnte man behaupten, dass der Psycho/Feetyp auch seine Vermittlerin im Umgang mit seiner Umwelt an sich und den Menschen im Speziellen war. Mithilfe ihrer Psychokräfte wusste Kirlia sofort, was die Kunden wollten, übermittelte dies seinem Trainer und sorgte so und mit ein paar weiteren Kniffen dafür, dass Michel nicht aus seiner Schweigsamkeit heraustreten musste und es diesem überhaupt möglich war, diesen Beruf zu erlernen.

Immer wieder aufs Neue war Sven gerührt von Kirlias Einsatz und mit einem glücklichen Lächeln, drehte er sich um und wollte sich zum gehen wenden. ‚Wollte‘ wohlgemerkt, denn kaum, dass er sich umgedreht hatte, wurde ihm auch schon ein wundervoll gebundener Blumenstrauß in die freie Hand gedrückt ehe sich Lilly an ihn schmiegte und den jungen Mann schmachtend mit großen Augen ansah. „Sella…“, seufzte es dabei und wirkte ganz verträumt und verliebt.

Sven wiederum war die ganze Sache eher peinlich, zumal ihm Lillys Verhalten schon seit einigen Tagen ziemlich befremdlich war. Die ganze Zeit schon hatte das Blumenzierpokémon ihn schon so angehimmelt, mit Blumen beschenkt und schien ihn für sich zu beanspruchen. War es nicht sogar letzten Dienstag, als er in Wunibalds Dojo Juwelchen die Erdkräfte beigebracht hatte, eine ganze Stunden vor Reinhild selbst; obwohl die beiden normalerweise unzertrennlich waren; dort aufgekreuzt um ihn, also wirklich ihn und nicht Rocara, aus vollem Herzen anzufeuern und sie am liebsten persönlich zu trainieren? Und hatte es nicht auch eifersüchtig reagiert, als Chantal ihn vor ein paar Tagen auf der Arbeit abgeholt und sie zusammen Hand in Hand nach Hause flaniert waren?!

Auf jeden Fall stimmte da etwas ganz und gar nicht!

„Reinhild?“, rief Sven darum durchaus etwas genervt aus, denn aus Dressellas Umarmung gab es kein Entkommen und somit auch kein wohlverdientes Heimkommen: „Hast du etwa vor Kurzem was an deiner Pokériegelrezeptur verändert? Falls ja, dann mach das sofort rückgängig! Es ist mir nämlich tausendmal lieber, wenn du berauscht bist, als dein Dressella!“

„Ach ist das süüüüß!“, machte die junge Zauberhaar, die zwischen ein paar Regalen auftauchte, zunächst mal bei diesem Anblick: „Hach, Lilly macht echt keine halben Sachen :3!“ „Reinhild…!“, schnaufte der junge Mann gedehnt und hochrot im Gesicht, schließlich waren noch andere Kunden im Laden und diese kamen nicht umhin leise zu schmunzeln und zu tuscheln. –So ein anhängliches Pokémon, da muss man ja aufpassen, das da nicht noch mehr draus wird :P! „Wenn meine Frau doch nur auch so wäre…“, seufzte ein älterer Mann unter anderem wehmütig und schüttelte seinen Kopf, als er an das alte Brutalanda bei sich zuhause dachte…

„Reg dich ab Sven, das ist alles ganz leicht erklärt.“, antwortete Reinhild, quittierte Svens bösen Blick mit einem frechen Grinsen und hob besserwisserisch ihren Zeigefinger: „Der Grund sind nämlich nicht meine exquisiten Pokériegel, sondern du!“ „Wa... was?!“, stammelte der junge Mann verwirrt und begriff nicht: „Was hab ich denn getan?“

„Mensch, ist das so schwer? Du hättest Lilly am vorletzten Dienstag nicht küssen dürfen!“, offenbarte die Verkäuferin mit einem leisen Tadel in ihrer Stimme, während sie mit ziemlicher Mühe ihr Dressella weg vom jungen Mann zog: „Lilly verliebt sie so leicht und gibt sich ihren Gefühlen dann immer genauso leidenschaftlich hin wie ich dem Cosplay. *Kicher*“

„Moment! Willst du etwa damit sagen das Lilly sich in mich… verliebt hat :huh:?!“, entfuhr es Sven ganz irritiert, aber der Anblick des Blumenzierpokémon, welches ihn immer noch so komisch ansah und Luftküsse zuwarf, ließ keinen anderen Schluss zu. „A…Aber… Das war doch nur ein unbedachter Kuss, weil ich mich so gefreut habe… Ich meine… Mensch und Pokémon auf diese Weise… Das geht doch gar nicht!!“, protestierte der junge Mann verstört und hochrot, während er Juwelchen hinter sich vergnügt kichern hörte.

„*Kicher* Jetzt krieg nicht gleich die Krise Sven, hihi.“, lachte Reinhild amüsiert, wenngleich sie Mühe hatte, Lilly bei sich zu behalten: „Erstens ist es schon möglich, dass sich Mensch und Pokémon ineinander verlieben können, auch wenn das nur sehr selten vorkommt, nur damit du es weißt, hihi. Und zweitens ist das nur einen harmlose Liebelei, nichts weiter. Das weiß meine Lilly selber auch nur zu gut; nach dem Urlaub wird sie so tun als wäre nichts gewesen. Aber sie genießt halt auch diese flüchtigen Gefühle in vollen Zügen! Meinem großen Bruder ist es letztes Jahr übrigens genauso ergangen, weil er Lilly im Laufe eines Theaterstücks einen Heiratsantrag gemacht hat, hihi. So ist meine Süße halt, vielleicht etwas übertrieben aber trotzdem einfach goldig nicht?“

„Ähm… ja schon… irgendwie…“, brummelte der junge Mann einfach und schüttelte in Gedanken den Kopf. Da er jetzt aber wirklich gehen wollte, beschloss er, nicht weiter darauf einzugehen. Er bedankte sich für den Blumenstrauß, der in der Tat äußerst schön war und wünschte auch Reinhild und Lilly einen wunderschönen Urlaub. Das tat er allerdings durchaus herzlich, denn schließlich verdankte er ihr und ihren Geschwistern die Tatsache, dass ihm eingefallen war, wie er Fussel helfen konnte. –Das hatte er nämlich nicht vergessen.

„Sella…“, seufzte Lilly dann, nachdem Sven gegangen war, ganz verträumt und lehnte sich so dicht an Kirlia an, dass es diesem unangenehm war. „Ja Sven wäre wirklich ein toller Partner für dich Lilly. *Kicher*, giggelte Reinhild und sah Michel und sein Pokémon an: „Findet ihr nicht auch?“

Das Emotionspokémon und sein Trainer wechselten einen kurzen Blick und ganz einvernehmlich antworteten sie gemeinsam:

„…“

In der Zwischenzeit war Sven schon mit flinken Schritten unterwegs, denn angesichts des herrlichen Kaiserwetters und der Tatsache, dass heute der letzte Arbeitstag war, hatte er sich bereits schon gestern vorgenommen, den Heimweg zu Fuß zu bewältigen. Richtig müde war er auch jetzt noch nicht und der vorfreudige Gedanke, was er alles in diesem Urlaub tun wollte, ließen ihn gut gelaunt den Weg entlang schreiten und seinen Gedanken nachhängen.

Denn jetzt, da Fussel endlich überm Berg war, konnte und wollte sich der junge Mann nun daran machen, sich seine Sporen als Trainer zu verdienen und gleich Morgen würde er den ersten Schritt dazu unternehmen!

„Cara!“, unterbrach Juwelchen ihn in einem frechen Tonfall und mit einem verschmitzten Blick sodass sein Trainer breit grinsend eine überzeichnete, theatralische Geste machte: „Schon klar Juwelchen! Heute müssen wir unser Zuhause erst mal auf Vordermann bringen, bevor wir uns ins Abenteuer stürzen, haha! Aber das kriegen wir doch auch noch hin :D!“ Also beschleunigte Sven darum seinen Schritt und eilte nach Hause, denn dort wartete wirklich noch einiges an Arbeit auf ihn:

Nach einem kleinen Schläfchen ging es darum zuerst in den Garten um die erst vor einigen Tagen gepflanzten Beerenbüsche, die sich Tobi übrigens hat aussuchen dürfen, ausgiebig zu gießen und zu Mulchen damit sie auch schön anwachsen und morgen das Alleinsein verkraften konnten. Zwar gefiel dem jungen Mann die Gartenarbeit auch jetzt eher weniger, doch er konnte nicht leugnen, dass sie etwas Entspannendes an sich hatte – zumal ihm seine Pokémon auch tatkräftig halfen.

Über den Gartenzaun hinweg plauderte er dabei ein wenig mit seiner Nachbarin Lise, die ebenfalls gemeinsam mit ihrer Flusi in ihrem Garten arbeitete, gerade wenig zimperlich das Unkraut aus ihrem Gemüsebeet rupfte und Sven trotz der Anstrengung fröhlich lachend etwas Hilfestellung gab.

Gerne hätte er sich auch mit Chantal unterhalten oder sie gleich zu sich eingeladen, doch seine Freunde war heute ebenfalls wieder in Sachen Arbeit unterwegs und nie war Sven die Urlaubszeit, in der so viele Touristen einen designten Ball wollten, so lästig vorgekommen :P.

Ihre Eltern waren heute übrigens auch nicht zugegen, da sie einen kleinen Badeausflug zum Glitzersee machten, den sich vor allem Alexandre redlich verdient hatte. Diese Diebstahlserie hatte ihm, zu seinen normalen Tätigkeiten, nämlich einiges an Überstunden eingebracht. Sie fand zwar fernab von Regelsberg statt, doch um diesen Kerl nicht entwischen zu lassen, arbeiteten die Behörden selbstverständlich Revierübergreifend zusammen. –Nebenbei hatte Sven schon lange seinen Freund nicht mehr über den Ermittlungsfortschritt bezüglich Juwelchen ausgefragt. Er wollte im Grunde auch gar nichts davon wissen, aus der trügerischen Hoffnung heraus, dass seine Unkenntnis ihn vor etwaigen Ergebnissen schützen würde…

Dietbert Strohsack und Coco waren ihrerseits dummerweise anwesend und obendrein gerade joggen gewesen, sodass sie nun ihrerseits, an Svens kleine Gartenmauer gelehnt, diesem und seinen Pokémon im Gegensatz zu Liese eher neunmalkluge und hanebüchene Tipps zur Pflege von Beerenbäumen gaben, die im Grunde niemand hören wollte…

Glücklicherweise hatte der junge Mann seine Arbeiten dort bald erledigt und konnte vor den beiden mit einer fadenscheinigen Ausrede ins Haus ‚flüchten‘, wo er zunächst mal seine heutigen Arbeitsklamotten in die Waschmaschine steckte, während er seine anderen für die nächsten drei Wochen einmottete. Nach allerlei anderen Erledigungen, die dafür gesorgt haben, dass es schon fast halb vier war, stand nur noch ein gründlicher Hausputz auf dem Plan.

Und bei diesem half ihm ganz besonders Fussel eifrig, da es nun nicht nur das Putzwasser erwärmen, sondern danach auch gleich seinen Schweif wie einen Mischmop benützen und mit seinem Feueratmen auch noch nachtrocknen konnte. Tobi kümmerte sich mit Sven derweil um die Fenster und Juwelchen hielt sich hier, bei all den Arbeiten die in Verbindung mit Wasser getätigt werden, wie immer dezent zurück^^.

„Gut, das wäre nun auch erledigt!“, fasste der junge Mann freudig zusammen und stemmte zufrieden seine Händen in die Hüften, als er mit seiner Truppe das nun blitzblanke Haus betrachtete: „Jetzt können wir uns dem interessantesten Teil des Tages widmen: Unserem großen Ausflug morgen nach Walkerszell!“

Sofort spitzten seine Pokémon bei diesen Worten interessiert die Ohren und wirkten genauso vorfreudig und begeistert wie ihr Trainer, denn er hat ihnen ja schon oft genug vorgeschwärmt, was für eine große Sache das werden würde: Nämlich ihre erste, mehrtägige Unternehmung!

Darum hatte Sven auch sein Haus so auf Vordermann gebracht: Sein Plan war es, gleich morgen in aller Frühe mit Rotom nach Walkerszell zu fahren, dort bis Dienstag zu übernachten und sich dann erst wieder auf den Heimweg zu machen. Zugegeben, das war jetzt kein gewaltiger Trip, doch verglichen mit den kleinen Erkundungen rund um Regelsberg immer noch ein ganzes Stück besonderer^^.

Walkerszell – das war übrigens ein größeres, uriges Dorf aus Sandsteinhäusern, welches in einer großen Talsenke, einige Kilometer östlich von Regelsberg, lag. Umringt von einem dichten, sumpfigen Urwald, hatte sich dort eine ganz eigene Fauna von Pokémon, die man fast nirgends sonst in Mungenau finden konnte, angesiedelt, was ohnehin zahlreiche Trainer anlockte.

Doch der eigentliche Grund, warum es Sven dorthin zog, war die Tatsache das dort ab morgen das bereits 52te ‚Walkerszellsche Freiturnier‘ abgehalten wurde. Das war ein in Mungenau sehr beliebtes Kampfturnier, bei dem es völlig egal war, wie weit man schon als Trainer ist, weshalb es sich gerade bei Anfängern, Hobbytrainern und solchen, die ihre Stärke noch nicht einzuschätzen wussten, besonders großer Beliebtheit erfreute.

Um trotzdem die Fairness unter den Kontrahenten zu gewährleisten wurden die Teams der einzelnen Trainer von einer Jury aus erfahrenen Profis begutachtet und in eine von fünf Gruppen eingeteilt. Und die besten zehn Kämpfer einer jeden Gruppe erhielten für ihre Leistungen ein besonderes Band als Auszeichnung für ihr Können und das ihrer Pokémon.

Aber dieses Band hatte nicht nur einen dekorativen Charakter: Solcherlei Nachweise waren, nebst den Orden; die als höchstwertigste Nachweise galten; für die Teilnahme an manch anderen, höherrangigen Turnieren und Wettkämpfen in Mungenau vonnöten, da nicht bei jedem Anfänger etwas zu suchen hatten. –Man konnte dies gut mit den Wettbewerben aus Hoenn oder Sinnoh vergleichen.

Und genau deswegen war Sven sogar auf ein Band aus. Denn getreu seiner ‚Wenn schon, denn schon!‘-Mentalität, war in ihm nach und nach der Ehrgeiz erwacht, seine Grenzen und sein Talent als Trainer auszuloten, weshalb er an so vielen Pokémonveranstaltungen teilnehmen wollte wie möglich. Und ganz nebenbei hoffte er auch, dadurch an Erfahrung und Stärke zu gewinnen, die ihm dann in der Mungenauliga von Nutzen sein konnten.

Somit kam dem jungen Mann dieses Turnier als Einstieg für sein Vorhaben sehr gelegen – zumal er sich angesichts der Niederlage gegen Vater Soulas, die ihm immer noch in den Knochen steckte, auch noch nicht bereit für das Erringen eines Ordens fühlte. Dafür traute er es sich und seinen Pokémon aber schon zu, unter die besten zehn zu kommen, sodass es für ein Band reichte. Und mit diesem hätte er die Möglichkeit gehabt, sich für einen Wettkampf anzumelden, der ihn schon faszinierte, seit er hierhergezogen war und dieses Jahr genau an seinem Geburtstag stattfand!

„Aber alles zu seiner Zeit!“, ermahnte sich Sven selbst und versuchte seine Gedanken nicht allzu weit in die Zukunft schweifen zu lassen. Stattdessen erhob er sich von seinem Sofa, räumte die Flyer des Turniers beiseite, kramte eine kleine, schwarze Box aus seinem Schrank hervor und meinte mit einem erwartungsvollen Lächeln zu seinen Pokémon: „Jetzt bereite ich euch erst mal auf morgen vor. Ihr sollt doch ausgeruht und fit sein Leute!“

„Rocara!“ „Togel!“ „Mara!“ Diese Aussage zusammen mit dieser Box brachte die Augen seiner Pokémon sofort zum strahlen und den jungen Mann zum schmunzeln, denn sie wussten augenblicklich, was sie nun erwartete: Ein bisschen Wellness :D!

In der Tat enthielt diese Box diverse Pflegeartikel wie verschiedenartige Bürsten oder spezielle, für Gesteinspokémon extra entworfene, Poliertücher und war ein Geschenk des Pokémon-Centers, welches Sven ein paar Tage nach seiner Entscheidung, Trainer zu werden, quasi zum Einstand erhielt.

Mithilfe von Chantal und dem Personal des Centers hatte der junge Mann eifrig und schnell gelernt, wie er mit diesen Hilfsmitteln seine Pokémon pflegen und verwöhnen konnte. So gut wie jeden Tag nahm er sich immer ein bisschen Zeit für so eine Pflegeeinheit; stärkte sie doch das Band zwischen Pokémon und Trainer ungemein und half allen beiden abzuschalten und sich zu entspannen, was dafür sorgte, dass man beim nächsten Training oder Kampf wieder alles geben konnte!

Und heute, vor so einem wichtigen Tag, pflegte Sven seine Truppe natürlich besonders lang und gründlich, sodass das Haus lange erfüllt von den zufriedenen Lauten seiner glücklichen Pokémon war. Als der junge Mann dann um kurz vor acht mit dieser intensiven Pflege fertig war, war er zwar müde aber genauso fröhlich wie sein Team, dass nun äußerlich wie innerlich strahlte und ihren Trainer dankbar und entschlossen, die morgigen Herausforderungen zu Stämmen, ansahen.

Juwelchens kristalline Strukturen funkelten so schön wie es sich für Edelsteine gehörte und waren wie seine felsige Haut wunderbar poliert, während Tobis Federn und Fussels Fell ganz weich und glatt auf ihrer Haut lagen und in der Abendsonne glitzerten. – Alles in allem ein Anblick, der zeigte, dass sich dieser Aufwand mehr als gelohnt hatte.

„So, jetzt kann der morgen ruhig kommen! Wir sich bereit.“, sprach Sven darum hochzufrieden aus und grinste breit, denn er war trotz aller Bescheidenheit selbstredend stolz darauf, dass seine Pokémon nun so gut aussahen. Er streckte sich genüsslich, gähnte herzhaft und beschloss nun, sich selbst auch noch etwas Gutes zu tun und unter der Dusche zu verschwinden.

Frisch gewaschen gönnte er sich noch ein üppig mit Käse und Beeren belegtes Brot zum Abendessen, währen sich Tobi ein paar Beeren schmecken lies und Fussel seine Kötel, äh, sein Premiumfutter bekam. Danach ging es, trotz der Tatsache, dass es noch nicht mal ganz halb neun war, ab ins Bett, denn schließlich wollte der junge Mann morgen bereits wieder um fünf Uhr aufstehen, damit er so zeitig wie möglich mit Rotom nach Walkerszell düsen konnte.

Dank der guten Klimatisierung war es in Svens Schlafzimmer auch im Sommer angenehm kühl und da morgen ein besonderer Tag werden würde, warf sich Juwelchen augenblicklich freudig quietschend ins Bett seines Trainers. Denn anders als manch anderer Trainer ließ Sven seine Pokémon grundsätzlich nachts außerhalb ihrer Bälle schlafen, weshalb für sie drei schmucke und große Körbchen am Fußende seiner Bettstatt standen.

Normalerweise schliefen alle drei Pokémon gerne in ihren eigenen Bettchen, doch vor so besonderen Tagen wie morgen, durfte das Edelsteinpokémon auch in Svens Bett schlafen, was dieses immer ganz aufgeregt und freudig annahm. Tobi und Fussel hingegen sagte ein eigener Schlafplatz vielmehr zu, konnten aber die Freude von Juwelchen nur zu gut verstehen. (Es war übrigens Sven selbst, der Rocara diesen Vorschlag unterbreitet hatte^^.)

Hochzufrieden mit dem Verlauf des Tages und voller Vorfreude auf Morgen wünschte er seinen Pokémon noch eine gute Nacht, bevor er sich, mit Juwelchen im Arm, in sein Bett legte, das Licht löschte und rasch in einen tiefen, erholsamen Schlaf fiel…

…um am nächsten Morgen ausgeruht und frisch wieder zu erwachen. Der junge Mann gähnte und streckte sich wie seine Pokémon lang und ausgiebig und warf einen Blick auf seinen irgendwie vorwurfsvoll wirkenden Hoot-Hoot-Wecker, der ihm anzeigte, dass es bald acht Uhr morgens war.



…!!!

„VERDAMMT! Ich hab verschlafen!!!“

Sofort fuhr Sven erschrocken hoch und prüfte nochmals die Uhrzeit, doch seine Augen hatten ihm keinen Streich gespielt: Er hatte tatsächlich vergessen seinen Wecker zu stellen! An alles hatte er gedacht, nur an das nicht, was für ein Pech aber auch! So etwas kam beim jungen Mann zwar nur alle Jubeljahre – und glücklicherweise bisher nur zwei, dreimal an einem Arbeitstag – vor, doch es konnte eben doch mal passieren, was ihn immer ziemlich ärgerte. „Jetzt aber schnell!“, dachte er sich darum und eilte ins Bad, während seine Pokémon noch ganz verschlafen blinzelten und ihm zunächst verwundert nachsahen.

In solchen Fällen konnte der junge Mann eine ganz beeindruckende Geschwindigkeit an den Tag legen, weshalb er nach nicht mal einer halben Stunde bereits, komplett ausgerüstet für dieses Abenteuer, zusammen mit Juwelchen an der Haltestelle seines Viertels auf Rotom wartete. An dieser Stelle war er heilfroh darüber, dass er sich Rotom für heute nicht reserviert hatte, denn ansonsten hätte dieses ja die ganze Zeit umsonst auf ihn warten müssen.

Auch heute versprach es nebenbei wieder ein wunderschöner Sommertag zu werden: Vom strahlend blauen Himmel, über dem nur hie und da ein paar harmlose Quellwolken zogen, strahlte die liebliche Morgensonne auf das Land herab und eine frische, angenehme Brise wehte durch die Gassen der Stadt und machte die sommerlichen Temperaturen erträglich. –Das perfekte Wetter also für einen großen Ausflug!

Genießerisch sog Sven die liebliche Luft ein und strahlte wieder über das ganze Gesicht, denn sein anfänglicher Ärger über dieses kleine Malheur war schon längst wieder verflogen und machte wieder der Lust auf dieses Abenteuer Platz. Nach wie vor würde er ja am Turnier, welches ja mehrere Tage dauerte, teilnehmen können. Das einzig ärgerliche war im Grunde bloß, dass er die Eröffnungszeremonie; von der es hieß, dass sie immer wunderbar schön arrangiert sei; verpassen und auch bestimmt nichts mehr vom unglaublich leckeren und berühmten ‚Walkerszell-Eintopf‘ abbekommen würde. Aber was machte das schon, wenn er sich immerhin als Trainer beweisen konnte :D?

Schon düste Rotom in seinem R-Bike mit Karacho um die Ecke und kam gekonnt direkt vor den beiden zum stehen. „Roto! Rotom!“, begrüßte das Plasmapokémon die beiden ganz überschwänglich freundlich und neugierig, weil es schon gespannt war, wohin der junge Mann und Rocara denn schon gleich an ihrem ersten Urlaubstag wollten.

„Dir auch einen guten Morgen Rotom!“, grüßte Sven lachend zurück, setzte rasch seinen Helm auf und nahm sofort schwungvoll Platz, während das Edelsteinpokémon fast noch schneller in seinem Korb gesprungen war und ganz laut und aufgeregt rief: „Rocara!!!“

„Bring uns nach Walkerszell Rotom!“, erklärte der junge Mann dann schon mit einem verschmitzten Grinsen und wusste, dass sein Gegenüber damit über alles Bescheid wusste.

In der Tat blitzten die Augen von Rotom erkennend auf und ganz kurz murmelte es ein vielsagendes ‚Roto^^.‘, in sich hinein. Soso, da will es aber jemand wissen… Gut so!

„Rotom!“, rief es dann jedoch gleich auffordernder, schließlich war es bis Walkerszell ein ganz schönes Stück und es kannte Sven gut genug um zu spüren, dass dieser eigentlich schon viel früher loswollte. Dieser nickte zustimmend und meinte darum: „Ja so sieht’s aus Rotom. Also lass uns Gas geben!“

„Tooom!“ Nichts lieber als das 8)!

Unter dem Jubel von Juwelchen sausten sie darum auch sofort mit Kurs auf Walkerszell los und hatten schon bald die, auch an diesem Sonntag sehr geschäftige, Stadt in östlicher Richtung verlassen. Auf einem geschwungenen Radweg schlängelten sie sich durch die malerische Landschaft von Regelsberg mit ihren Felder, Wiesen, Baumgruppen und Heckensäumen, die allesamt vor Pokémon nur so wimmelten.

An diesem herrlichen Tag war Sven natürlich auch auf dem Radweg nicht allein unterwegs, sondern traf immer wieder auf andere Radler mit denen er ausgelassen ein wenig plauderte, bevor meist einer oder mehrere von ihnen nach ein paar Kilometern auch schon wieder in einen anderen Weg abbogen und dafür sich ein neuer dazugesellte.

So gestaltete sich die Reise nach Walkerszell äußerst angenehm und lustig, doch je weiter der junge Mann sich von Regelsberg entfernte, desto öfter wurde ihm die Frage gestellt, warum er denn ein Rocara bei sich hatte. Anders als noch zu Beginn ihrer gemeinsamen Zeit antwortete er jetzt fröhlich und ausführlich - und natürlich unterstützt von Juwelchen selber - auf diese Frage, und wurde es auch nicht müde, seine Antwort jedes Mal auf Neue zu wiederholen. Seine gute Laune konnte das selbstredend nicht trüben, doch ein wenig nachdenklich stimmte es ihn schon. Denn es machte Sven wieder bewusst, wie sehr er und seinen nähere Umgebung sich bereits daran gewöhnt hatten, dass er mit Juwelchen ja eigentlich ein ganz besonderes Pokémon im Team hatte…

Die Zeit verstrich und auf dem letzten Teil des Weges, war der junge Mann wieder gänzlich allein unterwegs, was ihn aber nicht wunderte. „Schließlich sind alle andere, die nach Walkerszell wollen, bereits Stunden vor mir aufgebrochen^^.“, sagte sich Sven mit einem ironischen, nicht allzu ernst gemeinten Tonfall und deutete dann aufgeregt nach vorne auf eine größere Hügelkette: „Schau Juwelchen, da müssen wir noch rauf und dann sind wir schon so gut wie da!“

„Rocara!“, rief Juwelchen ebenso aufgekratzt und sah seinen Trainer ganz auffordern mit seinen himmelblauen Augen an, die ausdrückten, dass er jetzt nochmal so richtig Tempo geben solle :D!

„Hehe, keine Bange Juwelchen, etwas anderes habe ich auch nicht vor!“, entgegnete der junge Mann mit einem herausfordernden Lachen und nahm an Fahrt auf. Unterstützt von Rotom, für dessen Hilfe Sven gerade bei solchen Manövern unglaublich dankbar war, kämpften sie sich auch schon den steilen Weg, der sich in Serpentinen den Hügel hinauf schlängelte, empor.

Trotz ihrer Eile nahmen sich beide übrigens die Zeit, die malerische Landschaft zu bewundern, die hier hauptsächlich aus lichten Misch- und Nadelwäldern, welche von offenem Grasland immer wieder unterbrochen wurden, bestand und äußerst dünn besiedelt war, von Pokémon dafür umso mehr wimmelte.

Auf diesem letzten Stück musste der junge Mann nämlich immer wieder langsamer machen, da Pokémon wie beispielsweise ein Rudel Damhirplex die Fahrbahn kreuzten oder einzelne wie Wiesenior oder Rattfratz schnell von der einen Seite zur anderen flitzten. –Entsprechende Schilder warnten auch vor diesen ‚Wildwechseln‘ inmitten dieser entlegenen Gegend.

Ab und zu bauten sich allerdings mit voller Absicht Pokémon wie Luxio oder Pyroleo direkt vor Sven auf dem Fahrradweg auf und verwickelten diesen und dessen Pokémon in einen kleinen Kampf, den Juwelchen, Tobi oder Fussel jedoch mit Leichtigkeit für sich entscheiden konnten. Diese Kämpfe waren auch keine wirkliche Herausforderung, denn der junge Mann; der normalerweise seine Routen so wählte, dass er nicht unnötig oft von wilden Pokémon angegriffen wurde; wusste, dass dies nur ‚Halbstarke‘ waren, die jetzt im Sommer durch solche kleinen Balgereien lernten, sich aufs Erwachsensein vorzubereiten um auf eigenen Pfoten stehen zu können. Auf ernsthafte Kämpfe hätte er sich auch sowieso nicht eingelassen, dafür war schließlich das Turnier da^^.

Zwischenzeitlich hatte Sven nun den Hügel erklommen und nach einigen Kurven schloss sich der Radweg an eine Straße, welche die einzige Verkehrsverbindung zu Walkerszell in dieser Richtung darstellte, an und zu seiner Freude ging es jetzt erst mal ganz entspannt bergab, sodass er sich einfach rollen ließ und genau wie Juwelchen den Fahrtwind genoss. Gemeinsam führten diese beiden Straßen hinab zu einem ganz anders wirkendem, großen und auch etwas düster aussehendem Waldstück. –Dies war der bereits erwähnte Sumpfwald, der die Talsohle von Walkerszell umschloss und wie eine Art Schwamm das ganze Wasser der Niederschläge sammelte, sodass es in diesem deutlich feuchter, ja eben sumpfiger war, als im tiefer gelegenen Ort selbst.

Normalerweise war dieser Sumpfwald darum ein bemerkenswerter Anblick, heute jedoch gab es direkt vor dem Eingang des Waldes etwas, dass jegliche Aufmerksamkeit auf sich zog – leider nicht im positiven Sinne…

„Au Backe!“, entfuhr es dem jungen Mann, der wie Juwelchen und Rotom ganz erschrocken war, darum sofort und legte augenblicklich eine Vollbremsung hin, denn wenige Meter vor ihm waren die beiden Fahrbahnen abgesperrt und der Grund nicht zu übersehen: Augenscheinlich war von einem nahen Hügel wohl ein gewaltiger Erdrutsch losgegangen, der nun beide Straßen, und somit den Weg nach Walkerszell, unter einer dicken Schicht aus Geröll und entwurzelten Bäumen begraben hatte.

„Meine Güte, hier geht’s so schnell nicht weiter…“, murmelte Sven betroffen, stieg von Rotom ab und ging vorsichtig zu Fuß bis zur Absperrung, um sich aus nächster Nähe diesen Schlammassel anzusehen. Immerhin, so konnte er feststellen, hatte man mit den Aufräumarbeiten bereits begonnen, denn ein ganzer Trupp aus Pokémon wie Stolloss, Stalobor, Rizeros und Chelterrar nahm sich des ganzen Gerölls an, würde aber dennoch seine Weile, vielleicht noch den ganzen restlichen Tag, brauchen, bis ein gefahrloses Passieren der Straße wieder möglich sein würde.

Koordiniert wurden diese ganzen Pokémon von einer Gruppe aus acht Leuten, deren Aussehen Sven sofort stutzig machte, weil es sich bei ihnen eben um keine ‚gewöhnlichen‘ Gemeindearbeiter mit ihren typischen, orangefarbenen Anzügen, sondern um Mitglieder des Zuckerschock-Ordens handelte!

Mit ihrer einheitlichen Kluft, die aus einem grauen und schlichten Leinenhemd und einer gleichfarbigen Leinenhose, sowie einer goldfarbenen Fibel in Form eines Sabbaione; dem Zeichen des Ordens; und ihren ziemlich retromäßig wirkenden Holzschuhen bestand, waren sie in gewisser Weise aber genauso unverwechselbar^^.

An sich war diese Begegnung mit Mitgliedern des Ordens ja nichts ungewöhnliches, da sie in ganz Mungenau anzutreffen waren und wie Pokémon-Ranger aus anderen Regionen das Wohl der Pokémon und der Umwelt an sich in den einzelnen Lokalitäten regelmäßig überwachten. Und genauso normal war es auch, dass die Ordensmitglieder bei solchen Unglücken wie diesen, sollten sie gerade zugegen sein, ihre Hilfe anboten und den hiesigen Arbeitern somit unter die Arme griffen.

Nicht normal war es jedoch, dass man den Orden alles allein machen ließ und gar kein Arbeiter oder Sachverständiger zugegen war, denn das Beseitigen von Naturkatastrophen zählte jetzt doch nicht zu den Kernkompetenzen des Zuckerschock-Ordens.

Groß Zeit, sich zu fragen, wo denn die zuständigen Leute aus Walkerszell sind; schließlich war ja eine der Hauptverbindungen mit der Außenwelt gerade blockiert; blieb Sven aber nicht, da eine junge, zierliche Frau des Ordens, mit großen, hellgelben Augen und schwarzen, halblangen Haaren, die wohl kaum älter als 20 Jahre sein mochte, ihn bemerkt hatte.

„Och, ein Nachzügler, der jetzt wie das Bisofank vor dem Berg steht, weil sich die Sache mit dem Erdrutsch noch nicht herumgesprochen hat…“, stöhnte sie ziemlich unfreundlich und gereizt und machte eine entnervte Geste: „Himmel, Arceus und Wolkenbruch aber auch! Diese Schnarchzapfen vom Radio brauchen ja ewig, bis sie unsere Meldung in ihre Verkehrsnachrichten packen!“

Sie ging auf den jungen Mann zu und anhand ihres gequälten Ganges und Gesichtsausdrucks, erkannte dieser sofort, dass sie wohl noch nicht lange beim Orden war und darum das Laufen in diesen heutzutage völlig ungewohnten Holzschuhen erst lernen musste.

„Daher wohl auch ihre schlechte Laune^^.“, dachte sich Sven, der einen frechen Blickt mit Juwelchen tauschte und sein Grinsen verbarg und stattdessen eher neugierig in ihr durchaus hübsches Gesicht blickte und äußerst höflich wie freundlich fragte: „Guten Tag gute Frau, was ist denn passiert?“

„Hmpf… Irgendeine Dumpfbacke hat heute Morgen geglaubt, sie könne sich mit ‚Sweetheart‘ anlegen und gereizt wie es dann war, hat es sich eben danach mal ‚ein bisschen‘ ausgetobt und dadurch diesen Erdrutsch ausgelöst.“, erklärte die Ordensfrau knapp und ließ dabei ohne Hehl durchklingen, für was für einen Trottel sie diesen Jemand hielt.

Der junge Mann konnte diese Haltung verstehen, immerhin war Sweetheart weithin bekannt und er schüttelte darum selber auch verständnislos den Kopf über diese Dummheit, sich mit ihm anzulegen.

Sweetheart war nämlich ein schillerndes und extrem starkes Despotar, welches schon seit über 60 Jahren hier sein Revier hatte und an sich eher friedliebend ist. Aber wie alle Vertreter seiner Art wurde auch Sweetheart ab und an furchtbar wütend und richtete dann so ein Chaos wie hier eben an. Wegen seiner außergewöhnlichen Färbung hatten es mit der Zeit schon einige Wilderer auf es abgesehen, aber dank seiner ungeheuren Kraft schlug es ausnahmslos jeden in die Flucht…

…wenn dieser Narr Glück hatte zumindest…

Jedenfalls zeugte es deshalb mindestens von grober Ahnungslosigkeit, wenn irgendjemand den Kampf mit ihm suchte. Und fahrlässig war es obendrein, denn Sweethearts Zerstörungswut, wenn sie denn entfacht wurde, richtete mitunter ordentliche Schäden an, die vermeidbar gewesen wären.

„Okay, aber warum müsst ihr hier alleine arbeiten? Wo sind denn die Leute aus Walkerszell?“, wollte Sven gleich darauf wissen. „Was weiß denn ich! Vielleicht fressen sie ja ihr Papier und gucken Löcher in die Luft!“, versetzte seine Gegenüber gereizt und machte eine ärgerliche Gebärde: „Wir waren es ja, die diesen Schlamassel vor nicht mal einer Stunde überhaupt entdeckt und dem Bürgermeister gemeldet haben. Aber der hat uns nur ganz weinerlich darum gebeten, den Erdrutsch nach Möglichkeit selber wegzuräumen. Du hättest die Memme mal hören sollen: Hat sich so angehört, als ob sie Sterbenskrank wäre… Pfft… Wer’s glaubt. Und angeblich hätten sie selber gerade keine Helfer zur Hand… Whatever! Naja, jetzt weißt du jedenfalls Bescheid.“

Sie machte eine theatralische, weitausholende Gebärde, seufzte beim Gedanken an diese komische Geschichte und meinte dann zu Sven und Juwelchen gewandt plötzlich deutlich freundlicher und mit einem Hauch von Neugierde in ihrer Stimme:

„Eigentlich müsste ich dich jetzt zurück schicken… Aber wenn so mir nichts dir nichts plötzlich ein vielversprechender Trainer auftaucht, dem es erlaubt ist ein normalerweise verbotenes Pokémon mit sich zu führen, würde ich schon gerne wissen, wie weit er es auf diesem Turnier bringen kann… Lange Rede kurzer Sinn: Wie wäre es, wenn ich bei dir eine Ausnahme mache und dich durch den Wald führe, damit du doch noch nach Walkerszell kommst?“

„Oh wirklich? Das wäre ja großartig!“, entgegnete Sven freudig und mit einem strahlenden Gesicht und fügte ganz glücklich hinzu: „Vielen Dank für dieses großzügige Angebot! Das nehmen Juwelchen und ich nur zu gerne an.“

Diese überschwängliche Freude hatte einen guten Grund denn eigentlich war der Sumpfwald ein Naturschutzgebiet, welches man nicht einfach so auf eigene Faust durchwandern durfte, weshalb der junge Mann wirklich befürchtet hatte, dass für ihn das Turnier ins Wasser gefallen wäre. Zumal es in diesem Wald, wenn man sich nicht auskannte, wegen seiner tückischen, da zum Teil verborgenen, Moorfeldern sehr gefährlich sein konnte. –An dieser Stelle genossen Mitglieder, die ja wie schon erwähnt mitunter ähnliche Aufgaben wie Ranger hatten, jedoch einen Sonderstatus, sodass es in ihrem Ermessenspielraum lag, Personen durch eigentlich verbotene Bereiche führen zu dürfen.

Von dieser Fröhlichkeit, die Sven und Juwelchen ungezwungen zeigten, schien die junge Frau jedenfalls geschmeichelt zu sein, denn jetzt konnte sie sogar lächeln. Dieses behielt sie auch tapfer auf, als sie sich wieder zu ihren Ordensbrüdern und –Schwestern machte, um ihnen Bescheid zu geben, und dabei wieder ihre neuen, ungewohnten Holzschuhe zu spüren bekam…

„Okay, bleib dicht bei mir und Pass immer gut auf, wo du hintrittst.“, erklärte die Ordensfrau, die sich dem jungen Mann unter dem Namen Rosé vorgestellt hatte, einige Augenblicke später bevor sie durch einen den meisten unbekannten Schleichweg den Wald betraten, eindringlich und entließ ein Irrbis mittlerer Größe aus ihrem Ball: „Der Boden ist hier, abseits der beiden offiziellen Wege, nämlich überall tückisch. Also Augen auf, kapiesch?“

„Kapiert!“

„Gut, dann walte deines Amtes Jack!“, befahl Rosé dem Kürbispokémon, sodass dieses mit einem lauten ‚Irr!‘ begann voraus zu schweben und ihnen den richtigen Weg zu zeigen. Sven und Juwelchen winkten Rotom, welche sie zurückschicken mussten, zum Abschied noch einmal zu und schlüpften dann hinter der jungen Frau hinein in den Wald.

Entgegen seines äußeren Erscheinungsbildes war der Sumpfwald mit seinen vielen Birken und Weiden und den zahllosen, farbenfrohen, blühenden Pflanzen, die nur in sumpfigen Gegenden heimisch waren, größtenteils ein erstaunlich freundlicher und lichter Ort, der nur an manchen Stellen so düster und unheimlich wirkte, wie man sich das Klischee nun mal so vorstellte. Seinem Namen machte er allerdings alle Ehre, denn die Luft war kühl und sehr, sehr feucht und der mit taunassen Moosen und Gräsern bewachsene Boden war gespickt mit unzähligen, harmlos wirkenden Pfützen, in denen sich das Sonnenlicht spiegelte. –Selbst der schmale Trampelpfad, den die kleine Gruppe unter der Führung von Irrbis entlangging, bildete da keine Ausnahme und war darum furchtbar rutschig.

Und in diesem nassen Milieu wimmelte es vor Pokémon, denen es nie Feucht genug sein konnte. Sven und Juwelchen sahen beispielsweise einen Schwarm Schmerbe und Felino in die Tiefen eines Tümpels, den sie passierten, verschwinden, während ein Morlord weiterhin unbeirrt knapp unterhalb der Wasseroberfläche schwamm und sie neugierig mit seinen kleinen Äuglein beobachtete. Etwas weiter hinten lauerte ein Flunschlik halb verborgen auf Beute und eine Gruppe Myrapla huschte durch das Dickicht. Außerdem rochen sie beide den süßlichen Speichel von Venuflibis, Sarzenia oder Duflor, der durch die Luft waberte.

Allerdings schlichten auch Pokémon wie Hypno oder Alpollo durch den Wald, die bekannt dafür waren mit unbedarften Wanderern ihren Schabernack zu treiben. Auch gab es hier - nebst dem nicht umsonst als ‚Fallenpokémon‘ bezeichneten Flunschlik - Pionskora und Rettan, die sehr ungehalten reagierten und nicht mit ihrem Gift oder Strom sparten, wenn man versehentlich auf eines dieser Pokémon, die dummerweise exzellent getarnt im Unterholz auf der Lauer lagen, drauftreten sollte.

Doch Jack nahm seine Rolle sehr ernst und hatte ein geschultes Auge für solche Dinge, weshalb das Kürbispokémon die kleine Gruppe rechtzeitig vor solchen versteckten Pokémon warnte und diejenigen, die auf Streit aus waren, gekonnt verscheuchte, weil es bereits ein sehr erfahrenes und starkes Irrbis war, mit dem man sich nicht anlegen wollte.

„Jack ist hier geboren und aufgewachsen und kennt diesen Wald darum wie seine Westentasche, wenn es denn eine hätte.“, erzählte derweil Rosé, die in Plauderstimmung gekommen war, ihren Begleitern unter anderem heiter und ausgelassen, was daran lag, dass sie sich ihrer, noch verhassten, Holzschuhe entledigt und einfach barfüßig und auf den klitschnassen Boden pfeifend weiterging.

„Ich bin ihm vor einigen Jahren schon begegnet, als mein Fahrrad an einem stürmischen und regnerischen Abend im Herbst ausgerechnet mitten in diesem Wald einen Platten bekam.“, fuhr die junge Ordensfrau, die erstaunlich trittsicher mit ihren blanken Füßen auf dem eher rutschigen Untergrund voranschritt, fort und lächelte dabei dieses Lächeln, dass Trainer immer bekommen, wenn sie sich an ihre erste Begegnung mit ihrem ersten Pokémon erinnern: „Es wurde schon dunkel und ich hab mich schon mit dem unschönen Gedanken anfreunden wollen, ohne Licht irgendwie dem Weg nach draußen zu folgen… Doch genau in dem Moment ist Jack aufgetaucht und hat mir wortwörtlich ‚heimgeleuchtet‘^^. Und seitdem sind wir unzertrennliche Partner!“

Sie schwatzte noch eine Weile fröhlich und offenbarte sich so dem jungen Mann und Juwelchen als eigentlich warmherzige Person, welcher der Schutz der Pokémon und das harmonische Zusammenleben mit den Menschen sehr am Herzen lag und deshalb eigentlich perfekt zum Ordensmitglied taugte – wenn da nicht diese verf***ten, unbequemen Holzschuhe wären :P.

Irgendwann deutete Rosé aber neugierig auf Juwelchen und ganz besonders auf dessen Chip: „So, genug von mir! Mich und Jack würde es ja brennend interessieren, wie du an dein Rocara gekommen bist! Schließlich gibt es die hier in Mungenau ja gar nicht, aber das weißt du ja schon^^. Und wieso muss es denn noch diesen Fangschutzchip von der Polizei tragen? Darfst du es gar nicht dauerhaft behalten?“

Für einen Moment zuckte Sven kurz zusammen und wäre beinahe stehengeblieben, denn Rosé hatte unbewusst einen wunden Punkt erwischt. Obwohl er hätte wissen müssen, dass sie als Mitglied des Ordens sofort wusste was es mit diesem Chip auf sich hatte und darum irgendwann so eine Frage kommen würde, hatte sie ihn kalt erwischt. –Die meisten anderen Leute, denen er begegnete, hielten diesen Chip für eine Art eigenwillige Deko und dachten sich nichts dabei, dass Juwelchen die ganze Zeit nicht in seinem Ball war. Dass es ja gar keinen hatte konnten sie ja nicht wissen…

Nach diesem ersten kleinen Schock gab der junge Mann allerdings seinem Gefühl nach, ihr sein Herz auszuschütten und zusammen mit Juwelchen ein weiteres Mal an diesem Tag ihre gemeinsame Geschichte zum Besten zu geben. Nur diesel mal um all die unschönen Details und Ängste, die ihn umtrieben, wenn er zu sehr daran dachte, ergänzt, die er sonst nur seinen Eltern oder Chantal anvertraut hätte. Denn wann, so sagte er sich, würde er so schnell wieder die Gelegenheit haben einem Mitglied des Ordens ganz ungezwungen und dazu noch an einem Ort an dem es keine unerwünschten Zuhörer gab alles zu erzählen?

Rosé und Jack hörten ihm aufmerksam, schweigsam und mit ernster Miene zu und zeigten deutlich, dass sie begriffen wie wichtig Sven diese Sache war. Dabei achteten sie aber weiterhin auf den Weg und reagierten blitzschnell, wenn der junge Mann, der sich in seinen Erzählungen fast verlor und darum nicht immer aufpasste, wo er hintrat, drohte abzurutschen oder hinzufallen.

Nachdem Sven geendet hatte, fühlt er sich gleich doppelt erleichtert, denn zum einen hatte es ihm gut getan, sich auch mal mit jemand anderem über dieses ernste Thema zu unterhalten. Vor allem weil die junge Ordensfrau ihn verstand und ehrlich genug war, ihm zu gestehen, dass ihr angesichts dieser verzwickten Lage auch keine einfache Lösung einfiel und es wohl auch keine solche geben würde. Aber das machte dem jungen Mann nichts aus, denn allein schon die Tatsache, dass Rosé und ihr Irrbis so gute Zuhörer waren und ihn darin bestärkten, sich nicht verrückt zu machen und auf das Beste zu hoffen, war ihm fürs erste Hilfe genug.

Tja und der andere Grund war schlicht und ergreifend der Umstand, dass sie in dieser Zeit auch das Ende des Waldes erreicht hatten und ihm dieser mitunter abenteuerliche Gang sehr klar gemacht hatte, warum man nicht allein durch diesen Ort stapfen sollte. Und ganz nebenbei stellte Sven für sich fest, was für ein fähige und gute Frau Rosé im Dienste ihres Ordens jetzt schon war. Denn ohne ihre und Jacks Hilfe wäre es sicherlich nicht nur bei den paar Schlammspritzern auf seiner Hose und den blauen Flecken am Arm, die daher rührten, dass die junge Frau ihn manchmal äußerst fest dort packen musste, damit er nicht in ein Sumpfloch fiel, geblieben.

„Okay, da wären wir auch schon: Weitet eure Auge und bestaunt den Talkessel von Walkerszell!“, verkündete die junge Ordensfrau derweil nach dem Verlassen des Waldes feierlich und deutete mit einer auslandende Geste auf das weitläufige und im Sonnenlicht gebadete Gelände, welches sich vor ihnen nun ausbreitete und einem dem Atem verschlug!

Ein regelrechtes Meer aus farbenfrohen und wohlriechenden Blumenwiesen, die von kleinen, kristallklaren Bächlein, verwunschen wirkenden, uralten Hainen, sowie zahllosen kleinen Höhlen und Grotten durchsetzt waren, bestimmten die erstaunlich sanft abfallende Landschaft so weit das Auge reichte. Und ganz unten, quasi perfekt im Zentrum des Kessels, konnte man schon Walkerszell mit seinen hellbraunen Sandsteinhäusern und Zinnoberroten Ziegeldächern und ein wenig dahinter auch den durchaus großen Kampfplatz, auf dem das Turnier ausgetragen wurde, ausmachen.

Von diesem wundervollen Panorama beeindruckt – immerhin wurde diese Gegend jedes Jahr zu Recht zu einer der schönsten Orte von ganz Mungenau gewählt – verschlug es Sven und Juwelchen verständlicherweise völlig die Sprache, sodass sie staunend und mit großen Augen einfach dastanden und die Schönheit dieses Ortes bewunderten.

„Tja, da staunt ihr Bauklötze was?“, meinte Rosé bei dieser Reaktion vergnügt wie zufrieden, schließlich war sie selbst auch jedes Mal aufs Neue hingerissen von diesem phantastischen Anblick und gönnte den beiden darum eine Weile, in denen sie diesen genießen konnten. Erst dann holte die junge Ordensfrau sie aus ihren Träumereien zurück und erklärte: „Sodala, ihr müsst nur noch dem Waldrand in dieser Richtung ein paar Meter folgen, dann seid ihr auch schon wieder auf dem Radweg und damit auch schon fast am Ziel.“

Rosé und Jack deuteten eine Verbeugung an und meinten abschließend: „Ich denke mal, ab jetzt werdet ihr den Rest ohne weitere Hilfe schaffen. Darum möchten wir uns von euch verabschieden und zu unseren Ordensbrüdern und Schwestern zurückkehren, Sven und Juwelchen. Es war uns eine große Ehre so interessante Zeitgenossen wie euch einen Gefallen zu erweisen und eurer gemeinsamen Geschichte lauschen zu dürfen. Vielen Dank dafür.“

„Cara! Cara!“, machte Juwelchen dankbar und glücklich, was Sven nicht anders empfand: „Ach nicht doch! Wir haben zu danken! Deshalb nochmals vielen, vielen Dank dafür, dass ihr beiden dafür gesorgt hat, dass wir doch noch am Turnier teilnehmen können :D! Ehrlich, dass bedeutet uns nämlich sehr viel. Und natürlich auch, dass ihr mir zugehört habt, dass hat wirklich gut getan!“

„Gern geschehen^^.“, erwiderte die junge Frau vom Orden, die angesichts dieser überschwänglichen Freude und Dankbarkeit sogar ein bisschen rot wurde, freudig lächelnd. Mit einem Augenzwinkern und einem breiten Grinsen fügte sie allerdings dann noch hinzu: „Außerdem habt ihr mir mit eurem Auftauchen den Tag gerettet… Schließlich konnten ich nur wegen euch eine Weile diesen beknatterten Holzschuhen entfliehen :lol:! Jedenfalls wünsche ich euch viel Glück auf dem Turnier und wer weiß? Vielleicht hören wir mal wieder von einander? Bis dahin einstweilen!“

„Irrbis!“, rief auch Jack vergnügt zum Abschied und nachdem sich der junge Mann und das Edelsteinpokémon ihrerseits ebenfalls verabschiedet hatten, verschwanden Rosé und ihr Irrbis auch schon wieder im Sumpfwald und ließen die beiden alleine zurück.

Nach wenigen Minuten hatten Sven und Juwelchen auch schon wieder den Radweg erreicht und steuerten flinken Schrittes und frohen Mutes auf Walkerszell zu, denn zu Fuß würde es noch gut und gerne eine knappe Stunde dauern, bis sie auch wirklich ganz unten im Dorf angekommen waren.

Diese Zeit nutzten sie, um weiterhin völlig bezaubert von dieser herrlichen Gegend, Flora und Fauna mit großen Augen zu bestaunen und sich dennoch nicht sattsehen konnten! Schon jetzt stand für den jungen Mann fest, dass in dieser Hinsicht seine Erwartungen mehr als erfüllt wurden und freute sich darauf, nach dem Turnier mit seinem Team auf den vielen Panoramawegen alles richtig zu erkunden… Und dann war ja auch noch das Turnier selber, sodass sich Svens Freude bei diesem Gedanken daran regelrecht verdoppelte. Ganz sicher würde dies hier ein unvergesslicher Ausflug werden :D!

Dermaßen angetan von dieser Szenerie war es nicht verwunderlich, dass der junge Mann sofort nachvollziehen konnte, warum selbst Pokémon-Professoren ins Schwärmen gerieten, wenn sie von diesem Talkessel sprachen.

Neben der reich strukturierten Landschaft sorgte das milde Klima – die Winter waren zwar sehr schneereich, jedoch kaum kälter als ein paar Grad unter null – dafür, dass sich hier eine der größten Artenreichtümer an Pokémon von ganz Mungenau fand!

Ganz besonders Pflanzenpokémon gefiel es deswegen hier richtig gut – für sie war das hier eine Art Eldorado. Und darunter waren einige richtig seltene Arten, die man selbst in anderen Regionen nicht gerade häufig vorfand.

Allein auf ihrem Weg zum Dorf hatte Sven bereits Gruppen von Endivie, Bisasam, Chelast und Serpifeu beim Sonnen beobachten können, dazu noch einige Igamaro und Geckarbor, die durch die Blumenwiesen tollten beziehungsweise flink auf den Ästen der uralten Eichen in den Hainen herum kletterten.

Und nebst diesen Pflanzenpokémon entdeckte der junge Mann als aufmerksamer Beobachter auch scharenweise andere Pokémon: Milza, Kaumalat, Zapplardin, Sedimantur, Lin-Fu, Nidoran weiblich wie männlich, Driftlon, Stollunior, Panzaeron, Altaria… Diese Liste ließe sich noch eine ganze Weile lang fortsetzen!

Kurz vor Walkerszell hatte Sven tatsächlich das Glück einen Blick auf einige weitere, ganz exotische Pokémon zu erhaschen, sodass er aufgeregt wie ein kleines Kind Juwelchen darauf aufmerksam machte und dabei rief: „Oh! Oh! Guck doch mal Juwelchen!“

Der Grund für diese Euphorie war eine kleine Gruppe Pflanzenpokémon, die gerade einen der kleinen Bäche überquerte und bei denen es sich tatsächlich um zehn kleine Frubberl, die von ihrer Endstufe Fruyal angeführt wurden, handelte! Mit einem fröhlichen ‚Frubb! Erl‘ hopste eines nach dem anderen der rosaroten und kugelrunden Pokémon mit seinen kleinen Beinchen über das Wasser, während das Fruyal majestätisch und sich seiner erhabenen Schönheit bewusst, dastand und die Umgebung im Auge behielt. Ab und an ließ es auch seine langen haarähnlichen Blätter elegant hin und her schwingen und schien damit jedem sagen zu wollen:

‚Ich bin hübsch! Und alle anderen sind’s nicht! Hahaha!‘

Diese Obstpokémon waren nämlich eigentlich nach derzeitigem Kenntnisstand ausschließlich im tropischen Alola heimisch, sodass diese Population hier die Einzige außerhalb ihrer Heimatregion darstellte und dadurch schon etwas Besonderes war.

Zusammen mit zwei anderen Pokémon aus Alola, nämlich Imantis und seiner Entwicklung Mantidea – von denen der junge Mann leider noch keines gesehen hatte –, fanden sie ihren Weg in diese Region vor gut einem Vierteljahrhundert. Allerdings nicht von sich aus, sondern weil ein exzentrischer und skrupelloser Pflanzenliebhaber, der sich auf einer Forschungsreise regelrecht in diese beiden Pokémongruppen verliebt hatte, sogar mehrmals einige Exemplare kurzerhand und verbotenerweise im Schattendschungel gefangen, nach Mungenau geschmuggelt und an einem verborgenen Ort in diesem weitläufigen Talkessel einfach ausgesetzt hatte.

Erst beim fünften solchen Coup flog er auf und wurde wegen Wilderei und Pokémonschmuggel verhaftet und zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt, doch dann war es aus Sicht des Naturschutzes bereits zu spät. Denn wegen der günstigen klimatischen Lage hatten sich die Pflanzenpokémon rasch anpassen und prächtig vermehren können. Glücklicherweise stellte man jedoch fest, dass sich dies nicht negativ auf die einheimischen Arten auswirkte, sodass man ganz pragmatisch beschloss, dass Frubberl und Imantis samt ihrer Entwicklungen von nun an Teil der hiesigen Flora und Fauna waren und keines besonderen Schutzes mehr bedurften. –Aber ab jetzt dafür sorgten, dass diese Gegend einen ‚exotischen Touch‘ bekam^^.

„Vielleicht solltest du es auch so machen Juwelchen.“, schlug Sven, als sie weitergingen, zum Jux seinem Pokémon vor: „Du vermehrst dich einfach so stark, dass man dich ebenfalls aus der Liste der geschützten Pokémon streichen kann :P.“

„Ro… Cara?“ Juwelchen grinste zunächst zurück bevor es den Kopf schieflegte. So einfach würde das ja doch nicht gehen. Außerdem vermehrte es sich anders… Wobei dem Gestein/Feetyp dabei klar wurde, dass er gar nicht wusste, wie sich seinesgleichen überhaupt vermehrte :huh:

Inzwischen war Walkerszell keine hundert Meter mehr entfernt und eigentlich hätte der junge Mann, der sich doch so schnell wie möglich am Turnier einschreiben und langsam mal auch eine kleine Pause machen wollte, seinen Schritt nochmals beschleunigt, wenn ihn die Art, in der er das Dorf vorfand, nicht vor Verwunderung hätte anhalten lassen.

„Was ist denn hier los?“, fragte sich Sven darum zu Recht verwirrt, weil Walkerszell einen richtig ausgestorbenen Eindruck machte. Es war verdächtig still und die prächtig geschmückten Gassen wirkten wie leergefegt, was den jungen Mann durchaus veranlasste seine Stirn in Falten zu legen, denn das war gewiss nicht nur wegen einer Pause im Turnier. Selbst bei einer solchen würde das Dorf immer noch erfüllt von lärmender Fröhlichkeit und Scharen von Menschen und Pokémon sein und nicht wie eine Geisterstadt aussehen. Auch dieser schwache Mief, der irgendwie aus Walkerzell zu kommen schien, taugte beileibe nicht als Grund, aber gab Sven noch mehr Rätsel auf. – Den Erdrutsch ließ er übrigens auch nicht gelten, schließlich ist dieser zu einem Zeitpunkt verursacht worden, als alle schon längst hier waren. Was ist hier also geschehen? Und wieso passierten solche Dinge gefühlt immer dann, wenn er mit von der Partie war?!

„Heeey! Heeey duuu!“, rief auf einmal jemand lauthals aus, sodass Sven überrascht aus seiner Grübelei gerissen wurde und zusammen mit Juwelchen einen sportlichen, dunkelhäutigen, vielleicht 14 Jahre alten Jungen mit kurzen, schwarzen Haaren in der weißblauen Uniform der Trainherhoffnungen entdeckten, welcher somit der erste Mensch überhaupt war, dem sie in der ganzen Zeit über den Weg liefen. Dieser sauste unglaublich schnell mit wilden Mähikelsprüngen querfeldein auf sie zu, ruderte dabei so wild mit den Armen, dass man glauben möchte, er hebe gleich jeden Moment ab und sah den jungen Mann mit seinen hellbraunen Augen so erwartungsvoll an, wie ein Wanderer aus der Wüste, der soeben eine Oase erblickt hatte.

„Oh bitte, bitte sag, dass du ein Trainer bist, bitte!“, sprudelte es aus dem Energiebündel, kaum, dass er vor den beiden stand, atemlos und geradezu flehentlich heraus. Der junge Mann, dem es wegen dieser stürmischen Begegnung noch die Sprache verschlagen hatte, nickte einfach, was seinem Gegenüber vor Freude fast platzen ließ. „Echt jetzt?! Oh klasse, wie cool! Dann komm mit, damit wir sofort kämpfen können!“, plapperte der Junge fröhlich und ausgelassen Gestikulierend drauf los und hätte Sven wohl am liebsten mit sich gezogen: „Ich hab ja schon befürchtet, dass der Tag vollkommen öde wird! Also komm los jetzt!!!“

„He, immer langsam mit den jungen Ponitas.“, erwiderte der junge Mann, der zwar nicht wirklich Begriff, aber ganz angetan von diesem übereifrigen Elan war, lachend und hob dabei beschwichtigend die Hände: „Wir sollten unsere Pokémon nicht unnötig verausgaben, schließlich müssen wir doch fit für das Turnier sein, nicht?“

„Das müssen wir nicht, denn das Turnier ist sowas von ins Wasser gefallen!“, konterte der Bursche mit einer wegwerfenden Gebärde und einem zufriedenen Grinsen, weil er an der Miene von Sven erkannte, dass er die richtige Stelle getroffen hatte. Ehe dieser den Mund aufmachen und nach Details fragen konnte, fügte der junge Trainer triumphierend hinzu: „Wenn du wissen willst wieso, musst du gegen mich kämpfen, hehe! Bist du dabei?“

„Und wie!“, erklärte der junge Mann sofort kämpferisch, sodass die beiden nach einem flinken Spurt durch das nach wie vor menschenleere Walkerszell, sich auf dem Kampfplatz wiederfanden und er dem als ‚Ernest‘ vorstelligen Burschen den Vortritt gewährte.

Dieser eröffnete den Kampf mit einem Bojelin, gegen das Sven ohne Zögern Fussel in den Ring schickte! Sein Gegenüber reagierte zunächst berechtigt verwundert, schließlich konnte er ja nicht wissen, dass Flamara seit seiner ‚Heilung‘ geradezu bevorzugt gegen Wasserpokémon kämpfen wollte. Die ungebrochene, innige Liebe zu diesem Element und seine täglichen, anspruchsvollen Schwimmeinheiten, hatten mittlerweile dafür gesorgt, dass Fussel Wasserattacken bemerkenswert gut Händeln und deutlich besser als viele andere Feuerpokémon wegstecken konnte. –Schließlich war es mit dem Wasser genauso gut vertraut wie jetzt mit dem Feuer und zog seinen Nutzen daraus 8)!

