Schreibe eigene Geschichten über Pokémon und deine Lieblings-Charaktere.

Pokémon, Drugs and Rock `n`Ro...

#1264258 von vampirbiss
22.08.2016, 12:38
Hallo liebe Alle,

ich habe lange hin und her überlegt, wie ich es jetzt machen soll, aber alles in einem Thread wurde echt zu viel. Wer den ersten Teil Klick hier. liest wird bald merken was ich meine. Genug Diskussionsstoff hat man dort auf jeden Fall.

Insgesamt hat es etwas länger gedauert, ich brauchte etwas Abstand von der Story und bin ziemlich verplant (wie immer... >_<).

Hier geht also der zweite Teil weiter. Ich wünsche viel Spaß beim lesen. :)
Zuletzt geändert von vampirbiss am 30.08.2016, 09:32, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1264259 von vampirbiss
22.08.2016, 12:39
Pokémon, Drugs and Rock ´n´ Roll – Teil 02


Die alte Villa

Seine Honda hatte er stehen lassen und war mit dem Auto weiter gefahren. Er stellte es in Orania auf dem nahezu riesigen Reiseparkplatz ab – der Stadtrat hatte zum Glück mitgedacht und ihn vor ein paar Jahren anlegen lassen, da immer mehr Leute mit der M.S. Anne, der M.S. Aqua, den Fähren oder ihren eigenen Schiffen auf Reisen gingen. Seffe lief über den ebenmäßig gepflasterten Weg und konnte direkt auf den großen Hafen schauen. Er war die Hauptattraktion der Stadt, doch auch eine Pokémon-Arena fehlte hier nicht. Nebenbei liefen hier immer wieder Leute herum, welche mit Pokémon-Kostümen bekleidet waren, weil der Pokémon-Fanclub in der Stadt seinen Hauptsitz hatte. Der Stil erinnerte an Hamburg, viele Häuser waren alt, jedoch sehr gepflegt. Der Hafen wurde stets erneuert und modern gehalten. Die Promenade ließ nicht nur wundervoll auf das Meer blicken, sie wurde von vielen aneinandergereihten Häusern geziert. Hier gab es viele Läden die unter anderem Souvenirs verkauften.

Das Wetter war zum Glück freundlich gestimmt. Seffe schlenderte an der Promenade entlang und versuchte unauffällig einer Gruppe hinterher zugucken, die übertrieben geschminkt war und verschiedene Pokémon-Hüte trug. Ein paar Mädchen quietschten wegen Zitrone auf, die hinter ihm auf zwei Beinen herlief und dabei unglaublich putzig aussah. Mr. Spook war auch nicht in seinem Ball, wo der wieder war, wusste Seffe allerdings nicht genau. Da er ziemlich scheu war, schwebte er meistens getarnt hinter ihm her. Ludwig folgte Seffe und blieb dicht an seiner Seite, während Zitrone fröhlich jeder Person hinterher winkte. Sie wusste wie gut sie bei den Leuten ankam und auch mit welchen Bewegungen sie Herzen stehlen konnte. „Alter Poser...“, sagte Seffe belustigt und machte eine Handbewegung, dass sie endlich nachkommen sollte.

Eine frische Brise zog umher, bald würden seine halblangen Haare noch zerzauster aussehen, als sie es immerhin schon taten. Es roch nach Fisch und Meersalz. Ein paar Leute beäugten den Trainer aufmerksam, sie hatten ihn wohl wieder erkannt, doch er tat so, als würde er davon nichts mitbekommen und begab sich schnell Richtung Steg. Vor einem großen Schaukasten blieb er stehen und fuhr sich mit einer Hand nachdenklich über seine leichten Bartstoppeln. „Wie ich sagte... die Zinnofähre legt erst später ab...“, kam es von ihm und er studierte den restlichen Plan. „Ach was ein Zufall. Morgen fährt die M.S. Anne hier in den Hafen ein. Vielleicht können wir da ein paar spannende Kämpfe austragen. Darauf wimmelt es nur so von Trainern.“ Ludwig blinzelte Seffe stumm an. „Pikachu... pi-chu-chu-pika...“, sagte Zitrönchen mit schief gelegtem Kopf, ehe sie sich mit den Pfötchen durchs Gesicht strich. Seffe nickte nur leicht. „Ja, aber erstmal müssen wir zur Zinnoberinsel kommen. Dafür habe ich Blueshell dabei...“ Pikachu sah Seffe mit großen freudigen Augen an und nun gab auch Ludwig einen Ton von sich. Das rosafarbene Drachen-Pokémon konnte schon eine Weile seinen Blick kaum noch von dem Meer abwenden, so sehr freute er sich auf das Wasser. Gengar erschien als angedeutete Silhouette neben Seffe und gähnte.

„Komm raus, Blueshell“, sagte Seffe und tippte auf einen Ball an seinem Gürtel, woraus sich ein großes Monster entfesselte. Eine Schildkröte mit aufrechtem Stand sah ihm nun direkt aus ihren violetten Augen an. Kopf, Arme und Beine sowie Schwanz waren in einem recht dunklen Blau gefärbt. Der Panzer war oben dunkelbraun, die Unterseite sowie der Kiefer der Schildkröte war hellbeige. „Tuuuuuuuurrrrrrr“, knurrte das stämmige Wesen, dann packte es seinen Trainer und drückte ihn mit den kräftigen Armen an den Panzer. Für andere mochte das im ersten Moment gefährlich aussehen, aber so begrüßte der Koloss seinen Trainer immer. Seffes sah nach oben und er musste die Tränen zurückhalten. Pikachu war froh nicht mitgeknuddelt zu werden und fing an Turtok zu Recht zu weisen. „Blueshell... du erdrückst mich... meine Rippen...“, stammelte Seffe und Turtok ließ sofort mit reumütigem Blick locker und sah ihn traurig und entschuldigend an. Seffe rang nach Luft, während Gengar lachte und Zitrone aus Mitleid Turtok gleich wieder gut zusprach. Ludwig war von den anderen etwas abseits geschlängelt und starrte weiterhin wie gebannt auf die Wellen, die sich am Strand überschlugen.

(Die Zeichnung entspricht am ehesten meinen Vorstellungen: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgTntDnSNyI-0Bw67
Wobei das auch ziemlich gut gemacht ist: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgTw5x4e8eO5bcXp-)

„Schon okay... alles gut, meine Hübsche“, sagte Seffe schließlich und versuchte den restlichen Schmerz mit einem Lächeln zu ignorieren. Er tätschelte den Kopf von Blueshell. Die große Schildkröte sah sofort wieder glücklicher aus und lies sich auf alle Viere fallen. Seffe stieg auf das weibliche Turtok, das zwei Klappen auf seines Panzers öffnete und es kamen angsteinflößend aussehende Kanonenrohre heraus. Doch diese sollten gerade nur dazu dienen, dass sich ihr Trainer besser festhalten konnte. Endlich ging es los. „Draaaaaa!“, stieß die Drachenschlange aus. Die glatten, rosafarbenen Schuppen schimmerten in der Sonne und elegant schlängelte Dragonir auf das Meer zu, ehe er in den Wellen verschwand. Zitrönchen hüpfte auf Turtoks Kopf und quietschte erfreut. Endlich konnte sie wieder Kapitän spielen. Schwerfällig lief Blueshell auf allen Vieren auf das Meer zu. Bis Seffe merkte, dass sie jetzt keinen festen Boden mehr unter den Beinen hatte und sachte zu gleiten begann. Wie ein durchsichtiger Schatten schwebte Gengar neben ihm. „Okay, dann haben wir soweit alle zusammen. Auf zur Zinnoberinsel!“, kam es von ihm, welcher sich auf den Panzer der Schildkröte gesetzt hatte und sich an einem stählernen Kanonenrohr festhielt. Die Monster stimmten glücklich zu. „Ach und bevor ich es vergesse... Den Schwimmern gehen wir aus dem Weg! Außer einer ist kurz vorm ertrinken. Wir haben jetzt keine Zeit für Showkämpfe...“

Obwohl das Turtok an Land durch sein Gewicht recht langsam und die Bewegungen schwerfällig waren kam es im Wasser sehr schnell voran. Wie ein Boot hinterließen sie eine Kluft die das Wasser gespalten hatte, und sich hinter ihnen wellig wieder schloss. Ludwig sprang ab und zu zirpend aus dem Wasser und drehte sich in der Luft. In der Ferne konnte man schon die Zinnoberinsel erkennen und Zitrone zeigte freudig in die Richtung. Ein großer Vulkan ragte aus dem Meer und man sah einige Häuser, die um den Krater herum gebaut waren. Hin und wieder rumorte der Berg noch. Die Leute lebten in ständiger Gefahr, da der Vulkan jederzeit erneut ausbrechen konnte. Je nachdem wie stark der Ausbruch war, würde wieder alles rundherum zerstört werden und das Grün der Insel würde schnell zu Ödnis zerfallen. Nachdenklich sah Seffe nach vorne. Das Pokémon-Haus war vor knapp 15 Jahren durch einen heftigen Vulkanausbruch zerstört worden sowie auch der Rest der Stadt. Die Stadt wurde in den Jahren wieder aufgebaut, doch die Villa blieb als Ruine zurück. Immer wenn Seffe dort gewesen war, durfte er nur den Außenbereich betreten und das kleine Vorgebäude, welches früher vielleicht mal als eine Art Empfangshalle diente. Hier gab es jedenfalls viele Feuer-Pokémon zu fangen, unter anderem kam Paulinchen von dort. Doch nie hatte es Seffe geschafft sich an den Aufpassern vorbei zu schleichen, um das innere der Villa näher zu erkunden. Gerüchten zufolge, sollte es mal von einer adligen Villa in ein Forschungslabor umgebaut worden sein. Er hatte viel darüber gelesen und fand es schon immer spannend. Es gab ebenso mehrere Spukgeschichten über die alte Villa und er liebte Spukgeschichten. In den Erzählungen, wo in dem Haus geforscht wurde, gab es immer einen bitteren Beigeschmack und es wurde immer gesagt, dass auf dem Gebäude kein gutes Omen liegen würde. Vielleicht war das der Grund, weswegen die Leute auf der Insel einzig und alleine die Villa nicht mehr aufgebaut hatten und da das komplette Gebäude Einsturzgefährdet war, durfte es von Touristen nicht betreten werden. Umso mehr wunderte es ihn, dass er das Päckchen ausgerechnet dort abgeben sollte. Aber wer weiß, die Zeit lief ja weiter und vielleicht hatte sich an dem Gebäude etwas verändert und es wurde wieder aufgebaut.

Pikachus Schimpfen holte ihn aus seinen Gedanken zurück und auch Blueshell wurde langsamer. Mr. Spook zeterte irgendwas in der Pokémon-Sprache gegen Zitrone. „Dragooo!“, protestierte Ludwig und sah ebenfalls sauer zu dem violetten Geist. Seffe sah von einem zum anderem und motzte: „Hey! Was habt ihr denn? Hört auf damit, wir sind fast da! Mr. Spook kannst du nicht einmal friedlich sein?“ Doch es war zu spät, Mr. Spook blendete Zitrone mit einen Konfustrahl, welche fiepend von Turtoks Kopf ins Wasser platschte. Spook amüsierte sich prächtig darüber und lachte fies, während er sich in der Luft kringelte. Blueshell schüttelte den Kopf und Ludwig tauchte ab um Zitrone zu holen. Das kleine Pikachu hustete und hielt sich am Kopf des Dragonirs fest, es hatte Salzwasser geschluckt und Mr. Spook musste noch mehr lachen. „Ey, echt jetzt Leute? Könnt ihr mal mit der Scheiße aufhören?! Es ist nicht mehr weit. Solange kann es doch mal ruhig verlaufen, oder?“, motzte Seffe und speziell fiel sein böser Blick auf den Geist. Das Pikachu stieß kleine Blitze aus den Wangen und sah in verwirrtem Zustand auf das Gengar.

Nun sprang Seffe auf die Füße und hob die Hände. „Zitrone! Nein!“, doch als er es ausgerufen hatte, sonderte Zitrone bereits ihre Elektro-Attacke ab. Was es in verwirrtem Zustand vergaß, war dabei zu springen. Mr. Spook wich aus doch Ludwig erzitterte und sogleich auch Blueshell. Seffe spürte nur noch ein Kribbeln in den Füßen, seine Chucks mit der Gummisohle hatten ihn nochmal vor dem Schlimmsten bewahrt. „Verdammt! Hört sofort auf damit!“, schrie er nun, doch Dragonir ging schon mit Pikachu im Wasser unter. Und auch Blueshell begann zu sinken. Wie auf einer Insel, die langsam immer kleiner wurde stand Seffe auf dem Panzer. Genervt lies er die Schultern hängen und sah strafend zu seinem Gengar, was mit unschuldigem Blick ein paar Meter vor ihm schwebte. „Wenn der Rucksack mit dem Paket nass wird, Spook...“, drohte der Trainer leise, „Ich schwör´ dir, ich setz` dich im Computersystem in eine leere Box, mit weißen Wänden, und lass dich ein paar Monate darin versauern!“

Der Geist holte erschrocken Luft, ehe er die Augen schloss und sich das Turtok wieder aus dem Wasser hob. Gengar hatte es sacht mit Psychokinese gegriffen und schwebte dann falsch herum vor ihm, um Blueshell in die Augen zu gucken. Sogleich kam die Schildkröte wieder zu sich, funkelte Gengar böse an und richtete ihre Kanonen auf den Geist. Seffe welcher schon bis zu den Knien im Nassen stand reagierte diesmal schneller. „Blueshell beruhige dich. Jetzt nicht weiter zanken!“ Turtok behielt seinen stechenden Blick gegenüber Gengar, gab jedoch nach und murrte etwas. Nun holte Mr. Spook die anderen beiden mit seinen Psychokräften aus dem Wasser und legte die Monster jeweils über eine von Turtoks Kanonenrohren. Seffe seufzte und schüttelte leicht den Kopf. Pikachu und Dragonir sahen etwas benommen aus, wobei Zitrone noch mehr Wasser geschluckt haben musste, sie keuchte und spuckte, als sie wieder an der Luft war. Gengar versuchte nicht zu lachen, doch dann entwich ihm ein Kichern und seine Schultern zuckten belustigt. Seffe ging wieder in die Hocke und hielt sich am Panzer fest. „Unglaublich lustig, Spook“, knurrte er ironisch und rollte mit den Augen. „Los, schnell an Land, Blueshell. Es ist nicht mehr weit.“

Bald hatte das Turtok wieder Land unter den Füßen, das Wasser lief an dem Panzer und den Beinen herunter, als es sich langsam daraus erhob. Seffe sprang von der riesigen Schildkröte ab und seine blauen Chucks landeten in der Gischt des Strandes. Kurz hatte er das Gesicht verzogen, die Schuhe waren ohnehin schon durchnässt und seine hellgraue Jeans war bis knapp zu den Knien dunkel und ebenfalls nass. Unhörbar schnaufte er, lächelte dann jedoch Turtok an und tätschelte ihre Wange. „Danke, meine Schöne. Wie sieht´s aus wollt ihr zusammen am Strand spielen oder wollt ihr zurück in eure Bälle? Ich denke, es dauert nicht lange und ich bin gleich wieder da.“ Dragonir und Pikachu waren auch wieder bei Sinnen und entschieden sich derweil mit der Turtokdame am Strand zu spielen. Seffe störte dies nicht, immerhin hatte er noch Panzaeron und Arkani bei sich ... und Gengar. Mr. Spook wurde von den anderen ausgeschlossen und kreuzte die Arme. Der Geist tat dabei so, als ob es ihn nicht belangen würde und schwebte weiterhin hinter seinem Trainer her. „Oh Spook, ich weiß ja nicht was gerade wieder gelaufen ist, aber wenn du nicht immer so fies zu den anderen wärst, würden sie dich auch nicht ausschließen“, ging Seffe auf seinen Freund ein, während sie in Richtung der Ruine gingen. „Du bist echt immer total ungehobelt. Manchmal könntest du ruhig etwas sanfter oder netter sein.“ Gengar watschelte neben Seffe her und sah ihn nur grimmig an. Nun musste Seffe grinsen und nockte das Pokémon gegen seine Schulter. „Ich weiß doch, dass du eigentlich ein guter Kerl bist. Aber du bist manchmal auch echt anstrengend. Übertreib es einfach nicht und finde das Mittelmaß.“ Gengar zuckte zusammen, als Seffe ihn schubste und streckte seinem Trainer seine lange Zunge entgegen. Kurz blieb er stehen, um einen Schritt hinter ihm zu gehen. Die steinigen Straßen waren leer und es waren kaum Leute zu sehen, nur am Pokémon-Center weiter den Berg hoch konnte man ein paar Personen erkennen. Seffes Schritt wurde langsamer und er stockte kurz, ein mulmiges Bauchgefühl machte sich in ihm breit. Immer öfter drehte er sich zweifelnd zu seinem Partner um, welcher ihm immer noch brav folgte. Doch auch Gengar sah immer missmutiger aus, je mehr sie sich der Villa näherten.

„Ich hätte ja jetzt erwartet, dass die Villa wieder aufgebaut wurde... oder man wenigstens gerade dabei ist... aber...“, kam es leise von Seffe und Gengar nickte. „Es sieht immer noch aus wie eine Ruine“, vollendete der knubbelige Geist den Satz in den Gedanken seines Trainers. „Ich habe eine ungute Vorahnung, wo sollst du das Paket abgeben?“

Seffe verzog den Mund, als ihm Gengar sein Gefühl bestätigte und ließ den Rucksack vorfallen, um das Paket heraus zu holen. „Es steht nicht viel drauf“, antwortete er. „Nur: Zinnoberinsel, Pokémon-Haus / Villa, EG. Auch kein Name oder so... und was bedeutet dieser Stempel mit dem D?“ Nachdenklich sah er wieder hoch, schulterte den Eastpack und ging weiter Richtung Ruine. Der Geist folgte ihm widerwillig. Für andere war Gengar nicht zu sehen, nur Seffe gab er sich Preis. Wobei dieser sein Gengar nicht sehen musste, er spürte, wenn sein Partner bei ihm war.

Das große Vorgebäude, erstreckte sich mehrere Meter in die Breite und wirkte wie eine verlassene Lagerhalle. Dahinter ragte anmutig die Villa hervor, sie war deutlich in einer lange vergangenen Zeit gebaut worden. Hinter der Villa stieg der Berg auf und man konnte erkennen, dass die Lava sie von hinten überrannt haben musste. Auch über das Dach musste Lava gelaufen sein, eine dicke Steinmasse hatte sich, wie Schokoladenglasur auf einem Kuchen, über der kompletten Villa ergossen. Das Gebäude war symmetrisch aufgebaut und das Mittelteil wurde von Säulen gestützt. In die Fassade wurden damals einige Pokémon-Figuren gemeißelt, welche man jedoch kaum noch erkennen konnte. Der Regen hatte über die ganzen Jahre seine Spuren an der Fassade hinterlassen und sie an einigen Stellen fast glatt gebügelt. Die Fenster hatten die Form schmaler Bögen. Ein paar Pokémon-Figuren die aus Stein, wie Gargoyles, auf den Eckkanten des Daches saßen, bröckelten an einigen Stellen. Teilweise fehlten ganze Stücke. Bei dem größten Monster in der Mitte fehlte der Kopf. Man konnte noch erkennen, dass es ein Vogel gewesen sein musste, welcher seine Flügel anmutig aufgespannt hatte. Die Füße der Figur konnte man nicht mehr erkennen, da sie mit der Steinmasse auf dem Dach verschmolzen waren. Im rechten Teil des Daches konnte man ein Loch sehen, als ob ein großer Brocken hindurch gestürzt wäre.

Seffe legte den Kopf leicht schief. Wie viel das Gebäude schon mitgemacht haben musste... Ehrfürchtig stand er mit Gengar davor. Beide mussten zugeben, dass das Gebäude etwas Schauriges ausstrahlte, obwohl die Sonne am nahezu wolkenlosen blauen Himmel schien. „Glaubst du etwa an die Gruselgeschichten?“, lachte Seffe schließlich und Gengar schnarrte. Der junge Mann schob das Tor zur Halle leicht auf, um sie zu betreten und sah sich um. Keine Menschenseele schien hier zu sein. Nach links und rechts konnte man weit in die Halle blicken. Es sah aus, als hätte man hier tatsächlich mal etwas gelagert. Heruntergekommene Regale, Stahlstreben und viel Müll lagen herum. Das Glas der oberen Fensterfront, die rund um die Halle ging, war fast überall gerissen. „Nette Atmosphäre...“, kam es von Gengar, welcher durch die Halle huschte um sich umzusehen und schließlich wieder neben seinem Trainer zu landen. „Hier ist niemand, außer ein paar harmlosen Monstern habe ich keinen gesehen. Warum ist sie nicht abgesperrt und wo sind die Aufpasser hin?“

„Wenn ich das wüsste“, kam es von Seffe und er fasste sich nachdenklich ans Kinn. „Na los, komm oder hast du jetzt Angst?“, hörte Seffe Mr. Spook noch, ehe er sich zu Luft auflöste. Es waren nur ein paar wenige Meter bis zur Tür der Villa. Mr. Spook grinste ihn vor der Tür an, eher er durch sie hindurch ging, ohne sie zu öffnen und verschwand. „Hey nicht so schnell, Spook!“, kam es von Seffe mit gedämpfter Stimme. Schnell ging er ihm nach. Als er die Tür erreichte und gerade die Klinke runter drücken wollte verspürte er einen Luftzug am Nacken. Er stockte und wand sich um. Sein Gengar war das nicht gewesen. Er zog die Brauen zusammen und merkte wie er eine Gänsehaut bekam. Von einem Stahlträger bröckelte etwas herab. Dann flog die Tür auf. „Kommst du jetzt?“, erschallte es in seinem Kopf und Seffe sprang erschrocken zur Seite. Gengar – der Idiot – schaffte es doch immer wieder ihn zu erschrecken und sogleich fingen die Schultern des Monsters wieder an zu beben und es lachte ihn aus, es hörte sich an, als ob er nach Luft japste. „Oh, Trainer. Du bist so ein Schisser.“

„Sehr lustig, alte Pissnelke...“, kam es von Seffe und er sah nochmal zurück, „Sag mal, ist hier echt niemand? Mir kam es gerade vor, als wäre etwas … in meiner Nähe gewesen.“ Gengar sah ihn erneut ungläubig an. „Siehst du hier etwa einen anderen Geist als mich? Du bildest dir was ein, Trainer. Aber hör her! Im Stockwerk drüber sind Personen!“ Seffes Blick wurde fragend und er sah auf das Paket in seinen Händen. „Im Stockwerk drüber? Wer?“

Sein Pokémon zuckte mit den Schultern und überspielte kurz sein Gesehenes in Seffes Gedanken, worauf er kurz aufstöhnte und die Augen schloss. Eine Gruppe von fünf Leuten. Drei Typen und zwei Frauen, die irgendetwas zu suchen schienen und die Räume noch mehr verwüsteten, als sie es ohnehin schon waren. Seffe schüttelte sich und öffnete wieder die Augen, Gengar starrte ihn derweil an. „Lass das blöde Paket hier am Eingang liegen und komm mit“, schnarrte Spook mit einem abenteuerlustigen Grinsen. Seffe verzog kurz den Mund und überlegte, doch auch er war jetzt neugierig gestimmt und nickte schließlich. Das ungute Gefühl wurde Seffe jedoch nicht los, es wurde nur stärker. Sie standen beide in einer Art Foyer, zwei Treppen schlangen sich symmetrisch wie Wasserfälle nach unten.

Plötzlich vernahmen sie Schritte. Ohne weitere Worte huschte Seffe so schnell er konnte hinter eine Figur neben der Treppe und Gengar löste sich in Luft auf. Die schweren Schritte kamen näher und eine männliche, tiefe Stimme rief: „Hier finden wir wahrscheinlich nichts Sinnvolles mehr. Das ganze Gebäude ist zerstückelt und überall droht man durch den Boden zu stürzen. Ich hab keinen Bock mehr, macht doch was ihr wollt! Komm Thyson, wir gehen.“

„Oh-oh, ein Hundemon... das sieht ganz schön stark aus. Hoffentlich bemerkt es dich jetzt nicht...“, hörte Seffe Gengars Stimme in Gedanken. Nun hielt er sich die Hand vor den Mund und hielt die Luft an. Er wollte tatsächlich nicht entdeckt werden, sein Instinkt sagte ihm, dass es besser so wäre. Der große Mann murrte etwas Unverständliches und lief genau hinter Seffe entlang, dicht gefolgt von seinem anmutigen Monster. Das Hunde-Pokémon sah aus wie ein Dobermann mit großen, nach hinten geschwungenen Hörnern. Sein Fell war rabenschwarz und die Knochen seiner Wirbelsäule schienen blank zu liegen sowie seine Rippenknochen. Seine Rute war ein teuflischer Schweif mit einer Spitze. Kurz stockte Hundemon und sah knurrend in Richtung der Säule. Doch dann rief der Mann draußen etwas und gerade als das Monster die Fährte aufnehmen wollte, rannte es zu ihm.

(Ich liebe den Zeichner Renecambellart. Genau so muss Hundemon aussehen und nicht anders: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgT3XrAWFT1X-5Ke5)

„Okay, sie sind in der Lagerhalle“, kam es von Spook. Seffe machte stumm eine vielsagende Kopfbewegung. Irgendwas hier lief nicht mit rechten Dingen ab und sein Partner nickte. Seffes sah sich um, ehe sein Blick langsam die Figur hochwanderte, an welcher er mit den Rücken gelehnt hatte und hob die Brauen, während er seine Brille hoch schob. Das war er wieder: Der Vogel der auch das Dach einst zierte. Ein riesiger Phönix. Die Augen der Figur schienen zu glühen, sie sah so lebendig aus, obwohl sie aus Stein gemeißelt war. Das musste Lavados sein. Seffe hatte nur gezeichnete Bilder von diesem Monster gesehen, was wohl daran lag, dass es sonst keine Aufzeichnungen oder Fotos von dem Wesen gab.

(Und hier ein sehr schönes Bild von den legendären Vogel-Pokémon:
https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtdKi3eOMahtqhuAc)


Er lunzte um die Säule, auf der der Phönix prangte. Auf der anderen Seite der Treppe stand noch so eine Figur. Von Neugierde geführt, machte er eine weitere Kopfbewegung und befahl Gengar vorzugehen und ihm den Weg zu weisen. Der Geist wusste besser, wo sich die Leute aufhielten. Schnell huschten sie lautlos die Treppe hoch und verschwanden in einem Raum. Seffe stand um die Ecke und lauschte, als er die anderen wieder hörte.

„Was hast du denn Gunther? Warum schreist du nach uns?“, ertönte eine Frauenstimme. „Das Paket ist da! Der Bote allerdings nicht, der hat sich bestimmt mit Muffensausen wieder aus dem Staub gemacht.“ Der Mann mit dem Hundemon an einer Seite lachte herzhaft und Seffe sah grimmig drein. Wobei so ganz Unrecht hatte der Kerl ja nicht, aber jetzt einfach dazwischen hüpfen wäre unvernünftig gewesen und auch Gengar schüttelte den Kopf. Doch nun wollte Seffe die Typen mit seinen eigenen Augen sehen und guckte vorsichtig um die Ecke. Die Männer hatten schwarze Anzüge an und kurzgeschorene Haare. Die Frauen waren mit schicken Kostümen bekleidet, ebenfalls in schwarz. Sie hatten die Haare streng zurückgebunden und alle trugen eine Art schwarze, venedische Halbmasken mit Ornamenten darauf.

„Ich hab schon gedacht das kommt nie mehr an“, kam es von der Frau, „Naja, umso besser. Wenn Ricarda zurückkommt, braucht sie das Zeug. Vielleicht wird sie dann wenigstens nicht so verärgert sein, dass wir hier nicht besonders weit gekommen sind... die Tagebucheinträge die sich hier befinden sollen, hätten uns bestimmt weiter geholfen. Ihr wisst, dass sie ihn unbedingt haben will!“ Ein Zobiris stimmte ihr mit schrillem Laut zu und kauerte sich hinter der braunhaarigen Frau zusammen.

Gerade wollte der Mann noch etwas dazu sagen, da sah er auf sein Hundemon, welches die Schnauze nach unten gerichtet hatte und den Boden abschnüffelte. Langsamen Schrittes ging es die Treppe nach oben. „Ach... sieh einer an, Fußspuren? Wer ist denn hier mit so dreckigen Schuhen herum gelaufen?“, kam es von der Frau und sie stemmte eine Hand in die Seite. „Zooobiiii... riririris!“, machte ihr Pokémon und hüpfte hinter dem Hundemon die Treppe hoch. Immer wieder wenn es aufsah, funkelten die roten Edelsteine unheimlich, welche anstelle seiner Augen saßen. Der große Mann und die Frau sahen auf ihre drei weiteren Begleiter, welche alle kurz ihr Schuhwerk kontrollierten, aber keiner hatte solch nasse Füße, geschweige denn Sand und Dreck mit in die Villa geschleppt.

Seffe verschwand wieder hinter der Tür und hatte sich mit dem Rücken an die Wand gedrückt. Gengar sah unbelustigt an seiner nassen Hose herunter bis ab zu seinen dreckigen Schuhen. „Das ist deine schuld!“, zischte ihn Seffe leise an und der Geist legte den Kopf leicht schief. „Es sind zu viele, gegen die kommen wir nicht an. Außerdem ist die Hälfte deines Teams am Strand und spielt“, erwiderte Gengar. „Das weiß ich selber!“, knurrte Seffe und sah sich um.

„Hier ist noch jemand in der Villa! Irgendwer belauscht uns!“, konnten die zwei vernehmen und Seffe sprintete los zu einer anderen Tür des Raumes. Kurz darauf fiel Hundemon knurrend in den Raum ein, wo gerade noch der Trainer und sein Gengar waren. Es sah aus wie ein großer heruntergekommener Esssaal. Zobiris sah sich um und lief in der Haltung wie Gollum durch den Raum. Ruckartig zuckte das violette, dürre Wesen mit dem Kopf hin und her, während Hundemon wieder die Fährte aufnahm. Kurz darauf betraten die maskierten Gestalten den Saal. „Hast du eine Spur? Such, Thyson!“

(Zobiris, by Renecambellart: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgTLGnIeHgGh5TkoQ)

Seffe und Mr. Spook fielen von einem Raum in den nächsten rein. Es sah alles aus wie in einer verlassenen, alten Villa. Von einem umgebauten Forschungsgebäude war nicht viel zu sehen. Die Beleuchtung war schummerig, da die Fenster stark verdreckt waren. Noch dazu musste man aufpassen, wo man hintrat, um nicht über Schutt zu fallen oder gar durch den Boden zu krachen.

Sie waren vom Esssaal in eine Art Flur gekommen. In der Mitte des Flures bröselte der Boden und hatte tiefe Risse. Da würde Seffe jetzt nicht versuchen drüber zu springen und flüchtete in den nächsten zufälligen Raum, der aussah wie ein altes Schlafgemach. Zum Glück schienen alle Räume miteinander verbunden zu sein, dadurch gab es keine Sackgassen. Doch so rannten sie (Seffe rannte, Gengar folgte ihm schwebend) von einem in das nächste Zimmer, bis sie in einer alten Bibliothek ankamen. Kurz blieb der Trainer stehen und versuchte seinen Atem zu beruhigen, so viele Bücher auf einem Haufen hatte er noch nie gesehen. Einige waren herausgezogen worden und lagen verteilt auf dem Boden. Er sah sich um und nahm die andere Tür der Bibliothek. Wieder ein Raum der aussah wie ein Schlafgemach. Oder waren sie hier schon mal? „Man, das ist ja wie ein Labyrinth! Wo sind wir? Wie ist diese verdammte Villa aufgebaut?“, stieß Seffe verärgert aus. Zurück konnten sie nicht, die Verfolger waren ihnen dicht auf den Fersen. Gengar zuckte hilflos mit den Schultern. Dann streckte er seinen Kopf durch eine Wand und machte eine Handbewegung, dass Seffe ihm in eine andere Richtung folgen sollte. Der junge Mann vertraute seinem Monster. Doch er musste aufpassen, wo er hintrat. Einige Stellen waren, wie auch in den Vorräumen, schwer beschädigt und wirkten so, als ob die einst edlen Marmorfliesen gleich nachgeben würden.

Sie gingen erneut durch mehrere pompöse Räume und bis sie wieder zurück in der Bibliothek angekommen waren, wo Seffe über ein paar Bücher stolperte. „Die haben sich aufgeteilt um dich zu bekommen“, sagte Gengar tonlos zu ihm. „Was? Na klasse...“, antwortete Seffe atemlos und konnte Stimmen hören. „Mr. Spook, bitte! Geh durch die Wände und such einen Weg hier raus, wir rennen im Kreis!“, kam es leise sowie verzweifelt von ihm. „Du rennst im Kreis“, korrigierte ihn sein Monster lachend, löste sich zu Luft auf und ließ seinen Trainer kopfschüttelnd zurück.

„Fuck... was jetzt? Fünf Gegner mit wer weiß wie vielen Monstern an der Seite bekomme ich mit meinen restlichen drei Monstern nicht aus dem Weg geräumt“, dachte sich Seffe angespannt und sah sich nach einem Ausweg um. Nachdenklich kratzte er sich am Kopf. Nun hörte es sich so an, als kämen die Verfolger aus zwei Richtungen. Dann vernahm er Gengars Lachen und eine Tür die zu knallte. „Da! Da war er, hier entlang!“, hörte Seffe. Sein Partner lockte ein paar der zwielichtigen Verfolger wohl in die falsche Richtung. Aber bald würde Hundemon seine Spur aufgenommen haben und ihn finden.