Deswegen wich die Verwunderung auf Ernest’s Gesicht alsbald blanker Ungläubigkeit, als die Evolition, völlig unbeeindruckt von den eigentlich kraftvollen Wasserangriffen, das Meereswiesel bereits nach einem kurzen aber heftigen Kampf auch schon niedergerungen hatte. „Boah ey, echt nicht schlecht dein Flamara!“, lobte der junge Trainer anerkennend und in den paar Worten konnte man deutlich heraushören, wie beeindruckt er von Fussels Können und auch dem Talent des jungen Mannes war. Doch seine Haltung und seine Miene kündeten davon, dass er noch lange nicht ans aufgeben dachte und wählte darum auch schon ein Magcargo für den weiteren Kampf.

Auch wenn Fussel noch gar nicht ansatzweise erschöpft war, wechselte Sven es gegen Juwelchen aus, weil er jedem seiner Schützlinge an diesem Duell teilhaben lassen wollte. Denn sollte das, was dieser Bursche sagte, wirklich stimmen, würde dies wohl der einzige Kampf für seine Schützlinge hier werden. Außerdem genoss Rocara einen klaren Vorteil gegenüber seinem Gegner, sodass der junge Mann dachte, das kleine Edelsteinpokémon würde diesen Kampf genauso schnell entscheiden wie Fussel.

Doch Ernest war nicht umsonst eine Trainerhoffnung! Mittels Hausbruch und seiner Bruchrüstungsfähigkeit erreicht der gut trainiert wirkende Feuer/Gesteinstyp eine beachtliche Geschwindigkeit, die man den meisten Vertretern seiner Art gar nicht zutrauen würde und dafür sorgte, dass es mit seinen kräftigen Angriffen Rocara die Stirn bieten und dessen Angriffen äußerst elegant ausweichen konnte.

Trotzdem konnte das kleine Edelsteinpokémon dank seiner hohen Defensive und der Tatsache, dass Magcargo durch diese Strategie zwar schnell, aber dafür äußerst verletzlich wurde, auch dieses langwierige Duell mit einer sehr effektiven Erdkräfte-Attacke für sich und seinen Trainer entscheiden.

Jetzt stand es 2:0 für Sven, aber das focht seinen Gegner nicht an; immerhin bekam er ja einen spannenden Kampf geboten, der ihm den Tag rettete; weshalb er sich für sein letztes Pokémon entscheiden wollte. Denn da der junge Mann nur drei Pokémon besaß, wollte Ernest, der, anders als die meisten Mungenauer, jetzt schon ein volles Team und dazu noch einige Lieblinge auf seiner Box hatte, fairerweise auch nicht mehr einsetzen.

Allerdings öffnete sich da schon von selbst ein anderer Ball und ein äußerst stark wirkendes Woingenau, welches sofort eine Habachtstellung einnahm, erschien auf dem Platz, salutierte und rief: „Woing… Genau!“

„Mensch Didi…“, stöhnte der Bursche genervt, da ihm anzusehen war, dass dieses Psychopokémon ihm wohl noch nicht richtig gehorchte und er, wie viele Trainer übrigens, Probleme damit hatte, ein Pokémon, dass ausschließlich die Angriffe des Gegners konterte, richtig einzusetzen. Nachdem Ernest für einen Augenblick mit sich zu Rate gegangen war, meinte er jedoch: „Also gut, du darfst kämpfen, aber sein Pokémon darf er trotzdem austauschen wenn er will!“ Der letzte Satz war eine Anspielung auf die besondere Kraft von Woingenau, seine Gegner am Wechseln zu hindern, welche allgemein als Wegsperre bezeichnet wurde.

„Woing…“, brummelte Didi eher unwillig, fügte sich diesmal aber, sodass es nun gegen Svens Tobi antreten durfte, dass noch frisch und ausgeruht war. Hier ging der junge Mann äußerst vorsichtig zu Werke, weil er wusste, dass Botogel auf gar keinen Fall zu viel Schaden auf einmal machen durfte, um den Konter von Woingenau so erträglich wie möglich zu machen.

Anfangs schien es auch so, als würde diese Strategie zum Erfolg führen: Tobi griff seinen Gegner eher halbherzig an und nutzte seine Flinkheit, damit es dem ein oder anderen Konter sogar ausweichen und die anderen halbwegs gut wegstecken konnte.

Trotzdem war diese Taktik riskant, denn nach einer Weile war Didi zwar kurz vor dem K.O, doch auch das Lieferantenpokémon sah sehr angeschlagen aus und würde keinen weiteren Konter mehr aushalten können. –Zumindest Augenscheinlich, denn Tobi hatte ja immer noch seine Beeren!

„Du weißt was du tun musst Tobi!“, befahl der junge Mann darum und der Eis/Flugtyp, der sofort begriff, rief seinerseits siegessicher: „Botogel!“

Schon stürmte es auf Didi zu und wollte auf den ersten Blick gleich mit einem Eishieb; den es erst kürzlich beigebracht bekommen hatte; zuschlagen, weshalb Ernest sofort den Befehl zu einem Konter gab. Doch in einer perfekt ineinandergreifenden Bewegung schob sich Tobi erst noch eine Tsitrubeere in den Schnabel, deren heilender Effekt stark genug war, den letzten Konter von Woingenau auszuhalten, wohingegen dieses garantiert von diesem Angriff besiegt werden würde.

An sich ein äußerst guter Trick, wenn Didi, anders als sein Trainer, diesen dummerweise nicht durschaut hätte!

„Woing!“, schnaubte das Psychopokémon darum erbost, widersetzte sich Ernest’s Befehl und hüllte sich erst kurz bevor Botogel es treffen würde und nicht mehr ausweichen könnte, stattdessen in eine lila Aura – den Abgangsbund! Auf gar keinen Fall würde es nämlich zulassen, dass dieser Kampf zu Ende ging, ohne dass auch nur eines der gegnerischen Pokémon besiegt worden wäre – das verbot ihm sein Stolz!

„Oh nein!“, riefen alle Anwesenden wie im Chor, doch war es bereits zu spät. Tobis Eishieb warf Didi, dass dadurch sofort K.O ging, nach hinten, aber dafür ging diese lila Aura auch auf den Eis/Flugtyp über, was dafür sorgte, dass auch dieses augenblicklich aller Kräfte beraut wurde und ebenfalls besiegt zu Boden fiel.

„Mensch Didi… Das macht die Niederlage doch nicht besser…“, seufzte Ernest kopfschüttelnd, weil er diesen unschönen und auch unnötigen Charakterzug seines Woingenaus nicht leiden konnte und zog es zurück in seinen Ball: „An unserer Zusammenarbeit müssen wir noch einiges drehen…“

Als guter Gewinner ging Sven, nach der Erstversorgung von Tobi, derweil sofort auf den Burschen zu, reichte ihm lächelnd die Hand und meinte ehrlich: „Das war wirklich ein richtig guter und interessanter Kampf! Allein dafür hat sich das herkommen schon gelohnt. Du hast durchaus Talent und die Taktiken deiner Pokémon sind echt klasse!“ „Hehe, ich trainiere auch jeden Tag fleißig, aber trotzdem Dankeschön!“, entgegnete Ernest, der sich selbstredend über das Lob freute, ein wenig eingebildet, was man aber seiner Jugend anlasten musste^^.

„Außerdem bist du auch nicht ohne!“, gab der Junge unumwunden zu und begann wieder ganz wild zu gestikulieren: „Nein ernsthaft: Du hast mir einen richtig fetzigen Kampf geliefert und somit den Tag gerettet, vielen Dank dafür! Wir beide hätten das Turnier ganz sicher gerockt, hehe! Und da Versprochen nun mal Versprochen ist und nicht gebrochen wird, will ich dir auf dem Weg zum Pokémon-Center verklickern, warum hier so tote Hose herrscht…“

„Also das ist ja der Gipfel der Unverschämtheit!“, empörte sich der junge Mann, nachdem er von Ernest alles erfahren hatte, etwas später völlig zu Recht. Die beiden verließen gerade wieder das Pokémon-Center, in der nur eine einzige Pflegerin zugegen war, weswegen es ein bisschen gedauert hatte, bis sie sich um alle Pokémon der beiden Trainer hatte kümmern können. Doch Sven wusste jetzt, dass diese Unterbesetzung mit dieser Schandtat genauso zusammenhing, wie die vielen anderen Ungereimtheiten, denen er heute schon begegnet war:

Laut Ernest hat irgendein dämlicher Scherkeks, falls man diesen Begriff überhaupt noch dafür hernehmen konnte, heimlich ein starkes Abführmittel in den Walkerszell-Eintopf gekippt, ohne dass es jemand rechtzeitig bemerkt hatte!

Auf diese Weise hatte dieser Chaot dafür gesorgt, dass die Eröffnungszeremonie sprichwörtlich in die Hose ging und mal eben ein Großteil der Einwohner und so ziemlich alle Gäste, welche notgedrungen in den Häusern der Einheimischen untergebracht wurden, außer Gefecht gesetzt wurden :down:!

„Finde ich genauso!“, pflichtete ihm Ernest derweil erbost bei und unterstrich seine Worte mit einer abfälligen Gebärde: „Ich hab ja nur Glück gehabt, dass ich keinen Eintopf mag, aber Mami und Papi hat’s voll erwischt, die Ärmsten werden wohl bis Morgen auf dem Klo kampieren dürfen! Und Tumpo steht jetzt auch völlig unverschuldet total blöde da…“

Damit war der Koch und Inhaber des Gasthauses ‚Zum dampfenden Pampross‘ gemeint, welches das größere und berühmtere der zwei hiesigen Wirtshäuser war und jedes Jahr für das Freiturnier hauptsächlich die Verköstigung der Gäste übernahm. Das Rezept für seinen beliebten Eintopf hatte Tumpo aus seinem Heimatort ‚Steamertown‘, eine Örtlichkeit aus einer weit entfernten Gegend, mitgebracht und das hatte ihm, nebst seiner anderen guten Speisen, zu Bekanntheit und klingenden Kassen verholfen. –Doch nach diesem unschönen Vorfall musste er befürchten, dass die Beliebtheit seines Eintopfes starken Schaden genommen hatte, obwohl er nichts dafür konnte…

„Immerhin hat Tumpo gleich, als feststand was passiert ist, die Polizei eingeschaltet.“, merkte Ernest an und schnaufte zufrieden: „Das ist schon mal der richtige Anfang. Auch wenn der Kerl sicherlich schon fort sein wird, bis der Erdrutsch da beseitigt ist…“

Die beiden plauderten noch eine Weile, bis der Junge beim Blick auf seinen PokéCom erschrocken feststellen musste, dass es beinahe schon drei Uhr nachmittags war! Er sollte langsam mal nach Hause und zu seinen Eltern sehen, weshalb sich Ernest von Sven verabschiedete und genauso energetisch wie vorhin enteilte.

Der junge Mann sah diesem Energiebündel noch kurz lächelnd nach, bis er sich auch auf den Weg zum ‚Fliegenden Flampivian‘, dem zweiten und kleineren hiesigen Gasthaus, machte. Denn anders als Ernest fühlte sich Sven jetzt furchtbar matt und hungrig; sein letzter Bissen lag ja schon ein Weilchen zurück und er war schon seit Stunden fast unausgesetzt auf den Beinen. Der wahre Grund, warum ihn jetzt die Kräfte verließen, war aber natürlich die Enttäuschung darüber, dass das Turnier ins Wasser gefallen war und damit auch sein Traum von einem Band vorerst auf Eis gelegt wurde. – Und diese Tatsachte musste er jetzt erst mal in mehrerlei Hinsicht verdauen.

Nach einem üppigen und äußerst köstlichen Mahl, machte er es sich, pappsatt und sich dadurch gleich wieder fiel besser fühlend, alsdann an einem Platz in der schattigen Terrasse bequem und wollte dort ganz entspannt den restlichen Nachmittag mit etwas Lektüre verbringen. Und seine Pokémon, die Verständnis dafür hatten, dass ihrem Trainer fürs Erste die Lust an einer Unternehmung vergangen war, stimmten sofort mit ein.

So kam es, dass Fussel sich an einem prall von der Sonne beschienenen Fleckchen eingerollt und als flauschige Kugel ein kleines Nickerchen hielt, während Juwelchen neben dem jungen Mann schwebte und neugierig mit einen Blick in dessen Buch, das er mitgenommen hatte, warf. Tobi hingegen saß erschöpft auf einem weiteren Stuhl und musste erst noch wieder seine Kräfte sammeln, denn das fiese an einem Abgangsbund war, dass er das betroffene Pokémon völlig auslaugte. Da halfen keine Medizin oder sonst was, sondern nur viel Ruhe.

Der Nachmittag verlief auf diese angenehme Art und Weise, welche Sven an seine schönen Mußestunden in der Bibliothek erinnerten, völlig unaufgeregt und nur von einem kleinen, harmlosen Zwischenfall unterbrochen:

Ein kleines, drolliges Mädchen von vielleicht fünf oder sechs Jahren, mit wild gelockten, brünetten Haaren, hatte von draußen die Pokémon des jungen Mannes gesehen und war deswegen sofort ins Gasthaus und von dort zur Terrasse geeilt, weil sie unbedingt wollte, dass diese genau hier mit ihrem ‚Smelly‘ spielen sollten. Wobei sie besonders niedlich wirkte, da sie wegen ein paar fehlender Milchzähne etwas lispelte und aus allen Wörtern mit ‚s‘ welche mit ‚sch‘ machte, so wurde ihr Smelly dadurch eben zu einem ‚Schmelly‘ :3.

Entzückt von diesem süßen Fratz hätte Sven gerne eingewilligt, doch da Schritt schon eiligst die Wirtin ein, gab der Kleinen einen Lolly und schickte sie wieder hinaus. Dabei ermahnte diese das Mädchen, wohl nicht zum ersten Mal, dass sie ihr Smelly keinesfalls hier in ihrer Gaststube haben wollte!

„Vielleicht treffen wir sie ja später noch mal.“, dachte sich der junge Mann schmunzelnd, weil die Kleine schon weggeflitzt war und er ihr nicht mehr folgen konnte, sodass er wieder interessiert in seinem Buch versank welches er sich erst vor kurzem gekauft hatte. In diesem ging es darum, dass der Autor die bisher geheime Vorgeschichte des Team Aqua Vorstandes Wolfgang detailliert enthüllte – zumindest behauptete er das. So soll Wolfgang mit vollem Namen ‚Wolfgang Amadeus M.‘ heißen und früher eine Musikgenie, ein sogenanntes ‚Wunderkind‘, gewesen sein. Doch seines schillernden Lebens überdrüssig, beschloss er seinen Tod vorzutäuschen, abzutauchen und einem Imagewechsel zu vollziehen, die ihn dadurch schlussendlich zur ‚Rechten Hand seines Skippers‘ machte, wie er es selbst ausdrückte :P.

Als es schließlich Abend wurde und die regelrecht rotglühende Sonne langsam hinter den Hügeln, die Walkerszell umringten, verschwand, erhob sich Sven enthusiastisch. Die Pause hatte ihm gutgetan und geholfen, sich mit seiner aktuellen Situation anzufreunden, sodass er sogar doch noch Lust auf einen kleinen Abendspaziergang bekam – vielleicht würde er dadurch ja noch ein paar interessante Pokémon entdecken?

Er zog seine Pokémon zurück in ihre Bälle, zahlte und schlenderte gut aufgelegt gemeinsam mit Juwelchen durch die Gassen hinaus zum Talkessel. „Hm?!“, abrupt blieb er jedoch kurz stehen und sah sich um, weil ihn und Rocara für einen Moment das Gefühl beschlichen hatte, beobachtet zu werden. Doch war nichts auszumachen, egal wohin er schaute, und hinter den Fenstern konnte auch keiner schnell unbemerkt hinaus spitzen, denn die Rollläden waren bereits überall hinuntergelassen worden.

„Einbildung^^.“, sagte sich der junge Mann deswegen schulterzuckend, lächelte und setzte seinen Weg zunächst fort. Doch nach nicht mal ganz zehn Minuten, er hatte soeben einen der Wanderwege eingeschlagen, hörte er plötzlich ein Kind weinen!

„Das kam von da vorne!“, erkannte Sven nach dem ersten Schreck ganz entschlossen und nahm die Beine in die Hand: „Komm Juwelchen! Nicht das da am Ende gar etwas passiert ist!!“

Von der Sorge zu körperlicher Höchstleistung getrieben, war er binnen weniger Sekunden am Ort des Geschehens, der sich als kleiner Abenteuerspielplatz für Kinder entpuppte. Und dort saß heulend und schluchzend das kleine Mädchen von vorhin auf dem Boden! Nach einem ersten prüfenden Blick wirkte die Kleine zwar nicht verletzt, aber dennoch machte sie einen ganz verzweifelten Eindruck, so als ob sie weder ein noch aus wüsste.

„Hey Kleine, was ist denn los? Warum bist du denn so traurig?“, fragte Sven das Mädchen in einem sanften und tröstendem Tonfall, wobei er sich selber fragte, was sie hier draußen bei Sonnenuntergang überhaupt ganz alleine machte. Da war doch was faul, das spürte er in allen Knochen!

Das Kind hob derweil seinen verweinten Kopf und zweifelsohne erkannte es den jungen Mann und vor allem Juwelchen sofort, weshalb sie sich ohne Scheu an ihn klammerte und lauthals schluchzte: „Der bösche Onkel hat mir mein Schmelly geklaut, buhuhu!“

„Was?!“, entfuhr es Sven erschüttert, hielt die Kleine ganz sacht, begann behutsam und freundlich nachzuhaken, was dazu führte, dass sie ihm unter schluchzen und Tränen die ganze dreckige Geschichte erzählte:

Ein Fremder war ihr, kaum, dass sie das Gasthaus verlassen hatte, über den Weg gelaufen und hatte ihr den Vorschlag unterbreitet, mit ihm bis es dunkel wurde auf diesem Spielplatz gaaanz doll zu spielen. ‚Unterstützt‘ von ein paar Süßigkeiten ging die Kleine in ihrer kindlichen Arglosigkeit natürlich sofort begeistert darauf ein, denn dieses Angebot wirkte auf sie wie ein ganz großes und lustiges Abenteuer.

Bis eben hatten die beiden sogar wirklich bloß harmlos miteinander gespielt. Doch dann war erst vor wenigen Minuten eines der Pokémon, dessen Name das Mädchen nicht aussprechen konnte, zu seinem Trainer geeilt und hatte ihm etwas mitgeteilt, was dafür sorgte, dass für die Kleine dieses Abenteuer zu einem Alptraum wurde!

Plötzlich gar nicht mehr nett und freundlich hatte er ihr mit einem eiskalten, schadenfrohen Grinsen, ihren Pokéball gewaltsam entrissen, ihr einen Zettel in die Hand gedrückt und der schockierten Kleinen amüsiert erklärt, sie solle so laut weinen wie möglich und dem erstbesten, der hier auftauchen würde, diesen Zettel aushändigen, wenn sie ihr Smelly je wiedersehen wolle…

„Buhuhu! Und dann ischt der Onkel einfach mit meinem Schmelly in die Höhle da weggelaufen und hat mich allein gelaschen :cry:!“, wimmerte die Kleine völlig aufgelöst und drückte sich noch immer ganz fest an Sven, der zunächst erbleichend die wenigen Zeilen dieses Zettels gelesen hatte:

‚…Komm bis um halb acht zur tiefsten Stelle der Holzkopfhöhle… Ansonsten wird die Kleine jetzt schon ihn ihrem Leben die Erfahrung machen dürfen, wie es ist, wenn man ein Pokémon für immer verliert, hehe…‘

Nach dem ersten Schrecken ballte Sven jedoch erkennend und wütend die Fäuste, denn er hatte diesen bösen Streich gut durchschaut: Es gab also wirklich Banditen, die schuftig genug waren kleine Mädchen für ihre erpresserischen Zwecke zu missbrauchen!

Der junge Mann wusste nämlich sofort, dass das eine Falle war und wurde noch wütender, weil ihm klar wurde, dass er trotzdem in diese Höhle gehen würde! Halb acht… Das waren nicht mal mehr zehn Minuten – keine Chance, dass die Polizei, selbst wenn er sie sofort anrufen würde, noch rechtzeitig hier aufkreuzen könnte.

Und was ihn viel mehr dazu veranlasste, sich dreinzuschicken und wider besseren Wissens dieser Aufforderung nachzugehen, war die Tatsache, dass er es unmöglich übers Herz bringen würde, dem kleinen Mädchen nicht zu helfen. Er, er schaffte das einfach nicht, so kaltherzig und berechnend konnte er niemals sein…

„Du hilfscht mir doch, oder?“, flehte ihn die Kleine mit ganz traurigen Augen dann auch schon an, sodass der junge Mann, einen Stoßseufzer unterdrückend und so zuversichtlich wie möglich, die einzige Antwort gab, die sein Gewissen zuließ: „Aber selbstverständlich! Meine Pokémon und ich bringen dir dein Smelly zurück, versprochen!“

Dadurch brachte er das kleine Mädchen wieder zum strahlen, welchen ihn nochmal fest drückte und ganz freudig rief: „Oh Dankeschön! Du bischt wirklich ein klasche Trainer!“ „Gern geschehen.“, entgegnete Sven trotz der Lage ganz entzückt von der fröhlichen Kleinen, holte dann aber sein Tobi aus seinem Ball und sprach noch eiligst: „Aber jetzt versprich mir, dass du mit Tobi zusammen sofort zurück nach Walkerszell gehst, ja? Und dort musst sofort deinen Eltern oder irgendjemand anderem sagen, was hier passiert ist damit sie so schnell wie möglich die Polizei rufen, okay?“

„Mach ich!", antwortete das Mädchen eifrig und machte sich mit Botogel, welches hinter deren Rücken seinem Trainer und seinen Teamkameraden noch schnell viel Glück wünschte, auf den Heimweg. Der junge Mann seinerseits rannte nun in Richtung der besagten Höhle und war heilfroh, dass er jetzt allein war, denn er war längst nicht so selbstsicher und zuversichtlich wie er gerade aufgetreten war und dachte sich mehr als einmal: „Oh, wenn das nur gut geht! Bitte lass das nur einen ganz üblen, völlig kruden Scherz sein D:!“
Zu seinem Glück war die Holzkopfhöhle eine kleine, nur aus einem einzigen, verwinkelten Schacht bestehende und dazu noch für Besucher zugängliche Höhle. Deshalb war der Weg zu ihr war gut ausgeschildert und ihr Inneres nicht stockfinster, sondern mit spezieller, künstlicher Beleuchtung ausgestattet, die diesen Ort in dezentem Dämmerlicht erhellte, was reichte, damit der junge Mann immerhin die Umgebung halbwegs gut erkennen rasch vorankommen konnte.

Im Normalfall hätte Sven sich jetzt andächtig staunend die bizarren, graubraunen Felsformationen und Hallen hier angeschaut und wäre gemütlich den Weg entlang flaniert, doch jetzt hatte er leider keinen Blick dafür. Stattdessen tasteten er und Juwelchen sich angespannt und vorsichtig Biegung für Biegung vorwärts, weil sie ja nicht wissen konnte, wann die Höhle endete und was sie dort erwarten würde.

„Bald müssten wir da sein…“, murmelte der junge Mann irgendwann und fühlte die Anspannung in sich noch weiter steigen. Er wollte schon um eine weitere Biegung schleichen, als plötzlich…

„Huch…?!“

Ein paar Minuten fanden sich Sven und Juwelchen dann auch wirklich in der letzten Kammer dieser Höhle wieder. Denn hier ging es, zumindest für einen Menschen, nicht mehr weiter, während zahllose kleine Spalten in den Wänden, der Decke und dem Boden davon kündete, dass einige Pokémon sich noch tiefer in dieser Höhle zurückgezogen hatten.

Auf der anderen Seite von dieser, und dem jungen Mann den Rücken zudrehend, stand ein zaundürrer Kerl in kramurxschwarzem Mantel und einem gleichfarbigen Hut auf dem Kopf, der sein Gegenüber scheinbar sofort bemerkt hatte. Ohne sich umzudrehen lachte er heiser und witzelte mit einer Stimme, die kalt wie Eis war: „Hehe, sieh an! Sieh an! Ein mutiger Trainer ist ausgezogen um dem armen, kleinen Mädchen ihr Pokémon zurückzuholen…“

Jetzt erst drehte er sich um und sah Sven mit seinen eisblauen Augen verächtlich an und verzog sein Gesicht zu einem furchtbaren Grinsen: „Man kann sagen was man will, aber dieser Uralttrick funktioniert doch immer wieder aufs Neue, hehe.“

„Hör auf mit diesem Theater und gib mir sofort das Pokémon des Mädchens zurück!“, forderte der junge Mann mit fester Stimme, obwohl ihm dieser Kerl doch sehr unheimlich war. Allerdings sah er auch, so gut dieses dämmrige Licht es zuließ, dass dieser Gauner trotz seines Auftretens lädiert wirkte: Sein Mantel war verstaubt und hatte hie und da ein paar Risse und in seinem hageren, knochigen Gesicht konnte man die Anzeichen von Erschöpfung erkennen, obwohl er diese verbergen wollte.

„Moment mal!“, hob Sven, der einem spontanen Bauchgefühl folgte, anklagend an und zeigte auf den zaundürren Mann: „Du bist es gewesen! Du hast die ganze Sache hier in Walkerszell angerichtet und auch für den Erdrutsch gesorgt!“

Der junge Mann hatte keinerlei Beweise für diese Behauptungen und lediglich anhand seiner Intuition ins Blaue geraten, aber auch ins Schwarze getroffen! Denn der Kerl lachte amüsiert. „Oho! Sind wir etwa ein junger Prophet?“, kicherte er mit seiner schneidenden, kalten Stimme herablassend und gestand völlig freimütig: „Aber ja, ich bin es gewesen! Ich wollte mir dieses verflucht starke Despotar schnappen und da konnte ich keine Einmischungen der Einheimischen hier gebrauchen… Hehe, eine volle Flasche Rizinusöl kann schon wahre Wunder wirken, was?“

Sein Gesicht wurde zu einer ärgerlichen Grimasse: „Aber dieses verflixte Biest war sogar noch stärker, als ich erwartet hatte... Dagegen war sogar ich machtlos, also musste ich meine Beute fahrenlassen und hab mich hier im Dorf versteckt… Und immer noch wütend über diese Schlappe, hab ich dann dich mit diesem anderen Heini kämpfen sehen und mir für denjenigen, der gewinnt, dann dieses schöne Spektakel ausgedacht!“

Nun lächelte er wieder sein unheimliches, triumphierendes und eiskaltes Lächeln und zückte zwei Pokébälle: „So jetzt weißt du’s: Du bist ein Zufallsopfer und wenn du hier heil rauskommen und das Pokémon von der Kleinen zurückhaben willst, dann zeig mir, was deine Pokémon draufhaben, hehe!“

Schon hatte er ein Parasek und ein Parfinesse freigelassen, die völlig ohne Befehle ihres Trainers sofort eigenständig angriffen, ohne zu warten, ob Sven bereit war oder nicht. Im letzten Augenblick hatte dieser Fussel in den Kampf schicken können, sodass es jetzt zusammen mit Juwelchen gegen die beiden kämpfte.

Ein hefiges Handgemenge entspann sich, bei dem Sven bewusst wurde, was für ein starker Trainer dieser Gauner war. Denn obwohl das Feen und das Käfer/Pflanzenpokémon wegen des Kampfes gegen Sweetheart äußerst angeschlagen wirkten, attackierten sie trotzdem unglaublich heftig, konnten die Angriffe von Rocara und Flamara kontern und verlangten den beiden wirklich einiges ab!

Wären Parfinesse und Parasek bei voller Gesundheit, hätte der junge Mann wohl nur mit viel Glück überhaupt an einen Sieg denken können. Aber hier standen die Dinge anders und Sven konnte durch geschickte Befehle und gemeinsam mit dem Eifer seiner Pokémon dafür sorgen, dass Juwelchen und Fussel nach und nach die Oberhand gewannen. Mittels Flammensturm vernichtete das Feuerpokémon die Pilzsporen, die Parasek als letzte fiese Geheimwaffe verteilen wollte, augenblicklich und machte dem Pilzpokémon danach selbst mit einem Feuerzahn den Garaus. Gleichzeitig knockte das Edelsteinpokémon Parfinesse mit einer Kombination aus Antik-Kraft und Zauberschein ebenfalls aus.

Sven atmete erleichtert auf: Das war vorbei, er hatte gewonnen!

Lang hielt dieses gute Gefühl nicht, denn ihm wurde wieder mulmig, als er sah, wie ungerührt dieser Kerl auf seine Niederlage reagierte. Mehr noch: Er hatte immer noch dieses eiskalte und unheimliche Grinsen auf der Backe und applaudierte zum Hohn ein wenig. „Nicht schlecht, nicht schlecht! Deine Pokémon sind wirklich ziemlich stark… Das ist gut, dafür kriegt man gleich deutlich mehr Geld, wenn man sie verkauft! Vor allem dein Rocara… Die gibt es ja nicht so häufig, da springt sicher einiges an Kohle für mich heraus, hehe!“, erklärte der Mann mit einem so nüchternen Tonfall, als würde er nicht über Lebewesen sondern über irgendeine Ware sprechen. Sein Grinsen wurde noch gehässiger als er anmerkte: „Ach übrigens… Du stehst genau richtig!“

„Wie?!“, entfuhr es dem jungen Mann kurz verständnislos, als ihm bewusst wurde, dass er und sein Gegner in der Zeit des Kampfes, wegen der heftigen Angriffe von Parfinesse und Parasek - die sich nicht darum geschert hatten, ob sie auch die Trainer mit erwischten oder nicht - die Plätze getauscht hatten. Jetzt stand dieser Verbrecher bequem am Weg nach draußen und Sven hingegen in mehrerlei Hinsicht mit dem Rücken zur Wand! Er ahnte, dass das nicht Zufall war und bekam; leider; recht:

Die zaundürre Gestalt schnipste mit ihren Fingern und urplötzlich schossen drei Duokles aus ihren Verstecken und hatten den jungen Mann binnen Sekunden mit ihren sechs Klingen festgenagelt. Wie gekreuzigt wurden seine Hand und Fußgelenke von einem der Schwerter gegen die Wand gedrückt. Die verbliebenen zwei Klingen waren wie eine Schere um den Hals von Sven gelegt und wegen ihres kalten, boshaften Blickes war kein Zweifel möglich, dass sie den Ärmsten auf Befehl ihres Trainers wohl sofort enthaupten würden! Kurzum: Er saß in der Falle!

„Rocara!“ „Flamara!“ Juwelchen und Fussel schrien schockiert und voller Sorge um ihren Trainer auf, denn sie konnten ihm unmöglich helfen; die Duokles hatten sie genau im Auge und beobachteten jede ihrer Bewegungen. Keine Chance also, Sven da rauszuhauen ohne sein Leben zu gefährden! Knurrend und voller ohnmächtiger Wut warfen sie stattdessen diesem skrupellosen Banditen hasserfüllte Blicke zu, die diesen natürlich nicht nur kalt ließen, sondern sogar amüsierten.

„Haha! Ja, seht mir nur so böse an, das hat alles keinen Zweck mehr!“, lachte er triumphierend und mit einem befriedigtem Funkeln in seinen Augen, zweifelsohne genoss er diese furchtbare Situation in vollen Zügen: „Also… Wenn ihr nicht wollt, dass euer geliebter Trainer von meinen Duokles zu Gulasch verarbeitet wird, dann kommt hierher zu mir. Schön brav und langsam… Und keine schmutzigen Tricks! Und lasst euch nicht zu lange Zeit, sonst werdet ihr es bereuen!“

Mit verschränkten Armen und einem zufriedenem, gehässigen Gesichtsausdruck stand er einfach da und gab Juwelchen und Flamara, die sich noch nicht rührten, ein klein wenig Zeit zum nachdenken. Dann wollte er schon die Hand für einen Befehl geben, als sich Sven einschaltete.

„Urgs… Juwelchen… Fussel!“, keuchte er wegen dieser unangenehmen Lage angestrengt und merkte, wie die rasiermesserscharfen Klingen der Geist/Stahlpokémon seine Haut bereits wegen dieser kleinen Bewegungen, die er beim Sprechen machte, anritzten: „Tut was er sagt… JETZT!!!“

„IMANTIS!!!“

Wie aus dem Nichts schoss urplötzlich eines dieser kleinen rosafarbenen Grassichelpokémon aus einer Spalte über Svens Kopf heraus und attackierte wütend und energisch mit einem Gegenstoß die völlig überraschten Duokles. Mit dieser Aktion schaffte es dem jungen Mann zuerst die beiden Schwerte um seinen Hals vom Leib, bevor es mittels Blattwerk die Klinge von dessen rechten Bein vertreiben konnte.

Den Rest erledigte Sven selbst: Hektisch riss er sich, ungeachtet der bösen Schnittwunden, die er sich dabei zuzog, endgültig los und hieb, weil er so voller Wut war, auf eines der Augen des nächstbesten Duokles ein. Diese waren von glasartige Konsistenz und der junge Mann hätte dieses unmöglich wirklich verletzten können; ihm war, als würde er auf eine Scheibe Panzerglas schlagen. Dennoch musste das Duokles vor Schmerz sein Auge schließen und wickelte sein rosafarbenes Band schützend darum. Und weil Duokles ja aus zwei Schwertern bestand und diese telepathisch miteinander verbunden waren, hatte Sven damit gleich zwei Klingen für eine kurze Zeit außer Gefecht gesetzt.

Das war auch bitter nötig, denn das kleine Pflanzenpokémon war seinen Gegner ohne das Überraschungsmoment gnadenlos unterlegen! Zwar waren auch die Klingenkraftpokémon noch geschwächt vom Kampf gegen Sweetheart, doch weil es sich um extrem gut trainierte Exemplare handelte und sie dazu noch in der Überzahl waren, hatte das noch junge Imantis keine Chance.

„Verflucht noch mal! Ihr nutzlosen Einfallspinsel!“, schrie der zaundürre Kerl endlich einmal völlig außer sich, da ihm bewusst wurde, dass Sven ihn tatsächlich übertölpelt hatte, seine Pokémon an: „Zerfetzt diese kleine Vieh endlich! Und diesen Volltrottel gleich mit!!!“

So weit kam es allerdings nicht mehr! Da ihr Trainer nun wieder sicher war, mischten sich nämlich Juwelchen und Fussel in den Kampf ein: Getrieben und angespornt von ihren enormen Wut streckten sie gemeinsam die durchaus zähen und kraftvollen Duokles dennoch erstaunlich schnell mit ihren heftigen Attacken nieder und bewahrten das eigentlich schon in die Ecke gedrängte Imantis damit vor ernsthaften Schäden.

„Argh! Himmel, Arceus und Zwirn! So viel Pech an einem Tag, das ist ja nicht zum aushalten!!!“, keifte der Bandit tobend und war so wütend, dass man meinen könnte, dass sich seine eisblauen Augen fast schon rot verfärbten. Rasch blitzte ein Messer in seiner Hand auf und er hielt den Ball, in dem das Smelly des kleinen Mädchens steckte, drohend hoch.

„Gebt sofort auf, oder ihr müsst euren Sieg mit dem Leben dieses Pokémon bezahlen!“, wollte er schon sagen, doch er hatte schon längst verloren. „Rocara!“, machte Juwelchen, das diesen Streich rasch erkannt hatte, böse und sprang diesem Mistkerl in gewohnter Manier auf die Füße, sodass dieser mit einem Schmerzensschrei sowohl das Messer, als auch den Ball fallen ließ, der eiligst von Fussel in Empfang genommen wurde.

„Du kleine Schlampe!“, zischte der Verbrecher und trat das Edelsteinpokémon mit ganzer Kraft weg, was diesem viel weniger wehtat, als ihm selber, doch das zeigte er nicht. Drohend grollend bauten sich nun Juwelchen, Fussel und auch das Imantis vor ihm auf, während die völlig fertigen Duokles besiegt und übel zugerichtet im Staub lagen.

„Es ist vorbei!“, stellte Sven, dessen Wunden zwar stark bluteten, aber glücklicherweise nicht allzu tief waren, entschlossen klar und steckte dabei den Pokéball in seine Hosentasche. Dabei versuchte er seine Erschöpfung zu überspielen, denn eigentlich fühlte er sich völlig fertig. Doch seinem Gegenüber ging es nicht wirklich besser und im Gegensatz zu diesem hatte der junge Mann immer noch seine Pokémon, weshalb er meinte: „Es wäre besser für dich, wenn DU jetzt aufgibst, mit uns nach draußen kommst und dich der Polizei stellst.“

„Hehe, vergiss es du Pfeife!“, gab der zaundürre Kerl plötzlich wieder eiskalt zurück und lächelte sogar dabei: „Das hier war nur Pech, ich wollte Zuviel auf einmal und war nicht aufmerksam genug… Beim nächsten Mal wird es anders laufen und ich an deiner Stelle würde zu Arceus beten, wenn es soweit ist! Parfinesse!“

Bei diesen Worten holte er sein immer noch fast besiegtes Duftpokémon aus seinem Ball, das trotz seines schlechten Zustandes verstanden hatte und seinem Trainer die Flucht ermöglichte, indem es einen geradezu unerhört grässlichen und penetranten Gestank in Richtung von Sven und dessen Pokémon wehte.

Das brannte in den Augen, dem Hals, der Lunge und machte es ihnen unmöglich, diesen Gauner zu verfolgen, der eiligst seine Pokémon zurückrief und erstaunlich schnell ins Freie humpelte. Hustend, spuckend und mit tränenden Augen kämpften sich die vier darum viel mühsamer aus der Höhle heraus, wobei vor allem Sven die Zähne zusammenbeißen musste. Seine weiterhin unentwegt blutenden Wunden schwächten ihn zusehends und begannen wegen dieses Dufts nun auch noch zu schmerzen, zumal er jetzt völlig ausgepumpt war.

Endlich draußen saugte der junge Mann die kühle, liebliche Nachtluft förmlich ein und sank todmüde an Ort und Stelle vor dem Höhleneingang auf den Boden. Juwelchen und Fussel schmiegten sich dicht an ihren Trainer und Flamara leckte behutsam dessen Schnittwunden ab, die nur allmählich mit dem bluten aufhörten.

„Ihr ward fantastisch, Juwelchen und Fussel!“, lobte Sven seine Pokémon mit schwacher Stimme, in der aber immer noch der Stolz mitklang und streichelte sie ein wenig unbeholfen. Dann sah er das kleine Grassichelpokémon an und meinte: „Und dir auch vielen Dank für deine Hilfe! Du hast uns echt aus der Patsche geholfen.“ „Imantis :D!“, fiepte das kleine Pflanzenpokémon mit seiner glockenhellen Stimme; es war übrigens ein Mädchen; überglücklich wegen des Lobs und zwinkerte ihm vielsagend zu.

Imantis war nämlich der Grund gewesen, weshalb Sven kurz in der Höhle innegehalten hatte, denn das Grassichelpokémon hatte diese Schandtat genau mit verfolgt und war genauso empört wie der junge Mann über dieses Verbrechen. Da es alleine aber zu schwach war, hatte es sich an die Fersen von Sven geheftet, ihn eingeholt und seine Hilfe angeboten, sodass sie sich diesen einfachen aber kleinen Trick hatten einfallen lassen. Und jetzt schien es so, als ob Imantis nicht abgeneigt wäre, auch weiterhin bei ihm zu bleiben, schließlich schien die Chemie zwischen ihnen ja auf Anhieb zu stimmen. „Damit wären es dann vier.“, dachte er sich noch erfreut, bevor er sich an die Felswand der Höhle lehnte und kurz erschöpft die Augen schloss…

Nur einige Minuten später wimmelte es an diesem Ort dann schon vor Polizisten und anderen Leuten: Tobi und das kleine Mädchen hatten, kaum in Walkerszell angekommen, Ernest wieder getroffen und ihm alles erzählt. Dieser hatte selbstredend sofort die Polizei benachrichtig, die so schnell wie möglich; der Erdrutsch war zu diesem Zeitpunkt gerade so beseitigt worden; mit einem Großaufgebot herbeigeeilt war. Es waren aber auch die Eltern des kleinen Mädchens dabei, um Sven und dessen Pokémon ausgiebig für dessen Heldentat zu danken. –Dabei erfuhr der junge Mann auch nebenbei, dass es sich bei diesem Smelly um ein Skunkapuh handelte, dass immer… nun ja, etwas ‚Duft‘ entweichen ließ, wenn man es drückte. Der Kleinen machte dies aber nichts aus, aber deswegen durfte sie ihr Smelly nur drücken und mit ihm spielen, wen sie außerhalb von geschlossenen Räumen war…

Dieser Verbrecher war in dieser Zeit natürlich schon längst untergetaucht, aber dennoch gab es in der Höhle einige wichtige Spuren zu sichern, zumal sich jetzt jemand auch um Svens Verletzungen kümmern und ihn auch gleich vernehmen konnte. Früher als gedacht traf der junge Mann darum wieder auf Rosé und die anderen Mitglieder des Ordens, welche mit ihrer Ortskenntnis die Polizei unterstützten. Und einer dieser Ordensbrüder hatte auch eine medizinische Ausbildung absolviert, weshalb dessen Matrifol die Wunden von Sven mit einem Brei aus zerkauten Heilpflanzen großzügig beschmierte, bevor es alles mit Blättern und seinem Seidenfaden einbandagierte. Das Fürsorgepokémon wurde seinem Namen mehr als gerecht, denn es übertrieb die Versorgung des jungen Mannes ein wenig, sodass dieser am Schluss wie ein übergroßes Strawickel aussah^^.

Dennoch verfehlte diese Behandlung ihre Wirkung nicht: Das Zeug brannte wie Feuer und juckte zugleich fürchterlich– ein untrügliches Zeichen, das die Heilung einsetzte. „Übermorgen sollten sie einen Arzt aufsuchen, damit dieser ihnen den Verband wechselt.“, erklärte der Mann vom Orden, der in etwa das gleiche Alter wie Sven hatte, diesem gewissenhaft, begann dann jedoch spitzbübisch zu lächeln und sagte noch: „Schade bloß, dass es kein richtiges Mittel gibt, um sich schneller in Holzschuhen wohl zu fühlen. Unser ‚Sonnenschein‘ sollte viel öfter mal lächeln, das steht Rosé einfach besser :P.“

Der junge Mann lächelte wissend zurück, die beiden hatten sich nämlich in der Zeit, in der er verarztet wurde, ein wenig unterhalten, und meinte zuversichtlich: „Ach, das kommt schon noch, keine Sorge.“

„Ähem, ich möchte dieses Gespräch nur ungern beenden, doch es wäre mir sehr wichtig, wenn ich mich mit diesem jungen, heldenhaften Herren noch persönlich und allein unterhalten könnte.“, mischte sich da eine dritte Stimme höflich, aber bestimmt ein. Vor den beiden stand ein kleines, hellhäutiges Männchen mit buschigem rotem Haar in der Uniform der Polizei zusammen mit seinem Lin-Fu und gab sich als der leitende Kommissar Vimeux zu erkennen. Der Mann vom Orden nickte nur zustimmend und entfernte sich mit seinem Matrifol nach einem kurzen Gruß vom Ort des Geschehens, sodass sich der Kommissar nun Sven zuwenden konnte.

„So und sie sind also dieser berühmte Sven Rougon, der Trainerquereinsteiger mit dem famosen Talent, von dem mein Kollege Alexandre aus Regelsberg mir so viel erzählt hat?“, wollte Vimeux mit einem Augenzwinkern wissen und deutete dabei auf Juwelchens Chip. „Ja der bin ich.“, entgegnete der junge Mann etwas verhalten und weil er so eine Ahnung hatte senkte er sogleich beschämt den Kopf: „Hören sie bitte Herr Kommissar, ich weiß selber, dass das keine wirkliche Heldentat war und ich mich unnötig in Gefahr gebracht habe. Wenn dieser Kerl und seine Pokémon nicht schon angeschlagen gewesen wären und mir dieses Imantis nicht geholfen hätte, hätte es böse für uns ausgehen können… Das ist mir bewusst. Aber ich konnte einfach nicht anders! Die Kleine war doch so verzweifelt, weil ihr Skunkapuh gestohlen wurde, ich konnte ihr einfach nicht das Herz brechen und gar nichts machen! Das verstehen sie doch?“

Vimeux hob beschwichtigen die Hände. „Aber, aber Herr Rougon! Ich kann ihren Standpunkt nur zu gut verstehen und bin auch nicht hergekommen, um ihnen eine Belehrung zu geben.“, versicherte er eiligst: „Ich wollte ihnen vielmehr erklären, wer sie da überhaupt überfallen hatte: Das war Ivaar der Knochenlose! Er ist ein skrupelloser, grausamer Verbrecher, der bereits in vielen Regionen sein Unwesen getrieben hat und deswegen schon lange polizeilich gesucht wird. Auch hier in Mungenau ist er kein unbeschriebenes Blatt mehr, denn er ist für diese Serie von Pokémondiebstählen verantwortlich!

Ivaar hat nämlich schon für viele böse Organisationen und andere Gauner gearbeitet, doch seine ganze unselige und fiebrige Leidenschaft gilt der Wilderei und des Pokémondiebstahls. Und das nicht nur um des Geldes willen, sondern vorrangig auch, weil sich sein kranker Geist an dem Leid und Unglück, dass er damit sät, ergötzt! Ihm ist dabei jedes Mittel recht und dieser, schmutzige, heimtückische Trick war ganz typisch für ihn! Da brauchen sie sich gar keine Vorwürfe zu machen, dass sie sich gar nicht dagegen wehren konnten, wider besseren Wissens zu handeln.“

„Also der Name und sein Verhalten passen wie die Faust aufs Auge… Ein widerlicher Kerl!“, fand Sven verächtlich und wurde nachdenklich: „Aber sie erzählen mir das nicht nur, damit ich Bescheid weiß, richtig?“

„Fu!“, bestätigte das als Fu-Lynn vorgestellte Kampfpokémon mit einem ernsten Nicken und der Kommissar stimmte seinem Pokémon voll und ganz zu: „Da haben sie richtig geraten, Herr Rougon. Ich möchte sie nämlich darum bitten, niemanden zu sagen, wie dieser Ivaar aussieht; je weniger Leute ihn erkennen, umso besser für sie! Das ist auch der Grund, warum wir uns so mit den Informationen zu den Diebstählen zurückgehalten haben: Ivaar ist zu gefährlich um ihn Steckbrieflich zu suchen! Da hat es in der Vergangenheit öfters ganz schlimme Zwischenfälle gegeben, die ich ihnen besser erspare… Also, kann ich mich in dieser Hinsicht auf sie verlassen, Herr Rougon?“

„Keine Angst, Herr Kommissar, meine Pokémon und ich werden schweigen.“, versprach der junge Mann und sein Team einstimmig, was Vimeux und sein Fu-Lynn zum lächeln brachte. „Vielen Dank für ihr Verständnis.“, sagte er darum sehr freundlich: „Sie wissen gar nicht, wie wichtig mir das ist, denn nicht jeder kann angesichts eines solchen Verbrechens unsere Bemühungen, verdeckt zu ermitteln, nachzuvollziehen. Und wenn sie wollen, kann ich sie zum Pokémon-Center bringen, damit sie sich dort ausruhen können.“

„Dankeschön für das Angebot, aber das wird nicht nötig sein.“, erwiderte Sven, dem es schon wieder ein wenig besser ging, gutgelaunt und sog erneut genießerisch die Luft ein: „Ein gemächlicher und schöner Nachtspaziergang dorthin wird eher das sein, was ich brauche, um zur Ruhe zu kommen.“

„Haha, da ist was dran.“, pflichtete ihm der Kommissar lachend bei und lüpfte seinen Hut: „Dann wünschen ich ihnen trotz alledem, nein gerade deswegen, noch einen wunderschönen Aufenthalt hier im Talkessel von Walkerszell. Erholen sie sich gut und grüßen sie bitte meinen Kollegen. Adieu!“

Somit entfernten sich Vimeux und sein Fu-Lynn wieder und der junge Mann beschloss, noch einen kleinen Moment hier zu sitzen und sich zu sammeln, bevor er aber wirklich aufbrechen wollte. Dann klingelte aber schon sein PokéCom und für einen Augenblick dachte er darüber nach, den Anruf einfach wegzudrücken, bis er die angezeigte Nummer sah und sein Herz einen freudigen Hüpfer machte: Das war ja Chantal!

„Sven? Sven, ist alles in Ordnung bei dir? Ich hab vom Erdrutsch gehört… Und von dem Überfall! Bist du arg verletzt? Geht es deinen Pokémon gut? Jetzt spann mich nicht so auf die Folter, sonder sag doch endlich mal was!“, sprudelte die besorgte Stimme seiner Freundin sofort aus dem Hörer und Sven, dessen Lebensgeister dadurch augenblicklich völlig zurückkehrten, kam nicht umhin wieder ganz verliebt und verträumt zu lächeln, weil ihm dadurch so wunderbar bewusst wurde, wie viel Chantal für ihn empfand :love:!

Übrigens wunderte er sich nicht darüber, wie genau seine Freundin über die Geschehnisse Bescheid wusste: Es war schließlich Sonntag und wahrscheinlich half sie ihrem Vater wieder auf dem Präsidium aus und hatte dort wohl allein schon wegen der Meldung des Erdrutsches mal wieder permanent den Polizeifunk abgehört und so davon erfahren.

„Keine Angst Chantal, es geht mir den Umständen entsprechend richtig gut.“, antwortete der junge Mann ganz verliebt und scherzte: „Ich seh halt aus wie ein überdimensioniertes Strawickel, das ist alles, haha!“

„…Und trotzdem ist es ja schon schade für dich, dass das mit dem Band nichts geworden ist.“, meinte Chantal später (sie hatten zu diesem Zeitpunkt schon eine halbe Stunde lang telefoniert^^) mitleidig, witzelte aber sogleich: „Jetzt musst du dir wohl was anderes einfallen lassen, wenn du an deinem Geburtstag an diesem Wettbewerb mitmachen willst. *Kicher*“

„Ach, kommt Zeit kommt Rat!“, entgegnete Sven ausgelassen: „Mir wird schon noch was einfallen. Und außerdem…“

Er ließ seinen Blick zu seinen Pokémon schweifen: Juwelchen, Tobi und Fussel hatten die ganze Zeit mit Imantis gespielt und sich kennengelernt und jetzt schliefen die vier schon zu einem dichten Knäuel gedrängt auf einem Haufen, was ihm ein väterliches Lächeln entlockte.

„…Und außerdem war es trotzdem eine richtig gute Entscheidung hierherzukommen!“

Kapitel 15: Die Familie Rougon

‚…Hallo mein geliebter Enkelsohn!

Hast du dich auch gut von deinen Strapazen, die dich dummerweise gleich an deinem Alleresten Urlaubstag heimgesucht hatten, erholt? Wir waren jedenfalls erst ganz schön erschrocken und in Sorge um dich, als wir vom Erdrutsch gehört haben und auch dann noch die Polizei angerufen hatte!

Allerdings sind wir aber auch mächtig stolz darüber, dass du schon jetzt ein so talentierter Trainer bist, dass es sogar dafür reicht, diesen Dieb in die Flucht zu schlagen :up:!

Siehst du mein Enkelsohn - der du leider den verflixten Starrsinn der Familie Rougon so regelrecht vervollkommnend vererbt bekommen hast – es hat sich doch gelohnt, seinen Hintern hochzuwuchten und endlich den Weg einzuschlagen, der dir schon vor Äonen vorherbestimmt war! (Sorry, aber das musste jetzt einfach sein :P.)

Aber wie dem auch sei…

Ich persönlich finde deinen Ehrgeiz, sich für das ‘Beizjagd-Festival, das ja wie du weißt dieses Jahr genau an deinem Geburtstag stattfindet, zu qualifizieren mehr als löblich. Schade darum, dass zumindest in dieser Hinsicht die Fahrt nach Walkerszell umsonst war, aber was will man machen?

Auch wenn du sowieso vorhattest zu kommen, möchte ich dich trotzdem von diesem Freitag an für eine Woche herzlichst zu mir nach Dorsbrunn einladen! Deine Eltern und deine ‚innig geliebte‘ Schwester und noch viele Bekannte werden auch dort sein und gemeinsam bei der Heu und Getreideernte mit anpacken.

Glaub mir, mein Enkelsohn, wenn du schön die Ärmel hochkrempelst und fest arbeitest, bis der Schweiß in Strömen rinnt und man Abends todmüde ins Bett fällt, fühlt man sich nach ein paar Tagen gleich viel besser – und ein gutes Training für Mensch und Pokémon ist es auch noch :]!

Auf dein Erscheinen freut sich:

Deine dich liebende Oma :).

P.S: Wir haben übrigens eine kleine Überraschung für dich vorbereitet, aber mehr sage ich vorerst nicht, hehehe^^…‘


Schmunzelnd überflog Sven nicht zum ersten Mal erneut die E-Mail seiner Oma, die er am Mittwoch erhalten hatte, auf seinem PokéCom und kam nicht umhin, sich wie ein kleines Kind darüber zu freuen. Das lag zum einem daran, dass er diese Einladungen zu dem alljährlichen Familientreffen mit regelrechter Vorfreude erwartete. Schließlich war dies eine schöne Tradition, die immer mehr an Bedeutung gewann, je älter er wurde und umso mehr, seit er von Zuhause ausgezogen war. Zumal die angedeutete Überraschung ihn schon neugierig machte, denn wenn seine Oma das sagte, musste es schon etwas sein, auf das man sich wirklich freuen konnte!

Und der andere Grund war schlicht und ergreifend die Tatsache, dass es mit ihm inzwischen so weit gekommen war – wie Sven augenzwinkernd und theatralisch zu sagen pflegte – dass er sich ganz offenherzig über das Lob seiner Familie bezüglich seines Trainertalents freuen konnte. –Dass dieser Dieb dieser gemeingefährliche Ivaar war, den er nur wegen dessen schlechter Verfassung und mithilfe einer List überwinden konnte, hatte ihnen die Polizei natürlich nicht erzählt, was wohl auch besser so war…

Obwohl er erst am Dienstag von Walkerzell heimgekehrt war, gab es für Sven darum kein Halten mehr sodass er heute, an diesem leicht bewölkten Freitagmorgen, bereits mit seinem Team in einem R-Bus saß, der sie nach Dorsbrunn brachte. In diesen zwei Tagen Zuhause hatte er lediglich nach dem Rechten gesehen, seine Sachen für diesen, nächsten Ausflug gepackt, ein wenig trainiert uuund…

…ein paar wunderschöne Stunden mit Chantal verbracht, die trotz ihres momentanen Zeitmangels Himmel und Erde dafür in Bewegung gesetzt hatte, um wenigstens eine Weile bei ihrem Freund sein zu können!

Ihre viele Arbeit; die glücklicherweise in wenigen Wochen wieder etwas entspannter wurde; war auch er Grund, weshalb sie leider nicht mitkommen konnte. Sven hätte sie nämlich gerne, ganz Kavalier, seiner Familie nochmals, die Chantal ja eigentlich schon kannten, jetzt als seine Freundin vorgestellt. Nachdem er vor allem seinen Eltern das schon vor längerer Zeit ‚gestanden‘ hatte, wäre das Familientreffen eine wunderschöne Gelegenheit für so eine richtige Vorstellung gewesen, aber sei’s drum…

Der junge Mann legte seinen PokéCom beiseite und bemerkte die Verbände um seine Arme und Beine dabei fast gar nicht mehr. Diese unschönen Erinnerungen an Ivaar würden bald verheilt und vergessen sein, zumal sie ohnehin bedeutungslos waren angesichts der wirklich aufregenden und lehrreichen zwei Tage, die Sven anschließend noch in Walkerszell und dessen Umgebung erleben konnte!

Entgegen seiner Gewohnheit sah er aber nun nicht der vorbeiziehenden Landschaft aus dem Fenster zu. Stattdessen betrachtete er viel lieber sein Team, welches er außerhalb seiner Bälle hatte und mit dem er sich eine Sitzreihe teilte, da der Bus fast leer und der Fahrer sehr kulant war:

Juwelchen saß wie gehabt auf dem Schoß seines Trainers und blickte seinerseits neugierig aus dem Fenster, während sich Fussel auf dem anderen Sitz zu einer flauschigen Kugel zusammengerollt hatte. Interessiert und mit hin und wieder zuckenden Ohren sah Flamara dabei Tobi zu, welches auf dem Feuerpokémon hockte und sich am jonglieren einiger Beeren versuchte.

Sven Neuzugang Imantis, welchem er den schönen Namen ‚Celéste‘ gegeben hatte, war eingekuschelt zwischen Fussel und dem jungen Mann selber und hielt, typisch für seine Art, gerade ein kleines Nickerchen. Dabei schmiegte es sich eng an seinen neuen Trainer und weil es dessen Blick zu spüren schien, öffnete es seine großen pinken Augen, blinzelte ihn freundlich an und fiepte voller Zuneigung ein fröhliches:“Imantis!“

Genau wie bei seinen anderen Pokémon, hatte das junge Pflanzenpokémon bereits jetzt schon, nach nicht mal einer Woche, einen enorm guten Draht zu seinem Trainer aufgebaut, was diesen natürlich sehr glücklich und stolz machte – in solchen Fällen zeigte der junge Mann keine falsche Bescheidenheit.

Obwohl Celéste an sich eine eher ruhige und zurückgezogene Persönlichkeit war, zeigte sie dennoch großen Ehrgeiz, Eifer und einen gesunden Stolz und war auch gegenüber ihren Teamkameradin bereits eine gute, zuverlässige Freundin. Sowohl beim Training als auch bei einem Kampf gab Imantis immer alles, war mitunter von verbissener Hartnäckigkeit und war sehr wissbegierig, sodass das junge Pflanzenpokémon in dieser kurzen Zeit schon deutliche Fortschritte gemacht hatte. -Man konnte durchaus also behaupten, dass es Sven in gewissen Zügen sehr ähnlich sah^^.

Zufrieden betrachtete der junge Mann das Grassichelpokémon und freute sich, dass es, genau wie seine anderen Pokémon, so tadellos und vital aussah. Das Grün seiner Blätter und seiner Knospe auf dem Kopf sowie das Rosa seines Körpers strahlten in satten hellen Farben, wie es sich für ein gesundes Imantis gehörte. Dazu sonderte es unentwegt einen frischen, lieblichen Duft ab, was auch ein Zeichen für Imantis Wohlbefinden war und auch dafür sorgte, dass Sven nun Zuhause nie mehr einen Lufterfrischer brauchen würde :P

Neben der sorgfältigen Pflege, dem harmonischem Verhältnis zwischen Celéste und den anderen, wie auch ihrem Trainer, trugen auch ihre Ernährungsvorlieben ihren Teil zu ihrer Vitalität bei. Denn sowie Tobi ausschließlich seine selbstgepflückten Beeren bevorzugte und Fussel seine Kö…, äh sein Premiumfutter, hatte Imantis eine Vorliebe für bittere Kräuter, die von den meisten anderen Pokémon eher ungern zu sich genommen wurden, aber genau das richtige für den Versorgungsbedarf des Pflanzenpokémon waren. So futterte Celéste mit Freuden beispielsweise eine ganze Kraftwurzel am Stück, die so bitter war, dass alle anderen allein schon vom Geruch das Gesicht verzogen…

„Aber solange nur Celéste das essen muss und es ihr auch schmeckt und guttut kann es mir ja auch egal sein.“, hatte sich Sven schon am ersten Tag gedacht, dabei aber trotzdem einen Happen probiert, was er wie bei beim Premiumfutter besser nicht getan hätte!

Anders als dort, konnte er aber nicht einfach aufs Klo rennen und spucken, sondern musste ganz tapfer mit einem erzwungenen Lächeln und trotz dieses geradezu betäubenden Geschmacks seinen Bissen runterschlucken. Denn Imantis hatte ihn dabei nämlich mit großen erwartungsvollen Augen angesehen, die ausdrückten: ‚Schmeckt doch super, nicht wahr?‘ (Seit dem schwor sich der junge Mann hoch und heilig, dass er bei einem eventuellen weiteren Teammitglied niemals etwas von dessen Essen probieren wollte…)

„Rocara!“, machte Juwelchen in der Zwischenzeit vergnügt, weil sein Trainer gerade dessen Atlasschleife zurecht zupfte und sein ganzes Team freudig darauf aufmerksam machte, das sie bald da seinen! Sofort drängte sich sein ganzes Team ans Fenster und zu fünft blickten sie nun gespannt und neugierig nach draußen:

Die Landschaft ähnelte in ihrer Grundstruktur zwar noch der von Regelsberg, war aber deutlich hügeliger und offener, denn hier dominierten ganz klar die Felder, auf denen das Sommergetreide bereits seine dicken, goldgelben Ähren gen Himmel hielt, die sattgrünen Wiesen, die nur allzu bald gemäht werden würden und die Weiden, auf denen kleine Herden von Miltank oder Mähikel grasten. Wegen ihrer Fruchtbarkeit wurde diese Gegend schon seit langer Zeit in Anlehnung an Demeteros, den Herrn des Ackerbaus, auch als ‚Demeteros-Delta‘ bezeichnet und galt seit jeher als Speisekammer Mungenaus. (Wenngleich sie eher einem unregelmäßigen Achteck glich, doch daraus lässt sich halt kein gescheiter Name machen…)

Zwischen diesen Feldern sah man auch zahllose Streuobstwiesen an den Hängen und auch die markanten, weißbraunen Fachwerkhäuschen, die man ‚Taubisschläge‘ nannte. In Mungenau war es schon seit Jahrhunderten üblichen, Schwärme dieser friedlichen und pflegeleichten Kleinvogelpokémon so zu halten, um im Gegenzug ihre nahrhaften Eier zu bekommen. Wenn ein Taubsi sich gut fühlte und ausreichend Nahrung bekam war es imstande fast jeden Tag ein Ei zu legen und die Bedingungen dafür waren im Demeteros-Delta so ideal, dass diese eher kleine Lokalität so gut wie den gesamten Bedarf an Eiern und Eiprodukten der Region deckte!