Doch dann... Sein Blick fiel auf eine Stelle im Bücherregal. Er wusste nicht genau warum, eigentlich hob sich das Buch nicht großartig vom restlichen Chaos ab. Intuitiv streckte er seine Hand danach aus und zog es heraus. Erschrocken fuhr er herum, als er erneut einen kühlen Luftzug im Genick spürte. Man konnte ein leises Kichern vernehmen. Neugierig lief er tiefer in den Raum herein. „Was zum...“, murmelte Seffe und seine Augen wanderten suchend durch die Bibliothek. Er hörte auf, nach dem Unbekannten zu suchen, als er Schritte wahrnahm die immer näher kamen. Er ging rückwärts und stieß schließlich wieder an die Bücherwand. „Das war´s wohl“, dachte er sich und verzog das Gesicht.

Im nächsten Moment nahm er das elendig breite Grinsen von Mr. Spook wahr und sah fragend in seine roten, starrenden Augen. Das violette Monster griff über ihn und Seffe merkte nur wie er weggeschoben wurde, sich drehte und fiel. Er bekam etwas an den Kopf und landete auf dem Rücken, dann wurde es schwarz vor Augen.

Die maskierte Frau betrat mit dem großen Mann, gefolgt von Hundemon und Zobiris, die Bibliothek. „Wo ist er jetzt? Das kann doch nicht sein! Wir müssen den doch finden! Hast du ihn gesehen, Gunther? Weißt du wie er aussieht?“

„Nein, verflucht noch mal! Das habe ich dir doch schon tausendfach gesagt! Keine Ahnung wie der Kerl aussieht! Ich weiß nicht mal mehr, ob es ein Kerl ist, weil ich die Person nicht gesehen habe! Ich hab nur das Gengar kurz gesehen“, motze er lautstark zurück, ehe sein Blick auf das große, dobermannartige Wesen fiel. „Thyson! Hast du was?“ Der Mann stapfte auf sein Monster zu, welches an einer Bücherwand Halt gemacht hatte. Mit den vorderen Pfoten lehnte es sich an die Wand und schnüffelte am Regal entlang.

Mit strengem Blick stemmte die Frau beide Hände in die Hüfte. „So wird das nichts! Wo soll der denn hin sein? Zu Luft aufgelöst?“ Ihre schlechte Laune konnte man unschwer erkennen. Nun stürmten auch die drei weiteren Maskierten durch die andere Tür in die Bibliothek. „Habt ihr ihn?“, fragte die Frau hoffnungsvoll, doch sogleich erkannte sie, dass es niemand anderes war, als der Rest ihres Teams. Sie stieß einen wütenden Schrei aus und alle zuckten zusammen.

„Thyson hat die Fährte verloren“, kam es von Gunther.

„Ach, was. Echt?“, war die patzige Antwort. Schnaubend machte die Frau auf dem Absatz kehrt und ging Richtung Ausgang. Sie konnten es sich nicht erklären was gerade genau passiert war und wen sie überhaupt verfolgt hatten, doch dieser Zwischenfall sollte ein einzelner bleiben.



Schwarz vor Augen

(Wer noch bisschen Stimmung für die nächste Szene brauch, das könnt ihr im Hintergrund laufen lassen: https://www.youtube.com/watch?v=2_-SUOI680U )

Alles war in blauen Schein gelegt. Langes Gras bewegte sich vor ihm in gleichmäßigem Takt. Er kauerte in einem kleinen Erdloch. Große Säulen lagen vor ihm. Sie erinnerten an die der alten Villa, aber es war ein anderer Ort. Luftblasen stiegen auf. Er war unter Wasser. Doch er konnte atmen. Ein paar Herzförmige Fisch-Pokémon schwammen in einem Schwarm an ihm vorbei. Die Oberfläche schien zu schimmern, das Wasser war klar. Er konnte Stimmen hören. Sie klangen dumpf. Schnell huschte er aus seiner kleinen Höhle heraus und schwamm an dem Seegras vorbei, was ihn an seinem Bauch kitzelte. Dunkle Kugeln wurden in das Wasser geworfen und gingen unter wie Steine. Neugierig schwamm er hin, um zu sehen was es war. Doch dann explodierte der runde Stein. Jetzt hielt er die Luft an. Noch so ein Stein ging neben ihm unter. Sein Herz fing an zu rasen. Schnell schwamm er im Zickzack an den explosiven Kugeln vorbei. Doch bald müsse er an die gefährliche Oberfläche um zu Luft holen. Panik breitete sich in ihm aus. Netze wurden geworfen. Zweien konnte er ausweichen, als sie langsam im Wasser absanken. Dann musste er hoch. Die Luft ging ihm endgültig aus. Was war das? Er kam nicht mehr weiter. Ein Netz. Sich darin windend und schreiend, sah er plötzlich mehrere Glasröhren vor sich. Alle waren gefüllt mit verschiedenen Flüssigkeiten und in ihnen schienen organische Dinge zu hängen, welche heran wuchsen. Er bekam etwas gespritzt und wurde benommen gefesselt. Mit einem Schrei wurde Seffe wach.

Sein Herz klopfte noch wild und er hatte die Augen so weit geöffnet wie es ging, doch es herrschte absolute Dunkelheit. Er versuchte vergeblich etwas zu erkennen. Es war so still, dass er nur seinen eigenen Atem sowie seinen Herzschlag hören konnte. Der Geruch war merkwürdig muffig, als ob es nicht genug Sauerstoff geben würde. Seffe schluckte und verzog das Gesicht. Wo war er? Mit den Händen begann er zu tasten. Er saß auf etwas weichem und sein Kopf tat ihm weh. Etwas Weiches? Langsam tastete er ab, was es sein könnte... ein Bett? Eine Liege? Seffe setzte sich auf, noch immer konnte er seine Hand nicht vor den Augen erkennen. Vorsichtig stellte er seine Füße auf dem Boden ab und es knackte unter ihm, als ob er auf Scherben stehen würde. Ein Seufzen. Wo war er hier nur rein geraten? Kurz musste er an den seltsamen Traum von gerade eben denken.

Er schüttelte den Kopf und griff an seinen Gürtel, nun konnte er sich in Gedanken etwas beruhigen, denn zum Glück war er nicht ganz alleine. Stahlschnabel und Paulinchen waren noch bei ihm. Gerade wollte er die Arkani-Hündin raus lassen, um mit ihren Feuerkräften irgendetwas sehen zu können, als Lichter aufflackerten. Alte Neonröhren sprangen im kompletten Raum an, manche waren gerissen und blieben dunkel.

Das grelle Licht ließ ihn die Augen zusammen kneifen. Blinzelnd sah er sich um und verzog das Gesicht. „Was in aller Welt.... Oh mein Arceus...“, murmelte er. Wie im Traum war alles in bläulichem Schein gefärbt. Seffe war doch tatsächlich auf einer alten Liege gelandet, welche ziemlich fleckig war. Es sah aus wie altes Blut, worauf er kurz angeekelt das Gesicht verzog und seine Hände automatisch an seiner Jeans abwischte. Die Liege hatte an den Seiten Gurte, mit welchen man Personen oder Monster fesseln könnte. Dann blickte er nach oben, er musste durch die Decke gestürzt sein. Auf dem gefliesten, ebenfalls fleckigem Boden lagen überall Scherben, was wohl hauptsächlich von den Inhalten der Regale kam, doch scheinbar hatte es hier auch mal gebrannt. Teilweise standen noch Reagenzgläser sortiert in ihnen. Er ging auf einen der Schreibtische zu und stockte, als er auf etwas weichem stand. Das Buch. Er hob es auf sowie auch seinen Rucksack und verstaute es erstmal in diesem. Es gab mehrere Schreibtische in dem Raum, doch nur auf einem lagen Zettel mit merkwürdigen Formeln darauf. Teilweise sah es aus wie Studien über verschiedene Wesen. Die Zettel griff er zusammen und packte sie ebenfalls in seinen Rucksack, warum er das tat, wusste er nicht genau. Sie sahen irgendwie wichtig aus und er hatte das Gefühl, dass er sie noch brauchen würde.

Erneut nahm er einen Luftzug an seinem Nacken wahr. Seffes Herz fing prompt wieder an zu rasen und er fuhr herum. Doch da war nichts. Finster blickend ging er auf ein Regal zu. Hier standen noch Gläser drinnen, mit eingelegten Dingen. Es waren Organe, Föten und andere Extremitäten. Seffe hob seine Brauen und hielt sich den Handrücken an den Mund, ihm wurde schlagartig schlecht. Dabei ging er ein paar Schritte zurück und stieß auf wen. Er spürte deutlich zwei Hände an seiner Hüfte. Mit einem kurzen Schrei fuhr er herum und stieß das Regal, was er sich gerade angesehen hatte, um. Es krachte laut und die Gläser zerbarsten am Boden. „Scheiße!“, stieß Seffe aus. „Spook, du Vollidiot! Wie kannst du mich so erschrecken? Hast du sie noch alle? Mir bleibt fast das Herz stehen!“ Mit Tränen in den Augen schrie er sein Monster so an, dass sich seine Stimme überschlug. Gengar stand nur da und blinzelte ihn an. „Oh Entschuldigung, der Herr, aber ich habe Ihnen gerade den Arsch gerettet“, kam es beleidigt von diesem. „Dein Herz rast doch... weiß gar nicht, was du hast.“ Mr. Spook lachte kurz, ehe er ernst wurde und schaurig sagte: „Deine Angst schmeckt guuuut.“

Seffe schloss die Augen und massierte sich mit seinen Fingern die Schläfen. Er hätte sich fast eingeschissen vor Angst und sein Trottel-Pokémon verarschte ihn. Dennoch war er erleichtert, das vertraute, fiese Grinsen von Gengar zu sehen.

„Außerdem habe ich die Sicherung gefunden und das Licht angemacht“, kam es vorwurfsvoll von dem Pokémon. Seffe legte leicht lächelnd eine Hand auf dessen Schulter und sah Mr. Spook dankend an. „Eigentlich bin ich auch echt froh, dass du da bist.“ „Ich weiß“, flötete Gengar. Seffes Blick fiel auf eine große Röhre im Zimmer. Zumindest schien das mal eine gewesen zu sein, doch das Glas war gerissen und man konnte es nur noch erahnen. Sie musste vom Boden bis zur Decke gereicht haben. Beide gingen näher heran und betrachteten das Konstrukt. Von oben hingen Kabel herab, irgendwas schien hier mal angeschlossen gewesen zu sein. Gengar schwebte in der Luft und hob einen Arm. „Nein! Fass das nicht an!“, zischte Seffe plötzlich und das Monster zuckte zurück, „Du weißt nicht was da mal drinnen war. Das ist doch … einfach ekelhaft.“ Mr. Spook blickte Seffe fragend an. „Wie kommst du da drauf, dass da mal was drinnen war?“

Der Trainer öffnete seinen Mund und wollte antworten, schüttelte dann jedoch den Kopf. „Weiß nicht... war nur so`n Gedanke... hast du dich mal umgesehen, was in den Gläsern eingelegt war? Hier muss an irgendwem herumexperimentiert worden sein. Furchtbar...“ Dabei zeigte er durch den Raum und Gengar verzog das Gesicht. Zugegeben: so ganz geheuer war es auch ihm nicht. „Die Geschichten mit dem umgebauten Forschungslabor stimmen also doch! Aber wie bin ich hier reingekommen?“, kam es von Seffe. „Eine verschiebbare Wand“, entgegnete sein Pokémon. „Die ganze Villa scheint voll davon zu sein. Es gibt noch mehr Räume wie diesen hier! Ich habe sie alle gesehen!“

Seffe hob beide Brauen. „Verschwinde bloß nicht wieder hinter irgendeiner Wand, verstanden?!“ Das Pokémon lachte: „Wieso, hast du Angst? Ach ... Was frage ich überhaupt ...“ Seffe rollte nur mit den Augen. „Wenigstens kannst du hier nicht mehr abstürzen, Trainer. Wir sind im untersten Geschoss. Aber sei vorsichtig, dass du nicht wieder auf den Rücken fällst und ohnmächtig wirst“, schnarrte Gengar in Gedanken. Seffe fand es nicht halb so lustig wie sein Partner und ging ihm vorsichtig hinterher. Sie betraten noch mehrere solcher Forschungsräume und immer wieder lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken und er musste an die Bilder in seinem Traum zurück denken. „Mr. Spook...“, kam es schließlich von ihm, „Als ich vorhin ohnmächtig war... habe ich echt merkwürdiges Zeug gesehen.“

„Du meinst geträumt.“

„Nein... ach, was weiß ich! Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich nicht alleine im Keller war.“

„Stimmt, ich war auch da.“

„Idiot! Nein, du warst es nicht! Ich werde verfolgt! Ich schwör´s dir!“, Seffe wirkte sichtlich aufgebracht und hatte seine Worte mit starker Gestik verstärkt.

Nun sah ihn Mr. Spook ungläubig an. „Mein Trainer wird doch jetzt nicht etwa den Verstand verlieren?“

„Ach! Unsinn.“ Seffe schnaufte und sah seinen Gegenüber erbost an. Kurz tauschten sie sich stechende Blicke aus, bis ein Glas aus einem Regal fiel. Diesmal sahen beide erschrocken in die gleiche Richtung und auch Gengar wirkte etwas missmutig. Die pinke, schleimige Flüssigkeit des Glases lief langsam über die dreckigen Fliesen. „Gengaaaarrr!“, kam es von Seffes Partner und er ging in Kampfstellung, doch es war kein Gegner oder ähnliches zu erkennen.

„Mr. Spook... lass uns hier verschwinden“, sagte Seffe stockend und verängstigt, „Ich hab echt keine Lust mehr auf die Scheiße hier und ein gaaaaaanz komisches Gefühl!“ Mit diesen Worten flackerten alle Lampen und das Licht fiel einfach wieder aus. Stille trat ein und Gengar hörte, wie Seffes Herz anfing schneller zu schlagen. Das Pokémon sah sich in der Dunkelheit um, konnte jedoch niemanden ausmachen. „Spook bring uns hier raus!“, forderte Seffe schließlich mit strenger Betonung und wurde im nächsten Moment von hinten umfasst. Mit einem erschrockenen Laut wurde er zappelnd nach oben gehoben. Er konnte ein grelles Licht erkennen und kniff die Augen zusammen. Irgendwas klebte an seinem Fuß, er versuchte es abzuschütteln und sich aus dem Griff zu befreien. Jedoch beides ohne Erfolg. Es ging alles sehr schnell und bald fand er sich wieder auf dem Boden. Mit seinen Händen griff er in Sand und langsam öffnete er seine Augen. Das Licht war grell und er guckte direkt in … das Gesicht von Zitrone?

(Ab hier könnt ihr die Musik dann wieder ausschalten ;) )

„Pika-pi?“, machte das Pikachu mit fragendem Blick und auch Blueshell und Ludwig waren da und sahen ihn fragend an. „Was...? Wo...?“, Seffe sah sich verblüfft um, er war am Strand, in der Hocke ließ er sich nach hinten fallen, um zu sitzen. Sogleich wurde er von Zitrone umarmt und Ludwig schmiegte sich an seinem Bein. „Du hast doch gesagt, ich soll uns da raus bringen. Dein Zappeln hat es nicht unbedingt leichter gemacht“, kam es von Mr. Spook, welcher im Sand saß und seine knubbeligen Beine von sich streckte. Danach ging er in sein gewohntes fieses Grinsen über. Seffe sah verdutzt drein, ehe er kopfschüttelnd seufzte und man konnte deutlich erkennen, wie sich Erleichterung in ihm breit machte. Die Nachmittagssonne schien freundlich am Himmel. Dann hob er ruckartig seinen Kopf. „Habt ihr die Gruppe gesehen?“

Sein Monster-Team sah ihn weiterhin fragend an. „Die schwarz gekleideten Typen... mit Masken und so... die müssen aus der Villa gekommen sein“, stammelte Seffe zur weiteren Erklärung. Nun nickte Blueshell und zeigte in die Richtung zum Steg. „Turrr. Turtok!“ Auch Pikachu nickte und Dragonir fiepte etwas. „Sie sind wohl mit einem Schiff weggefahren. Fünf Leute. Sie hatten aber keine Masken auf, waren alle nur auffällig schwarz gekleidet“, übersetzte Gengar mit gekreuzten Armen und geschlossenen Augen.

Seffe schnaufte. „Oh man, das war echt knapp. Wenigstens sind die schrägen Typen weg.“ Die drei Monster, die gewartet hatten sahen fragend durch die Runde, so durch den Wind hatten sie ihren Trainer noch nie erlebt. Dann gab Seffe erneut einen erschrockenen Ton von sich und sprang auf. Dabei schüttelte er sich und zog so schnell es ging seine Jacke aus. „Irgendwas hat an meinem Fuß geklebt und jetzt ist es unter meiner Jacke!“, kam es von ihm. Die Lederjacke landete im Sand und er hob auch sein Shirt an um zu sehen, dass ihn dort nichts mehr begrabbelte. Gengar fing an zu lachen. „Ich wusste gar nicht, dass du so ein Angstscoppel bist! Du bildest dir bloß was ein, weil du noch immer Bammel von der Villa hast!“

Strafend sah Seffe auf Spook und hob einen Finger, gerade wollte er sich rechtfertigen, als es unter seiner Jacke zuckte. Alle Pokémon sprangen mit einem kurzen Laut auf und gingen in Hab-Acht-Stellung, außer Gengar, der sah nur genervt auf die zuckende Jacke. Etwas arbeitete sich durch den Ärmel vor und eine pinke, dickflüssige Masse trat hervor. Sand blieb an ihr kleben, sie wabbelte herum und versuchte sich wenigstens etwas zu materialisieren. Neugierig blinzelnd hockte sich Seffe davor. Dann sahen ihn zwei kieselsteinförmige, schwarze Augen an. „Ein Ditto?“, kam es von ihm verdutzt, ehe er schmunzelte und vorsichtig eine Hand nach dem kleinen Monster ausstreckte. Er hatte so ein Pokémon noch nie vorher gesehen. Das kleine, pinke Wesen quabbelte herum und sah den Mann an, langsam streckte es sich nach seiner Hand aus. Es zuckte kurz zurück, als Gengar erneut anfing lauthals zu lachen. „Du bist echt klasse! Das ist es, was dich verfolgt hat? Davor hattest du Angst? Und du bist wirklich mein Trainer?“, konnte Seffe in Gedanken hören und rollte erneut genervt mit den Augen.

(Ditto in etwas realer <3 https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrte9uXmbbPFQ1gFMw Quelle: DeviantArt, by Chiakiro )

„Still jetzt, Spook!“, zischte er sauer, worauf Gengar direkt verstummte und grimmig auf ihn sah. Zitrone ging mit neugierig aufgestellten Ohren zu der pinken unförmigen Masse, um daran zu schnuppern. Ditto quietschte und wich dem Pikachu aus. „Oh man... armes Ditto... du hast dich da unten bestimmt selber gegruselt“, sagte Seffe verständnisvoll, mit einem sachten Lächeln und diesmal kam das Pokémon auf seine Hand gekrochen. Er streichelte es sanft und es fühlte sich an wie Glibbermasse. „Du brauchst keine Angst mehr haben, hier passiert dir nichts.“ Die Hand fühlte sich an den Stellen, an denen ihn Ditto berührt hatte, feucht an, jedoch nicht klebrig. Nur da wo Ditto saß klebte es förmlich fest und es umschloss Seffes Unterarm wie eine Stulpe. Amüsiert quietschte das Wesen, die zwei Kieselsteinaugen schwammen in der Masse umher und beäugten die anderen Monster.

„Drago!“, kam es von Ludwig und er sah erfreut aus. Auch Turtok und Pikachu schienen zu lächeln. Seffe zuckte leicht mit den Schultern. „Sieht so aus, als hätten wir einen neuen Freund“, kam es von ihm und er sah zum Pokémon-Center, dann hob er seinen Arm und guckte Ditto an. „Dich, Kleiner, nehme ich mit zum Pokémon-Center, da wirst du auch etwas gepflegt.“ Dann sprach er in der Runde: „Wir werden diese Nacht hier schlafen und machen uns morgen auf die Heimreise. Heute hab ich da wahrlich keinen Bock mehr drauf.“

Mit dieser Ansage brachen alle auf, zu dem Pokémon-Center was den Berg hoch lag.


Das Tagebuch

Als Seffe in das Pokémon-Center eingelaufen war, diagnostizierte die Schwester einen leichten Schock bei ihm und er bekam Tabletten zur Beruhigung. Diese halfen ihm jedoch auch nicht beim Einschlafen. Mit offenen Augen starrte er die Wand an und dachte über das Erlebte und seinen merkwürdigen Traum nach. Er hatte das Gefühl darüber mit irgendwem reden zu müssen, aber die meisten würden ihn wahrscheinlich als verrückt abstempeln. Was Lotte wohl dazu sagen würde? Er schüttelte den Kopf und ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen. Seine Pokémon waren alle in den Bällen, bis auf Ditto, was unter anderem daran lag, dass es offiziell nicht sein Monster war. Doch in Seffes Nähe schien es sich sicher zu fühlen und klebte an seiner Schulter, wo es zu schlafen schien, was ihn zum Lächeln brachte.

Die Nacht draußen war ruhig, man konnte bei dem gekippten Fenster nur das sanfte Rauschen des Meeres hören. Die Sterne leuchteten am Himmel und der fast runde Mond schien so hell in das Zimmer rein, dass man alles in sachtem Schein erkennen konnte. Seffes Blick fiel auf das Buch. Er hatte es beim ausräumen des Rucksacks auf den Tisch und die Notizen darunter gelegt. Langsam setzte er sich auf. Ditto rutschte von ihm ab und versank in der Kuhle seines Kissens.

Leise lief Seffe zu dem Tisch und setzte sich auf den Stuhl. Er nahm das Buch in die Hände und betrachtete es. Es erinnerte ihn an Matzes Unterschriftenbuch, da es ebenfalls in Leder gebunden war und ziemlich abgenutzt aussah. Die ganze Zeit hatte er versucht es zu ignorieren, aber es ließ ihm keine Ruhe. Neugierig schlug er es auf. Es war eindeutig immer dieselbe Handschrift, viele Stellen waren verschwommen oder verwischt und man konnte es kaum noch lesen.

Es fing an mit einer Art Einleitung. Scheinbar war es ein Auftrag gewesen, das stärkste Pokémon der Welt zu finden und gentechnisch zu manipulieren, so dass es noch stärker würde. Ein Datum, wo man leider das Jahr nicht mehr erkennen konnte, wurde immer fein säuberlich in die obere, rechte Ecke geschrieben. Bruchteile konnte Seffe noch entziffern, der Rest war verschwommen oder so stark verdreckt, dass er es nicht mehr lesen konnte. „Die Expedition ist gestartet. Wir suchen den Ursprung aller Pokémon. (…) woher die Wesen ihre Kräfte bekommen (…)“ Seffe hob eine Braue und blätterte weiter. „5. Juli: Der Dschungel im Niemandsland. Wir haben tief im Dschungel ein völlig neues Pokémon entdeckt“, las er sich selber murmelnd vor und verzog das Gesicht. Er blätterte ein paar Seiten weiter, über ein paar Zeichnungen und Formeln, bis man wieder mehr lesen konnte. „10. Juli: Wir nennen das neuentdeckte Pokémon Mew.“ Er blätterte zurück. Irgendwer hatte versucht zu zeichnen und es sah tatsächlich einem Mew ähnlich. Es hatte eine dreieckige Kopfform mit stehenden Ohren und großen Augen. Seine vorderen Ärmchen waren zur Seite ausgestreckt und es hatte katzenartige Hinterbeine sowie einen langen Schwanz der am Ende etwas breiter auslief. Die Aufzeichnungen die Seffe kannte waren ähnlich. Mews wurden hin und wieder von Leuten beschrieben. Eine Zeit lang hielt man die Sichtungen dieser Wesen jedoch nur noch für ein Gerücht, da man glaubte, sie seien ausgestorben. Es gab sogar ein paar wenige, alte Fotos von den Monstern im Internet zu finden und nur sehr wenige Trainer in der Geschichte waren bekannt, eines im Team gehabt zu haben.

„8. August: Mew ist etwas Besonderes, es kann jegliche Attacke erlernen“, las Seffe in Gedanken und nickte, als er diesen Satz fand. Genau das machte es neben seiner hinreißenden Optik so begehrt, besonders für Trainer und viele suchten verzweifelt nach diesen seltenen Monstern. „6. Februar: Mew hat ein Junges geboren! Wir haben es Mewtu genannt“, stand dort, die nächsten Seiten waren ausgerissen. Um ehrlich zu sein fehlte sogar ziemlich viel von dem Buch. Man konnte nur noch verschwommen den „1. September“ erkennen, worunter der Satz stand: „Mewtu wird immer stärker. Wir konnten die unkontrollierten Wutausbrüche nicht mehr eindämmen.“ Die Schrift wurde immer schusseliger, zum Schluss gab sich der Schreiber scheinbar gar keine Mühe mehr. Scheinbar musste er sehr schnell schreiben, um es noch zu dokumentieren. Seffe verzog leicht seine Brauen und blätterte weiter, doch die restlichen paar Seiten waren leer.

Blinzelnd blätterte Seffe zurück und blieb nochmal an der Stelle „Mew hat ein Junges geboren!“ hängen. Hatte es zu dem Zeitpunkt wirklich ein Junges geboren? Dann würde es bedeuten, dass es zu dem Zeitpunkt noch mehr Pokémon dieser Art gegeben hätte… oder war es geklont worden? Die anderen Aufzeichnungen, Formeln und Studien, knickte er einmal in der Mitte und legte sie hinten in das Buch hinein. Nachdenklich schlug er es zu, ehe er zusammen zuckte, weil er das Gefühl hatte, jemand würde ihm in den Nacken pusten. Er bekam eine Gänsehaut und drehte sich im Stuhl wachsam um, konnte aber niemanden erkennen. Als er plötzlich etwas an seinem Bein spürte, erschrak er sich erneut und seufzte danach leise. Ditto war wach geworden und war dabei, an ihm hoch zu kriechen. Mit schiefem Grinsen nahm er es hoch und hielt die Masse vor sich. Er ließ das Mondlicht durch das Pokémon scheinen, es war durchsichtig. Einzig und allein die zwei kleinen kieselsteinförmigen Augen schwammen in der Masse herum. Wie es dadurch etwas erkennen konnte? Seffe piekte es leicht mit einem Finger und das Monster wackelte wie Pudding nach. „Du bist schon ein komischer Geselle“, kam es leise von ihm und Ditto formte mit seiner Masse einen Mund wie ein „O“. Seffe musste schmunzeln und ging zurück zum Bett. „Keine Sorge, ich angeblich auch. Jeder der etwas anders ist, ist für andere komisch.“ Ditto sah ihn fragend an und machte es sich wieder auf Seffes Brust gemütlich. Schmunzelnd legte Seffe eine Hand auf das Wesen, welches bald leicht zerfloss, als es einschlief.

Da Seffe die Nacht weiterhin nicht richtig schlafen konnte, traten sie am nächsten Morgen sehr früh die Rückreise an. Um seine Ruhe zu haben nahm er wieder die Wasser-Route. Auf dem Rücken von Turtok konnte er besser nachdenken. Auf der Zinnofähre würde er wahrscheinlich zum Kampf herausgefordert werden. Der Weg zurück verlief zur Abwechslung mal wirklich ruhig. Mr. Spook provozierte die anderen nicht, Zitrone ritt auf Ludwig über das Wasser und amüsierte sich und Ditto – der saß wie gehabt auf Seffes Schulter. Es war ihm seitdem nicht mehr von der Seite gewichen. Nur wenn Seffe auf Toilette musste, befahl er ihm vor der Tür zu warten.

Bald stand Seffe wieder in Orania auf einem Steg und zog Blueshell und auch Ludwig wieder in ihre Bälle zurück. Zitrone und Spook wollten unbedingt draußen bleiben. In der Morgenröte konnte man ein riesiges Schiff erkennen. Unverwechselbar war das die luxuriöse M.S. Anne, welche bald im Hafen einlaufen würde. Seine Daumen hatte er in die vorderen Hosentaschen eingehakt und beobachtete das Schiff. Pikachu stand mit nach vorne gerichteten Ohren wie ein Hase vor ihm, Ditto klebte auf seiner Schulter und wackelte bei jeder Brise leicht nach. Die Luxusjacht wirkte so, als würde sie mit den paar Wolken am Horizont ziehen.

Pikachu wand sich aufmerksam um, als sie Stimmen hörte und zupfte ihrem verträumten Trainer am Hosenbein. Langsam wand sich auch Seffe um, doch er sah sofort wieder gen Meer. Das waren doch die fünf Gestalten aus der Villa. „Hast du sie schon bemerkt?“, erhalte nun Gengars Stimme in seinem Kopf. „Ja... gerade eben...“, dachte sich Seffe und zog die Brauen zusammen. „Das sind sie eindeutig, auch wenn sie nicht mehr in schwarz gekleidet sind“, schnarrte der Geist. Seffe nickte kaum erkennbar. Er würde jetzt unauffällig an ihnen vorbei gehen.

Vier der Gruppenmitglieder standen auf dem Schiff. Die Frau, welche scheinbar etwas mehr zu sagen hatte, stand auf dem Steg. Ihre braunen Haare waren streng zurückgebunden und eine Sonnenbrille steckte darin. Sie trug ein enges Top und einen viel zu kurzen Rock. Die Figur hatte sie immerhin dafür. Seffe war losgelaufen, hatte sich die Haare ins Gesicht fallen lassen und beobachtete sie. „Also ich geh´ was essen! Was ihr macht ist mir jetzt egal! Kommst du mit, Gunther?“ Eine tiefe Stimme erklang: „Warte auf mich, Doris!“

Gerade als Seffe an der Frau vorbei gehen wollte, sprang der große Mann vom Boot auf den Steg, genau vor ihn. Fast hätte Seffe ihn gerempelt und blieb prompt stehen. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er an die zwei Meter sein musste. Seffe sah genau auf dessen Brust und unter seinem Shirt konnte man deutlich erkennen, wie viele Muskeln er haben musste. „Ey Kleiner, pass auf wo du hinläufst!“, kam es in kräftiger Tonlage von ihm. Kleiner... so war er seit Jahren nicht mehr genannt worden. Langsam sah Seffe hoch, sein Blick war so finster, dass sogar der Größere kurz stockte. „Fuck off!“, stieß der Blauhaarige unüberlegt aus und ging einen Schritt um ihn herum. Zitrone hüpfte ihrem Trainer hinterher und streckte dem großen Mann die Zunge heraus, dabei zog es mit seinen Pfötchen die Backen runter, ehe es wieder hinter ihrem Trainer her hoppelte.

Ungläubig stand der Mann da, ehe er seine Mine verzog. „Hey! Sag das nochmal!“, kam es von ihm mit aggressiven Unterton. Seffe ging ignorant weiter, hoffte jedoch insgeheim, nicht von dem Großen herumgerissen zu werden. Sauer wollte Gunther ihm nachlaufen, doch die Frau hielt ihn zurück. „Lass ihn ziehen. Punks haben immer ein großes Maul. Da steckt nicht mehr dahinter. Du würdest ihn doch mit einem Schlag umhauen.“

Der Man knurrte und strich sich mit einer Hand über seine kurzen, stoppeligen Haare. „Man sieht sich immer zwei Mal im Leben!“, rief er Seffe drohend nach und sah dann zu seiner Kollegin. „Sach ma´, Doris... war das net der Furz, der gegen Ricarda im Hypercup gekämpft hat?“

Die andere sah ihm hinterher und zuckte schließlich mit den Schultern. „Nur weil er blaue Haare hatte? Weiß nicht... komm lass uns was mampfen gehen!“

„Das ist wohl gerade nochmal gut gegangen“, dachte sich Seffe und machte Halt an einem Laden der Promenade und beobachtete die Gestalten durch einen hohen Postkartenständer. Zitrone hüpfte auf die andere Seite seiner Schulter. „Pikachu!“, machte sie und wurde von Ditto beäugt. „Oh man, mit denen ist echt nicht gut Kirschen essen“, murmelte Seffe. „Du solltest lernen in gewissen Situationen dein Mundwerk unter Kontrolle zu halten, Trainer.“ Gengar erschien aus dem Nichts neben ihm. „Oh Mr. Spook, alles was ich jetzt brauche sind deine Tipps!“, fuhr in Seffe an, ehe er grinste. „Aber wenn du deinem Namen alle Ehre machen willst, dann schau mal was du in dem Boot noch so finden kannst. So unauffällig wie möglich natürlich...“ Der Geist bekam langsam große Augen, setzte ein irres Grinsen auf und nickte. „Geng!“, konnte man noch hören, dann war er verschwunden. „Pi pikachu...“, kam es etwas zweifelnd von Zitrone. Sie konnte nicht glauben, was Seffe gerade von Gengar verlangt hatte, nach all dem Geschehenen. Sie ließ ihre Ohren hängen und seufzte ein fast quängelndes „Piikaaa piiii...“

„Der macht das schon“, antwortete Seffe schlicht und ging mit großem Abstand Doris und Gunther hinterher. Was führten sie nur im Schilde? Zitrone schüttelte mehrmals den Kopf und wollte ihren Trainer davon abhalten, doch er war wie immer einfach zu neugierig. Die Gestalten liefen in einen Imbiss rein. Seffe blieb vor dem Gebäude stehen und lunzte hinein. Leider war der Laden nicht groß genug, als dass er sich unbemerkt in eine Ecke hätte setzen können. Schnell zuckte er zurück, als der Mann zur Tür sah. „Mist“, stieß er aus, „Hier kommen wir nicht weiter... naja... gehen wir auch erst Mal etwas Essen. Ihr habt bestimmt großen Hunger.“ Zitrone seufzte, sie hatte ein ungutes Gefühl. Wenigstens ließ sich Seffe durch Hunger ablenken.

Sie saßen an einer Strandbar. Das Wetter war angenehm, heute würde es bestimmt schön warm werden. Seffe hatte all seine Monster raus geholt und alle aßen glücklich in sich rein. Dabei kam die M.S. Anne immer näher. Er konnte bereits die Leute auf dem Deck erkennen und ein paar winkten ihm zu, seine Pokémon und er winkten zurück. Im nächsten Moment fielen ein paar lose Zettel vor ihm vereinzelt auf den Tisch. Verwundert guckte er nach oben und Mr. Spook grinste ihn breit an, ehe er sich auf den Stuhl neben ihm nieder ließ, wobei der Geist gerade so zwischen die Lehnen des Stuhls passte. Leicht genervt fasste Seffe die Blätter zusammen, dass Spook einen auch immer ärgern musste.

Es waren noch mehr Notizen, mit weiteren Aufzeichnungen zu einem Wesen, was teils fast menschlich aussah. Doch das meiste war ziemlich verwischt, beziehungsweise so in die Jahre gekommen, dass man es kaum noch erkennen, geschweige denn lesen konnte. „Das sind Studien über...“, Seffe brach den Satz ab und Gengar nickte, ehe er seine Hände hinter dem Kopf zusammen schlug und auf die Wolken im Himmel sah. Zitrone nahm einen der Zettel und sah sich die Zeichnungen an, sie verzog das Gesicht und schüttelte sich. Ditto starrte kurz darauf und verkroch sich hinter Seffe, welcher die Seiten ebenfalls knickte und steckte sie in das Buch in seinem Rucksack. Danach zahlte er bei der Bedienung und zog seine Pokémon zurück, bis auf Pikachu und Gengar, welche weiterhin draußen bleiben wollten und natürlich Ditto.

Er würde zu seinem Vater fahren, welcher Mitglied in einem Forschungsteam war und ihm das Ganze mal zeigen. Vielleicht könne er mit Professor Affenbrotbaum damit etwas anfangen. Allerdings vermutete Seffe, dass ihn sein Vater sicher nicht auf dem Laufenden halten würde und es schnell als geheimes Forschungsprojekt einordnen würde. Nachdenklich fuhr er sich durch seine Haare und ging die Promenade entlang. Die Straße war plötzlich voller Menschen, die M.S. Anne musste angelegt haben und hier und da musste er um einen Kreis Schaulustiger gehen, in deren Mitte ein Pokémon-Kampf geführt wurde. Er selber wurde zwei Mal aufgehalten ein Autogramm zu geben und einmal, um ein Selfie mit einer Gruppe hübscher Mädels zu machen. Eigentlich hatte er dafür gerade keinen Kopf, dennoch hob es etwas seine Laune. Zum Glück wurde er nicht zum Kämpfen aufgefordert, die Trainer trauten sich wohl nicht. Ditto saß amüsiert auf seinem Freund, ehe es ein Gesicht erblickte und erzitterte. Es ließ sich an dem Rücken von Seffe runter gleiten und saß nun zwischen dem Rucksack und seiner Lederjacke. Zitrönchen fiel das komische Verhalten auf und fragend sah sie dem anderen Pokémon nach.

„Seffe, du hier?“, erklang eine ihm bekannte Stimme und er wand sich um. Es war Matze im rotkariertem Holzfällerhemd. „Was machst du hier? Willst du kämpfen?“, fragte er erfreut. Seffe schüttelte mit schiefem Grinsen den Kopf. „Nein, nicht wirklich. Bin etwas in Eile. Ich hab was erledigt und... aaach lange Geschichte.“

„Ich mag lange Geschichten. Besonders, wenn sie von dir kommen.“ Matze lächelte breit.

„Sorry, Matze. Echt keine Zeit. Ich... Uahhh...“

Matze sah bei dem angeekelten Ton fragend zu Seffe. Dieser verdrehte sich um unter sein Shirt am Rücken zu greifen. „Ditto, hör auf damit, du bist kalt und glibberig und du sollst nicht immer unter meine Klamotten kriechen!“, motzte er. Endlich bekam er die pinke Masse zu greifen und zog sie vor. Mit zusammengezogen Brauen, setzte er Ditto wieder auf seiner Schulter ab. „Benimm` dich gefälligst!“

Die Augen von Matze weiteten sich und er hielt kurz die Luft an. „Du hast ein Ditto?“ Als er das sagte, erschrak sich das Wesen erneut und kroch unter die Jacke von Seffe. Dieser rollte nur mit den Augen. „Ja... seit gestern. Es ist mir in der … ... Zugelaufen. Es ist mir zugelaufen.“ Seffe fing an breit zu grinsen, was etwas gestellt wirkte, jetzt hätte er doch fast zu viel erzählt. „Scheinbar ist es gegenüber Fremden etwas schüchtern“, lenkte er ab. „Aber tut mir leid, Matze: Ich muss weiter! Bis dann mal! Viel Spaß noch!“ Matze versuchte sich ebenfalls an einem Lächeln. Seffe war extrem kurz angebunden und schien etwas durch den Wind zu sein. Nachdenklich und skeptisch sah er ihm nach. War er etwa im Pokémon-Haus gewesen?

Seffe drängelte sich mit Pikachu durch die Menschenmengen. Dann stockte er. Die Tussie vom Hypercup – eindeutig! Ihre blonden, langen Haare fielen elegant über ihre Schultern. Sie stand dort mit einem Kabutops und wartete. Ihre Lippen waren auffällig rot geschminkt, den gleichen Farbton trug ihr Rock, dieser war mindestens genau so kurz wie der von Doris und wenn nicht sogar noch ein paar Zentimeter kürzer. Hohe schwarze Stiefel trug sie dazu und ein schwarzes recht weites Oberteil, was einen großen Ausschnitt hatte und tief blicken ließ. Pikachu zog Seffe kurz an einer Haarsträhne, sie hatte die Blicke ihres Trainers bemerkt – überlegte er etwa gerade wie er sie anflirten sollte? Ditto saß auf der anderen Seite seiner Schulter. Seffe sah von ihm zu Zitrone. „Was sucht die Alte denn hier?“, murmelte er. Zitrone sprang von ihm herunter und sah erbost mit aufgestellten Ohren zu der blonden Schönheit, erst jetzt erkannte auch sie die Trainerin wieder.

Ditto blubberte etwas und Seffe spürte wie er an seiner Hose beschnuppert wurde, gefolgt von einem tiefen Knurren. Ruckartig schaute er nach unten und die glühenden Augen eines Hundemon starrten ihn an. Zitrone stellte sich verteidigend vor das Hunde-Pokémon. Mit angelegten Ohren und bösen Blick stand sie auf allen Vieren und ihre magentafarbenen Wangen knisterten.

Nun spürte Seffe eine Hand auf seiner Schulter. Eine große, schwere Hand. Mit festem Griff. „Sieh mal einer an, wen wir hier wieder haben. Der Rotzlöffel von vorhin. Ich frage mich, warum Thyson so auf dich reagiert.“ Ein tiefes Lachen folgte nach dem Satz und Seffe wand sich um. Dann stockte er und ging einen Schritt zurück. Die zwei hatten ihm gerade noch gefehlt: Gunther und Doris. Er kreuzte die Arme und legte seinen Kopf schief, doch Angst ließ er sich nicht anmerken. „Mach mal halblang. So viel älter als ich bist du jetzt auch nicht, als dass du mich Rotzlöffel nennen dürftest...! Und wenn du dein Monster nicht erziehen kannst, ist das kein Wunder.“ Der junge Mann mit den bauen Haaren setzte ein selbstgefälliges Grinsen auf und Pikachu bestätigte ihn mit einem „Pika!“ und einem Nicken.

Gunther knurrte und seine Mimik wurde finster. „Das ist echt der Typ vom Hypercup, du hattest recht“, sagte seine Kollegin, welche die Sonnenbrille mittlerweile auf der Nase sitzen hatte. Doris kaute mit offenem Mund auf einem Kaugummi herum und machte eine große Blase. Dann fiel ihr das Ditto auf Seffes Schulter auf und sie zog den Kaugummi zurück. „Woher hast du dein Ditto?“, stieß sie aus und hob die Brille an, um den Trainer aus ihren eisblauen Augen bösartig anzusehen. Seffe verzog das Gesicht und ging noch einen Schritt zurück. „Was wollt ihr von mir? Kämpfen?“ Zu seinem unfreundlichen Ton, machte er eine abgeneigte Handbewegung.

„Ja, aber anders. Ich mach dich kalt, Kleiner!“, brummte der Mann, ehe er ihn am Kragen seiner Lederjacke packte und zu sich zog. Aus tiefliegenden, dunklen Augen starrte er ihn an, während Seffe dessen Handgelenke packte und sich dagegen stemmte.

„Nicht doch, hier sind zu viele Leute!“, kam es von Doris und Seffe stieß sich von dem Koloss ab. Er richtete den Kragen seiner Jacke wieder und sah ihn aus geschlitzten Augen an, drohend hob er einen Finger. „Ich hab keine Ahnung was ihr von mir wollt, aber lasst mich besser in Ruhe!“

Der große Mann hob nur beide Brauen und lachte: „Willst du uns etwa drohen?“ Das Verhalten von Hundemon wurde auffällig aggressiv gegenüber dem Trainer. Seffe wand sich mit bösem Blick und ohne weitere Worte ab, doch stockte, da das Kabutops ihm den Weg versperrte. Aus kleinen, bösen Augen starrte es ihn an und neigte seinen schildähnlichen Kopf leicht. Es stand auf zwei dünnen Beinen und hielt die gefährlich scharfen Klingen am Ende seiner Arme hoch. Seffe ließ die Brauen sinken und murrte etwas unverständliches, sie hielten ihn umzingelt.

„Hallo, Ricarada!“, riefen die anderen erfreut. Die blonde Frau ignorierte die anderen, ging nur schwungvoll und arrogant auf Seffe zu. Sie stellte sich nah vor ihn und sah ihn von unten tief in die Augen. „Verfolgst du mich?“, fragte sie ihn, „Die Niederlage lässt dir wohl keine Ruhe mehr, was?“ Seffe biss feste die Zähne aufeinander, regte sich sonst aber nicht. Pikachu sprang auf seine Schulter und fing an zu schimpfen. „Schnauze!“, zischte Ricarda das Elektro-Monster an, was verblüfft verstummte. „Was ist mit ihm?“, fragte sie die anderen und sie fingen gleich an zu erklären und erzählten Ricarda von dem Vorfall im Pokémon-Haus. Seffe schaute um sich herum, die Sache spitzte sich zu und die Pokémon hielten ihn weiterhin umzingelt. Hundemon fletschte mit den Zähnen und Kabutops rieb seine scharfen Klingen schabend aufeinander. Ansonsten fiel die Gruppe nicht weiter auf, die meisten Leute waren selber in Gespräche vertieft, amüsierten sich oder waren von Kämpfen gebannt. Seffe wurde so auffällig umzingelt, dass es für keinen nach einer gefährlichen Situation aussah. Nur von einer Person wurden sie beobachtet.

Schwungvoll und ebenso erstaunt sah Ricarda schließlich zu Seffe, ihr blondes wallendes Haar flog über ihre Schultern. „Was willst du von uns?“, zischte sie, „Du warst im Pokémon-Haus – gib es zu!“

Seffe wirkte konzentriert und schüttelte dann den Kopf. „Ich weiß nicht, was ihr von mir wollt. Warum lasst ihr mich nicht einfach in Ruhe?“

Die anderen glaubten ihm sichtlich kein Wort und das Hundemon fing stärker an zu knurren. Plötzlich tauchte Gengar schwebend vor Seffe auf, er streckte seine Zunge weit heraus und drehte sich um seinen Trainer. Die zwei Frauen, der Mann sowie ihre Pokémon bekamen eine violette, zähe Flüssigkeit ab und schrien erschrocken auf. Seffe nutze die Chance und sprang über Hundemon, dann rannte er die Promenade herunter. „Dein Giftschock war super!“, sagte er mit einem siegreichen Grinsen zu seinem Geister-Freund, der ihm schwebend, dicht folgte. Pikachu hielt sich wie auch Ditto an Seffes Rucksack fest und sah nach hinten.

Nun lagen die Blicke sämtlicher Leute auf ihnen und ein paar musste Seffe bei Seite stoßen, um sie nicht ganz um zu rennen. „Tschuldigung! Tut mir leid! Aus dem Weg! Sorry!“, rief er dabei und zwang sich so schnell es ging durch die Menschenmasse.

Ricarda stieß einen Schrei aus und dass sie ihn gefälligst verfolgen sollten. Was die anderen sofort taten. Das Hundemon sprintete bei dem Befehl am schnellsten vorwärts und gewann an Vorsprung. Als Zitrone es hinter ihnen bemerkte, sprang sie mutig von Seffe ab und stieß einen Donnerblitz auf das Unlicht-Feuer-Pokémon. Hundemon blieb mit geschlossenen Augen stehen. Schüttelte sich dann und ging auf Zitrönchen los. Nun hatte es auch Seffe bemerkt. „Zitrone Agilität, komm zu uns!“, rief er. Das Pikachu setzte Agilität ein und konnte zweimal dem Maul von Hundemon ausweichen. Doch beim der dritten Biss-Attacke, hatte er es am Rücken gepackt und schüttelte es wild herum. Mit der darauf folgenden Attacke Knirscher bohrten sich seine Zähne tief in die Haut des zarten Wesens, was laut aufschrie: „Kaaaaaaaaa...“ „Nein!“, rief Seffe ihm entgegen, „Donner!“ Im nächsten Moment stand Hundemon erneut im Blitzgewitter. Es ließ das Pikachu fallen und ging in die Knie. Seffe rief nach Zitrone, aber die Kleine regte sich nicht mehr. Der Rest der Gruppe hatte sie nun auch fast erreicht und drängelte sich, mit Gunther voran, brutal durch die Menschenhorden.

Seffe rannte zu seinem Zitrone. Er würde niemals eines seiner Pokémon einfach zurück lassen. Gunther erschien vor ihm und öffnete bösartig grinsend die Arme um ihn zu packen. In dem Moment rannte ihm ein Mann in die Arme und er umgriff diesen, wodurch eine versehentliche Umarmung entstand. „Oh... Pardon... ich habe sie wohl gerempelt“, kam es von dem anderen und Gunther ließ den Mann mit dem lichten Haaren und dem kariertem Hemd verdutzt los, welcher auch sofort weiterzog. Seffe wusste nicht genau wie er dem Riesen ausgewichen war, es ging zu schnell. Er wollte sich gerade nach seinem verletzten Pikachu bücken, da wurde er nach hinten gezogen. Immer weiter, gegen eine Kraft, gegen die er es zwar versuchte, sich jedoch nicht wehren konnte. Er wurde in eine Zwischengasse geschliffen und los gelassen, weshalb er rückwärts stolperte und fiel.

Vor Hundemon erschien nun Gengar mit finsterem Blick, er hatte seine Wangen aufgebläht, dann kotze er einen ekelhaften Klumpen auf das Pokémon. Die Matschbombe lief an dem schwarzen Fell des Monsters herunter und verklebte es. Hundemon hatte die Augen geschlossen, überall klebte an ihm der Matsch. Er jaulte auf, als die Masse seine Haut berührte und bitterlich brannte. Vorsichtig nahm Mr. Spook Zitrone hoch und verschwand mit ihr. Als die anderen an der Stelle ankamen fanden sie nur noch den verklebten und vergifteten Thyson vor. „Wo ist er hin?“, schrie Ricarda.

Seffe war auf dem Boden aufgekommen und sah sich in der Seitengasse um. Die Leute, die dort herum liefen sahen ihn verdutzt an, als er auf sprang und versuchte sich den Dreck ab zu klopfen. Er konnte niemanden erkennen, der ihn hier her gebracht hatte. Besorgt fiel sein Blick in die Richtung, wo Pikachu zu Boden ging. Gerade wollte er zurücklaufen, da tauchte Mr. Spook vor ihm auf und hielt ihm das verletzte Zitrönchen hin. „Spook! Zitrone! Oh nein, Zitrone...“, er nahm es an sich und hielt das kleine gelbe Wesen wie ein Baby im Arm. „Verdammt!“, stieß er verärgert aus und von wem wurde er in diese Seitengasse gezogen? Wie auch immer... Er zog Pikachu in den Pokéball zurück. „Danke, Spook“, kam es von ihm, „Wir müssen hier weg.“ Entschlossen sah er zu Gengar und sie rannten weiter. Ditto saß die ganze Zeit nur verängstigt auf der Schulter des Trainers und klammerte sich an ihm fest.

Sie waren schon fast am Parkplatz angekommen, als Seffe von einem weiteren Pokémon angegriffen wurde. Er stieß einen schmerzerfüllten Laut aus, als ihm ein Vogel mit rotem Kopf und Rücken im Sturzflug direkt gegen die Stirn flog. Er sah es gerade kommen, da gab es bereits einen Knall. Durch die Schmerzen ging er in die Knie. „Verdammte Scheiße!“, fluchte er und hielt sich die Stirn. Als er seine Hand ansah, klebte Blut daran und er spürte wie eine warme Flüssigkeit sein Gesicht herunter lief. Etwas benommen stand er auf und schüttelte sich. Das Flug-Pokémon Dartignis hatte gewendet und hing an seinem Rucksack, an welchem es zerrte. Seffe fuhr herum und schlug mit den Händen nach ihm. „Hau ab verdammt!“, motze er sauer und diesmal schlug auch Ditto nach dem Vogel. Das Pokémon pickte mit seinem spitzen Schnabel nach der pinken Masse und Seffes Fäusten. Es versuchte mit seinen Krallen den Reißverschluss des Eastpaks zu greifen und flatterte dabei wild mit den Flügeln.

„Da vorne sind sie!“, hörte Seffe die bekannten Stimmen, welche nichts Gutes verhießen. Er rappelte sich auf, während das wild gewordene Flug-Pokémon weiterhin auf ihn einpickte und kratzte. „Verdammt! Du blöder Vogel! Hau endlich ab!“, stieß er aus, doch im nächsten Moment hatte es das Monster geschafft und der schwarze Eastpack ging auf. Einige Dinge wie Pokébälle und Medizin verteilten sich auf dem Boden. Auch das Buch fiel heraus. Dartignis reagierte sofort und krallte sich das Tagebuch. „Nein!“, rief Seffe sauer, seine Sachen waren ihm in dem Moment egal. Aber das Buch nicht! Dann fiel ihm das verängstigte Ditto auf seiner Schulter wieder ein. „Ditto! Wandler! Verdammt! Tu etwas, hol das Buch zurück!“, auffordernd zeigte er auf den Vogel der mit jedem Flügelschlag immer höher stieg.

Ditto sah kurz etwas verdutzt drein. Hörte dann jedoch und verwandelte sich in ein Dartignis, um seines Gleichen nach zu fliegen. Es war von dem anderen nur zu unterscheiden, weil es pinkgefärbte Federn auf Kopf und Rücken hatte. Mit offenem Mund sah sich Seffe die Szene an. Er dürfte das Buch nicht verlieren.

Nun rannte Kabutops auf ihn zu, gefolgt von den anderen. Schnell ließ er Turtok raus, welche sich wie eine schützende Mauer vor ihm auftat. „Blueshell! Hydropumpe und zwar auf alle davon!“ An dem Panzer der Turtokdame klappten zwei Scheiben hoch und die Kanonenrohre kamen zum Vorschein. Schwerfällig ließ sie sich nach vorne fallen, um auf allen Vieren zu stehen. Ihr Blick war entschlossen und sogleich schossen zwei gewaltige Wasserstrahlen aus den Rohren heraus. Sie trafen erst Kabutops, welcher schreiend in die Gruppe flog. Dann verstärkte Blueshell nochmal den Druck, wobei sie selber ein Stück mit den Füßen über den Boden rutschte und die komplette Gruppe wurde hart nach hinten gestoßen.

„Sehr gut!“, sagte Seffe und nickte, „Halte stand, Blueshell! Stahlschnabel, Paulinchen, Ludwig helft ihr!“ Die anderen Monster platzten aus den Bällen heraus und bildeten eine Mauer, wo die anderen so schnell nicht vorbei kommen würden.

„Und Mr. Spook, hilf Ditto!“, rief Seffe zu dem Geist. Die zwei Dartignise stritten sich noch immer in der Luft. Ditto versuchte es, aber er bekam den anderen nicht dazu, das Buch los zu lassen. Bis Gengar hinter ihm erschien. Das rotgefärbte Dartignis weitete die Augen und bekam volle Breitseite die Dunkelklaue von dem Geist-Gift-Pokémon ab. Es schrie auf und ließ das Buch los, als es ein paar Meter in der Luft absank. Ditto ging in den Sturzflug über und bekam das Tagebuch zugreifen, ehe es wieder an Höhe gewann. Doch die losen Seiten flogen allesamt heraus und umher. „Scheiße!“, fluchte Seffe verärgert und boxte mit der Faust in die Luft, dabei rannte er zu den fliegenden Zetteln, um sie zu fangen. Ditto versuchte das Gleiche. Mit dem Buch in der einen Klaue, versuchte es umher flatternd die restlichen Seiten zu greifen zu bekommen. Mit dem Schnabel gelang es ihm ebenfalls einen Zettel aufzuspießen.

Die drei Verfolger brüllten etwas rein, wurden jedoch immer wieder von den harten Wasserstrahlen von Turtok zurück gedrückt. Panzaeron, Arkani und Dragonir kämpften gegen die anderen Monster der Verfolger, welche sich ihnen nun in den Weg gestellt hatten. Darunter waren neben dem bekannten Zobiris, Kabutops und Armaldo, ein Giflor, Amoroso, Granbull, Elektek, Magbrant, Tengulist und ein weiblicher Pyroleo.

Dartignis hatte sich nach Gengars Angriff wieder gefangen, flog über Seffe und setzte erneut zum Sturzflug an. Als der Trainer das mitbekam blieb er einfach stehen, schloss die Augen und verzog nur den Mund. Er wirkte konzentriert und Gengar erschien direkt vor ihm. Der Feuer-Vogel weitete die Augen, als er den Geist wieder vor sich sah, doch ausweichen konnte er nicht mehr. Spook setzte Gegenstoß ein und stieß mit seinem Kopf nach vorne als Dartignis kurz vor ihm war. Es gab einen lauten Aufschlag und der Vogel prallte zurück. Er flog ein paar Meter weit und blieb ohnmächtig auf dem Rücken liegen. Seffe gab Gengar ein High-five und rannte dann weiter.

Turtok war mittlerweile das Wasser ausgegangen und es griff die anderen Monster mit der Schädelwumme an. Speziall Kabutops hatte sich gegen die große Schildkröte gestellt und derweil schon ein paar Mal getroffen. Striemen der Klingen von dem Fossil-Pokémon zierten die schuppige Stirn von Blueshell. Auch auf dem Panzer sah man Furchen und Kratzer der anderen Gegner und immer wieder schmiss sich Blueshell vor die Attacken der Angreifer und schütze ihr Team mit ihrem Panzer. Arkani versuchte die Gegner mit ihren Flammen und Klauen zu treffen, Dragonir griff mit dem Wutanfall an und Panzaeron schlug schnell und zielsicher mit seinen scharfen Metallschwingen auf sie ein. Aber es waren zu viele und die Vier wurden immer näher zusammen gedrängt und bald umzingelt.

Nun kamen die zwei Frauen und der Mann Seffe näher. „Er hat das Tagebuch und die Notizen!“, rief Doris aus der Gruppe und zog das besiegte Dartignis aus der Ferne zurück in seinen Ball. Schnell wand sich Seffe wieder um und rannte sofort weiter zu seinem Auto. Dabei suchte er bereits in seiner Jackentasche den Schlüssel. Dummerweise hatte seine kleine, blaue Kiste – ein alter Toyota Starlet – noch keine Zentralverriegelung und er schloss leicht zitternd die Tür auf. Mr. Spook fegte mit Schwung die drei menschlichen Verfolger um, welche kurz auf dem Boden lagen und sich fluchend wieder aufrappelten. Dann stellte sich Spook zu seinem Team und fing an die Gegner auf zumischen. Immer wieder verschwand er einfach und griff sie von hinten an. So schafften es die anderen die abgelenkten Angreifern mit ein paar Volltreffern zu Boden zu zwingen.

Ditto flog in der Gestalt des Dartignis auf Seffe zu, welcher sich soeben ins Auto fallen ließ. Er nahm den Zettel ab, der den Schnabel des Monsters umfasste und Ditto flog mit den Papieren und dem Buch neben ihn auf den Beifahrersitz. Sogleich startete Seffe den Motor, parallel kurbelte er die Scheibe runter und fuhr los. Er musste dort raus, wo die anderen standen und kämpften. Seffe zog die Brauen zusammen und fuhr mit seinem kantigen Auto genau auf den tobenden Monsterkampf zu. Mit einem erschrockenen Laut verriss er das Lenkrad, um dem aggressiven Armaldo auszuweichen. Bei dem Toyota kam kurz das Heck rum, doch dann fing er sich wieder. Die anderen fluchten und befahlen ihren Monstern jetzt das Auto zu attackieren. Zum Glück wehrten Seffes Pokémon die meisten Attacken ab oder besser gesagt, sie fingen diese mit schmerzverzerrten Lauten ab. Mit quietschenden Reifen zog Seffe den zweiten Gang hoch. Dabei hielt er mit dem linken Arm einen Pokéball aus dem Fenster in den zuerst Blueshell zurückgezogen wurde. „Folgt mir!“, rief er seinem Team aus dem Fenster zu. Panzaeron nahm Anlauf und stieg in die Höhe, schnell packte er Dragonir mit seinen Klauen, welcher nicht so schnell mit gekommen wäre. Arkani setzte derweil die letzte Feuer-Attacke auf die Gegner ab, um Panzaeron und Ludwig eine freie Bahn zu gewähren, dann sprintete es dem Auto hinterher. Seffe hielt einen Ball nach dem anderen aus dem Fenster und zog seine Monster nach und nach wieder ein. Immer wenn der Ball gefüllt war, schmiss er ihn in den Beifahrerfußraum.

Als er dabei schaltete und kurz das Lenkrad los ließ, fuhr er fast noch einem anderen Wagen rein, wenn dieser nicht im letzten Moment gebremst hätte. Ein paar der Pokémon der Verfolger rannten dem blauen Wagen noch eine Weile hinterher. Da Seffe aber alle Verkehrsregeln ignorierte und einfach nur hupend und mit Vollgas durch die Straßen jagte, blieben sie bald zurück.

Er versuchte seinen Atem zu beruhigen. Im Kopf zählte er die Bälle durch, einer fehlte noch: Mr. Spook! Er hob erschrocken seinen Blick, welcher auf den Rückspiegel fiel und atmete tief aus. Mr. Spook saß auf der Rückbank und sah grimmig und ziemlich angeschlagen aus. Neben Seffe saß Ditto zurückverwandelt über dem Buch. „Das habt ihr gut gemacht“, sagte er schließlich und versuchte sich mehr auf die Straße zu konzentrieren. Ein weiterer kurzer Blick in den Rückspiegel, zeigte ihm die Platzwunde an seiner Stirn und das Blut was immer noch über sein Gesicht lief und auf sein graues Shirt und seine Jeans tropfte. Er wühlte im Handschuhfach nach einem Päckchen Taschentücher, ehe er sich eins feste an die Stirn drückte. Wo war er da nur rein geraten und was war den anderen so wichtig an diesem Buch? Wem könnte er seine Situation anvertrauen und wie sollte er jetzt weiter verfahren?

Fluchend und patschnass stand die Gruppe da. „Das gibt es doch nicht! Wie kann das sein, dass er euch entkommen ist?“, schrie die Frau mit dem Pferdeschwanz. „Du warst doch dabei Doris! Jetzt halt mal die Luft an, alte Schnepfe... echt wahr...“, zickte Ricarda zurück. Gunther stand nur mit gekreuzten Armen und grimmigem Blick da. „Passiert ist passiert. Der Typ hat doch mehr Glück als Verstand. Es wird nicht allzu schwierig sein, seine Spur wieder aufzunehmen.“ Die Frauen versuchten sich etwas zu beruhigen und nickten. „Er hatte das Tagebuch und die Notizen“, kam es von Doris Kaugummi kauend, sie machte eine letzte große rosafarbene Blase, zerkaute diese wieder und spukte den Kaugummi verärgert ein paar Meter neben sich. „Was soll das? Wieso mischt der sich da ein?“, fragte Ricarda sauer und ging auf und ab, ehe sie böse aufsah. „Und wie konnte er bei den anderen die Notizen klauen? Die waren doch in dem Safe?“ Sie schüttelte den Kopf. „Wir brauchen einen Plan B... wir werden anders weiter verfahren. Früher oder später werden wir ihn wieder in die Finger bekommen...“ Die anderen nickten bei den Worten, dann rückte die Gruppe ab.

Eine Weile verging und als die Luft rein war, erschien aus dem Nichts ein Zwirrfinst. Es schwebte über dem Boden. Das Monster hatte einen schwarzen, stämmigen Oberkörper wie ein Mensch. Doch ohne Beine, nach unten lief es wie ein Dschinn in einem Zipfel aus. In der Mitte seines Oberkörpers wurde es durch einen gezackten goldenen Gürtel geteilt, der mit den augenförmigen, goldenen Steinen auf der Brust aussah wie ein Gesicht. Auf dem Rücken hatte es das zweite Gesicht. Es trug eine Art graue Maske und in der Mitte des Kopfes starrte ein böse blickendes Auge heraus. Zwirrfinst schwebte zu den Dingen die Seffe verloren hatte und sammelte sie ein, ehe es sie sich in seine kräftigen Armen legte. Gerade wollte es wieder verschwinden, da fiel sein Blick auf einen Zettel am Boden. Es schwebte über diesem und starrte ihn an. Dann griff es mit seiner grauen Hand danach und verschwand.

(Zu guter Letzt noch ein schönes Zwirrfinst: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgT6jl9rPpFx8fQfp)

Durch den Wind

Seffe haderte noch immer damit alles seinem Vater anzuvertrauen. Die Entscheidung wurde ihm letztlich durch seine Kopfwunde abgenommen, welche ihm zu schaffen machte, da sie einfach nicht aufhören wollte zu bluten. Die nächste Stadt war Vertania und Seffe merkte, dass ihm nichts anders übrig blieb, als diese anzusteuern. Mehrere blutige Taschentücher lagen bereits im Fußraum des Autos. Die Pokébälle hatte Ditto während der Fahrt eingesammelt und sie wieder an Seffes Gürtel befestigt. Gengar reichte ihm ein Halstuch, was er im Auto auf der Rückbank gefunden hatte und Seffe drückte es gegen seine Stirn. Endlich fuhren sie in Vertania ein.

Das Auto wurde nicht auf einem Parkplatz abgestellt, sondern einfach schräg vor dem Pokémon-Center. Schwester Joy sah erbost durch das Glas des Eingangs. Welcher Dummkopf stellte sich schon wieder so unverschämt vor das Gebäude? Doch dann erkannte sie das alte, kantige Auto. „Chaneira geh schnell nachschauen!“, kam es besorgt von ihr, sie konnte ahnen, dass etwas nicht stimmte und das Pokémon sprang auf.

(Von Chaneira hab ich übrigens kein zufriedenstellendes, realistisches Fanart gefunden. Das Folgende fand ich allerdings so abstrakt und ekelhaft, dass ich es zeigen muss: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgRDsvDM7IOtU8I9w)

Mit dem Tuch an die Stirn gedrückt und schmerzverzerrtem Gesicht ging Seffe auf das Chaneira zu, dicht gefolgt von Mr. Spook. Ditto hielt sich derweil an seinem Rucksack fest, indem das Tagebuch wieder drinnen war. Als die Schwester auf ihn zu eilte, seufzte Seffe kurz, zum Glück hatte Heidrun Dienst. Mit vielsagendem Blick hielt er das Tuch weg und die Schwester zögerte nicht lange, um ihn in ein Zimmer mitzunehmen. Seinen Gürtel mit den Pokébälle nahm Chaneira zum verarzten mit.

Er saß auf dem Stuhl und bekam ein sauberes Tuch zur Desinfektion auf die Wunde gedrückt. Die Flüssigkeit in der es getränkt worden war brannte und Seffe holte zwischen seinen Zähnen Luft, was einen zischenden Laut gab. „Was ist dir denn schon wieder passiert?“, fragte Heidrun und schüttelte mitfühlend den Kopf. „Oh... das wird eine Narbe geben, mein Lieber... leg den Kopf zurück auf den Stuhl.“ Seffe tat das ohne zu antworten, geschweige denn, sich wegen den Schmerzen zu beschweren. Die Schwester verarztete ihn mit Nadel und Faden. Hin und wieder stöhnte der junge Mann auf, ehe Joy die Wunde ein letztes Mal abtupfte und ein größeres Pflaster drauf klebte. Mütterlich wischte sie das restliche Blut aus seinem Gesicht.