Viel wichtiger für die fünf war aber im Moment wohl eher die Tatsache, dass sie sich auf ein kleines Dorf zubewegten, welches etwas versteckt zwischen zwei Hügeln lag und in deren Nähe ein exzentrischer Millionär und selbsternannter Künstler vor Jahren eine kreischgelbe Kapelle errichtet hatte. Aber nicht weil er so gläubig war, sondern weil ihm Kapellen so gut gefielen, ganz besonders in kreischend schrillen Farben…

Das war Dorsbrunn, die Wahlheimat von Svens Oma! Wie die meisten kleinen Dörfer, von denen es hier einige gab, war es ein Kontrast aus Tradition und Moderne. Die mit Efeu oder wildem Wein umrankten Fachwerkhäuser besaßen auf ihren Reetdächern nämlich äußerst dezent, ja fast kunstvoll, eingebaute Solarzellen und waren, was ihr Innenleben anging, technisch auf dem neuesten Stand und dennoch schön verpackt – quasi außen UND innen hui! Dazu drehten sich am Rande des Dorfes ein paar Windräder für die Stromerzeugung, die jedoch so konstruiert waren, dass sie fliegende Pokémon nicht gefährdeten und deren Design ein klein wenig an die ‚alten‘ Windmühlen angelehnt waren, sodass sie nicht störende sondern eher markante und ansehnliche Akzente in der Landschaft setzten.

Bald war derweil die Bushaltestelle des Dorfes in Sicht und dort standen auch bereits ein Mann und zwei Frauen sowie ein Kokowei, ein Brigaron, ein Raichu und ein Frosdedje, die Sven nur allzu bekannt waren und sein Gesicht vor Wiedersehensfreude strahlen ließen: Waren das doch seine Eltern, Sebastian und Isabell und seine große Schwester Yvonne mit ihren Pokémon!

Kokowei, welches auf den Namen Dotterlie hörte, war das Hauptpokémon seines Vaters und hatte sich aus jenem Owei entwickelt, welches er damals extra gefangen hatte um Isabell zuliebe ein Trainer zu werden und war in der Zwischenzeit ein nicht mehr wegzudenkender und treuer Freund für diesen geworden. Sebastian selbst sah im großen und ganzen aus wie eine kräftigere, 25 Jahre ältere Version seines Sohnes, dessen Gesicht mit den freundlichen, graublauen Augen allerdings kantiger war und seine halblangen Haare eine Spur dunkelbrauner waren, als die des jungen Mannes.

Arthur das Brigaron wiederum war als Igamaro das Starterpokémon seiner Mutter gewesen, dessen Kraft und Ausdauer Sven bis heute immer noch in Erstaunen versetzte, genau wie das Aussehen von Isabell selbst: Nach wie vor war sie mit fast zwei Metern eine äußerst hochgewachsene, sportliche Frau, die mit ihren langen, silbergrauen Haaren, ihren geheimnisvollen, smaragdgrünen Augen und ihren sinnlichen, roten Lippen die Ausstrahlung einer exotischen Schönheit besaß, der selbst die Tatsache, dass sie schon Ende vierzig war, nichts anhaben konnte. Anders als damals war aber aus der unterkühlten, unnahbaren Grazie von einst jedoch in dieser Zeitspanne eine liebevolle, lebenslustig und vor allem geduldige Mutter geworden, die ihren Mann sowie ihre beiden Kinder über alles liebte.

Raichu und Frosdedje gehörten deshalb folgerichtig Svens großer Schwester Yvonne. Diese war lediglich einen Kopf kleiner als ihre Mutter und hatte von ihr größtenteils deren anmutigen Körperbau sowie die silbergrauen Haare, die sie zu einem Zopf geflochten hatte, geerbt. Vom Vater stammten allerdings dafür unverkennbar die scharf geschnittenen Gesichtszüge, was ihr ein etwas wilderes Aussehen als Isabelle verlieh. Auch sie besaß diese beiden Pokémon schon seit ihrer Kindheit, als sie noch ein Pichu und ein Schneppke waren, und hatte sie deshalb nach den Protagonistinnen ihrer damaligen Lieblingsbücherreihe benannt: Hanni (Raichu) und Nanni (Frosdedje) :tja:… (Sven machte sich diesen Umstand bei seinen vielen Streitereien mit ihr zunutze und nannte Yvonne stets, weil sie das furchtbar ärgerte, spöttisch ‚Mama Sullivan‘^^.)

Kaum, dass der Bus zum stehen gekommen war und sich die Tür geöffnet hatte, stürmte der junge Mann, gerade noch so an seine Koffer denkend, auch schon nach draußen, fiel seinen Eltern überglücklich um den Hals und rief mehrmals wie ein kleines Kind einfach zwei Worte aus, die alles ausdrückten: „Mama! Papa!“ „Ach Sven, wie schön dich zu sehen!“, antworteten seine Eltern genauso gerührt und hielten ihren Sohn fest in ihren Armen. Dotterlie und Arthur fielen ebenfalls mit ein und weil es so eine Begrüßungsumarmung etwas schönen was, machten die Pokémon des jungen Mannen einfach auch mit.

„Jetzt lass dich mal ansehen Sohnemann!“, meinte seine Mutter nach einer Weile und musterte den jungen Mann mit ihrem fürsorglichen Blick neugierig wie stolz zugleich, wobei sie nur für einen Moment an den Verbänden ihres Sohnes hängenblieb, denn Isabell war keine Mutter, die sich zu viele Sorgen um ihre Kinder machte, sondern wusste, dass sie ihnen vertrauen konnte.

„Gut siehst du aus Sven. Das Trainerdasein steht dir hervorragend, du wirkst dadurch gleich viel erwachsener und reifer! “, erklärte sie anschließend freudig lächelnd „Und ein interessantes Team hast du obendrein, mein Sohn.“, fand auch sein Vater lobend und zufrieden nickend und vor allem beim Blick auf Fussel fügte er anerkennend hinzu: „Außerdem scheinst du richtig Talent im Umgang mit Pokémon zu haben! Die Art und Weise wie du deinem Flamara geholfen hast ist durchaus beachtlich, darauf würde nicht jeder kommen. Und das du in dieser kurzen Zeit so stark werden konntest um einen Dieb in seine Schranken zu weisen… Respekt mein Junge, Respekt!“

„Tch… Jetzt macht hier mal nicht so auf Drama, echt jetzt! Wir sehen diese kleine Schnarchnase doch oft genug. Und jetzt tut auch nicht so, als ob ihr nicht auch mit einem lausigen Dieb fertig werden würdet.“, meldete sich Yvonne deutlich nüchterner und ganz im Stil einer großen Schwester zu Wort. (Obwohl sie mittlerweile selbst schon auf die Dreißig zuging, beherrschte sie dieses Spielchen immer noch perfekt.)

Sie lehnte mit Hanni und Nanni lässig und cool an der Holzwand der Haltestelle, trug eng anliegende und figurbetonte Kleidung, dazu eine Sonnenbrille und war jetzt erst so frei, die Musik ihres PokéCom auszuschalten und die Stöpsel aus ihren Ohren zu ziehen. Bevor sie ihren kleinen Bruder auch nur eines Blickes würdigte, betrachtete sie zunächst mit wachsendem Interesse dessen Team und fand dieses interessant genug, dass sie ihre Sonnenbrille hochklappte, sodass man ihre grünblauen Augen sehen konnte.

„Soso… Aber auch wenn’s viel zu lange gedauert hat, hat sich unsere kleine Schnarchnase wenigstens ein ordentliches Team zusammengestellt! Doch natürlich war dieser längst überfällige Schritt nur mit einem kleinen Drama machbar, echt jetzt! Genau wie bei Papa! Männliche Rougons müssen scheinbar erst ein wenig leiden, bis sie auf den Trichter kommen, echt jetzt!“, sprach Yvonne und hatte mit diesen Worten ihre ganze heimliche Anerkennung und schwesterliche Zuneigung für ihren kleinen Bruder und dessen Team zum Ausdruck gebracht.

„Ich freu mich auch dich Wiederzusehen Schwesterchen!“, neckte Sven sie darum sogleich ausgelassen mit einem frechen Grinsen, weil er schon verstanden hatte. Und ein Lob von seiner großen Schwester war nun mal nichts Alltägliches^^.

„Aber bild‘ dir bloß nicht zu viel darauf ein Brüderchen!“, gab Yvonne sofort lächelnd zurück: „Sonst steigt dir das noch zu Kopf und dann bläht sich die sowieso schon vorhandene heiße Luft darin zu der Größe eines Drifzepeli auf und er fliegt davon, echt jetzt!“ Dabei wuschelte sie ihm durch sein Haar, was dem jungen Mann normalerweise immer mächtig gegen den Strich ging, doch heute ließ er sich das sogar gefallen. Immerhin hatte er ja auch seine große Schwester schon lange nicht mehr gesehen und platzte stattdessen mit der Frage heraus, die ihm bereits die ganze Zeit lang unter den Nägeln brannte: „Und was für eine Überraschung erwartet mich denn jetzt?“

Nun wuschelte ihm Yvonne erneut auf diese langsam doch wieder nervige Weise im Haar herum und meinte neckisch: „Typisch Sven, wie ein kleines neugieriges Griffel, dass nicht warten kann, echt jetzt! *Kicher*“ „Deine große Schwester hat recht mein Junge.“, erklärte Sebastian schmunzelnd: „Du musst dich schon noch ein wenig gedulden. Schließlich bist du gerade erst angekommen. Und keine Sorge, du wirst schon noch zeitig erfahren, was es damit auf sich hat, haha! Aber lasst uns jetzt erst mal zu Oma gehen, die wartet immerhin doch bereits sehnsüchtig auf dich. Außerdem können wir uns dort in aller Ruhe unterhalten und ihr auch gleich dein Team richtig vorstellen.“

„Aber für einen kleinen Kampf haben wir doch sicherlich noch Zeit, nicht wahr Sohnemann?“, warf Isabell aufgeregt und wie ausgewechselt ein und sah Sven ganz erwartungsvoll und mit diesem kampfeslustigen Funkeln in ihren Augen an: „Jetzt wo du endlich auch ein Trainer bist möchte ich liebend gerne wissen, aus welchem Holz du geschnitzt bist! Und du kannst auch dein ganzes Team einsetzen! Tristan, Isolde, Sir Lanzelot und Arielle haben sich heute nämlich noch nicht genug bewegt, also kann sich jedes deiner Pokémon mit einem von meinen duellieren. Eine famose Idee, nicht wahr Sven?“

Während seine Mutter das sagte hatte sie auch schon ein Maxax, ein Skelabra, ein Cavalanzas und ein Wummer aus ihren Bällen geholt, die sich genauso kämpferisch wie ihrer Trainerin vor den durchaus etwas eingeschüchterten Pokémon ihres Sohnes aufbauten und nur auf einen Befehl warteten. Genau wie bei Arthur sah man auf Anhieb, dass dieses Quartett exzellent trainiert und enorm erfahren war, sodass Svens Truppe; egal wie gut sie eigentlich schon waren; im Vergleich dazu eher mickrig wirkte.

„Im… Mantis…“, fiepte Celéste unsicher und suchte Schutz hinter Fussels buschiger Rute, während dieses und Tobi ihre Gegenüber mit einem prüfenden Blick musterten und auch für sich feststellen durften, dass diese Gegner wohl noch eine Spur zu stark für sie waren. –Selbst Juwelchen, das sonst keiner Herausforderung aus dem Weg ging, blickte den jungen Mann hilfesuchend an und wisperte: „Rocara?“ ‚Du lässt dich doch nicht darauf ein, oder?!‘

„Äh… Ach weißt du Mama…“, druckste Sven kreidebleich und ängstlich herum und wusste nicht so recht, wie er seiner Mutter diese Idee wieder austreiben konnte. Denn wenn Isabell erst mal richtig in Kampfeslaune war, vergaß sie alles um sich herum und wurde wieder zur jener gefürchteten Trainerin von damals, die weder Freund noch Feind, oder gar Familie sondern nur Sieg oder Niederlage kannte!

Der junge Mann konnte sich nur zu gut an die vielen Male seiner Kindheit zurückerinnern, als er zugesehen hatte wie seine Mutter so gegen Papa oder seine große Schwester angetreten war…

…und mit den beiden oft genug den Boden wischte! Erst nach so einem heftigen Kampf wurde Isabell jedes Mal bewusst, dass sie ihren Mann oder ihre Tochter und deren Pokémon wohl ein wenig zu hart rangenommen hatte und entschuldigte sich verlegen bei ihnen; nur um bei der nächsten Gelegenheit wieder in diesen ‚Rausch‘ zu verfallen und das Spiel zu wiederhohlen :tja:

„Ehehe… Liebling, ich glaube, das ist doch keine so gute Idee!“, legte sich darum Sebastian, der erst gestern gemeinsam mit Yvonne ausnahmsweise mal mit Ach und Krach gegen seine Frau gewonnen hatte, mit einem nervösen, gekünstelten Grinsen sofort besorgt ins Mittel: „Wie ich schon sagte: Der Junge ist doch gerade erst angekommen und hat sicherlich auch mächtig Hunger. Und meine Mutter und unsere ganzen Freunde warten doch auch schon, ein andermal wäre wirklich besser, ja?“ „Kok… Owei!“, bestärkte Dotterlie die Aussage seines Trainers und nickte dabei so heftig, dass die Blätter auf seinem Kopf wie bei einem Herbststurm herumwirbelten.

„Ähm, Hunger ist gut! Etwas zu essen wäre für uns alle jetzt vieeel besser als wenn du Sven plattmachs…, äh, als wenn du gegen ihn sofort kämpfen würdest Mama, echt jetzt!“, mischte sich sogar Yvonne mit ein und hielt sich zusammen mit Hanni und Nanni theatralisch den Bauch: „Uff, unsere Mägen hängen wirklich voll durch Mami, ganz bestimmt auch der von unserer kleinen Schnarchnase und seinen Pokémon… Echt jetzt, da ist doch kein guter Kampf zu machen, ehehe…“ „Chu…“, fiepte Raichu zustimmend und kläglich und auch Frosdedje war mit einem Mal ganz Schwach, sodass es sich mit seinem Handrücken an die Stirn hielt und seufzte: „Fros… Dedje…“

Sowohl Sebastian und sein Dotterlie, als auch Yvonne und ihre beiden Schützlinge sahen sich dabei heimlich alle zusammen an und dachten sich mit hochgezogenen Augenbrauen:

„Mama kann manchmal echt furchterregend sein :o!“

„Ach, danke Leu…“, wollte Sven schon sagen und alle verraten, bis er sich rechtzeitig besann und nun auch weinerlicher meinte: „Das stimmt schon, was sie sagen… Ich hab auch mächtig Hunger Mama. Besser, wie gehen jetzt zu Oma und schlagen uns den Bauch voll! Zumal wir uns doch noch so viel zu sagen haben. Also lasst uns gehen, ja?“

„Na schön, das kann ich schon verstehen, wenn du zu hungrig bist, um allein gegen mich zu kämpfen…“, hob seine Mutter kurz verständig an und vollendete den Satz mit einem breiten Grinsen und leuchtenden Augen: „…Dann tragen wir eben als Familie einen Battle Royal aus, jetzt wo wir doch endlich vier Trainer sind! So viel Kraft sollte jeder von uns noch haben! Kommt schon, was sagt ihr? Fangen wir an, ja?!“

„Ufff…!“, stöhnten die andern drei, denen dabei ihre Gesichtszüge entgleisten. So leicht ließ sich Isabell halt einfach nicht überzeugen; dafür brannte sie viel zu sehr darauf, endlich zu wissen, wie sich ihr Sohn in einem Pokémon-Kampf schlagen würde! Und auf Arthur, welches eigentlich das vernünftigste Teammitglied war und nicht selten seine Trainerin etwas zurückhielt, konnten sie diesmal nicht zählen, da es genauso diesem Gefecht beiwohnen wollte. Immerhin hatte auch Brigaron den jungen Mann von klein auf aufwachsen sehen und wollte nur zu gerne in Erfahrung bringen, wie er sich gegen seine Mutter schlagen würde.

„Aber, aber meine liebe Schwiegertochter, du vergisst so leicht, wie stark du und deine Pokémon sind! Mit leerem Magen können weder mein Sohn noch meine beiden entzückenden Enkel ernsthaft einen Kampf gegen dich austragen.“, schaltete sich nun amüsiert die weise Stimmte einer alten Frau ein, sodass ganz besonders Sven freudig aufhorchte und jeder seinen Kopf wandte.

„Oma!“, rief der junge Mann fröhlich und wie die anderen auch ziemlich erleichtert aus, denn immerhin hatte er seine Großmutter auch schon lange nicht mehr gesehen – zumal auch seine Mutter die Meinung von Oma respektierte und sich so am ehesten etwas ausreden ließ^^.

„Haha Sven! Ich bin ja auch so froh dich zu sehen!“, lachte seine Großmutter, die auf den schönen Namen Olympe hörte, genauso fröhlich und konnte nicht anders, als hinzuzufügen: „Und noch schöner ist es, dich endlich als hoffnungsvollen Trainer vor mir zu sehen! Man kann gar nicht oft genug betonen, was für ein längst überfälliger Schritt das war!“

Olympe Rougon war, wie die meisten aus ihrer Familie, nicht sonderlich groß, hatte von der Sonne gegerbte dunkle Haut und ein kleines, faltiges und freundliches Gesicht mit hellblauen Augen darin und langen, schütteren grauen Locken darauf. Für ihre 70 Jahre war sie noch äußerst vital und rüstig und seit dem Tod ihres Mannes Nicolas Rougon, also Svens Opa, vor etwa zehn Jahren auch ihm zuliebe eine sehr resolute und entschlossene Trainerin geworden, die noch große Pläne hegte! –Das hatte sie ihm nämlich am Sterbebett versprochen, als Opa sie darum gebeten hatte, nach ihrer Trauer auch für ihn mit weiter ein glückliches und erfülltes Leben zu führen.

Sven kannte dieses Geschichte nur zu gut, weshalb ihm immer für einen Augenblick ein schmerzliches Lächeln übers Gesicht huschte, wenn er sah wie seine Oma an sich arbeitete und besser wurde – Opa würde sicherlich stolz auf sie sein!

„Aber jetzt kommt endlich mit ihr Faulpelze!“, herrschte seine Großmutter derweil ihre Familie grinsend an: „Eure Freunde und ich selber warten schon seit Ewigkeiten darauf, dass ihr mal den Weg von der Bushaltestelle zurückfindet, damit wir mit dem Mittagessen beginnen können. Also pack deine Pokémon wieder ein meine liebe Schwiegertochter und setzt euch in Bewegung, zack, zack!“

„Hach, na gut…“, seufzte Isabell und auch ihr Team etwas enttäuscht aber widerstandslos, denn sie sah in Olympe mehr eine geliebte Ersatzmutter als eine ‚typische‘ Schwiegermutter, da sie ihre eigene kaum gekannt hatte. Und da sie sich wieder beruhigt hatte meinte sie einsichtig: „Vielleicht übertreibe ich es mit meiner Lust am Kampf wohl etwas…“

„Vielleicht?!“, kam es von den anderen in einem solchen vorwurfsvollen Tonfall zurück, dass Isabell anfangen musste zu lachen und nachgab: „Na schön: Dann übertreibe ich halt immer, aber es macht einfach so viel Spaß! *Kicher* Aber wir sollten wirklich irgendwann mal ein kleines Kämpfchen abhalten mein Junge, ich halte mich auch so gut es geht zurück.“ „Ach Mama…“, erwiderte Sven einfach lächelnd und war so froh, wieder für eine Weile mit seiner Familie zusammen zu sein.

Unterwegs plauschte die kleine Gruppe dann ausgelassen und wie erwartet drehte sich der Großteil des Gespräches um Svens Lebenswandel zu einem Trainer und auch natürlich, dass Chantal inzwischen seine Freundin war – was ihm einige einschlägige Bemerkungen seiner großen Schwester einbrachte, auf dir er aber, sehr zu ihrem Ärger und zu seiner Freude, schon gefasst war und entsprechend antworten konnte^^.

Selbstredend wurden auch seine Pokémon bedacht; er hatte ja seine Schützlinge trotz der kurzen Zeit schon beachtlich gut trainiert, wie vor allem seine Mutter nicht ohne Stolz anmerkte. Und ziemlich viel mit ihren hatte er ja ebenfalls erlebt; allein die Geschichte um Fussel war eine Sache die der junge Mann wohl nicht oft genug erzählen konnte.

Nichtsdestotrotz bekam Juwelchen die meiste Aufmerksamkeit der Familie, war es doch erst die Begegnung mit Rocara gewesen, die den jungen Mann über Umwege dazu gebracht hatte, sich an einem Leben als Trainer zu versuchen. Darüber hinaus war seine schmucke, oder laut Yvonne eher ‚schwuffige‘, rote Atlasschleife ein echter Blickfang, der Rocaras Besonderheit als hierzulande exotisches Pokémon wunderbar unterstrich.

„Echt jetzt, jeder normale Mensch sucht sich einfach ein Pokémon aus und los geht’s. Nur bei unserer Dramaqueen muss jeder einfache Schritt nochmals hundertfach wegen ihres Dickschädels verkompliziert werden!“, neckte ihn seine große Schwester zum Schluss und knuffte ihn freundschaftlich, was dieser sofort erwiderte. „Tja, dass zeigt doch wohl, dass ich etwas besonderes bin^^.“, gab Sven dabei grinsend zurück.

„Nein, das zeigt nur, dass du eben nicht normal bist Brüderchen.“, konterte Yvonne augenblicklich und der junge Mann kassierte schon den nächsten Knuff. „Na na Kinder, jetzt hört doch mal auf damit.“, mischte sich Sebastian lachend ein und schob sich zwischen die beiden Geschwister: „Sobald ihr zusammentrefft fangt ihr an, euch zu kabbeln, haha. Versucht doch mal, jetzt wo ihr doch schon Erwachsene seid, euch auch wie ein solcher zu benehmen.“

„So wie Mama, wenn es ums Kämpfen geht?“, antworteten alle zwei wie im Chor und verschmitzt lächelnd, denn wenn es darum ging ihren Vater ein wenig aufzuziehen, zogen die beiden an einem Strang. Der hatte schon verstanden, reib sich mit seiner rechten Hand am Hinterkopf, gab sich wie früher geschlagen und sagte nur noch: „Ähm… Vergesst einfach, was ich gesagt habe, ja? Ihr benehmt euch ja doch schon erwachsen genug…“

Und zu seiner Frau gewandt flüsterte er mit einem liebevollen wie väterlichem Ausdruck im Gesicht: „Sie haben wirklich viel von dir Liebling…“

Seit fast 25 Jahren wohnte Svens Oma schon am Rande des Dorfes auf einer kleinen Anhöhe auf einem für diese Gegend typischen Bauernhof mit einem großen, alten und von wildem Wein umrankten Haus. Wie alle hiesigen alten Gebäude wurde es im Lauf der Zeit liebevoll restauriert und modernisiert und auch der geräumige Hof sowie die dazugehörigen Ställe und Scheunen waren allesamt gut in Schuss.

Unter dem angenehmen Schatten spendendem Blätterdach eines uralten, mächtigen Walnussbaumes, welcher in der Mitte des Hofes stand und fast den gesamten Platz mit seiner Krone umspannte, hatte Olympe bereits die Festtafel aufgebaut, an der bis eben lediglich vier Personen mehr oder weniger geduldig auf die Rückkehr der Familie gewartet hatten. –Solche Familientreffen wurden nämlich nur im engsten Kreis zelebriert, wenngleich Oma und auch Opa früher wegen ihrer tatkräftigen und freundlichen Art viele Freunde und Bekannte im Dorf und der Umgebung hatten.

Zu diesen engsten Freunden zählten zum einen Francoise und Jean, die ja keiner Vorstellung mehr bedurften, und zum anderen James und Barnabas, die seit Kindertagen zusammen mit Sebastian durch Dick und dünn gingen und für die es deshalb eine Ehrensache war, nach dem Tod von dessen Vater, bei Olympe zu wohnen und ihr unter die Arme zu greifen. Schließlich mochte sie noch so rüstig sein, allein wäre ihr das Haus selbst mit Pokémon viel zu groß gewesen und ihr die ganze Arbeit über den Kopf gewachsen, weshalb sie sich sehr über die Anwesenheit dieser beiden ordentlich tüchtigen Kumpels ihres Sohnes freute, die auf den ersten Blick gegensätzlicher kaum sein konnten:

James war von hoher, schlaksiger Gestalt, hatte einen kleinen, etwas eckigen Kopf, lustige, graubraune Äuglein und halblange, hellbraune Haare und hieß nicht nur wie ein Butler sondern sah durch seinen feinen Zwirn und sein tadelloses Äußeres auch wie einer aus und benahm sich auch so. Denn er war sehr freundlich und höflich und selbst bei der größten Empörung wahrte er seine gute Etikette und ließ sich niemals ein Schimpfwort entschlüpfen.

Barnabas hingegen war ein kleiner, gedrungener und kräftiger Bauer mit fast terrakottafarbener Haut, dessen breites, rundes Gesicht mit seinen großen, ungewöhnliche blauen Augen immer etwas mürrisch wirkte und der seine wilde, schwarze Haarmähne ständig unter einem verwitterten Filzhut verbarg, weswegen man ihm auch den Spitznamen ‚Hutkopf‘ verpasst hatte. Anders als James pfiff er auch bei besonderen Anlässen auf extravagante Kleidung und trug daher stets eine abgetragenen, jedoch sorgsam geflickten Kittel, war fast wie Dietbert Strohsack immer am nörgeln oder fluchen und nahm kein Blatt vor den Mund. Doch in Wirklichkeit war Barnabas ein grundguter und ehrlicher Kerl, der für seine Freunde einstand und vielleicht wegen ihrer scheinbaren Gegensätzlichkeit verstanden sich er und James blendend, weswegen der eine wohl keinen Schritt ohne den anderen gehen würde.

Zu guter Letzt wimmelte es im Hof auch vor lauter Pokémon – und zwar von wilden, wie solchen, die Olympe und Nicolas aufgezogen und trainiert haben gleichermaßen. Da gab es unter anderem den ‚Alten Fossem‘, ein betagtes Kleoparda, welches gerade in einem ruhigen Winkel gemeinsam mit seiner Halbschwester ‚Minka‘, einem ebenso altem Snobilikat, im Schatten döste. Oder eine Schar von Rotom in all seinen verschiedenen Formen, die für Oma wortwörtlich wichtige Haushaltshilfen waren, aber auch in Kämpfen eine gute Figur abgaben. Und auch eine sechzehnköpfige Gruppe Quartermak, die mit einem selbstgebautem Floß von Alola nach Mungenau gekommen waren – ein Albtraum für die hiesigen Behörden - und nun seit fast drei Jahren schon als gute Nachbarn in Olympes Walnussbaum lebten und von dort aus ihre Streifzüge durch die Gegend starteten.

Am wichtigsten jedoch war wohl für Oma ‚Mac Clarry‘, ein starkes und besonnenes Knogga, welches brav an der Festtafel auf seine Trainerin wartete und mit zufriedenem wie wachsamen Blick in die Runde sah. Mac Clarry war das letzte Pokémon, das Olympe gemeinsam mit Nicolas aufgezogen hatte und zwar seit es als Tragosso aus dem Ei geschlüpft war. Der Tod von Svens Großvater traf das damals noch junge Bodenpokémon genauso tief wie Oma selber und in dieser Zeit der Trauer, als sich beide gegenseitig halt gaben, war ein unglaublich starkes Band zwischen den Beiden gewachsen. Geradezu sinnbildlich hat sich Mac Clarry darum erst an jenem Tage entwickelt an dem auch Olympe ihre Trauer um ihren Mann überwunden und wieder fest entschlossen nach vorne sehen konnte. -Das war auch eine jener Geschichten, die Sven selbst heute noch sehr nahe gingen…

„Menschenskinder Sepp, wie lange hast uns denn noch warten und Hunger leiden lassen wollen?!“, empfing sie nun Barnabas, der stets in Begleitung von ‚Wotan‘, seinem Elevoltek war, in seiner üblichen, ruppigen Manier. Dabei zeigte er regelrecht anklagend auf seinen Kumpel James, der gemeinsam mit seinem Vegichita namens ‚Arbogast‘ einen letzten prüfenden Blick auf die von ihnen kunstvoll dekorierte und gedeckte Festtafel warf und meinte: „Du weißt doch genau, dass unser feiner Herr James erst mit dem Essen anfängt, wenn alle da sind!“

„Elevoltek!“, unterstrich das Donnerkeilpokémon die Worte seines Trainers und hieb sich mit der Faust auf seine Brust, sodass die Funken nur so sprühten. Schließlich war es genauso hungrig und ungeduldig wie Barnabas selber – es stimmte eben schon, dass sich Mensch und Pokémon mitunter ziemlich ähnlich waren^^.

Angesichts dieses Auftrittes fingen alle Anwesenden unweigerlich an zu herzlich zu lachen. Kannten sie doch Barnabas gut genug um zu wissen, dass er es, trotz seiner äußerst überzeugenden Art, gar nicht so meinte. Besonders Isabell kicherte wissend wie ein Schulmädchen, welches gerade bei einem Streich ertappt wurde, was sich der Hutkopf, der sich nicht aus dem Konzept bringen ließ, sofort zunutze machte.

„Ja lach nur Isabell, lach nur!“, fuhr Barnabas darum fort und stemmte die Hände in die Hüften: „Wir haben Olympe ja nur deshalb hinterhergeschickt, weil es klar wie Kloßbrühe war, dass du deinen eigenen Jungen, jetzt wo er endlich soweit ist, liebend gern zum Kampf herausfordern möchtest! Aber merke dir eines: Zuerst mal sind wir beide fällig! Du hast mir immerhin eine Revanche versprochen!“

„Aber natürlich Barnabas, das habe ich doch nicht vergessen. *kicher*“, lachte Svens Mutter nur ausgelassen, währenddessen die ganze strenge, mürrische Miene des Hutkopfes in sich zusammenfiel und einem breiten, freundlichen Grinsen Platz machte.

„So! Und jetzt erstmal herzlich Willkommen Sven und meinen Glückwunsch, dass du endlich die Kurve gekratzt hast und ein Trainer bist!“, meinte Barnabas nun lauthals lachend und klopfte dem jungen Mann so kräftig auf die Schulter, dass dieser husten musste, fast umfiel und nur ein ‚Uff.. Danke..‘ keuchen konnte.

„Oh ja Herr Rougon, von mir natürlich auch die allerherzlichsten Glückwünsche für Ihren Lebenswandel, wenngleich Sie das vielleicht nicht mehr hören können.“, stimmte James sofort mit seiner höflichen, verständigen Mine ein: „Ich kann mein Erstaunen gar nicht in Worte fassen, als wir erfuhren, wie schnell Sie sich gemausert haben, Herr Rougon. Sie haben wahrlich viele Eigenschaften von Ihrer werten Frau Mutter, Mylady Isabell, aber auch genauso viele von Ihrem werten Herr Vater, Mylord Sebastian!“

„Tja, die Eipfelbeere fällt eben nicht weit vom Stamm, würde ich mal sagen.“, merkte Jean, der bis dato geschwiegen hatte, grinsend an und brachte die Sache damit auf den Punkt. „Treffender hätte man es nicht ausdrücken können, Jüngelchen.“, bestätigte Barnabas amüsiert und hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: „Wenn du Sven und deine Chantal mal eines Tages vielleicht einen Sohn haben, wird er wohl erst weit über dreißig sein, bevor er anfängt sich für Pokémon zu interessieren, hahaha!“

„*Kicher* Aber Barnabas, bis unsere kleine Schnarchnase sich traut mit seiner Liebsten auf volle Distanz zu gehen, werden ohnehin noch Jahre vergehen, echt jetzt!“, giggelte Yvonne breit grienend und neckte ihren Bruder auch gleich weiter: „Francoise hat mir schon vor einiger Zeit gesagt, wie du dich auf dem Freilichtmuseum angestellt hast, nur weil du in die Fan-Meile der Frauen geraten bist, hihi! Echt jetzt, wenn du weiter so verklemmt bist Brüderchen wird das so schnell nichts.“

„Haha, sehr lustig Schwesterchen!“, entgegnete Sven mit hochrotem Gesicht, verschränkten Armen und beleidigter Miene: „Also erstens ist das ja allein Sache von mir und Chantal und zweitens wisst ihr genau, wie hart es ist, sich einen guten Platz da zu sichern. Ich hatte nie die Absicht ausgerechnet dort zu landen :oops:…“

„Ach jetzt sei doch nicht gleich eingeschnappt Brüderchen.“, flötete dessen große Schwester melodisch, wuschelte ihm schon wieder durch sein Haar – jetzt nervte es aber wirklich! -, machte rasch ein Foto vom jungen Mann und meinte zufrieden: „Sodala, dann hätten wir deine Schnute auf diesem Treffen auch festgehalten, hihi! Darum hat Chantal mich nämlich gebeten, wenn sie schon nicht hier sein kann, weißt du? Sie findet deinen Gesichtsausdruck wenn du dich ärgerst und dabei wie ein kleines Yorkleff, dass über seine eigenen Pfoten gestolpert ist, guckst, einfach süß^^. Und ich kann ihr da nur zustimmen, echt jetzt. *Kicher*“

„Hmpf…“, machte Sven nur noch, wobei er Mühe hatte, nicht gleich wieder zu grinsen und dachte sich mehr ironisch und mit einem Schmunzeln: „Vielleicht war es angesichts des nach wie vor so beliebten ‚Sven-Bashings‘ auch nicht soo schlecht, dass Chantal nicht mitgekommen ist – sie hätte sonst wohl viel zu viel Spaß dabei gehabt …!“

Kurz darauf war James, ganz im Stil eines gewissenhaften Butlers, bereits mit dem Gepäck des jungen Mannes im Haus verschwunden, um es in dessen Zimmer zu verstauen, bevor er sich in der Küche unverzüglich an die Zubereitung des Mittagessens machen würde.

Der Rest der kleinen Gruppe saß derweil bei weiterhin heiterer Stimmung gemeinsam mit ihren Pokémon an, beziehungsweise je nach Größe von diesen, neben der Festtafel und plauderte ausgelassen, um sich die Zeit bis zum Essen noch vertreiben zu können. Sven hockte dabei zwischen seinen Eltern, war schon längst wieder gut aufgelegt und hatte Tobi, Fussel sowie Celéste um sich herum, die aufmerksam den Gesprächen lauschten, sich ihrerseits mit den anderen anwesenden Pokémon austauschten…

…oder Juwelchen zuwinkten, wenn es gerade jauchzend über ihren Köpfen hinweg flog, weil die Quartermak das Edelsteinpokémon zu ihrem neuen Trainingsobjekt auserkoren hatten. Denn der harte, robuste Körper von Rocara erschien den affenartigen Kampfpokémon als geradezu prädestiniert dazu, ihre Pässe und Wurftechniken mit ihm noch effizienter zu üben und zu perfektionieren, weshalb sie dieses, seitdem es mit seinem Trainer den Hof betreten hatte, nicht mehr aus den Augen gelassen haben.

Juwelchen selber hatte sich schnell dazu überreden lassen, immerhin klang das nach einer Menge Spaß, sodass die Quartermak sich nun im ganzen Hof verteilten und sich die kleine Fee gegenseitig zupassten. Dabei zeigten sie wirklich großes Geschick, da alle anderen Anwesenden völlig unbehelligt davon blieben und im Gegenzug sogar noch eine tolle Show geboten bekamen.

„Wie geht es eigentlich Bernadette?“, wollte Sven unterdessen von Francoise wissen, die angesichts dieser Frage plötzlich rot wurde und ihr ein verliebt, verträumtes Lächeln über die Lippen huschte. Bernadette war nämlich Francoise‘s langjährige Lebensgefährtin, die sie erst vor einem knappen Jahr auch geheiratet hatte, und mit der sie eine erfüllte Fernbeziehung führte, da sie als erfolgreiche Bürokauffrau im weit entfernten ‚Groß Reibach‘ arbeitete und nur ab und zu im Monat die Zeit hatte, nach Regelsberg zu kommen.

Denn obwohl man die junge Frau so häufig mit Jean antraf, waren sie nicht zusammen sondern nur gute Freunde, da Francoise sich mehr zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlte und dies auch nicht verheimlichte sondern ganz offen dazu stand. – Übrigens hinderte sie dieser Umstand in keinster Weise daran, trotzdem ein wenig für den Champ zu schwärmen und als dessen Fan vollsten Körpereinsatz zu zeigen, wie der junge Mann ja erst kürzlich auf dem Freilichtmuseum nur zu gut gesehen hatte^^.

„Oh es geht ihr bestens, danke der Nachfrage!“, antwortete Francoise ganz verträumt und konnte allen strahlend verkünden: „Und stellt euch vor, sie nimmt sich sogar extra Urlaub, damit sie am Beizjagd-Festival dabei sein und dich Sven und dein Botogel mit anfeuern kann! Wenn du willst, können wir das genauso machen, wie sonst beim Champ, hihi!“

„Ähm, also weißt du… Sooo viel Einsatz muss jetzt doch nicht sein…“, stammelte der junge Mann hochrot im Gesicht, weil ihm allein der Gedanke, dass gleich zwei so knapp bekleidete Frauen ihn aus vollen Kehlen anfeuerten, viel zu viel war. „Haha, jetzt ärgert den Jungen doch nicht immer so.“, meinte Sebastian lachend und seinen Sohn in Schutz nehmend und klopfte diesem auch gleich anerkennend auf die Schulter: „Aber das du an diesem Festival teilnehmen möchtest finde ich sehr bewundernswert! Du hast wirklich den Ehrgeiz deiner Mutter geerbt.“

„Und von deinem Vater dafür die verrückten Ideen!“, warf Barnabas sofort grinsend ein und schüttelte mit gespielter Ungläubigkeit den Kopf, da er in Wirklichkeit genauso angetan von der Zielstrebigkeit des Jungen war wie sein alter Kumpel: „Dein Alter wirft wegen seiner Zukünftigen mitten in der Nacht seine Einstellungen über Bord, rennt in den Wald um ein Owei zu fangen und du möchtest ausgerechnet mit einem Botogel am Beizjagd-Festival mitmachen! Du bist wirklich ein richtiger Rougon Jüngelchen, haha!“

Dieser Vergleich des Hutkopfes war übrigens nicht weit hergeholt:

Denn ursprünglich war dieses Festival ein Wettkampf unter jenen Jägern gewesen, die sich bei der Jagd auf den Einsatz von Raubvogelpokémon, beispielsweise Fiaro, Tauboss oder Staraptor, spezialisiert hatten, was man als ‚Beizjagd‘ bezeichnete. Und er entsprang einer weit zurückliegenden Zeit, als Menschen noch wilden Pokémon ihres Fleisches oder andere Dinge, die man aus ihnen fertigen konnte, wegen nachstellte und tötete. Heute war das natürlich strengstens verboten, doch noch vor etwa 200 Jahren fand kaum einer etwas anstößiges daran, sein eigenes Fasasnob zu tätscheln, während man gleichzeitig dessen wilden Verwandten mit einem Armbrustbolzen vom Dach holte… Jedenfalls wäre ein Pokémon wie Botogel damals völlig Deplatziert bei so einem Wettkampf gewesen und hätte bestenfalls bloß als lebende Beute hergehalten.

Heutzutage war mittlerweile ein unblutiger, rein sportlicher Wettkampf daraus geworden, bei dem manche der Teilnehmer die Zuschauer mit waghalsigen, ausgefeilten Flugshows ihrer Raubvogelpokémon begeisterten und andere die alten Jagdtechniken nur noch zu Schauzwecken mithilfe von gesteuerten Drohnen – den ‚Tontaubis‘ – vorführten. –Also ein Format, an dem durchaus auch Tobi teilnehmen konnte, wenngleich es nach wie vor etwas ungewöhnlich war.

Was gleich blieb war nach wie vor die Intention, den Besten unter ihnen zu ermitteln, Spaß an der Sache zu haben und als große Besonderheit musste man noch erwähnen, dass Pokémonkämpfe beim Beizjagd-Festival sogar nur eine untergeordnete Rolle spielten!

Auf jeden Fall war Sven, seit er als kleines Kind zum ersten Mal diesem Spektakel beiwohnen konnte, völlig fasziniert von diesem Wettkampf gewesen. Ganz besonders die Kraft, Schnelligkeit und das Geschick der Vogelpokémon so wie ihr Zusammenspiel mit ihren Trainern hatten ihn schon damals schwer beeindruckt, weshalb er seitdem jedes Festival mit nach wie vor leuchtenden Augen verfolgte. Kein Wunder also, dass er jetzt, wo er schon ein Trainer geworden ist, es sich in den Kopf gesetzt hatte sich wenigstens ein Mal daran zu versuchen! Und das musste natürlich auch gleich in diesem Jahr sein, denn wie schon erwähnt fiel das Beizjagd-Festival ja diesmal genau auf seinen Geburtstag und ganz nebenbei würde es nächstes Jahr wegen der Mungenau-Liga gar nicht stattfinden. Wenn also nicht diesmal, müsste der junge Mann ganze zwei Jahre warten, bis er wieder die Gelegenheit dazu bekam. Und das war eindeutig zu lange!

„Na ein Botogel ist halt mal etwas anderes, da werden die Zuschauer sicherlich Augen machen, haha!“, lachte derweil Jean, der nur zu gut wusste, wie viel die Teilnahme daran seinem Freund bedeutete, amüsiert bei dieser Vorstellung und fügte ernster und glaubhaft hinzu: „Ist aber auch gut, dass sie die Regeln in den letzten Jahren lockerer gemacht haben und nicht nur bestimmte Vogelpokémon zulassen! Dein Botogel und du haben schon das Zeug dazu, da mitzumischen. Je mehr unterschiedliche Pokémon teilnehmen, desto spannender wird es doch.“

„Togel!“, krähte Tobi überzeugt und geehrt von diesem Vertrauen und der junge Mann empfand das gleiche, musste jedoch seufzend einwenden: „Danke Leute für euren Zuspruch, wirklich. Aber ihr tut ja so, als ob ich mich schon längst dafür qualifiziert habe… Doch noch fehlt mir ein Band oder ähnliches, dass wisst ihr doch.“

„Kommt Zeit, kommt Rat mein Enkelsohn. Lass dir da mal kein graues Haar wachsen.“, erwiderte seine Oma verständig und Weise, lächelte geheimnisvoll und meinte: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Du bist, trotz deines Dickschädels binnen kürzester Zeit ein formidabler Trainer geworden. Da wird das Erringen eines Nachweises für die Teilnahme an deinem geliebten Festival ja wohl ein Klacks werden, haha!“

„Hm…“, konnte Sven da nur noch sagen, weil er nicht völlig verstand, was seine Oma mit ihren Worten durch die Blume andeuten wollte. Freilich kam ihm die Überraschung in den Sinn, doch es war ja nicht so, als ob er in der Zeit, bevor er herkam, nicht schon im Internet nachgesehen hätte, was für Veranstaltungen oder Turniere, bei denen man so eine Auszeichnung gewinnen könnte, hier in der Gegend abgehalten werden. Das war nebenbei auch nicht der Fall, denn während der Erntezeit gab es solcherlei Dinge nicht im Demeteros-Delta.

„Also kann Oma mich schon mal nicht heimlich für einen solchen Wettkampf eingetragen haben…“, kombinierte der junge Mann angestrengt nachdenkend: „Diese Überraschung muss demnach etwas anderes sein… Und natürlich wissen alle anderen schon längst Bescheid, so breit grinsend wie die mich jetzt ansehen >-<!“

Fragen wollte Sven sie aber auf gar keinen Fall. Er konnte sich schon denken, dass das genauso enden würde, wie einst an jenem Montag auf der Arbeit, als er Juwelchen gerade erst gefunden hatte und alle kichernd herumdrucksten…

Seine Überlegungen wurden ohnehin jäh unterbrochen, da Mac Clarry rhythmisch mit seinem Knochen auf das Pflaster des Bodens klopfte, um damit die Gespräche zu beenden, weil nun gerade James, Arbogast und die Rotom endlich mit dem Essen aus dem Haus kamen!

Zur Auswahl stand ein sämiger Grießbrei mit säuerlichen Beeren, eine kräftige Kartoffelsuppe mit gerösteten Brotwürfeln, ganz rustikal frisch gekochte Taubiseier und dazu Scheiben von besonders dunklem, aromatischem Roggenbrot und diverse Speisen für die ganze anwesenden Pokémon. Alles nach einem uralten Familienrezept der Rougons und so köstlich zubereitet, dass man sich schon allein beim Geruch davon die Finger leckte, Menschen wie Pokémon gleichermaßen!

„Jetzt hör schon auf zu grübeln, Sohnemann!“, wurde der junge Mann verständig lächelnd von seiner Mutter ermahnt, die Mühe hatte, sich zwischen diesen Köstlichkeiten zu entscheiden: „Du weißt genau, dass es so gut wie unmöglich ist eine Überraschung deiner Oma vor seiner Zeit zu erraten. Lang lieber ordentlich zu, schließlich werden wir unsere Kräfte bei der kommenden Arbeit brauchen – Oma kennt doch auch da kein Pardon, hihi!“

„Deine Mutter hat Recht!“, bestätigte Olympe grinsend und hob mit gespielter Strenge ihren Zeigefinger: „Fang lieber an zu essen! Denn so oder so wirst du um Punkt eins mit uns auf die Felder ziehen - ob mit oder leerem Bauch, mein Enkelsohn!“

Dagegen konnte Sven nun wirklich nichts einwenden. Er zuckte mit den Schultern, lächelte zurück und stimmte lauthals in den Gruß mit ein:

„Guten Appetit und lasst es euch schmecken!“

Olympe war eine Frau, die zuverlässig auf Worte auch Taten folgen ließ und in ihrer Pünktlichkeit deutlich machte, von woher der junge Mann diese wohl hatte:

Wirklich exakt um ein Uhr nachmittags machte sich die kleine Gruppe auch auf den Weg zu Omas Felder und Ländereien und war dabei nicht allein, da nun auch im restlichen Dorf und auch in allen anderen hier in der Gegend sich ein jeder auf zur Arbeit machte und rege wie fröhliche Betriebsamkeit herrschte.

Dabei fiel auf, dass nicht nur Einheimische sondern auch viele Touristen dabei waren, denn die Erntezeit hier im Demeteros-Delta war ein ganz besonderes Ereignis und über weit über seine Grenzen hinaus bekannt. Die Arbeit wurde hier nämlich noch fast wie in alten Zeiten Größtenteils nur allein durch die Kraft und Zusammenarbeit von Menschen und Pokémon bewältigt – außer ein paar älteren Traktoren und Lieferwägen sah man so gut wie keine modernen und schon gar keine schweren Maschinen.

Der Grund dafür waren die empfindlichen und stellenweise auch sehr unwegsam in Geländefalten gelegenen Böden, die nur schonende Arbeitsweisen zuließen, die Ernte aber dafür auch von ausgezeichneter Qualität war. Viel lieber erzählten die hiesigen Anwohner aber von einer alten Sage, wonach Demeteros die Menschen und Pokémon darum gebeten hatte, nur auf diese Weise ihre Felder zu bestellen, damit sie stets den Wert ihres täglich Brot zu schätzen wissen…

Trotzdem gab es einen bedeutsamen Unterschied zu damals: Die Arbeit war zwar immer noch anstrengend und fordernd, aber keine mühsame Schinderei mehr. Denn anders als früher hatte man heute viel mehr Pokémon als Helfer zur Verfügung und war deutlich besser organisiert. Deswegen fanden auch so viele Touristen wohl Gefallen daran sich, neben dem üblichen Urlaub auf dem Bauernhof, auch ein wenig an einer solchen Arbeit zu versuchen – was hier mal wieder zeigte, wie findig man im Demeteros-Delta Tradition und Moderne zu vereinen wusste.

In der Zwischenzeit hatten Sven, Jean und Barnabas ein auf einem abschüssigen Hang gelegenes Getreidefeld in Angriff genommen und während die letzten beiden mit ihren Sensen die Halme Stück für Stück umlegten, band der junge Mann sie anschließend zu großen Garben zusammen. Unterstützt wurden sie dabei von den Pokémon des Hutkopfes, die wie gemacht für solche Arbeiten waren: Neben Wotan, dass mit seinen kräftigen Armen eine besonders wuchtige Sense schwang und damit seinem Trainer beim Mähen half, waren das noch ‚Spaghetti‘, das Tangela und ‚Nidhiki‘, das Ariados, die ihrerseits Sven bei den Garben zur Hand gingen. Sie halfen beim Binden der Garben, da dies sehr viel Kraft erforderte und das Käferpokémon stellte dazu auch noch die nötigen Fäden dafür.

Obwohl es doch sehr warm war, die Sonne vom wolkenlosen, strahlend blauen Himmel brannte und die Luft flimmerte, dass einem der Schweiß aus allen Poren rann, war der junge Mann, der deswegen wie alle einen äußerst modischen Strohhut trug, bester Laune. Er plauderte fröhlich mit Jean und Barnabas, die einige Schritte vor ihm auch weiterhin mit ihrem rhythmischen Schritt ihrer Arbeit nachgingen und ebenfalls gut aufgelegt waren. „Hach, ich weiß noch als du ein kleiner Steppke warst Sven.“, hob der Hutkopf gerade lachend zu einer alten Geschichte an und wischte sich kurz den Schweiß aus dem Gesicht: „Da hast du es mit Ach und Krach geschafft eine einzige Garbe zu binden und warst dann Stolz wie Oskar darauf, hahaha! Schade fast, dass deine Mutter kein Bild davon gemacht hat, das wär echt was fürs Familienalbum gewesen, haha!“

„Ach, so schlimm finde ich das jetzt nicht.“, gab Sven schmunzelnd und auch erleichtert zurück, wusste er doch nur zu gut, dass es noch genügend andere peinliche Fotos aus seiner Kindheit gab, die seine Mutter bei jeder Gelegenheit hervorkramte… Deswegen wandte er sich wieder seiner Arbeit zu, nicht aber, ohne vorher freudig Celéste zuzuwinken, die er gerade auf dem Nachbarfeld erblickte und ihn, sowie seine Begleiter, ebenfalls fröhlich grüßte.

Sein Imantis hatte sich nämlich auf Omas Geheiß einem Trupp Sichlor mit einem Matrifol als Vorarbeiter angeschlossen, deren Aufgabe es war, die vielen großen Wiesen im Verlauf der Woche zu mähen, damit Heu daraus gemacht werden konnte. Das kleine Pflanzenpokémon blühte fast wortwörtlich bei dieser Arbeit, für die es mit seinen scharfen Blätter auch bestens geeignet war, auf und hängte sich voll rein, um vor den anderen mantisartigen Pokémon auch ja keine schlechte Figur abzugeben^^.

„Hü Hott ihr Faulpelze!“, rief Olympe da sowohl der Gruppe um Sven als auch den Sichlor lachend zu: „Weniger reden und winken, mehr arbeiten, haha! Also gehen wir mit guten Beispiel voran Mac Clarry!“

„Knogga!“, rief das Bodenpokemon zustimmend aus und gemeinsam mit seiner Trainerin verteilte es das frisch gemähte Gras mit kräftigen Schwüngen auf dem Boden, damit es besser trocknen konnte. Zu diesem Zweck hatte das Knochenfanpokémon seinen Knochen mittels eines Aufsatzes zu einer Heugabel umfunktioniert und musste sich schon ranhalten, wenn es mit Oma Schritt halten wollte. Die alte Frau arbeitete nämlich ziemlich tüchtig und obendrein so schnell, dass ihr blaues, weißgepunktetes Kopftuch dabei immer ein wenig flatterte. Im Gegensatz zu den meisten anderen schwitzte sie kaum und wenn man ihr so zusah, mochte man schon glauben, dass sie diese Arbeit auch noch in 20 Jahren verrichten konnte.

Sven jedenfalls blickte voller Stolz und Bewunderung auf seine Oma: Ihre Fitness hatte ihn schon immer genauso beeindruckt wie die Schönheit und Stärke seiner Mutter. Und gute Ideen hatten sie auch, da ihr sofort die richtigen Arbeiten für die anderen Pokémon des jungen Mannes eingefallen waren.

Denn während Celéste hier eifrig das Gras umlegte, halfen Fussel und Tobi Svens Eltern, seiner großen Schwester und Francoise beim abernten der Streuobstwiesen. Das klang jetzt zunächst nicht nach einer großen Sache, doch dieser Eindruck täuschte gewaltig! Viele starke und äußerst angriffslustige Pokémon, beispielsweise Nidoking, Armaldo, Ceasurio, Ursaring und Konsorten, hatten diese nahrungsreichen Orte zu einem Teil ihres Reviers gemacht und waren nicht gewillt, selbst angesichts dieses Überflusses, ohne weiteres mit den Menschen zu teilen.

Wenn jemand etwas von den Früchten, Beeren und Nüssen abhaben wollte, dann musste sich dieser jemand das Recht dazu erst erkämpfen! Da waren diese Pokémon unerbittlich und machten lediglich nur bei kleinen Kindern eine Ausnahme, weswegen die hiesigen Streuobstwiesen ein beliebter Treffpunkt für erfahrenere Trainer waren und die Besitzer dieser Wiesen unweigerlich auch solche wurden, wenn sie etwas von ihrem Obst haben wollten :D.

Für Fussel und Tobi war dies deshalb eine ideale Möglichkeit um zu trainieren, zumal sie dabei auch noch von Isabell lernen konnten – wenn das mal keine guten Voraussetzungen waren, um stärker zu werden!

Die Gewissheit, dass seine Pokémon voll auf ihre Kosten kommen und in dieser Woche sicherlich viel Erfahrung dazugewinnen werden, sorgte beim jungen Mann für ein wohliges Gefühl und ein freudiges Lächeln, sodass er noch enthusiastischer seiner Arbeit nachging.

„Eigentlich doch Schade, dass Chantal nicht mitkommen konnte, sie hätte sich sicherlich riesig gefreut, mal gegen Mama kämpfen zu können.“, dachte sich Sven kurz etwas wehmütig, denn ein solcher Kampf wäre sicherlich etwas wirklich Sehenswertes gewesen^^. Nebenbei warf er schmunzelnd einen Blick auf Juwelchen, welches als einziges von seinen Pokémon noch bei ihm war und die Getränke für die Gruppe bei sich trug.

Das kleine Edelsteinpokémon hatte immer noch einen fürchterlichen Drehwurm vom wilden Spiel der Quartermak und taumelte selbst jetzt, wo es nur an Ort und Stelle schwebte, unsicher in der Luft. „Caraaa…“, stöhnte es dabei jämmerlich und schien sich selbst zu ermahnen, sich beim nächsten Mal vielleicht doch nicht mehr als Wurfgeschoss zur Verfügung zu stellen…

„Haha, keine Bange Juwelchen, das wird schon bald nachlassen, ganz bestimmt.“, versicherte der junge Mann gut gelaunt und fügte voller Vorfreude hinzu: „Und nach der Arbeit gönnen wir uns auch einige heiße Kämpfe gegen ein paar Trainer! Auf den ersten Blick sieht es hier in der Gegend nicht so aus und auch was Wettbewerbe oder Turniere angeht ist es ziemlich mau… Doch wenn es um zahllose Zufallskämpfe mit den unterschiedlichsten Trainern geht ist das Demeteros-Delta einer der Hotspots von Mungenau! Hör nur mal näher hin Juwelchen, dann weißt du ganz sicher, was ich meine.“

„Cara!“, meinte das kleine Edelsteinpokémon zustimmend und nickte dem Schwindel zum Trotz eifrig. Es hatte schon die ganze Zeit seine steinernen Ohren gespitzt und wusste nur zu gut, dass das was Sven sagte mehr als stimmen musste:

Die Luft der ganzen Gegend war erfüllt vom fröhlichen Lachen und Plaudern der arbeitenden Menschen und Pokémon, doch dazu mischten sich eben auch die unverwechselbaren Geräusche von Pokémon-Attacken und gerufenen Befehlen, die auf hitzige Gefechte hinwiesen. Und es war nicht zu überhören, dass es nicht wenige Duelle waren, die da geführt wurden, was Juwelchens Herz vor Freude hüpfen lies. Das würde lustig werden!

Juwelchens Erwartungen wurden auch nicht enttäuscht. Bereits am Abend, als es mit Sven und den anderen das Feld verließ, lieferte sich sein Trainer auch schon seinen ersten Kampf hier mit einem Touristen, der sich mit folgenden Worten vorstellte: „Hanoi, jetzt zeig ich dir mal wie virtuos ein Böblinger kämpfe kann…!“

Die ganze folgende Woche verlief in dieser angenehmen Mischung aus Arbeit und Kämpfen wie im Flug und auch wenn der junge Mann wirklich jeden Abend todmüde ins Bett fiel, hatte er stets dabei ein glückliches Lächeln auf den Lippen und startete dennoch wieder voller Energie in den nächsten Tag. Denn Oma sorgte schon dafür, dass sich Spaß und Arbeit die Waage hielten und sich keiner verausgabte^^.

Für Sven waren diese sieben Tage nebenbei noch viel mehr, als ein alljährliches Wiederaufleben seiner schönen Kindheitserinnerung. Jetzt als Trainer bekam er in den vielen Duellen gegen seine Familienmitglieder Seiten und Eigenheiten von diesen zu Gesicht, die ihm bis dahin als bloßer Zuschauer verborgen blieben. So hätte er beispielsweise vorher nie gedacht, was für ein eingespieltes Team er zusammen mit seiner großen Schwester in einem Pokémonkampf gegen ihre Mutter sein konnte – auch wenn sie trotzdem abschmierten, doch das machte ihm gar nichts aus.

Alles in allem hatte der junge Mann so viel Spaß am Ausleben seines neuen Trainerdaseins, dass der Gedanke an die in dieser ganzen Zeit immer noch nicht näher erwähnte Überraschung in den Hintergrund gedrängt wurde. Nebenbei zeigte Sven seinen Pokémon allerdings auch die ganzen schlichten und doch so erfüllenden Freuden, die er jedes Jahr aufs Neue hier hatte:

Gemütlich auf der Ladefläche eines Wägelchens rücklings im weichen Heu, das man vorher eigenhändig aufgeladen hatte, liegen und sich ganz entspannt vom sanften Ruckeln treiben lassen, während man die ersten Sterne am Abendhimmel zählte. Sich mit frischen Früchten und Beeren nur so vollstopfen, dass man gar kein Mittagessen mehr brauchte. Mit der Familie und den Bekannten aus dem Dorf an einem Lagerfeuer sitzen und den vielen Geschichten und Erzählungen lauschen. Gemeinsam mit Papa abends noch ellenlange Spaziergänge unter dem Sternenhimmel machen und dabei über Arceus und die Welt zu philosophieren. Sich auf jede Menge Blödeleien mit Omas Miltank und ihren Taubsis einlassen und so banale Aufgaben wie ausmisten und füttern deutlich spannender zu gestalten… Und noch so vieles mehr! Ganz besonders aber auch noch…

„…Von der frisch gemachten Marmelade naschen, hihi!“, kicherte Sven und wollte schon seinen Finger in eines der halbwegs ausgekühlten Gläser tunken…

-Patsch!-

„Knogga!“, machte Mac Clarry vorwurfsvoll und rührte dann weiter mit seinem Knochen in der köchelenden Konfitüre. „Umpf… Und wie immer krieg ich von Mac Clarry dafür eins auf die Finger, hihi.“, kicherte der junge Mann ertappt und grinsend und flüsterte verschwörerisch zu seinen Pokémon: „Aber das ist es wert. Es gibt kaum etwas leckereres, als noch halbwarme Marmelade… Hihi, und später greifen wir uns so oder so ein Glas ab xD!“

Es war eine herrlich unbeschwerte Zeit für den jungen Mann und seine Pokémon, die nur einmal von einem eher lustigen Ereignis unterbrochen wurde:

„SVEN! Schwing deinen Arsch hierher, aber pronto!“, rief Yvonne eines Tages, es war noch nicht mal sechs Uhr morgens, ganz ärgerlich und aufgeregt nach ihrem kleinen Bruder. „*Gähn* Was ist denn los…“, brummelte Sven noch verschlafen und meinte beiläufig: „Auch wenn ich ein Bäcker bin, möchte ich an meinen freien Tagen gern etwas länger schlafen… Also was ist denn?“

„Das ist!“, erwiderte seine große Schwester tadelnd und öffnete die Tür zum Badezimmer, vor dem sie standen. Dort saß Tobi gerade auf der Toilette, machte ein erschrockenes wie empörtes Gesicht und rief ganz pikiert: „Booo!“ ‚Hey, was soll denn das?! Einmal reicht wohl nicht, was? Das hier ist privat!!!‘

„Also Yvonne, schäm dich Tobi so bloßzustellen!“, schalt nun Sven seine große Schwester, während er eiligst die Türe wieder schloss, sie von der Tür etwas wegzog und erklärte: „Ich geb ja zu, dass ich ihm nicht beigebracht habe, die Tür auch abzusperren, weil es bei mir daheim reicht, wenn sie zu ist. Aber das du mich nicht einfach darauf ansprichst, sondern gleich nochmal die Tür aufmachst um Tobi zu ärgern, find ich ziemlich unsensibel von dir!“

Jetzt war einer der seltenen Fälle eingetreten, in der mal Yvonne völlig sprachlos und verdattert ihren kleinen Bruder anstarrte und den Mund nicht zubekam. (Und auch in der ganzen Zeit ihr typisches ‚Echt jetzt‘ vergessen hatte xD) „Du… Du hast… Du hast deinem Botogel DAS Beigebracht; auf Toiletten zu gehen?!“, stammelte sie zunächst perplex und bekam ein hochrotes Gesicht, weil sie nicht so recht wusste, wie sie mit diesem Wissen umgehen sollte.

Sofort hob sie aber gleich energisch die Hand und unterband mit einer wilden Geste den Versuch ihres Bruders, den Mund zu einer Erklärung auch nur aufzumachen. „Stopp! Ich will rein gar nichts davon hören!“, meinte Yvonne heftig und peinlich berührt und sagte nur noch im fortgehen genervt: „Also in manchen Sachen bist und bleibst du ein komisches Hoot-Hoot, echt jetzt! In einer Viertelstunde möchte ich ins Bad, also lass dir ja nicht einfallen, eines deiner anderen Pokémon auch noch rein zuschicken, klar? Hanni, Nanni, kommt mit! Ich brauch jetzt einen Kaffee und zwar einen extra starken… Echt jetzt!“

„Raichu!“, machte Hanni freudig mit wedelndem Schweif. ‚Oh ja, für mich bitte einen doppelten Espresso!‘ „Frosdedje!“, fiel auch Nanni mit ein. ‚Und für mich einen Eiskaffee^^!‘

Eigentlich wollten die beiden Pokémon ihre Trainerin nochmals auf Tobis ‚Talent‘ ansprechen, bekamen allerdings eine ordentliche Abfuhr. „Nein Leute, keine Chance!“, hörte Sven sie noch aufbrausen: „Auf gar keinen Fall bring ich euch solche verschrobenen Sachen bei, echt jetzt!“

„Hm… Was hat sie denn bloß?“, fragte sich der junge Mann irritiert, während im Hintergrund das Geräusch der Spülung betätigt wurde und keine Minute später Tobi; mit frisch und mit Seife gewaschenen Flügeln wohlgemerkt; neben seinem Trainer stand und ihn ebenfalls ratlos ansah. Dieser zuckte daraufhin mit den Schultern und sagte nur noch: „Tja, so sind große Geschwister halt manchmal… Aber wenn wir schon auf den Beinen sind… Gehen wir etwas trainieren, bis Fussel und Juwelchen auch wach sind und dann gibt’s lecker Frühstück!“ „Botogel!“, antwortete das Lieferantenpokémon angetan – das war doch ein Vorschlag!

Schlussendlich brach irgendwann auch der letzte Tag, den Sven bei seiner Oma verbringen würde, an und eigentlich hatte der junge Mann die angedeutete Überraschung schon fast vergessen, was sich jedoch bald schlagartig wieder ändert sollte…

-Biep! Biep! Biep!-

Das hohe, nervige Piepsen des Weckers, der im Gästezimmer von Sven stand, ließ diesen sofort hochschrecken. „Umpf, was zum…?!“, murmelte der junge Mann schlaftrunken und rieb sich verwirrt die Augen, nachdem ihm beim Ausschalten des Weckers bewusst wurde, dass dieser auf Fünf Uhr morgens gestellt war!

„Haha! Sehr witzig Fräulein Sullivan, total…“, grummelte Sven mehr zu sich selber und hatte keinerlei Zweifel, dass Yvonne dahinter steckte. Seine große Schwester hatte sich bereits früher oft einen Spaß daraus gemacht, ihr Frosdedje nachts heimlich in sein Zimmer zu schicken, damit es den Wecker verstellte – eine leichte Übung für ein Geistpokémon, wie Nanni eines war.

Unwillig kuschelte sich der junge Mann wieder ins Bett und wälzte sich umher, doch er merkte selber, dass dies nichts mehr half. Wenn ihn erst mal ein Wecker aus dem Schlaf gescheucht hatte, schlief er so schnell nicht mehr ein. Also beschloss er, gleich aufzustehen; immerhin war es ja schon hell; und dabei dachte er sich ironisch, dass er ja ohnehin heute an diesem letzten Tag vorhatte, eher als sonst aus den Federn zu kriechen…

Ein paar Augenblicke später schlurfte er auch schon mit seinen Pokémon, die ebenfalls aufgeweckt wurden, die Treppe hinunter zur Küche, um eben jetzt schon zu frühstücken. Verwundert blieb er aber mitten auf der Treppe stehen und schnupperte, weil in der Luft bereits dieser unverwechselbare ‚Frühstücksduft‘; bestehend unter anderem aus Kaffee, warmer Milch, frischen Semmeln etc.; lag.

„Huch? Haben die anderen etwa schon gefrühstückt; so früh am Morgen?!“, entfuhr es Sven verständlicherweise verwirrt. Zwar waren er, sein Vater, seine große Schwester und auch Oma sowie James und Barnabas mitunter ausgesprochene Frühaufsteher, doch um Jean, Francoise oder gar seine Mutter so früh aus den Bett zu bekommen, musste schon ein sehr guter Grund her.

„Tatsache, alle ausgeflogen…“, stellte der junge Mann beim Betreten von Omas holzvertäfelter Küche aber zweifelsohne fest, selbst James, der als regelrechte Ein-Mann-Armee den ganzen Haushalt schmiss und deswegen häufig als Einziger hier blieb, fehlte. Denn an der Spüle standen, ordentlich für den späteren Abwasch sortiert und gestapelt, nebst dem Besteck und den Tellern, genau die acht Lieblingstassen der anderen. Svens Blick fiel anschließend auf den schmucken Küchentisch, wo ihm sofort ein kleines, in hübsches Geschenkpapier eingewickeltes Päckchen in die Augen sprang, welches an seinem Lieblingsplatz lag und auf dem Oma ein kleines Kärtchen mit seinem Namen angebracht hatte. –Das sein Platz auch schon vollständig gedeckt und auch sein Rucksack wie für einen Ausflug fertig gepackt danebenlag, bemerkte der junge Mann verständlicherweise erst einen Moment später.

„Rocara!“, rief Juwelchen ganz aufgeregt und umringte mit den anderen bereit neugierig das Präsent, wobei vor allem Fussel mit seinen Krallen und Celéste mit ihren scharfen Blättern in ihrer Ungeduld drauf und dran waren, ihrem Trainer das auspacken abzunehmen. „Aber aber ihr zwei, nicht so stürmisch, haha! “, lachte Sven, welchem natürlich die angedeutete Überraschung gleich wieder in den Sinn gekommen war, belustigt und auch verständig, er war ja auch ganz gespannt. Dennoch beharrte er darauf, zuerst mal die Karte zu lesen und dann das Päckchen sorgfältig zu öffnen, was besonders Fussel nicht sonderlich zusagte. „Mara…“, maulte es und peitschte wieder wie zu seiner Zeit als Evoli mit seinem buschigen Schweif, zuckte nervös mit den langen Ohren und knetete ungeduldig mit den Pfoten den Fliesenboden. Warum musste man das jetzt so umständlich machen?!

‚Alles Gute zu deinem Einstand als Pokémontrainer, mein geliebter Enkelsohn! Ich bin sicher, dass du angesichts dieser Überraschung Augen machen wirst! Also mach es am besten ganz schnell auf.

Deine dich über alles liebende Oma.‘


„Aber hallo! Bei Omas Geschenken kann man ja nur Augen machen, haha!“, fand der junge Mann voller Vorfreude nach dem Lesen, während er sich endlich ans auspacken machte und nach Ansicht gewisser Pokémon dabei aber viel zu langsam und vorsichtig ans Werk ging^^.

„Okay, wenn mal nicht wieder etwas Tolles drinnen ist, will ich nicht länger Sven heißen!“, hob Sven feierlich an, grinste etwas schadenfroh, weil Fussel ein entnervtes Stöhnen entfuhr und öffnete sacht den Deckel: „Omas großartige Überraschung ist…“

„…Ein Strickpulli :o?!“

Jetzt machte der junge Mann in der Tat Augen, aber ganz anders als gedacht. Höchst verdattert hielt er das Kleidungsstück in den Händen und hatte dabei diesen typischen Gesichtsausdruck eines Ehepaares an Weihnachten drauf, wenn der Mann einen Packen nutzloser Krawatten erhielt und die Frau irgendwelchen Tand, den man beim besten Willen nicht Schmuck nennen konnte.

„Ähm… Ja…“ Mehr brachte Sven für den Moment nicht heraus und seinen Pokémon erging es nicht besser. „Im… Imantis :tja:…?“, hob Celéste da vorsichtig an und wollte zum Ausdruck bringen, dass es doch immerhin ein schöner Pulli ist, den ihr Trainer da geschenkt bekommen hatte. In der Tat war es ein schlichter und doch modischer Pulli, der aus äußerst weicher und wärmender graugefärbter und kunstvoll versponnener Voltilammwolle gefertigt wurde und gewiss an kalten Tagen angenehm zu tragen war. Zwar hatte Oma ihn nicht selbst gestrickt – so eine ‚typische‘ Oma war sie nun doch nicht – dennoch war es ein feines, handgefertigtes Einzelstück aus einer der hiesigen Manufakturen, welche die einheimischen Schäfer unterstützte. Und im Grunde war dieser Pullover schon etwas, über das sich der junge Mann als Geschenk sehr gefreut hätte – nur in diesem Zusammenhang, fiel ihm das zugegebenermaßen eher schwer.

„Hm? Was ist denn das?“, fragte sich Sven doch alsbald, denn er entdeckte eine kleine Sicherheitsnadel auf der Rückseite des Pullis und stellte fest, dass damit eine weitere kleine Karte in dessen Innenseite befestigt worden war! Das weckte die Neugierde des jungen Mannes schlagartig wieder, er fischte sie hinaus und überflog aufgeregt die versteckte Nachricht, die zwar nur aus ein paar Sätzen bestand, aber doch alles erklärte:

‚Sorry für den kleinen Streich, mein Enkel. Den hübschen Pulli wollte ich dir jedoch sowieso mal schenken, aber deine wahre Überraschung wird sich dir im ‚Hain der Segnung‘ offenbaren. Wir werden dort auf dich warten. Viel Glück!‘

„Ahaha! Ja, DAS ist typisch Oma!“, meinte Sven lachend und auch erleichtert, weil ihm zum Glück eingefallen war, dass man sich Omas Geschenke immer ganz genau ansehen sollte. Dann warf er einen verschwörerischen Blick in die Runde und sagte mit einem unternehmungslustigen Grinsen: „Schlagen wir uns lieber ganz schnell den Bauch voll Leute! Es wartet nämlich ein kleines Abenteuer auf uns!“

Der Hain der Segnung war eine dicht bewaldete Hügelkette, keine 15 Minuten Fußmarsch von Omas Hof entfernt, und entgegen seiner Bezeichnung als Hain, war es das größte zusammenhängende Waldstück in der ganzen Gegend. Seinen Namen verdankte diese Lokalität dem Umstand, dass der Sage nach von dort aus Demeteros seinen Flug über das Land begonnen hatte, um es mit seiner Energie fruchtbar zu machen. –Ab und zu konnte man dort aber sogar wirklich einen Blick auf den Flug des Reichtumpokémon erhaschen, weswegen Wissenschaftler, die das legendäre Demeteros erforschen wollen, öfters den Hain der Segnung aufsuchten.

Dem Boden/Flugpokémon zu Ehren befand sich deswegen im Zentrum des Waldes und zugleich auch dem höchsten Punkt ein prächtiger Schrein mit einem Kampfplatz davor, vergleichbar mit dem Schrein der Ernte in Einall oder dem Steineichenwald-Schrein in Johto. Und genau dieser Ort war das Ziel von Sven und seinen Pokémon! Der junge Mann konnte sich nämlich nur zu gut zusammenreinem, dass Omas Überraschung mit einem Kampf zu tun hatte, wenngleich ihm noch nicht klar wurde, was so unfassbar besonders daran sein sollte. Aber das würde er schon beizeiten herausfinden. Zumindest sobald er es geschafft hatte sich zum Schrein vorzuarbeiten, denn der Weg dorthin war wahrlich kein Spaziergang…

Eigentlich ist der Hain der Segnung als stiller, geheimnisvoller Wald bekannt in dem immer eine eigentümliche, mystische Atmosphäre herrschte. Und das trotz der Tatsache, dass sich hier mitunter die gleichen starken und kampflustigen Pokémon im Dickicht der Farne und Büsche tummelte, wie sie auch auf den Streuobstwiesen zu finden waren. Die Luft war hier zu jeder Jahreszeit auf eine angenehme Art so feucht und kühl, dass immer leichte Nebelschwaden zwischen den alten Eichen, Fichten und Kiefern waberten und so deren Stämme dicht mit Moosen und Flechten bewachsen waren, was zusammen mit dem fahlen Dämmerlicht den Eindruck eines Orts der Stille und inneren Einkehr noch verstärkte.

Aus diesem Grund mochte Sven diesen Wald sehr gern und kannte die Wege hier im Hain ziemlich genau. Oft genug hatte er bereits als kleines Kind mit seiner Familie einen Ausflug hierhin zum Schrein unternommen und lustwandelte auch jetzt, wenn er bei Oma war, immer wieder bei Gelegenheit hier umher, um die Stille zu genießen. Heute jedoch verhielt es sich ganz und gar anders:

Kaum, dass der junge Mann und sein Team nämlich den Hain betreten und den Weg zum Schrein eingeschlagen hatten, wurden sie quasi auf Schritt und Tritt von wilden Pokémon angriffen und die daraus resultierenden Kämpfe waren äußerst heftig! Svens ganzes Team kam in stetem Wechsel zum Einsatz und er und seine Pokémon mussten sich schon ganz schön anstrengen, um gegen ihre starken und zähen Gegner zu bestehen, weshalb das Vorankommen deutlich langsamer als anfangs gedacht war. Stutzig machte den jungen Mann in diesem Zusammenhang der Umstand, dass sich die meisten ihrer Gegner einfach nach einem kurzen Schlagabtausch wieder zurückzogen und ihn ziehen ließen. Zusammen mit der Tatsache, dass er in seinem Rucksack auffällig viel Medizin für seine Pokémon vorfand – die er allerdings auch gut hier gebrauchen konnte – wurde durchaus der Eindruck erweckt, das Ganze hier wäre irgendeine Art Test…

„Los Celéste, beende es mit der Laubklinge!“, befahl Sven gerade atemlos seinem Grassichelpokémon, welches flink zwischen den Beinen eines wilden Pandagros durchschlüpfte, dabei gerade noch einem verheerenden Hammerarm auswich um schlussendlich das enorm zähe Gaunerblickpokémon hinterrücks mit der genannten Attacke endlich auf die Bretter zu schicken. „Imantis!“, schnaufte Celéste geschafft, aber ganz stolz und hochzufrieden mit leuchtenden Augen, weil es einen weiteren solch harten Brocken besiegt hatte!

„Sehr gut Celéste, du warst Großartig!“, lobte der junge Mann sein Pflanzenpokémon, welches ihm gleich auf den Arm gehopst war, freudig und kramte aus seinem mittlerweile ziemlich leeren Rucksack noch die Reste einer Kraftwurzel hervor, die er Imantis reichte: „Hier, damit du wieder zu Kräften kommst.“ „Im!“, fiepte das Grassichelpokémon dankbar, knabberte eifrig daran herum und freute sich derweil ungemein über das Lob seines Trainers und auch über das seiner Teamkameraden.

Sven wischte sich den Schweiß von der Stirn, nahm einen kräftigen Schluck aus seiner Trinkflasche und seufzte erleichtert beim Blick auf das besiegte Pandagro, welches nur allzu bald wieder zu sich kommen würde: „Mann, was für ein Gegner… Gut das das der letzte war, jetzt ist es nämlich nicht mehr weit bis zum Schrein Leute!“

„Cara, Cara^^!“, machte Juwelchen ausgelassen und umkreiste den jungen Mann fröhlich, der lächelnd und zustimmend nickte: „Richtig Juwelchen. Wir haben uns wirklich gut geschlagen und können ruhig stolz auf uns sein :D!“

Er betrachtete sein Team und meinte diese Aussage völlig ernst. Seine Pokémon waren aus all diesen Kämpfen siegreich hervorgegangen und waren dennoch noch lange nicht ausgelaugt oder müde sondern sprühten noch so vor Energie und Tatendrang. –Fast machte es sogar den Eindruck, dass sie ein wenig enttäuscht darüber waren, dass es jetzt schon vorbei war. Und Sven fühlte, dass es ihm genauso erging – durch diese ganzen Duelle waren sie quasi erst so richtig warmgelaufen!

„Jetzt kann Omas große Überraschung kommen!“, rief der junge Mann deshalb enthusiastisch aus und weil sie keine Pause nötig hatten, folgten sie neugierig und flinken Schrittes dem verschlungenen und stetig ansteigenden restlichen Pfad zum Schrein. Unterwegs erzählte er dabei seinen Schützlingen begeistert vom Aussehen des Schreines, der wegen seiner Größe, seinem eigentümlichen schwarzen Holz und seiner aus Johto angelehnten Bauweise durchaus eine beeindruckende Sehenswürdigkeit darstellte. „Glaubt mir, ihr werdet Augen machen!“, versicherte Sven seinen Pokémon abschließend, bevor sie auch die letzte Biegung hinter sich ließen und sich nun auf einer großen Lichtung wiederfanden…

…und wirklich alle große Augen machten – sogar Sven!

Während Juwelchen, Tobi, Fussel und Celéste ihrerseits den imposanten Ebenholzschrein zu Ehren Demeteros bestaunten, galt die Überraschung ihres Trainers, der diesen ja schon kannte, dem Kampfplatz davor: Bis einschließlich letztes Jahr war dieser eine schlichte geebnete Fläche mit ein paar Bänken für die Zuschauer herum. Jetzt aber hatte man eine beeindruckend große, hölzerne, von vier großen Fackeln flankierte, Plattform samt einer richtigen Tribüne daraus gemacht, was nebenbei bemerkt aber auch viel besser zu dem prächtigen Schrein dahinter passte.

„Meine Güte, den Ort hier hat man ja ganz schön rausgeputzt!“, fasste es der junge Mann völlig baff zusammen und stellte ebenfalls irritiert fest, dass die Tribüne ja randvoll mit Zuschauern war: „Was ist denn hier los?! Findet etwa gleich ein besonderer Kampf statt?“

„He Sven hier sind wir!“, rief ihm da seine Mutter plötzlich fröhlich zu und winkte ihren Sohn direkt zum Kampfplatz herbei, an dem sie mit dem Rest der Familie sowie Francoise, Jean, James und Barnabas bereits standen und ganz offensichtlich auf ihn gewartet hatten.

„Alle Achtung Sohnemann! Du hast dich mit deinem Team ganz schön schnell bis hierher durchkämpfen können!“, lobte Isabell den jungen Mann ganz überschwänglich und hätte ihn am liebsten in ihre Arme genommen. Doch dies wehrte ihr Sohn peinlich berührt und sehr zur Schadenfreude seiner großen Schwester ab, weil doch die ganzen Leute zusahen :tja:

„Und noch dazu seht ihr fünf ganz so aus, als ob ihr noch ein paar Herausforderungen vertragen könnt, haha! Sehr gut!“, fand auch sein Vater anerkennend, während auch die anderen Sven beglückwünschten, Barnabas ihm wieder kräftig auf die Schulter klopfte, dass er fast umfiel und Francoise noch lachte: „*Kicher* Aber wir haben eigentlich auch nichts anderes erwartet, schließlich wussten wir ja alle, was für ein Talent in dir schlummert, hihi!“

„Tch… Immer müsst ihr so übertreiben, echt jetzt!“, meinte Yvonne deutlich nüchterner, grinste ihren kleinen Bruder aber dennoch freundlich an und eröffnete ihm: „Na gut, aber man muss dennoch sagen, dass du unseren kleinen Test mit Bravur bestanden hast Brüderchen^^. Das ist aber auch besser so, sonst hätten wir diese ganzen Pokémon ja umsonst angeworben, echt jetzt!“

„Also war das doch nicht nur eine Ahnung!“, entfuhr es Sven erkennend und umfasst mit einer ratlosen Geste die ganze Szenerie: „Aber was wolltet ihr mit diesem Test bezwecken? Und warum sind all die Leute hier und wieso ist der Kampfplatz auf einmal so aufgemöbelt worden??“

„Nun Herr Rougon, heute, ja genauer gesagt in wenigen Minuten, findet hier der erste Kampf gegen einen ganz neuen und ersten Arenaleiter im Demeteros-Delta statt.“, erklärte James gewissenhaft und höflich; an seiner Seite war nun übrigens Dotterlie, welche mit seinen Kräften wohl dafür sorgen würde, dass die Attacken auch nur den jeweiligen Gegner treffen würden: „Und für diesen Umstand musste natürlich ein neuer Kampfplatz her, schließlich ist der Hain der Segnung ab heute ein weiterer Ort in Mungenau an dem man einen Orden erringen kann. Darum auch die vielen Leute: Sie alle wollen dieser doppelten Einweihung beiwohnen.“ „Ah ja…“, machte der junge Mann ganz erstaunt und auch neugierig: „Und wer ist dieser neue Arenaleiter? Und wer sein Herausforderer?“

„Checkst du’s nicht, kleine Schnarchnase?“, begann Yvonne sichtlich amüsiert und wuschelte ihrem kleinen Bruder durchs Haar um ihren Worten Nachdruck zu verleihen: „DU bist der Herausforderer! Und wir wollten mit dieser kleinen Scharade dafür sorgen, dass du und dein Team auch in Form für so einen Kampf sind. Echt jetzt, dass du da nicht selber drauf kommst^^. Und bevor du fragst: Der neue Arenaleiter hier ist eigentlich eine Leiterin… *Kicher* Genauer gesagt…“

Sie sprach diesen Satz nicht zu Ende. Stattdessen gingen alle einen Schritt zur Seite und gaben so den Blick auf den Kampfplatz frei. Und dort stand doch tatsächlich…

„Oma?!“, rief Sven komplett überrascht aus und rieb sich die Augen, doch es stimmte wirklich! Olympe stand auf dem anderen Ende des Platzes, hatte die Arme hinter ihrem Rücken verschränkt und lächelte ihren Enkel überglücklich und erwartungsvoll an. Seine Oma trug ihr bestes Kleid, hatte ihre Haare unter einem farbenfrohen und schönen Seidenkopftuch verborgen und an ihrer rechten Brust hing deutlich sichtbar das Logo der Arenaleiter von Mungenau.

„Haha, wie ich sehe war meine Überraschung ein voller Erfolg!“, lachte sie zufrieden und erklärte ihrem Enkel sogleich: „Ja Sven, ich bin tatsächlich die neue und zugleich erste Arenaleiterin des Demeteros-Deltas! Dir habe ich nichts davon gesagt, aber ich habe schon seit geraumer Zeit eine Ausbildung zu einer Leiterin begonnen und vor einiger Zeit meine Abschlussprüfung mit Erfolg bestanden, haha!“

„Das ist ja wunderbar! Meinen Glückwunsch Oma!“, entgegnete der junge Mann ehrlich stolz über die Leistung seiner Großmutter. Er wusste zwar schon, dass Olympe sehr Ehrgeizig an ihrer Trainerkarriere arbeitete, aber dass sie sogar eine Leiterin werden wollte und dieses Ziel nun erfolgreich erreicht hatte, beeindruckte und rührte ihn zutiefst – jetzt würde Opa erst recht stolz auf sie sein…

„Danke mein Enkel.“, sprach Oma ebenso gerührt, denn sie spürte genau, wie sehr sich Sven sowohl über ihre Leistung, als auch über die geglückte Überraschung an sich freute. Lächelnd ergänzte sie: „Weißt du, dass du sogar den ersten Kampf gegen mich in meiner neuen Funktion ausfechten sollst, war ursprünglich gar nicht geplant – das hätte nämlich zu gerne deine Mutter getan, haha. Aber die Dinge haben sich ja überschlagen und so kam ich auf die Idee, dir zu einem Nachweis für dein geliebtes Festival zu verhelfen und gleichzeitig meine Premiere als Leiterin zu haben; sie das Ganze deshalb als vorgezogenes Geburtstagsgeschenk an, mein Enkel. Deswegen habe ich mich auch so gefreut, dass du endlich ein Trainer bist und scheinbar noch so ein guter dazu – jetzt kann ich endlich sehen wie stark du bist und wie stark ich bin!“

Jetzt nahm Olympe eine Kampfhaltung ein und zückte einen Pokéball. „Doch nun genug der Worte!“, sprach sie mit fester Stimme, in welcher der junge Mann dennoch einen Hauch Aufregung vernehmen konnte, was nur zu verständlich war, schließlich empfand er genauso.

„Die Regeln für diesen Kampf sind ganz einfach: Ich werde drei Pokémon in den Kampf schicken, während du deine vier benutzen darfst. Wir dürfen unsere Pokémon nicht auswechseln und wenn wir sie aus dem Kampf zurückziehen, dürfen sie nicht mehr erneut eingesetzt werden. Und das wichtigste: Es reicht für einen Sieg, wenn einer von uns, die Hälfte der gegnerischen Pokémon besiegt hat! Sprich, wenn du es schaffst zwei von meinen dreien auf die Bretter zu schicken, hast du gewonnen und umgekehrt, gewinne ich bei einer solchen Situation! Bist du mit den Regeln einverstanden und noch wichtiger… Bist du bereit Sven?“

„Und wie!“, entgegnete der junge Mann kämpferisch, spürte bereits wieder diese Euphorie in sich aufsteigen und seine Pokémon stimmten lautstark mit ein. „Nichts anderes habe ich erwartet, mein Enkel!“, gab Olympe zurück und rief: „James, walte deines Amtes und eröffne den Kampf!“

„Gewiss doch!“, sprach James, der die Rolle des Schiedsrichters und Ansagers innehatte, geflissentlich, nahm seine Position ein, hob die Hand und verkündete: „Meine hochverehrten Damen und Herren, es findet nun der Kampf zwischen unserer neuen Arenaleiterin Olympe Rougon und ihrem Enkel und Herausforderer Sven Rougon statt! Möge der Bessere gewinnen! Und ohne weitere Umschweife… Lasst das Duell beginnen!!!“

Angefeuert von den Leuten und ganz besonders natürlich von ihrer Familie und ihren Freunden starteten Sven und seine Großmutter voller Eifer ihren Kampf!

Sogleich schickte Olympe ihr Porenta ‚Jodokus‘ in den Kampf, welches zwar schon etwas betagter war – was man gut an den grauen Federn an seinen Schläfen sehen konnte – aber dennoch mit seiner selbstbewussten, in sich ruhenden Haltung und dem präsentieren seiner frischen, qualitativ hochwertigen Lauchstange die autoritäre Ausstrahlung eines alten Schwertkampfmeisters besaß.

Sven seinerseits wählte Fussel als sein erstes Pokémon aus, denn das Feuerpokémon hatte sehr deutlich ausgedrückt, dass es sich zuerst in diesem Kampf behaupten wollte; ganz egal ob es nun gewinnen oder verlieren würde! –Das war Fussel äußerst wichtig, weil es auf diese Weise seine Nichtbeteiligung am Kampf gegen Vater Soulas wiedergutzumachen suchte.

„Flamara!“, rief es darum kämpferisch aus, baute sich mit hoch erhobenem Schweif und angelegten Ohren vor Jodocus auf und wartete auf einen Befehl seines Trainers, der auch sofort kam: „Ruckzuckhieb Fussel! Zeig ihm was du kannst!“

„Mara!“ Sofort schoss das Feuerpokémon auf seinen noch vollkommen reglosen Gegner zu um ihn zu rammen. Doch im letzten Augenblick machte Porenta einen Satz zur Seite, sodass der Angriff ins Leere ging und holte nun seinerseits mit seiner Lauchstange für einen fiesen Nachthieb aus, den Fussel nur abwehren konnte, weil Sven ihm geistesgegenwärtig den Einsatz von Eisenschweif befahl.

Oma musste ihrem Wildentenpokémon derweil keine Befehle geben. Mit einer einzigen Handbewegung überlies sie ihrem alten, erfahrenem Kämpfer das Heft, der in dieser kurzen Zeit schon wusste, wie er Flamara zu Händeln hatte und eindrucksvoll zeigte, dass er nicht nur aussah wie ein alter Schwertkämpfer, sondern auch wie einer Kämpfen konnte!

Virtuos attackierte Jodocus Fussel mit einer komplizierten, raschen wie kunstvollen Abfolge aus Nachthieben, Laubklingen und Furienschlägen, während es gleichzeitig gekonnt die Angriffe seines Gegners mit seiner Lauchstange parierte oder ins Leere laufen ließ.

Dennoch war das Feuerpokémon seinem Kontrahenten nicht so gänzlich unterlegen, wie es den Anschein hatte. Was Körperkraft und Ausdauer anbelangte, schlug Fussel Jodocus um Längen und dies wussten sowohl Sven als auch Porenta selber, das gerade in Anbetracht seines Alters – es war schon mehr als doppelt so alt wie der junge Mann – auf schnelle präzise Manöver setzte um den Kampf schleunigst zu beenden. Vor allem Flamaras heftige Flammensturmangriffe bereiteten dem Wildentenpokémon große Probleme, sodass es sich zurückziehen und so seine Attackenserie unterbrechen musste, weil es sich seinerseits einfach keinen Treffer erlauben durfte. Aber das wiederum zog den Kampf in die Länge und erlaubte dem Feuerpokémon zudem, sich neu zu positionieren und es war offensichtlich, dass Fussel seinen Gegner mit ein wenig Glück so ausspielen konnte.

Genau auf diese Strategie setzte Sven, gab seinem Schützling so gut es ging Anweisungen, bestärkte ihn darin durchzuhalten und hätte um ein Haar damit auch seinen ersten Sieg in diesem Match erringen können. Doch dann griff Jodocus zu seiner Geheimwaffe, die es wegen seines fortgeschrittenen Alters mittlerweile nur noch im Notfall anwandte: Dem Sturzflug!

Nachdem es einem weiteren Flammensturm ausgewichen war, stieg Porenta pfeilschnell in die Lüfte und schoss auf Fussel zu – so weit so gewöhnlich. Kurz vor dem Feuerpokémon aber machte das Wildentenpokémon einen Looping und schleuderte mit diesem erzeugten Schwung seine Lauchstange präzise wie ein Geschoss auf seinen Kontrahenten. Zwar war so eine Lauchstange, selbst wenn sie von höchster Qualität war, nun nicht sooo durchschlagend, jedoch sorgte ihr Treffer dafür, dass Fussel kurz benommen wurde. Und noch wichtiger: Flamara und auch sein Trainer wurden durch diesen Überraschungsangriff überrumpelt und aus dem Konzept gebracht, sodass Jodocus Zeit genug hatte mit voller Wucht in seinen Gegner zu krachen und ihn so auf die Bretter zu schicken!

„Fussel ist besiegt und kann nicht mehr weiterkämpfen! Der Sieger dieses Kampfes ist hiermit Jodocus!“, verkündete da James gewissenhaft, während der junge Mann sein Pokémon lobend in seinen Ball zurückzog und seinen Eltern und der anwesenden Schwester Joy zum verarzten übergab.

„Porenta!“, quakte Jodocus hochachtungsvoll und verneigte sich vor Sven um seinen Respekt gegenüber dessen Leistung und der seines Flamaras zu bezeugen. Erst dann setzte es sich geschafft auf den Boden und wurde nun ebenfalls von Olympe zurückgezogen, denn einen weiteren Kampf konnte sie ihrem alten Jungen wirklich nicht mehr zumuten. „Das war fabelhaft, mein Enkelsohn!“, fand Svens Großmutter zufrieden und zückte schon den nächsten Pokéball: „Aber noch ist nichts entschieden, also weiter im Text!“

Jetzt war der alte Fossem an der Reihe, doch das angriffslustige Kleoparda, das nun den Kampfplatz betrat, wirkte anders als Jodocus alles andere als alt, sondern mit seinen geschmeidigen Bewegungen und dem glänzenden Fell flink und stark. „Okay hol’s dir Tobi!“, entschied der junge Mann seinerseits und mit einem lauten ‚Boo!‘ sprang nun Botogel auf den Kampfplatz, sodass James die zweite Runde einläuten konnte!

„Mogelhieb und Doppelteam Fossem!“, befahl Olympe ihrem Pokémon, dass sofort mit großen Sätzen auf das Lieferantenpokémon zustürmte. "Latchibeere und Bohrschnabel! Denk an das Training Tobi!“, schärfte Sven dem Eis/Flugtyp ein, welches schon verstanden hatte.

„Togel!“, krähte Tobi, holte blitzschnell eine solche Beere aus seinem Schweif und verspeiste sie, noch bevor der flinke Angriff von Fossem ihn erwischen konnte. Durch den besonderen Geschmack der Beere wurde die Wirkung des Mogelhiebs beträchtlich abgeschwächt und auch die Trugbilder, die Kleoparda daraufhin erzeugte um scheinbar von allen Seiten mit dem Nachthieb anzugreifen, konnten Botogel nicht aufhalten!

Unheimlich zielsicher sprang es scheinbar wahllos auf eines der Abbilder; welches sich zur Überraschung der Zuschauer sogar als das echte Unlichtpokémon herausstellte; und pickte es kräftig von allen Seiten mit seinem Schnabel. –Tobi hatte nämlich gelernt, dass die Trugbilder bei einer Doppelteamattacke keinen Schatten hatten und sich somit verrieten. Mit etwas Training und dem richtigen Blick war es dann ein Leichtes, diesen Schwindel zu durchschauen.

Das Gefühlskältepokémon jedenfalls hatte nicht mit diesem Angriff gerechnet und wurde schwer getroffen, denn Kleoparda konnten nicht viel Schaden vertragen. Nun saßen Sven und Tobi am längeren Hebel und entschieden diesen Kampf in Windeseile! Mittels einer Kombination aus Eissplittern, einem Steigerungshieb und schlussendlich einem Eishieb besiegte Botogel souverän seinen Gegner, ohne dass dieser noch den Hauch einer Chance hatte!

„Der alte Fossem ist ausgeknockt und Tobi hat diesen Kampf für sich entschieden!“, verkündete James inzwischen der begeistert jubelnden Menge, die hier richtig auf ihre Kosten kam.

„Wunderbar Tobi! Jetzt sind wir wieder Quitt mit Oma, haha!“, meinte der junge Mann zugebenermaßen stolz auf diese Leistung zu seinem Pokémon, holte es aber trotzdem schon zurück, denn er ahnte schon ganz genau, was das letzte Pokémon von Olympe sein würde. Und gegen dieses würde Tobi gnadenlos untergehen!

„Perfekt Sven! Perfekt! Genau das wollte ich schon immer in deinem Gesicht sehen… Diese Entschlossenheit, diese Begeisterung und dieser Eifer… Du bist ein waschechter Trainer, dass hast du jetzt schon bewiesen!“, sprach Oma hochzufrieden aus und zauberte nun einen besonderen, braun-weißen Pokéball mit den Initialen ihres Mannes hervor – den Ball von Mac Clarry: „Dann wird es nun Zeit zu sehen, wie du gegen die Stärke von Mac Clarry ankommst, mein Junge! Gib alles! Der Orden ist zum Greifen nah!“

„Knogga!“, rief das Knochenfanpokémon wild entschlossen aus und wirbelte mit seinem Knochen herum, bereit, es mit jedem Pokémon im Kampf aufzunehmen!

Für einen Moment wirkte Sven unschlüssig, wen er jetzt von seinen letzten beiden Schützlingen aussenden sollte, doch nach einem kurzen Blickwechsel mit Juwelchen und Celéste, entschied er sich für letzeres, sodass das kleine Pflanzenpokémon fiepend in den Ring hüpfte.

Und schon nahm der Kampf an Fahrt auf: Sven wies Celéste an, Knogga mit der Laubklinge zu attackieren, wohingegen dieses wie Jodocus keine Anweisungen von Oma brauchte, sondern eigenständig zu einem Knochemerang ansetzte. Der Kreis, den der wild wirbelnde Knochen beschrieb, zwang Imantis dazu seinen Angriff abzubrechen und auszuweichen, was sich Mac Clarry zunutze machte, um mittels Risikotackle den ersten Treffer zu landen.

„Iiimmm…!“, quietschte das Grassichelpokémon lauthals, doch es kam rasch wieder auf die Beine und wurde von seinem Trainer dazu angehalten, sogleich wieder mit Laubklinge anzugreifen. Knogga dachte sich nichts dabei und holte erneut zum Knochenmerang aus. Diesmal erwischte es Celéste sogar und es wurde erneut weggeschleudert, aber auch hier rappelte es sich sogleich mit kämpferischem Blick wieder auf.

„Gleich nochmal Celéste! Gib nicht auf!“, bekräftigte Sven seinen Schützling zuversichtlich, ohne sich daran zu stören, dass manche Zuschauer nicht verstanden, wieso er immer wieder den gleichen Befehl gab, obwohl es nichts brachte. „Kno? Knogga!“ Mac Clarry hingegen wurde sofort stutzig, sodass es diesmal keinen Knochenmerang mehr benutzte, sondern zur Steinkante griff.

Unzählige spitze Steine bildeten sich um das Knochenfanpokémon, bevor sie auf Imantis zuflogen. „Im! Im! Imantis!“, fiepte Celéste erstaunlich unbeeindruckt, weil es diesen Angriff mit seinen scharfen Blättern einfach neutralisierte – ein Trick den es erst in dieser Woche gelernt hatte. Damit beeindruckte es sogar Mac Clarry, aber ehe Celéste es mit der Laubklinge treffen konnte, hielt es schützend seinen Knochen davor.

Genau darauf hatte Sven nur gewartet! „Zeit die Früchte unseres bisherigen Trainings vorzuführen^^.“, dachte er sich freudig und rief auch schon: „Abschlag Celéste!“ „Imantis!“ Voller Enthusiasmus hieb es mit seinen sichelförmigen Blättern von oben auf den Knochen ein, die bei diesem Unlichtangriff von einer dunklen, energetischen Aura umhüllt waren, welche diesem Angriff die nötige Kraft verliehen, fast jedes Item, dass ein Pokémon bei sich trug, gewaltsam zu entfernen.

Der Effekt war auch nicht von schlechten Eltern: Nun war es Mac Clarry, dass schwer getroffen davon geschleudert wurde, während sein Knochen genau in die andere Richtung flog – Knogga war entwaffnet! Noch war Mac Clarry natürlich nicht besiegt, aber ohne ihre Knochen, waren diese Bodenpokémon längst nicht mehr so stark; man sprach ja nicht umsonst vom ‚Kampfknochen‘. Der junge Mann wollte verständlicherweise aber auch nicht warten, bis das Knochenfanpokémon ihn wieder eingesammelt hatte, weshalb es jetzt schnell gehen musste. „Celéste, die Synthese und dann die Laubklinge, drauf und dran!“, befahl er seinem Pflanzenpokémon, das geschwind hell aufleuchtete, um sich etwas zu regenerieren und dann auf Mac Clarry mit seinen Blättern losging.

Trotz des erheblichen Trainingsunterschieds, der zwischen den beiden Pokémon herrschte, hatte Knogga jetzt so seine Schwierigkeiten damit, die Angriffe von Imantis zu erwidern und sich zu wehren. Schließlich hatte Celéste keine Probleme mit der Steinkante, der Knochemerang fiel aus, weshalb ihm scheinbar nur der Einsatz des Risikotackles blieb, dem das kleine Pflanzenpokémon aber leicht ausweichen konnte…

„…Moment! Das sind ja nur drei Attacken…!“, erkannte Sven erschrocken: „Celéste pass auf! Mac Clarry hat noch was in der Hinterhand!!“

„Gut erkannt, mein Enkelsohn, aber das wird euch nicht weiterhelfen!“, entgegnete da seine Großmutter, welche die ganze Zeit lang schon ein zuversichtliches Lächeln auf den Lippen hatte und nun ihrem Knogga den entscheidenden Befehl gab: „Mac Clarry, den Fruststampfer bitte!“

„Knogga!“ Grinsend führte das Bodenpokémon die Anweisung aus und trat mehrmals kräftig auf den Boden des Kampfplatzes, dass er nur so bebte. „Spring Celéste! Spring!“, konnte der junge Mann noch rufen, weil er die besondere Stärke dieses Angriffs kannte und er nichts riskieren wollte, wenngleich er wusste, dass Mac Clarry so die Zeit bekam, sich wieder zu bewaffnen.

„Im…! Imantis!“, quiekte das kleine Pflanzenpokémon panisch, während es versuchte, so zu hopsen, dass ihm die kräftigen Erdstöße nichts anhaben konnten. Damit war dieser Angriff zwar abgewehrt, doch die daraus resultierende Unachtsamkeit wurde von Knogga augenblicklich bestraft, weil Celéste dafür einen doppelten Volltreffer mit dem Knochenmerang einstecken musste.

„Mantis…“, stöhnte Imantis schwer getroffen und schwankte bereits; noch ein Treffer und es wäre vorbei! Da senkte das Knochenfanpokémon auch schon seinen Kopf um die Sache mit einem letzten Risikotackle zu beenden, als der junge Mann eingriff und Celéste eigenständig zurückrief.

„Uff… Das war knapp, aber nichtsdestotrotz warst du super Celéste!“, sprach Sven zu seinem Pokémon und seufzte gleich nochmal erleichtert. Gut, dass ihm in der Hitze des Gefechts wieder die Regeln eingefallen waren! Indem er Imantis zurückgeholt hatte, wollte er es zwar vorrangig vor unnötigem Schaden bewahren, war dadurch aber auch seiner Niederlage entgangen. Nun stand es also wieder eins gegen eins: Entweder Sven und Juwelchen oder Olympe und Mac Clarry!

„Rocara!“, machte Juwelchen mit festen Blick, als es nach einem kurzen Zunicken seines Trainers den Kampfplatz betrat; jetzt geht’s ans Eingemachte! „So Juwelchen, lass es krachen! Holen wir uns unseren ersten Orden!“, feuerte Sven sein Pokémon immer noch voller Energie an und schon ging dieses Match in seine finale Runde!

Augenblicklich griff Knogga mit seinem Knochenmerang wieder an, da Juwelchen ja besonders empfindlich auf Bodenangriffe reagierte. Ander als vielleicht gedacht, ließ der junge Mann Rocara erst einmal den Reflektor aufbauen, bevor es, nur ganz knapp vor dem Treffer, den Knochemerang mit Erdkräfte neutralisierte. Dann setzten die beiden auch schon mit einer Kombination aus Zauberschein und seiner vor kurzem erlernten Juwel(-ch)enkraft nach und bauten ordentlich Druck auf ihre Gegner auf!

Dennoch entspann sich ein langwieriger, ja fast zäher Kampf, bei dem nicht ohne weiteres klar war, wer hier als Sieger hervorgehen würde. Mac Clarry war ein harter Brocken sowie ein stolzer, guter Kämpfer; es würde nicht ohne weiteres vor den Augen seiner Trainerin, mit der es gute wie schwere Zeiten durchgestanden hatte, zu Boden gehen! Und Juwelchen stellte sich dabei als ebenbürtiger Gegner heraus, der es genauso hielt und dank Celéstes Vorarbeit und dem Zuspruch seines Trainers auch eine reelle Chance hatte.

Erst nach fast einer halben Stunde war es entschieden:

Am Ende seiner Kräfte knickte Mac Clarry nach dem Einstecken eines letzten Zauberscheines endgültig ein und gab sich somit geschlagen! „…Ro… Ca… Ra…“, keuchte Juwelchen ganz ausgepowert und es war deutlich zu sehen, wie erschöpft es war: Seine steinernen Ohren hingen schlaff herab und es schwebte gar nicht mehr in der Luft, sondern stand bereits mit seiner unteren Spitze schräg wie ein gleich umkippender Kreisel auf dem Boden. Nur einen Augenblick länger und es hätte verloren…

„Mac Clarry ist besiegt und kann nicht mehr weiterkämpfen! Juwelchen hat diesen Kampf gewonnen!“, verkündete James nun der tosenden und Beifall klatschenden Menge und hatte Mühe, sich weiter Gehör zu verschaffen, wobei seine Stimme nun auch einen feierlichen Klang bekam: „Und mit diesem Sieg hat der Herausforderer Sven Rougon zwei der drei Kämpfe für sich entscheiden können und somit den Sieg über unsere Leiterin errungen! Herzlichen Glückwunsch Herr Rougon für diesen fabelhaften Kampf! Und Ihnen natürlich auch Frau Rougon für diesen famosen Einstieg als Arenaleiterin!“

Bei diesen Worten spitze Juwelchen die Ohren… Es war doch jetzt unwichtig, dass es beinahe verloren hätte! Es hatte gewonnen! Es hatte für Sven gewonnen! Es hatte mit Sven gewonnen! Es hatte zusammen mit seinem Team und seinem Trainer gewonnen!!!!

„Rocara!“, jubilierte es erfüllt von der Euphorie des Sieges voller Freude und nahm seine letzten Kräfte zusammen um zu Sven zu stürmen und sich von diesen in die Arme schließen zu lassen, wo sich auch schon die anderen drei Pokémon befanden. „Oh Juwelchen, Celéste, Tobi und Fussel… Ich bin ja so stolz auf euch… *Schnief* Wir haben gemeinsam gewonnen! Wir sind die allergrößten!“, sprudelte es aus dem jungen Mann überglücklich und voller Stolz heraus, während ihm die Tränen über die Wangen flossen.

Es war ein unglaubliches Gefühl! Er und sein Team hatten tatsächlich seine Oma besiegt, und das sogar in ihrer neuen Funktion als Arenaleiterin! Sven konnte sein Glück kaum fassen, war wie benebelt und berauscht. Widerstandslos ließ er sich deshalb heftig von seiner Mutter umarmen und von den andern Beglückwünschen. Selbst Yvonne kam nicht umhin ihrem kleinen Bruder ehrlich zu zeigen, wie beeindruckt sie doch von seinem Können war.

Nachdem sich der ganze Trubel wieder etwas gelegt hatte, kam schlussendlich Oma auf ihn zu und überreichte ihrem Enkel freudestrahlend einen brandneuen Orden mit den Worten: „Herzlichen Glückwunsch mein Enkelsohn! Du weißt ja gar nicht wie stolz mich deine Leistung heute gemacht hat! Hier nimm! Das ist der ‚Demeter-Orden‘, der neueste Orden, den man hier in Mungenau erhalten kann. Haha, gib gut darauf acht in einer guten Wochen wirst du ihn ja schon für das Festival brauchen :D!“

„Wow… Danke Oma… *Schnief, schluchz* Vielen, vielen Dank!“, stammelte Sven und konnte nicht aufhören zu weinen; die Rührung schnürte ihm fast die Kehle zu so emotional machte in diese Situation gerade. Als er sich wieder gefangen hatte betrachtete er eingehend und neugierig mit seinen Schützlingen diese Auszeichnung. Der Demeter-Orden hatte passenderweise die Umrisse und Farbwahl von Demeteros, währen innerhalb des Ordens ein stilisiertes, keimendes Samenkorn die Fruchtbarkeit dieses Landstriches symbolisieren sollte – ein durch und durch passendes Motiv.

Freudig hob der junge Mann seinen Orden in die Höhe und verkündete feierlich: „Wir haben unseren ersten Orden gewonnen Leute!“

„Cara :down:!“, stöhnte da Juwelchen pikiert. Angesichts ihrer Leistungen war diese lahme Pose einfach nur unzureichend! „Haha, hast schon recht Juwelchen!“, lachte Sven vergnügt und überreichte ihm den Orden: „Dann zeig uns mal deine Performance!“

Das ließ sich das kleine Edelsteinpokémon nicht zweimal sagen! Ungeachtet der vorherigen Anstrengungen balancierte Rocara diese Kleinod gekonnt auf seinen Ohren, wechselte sich damit ab, jonglierte und legte derweil einen halben Breakdance hin. Nach und nach fielen Tobi, Fussel und Celéste mit ein und schließlich mischte auch Sven selber mit etwas Freestyle mit; ganz gleich was die Leute davon halten mochten!

Am Ende angelangt und unter dem Applaus der Zuschauer hielten sie alle fünf den Orden in die Luft, sodass er funkelte und der junge Mann rief für alle zusammen: „Wir haben den Demeter-Orden gewonnen!!!“


***

Endlich war es soweit!

Aufgeregt prüfte es zum letzten Mal den korrekten Sitz seines Anzuges und seiner Krawatte im Spiegel, schließlich wollte er an diesem besonderen Tag ja tadellos aussehen. Denn heute war ein Feiertag.

Sein Feiertag!

Auch wenn es etwas länger als gedacht gedauert hatte, waren nun alle Teile der Maschine hierher in die Geheimbasis transportiert und dort endgültig installiert worden. Jetzt musste sie nur noch aktiviert werden und sein neues Leben konnte beginnen!

Vergnügt pfeifend verließ er seine privaten Gemächer, die er während seines Aufenthalts hier bewohnte und fuhr mit dem futuristischen Aufzug hinab in eine Art große Halle. Dort standen einige Computerbildschirme, Schaltkonsolen und was man sonst noch an technischem Zeugs in einer geheimen Basis erwarten würde herum. Mit nachdenklichem Blick betrachtete er das alles. Fast sein ganzes Vermögen und etliche Lebensjahre waren hier beim heimlichen Aufbau zur Verwirklichung seiner Pläne draufgegangen.

Doch als er auf die Mitte der Halle zusteuerte wurde er wieder fröhlicher, denn auf einem großen Podest stand ‚seine‘ Maschine, mit denen er nun endlich seine Träume wahr werden lassen konnte! Sehr zu seinem Wohlgefallen hatten sich nebst der Treppe, die hinauf zum Schaltpult führte, die meisten seiner Männer in Reih und Glied aufgestellt – alle frisch gewaschen, rasiert, gekämmt, nüchtern (!!!) und ebenfalls fein gekleidet. –Für manche dieser Typen wird es wohl auch das erste Mal in ihrem Leben sein, dass sie Anzug und Krawatte anhatten…

Sogar Granbullkopf stand im feinen Zwirn da und wirkte entgegen seiner bisherigen Grobschlächtigkeit genauso aufgeregt wie er selbst, was ihn ganz besonders freute. Vielleicht hatte er sich in diesem Halunken ja in Teilen getäuscht.

Einzig und allein Ivaar der Knochenlose war gekleidet wie immer und stach deshalb heute besonders hervor. Genau wie sein einbandagierte Fuß über den dieser kein Wort verlor und jeden Versuch ihn darauf anzusprechen mit einem finsteren, eiskalten Blick quittierte, der seinem Gegenüber die Frage in der Kehle stecken blieben ließ. Dennoch konnte er es nicht gänzlich verhindern, dass man trotzdem hinter seinem Rücken lachte, weil er tatsächlich versucht hatte Sweetheart zu fangen. Das musste ja nur schiefgehen und jeder Einheimische, selbst diese Typen hier, wussten das^^.

Was genau sich jetzt zugetragen hatte würde wohl keiner erfahren. Ivaar jedenfalls war mit einer fürchterlichen Laune und eben seinem verletzten Fuß hierher zurückgekommen, aber keineswegs mit leeren Händen: Ganze elf Pokémon hatte er gestohlen und zwar richtig gut trainierte, teilweise auch sehr seltene Exemplare!

Für so etwas, selbst wenn es nur ein stärkeres Safcon war, bekam man auf dem Schwarzmarkt eine ganz schöne Stange Geld, denn viele Verbrecher machten sich keine Mühe mit dem Training, weswegen ‚vorgefertigte Ware‘ immer sehr begehrt war. Angesichts der teilweise erbärmlichen Pokémon seiner Handlanger und weil er für illegalen Pokémonhandel nichts übrig hatte, hatte er deswegen zunächst verfügt, dass sich die wichtigsten Leute ein oder zwei dieser Pokémon ins Team nehmen sollten. Nur für den Fall der Fälle…

„Es ist alles bereit Boss, hier bitte sehr, der Schlüssel!“, empfing ihn einer seiner Leute devot und überreichte ihm den genannten Gegenstand, den er ohne Dank annahm. Vor dem Schaltpult stehend gab er ein Handzeichen, was dafür sorgte, dass nun die Klänge von ‚Freude schöner Arceusfunken‘ widerhallten. Erst dann steckte er den Schlüssel ein und aktivierte die Maschine.

Es summte kurz, dann leuchtete der vor ihm befindliche Bildschirm blau auf. Zahlenkolonnen rasten vorbei, dann ertönte eine elektronische, höfliche Frauenstimme:

‚Guten Tag! Hier spricht die künstliche Intelligenz zur Betreuung dieser Maschine. Aufgrund der großen Sensibilität meiner Elektronik möchte ich sie bitten in meiner Gegenwart nichts zu trinken…‘

Ein großer Mülleimer fuhr aus einer Luke heraus und jeder, der gerade noch an einer Dose Limo oder ähnlichem genippt hatte, war gezwungen diese hineinzuwerfen.

‚…oder die Innentemperatur zu messen!‘

Jetzt musste man auch das hübsche Tukanon-Thermometer in den Abfall wandern.

‚Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Wenn sie nun mit der Produktion starten wollen, drücken sie die Eins. Wenn sie nochmal die technischen Daten abrufen wollen, drücken sie die zwei. Wenn sie ein hübsches Musikvideo mit süßen Eneco sehen wollen, drücken sie die…‘

„Das reicht!“, meinte er entschieden, atmete kurz durch und drückte fest auf die Taste mit der Nummer Eins: „Ahaha! Lasst mein neues Leben beginnen!“

Schon begann die Maschine erneut zu summen, hörten aber genauso plötzlich wieder auf.

‚Es liegt ein Fehler vor!‘

„Waaas?!“, schrie er und rang für einem Moment mit seiner Fassung; wer hatte da gepfuscht?! Dann beruhigte er sich jedoch wieder und drückte eine andere Taste: „Fehlersuche starten!“

‚Fehlersuche kann nicht gestartet werden. Sie waren sich zu fein die 1.000.000 Pokédollar extra für dieses Programm draufzulegen, als sie mich meinem Erfinder abgekauft haben. *Kicher* Die Fehlersuche muss manuell erfolgen. Viel Spaß… Initiiere vorübergehende Abschaltung…‘

„Himmel, Arceus und Zwirn!“, fluchte er da böse und fuchtelte mit den Armen: „Was steht ihr denn noch dumm herum und haltet Maulmenki feil? Ihr habt gehört was zu tun ist! Öffnet die Sicherungskästen, überprüft die Buchsen und Anschlüsse! Irgendwo muss etwas falsch sein und eher gibt es vorerst kein Geld mehr! Ist das klar?!“

Diese Drohung verfehlte ihr Ziel nicht, denn die meisten dieser Gauner waren finanziell von ihm Abhängig, wenn sie weiterhin regelmäßig ihr Bier oder ihre Zigaretten kaufen wollten. Schleunigst machten sie sich deswegen ans Werk und auch er selber schraubte schon an der Schaltkonsole herum.

So bemerkte fast niemand, wie Granbullkopf seit der Fehlermeldung kreidebleich geworden war, sich nervös umsah und den Eindruck erweckte, er wisse mehr darüber, als gut für ihn wäre…

Kapitel 16: Das Beizjagd-Festival!

Südöstlich und nicht mal einen halben Kilometer von der Stadt Regelsberg entfernt ragte ein knapp 500 Meter hoher, an vielen Stellen dicht bewaldeter Hügel mit einem auffällig breitem ‚Gipfel‘ in den Himmel, auf dem auch ein schmuckes kleines Jagdschlösschen zu finden war. Diese Erhebung war der ‚Regelsberg‘, welcher der anliegenden Stadt damals ihren Namen gab und in allen Jahren, außer jenen, in denen die Liga stattfand, schon seit langer Zeit Austragungsort des weit über seine Grenzen hinaus bekannten Beizjagd-Festivals war.

Und heute, an diesem Sonntag dem 19 Juli, dessen Datum auch Svens Geburtstag war und er somit das 26.te Lebensjahr erreichte, war es nun wieder soweit! Bereits um sechs Uhr morgens, als die Sonne gerade den strahlendblauen Himmel empor wanderte und die glitzernden Tautropfen noch im Gras und den Blättern hingen, herrschte schon eifrige Betriebsamkeit auf dem Regelsberggipfel. Neben den Veranstaltern und alteingesessenen Teilnehmern, die bereits eifrig ihre Vogelpokémon pflegten oder nochmals ihre Tricks durchgingen, waren natürlich auch hiesige Mitglieder von Presse und Rundfunk vertreten, während die meisten Gäste erst gegen sieben hier eintrudeln würden.

Die meisten Vorbereitungen waren mittlerweile bereits abgeschlossen und alles wartete nun gespannt darauf, dass es losging. Der Bürgermeister von Regelsberg persönlich, ein gewisser Vincent Delhomme, begutachtete in seiner Funktion als Schirmherr alles nochmals gründlich. Er war ein etwa fünfzigjähriger, großer, korpulenter Mann mit Glatze, der sich ständig mit einem Stofftuch das Gesicht oder seine Stirn abtupfte und deswegen immer ein wenig nervös und hektisch wirkte.

Sehr zu seiner Zufriedenheit durfte er feststellen, dass das ganze Gelände festlich und einwandfrei mit Fahnen und bunten Girlanden geschmückt und auch die Buden sowie das Gasthaus, welches im Jagdschlösschen untergebracht war, tadellos und bereit für die Gäste waren. Genauso verhielt es sich mit der Tribüne für die Zuschauer, sowie mit den ganzen Lautsprechern und Bildschirmen und der sonstigen Technik, die benötigt wurde, um die Wettkämpfe auszuführen und mit zu verfolgen. Einzig eine Sache stach ihm in die Augen:

„Hm?“, machte dieser gerade verwundert, tupfte sich mal wieder das Gesicht ab und fragte einen dastehenden Techniker: „Warum nehmen wir denn dieses Jahr doch wieder unsere alten Tontaubsi-Schussgeräte? Was ist mit dem hochmodernem, automatischen, multifunktionalem und floinkteurem Roboter, den sich unsere Stadt extra angeschafft hat?“ „Ach wissen sie Herr Bürgermeister, der funktioniert doch nicht so recht…“, hob der Gefragte einfach an und zeigte nach vorne zu einem drei Meter großem, kupferfarbenen, kugelförmigen, mechanischem Ungetüm mit langen, röhrenförmigen Armen, welches gerade vorwärtsrollen wollte, aber dabei von einem dreißig Zentimeter hohen Bäumchen aufgehalten wurde. Um diesen Roboter herum standen etwas hilflos einige Arbeiter und ihre Pokémon, die ihn vergeblich abschalten wollten, aber dabei riskierten eins von diesem Koloss übergezogen zu kriegen. Dabei rief dieser ständig:

‚BZZT! SYSTEMFEHLER! MUSS MENSCHEIT VERSKLAVEN! WIEDERSTAND IST ZWECKLOS! BZZT!‘

„Oh dann sollten wir unbedingt den technischen Sachverständigen kontaktieren, der uns doch versichert hatte, dass dieses Teil funktioniert und sein Geld wert sei.“, brummte Vincent mit säuerlicher Miene und meinte zum Techniker gewandt: „Sorgen sie bitte wenigstens dafür, dass dieses Ding bis zum Eintreffen der Zuschauer außer Sicht ist, ja?“

Kurz darauf sprang ihm ein weiteres kleines Ärgernis in die Augen. „Was soll denn diese frivole, geschmacklose Schmiererei?!“, empörte er sich und deutete auf eine der zahlreichen Flaggen auf denen in großen Lettern ‚Wir lieben Vogelpokémon!‘ stand. Auf dieser nämlich hatte ein Scherzkeks das ‚o‘ zu einem ‚ö‘ gemacht, sodass aus Vogelpokémon Vöge…, ach, es ist klar worauf das hinaussoll…

Ein bisschen davon entfernt standen gerade eine Reporterin und ihr Kameramann von der ‚Regelsberger Abendschau‘ und probten, doch als sie die zornige Empörung des Bürgermeisters hörten, konnte der Kameramann, ein junger, schlaksiger Kerl von knapp dreißig Jahren, mit schwarzen Haaren und Stoppelbart, nicht mehr aufhören zu kichern. Für die Reporterin, welche auf den Namen Berthe Maqueron hörte und eine vollschlanke, brünette Frau Mitte dreißig war, war die Sache somit mehr als klar. „Mensch Maurice du alter Witzbold!“, tadelte sie ihren Partner mit in die Händen gestemmten Hüften: „Wann hörst du auf mit deinen anzüglichen und lahmen Witzen? Das ist das gleich wie als du damals heimlich die Initialen des Fermicula Kenner Kongresses abgekürzt hast.“

„Höhö, was denn? Die sollen sich mal nicht so haben. Ich finde Vöge… Aaahh, aua, nicht so fest bitte!“, wollte Maurice schon grinsend einwenden, doch dann hatte ihn Berthe schon gekonnt und kräftig am Ohrläppchen gepackt und zog ihn energisch mit sich. „Keine Widerrede mehr Maurice! Wir gehen jetzt sofort zum Bürgermeister und bringen das wieder in Ordnung!“

Als um Punkt sieben dann auch schon die ersten Gäste in den R-Bussen eintrudelten…

…waren Sven sowie seine Familie und Freunde schon längst vor Ort!

Nachdem der junge Mann vor gut einer Woche seinen Orden bei Oma errungen hatte, war er einen Tag später wieder nach Regelsberg abgereist, um dort in Ruhe Tobi auf seinen großen Einsatz vorzubereiten – und um Zeit mit Chantal zu verbringen, die nun langsam endlich wieder mehr Zeit für ihren Freund hatte^^. Allein schon, weil dies die letzte freie Woche war, die Sven noch hatte, bevor er wieder zur Arbeit antreten durfte.

Und heute, an diesem in mehrerlei Hinsicht besonderem Tag, hatten sich sowohl seine Familie, wie auch seine Freunde und natürlich Chantal und ihre Familie, in aller Frühe beim jungen Mann Zuhause eingefunden. Zunächst hatte man ihm ganz herzlich zu seinem Geburtstag und gleich nochmals zu seiner Leistung im Kampf gegen Olympe gratuliert, wobei es auch noch das ein oder andere kleine Geschenk gab. Alles übrigens Sachen die für einen Trainer nützlich sind, was Sven zum Lachen brachte, weil er noch bei seinem letzten Geburtstag nie daran geglaubt hätte, dass ausgerechnet er mal sowas brauchen könnte :D.