Langsam öffnete Seffe die Augen. „Das sieht jetzt bestimmt richtig scheiße aus“, kam es von ihm und er fasste sich vorsichtig mit der Hand auf die Stelle. „Mit Adrenalin war´s besser, da hat´s wenigstens nicht so weh getan“, knurrte er und die Frau nahm seine Hand von der Wunde. „Hör auf daran rum zu fingern, Seffe!“, mahnte sie, ehe ihr Blick wieder sanft und besorgt wurde. „Wie ist dir das passiert?“

Abwartend kämmte sie sich eine rosafarbene Haarsträhne hinters Ohr, während Seffe überlegte, ob er es erzählen sollte, doch irgendwo musst er das Erlebte los werden, also gab er es ihr in einer schwer gekürzte Variante wieder. Und zwar, dass er ein Paket auf der Zinnoberinsel abgegeben hatte, ihm ein Ditto zulief und er dort fünf zwielichtigen Gestalten begegnet war, die ihn von dort an verfolgt und schließlich gejagt und angegriffen hatten. Joy verzog das Gesicht, sie merkte, dass Seffe einiges weggelassen hatte und hakte nach. Kurz schien er erneut zu überlegen, dann lehnte er sich vor zu ihr und sprach in leiser Stimme: „Heidrun, das musst du aber echt für dich behalten. Ich habe keine Ahnung warum, aber die jagen diesem Buch hier hinterher.“ Dabei nahm er den Rucksack hoch und zog das vergammelte Buch heraus. Skeptisch nahm es Heidrun entgegen und blätterte kurz durch. „Es ist... ein Tagebuch?“, kam es von ihr und Seffe nickte. Dann stockte sie und blieb an der einen Skizze hängen. „Das ist...“, sie schluckte und blätterte vor und zurück. „Das... das ist Mewtu. Das sind Studien über Mewtu. Wo hast du das her? Was haben die anderen damit vor?“ Seffe hielt einen Finger vor den Mund: „Ssssch! Nicht so laut! Und keine Ahnung!“

Sie klappte das Buch wieder zu und hielt es ihm hin, damit wollte sie nicht viel zu tun viel zu tun haben. „Wer soll uns denn hier belauschen? Oh man, in welchen Schlamassel bist du denn da hinein geraten? Was hast du mit der Sache zu tun?“ Seffe zuckte mit den Schultern und blickte sie über sein Brillengestell an. „Ich habe nichts damit zu tun gehabt. Bis ich das Buch gefunden habe... Mir ist das Unmögliche passiert. Du kannst dir nicht vorstellen, was ich alles gesehen habe. Und wer weiß, die Wände können Ohren haben. Meine Verfolger sind verrückt, darauf schwöre ich!“ Dabei sah er sich leicht paranoid um und stand auf. Das Buch hatte er mit den Händen feste umschlossen.

Die Schwester stand auf und hielt ihn an seinen Schultern fest, er schien körperlich und nervlich ziemlich fertig zu sein. „Seffe, ich glaube du stehst unter Schock. Du solltest erst Mal wieder zu klaren Gedanken kommen.“

„Ach was!“, er wiegelte Joy ab und packte seinen Rucksack, woran immer noch Ditto klebte.

Die Frau kreuzte die Arme und blickte ihn streng an. „Wie hast du vor weiter zu verfahren? Wenn die dich gesehen haben und jetzt wissen wer du bist, können die dir überall auflauern. Es wäre besser bei solch einem Fall die Polizei einzuschalten.“

„Die Polizei?“, stieß Seffe aufgebracht aus. „Im Leben nicht! Die nehmen die Sache doch niemals ernst! Und wenn, dann weiß ich nicht, ob es da nicht auch welche gibt, die dieser Organisation angehören!“

Nun hob Joy die Handflächen vor sich und machte eine sachte Bewegung. „Alles gut, Seffe. Beruhige dich erstmal. Woher willst du wissen, dass es eine Organisation ist?“

In Aufbruchsstimmung sah er die Schwester an und blinzelte, ehe er mit den Schultern zuckt. „Ich weiß nicht. Ist so`n Gefühl.“

Joy kreuzte die Arme. „Du und deine Gefühle... Junge, setz keine Gerüchte in die Welt. Schlaf noch eine Nacht darüber und überlege dir deswegen doch zur Polizei zu gehen. Bitte.“

Eine kurze Weile sahen sie sich einfach nur stumm an, ehe Seffes Mimik finster wurde. Joy hörte sich an wie seine Mutter. Kopfschüttelnd wand er sich zur Tür und kurz nochmal zur Schwester. „Kein einziges Wort darüber!“, kam es bestimmend von ihm und er verließ den Raum. Heidrun hatte kurz die Luft angehalten, dann seufzte sie. Seffe musste viel durchgemacht haben, so hatte sie ihn noch nicht erlebt, er war vollkommen aufgebracht und sie hoffte nur, er würde nichts Dummes tun. Besorgt sah sie ihm nach, dann lunzte Chaneira fragend durch die offene Tür.

Der junge Mann hatte seine verarzteten Pokémon von Chaneira wortlos mitgenommen und ging nach draußen. Spook hatte im Vorraum des Pokécenters gewartet und sah Seffe unsicher an, als er ihn erblickte. Das Pokémon war sich nicht ganz klar, ob sein Trainer gerade wirklich zurechnungsfähig war. Nachdenklich blickte Seffe auf sein blaues Auto, was sollte er als nächstes tun? Heidrun hatte bestimmt Recht. Wahrscheinlich würde er bald wieder verfolgt werden und ob ihm sein Vater bei den Aufzeichnungen helfen würde...? Er ließ den Kopf leicht sinken und sein Blick wurde zweifelnd. Er wusste nur zu gut, wie bestimmend sein Vater sein konnte. Früher hatten sie ständig Krach gehabt, weil sie oft anderer Meinung waren, wodurch Seffe sich über die Jahre immer rebellischer verhalten hatte. Er seufzte kurz und Gengar stupste seinen Trainer an. „Gaaa?“, machte er, da ihm Seffes missmutige Stimmung auffiel.

Kurz entstand eine Stille, bis Seffe eine bekannte Stimme vernahm, die seinen Namen ein paar Mal rief. Als er sich umwand, lief Lotte mit strahlenden Augen auf ihn zu und stockte prompt. Zerzauste, verschwitzte Haare, schmutzige, teils blutige Kleidung, Augenringe, ein Fünf-Tagebart und das Pflaster am Kopf sprachen für sich. „Was ist denn mit dir passiert? Du siehst ja völlig zerstört aus...“, kam es von ihr direkt, doch man konnte in ihrer Stimme Besorgnis hören. Gengar sah von dem rothaarigen Mädchen schief zu seinem Trainer. Gerade wollte Seffe lächeln, als er hinter Lotte Felix erblickte und seine Mimik noch düsterer wurde.

Lotte hatte sich derweil zu dem Mann mit den orangenen Haaren gewand und bekam die Blicke des anderen gar nicht mit. „Ach Seffe, das ist übrigens Felix, mein...“ Felix fiel ihr ins Wort. „Man, Seffe! Altes Haus. Wow... du siehst aus wie ein überfahrenes Wiesenior... was ist dir denn widerfahren?“

„Ihr was...?“, dachte sich Seffe nur und hob eine Brauen, scheinbar hatte er doch einiges in seiner kurzen Abwesenheit verpasst. Er merkte wie er innerlich aufkochte, wütend zog er die Brauen zusammen und kreuzte die Arme. Spook wurde immer unsicherer und sah abwechselnd von einem zum anderen, wo er bei seinem Trainer hängen blieb. Das Geist-Monster spürte nur zu deutlich, wie diesen die plötzlich die Wut überrannte. Hauptsächlich ausgelöst durch... Eifersucht?
(Passendes Lied könnt ihr jetzt dazu hören ^^ https://www.youtube.com/watch?v=HpDh7y12Co0 )
Etwas verwirrt blinzelte Mr. Spook.

„Oh stimmt, ihr kennt euch bereits.“, Lotte sah nichtsahnend wieder zu Seffe, doch ihr glückliches Lächeln trübte sich schnell. „Seffe?“, kam es von ihr unsicher und sie fasste mit fragendem Blick ihre Haare zusammen. Er schien sie gar nicht wahrzunehmen, mit tötenden Blicken sah er Felix an, ehe er sich wortlos abwand. Er wollte sich beruhigen. Nein, er müsste sich beruhigen! Er müsste jetzt dringend irgendetwas tun, um sich zu beruhigen! Er richtete seinen Blick nach oben und rang um Fassung, da ihm schlagartig heiß wurde. „Komm, Spook“, sagte er nur und schloss sein Auto auf. „Ähm... Seffe... willst du dich jetzt einfach aus dem Staub machen?“, fragte Lotte ungläubig und leicht traurig, die es nicht verstand und sich doch eigentlich sehr darüber freute ihn zu sehen.

„Hab noch was vor“, kam es knapp von ihm, er schmiss seinen Rucksack ins Auto und die Lederjacke, welche er auszog, hinterher. Da er nur noch sein graues, blutiges Shirt mit Print trug, gab er zum ersten Mal für Lotte und auch Felix seine tätowierten Arme preis. Sein rechter Arm war mittlerweile komplett tätowiert und auch auf dem linken waren vereinzelt ein paar bunte Bilder. Nebenbei schien er voll von blauen Flecken und Schrammen zu sein. „Oh Seffe, jetzt ernsthaft? Das ist nicht deine feinste Art.“ Felix lachte knapp und lehnte sich an das blaue Auto Seffe sah ihm nun direkt in die Augen. Schweigend. Felix ging dabei sofort wieder vom Auto ab. Er wusste, dass Seffe die Kleine kannte und natürlich hatte er geahnt, dass er sie mochte und sein selbstgefälliges Grinsen wurde breiter. Dann nickte er zu seinen Tattoos. „Deswegen bist du immer pleite: wegen deinen Schmierereien auf dem Arm.“ Nun bemerkte auch Lotte die angespannte Stimmung zwischen den Beiden deutlich. Als Felix die Tattoos erwähnte, sah sie wie gebannt auf Seffes Arme.

Seffe versuchte sich an einem Lächeln, was eher drohend wirkte als nett. „Ich denke, das geht dich herzlich wenig an, Felix. Dich hier zu sehen hat mir schon gereicht. Bring das Fass nicht zum Überlaufen und verzieh dich!“

Nun sah Lotte unsicher an ihm hoch. „Ehm... Seffe... ist alles okay mit dir?“

„Nichts ist okay!“, entgegnete dieser plötzlich aufgebracht und das Mädchen zuckte bei dem rauen Ton zusammen und biss sich auf die Unterlippe. Im selben Moment tat es Seffe leid, sie angeschrien zu haben.

„Ich kenne ihn in letzter Zeit nur so“, mischte sich Felix ein, fuhr sich mit einer Hand über seine zurück gegelten Haare und kreuzte die Arme.

Fassunglos sah Lotte Seffe an, während Felix sein selbstgefälliges Grinsen behielt. „Ich hab nur immer Angst, dass du auf die falsche Spur gerätst. Wir sind doch Kumpels“, sagte er und sah gestellt besorgt in Seffes Richtung.

Seffe hob nur beide Brauen. Was hatte der Idiot ihr alles erzählt? Das Wort „Kumpels“ hatte er wohl mit „Konkurenten“ verwechselt. Seffe schloss zur Selbstbeherrschung die Augen. Und eine letzte, brennende Frage schoss ihm durch den Kopf: Ist der im ernst mit Lotte zusammen gekommen? Seffe wusste, dass Felix einen unheimlichen Charme auf Frauen ausüben konnte und hatte sich mit ihr bestimmt nur getroffen, weil er mitbekommen hatte, dass Seffe sich mit ihr abgegeben hatte und ...

„Reisende soll man ziehen lassen. Komm, Lottchen, lass ihn“, unterbrach Felix Seffes Gedanken und er legte eine Hand auf den Rücken des noch immer traurig blickenden Mädchens. Nun reichte es endgültig. „Geeengar!“, schnarrte Mr. Spook noch hinter Seffe und tippte ihm mit einem Finger auf die Schulter, um die Aufmerksamkeit seines Trainers zu bekommen. Doch es war zu spät, Seffe hatte seine rechte Faust bereits geballt, holte aus und schlug Felix, bevor er sich ganz abwenden konnte, mit voller Wucht mitten ins Gesicht. Lotte gab einen erschrockenen Laut von sich und zuckte zurück. Felix taumelte rückwärts und hielt sich seine blutende Nase, seine Augen waren mit Tränen gefüllt. Kurz sahen sich die zwei nur an, doch das wollte Felix nicht auf sich sitzen lassen und ging auf Seffe los. Lotte versuchte dazwischen zu gehen und schrie auf beide ein, aber sie wurde weg geschubst und die Rivalen fingen an sich zu raufen und schließlich auf sich einzuprügeln. Allerdings war Seffe deutlich stärker und Felix´ weißes Hemd wurde bald von Bluttropfen geziert. Schließlich packte Seffe dessen Handgelenke, um ihn davon abzuhalten ihn weiter anzugreifen. Er überdrehte Felix´ Arm nach hinten und drückte ihn wortlos zu Boden, welcher dabei laut aufschrie. So weit runter, bis er in die Knie gehen musste und mit seiner Wange auf dem Teer des Bürgersteigs klebte. Seffes Mimik war dabei ernst, ehe sich ein kaltes, rachsüchtiges Lächeln über seine Lippen legte.

Für Felix´ doofe Sprüche hatte sich Seffe eine Engelsgeduld angeeignet und in letzter Zeit immer versucht der Vernünftigere zu sein, doch das war zu viel de Guten. Seffe war es leid. Dann wurde er plötzlich von mehreren Leuten weggezogen. Er hörte verschiedene Stimmen durcheinander reden und Lotte schrie ihn lauthals an. Nun kam auch Schwester Joy und redete auf ihn ein. Doch er vernahm keines der Worte richtig, die Gedanken schwirrten in seinem Kopf herum, sodass ihm davon leicht schwindelig wurde. Apathisch und mit zusammengezogenen Brauen sah er zu Felix herunter, wie sich dieser vor Schmerzen am Boden wand. Die Griffe der Leute, die Seffe hielten wurden lockerer, als sie sahen, dass er sich scheinbar beruhigte. Schließlich schüttelte er auch den Letzten ab und ging durch die Menschenmasse. Alle starrten ihn an und wichen zur Seite.

Mit offenem Mund sah Lotte ihm fassungslos nach. Er ließ doch tatsächlich einfach alles stehen und ging. Lottes Blick traf kurz den von Gengar, welcher die ganze Zeit reglos dabei zugesehen hatte, das Pokémon wand sich jedoch schnell ab, wurde halb durchsichtig und folgte seinem Trainer stumm. Sie sah zu Felix, welcher heftig aus der Nase blutete und wohl ein dickes Veilchen sowie mehrere Hämatome bekommen würde. Doch er wurde von Schwester Joy versorgt und stand schon wieder, ihm ging es soweit also gut.

Dann huschte Lotte durch die Menschen auf das blaue, kantige Auto zu, der Schlüssel steckte noch in der Tür. Sie nahm die ganzen blutigen Taschentücher im Fußraum wahr, verzog das Gesicht und griff nach Seffes Rucksack. Schnell schloss sie die alte Kiste ab und folgte ihm. Er war in Richtung des Waldes gegangen, sie würde ihn auf jeden Fall noch einholen können.

Eine Weile war Seffe fluchtartig seiner Nase nachgegangen. Er war nicht auf dem Weg geblieben sondern mitten in den Wald gelaufen. An einem großen Baum machte er Halt und setzte sich niedergeschlagen hin. Seine Gedanken überschlugen sich noch immer und er klopfte sich selber mit der Handfläche ein paar Mal seitlich gegen den Kopf. Er hatte Felix verprügelt, jetzt hatte Lotte allen Grund Schlechtes über ihn zu denken. Ein Bein zog er ran, um es mit den Armen zu umfassen, das andere streckte er aus. Kurz sah er auf seine rechten Handknöchel, sie pochten vom Zuschlagen und waren bereits leicht bläulich gefärbt, was ihn leise seufzen lies. Mr. Spook schwebte neben ihn und setzte sich, sein Blick war fast mitfühlend. „Tat gut mal alles raus zu lassen, was?“, schnarrte er und grinste Seffe an. Doch dieser schnaufte nur und auch Gengar verging das Grinsen schnell wieder. „Du solltest mal wieder etwas runter kommen, Trainer... Felix ist ein dummes Hirn, aber so ein Ausraster ist sonst nicht deine Art. Aus der Pupertät bist du doch raus“, vernahm Seffe Gengars Stimme in Gedanken und der Geist stockte. „Es war wegen der Kleinen, nicht wahr? Du magst sie“, sprach Spook weiter und grinste schelmisch. Seffe verzog nur seinen Mund, starrte weiter nach vorne und versuchte sein Pokémon zu ignorieren. Spook fing daraufhin noch breiter an zu grinsen. Gedankenverloren sah Seffe geradeaus und nach einer Weile seufzte er erneut. Mr. Spook hatte recht, irgendwas an ihr fand er interessant. Dann schüttelte er den Kopf. Was war nur in ihn gefahren? Sie war viel zu jung und alles weitere würde mit seinem Lebensstil ohnehin nicht funktionieren. Gengars Grinsen wurde schmaler, ehe seine Ohren zuckten und er sich umdrehte, dabei erblickte er Lotte und verschwand prompt in seinem Finsterball.

Seffe blickte nur leicht zur Seite, als er Schritte hörte. Er erkannte die sportlichen Schuhe und die gemusterte Strumpfhose sofort und sah wieder vor. „Wenn man vom Giratina spricht, kommt es gerannt...“, dachte er sich.

„Seffe?“, kam es vorsichtig von Lotte.

„Was?“, murrte dieser nur ohne auf zu sehen.

Sie verzog ihre Lippen und setzte sich mit etwas Abstand neben ihn. Dann legte sie den Rucksack vor sich. „Ich hab dir deinen Rucksack mitgebracht und dein Auto zugeschlossen.“ Sie lächelte ihn an und hielt ihm den Schlüssel hin.

Langsam sah Seffe zur Seite auf den Schlüssel, dann Lotte ins Gesicht. Er schnaufte leise und nahm ihn an sich, nur um schnell wieder weg zu sehen. „Danke.“

Schweigend saßen sie eine Weile nebeneinander. Bis Lotte die Stille nicht mehr aushielt. „Warum bist du einfach auf Felix losgegangen? Er hat dir doch gar nichts getan.“

„Warum gehst du nicht zu ihm und fragst ihn das?“, zischte Seffe.

Lotte lachte kurz leise auf. „Warum sollte ich das tun, wenn ich dich fragen kann? Felix wird gerade von Schwester Joy versorgt, er wird´s überleben.“

Ihre Blicke trafen sich wieder und Seffe hatte eine Braue gehoben. Dann schüttelte er den Kopf und wand sich ab. Ihre Nähe war ihm gerade so unangenehm.

„Seffe... du siehst echt nicht gut aus. Wirklich nicht. Ich meine es auch nicht böse. Wollen wir nicht zu mir gehen? Da kannst du duschen, essen und dich etwas ausruhen.“ Ihre Stimme klang sanft und sie überlegte, kurz über seine Schulter zu streichen, traute sich jedoch nicht.

Der andere ging auf das Angebot nicht ein, fasste sich nur durch seine blauen Haare die stumpf erschienen. Dann streckte er auch das andere Bein aus und kreuzte die Arme. Die Situation war ihm so unangenehm. So war er doch sonst nicht drauf und alles was er tat war falsch reagieren. Genervt von sich selber schnaufte er.

„Du kannst einen echt totschweigen, wenn du schlecht drauf bist, oder?“, lachte Lotte und versuchte die Stimmung etwas aufzulockern, dabei stupste sie ihm gegen seine Schulter. „Außerdem wollte ich noch sagen: ich mag deine Tattoos“ Ihr Blick lag auf seinem Arm, worauf fast alles einzelne Pokémon-Motive waren. Auf dem Oberarm stand „No Pain. No Gain“, das Motiv war ein Kopf, welcher aus zwei Hälften zusammengesetzt war: Karpador und Garados. Lotte musste schmunzeln und entdeckte das Nächste. „Hast du auf deinem Ellbogen echt einen Rihornkopf?“

Seffe kniff seine Lippen zusammen und sah langsam zu ihr. Sie versuchte cool zu wirken, doch sie schien sich genau so unwohl wie er zu fühlen und lenkte sich ab. Ein kurzes Schmunzeln konnte er nicht unterdrücken, doch es ließ ihm keine Ruhe. „Woher kennst du Felix?“, fragte er schließlich.

Lotte musste kurz kichern und fühlte sich geschmeichelt...

An dem Tag wo Seffe das Pokémon-Center morgens verlassen hatte und Lotte nach ihm fragte, ob er noch da sei, kam Felix auf sie zu. Er hatte das Gespräch zwischen ihr und Schwester Joy zufällig mitbekommen und wollte angeblich ebenfalls Seffe besuchen. Er heuchelte ihr vor ein Freund von ihm zu sein und brachte sie mit viel Charme ins weitere Gespräch. Sie traf sich sogar ein paar Mal mit ihm.

„Ich hab mir schon die ganze Zeit gedacht, dass mit ihm irgendwas nicht stimmt“, sprach Lotte. „Außerdem war er aufdringlich und wollte mich – glaube ich – mal küssen.“

In dem Moment rümpfte Seffe die Nase und sah angeekelt aus. Wenn er das vorher gewusst hätte, hätte er Felix noch eine verpasst. Lotte lachte bei seinem Gesichtsausdruck und fügte hinzu: „Dabei ist er gar nicht mein Typ.“

„Ach was...“ , kam es von Seffe nur, er konnte seine Erleichterung nicht ganz verbergen.

„Wie sieht´s nun aus? Magst du mit mir kommen? Du bist herzlich eingeladen.“ Daraufhin sprang Lotte freudig auf.

Dann erhob auch er sich, wobei er kurz stöhnte, als er wieder gerade stand. Ihm tat fast alles weh und das Pochen seiner Kopfverletzung war ziemlich unangenehm. Seffe lächelte die Schmerzen weg und sie gingen nebeneinander her. Noch immer war er nicht besonders gesprächig, also stellte Lotte Fragen. „Wie ist das mit deiner Stirn passiert? Tut es sehr weh?“ Seffe winkte nur genervt ab, er hatte keine Lust jetzt darüber zu reden.

„Du bist ganz schön durch den Wind, oder?“ Es war mehr eine Feststellung von Lotte und Seffe sah zu ihr herunter und antwortete „Das haben mir heute schon einige gesagt.“

Lotte sah ihn besorgt an, dann schrie sie kurz auf und zeigte auf seinem Rucksack. „Iiiiihhh! Da ist etwas schleimiges an deinem Rucksack!“

Verwundert hob Seffe beide Brauen, ließ den Träger des Eastpacks an einer Seite über seine Schulter rutschen, sodass der Rucksack vor fiel, um darauf zu sehen. Angeekelt hatte Lotte Abstand eingenommen, als sich die pinkfarbene Masse langsam durch den Reißverschluss drückte. „Ach was... das ist Pudding...“, kam es von Seffe nur gelassen.

„Pudding?!“, stieß Lotte aus, ehe sie ihn fragend ansah und hob angeekelt eine Hand vor den Mund.

„Ja, so nenne ich ihn... sie... es... ein Ditto halt... es klebte plötzlich an mir und lässt seitdem nicht mehr von mir ab.“ Ein Schulterzucken. Nun ging Lotte näher auf Seffe und das kleine Monster zu. Mit einem Finger, piekte sie es kurz und Ditto wackelte nach. „Öääähhh... sowas habe ich noch nie life gesehen.“

Seffe grinste schief. „Ich vorher auch nicht. Aber es ist irgendwie ganz cool. Nicht wahr, Pudding? Du bist cool!“, seine Stimme klang nun wieder sanft und er hatte das kleine Wesen auf die Hand genommen und vor sich gehalten, als er weiter ging und mit ihm sprach. Lotte beobachtete ihn dabei. Seine Art gegenüber Pokémon war immer so liebevoll. Lotte lächelte, als sich Seffe Pudding auf die Schulter setzte.

Bis zum Pokémon-Center redeten sie nicht mehr viel. Obwohl das Mädchen viele Fragen hatte, aber sie wollte ihn nicht nerven. Seffe parkte erst Mal sein Auto, auf einen öffentlichen Parkplatz, um und als er ausstieg, kam gerade Felix wieder aus dem Pokémon-Center heraus. „Das bekommst du zurück, Seffe! Das schwöre ich bei Arceus!“, rief ihm Felix erbost zu. Seffe blieb mit dem Rücken zu ihm gewand und rollte mit den Augen. „Ein Kampf steht sowieso noch aus!“, rief ihm Seffe mit einem seitlichen Blick und arrogantem Ton zu. „Ich mach dich fertig, Arschloch!“, brüllte ihm Felix entgegen, als er mitbekam, dass Lotte dem anderen an den Arm Griff und leicht streichelte, um ihn zu beruhigen. Eigentlich beleidigte Felix nie und hielt sich immer an gute Manieren. Gingen ihm etwa die blöden Sprüche aus? Lotte sah etwas unsicher aus, sie hatte Angst, Seffe würde wieder auf ihn losgehen. Doch als er wieder vor sah, bekam sie mit, dass er nur entspannt grinste. Sie wunderte sich, was in Seffes Kopf ab ging, was ihn so schelmisch zum Grinsen brachte. „Er ist doch etwas komisch...“, dachte sie sich schmunzelnd, „...aber sympathisch komisch.“

Lottes Oma schien sich unheimlich zu freuen, Seffe wieder begrüßen zu dürfen. Lotte bereitete das Bett im Gästezimmer vor. In Gedanken war sie bei Seffe und was ihm wohl alles passiert sein musste. Sie setzte sich auf das frisch bezogene Bett und hob einen Finger nachdenklich an ihre Lippen. Was war nur zwischen ihm und Felix gelaufen? Er konnte ihn ja scheinbar auf den Tod nicht ausstehen. Doch zugegeben: Sie kannte ihn noch nicht genug, um sagen zu können, ob er öfter unbegründet ausrastete. Oder war er etwa eifersüchtig gewesen? Zumindest schien es so, was ein anhimmelndes Lächeln über ihre Lippen legte. Wie süß, hatte er sich etwa wegen ihr geprügelt? Dann trübte sich ihre Mimik wieder, denn er hatte sie auch oft genug abgewiesen. Sie ließ ihren Kopf sinken und seufzte. Ihr Leben war so langweilig. Zu gerne würde sie auf Reisen gehen und auch Abenteuer erleben so wie er... vielleicht sogar mit ihm? Wobei vielleicht lieber Abenteuer wo man sich weniger Verletzungen zu zog. Sie zuckte mit den Schultern und ging zu ihrer Oma, um ihr beim Abendessen noch etwas zu helfen.

Man konnte hören, wie sich durch die alten Leitungen des Hauses das Wasser drückte, manchmal klopfte es richtig, wenn der Regler des Duschwassers nicht genug aufgedreht wurde. Mit geschlossenen Augen stand Seffe in der Dusche und ließ sich das Wasser über den Kopf laufen. Das tat gut und er kam auch wieder zu klaren Gedanken, immer wieder schüttelte er über sich selber den Kopf. „Ich bin so ein Idiot...“, murmelte er zu sich. Warum hatte er das Tagebuch mitgenommen? Er hätte es den Verrückten auch einfach aushändigen können. Jetzt hatte er ein Problem. Und dann noch die Sache mit Lotte. Er hatte sie anfangs falsch eingeschätzt und spätestens nach dem Vorfall mit Maschock hatte sie seinen Respekt gewonnen. Ohne zu zögern hatte sie ihm geholfen. In seiner aktuellen Situation könnte er bestimmt Verstärkung gebrauchen. Doch sogleich schüttelte er wieder mit dem Kopf, er würde Lotte nur in Gefahr bringen. Sie hatte Potential schnell zu eine gute Trainerin zu werden, doch die andere Frage war, ob sie ihm, mit ihrem Temperament und ihrer Naivität, nicht eher im Weg stehen würde.

Seffe stieg aus der Duschkabine und trocknete sich flüchtig ab, ehe er das Handtuch um seine Hüfte band. Vor dem Spiegel löste er vorsichtig sein Pflaster an der Stirn. Es war mit vier Stichen genäht, verärgert warf er das Pflaster in den Mülleimer neben der Toilette. Das würde auf jeden Fall eine Narbe geben. Verwundert sah er auf seinen Leistenbereich, es zuckte. „Moment mal...“, murmelte er.

Lotte war gerade im Flur und dabei Geschirr ins Wohnzimmer zu bringen, wo sie essen würden. In dem Moment hörte sie einen erschrockenen Aufschrei. Es war eindeutig Seffe. Verwundert sah sie auf die Badtür und blieb stehen, als durch den Spalt ein Handtuch heraus flog. Dann schaute Seffe halb um die Tür. „Ich hab dir schon mehrfach gesagt, du sollst mir nicht mit ins Bad folgen!“, schimpfte er verärgert auf das Handtuch ein, ehe er hochsah zu Lotte und stockte. Im nächsten Moment schmiss er die Tür wieder hinter sich zu. Das Handtuch zuckte und verwandelte sich zu Ditto. Die pinke Masse fiepte und kroch langsam in Richtung Badezimmer. „Und wehe du kommst unter dem Türspalt durch!!!“, konnte man ihn lautstark motzen hören und Pudding floss traurig fiepend auseinander. Das Mädchen musste kichern. Wenn sie ihre Gestalt nach Belieben ändern könnte, wäre sie vielleicht auch mal Lunzen gegangen. Sie merkte wie ihr die Röte ins Gesicht stieg und deckte schnell weiter den Tisch.

Als sich alle am Esstisch versammelt hatten, sah Seffe schon wieder frischer aus. Mit seinen Haaren hatte er versucht seine Wunde etwas zu verdecken. Lotte konnte nicht anders, als immer wieder drauf zu gucken. „Dich hat´s echt gemein erwischt“, kam es schließlich von ihr, als sie Essen aufgab. Es gab Braten, Kartoffeln und eine deftige Soße, sogar Salat blieb nicht aus. Lotte schnitt mit einem scharfen Messer in das Stück Fleisch, Seffe verzog dabei das Gesicht und zuckte mit den Schultern. „Wie ist das passiert?“, hakte Lotte nach.

„Mir ist ein Vogel an den Kopf geflogen.“ Seffe sah zu dem Mädchen. „Mir kein Fleisch.“

Lotte stockte, als sie das Stück gerade auf seinen Teller legen wollte und es dann ihrer Oma gab. Die alte Frau begann zu grinsen. „Kein Fleisch?“

„Richtig.“ Seffe grinste schief.

„Du bist Veganer?“, fragte Lotte ungläubig.

„Nein, Vegetarier. Ich kann kein Fleisch essen.“

Die Oma zuckte mit den Schultern und gab allen Kartoffeln und Soße auf, Seffe bekam mehr davon.

Lotte hätte viel erwartet, aber das nicht. „Warum?“

„Ich esse keine Pokémon“, sagte er schlicht.

Nun guckte auch Lotte auf das Fleischstück und verzog den Mund. Wenn man so darüber nachdachte, könne einem ja glatt der Hunger vergehen. „Aber Pokémon essen auch Pokémon“, meinte sie schließlich. Worauf sie von Seffe nur einen genervten Blick abbekam.

Die Oma lachte: „Nun lass ihn doch.“ Dann fingen alle an zu Essen.

Seffe hatte großen Hunger, was man ihm deutlich ansah, dennoch pulte er auch die Speckstückchen aus der Soße heraus und legte sie auf den Tellerrand. Eigentlich hätte er die Soße auch nicht gegessen, aber nur, weil darin mal Fleisch war, würde er jetzt nicht verhungern und stufte es als Ausnahme ein.

Lotte beobachtete ihn dabei und hob eine Braue. „Wenn ich dir beim Essen zugucke, wird mir ganz schwindelig“, meinte Lotte und kaute auf einem Stück Braten herum.

Seffe ging darauf gar nicht ein, er sah nicht mal mehr hoch zu ihr, worauf Lotte grinsen musste. Dinge die er nicht mitbekommen wollte, ignorierte er einfach. „Wieso ist dir ein Vogel an den Kopf geflogen? War es ein Unfall?“, wechselte sie das Thema. Nun schüttelte er mit dem Kopf. Auch die Oma blickte jetzt neugierig auf und fing an Fragen zu stellen. Jetzt erst wieder sah Seffe nachdenklich hoch. Es war bestimmt nicht gut, es so vielen anzuvertrauen. Lotte sah ihn neugierig an. „Jetzt erzähl schon!“, war der letzte auffordernde Satz.

Doch Seffe schüttelte den Kopf und wirkte plötzlich etwas unsicher. „Ich weiß nicht...“, kam es von ihm, er wollte Lotte und ihre Oma nicht in Gefahr bringen. Das Erlebte musste er erst Mal verarbeiten und in Ruhe darüber nachdenken, was er weiterhin tun könnte. Die alte Dame und auch das Mädchen sahen sich fragend an. „Danke für das Essen und dass ich die Nacht hier bleiben darf“, sagte Seffe und schob seinen Stuhl zurück. „Aber ich bin echt müde. Gute Nacht zusammen.“ Mit den Worten stand er auf und verließ den Raum. Wenn er den Fragen nicht so ausgewichen wäre, hätte Lotte vermutet, dass er sich vom Tisch abräumen hätte drücken wollen. Ihre Omas sah ihm besorgt nach und fragte: „Ist mit dem Jungen echt alles in Ordnung?“ Lotte zuckte mit den Schultern, sie würde ihn morgen nochmal darauf ansprechen. Dabei nahm sie den Teller von Seffe mit den Resten und stellte ihn Terribark zum Ablecken herunter, welcher schon ganz heiß darauf wartete.

Lotte hatte den Tisch schnell alleine abgeräumt und ging in den Flur. Kurz blieb sie vor Seffes Tür stehen und lauschte. Es war ruhig, sie konnte nur hin und wieder ein paar Monster murmeln hören. Ob er wirklich jetzt schon schlafen würde? Sie ging ins Bad und bemerkte, dass er seinen Rucksack dort liegen gelassen hatte. Sie nahm ihn hoch und darunter kam Ditto zum Vorschein. Die Glibbermasse sah sie an und winkte ihr zu. Lotte zuckte kurz zurück, doch lächelte dann schief und bückte sich zum ihm. „Hey Pudding... warum bist du nicht bei Seffe?“ Sie nahm das kleine Monster hoch und ging in ihr Zimmer. Den Rucksack legte sie zur Seite und setzte sich auf ihr Bett. „Bist du etwa beleidigt, weil er dich vorhin angeschrien hat?“ Kurz musste Lotte lachen und Pudding formte sein Gesicht traurig. „Ach... er hat dich gerne, Pudding. Aber sich in ein Handtuch verwandeln macht man auch nicht. Ich wäre auch sauer gewesen.“ Ditto schien mit den Augen zu rollen und formte einen großen Mund. „Was? Hast du etwas Hunger?“, fragte Lotte und stand auf, um eine Dose zu holen. Daraus nahm sie einen großen Keks mit Schokostückchen und hielt es Ditto hin. Das Monster näherte sich neugierig dem Keks und streckte sich danach. Die Masse fing an den Keks zu umschließen und Lotte ließ ihn los. Der komplette Keks wanderte in die Mitte von Ditto und löste sich langsam aber sich auf. „Das ist ja interessant...“, kam es von ihr. Sie fuhr sich schnell mit den Händen durchs Gesicht um ihre Haare aus dem Weg zu bekommen und beobachtete Ditto beim Essen. „Mach das nochmal“, forderte sie und hielt Ditto erneut ein Schokogebäck hin. Der erste Keks war noch nicht komplett aufgelöst, doch es schmeckte ihm so gut, dass Pudding auch den Zweiten direkt umschloss und in seine Mitte zog. Lotte hob einen Mundwinkel in die Höhe. „Du bist echt cool. Und gar nicht so eklig, wie ich anfangs dachte... Hat geschmeckt, oder?“ Ditto wirkte glücklich, als es von Lotte gestreichelt wurde und sie bemerkte die Feuchtigkeit, die auf ihrer Hand zurück blieb.

Mit einem verträumten Lächeln, sah das Mädchen sah aus dem Fenster. „Woher er dich wohl hat... mich würde zu sehr interessieren, was ihm alles passiert ist. Er sah echt kaputt aus...“, sagte sie leise, worauf Ditto fiepte und sich am Bett herunterfließen ließ. Lotte beobachtete das Pokémon nur nachdenklich. „Willst du zurück zu ihm?“, fragte sie das pinke Wesen, doch Pudding wanderte nicht zur Tür sondern zu dem Rucksack und öffnete den Reißverschluss. „Pudding, nein! Seffe wird es bestimmt nicht toll finden, wenn du in seinen Sachen rum kriechst...“ Schnell lief Lotte zu dem Pokémon und bückte sich, gerade wollte sie es wegnehmen und den Eastpack wieder schließen, da hielt ihr Pudding das alte Buch entgegen. Das Mädchen stockte und nahm es an sich. „Was? Pudding das geht nicht... wir können nicht einfach in seinen Sachen wühlen!“ Doch Ditto fiepte und drückte ihr das Buch fester entgegen. Nun verzog Lotte das Gesicht und nahm es an sich. Sie ging zurück zum Bett und sah es sich an. Pudding kroch neben sie. Als Lotte langsam klar wurde, um was es sich handeln musste, hielt sie die Luft an. Sie dachte immer, dass es alles nur Gerüchte waren. Gehörte Seffe etwa einer Organisation an, die Experimente an Pokémon machten?

Seffe lag im Bett und starrte die Wand an. Noch wusste er nicht, was er weiterhin tun sollte. Vielleicht würde er am nächsten Morgen eine Idee haben. Pikachu und Dragonir waren auch aus ihren Bällen gekommen. Sie hatten aus einem Regal im Zimmer ein Kasten gezogen. Nun spielten sie ein Brettspiel und schoben die Figuren umher. „Die wissen wahrscheinlich gar nicht, was sie genau machen“, dachte sich Seffe leicht lächelnd, „Aber Hauptsache sie beschäftigen sich ruhig.“ Dabei drehte er sich im Bett um und schloss die Augen. Doch im nächsten Moment fing Zitrone an zu meckern. Ihre Spielfigur war nicht mehr dort, wo sie vorher stand und sie unterstelle Ludwig das Schummeln. Als die beiden kurz vor Zanken waren, kicherte Gengar und zog ihnen gleichzeitig am Schwanzende.

Der Geist setzte sich in die Mitte des Raumes und grinste die anderen höhnisch an. Zitrone ärgerte sich sichtlich darüber und sagte etwas zu Spook, worauf ihm sein Grinsen erstmal verging. Danach hüpfte sie auf das Bett zu Seffe. „Wenn ihr weiter zankt, kommt ihr alle in eure Bälle“, murrte dieser nur leise, ohne die Augen dabei zu öffnen. Ludwig jaulte kurz und rollte sich an Seffes Fußende zusammen, das Spielen war ihm vergangen. Zitrone motzte vorwurfsvoll und Seffe öffnete leicht die Augen, ehe sein Blick der Richtung folgte, wohin das Pikachu zeigte: Auf Gengar. Seufzend fragte Seffe schließlich: „Weißt du eigentlich, wer dich nach Hundemons Knirscher gerettet hat, Zitrone?“ „Pi?“, kam es von dem neongelben Wesen und es legte mit großen Augen den Kopf schief, dabei wackelte es mit einem Ohr. Seffe zeigte als Antwort nur auf Gengar, dann legte er seine Arme über sein Gesicht. „Lasst mich jetzt in Ruhe...“, kam es von ihm, er spürte plötzlich wie müde er war.

„Pika-pi!“, sagte Zitrone noch und schüttelte an Seffe, doch der war direkt eingeschlafen. Sie rollte mit den Augen und sah langsam zu Mr. Spook. Er starrte sie noch immer an, sein Mund war geschlossen und seine Arme immer gekreuzt. Zitrone merkte, wie sich ihr Fell am Rücken aufstellte. So ganz geheuer war er ihr noch nie gewesen. Außerdem war er auch immer unfair ihr gegenüber und ärgerte sie bevorzugt. Das neongelbe Pikachu sprang vom Bett und ging ein paar Schritte zur Seite. Mr. Spook beobachtete sie dabei. Was er wohl dachte? Zitrone legte ihre Ohren nach hinten und ging langsam auf alle Vieren weiter, die Augen von dem Geist wanderten mit. Er hörte einfach nicht auf zu Starren! Sie verzog das Gesicht und setzte sich schließlich vor ihn. „Pikachu!“, sagte sie leise, jedoch auffordernd. Aber er regte sich noch immer nicht – glotze sie nur an.

Nun kreuzte auch Zitrone die Arme. Dann würde sie ihn halt auch anstarren. Eine gute Weile verging. Sie saßen sich in gleicher Bewegung genau gegenüber und blicken sich tief in die Augen. Pikachu fing an zu schwanken. Sie wurde müde. Kurz schien sie zur Seite zu fallen, setzte sich dann aber wieder gerade hin und sah wieder Mr. Spook in die Augen. Dieser hatte nun die eine Seite seines Mundes in die Höhe gezogen, fand es belustigend und starrte noch immer auf sie herab. Zitrone bestrafte sich in Gedanken und versuchte ihm entschlossen stand zu halten.

Sie wachte wieder auf, als sie mit der Schnauze auf den Boden aufgekommen war und schüttelte sich. Der Blödmann hatte Hypnose eingesetzt. „Chu-chuuu!“, kam es vorwurfsvoll von ihr und Mr. Spook grinste breit, ehe er einen Finger vor seine Lippen hielt und danach auf Seffe zeigte. Noch immer hatte er seinen Blick nicht ein einziges Mal von ihr abgewand. Zitrone rollte mit den Augen und setzte sich neben das Gengar. Nun sah Spook erschrocken und etwas angeekelt zur Seite auf das kleine Monster. Pikachu seufzte nur, dann schmiegte sie sich an dem violetten Geist und legte ihr Köpfchen auf sein Bein. Spook war sich nicht ganz sicher, ob das gerade wirklich passierte und wollte Zitrone gerade wegstoßen, doch da seufzte das kleine Wesen wohlig und ließ die Ohren sinken. Sie schien ernsthaft bei ihm schlafen zu wollen. Böse sah Gengar auf Zitrone herab, doch dann, ganz langsam, wurde seine Mimik weicher. Spook seufzte unhörbar und lächelte leicht.


Los geht’s!

Seffe rannte. Er rannte so schnell er konnte. Das Buch umklammerte er feste in seinen Händen. Seine Pokémon waren alle besiegt. Plötzlich stolperte er und fiel. Immer tiefer, bis ihn der harte Boden abfing. Stöhnend ging er auf die Knie und blickte nach oben. Lotte stand vor ihm. Kabutops hatte sie umgriffen und drohte ihre Kehle aufzuschlitzen. Eine Frau mit blonden langen Haaren stand neben den beiden und lachte laut.
„Ich hab doch gesagt, wir kriegen dich! Unsere Pläne durchkreuzt du nicht!“, sagte sie. Nun konnte er auch den großen Mann an ihrer Seite erkennen, der direkt anfing lauthals zu lachen. Hinter ihnen erschien aus den Schatten Mewtu. Seffe erkannte nur seine Silhouette, welche durch die flackernden Lichter ruckartig auf ihn zu zuckte. Die Augen des Pokémons fingen an gefährlich zu leuchten. Seffe versuchte sich gegen die Kräfte des Psycho-Pokémons zu wehren, doch kam nicht dagegen an. Das Lachen von Ricarda und Gunther wurde zu einem Einzigen. Ein männliches Lachen. Seffe krümmte sich vor Schmerzen, doch zwang sich aufzusehen und seine Augen zu öffnen. Matze stand vor ihm und grinste ihm entgegen. Langsam kam er näher auf ihn zu und fing an ihm über die Wange zu lecken.
(Moodbild: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgQUk4jKGEPENGZlj)

Verwirrt wachte Seffe auf und erblickte Zitrone direkt vor ihm. Sie war mit ihrem Gesicht so nah an seinem, dass er ihre feuchte, kalte Nase auf seiner spürte. Das Pikachu hatte sich Sorgen um ihn gemacht, weil er sich im Bett gewälzt hatte und angefangen ihm über die Wange zu lecken. Seffe seufzte erleichtert und streichelte Zitrone über den Kopf. Bis auf den letzten Traum, hatte er geschlafen wie ein Stein. Gähnend streckte er sich und sah auf die Uhr im Zimmer. „Wow! Schon halb eins?“, stieß er aus und saß sogleich senkrecht im Bett. Zitrone purzelte dabei auf den Boden und schüttelte sich.

Lotte stand im Flur und wollte gerade raus gehen, um ihrer Oma im Garten zu helfen, da ging die Tür des Gästezimmers auf. Pikachu rannte glücklich heraus, gefolgt von Seffe. Lotte begrüßte ihn und fragte, ob er etwas frühstücken wollte. Sie war froh, als er zustimme und nicht wieder direkt auf dem Absprung war. Gleich könnte sie sich ihn greifen.

Mit Pudding saßen sie zu zweit am Esstisch im Wohnzimmer. Pikachu war mit Terribark nach draußen gegangen, wo sie Fressen bekamen und spielen konnten. Seffe wirkte nachdenklich und Lotte musterte ihn skeptisch, während er aß.
„Warum warst du gestern so abweisend? Du verschweigst doch etwas“, sagte sie und Seffe sah langsam auf.
Lotte zeigte auf seine Stirn. „Du hast gesagt, dir ist ein Vogel an den Kopf geflogen. Und als ich dich fragte, ob es ein Unfall war, hast du verneint? Was dann? Wurdest du angegriffen?“
Seffe verengte seine Augen, ehe er aufhörte zu essen, sich zurück lehnte und die Arme verschränkte. Lotte stützte sich mit den Ellbogen auf den Tisch und blickte ihm feste in die Augen. „Was ist passiert, Seffe?“
Seffe schwieg noch immer, nahm dann seine Tasse und sah von ihr ab. Er verzog seinen Mund unmerklich. Die große Standuhr im Wohnzimmer tickte laut und Seffe zählte die Sekunden bis zehn. Dann trank er ein paar Schlücke vom Kaffee.
Lotte zog ihre Brauen zusammen und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „Warum erzählst du mir nicht was los war? Du verschweigst doch etwas!“
Seffe blickte sie noch immer nicht an und schloss kurz seine Augen. Ihr davon zu erzählen wäre falsch, er würde andere nur in Gefahr bringen.
Lotte schnaufte verärgert, als er sie noch immer ignorierte. Also stand sie auf, ging zum Schrank neben dran und zog den schwarzen Eastpack hervor. Den Rucksack hatte sie neben den Schrank gelegt, so dass er beim Betreten des Raumes nicht im Sichtfeld lag. Wie erwartet hatte sie jetzt wieder Seffes Aufmerksamkeit.
Seffe hob seine Augenbrauen, die er sogleich wieder grimmig zusammenzog, als sie sich wieder zu ihm an den Tisch setzte. Sie grinste ihn triumphierend an und er holte langsam Luft. In Gedanken schlug er sich mehrmals selbst kräftig gegen den Hinterkopf.
„Den hast du gestern im Bad vergessen“, sagte Lotte mit zuckersüßer Stimme.
Seffe nahm ihr den Rucksack ab und öffnete ihn. Er musste nicht viel in ihm wühlen um festzustellen, dass das Wichtigste darin fehlte: Das Tagebuch. Langsam blickte er zu Lotte.
„Suchst du was?“, fragte sie, während sie eine Haarsträhne um ihren Finger wickelte.
„Warum durchwühlst du meine Sachen?“ Seffes Tonlage war ruhig. Zu ruhig.
Lotte hob unschuldig ihre Brauen in die Höhe. „Ich hab nicht darin rum gewühlt. Wirklich! Pudding hat es mir gegeben.“ Sie setzte ein entschuldigendes Lächeln auf und holte das Buch unter dem Tisch hervor. Sie hatte es einfach auf den freien Stuhl gegenüber gelegt, so dass man es nicht direkt sah. Nun legte sie es auf den Tisch.
Seffe hob langsam eine Braue und blickte auf Ditto, das jetzt vorsichtig hinter Lottes Haaren durch guckte und sogleich wieder in den roten Wellen verschwand. Als Seffe nach dem Tagebuch greifen wollte, zog Lotte es schnell wieder weg.
„Ich will eine Erklärung, Seffe!“
Seffe schnaufte und rollte mit den Augen. „Lotte, bitte. Es ist besser, wenn du dich da raus hältst.“
Das Mädchen verzog die Brauen und schloss das Buch ein, in dem sie ihre Arme kreuzte. Dann schüttelte sie immer heftiger werdend ihren Kopf.
„Alle sagen immer ich soll mich aus allem raus halten! Ich denke nicht daran! Bist du wirklich Kurier oder gehörst du zu irgendeiner Forschungsorganisation, die an Pokémon Versuche machen?“
Seffe hob bei der Frage beide Brauen, ehe er kurz auflachte. Dann wurde er ernst. „Quatsch! Ja, ich bin Kurier! Und nein, verdammt! Niemals! Wie kommst du da drauf?“
Lotte glaubte ihm kein Wort, das konnte er deutlich aus ihrem Blick lesen.
„Woher hast du plötzlich das Ditto? Warum ist dir das Buch so wichtig? Warum bist du verletzt? Was ist passiert?“
Seffe stockte, als sie immer lauter wurde und ihn schließlich anschrie, dann blickte er zur Seite.
„Ich will dich einfach nicht in Probleme bringen“, sagte er leise und Lotte blinzelte. Dann sah er ihr intensiv in die Augen und hielt die Hand auf.
„Gib mir das Buch und vergiss die Sache.“
Seine Augen schienen in dem Licht grün zu sein. Lotte schluckte und biss sich auf ihre Unterlippe. Sie konnte seinem Blick nicht lange stand halten und sah nach unten. Da rutschte Ditto auf den Tisch, krabbelte langsam darüber und stülpte sich über das halbe Käsebrötchen, das Seffe übrig gelassen hatte. Auch Seffes Blick war dem Pokémon gefolgt und er legte seinen Kopf leicht schief.
„Echt jetzt Pudding?“
Das Ditto piepte glücklich, als sich das Käsebrot in seinem Inneren auflöste.
Lotte schüttelte kurz ihren Kopf. „Was meinst du damit?“
Seffe blickte verwirrt auf und überlegte, wo sie gerade stehen geblieben waren. „Er hat einfach mein Brötchen gegessen!“
Lotte rollte mit den Augen. „Was ist dir an dem Buch so wichtig? Und warum hast du das überhaupt?“
Seffe verzog seinen Mund und seufzte leise. Lotte sollte nichts Falsches von ihm denken. Zumindest nicht so falsch. Er zögerte noch einen Moment, ehe er nickte und ihr eine kurze Zusammenfassung schilderte, von dem was ihm passiert war.
Lotte war sichtlich erleichtert. Dann stellte sie ihm solange Fragen, bis er ihr alles Wichtige erzählt hatte.
„Schweig darüber einfach. Ich denke, es ist besser, wenn du so tust, als ob du von all dem nichts weißt“, sagte Seffe und trank mit mürrischem Blick die letzten Schlücke seines Kaffees.
Lotte blinzelte ihn aus großen Augen an und schob das Buch wieder zu ihm. „Oh man, echt krass, was dir passiert ist.“ Dabei klang sie so, als würde sie ihn um das Abenteuer beneiden.
„Ich hätte es lieber, wenn mein Leben mal normal verlaufen würde.“
„Warum bist du vor denen weg gerannt?“
„Was hätte ich tun sollen?“
„Kämpfen!“
Seffe lachte kurz auf und schüttelte den Kopf. „Na klar! Lotte, ich bin doch keine Spielefigur mit mehreren Leben! Meine Pokémon übrigens auch nicht. Es waren zu viele.“
Lotte blinzelte kurz und ließ den Kopf sinken. Zugegeben: Sie hätte lieber ein anderes Ende gehört. Zum Beispiel, dass Seffe seine Verfolger in die Flucht geschlagen hätte.
Seffe konnte ihre Gedanken aus ihrem Blick lesen und sah sie streng an. „Ich bin ein einfacher Pokémon-Trainer, kein Superheld.“
Lotte sah zu ihm auf und ließ ihren Blick über ihn wandern. „Du bist der dritte Platz im Hypercup.“
Seffe ließ seine Augenbrauen sinken und verformte seine Lippen zu einem schmalen Strich. „Ja, Dritter“, murmelte er und nahm seine Brille kurz ab, um sich durch sein Gesicht zu fahren. „Du hast keine Ahnung, was ich in der Villa alles gesehen habe.“ Für einen kurzen Moment sah er zur Seite und schnaufte, ehe er ihr wieder ihren Blickkontakt suchte. „Die Typen sind echt schräg gewesen. Ich hätte gegen die keine Chance gehabt. Außerdem war die eine Tussie die, gegen die ich im Hypercup verloren hab!“ Er lehnte sich wieder zurück und sah genervt an die Zimmerdecke, die Bilder aus seinem letzten Traum schossen ihm durch den Kopf.
Lotte verzog nachdenklich die Brauen. „Ja. Ihr Kampfstil war äußerst aggressiv und ihre Pokémon sehr stark.“
Erneut entstand eine Stille, dann griff sie in ihre Hosentasche und legte ihm einen Kettenanhänger hin. An ihm war eine Lederschnur befestigt, an der Seffe den Anhänger zu sich zog und hoch hielt. Das Stück schien schon sehr alt zu sein und darin eingraviert war eindeutig ein Mew.
„Wo hast du den her?“
„Er gehörte meiner Mutter.“ Lotte öffnete mit einer ruhigen Bewegung das Tagebuch. Sie hatte die einzelnen Seiten sortiert und an die Stelle gelegt, wo dem Buch ursprünglich Seiten fehlten.
Seffe fasste sich an den Kopf. Wieso war ihm das nicht eingefallen? Ditto piepte und wurde nervös.
„Eine Blatt fehlt“, sagte Lotte und zeigte mit dem Finger auf die Abrissstelle.
„Kannst du mit den Aufzeichnungen etwas anfangen?“ Seffe lehnte sich nach vorne und nickte ihr zu, doch Lotte schüttelte sogleich den Kopf.
„Meine Eltern“, fing sie an und holte tief Luft. Ihre Augen fingen an zu glänzen. „Ich glaube, sie hatten etwas mit der Sache zu tun. Sie lernten sich auf ihrer Arbeit kennen. Im Forschungslabor. Eines Tages musste meine Mutter und auch mein Vater auf eine Expedition gehen. Sie schickten meiner Oma und mir immer Briefe, aber...“ Sie brach den Satz ab und wischte sich schnell über ihre Augen. „Sie kamen nie wieder zurück.“ Ein paar Tränen rollte über ihre Wangen und sie ließ sich ihre Haare ins Gesicht fallen.
Seffe verzog den Mund. Sie tat ihm leid. Kurz tat er eine Bewegung, als würde er sie in den Arm nehmen wollen, stützte seine Ellbogen dann jedoch auf den Tisch und seufzte unhörbar. Im Gegensatz zu Pudding. Er piepte und kroch auf Lotte zu, um ihr Handgelenk zu umarmen.
Lotte fing sich für einen Moment wieder und wischte noch einmal ihre Tränen, mit dem Ärmel ihres grauen Sweatshirts, weg, auf dem ein wütendes Pummeluff abgebildet war.
„Meine Oma hat alle Briefe aufgehoben. Und nur in einem hat meine Mutter etwas Schlechtes erwähnt. Darin steht, dass sie erst nur ein Pokémon suchen sollten. Eine neue Spezies. Doch auch, dass ihr der Job aktuell keine Freude mehr bereitet und sie dazu gezwungen werden Schreckliches zu tun. Es war ihr letzter Brief. Fast wie ein Hilfeschrei.“ Dann schluchzte sie wieder.
Seffe griff sich in den Nacken und seufzte. Als sich ihre Blicke kurz trafen, sah er Lotte nur gequält an.
Lotte rang um Beherrschung und zuckte mit den Schultern. Nicht, dass es ihr gleichgültig wäre, mehr um mit der Situation gerade umzugehen.
„Als meine Oma den Brief bekam, war es bereits zu spät für meine Eltern. Sie gelten bis heute als vermisst. Die Polizei hat den Fall ziemlich schnell aufgegeben. Es gab keine Beweise. Keine Zeugen.“ Sie hatte ihre Hände in den Schoss gelegt und hielt den Kopf gesenkt, dann blickte sie plötzlich auf.
„Können wir nicht irgendetwas unternehmen?“
Seffe zuckte leicht zusammen. „Keine Ahnung. Ich hab ein ungutes Gefühl.“
Lotte verzog ihre hübschen Lippen und blickte ihn trotzig an. „Sie jagen den Aufzeichnungen hinterher. Glaubst du es gibt Mewtu?“
Seffe hob seine Schultern und Lotte schnaufte leicht.
„Ich dachte immer, es seien nur Geschichten.“
„Warum sollten ihnen die Aufzeichnungen so wichtig sein, wenn Mewtu schon oder noch existiert? Dann müssten sie es nur jagen und fangen.“ Kurz legte Seffe seine Stirn in Falten. „Und kontrollieren können.“ Dann verschränkte er die Arme.
„Aber was wollen die mit dem Pokémon? Angenommen, es wäre das Stärkste von allen. Die Weltherrschaft? Was will man mit der Weltherrschaft?“
Seffe schmunzelte kurz bei ihrer Frage und hob erneut die Schultern.
Lotte blickte genervt zur Seite. „Was weißt du schon? Das Thema scheint dich ohnehin nicht sehr zu interessieren.“
Nun verengte Seffe die Augen. „Doch. Schon. Immerhin verfolgen die mich. Aber wenn ich nur daran denke, denen das Buch auszuhändigen wird mein Gefühl noch mulmiger.“
Lotte hob einen Mundwinkel in die Höhe und lehnte sich in seine Richtung. „Dann hättest du die Typen aber auf jeden Fall von der Backe.“
„Was du nicht sagst.“
„Angenommen sie wollen ein Mewtu erschaffen, um die Welt zu regieren. Dann könnten wir versuchen es zu verhindern. Und vielleicht bekomme ich etwas über meine Eltern heraus.“
„Setzt du dir immer eigentlich so große Ziele? Fang doch erstmal mit den Arena-Orden in Kanto an.“
Lotte atmete langsam ein und zum Glück konnten ihre Blicke nicht töten. „Was hast du denn jetzt vor?“
Seffe bemerkte unschwer ihren zickigen Unterton und lächelte schief. „Kein Plan.“
„Das ist alles was du dazu sagst?“
„Ich hab schon überlegt zur Polizei zu gehen, aber“, er stockte und schüttelte den Kopf. „Das ist nicht die Lösung.“
„Wie kommst du da drauf?“
„Kein gutes Bauchgefühl.“
Lotte schnaufte und hielt ihre Hand auf.
Seffe verstand und ließ das Lederband durch seinen Daumen und Mittelfinger rutschen, so dass der Anhänger kurz über Lottes Hand baumelte, dabei behielt er Blickkontakt. „Wenn die wirklich Mewtu erschaffen wollen, brauchen sie erstmal den kleinen Freund hier.“
Lotte nickte langsam, nahm die Kette ab und hing sie sich um den Hals. Seffe beobachtete ihre fließenden Bewegungen und lächelte leicht, ohne dass Lotte es bemerkte. Wie hübsch sie doch war. Als sie wieder hoch blickte, wandte er sich von ihr ab. Sie seufzte leise und ging an den Schrank. Aus einer Schublage, nahm sie eine hölzerne Box heraus. Sie stellte die gravierte Schachtel auf den Tisch und öffnete sie.
„Hier. Vielleicht hilft dir das weiter.“
Seffe zog die Box zu sich. In ihr waren all die Briefe von Lottes Eltern sowie Fotos. Die Briefe legte er bei Seite und nahm den Stapel Bilder heraus. Er legte immer wieder ein Dia hinter die anderen. Es waren alte Aufnahmen, aus einem Dschungel.
Ditto kroch auf Seffes Arm zu und klammerte sich daran fest. Seine Kieselsteinaugen blickten interessiert auf das Foto. Im Vordergrund war ein junges Paar zu sehen. Im Hintergrund konnte man einen See erkennen und ein Gebäude, das halb darin versunken war. Das Haupt der versunkenen Ruine stand auf Säulen und ragte aus dem Wasser.
Seffe verzog leicht seinen Mund. Es sah aus, wie die Umgebung in seinen Träumen. Er legte das Bild zur Seite und blätterte weiter. Bei dem Letzten blieb er erneut hängen. Es war ein Gruppenfoto.
Lotte sah immer auf zu ihm, wenn er stockte. „Du fügst doch gerade irgendetwas zusammen, oder?“
Seffe reagierte auf ihre Frage nicht und Lotte schnaufte, ehe sie traurig auf das Foto, das auf dem Tisch lag, blickte.
„Das waren meine Eltern.“ Mit einem Finger strich sie sachte über das Bild. Doch Seffe starrte nur das Gruppenfoto an und hielt es sich noch näher vor die Nase.
„Was ist los mit dir?“
„Das ist doch - das ist der Raum.“ Er schüttelte kurz den Kopf und Ditto piepte und verschwand, indem er auf Seffes Rücken kletterte.
„Welcher Raum?“
„Das ist der Raum von dem ich“, er stockte und blickte zu Lotte. „Das ist einer der Forschungsräume in der alten Villa.“ Er versuchte seine Mimik zu beherrschen und Lotte hob ihre Hand an den Mund.
Seffe hielt ihr das Foto hin und zeigte auf eine Person. Sie war nur schwer zu erkennen, da es fast 20 Leute auf dem Bild waren.
„Das ist Matze in jungen Jahren. Ich bin mir ziemlich sicher.“ Sein Blick wurde finster, ehe er ruckartig aufsah und gleichzeitig aufstand. „Mit dem werde ich ein Flemmli rupfen!“
Lotte hob eine Braue und sprang ebenfalls auf. „Was hast du jetzt vor?“
Seffe richtete seine Brille auf der Nase. „Na, das sagte ich doch. Den werde ich mir greifen.“ Er packte die Briefe und die Fotos auf dem Tisch wieder in die Schachtel und verstaute diese in seinem Rucksack. „Das leihe ich mir mal aus.“
Lotte beobachtete ihn dabei und blinzelte. „Du willst alleine los ziehen?“
Seffe blickte auf sie herab. „Was sonst? Wenn ich etwas über deine Eltern heraus finde, geb´ ich dir Bescheid.“
Lotte schüttelte schwungvoll ihren Kopf. „Auf gar keinen Fall, ich komme mit!“
Seffe rollte nur mit den Augen. „Nein! Das ist viel zu gefährlich! Mich kennen die eh schon. Du bleibst mal besser draußen aus der Sache.“
Das Mädchen ballte die Fäuste. „Auf gar keinen Fall!“ Bei der Wiederholung hatte sie ihre Stimme gehoben und stellte sich Seffe in den Weg.
„Immerhin geht es hier um meine Eltern! Irgendwer hat sie zu furchtbaren Dingen gezwungen und sie wahrscheinlich umgebracht!“ Ihre Augen füllten sich erneut mit Tränen und sie verzog den Mund. Sie wollte nicht wieder anfangen zu heulen.
Seffe stockte und blickte zur Seite. „Lotte, ich kann ja nachvollziehen, dass dich das Thema echt belastet, aber...“ Ditto saß auf Seffes Schulter und reckte sich piepend in Lottes Richtung. Da zog Seffe leicht seine Augenbrauen zusammen, schnappte sich Pudding und ging um sie herum. „Es bleibt bei nein!“
Doch Lotte riss ihn am Arm zurück. „Du hast mir nichts zu sagen und wenn du mich nicht mitnimmst, ziehe ich eben alleine los!“ Kühl sah Seffe auf sie herunter. Die Kleine war echt fordernd. Langsam lockerte sich seine Mine wieder.
„Du gibst nie nach, oder?“
Lotte blickte ihn nur entschieden an, worauf er seufzte. Das sie alleine los ziehen würde, könnte er noch weniger verantworten.
„Von mir aus“, sagte er mit einem Augenrollen. „Aber wenn du mit mir kommst, wirst du tun, was ich sage!“
Über Lottes Lippen huschte ein Lächeln, dann klatschte sie in ihre Hände und rannte in ihr Zimmer. Seffe seufzte und guckte zu Ditto. „Na, das fängt ja super an“, murmelte er und Pudding piepte belustigt.