Nach einem kleinen Plausch hatte sich die ganze Gruppe dann geschlossen mittels R-Bikes auf den Weg zum Regelsberg gemacht, damit der junge Mann dort seinen Pokémon das Gelände zeigen konnte, ehe es wegen der vielen Leute nicht mehr vernünftig möglich gewesen wäre.

Und jetzt stand Sven gemeinsam mit seinem Team an der Anmeldung für den Wettkampf, zeigte nicht ohne Stolz seinen Orden als Nachweis vor und wartete aufgeregt darauf, zu den anderen Teilnehmern gelassen zu werden. Begleitet wurde er nebst seinen Pokémon hier lediglich noch von Chantal – alle anderen hatten sich bewusst schon mal auf zu der Tribüne gemacht, um sich gute Plätze zu sichern und sich ausreichend mit Knabberzeug einzudecken. Und natürlich auch, damit die beiden Verliebten noch einen Moment nur für sich hatten^^.

„Also dann viel Erfolg und Spaß euch beiden.“, meinte Chantal abschließend mit einem süßen Lächeln, scharte Juwelchen, Fussel und Celéste um sich herum und nahm auch die Bälle der letzten beiden an sich. Teilnehmern am Wettkampf war es nämlich; um unfaire Tricksereien zu vermeiden; nur erlaubt ihr Flugpokémon bei sich zu führen, alle anderen Pokémon mussten sie vorrübergehend in einer Box oder anderswo verwahren. –Selbstverständlich deshalb, dass die junge Frau hier für ihren Freund einsprang.

„Wir werden euch nach Leibeskräften anfeuern.“, versprach sie dem jungen Mann und sagte zu dessen Team gewandt: „Nicht wahr Leute?“ Die Antwort fiel einstimmig und voller Enthusiasmus aus, wobei hier ganz besonders Celéste auffiel. Seit ein paar Tagen war das kleine Pflanzenpokémon total aufgekratzt, hielt sogar gar nichts mehr von seinen üblichen Nickerchen, sondern wollte noch mehr kämpfen oder sich irgendwie sonst abreagieren, selbst jetzt hüpfte es aufgeregt auf und ab und fiepte freudig. Sven wusste nicht so recht, was mit seinem Imantis los war, hatte aber schon gemerkt, dass sowohl seine Freundin als auch seine restlichen Teammitglieder scheinbar eine Ahnung hatten. Allerdings schien Celéste nicht zu wollen, dass diese ihm etwas verrieten und diesen Wunsch respektierte er natürlich, sodass er nicht weiter fragte.

„Haha, danke euch! Bei solche einer moralischen Unterstützung kann ja fast nichts mehr schiefgehen.“, lachte Sven dankbar wie zuversichtlich, tauschte einen vielsagenden Blick mit Tobi aus und meinte fröhlich: „Und wenn wir beide nur alles geben, können wir mit unserer Leistung zufrieden sein, ganz egal, wie das Ergebnis aussehen mag.“ „Botogel!“, krähte Tobi zustimmend, besser hätte man es nicht formulieren können!

„Und da kommt auch schon euer Abholkomitee und unsere Anfeuerprofis in Personalunion^^.“, erkannte der junge Mann vergnügt und deutete nach vorne, wo gerade Bernadette und Francoise Hand in Hand auf sie zukamen, um Chantal und Svens restliche Pokémon vorzubereiten. Die beiden gaben nebenbei auch ein hübsches Pärchen ab: Hier die ‚brave‘ Francoise mit ihrem Zopf und langem Kleid und dort die ‚wilde‘ Bernadette, die ihr Leben, trotz ihres Berufs als Bürokauffrau, als Punkerin voll auslebte. Mit grellgrünen Haaren, zerschlissenen, schwarzen Klamotten und hier und da auch ein paar Piercings und Tattoos, doch hinter dieser Fassade verbarg sich wie bei Francoise eine ehrliche, herzliche Frau und die beiden waren wirklich ein Herz und eine Seele. –Und eben auch Meisterinnen im Anfeuern, die Svens Pokémon bestimmt trefflich ausstaffieren würden und, da der junge Mann ja nichts von zu viel nackter Haut hielt, sich eben hier ‚nur‘ ihr Gesicht entsprechend bemalt hatten.

Man verabschiedete sich schließlich voneinander und ganz hibbelig betraten Sven und Tobi das Zelt, in dem die Wettkämpfer auf ihren Einsatz warteten. Von den insgesamt 15 Teilnehmern, bei diesem Festival mitwirkten, hatten sich sieben ausschließlich auf die akrobatischen Kunststücke und Vorführungen spezialisiert, die deswegen in einem anderem Zelt untergebracht warten. So lernte der junge Mann deshalb lediglich die sieben anderen Teilnehmer dieses Wettkampfes persönlich kennen:

Da waren zum einen Pierre und Odette, zwei erfahrene, schwarzhaarige Ass-Trainer um die vierzig, die schon lange hier mitmachten, oft auf dem Siegertreppchen landeten und Sven sowie Tobi eher reserviert bis unterkühlt empfingen. Sie traten mit Staraptor beziehungsweise Schwalboss an und es war ihnen anzusehen, dass sie nicht viel von den Regeländerungen hielten und Botogel nicht für voll nahmen oder es gar tauglich für diesen Wettbewerb hielten.

Deutlich besser verstanden sich der junge Mann und das Lieferantenpokémon mit den drei freundlich miteinander konkurrierenden Schwestern Fatima, Suleika und Leila und ihren Pokémon Fasasnob, Ibitak und Dodri, die aufgrund ihrer aufgeweckten Art wie ‚orientalische‘ Verwandte von Reinhild wirkten. Sie kamen nämlich ursprünglich aus der Wüstengegend um Dahara City und sahen sich so ähnlich, dass man sie nur fast anhand ihrer andersfarbigen Kopftücher unterscheiden konnte.

Genauso stimmte die Chemie auch mit dem sechsten hier im Bunde. Einem erst 14 Jahre altem, ehrgeizigem Jungen namens Falko, der seit einigen Jahren sich hier auch schon einen gewissen Ruf erarbeiten konnte. Er hatte stets mit dem unseligen Umstand zu kämpfen, dass er nicht nur fast wie ein Zwilling von Falk, dem Arenaleiter von Viola City, aussah. Nein unglücklicherweise kam er auch aus derselben Stadt und besaß ebenfalls ein Tauboss, welches sein Hauptpokémon war und auch das erste, dass er damals als Taubsi gefangen hatte. –Deswegen musste er immer wieder gebetsmühlenartig erklären, dass er diesen Weg als Vogelprofi eigenständig eingeschlagen hatte und nicht, weil er Falk nachahmen wolle >-<! (Darum war es ihm sehr wichtig, dass man das ‚o‘ am Ende seines Namens ja nicht vergas!)

Tja und der letzte Teilnehmer war niemand anderes als…

„Na sieh mal einer an! So sieht man sich also wieder du Pimpf, harhar!“, sprach ihn da ein Ursaring von einem Kerl mit roten Haaren und Bartstoppeln im Gesicht dreckig grinsend an, während seine kleinen, grauen Augen ihn rachsüchtig anfunkelten und er seine Pranken geräuschvoll zu Fäusten ballte: „Jetzt kann ich dir praktischerweise gleich in meiner Domäne die Sache vom Freilichtmuseum heimzahlen, harhar!“

„Ei weh!“, dachte sich Sven erschrocken, weil es ihm nun wie Schuppen von den Augen fiel: Jetzt wusste er wieder, warum ihm dieser Grobian, der ihm gewaltsam die Autogrammkarte von Champ abnehmen wollte, so bekannt vorkam! Das war ‚Bruce van Dale‘ - der seid zehn Wettkämpfen ungeschlagene Champion des Beizjagd-Festivals!

Wie schon erwähnt war Bruce ein wahrer, muskelbepackter Hüne von einem Kerl und ein grober, arroganter Macho, der zu allem Übel auch noch ein verflixt guter Trainer war, sodass er sich oft genug in seinem Verhalten bestätigt und bestärkt fühlen konnte. Gut konnte man das an seinem Fiaro, das ebenfalls Bruce hieß und den jungen Mann und Tobi verächtlich und herablassend betrachtete, sehen: Es war ein Stückchen größer als viele seiner Artgenossen und wirkte wie ein einziger, kräftiger Muskel. Trotzdem war es pfeilschnell und wortwörtlich ‚brandgefährlich‘; dass wusste Sven als langjähriger Zuschauer nur zu gut. Bruces überhebliche Art hatte in den letzten Jahren die Freude des jungen Mannes an diesem Festival etwas gedämpft, doch seine Begeisterung wollte er sich von so einem Kerl nicht nehmen lassen! Und schon gar nicht seinen Enthusiasmus daran nun auch teilzunehmen!

Von den anderen Teilnehmer wurde Bruce auch nicht wirklich gemocht, dass hatte Sven nach einem raschen Blick feststellen können und verwunderte ihn kein bisschen. Nach dem ersten Schreck hatte sich der junge Mann mittlerweile aber schon wieder gefangen und wollte nun seinerseits den Mund aufmachen…

„Eine Unterschrift bitte!“, unterbrach ihn da plötzlich ein vermummter alter Mann mit Bart, der soeben das Zelt betreten hatte und sich anhand seines Logos auf der Kleidung als Mitarbeiter dieser Veranstaltung zu erkennen gab. „Sie zuerst bitte! Das sind ein paar kleine neue Klauseln, die bestätigt werden wollen. Sie wissen schon, wegen der Bürokratie und so.“, plauderte der Alte, der irgendwie so klang, als ob er seine Stimme verstellte und hielt zunächst Bruce ein Klemmbrett mit Stift und Zettel unter die Nase. „Grmpf! Ein ganz ungünstiger Zeitpunkt… Aber gib schon her!“, brummte der Hüne verärgert und aus dem Konzept gebracht, unterschrieb und reichte den Zettel sofort unfreundlich an den jungen Mann weiter. Ebenfalls überrascht unterzeichnete Sven diesen Schrieb ohne entgegen seiner Gewohnheit, zuerst einen Blick darauf zu werden, dass kam alles viel zu plötzlich um daran zu denken.

„Dankeschön!“, sprach der alte Mann zufrieden, verstaute den Zettel in seiner Umhängetasche und erklärte nach einem Blick auf seinen blinkenden PokéCom: „Okay es ist soweit! Geht bitte nach draußen, der erste Wettkampf fängt gleich an. Viel Erfolg euch allen!“

„Warts nur ab du Pimpf!“, wurde Sven von Bruce beim hinausgehen noch drohend wie spöttisch angeraunt: „Du und dein lächerliches Pokémon werdet hier keinen Blumentopf gewinnen können, sondern unsanft im Dreck landen, das schwöre ich dir!“ Ungerührt davon entgegnete der junge Mann herausfordernd: „Das wollen wir erst mal sehen!“

Draußen herrschte derweil auf den jetzt randvollen Plätzen große Aufregung auf den bevorstehenden Wettkampf, die noch weiter angeheizt wurde, weil zwei Himmelstrainer mit ihren Panzaeron das Festival mit einer atemberaubenden, halsbrecherischen Flugeinlage eröffneten. Als die Teilnehmer das große, umzäunte Feld betraten wurden sie von begeisterten und euphorischem Jubel begrüßt und Sven kam nicht umhin zu grinsen, denn dank Bernadette und Francoise hatten er und Tobi ein eigene kleine Fan-Meile bekommen :D.

Fast jeder von ‚seinen‘ Leuten schwenkte eine Fahne auf der in großen Buchstaben ‚Go Sven! Go Tobi!‘ stand, sogar Juwelchen, Fussel und Celeste hatten kleinere Fähnchen bekommen um mitmachen zu können. Manche von ihnen hatten es sich auch nicht nehmen lassen und sich genau wie die beiden im Gesicht bemalen lassen und ein jeder von ihnen feuerte die beiden aus vollen Kehlen an und klatschte.

„…Verflixt nochmal, warum habt ihr meinen Pyapabeerendrink vergessen, hä?“, tönte es da irritierenderweise statt der Ansage empört aus den Lautsprechern: „Immer vergesst ihr ausgerechnet MEIN Getränk! Wie soll ich als Ansager meinen Job ausführen können, wenn ich kein Getränk habe?! Das ist gemein, das macht ihr mit Absicht, gebt es ruhig zu! Ich bin hier doch nur der Clown, schaut wie lustig ich bin haha! Also echt… Hm? Was? Die Lautsprecher sind schon die ganze Zeit eingeschaltet?! Und ich mache, je weiter ich spreche, alles nur noch schlimmer?!...

…Herzlich Willkommen zum diesjährigen Beizjagd-Festival hier auf dem Regelsberg! Auch dieses Jahr haben sich insgesamt acht Teilnehmer eingefunden um ihr Können bei den Wettkämpfen, die auf den alten Jagdtechniken unserer Vorfahren basieren, unter Beweis zu stellen! Und wie jedes Jahr möchte ich daran erinnern, was einem für das Erringen des ersten Platzes winkt: Derjenige erhält für ein Jahr unseren begehrten Pokal, ein goldenes Band für sich und sein Pokémon, 8.000 Pokédollar Preisgeld und ein Set aus fünf Evolutionssteinen! Doch auch der zweite Platz ist ein lohnenswertes Ziel. Hier gibt es immerhin silberne Bänder 4.000 Pokédollar und zwei Elementarsteine zu gewinnen. Und derjenige, der Platz drei erreicht bekommt logischerweise Bronzebänder, 2.000 Pokédollar und wahlweise eine schwarze oder weiße Flöte, gefertigt aus der Vulkanasche von Hoenn. Alle anderen Teilnehmer, die keinen der ersten drei Plätze erreichen, bekommen ein hübsches Band für ihre Teilnahme und ein kleines, zufälliges Item als Trostpreis. Ihr seht also, dass es sich lohnt, sich anzustrengen! Alle Sachpreise wurden uns übrigens freundlicherweise vom örtlichen Stein&Fein-Handel gesponsert, darum bitte ich um einen herzlichen Applaus für diese Spende!“

„Jetzt schau wenigstens her, wenn man uns schon applaudiert, anstatt weiter an deinem blöden Kasten zu hängen!“, herrschte der Ladenbesitzer seinen Bruder, das schon bekannte betäubte Lahmus, beschämt an, doch dieser erwiderte ärgerlich: „Das geht jetzt nicht, ich bin gerade bei Oberst Dämlich! Och man ist der schwer…!“

„Ohne weitere Umschweife wollen wir nun mit dem ersten Wettkampf beginnen: Dem Tontaubsischwarm!“, hob der Ansager indessen feierlich an: „Das Ziel ist ganz einfach: Wer die meisten Tontaubsis zertrümmert hat gewonnen. Also, auf die Plätze… Fertig… Los!“

Es ertönte ein Startsignal und aus den sechs Schussgeräten, die schon in Position standen, schossen augenblicklich zahllose kleine, flinke Tonscheiben gen Himmel. Das hörte sich an wie bei einem Kartätschenfeuer und machte unentwegt Tock!, Tock!, Tock! Um die Sache anspruchsvoller zu machen übernahmen zwei Simsala mit ihren psychokinetischen Kräften die Kontrolle über all diese Scheiben, sodass sie noch unkontrollierbarer umherflogen. Zugleich würden sie dank ihrer herausragenden Geistesgaben jeden Treffer bemerkten, dem verantwortlichen Pokémon zuordnen und alles verlässlich in den Computer für die Bewertung einspeisen. Und auf den Befehl ihrer Trainer hin schossen die Pokémon auf ihre Ziele zu; der Wettkampf konnte beginnen!

Als schnellstes Pokémon von allen, begann Bruce als erstes Pokémon damit, die wild umherschwirrenden Scheiben scheinbar mühelos und mit schlafwandlerischer Sicherheit mit seinen flammenden Flügeln oder seinen scharfen Klauen zu zertrümmern. Aber man hätte nicht mal blinzeln können, da stießen nach und nach auch die anderen Vogelpokémon dazu, wobei Tobi hier das Schlusslicht bildete, denn mit einem solchen Tempo konnte es nicht mithalten. Davon ließ sich Botogel aber nicht beirren, sprang auch in die Luft und zerschlug eifrig eine Scheibe nach der anderen. Mithilfe seiner Eissplitter und ein paar Beeren konnte es auch entferntere Ziele treffen und schlug sich allgemein deutlich besser, als manch einer ihm zugetraut hätte! Sven für seinen Teil war jetzt schon stolz auf seinen Schützling. Tobi hatte seinen Übereifer perfekt im Griff und gab sein Bestes um mit den anderen mitzuhalten – und mehr konnte und wollte er auch nicht von ihm verlangen!

Dass Bruce seine Drohung, sich am jungen Mann zu rächen, durchaus ernst meinte, merkte dieser leider äußerst schnell. Immer wieder kam es nämlich vor, dass Fiaro ‚rein zufällig‘ beinahe in Tobi hineinflog oder es anderweitig behinderte, aber so, dass es für viele Außenstehende und auch auf den großen Bildschirmen wirklich wie ein Versehen aussah. „Hey, was soll das?“, fuhr Sven den Hünen ärgerlich an, wobei dieser aber lediglich mit Unschuldsmiene, die den schadenfrohen Klang in seiner Stimme nur unzureichend kaschierte, entgegnete: „Was soll was? Mein Fiaro kann doch nichts dafür, wenn dein dämliches Botogel ihm in den Weg hüpft, harhar!“

„Lass dich nicht von seinen miesen Tricks provozieren!“, flüsterte ihm da Falko heimlich und aufmunternd zu: „Das gleiche macht er mit den meisten von uns auch andauernd, da hilft es wirklich bloß, nicht darauf einzugehen und sich ganz auf den Wettkampf zu konzentrieren. Auch wenn Bruce euch scheinbar auf dem Kicker hat, gebt alles! Ich weiß, dass ihr hier was reißen könnt!“ „Danke Falko!“, erwiderte der junge Mann ehrlich dankbar und angetan von der Aufrichtigkeit und Hilfsbereitschaft dieses Burschen: „Deinen Tipp werden Tobi und ich uns zu Herzen nehmen!“

Nach etwa fünf Minuten ertönte wieder ein Signalton, der das Ende der ersten Disziplin anzeige, sodass das Feuer eingestellt wurde, die Pokémon zu ihren Trainern zurückkehrten und der Ansager wieder das Wort übernahm:

„Ah! Endlich habt ihr an meinen Pyapabeerendrink gedacht! Komm her du köstliche, flüssige Form des sinnlichen Genusses die meinem Gaumen so schmeichelt wie die hingebungsvolle, leidenschaftliche Liebe einer begehrenswerten Frau…!

*Gluck* *Gluck* *Rüüüüülllppsss!!!*

Ach, was für eine Wohltat! Was für eine Freu… Was zum?! Der Wettkampf ist ja schon vorbei!....

Ähem… Ja meine Güte was für ein fesselender Einstieg in unser Festival, nicht wahr? Dann lasst uns doch gleich sehen, wie sich unsere Teilnehmer und ihre engagierten Pokémon geschlagen haben!“

Eine Bewertungsstatistik leuchtete auf den Bildschirmen auf, auf denen die Profile der acht Trainer zu sehen waren. Neben jedem Bild wuchs nun ein Balken in die Höhe, bis eine Zahl anzeigte, wie viele Tontaubsis dessen Pokémon zertrümmern konnte und welchen Platz er momentan hatte.

Wenig verwunderlich landete Bruce mit Abstand auf Platz eins, gefolgt von Odette, Pierre, Fatima, Falko, Suleika, Sven und Leila zum Schluss. Man musste hier aber anmerkten, dass die Unterschiede zwischen den anderen sieben nur im einstelligen Bereich lagen, sodass man durchaus sagen konnte, dass sich um ein knappes Ergebnis handelte wofür sich keiner zu schämen brauchte.

„Wow! Tobi, wir haben immerhin den siebten Platz jetzt erreicht! Für unseren Einstand hier doch alles andere als schlecht.“, freute sich der junge Mann ausgelassen und drückte sein Botogel voller Zuneigung an sich. Ihm ging es hier vorrangig wirklich nur ums dabei sein und darum, den Zuschauern, ganz besonders natürlich seiner Familie und seiner Freunde – und definitiv auch Chantal^^, eine gute Show zu bieten. Ironischerweise sorgte dieser Umstand dafür, dass sich Sven und Tobi mehr über ihre Leistung freuen konnten als Bruce, der ärgerlich die Fäuste ballte, weil er nicht damit gerechnet hätte, dass sich dieser dahergelaufene Kerl überhaupt als so fähig herausstellte. „Na warte du Pimpf!“, grummelte er deshalb halblaut vor sich hin: „Noch ist das Festival nicht gelaufen! Du kriegst schon noch eins auf den Deckel!“

Jetzt gab es aber erst mal eine kleine Pause für die Teilnehmer, sodass sie gemeinsam mit dem Publikum begeistert einer weiteren Aufführung der Himmelstrainer beiwohnen konnten. Unterdessen wurde immer wieder wissenswertes über die frühere Jagd oder die Geschichte dieses Festivals erzählt, bis der nächste Wettkampf schon anstand. Dazwischen konnte man sich jederzeit an den Buden stärken und die Teilnehmer ihre Pokémon wieder fitmachen, pflegen oder anderweitig auf die nächste Herausforderung vorbereiten.

So verging die Zeit wie im Fluge und ehe man sich’s versah, war es früher Nachmittag und der letzte Wettkampf des Tages stand an. Mittlerweile waren Sven und Tobi sogar zu kleinen Publikumslieblingen avanciert, obwohl sie definitiv nicht das Zeug dazu hatten, unter die besten drei zu kommen oder gar Bruce zu ‚entthronen‘. Aber gerade weil der junge Mann eben der erste Trainer war, der mit einem eher ungewöhnlichen Pokémon hier antrat und er und sein Botogel sich voll reinhängten um mit den anderen mitzuhalten und sich auch von Bruces gemeinen Tricks nicht einschüchtern ließen, gewannen sie so das Herz der Zuschauer. –Sogar Pierre und Odette waren nun nicht mehr ganz so unterkühlt, sondern mehr neugierig, wie weit die beiden es wohl bringen konnten.

Und dies hing nun eben stark vom Ausgang der letzten Disziplin hab, dem sogenannten ‚Einholen‘. Bei diesem Wettkampf ging es darum, dass die Pokémon auf eigene Faust, ohne Anweisungen ihrer Trainer, auf dem unwegsamen, teilweise mit dichtem Dornengestrüpp durchsetzten Südhang des Regelsberges eine von drei besonderen Drohnen einfangen mussten. Diese waren mit einer künstlichen Intelligenz ausgestattet die das Verhalten von flüchtenden, verletzten wilden Pokémon imitierte, was hieß, dass sie extrem scheu, äußerst flink und deswegen auch wegen des Geländes gerade für Vogelpokémon nur schwer zu fangen waren.

Aus diesem Grund konnte ein Erfolg in dieser letzten Disziplin die ganze bisherige Platzierung nochmals völlig durcheinander bringen. Wessen Pokémon es gelang, so eine Drohne zu fangen, war damit in der Lage, bis zu zwei Plätze nach vorn zu rücken, oder zementierte seinen Spitzenplatz endgültig. Und da es nur drei Stück bei acht Teilnehmern gab, war die Sache immer besonders spannend.

„Keine Angst Tobi, du packst das schon!“, murmelte Sven derweil zuversichtlich, während er mit den anderen gebannt auf den Bildschirm starrte, von wo aus man die acht Pokémon abwechselnd bei ihrer Suche nach den Drohnen beobachten konnte. Hier hatte der Eis/Flugtyp sogar einen Vorteil gegenüber den meisten seiner anderen Konkurrenten, denn Tobis Schnelligkeit beruhte im Gegensatz zu diesen nicht auf seinen, kaum vorhandenen, Flugfertigkeiten. Flink und gewandt schlüpfte und hüpfte es durch die Büsche und hielt Ausschau, während die meisten anderen Vogelpokémon gezwungen waren, am Himmel ihre Kreise zu ziehen und darauf zu hoffen, rechtzeitig auf eine gelegentlich aus dem Gestrüpp auftauchende Drohne herabzuschießen. Einzig Fasasnob und Dodri konnten es Botogel gleichtun und ihm so Konkurrenz machen. Dennoch durfte man die anderen Pokémon nicht unterschätzen, schließlich hatte jeder so seine Techniken um auch in dieser Disziplin bestehen zu können.

„Bruce hat die erste Drohne gefunden! Es verbleiben noch zwei.“, verkündete auch nur allzu bald der Ansager, weshalb Bruce (also der Trainer) die Arme hinter dem Kopf verschränkte und sich mit einem zufriedenen wie selbstgefälliges Grinsen vom Geschehen abwandte. Er hatte den Sieg in der Tasche, was wollte er da noch den anderen Losern, die sich die unwichtigen anderen Plätze untereinander aufteilten, zuschauen?

„Botogel!“, schnaufte Tobi angestrengt und angespornt, nachdem es diese Durchsage gehört hatte. Eine solche Drohne wollte es auch für sich und Sven schnappen, so ehrgeizig war es dann doch! Und die Chancen dafür standen gar nicht mal sooo schlecht, weil es nämlich bereits einer auf den Fersen war, die das Lieferantenpokémon heimlich mit ein paar Attacken weit weg von den anderen Pokémon scheuchen konnte. Jetzt zwängte es sich durch ein äußerst dorniges Gestrüpp und hatte das verflixt schnelle Ding schon vor Augen und musste es nur noch in die Enge treiben, doch das war alles andere als leicht!

Die Drohne sauste weiter davon und Tobi setzte ihr so gut es ging nach und wurde nur noch mehr motiviert, als es in der Zwischenzeit hörte, dass sich Odettes Schwalboss nun auch die zweite geschnappt hatte. „Togel! Botogel!“, krähte es entschlossen und gab die Verfolgung nicht auf. Weiterhin flink zwängte es sich durchs Dickicht, hätte sie um ein Haar erwischt… Aber schon wieder weg!

Botogel erreichte eine kleine Lichtung und konnte noch ausmachen, wie die Drohne, von einem Eissplitter gestreift, sich in Geäst eines kleinen Baumes verfing. Das war seine Chance! Eiligst rannte es los um die Lichtung zu überqueren und sie einzuholen…

Auf einmal raschelte es jedoch heftig in den Büschen auf der anderen Seite, was Tobi verdutzt innehalten ließ, weil es etwas enorm großes und ganz sicher keines der andern Pokémon sein konnte! Dann brach völlig unerwartet dieser riesige, unförmige Roboter von heute Morgen hervor und ging auf Botogel los! Dabei rief er:

‚BZZZT! FERSNTEUERUNG IST AKTIVIERT! MUSS BOTOGEL VERNICHTEN! WIDERSTAND IST ZWECKLOS! BZZZT!‘

„Boo!“, machte Tobi erschrocken, wich einem wuchtigen Schlag dieser Blechbüchse aus und musste mit seinen Eissplittern die ganzen Tonscheiben abwehren, die sein Gegner nun wie ein Schussgerät aus seinen Armen abfeuerte. Eine echte Bedrohung stellte dieser mechanische Koloss für das Lieferantenpokémon zwar nicht da; dafür war er selbst jetzt viel zu schwerfällig und langsam; doch es war für jedermann erkennbar, dass der Roboter Botogel erfolgreich daran hindern konnte, sich die Drohne zu schnappen! Und irgendwann würde sich diese wieder befreit haben, wegfliegen und von einem der anderen Pokémon, die ja nichts von diesem Vorfall hier wussten, erwischt werden…

„Halt durch Tobi, du schaffst das!“, rief Sven mehr für sich selber aus, denn sein Partner konnte ihn ja nicht hören, während er, wie so gut wie jeder andere Mensch hier auf dem Gelände, gebannt und betroffen dieses verdächtigte Schauspiel auf den Bildschirmen verfolgte. Schließlich riss sich der junge Mann aber los und wandte sich hilfesuchen an einen dastehenden Techniker, der gerade eifrig telefoniert hatte. „Schalten sie bitte dieses Ding ab!“, verlangte Sven von seinem Gegenüber entschieden. Dieser hob jedoch beschwichtigend die Hände und versicherte: „Es ist alles halb so schlimm, beruhigen sie sich bitte Herr Rougon. Ein Mitarbeiter ist mit der Fernbedienung schon längst vor Ort und initiiert in diesem Moment schon die Abschaltung. Er hat zwar gesagt, dass dies noch ein paar Minuten dauern kann, doch sie sehen ja selbst, dass sie sich keine Sorgen um ihr Botogel machen müssen.“

Fast das Gleiche bekamen auch Chantal und die anderen derweil auch von einem anderen Mitarbeiter zu hören, als sie sich am liebsten auf zu diesem Roboter gemacht und ihn mit ihren Pokémon nur zu gerne zu Schrott verarbeitet hätten. Es sei alles in Ordnung, weshalb sie sich doch bitte wieder auf ihre Plätze begeben sollten, zumal das Betreten des Wettkampfgeländes für Unbefugte sowieso verboten sei!

„Ich kann mir schon denken, wie lange dieser Kerl braucht um das Ding abzuschalten: Genau so lange, wie dieser Schrotthaufen Tobi aufhalten muss, um sich diese Drohne zu holen!“, schnaubte Chantal wütend und besorgt und meinte mit finsterem Blick: „Das ist was faul, das spüre ich einfach! Wir müssen irgendwie da hin – und zwar schnell!“ „Tja…“, hob Olympe da vielsagend und geheimnisvoll grinsend an: „Dann brauchen wir wohl einen guten Plan! Hört mal alle her…!

„Entschuldigen Sie bitte vielmals, aber ich glaube, ich habe hier irgendwo meine Kontaktlinsen verloren.“, wurde einer der Mitarbeiter, die den Zugang zum Wettkampfgelände beaufsichtigten, kurz darauf von James angesprochen: „Würden Sie mir bitte suchen helfen?“ Wohl wegen seiner höflichen und freundlichen Art, schöpfte der Mann keinen Verdacht, sondern meinte: „Klar! Ich hatte mal in Hoenn einen Kumpel, der hat im Metaflurtunnel seine Brille verloren, aber nur ein Schattenglas gefunden, bis ihm eingefallen war, dass er sie einfach Zuhause liegen hat lassen. Verrückt nicht?“ „Oh und wie!“, erwiderte James, geflissentlich das Gras durchsuchend, wobei er eine fast unmerkliche Bewegung mit der Hand machte und so Marbel, Hanni, Nanni, sowie Fussel und Celéste heimlich durschlüpften :P.

Man hatte sich auf die fünf Pokémon geeinigt, weil einerseits die Gruppe nicht zu groß werden durfte und andererseits ganz besonders Juwelchen doch hier die Stellung halten und Sven und Tobi weiter anfeuern musste, wie Sebastian zu bedenken gab und mit guten Beispiel voranging.

Geduckt schlichen sich die fünf vorwärts zum Ort des Geschehens, stets darauf bedacht, nicht von den Kameradrohnen entdeckt zu werden, die herumflogen um die teilnehmenden Pokémon zu filmen. Nicht, dass Sven noch Ärger bekommen würde, wenn man Pokémon seines Teams auf den Aufnahmen findet!

Dank ihrer feinen Sinne hatten befanden sie sich alsbald vor eben jener Lichtung, auf der Tobi mit Leibeskräften versuchte am Roboter vorbeizukommen. Doch so langsam der stählerne Koloss auch war, Angriffe einstecken konnte er dafür wie kein Zweiter, sodass klar wurde, dass Botogel es nicht gelingen würde, zur Drohne zu gelangen. Sie umrundeten die Lichtung, um zu sehen, was es mit diesem Mitarbeiter auf sich hatte und sahen den Verdacht von Chantal und den anderen sehr zu ihrer Empörung bestätigt!

Zwar stand dort wirklich einer der Mitarbeiter des Festivals; der alte Mann von vorhin; und auch hielt er die Fernbedienung in seinen Händen, doch es war offensichtlich, dass er den Roboter nicht abschalten wollte, sondern steuerte! „Hehehe! Nimm das du kleines Federvieh! Du! Du wirst hier nichts abgreifen, dafür sorge ich schon, hehe!“, lachte er dreckig und klang dabei deutlich jünger, als er aussah. „Flamara!“ Wütend knurrend sprang Fussel als erstes aus seinem Versteck und baute sich bedrohlich mit angelegten Ohren, gefletschten Zähne, aufgeplustertem Fell und bösen Blick vor diesem Kerl auf, der seinen Teampartner so zusetzte! Imantis, Zorua, Raichu und Frosdedje taten es dem Feuerpokémon gleich, weshalb sich der Typ verdutzt umwandte und sich nun von fünf wütenden Pokémon umstellt sah.

„Wa… Was macht ihr denn da?!“, entfuhr es ihm zunächst überrascht und ohne einen Gedanken darüber zu verlieren, woher diese Pokémon so plötzlich auftauchten. Dafür war er viel zu sehr darauf bedacht, weiter diese Blechbüchse zu steuern, aber weil diese dies offenbar verhindern wollten besann er sich und viel zu flink für einen echten alten Mann warf er vier Pokébälle aus denen sich ein Tukanon, ein Eneco, ein Arbok und ein Reptain befreiten. „Haltet die da auf!“, befahl er seinem Quartett und kümmerte sich wieder um die Steuerung, in der Hoffnung, dass seine Pokémon genug Zeit in diesem Kampf schinden konnten.

Denn die letzten drei Pokémon waren nur mäßig gut trainiert und wären in einem normalen Gefecht schnell besiegt worden. Doch hier, im dichten Gebüsch, konnten sie ihre Flinkheit ausspielen, die dafür sorgte, dass es nicht so leicht werden würde. Einzig Tukanon erwies sich als gefährlicher, ebenbürtiger Gegner, dass mit seinen Angriffen mächtig austeilen konnte. Besonders seine Schnabelkanone oder die Felswurf- beziehungsweise Kugelsaatattacke waren äußerst heftig! – Scheinbar hatte sich der Kerl dieses Pokémon ausgeliehen, da es vom Trainingszustand sich viel zu sehr von den anderen unterschied.

All das war aber nur zweitrangig, denn der Gruppe um Fussel wurde bewusst, dass sie einfach zu lange brauchen würden, um irgendwie an die Fernbedienung ranzukommen! „Im! Imantis!“, rief Celéste da entschlossen aus. Sie brauchten einen Kraftschub – sofort! Es nickte den anderen zu, die verstanden und ihm Feuerschutz gaben, damit es sich kurz zurückziehen konnte. „Im…“, seufzte das kleine Pflanzenpokémon mit Bedauern. ‚Sorry Sven, dass sollte eigentlich eine Überraschung werden, aber jetzt geht es nicht anders…‘

Dann schloss Imantis die Augen und gab diesem Drang, den es seit ein paar Tagen schon verspürte und bisher immer zurückhielt, endlich nach und erblühte…

„Haha, nicht mehr lange, dann…“, murmelte derweil der Kerl siegessicher, weil er sah, dass sich die Drohne bald befreit hätte und wegfliegen würde, während Tobi nach diesem Gefecht zu geschwächt war, um sie erneut so lange verfolgen zu können.

„Mantidea!“, erscholl auf einmal eine kräftige, klare Stimme in die auch die Rufe der andern vier Pokémon einfielen, bevor man das aufjaulen von den Pokémon des Mannes vernehmen konnte. „Was zum?!“ Schockiert drehte er sich um und sah, dass seine drei Pokémon besiegt am Boden lagen, während Tukanon nun von allen fünfen in die Ecke getrieben wurde. „Himmel, Arceus und Zwirn, das Biest hat sich entwickelt!“, stellte er wütend fest und ahnte, dass die Luft nun langsam dünn für ihn wurde.

In der Tat hatte sich Celéste von einem kleinen Imantis nun zu einem fast einen Meter großen, eleganten Mantidea entwickelt, welches mit seiner so dazugewonnen Stärke und der neu erlernten Blütenwirbelattacke, die alle Gegner gleichzeitig treffen konnte, dafür sorgte, dass der Kampf endlich schnell entschieden wurde!

„Wah! Wah! Komm schon Tukanon, nur noch ein bisschen!“, stammelte der Kerl nervös und mit Schweißperlen im Gesicht und lenkte gehetzt den Roboter solange er noch konnte. Es war doch bald soweit, warum brauchte dies verflixte Drohne denn so lange?!

„Tu…!“ Nun ging auch noch das Kanonenpokémon zu Boden! „Verflucht nochmal!“, rief er aus, da hörte er erbleichend wie Hanni mit einem schadenfrohen Klang in der Stimme Elektrizität in seinen Backentaschen sammelte, dass es nur so knisterte, und schon ausrufen wollte. „Raiii…“

„Nein! Keinen Donnerblitz wie in der Serie! Waaah! Nichts wie weg hier, dass ist es wirklich nicht wert!!!“, schrie der Mann panisch, lies endlich diese Fernbedienung fallen und flüchtete mit wilden Sprüngen, die nochmals bezeugten, dass dies wirklich kein alter Mann sein konnte.

„Chuuu!!!“, rief Raichu schließlich aus und ließ seinen Donnerblitz los. Aber nicht auf den flüchtenden Typen, sondern einzig und allein auf die Fernbedienung, die binnen Sekunden nur noch ein stinkender, geschmolzener Haufen verbrannter Elektronik und Plastik war. Erleichtert hörten sie, wie auch der Roboter aufhörte sich zu bewegen und voller Freude vernahmen sie deshalb die nächste frohe Botschaft:

„Tobi hat die dritte und letzte Drohne eingeholt, der Wettkampf ist somit beendet! Ich bitte um einen eifrigen Applaus angesichts dieses ungewöhnlichen Hindernisses, dass dieses Botogel mit Bravur gemeistert hatte!“

Heimlich applaudierten auch die fünf Pokémon überglücklich ihrem Freund und waren stolz auf ihre Leistung, wobei Celéste besonders gelobt wurde, da ihre Entwicklung diesen schnellen Sieg ja erst möglich gemacht hatte. „Dea.“, winkte Celéste verlegen ab, das war zu viel des Lobes. Außerdem wäre es nun sowieso besser, sich auf den Rückweg zu machen…

Unterdessen verkündete der Ansager auf dem Festgelände ausgelassen das Ende der Wettkämpfe und ein letztes Mal an diesem Tag leuchtete die Bewertungsstatistik auf den Bildschirmen auf:

Den ersten Platz belegte Bruce – was zumindest für ihn selbst schon von Anfang an klar war und wegen seiner überheblichen Art fielen die Glückwünsche auch eher mager aus, was ihn aber nicht juckte…

Platz zwei ging an Odette, während sich Suleika über den dritten Platz freuen konnte. Hier wurde wieder deutlich herzlicher und länger Applaudiert.

Sven und Tobi staunten nicht schlecht, als sie sahen, dass sie sogar den vierten Platz erreicht hatten! Das war einfach Spitzenklasse, viel mehr als er sich je erhofft hatte! Auch für die zwei gab es kräftigen und lang anhaltenden Beifall, natürlich ganz besonders viel aus seiner Fan-Meile :D.

Auch die anderen wurden für ihre Leistungen gebührend geehrt. So hatte Pierre sich Platz fünf sichern können, Falko Platz sechs, Fatima Platz sieben und Leila bildete das Schlusslicht mit dem letzten Platz, wirkte aber dennoch zufrieden mit sich und dem Einsatz ihres Pokémon. –Allgemein musste man auch hier festhalten, dass die Ergebnisse stellenweise nur hauchdünn voneinander entfernt waren.

„Einfach Großartig und meinen Glückwunsch zum vierten Platz euch zwei!“, gratulierte Falko dem jungen Mann und Tobi ausgelassen: „Bis auf diese komische Sache mit dem Roboter, war das wieder ein wunderbares Festival!“ „Oh ja und solche coolen Newcomer wie du dürfen ruhig in viel größerer Zahl beim nächsten Mal mitmachen, hihi!“, fügte auch Leila kichernd hinzu und ihre beiden Schwestern stimmten dieser Aussage vollkommen zu. „Ach danke Leute. Ihr ward aber auch nicht ohne. Es hat Spaß gemacht sich mit euch zu messen, wirklich.“, entgegnete Sven überglücklich und reichte allen, sogar Pierre und Odette freundlich die Hand: „Schade fast, dass es jetzt schon wieder vorbei ist. Aber übernächstes Jahr will ich wieder mit von der Partie sein, versprochen.“

„Na, na, na, nicht so voreilig du Pimpf, harhar!“, mischte sich da ungefragt Bruce fies lachend mit in das Gespräch ein: „Noch ist die Sache hier nicht gänzlich vorbei! Hör doch mal, was der Ansager noch zu verkünden hat, harhar...“

Tatsächlich war kurz darauf die überrascht klingende Stimme des Ansagers wirklich nochmals zu hören. „Oh was reicht man mir denn hier noch schnell ein?“, begann er so verdattert, dass man sich sein verwirrtes Gesicht bildlich vorstellen konnte: „Es haben sich doch tatsächlich zum ersten Mal seit fünf Festivals wieder zwei Personen für einen ‚Alles oder Nichts-Kampf‘ angemeldet. Und zwar Bruce van Dale und Sven Rougon!“

„Waaas?!“, rief der junge Mann völlig perplex, er konnte sich nämlich nicht entsinnen, sich für dieses waghalsige Spektakel angemeldet zu haben. Worum es dort ging, war ihm jedoch nur zu bekannt: Wer bei einem solchen Kampf verlor, landete automatisch auf dem letzten Platz, während der Sieger auf seiner Platzierung blieb, oder die seines Gegners einnahm, sofern dieser höher Platziert war. –Diese Option konnte man als Relikt aus einer früheren Zeit beschreiben, als man noch zwischen adeligen und ‚gewöhnlichen‘ Menschen unterschied und die ‚feinen Herren‘ auf diese Weise mit ihren meist besser trainierten Pokémon doch noch den Sieg erringen konnten, wenn es ihnen an der nötigen Technik mangelte. Heutzutage war dies natürlich eine freiwillige Angelegenheit und allzu häufig wurde sie auch nicht genutzt.

„Du!“, zornig starrte Sven den rothaargien Hünen an, weil man kein Hellseher sein musste, um zu ahnen, dass Bruce diese Sache irgendwie eingefädelt hatte, damit er den jungen Mann nochmals schikanieren konnte. Und zu verlieren hatte er nichts: Bruce war ein Elitetrainer und sein Fiaro noch voller Energie und bestens trainiert. Tobi hingegen hatte sich noch nicht gänzlich vom kräftezehrenden Kampf gegen den Roboter erholt, gemeinsam mit dem gravierendem Typnachteil standen deshalb die Chancen auf einen Sieg gegen diesen fliegenden Muskelberg so ziemlich gegen Null.

„Ja, da liegst du richtig Pimpf! Ich hab dich reingelegt, harhar!“, gestand Bruce freimütig mit einer schadenfrohen Grimasse: „Und ich will dir auch gerne zeigen wie. Ich hatte nämlich Hilfe, harhar!“ Bei diesen Worten trat der alte Mann, der den Roboter bediente – was Sven aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte – hinzu und hatte den gleichen schadenfrohen Blick wie Bruce drauf. „Eine Unterschrift bitte!“, sagte er einfach, aber nun mit seiner wirklichen Stimme, die dem jungen Mann geradezu verdächtig bekannt vorkam…

Jäh begriff er alles!

„Samson Samsonson!“, sprach Sven erkennend aus und zeigte anklagend auf den Kerl, der darüber nur lachen konnte. „Ja so sieht’s aus, hehe!“, entgegnete er unbeeindruckt: „Bruce und ich, wir haben uns vor ein paar Wochen in der Milchbar kennengelernt und festgestellt, dass wir beide eines nicht leiden können: Dich! Und praktischerweise hatte ich da schon einen Teilzeitjob hier angenommen und wusste deshalb, dass du dich als Teilnehmer vormerken hast lassen… Tja und da hat mich Bruce dazu überredet, ihm bei seiner Rache zu helfen, hehe. Und bevor du damit kommst: Es ist mir schnurzpiepegal ob mich das meinen Job hier kosten könnte! Heute Abend schon bin ich raus aus Mungenau und auf den Weg nach Kalos. Dort wartet nämlich wieder ein Job als Journalist bei der ‚Blöd-Zeitung‘ auf mich, hehe! Sieh es also als kleines Abschiedsgeschenk von mir du Mistkerl!“

„Harhar! Da kannst du jetzt noch so böse schauen: Unterschrift ist Unterschrift!“, meinte Bruce mit einem zufriedenen Grunzen und ballte vorfreudig seine gewaltigen Pranken wieder zu Fäusten: „Wegen dir und deinem dämlichen Rocara ist mir ‚Betsy‘ durch die Lappen gegangen! Dafür wird Bruce dein bescheuertes Botogel nun ordentlich rupfen, harhar! Wir sehen uns in spätestens fünf Minuten beim Kampfplatz Pimpf!“

„Oh nein!“, dachte sich Sven trotz seines mulmigen Gefühls sarkastisch: „Tobi und ich müssen nicht nur gegen einen Brutalo antreten, sondern sogar gegen einen von diesen objektophilen Brutalos, die ihren Autogrammkarten Namen geben und sie wie Geliebte behandeln :o!“ „Höhö, viel Glück ihr lahmen Krücken!“, ätzte Samson seinerseits noch, bevor er endlich von dannen zog und den jungen Mann ratlos zurück lies…

…Zumindest für einen kurzen Augenblick. Dann jedoch hatte er schon einen Einfall und ein herausforderndes Funkeln leuchtete in seinen Augen auf. „Tobi!“, sprach er kämpferisch aus: „Wir werden vor diesem Kampf nicht davonlaufen! Aber Bruce wird trotzdem nicht das bekommen, was er sich erhofft. Bist du bereit dafür?“ „Botogel!“, krähte Tobi eifrig, verstand, worauf Sven hinaus wollte und teilte den kämpferischen Blick mit seinem Trainer. ‚Sind Lektroball rund? Na klar bin ich bereit!‘

Entschlossen machten sie sich zum Kampfplatz auf, während ihnen die andern Teilnehmer lächeln nachsahen. Auch sie hatten begriffen, was der junge Mann vorhatte und wünschten ihm viel Glück dabei.

Kurz darauf standen er und sein Gegner sich jeweils auf einem kleinen Podest gegenüber und vor ihnen taten Tobi und Bruce das Gleiche. Alle vier, Pokémon wie Trainer, warteten reglos und angespannt darauf, dass der Ansager die Einleitung beendete und das Signal zum anfangen gab. Die Zuschauer sahen derweil gebannt auf die Bildschirme und Sven konnte hören, wie viele ihn und sein Botogel anfeuerten.

Dann ertönte der Startschuss und mit einem schrillen Schrei erhob sich Fiaro in die Lüfte, kreiste dort und ging auf Befehl seines Trainers hin in Flammen gehüllt auf seinen Gegner los. Dieser sprang behände beiseite und bombardierte das Stichflammenpokémon mit einer großzügigen Salve Eissplittern. Diese schmolzen zwar wegen der Flammen sofort, löschten diese aber auch, sodass Tobi diesen Flammenblitz damit neutralisierte. Augenblicklich wandelte Fiaro diesen Angriff jedoch zu einem Sturzflug um, dem Botogel nur knapp entkommen konnte, seinerseits Bruce doch nun eine mit einem Eishieb verpassen konnte. Auch diese Attacke verlor aufgrund Fiaros hoher Körpertemperatur seine ursprüngliche Wirkung, war aber dennoch ein Hieb der dem Feuer/Flugtyp Schaden zufügte. –Gerade wegen der Verdunstungskälte des schmelzenden Eises stellte dies für Botogel die einzige Möglichkeit da, seinem Gegner zu schaden ohne sich an diesem zu verbrennen.

Mithilfe solcher Tricks und der Beweglichkeit von Tobi konnte Sven den Kampf deutlich ausgeglichener gestalten, als man für möglich hielt. Trotzdem war es naiv zu glauben, dass das Lieferantenpokémon wirklich eine Chance hätte. Der junge Mann merkte genau, dass Tobi bei diesem Gefecht an seine Grenzen gelangte und nicht lange durchhalten würde, allein schon, weil es ja schon angeschlagen war. Bruce hingegen musste zwar mehr einsteckten als Bruce (also sein Trainer^^) gedacht hatte, aber es wartete dennoch nur auf einen günstigen Moment, um Botogel nicht nur zu besiegen, sondern fertig zu machen!

Und genau dies wollte Sven um jeden Preis verhindern! Einen Augenblick lang ließ er Tobi mit voller Kraft kämpfen, dann glaubte er seine Chance gekommen: Fiaro hatte nach einem verfehltem Sturzflug eine kleine Bruchlandung hingelegt und musste sich erst wieder aufrappeln. Höchste Zeit also…

„…Diesen Kampf zu beenden!“, dachte sich der junge Mann entschlossen und war im Begriff seinen Ball zu zücken und Tobi zurückzuziehen. Das war von Anfang an sein Plan gewesen. Er pfiff auf die den Verlust seines vierten Platzes, wenn er nur sein Pokémon vor zu viel unnötigem Schaden bewahren konnte – soll dieser Bruce doch seinen Pokal heiraten und sich sonst was auf seinen ersten Platz einbilden!

„Sven pass auf, das ist nur ein Trick!!“, rief ihm Chantal plötzlich voller Sorge zu. Als erfahrene Trainerin ist ihr nämlich gleich ins Auge gesprungen, dass Fiaro diese Bruchlandung nur angetäuscht hatte, um Tobi richtig eine zu verpassen! –Ganz offensichtlich hatte Bruce von Anfang an damit gerechnet, dass sein Gegner sich gar nicht wirklich auf diesen Kampf einlassen wollte und deswegen seinerseits auf einen unachtsamen Moment von diesem gewartet. Dank seines guten Pokerfaces hatte selbst Chantal ihn nicht rechtzeitig durchschauen können, weshalb ihre Warnung vergebens war und er nun mit unverhohlen zur Schau gestellter Genugtuung zusah wie sein Racheplan aufging:

Starr vor Schreck und völlig überrumpelt musste Sven mit ansehen wie Fiaro das ebenfalls total überraschte und somit wehrlose Botogel packte, in die Luft beförderte und dort mit einem extra heftigen Flammenblitz ausknockte und davon schleuderte!

„Tobi!“

Als der junge Mann sich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder rühren konnte, rannte er was das Zeug hielt auf den Kampfplatz um seinen Schützling aufzufangen. Die Sorge um seinen Partner stand ihm dabei ins Gesicht geschrieben und zweifelsohne drängten sich ihm unweigerlich die schrecklichen Bilder von damals, als Juwelchen so schwer von Granbullkopfs Stollrak verletzt wurde, wieder ins Bewusstsein.

Freilich mag das hier übertrieben wirken, schließlich würde Bruce niemals seine Disqualifikation riskieren. Trotzdem war diese Aktion, dieser unnötig heftige Angriff, in höchstem Maße unsportlich und nur dafür gedacht, dem jungen Mann eins auszuwischen; was Bruce etliche Buhrufe einbrachte, die ihn aber nicht sonderlich kümmerten. Aber Vernunftgründe zählten hier verständlicherweise nur wenig: Ohne Rücksicht auf Verluste sprang Sven deshalb selbstlos in die Luft und nahm Tobi schützend in seine Arme. Es kümmerte ihn nicht, dass er durch die Wucht des Aufpralls unsanft mit dem Rücken auf dem Boden landete, sogar noch ein paar Zentimeter über das Gras schleifte, sich seine Kleidung zuschanden machte und sich ein paar Schrammen holte. Hauptsache war nur, dass Botogel wenigstens nicht auch noch diese Bruchlandung über sich ergehen lassen musste und der Kampf vorbei war!

„Uff… Tobi? Tobi, geht es dir soweit gut?“, fragte der junge Mann deswegen sogleich, nachdem er sich wieder etwas gefangen hatte, besorgt und betrachtete seinen Schützling in seinen Armen. Sehr zu seiner Erleichterung durfte er jedoch feststellen, dass Tobi zwar etwas angesengt und furchtbar zerzaust aussah, aber glücklicherweise nicht ernsthaft verletzt war.

„Boo…“, stöhnte das Lieferantenpokémon zunächst auf diese Frage, denn mit Kusshand hatte es diesen Flammenblitz ja wirklich nicht eingesteckt. Dann aber sah es seinem Trainer tief in die Augen und in diesem Blick steckte neben Dankbarkeit für seinen Einsatz auch noch etwas anderes: Nämlich immer noch die pure, ungebrochene Freude über diesen Spaß, den es hier bei diesem Festival hatte! Und daran konnten auch die boshaften Aktionen von diesem Bruce nichts ändern! Diesen Sieg würde er nie bekommen :D!

„Was für ein Kampf! Meine Damen und Herren, ich bitte sie um einen herzlichen Beifall für dieses hoffnungsvolle Gespann, das uns gerade so trefflich gezeigt hat, was einen guten Trainer und ein tapferes Pokémon ausmacht!“, sprach derweil der Ansager ganz euphorisch und das Publikum dessen Aufforderung nur zu gerne nachging, schließlich hatte fast jeder mit dem jungen Mann und seinen Botogel mitgefühlt und gelitten. „Ich hoffe sehr verehrtes Publikum, dass sich jeder Trainer daran ein Beispiel nimmt und stets das Wohl seines Pokémon vor das erringen eines Sieges stellt! –Ja Bruce, damit spiele ich ganz konkret auf dich an.“, fuhr der Ansager fort: „Ich würde sagen, das man dies als wunderbaren Abschluss für das diesjährige Beizjagd-Festival bezeichnen kann. Darum bitte ich nun um einen genauso freudigen Applaus für (fast) all unsere engagierten Teilnehmer und deren Pokémon und übergebe hiermit an unseren hochverehrten Bürgermeister Herr Delhomme für die Siegerehrung.“

Angesichts des ganzen Beifalls, der anfangs wirklich nur für ihn und Tobi gedacht war, wurde der junge Mann ganz rot vor Verlegenheit. Wer würde denn nicht so handeln, um sein Pokémon zu beschützen :oops:? Allerdings konnte er jetzt schon wieder lächeln und freute sich ja auch über diese Anteilnahme. Dann sah er nun Tobi an und meinte Lachend: „Ja Tobi, da kann ich dir nur zustimmen, haha. Es war unglaublich toll hier mitzumachen, dass kann uns keiner nehmen. Aber jetzt psst, ja^^?“ Dabei deutete er nach vorne und die beiden setzten eine neutrale Miene auf, weil sie wussten, dass sie eine Sache noch hinter sich bringen mussten…

„Bwarharhar! Siehst du ich hatte Recht Pimpf: Ich habe gesagt, dass du und dein dämliches Pokémon unsanft im Dreck landen werden und da haben wir’s ja auch schon, bwarharar!“, empfing sie Bruce spöttisch, der nur, um sich über die beiden lustig zu machen und seinen ‚Sieg‘ in vollen Zügen auskosten zu können, zu den zweien hingegangen war und sich nun mit einem selbstgefälligen Grinsen und verschränkten Armen über sie beugte. –Dass der Applaus und die Lobeshymne den beiden galt nahm der Kerl dank seines Egos gar nicht wahr – vielleicht dachte er tatsächlich, dass er damit gemeint wäre :roll:

„Tja, da habt ihr wohl nicht gewonnen, was?“, legte der rothaarige Hüne jedenfalls los: „Und wisst ihr denn auch was das bedeutet?“ Bruce wartete erst keine Antwort, die eh nicht kommen beziehungsweise nur so vor Sarkasmus strotzen würde, ab, sondern fuhr gleich fort, zeigte nun mit dem Finger auf Sven und Tobi und verkündete lauthals: „Das heißt, dass ihr zwei ungeschickte kleine Looser seid, harhar! Ich bin ein Gewinner, hol mir gleich den Beweis! Ihr seid nur Verlierer, kriegt nie einen Preis, bwarharhar! Gewonnen! Ich hab gewonnen! Bwarhahr! Bwarharar!“

Wie ein Bekloppter vor Freude einen durch und durch peinlichen Tanz aufführend, hampelte Bruce so durch die Gegend und auf den Bürgermeister zu, der mitten in seiner Rede zur Siegerehrung steckte. „…Und damit kommen wir nun zu wichtigsten Teil hier. Der erste Preis und somit der Pokal gehen an…“, wollte Vincent gerade anheben, da platzte Bruce schon dazwischen und riss den Pokal einfach an sich. „Bwaharhar! Der Sieger bin ja wohl ich! Also gibt her das Teil!“, sagte er dabei überheblich und setzte mit seiner Trophäe seinen dämlichen Tanz fort. Unentwegt nervte alle Anwesenden mit der gleichen Tatsache: „Harhar! Ich hab gewonnen! Gewonnen!“

Während Bruce wie in den Jahren zuvor sich völlig überzogen über seinen Sieg freute und sich damit zum Deppen machte, hatten sich Sven und Tobi derweil wieder aufrappeln können und waren nun schon von Chantal und den anderen umringt, die ihm ausgiebig Gratulierten. „Mensch Sven, du nimmst manche Dinge einfach zu wörtlich.“, neckte ihn da Chantal die genauso erleichtert darüber war, dass dieser Kampf nicht so schlimm war wie befürchtet, grinsend, und betrachtete ihren Freund: „Nur weil es heißt, dass sich Pokémon und ihre Trainer mit der Zeit ähnlich sehen, bedeutet das noch lange nicht, dass du nach jedem Gefecht genauso zerzaust aussehen musst, hihi.“ „Tja so ist halt unsere kleine Dramaqueen, echt jetzt.“, fügte Yvonne verschmitzt hinzu und brachte die anderen damit zum Lachen.

Bei dieser freudigen Runde wurden der junge Mann und Botogel natürlich auch von dessen anderen Pokémon beglückwünscht, weshalb ihm eines sofort ins Auge sprang. „Celéste… Du hast dich ja entwickelt…! Wow, siehst du jetzt gut aus! Darum also die ganze Hibbeligkeit.“, erkannte Sven und konnte nicht anders, als sein Pokémon von oben bis unten zu bestaunen ohne sich daran sattzusehen. Mantidea wurden ja nicht umsonst, als eine der schönsten Pflanzenpokémon bezeichnet und der junge Mann fand, dass diese Aussage völlig zutraf. „Mantidea.“, erwiderte Celéste erfreut, aber auch ungewohnt schüchtern und sah dabei verlegen auf den Boden und scharrte mit seinen Füßen im Gras. „Was hat sie denn?“, wollte der Sven verdutzt wissen, da er Celéstes neue, elegante Gestalt wirklich wunderschön fand.

„Ach weißt du Sven, Celéste wollte sich eigentlich erst heute Abend vor deinen Augen weiterentwickeln.“, erklärte Chantal ihm verständig: „Quasi als Geburtstagsgeschenk für dich. Deswegen hat sie in den ganzen letzten Tagen ihre bevorstehende Entwicklung extra zurückgehalten. Aber jetzt ist etwas dazwischengekommen weshalb sie es nicht weiter aufschieben konnte.“ „Ach Celéste, du musst dich doch dafür nicht schämen.“, meinte der junge Mann lachend, dessen Gesicht vor lauter Glück über diese Neuigkeit strahlte und nahm ‚seine kleine Blume‘ wie er sie ab und zu nannte, in die Arme: „Sei versichert, dass dir deine Überraschung durch und durch geglückt ist! Ich bin stolz auf dich! Und auch auf dich Tobi… Ach kommt alle her und lasst euch umarmen!“

„Rocara!“, meinte Juwelchen freudig. Das war doch eine Aussage, die man gern von seinem Trainer hörte :D!

„Und das ist auch typisch Sven.“, hob seine große Schwester nach einer Weile breit grienend an: „Du siehst aus wie Spionk und kommst so auch noch ins Fernsehen, echt jetzt!“ Bei diesem Wink blickten alle auf und sahen wirklich die Reporterin der Regelsberger Abendschau auf sie zugehen. „Aber ja doch.“, dachte sich Sven völlig ohne verwundert zu sein, denn er kannte diese Sendung ja, weswegen er nun mithilfe seiner Eltern rasch noch versuchte, nicht ganz so schlimm auszusehen^^.

„Meine Fresse!“, fluchte Maurice, während er die Kamera einschaltete, genervt: „Dieser Angriff war total unnötig! Bruce ist echt ein arroganter Arsch, dem der ganze Erfolg das bisschen Hirn schon längst vernebelt hat! Und von Jahr zu Jahr wird das schlimmer und nerviger – eines Tages überspannt er den Bogen endgültig!“ „Auch wenn deine Wortwahl wieder zu wünschen übrig lässt, kann ich dir nur beipflichten.“, meinte Berthe, die ihr Mirko in die Hand nahm und kurz mittels ihres Taschenspiegels den perfekten Sitz ihrer Frisur und ihres Make-ups überprüfte, ähnlich empört, setzte dann jedoch ihr geübtes lächelndes Gesicht fürs Fernsehen auf: „Aber wir bleiben professionell und lassen uns unseren Ärger nicht anmerken. Also können wir? Ja? Gut! *Räusper*

Hallo und herzlich willkommen zur Regelsberger Abendschau! Ich bin Berthe Maqueron und moderiere heute unsere beliebte Sendung ‚Sieger der Herzen‘ live vom diesjährigen Beizjagd-Festival auf dem Regelsberg, dessen Wettkämpfe erst vor wenigen Minuten zu Ende gegangen sind. Das Erringen der ersten drei Plätze ist durchaus eine große Leistung, daran gibt es nichts einzuwenden. Aber wie immer wollen wir einen Blick auf all jene Trainer werfen, die es nicht aufs Treppchen geschafft haben, doch mit ihrer Leistung und der ihrer Pokémon ihren Teil zu einer solchen Veranstaltung beigetragen und dabei mitunter die Bewunderung des Publikums errungen haben! Und auch heute werden wir…“

„Hey, hey, hey du scharfe Braut, was will sich eine heiße Schnitte wie du ausgerechnet mit den Loosern abgeben, wo du doch einen waschechten Gewinner interviewen und seinen eindrucksvollen Pokal filmen kannst?“, mischte sich Bruce plötzlich ein, fasste Berthe dabei unverschämt um die Taille und hielt seinen dämlichen Pokal so nah an die Kamera, dass man ihn dort gar nicht mehr erkennen konnte: „Ja halt ordentlich drauf, du Futzi! Und jetzt eine Einstellung mit mir, dem coolen Gewinner und dem Püppchen, dass seinen Sieger anschmachtet, bwarharhar! Schließlich sind Gewinner total sexy!“

„Püppchen?!“ Berthe machte ein so wütendes Gesicht, als wolle sie Bruce am liebsten sehr, sehr kräftig zwischen die Beine treten, besann sich aber noch und befreite sich nur äußerst energisch aus dem Griff dieses unverfrorenen Machos. „Fassen sie mich ja nicht noch mal an!“, fauchte sie zornig mit blitzenden Augen und schubsten den rothaarigen Hünen, der das Ganze als Spaß auffasste und die Reporterin nicht ernst zu nehmen schien, unsanft weg: „Und machen sie zu, dass sie aus dem Bild kommen! Diese Sendung ist nicht für sie gedacht!!! Maurice, diese Aufnahmen werden später gelöscht, ist das klar?“

„K…Klar wie Kloßbrühe!“, beeilte sich dieser zu sagen und nickte eifrig dabei; er wusste ja schon das es Momente gab, in denen man zu seiner eigenen Sicherheit auf Berthes Worte hören sollte und jetzt war eindeutig ein solcher!

„Gut, also weiter im Text…“, schnaufte die Reporterin, bevor sie tief und bewusst einatmete, sich so wieder beruhigte und erneut anmoderieren wollte: „Und auch heute werden wir…“

„… den großartigen, heiß begehrten Gewinner Bruce van Dale interviewen und ihm sagen, wie toll es doch ist, dass er gewonnen hat, bwarharhar! Hab ich schon gesagt, dass ICH gewonnen habe?“, rief Bruce im Hintergrund dazwischen und tänzelte albern wieder von dannen.

„Also wie gesagt…!“

„Ich hab gewonnen, bwarharhar! G-E-W-O-N-N-E-N!“

So langsam ballte Berthe nun doch wieder ihre Fäuste, wagte aber dennoch einen letzten Versuch: „Und auch heute werden wir…“

„Schaut, ich hab gewonnen, bwarharhar! Zum zehnten Mal in Folge! Los filmt das, die ganze Welt muss erfahren, dass ICH gewonnen habe! Bwarharhar! Gewonnen! Gewoooonnnen!!!“

„Jetzt reicht’s aber…!“, flüsterte die Reporterin gefährlich ruhig, bevor sie aus ihrer Tasche drei Dinge hervorholte: Ein altes, abgegriffenes Inselwanderschaftsabzeichen, welches sie sich wie in ihrer Jugend ins Haar band, einen ebenso mindestens 20 Jahre alten, aber sauber gepflegten Freundesball und zu guter Letzt einen seltsamen, mit einem glänzenden Kristall ausgestattetem, Ring, den sie an ihr linkes Handgelenk anbrachte.

„Schalt die Kamera aus Maurice.“, wies sie ihren Kollegen an und hatte dabei einen kämpferischen Ausdruck im Gesicht, der sie wieder wie eine entschlossene, elfjährige Trainerin wirken ließ: „Hier stoßen die Worte an ihrer Grenzen, weshalb es nun an der Zeit ist, die Dinge in Trainermanier zu regeln!“

Kaum, dass Maurice das Gerät ausgeschaltet hatte, warf Berthe ihren Ball in hohem Bogen und aus diesem befreite sich, sehr zum Erstaunen der Zuschauer, ein Kokuna, welches seinerseits einen gelben Kristall um den Hals gebunden bekommen hatte.

„Auf geht’s Kuno! Fessel diese labernde Nervensäge mit dem Elektronetz und jag ihm einen Giftstachel in seinen dicken, chauvinistischen Hintern!“, befahl die Reporterin ihrem Pokémon energisch und wütend. „Kuna!“, antwortete das Kokonpokémon eifrig und deutlich lebhafter, als man es von einem solchen Käferpokémon erwarten würde, sprang auch erstaunlich schnell in die Luft und hatte die beiden Angriffe binnen weniger Sekunden bereits losgelassen.

„Ich hab gewo… Urag…!“, konnte Bruce, der eigentlich schon wieder ins Bild rennen wollte, nur noch sagen, dann wand er sich grunzend und zuckend wegen des elektrischen Netzes am Boden und jaulte nochmals laut auf, als ihn der Giftstachel traf – übrigens ein Volltreffer!

Da zerriss der schrille Schrei von Fiaro die Luft und man sah, dass es sich mit gezackten Klauen auf das Kokuna stürzen wollte. Niemals würde Bruce zulassen, dass man Bruce so vorführte! Doch Berthe hatte schon damit gerechnet, nickte ihrem Partner zu und meinte nur: „Bring es aus dem Konzept Kuno. Den Eisenschweif bitte!“

„Kokuna!“, rief der Käfer/Gifttyp freudig und hopste eilig seinem Gegner entgegen. Die Zuschauer rätselten noch, wie Berthe auf diese Idee kam, denn ein Kokuna konnte doch gar keinen Eisenschweif erlernen, sahen aber gleich live, wie so etwas doch gehen konnte:

Kuno sprang hoch in die Luft, schoss einen Faden auf einen nahen Baum, nahm dadurch Schwung auf und prallte volle Kanne mit Bruce zusammen, während es aber seinen Körper mit Eisenabwehr stahlhart gemacht hatte – ein improvisierter Eisenschweif eben :]!

Fiaro jedenfalls wurde von diesem Angriff und vor allem der Stärke seines Kontrahenten völlig überrascht und zog bei diesem Zusammenprall den Kürzeren, weshalb es weggeschleudert wurde. Mit Mühe konnte sich Bruce jedoch in der Luft halten und setzte wutentbrannt zu einem neuen Angriff an. Jetzt wo es die Stärke seines Gegenübers kannte, würde es sich nicht mehr zurückhalten!

„Tja ja, das ist ganz Bruce: Seine Pokémon mögen wandelnde, schnelle Muskelberge sein, doch dafür sind sie gegen spezielle Angriffe machtlos, hehe!“, lachte Berthe schadenfroh und wie ihr Pokémon völlig unbeeindruckt vom heranstürmenden Fiaro. Seelenruhig berührte sie den Kristall an ihrem Ring, der dadurch zu leuchten begann, genauso wie der von Kokuna. „Bereiten wir ihm eine schnelle Niederlage Kuno!“, verkündete die Reporterin siegessicher und vollführte einen exotisch anmutenden, formvollendeten Tanz, bei dem man das Gefühl hatte, dass die Macht der Elektrizität damit beschworen wurde und rief mit fester Stimme:
„Gigavolt-Funkensalve!“

„Kuna!“, machte Kokuna da, welches plötzlich von Unmengen an Energie umhüllt wurde, entschlossen und feuerte einen gewaltigen elektrischen Strahl auf seinen Gegner, der diesen mit einem Schlag besiegte! Dabei musste man aber erwähnen, dass dieser Angriff trotzdem nicht so heillos übertrieben war, wie beim vorherigen Kampf. Berthe und Kuno hatten nämlich für alle deutlich sichtbar auch in der Hitze dieses Gefechtes penibel darauf geachtet, nur so viel Kraft zu verwenden, wie sie für einen sofortigen K.O. benötigten. –Das machte eben einen der Unterschiede zwischen einem gewissenhaften Trainer und einem rücksichtslosen Rüpel wie Bruce aus!

Für einen Moment schweig das Publikum ehrfürchtig staunend, denn eine Z-Attacke live außerhalb von Alola zu sehen, war schon ein äußerst seltener und vielleicht auch einmaliger Anblick. Dann jedoch wurden den beiden äußerst ausdauern und freudig Applaudiert, wobei Berthe erst richtig bewusst wurde, dass sie ja vor Zuschauern gekämpft hatte.

„Ja was sagt man dazu, meine Damen und Herren!“, schaltete sich der Ansager sogleich wieder ein: „Da haben wir doch glatt eine unverhoffte Zugabe von den Leuten der Regelsberger Abendschau bekommen! Und was für eine geniale noch dazu. Das hast du verdient Bruce, muahaha!“

„Ehehe, danke Leute! Vielen Dank für das Lob.“, entgegnete sie und verbeugte sich vor all den Leuten und lobte ihr Kokuna, mit dem sie schon seit mehr als zwanzig Jahren zusammen war, für seinen Einsatz – schließlich war es schon eine Weile her, dass die beiden einen solchen Kampf mit der Z-Kraft ausgetragen hatten. Und fast auch genauso lang hatten die beiden auch nicht mehr vor so viel Publikum gekämpft.

„Hach, das erinnert mich an meine Inselwanderschaft damals…“, schwelgte Berthe aus diesem Grund für einen Moment in Erinnerung: „Wenn ich meinem Schwarm nicht nach Sinnoh gefolgt, dort als B-Gruppen Liga Trainerin Erfolg und später zum Fernsehen gewechselt wäre, hätte ich vielleicht das Amt eines Captains übernommen. Hihi, vielleicht hätte mich ja sogar ein Kapu zur nächsten Inselkönigin gekürt, wer weiß? *Kicher*“

„Doch jetzt genug von diesen schönen Träumereien!“, ermahnte sie sich selbst, nahm Kuno auf den linken Arm und das Mikro in ihre rechte Hand und meinte lächelnd zu ihrem Kameramann: „Schließlich haben wir hier noch eine Sendung zu moderieren, haha! Und diesmal wird uns keiner unterbrechen :evil:!“

Beschwingt lief sie deshalb zur kleinen Gruppe die aus Svens Leuten, sowie den anderen Teilnehmern bestand und die sich ebenfalls sehr beeindruckt von den kämpferischen Fertigkeiten der Reporterin und ihrem Kokuna zeigten. „Ach übrigens Maurice…“, fügte Berthe noch wissend und augenzwinkernd hinzu: „Du kannst jetzt damit aufhören, so zu tun, als hättest du die Kamera überhaupt ausgeschaltet, aber in Wahrheit diesen Kampf aufgezeichnet. Das löschen wir auch nicht, keine Sorge^^.“

Und unbeachtet von allen jammerte Bruce, der rein gar nichts begriff und immer noch geschafft am Boden lag, verwirrt: „Aber… ICH hab doch gewonnen!“ „Kokuna!“ ‚Willst du etwa noch einen Giftstachel?!‘ „Aaah!“

Viel später dann, nach der fulminanten Abschlussfeier und als der Großteil der Gäste bereits wieder gegangen war, spazierten Sven und Chantal Hand in Hand und in trauter Zweisamkeit einen beschaulichen, baumbestanden Wanderweg auf dem Regelsberg entlang, der zu einem hübschen, entlegenem Vorsprung führte. Von dort aus hatte man einen fantastischen Blick auf die Stadt Regelsberg, besonders jetzt um diese Abendstunde, wenn die Sonne als rotglühender, alles in goldenes Licht tauchender, Feuerball ganz langsam im westlichen Horizont versank.

Sven liebte diese Abendstunden und diesen Ausblick sehr: Vor allem im Sommer hatten diese Seltenheitswert, denn als Bäcker war er um diese Zeit ja meist schon im Bett. Und obwohl auch morgen schon wieder sein erster Arbeitstag nach diesem aufregenden, erlebnisreichen Urlaub anstand, gönnte der junge Mann sich heute mal eine Ausnahme von seiner eigentlichen Pünktlichkeit. Schließlich wollte er den heutigen Tag in vollen Zügen und so lange wie möglich genießen.

„Mensch, was für ein aufregender Tag heute, nicht wahr Sven?“, hob Chantal da passenderweise auch gleich an, nachdem sie gemeinsam mit ihrem Freund einfach für eine Weile schweigend das Panorama betrachtet hatten. „Da sagst du was!“, konnte dieser ihr nur beipflichten und strahlte immer noch über das ganze Gesicht: „Tobi und ich haben am Beizjagd-Festival teilgenommen, Celéste hat sich entwickelt, wir konnten sogar eine Z-Attacke bestaunen und hatten richtig viel Spaß dabei… Einfach Hammer!“

Dann wurde er jedoch nachdenklicher und fast sogar melancholisch sinnierte er: „Es ist so viel passiert… Nicht nur heute, nein… Seit Juwelchen vor gefühlt so langer Zeit völlig überraschend in mein Leben getreten ist, haben sich die Dinge so schlagartig verändert… Und… Und mittlerweile kann ich ganz offen sagen, dass das wohl das Beste war, was mir in meinem bisherigem Leben passieren konnte – auch wenn es kitschig klingt^^. Ich habe so viel Spaß und Freude an meinem Trainerdasein gefunden und all diese Erlebnisse und Bekanntschaften hätte ich ohne Juwelchen wohl nie machen können. Es ist fast wie in einem Märchen.“

„Das sehe ich auch genauso.“, wisperte Chantal und sah ihrem Freund mit einem merkwürdigen Blick so tief in dessen Augen, dass er sofort wieder dieses wohlige Kribbeln im ganzen Körper verspürte und ihm die Knie weich wurden.

„Weißt du, warum ich dich in all den Jahren davor immer geärgert habe?“, hob seine Freundin plötzlich unvermittelt an, lächelte nun auch schon wieder so, dass Sven ganz anders wurde, und erklärte: „Weil ich dich nicht verstanden habe. Schon als ich dir zum ersten Mal begegnet bin, habe ich gespürt, was für ein Talent du als Trainer besitzt…

Doch dann erfuhr ich, dass du nichts damit am Hut haben willst und das nur, weil du wegen deines Dickschädels nicht wolltest. *Seufz* Das hat mir damals ziemlich wehgetan, denn eigentlich hatte ich schon die ganze Zeit Gefühle für dich, doch mit einem solchen Jemand konnte und wollte ich nicht Zusammensein; das wäre mir wie Verrat an den Idealen eines Trainer und auch an meinen Pokémon vorgekommen! Und deswegen habe ich auch angefangen dich aufzuziehen. Einerseits weil ich nicht wollte, dass du etwas von meinen Gefühlen für dich mitbekommst und andererseits auch in der stillen Hoffnung, dich vielleicht eines Tages zur Vernunft zu bringen.“

Sven war von diesem überraschendem Geständnis völlig überrumpelt: Nie hätte er gedacht, dass Chantal schon so lange romantische Gefühle für ihn hegte! „Meine Güte war ich blind!“, dachte er sich und war so verwirrt, dass er gar nicht wusste, ob er jetzt lachen oder weinen sollte.

„Tja und diese Aufgabe hat Juwelchen ja dann für mich höchst erfolgreich übernommen, haha!“, lachte die junge Frau regelrecht befreit und ihr hübsches Gesicht strahlte dabei mit der Sonne um die Wette: „Du kannst dir ja gar nicht vorstellen was für eine Freude du mir an jenem Tag bereitet hast, als du dich nach deinem Debakel bei Granbullkopf endlich richtig auf ein Dasein als Trainer eingelassen und mir prompt dein frisch gefangenes Botogel präsentiert hast!“

Sie sah Sven ganz verliebt und glücklich an: „Und damit begann auch dein kometenhafter Aufstieg als Trainer, weil du endlich dein schon so lange in dir schlummerndes Talent benutzt hast. Und du hast Talent Sven! Binnen dieser kurzen Zeit schon so weit zu kommen sollte selbst dir Dickschädel bewusst gemacht haben, dass du eben kein blutiger Anfänger bist.“

Chantal machte eine bedeutungsvolle Pause, betrachtete Sven, dem das Herz bis zum Hals schlug, verführerisch und meinte abschließend: „Und jetzt finde ich, dass es genau der richtige Zeitpunkt wäre, um auch in unserer Beziehung den nächsten Schritt zu wagen!“

„Aber…!“, wollte der junge Mann wegen seiner Verwirrung schon anheben, doch seine Freundin verpasste ihm einen leichten Schubs, sodass er nun am knorrigen Stamm einer alten Eiche lehnte, und legte zärtlich ihren Finger auf seine Lippen. „Sch Sven! Sag jetzt kein Wort und schalt einfach deinen Kopf aus.“, raunte sie ihm ins Ohr, was das Kribbeln noch verstärkte: „Dafür ist nämlich das Herz zuständig.“

Dann ergriff Chantal sacht Svens Hände, beugte sich zu ihm hinab und sie begann ihren Freund lang und leidenschaftlich zu küssen, was dieser nach seinem anfänglichen Zögern nun auch in vollen Zügen genoss.

In sicherer Entfernung standen derweil Svens Pokémon die als gewissenhafte Wächter darauf achteten, dass die beiden Verliebten von niemandem gestört wurden. Und natürlich steckten Fussel und Juwelchen die Köpfe zusammen und schmachteten. „Rocara!“ „Flamara!“ ‚Hach, der erste richtige Kuss – das war ja soooo romantisch :love:!!!‘

„Mantidea^^!“, freute sich auch Celéste überglücklich über das Liebesglück seines Trainers und wischte sich verstohlen mit seinen Fangarmen eine Träne aus den Augenwinkeln. Nur Tobi zeigte seine gewöhnliche Abneigung und fand: „Botogel :down:!“ ‚Das war ja sooo – dämlich! Mal wieder richtig übertrieben den beiden auch noch dabei zuzuschauen…‘

Demonstrativ verschränkte es seine Flügel hinter seinem Kopf und wandte sich ab, vor allem deshalb, damit seine Teamkameraden nicht sahen, wie Botogel heimlich lächelte, hinauf in den Abendhimmel sah und sich zufrieden dachte, was für ein perfekter Tag das doch heute war…

***

„Du Idiot! Stümper! Dummkopf! Du Rieseneinfallspinsel!“

Wütend bombardierte er Granbullkopf mit allen Schimpfwörtern die ihm einfielen und kam dennoch nicht aus seinem Zorn heraus. „Du hast es gewusst! Du hast von Anfang an gewusst, was dieser Fehler war!“, zürnte er weiter und hatte dabei wenigstens die Genugtuung, dass Buteau beschämt zu Boden blickte und all das über sich ergehen ließ: „Aber nur weil du dein Maul nicht aufgebracht hast, suchen wir seit mehr als einer Woche nach diesem Fehler, der so offensichtlich ist, und geraten deswegen unnötig in Verzug! Wenn man bedenkt, dass ich ausgerechnet DIR den Transport anvertraut habe… Und das du dann beinahe… Argh! Und Ivaar hatte sich schon angeboten nochmals nach dem Rechten zu sehen, aber du hast ihm versichert dass alles in Ordnung sei! Wie kann man nur so hirnverbrannt sein?!“

„Na ich habe gedacht, dass es darauf vielleicht nicht ankommt...“, wagte Granbullkopf einzuwenden, hielt dann aber sofort wieder den Mund angesichts des wütenden Blickes, denn er dafür bekam.

Am liebsten hätte er diesen dreckigen Bauern geohrfeigt, doch stattdessen murrte er böse: „Du hast da was im Gesicht Granbullkopf, das geht auf und zu, aber es kommt nur Müll heraus. Also lass es besser geschlossen!!!“

„Und wie wollen wir vorgehen Boss?“, wollte Ivaar, den dieses Schauspiel sichtlich amüsierte, er aber dennoch stets das ‚Geschäft‘ im Blick hatte, mit seiner lauernden Stimme wissen. Er wusste bereits, was zu tun sein; es war ja auch offensichtlich; und schien sich unheimlich darauf zu freuen, diese Arbeit auch selbst zu erliegen. –Nur das wie überließ er seinem Boss, schließlich hatte dieser in ja bezahlt und war für solche Dinge zuständig.

„Hm…“, machte er grübelnd und dank Ivaars Frage auch wieder halbwegs beruhigt und verschränkte die Arme: „Wenn wir diesen Coup durchziehen ist die Gefahr, dass uns die Polizei auf die Schliche kommt, verdammt groß! Die sind ja sowieso schon total wachsam, weil sie was ahnen… Halt! Grandios! Famos! Jetzt kommt mir die Idee!“

Wieder guter Dinge winkte er Granbullkopf und Ivaar zu sich heran und meinte verschwörerisch: „Also gut ihr zwei ich habe einen Plan der so genial ist, dass sogar du deinen Fehler damit wieder ausbügeln kannst Granbullkopf! Hört jetzt genau zu…“

Vierter Teil:

Kapitel 17: Svens Wunsch:

Vergnügt schloss Sven seine Haustür ab, entließ sein Team aus dessen Bällen und machte sich an diesem frühen Dienstagmorgen, seinem freien Tag also, mit diesen beschwingten Schrittes auf in die Stadt. Es war mittlerweile eine ganze Woche her, seit er beim Beizjagd-Festival teilgenommen hatte und der gewöhnliche aber dennoch schöne Arbeitsalltag hatte wieder in seinem Leben Einzug gehalten.

Trotzdem war für den junge Mann seit jenem Tag nichts mehr wie zuvor und sein Körper summte nur so vor Glück: Alles ging momentan aufwärts, seien es seine Fortschritte als Trainer oder eben seine Beziehung zu Chantal. Und es schien kein Ende in Sicht.

Seit diesem wundervollen Kuss fühlte sich Sven so, als ob alles Unglück an ihm abperlte – jeden Morgen wachte er mit einer solchen Freude auf, dass er am liebsten die Welt umarmen könnte! Selbst heute, wo ihn ein eher grauer, wolkenverhangener Tag mit kühlem Wind begrüßte, fand er, dass dies das schönste Wetter sei, um einen Ausflug zu machen^^.

Deswegen schlenderte er auch jetzt fröhlich pfeifend durch sein Viertel grüßte strahlend jeden dem er begegnete und empfand sogar die grässliche Musik, die sein Nachbar Dietbert und dessen Coco wieder fabrizierten, als angenehm. Immer wieder betrachtete er auch voller Stolz und Zufriedenheit seine Pokémon, die brav neben ihm herliefen und ihrerseits Spaß an diesem kleinen Ausflug in die Stadt hatten. Fussel mit seinem glänzenden, seidigen Fell, den geschmeidigen Muskeln und diesem immer noch erfreulichen Glanz in seinen Augen, die bezeugten, dass es sich nun voll auf sein Leben als Flamara eingelassen und so sein Glück gefunden hatte. Die wunderschöne, grazile und doch enorm starke Celéste, die durch ihre Eleganz und ihrem exotischem Flair auch nach einer ganzen Woche immer noch die neugierigen und bewundernden Blicke vieler anderer Trainer auf sich zog. Und zuletzt natürlich das eifrige Tobi, das nun seinerseits voller Stolz sein Muskelband trug, welches es auf dem Festival geschenkt bekommen hatte. Im Gegensatz zu Juwelchens Atlasschleife, die nur zur Deko da war, half dieses Band Tobi im Kampf dabei, sich besser zu konzentrieren und so stärker anzugreifen. –Ein psychologischer Effekt, den man mit dem Anlegen eines Talismans oder ähnlichem vergleichen konnte.

Aber Momentchen Mal! Da fehlte doch wer! Und zwar Juwelchen selbst!!

Tatsächlich war der junge Mann heute ohne seinen treusten Begleiter unterwegs, was inzwischen für viele Leute so unglaublich aussah, wie vor einigen Wochen noch die Tatsache, dass er ein Pokémon bei sich hatte. Und natürlich hatte dies einen ganz guten Grund: Svens Unternehmung heute war eng mit Juwelchen verknüpft und weil er es überraschen wollte, konnte es jetzt unmöglich dabei sein.

Zu diesem Zweck hatte er gestern sein Rocara noch äußerst spät am Abend in einen Trainingskampf gegen Chantals Henner eingesetzt und dafür gesorgt, dass es sich so richtig schön auspowerte – seine Freundin wusste nämlich ebenfalls, dass Sven etwas ausheckte und hatte sich nur zu gerne bereit erklärt ihm zu helfen. Der Plan ging jedenfalls perfekt auf, denn das kleine Edelsteinpokémon war noch so erschöpft, dass es nichts gegen den Vorschlag seines Trainers hatte, den Morgen doch einfach faul in seinem Bettchen zu verbringen, anstatt jetzt schon wieder raus zu müssen^^.

Allzu lang allein lassen wollte der junge Mann sein Pokémon selbstredend trotzdem nicht, weshalb er rasch sein Ziel ansteuerte, welches sich im Zentrum von Regelsberg befand und sich als das Polizeipräsidium der Stadt entpuppte!

Dieses auch schlicht ‚die Wache‘ genannte Gebäude war ein mehrstöckiger, hübscher und freundlicher Neubau mit Glasfassade auf dessen Spitze das Symbol der Mungenauer Polizei prangte. Es machte einen sehr einladenden Eindruck, was durch die vielen Leute, die hier ein und aus gingen, noch verstärkt wurde und sollte unterstreichen, dass die Polizei eben der Freund und Helfer der Menschen war.

Bevor Sven durch die schmucke Glastür ins Innere trat, zog er seine drei Pokémon in deren Bälle zurück, da es Besuchern grundsätzlich untersagt war, dort ihre Pokémon freilaufen zu lassen, trat ein und grüßte erst mal alle Anwesenden freundlich – schließlich war er ja kein Unbekannter^^.

„Guten Tag Dr. Mabuse!“, begrüßte der junge Mann als letztes ein Calamanero, welches am Empfang arbeitete, ausgelassen und fragte: „Ist Alex zufällig in seinem Büro?“

Dr. Mabuse war im Übrigen ein äußerst bemerkenswertes Calamanero: Im Gegensatz zu den üblichen Klischees die seiner Spezies anhafteten, besaß dieses Inversionspokémon einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, hatte sich als wildes Pokémon freiwillig hier gemeldet und betrachtete den freien Willen als hohes Gut. Ein Umstand der angesichts eines Pokémon, das über eine der stärksten Hypnosekräfte verfügte, vielleicht etwas befremdlich anmutete. Doch Dr. Mabuse setzte seine Fertigkeiten wirklich nur ein, wenn es darum ging seine Kameraden bei Einsätzen vor feindlicher Beeinflussung zu bewahren und stellte damit einen wichtigen und geschätzten Partner dar.

„Nero!“, bestätigte das wegen seiner Gesichtsform immer ungewollt etwas verschlagen wirkende Unlicht/Psychopokémon derweil seinem Gegenüber freundlich und bedeutete diesem mit einer Geste, dass er sofort zum Kommissar gehen konnte. „Vielen Dank Dr. Mabuse!“, antwortete Sven, ging die Treppe zum ersten Stock hinauf, folgte dem hellen und mit vielen hübschen Bildern und Topfpflanzen dekorierten Gang, bis er an der richtigen Tür stand, kurz innehielt, tief durchatmete und klopfte. Sofort ertönte ein ‚Herein‘ sodass der junge Mann die Klinke herunterdrückte und sich noch rasch dachte: „Okay, jetzt gilt’s!“

„Ah, guten Tag Sven!“, begrüßte ihn Alexandre herzlich: „Nimm ruhig Platz und sag mir, was dich extra während meiner Arbeitszeit herführt.“

Der Kommissar saß gerade an seinem alten, liebgewonnenen Eichenschreibtisch über etwas Papierkram und bot seinem Freund und Nachbarn sogleich einen Stuhl und ein Glas Wasser an. Zwar passte der Schreibtisch, ein Überbleibsel des alten Präsidiums, wegen seines dunklen Holzes und seiner wuchtigen Beschaffenheit nicht wirklich in dieses lichtdurchflutete Büro, dessen Inneneinrichtung und Architektur auf Leichtigkeit und Wärme ausgelegt war. Doch Alexandre wollte sich nicht deswegen extra einen neuen anschaffen, schließlich konnte man prima auf diesem arbeiten und wozu deshalb unnötig teures Geld ausgeben? – Zumal der Kommissar neuen Schreibtischen misstraute, seit er mitgeholfen hatte, den eines Kollegen zu montieren, was dazu geführt hat, dass man Abends einen Haufen Schrott und zerbrochene Bretter auf den Wertstoffhof bringen durfte^^.

„Also es ist etwas ganz wichtiges…“, hob Sven ziemlich verlegen an und hatte Mühe, sofort mit der Sprache rauszurücken, weil er jetzt, wo es soweit war, von einer plötzlichen Schüchternheit übermannt wurde: „Ich hab mir das jetzt schon ein paar Mal durch den Kopf gehen lassen und finde, dass die Zeit reif dafür ist!“

„Ah, ich glaube, ich weiß schon auf was du hinauswillst!“, entgegnete Alexandre mit einem wissenden Lächeln und fügte schmunzelnd hinzu: „Jetzt ist es noch nicht mal ganz zwei Monate her und doch willst du aufs Ganze gehen, dass gefällt mir! Allerdings hat man vor allem in letzter Zeit gesehen, dass du auch bereit dafür bist.“

„Und wie ich das bin!“, bekräftigte der junge Mann eifrig und freute sich, weil sein Freund sofort seine Belange verstanden hatte.

„Das sieht man gleich.“, meinte der Kommissar weiter schmunzelnd: „Sonst würdest du ja nicht gleich zu mir ins Büro rennen. Du willst das zuerst mit mir besprechen, bevor du Palmyre was davon erzählst – so von Mann zu Mann, das kann ich gut verstehen.“

„Hä, was hat Palmyre damit zu tun?“, fragte Sven verständnislos und hatte das Gefühl, dass sein Freund offenbar seine Belange doch nicht richtig verstanden hatte.

„Was meine Frau damit zu tun hat?“, echote der Kommissar grinsend: „Sehr viel würde ich sagen! Schließlich willst du mir doch durch die Blume zu verstehen geben, dass du um Chantals Hand anhalten willst! Und ich kenn dich doch: In solchen Sachen bist du noch ziemlich schüchtern, weshalb du erst mich allein um meinen Segen bitten willst, haha! Ist doch so, nicht? Haha!“

Jetzt entgleisten die Gesichtszüge des jungen Mann völlig. „Du… du glaubst… das ich Chantal heiraten will :o :oops:?!“, stammelte er verdattert, schüttelte heftig den Kopf, bemerkte, dass das blöd war und stammelte deshalb noch mehr und ganz hastig: „Nein, nein! Das… Das siehst du ganz falsch Alex! Ich will Chantal gar nicht heiraten… Ähm, ich meine ich will sie jetzt noch nicht heiraten! Ich würde sie gerne eines Tage fragen ob sie meine Frau werden möchte, aber das ist jetzt noch viel zu früh…! Also ich will eigentlich auf etwas ganz anderes hinaus! Ähem, ja :tja:…“

„Halb so wild.“, sprach Alex verständlich und machte eine beschwichtigende Gebärde: „Da war ich wohl zu voreilig, auch wenn du meiner Meinung nach schon bereit wärst, aber da will ich dir nicht reinreden^^. Allerdings spür ich doch, dass dir etwas unter den Nägeln brennt, was dir mindestens genauso wichtig wie die Beziehung zu meiner Tochter ist. Darum nur freimütig raus mit der Sprache, deswegen bist du doch auch hier!“

„Also gut…“, hob Sven erneut an, sammelte sich und vielleicht auch wegen dieses Missverständnisses konnte er mit fester Stimme seinen Wunsch äußern: „Ich möchte, dass du für meinen einen ‚Erlaubnisantrag‘ in die Wege leitest Alex.“

Plötzlich wurden die Züge des Kommissars ernster und nachdenklicher und er nickte verständig. „Ach darum ging es dir eigentlich… Dir ist es also richtig ernst damit, was?“, murmelte er nun und sah seinem Freund eindringlich in die Augen: „Aber woher weißt du von diesem Antrag? Den kennt nämlich kaum einer.“

„Von Rosé, einer jungen Frau vom Zuckerschock-Orden.“, erklärte der junge Mann sofort und legte alle Fakten, die er wusste, auf den Tisch: „Ich hab ihr vor einiger Zeit meine Geschichte um Juwelchen geschildert und sie hat sich für mich etwas schlau gemacht und mir Vorgestern eine E-Mail geschickt. Ich weiß, dass ich für Juwelchen, welches ein geschütztes Pokémon ist, ja normalerweise einen ‚Besitzantrag‘ bei der Pokémonbehörde stellen müsste. Aber weil unter anderem du selbst gesagt hast, dass Rocara wahrscheinlich gestohlen worden und damit Teil eines Verbrechens sei, würde mein Antrag aus diesem Grund dort sofort abgelehnt werden.

Das ist der Grund, warum ich gleich zu dir gekommen bin Alex. Du als Kommissar hast die Befugnis mit dem besonderen Erlaubnisantrag bei den Behörden darum zu bitten, dass ich Juwelchen behalten darf, obwohl es nur aufgrund einer kriminellen Handlung hier in dieser Region gelandet ist. Genauso ein Antrag wurde doch auch Suzanne zuteil, damit sie ihr Shardrago behalten durfte.“

„Der Zuckerschock-Orden also… Verstehe, die wissen sowas natürlich auch.“, brummelte der Kommissar zunächst, wobei es schwer war, sein Gesicht zu deuten. Auf jeden Fall wirkte er scheinbar erleichtert, fast so, als hätte er befürchtet, dass Sven irgendwas weiß, was er besser nicht wissen durfte.

Dann machte sich aber auch schon wieder ein breites Grinsen auf Alexandres Gesicht breit und er scherzte: „Soso Sven! Du bandelst mit den Frauen von einflussreichen Organisationen an, um an Informationen zu gelangen, haha! Kaum ein Trainer und schon wirst du zu einem Casanova, haha!“

Auch wenn es nur ein offensichtlicher Scherz war, lief Sven sofort hochrot an. Allein die Vorstellung, dass er ein Womanizer sein solle… Das war so glaubhaft wie die Flugfähigkeiten eines Digdris oder die Reaktionsschnelle eines Lahmus!

„Beruhig dich wieder Sven, haha. Jeder weiß doch das du ein ‚braver Junge‘ bist, haha.“, lachte der Kommissar amüsiert – auch er ärgerte seinen Freund ab und zu gerne mal, was eindeutig die Verwandtschaft zu Chantal unterstrich – und holte nun versöhnlich gefühlt ein halbes Buch an Formularen nach einigem Suchen aus seinem Schreibtisch: „Schön, dann wollen wir uns gleich mal an deinen Antrag machen…“

Es dauerte sage und schreibe fast 20 Minuten, bis die beiden dieses bürokratische Ungetüm, dessen Blätter auf beiden Seiten und dazu noch sehr eng bedruckt waren, ordentlich ausgefüllt hatten. Danach jedoch fühlte sich Sven so unglaublich leicht und wohlig ums Herz. Er hatte alles in seiner Macht stehende getan, um dafür zu sorgen, dass Juwelchen bei ihm bleiben durfte. Der Rest lag nicht mehr in seiner Hand.

„So damit wären wir fertig!“, fand auch Alexandre zufrieden und heftete das Formular ab, bevor er es später wohl noch eigenhändig abschicken würde. „Weiß meine Tochter oder dein Pokémon von dem hier?“, fragte der Kommissar danach interessiert seinen Freund. „Chantal schon, aber Juwelchen nicht.“, antwortete der junge Mann voller Vorfreude: „Es soll doch eine Überraschung für es werden. Und um diese noch schöner zu machen, hat Chantal sogar schon extra einen Ball für es entworfen!“

Sven holte eine Skizze hervor, auf der die Konzeptzeichnung eines grauen, mit hellblauen Strasssteinchen verzierten Balles zu sehen war, der perfekt zu Juwelchen passen würde.

„Oh ja, da hat sich meine Tochter wieder mal selbst übertroffen! Ich bin schon gespannt, wie dieser Ball wohl ihn echt aussieht.“, pflichtete Alexandre zustimmend bei, wollte dann aber noch etwas ernsteres sagen, doch der junge Mann hob rasch die Hand. „Ich mache mir keine Illusionen Alex.“, erklärte Sven gefasst, wobei seine Stimme dennoch bei diesem unschönen Gedanken leicht bebte: „Es gibt keine Garantie, dass die zuständigen Behörden diesen Antrag auch genehmigen, das weiß ich. Aber du kannst mir doch nur zustimmen, wenn ich sage, dass ich es wenigstens versuchen muss! Nur wenn ich gar nichts tun würde, hätte ich gleich verloren. Ich möchte Juwelchen wirklich sehr gerne bei mir behalten, wir haben so viel erlebt und es hat mir doch erst dieses neue Leben ermöglicht…“

Nun bemühte sich Sven um ein heiteres Lächeln, was ihm beim Gedanken an Chantals Kuss glücklicherweise rasch gelang, und meinte deutlich fröhlicher: „Und schließlich besteht ja auch die Chance, dass es mir vielleicht doch erlaubt wird. Mit Pessimismus ist keinem geholfen, ich erwarte einfach das Schlimmste und hoffe auf das Beste, haha!“

„Das ist eine sehr weise Einstellung Sven.“, konnte sein Freund da nur anerkennend sagen und weil nun alles erledigt war, reichte er dem jungen Mann die Hand und man verabschiedete sich voneinander. „Und keine Angst Sven: Diesen Schrieb werden die Leute heute noch bekommen, dafür sorge ich persönlich!“, versicherte ihm Alex noch beim hinausgehen und unterstrich: „Wenn ich die Zuständigkeit für so was hätte, würde Juwelchen schon dir gehören, keine Frage! Ihr zwei und auch deine anderen Pokémon seid ein echt gutes Gespann, haha. Also halt die Ohren steif Kumpel! “

„Uff… Das wäre geschafft!“, seufzte Sven wieder außerhalb des Präsidiums erleichtert wie befreit und entließ seine anderen Pokémon wieder aus ihren Bällen. „Was haltet ihr davon, wenn wir noch einen klein Abstecher zum Denkmal machen? Ich würde mir gerne noch eine kleine Pause auf der Parkbank gönnen, bevor wir wieder zurück gehen. Und ihr könntet solange dort spielen.“, schlug er seinem Team vor, denn er konnte jetzt unmöglich sofort wieder Heim. Diese ganze Sache wühlte ihn nämlich mehr auf, als er gedacht hatte, was jedoch wenig verwunderte. Schließlich hatte er sich nun seiner Angst, Juwelchen wieder weggeben zu müssen, endlich entgegengestellt und die Initiative ergriffen – mit ungewissem Ergebnis, auf das er im Grunde nie Einfluss hatte nehmen können. Deswegen wollte er sich erst wieder etwas beruhigen und dieses in Gang gebrachte Gedankenkarussell aus ‚sagen sie Ja oder sagen sie doch Nein‘ stoppen.

Da die Pokémon des jungen Mannes auf diesen Vorschlag sofort freudig eingingen, zumal sie ja auch spürten, wie es ihrem Trainer ging, saß dieser deshalb keine fünf Minuten später auf einer Bank in einer der vielen lauschigen Parks der Stadt und betrachtete gedankenversunken einfach das dort aufgestellte Denkmal um sich wieder zu sammeln.

Dieses stellte übrigens den berühmten Herzog Hieronymus Heinrich von Bauzhausen und sein Pokémon-Team in Originalgröße dar – namentlich waren dies sein Hypno, Skelabra, Milotic, Durengard, Calamanero und eben sein mächtiges Stahlos, welches als eines der ersten Mega-Pokémon außerhalb von Kalos oder Hoenn galt. Wobei man erwähnen musste, dass vom Stahlboapokémon wegen seiner enormen Größe lediglich dessen Kopf nachgebildet wurde.

Anders als viele andere Herrscher zu seiner Zeit, war es dem Herzog wichtig gewesen, sich der Nachwelt so zu präsentieren, wie er wirklich aussah. Deswegen stand dort auch eine Statue, die ein fein gekleidetes aber schmächtiges, kränkliches Männlein, mit schmalem Gesicht und kurzem Spitzbart zeigte. Denn körperlich war Herzog Heinrich nie ein Höhenflieger gewesen und hatte stets mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die ihn oftmals für Wochen ans Krankenbett fesselten. Dafür jedoch hatte der Herzog eine erstaunliche Willenskraft besessen und auch jetzt, wenn man in die kleinen, listigen Augen dieses steinernen Abbildes blickte, war seine Gewitztheit und bisweilen auch durchtriebene Gerissenheit förmlich spürbar.

Deutlich ins Auge sprangen einem auch unweigerlich die Nachbildung des prächtigen Siegelrings am linken Ringfinger des Herzogs und das opulent verzierte Amulett am Kopf von Stahlos in denen jeweils der Schlüsselstein beziehungsweise der Stahlosnit angebracht waren. Der Legende nach soll Herzog Heinrich auch befohlen haben, nach seinem Ableben diese Steine hier in die Statuen einzufassen. Freilich nur ein hübsches Märchen; oft genug schon haben sich in den letzten Jahrhunderten irgendwelche Knallköpfe an diesem Denkmal vergriffen, nichts gefunden aber dafür enormen Schaden verursacht…

Dennoch umgab diesen Ort ein Hauch von Geheimnis und für Sven zählte das Denkmal zu einer der Stellen, die er aufsuchte, wenn er in seinem Kopf wieder für Klarheit sorgen wollte. Denn irgendwie half ihm diese Atmosphäre immer beim Nachdenken und auch heute stellte sich der Erfolg rasch ein:

Nach einer knappen Viertelstunde hatte sich der junge Mann nämlich wieder so weit beruhigt, dass er schon wieder lächeln konnte, beschwingt von der Bank aufstand und fröhlich nach seinen Pokémon, die bis dato im umliegenden Gebüsch herumgetollt waren, rief. „Das hat gut getan!“, fand Sven zufrieden, zückte seine Pokébälle und grinste: „Und jetzt ab nach Hause! Juwelchen wird sicherlich schon langsam ungeduldig sein :lol:.“

Wieder guter Dinge steuerte der junge Mann lächelnd und mit flinken Schritten sein Viertel an, den Kopf voller Ideen was er heute noch alles mit seinem Team unternehmen möchte. Der Tag war noch jung und steckte sicherlich voller Überraschungen!

…Leider aber auch von solchen, die man weniger brauchte…

„Sven! Meine Güte wie schön, dass ich dich hier treffe!“, wurde dieser nämlich kurz vor dem Einbiegen in sein Viertel geradezu überschwänglich von Jemandem, der ihm gerade über den Weg lief, begrüßt. Und zwar von Isonaplogius Karrasch, dem Inhaber des gleichnamigen Rauchglaswarenladens, welches Sven ja vor einiger Zeit besucht und wegen Isonaplogius‘ ellenlanger und einschläfernder Familiengeschichte auch eiligst wieder verlassen und seitdem nie wieder betreten hatte^^.

„Wir haben uns ja lange nicht mehr gesehen, was?“, sprach Herr Karrasch deswegen auch gleich fröhlich weiter, zupfte an seinem mächtigen Backenbart und dann an seiner Kleidung, wobei auffiel, dass er sich scheinbar noch teurere und feinere Anzüge und Hosen geleistet hatte: Er sah heute nämlich noch viel geschmackloser aus, als beim letzten Mal.

„Öhm… Ja?“, antwortete Sven verdutzt und unsicher. Er wusste nicht so recht, was dieser Kerl von ihm so plötzlich wollte und fürchtete schon, dass dieser Karrasch ihm erneut eine ausgiebige Führung durch sein stinklangweiliges Familienmuseum anbieten, beziehungsweise ‚aufbürden‘ wollte.

„Naja, in deinem Falle Sven muss man aber sagen, dass man dich in letzter Zeit ziemlich oft sieht.“, plauderte Isonaplogius ein einem fort und schien die Irritation seines Gegenübers gar nicht zu bemerken: „Vor allem seit deinem Debüt auf dem Beizjagd-Festival… Die Zeitungen, ja auch das Fernsehen… Irgendwo fällt immer dein Name oder widmet man dir einen kleinen Artikel. Du bist ganz klar ein aufsteigender Newcomer und deswegen bin ich auch hier!“

Er machte eine theatralische, völlig unnötig in die Länge gezogene Pause, zupfte dabei wie immer vergebens an seiner feinen, aber völlig unpassend zusammengestellten Kleidung herum und kam dann endlich auf den Punkt.

„Möchtest du nicht als Werbefigur für meinen Laden arbeiten?“, schlug ihm Herr Karrasch allen Ernstes vor und verlor sich gleich in seinen ausschweifenden Visionen: „Du als aufsteigender Trainer wärst doch das ideale, frische und unverbrauchte Werbegesicht für meine Rauchglaswaren! Und darüber hinaus hege ich noch weitere Pläne, oh ja! Ich will noch eine Menge anderer neuartiger und revolutionärer Produkte entwickeln, für die du dann werben und dir einiges daran verdienen könntest! Ein Beispiel gefällig?“

„Ach, das muss doch nicht sein.“, entgegnete Sven unwillig, doch angesichts der Begeisterung von Isonaplogius wettete er mit sich selber, dass dieser das gar nicht gehört hat – er gewann dabei übrigens…

„Weil du doch Bäcker bist, würde dich doch mein neu entwickeltes ‚Roggen-Instabil‘ richtig interessieren, nicht wahr?“, quasselte der Karrasch wie befürchtet einfach weiter: „Unter Zuhilfenahme meines genialen Mittels, welches man ganz bequem als Pulver dem Teig zufügen kann, wird garantiert aus jedem Teig ein breiter, flacher Fladen der viel kürzer zum Backen braucht, als wenn es ein normales Brot wäre. Grandios, oder?“

„Oh und wie…“, antwortete der junge Mann ironisch und verzichtete darauf, seinem Gegenüber zu erklären, dass man gerade bei Roggenteigen wegen ihres schwächeren Klebereiweißes darum bemüht war, diesen stabil zu halten, damit die einzelnen Brotlaibe dann später eben NICHT zu einem unansehnlichen Fladen auseinanderliefen :roll:

Völlig unvermittelt begann auf einmal der Holo-Log von Herr Karrasch zu läuten, was – Arceus sei Dank! – dafür sorgte, dass dessen Redeschwall unterbrochen wurde. Scheinbar handelte es sich um einen äußerst wichtigen Anruf, denn kaum, dass Isonaplogius die Nummer erblickte, hob er eiligst und aufgeregt ab, schaltete jedoch sein Gerät so um, dass kein Hologramm erschien.

„Ja, Karrasch hier… Was gibt es denn? Was?! Du bist fertig?! Wunderbar! Sehr schön! Gut! Ich mach mich unverzüglich auf den Weg, haha!“, hörte Sven den Kerl eifrig in sein Gerät sprechen und sein vor Freude ganz aufgewühltes Gesicht weckte im jungen Mann die Hoffnung, dass er vielleicht nun in Ruhe wieder seiner Wege ziehen konnte.

Dem war zum Glück auch so^^.

Kaum, dass der Karrasch sein Telefonat beendet hatte, sah er den jungen Mann mit einer aufgesetzten Miene von Bedauern an, die seine Vorfreude nur schlecht überdeckte, und hätte sich am liebsten ohne eine Erklärung sofort auf den Weg gemacht, rang sich aber dennoch zu einer durch.

„Ich bitte vielmals um Verzeihung Sven, dass unser erheiterndes Gespräch ein so jähes Ende gefunden hat, aber ich habe gerade etwas sehr, ja sogar äußerst wichtiges erfahren und muss sofort zurück in meinen Laden.“, sprach Isonaplogius zum Abschied und setzte sich bereits in Bewegung: „Wir können ja ein andermal über mein Angebot reden. Ich hoffe, dass stört dich jetzt nicht zu sehr.“

„Aber nicht doch Herr Karrasch.“, entgegnete Sven ehrlich und seufzte innerlich erleichtert: „Gehen sie ruhig und kümmern sie sich um ihre so dringende Angelegenheit, das verstehe ich schon. Einen schönen Tag noch.“ „Danke für dein Verständnis Sven, dir wünsche ich auch noch einen schönen Tag, haha!“, lachte Herr Karrasch voll diebischer Freude und verschwand eiligen Schrittes - was wegen seiner rundlichen Statur und mangelnden Kondition rasch dafür sorgte das er schnaufte wie eine alte Lokomotive - alsbald aus dem Sichtfeld des jungen Mannes.

„Puh…“, seufzte er gleich noch mal: „Den bin ich los… Da hab ich nochmal Glück gehabt! Aber gut, jetzt auf zu Juwelchen!“

Der junge Mann setzte nun seinerseits seinen Weg fort und je näher er seinem Haus kam, umso schneller wurden seine Schritte. Ein plötzlicher Anflug von Unwohlsein hatte sich seiner bemächtigt und eine unbestimmte Ahnung drängte ihn förmlich dazu, nach Juwelchen zu sehen…

Irgendetwas stimmte auf einmal ganz und gar nicht mehr, das fühlte er in jeder seiner Zellen!

Dieses ungute Gefühl wurde nochmals erheblich verstärkt und unterstrichen von der Tatsache, dass sich, als sein Haus schon in Sichtweite war, seine Pokémon aus ihren Bällen befreiten und ebenfalls ganz angespannt waren. „Mara!“, knurrte Fussel da zum Beispiel mit angelegten Ohren und gesträubten Fell und sah genauso wie Tobi und Celéste seinen Trainer eindringlich an. Sie mussten sofort nach Hause, da ist etwas passiert!!!

Jetzt konnte und wollte Sven nicht mehr an sich halten! Er legte die letzten Meter im Spurt zurück, stand vor seiner Tür und sah vor Schreck, dass diese gar nicht mehr geschlossen sondern lediglich angelehnt war! Feine Kratzspuren am Schloss zeigten deutlich, dass sich jemand daran zu schaffen gemacht hatte.

„Bei Arceus, da ist Jemand eingebrochen!“, schoss es dem jungen Mann durch den Kopf und voller Angst um Juwelchen stieß er die Tür auf und wollte schon laut nach ihm rufen. Aber er brachte kein einziges Wort heraus, denn kaum, dass er seine Haustür aufgestoßen hatte, wehte ihm eine betäubende Wolke aus Pilzsporen entgegen. Er wäre wohl bewusstlos umgefallen, wenn ihn Fussel und Tobi nicht geistesgegenwärtig weggezogen hätten, sodass Sven gerade noch so bei Sinnen bleiben konnte.

„Nein Juwelchen!“, schrie Sven verzweifelt, denn ihn beschlich jetzt eine fürchterliche Ahnung: „Wir müssen irgendwie da rein und nachsehen… Sofort!“ „Mantidea!“, rief Celéste da entschlossen aus und betrat für seinen Trainer vorsichtig das Gebäude, schließlich war sie als Pflanzenpokémon ja immun gegenüber solchen Sporenangriffen. Trotzdem musste Mantidea behutsam zu Werke gehen, es konnte ja keiner sagen, ob sich der Übeltäter nicht noch im Haus aufhielt.

Quälend lange Sekunden verstrichen, bis Celéste wieder heraustrat, völlig niedergeschlagen wirkte und dabei etwas in ihren Fangarmen hielt. Sven rutschte das Herz in die Hose, als er dieses Etwas erkannte: Es war Juwelchens Atlasschleife, die sein Mantidea ihm da brachte und daran war ein Zettel angebracht auf dem stand:

‚Danke fürs Aufbewahren, du Pfeife!‘

Erledigt und kreidebleich sackte der junge Mann an Ort und Stelle zusammen und ihm schien es den Boden unter den Füßen wegzuziehen angesichts dieser grausigen Gewissheit, denn er hatte die Handschrift sofort wieder erkannt!

„Juwelchen… Nein…“, stammelte Sven völlig fertig und wusste weder ein noch aus. Denn es war einfach zu furchtbar…

Ivaar der Knochenlose hatte Juwelchen gestohlen!

***

„Caaaraa...“, stöhnte Juwelchen und hatte große Mühe seine Augen aufzumachen. Es fühlte sich immer noch ganz benebelt und wusste zunächst gar nicht wie ihm geschah. Erst nach ein paar weiteren Minuten verloren die Pilzsporen endlich ihre Wirkung und das kleine Gesteinspokémon konnte wieder klarer denken.

„Ro…? Rocara?!“, rief es verwirrt aus und sah sich ratlos um. Es war in einen kleinen, engen Käfig gesperrt der irgendwo in einem halbdunklen Raum stand. Wie kam es hierher? Was war passiert?

„Rocara!“

Plötzlich fiel Juwelchen alles wieder ein! Es hatte bis eben doch noch faul und gemütlich in seinem Bettchen ins Svens Haus gelegen und sich gerade gedacht, wann er und die anderen wieder heimkehren würden… Da… Ja da hatte es Geräusche an der Tür gehört. Und als es nachsehen wollte, stand es auch schon diesem zaundürren Kerl in kramurxschwarzem Mantel entgegen! Diesem gemeinem Dieb, dem es damals in Walkerzell auf die Füße gesprungen war! Doch diesmal war sein Parasek sofort zur Stelle und hatte augenblicklich eine Wolke seiner Pilzsporen verstreut…

Rocara hatte nicht den Hauch einer Chance. Es konnte sich nur noch daran erinnern wie es verzweifelt aber doch vergeblich gegen den Schlaf angekämpft hatte und dann war nur noch nichts… Nichts und Schwärze.

„Cara!“, entfuhr es Juwelchen schockiert. Dieser fiese Kerl hatte es entführt! Aber wo war es hier bloß?

Auf einmal vernahm es ein paar anderen Stimmen die Juwelchen völlig überraschten, denn sie sprachen ebenfalls: „Rocara? Cara?!“

„Ro! Rocara?!“ Juwelchen riss erstaunt die Augen auf, als ihm gewahr wurde, dass sich noch weitere Käfige hier im Raum befanden und in diesen waren doch tatsächlich andere Rocara gefangen! Und das waren nicht irgendwelche. Nein, das waren seine Kumpels aus der Spiegelhöhle! Die ganze siebenköpfige Gruppe, mit der Juwelchen bis vor einigen Monaten gemeinsam durch die Höhle getingelt ist. Wie kamen die denn hierher? Was wurde hier gespielt?!

„Cara?“ Seine Freunde schienen Juwelchens Verwunderung zunächst nicht zu verstehen, bevor es ihnen wieder einfiel: Rocara hatte von ihrer Entführung als einziges nichts mitbekommen, weil es komplett überrascht wurde. Es konnte also gar nicht wissen, dass sie alle diesem Kerl und seinem Parasek damals zum Opfer gefallen waren!

Rasch schilderten die anderen Rocara so knapp wie möglich die vergangenen Geschehnisse und waren trotz der misslichen Lage, in der sie alle steckten, sichtlich erleichtert darüber, dass es ihrem Freund gut ging. Denn manche von ihnen hatten mitgekriegt, wie Juwelchen - zu diesem Zeitpunkt noch im Tiefschlaf - bei diesem Unfall aus dem Transporter in den Fluss gefallen war und sich große Sorgen gemacht. –Warum es jetzt auf einmal einen Spitznamen und in all dieser Zeit, in der sie hier schon gefangen waren ,erlebt hatte, fragten sie natürlich nicht. Dies war nämlich verständlicherweise der denkbar schlechteste Augenblick für sowas!

Noch ehe Juwelchen diese ganzen Informationen zu einem stimmigen Muster zusammenfügen konnte, wurde plötzlich eine Tür aufgerissen und das Licht eingeschaltet. Von der Helligkeit geblendet schlossen alle Rocara die Augen und so konnten sie zuerst nur hören wie einige Leute den Raum betraten und eine, Juwelchen nur zu bekannte Stimme, kalt wie Eis, Befehle erteilte. „Los die Maschine ist bereit und der Boss wartet schon!“, begann dieser Jemand, der selbstredend Ivaar der Knochenlose war, herrisch: „Jeder von euch nimmt sich einen Käfig und öffnet ihn erst, wenn ICH es sage, klar?“

Zustimmendes Gemurmel erhob sich, bevor Juwelchen, dessen Augen sich langsam an das Licht gewöhnt hatten, hilflos mit ansehen durfte, wie ein Haufen zwielichtiger Typen die Käfige mit seinen Freunden aus diesem Raum schafften. Natürlich ging der zwielichtigste von allen auf Juwelchen selber zu. „Und um dich kümmere ich mich persönlich!“, erklärte Ivaar mit einem kalten Grinsen und voll Genugtuung in seiner Stimme fuhr er süffisant fort: „Es wird mir ein Vergnügen sein, dich eigenhändig in diese Maschine zu stopfen, hehe. Genauso wie es mir ein Vergnügen war deinem dämlichen Trainer das Herz zu brechen, als ich dich gestohlen habe, hehehe!“

„Cara!“, zischte das kleine Edelsteinpokémon wütend, funkelte Ivaar böse an und hätte sich am liebsten mit Leibeskräften gewehrt, doch der Käfig war zu eng für einen Angriff, zumal es durch die Pilzsporen immer noch geschwächt war. Ivaar ließen diese leeren Drohungen herzlich kalt und so musste es sich Juwelchen ohnmächtig gefallen lassen, wie der Knochenlose ihn einen anderen, abgedunkelten Raum voller sonderbarer Apparate, blinkenden Lichtern und einigen großen Bildschirmen auf denen man unter anderem eine weitere merkwürdige Maschine sehen konnte, brachte.

Das ‚Herzstück‘ dieses Raumes waren aber acht in einer Reihe aufgestellte, kapselartige Behälter die irgendwie Ähnlichkeit mit einem übergroßen Batteriefach hatten. Einem Batteriefach aber, dessen Form so beschaffen war, dass man ein Rocara dort hineinsetzen konnte, erkannte Juwelchen sofort schockiert!

„Das nennt man ‚die Gnade der späten Erkenntnis‘! Viel Spaß, hehe!“, ätzte Ivaar bei diesem Anblick schadenfroh, gab ein Zeichen, sodass sich die Bodenfächer der Käfige auf Knopfdruck öffneten und die acht Rocara in je einen dieser Behälter purzelten. Gleich darauf schloss sich diese blitzschnell mit einer Art Glas und drahtartige Fesseln umschlangen je eines der kleinen Gesteinspokémon.

Das Ganze ging so schnell, dass keines der Rocara die Möglichkeit hatte, etwas dagegen zu unternehmen. Und jetzt war es zu spät! Mit einem Mal durchfuhr Juwelchen ein leichter, aber doch anhaltender und lähmender Schmerz, ganz so, als würde man ihm, genau wie einer Batterie, die Kräfte absaugen!

Juwelchen spürte, dass es nicht dadurch nicht sterben würde, aber es war gefangen und würde sich niemals aus eigener Kraft befreien können.

„Ro… Cara…!“, winselte es unter Aufbietung all seiner Willenskraft noch verzweifelt, weil es merkte, dass es unweigerlich in eine Art Dämmerzustand glitt, während es sich weiter vor Schmerzen wandte.

‚…Sven… HILFE!‘


Kapitel 18: Zeit des Verlusts

Hilflosigkeit…

Fürchterliche Hilflosigkeit…

Dieses schreckliche, übermächtige Gefühl war fast das Einzige, was Sven gerade empfingen konnte. Wie versteinert saß er immer noch am selben Ort vor seinem Haus und nahm die Aktivitäten seiner Umgebung nur gedämpft und weit weg, wie durch einen dichten Schleier, wahr.

Die Einsatzwägen mit Blaulicht, die vielen Polizisten, die in weiße Schutzanzüge gehüllten Leute von der Spurensicherung die zusammen mit ihren Pokémon nun sein Haus betraten, ja sogar seinen Freund Alexandre, der diesen Einsatz leitete und dem die Bestürzung ins Gesicht geschrieben stand…

…All das schien der junge Mann gar nicht richtig mitzubekommen, obwohl er selbst es war, der wie in Trance nach einiger Zeit die Polizei gerufen hatte.

Sein einziger Trost in diesem Moment, den er auch spüren konnte, waren seine Pokémon, die dicht gedrängt bei ihm saßen und seine Freundin Chantal, die sich und ihren Freund in eine Decke gewickelt hatte und Sven tröstend in ihre Arme nahm. Dabei tat die junge Frau ihm den Gefallen und sprach ebenfalls kein Wort, war nur einfach für ihn mit ihrer Liebe und ihrer Nähe da und streichelte sacht und tröstlich sein Haar, während er unentwegt stammelte: „Juwelchen… Er hat es gestohlen… Er hat es einfach gestohlen… Und ich habe nichts dagegen tun können… Nichts…“

Es war wie in einem dieser bösen Träume aus denen man aufwachen wollte, aber nicht kann. Und das Schlimmste an dieser Sache war ja wohl, dass es eben kein Traum war! Dieses fürchterliche Verbrechen hatte sich wirklich ereignet!

Erst im Verlauf der nächsten Stunden löste sich Svens körperliche und geistige Schockstarre langsam auf, doch das machte die Sache nicht besser. Jetzt war es ihm nämlich richtig bewusst, dass sein armes Juwelchen ausgerechnet von diesem grausamen Ivaar gestohlen wurde und sich nun in seiner Gewalt befand…

Eine fürchterliche Gewissheit!

Es war ja schon schlimm, wenn man von einem Pokémondiebstahl hörte, der sich weit weg ereignete. Schon bei sowas empfand Sven tiefes Mitleid mit den Betroffenen und wollte sich gar nicht ausmalen, wie sich der oder die Ärmste wohl fühlen mochte. Doch nun musste der junge Mann dies unfreiwillig am eigenen Leib erfahren und durfte leidvoll feststellen, dass dies noch eine ganz andere Dimension hatte, die man sich als Außenstehender gar nicht vorstellen konnte und er niemanden wünschte.

Sven fühlte sich so hilflos, so verzweifelt und müde, sooo müde. Nur mit Mühe und mit der Hilfe seiner Pokémon und Chantal gelang es ihm, wieder auf die Beine zu kommen, die wegen dieses langen und ungemütlichen Sitzens ganz steif waren. Fertig wie der junge Mann war, verzichtete Alexandre darauf, ihm irgendwelchen Dinge über diesen Einbruch zu erzählen, sondern versicherte ihm nur, mit allem, was er und seine Leute an Ermittlungsarbeit aufbieten konnten, dafür zu sorgen, dass sie Juwelchen so bald wie möglich finden würden.