Lotte hüpfte summend durch ihr Zimmer und packt schnell ihre Sachen zusammen. Als ihre Tasche fertig war, blieb sie kurz mit dem Rücken vor der geschlossenen Tür stehen. Ihr Blick wanderte langsam durch ihr Zimmer. Sie freute sich, mit Seffe reisen zu können, aber wer weiß, wie lange sie ihr Zimmer nicht mehr sehen würde. Sie schloss ihre Augen und lächelte. Dann öffnete sie die Tür und ging den Flur herunter.
Seffe wartete vor der Eingangtür und sah an ihr herunter. Sein Blick blieb auf der großen Reisetasche hängen. „Echt jetzt, Lotte?“
„Was denn? Wir sind doch mit dem Auto unterwegs!“ Sie zwinkerte ihm zu.
„Es ist dein Gepäck, du trägst es.“
Lotte guckte zur Seite mit einem leichtem Schulterzucken. „Ach, können wir vielleicht noch bei ein paar Arenen Halt machen? Ich will die Orden in Kanto sammeln.“
Seffes Blick war vielsagend. „Nicht alle sind so nett wie Misty.“
Lotte verschränkte ihre Arme und ging an ihm vorbei. Seffe grinste kurz kopfschüttelnd und ging ihr hinterher.
„Was ist mit deiner Oma?“
„Darüber habe ich mir schon Gedanken gemacht“, sagte Lotte nach vorne gewandt und holte den Hyperball hervor. Seffe verzog sein Gesicht. Er wusste genau, wer sich darin befand. Lotte drehte sich zu ihm und hob den Ball in die Höhe, der sich sogleich öffnete und das Kraftprotz-Pokémon frei ließ.
„Maaaaschok!“, rief das graue Monster neben Seffe, der leicht zusammenzuckte, weil es neben ihm stand. Maschok stockte, warf seinen Kopf zur Seite und verengte die Augen, als es den Trainer mit den blauen Haaren erkannte. Seffe blickte Maschok nur aus den Augenwinkeln an und tat einen Schritt zur anderen Seite. Maschok starrte den Trainer an, der seine Lederjacke richtete und so tat, als ob nichts wäre. Ditto auf Seffes Schulter piepte nur fragend.
„Ich habe ihn Prollo genannt“, sagte Lotte, ging auf Prollo zu und tätschelte dessen Arme.
„Ja, das passt zu ihm“, sagte Seffe und beachtete das Monster nicht weiter.
„Jetzt hört auf ihn so anzugucken, Prollo. Vielleicht darfst du ja mal mit ihm auf dem Motorrad fahren. Aber erst wenn wir zurück kommen. Und so lange musst du ein liebes Pokémon sein und auf Oma aufpassen, hörst du?“
Prollos grimmiger Blick lockerte sich, ehe er lächelte und nickte.
Seffe hob bei dem Part mit dem Motorrad nur eine Braue und sah ruckartig zu Lotte. Doch Prollo schien sich deswegen besonders gut zu benehmen, also sagte er erstmal nichts dazu.
„Okay. Los geht’s!“, sagte Lotte voller Abenteuerlust und schob Seffe und Prollo vor die Tür. Ihre Oma war gerade dabei ein paar Beeren von Büschen zu sammeln.
„Oh! Guten Morgen, ihr zwei. Wollt ihr ein paar Beeren essen?“
Lotte lächelte bedrückt und ging zu ihr. Sie erklärte ihr, dass sie mit Seffe auf Reisen gehen würde. Die alte Frau lächelte wissend, auch wenn ihr Blick etwas Traurigkeit in sich trug. Sie hatte es Lotte schon so lange gewünscht. Außerdem wusste sie, wie sehr ihre Enkelin an dem Jungen hing und er würde mit Sicherheit gut auf sie aufpassen. Ihre Menschenkenntnis hatte sie selten getäuscht. Mit einer innigen Umarmung und ein paar Tränen beider Seiten, verabschiedete sie sich von Lotte. Wie lange sie sich nicht wieder sehen würden, wussten sie nicht genau, aber Lotte versprach ihr, sich zwischendurch zu melden.
„Ach und dann habe ich noch eine Überraschung für dich, Oma!“, sagte Lotte und machte eine Handbewegung zu dem Maschok. „Ich weiß ja, dass du manchmal Hilfe im Haushalt brauchst und Prollo steht dir dabei gerne zur Seite!“
Ihre Oma legte den Kopf leicht zur Seite und faltete ihre Hände vor sich. Den hübschen Muskelprotz von ihrer Enkelin als Schutz und Hilfe zu bekommen, hatte sie nicht erwartet.
Lotte und ihre Oma blickten zu Prollo. Das Maschok und Seffe standen so nah beisammen, das sie ihre Schultern fast berührten, hatten ihre Arme verschränkt und die Köpfe zueinander gedreht. Sie lieferten sich ein Blickeduell.
Lotte seufzte und rollte mit den Augen. Sie ging einen Schritt auf beide zu, hob ihre Hand und schnippste vor ihnen mit den Fingern.
„Könntet ihr bitte damit aufhören?“
Sie guckten gleichzeitig zu Lotte. Prollo schnaufte und Seffe fasste sich an den Hinterkopf.
„Prollo, mach es erstmal gut und benimm dich bitte“, sagte Lotte lächelnd, dann umarmte sie das Kampf-Pokémon. Prollos Mine wurde weich und er legte sanft seine Arme um das Mädchen.
„Irgendwann werde ich dich in mein Team aufnehmen. Und denk dran: Meine Oma kann super kochen.“ Lotte streckte sich leicht um Prollos Kopf zu tätscheln. Terribark hüpfte um da Maschok herum und kläffte schwanzwedelnd. Dann sprang Wuschel an Lotte hoch und leckte über ihre Hände. Sie bückte sich zu dem Hund und knuddelte ihn. „Ich werd dich vermissen, Wuschel. Aber wir sehen uns wieder!“
Seffe ging etwas abseits und steckte sich einen Kaugummi in den Mund. Zitrone rannte quietschend auf ihn zu und er hob den Arm, auf den das Pikachu mit einem Satz sprang und sich an seiner Schulter festklammerte. Pudding ließ sich etwas am Ärmel herunter rutschten und blickte zu dem Elektromonster.
Lottes Oma ging auf Seffe zu und strich sachte über seinen Arm. „Du passt mit Sicherheit gut auf Lotte auf.“
Seffe lächelte ihr kurz zu. „Versprochen.“
„Pika!“ Zitrone nickte zuversichtlich.
Prollo ging mit grimmigem Blick auf Seffe zu, ehe er bittend aussah.
„Maschok Maschooooo.“ Das Pokémon hielt ihm eine Hand hin und Seffe guckte darauf. Er zögerte eine Sekunde, dann schlug er ein. Prollo lächelte ihn breit an, während sein Griff immer fester wurde. Seffe verzog kaum merklich sein Gesicht, hielt aber stand. Dann endlich ließ das Maschok wieder locker und nickte.
Lotte umarmte abermals ihre Oma, tätschelte Maschoks Schulter und streichelte nochmal Terribark. Dann stellte sie sich neben Seffe und sie wandten sich gleichzeitig um. Lotte drehte sich noch ein paar mal um und winkte allen.
Als sich Seffe von ihnen abgewandt hatte verzog er sein Gesicht und schüttelte seine Hand vor sich in der Luft. „Verdammt, dieses Arschloch-Monster. Das hat ganz schön weh getan“, sagte er leise. Zitrone seufzte und ließ ein Ohr hängen.
„Was ist los?“, fragte Lotte.
„Nichts. Schon okay.“
Lotte stemmte kurz ihre Arme in die Hüfte dann wandte sie sich nochmal um. Ihre kleine Familie guckte immer noch zu ihr und sie winkten sich nochmal zu.

Bald waren sie die Straße so weit hoch gelaufen, dass man das Haus nicht mehr sehen konnte, dafür Seffes Auto. Lotte verengte ihre Augen und betrachtete die blaue Kiste genauer. Der Kleinwagen hatte schmale Lichter, was ihn jedoch nicht böse blicken ließ, sondern eher etwas dämlich grinsen. Lotte legte ihren Kopf schief und lief um das blaue Auto herum. Es lag merklich tiefer auf der Straße, als die anderen parkenden Fahrzeuge und hatte sichtlichen Rost in den hinteren Radkästen. Teilweise hatte Seffe es scheinbar schon geflickt, doch der Rost nagte weiter. Lotte hob langsam eine Braue. Sie suchte die aerodynamischen Linien vergebens. Der Wagen hatte nur Ecken und Kanten und das Heck wirkte so, als hätte es jemand einfach schräg abgeschnitten. Der größere Auspuff stach ihr direkt ins Auge und sie guckte Seffe zweifelnd an.
„Ist was?“, fragte er und nahm ihre große Reisetasche ab, die er im Kofferraum verstaute.
„Dein Auto rostet dort und dort und dort und...“
„Ich weiß. Das tut es auch an Stellen die du gar nicht siehst.“
Lotte zog die Augenbrauen zusammen, als er sich wieder abwandte, um den Fußraum etwas aufzuräumen. Sie beobachtete ihn, wie er zum Mülleimer lief, um die blutigen Taschentücher und auch das Halstuch zu entsorgen.
„Dein Auto ist ganz schön vergammelt. Die weißen Räder machen das auch nicht mehr wett.“
„Weiße Felgen! Es sind weiße Felgen! Die Räder sind aus Gummi und schwarz.“ Seffe rollte mit den Augen und machte eine Handbewegung, dass Zitrone und Pudding auf die Rückbänke gehen sollte. Pudding hielt sich an Zitrones Rücken fest und das Pikachu sprang ins Auto. Glücklich winkte Zitrone Lotte, durch die Heckscheibe, zu.
Lotte winkte kurz zurück und blickte wieder zu Seffe. „Ist das ein alter Corsa?“
Seffe fasste sich kurz an die Stirn. „Das ist ein Toyota Starlet S und er ist für sein Alter sehr zuverlässig! Jetzt hör auf mein Auto zu beleidigen und steig ein, sonst kannst du mit dem Bus fahren.“
Lotte fasste ihre Haare zusammen und streckte ihm die Zunge raus, dann ging sie zur Beifahrerseite. Sie machte die Tür auf, die überall kleine Dellen hatte. Die besten Zeiten hatte der Kleinwagen hinter sich. „Ist das Teil überhaupt verkehrssicher?“
Seffe saß bei offener Tür in seinem Auto und schnallte sich an. „So verkehrssicher wie ein Kondom. Ein gewisses Restrisiko bleibt immer.“
Lotte stockte und ihre Wagen färbten sich purpurrot. Sie rang zwei Sekunden um Fassung, dann setzte sie sich auf den Beifahrersitz und schnallte sich ebenfalls an.
Seffe grinste ihr entgegen, als sie die Türen gleichzeitig zu machten, das einen scheppernden Laut tat. Dann fuhren sie los.


Der Womanizer

„Kannst du mal anhalten?“, fragte Lotte mitten auf der Autobahn, nachdem sie die Musik leiser gedreht hatte.
Von Seffe bekam sie nur einen genervten Blick ab. „Wir sind doch gerade erst losgefahren.“
„Ich muss aber auf´s Klo.“

Der blaue Toyota blinkte rechts und sie fuhren auf einen Rastplatz. Es war nicht der schönste Rastplatz und die Toilettenhäuschen waren wahrscheinlich nicht nur von außen herunter gekommen. Lotte rümpfte die Nase, dann sprang sie aus dem Auto und rannte auf die Toiletten zu. Seffe sah nach oben und ließ den Sitz etwas zurück. Dabei fiel sein Blick auf den Rückspiegel und er seufzte. Die Naht auf seiner Stirn war nicht besonders schön. Er presste seine Lippen aufeinander und versuchte sich seine Haare so ins Gesicht zu kämmen, dass man nicht direkt auf die Wunde guckte. Doch ganz gelang es ihm nicht und er seufzte tief. Sein Blick fiel über den Spiegel auf die Rückbank. Dort lagen Pikachu und Ditto nah beisammen und schienen zu dösen. Er lächelte sacht und verschränkte langsam die Arme. Da ging die Beifahrertür schwungvoll auf und er zuckte aus seinen Gedanken hoch. Lotte ließ sich plump in den Sitz fallen und schlug die Tür zu, dann drehte sie ihren Kopf zu ihm.
„Das ist kein Panzer“, sagte Seffe.
„Von mir aus können wir jetzt weiter.“
Wortlos sah sie Seffe einen Moment an, dann startete er wieder den Motor.
Lotte beobachtete seine Bewegungen und grinste heimlich. Er wirkte ziemlich cool, wenn er das Lenkrad mit nur einer Hand drehte. Ohnehin schien er sich gerne um sein Äußeres zu kümmern. Natürlich hatte sie mitbekommen, dass er im Spiegel seine Wunde angesehen hatte.
Auf dem Aufbringer zur Autobahn fuhr Seffe die Gänge des kleinen Toyotas besonders hoch aus. Lotte stellte fest, dass die Beschleunigung des Wagens nicht von schlechten Eltern war, das hatte sie gar nicht erwartet. Sie blickte zu Seffe, der wieder die Musik lauter drehte und seufzte. Besonders gesprächig war er gerade nicht. Die Autobahn ging bergab und folgte einer langgezogenen Kurve. Seffe gab dem Starlet ordentlich die Sporen und die Windgeräusche in dem Fahrzeug wurden lauter. Lotte lunzte auf das Tacho, dessen Zeiger auf 190 zeigte.
“Boah, Seffe! Musst du so rasen?“ Sie schüttelte ihren Kopf und übertönte die Musik, worauf Seffe das Radio noch lauter drehte. Rammstein war am besten, wenn man sie laut hörte. Dann bekam er von Lotte einen Schlag gegen Brust und sie drehte die Musik wieder leiser.
„Wenn du so fährst, baust du noch einen Unfall oder der Motor platzt!“
Seffe lachte kurz auf. „Bleib locker, es ist doch alles frei.“
„Hat das Teil überhaupt Airbags?“
Er schüttelte den Kopf und Lotte verschränkte die Arme.
„Außerdem klappert hier irgendetwas.“
Mit einem Augenrollen ließ Seffe die Geschwindigkeit auf 160 km/h fallen. „Am Auspuff fehlt `ne Schelle. Ich kam noch nicht dazu das wieder zu befestigen.“
„Na toll auch.“ Grimmig blickte Lotte starr nach vorne und Seffe amüsierte sich über ihren Gesichtsausdruck.

Bald erreichten sie Prismania. Im Stadtverkehr wurde Seffe von Lotte ständig ermahnt, mehr Sicherheitsabstand zu halten. Zitrone wurde wach, als die zwei immer lauter wurden und schüttelte sich. Um was ging es genau? Sie blinzelte Pudding an, welcher an der Scheibe klebte und sich neugierig die großen Häuser ansah. Ditto ignorierte die Streitlohgocks [Streithähne] einfach und schien verträumt zu grinsen. Plötzlich wurde das Auto in eine Rechtskurve gerissen. Die Reifen quietschten und die Pokémon flogen über die Rücksitzbank. Das Heck des Auto brach kurz aus und andere Verkehrsteilnehmer hupten sie an. Dank dem sportlichen Fahrwerk, behielt der Toyota die Spur und fädelte sich ruckartig wieder ein, um ruhig einer Allee entlang zu rollen.
„Seffe! Sag mal spinnst du?“ Lotte hatte sich bei dem Drift an den Haltegriff über der Autotür geklammert.
„Wenn du nicht die ganze Zeit mit mir diskutieren würdest, hätte ich gerade nicht fast die Abfahrt verpasst!“ Seffe blickte sie nicht an. Mit seinen Händen umgriff er fester das Lenkrad und zog seine Brauen zusammen.
„Du hättest auch einfach irgendwo normal drehen können, aber nein! Du bringst uns lieber fast um!“
Wütend sahen sie sich kurz an. Zitrone lag mit verdrehten Augen auf dem Rücken und Pudding war über ihr zerflossen. Sie guckte sich kurz um und sprang auf alle Viere. Dann stellte sie ihre Ohren, in Richtung der Trainer, auf.
„Quatsch! Ich weiß schon, was ich tue! Halt einfach deine Klappe, wenn ich fahre!“ Seffe schnaufte und blickte in den Rückspiegel. Hinter ihm war keiner. Da hob er einen Mundwinkel in die Höhe und bremste so hart, dass der Toyota das Heck hob.
Mit einem kurzen Aufschrei flog Zitrone nach vorne, dotzte an den Rücken des Fahrersitzes und fiel in den hinteren Fußraum. Dann landete Pudding auf ihr und zerfloss erneut über ihr.
Unsanft legte Seffe den Rückwärtsgang ein und parkte schwungvoll sowie nahezu perfekt auf einem freien Platz. Lotte japste kurz, da sie so in den Gurt geworfen wurde und blickte Seffe vorwurfsvoll an. Doch sie wurde nur angegrinst und er drehte den Schlüssel, um den Motor aus zu machen. Mit einem Zischen stieg sie aus.
Seffe konnte es sich nicht verkneifen, ihr dabei auf den Po zu gucken, da sprang Zitrone auf seine Schulter.
„Pikaaaa! Pi pi pikachu!“ Sie schüttelte den Kopf und verschränkte ihre Ärmchen. Pudding umgriff verdattert Seffes Ärmel.
Seffe lächelte Zitrone entschuldigend zu, dann stieg er mit den Pokémon aus und schloss das Auto ab. Lotte schnaufte extra laut, als er sich neben sie stellte. Er spuckte den alten Kaugummi auf die Straße und steckte sich einen neuen in den Mund. Genervt blickte sie zu ihm und er hielt ihr schief lächelnd das Päckchen hin. Lotte warf ihren Kopf zur Seite und kreuzte die Arme.
Seffe zuckte mit den Schultern und ging langsam die Straße herunter. Pudding klebte an seinem Rücken. Zitrone sprang von ihm herunter und hoppelte ihm hinterher. Lotte folgte mit grimmiger Mine.

Sie liefen auf dem parallelen Bürgersteig der Hauptstraße entlang und rechts neben ihnen lag der Park.
„Wo gehen wir hin? Im Park wäre es schöner“, sagte Lotte. In ihrer Stimme konnte man ihre schlechte Laune heraus filtern.
„Hier muss irgendwo das Auto von Matze stehen.“ Kaum hatte Seffe es ausgesprochen, da konnte er auch schon das grüne Dach des Audis erkennen und zeigte darauf.
Lotte zog die Brauen zusammen. „Weißt du wo er wohnt?“
Der andere schüttelte nur den Kopf und blieb stehen.
„Und jetzt? Bewachen wir das Auto bis er irgendwann damit weg fahren will?“
Nachdenklich sah Seffe die Straße herunter. „Er muss hier ganz in der Nähe wohnen. Sein Auto stand das letzte Mal auch hier und dort bin ich ihm begegnet.“ Dabei zeigte er auf die Bushaltestelle und Lotte sah zu ihm hoch.
„Seit wann kennt ihr euch?“
„Ich habe ihn, kurz bevor du deinen zweiten Orden bekommen hast, das erste Mal getroffen. Ohne ihn wäre ich so schnell gar nicht zu dir gekommen.“
Lotte hob eine Braue und schüttelte leicht den Kopf. Seffe holte seinen Pokédex aus seiner inneren Jackentasche und suchte die Nummer von Matze heraus. Er fuhr sich durch seine Haare, als er den Pokédex an sein Ohr nahm. Lotte verschränkte die Arme und blickte mit verzogenem Mund auf den Park. Seine kühle, arrogante Art würde sie wahrscheinlich bald wahnsinnig machen. Warum nochmal wollte sie unbedingt mit ihm gehen?
„Verdammt!“, stieß Seffe aus und sie guckte wieder zu ihm. „Der geht natürlich nicht dran.“
Lotte überlegte die Klingeln ab zu gehen und wollte gerade von ihrer Idee erzählen, da war er bereits verschwunden. Suchend sah sie sich nach ihm um. Seffe war weiter gen Park gegangen. Pikachu war auf halbem Wege stehen geblieben und sah mit aufgestellten Ohren zu dem Mädchen. Lotte rannte hinter ihm her und zog ihn barsch am Arm zurück. Der Ältere stoppte und sah genervt auf sie herunter.
„Man, Seffe! Hör gefälligst auf, so zu tun, als wärst du alleine!“
Vielsagende Blicke wurden getauscht, bis Zitrone dazwischen ging und mit beiden lauthals schimpfte. Sie sollten aufhören zu streiten, das wurde aus der Gestik des kleinen Pokémon klar. Zitrone sah sie strafend an und ließ ihre Ohren hängen. Seffe seufzte.
„Ich werde gleich nochmal versuchen Matze anzurufen.“
„Wir können auch die Klingeln abgehen.“
„Das kannst du gerne machen. Matthias Theurer heißt er. Ich setze mich so lange in ein Café.“ Seffe lächelte ihr kurz fies zu, dann schlenderte er langsam weiter.
Lotte schnaufte und murmelte etwas Unverständliches, ehe sie ihm folgte. Zitrone rollte mit den Augen, hoffentlich würde es bei den Zickereien nicht bleiben.

Es waren einige Leute nachmittags im Park unterwegs und Seffes ging mit Lotte auf das kleine Café zu.
„Wenn ich einen Kaffee hab, werde ich versuchen ihn nochmal anzurufen.“
Lotte verzog nur ihren Mund. Sie beobachteten die Leute. Vor ihnen lag ein Spielplatz mit spielenden Kindern und Pokémon darauf.
„Ich bin ihm auch in Orania begegnet,“ sagte Seffe und Lotte sah an ihm hoch. „Pudding hat sich irgendwie komisch verhalten, als er ihn gesehen hat.“ Seffe hob eine Hand an seine Wangen und fuhr sich seinen leichten Bart entlang.
Lotte wirkte ebenfalls nachdenklich und steckte ihre Hände in ihre hinteren Jeanstaschen.