Und seine Freundin erklärte ihm, während sie ihn sacht an der Hand nahm, dass er in den nächsten Tagen bei ihr schlafen könne, bis sein Haus von den Sporen gereinigt und wieder hergerichtet sei. Widerstandslos ließ er sich von ihr deshalb zu ihrem Haus führen, warf sich augenblicklich und ohne sich umzuziehen auf das zu einem gemütlichen Bett umfunktioniertem Sofa und fiel sofort in einen bleiernen, erschöpften und dennoch unruhigen Schlaf in dem Chantal immer wieder ihren Freund traurig nach Juwelchen rufen hörte…

Nachdem er die ersten beiden Tage völlig apathisch und deprimiert herumsaß, einfach ohne viel Freude aß, was ihm Chantal vorsetzte und ihr Haus nicht verlassen hatte, ging es Sven den Umständen entsprechen wieder etwas besser. Jetzt konnte und wollte er nicht länger tatenlos herumsitzen. Er musste etwas tun! Unbedingt um sich wenigstens etwas von diesem schmerzvollen Verlust abzulenken, sich zu betäuben! Ansonsten, so war er sich sicher, würde er von diesen kummervollen Gedanken, die ihn pausenlos plagten, noch irgendwann durchdrehen!

In dieser Hinsicht war es fast schade, dass Maître Hourdequin ihn freigestellt hatte; auf der Arbeit hätte er vielleicht etwas Ablenkung gefunden. Doch der junge Mann hatte zu viel Verstand, als das er nicht selber darauf kam, dass sein Meister ihn davor bewahren wollte, sich exzessiv in die Arbeit zu stürzen. Damit half er keinem – vor allem nicht sich selbst.

Aus diesem Grund widmete er sich wieder völlig dem Training seiner Pokémon. Gemeinsam mit Chantal unternahm er lange Wanderungen durch die Regelsberger Leiten und andere Orte, an denen sie gegen viele, viele Trainer und wilde Pokémon kämpfen konnten, wenn sich der junge Mann nicht gleich mit seiner Freundin duellierte. Bei solchen Unternehmungen kamen sie oftmals erst kurz vor Sonnenuntergang wieder zurück, waren völlig ausgepumpt, aber glücklich – sogar Sven, der zumindest für eine Weile auf andere Gedanken kam!

Und sei es auch nur für einen kurzen Moment, aber wenn Chantal den jungen Mann wenigstens für ein paar Minuten lächeln sah und er in der Zeit eines hitzigen Kampfes mal nicht traurig an Juwelchen dachte, war ihr das die ganze Anstrengung mehr als Wert! Dabei achtete die junge Frau natürlich sehr darauf, dass sich Sven dabei trotzdem nicht zu sehr verausgabte, wobei dies keine schwere Aufgabe war, denn sie wurde ja von Tobi, Fussel und Celéste eifrig unterstützt, die hingebungsvoll ihrem Trainer Trost und Zuspruch spendeten.

Ganz besonders Fussel tat sich hier hervor, was wenig verwunderte. Schließlich wusste Flamara ja am eigenen Leib, wie es ist, in einem Tief gefangen zu sein. Und da Sven in dieser schweren Zeit immer für es da war, tat das Feuerpokémon nun einfach das Gleiche – man könnte fast behaupten, sie hätten die Rollen getauscht.

Natürlich war dies nur ein sehr oberflächlicher Vergleich, welcher der genauen Situation nicht gerecht wurde. Denn die Lösung für Fussels Problem seinerzeit lag von Anfang an bereits tief in seinem Inneren: Die Akzeptanz, sein Leben mit einer neuen und eigentlich nicht gewollten Erscheinung weiterführen zu können.

Bis Sven hingegen im schlimmsten Fall über den gewaltsamen Verlust von Juwelchen hinweg sein würde, wenn er es denn überhaupt schaffte, würden Monate, wenn nicht sogar Jahre vergehen. Und selbst dann würden tiefe Narben in seinem Herzen und seiner Seele zurückbleiben, die immer und immer wieder manchmal zu bluten anfangen würden… Er würde einfach nie mehr der Gleiche sein wie zuvor…

Was die Ermittlungsarbeit anging, hielt sich Alexandre sehr zurück. Da er seinem Freund keine falschen Hoffnungen über einen schnellen Erfolg machen wollte, informierte er lediglich immer wieder seine Tochter über den aktuellen Fortschritt, der momentan leider eher bescheiden ausfiel. Und wenn Sven doch mal nachfragte sah sich der Kommissar gezwungen ihm mit allen Zeichen des Bedauerns immer wieder zu erklären, dass er darüber keine Auskünfte machen dürfte. Glücklicherweise Begriff der junge Mann, wenn auch mit sichtlichem Missfallen; schließlich ging es ja um eines seiner Pokémon; dass er Alexandres Verpflichtung zur Verschwiegenheit respektieren musste und hörte auf nachzufragen, auch wenn es ihm schwerfiel.

Bei seiner Tochter hatte Alexandre indessen schlechtere Karten:

„Papa, da ist doch noch was anderes los.“, stellte Chantal, die ja nicht auf den Kopf gefallen war, nach einigen Tagen besorgt bei ihrem Vater fest. Die junge Frau hatte rasch gemerkt, dass Alexandre offenbar eine weitere Sache bedrückte, die anscheinend mindestens genauso schlimm wie der Diebstahl von Juwelchen sein musste. Auffordernd sah sie ihren Vater darum mit verschränkten Armen eindringlich in die Augen und meinte: „Man sieht dir auf zehn Kilometern an, dass dich da was Gewaltiges wurmt! Wie willst du dich da auf deine Ermittlungen konzentrieren? Also raus mit der Sprache!“

„So leid es mir auch tut, aber ich kann es dir nicht sagen Chantal.“, antwortete ihr Vater aber bloß ausweichend und sah dabei so traurig aus, dass die junge Frau glatt Mitleid mit ihm bekam. „Es ist besser, wenn für den Moment kaum einer davon weiß. *Seufz* Wenn die Zeit reif ist werden es sowieso alle erfahren müssen, aber bis dahin möchte ich diese schlimme Bürde keinem zumuten.“, befand Alexandre, auch wenn er nicht glücklich darüber klang.

„Ach Kopf hoch Papa! Du bist doch nach wie vor mein größter Held! Wenn einer damit klar kommt, dann wohl du, haha!“, lachte ihn Chantal dann jedoch fröhlich an und schenkten ihrem Vater ihr süßes, kämpferisches Lächeln, mit dem sie ihn schon als Kind immer motivierten hat können und dessen Wirkung auch heute nicht lange auf sich warten ließ. „Ja, da hast du wohl recht Chantal, haha! Ich pack das schon!“, konnte Alexandre deshalb schon gleich wieder fröhlicher sagen und wuschelte seiner Tochter dankbar durchs Haar: „Du bist wie deine Mutter und dein kleiner Bruder eben einer meiner kleinen Engel dich mich wieder aufbauen, haha! Danke für. Und was diese Sache betrifft… Es wird sicherlich nicht leicht werden, aber ich denke ich werde es schaffen…“

„Psst!“, unterbrach die junge Frau da ihren Vater und deutete zum Fenster: „Verlieren wir kein Wort mehr darüber, Sven ist gleich da…!“

Zwei Wochen voller Ungewissheit verstrichen unterdessen auf diese Weise, ohne, dass sich eine Spur von Juwelchen fand. Für Sven ging das Leben auf den ersten Blick wie gewohnt weiter, wenngleich er weiterhin nicht zur Arbeit durfte. Das Training seines Teams machte gute Fortschritte und er konnte nun auch ab und zu wieder Lachen, etwas unternehmen oder einfach die traute Zweisamkeit mit Chantal genießen. Er schöpfte viel Kraft aus dem Rückhalt und Zuspruch, den er von seiner Freundin und seinen Pokémon, wie auch von seiner Familie, seinen Freunden und der ganzen Nachbarschaft bekam. Allein schon deshalb gab er sich größte Mühe, gegen diese kummervollen, bedrückenden Gedanken, die ihn weiterhin marterten und drohten, ihn runterzuziehen, weil er keinen Weg fand Juwelchen irgendwie helfen zu können, anzukämpfen und sie sich nicht anmerken zu lassen.

Aber es war eben noch lange nichts gut…

„Uff…!“, stöhnte der junge Mann noch ganz außer Atem, als er zusammen mit Chantal gerade von einem weiteren ausgiebigen Ausflug in die Regelsberger Leiten zurückkehrte. Die Sonne war zwischenzeitlich schon untergegangen und die ersten Sterne leuchteten bereits am sich allmählich nachtblau färbenden Himmel, als die zwei jungen Leute vor Svens Haus standen und sich für heute verabschieden wollten.

„Mann! Dieses Pinsir hatte aber richtig schlechte Laune!“, meinte Sven ausgelassen grinsend beim Gedanken an dieses heutige Abenteuer: „Es hat gleich seine ganzen Kumpels auf uns losgehetzt, nur weil wir es besiegt hatten, haha!“ „Es gibt halt auch unter den wilden Pokémon schlechte Verlierer, hihi!“, fand Chantal kichernd und sah ihrem Freund tief in die Augen: „Ein wundervoller Tag, nicht?“

„Oh und wie!“, konnte ihr der junge Mann da nur beipflichten, bevor er plötzlich ganz nachdenklich wurde und leise flüsterte: „Aber er wäre noch wundervoller gewesen, wenn Juwelchen dabei gewesen wäre…“

Er seufzte tief, schüttelte den Kopf, blickte seine Freundin ganz traurig an und klagte: „Tut mir leid Chantal… Aber ich kann einfach nicht mehr so weitermachen, als wäre nichts passiert… Ich… Ich kann das nicht mehr!“

„Sven… Nicht doch…“, hob die junge Frau an, doch sie verstummte. Sie sah die Trauer in den Augen ihres Freundes aufblitzen. Jene Trauer, welche man die ganze Zeit hinter der fröhlichen Fassade von Sven spüren konnte… Die man leise auch in seinem Lachen hörte… Ja diese Trauer, die, auch wenn er lächelte, deutlich dahinter zu sehen war...

Selbst in jenen Momenten, in denen Sven sie sich gar nicht eingestehen wollte, war sie allgegenwärtig. Immer da, seit dem Zeitpunkt, als dem jungen Mann Juwelchen gestohlen wurde und es nur zu offensichtlich war, dass er diesen schmerzlichen Verlust noch lange nicht verwunden hatte… Vielleicht nie verwinden würde…

„Juwelchen…“, wisperte Sven weiter und die Tränen stieg ihm in die Augen: „Wenn man bedenkt, dass ich es zunächst gleich wieder loswerden wollte… Aber jetzt liebe ich es… Wir hatten so viel Spaß… Und jetzt ist es nicht mehr da… Ich vermisse es Chantal… Ich vermisse es so sehr, dass mein Herz immer noch schmerzt… Chantal, ich ertrage diese Ungewissheit nicht länger!“

Er sah sehnsüchtig hinauf zu den Sternen und dachte an ein paar Zeilen eines tröstlichen Briefen, die ihm sogar Alastair extra geschrieben und geschickt hatte:

‚…Wenn mein Herz unter der Last der Angst zu zerbrechen drohte... Wenn mein Herz vor Trauer und Schmerz zu zerreißen drohte... Immer blickte ich hinauf, um niemals eine Träne vergießen zu müssen…‘

Doch der junge Mann fand keinen Trost in den Sternen und konnte seine Tränen unmöglich zurückhalten. Es war einfach zu traurig, der Schmerz dieses Verlustes saß zu tief und würde wohl niemals wieder vergehen. Er… Er konnte einfach nicht mehr!

„Juwelchen…“, hob er deshalb nochmals an, während ihm die Tränen schon über die Wangen liefen, warf sich Chantal weinend und schluchzend um den Hals, die ihn tröstend an sich drückte und wimmerte kläglich:

„Juwelchen… Mein armes kleines Juwelchen… Warum kannst du jetzt nicht bei mir sein?“

***

Rastlos und angestrengt grübelnd, blätterte Kommissar Alexandre einige Tage darauf wieder mal in den zahllosen Ordnern und Akten, die sich zuhauf auf seinem Schreibtisch stapelten, und ging akribisch die nicht wenigen Beweise, Indizien und Ergebnisse der bisherigen Ermittlungsarbeit durch.

Dass es mittlerweile langsam Abend wurde, merkte Alexandre dabei kaum; dafür war es ihm zu wichtig, endlich seinem Freund, dessen Leid ihm verständlicherweise sehr nahe ging, helfen zu können, wie auch allgemein in diesem Fall voranzukommen. Denn dank ein paar neuer Ergebnisse aus dem Labor stellten sich nun allmählich die ersten Erfolge bei den Ermittlungen ein, weshalb seit einigen Tagen im ganzen Präsidium Hochbetrieb herrschte!

All die Untaten, die Ivaar begangen hatte, und die Spuren, die dieser Gauner absichtlich so gelegt hat, dass sie nur auf ihn verweisen, ohne dass man wusste, wer im Hintergrund die Fäden zog…

Der Rocaradiebstahl aus der Spiegelhöhle, die Diebesserie in der Bidibacher Gegend, der Vorfall in Walkerszell und schlussendlich der Raub von Juwelchen…

Hinter all dem konnten der Kommissar und seine Leute nun langsam ein Muster ausmachen! Sie fanden sogar eine Verbindung zwischen diesen Taten und dem verdächtigem Verhalten von Granbullkopf, dem sie nun auch so lange erfolglos auf den Fersen waren. Sie spürten ganz genau, dass die beiden Männer unter einer Decke steckten und für irgendjemanden arbeiteten, wer immer das auch sein mag und was auch immer dieser Jemand vorhatte.

Freilich fehlten ihnen die Beweise um diese These zu untermauern, sie hatten lediglich ein paar Indizien und Schlussfolgerungen. Doch alle spürten, wie sich das Netz um diese Gauner enger zog und wussten, dass es jetzt nur noch eine Frage der Zeit sei, bis Bewegung in diesen Fall kommen würde!

„Wir stehen kurz vor dem Durchbruch Leute!“, hatte Alexandre deswegen beim letzten Treffen von vor ein paar Stunden seinem Team selbstsicher verkünden können: „Uns fehlen nur noch ein paar entscheidende Puzzelteile, um endlich an die Hintermänner ranzukommen! Jeder von euch geht jetzt nochmal für sich allein Unterlagen durch und dann treffen wir uns um acht für eine weitere Besprechung…“

„Warum ist Ivaar dieses Risiko eingegangen und hat Juwelchen gestohlen?“, fragte sich der Kommissar unterdessen grüblerisch, während er weiter die Akten durchging und sich ihm immer mehr und mehr Zusammenhänge erschlossen: „Jemand wie er weiß doch für gewöhnlich ganz genau, wann es besser wäre unterzutauchen… Warum hat er diesmal den Bogen überspannt und sich dem Risiko ausgesetzt, dass wir ihm und den Machenschaften, die sich da im Hintergrund abspielen, ernsthaft auf die Schliche kommen? Was ist so wichtig an Juwelchen?“

Alexandre konnte seine Überlegungen nicht weiter fortsetzten, denn mit einem mal klopfte es hastig an der Tür, bevor sie doch gleich aufgestoßen wurde. „Herr Kommissar! Herr Kommissar!“, rief ein schlaksiger und blutjunger Polizist ganz aufgeregt, während er atemlos und wild mit einem Blatt Papier in der Hand wedelnd, zu seinem Vorgesetzten ins Büro rannte und gleich die Bombe platzen ließ: „Es hat sich soeben ein Zeuge gemeldet, der behauptet hat, er habe vor nicht mal einer Viertelstunde einen langen, zaundürren Kerl mit kramurxschwarzem Mantel und Hut Buteaus Hof verlassen sehen!“

„Was sagst du da?!“, konnte dieser zunächst nur sagen – so arg überrumpelte ihn dieser plötzliche Wink des Schicksals. Dann fing sich Alexandre aber sogleich wieder und befahl eifrig: „Wenn das so ist, müssen wir augenblicklich einen Durchsuchungsbefehl beantragen – am besten für sofort!“

Jetzt grinste der junge Gendarm breit und stolz und zeigte seinem Chef triumphierend das Blatt Papier, was eben der besagte Befehl war, und meinte: „Hab ich schon erledigt! Der Richter hat ihn mir sofort ausgestellt und den anderen hab ich auch schon Bescheid gesagt! Eigentlich müssen sie nur noch das Team zusammenstellen und los geht’s 8)!“

„Hervorragende Arbeit Dieter!“, lobte der Kommissar da den Polizist ehrlich und sah großzügig darüber hinweg, dass sein ‚eifriges Elfchen‘ da bei seiner Eigeninitiative etwas über Ziel hinaus geschossen war. –Ein strengerer Richter hätte diesem Anfänger niemals die Erlaubnis für einen Durchsuchungsbefehl erteilt, aber sei’s drum…

„Herr Kommissar, was haben sie denn?“, fragte der junge Gesetzeshüter Alexandre ziemlich irritiert, weil dieser nicht, wie von ihm erwartet, sich sofort ans Werk machte, sondern für einen Moment überlegte und dabei ganz nachdenklich wirkte, was so gar nicht zu der vorteilhaften Lage passen wollte.

„Ach nichts weiter.“, wiegelte der Kommissar zuversichtlich ab und meinte: „Geh am besten schon mal vor. Ich komme gleich nach und dann schnappen wir uns diesen Kerl! Ich muss nur noch eine Kleinigkeit erledigen und das am besten allein…“

Keine Viertelstunde später umringten auch schon sechs Streifenwägen Granbullkopfs Hof, der im Schein der untergehenden Sonne in rötliches Licht getaucht war und wie ausgestorben wirkte. So wachsam und vorsichtig wie möglich umstellten Alexandre und seine Männer den ganzen Gebäudekomplex und erst dann klopfte dieser kräftig einige Male an der alten Holztür des Wohnhauses an.

„Hier spricht die Polizei! Machen sie umgehend die Tür auf, Buteau Fouan! Wir wissen das sie Zuhause sind!“, rief der Kommissar laut und tatsächlich hörte man alsbald ein überraschtes und ärgerliches Fluchen im Haus und schlurfende Schritte, bis die Tür grob aufflog.

„Himmelsakrament! Was wollt ihr denn hier?!“, schimpfte Granbullkopf der sich ihnen barfüßig und unordentlich lediglich in verrutschter Hose und beflecktem Hemd präsentierte. Sein bulliges Gesicht war ganz rot vor Zorn, doch dahinter konnte man deutlich erkennen, dass er von diesem Aufgebot der Polizei ganz überrumpelt und eingeschüchtert war. „Also, was wollt ihr hier?“, wiederholte Buteau ärgerlich seine Frage und wollte sie schon süffisant daran erinnern: „Falls ihr es vergessen habt: Ihr dürft mir ohne triftigen Grund doch gar nicht mehr auf die Pelle rücken! Ich werde mich bei Gericht über euer Verhalten beschweren, Himmelsakrament!“

„Lass gut sein Buteau.“, entgegnete Alexandre, der auf diesen Auftritt gefasst war, ruhig und zeigte ihm, nicht ohne dabei eine gewisse Genugtuung zu verspüren, den Durchsuchungsbefehl: „Meine Leute und ich würden uns liebend gerne ein bisschen in deinen Räumlichkeiten umsehen. Und dir danach auch noch zu gerne ein paar Fragen stellen. Lässt du uns freiwillig rein, oder müssen wir nachhelfen?“

Ganz bleich und voll wildem Groll in seinen Augen knurrte Granbullkopf etwas Unverständliches und gab danach jedoch wirklich zerknirscht die Tür frei. Wenn man nicht der Stärkere war sollte man sich halt lieber fügen…!

Alexandre gab seinen Leuten ein Zeichen, prüfte nochmals sein Funkgerät und trat dann mit weiteren sieben Polizisten ein. „Gut! Ich und Dieter sehen uns in der Scheune um, die anderen teilen sich ebenfalls auf und durkämmen die anderen Gebäude! Lasst euch ruhig Zeit beim durchsuchen und meldet euch, wenn euch etwas ins Auge spring.“, wies der Kommissar die Truppe an und blickte dann zu Granbullkopf, der deutlich bei der Erwähnung der Scheune geschluckt hatte: „Und du kommst am besten mit uns mit, Buteau! Und zwar schön vor uns, ja?“

Die Polizisten verteilten sich und so steuerten auch Alexandre und Dieter, mit Granbullkopf vor ihnen, die Scheune an. In diesen alten Gehöften war es nicht unüblich, dass alle Gebäude miteinander verbunden waren, sodass sie nach durchqueren eines kurzen Ganges auch, ohne nach draußen gehen zu müssen, bereits dort standen.

Prüfend blickte sich der Kommissar in diesem dämmrigen Raum, der kaum noch von der Abendsonne erhellt wurde, um und fand schnell, dass dieser verdächtig leer wirkte. Sein Gespür sagte ihm, dass da bis vor kurzem noch etwas hier gelagert und dann fortgeschafft wurde – und ganz gewiss nicht nur Heu! Dieser komische Geruch der hier in der Luft hing; eine Mischung aus Plastik und Metall; der auch so gar nicht zum üblichen Duft einer Scheune passen wollte, verstärkte diesen Verdacht noch mehr.

„Gut! Dieter lass die Pokémon zur Spurensicherung raus!“, sprach Alexandre, der sich sicher war, dass er hier garantiert etwas finden würde und wandte sich nun an Buteau, den er fast nicht aus den Augen gelassen hatte: „Zeig mir die Lichtschalter hier Buteau und keine falschen Tri…“

Der Kommissar konnte seinen Satz nicht zu Ende sprechen, da erhob sich von draußen plötzlich der Lärm von Pokémonkämpfen in das sich das überraschte und schnell verstummende Geschrei seiner Kollegen mischte.

„*Krcht* Alexandre…“, knarzte sein Funkgerät und die Stimme darin klang ebenfalls ganz panisch und eindringlich: „*Krcht* Du musst sofort mit deinen Männer verschwinden! Das ist eine Fall… Aaaahh… *Krcht*….“

„Was zum?!“, brachte er nur noch völlig perplex heraus, als ihm Granbullkopf, diesen Moment der Unachtsamkeit ausnutzend, auch schon das Funkgerät aus der Hand schlug und Alexandre mit einem derben Hieb in den Bauch außer Gefecht setzte. „Zu spät ihr Luschen! Wir haben euch reingelegt, hähä!“, brüllte er dabei triumphierend und knockte auch noch den jungen Dieter aus, der gleichfalls ganz überrumpelt gar nicht wusste, wie ihm geschah und keine Chance bekam, die Pokémon noch rechtzeitig aus ihren Bällen zu lassen.

„Und jetzt gute Nacht ihr zwei Waumpel!“, spöttelte Buteau zu den sich vor Schmerz am Boden windenden Polizisten, zog sich einen Mundschutz über und betätigte den Lichtschalter, der gar keiner mehr war. Die Leuchtstoffröhre über ihren Köpfen zersprang und setzte eine großzügige Wolke an Pilzsporen frei, welche die beiden endgültig Kampfunfähig machte.

„Na wartet ihr Halunken…“, schoss es Alexandre, der wegen seiner erstaunlichen Konstitution für einen Moment noch gegen die Wirkung der Sporen ankämpfen konnte, durch den Kopf, während er trotz allem ein siegessicheres Lächeln auf den Lippen hatte: „Damit kommt ihr nicht durch! Ihr werdet euch noch wundern…!“

Kapitel 19: Der wahre Dietbert!

Stunden später schritten Dietbert Strohsack und seine Coco durch die nächtlichen Straßen von Regelsberg und meckerten dabei, was das Zeug hielt.

„Manometer! Ich kann nicht glauben, dass wir uns für sowas hergeben Coco!“, fand Herr Strohsack ärgerlich, sah auf seine Uhr und wurde noch ärgerlicher: „Ich meine wir haben bald zehn Uhr nachts! Zu so einer Zeit gehen kultivierte Menschen und Pokémon doch nicht mehr aus dem Haus! *Mecker*“

„Raasaff!“, maulte auch Coco und wirbelte mit ihren groben Fäusten durch die Luft.

„Ja genau, da bin ich mit dir ganz einer Meinung!“, stellte Dietbert klar und seufzte: „Wenn man bedenkt, dass wir jetzt gemütlich Zuhause klassische Musik hören und dabei gepuderte Perücken tragen könnten… Aber nein! Stattdessen lassen wir uns von Chantal gegen unseren Willen zu diesem abenteuerlichen Unterfangen breitschlagen! *Maul* *Zeter* *Mecker*“

Beide logen selbstverständlich wie gedruckt:

Als Chantal vor nicht mal einer halben Stunde vor ihrer Tür stand und ihnen mit ganz traurigen, flehenden Augen ihre Bitte nannte, hatten Dietbert und seine Coco sofort und ohne zögern zugesagt, da mitzumachen. Keiner der beiden hätte auch länger diesen traurigen Blick ertragen könne, zumal die junge Frau beinahe geweint hätte. Nein! Da mussten sie handeln – und das eigentlich auch ganz selbstverständlich und ganz und gar nicht so widerwillig wie sie es nach außen hin darstellten^^.

„Hrmpf! Manchmal müssen gute Nachbarn eben tun, was gute Nachbarn nun mal tun müssen Coco!“, stellte Herr Strohsack darum erstaunlich entschlossen klar, während er weiterhin mit seinem Rasaff die Straßen entlang ging und seine Coco derweil mit einem lauten Schnauben aus ihren Nüstern ihre Zustimmung verriet.

Bald schon erreichten sie den alten und ländlichen Stadtrand von Regelsberg, der still und ruhig bereits in tiefem Schlummer lag. Einzig einige nachtaktive Pokémon konnte man in den vielen Streuobstwiesen und Beerenbüschen rascheln hören oder ihre erstickten Rufe wahrnehmen. Ab und an huschte oder flog auch eines dicht an Herrn Strohsack und seinem Rasaff vorbei, doch die beiden bemühten sich weiterhin um so grantige Gesichter, dass man ihnen lieber aus dem Weg ging.

Die Beleuchtung hier war nebenbei bemerkt spärlicher als innerhalb der Stadt und deswegen wirkten die Wege und Gassen hier gleich viel dunkler. Zu ihrem Glück aber war es heute eine helle, sternenklare Nacht, sodass Dietbert und Coco ohne Probleme den Ort ausmachen und ansteuern konnte, der ihr Ziel darstellte.

„Granbullkopf, mach die Tür auf!“, verlangte Dietbert barsch, während er heftig an der Holztür hämmerte und er und seine Coco mussten auch nicht lange auf eine Reaktion warten. Denn im scheinbar nachtschlafenden Haus ging tatsächlich alsbald das Licht an und wieder begleitet von lautstarkem Fluchen wurde die Tür erneut unsanft aufgestoßen.

„Himmelsakrament! Was willst du hohle, glatzköpfige Bohnenstange und dein stinkendes Fellbüschel denn von mir?!“, raunzte Buteau die beiden zornig an und machte eine drohende Gebärde. Anders als beim Besuch der Polizei war er verdächtigerweise nun vollständig gekleidet und sah so aus, als ob er bald das Haus verlassen wollte. Außerdem hatte er vor Dietbert und seinem Rasaff keine Angst. Mit einer Mischung aus Spott und Zorn baute er sich vor den beiden auf und ließ wegen seines vierschrötigen, grobschlächtigen Körperbaus den eher schmächtigen und hochgewachsenen Herrn Strohsack in der Tat etwas windig aussehen.

Dieser zeigte sich jedoch von diesem Gehabe völlig unbeeindruckt – schließlich waren er und sein Kampfpokémon ‚niveauvolle‘, kultivierte Künstler, die so ein niederes Individuum gar nicht beleidigen konnte. „Was wir wollen ist einfach: Du wirst und jetzt schön ein paar Antworten auf unsere Fragen geben Granbullkopf.“, forderte Dietbert seinen Gegenüber deshalb mit ruhiger aber bestimmter Stimme auf, verschränkte provokant die Arme und fügte hinzu: „Und es wäre besser, wenn du schnellstmöglich damit anfängst, meine süße Coco kann sonst ziemlich ungemütlich werden.“

„Oh du kannst jetzt gleich sofort was haben du Hundsfott!“, zürnte Buteau, dessen Gesicht fast schwarz vor einer Woge Blut wurde, weil ihm dieser Kerl so unverfroren die Stirn bot, und ballte seine groben, gefährlichen Fäuste: „Und zwar meine Faust in deiner Fresse!!!“

Schon schlug er kräftig zu…

…genau genommen wollte Granbullkopf zuschlagen. Doch sowie er ausholte hatte Coco ihrerseits die anfliegende Faust bereits blitzschnell gepackt und mittels einer Hebeltechnik den Halunken kopfüber geschleudert, sodass er rücklings und äußerst unsanft auf das harte Pflaster seines Hofe knallte.

„Himmelsakrament…! Das war euer letzter Fehler!“, knurrte Buteau, der ja hart ihn nehmen war und wegen seines rasenden Zorns fast keinen Schmerz gespürt hatte, böse und stieß einen lauten, durchdringenden Pfiff aus.

Schon lösten sich aus dem Schatten des Hofes seine Pokémon Magnayen, Granbull und Stollrak, welche Herrn Strohsack und Rasaff sofort knurrend umkreisten. Und als wäre das nicht genug kamen auch noch drei unfreundlich wirkende Schlägertypen aus der Scheune heraus, bewaffnet mit Schlagstöcken und ebenfalls einigen Pokémon, die sie nun losließen.

Auf den ersten Blick sah es so aus, als ob es schlecht um die beiden bestellt wäre…

„Schlecht um uns bestellt? Papperlapapp, was schreibst du denn da?“, mischte sich Dietbert überzeugt - und eben mal die vierte Wand beiseite schiebend^^ - ein und sah seine Coco entschlossen an: „Bereit meine Liebe?“

„Rrraassaaafff!“, schnaubte Rasaff kämpferisch und ballte die Fäuste. Das Schwein/Affepokémon spürte schon die Wut in sich aufsteigen… Sollen die alle doch nur herkommen, die können was erleben!

Da griff auch schon ein Golbat dieser Schläger als erstes mit einem Windschnitt an, dem Coco zwar nicht mehr ausweichen konnte, doch mit einer speziellen Technik gelang es ihr aber, den Schaden zu mildern. Diese Aktion bildete den Auftakt für dieses ungleiche Gefecht in das sich nun nach und nach alle andere Pokémon stürzten.

Trotzdem wurde Herr Strohsack keineswegs bang bei diesem Anblick, nein, er lächelte sogar zufrieden und überlegen, weil er zwei mächtige Trümpfe in der Hand hatte, von denen seine Gegner nichts wussten. „Und den ersten haben wir nun ausgespielt.“, dachte er sich siegessicher grinsend, weil er es genau gesehen hatte:

Coco hatte einen Volltreffer abbekommen!

***

Etwa zur gleichen Zeit stand auch Chantal gemeinsam mit ihrem Lohgock und ihrem Zorua vor dem Haus ihres Freundes und klingelte schon seit bald einer Viertelstunde Sturm, ohne etwas damit zu bewirken. Seit seinem Gefühlsausbruch vor einigen Tagen war Sven total fertig und hatte sich so sehr in seinem Haus verkrochen, dass es bis jetzt keiner mehr geschafft hatte, ihn wieder heraus zu locken. -Noch nicht mal seine Pokémon, die vergebens versuchten, ihren Trainer wieder aufzubauen. (Und dummerweise waren die Vorratsschränke des jungen Mannes randvoll; er würde also eine ganze Weile lang sich hier problemlos einigeln können…)

„Sven komm sofort heraus, es ist total wichtig!“, versuchte es seine Freundin immer wieder auch verbal und drohte irgendwann: „Ich weiß, dass du noch wach bist und mich hören kannst! Ich lass Henner die Tür eintreten, wenn du nicht selbst aktiv wirst, klar?!“

Keine Reaktion…

„Zorua?“, fragend sah Marbel ihre Trainerin an, die zuerst seufzte, dann aber ihrem Pokémon zunickte. „Du hast Recht Marbel, so kriegen wir ihn nie raus.“, fand Chantal, zuckte mit den Schultern und flüsterte mit einem gespielt hilflosem Lächeln: „Du willst es wohl auf die harte Tour Sven, was? Na gut…“

Laut und ganz aufgeregt rief die junge Frau deshalb: „Okay Sven du hast gewonnen! Eigentlich wollte ich dich ja damit überraschen… Aber die Sache ist die: Papa und seine Jungs haben Juwelchen gefunden!!“

Sie hätte nicht mal mehr blinzeln können, da war die Tür auch schon offen und Sven stürmte freudenstrahlend heraus. „Juwelchen! Wo haben sie es denn?!“, sprudelte es aus dem jungen Mann ganz ungeduldig heraus, während sein Gesicht wieder so unbekümmert strahlte, wie seit Wochen nicht mehr.

Statt einer Antwort wurde Sven aber plötzlich von Chantals Lohgock an den Schultern gepackt, sodass er hier bleiben musste, während dessen Trainerin ihm gestand: „Sorry Sven, das war nur ein Trick, damit ich dich endlich aus deinem Kokon da rausbringen konnte^^.“

„Was?!“, entfuhr es dem jungen Mann zugegebenermaßen sehr enttäuscht, weshalb seine ganze Freude in sich zusammenfiel und er wieder ganz traurig und deprimiert fragte: „Aber was willst du dann von mir? Du weißt doch, dass ich nichts mehr unternehmen will… Ich kann das nicht mehr, wenn Juwelchen nicht da ist!“

„Sven, hör mir doch bitte erst mal zu, das ist wirklich sehr wichtig und hat auch mit Juwelchen zu tun!“, erklärte sie mit einer gewissen Strenge in ihrer Stimme und stemmte dabei ihre Hände in die Hüften. Sie hatte ja durchaus Verständnis mit dem Verhalten ihres Freundes, doch jetzt brauchte sie seine Hilfe!

Für einen Augenblick aber reagierte sie zuerst mal höchst irritiert, als sie ihn genauer betrachtete.

„Sven? Warum hast du nur eine Unterhose an?!“, wollte Chantal von diesem wissen. Nicht, dass das, was sie sah, ihr nicht gefallen hätte… Aber es war nun mal der falscheste aller falschen Zeitpunkte sich an diesem Anblick zu wärmen!

„Ähem… Längere Geschichte :oops: :tja:…“, stammelte Sven, dem dieser Umstand, so vor seiner Freundin zu stehen, erst jetzt ganz bewusst wurde, peinlich berührt. Doch immerhin sorgte dies dafür, dass der junge Mann endlich aus seiner Apathie herauskam, weswegen er nun mit deutlichem Interesse weiter sprach: „Aber vergessen wir das lieber ganz schnell… Was wolltest du mir sagen Chantal?“

„Endlich hörst du dich wieder mal wie der ‚alte‘ Sven an!“, fand die junge Frau ganz erleichtert, erlaubte sich kurz den süßen Gedanken, wie gut ihr Freund doch so aussah, wurde dann jedoch ernster und fing zu erzählen an.

„Papa steckt in ernsten Schwierigkeiten!“, begann sie gleich und ihre Stimme bebte vor Angst und Sorge: „Er hat mich vor ein paar Stunden angerufen und mir gesagt, dass er mit seinen Leuten zum Hof von Granbullkopf fahren wolle, weil sie scheinbar einen heißen Tipp bekommen hatten…

Aber ihm war die Sache nicht ganz geheuer, weshalb er mich darum gebeten hatte meine Marbel heimlich dorthin zu schicken und alles zu beobachten. Mithilfe von Henner hab ich meine Kleine auch rechtzeitig und ungesehen in die Nähe des Hofes bringen können und dank ihrer Tarnkünste hat sie von einem sicheren Versteck aus beobachten können, dass Papa mit seinem Bauchgefühl völlig recht hatte!

Das Ganze war nur eine perfide Falle!

Granbullkopf hat den Überraschten gespielt und die Polizisten in sein Haus gelassen, damit sie aufgeteilt waren, um sie dann mit dutzenden von Handlangern und ihren Pokémon, die er irgendwo gut in der Nähe versteckt hatte, zu überrumpeln, auszuschalten und fortzuschaffen!

Und als wäre das nicht genug, ist kurz darauf Ivaar der Knochenlose aufgetaucht und hat Andeutungen gemacht, dass er mit seinem Parasek die Leute aus dem Präsidium eingeschläfert hat!

Mehr konnte meine Marbel aber nicht mehr in Erfahrung bringen, weil sie sich zurückziehen musste, bevor dieser Ivaar sie finden konnte – scheinbar hatte er gemerkt, dass sie beobachtet wurden…“

„Au Backe!“, entfuhr es Sven ganz bestürzt und schockiert, weil es so ungeheuerlich klang: „Was für ein… Was für ein riesiges Komplott! Soll das etwa heißen, die ganze Polizei von Regelsberg ist für eine Weile außer Gefecht gesetzt worden?!“

„Das will ich meinen!“, unterstrich Chantal ernst: „Ich hab schon versucht dort anzurufen, aber da meldet sich keiner. Und bis die anderen Polizeistellen aktiv werden wird schon zu viel Zeit verstrichen sein, das sagt mir mein Bauchgefühl! Zumal sie ja gar nicht wissen, wo sie suchen müssen.“

„Und wir sollen das wissen, ja?“, sprach Sven, der in seinem Inneren schon so eine Ahnung hatte, dass Chantal ihn zu irgendeiner Aktion überreden wollte, wenig überzeugt.

„Oh ja.“, antwortete die junge Frau zunächst kryptisch, während sich ihre Gesichtszüge wieder aufhellten und mit einem geheimnisvollen Lächeln fuhr sie fort: „Schließlich hat mir Papa noch einiges mehr erzählt und darum hab ich gleich, als meine Marbel zurück war und mir alles berichtet hatte, einen ganz besonderen Trainer zu Buteau geschickt, der ihm sicherlich ein paar Antworten entlocken wird, hihi! Er sollte sich eigentlich in jedem Augenblick bei mir melden…“

Wie aufs Stichwort begann da keine fünf Minuten später Chantals Holo-Log zu klingen. Sie sah auf die Nummer und meinte zufrieden, aber auch ziemlich gespannt: „Und da haben wir ihn auch schon!“

Die junge Frau hob ab und schon erschien; sehr zum Erstaunen von Sven; das Hologramm von Dietbert Strohsack, der sogleich anfing zu berichten!

„Chantal ich bin’s Dietbert. Die Sache hier ist geklärt, wenngleich Granbullkopf ein zäherer Bursche als gedacht war. Er hat nur ein bisschen was ausgespuckt und dann so getan, als würde er ohnmächtig werden, als ich versucht habe, ihm mit meinem schönen Triangelspiel mehr herauszulocken… Aber das was ich herausgefunden habe bestätigt eines schon mal ganz sicher: Es ist so wie du und dein Vater vermutet haben.“, hob Herr Strohsack an und offenbarte: „Buteau Fouan ist nur ein Strohmann und arbeitet zusammen mit Ivaar dem Knochenlosen und einem ganzen Haufen anderer Kleinkrimineller für jemanden, der sich das alles im Hintergrund ausgedacht und in die Wege geleitet hat!

Er hat mir auch verraten, dass sie mit dieser fingierten Zeugenaussage der Polizei, die ihnen beinahe auf die Schliche gekommen wäre, zuvorkommen wollten, damit sie genug Zeit haben zu türmen! Granbullkopf saß nämlich schon auf gepackten Koffern; um zwei Uhr morgens hätte man ihn und seine Schergen, die noch zugegen waren, abgeholt und sie hätten Mungenau auf Nimmerwiedersehen ohne eine Spur verlassen, damit sie anderswo ihrem verbrecherischem Treiben nachgehen hätten können!“

„Okay, so weit so gut.“, fand Chantal bestätigt und fragte, während Sven bloß stumm staunend dastand und kaum glauben konnte, dass sein eher schrullig und harmlos wirkender Nachbar sich als so fähiger Detektiv entpuppte, gleich weiter: „Hast du auch herausgekriegt warum sie Juwelchen gestohlen haben? Und wohin sie es und meinen Papa verschleppt haben. Und vor allem: Hat Granbullkopf gesagt, für wen er arbeitet und was dieser vorhat?“

„Diese Fragen kann ich leider größtenteils nur mit ‚Jain‘ beantworten.“, gestand Herr Strohsack bedauerlich: „Man kann Buteau ja vieles vorwerfen, aber den Namen seines Auftraggebers hat er partout nicht genannt. Auch was das Versteck dieser Halunken anging, war nichts aus ihm rauszukriegen. Ich weiß nur, dass sowohl das Team und deinen Vater als auch Juwelchen an denselben Ort verschleppt wurden.

Und wegen Juwelchen selber: Granbullkopf hat mir nur etwas von einer ominösen Maschine erzählt, die er zunächst hier zwischengelagert und dann Stück für Stück zu ihrem Geheimversteck gebracht hat. Keine Ahnung für was dieses Ding gut sein soll, aber sie benötigt acht Rocara um zu funktionieren, quasi als Energiequelle oder so. Und eben dieses Detail ist den Halunken erst vor einiger Zeit aufgefallen.

Du weißt ja von deinem Vater, dass Ivaar der Knochenlose Ende Mai eine Gruppe dieser Pokémon aus der Spiegelhöhle gestohlen und hier in die Region geschafft hat. Und dort war es Buteaus Aufgabe gewesen, sie zunächst mal auch zu seiner Scheune zu transportieren. Aber weil er zu schnell fuhr hatte er auf dem Regelsberger Schnellweg diesen Beinahe Unfall und dabei eines der Rocara verloren, welches in den Aigre gefallen und so zu dir, Sven, gekommen ist. Aus Angst hat dieser Gauner es den anderen verheimlicht, sodass das Fehlen von Juwelchen ihnen erst bei der Inbetriebnahme ihrer Maschine aufgefallen ist und sie sich diese Scharade haben einfallen lassen, damit sie es sich doch noch holen können...“

„Sekunde!“, unterbrach Sven da seinen Nachbarn äußerst heftig, weil das was er gehört hatte kaum fassen konnte! Jetzt ergab alles für ihn einen Sinn! Verletzt und vorwurfsvoll sah er Chantal an und weil sie seinem Blick nicht standhalten konnte, brauste er auf: „Du hast es also die ganze Zeit gewusst?! Du hast gewusst, dass nicht nur Juwelchen allein sondern eine ganze Gruppe Rocara gestohlen wurde und von Anfang an die Gefahr bestand, dass diese Diebe es sich vielleicht eines Tages zurückholen wollen? Warum hast du mir nichts gesagt?“

„Sven… Ich… Es tut mir so leid, dass du das so erfahren musst, aber Papa hat mir eindringlich verboten dir auch nur irgendetwas davon zu sagen – zu deiner eigenen Sicherheit! Er hat Juwelchen auch deshalb bei dir gelassen, weil er hoffte, dass es sicher bei dir sei.“, entgegnete die junge Frau entschuldigend und konnte nur zu gut nachvollziehen, dass ihr Freund sich getäuscht und hintergangen fühlte.

Dann aber hob sie ihren Blick, sah dem jungen Mann tief in die Augen und wollte eindringlich von ihm wissen: „Aber sag mir eines Sven: Hättest du mit diesem belastendem Wissen all diese schönen Erfahrungen und Erlebnisse so unbeschwert genießen und ausleben können, oder gar wollen?“

Jetzt war es Sven, der nach einer Weile, in der sein aus Schmerz entstandener Zorn schon wieder verrauchte, betreten zu Boden sah, tief seufzte und offen zugab: „*Seufz* Du hast ja recht Chantal… Nein, dieses Wissen hätte alles verdorben. Nie im Leben hätte ich so einen Start als Trainer hinlegen können…“

Er seufzte gleich nochmal, schüttelte den Kopf und guckte seine Freundin verlegen, aber schon wieder mit einem leichten Lächeln an: „Verzeih bitte, dass ich so ausgeflippt bin. Es hat nur so wehgetan auf diese Weise davon zu erfahren. Aber eigentlich müsste ich dir sogar dankbar sein, dass du die ganze Zeit lang geschwiegen und trotzdem so viel mit mir unternommen hast… Danke für.“

„Ach Sven schon gut, ist schon gut.“, sprach Chantal sanft und nahm sacht seine Hände: „Ich kann dich doch verstehen. Du bist eben ein leidenschaftlicher Trainer und keine emotionslose Maschine, hihi.“

Nach dieser kleinen Aussprache ging es Sven gleich viel besser, vielleicht weil er wusste, was Chantal eigentlich in all der Zeit für ihn getan hatte. Und natürlich auch, weil er nun den Grund kannte, der dafür gesorgt hat, dass Juwelchen überhaupt erst in sein Leben gekommen ist. Endlich wusste er Bescheid und wenngleich dies eine eher ernste Situation im Moment war, fühlte sich der junge Mann dennoch erleichtert!

Gemeinsam jedenfalls wandten sie sich wieder Dietbert, der noch schnell verstohlen eine Träne aus seinen Augenwinkeln verschwinden ließ, zu und fragten entschlossen: „Okay Herr Strohsack, es muss doch noch was geben, das sie herausgefunden haben, nicht? Sonst würden sie nicht so überlegen lächeln^^.“

„Gut erkannt, das wollte ich eben noch sagen, hähä!“, bestätigte Dietbert mit einem selbstgefälligen, triumphierendem Grinsen: „Granbullkopf mag ruhig glauben, dass er durch sein Schweigen etwas bezweckt, aber da täuscht er sich gewaltig! Als Coco und ich uns nämlich gründlich in seinem Haus umgesehen haben, haben wir in seinem Keller einen echten Zeugen gefunden! Sie haben ihn übel zugerichtet dort eingesperrt, weil er zum einen Ivaars Einbruch beobachtet hat und zum anderen noch einiges mehr weiß, was diesen Halunken nicht gefallen wird, hähä!

Wir haben ihn aufgepäppelt und weil er so wild entschlossen ist, euch zu helfen, bringt Coco ihn in eben diesem Moment zu euch. Und dein kleiner Bruder Bernd ist mit den R-Bikes auch schon unterwegs. Es ist also alles so, wie es sich dein Vater erhofft hat, haha!“

„Spitzenmäßig Herr Strohsack!“, freute sich Chantal überschwänglich und hatte ein abenteuerlustiges Funkeln in ihren Augen: „Die Gauner ahnen noch nichts und mithilfe dieses Zeugen werden wir ihnen auf die Schliche kommen! Supi!“

„Ach, deshalb ist dein Vater freiwillig in diese Falle getappt! Er wollte, dass sich diese Halunken in Sicherheit wiegen und wir genügend Zeit haben einzugreifen.“, erkannte Sven anerkennend grinsen, musst dann aber verständnislos den Kopf schütteln: „Aber etwas verrückt ist es ja schon solche Sachen in die Hände von ein paar Trainern zu legen. Das ist wie in diesen Videospielen in denen ausgerechnet ein Zehnjähriger einen geheimen Schalter hinter einem Poster findet und dann im Alleingang das Geheimversteck einer Verbrecherorganisation hochgehen lässt…“

Der junge Mann fing sich dafür einen leichten Knuff seiner Freundin ein, die diesen mit folgenden Worten kommentierte: „Mensch Sven, WIR sind ja wohl schon junge Erwachsene! Außerdem zählt in solchen Fällen ja das Talent als Trainer viel mehr. Und ich würde ja schon behaupten, dass wir genug Talent für dieses Unterfangen haben!“

„Na gut, da hast du schon recht.“, gab Sven grinsend zu, meinte dann aber noch ehrlich beeindruckt zu Dietbert: „Aber alle Achtung Herr Strohsack! Ich hätte ihnen und ihrer Coco nie zugetraut, dass sie sich mit Granbullkopf und seinen Schergen anlegen und dabei auch noch siegreich sein können!“

„Na, na, na, jetzt werd mal nicht frech du Jungspund nur weil meine aktive Zeit als Trainer schon ein Weilchen her ist!“, erwiderte Dietbert und spielte erst den Gekränkten, bevor er großmütig meinte: „Aber Coco und ich haben ja unseren Anteil daran, dass unser einstiger Ruhm verblasst und in Vergessenheit geraten ist, weil uns nun die Kunst mehr bedeutet.

Trotzdem sollst du wissen, dass meine Coco und ich vor dreißig Jahren eine ganz große Nummer waren – wir haben sogar mehrmals die Mungenau-Liga gewonnen; da warst du noch gar nicht auf der Welt :]!“

„Wirklich?!“, entfuhr es dem jungen Mann ganz baff und er sah fragend Chantal an, um sich zu vergewissern, dass ihm sein Nachbar auch kein Ursaring aufband. Zu seinem Erstaunen nickte die junge Frau sogar wirklich bestätigend und sagte einfach: „Wirklich^^!“

„Da staunst du, was?“, sprach Herr Strohsack bestätigt, mit einem selbstgefälligem Grinsen und verlor sich in seinen Erzählungen, da Sven und Chantal praktischerweise nun sowieso auf sein Rasaff und die R-Bikes warten mussten^^.

„Damals waren Coco und ich ein richtig heißes Gespann, hähä! In der ganzen Region war meine Coco als Kurzschluss-Coco! bekannt und gefürchtet bei unseren Gegnern! Wenn meine Kleine erst einen Volltreffer abbekommen hatte, sahen unsere Kontrahenten kein Land mehr! –Granbullkopf und seine Schergen durften am eigenen Leib erfahren, dass dieser Umstand auch heute noch gilt, hähähä :smart:!“, plauderte er ausgelassen los, fügte aber ehrlich hinzu: „Aber auch wenn ich diesen Halunken überrascht habe – allein hätten Coco und ich schon ihre Schwierigkeiten gegen dies Übermacht gehabt…

…wenn uns nicht unsere alten Kumpels von einst geholfen hätten, hähä! Ihr müsst nämlich wissen, dass wir darüber hinaus auch Teil einer richtig harten, üblen Gang junger, ehrgeiziger Trainer und ebensolchen Pokémon waren, von denen jeder mindestens einmal die Liga gewonnen hatte!

Wir waren bekannt, wir waren verrucht, wir waren hart wie Stein und flexibel wie Wasser gleichzeitig! Und wir hatten einen Namen, der zu seiner Zeit nur mit Ehrfurcht ausgesprochen wurde! Wir waren das…

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„Team… Tinnitus :huh:?“, echoten sowohl Sven als auch Chantal verdattert. „Von diesem Team Tinnitus hör ich jetzt zum ersten Mal…“, stellte die junge Frau irritiert fest und war gleich darauf noch irritierter: „Hey? Warum passiert bei Sven und mir nichts wenn wir das aussprechen?“ „Und wer war denn alles in diesem Team dabei?“, fügte der junge Mann genauso irritiert hinzu, weil er glaubte, im Hintergrund seinen Meister und dessen Frau lachen zu hören!

„Bahaha! Ihr Jungspunde müsst ja nicht alles aus den wilden Jugendjahren eurer Eltern und Chefs wissen. Es waren einige Leute in diesem Team, bei denen ihr es nicht glauben würdet, haha!“, lachte Dietbert gleichzeitig belehrend, geheimnisvoll und amüsiert: „Und darüber hinaus ist es ganz einfach: Euch fehlt die richtige Aussprache und die hat man nur, wenn man dabei gewesen war beim…


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„Ah, ja…“, machten Sven und Chantal einfach, tauschten einen vielsagenden Blick untereinander aus und beließen es lieber dabei. Da man nun aus der Ferne bereits die Lichter der herannahenden R-Bikes, sowie das Schnaufen von Coco hören konnte, fand Dietbert ohnehin, dass es Zeit war, sich zu verabschieden.

„Wie dem auch sei… Wir vom alten Schlag haben unseren Teil erfüllt, den Rest legen wir in die Hände der jüngeren Generation.“, hob Herr Strohsack sehr formal an, bis er dann zum Schluss doch noch wieder wie der ‚Alte‘ klang: „Also vermasselt es nicht, ja? Besonders du nicht Sven! Wir haben uns unter anderem nur so reingehängt, damit du nicht mehr wie ein Trauerkloß durch die Gegend läufst und damit die Lebensqualität unseres ganzen Viertels gleich mit runterziehst! Coco und ich haben nämlich großes Interesse daran auch weiterhin in einer Nachbarschaft zu leben in der man sich sicher und glücklich fühlen kann!

Darum zieht los und seid gefälligst erfolgreich!

Und wo wie gerade dabei sind: Tu uns bitte alle einen Gefallen und zieh dir noch was an, bevor du aufbrichst Sven! In diesem Sinne…

Viel Glück und auf ein baldiges Widersehen!“

„Hach ja, das ist Dietbert wie er leibt und lebt, hihi!“, konnte Chantal trotz der ernsten Lage fröhlich lachen und fragte Sven mit diesem gewissen Funkeln in ihren Augen: „Bereit für ein waghalsiges Abenteuer, um diesen Gaunern in den Hintern zu treten und Papa, Juwelchen und all die anderen zu retten?“

„Und wie ich das bin!“, antwortete er prompt und voller Zuversicht. Es fühlte sich nämlich so gut an, endlich etwas tun zu können! Dieses Gefühl der Hilfslosigkeit…

…es war wie weggeblasen!

Vor ein paar Monaten hätte er sich wohl selbst für verrückt und so einen Vorschlag für eine schräge Idee gehalten, aber da kannte er diese Kraft, die man aus dem Zusammenhalt mit seinen Pokémon ziehen konnte, noch nicht!

Nun aber, da er ein halbwegs erfahrener Trainer war, spürte er die wilde Entschlossenheit seines Teams auch durch ihre Bälle hindurch und wurde von ihnen glaubhaft darin bestärkt, dass er mit ihrer und Chantals Hilfe dieses Unterfangen auch durziehen konnte!

Er war bereit dafür und es konnte seinetwegen sofort losgehen!

Wobei, eine Kleinigkeit doch noch zuvor erledigt werden wollte…

„Ähm, Dietbert hat ja schon recht… Chantal, ich geh mir noch ganz schnell was anziehen…!“

Kapitel 20: Die Maske fällt!

„Tatütata! Das Sondereinsatzteam ist da!“, rief Bernd, der sich ein rotes, wehendes Stirnband umgebunden hatte vergnügt und erreichte in genau dem Moment mit den drei R-Bikes das Haus von Sven, als dieser es gerade wieder salonfähig verlies. „Und wir sind sowas von bereit uns ins Abenteuer zu stürzen, nicht wahr Rotom?“, fuhr Chantals jüngerer Bruder ganz aufgekratzt und mit funkelnden Augen fort und machte mit seinem Bike, dessen Rotom darin jauchzte vor Vergnügen, ein paar waghalsige Kunststücke und Manöver. Auch wenn Bernd klein und kräftig von Statur war, so war er doch unglaublich beweglich und flink, was er nun eindrucksvoll unter Beweis stellte und auch von seinem vielen Training mit seinem Knofensa herrührte.

Sven lächelte bei diesem Anblick und erhob mit keinem Wort Einspruch oder Bedenken, dass diese Sache vielleicht zu gefährlich für ihn sei. Immerhin war Alexandre auch sein Vater und Chantal hatte mit ein paar knappen Worten vorhin schon klargestellt, dass ihr kleiner Bruder mit von der Partie sein würde, weil er unbedingt helfen wollte. Eine Einstellung, die der junge Mann gut verstehen konnte, weshalb er sich einfach freute, mit Verstärkung in dieses Abenteuer gehen zu können – wenngleich Bernd sich in brenzligen Situationen im Hintergrund halten sollte, dass hatte er schon seiner großen Schwester versprechen müssen. Aber Sven fühlte, dass der junge Bursche ihnen dennoch eine große Hilfe sein würde.

„Übertreib es nicht Bruderherz! Wir brauche dich unversehrt und in einem Stück.“, ermahnte Chantal derweil ihren kleinen Bruder ausgelassen lachend und griente ihn breit dabei an, was dieser sofort erwiderte. Der junge Mann konnte bei diesem Anblick nicht anders, als selbst zu grinsen. Er wusste genau, dass die beiden Geschwister in Wahrheit genauso angespannt und aufgeregt waren, wie er selber. Schließlich machten sie sich ja verständlicherweise auch ein wenig Sorgen und hatten Angst um ihren Vater, Juwelchen und die anderen Polizisten. Doch wenn sie schon in ein gefährliches Abenteuer zogen, dann wenigstens mit einem Lächeln!

„Und genau das ist die richtige Einstellung!“, fand Sven zufrieden und erlaubte es sich für einen kurzen Moment seine Freundin ganz bezaubert zu betrachten. Chantal hatte sich nämlich auch rasch noch umgezogen, ihren Kimono gegen einen edlen, schwarzgrauen Ganzkörperanzug getauscht und ihre schwarzen Haare zu einem großen Zopf gebunden, was ihr nun das anmutige und geheimnisvolle Aussehen eines Ninja verlieh. Man hätte sie glatt für eine Schülerin Janinas, der Ninja-Meisterin aus der Arena von Fuchsania City halten können. –Der jungen Frau standen solche exotischen Kleidungsstile einfach, daran gab es nichts zu rütteln!

„Rasaff!“ Die laut schnaubende und noch immer voller Energie steckende Coco, die soeben im Laufschritt eintraf, holte aber ihrerseits mit ihrem geräuschvollem Auftreten den jungen Mann wieder ins Jetzt zurück und zog nun alle Aufmerksamkeit auf sich, denn sie hatte ja diesen geheimnisvollen Zeugen bei sich.

„A… Aber das ist ja der Faule Joe!“, entfuhr es Sven verblüfft, als er das in diesem Viertel so bekannte und für gewöhnlich so lethargische Vipitis in den Armen des Kampfpokémon erblickte. Gleich darauf aber spürte er einen Stich im Herzen, denn wenngleich Dietbert und die anderen das Reißzahnpokémon wieder aufgepäppelt haben; man konnte ihm die Misshandlungen seiner Peiniger immer noch deutlich ansehen.

„Meine Güte, dir hat man ja ganz schön übel mitgespielt!“, sprach der junge Mann betroffen und streichelte gemeinsam mit Chantal ganz sanft und liebevoll über die vernarbten, warmen und glatten Schuppen des Giftpokémon, dass sich dieses Liebkosungen nach dieser harten Zeit nur zu gerne gefallen lies. Es stieß dabei sogar eine Art Schnurren aus, mit der Vipitis ihre vollste Zufriedenheit ausdrückten. „Ach du Ärmster.“, meinte auch die junge Frau mitleidig: „Warst du die ganze Zeit in der Gewalt dieser Gauner, ohne dass wir etwas davon mitbekommen haben. Das tut uns furchtbar leid!“

„Du hast’s nicht mitkriegen können Sven, aber der Faule Joe ist just an dem Tag verschwunden, als Juwelchen gestohlen wurde.“, erklärte Bernd indessen dem junge Mann und schüttelte ebenfalls betroffen den Kopf: „Keiner von uns ist wegen dieses Trubels auf die Idee gekommen, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte. Wir alle haben nämlich einfach geglaubt, der Faule Joe sei mal wieder heimlich, still und leise zu einer seiner großen Reisen aufgebrochen, wie er es manchmal halt so macht.“

Ja, seinem Namen zum Trotz unternahm der Faule Joe tatsächlich gerne ein oder zwei Mal im Jahr eine längere Reise. Ohne Vorankündigung ließ er sich dann von einem Tag auf den anderen vom Aigre einige Kilometer flussabwärts treiben und suchte die verschiedensten Orte auf – niemand konnte genau sagen, wo er sich überhaupt rumtrieb. Fest stand nur, dass er nach spätestens einem Monat plötzlich wieder hier aus dem Aigre auftauchte, sich erst mal ausgiebig von allen Anwohnern füttern ließ und sich dann von seiner Reise ausruhte, bevor er wieder zur Tagesordnung überging und sich vom Ausruhen ausruhte^^.

Jetzt aber stand dem Faulen Joe überhaupt nicht der Sinn nach ausruhen – sondern nach Vergeltung!

„Vipitis!“, zischelte das Vipitis deshalb nach einem genießerischen Moment entschieden und unterbrach somit eigenmächtig die schöne Streicheleinheit der beiden Trainer, was so gar nicht zu seinem üblichen Wesen passte. Doch jetzt gab es viel wichtigere Dinge zu erlerdigen, als sich verhätscheln zu lassen!

Die roten Augen des Reißzahnpokémon funkelten vor Rachsucht und es war offensichtlich, dass es den dreien tatkräftig zur Seite stehen und es diesen Halunken heimzahlen wollte. Allgemein wirkte der Faule Joe nun alles andere als faul und schon gar nicht von seiner Gefangenschaft traumatisiert oder gebrochen, sondern kämpferisch, selbstbewusst und zu allem bereit! Unweigerlich fühlte man sich von seinem Auftreten nun an einen dieser alten Western wie ‚Arceus vergibt – Vipitis nie!‘ oder ‚Vier Vipitis für ein Halleluja!‘ erinnert in denen am Ende immer die Kugeln flogen und nicht wenige dabei draufgingen.

Eindringlich sah es die drei Trainer an und diese Begriffen sofort, ohne das auch nur ein Wort gesprochen werden musste, was der Faule Joe ihnen mitzuteilen hatte: Scheinbar hatte das Vipitis etwas herausgefunden, was sie auf die Spur dieser Gauner und vor allem auf den oder die Strippenzieher im Hintergrund bringen konnte! Und selbstverständlich wollte es ihnen gleich sofort den Weg zu dieser ‚heißen Fährte‘ zeigen, bevor es zu spät und diese Verbrecher mit Juwelchen über alle Berge waren!

„Natürlich!“, meinte Chantal da für alle mit einem abenteuerlustigem Lächeln und einem kämpferischen Funkeln in den Augen, während sie sich ihren Helm aufsetzte: „Lass dich von Henner tragen und führe uns an Fauler Joe! Diesen Halunken zeigen wir’s!“

„Und was dich betrifft Coco…“, fügte die junge Frau rasch noch hinzu und kraulte das Rasaff kurz hingebungsvoll zwischen den Ohren: „Du hast fantastischen Einsatz gezeigt Coco! Diese Angelegenheit hier kannst du jetzt getrost uns überlassen. Erledige du bitte meinen kleinen Auftrag noch, ja?“ „Rasaff!“, entgegnete das Kampfpokémon zustimmend schnaubend und natürlich froh darüber, dass es so gelobt wurde und im Mittelpunkt stehen konnte. Dann verabschiedete es sich von allen und machte sich weiterhin lautstark schnaubend und voll Energie auf den Weg.