Sie waren nur noch knapp zehn Meter von dem Spielplatz entfernt und konnten schon sehen, dass das Café noch ein paar freie Tische hatte. Das Wetter war mild. Die Sonne schien und ein paar Schäfchenwolken waren am Himmel.
Ein Enekoro rannte in ihre Richtung. Erst registrierten sie es nicht richtig, bis es auf Seffe zusteuerte und noch mehr beschleunigte. Dieser stockte und sah auf das Pokémon was plötzlich direkt auf ihn zusprang. Es landete auf ihm und hielt sich an seinen Schultern fest. Seffe stolperte ein paar Schritte, bei dem Stoß zurück, ehe er wieder ruhig stand und fragend der großen Katze in die Augen blickte. Enekoro drückte ihm einen Kuss auf die Wange, schnappte seine Brille und stieß sich von ihm ab, um schnell wieder weg zu rennen. Es war zu plötzlich, als dass einer hätte reagieren können.
„Hey! Verdammt, was soll das? Komm zurück“, rief er laut und hob eine Faust in die Höhe. Lotte blinzelte nur. Das Enekoro verschwand in der großen Holzkletterburg des Spielplatzes.
„Pika-pika!“, sagte Zitrone, sie blickte Enekoro mit aufgestellten Ohren nach.
Seffe hob die Arme zur Seite, ehe er sie kreuzte und seufzend die Augen schloss.
„Komm, lass uns deine Brille zurück holen!“ Lotte zeigte in die Richtung.
Pikachu ergriff die Initiative und rannte Enekoro hinterher. Doch Seffe wirkte unsicher. Er blickte zu Lotte und verengte die Augen. Er erkannte den verschwommenen roten Umsiss ihrer Haarpracht und Zitrone wurde als gelber Punkt immer kleiner, bis sie ganz verschwand. Seffe kniff seine Augen zusammen und hielt sich die Hand vors Gesicht. Ihm wurde schwindelig.
Lotte hob beide Brauen und lachte. „Bist du echt so blind?“
Seffe verzog den Mund. „Nein, ich trage die Brille nur aus Spaß.“ Er hatte seine Augen wieder geöffnet und guckte verkniffen zu ihr.
Zitrone sprang gerade in ein Fenster der Kletterburg herein. Sie blickte sich um. Es war sehr verwinkelt. Sie lauschte und hörte es hinter einer Wand kruscheln. Mit aufgestellten Ohren und in die Höhe gestrecktem Schwänzchen tippelte sie vor und suchte Enekoro.
„Warum holst du dir keine Kontaktlinsen? Ohne Brille siehst du besser aus“, sagte Lotte und lachte kurz. Seffe verschränkte seine Arme und stelle die Brauen schief. „Stimmt. Du siehst jetzt auch besser aus.“
Lotte öffnete ihren Mund. Doch ihr fiel kein Konter ein. Sie schüttelte ihren Kopf und kniff Seffe in den Arm. „Danke auch!“
Seffe verzog dabei nur sein Gesicht und nahm die Strafe hin. Ohne Brille war er aufgeschmissen. Er blickte nach unten und hoffte Zitrone würde ihm das Gestell bald zurück bringen.
Lotte beobachtete ihn und seufzte. Dann packte sie seinen Arm und zog ihn mit sich. „Na, komm. Wir kriegen deine blöde Brille schon wieder zurück.“
Seffe lief ihr unsicher hinter her und zuckte heftig zusammen, als er von hinten gepackt wurde. Lotte wandte sich mit fragendem Blick zu ihm, als er ruckartig stehen blieb und schwungvoll eine Person vor ihn sprang.
„Seffe! Ich glaub´s nicht! Jetzt treffen wir uns doch tatsächlich noch einmal! Das muss Schicksal sein!“
Eine junge Frau stand vor ihm. Sie hatte halblange, hellbraune Haaren und Lottes Blick wurde skeptisch. Es war eindeutig eine Trainerin und sie fiel Seffe um den Hals. Seffe hob verdutzt seine Brauen. Das Parfüm kam ihm so bekannt vor.
Lotte stemmte ihre Hände in die Hüfte. Die Trainerin umarmte ihn, für ihren Geschmack, etwas zu lange.
Seffe versuchte sie wieder los zu werden und schubste sie leicht von sich weg. „Ich, ehm, sorry?“
Die Frau war, wie er, etwas alternativ gekleidet, sie trug legere Schuhe, eine Röhrenjeans und ein Oberteil mit einem bunten Aufdruck darauf. Dazu hatte sie viele Accessoires an, welche ihren Stil interessanter wirken ließen.
„Du erinnerst dich nicht an mich? Wir haben gegeneinander gekämpft, noch bevor du im Hypercup warst. Ich habe all deine Kämpfe im Fernsehen verfolgt! Deine Leistung war einfach klasse! Deine Monster sind so unglaublich stark und wie du sie kontrollierst!“ Die Frau mit den braunen Haare hatte ihre Fäuste vor sich gehoben und trippelte kurz auf der Stelle.
Lotte hob ihre Brauen und legte den Kopf schief. Scheinbar war sie nur ein Fangirl. Oder war zwischen den beiden mehr gelaufen? Lotte sah von ihr zu Seffe und wieder zurück. Vom Stil her passten sie zusammen. Oder imitierte die andere Seffe auf eine gewisse Weise? Lotte glotze die Frau wortwörtlich an, doch von ihr wurde sie ignoriert.
„Seffe, mal wirklich: Erinnerst du dich nicht mehr an mich?“ Die Frau wippte dabei lasziv mit ihren Schultern und der Hüfte.
Seffe legte die Brauen schief. „Komm mal näher, ich erkenne ohne Brille einfach nicht viel.“
Die Frau tat dies und kam so ihm näher. Seffe roch wieder ihr Parfüm. Der süßliche Duft von Himmibeeren.
„Sabrina?“, sagte er und die Frau lächelte breit. Sie kam ihm so nah, dass sich ihre Nasenspitzen fast berührten und Seffe sah der Frau in ihre braunen Augen. Sabrina zwinkerte ihm zu und formte einen Kussmund, worauf Seffe wieder einen Schritt zurück trat und sich verlegen im Nacken kratzte. Lotte verzog ihren Mund und stechende Blicke trafen Sabrina.
„Als ich dich das letzte mal gesehen habe, war dein Enekoro noch ein Eneko“, sagte Seffe und verschränkte seine Arme. „Es hat übrigens meine Brille geklaut!“
„Oh-hahahaha. Wir können ja um deine Brille kämpfen!“ Sie schmiss ihre halblangen Haare zurück.
Seffe zog die Augenbrauen zusammen. „Die bräuchte ich schon vorher zurück.“
In dem Moment gab es ein kurzes Blitzgewitter in der Spieleburg und Enekoro sprang in hohem Bogen aus dem Fenster. Es landete im Sand und schüttelte sich, dann rannte es auf seine Trainerin zu. Schnurrend schmiegte sich die beige Katze um ihr Bein. Sie hatte große, violette Ohren und eine gleichfarbige Puschelquaste. Es wirkte so, als hätte sie einen violetten Schal mit Bommeln um, doch der gehörte zu ihrem Fell. Sie streckte sich ihrer Trainerin entgegen, die ihr die Brille aus dem Mäulchen nahm und sie Seffe zurückgab.
Jetzt sprang auch Zitrone laut meckernd aus der Burg. Sie hielt zwischen Lotte und Seffe und schimpfte weiter auf Enekoro ein.
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„Ach was, sie hat es doch nicht so gemeint.“ Sabrina lachte kurz und griff sich durch ihre Haare. „Enekoro findet Seffe nur genau so niedlich wie ich“, sagte sie zu dem Pikachu, dann wandte sie sich wieder zu Seffe. „Aber sag, woher hast du dir diese furchtbare Kopfverletzung zugezogen?“
Seffe hielt seine Brille ins Licht, die Gläser waren total verschmiert und er versuchte sie mit seinem Shirt etwas sauber zu machen, bevor er sie wieder aufsetzte und zu Sabrina guckte. Dann hob er eine Braue und presste die Lippen aufeinander.
Sabrinas Augen glänzten vor Freude und sie blinzelte ihn verliebt an. Lotte räusperte sich und stellte sich neben Seffe. Zitrone blinzelte verwirrt von einem zum anderen.
„Oh.“ Sabrina hob einen Finger an ihre Lippen. „Wie unfreundlich von mir. Hallo auch.“ Sie lächelte Lotte zu, doch die sah sie nur unberührt an.
„Hallo“, sagte Lotte und sogleich duellierten sich die Frauen mit stechenden Blicken.
Seffe räusperte sich, setzte ein charmantestes Lächeln auf und hob seine Hände schlichtend in Sabrinas Richtung. „Du Sabrina, wir sind eigentlich gerade auf dem Sprung und etwas in Eile.“
Er konnte nicht aus sprechen, da fiel ihm Sabrina ins Wort. „Wohin des Weges?“
Seffe drehte seinen Kopf zu Lotte, deren finsterer Blick Bände sprach und er sah wieder ab von ihr. Auf ihre Hilfe, eine Ausrede zu finden, konnte er jetzt wohl verzichten. „Wir wollen uns ins Café setzen“, konnte er jetzt schlecht antworten und verzog leicht seine Brauen.
„Wir wollen wen besuchen“, sagte Lotte, krempelte den Ärmel ihres Pummeluff-Pullis hoch, um auf ihre, dazu passende, Pummeluff-Uhr zu sehen.
Sabrina hob ihre Brauen und suchte Seffes Blickkontakt, der ihren eher vermeiden wollte. „Ziehst du etwa mit der Kleinen umher?“
Ein unwohles Gefühl kam in Seffe auf und er blickte gezwungen zur Seite. Musste es ausgerechnet Sabrina sein? Sie wusste ihren Platz scheinbar immer noch nicht einzuordnen. Eigentlich hatte er gedacht, die Fronten damals geklärt zu haben. Sie war schwer verliebt in ihn gewesen und ist ihm wortwörtlich hinterher gerannt. Immer wieder hatte sie ihn bedrängt, mit ihr auf Pokémon-Reise zu gehen. Doch er lehnte immer ab. Dummer Weise hatte er auch mal etwas mehr mit ihr am Laufen.
„Ja, wir sind zusammen auf der Durchreise!“ Lotte hatte das Wort ergriffen und blickte zu Seffe, der die Luft anhielt.
Sabrina stemmte eine Hand in ihre Hüfte. „Ach was. Mir hast du damals noch gesagt, du kannst kein Mädchen an deiner Seite gebrauchen.“
Ruckartig blickte Lotte zu Seffe, welcher versuchte seine Mimik zu beherrschen und den Finger hob.
„Hey, ganz so auch nicht! Außerdem hab ich keine Lust schon wieder darüber zu diskutieren.“
„Pika-pika!“ Zitrone sprang auf die Schulter ihres Trainers und schüttelte den Kopf in Sabrinas Richtung.
„Jaaa, natürlich! Und noch immer hast du dein ach-so-niedliches Pikachu an der Seite! Warum entwickelst du es nicht? Du weißt doch genau wie du die Herzen von jungen Mädchen stiehlst. Du bist ein alter Womanizer!“ Sabrina schmiss ihren Kopf zur Seite und seufzte tief. „Aber so bist du wohl.“
Seffe ließ seine Brauen sinken. Egal was er jetzt sagen würde: Es wäre falsch! Lotte wirkte nachdenklich und biss sich auf ihre Unterlippe. Als sie Seffes Blick bemerkte, funkelte sie ihn an und er seufzte unhörbar
„Okay, es reicht, Sabrina. Lass uns kämpfen!“ Er griff an seinen Gürtel und machte den Hyperball ab.
Sabrina blickte an ihm hoch und runter und verzog ihren Mund. „Na klar, bestimmend wie immer. Vergiss´ es, Seffe! Ich will gegen sie kämpfen!“ Dabei drehte sie ihren Kopf langsam zu Lotte. „Schauen wir doch mal, ob du ihm überhaupt würdig bist!“
Seffe hob leicht sein Kinn und steckte seine Daumen in die vorderen Hosentaschen. „Na dann! Ich bin Schiedsrichter. Zwei mal eins gegen eins! Falls es einen Gleichstand geben sollte, bleibt es dabei und ihr könnt euch weiter hier angiften. Möge der Mädchenkrieg beginnen.“ Er machte eine theatralische Handbewegung, dass sie fortfahren sollten und wandte sich um. Dann schlenderte er zu der Parkbank gegenüber, setzte sich und faltete die Hände hinter seinem Kopf zusammen. Dabei lächelte er süffisant zu den beiden Trainerinnen. Eigentlich war er froh, aus der Sache draußen zu sein.
Zitrone ging ihm nach und setzte sich neben ihn. Sie beobachtete ihren Trainer, was sie leise seufzen lies. Manchmal könnte er wirklich etwas einfühlsamer sein. Doch sie hob ihre Mundwinkel in die Höhe und nickte Lotte zu. Sie war sich sicher, dass Seffe sie sehr mochte. Gut konnte sie sich daran erinnern, wie nervend und klammernd Sabrina gewesen war. Ihre Aktionen waren oft von Eifersucht geplagt gewesen.
Ditto kroch an Seffes Jacke herum und piepte belustigt.
Die Frauen guckten ihm empört nach und sahen sich dann vielsagend an.
„Er kann so ein Macho sein. Lass dir von dem bloß nicht alles gefallen!“, sagte Sabrina, dann hüpfte sie mehrmals schwungvoll nach hinten, bis sie einige Meter Abstand hatte. Mit entschlossenem Blick hob sie ihre Hand und Enekoro sprang vor sie. Mit geduckter Haltung und zurück gelegten Ohren, wackelte es mit der Rute.
Lotte griff an ihren Gürtel und warf einen Pokéball in die Höhe. Fridolin baute sich vor Enekoro auf. Das riesige, rosafarbene Nidoking schrie laut und stampfte mit den Füßen auf dem Boden, der dabei anfing leicht zu beben.
(Lied zum rein interpretieren... ^^ https://www.youtube.com/watch?v=IRsc57n ... FsrQ6Lfh4n )
Sabrina grinste nur und nickte, im nächsten Moment riefen beide Trainerinnen ihren Monstern die erste Attacke zu. Nidoking schnaubte und nahm Anlauf, er senkte seinen Kopf und wollte Enekoro mit der Hornattacke treffen. Doch die Katze wich aus und schlug ihn ein paar Mal mit ihrer Rute. Gerade wollte Nidoking erneut mit dem Horn auf sie losgehen, da setzte sie ihren Charme ein und der Riese stockte kurz.
Seffe rollte nur mit den Augen, das fing ja schon wieder gut an. Lotte schien keine Taktik zu haben, sie ging immer direkt in die Offensive. Im Gegensatz zu Sabrina.
„Oh man, Lotte. Denk nach!“, murmelte er leise und Zitrone guckte aus den Augenwinkeln zu ihm, dabei wackelte sie mit einem Ohr.
Nun bekam Enekoro den ersten Angriff genannt. Seine violetten Augen fingen an zu leuchten, dann rannte es auf Nidoking zu, um ihn mit dem Zen-Kopfstoß zu treffen. Erschrocken riss Lotte die Augen auf. Das große rosafarbene Pokémon war zu langsam zum Ausweichen und bekam den leuchtenden Kopf des Enekoros in die Brust gerammt. Mit einem tiefen Grollen fiel Fridolin rückwärts um.
Ein paar Schaulustige blieben, um sie herum, stehen und bildeten einen Halbkreis.
Zitrone sprang von der Bank und rief Fridolin etwas zu. Seffe verzog seinen Mund und verschränkte die Arme.
Lotte war zur Seite gewichen, weil das Gift-Boden-Monster sonst auf sie gefallen wäre. Doch sie hatte Seffes Blicke bemerkt, sie könne sich jetzt nicht wieder eine Niederlage mit Nidoking leisten. Enekoro stand siegessicher auf Nidokings Brust und maunzte laut, während das große gepanzerte Monster noch immer etwas benommen am Boden lag.
Sabrina lachte kurz. „Nochmal Rutenschlag, dann spring ab von ihm und setz den Eisstrahl ein!“
„Fridolin, schnapp` es dir mit Durchbruch! Schnell!“, rief Lotte dazwischen. Das große Pokémon hob seinen nashornartigen Kopf, schnaubte und bekam erneut Enekoros Puschelquaste durchs Gesicht geschleudert. Doch sogleich hatte es die Katze mit festem Griff im Nacken gepackt.
„Eneeeee“, schrie das Monster und zappelte wild umher. Schwerfällig wandte sich Fridolin zur Seite und rammte das zierliche Wesen kraftvoll in den Boden.
Pikachu verzog das Gesicht bei dem Aufprall.
Seffes hatte sich vor gelehnt, seine Ellbogen stützte er auf seinen Knien ab und hatte die Arme so überschlagen, dass eine Hände ebenfalls die Knie berührten. Ein leichtes Lächeln lag über seinen Lippen. „Das war ein guter Zug, Lotte. Du hast nicht nur schnell reagiert, sondern auch den Attacken-Element-Vorteil genutzt“, dachte er sich und nickte kaum merklich.
Die fremden Zuschauer vermehrten sich von Minute zu Minute.
Fridolin hatte sich wieder auf seine Hinterbeine gestellt und war etwas von Enekoro zurückgegangen. Siegessicher und in Kampfposition sah er auf die Katze herab, welche im Dreck lag und versuchte sich auf zu rappeln.
Sabrina blickte besorgt zu ihrem Katzen-Pokémon. „Enekoro, kannst du noch?“
Sogleich hob ihr Pokémon den Kopf. „Korooo! Enekoro!“
Seine Trainerin nickte nur. „Eisstrahl!“
Lotte riss die Augen auf, sie hatte erwartet die Katze würde gleich umfallen.
„Konter!“, schrie sie direkt danach und zeigte nach vorne.
Enekoro öffnete weit das Maul und heraus kam ein eisig, glänzender Strahl geschossen. Fridolin kreuzte seine Arme und nahm sie schützend vor sich. Er setzte sich langsam in Bewegung und wurde immer schneller. Er kämpfte gegen die Kälte an, welche an seinen Armen abprallte und sich über den Rest seines Körpers verteilte. Sie tat ihm bis in die Knochen weh, doch der Schmerz spornte ihn gleichzeitig an. Mit einem lauten Schrei stieß er sich nach vorne ab und rammte Enekoro hart mit dem Kopf. Dabei schleuderte er das Katzenwesen weit weg. Fridolin fiel dabei schnaubend auf seinem Bauch und blieb schwer atmend liegen.
Lotte hatte ihre Hände vor sich zu Fäusten geballt. „Fridolin! Oh nein!“
Seffe stand auf. Er hob die Hand und zählte einen Countdown von 10 herunter.
Fridolin kniete wieder und stützte sich auf seine Hände.
Enekoro blieb ohnmächtig liegen und Seffe senkte seine Hand wieder und zeigte auf die Katze. „Enekoro ist besiegt!“
Sabrina zog mit finsterem Blick ihr Pokémon zurück.
Seffe blickte in die Richtung von Nidoking. „Du schaffst noch mehr, Fridolin!“, dachte er sich und als ob das Monster ihn hätte hören können, sah es zu ihm.
Lotte bekam dies mit und hob verwundert ihre Brauen. Seffe lächelte Nidoking an und nickte leicht, worauf das Monster kurz schnaubte und schließlich wieder stand. Fridolin schüttelte sich. Sein Blick war entschlossen. An seiner schuppigen Haut, konnte man dunkle Stellen erkennen. Es waren die Wunden die das Eis hinterlassen hatte. Doch es stimmte. Er würde noch mehr schaffen und das große Monster brüllte tief.
„Nidoooo! King!“ Es stampfte kraftvoll mit einem Fuß auf.
Lotte blinzelte nur und sah noch einmal zu Seffe, dann nickte auch sie. Sie würde auf jeden Fall gewinnen.
Sabrina verzog ihr Gesicht und sah finster zu Seffe. Sie wusste nicht genau, wie er das immer tat, aber er konnte den Monstern nur durch Blicke Mut schenken und scheinbar funktionierte das auch bei seiner kleinen Freundin. Dann fing sie an zu grinsen. Sie würde auf jeden Fall gewinnen.
„Rossana, du bist dran, meine Schöne!“
Seffe behielt sein geheimnisvolles Lächeln und schüttelte den Kopf. Sabrina hatte eine Vorliebe für die Elemente Psycho und Eis, die Rossana wunderbar kombinierte. Damals war sie noch ein kleines niedliches Kussilla gewesen. Nidoking würde bei den Aussichten mit Sicherheit zu Boden gehen. Nichts desto trotz hätte Lotte noch die Chance Rossana noch ein paar Treffer zu verpassen.
Pikachu stand angespannt auf allen vier Beinen. „Pika! Pika pika pikachu!“, rief sie und ihre Wangen blitzten leicht.
Seffe setzte sich wieder auf die Bank und Ditto guckte auf seiner Schulter nach vorne.
Rossana fing an, mit einem reizenden Hüftschwung, Nidoking zu bezirzen. Sie sah fast aus wie ein Mensch. Lange, blonde Haare fielen über ihre Schultern und sie stand aufrecht. Sie hatte einen wohlgeformten, vollen Knutschmund, jedoch keine Nase und starrende, große Augen. Sie trug ein rotes Kleid und hatte korpulente, frauliche Rundungen. Ihre prallen Brüste wackelten jedes mal auf und ab, wenn sie verführerisch mit ihren Hüften schwang. Nidoking hob seinen Kopf und schnaubte, er würde ihrer Anziehung nicht so leicht nicht erliegen.
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Lotte nickte nur. „Flammenwurf.“ Zum Glück hatte sie ihm ein gutes Repertoire an Attacken beigebracht. Als ob Sabrina so etwas erwartet hätte, rief sie die Attacke Regentanz aus und Rossana fing an sinnlich zu tanzen.
Nidoking holte tief Luft und öffnete sein Maul, doch im selben Moment begann es wie aus Eimern zu schütten. Als der Flammenstrahl aus Nidokings Maul kam, wurden die Flammen beim Anflug immer schwächer und Rossana hielt schützend die Hände vor ihr Antlitz.
Seffe stöhnte auf, er hatte jetzt wahrlich keine Lust auf Regen. Er hasste generell wetterverändernde Attacken, sie waren immer unangenehm.
Ditto piepte und kroch auf seinen Kopf, dann ließ es sich als Regencape über ihn fallen. Verwundert sah Seffe um sich herum, ehe er lachen musste und Pudding den Daumen hoch zeigte.
„Bitterkuss, Rossana! Und dann Eishieb!“ Sabrina hüpfte auf der stelle und Lotte zog die Brauen zusammen. Rossana ging fast schwebend auf ihr Nidoking zu. Sie packte seinen Nashornkopf und drückte ihm einen Schmatzer direkt auf die Nase. Fridolin stand leicht gebückt zu ihr und blinzelte verwirrt, ehe er eine eisige Backpfeife von ihr verpasst bekam. Sein Kopf wurde zur Seite gehauen, doch im nächsten Moment hatte er Rossana am Arm gepackt und sah langsam und böse zu ihr.
„Sehr gut, Frido! Konter nochmal!“, rief ihm Lotte zu.
Tief blickten sich Nidoking und Rossana in die Augen. Wassertropfen liefen über ihre Gesichter. Doch es war nicht zu übersehen, dass Rossana hatte einen traurigen, schüchternen Gesichtsausdruck und ein paar Tränen kullerten über ihre Wangen. Trugtränen. Fridolin stockte und verzog seine Brauen. Er konnte einer so hübschen Dame nicht einfach ins Gesicht schlagen.
Seffe ließ seinen Kopf sinken. „Boah, wie mies.“
Zitrone packte mit den Pfoten ihre Ohren und zog sie an sich herunter. „Piiiiiii!“
„Sehr gut, Rosi!“ Sabrina lachte und rief zur nächsten Attacken auf.
Lotte biss ihre Zähne aufeinander und ballte ihre Fäuste. Da bekam Fridolin noch eine kalte Backpfeife. Er ließ den Arm von Rossana wieder los und die Eis-Dame packte ihn an den Ohren. Sie zog ihn herunter in ihre Richtung und drückte ihm einen langanhaltenden, dicken Schmatzer auf die Stirn.
Bei der Attacke Herzstempel riss Nidoking seine Augen weit auf. Ein kurzer, aber intensiver Schmerz pochte in seinem Kopf, dann wurde ihm schwarz vor Augen und er fiel in sich zusammen. Rossana ließ den Riesen wieder los und schwebte rückwärts von ihm weg.
Seffe stand wieder auf. „Nidoking ist besiegt“, sagte er für alle hörbar.
Zitrone schüttelte ihr Köpfchen und Pudding piepte traurig. Lotte schloss die Augen und hob den Ball, um Fridolin zurückzuziehen.
„Tut mir leid, Frido. Und danke, du hast dir echt Mühe gegeben.“ Der Regen hatte allmählich die Wellen aus ihren Haaren gespült. Ihre Arme ließ sie einfach zur Seite hängen und hielt ihren Kopf gesenkt.
„Was ist los? Auf in die zweite Runde!“ Sabrina schüttelte kurz ihren Kopf und die Wassertropfen flogen um sie herum aus ihren Haaren. Ihr Rossana war noch voller Kraft und die Kleine hatte merklich noch nicht allzu viel Erfahrung im Kampf.
Lotte umfasste langsam den rosafarbenen Ball mit den Herzchen darauf und sah ihn skeptisch an, da sprang Zitrone auf sie zu.
„Pikachu! Pika pika pi!“, rief der Elektronager und stellte sich vor Lotte. Das Pikachu drehte ihren Kopf zu ihr und nickte. Dann blickte es nach vorne und legte ihre Ohren aufmerksam nach hinten in Lottes Richtung.
Seffe hob nur eine Braue und sah mindestens genau so überrascht zu seinem Monster, wie auch Lotte.
„Du willst echt für mich kämpfen?“, fragte Lotte und lächelte dankbar. Zitrones Wangen fingen an Blitze zu werfen. Sie wollte nicht, dass sich eine Niederlage gegen Sabrina eingestehen musste.
Sabrina stand mit offenem Mund da, stemmte ihre Hände in die Hüfte und blickte mit verengten Augen zu Seffe.
Dieser hob die durchsichtige, rosafarbene Kapuze des Regencape leicht an und zuckte mit den Schultern. Er tat eine schweifende Handbewegung und legte seine Brauen schief. Er würde sich allmählich daran gewöhnen, dass Zitrone ihm, im Kampf, fremd ging. Er setzte sich wieder auf die Kante der Bank und hob eine Hand an sein Kinn. Hielt Zitrone schon so viel von Lotte? Die Mütze des Regencapes piepte kurz erfreut und er blickte nach oben, zu den Kieselsteinaugen.
„Okay, Zitrone! Dann machen wir jetzt erstmal ein ordentliches Gewitter! Donner!“ Lotte grinste entschlossenem und Sabrina riss die Augen auf. Sie wusste nur zu gut, wie stark das kleine Elektro-Wesen war.
„Schutzschild, Rosi!“
Rossana baute eine reflektierende Glasscheibe vor sich auf, während die Wolken am Himmel zusammen zogen. Zu dem gießenden Regen fing es an tief zu grollen und zu blitzen. Pikachus magentafarbene Wangen knisterten immer stärker und es sprang in die Luft. Ein Blitz schlug in das kleine Pikachu ein und ummantelte es. Zitrone absorbierte die komplette elektrische Ladung.
„Chuuuuuuuuuuu!“, rief Zitrone angestrengt und leitete den Donner auf Rossana um.
Der Reflektor vor Rossana zersprang in winzige Scherben, die glitzernd zu allen Seiten flogen. Rossana verkrampfte und schrie schmerzerfüllt auf. Langsam ließ die Attacke nach und sie blickte erbost auf das gelbe Wesen. Über ihnen fing es nun an heftig zu gewittern.
Seffe hatte seine Brauen zusammen gezogen und lächelte. Das Blatt hatte sich gewendet und Lotte hatte nun eine gute Chance zu gewinnen. Er stand auf und ballte eine Faust. Die Mütze seines Regencapes beobachtete gespannt den Kampf und piepte immer wieder.
Die Blitze, die stetig aus dem Himmel stießen, wurden allesamt von Zitrone absorbiert. Angespannt hielt sie ihre gezackte Rute mit der Herzform am Ende in die Höhe.
Lotte grinste breit und gefährlich. Mittlerweile lief ihr das Wasser den Nacken herunter. Auch die Leute, welche dem Kampf folgten, versuchten sich vor dem Regenguss zu schützen.
„Hagelsturm!“, rief Sabrina Rossana zu. Es sollte wohl der letzte Kick des tobenden Unwetters sein. Das humanoide Monster fing an mit den Hüften zu wackeln, ihre Brüste hüpften dabei auf und ab und sogleich kam zu dem Gewitter ein furchtbarer Hagelsturm dazu.
„Piiii!“ Zitrone quietschte und ging in eine kauernde Haltung über. Ihr Fell war vollkommen durchnässt. Sie schlitze ihre Augen, als sie die stechenden Hagelkörner auf ihrem Körper spürte.
Seffe schnaufte und Ditto rollte mit den Augen.
Lotte hielt kurz schützend ihren Arm vor ihr Gesicht, dann zog sie ihre Brauen zusammen und zeigte schwungvoll auf Rossana.
„Agilität und Doppelteam, Zitrone!“
Sie wollte Sabrina nicht noch mehr Zeit schenken, ihr Rossana auf eine weitere starke Eisattacke vor zu bereiten.
Pikachu legte die Ohren zurück fing an, um Rossana herum zu rennen, dabei hinterließ sie eine Menge an Doppelbildern.
„Gedankengut und Blizzard.“
Sabrina wischte sich das Wasser aus ihrem Gesicht und ihre Wimperntusche verschmierte.
Rossana hatte mit ihren schwungvollen Bewegungen kurz die Augen geschlossen. Als sie diese wieder öffnete, drehte sie sich um ihre eigene Achse, so dass ihr Kleid anmutig hoch flog und pustete auf die Pikachus, um sich herum, einen kalten Blizzard.
Die Ebenbilder verschwanden nacheinander und ein einzelnes Wesen wich der Attacke im letzten Moment aus.
„Sehr gut, Zitrone!“ Lotte sprang kurz hoch und schnipste in die Luft. „Jetzt verpass ihr nochmal einen elektrischen Stoß!“
Zitrone war von den Blitzen aufgeladen und ließ gefährlich den Kopf sinken. Um sie herum bildete sich eine Kugel aus Elektrizität, die immer größer wurde.
„Kaaaaaaa!“, schrie das mausartige Wesen und stellte sich auf seine zwei Hinterbeine, dabei streckte es die geballten Pfötchen in die Luft. Ihr Wangen blitzen kurz auf und es ließ der Elektrizität freien Lauf. Der Ladungsstoß breitete sich wie eine gewaltige Druckwelle aus und verteilte sich in alle Richtungen.
Rossana wurde am schwersten getroffen, da sie in unmittelbarer Nähe stand und drehte sich um ihre eigene Achse. Sie zuckte ein paar Mal verkrampft und war nun sichtlich paralysiert.
Die Trainerinnen sowie auch Seffe und der Rest der Zuschauer standen weiter ab und spürten wie die Elektrizität durch ihren Körper floss. Lotte stöhnte auf und wurde sogleich von den stechenden Blicken von Sabrina getroffen.
Der Regen hörte so plötzlich auf, wie er gekommen war und das Unwetter legte sich langsam. Nur noch ein paar einzelne Hagelkörner fielen den Himmel herunter.
„Es reicht langsam!“, rief Sabrina. „Psychokinese, Rosi!“
Zitrone wurde fiepend in die Luft gehoben, dann schrie sie bitterlich auf. Lotte griff sich in ihre nassen Haare und Seffe presste seine Lippen aufeinander.
Zitrone hatte ihre Augen geschlossen und kämpfte gegen die Schmerzen an. In ihr zog sich alles zusammen. Rossanas Psycho-Kräfte waren unheimlich stark. Aber sie würde gewinnen. Auf jeden Fall! Langsam schüttelte Zitrone ihren Kopf, da hörte Rossanas Attacke plötzlich auf. Die Paralyse machte ihr zu schaffen und Zitrone fand sich auf dem Boden wieder.
Das Pikachu taumelte mit zusammen gekniffenen Augen auf allen Vieren und konnte die Schreie von Lotte und den Zuschauern kaum wahrnehmen. Doch dieses Gefühl. Sie spürte, dass Seffe an sie glaubte. Außerdem würde sie durch einen Sieg Lotte und Seffe näher zusammen bringen. Da war sie sich sicher. Zitrone schüttelte ihren Kopf und zwang sich die Augen zu öffnen. Ihre Beinchen zitterten, doch sie stand noch.
Lotte hatte erwartet, dass das Elektro-Pokémon jeden Moment zusammenbrechen würde und machte einen erstaunten Laut.
„Du bist super Zitrone, das bekommst du noch hin! Rossana ist schon fast am Ende.“
Doch was sollte sie dem kleinen Wesen befehlen? Sie wusste kaum eine Attacke von Pikachu und blickte hilfesuchend zu Seffe. Dieser verzog nur die Brauen, er konnte sich jetzt nicht einmischen.
Nun kam die Sonne wieder zum Vorschein und Sabrina hob ihre Hand.
„Rosi! Setz ein Ende mit dem Eishieb!“
Rossana atmete schwer und glitt langsam auf das neongelbe Wesen zu. Sie packte es im Genick und hob es vor sich, dabei starrte sie das Pikachu aus leeren Augen an.
„Nein! Zitrone, wehr´ dich! Tu irgendwas!“, schrie Lotte und hielt ihre Hände an ihre Wangen.
Rossana holte aus und ihre eisige Hand funkelte wie ein Diamant. Da blitzen Pikachus Augen bösartig auf.
„PIKAAA!“, schrie Zitrone und fing an wild zu zappeln. Sie schlug mit allem was sie hatte, kratzte und biss.
Seffe lachte laut auf und schüttelte leicht den Kopf. Zitrone hatte all in ihrer Verzweiflung den Dreschflegel eingesetzt und ging wie wild geworden auf Rossana los. Vor Schreck ließ Rossana den Elektronager fallen. Doch der sprang sofort wieder an ihr hoch.
Zitrone kratzte Rossana an den Armen, im Gesicht und biss ihr in die Brust, schließlich sprang von ihr ab, drehte sich dabei und gab ihr, mit ihrem herzförmigen Schwanzende, eine klatschende Backpfeife.
Die beiden Trainerinnen schrien erschrocken auf. Zitrone landete mit einem Katzenbuckel auf dem Boden und Rossana drehte sich. Dann fiel sie um. Das damenhafte Pokémon blieb mit erhobener Hand an der Stirn auf dem Boden liegen.
„Oh nein! Rosi!“ Sabrina rannte zu ihrem Pokémon und streichelte ihr durch das blonde Haar.
Lottes Blick zeichnete Erleichterung aus und sie rannte auf Pikachu zu. Sie nahm Zitrone hoch und umarmte sie, dabei drückte sie ihr Gesicht in das nasse Fell.
„Danke, Zitrone! Ich danke dir so sehr!“, murmelte sie. Zitrone seufzte erschöpft und schoss die Augen. Sie hatten gewonnen.
Die Leute um sie herum klatschten. Ein paar hatten Wetten abgeschlossen und tauschten Pokédollar aus. Das Regencape von Seffe, verwandelte sich zurück in Ditto, das ihm nun wieder auf der Schulter saß und er ging schmunzelnd auf Lotte zu.
„Das hätte ich nicht erwartet. Das war eine gute Leistung von euch!“, sagte er, während er Zitrone über den Kopf streichelte und Lotte anerkennend zu nickte.
Lotte errötete leicht und wandte sich zu Sabrina. Sie hatte ihr Rossana zurück gerufen und vergebens versucht, ihre Schminke mit den Fingern zu korrigieren. Dann stapfte sie sauer und total durchnässt auf die Beiden zu. Als sie vor ihnen stehen blieb, verschränkte sie ihre Arme und blickte abwechselnd von Lotte zu Seffe.
Seffe hob unsicher seine Augenbrauen, doch Sabrina seufzte nur und ließ ihren Kopf sinken.
„Du hast gut gekämpft. Wenn ein von Seffe trainiertes Pokémon auf dich hört, gehört dir meine Anerkennung. Ich wünsche euch eine gute Reise.“ Langsam guckte sie auf und lächelte Seffe traurig an. Sie konnte sich vorstellen, was er an der Kleinen fand. Sie war mutig und hatte viel Temperament. Dann drehte sie sich um und schlug den Weg zum Pokémon-Center ein.
Seffe blickte ihr nach und seufzte unhörbar, dann sah er wieder zu Lotte, die ihn mit finsterem Blick empfing und er stockte. Pikachu lag noch immer erschöpft in ihren Armen.
„Wie hast du es eigentlich geschafft nicht nass zu werden?“, fragte sie und zog ihre Augenbrauen noch enger zusammen. Seffe hob kurz seine Schultern und ging in ein charmantes Lächeln über.
„Komm, ich lade dich auf den Sieg zu einem Kaffee ein oder was du sonst so magst.“ Ohne zu fragen legte er ihr seine Lederjacke über, damit sie nicht fror. Der kühle Wind vom Hagelsturm wehte noch, obwohl die Sonne am Himmel stand.
Lotte schnaufte, ehe sie Zitrone leicht zu lächelte und ging vor zu dem Café. Gerade wollte Seffe ihr folgen, da blickte er sich um. Hatte sie wer beobachtet?

Sie hatten sich an einen freien Tisch draußen gesetzt und genossen die Sonne. Schnell wurde es so warm, das Lotte Seffe die Jacke zurück gab. Sie fuhr durch und ihre Haare, um sie zu lockern, damit sie besser trocknen konnten. Wie versprochen hatte ihr Seffe einen Kaffee ausgegeben und ein großes Stück Erdbeertorte. Er selber hatte einen Latte Macchiato und ein Stück Käsekuchen. Lotte trank ihren Kaffee schwarz und Seffe sammelte alle Zuckertüten auf dem Tisch, um sie in seinen Kaffee zu kippen. Lotte rümpfte dabei nur die Nase und aß ihren Erdbeerkuchen. Pikachu und Ditto hatten Kekse bekommen und futterten sie aus einem Schälchen am Boden. Als Seffe seinen Kuchen gegessen hatte, lehnte er sich im Stuhl locker nach hinten und beobachtete die Menschen. Suchend wanderte sein Blick durch die Gegend. Er konnte fast über den ganzen Park sehen und wenn er sich umdrehte sogar in die Straße, in der Matze wohnte. Lotte stocherte derweil in ihrer Torte herum und beäugte ihn skeptisch.
„Sag mal, Seffe. Was war das mit Nidoking?“
Der andere hob kaum merklich einen Mundwinkel in die Höhe. „Was meinst du?“
Lotte schnaufte und trommelte kurz mit den Fingern auf dem Tisch. „Du weißt genau was ich meine. Er lag am Boden und hätte aufgegeben und dann guckst du ihn an und er steht wieder auf. Was war das?“
Seffe beäugte Lotte belustigt. „Nidoking hätte noch ein paar Treffer landen können, aber er ist an Rossanas Anziehung gescheitert. Sie gefiel ihm sehr.“
Lotte kaute stumm auf einem Stück Erdbeere herum. Das war nicht die gewünschte Antwort auf ihre Frage gewesen. Seffe tat es ab, aber da steckte doch mehr dahinter, oder? Sie schüttelte den Kopf und kam direkt auf die andere Frage, die ihr schon die ganze Zeit auf der Zunge brannte.
„Stimmt, es was Sabrina gesagt hat?“
Der andere hob gleichzeitig seine Hände und Augenbrauen in die Höhe. „Könntest du aufhören mit solchen Rätselfragen? Ich weiß echt nicht, was du meinst.“
Lotte sah runter zu ihrem Tortenstück. Er wusste es sehr genau. „Du kannst kein Mädchen an deiner Seite gebrauchen?“
Als Antwort bekam sie zuerst ein Schulterzucken. „Ach. Sie ist kompliziert und hat mich genervt.“
„Das ist aber nicht nett, wie du von deiner Ex-Freundin redest.“ Darauf steckte sich Lotte wieder ein Stück ihrer Torte in den Mund.
Seffe sah sie aus den Augenwinkeln an und verzog den Mund. „Wir sind nie feste zusammen gewesen.“ Sogleich ließ er seinen Blick wieder über die Straße schweifen. Er hatte nur einmal eine feste Freundin gehabt und das war schon sehr lange her. Bei dem Gedanken seufzte er leise.
„Aber im Bett war sie gut?“, fragte Lotte und Seffe stockte. Erbost sah er zu ihr.
„Ich kann nicht auf alles Rücksicht nehmen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“
Zitrone zuckte mit den Ohren und blickte strafend zu ihrem Trainer, dann stritt sie mit Pudding um den letzten Keks und teilte ihn in der Mitte. Dann steckte sie ihre Hälfte schnell in ihre Backentasche.
Lottes verzog ihre Brauen und ließ ihren Kopf sinken. Sie würde Seffe wohl weiterhin besser mit Abstand betrachten. Wenn er wollte, konnten die Frauen seinem Charme wahrscheinlich nur schwer widerstehen. Aber auch sie hatte jetzt schon mehrmals die Erfahrung gemacht, dass er sich wie ein Arsch verhalten konnte. Sie seufzte leise und lunzte zu ihm. Als gut aussehender und aufsteigender Pokémon-Trainer boten sich ihm bestimmt genug Möglichkeiten. Er war ein Einzelgänger und das machte ihn interessant. Wahrscheinlich war sie eine von vielen, die versuchten sein Vertrauen zu gewinnen. Grimmig steckte sie sich das letzte Stück Torte in den Mund. Sie gestand sich ein, in ihn verknallt zu sein. Der Gedanke machte sie rasend und genervt kaute sie auf dem letzten Stück Erdbeertorte herum.
Plötzlich sprang Seffe auf und Lotte zuckte hoch.
„Matze!“, rief er laut und Lotte folgte seinem Blick. Auch die Pokémon sahen aufmerksam in die Richtung. Der Mann im karierten Hemd, hätte Seffes lautes Rufen hören müssen, doch tat so, als hätte er sie nicht bemerkt und beschleunigte seinen Schritt. Wütend verzog Seffe sein Gesicht und zählte, ohne hinzusehen, mit den Fingern die Bälle an seinem Gürtel ab. Dann drückte er auf einen drauf und Gengar kam heraus. Der Geist schwebte vor ihm in der Luft und blickte ihn verschlafen an.
„Spook, greif dir Matze!“ Seffe zeigte nach vorne, doch der Geist streckte sich mit einem Gähnen und blinzelte ihn an.
„Jetzt, Spook!!!“, stieß Seffe aus und Lotte zuckte erneut zusammen. Mr. Spook weitete seine Augen und löste sich zu Luft auf.
Ist ja gut. Immer diese Hektik.
Dann nahm er die Verfolgung auf und erschien immer ein paar Meter weiter weg von ihnen.
Seffe legte einen zwanzig Poké-Dollar-Schein auf den Tisch und stellte sein Glas darauf. Mit einer Kopfbewegung zu Lotte, rannte er los. Diese blinzelte kurz, dann sprang auch sie auf und rannte mit Zitrone hinter ihm her.
Pudding wurde sitzen gelassen, verdattert sah es den anderen nach. Dann mutierte es zu einem Pikachu mit rosa Bäckchen, auch das Schwarz an den Ohren sowie das eigentlich braune Muster auf dem Rücken und seiner Rute waren rosa. Mit Agilität huschte es hinter allen her.
Seffe rief immer wieder nach Matze. Doch der schien Bluzuks in den Ohren stecken zu haben und blieb einfach nicht stehen. Sauer beschleunigte Seffe seinen Schritt.
„Na warte, Matze. Wenn ich dich in die Finger bekomme“, dachte er sich und rannte los. Da bekam er einen heftigen schlag mitten ins Gesicht und fiel rückwärts um. Stöhnend lag er auf dem Rücken. Kurz kämpfte er gegen eine Ohnmacht und hielt sich die Nase.
„Verdammte Scheiße nochmal“, stöhnte er und Tränen liefen nach hinten über sein Gesicht. Zitrone hatte gerade noch bremsen können und sprang zur Seite. Lotte machte Halt und bückte sich zu ihm.
„Seffe! Alles Okay? Was war das?“
Doch sie bekam nur ein Stöhnen als Antwort. Seffe hatte ein Flimmern vor Augen und ließ seine blutende Nase los. Er musste sich aufsetzen, sonst würde er gleich ohnmächtig werden.
Lotte biss sich auf ihre Unterlippe und half ihm zum Sitzen. „Alles okay?“
Seffe sah nach oben und hob seinen Handrücken an die Nase. Leicht schüttelte er den Kopf. Lotte tastete hastig ihre Hosentaschen ab und fand ein angefangenes Päckchen Taschentücher. Eins war noch drinnen. Sie reichte es ihm und er hielt es direkt an seine Nase. Er schmeckte Blut und bemerkte, dass auch seine Oberlippe leicht aufgerissen war. Als er mit der Zunge darüber fuhr, brannte es.
Lotte seufzte als sich ihre Blicke trafen.
„Was war das?“, fragte sie erneut.
Nun kam auch das andere Pikachu angehoppelt. Sie erkannten schnell, dass es sich um Pudding handeln musste. Zitrone sah kurz wie gebannt auf ihren andersfarbigen Doppelgänger und wurde dann von Mr. Spook erschrocken, der direkt vor ihr auftauchte und fies kicherte.
Dich kann man auch keine Sekunde alleine lassen, Trainer. Du wirst doch nicht schon wieder ohnmächtig?
Lotte blickte strafend zu dem Gengar.
„Hör auf ihn zu verarschen! Und was meinst du mit schon wieder ohnmächtig?“
Mr. Spook grinste sie nur an.
Wenn er auf dem Rücken landet, verliert er manchmal einfach das Bewusstsein. Wie ein Vogel. Hast du schon mal ein Vogel-Pokémon auf dem Rücken liegen sehen, außer wenn es besiegt ist?
Lotte hob eine Braue und sah fragend zu Seffe, der nur den Kopf schüttelte.
„Halt die Fresse, Spook! Irgendetwas Unsichtbares hat mich umgehauen!“
Daraufhin hob er eine Hand in die Höhe und streckte sie nach vorne aus. Doch dort war nichts.
Spook lachte auf und verstummte, als ihn Lotte böse ansah.
„Etwas mehr Respekt würde dir gut tun. Das ist nicht lustig“, sagte sie und das Gengar verengte die Augen. „Außerdem hab ich es auch gesehen. Irgendwas hat ihn umgehauen, als er Matze hinterher gerannt ist!“
Blicke trafen sich in der Runde, bis Seffe schnaufte und zu Spook nickte. Noch immer hielt er das Taschentuch an seine Nase. „Wo ist er hin?“
Der Geist zuckte kurz mit den Schultern und tat beleidigt. Dann drehte er sich zum Wohnblock um und fing an zu schweben.
Er hat mich nicht bemerkt und ist in eine der Wohnung von dem großen Gebäude dort vorne gegangen.
Seffes Blick wurde finster und er rappelte sich auf. „Es reicht. Den knöpf ich mir vor!“, sagte er noch, ehe er auf das besagte Gebäude zu stapfte. Er hatte es langsam satt Schläge zu kassieren.
Lotte verzog den Mund und ging ihm, gefolgt von den Monstern, nach.