„Was Coco wohl für Chantal machen soll?“, fragte sich Sven kurz in Gedanken, verwarf diese Frage aber gleich wieder. Er kannte seine Freundin gut genug, um zu wissen, dass er vorzeitig nichts außer einem verschmitzten Grinsen aus ihr herausbringen würde. Zumal es sowieso nun eine wichtige Angelegenheit zu klären gab! Gekonnt schwang er sich in den Sattel und sah die beiden Marquard Geschwister genauso kämpferisch an wie sie ihn. „Dann wollen wir mal in die Pedale treten!“, rief er aus: „Auf geht’s!“

Insgeheim dachte er sich jedoch auch: „Juwelchen, halte durch! Egal wo du sein magst, wir werden dich finden und retten!“

Unterdessen sausten die drei Trainer schweigend und hochkonzentriert durch die nächtlichen, menschenleeren Straßen von Regelsberg und wusste nicht im Geringsten, wo sie wohl landen würden. Ihnen voraus eilte Henner mit kräftigen Sprüngen und gab, instruiert vom Faulen Joe in seinen Armen, die Fahrtrichtung an und achtete darauf, nicht zu schnell für Chantal und die anderen zu sein. Immerhin konnte ein gut trainiertes Lohgock, wenn es erst mal in Fahrt kam, ein beachtliches Tempo erreichen, da hatte man auch mit einem R-Bike keine Chance mehr es einzuholen.

Der Faule Joe selbst züngelte derweil eifrig und war ganz auf seinen feinen Geruchssinn fokussiert, weil es ein solcher war, der sie auf die Spur dieser Gauner bringen konnte. Sowohl an Ivaar, Granbullkopf, ja eigentlich an all den anderen Handlangern und Helfershelfern, mit denen der Faule Joe unfreiwillig Bekanntschaft gemacht hatte, hatte es den Duft einer ganz bestimmten Person ausmachen können. Einer Person, deren Name das Reißzahnpokémon zwar nicht kannte, die aber hier mitten in Regelsberg lebte!

Zusammen mit dem, was es in der Zeit seiner Gefangenschaft gehört hatte, war klar, dass es sich bei diesem Jemand um den Anführer oder wenigstens ein ganz hohes Tier dieser Bande handeln musste. Und wo sonst, außer an dem Ort, an dem diese Person für gewöhnlich unter dem Tarnmantel ihrer bürgerlichen Existenz lebte, konnten sie am ehesten hoffen, Anhaltspunkte über die geheime Basis dieser Schurken zu finden?

Irgendwann gab der Faule Joe abrupt ein Zeichen zum Anhalten und höchst verwundert bemerkten die drei jungen Leute, dass das Giftpokémon sie in das Einkaufsviertel der Innenstadt gelotst hatte! Zu dieser späten Stunden fanden sie die ganze Gegend hier natürlich leer und verlassen vor und in den geschlossenen Geschäften glommen nur ein paar dezente Werbetafeln an den Schaufenstern. –Übermäßige Leuchtreklame war in ganz Mungenau nämlich verboten!

Ein leichter Windhauch trieb ein zerknülltes Stück Papier über den vom sanften Schein der Laternen erhellten Platz was mit dem Rascheln der Blätter in den Bäumen und Büschen, sowie dem Rauschen des nahen Aigre eines der wenigen lauteren Geräusche darstellte. Dadurch wirkte die ganze Szenerie schon etwas unheimlich. Gleichzeitig lag aber auch eine gewisse Spannung in der Luft – die drei Trainer waren sich sicher, dass diese Stille hier nicht mehr lange anhalten würde!

„Pitis!“, wisperte der Faule Joe nun passenderweise nur noch leise und warnend. Das Ziel war schon ganz nah, doch ab hier sollten sie besser vorsichtig zu Fuß weitergehen. „Ist gut.“, antwortete Chantal flüsternd für alle, bedeutete den R-Bikes hier ruhig zu warten und zog Henner in seinen Ball zurück. –Angesichts der Situation vielleicht keine gute Idee, aber die junge Frau wusste, dass ihr Lohgock furchtbar schlecht im anschleichen war...

Geführt vom Reißzahnpokémon schlichen sie sich nun mit höchster Vorsicht und Achtsamkeit an den Fassaden und Mauer der einzelnen Gebäude und den Stämmen der großen Bäume entlang und vor allem auf Sven Gesicht machte sich immer mehr und mehr blanke Ungläubigkeit breit. Er… Er wusste auf welchen Laden sie zusteuerten! Schließlich war er vor einigen Monaten sogar in diesem gewesen. Das dieser Kerl was damit zu tun haben könnte… Nicht zu glauben!

„Ich krieg die Tür nicht zu!“, murmelte der junge Mann deswegen mit entgleisten Gesichtszügen und hatte Mühe nicht laut zu werden, denn es war einfach unfassbar! Da dachte man, dass es heute schon genug Überraschungen gab und dann setzte das Schicksal noch einen drauf!

Das Geschäft, auf das sie sich zielstrebig zubewegten und sie nun versteckt hinter ein paar Bäumen bereits halbwegs erblicken konnten war kein anderes als…

Isonaplogius‘ Rauchglaswarenhandlung!

Das war verrückt! Nie im Leben hätte Sven geglaubt, dass ausgerechnet Isonaplogius Karrasch, dieses verschrobene aber so harmlos wirkende, füllige Männlein mit seinem antiquiertem Backenbart und dem schlechten Geschmack in Sachen Kleidung, scheinbar die graue Eminenz im Hintergrund sein konnte :o!!

„Boah! Das ist schon ein starkes Stück.“, fand auch Bernd, der wie seine große Schwester auch für einen Moment nur völlig perplex bei dieser Offenbarung war. Chantal war jedoch die erste, die sich wieder fing und nickte trotz dieser Lage anerkennend. „Nicht schlecht. Da hat sich wer aber große Mühe gemacht, brav im Hintergrund zu bleiben.“, meinte sie kombinierend: „Papa hatte zwar schon mit der Zeit die Vermutung, dass jemand aus Regelsberg mit in die Sache verwickelt ist, doch den Karrasch hätte keiner so schnell verdächtigt.“

Sven wollte noch etwas dazu sagen, doch dann bemerkten er und die beiden Geschwister, wie sich drei Gestalten, allesamt unfreundlich wirkende, wuchtige Kerle, in ihr Blickfeld schoben und direkt vor dem Laden stehen blieben und die Umgebung beobachteten. Offenbar waren sie damit beauftragt hier Wache zu schieben und das wohl schon die ganze Nacht lang. Denn sie wirkten gelangweilt und gereizt und hielten fast leere Flaschen irgendeines Gesöffs in ihren Händen, während man im Hintergrund bereits einige leere Flaschen und Bierdosen auf dem Boden ausmachen konnte.

„Vorsicht jetzt!“, mahnte Chantal angespannt, aber auch schon wieder mit diesem kämpferischen Funkeln in den Augen: „Wir warten noch Augenblick, dann schlagen Sven, der Faule Joe und ich zu! Und du Bernd sichterst von hinten mit Knofi, aber lass dich auf keinen Fall auf einen direkten Kampf ein, ja? Diese Typen mögen zwar keine guten Trainer sein, aber sie werden keine Skrupel haben, auch selbst einzugreifen!“ „Ist gut!“, antwortete Bernd genauso entschlossen wie die anderen, ganz besonders natürlich der Faule Joe, dessen schwertähnlicher Schweif schon zuckte. Diese Halunken können was erleben! Während sie also kurz eine Strategie erarbeiteten, war die kleine Gruppe aber gezwungen den Gesprächen dieser Typen zu lauschen, was nicht wirklich erheiternd war…

„Meiner ist größer als deiner!“, tönte da einer gerade im Brustton der Überzeugung.

„Vielleicht.“, konterte der zweite von diesen Kerlen ungerührt, nahm einen Schluck aus seiner Flasche und unterstrich: „Aber dafür ist meiner länger als deiner! Ich kann damit sogar meine Nase berühren…“

„Oh Schluss damit!“, mischte sich nun der dritte mit einer besonders grimmigen Stimme ein: „Könntet ihr beide vielleicht aufhören, euch über solche Themen zu unterhalten?!“

„Aber es ist stinklangweilig hier!“, maulte nun der erste wieder: „Wir sollen hier blöd und völlig unnütz Wache stehen, während Granbullkopf auf seinem Hof die Bullerei verhauen durfte, das ist Unfair!“

„Ja genau! Hier kommt doch eh keiner mehr vorbei!“, bekräftigte der zweite gleichfalls in einem nölenenden Tonfall: „Macht doch keinen Sinn mehr hier rumzulungern! Die Polizei ist ausgeschaltet und außer denen kommt doch nie und nimmer einer auf die Idee HIER nach Spuren zu…“

„Klappe du Vollpfosten!“, schnauzte ihn der dritte wütend an und sah nach vorne, weil nun Chantal, Sven und der Faule Joe mir nichts dir nichts plötzlich vor ihnen standen und mit entschlossenem Schritt und Gesichtsausdruck auf sie zugingen.

„Was wollt ihr beiden denn hier?!“, fuhr er die zwei böse an und baute sich bedrohlich vor ihnen auf: „Ihr habt hier nichts verloren, also verschwindet! Oder es gibt mächtig Ärger und keine Sorge: Ich bin emanzipiert! Ich schlage auch Frauen!“

„Vipitis!“, fauchte der Faule Joe da die drei mit einem so finsteren Blick an, dass die beiden anderen Typen unweigerlich einen Schritt zurück gingen. Chantal und Sven nahmen derweil einen Pokéball in die Hand und sprachen gemeinsam mit einem herausforderndem, kindlich unschuldigem und deswegen äußerst provozierendem Lächeln: „Wir möchten gerne in dieses Geschäft… Und wenn ihr uns aufhalten wollt, dann werdet ihr wohl diejenigen sein, die Ärger kriegen^^!“

Ihre Gegenüber fielen voll auf diesen Trick herein, liefen vor Zorn rot an und dachten deshalb gar nicht daran, ihre Funkgeräte, die sie bei sich trugen, zu benutzen um ihre Spießgesellen zu warnen oder Verstärkung anzufordern. –Dieser Punkt ging schon mal an die beiden^^.

„Das ihr euch das traut…!“, knurrte der offensichtliche Anführer dieser Schläger deswegen wütend und zeigte auf die beiden: „Auf sie Leute! Diesem hochtrabendem, rotzfrechem Pärchen verpassen wir eine Abreibung die sich gewaschen hat!“

Grölend warfen die Halunken daraufhin ihre Bälle, sodass sich die junge Frau und ihr Freund acht knurrenden Pokémon gegenübergestellt sahen, die größtenteils typisch für solche Kerle waren: Zwei Irokex, ein Pudox, zwei Hunduster, ein Rattikarl, aber auch zu guter Letzt ein Fluffeluff und ein Pii. Allesamt üble, rohe und gewalttätige Gesellen, die ihre mangelnde Taktik mit brutalen und direkten Angriffen ausgleichen würden, wobei die beiden Babypokémon schon vom Aussehen her die stärksten und gefährlichsten Gegner sein würden!

Trotzdem hatte der junge Mann, genau wie seine Freundin, keine Angst, sondern spürte im Gegenteil das erhebende Gefühl eines Kampfes in sich aufsteigen. Sie wussten, dass sie und ihre Pokémon diesen Gegner überlegen waren. Warum sich also fürchten?

„Zeit für unser Dreamteam!“, riefen sie stattdessen kämpferisch: „Macht diese Pantoffelhelden fertig Fussel und Tinkerbell!“

Die Schurken wollten schon laut bei diesen Namen loslachen und lästern, doch dann blieb ihnen der Spott in der Kehle stecken! Zum einen weil Fussel mit seinem gesträubten Fell, angelegten Ohren, den gefletschten Zähnen, böse funkelten Augen und dem dunklem Grollen in seiner Kehle alles andere als süß wirkte. Und zum anderen weil sich Tinkerbell in der Zwischenzeit zu einem Tectass weiterentwickelt hatte, die sowieso beeindruckend bis bedrohlich mit ihrer Größe, ihrem harten Panzer und vor allem den langen, glitzernden Klauen aussahen. Bei Chantals Pokémon wurde dieser einschüchternde Eindruck noch dadurch verstärkt, dass sein Panzer auch nach der Entwicklung zerfurcht, wie vernarbt aussah. Was einen Gegner schon glauben machen ließ, dass Tectass sich diese in harten, üblen Kämpfen zugezogen hatte und es deswegen ein gefährlicher Kämpfer sei. (Die Typen brauchten ja nicht zu wissen, dass Tinkerbell nach ihrer Entwicklung eigentlich noch verschmuster und anhänglicher als zuvor und an sich ganz sanft und freundlich war^^.)

„Tectass!“, knurrte Tinkerbell entschlossen und tauschte kurz einen vielsagenden Blick mit Fussel aus, welches zustimmend nickte: „Mara!“ ‚Die können was erleben!‘

Seit Flamara sich aus seinem Tief hat kämpfen können, waren es undTinkerbell richtig dicke Freunde geworden, die so oft wie möglich gemeinsam gekämpft und trainiert hatten, sodass sie nun ein schlagkräftiges und eingespieltes Team bildeten. Und das bekamen ihre Gegner jetzt überdeutlich zu spüren!

Mittels eines blitzschnellen Überrumplers, den diese Halunken dem eher schwerfällig wirkendem Käfer/Wassertypen nicht zugetraut hätten, schaltete Tinkerbell gleich eines der Irokex aus, während Fussel das Pudox mit seinem Feuerzahn flink auf die Bretter schickte, ehe es mit irgendwelchen Puderangriffen gefährlich werden konnte.

Fassungslos mussten diese Schurken mit ansehen, wie ihre ganze Truppe trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit von den beiden Pokémon gnadenlos mit ihren flinken und aufeinander abgestimmten Manövern und Kombinationen aufgerieben und besiegt wurden. Einzig Pii und Fluffeluff sorgten mit ihrer Stärke und ihrer schützenden Freundeshutfähigkeit dafür, dass dieser Kampf nicht binnen weniger Minuten entschieden wurde.

Trotzdem war das Ende klar absehbar und eindeutig; da half auch der miese Trick dieser Gauner nicht mehr, der darin bestand, nochmals drei Pokémon unvermittelt in den Ring zu schicken: Dies waren ein Zwirrfinst, ein Damhirplex und ein Brigaron, die weitaus besser trainiert und deutlich stärker wirkten.

Ganz offensichtlich handelte es sich bei diesen drei um einige der kürzlich gestohlenen Pokémon, welche sich diese Verbrecher in ihre eigenen Teams geholt haben, um damit stärker zu werden. Doch ihr Plan ging nicht auf, denn die drei kämpften, obwohl man ihnen ansah, dass man versucht hatte ihnen mittels Gewalt den Gehorsam einzubläuen, nur halbherzig und widerwillig gegen Fussel und Tinkerbell.

In den Blicken dieser Pokémon war die blanke Verachtung für diese Kerle genauso zu erkennen, wie das Interesse und die Sehnsucht an der ausgelassenen Ausstrahlung von Tectass und Flamara, was sie an ihre eigentlichen Trainer erinnerte und in ihnen langsam der Mut zu einem Aufstand wuchs!

Und je mehr sie sahen, wie hingebungsvoll die zwei für ihre Trainer kämpften und sie spürten, wie viel Liebe und Zuneigung auf beiden Seiten zwischen Mensch und Pokémon herrschte, desto unwilliger wurden sie. Schlussendlich gänzlich überzeugt, wandten sich das Geist, das Normal und das Pflanze/Kampfpokémon endlich gegen ihre Peiniger und konnten so dieses Gefecht augenblicklich beenden!

„Oh nein! So nicht!“, keifte der Anführer dieser Schläger, als sich die Niederlage abzeichnete, aber die Pokémon dennoch beschäftig waren, böse. Er gab seinen Männern heimlich ein Zeichen und zu dritt stürmten sie direkt auf Chantal und Sven zu, damit sie diese als Geiseln nehmen und deren Pokémon erpressen konnten.

Selbstverständlich ein völlig hirnrissiges Unterfangen, denn es waren ja immer noch der Faule und Joe und Bernd zugegen, die jetzt, wo sie auch gebraucht wurden, in Aktion traten!

„Vipitis!“ Zischend warf sich der nun gar nicht mehr Faule Joe dazwischen und verwickelte zwei der Schläger in einen eher kurzen und unwürdigen Nahkampf. Das Reißzahnpokémon wich geschmeidig den im Vergleich dazu plumpen und unbeholfen wirkenden Hieben und Tritten dieser Halunken aus und schickte sie voller Genugtuung mit einem ‚Neck Strike‘ ins Reich der Träume! „Pitis!“, machte der Faule Joe zufrieden: ‚Na, wie schmeckt euch eure eigene Medizin, hä? Mann, hat das gutgetan :]!‘

Jetzt war nur noch der Anführer auf den Beinen und im Begriff, gleich Sven zu packen, doch er ahnte nicht, dass er längst schon von Bernds Knofi aufgehalten wurde. Das heißt, er spürte schon etwas, brachte das aber nicht mit dem kleinen Pflanzenpokémon, von dem er auch gar nicht wusste, dass es da war, in Verbindung. Denn je näher er Sven kam, desto langsamer, fahriger und schwächer fühlte er sich. Immer schwächer und schwächer und schwächer…

Beim jungen Mann angekommen, war er so ausgepumpt, dass dieser ihn nur noch anpusten musste, bis er auch besinnungslos zu Boden ging. –Nun war der Kampf gänzlich entschieden^^.

„Der Kraftabsorber, was?“, meinte Sven dann grinsend zu Bernd und Knofi, das eben seine leuchtenden Wurzen wieder einzog: „Eine tolle Taktik ihr zwei, wirklich. Vor allem wenn man bedenkt, dass der gute Wunibald erst seit einem knappen Monat diese neuen Attacken im Angebot hat, habt ihr sie bereits erstaunlich gut gemeistert!“ „Knofensa!“, machte das Fliegentodpokémon freudig und wedelte mit seinen Blättern, es und sein Trainer hatten ja auch ganz viel und fleißig geübt, das zahlte sich nun aus!

„Hehe, Dankeschön Sven.“, entgegnete Bernd, der sich auch ehrlich und ohne falsche Bescheidenheit über dieses Lob freute: „Man tut was man kann, hehe :D! Aber jetzt fessel ich diese Typen mal lieber schnell mit ‚Nimmersatt‘, damit sie beim Aufwachen nichts mehr anstellen können.“

Während Bernd also mit Nimmersatt, seinem Purmel, diese Halunken unschädlich machte, lobten und streichelten der junge Mann und seine Freundin ihre Pokémon ausgiebig. „Du warst fantastisch Fussel!“, sprach Sven darum stolz aus und glitt mit seiner Hand durch das seidige Fell seines zufrieden schnurrenden Pokémon, dass von diesem Kampf nicht im Geringsten erschöpft war. Dann blickte er zu Chantal, die ihrerseits ihr Tectass liebkoste, bevor sie beide auch den Faulen Joe bedachten: „Und dein Einsatz war auch nicht von schlechten Eltern, Fauler Joe! Wer hätte gedacht, dass so viel Potenzial in dir steckt :up:?“

„Vipitis.“, geehrt neigte das Giftpokémon seinen Kopf, als Tinkerbell, von solchen emotionalen Moment immer völlig überwältigt, die beiden Trainer, Fussel und auch das Vipitis umarmte. –Und liebevoll von einem Tectass umarmt zu werden ist schon eine Erlebnis, welches man unbedingt mal selber auch ausprobieren sollte^^.

„Tect…“, gurrte das Rüstungspokémon dabei gerührt und seine Trainerin streichelte sacht seine Barteln. „Ist ja gut meine süße Kleine. Ich weiß doch, wie nah dir solche Sachen gehen.“, herzte die junge Frau ihr Pokémon verständig und verlangte ganz einfühlsam von diesem: „Jetzt müsstest du uns aber wieder runterlassen Tinkerbell. Es gilt den armen Pokémon hier zu einer besseren Zukunft zu verhelfen!“

„Tectass!“ Tinkerbell begriff sofort und entließ die vier aus seiner liebevollen Umarmung, sodass Chantal nun aus ihrem Rucksack einen Beutel mit jenen Chips hervorholen konnte, von denen einer auch an Juwelchen angebracht war. Zusammen mit ihrem Freund versahen sie alle Bälle mit diesen und dabei kam dieser aus dem Staunen über die technische Raffinesse dieser unscheinbaren Dinger kaum heraus. „Diese Mikrochips sind echt der Hammer!“, brachte es Sven deshalb auf den Punkt, als er nun wusste, wozu man sie noch gebrauchen konnte:

Befestigte man nämlich einen solchen an einem Pokéball, in dem bereits ein Pokémon gefangen war, wurde dieser quasi ‚gesperrt‘ und automatisch in eine spezielle PC-Box transferiert, auf der ausschließlich die Polizei mittels speziell verschlüsselter Codes, Passwörter und Biometrie Zugriff darauf hatte. Mithilfe dieser Methode wurden problematische Pokémon, sowie jene, die man Banditen zur Strafe abnahm oder solchen die gestohlen, aber deren echter Trainer noch nicht ermittelt wurde, zeitweilig sichergestellt, bis klar war, wie es mit ihnen weitergehen würde.

„Gut, das hätten wir!“, fand Chantal zufrieden und sah die anderen an: „Bernd, würdest du zusammen mit deinem Eulfinchen und dem Faulen Joe hier draußen Wache halten, den Typen ihre Funkgeräte abnehmen und schauen, ob du in ihren Taschen vielleicht noch etwas findest, was uns weiterhelfen könnte?“ „Ist gebongt Schwesterherz!“, antwortete ihr kleiner Bruder eifrig und entließ sein Hoothoot aus seinem Ball, welches augenblicklich in einen nahen Baum flog und von dort aus versteckt mit seinen roten Augen wachsam die Umgebung im Auge behielt.

„Und wir zwei Hübschen steigen jetzt beim Karrasch ein und schauen uns mal gründlich um!“, erklärte die junge Frau ihrem Freund, der zustimmend nickte und scherzhaft fragte: „Willst du etwa ein Fenster aushebeln oder hast du einen Dietrich parat?“

„Nicht ganz…“, murmelte Chantal grinsend und kramte aus ihrem Rucksack nun eine Taschenlampe sowie ein komisches, modernes Kästchen mit Display und Tastatur heraus. „Hier, leuchte mir und dann sieh zu und staune!“, meinte sie, reichte Sven die Taschenlampe und brachte ihrerseits dieses Kästchen am elektronischen Schloss an, welches in völligem Kontrast zur betagten Glastür und dem alten Laden an sich stand. –Der Karrasch hatte zwar nie sein Geschäft modernisiert, aber schon seit einiger Zeit in eine nicht ganz billige Alarmanlage investiert, was in Anbetracht seiner völlig wertlosen Rauchglaswaren unsinnig erschien. Wenn man aber wusste, dass dieser Kerl scheinbar in kriminelle Machenschaften verwickelt war, ergab eine solche kostspielige Absicherung plötzlich wieder einen Sinn!

Der junge Mann jedenfalls fühlte wieder eine gewisse Anspannung in sich aufsteigen, als er seiner Freundin dabei zusah, wie sie konzentriert eine wirr erscheinende Kombination aus Buchstaben und Zahlen, die sie von einem kleinen Zettel ablas, eintippte. Unweigerlich musste er sich fragen, was dieser Kerl mit Juwelchen und den anderen Rocara vorhatte. Wozu war diese Maschine, von der Dietbert gesprochen hatte, gut?

Sven schwante bereits, dass er und Chantal vielleicht bald einige unschöne Dinge erfahren könnten…

Plötzlich machte das Kästchen laut und durchdringend ‚Biep!-Biep!-Biep!‘, das elektronische Türschloss fing zu summen an und kurz darauf öffnete die junge Frau mit einem triumphierendem ‚Tadaa!‘, problemlos die Tür.

„Tolle Technik, was?“, fragte Chantal zufrieden, weil alles so schön geklappt hatte und erläuterte ihrem Freund rasch: „Das ist die brandneue Weiterentwicklung einer Maschine von Citro, dem berühmten Erfinder und Arenaleiter aus Illumina City in Kalos! Mit dem Ding hab ich nicht nur die Tür entriegelt und die Alarmanlage deaktiviert, nein, auch die Kameras sind nun so manipuliert, dass sie einfach ein Standbild anzeigen anstatt auszugehen. Auf diese Weise wird keiner so schnell merken, dass wir überhaupt hier drinnen waren. Noch dazu erkennt dieses Teil auch die Absichten seines Benutzers und streikt einfach bei Missbrauch; da hat man echt an alles gedacht, hihi! –Das Gerät und das nötige Passwort hat mir übrigens Papa vor ein paar Tagen anvertraut… Ich glaube, er hatte schon geahnt, dass bald etwas passieren würde und wollte damit vorsorgen.“

„Klasse!“, konnte der junge Mann da nur anerkennend sagen, und bedachte mit diesem Wort sowohl Citros erstaunlichen Erfindergeist, wie auch Alexandres ebenso erstaunliche Voraussicht, für die er immer so geschätzt wurde. „Du würdest dich eigentlich auch super als Polizistin oder Geheimagentin machen.“, merkte Sven, seiner Anspannung zum Trotz, lächelnd an, während er mit seiner Freundin den Laden betrat und sie sich mit ihren Taschenlampen zunächst mal im Verkaufsraum umsahen. –Auch wenn die Alarmanlage deaktiviert und diese Handlanger außer Gefecht waren, wollten die zwei nicht das Licht, welches durch die Schaufenster weithin sichtbar wäre, einschalten. Denn wer konnte schon sagen, ob sich in Regelsberg nicht noch weitere Helfershelfer aufhielten und sich die zwei Trainer somit verraten würden?

„Ja, das sagen mir meine Eltern auch ständig, aber genau genommen mach ich diesen ‚Polizei-Kram‘ ja fast schon Nebenberuflich^^.“, antwortete Chantal indessen und lächelte zurück, bevor sie wieder ernster wurde und fragte: „Hast du zufällig eine Idee, wo wir zuerst gründlich mit unserer Suche anfangen können? Für das ganze Haus fehlt uns nämlich einfach die Zeit.“

„Hm… Jetzt wo du fragst, fällt mir tatsächlich ein Ort hier ein!“, entgegnete Sven erkennend und klang von seinem Einfall gänzlich überzeugt: „Mir nach, aber Vorsicht: Das könnte etwas schräg werden…“

Sacht ergriff er die Hand seiner Freundin und führte sie in dieses bizarre Familienmuseum vom Karrasch. Dort schloss er die Tür hinter sich und weil dieser Raum keine Fenster hatte, konnte er hier unbesorgt das Licht einschalten.

Chantals erste Reaktion bei diesem skurrilem Anblick war, dass sie zunächst mit einem äußerst irritiertem Gesichtsausdruck eine ihrer Augenbrauen hob und in einem verdattertem Tonfall meinte: „Also ‚ETWAS‘ schräg ist ja wohl eine gewaltige Untertreibung! Da braucht aber einer dringend ein Hobby!“

„Ich fürchte, das hat sich der Karrasch schon gesucht. Nur leider ein verdammt falsches.“, fand Sven und ging entschieden mit flinkem Schritt an den zig verschiedenen Generationen dieser glücklosen und verschrobenen Familie vorbei. Die junge Frau folgte ihm etwas langsamer und betrachtete im Vorbeigehen das ein oder andere Ausstellungsstück. „Meine Güte Isonaplogius nimmt das Ganze ja ernster als wir gedacht haben…“, sprach sie schließlich aus. Jetzt klang ihre Stimme nachdenklich, ja fast schon mitleidig und verständig. Aber sie schüttelte den Kopf und holte wieder zu ihrem Freund auf, dafür war nun keine Zeit!

„Gut, da wären wir!“, sagte der junge Mann entschlossen, als sie am Ende dieses Museums angekommen waren. Links neben ihnen hing der Schaukasten mit all den Sachen über Augustin Karrasch, während der Platz, den Isonaplogius für sich zugedacht hatte, von einem großen weißen Tuch verhüllt wurde.

„Runter damit!“, befand Sven, zog einmal kräftig und ein riesiges, prunkvolles Ölgemälde kam zum Vorschein. Es zeigte Isonaplogius mit triumphalem, stolzem Blick in jenen feinen, teuren Kleidern, die er vor kurzem ja tatsächlich anhatte und in einer herrschaftlichen Pose, in der sich früher auch gerne Adelige darstellen ließen. Ganz besonders auffällig waren aber wohl die zahllosen, wunderschönen und funkelnden Edelsteine, Juwelen und Diamanten, die er nicht nur in seinen Händen hielt. Nein, das ganze Bild war voll von ihnen, sowohl auf dem Boden, als auch in riesigen Haufen im Hintergrund – überall wimmelte es von diesen kostbaren Steinchen! Und in goldenen Lettern prangte darüber folgender Schriftzug:

‚Der Triumph der Familie Karrasch – nach über 1000 Jahren Unglück!‘

„Er nimmt das wirklich etwas ZU ernst…“, murmelte Chantal kopfschüttelnd beim Betrachten dieses Bildes, tauschte dann jedoch einen vielsagenden Blick mit dem jungen Mann aus und meinte verschwörerisch: „Wetten, dass da ein geheimer Raum dahinter ist?“

„Na und ob!“, gab Sven sofort überzeugt zurück, denn beiden war schnell aufgefallen, dass dieses Gemälde irgendwie verdächtig an der Wand befestigt war. Und nach einer kurzen Untersuchung stellte sich dieses Bild auch wirklich als versteckte Tür heraus!

Der kleine Raum dahinter war schlicht eingerichtet: Ein großer Tisch mit einem Stuhl davor, allerlei kleine Büroutensilien wie Stifte, Locher und so weiter darauf und rings um alle drei Wände bis zur niedrigen Decke lauter Regale, die voll mit Aktenordnern waren.

„Bingo!“, riefen der junge Mann und seine Freundin zufrieden aus. „Also wenn wir hier keine Spur finden, dann soll mich doch ein Kronjuwild knutschen!“, fand Chantal zuversichtlich und ging mit Sven die Ordner durch – jetzt galt es aus dieser Masse rasch die nötigen Informationen zu gewinnen und dafür mussten sie wohl oder übel auf gut Glück ein wenig stöbern…

Als die junge Frau sich für einen Ordner entschied segelte ihr ein Blatt Papier, das vorne nur schlecht angeklebt war, entgegen. Auf diesem stand:

‚22.01.XX: Ich bin es so leid! Tag ein Tag aus mache ich mich für die reichen Schnösel zum Deppen, der von ihrer Prahlsucht abhängig ist, weil sie meinen nutzlosen Schund nur deshalb kaufen…

Diese Erniedrigung, dieses erschöpfende Anpreisen von Dingen, die so sinnlos sind und das Getratsche der Leute… Das macht mich noch krank! Ich will nicht wie all meine Vorfahren als glückloser Sonderling enden. Nein! Ich will endlich beweisen, dass ein Karrasch nicht zum Unglück verdammt ist! Ich, ich will UND werde mir ein neues, besseres und schillerndes Leben aufbauen!

16.02.XX: Mein Kurztrip nach Kalos war ein voller Erfolg! Ich habe durch meine Mittelsmänner einige vielversprechende Kontakte in der Unterwelt knüpfen können. Vor allem einen Kerl namens ‚Ivaar, der Knochenlose‘ wurde mir wärmsten für mein Unterfangen empfohlen. –Eine Ansicht, die ich nach einem kurzen Treffen voll und ganz teilen kann!

Zurück in meiner Heimat jedenfalls werde ich mich in den nächsten Tagen daran machen, einige Leute anzuheuern, die eine geeignete Basis für mein Vorhaben auf die Beine stellen. Koste es was es wolle! Wenn mein neues Leben erst mal anfängt, wird Geld sowieso nie mehr eine Sorge für mich darstellen!...‘


„Vielleicht nicht ganz das, was wir suchen, aber dennoch höchst aufschlussreich!“, meinte Chantal nach dem Überfliegen dieses Zettels und schüttelte abermals den Kopf: „Wer hätte gedacht, dass der Karrasch schon seit Anfang des letzten Jahres das Ganze hier geplant hatte…? Einfach verrückt.“

Der Ordner selbst enthielt ‚nur‘ eine mehr oder weniger detaillierte Auflistung aller Personen, die Isonaplogius für seinen Plan angeworben hatte. Für die Polizei und spätere Verhaftungen sicherlich ein äußerst wichtiges Dokument, doch leider fand sich dort nicht der geringste Hinweis WO das Versteck dieser Schurken war.

„Na, gleich auf Anhieb kann man ja keinen Erfolg erwarten…“, murmelte die junge Frau, legte diesen auf den Tisch, damit man ihn später bei der Beweisaufnahme sofort zur Hand hätte, und suchte weiter. „Huch! Was ist denn das?!“, dachte sich Chantal einen Augenblick später überrascht, als ihr eine kleine Box in die Hände fiel. Neugierig öffnete sie diese und machte große Augen, mit diesem Inhalt hatte sie nun wirklich nicht gerechnet!

„Hast du was entdeckt?“, hörte sie da ihren Freund interessiert im Hintergrund fragen, während dieser gerade einen weiteren Ordner zurücklegte. „Nicht direkt.“, antwortete Chantal und packte die Box dennoch in ihren Rucksack: „Das hier ist zwar hochinteressant, aber leider nicht für unsere momentane Suche relevant.“ „Wär ja auch zu schön gewesen, jetzt schon was zu finden.“, meinte Sven realistisch, der in diesem Moment noch einen Hefter ohne Ergebnis durchsucht hatte.

Was seine Freundin da wohl gefunden hatte, machte ihn natürlich schon neugierig, aber angesichts der ernsten Lage fiel es ihm nicht schwer, sich weiterhin auf die eigentliche Sache zu konzentrieren. „Aber du hast schon recht mit dem, was du vorhin gesagt hast Chantal.“, hob er nach einer Weile zustimmend an: „Es ist verrückt, was für einen Aufwand dieser Karrasch da betrieben hat! Ein Glück immerhin, dass er so schön Buch darüber führt…“

Der junge Mann meinte seine Worte vollkommen ernst: Die ganze Zeit und das Geld, das Isonaplogius in diese Sache gesteckt hatte, konnte einen ganz benommen machen. Allein der Aufwand, diese rätselhafte Maschine in ihre Einzelteile zu zerlegen und dann von Kalos aus zu zig verschiedenen Adressen hier in Mungenau zu bringen, nur, um den Zoll auszutricksen, hatte schon ein halbes Vermögen gekostet. Und das war ja nur ein kleiner Bruchteil der ganzen Ausgaben!

„Was mag das nur für ein unseliges Ding sein?“, dachte sich Sven mit einem unwohlem Gefühl, denn für ihn war, allein schon nach dem bisschen, dass Dietbert ihnen sagen konnte, klar, dass Isonaplogius nichts Gutes damit im Schilde führte…

Plötzlich sprang ihm ein Ordner ins Auge, der auf seinem Rücken anstatt eines Buchstabenkürzels mit einem stilisierten Edelstein, der verdächtig nach einem Rocara aussah, versehen war. Er zog ihn heraus, öffnete ihn, blätterte herum und hielt erschrocken die Luft an!

Gleich auf der ersten Seite war ein Ausschnitt des Bauplans jener Maschine zu sehen, doch was ihn so schockierte waren die Überschrift sowie die Beschreibung dazu:

‚Edelstein-Herstellungs-Apparatur‘

Allgemeines

Basierend auf dem Funktionsprinzip der ultimativen Waffe hat ein ehemaliger Forscher von Team Flare diese Maschine entwickelt, die mit der Endlosenergie von acht Rocara betrieben wird. Anders als beim Vorbild wird den Pokémon hier aber auch über längere Zeit nur ein kleiner Teil dieser mächtigen Energie abgezweigt, sodass sie theoretisch mehrere Monate bei voller Leistung in Betrieb bleiben kann, bevor Ersatz nötig ist.

Funktion (Beta):

Der ursprüngliche Zweck dieser Maschine sollte es eigentlich sein, die Mutation eines gewöhnlichen Rocaras hin zum legendären Pokémon Diancie gewaltsam zu erzwingen – ähnlich des Radiowellenexperiments von Team Rocket am See des Zorns in Johto vor einigen Jahren.

Die geradezu betörende Schönheit Diancies hatte jenen Wissenschaftler nämlich so in seinen Bann geschlagen, dass er geradezu besessen von dem Wunsch war, ein eigenes oder gleich mehrere Exemplare dieses höchst seltenen und starken Pokémon auf dieses Weise in seinen Besitz zu bringen.

Zu seinem Unglück konnte seine Erfindung auch nach mehreren Testreihen und Verbesserungen diesen hochfliegenden Erwartungen nicht gerecht werden. Aus diesem Grund brach ihr Schöpfer nach einiger Zeit resigniert alle weiteren Experimente ab und hätte diese Maschine samt ihrer Baupläne wohl in irgendeinem Versteck verfallen lassen, ohne je darüber nachzudenken, wofür man sie sonst gebrauchen könnte…

Wahre Funktion:

Eine glückliche Fügung des Schicksals wollte es aber, dass gerade jener Wissenschaftler zu meinen Kontaktmännern aus Kalos gehörte! Und weil er mit seiner Enttäuschung über seine, in seinen Augen fehlgeschlagene, Erfindung nicht hinter dem Berg halten wollte, war es mir vergönnt diese samt ihrer technischen Daten in Augenschein nehmen zu dürfen.

Und ich, Isonaplogius Karrasch, habe rasch das wahre Potenzial dieser Maschine erkannt!

Nach ein paar kleinen Modifikationen wäre diese Maschine durch die von den Rocara; die ja nicht umsonst als ‚Edelsteinpokémon‘ bezeichnet wurden; abgesaugte Endlosenergie in der Lage jeden nur erdenklichen Edelstein oder Diamant zu produzieren!!

Und damit nicht genug besitzt man sogar die Möglichkeit diese Kleinodien in einer solchen Reinheit und Vollkommenheit zu erschaffen, die jeden bis dato irgendwo auf der Welt gefundenen Edelstein im Vergleich dazu wie mein billiges Rauchglas wirken lassen würden!

Ich, ich MUSSTE diese Maschine unbedingt haben, denn sie würde mir dabei helfen, meinen Traum von einem neuen Leben wahr werden zu lassen!

Gegen eine großzügige Summe kaufte ich sie dem Wissenschaftler samt den Bauplänen ab und ersann mir einen Plan, wie ich diese eigentlich verbotene Technik samt der nötigen Energiequelle in meine Heimat bringen konnte.

Wo ich diesen wundervollen Apparat dort aufstellen würde, stand dafür schon lange fest:

An dem Ort, an dem mein Vater selig seinen größten Misserfolg erleiden musste, würde ich mit Inbetriebnahme dieser Maschine meinen eigenen, größten Erfolg und den der Familie Karrasch feiern!...‘


„Nein… Das, das darf doch nicht wahr sein…!“, entfuhr es Sven ganz schockiert, während sein ganzer Körper vor Wut und Unverständnis bebte und er unwillkürlich die Fäuste ballte. War das denn die Möglichkeit?! Sein armes Juwelchen und auch die anderen Pokémon für so etwas zu missbrauchen!

Klar: Der Plan von Isonaplogius sah weder die Weltherrschaft noch die totale Apokalypse vor, aber das machte es nicht besser, sondern nur noch schlimmer! Bloß wegen des scheinbar schnöden Mammons willen quälte der Karrasch diese Rocara, wobei ihm der Satz am Anfang ‚bevor Ersatz nötig ist.‘ besonders sauer aufstieß und seine Wut noch steigerte.

Der junge Mann wusste genau, was für Qualen ein Pokémon, dem seine Endlosenergie abgesaugt wird, durchmachen musste, schließlich gab es nach dem Vorfall von Team Flare vor ein paar Jahren genug Dokumentationen und Brennpunkte in Zeitung und Fernsehen, die ausführlich davon berichteten. Er konnte es sich fast nicht ausmalen, dass nun irgendwo hier in Mungenau nun genau das Gleiche mit ein paar Pokémon, unter anderem auch einem seiner eigenen, passierte!

Da legte Chantal, der es ähnlich ging, sacht, tröstend aber auch auffordern ihren Arm auf Sven Schulter.

„Beruhig dich bitte Sven!“, sprach sie zu ihrem Freund und sah ihn eindringlich, wie kämpferrisch an: „Ich weiß, dass das eine bodenlose Grausamkeit ist, aber wir können diesen Wahnsinn nur stoppen, wenn wir einen kühlen Kopf bewahren! Und außerdem wird es gar nicht so weit kommen: Der Karrasch hat hier endlich verraten, wo sein Versteck ist und ich hab Bernd schon eine Nachricht geschickt. Also lass uns gehen und Juwelchen und die anderen Rocara retten! Alles andere erzähle ich dir dann später!“

Das war ein Wort!

Augenblicklich kämpfte Sven, wenn auch mit sichtlicher Mühe, seine Wut hinunter und schenkte seiner Freundin kurz einen ganz dankbaren Blick, bevor er ihre Hand nahm, sie gemeinsam das Zimmer verließen und aus dem Laden rannten. Dabei dacht er sich felsenfest Entschlossen:

„Halte bitte durch Juwelchen, nur noch ein bisschen! Wir werden dich und alle anderen retten! Und wenn es das Letzte ist, was ich in meinem Leben tue…!“








Zuletzt geändert von KleinKokuna am 10.12.2017, 12:03, insgesamt 12-mal geändert.
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Re: Trainer wider willen - For...

#1284494 von Simno
27.02.2017, 11:05
Und wieder bin ich mit dabei, voller Vorfreude auf jedes einzelne Kapitel :).
Wie gehabt, meine Kommentare in Stichworten:

- dass Sven zuerst Flamara tröstet, bevor er sich um den Verursacher kümmert zeigt seine Reifung als Trainer
- das betäubte Lahmus, das lieber langweilige Spiele spielt aber als Bruder des Inhabers arbeiten muss ist wieder ein tolles Beispiel dafür, dass du dir einfach für alle noch so unwichtigen Charaktere etwas überlegst.
- "Zwar genoss es die Zuneigung und Nähe von Sven und spielte auch ab und zu mit Juwelchen und Tobi, doch diese diffuse Traurigkeit lag wie ein bedrückender, grauer Schleier auf allem." - schön gesagt
- Der Zustand von Fussel ist überhaupt sehr schön dargestellt
- Am Sonntag wollen Sven und Chantal zwar kämpfen, das wird aber nicht einmal kurz erwähnt, was eine kleine Lücke lässt
- Tolle Beschreibungen der Flora und Fauna beim Spaziergang, auch das Museum ist gut beschrieben
- Interessant, dass Sven es geschafft hat, die Grenze vom Schöngeist zum hirnlosen 'Kunstenthusiasten' zu ziehen
- Kunst und Wunst :)
- Der Scherz des Museumsmitarbeiters - gepflegt witzig :lol:
- Die Galerie fand ich super beschrieben
- Vater Soulas macht was her - wobei ich noch (oder nicht mehr) sicher bin, wer das genau ist
- In Ampharos Haaren verwickelt - naja... du schaffst es eigentlich immer, den Humor und das Ernste perfekt zu dosieren. Da hast du mMn ein kleines bisschen daneben gegriffen
- Die philosophischen Teile machen nachdenklich, auch wenn die eigene Situation natürlich ein ganz andere ist. Aber ich weiß, wie schwer sich so etwas schreibt, also Respekt.

Sprachliche Kleinigkeiten:
- Einfallen, der junge Kampf kämpfte, er Alte
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Re: Trainer wider willen - For...

#1284532 von KleinKokuna
27.02.2017, 18:52
Also zuerst mal wieder vielen Dank für deinen schönen Kommentar Simno :)!

Und gleich darauf erstmal 'Argh!', dass mit dem Kampf wenigstens nochmal anreißen, bevor das WE wieder vorbei ist, hab ich schlicht und ergreifend ganz verschwitzt :tja:... Da muss ich mir in den nächsten Tagen noch ein paar Sätze zu überlegen, danke für den Hinweis.

Vater Soulas ist der alte Schäfer vom Freilichtmuseum aus Bad Boreos, aus dem sechsten Kapitel. Ist aber nicht sonderlich verwunderlich, wenn du denn nicht mehr kennst, hatte da ja nur eine kleine Nebenrolle. (Das er ein Arenaleiter ist, war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorgesehen, hat sich im weiteren Verlauf halt dann so angeboten^^.)
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Re: Trainer wider willen - For...

#1287776 von KleinKokuna
01.05.2017, 15:41
Sooo... mit reichlich Verspätung ist nun auch das 13te Kapitel online :D! Keine Ahnung, warum ich so lange für gebraucht habe, aber jetzt bin ich soweit zufrieden damit^^.

@Simno: Ich hab jetzt auch daran gedacht die von dir genannte Lücke im 12ten Kapitel (der Kampf mit Chantal am Sonntag) zu füllen :).
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Re: Trainer wider willen - For...

#1291102 von Simno
12.07.2017, 14:46
Nach ewigen Ewigkeiten bin ich endlich dazu gekommen, dein 13. Kapitel zu lesen. Mich hat die Länge ziemlich abgeschreckt, aber jetzt habe ich es geschafft, es auf mein Kindle zu laden und musste nicht so viel auf dem Bildschirm lesen :)
Das hat zwar zur Folge, dass ich keine Notizen gemacht habe, aber ich erzähle mal einfach, was mir in Erinnerung geblieben ist.

Die Lösung mit Fussel finde ich super und freue mich sehr mit allen Beteiligten, dass es den Sprung aus dem Tief geschafft hat :)
Ansonsten gilt natürlich das, was ich immer wieder positiv hervorhebe: Die liebevolle Gestaltung der neuen Charaktere, die schönen Beschreibungen von Land und Leuten und natürlich die vielen kleinen versteckten Easter-Eggs, wie Alarm für Arbok 11 oder Justin Bidifas.

Ich hoffe, du findest im Sommer wieder Zeit, die Geschichte fortzusetzen. Ich werde versuchen, etwas zeitiger zu lesen und zu kommentieren :)
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Re: Trainer wider willen - For...

#1291123 von KleinKokuna
12.07.2017, 19:19
Vielen Dank für den weiteren so positiven Kommentar Simno :).

Freut mich vor allem total, dass dir die Lösung für Fussel so zusagt; das war nämlich eine der Szenen, die ich schon damals, als ich erst mit der Geschichte angefangen hatte, fast schon fix und fertig im Kopf hatte und unbedingt auch einfügen wollte. Und offenbar auch nicht nur für mich zufriedenstellend :D!

Dass dich die Länge abgeschreckt hat, kann ich verstehen - das Kapitel ist ja auf fast 37 Seiten (laut meinem Computer) angeschwollen, weil ich anfangs immer denke:

Oh je, das Kapitel wird zu kurz, da muss ich noch was einfügen... Und noch was einfügen... Und am Schluss stell ich erschrocken fest, dass es ZU viel geworden ist und streich die Hälfte wieder, weil der Höhepunkt des Kapitels mehr Seiten veranschlagt, als meine verzerrte Wahrnehmung es zunächst glauben will :tja: :lol:

Und Kapitel 14 ist immerhin schon in Arbeit und wird, hoffe ich, nicht sooo lang werden^^. (Werd allerdings wohl noch ein Weilchen brauchen, bis ich damit fertig bin.) Das sag ich aber nur, um auf die Umkehrlogik zu hoffen, damit das bis August vielleicht doch noch was wird :D!
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Re: Trainer wider willen - For...

#1291580 von KleinKokuna
25.07.2017, 13:49
Geschafft! Kapitel 14 ist endlich draußen, die Umkehrlogik hat funktioniert :1: !

Und auch wenn es mal wieder viel zu groß als geplant geworden ist, bin ich mit ihm, so wie es ist, richtig zufrieden und hoffe, dass das nicht nur mir als Autor so geht^^.
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Re: Trainer wider willen - For...

#1296721 von Simno
31.10.2017, 17:58
Ach du Schande!
Ich habe dein neuestes Kapitel an dem Tag gelesen, an dem es rauskam (an einem wunderschönen Sommertag auf meinem E-reader auf einem Liegestuhl auf der Terrasse) und dann völlig vergessen, etwas zu schreiben. Die Kleinigkeiten, die mich immer so fasziniert haben, kann ich jetzt leider nicht mehr aufzählen, aber lass dir versichert sein, dass ich die Geschichte wie immer mit Freuden verschlungen habe.
Jetzt verknüpfen sich ja langsam ein paar lose Stränge und die Sache wird immer ernster. Gut, dass sich da sein Team vergrößert. Imantis halte ich für eine wunderbare Wahl (und umgekehrt ist Sven für das Imantis eine gute Wahl, nur so der Vollständigkeit halber).

Ich weiß, war jetzt nicht so aufschlussreich wie sonst, aber wollte nur, dass du weißt, dass du immernoch fleißig und mit Freude gelesen wirst und gerne weitermachen darfst ;)
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Re: Trainer wider willen - For...

#1296753 von KleinKokuna
01.11.2017, 08:15
Wieder vielmals danke für dein Lob Simno, sowas motiviert mich immer ungemein :)! (Und lustig ist es in diesem Fall noch dazu, denn dieses Kapitel hab ich auch; Laptop sei dank; während ein paar schöner Sommertage im Freien geschrieben :D!)

Und schön, dass dir Imantis als neues Mitglied für Svens Team so gefällt. Ursprünglich hab ich ihm ja entweder ein Zapplardin oder Wattzapf zusagen wollen, weil sie auch klein genug für diesen Überraschungsangriff wären und ihrerseits Ivaars Pokémon paralysiert hätten. Doch mittlerweile hab ich Mantidea als neues Pokémon ziemlich gern und noch dazu ist es laut Goldix Test angeblich sogar mein Seelenverwandter - damit war die Sache für mich mehr als klar^^.

Tja und dank dieses Motivationsschubes und deiner tollen neuen Geschichte, die mir gestern wirklich den Tag erheitert hat, hab ich nach fast drei Monaten rumgurken endlich wieder meinen Hintern hochbekommen und das nächste Kapitel fertigstellen können!

Mit anderen Worten:

Kapitel 15 ist seit heute online 8) !

Hier wird es wieder für einen Moment ruhiger, aber soviel will ich noch verraten: Der Kreis schließt sich nun allmählich^^.
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Re: Trainer wider willen - For...

#1296807 von Simno
01.11.2017, 21:42
Wieder ein sehr schönes Kapitel, die vor allem das Landleben wirklich toll zur Geltung bringt. Habe mich ein wenig an die Kinderbücher von Astrid Lindgren erinnert.
Am Anfang habe ich ja ein wenig gestöhnt, weil das Kapitel wieder richtig lang geworden ist, aber bis auf die kleinen Längen beim Kennenlernen von Svens sehr besonderen Familie (trotzdem toll zu sehen, wie er zu seinen 'Marotten' gekommen ist :lol:) ließ es sich wieder ausgezeichnet lesen. Als Kontrast ist der Blick auf die 'dunkle Seite' am Ende des Kapitels wieder sehr gelungen.

Highlight war für mich der Pullover, da habe ich ich sogar laut gelacht :lol:
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Re: Trainer wider willen - For...

#1296851 von KleinKokuna
02.11.2017, 17:24
Wow, das ging ja flott, gleich nochmals vielen lieben Dank für deinen Kommi :lol: !

Mit Astrig Lingren verglichen zu werden, ehrt mich sehr - wollte auch unbedingt ein paar solche Szenen vom 'beschaulichen Leben auf dem Lande' einbauen, wenngleich ich mich eher an Emile Zola orientiert habe, aber das ist im Grunde ja egal^^.

Und deinen Einwand mit der Länge kann ich gut nachvollziehen, weil es mir selber Kopfzerbrechen bereitet hat, wie viel ich jetzt in dieses Kapitel reinpacke und was ich besser Streiche. (Ich alter Dickkopf sollte vielleicht darüber nachdenken, einfach etwas mehrere kleinere Kapitel zu machen, haha :tja: .)

Das das Ganze dann doch noch gut zu lesen war, freut mich, sehr zu meiner Erleichterung^^, deshalb besonders. Genauso wie deine Freude über den Strickpulli :D! Das war ein ganz spontaner Einfall, den ich unbedingt einfügen wollte.

Kapitel 16 wird wieder noch ein Weilchen dauern, damit fang ich jetzt erst an und vor allem will ich es bei diesem endlich wieder schaffen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und es deutlich unter (!) dreißig Seiten zu halten ;). (Aber was wäre das Leben ohne selbst gesteckte Herausforderungen :D?)
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Re: Trainer wider willen - For...

#1297490 von KleinKokuna
13.11.2017, 09:00
Yeah! Ich hab es geschafft! Kapitel 16 ist draußen - nach nur zwei Wochen 'Arbeit', endlich war ich mal wieder so richtig motiviert :trumpet: :1: !

Und dazu ist es diesmal mit knapp 21 Seiten wieder kürzer als die vorherigen und hab dennoch alles reinpacken können was ich wollte :D! Ganz besonders einen völlig überzogenen Cameo-Auftritt, der nur aus Jux und Tollerei seinen Weg hinein gefunden hat, aber das musste sein^^.

Deswegen wünsche ich viel Spaß beim Lesen und will nur so viel verraten, dass es nun langsam ernster wird ;) .
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Re: Trainer wider willen - For...

#1297497 von Simno
13.11.2017, 12:14
Wieder ein wirklich schönes Kapitel, in dem wir einen weiteren Aspekt der reichhaltigen Kultur der Region kennenlernen. Ich glaube, über den Aspekt, wie gut du es verstehst, eine Idee zum Leben zu erwecken und Bilder in Worte zu fassen, muss nicht mehr viel gesagt werden.

Toll auch wieder die Anspielungen. Kann es sein, dass der Ansager vom 'Wo ist meine Cervisia'-Typ aus Asterix inspiriert ist? An den musste ich jedenfalls gleich denken. Witzig natürlich auch die Anspielung mit dem Fake-Falk und auf den, der seine Brille sucht, einfach weil die Bemerkung so herrlich unnötig ist :lol:. Der Donnerblitz 'wie in der Serie' ist natürlich auch ein heftiger Schlag durch die vierte Wand und an was die Blöd-Zeitung angelehnt ist, muss man wohl auch nicht lange raten ^^

Den schönsten Moment fand ich allerdings, als sich herausstellte, dass sich Imantis als Geburtstagsgeschenk entwickeln wollte und es deshalb hinausgezögert hat. Da fand ich die Darstellung, dass sich das schon länger ankündigt, echt nett durchdacht.
Das unfassbar starke Kokuna war natürlich auch ein Highlight, das dein Herz für Underdogs (mehr als nur) unterstreicht.
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Re: Trainer wider willen - For...

#1297516 von KleinKokuna
13.11.2017, 20:05
Jaaa, genau der Typ aus Asterix hat mich inspiriert - der ist so klasse, das musste ich einfach einbauen :lol: !

Und ganz allgemein wieder ein herzliches Dankeschön für deinen Kommentar und auch, dass dir die zahlreichen Anspielungen so gefallen haben :). Ich wollte das Kapitel absichtlich sehr lustig machen, weil es für mich selbst eine Art 'Abschluss' darstellt. Dass dir die Entwicklung von Celéste so gut gefällt freut mich auch sehr, denn ich hatte schon Angst, dass ich das evtl. etwas zu kurz dargestellt habe^^. (Und manchmal überlegt, ob ich den Part nicht vielleicht sogar streiche - ein Glück, dass ich mich dagegen entschieden habe.)

Und ja: Underdogs sind cool (deswegen werde ich unter anderem mit einem Magcargo in meiner Ultramond rocken^^) 8)! Das ist ja das Tolle am Schreiben. Da ist man nicht so furchtbar auf die Statuswerte gebunden und kann sie ganz anders darstellten^^.

Wie lang das nächste Kapitel braucht, kann ich noch nicht sagen, wobei dieses definitiv noch kürzer werden wird. Aber ich häng mich rein^^.
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Re: Trainer wider willen - For...

#1297865 von KleinKokuna
20.11.2017, 15:39
Sodala, Kapitel 17 ist draußen! Kurz, knackig und ich denke mal auch selbsterklärend^^. Deswegen verrate ich hier nichts und wünsche viel Spaß :)!
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Re: Trainer wider willen - For...

#1297874 von Simno
20.11.2017, 18:17
Oh, jetzt sieht es aber düster aus. Wirklich schöner Kontrast zwischen deinen schrägen, komischen, stimmungsvollen 'Flair-Momenten (das peinliche Gespräch mit Chantals Vater, der unerträgliche Glaswarenverkäufer, die unfassbar ehrliche Charakterisierung der Statue) und dem düsteren Vorankommen der Story, die einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Und das noch in einem handlichen Format ;). Bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

Sprachlich sind mir ein paar Kleinigkeiten aufgefallen: Ein paar Fälle (diesem erfreulichem Glanz) und ein paarmal Groß- und Kleinschreibung. Nix wildes aber schau nochmal kurz drüber. Formulierungen sind natürlich wieder top :)
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Re: Trainer wider willen - For...

#1297885 von KleinKokuna
20.11.2017, 20:41
Danke wieder vielmals für deinen schönen Kommentar Simno :).

Ja so langsam steuert die Geschichte auf ihr Ende zu, da wird es nun stellenweise schon ernster, weil sich allmählich die ganzen Fragen klären und alles zusammenkommt. Die meisten Kapitel, die jetzt noch folgen, will ich auch so handlich wie dieses hier halten. (Anders als beim Mittelteil meiner FF hab ich hier den ganzen Ablauf schon ziemlich genau im Kopf, da sollte das auch klappen^^.)
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Re: Trainer wider willen - For...

#1298097 von KleinKokuna
24.11.2017, 07:38
Und hier hätten wir auch schon das 18 Kapitel :D!

Weiterhin kurz und die erste Hälfte vielleicht etwas depri, aber das wollte ich so^^. Viel Vergnügen :)!
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Re: Trainer wider willen - For...

#1298145 von Simno
25.11.2017, 10:54
Wieder ein sehr schönes Kapitel, in dem du der Stimmung wegen auf den üblichen, liebenswerten Klamauk verzichtest und die Stimmung nahezu greifbar wird. Einfach wunderschön traurig. Ich hoffe ja, dass sich die Trauerarbeit in Form von Pokémontraining auch in einer Leistungssteigerung zeigt, die wohl nötig ist, um aus diesem Schlamassel zu kommen.
Das Ende deutet schon daraufhin, dass der Showdown nicht mehr weit ist. Bin schon unglaublich gespannt darauf, wie der Plan der Bösewichte am Ende aussieht und ob er sich noch vereiteln lässt.
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Re: Trainer wider willen - For...

#1298189 von KleinKokuna
26.11.2017, 17:11
Dir wieder vielen lieben Dank für deinen detaillierten Kommentar Simno :)!

Und um die Spannung noch etwas weiter auszubauen will ich gleich mit dem 19.ten Kapitel nachlegen! Dieses ist wieder etwas lustiger, obwohl die Lage weiterhin ernst bleibt und sich noch ein paar Fragen klären werden. Ich wünsche auf jeden Fall wieder viel Spaß beim Lesen :)!

Und um schon etwas vorwegzunehmen: Im 20ten Kapitel wird sich dann eines der wichtigsten Dinge in meiner FF offenbaren, aber bis dahin wird es noch ein Weilchen dauern^^.
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Re: Trainer wider willen - For...

#1298239 von Simno
27.11.2017, 17:35
Sehr cooles Kapitel. Der nervende Nachbar als Held, wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht aber die Idee finde ich super :lol:. Die Verwendung der Fähigkeit Kurzschluss fand ich besonders gelungen. Ich mag es, wenn Spielmechaniken Einzug in Geschichten finden und so zur Stimmung beitragen.
Was mir auch sehr gefallen hat ist die Idee, dass die Polizei sich auf so ein gewagtes Manöver einlässt (und nicht nur ein Spielball der Bösewichte ist). Das umspielt schön die klassische 'warum haben die Helden nicht einfach die Polizei gerufen?' Thematik und rettet damit die Integrität aller Beteiligten.

Bin schon sehr, sehr gespannt auf die Enthüllungen des nächsten Kapitels.
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Re: Trainer wider willen - For...

#1298655 von KleinKokuna
04.12.2017, 19:58
^^ Wieder ein ganz dickes Dankeschön für deinen Kommentar Simno :).

Es freut mich riesig, dass die Idee mit dem 'wahren' Dietbert so gut bei dir ankommt - das war nämlich eine meiner frühesten Einfälle für diese FF, die ich unbedingt einpacken wollte, gerade weil es so unerwartet ist^^. Die Sache mit der Polizei hingegen, war zwar eher spontan, aber so hat es mir auch selber am besten gefallen. Denn es ist in den Spielen schon immer komisch, dass die Bösen dort tun und lassen können was sie wollen, ohne das - mit Ausnahme des Protagonisten und höchstens ein paar NPCs - , sie irgendwer dran hindert. Am lustigsten ist ja wohl in diesem Zusammenhang immer noch die Sache mit der von Team Rocket gestohlenen TM Schaufler: Vorn steht der Polizist untätig herum und lamentiert, während im Hof dahinter der Rüpel seelenruhig herumlungern kann :roll: ...

Am liebsten würden ich jetzt auch noch sagen, dass das nächste Kapitel online ist...

...ist es aber leider noch nicht :tja: Aber ich bin auf einem guten Weg, lange sollte es nicht mehr dauern^^.
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Re: Trainer wider willen - For...

#1299292 von KleinKokuna
10.12.2017, 12:06
Sodala, dem Weihnachts und Berufsstress zum Trotz ist es jetzt endlich fertig: Das 20.te Kapitel mit seiner großen Offenbarung :D! Ich hoffe die Überraschung ist mir geglückt und wünsche auch weiterhin viel Spaß beim Lesen, sowie einen besinnlichen 2.ten Advent :).
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