Ein kurzer Besuch

Sie standen unten am Wohnblock und auf der Klingel stand „M. Theurer“. Seffe hatte seinen Finger auf den Knopf gelegt und klingelte. Kurz warteten sie, doch es geschah nichts. Erneut klingelte Seffe, diesmal drückte er den Knopf mehrmals und fester. Dann zog er seine Brauen zusammen. Warum ging Matze nicht ans Telefon? Warum tat er plötzlich so, als ob er sie nicht kennen würde? Und warum flüchtete er vor ihnen? Ganz abgesehen von dem unsichtbaren Schlag den er einkassiert hatte.
Lotte schüttelte den Kopf. „Da passiert nichts mehr. Was hat er nur?“ Sie nahm ihre Haare zurück, welche mittlerweile wieder komplett trocken waren.
Seffe nickte nur, ehe er mit den Schultern zuckte. „Spook, geh durch die Wand und mach die Tür von innen auf!“
Lotte sah runter und tauschte mit den beiden Pikachus Blicke. Gengar tat das Gesagte und sogleich zog er die Tür von innen auf, dann schwebte er vor, die Treppen nach oben. Im dritten Stock machten sie vor Matzes Wohnungstür halt. Wütend pochte Seffe mit einer Hand dagegen. Doch es geschah erneut nichts. Lotte legte ihr Ohr an die Tür und schüttelte den Kopf. Sie konnte nichts hören. „Vielleicht ist er wieder raus gegangen?“

„Quatsch, den hätten wir gesehen!“ Seffe nahm das Taschentuch von seiner Nase weg. Endlich hatte sie aufgehört zu bluten.

Lotte verzog leicht den Mund, als sie auf das blutige Taschentuch sah. „Vielleicht durch einen hinteren Ausgang oder so?“, spekulierte sie.

Sauer schüttelte Seffe den Kopf. „Ich weiß, dass er da drinnen ist!“, sagte er aufgebracht und murmelte ein „Ich spüre ihn...“ nach. Nun pochte er noch fester gegen die Tür.

Lotte blinzelte den Größeren an. „Du spürst ihn?“, fragte sie und sah Seffe entsprechend an. Dieser hatte nun die Augen geschlossen und versuchte seine Wut zu zähmen, dann blickte er ruckartig zu Spook. „Öffne die Tür!“

Erschrocken hob Lotte ihre Brauen und flüsterte: „Wir können doch nicht einfach bei ihm einbrechen...“ Gengar verschwand bereits hinter der Wand.

„Wir brechen nicht ein. Wir schauen nur nach dem Rechten“, erwiderte Seffe ruhig, mit einem leichten Lächeln, das ihn gefährlich wirken ließ. Lotte musste zugeben, dass ihr bei seiner Art teilweise etwas bange wurde.

Gengar sah sich im Raum um, konnte jedoch niemanden erblicken, es sah nur etwas unordentlich aus. Er stand wohl mitten im Wohnzimmer. Schulterzuckend wendete er sich zur Tür und hob erst eine Sicherungskette heraus, ehe er den steckenden Schüssel drehte.

Seffe hatte die Arme gekreuzt und wartete mit Lotte ab, bis das Schloss knackte. Schwungvoll öffnete er die Tür, welche laut gegen die Wand stieß und konnte noch einen erschrockenen Laut von Gengar vernehmen. „Spook?“, fragte er sogleich und die Trainer sahen sich im unaufgeräumten Zimmer um. Plötzlich wurden beide kraftvoll nach vorne geschubst und stolperten über die zwei Pikachus, während die Tür hinter ihnen zuknallte. Auf den Knien fanden sie sich wieder und sahen sich um. Zitrone und Pudding schüttelten sich. Gengar schwebte in schützender Pose über ihnen und stieß einen drohenden Laut aus. Ein anderer Geist war vor ihm aufgetaucht und schnarrte ihn ebenso bedrohlich an. Seffe hatte sich umgedreht und stieß verwundert aus: „Ein Zwirrfinst?“

Das Pokémon mit dem reinen Geist-Element war größer als Gengar, sein Körper in der Mitte klaffte auseinander und ließ spitze Zähne, wie ein Maul, aufblitzen, während die Augen auf seiner Brust bösartig auf Mr. Spook starrten. Doch auch der nahm seine scheußlichste Gestalt an, sein Gesicht verzog sich und sein Maul wirkte mit den spitzen Zahnreihen wesentlich größer als sonst. Dabei ließ er tief in seinen Rachen blicken und streckte seine lange Zunge heraus, an welcher klebrige, ätzende Sabber hing. Aus kleinen, aggressiven, blutunterlaufenen Augen hielt er dem Blick von Zwirrfinst stand.

Lotte hingegen konnte nicht anders, als bei dem Angesicht beider, aufzuschreien und klammerte sich instinktiv an Seffe, dabei schloss sie ihre Augen und jammerte etwas Unverständliches gegen seine Brust.

Perplex blickte Seffe das Mädchen an, dann gingen die Geister aufeinander los. Zwirrfinst griff mit dem Schattenstoß an und Gengar hielt ihm mit der Dunkelklaue stand. Sie knurrten sich an und flogen voneinander ab, ehe sie wieder beide aufeinander zu huschten. Zwirrfinst versuchte es nochmal mit dem Schattenstoß doch Mr. Spook fing seine Fäuste erneut mit seinen dunklen Klauen ab und hielt sie diesmal fest. Lotte wurde von ihrer Angst geplagt und als sie ihre Augen leicht öffnete, fiel ihr verwundert Seffes Ring an seinem linken Daumen auf. Er hatte die Hand geballt und der Stein am Ring schien zu leuchten. Gleichzeitig leuchteten Gengars Augen gefährlich auf. Die Pikachus hatten sich beide hinter den, noch immer am Boden liegenden, Trainern versteckt und umklammerten sich zitternd.

„Stopp! Was wollt ihr von mir!“, schrie plötzlich eine Männerstimme dazwischen und Lotte erkannte Matze. Zwirrfinst ließ von Mr. Spook ab und Gengars leuchten in den Augen erlosch. Dennoch sah er den anderen Geist erbost an. Kampfbereit blieb er schwebend in der Luft, falls Zwirrfinst eine falsche Bewegung machen würde, würde er direkt verteidigen.

Lotte ließ peinlich berührt von Seffe ab und sah angsterfüllt zu den Geist-Pokémon, ehe sie ein Stück von ihnen weg kroch. Sie direkt über sich zu haben und das auch noch kämpfend, war zu viel für sie. Die zwei Pikachus huschten ängstlich neben sie.

Seffe ließen die zwei Spukgestalten kalt, er hatte sich schnell aufgerappelt und ging in großen Schritten auf Matze zu. Dieser ging so weit zurück, bis er mit dem Rücken an einer Wand halt fand. „Was soll das Matze? Warum rennst du weg? Und was erlaubst du dir eigentlich, mich mit deinem Zwirrfinst niederzuschlagen?“, er sprach laut und aufgebracht, hatte seine Hand gehoben und zeigte mit dem Finger auf ihn. Wodurch er sehr angsteinflößend auf Matze wirkte, welcher sich nur noch mehr an die Wand drückte. Seffe stand ihm so nah gegenüber, dass er dachte, seinen Atem spüren zu können. Zwirrfinst wollte zu Matze, doch Gengar stellte sich ihm finster blickend und drohend in den Weg.

„Seffe... es... du... ich wollte nicht...“, stammelte Matze los. Seffe biss feste die Zähne aufeinander und ging ein Stück zurück, dann kreuzte er die Arme. Er musste ihn nicht weiter einschüchtern, der andere wurde bereits blass. Anstelle noch etwas zu sagen machte er eine auffordernde Kopfbewegung. Matze schluckte, er nahm seine Hände vor sich und fummelte sich nervös an den Fingern herum. „Was hast du mit dem Tagebuch zu tun?“, fragte er schnell und kleinlaut.

Lotte und Seffe hoben synchron eine Augenbraue. Dann stand auch das Mädchen wieder auf. „Das Gleiche wollte wir dich fragen!“, kam es fordernd von ihr, doch man konnte Unsicherheit herausfiltern.

„Woher weißt du von dem Tagebuch?“, fragte Seffe leise und mit bedrohlichem Unterton, worauf Matze von ihm absah. Der rundliche Mann suchte eine Antwort und ließ sich dabei ein paar Sekunden zu viel Zeit, also platzte aus Seffe die Ungeduld. „Antworte gefälligst!“, stieß er aus und packte Matze am Kragen seines karierten Hemdes, „Oder ich werde dir...“ „WARTE! WARTE! Nicht doch!“, rief Matze, angstvoll und bittend sah er Seffe an. Als Zwirrfinst seinem Besitzer zur Hilfe kommen wollte, stieß ihn Gengar hart zurück und zischte ihn an. „Können wir uns nicht in Ruhe unterhalten?“, fragte Matze leise und mit höherer Stimme als sonst. „Das wollten wir ja, aber du bist weggerannt!“, knurrte Seffe und lockerte mit genervtem Blick langsam seinen Griff. „Stell mich aktuell besser nicht auf Geduldsproben!“, fügte er hinzu und kreuzte die Arme. Bei seinem letzten Satz, nickte Lotte Matze, im Hintergrund, nur heftig zu. Dieser sah von ihr zu Seffe, dessen Blick immer noch auf ihm brannte, dann seufzte er tief. „Du hast eine Seite verloren... in Orania... Gusto hat sie eingesammelt...“ Zwirrfinst gab einen kurzen Laut von sich, dann sprach Matze weiter: „Wenn ihr wegen der Seite kommt, dann nehmt sie mit, aber lasst mich bitte in Ruhe!“ Sie konnten Angst in Matzes Stimme hören und Seffe zog eine Braue in die Höhe, ehe er sich zu Lotte wand. Sie schüttelte kurz mit dem Kopf und hob schlichtend ihre Hände. „Matze... ich weiß nicht vor was du Angst hast, aber wir wollten dir gar nichts Böses“, sagte sie mit sanftem Lächeln. Nun schien sich auch Zwirrfinst etwas zu entspannen. Matze sah erneut von Lotte zu Seffe und wieder zurück. „Was... was wollt ihr dann?“ (Maoam!)

„Du hast dich in Orania so komisch verhalten... und du bist vor uns weg gerannt. Wir brauchen mehr Informationen“, sagte Seffe und klang nun wieder neutral und ruhig. Matze blickte fragend zu ihm und dann zu Lotte, als sie anfing zu sprechen. „Das Tagebuch sagt dir scheinbar was... außerdem haben wir das Gruppenfoto aus dem Labor.“

Matze blickte betroffen zu Seite. Jetzt wo er wusste, dass sie ihm nichts Böses wollten, atmete er erleichtert aus und sah zu Seffe hoch. „Tut mir Leid wegen deiner Nase, Seffe... Zwirrfinst hat es mit Sicherheit nicht so gemeint, er wollte mich nur beschützen“, kam es schließlich von ihm und er machte eine Handbewegung, worauf Gengar Zwirrfinst vorbei huschen lies und Gusto neben Matze erschien. Mr. Spook beobachtete den anderen Geist nur skeptisch. „Da drüben ist das Bad“, fügte Matze hinzu und zeigte reumütig auf eine angelehnte Tür. Seffe verzog genervt den Mund, warf Zwirrfinst noch einen stechenden Blick zu und verschwand im anderen Raum.

„Ich glaube, ich habe euch noch viel zu erklären“, kam es von Matze und Lotte nickte.

Als Seffe wieder zurückkam, setzte er sich, immer noch leicht genervt, neben Lotte auf das Sofa. Sie lächelte ihn aufbauend an. Die zugenähte Wunde an seiner Stirn, die schmerzende Nase und die aufgeplatzte Lippe – sie konnte nachvollziehen, dass Seffe schlechter Laune war. Die beiden Pikachus saßen nebeneinander auf der Sofalehne. Gengar schwebte kopfüber über Seffe und sah auf alle herunter. Zusammen wurden sie von Zwirrfinst beobachtet. Nun setzte sich Matze auf einem Hocker den beiden gegenüber. Er hatte Gläser auf den Tisch gestellt und Cola. „Nehmt euch nur...“, sagte er, ehe sein Blick auf die beiden Pikachus fiel. Das eine musste Ditto sein, was für ihn unschwer an der falschen Farbe und dem leicht dümmlichen Blick zu erkennen war. „Du warst im Pokémon-Haus...“, sagte er nun mit dem Blick zu Seffe gerichtet. Dieser sah ihn nur an, dabei zuckte er nicht mal mehr mit der Wimper. Matze ließ seinen Blick wieder sinken und Lotte schob ihm das Gruppenfoto im Forschungslabor hin. Er schluckte und nahm das Foto. „Ich war jung und habe den Vertrag damals unterschrieben, ohne mir etwas groß dabei zu denken. Ich sah es als ein Projekt an, was mich nach dem Studium weiterbringen würde“, fing er an, dabei knibbelte er nervös an seinen Fingern herum. “Erst hat es Spaß gemacht... aber nach einiger Zeit...“, er stockte und schüttelte den Kopf. „Wir mussten Versuche machen. An Pokémon... schreckliche Versuche... wir wurden dazu gezwungen! Sie drohten uns damit, es an die Polizei weiter zu leiten, das Thema war natürlich total illegal. Wer sich trotzdem dagegen stellte...“ Abermals stockte Matze und fing an mit den Beinen zu wippen, als er zur Seite sah. Lotte und Seffe sahen sich nur vielsagend an und Pudding drückte sein Pikachugesicht an Seffes Arm.

„Sie haben einen Kollegen damals vor den Augen aller anderen einfach umgebracht. Er bekam die Kehle von dem Kabutops des Anführers aufgeschlitzt“, sprach Matze den Satz mit geschlossenen Augen zu Ende. Seffe holte tief Luft und hielt den Atem an, durch die Augenwinkel sah er zu Lotte und wurde erneut an seinen Traum erinnert. Dann fing er an Puddings Köpfchen zu kraulen. Lotte hatte die Hände an ihren Mund gehoben. „Meine Eltern, sie waren auch da!“, kam es von ihr mit glänzenden Augen und sie zeigte auf die zwei Personen, welche nebeneinander auf dem Foto zu sehen waren. Matze nickte nur. „Glaubst du, ich habe dich nicht erkannt? Ich wusste doch wo sie wohnen... oder gewohnt haben. Bei meinem ersten Treffen mit dir Seffe... … hatte ich schon dieses Gefühl helfen zu müssen. Es war Schicksal, dass er ausgerechnet dich, Charlotte, gefunden hat.“

Lotte starrte Matze bei seinen Worten nur an, dann verzog sie ihr Gesicht und blickte zu Seffe, welcher nur kurz mit den Schultern zuckte. Was Matze mit dieser Aussage genau meinte, wurde ihm auch nicht ganz klar. „Weißt du, was mit meinen Eltern passiert ist?“, fragte sie und ging dabei ruckartig nach vorne. Flehend blickte sie Matze an und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Im selben Moment spürte sie wie Seffe eine Hand auf ihre Schulter legte und sie ließ ihren Kopf langsam sinken. Matze schluckte und nickte, man sah ihm deutlich an, dass er sich wegen irgendetwas Vorwürfe machte. Doch das einzige was er dazu sagte war: „Sie stellten sich gegen die Organisation.“ Lotte hatte ihr Gesicht in ihren Händen vergraben und schwieg. Mitfühlend sah Seffe zu ihr, ohne seine Hand von ihr wegzunehmen.

Matze seufzte, ehe er weiter sprach: „Seffe... Du wurdest in Orania verfolgt. Erst habe ich dir noch geholfen und Zwirrfinst hat dich in die Gasse gezogen... aber du hattest das Ditto auf deiner Schulter! Und wie ich später erfuhr auch das Buch. Gusto hat es mir erzählt und die Seite gegeben. Es tut mir leid, aber ich war mir plötzlich nicht mehr sicher auf welche Seite du gehörst.“

Nun wurde Seffe einiges klar. „Zu welcher Seite meinst du? Gut und Böse? Um was geht es hier überhaupt, Matze? Vor wem hast du Angst?“, stocherte er nach. Gengar blickte derweil auf Zwirrfinst und streckte ihm die Zungenspitze raus, mit welcher er leicht wackelte. Gusto versuchte es zu ignorieren.

Der Mann mit den lichten, braunen Haaren zuckte mit den Schultern. „Das weiß ich selber nicht genau...“

Nun sah auch Lotte wieder auf, Seffe und die Pikachus rollten mit den Augen.

„Ich bin damals abgetaucht, was schwer genug war... Ich will nie wieder mit so etwas in Kontakt kommen!“, sprach Matze und kratzte sich am Oberarm. Zwirrfinst nickte leicht und legte eine Hand auf dessen Schulter. „Zwirrrr“, knurrte das große Geister-Pokémon.

„Du kannst also mit dem ganzen Geschreibsel im Tagebuch etwas anfangen?“, fragte Seffe und Matze nickte langsam und antwortete: „Ich habe es geschrieben.“ Seffe fuhr sich durch seine blauen Haare, ehe er den anderen so ansah, als hätte er diese Antwort erwartet und fragte weiter: „Lebt Mewtu noch?“ Matze sah zu den anderen auf und zuckte erneut mit den Schultern. „Es wurde immer schwieriger es unter Kontrolle zu bekommen. Eines Tages war es nicht mehr möglich und es hat damals aus Wut viele von uns umgebracht und flog gerade Wegs durch die Decke des Gebäudes. Ich glaube bis heute, dass es an den Aufputschmitteln gelegen hat, die wir ihm intravenös gaben... damit es noch stärker wird.“

Alle Blicke lagen fassungslos auf ihm und Seffe wurde bewusst, woher das Loch, in dem Dach der Villa, gekommen war. Mit geschlossenen Augen versuchte Matze sich zu beruhigen, doch man sah, dass seine Finger zitterten. „Am Anfang war es ein zierliches Monster ähnlich wie Mew. Er hatte ein sanftes Wesen. Mewtu hatte Mews Naivität und war neugierig... wollte die Welt erkunden. Doch es wurde ihm verboten. Er wurde größer und erlebte nur Enttäuschungen, Demütigungen und wahrscheinlich... auch große Schmerzen.“

Lotte hatte Zitrönchen in den Arm genommen und drückte sie an sich, noch immer schwieg sie, das einzige was sie dazu brachte die Fassung zu behalten, war Seffes Hand auf ihrer Schulter. Die Wärme schien sich über sie zu legen und beruhigte sie innerlich. Seffe blickte auf das Foto auf dem Tisch und sah mitleidig drein, sogar Gengar schnarrte mitfühlend. Dann hob Matze den Blick und versuchte sich an einem Grinsen. „Die ersten Versuche Mew zu klonen schlugen unglaublich fehl. Und bald hatten wir immerhin den Trick heraus, der Masse leben zu schenken“, als er das sagte, zeigte er auf Ditto. Das Pikachu mit den rosa Wangen verzog sein Gesicht und sah ihn vorwurfsvoll an. „Wir wussten damals noch nicht von seiner Gabe, sich in alles x-beliebige zu verwandeln. Die kleinen Wesen kopieren einfach die Zusammensetzungen verschiedenster Materien und können sogar nach Belieben Zellen dazu oder weg bilden. Je nachdem wie viel sie üben, sind ihre Kopien irgendwann so gut, dass man sie von dem Original nicht mehr unterscheiden kann“, sprach Matze weiter, dabei lächelte er zu Ditto und nickte leicht.

„Ja, ganz wundervoll“, tat es Seffe weniger begeistert als Matze ab, weniger um Ditto zu kränken, sondern weil der andere wieder vom Thema abzuschweifen schien. „Und sonst weißt du nichts mehr?“, fragte er, während Pudding mit seinen Pfötchen über die bunten Bilder an Seffes Arm strich.

Matze schüttelte erneut den Kopf und sah zu Boden. „Warum waren sie hinter dir her?“

Seffe zuckte mit den Schultern und erzählte eine gekürzte Variante. Dabei ließ er auch das Päckchen mit dem umkreisten „D“ nicht aus sowie seinen merkwürdigen Traum. Lotte fing derweil an nervös eine Haarsträhne zwischen den Fingern zu zwirbeln.

Matze nickte. „Und dann hattest du das Buch... sie wollen es wohl unbedingt an sich reißen. Scheinbar gibt es Mewtu nicht mehr... oder sie finden ihn nicht. Sie wollen bestimmt ein neues Wesen erschaffen... Die Systeme sind damals bei Mewtus Wutausbruch alle zerstört worden. Die einzigen Aufzeichnungen die somit noch existieren... sind meine – also das Tagebuch.“

„Ich weiß nicht, was ich tun soll...“, kam es schließlich verzweifelt von Seffe und er ließ von Lotte ab, welche daraufhin zu ihm sah. Matze schüttelte schnell den Kopf und hob die Hände wie ein Schild vor sich. „Nein! Ich lasse mich da nicht mit rein ziehen! Dazu habe ich zu viel erlebt. Nehmt das Buch und verschwindet wieder.“ Er stand auf und Zwirrfinst schwebte ein Stück vor zur Tür. Finster sah der Geist die anderen zum Gehen an. Nun stand Seffe auf und lehnte sich leicht zu Matze vor. „Glaubst du mir macht das Spaß da mit reingezogen worden zu sein?“

Matze ging um den Hocker ein Stück zurück, doch Seffe ließ sich so leicht nicht abwimmeln und lief auf ihn zu. „Es war deine eigene Neugier, die dich da reingezogen hat! Daran bist du selber schuld!“, sprach Matze schnell mit ängstlichem Ton.

Lotte sah nur erschrocken auf. Zwirrfinst stellte sich zwischen die beiden Männer und wurde wieder von Gengar weg geweht. Die zwei Geister zankten sich sofort.

„Wenn du irgendetwas verheimlichst oder uns enthältst, Matze, schwöre ich dir, werde ich zu deinem schlimmsten Feind! Mich finden, werden diese Typen früher oder später sowieso! Aber es geht hier nicht um dich oder um mich, sondern darum, was die vorhaben! Wer weiß wer da unschuldiges noch alles mit reingezogen wird! Du hast schon damals gesehen, wie kaltblütig sie waren, das wird sich mit Sicherheit nicht geändert haben! Wir wissen nicht was diese Typen vor haben, aber es wird wahrscheinlich nichts Gutes sein und egal was es ist, ich werde versuchen es zu verhindern und zähle dabei auch auf deine Hilfe!“, bei der Ansage sahen alle Seffe mit großen Augen an.

Matze der seine Starre nun wieder überwunden hatte blickte zu Boden. Er hatte sich gedacht, dass Seffe nicht einfach kuschen würde und grinste in sich hinein, beherrschte jedoch seine Mimik. „Ich habe euch alles erzählt, was ich weiß... wenn ich irgendetwas Neues erfahre... gebe ich Bescheid. Versprochen“, resignierte er und sah mit neuer Hoffnung in den Augen hoch zu Seffe, welcher nickte.

Lotte war in der Zeit sehr stumm geworden, stand dann mit Zitrone auf und stellte sich neben ihn. Sie versuchte sich an einem Lächeln. „Ich habe Hunger... und wir müssen schauen, wo wir heute Nacht schlafen können“, kam es von Seffe.

Nun fiel es Matze wieder ein und er hob einen Finger. „Bevor ich es vergesse...“ Er wühlte etwas aus einem Schrank heraus und dankend nahm Seffe seine Sachen an, die er in Orania verloren hatte.

Sie verabschiedeten sich von Matze und gingen mit dem Tagebuch und den Fotos in Richtung Pokémon-Center. Seffe sah immer wieder besorgt zu Lotte, apathisch blickte sie in die Leere. Ihre Eltern hatten sich gegen die Organisation gestellt und Matze wusste bestimmt noch mehr und hatte an der Stelle mit Absicht nicht weiter gesprochen. Ihre Augen waren glasig, aber sie verbat es sich zu heulen. Als ihr die Blicke von Seffe auffielen und sie hoch zu ihm sah, lächelte er sie aufbauend an und blinzelte ihr zu, ehe er sich wieder zu Ditto auf seiner Schulter wand. Kurz verleitete es sie ebenfalls zu einem Lächeln und sie sah verschämt von ihm ab.

Als sie im Pokémon-Center ankamen, empfing sie eine Schwester mit grünen Haaren und Lotte fragte nach einem Zimmer. Ein Knuddeluff piepte sie an und hielt ihnen mit niedlichen Pfötchen einen Schlüssel hin. Lotte sah das Pokémon an, dessen Körper eine birnenähnliche Form hatte, rosafarbenes Fell, was am Bauch weiß abgesetzt war, kugelrunde, blaue Augen und hochstehende Hasenohren. „Wir brauchen zwei Schlüssel“, sagte sie und sah zu Schwester Joy. Diese blickte von der Trainerin zu ihrer Begleitung. „Wir haben nur noch zwei Doppelzimmer frei. Gehört ihr etwa nicht...“

„Ist okay...“, kam es von Seffe und er nahm mit einem Grinsen den Schlüssel von Knuddeluff ab. Essen würden sie sich auf das Zimmer bestellen. Ihm war es egal wo er diese Nacht schlafen würde, er hatte nur das dringende Bedürfnis bald was zwischen die Zähne zu bekommen, sonst würde er verhungern. Lotte lief ihm unsicher hinterher. Etwas Merkwürdig war ihr Gefühl, als sie mit Seffe das Zimmer betrat. Es war in dem gleichen Raster wie alle Pokémoncenter-Gästezimmer gestaltet. Weiße einfache Wände, ein geradliniger, heller Schrank und ein Tisch mit zwei Stühlen, welche lackiert waren wie ein Pokéball, waren darin zu finden. Die Pokémon-Tauschmaschine stach einem direkt ins Auge, mit dieser könnte man ganze sechs Monster austauschen und mit dem System verwalten. Das alles war per Touchscreen steuerbar, welcher gleichzeitig als Flachbildfernseher diente. Das einzig ungewohnte daran war das Doppelbett.

„Ich schlafe links am Fenster“, sagte Seffe und grinste Lotte lasziv an, woraufhin ihre Wangen fast die Farbe ihrer Haare bekam. Einen Augenblick noch genoss er die Verlegenheit der Jüngeren, dann lachte er und meinte: „Bleib locker...“ Seinen Rucksack schmiss er in eine Ecke und fing das Zimmer umzuräumen. Die Betten, mit der rot-weißen Bettwäsche, waren wie erwartet nur nebeneinander gestellt und einfach auseinander zu schieben. Lotte seufzte unhörbar und stellte ihre Reisetasche ab. Etwas unwohl war ihr trotzdem.

Sie ging vor Seffe duschen und lunzte nach einer Weile um die Tür. Er hockte auf dem Bett und aß schon von seiner vegetarischen Pizza, als sein Blick auf sie fiel. „Du bist genau rechtzeitig, das Essen ist gerade geliefert worden“, kam es kauend von ihm. Und auch Zitrone, Mr. Spook, Pudding und Ludwig sahen sie abwartend an. Für mehr Pokémon bot der Raum kaum Platz und auch die Monster aßen. Die anderen Pokémon waren in der Obhut von Schwester Joy und bekamen dort unter anderem Fressen. Ein nicht angerührter Karton stand auf dem leeren Bett, es war Lottes Bestellung.

„Ich ehm... habe mein Shirt vergessen.“, sagte sie verschämt. Seffe hob nur eine Braue. „Solange du Unterwäsche trägst, kann ich dir nichts abgucken. Ich habe schon öfter Mädels in Bikinis gesehen, weißt du?“ Er lachte nur und aß weiter, ehe er auf dem Display seines Pokédex` den Artikel weiter las.

Auffällig rollte Lotte mit den Augen. Der Arsch hätte ihr auch einfach mal die Reisetasche zu schieben können, aber nein...

Von dem Drachen-Pokémon wurde sie beobachtet, dann schlängelte es auf sie zu. Eigentlich mochte Lotte rosafarbene Pokémon, doch die Drachenschlange fand sie nicht direkt toll. Mit einem Fiepen schob sie die Badetür wieder zu. Was wollte das Dragonir von ihr? Langsam öffnete sie die Tür wieder einen Haarspalt breit und zuckte zurück, als der Drache sie mit großen Augen ansah. Ludwig schubste die Tür mit der Schnauze auf und Lotte wollte gerade anfangen nach Seffe zu schreien, da zog Dragonir die Reisetasche mit dem Maul in das Bad. „Oh...“, kam es von der Rothaarigen nur und sie lächelte verschämt. „Dankeschön.“

Dragonir schien ihr zu zu grinsen und wackelte mit seinen Ohren. Dann schlängelte er wieder aus dem Raum heraus. „Du bist einfach zu nett Ludwig...“, konnte Lotte Seffe vernehmen und wie er erneut lachte.

Mit einem Pyjama bekleidet, dessen Satinstoff als Muster lauter kleine Piis hatte, kam das Mädchen aus dem Bad heraus und setzte sich auf ihr Bett. Ludwig schlängelte sogleich neben sie und rollte sich zusammen. Mit großen Augen blinzelte er Lotte an und Seffe schaute verwundert von seinem Pokédex auf. „Interessant...“, meinte er schlicht, „Ludwig scheint dich echt zu mögen.“ Lotte versuchte sich an einem Lächeln. „Er ist ein Drache...“

Seffe nickte nur, in der einen Hand den Pokédex und in der anderen das Stück Pizza. „Ist das schlimm?“ Er hatte den unwohlen Ton von Lotte herausfiltern können.

„Ich weiß nicht... Drachen...“, sie sah zu Ludwig, welcher sie mit treuem Blick ansah. „Sie sind schuppig...“

Seffe verzog die Brauen und hielt seinen Blick auf ihr. Dann biss er in das Pizzastück und schüttelte den Kopf. „Nicht alle...“, sagte er, „Manche sind auch schleimig... und Ludwig haart nicht mal mehr. Sehr praktisch, sag ich dir... sehr praktisch.“ Er nickte und streichelte kurz den beiden Pikachus grinsend über die Köpfchen. Dann sah er wieder auf seinen Pokédex.

Lotte verzog das Gesicht, dann hob sie vorsichtig eine Hand an Ludwigs Kopf und streichelte ihn. Er fühlte sich gar nicht so furchtbar wie erwartet an. Seine Schuppen waren ganz glatt und weich. Sie lächelte und machte den Karton ihrer Pizza auf. Das erste Stück schlang sie förmlich in sich herein, zu groß war ihr Hunger gewesen, als auf Benimmregeln zu achten. Ludwig starrte sie noch immer an und sie fing an ihm die Randstücke der Pizza zu geben. Seffe beobachtete beide lächelnd und fragte: „Warum lässt du nicht Lotta aus dem Pokéball?“

„Sie ist schüchtern und es ist zu voll hier“, erwiderte Lotte schnell.

Seffe warf ihr einen skeptischen Blick zu, ging aber weiter nicht darauf ein. „Hier...“, sagte er schließlich, „Ich habe versucht etwas über Mewtu heraus zu finden. Aber zu seinem natürlichen Wesen oder Verhalten gibt es keinerlei Informationen.“ Seffe schüttelte den Kopf. „Was die Artikel über ihn allerdings bestätigen ist, dass er ein Psycho-Pokémon – wie Mew – ist und mehrfach, dass es sich um das stärkste Pokémon, das von dieser Welt komme, handelt. Da fiel mir die Alabastia Legende wieder ein...“

Lotte hob eine Braue und machte eine Handbewegung, dass Seffe fort fahren sollte, als er aufhörte zu reden.

„Gerüchten nach soll Giovanni mal Mewtu beherrscht haben, aber nach einer Weile kläglich daran gescheitert sein“, sagte er mit einem schiefen Grinsen.

Lotte blinzelte und hörte auf zu kauen. „Der war doch mal Arenaleiter in Vertania?“, nuschelte sie und hielt sich eine Hand vor den Mund.

Seffe nickte nur und Zitrone und Pudding leckten seinen Pizzakarton sauber. „Genau der...“, kam es von ihm. „Ich habe viele Theorien gelesen, aber ich glaube immer noch, dass an der Legende aus Alabastia am meisten dran ist. Also: Giovanni war angeblich mal der Boss einer Organisation. Er war machtbesessen und wollte das stärkste Pokémon der Welt erschaffen. Doch ein Trainer aus Alabastia soll die Organisation damals mit seinen Freunden bedrängt und immer wieder seine Pläne zerschlagen haben... angeblich hat er am Schluss sogar Giovanni selbst bekehrt. In der etwas verharmlosten Kindergeschichte heißt es immer: Team Rocket, so schnell wie das Licht! Gebt lieber auf und bekämpft uns nicht!“ Bei dem Reim hüpfte Seffe auf und hatte wild herum gestikuliert. Zitrone sprang dabei vor ihn, zappelte mit ihm ab und machte am Schluss: „Piiii-Pika!“ Lotte blinzelte und biss erneut in ihr Pizzastück, ehe sie langsam darauf herum kaute.

Seffe grinste sie an, ließ sich dann wieder auf´s Bett fallen und streichelte Zitrone. Das neongelbe Pikachu sah erbost zu Pudding, er hatte die letzten Krümmel alleine aufgeleckt, der alte Vielfraß. „Jetzt guck nicht so... Jeder kennt die Legende aus Alabastia!“, meinte Seffe und brachte Lotte zum kichern. „Euer Tanz sah ja echt sehr interessant aus, aber es ist nur eine Kindergeschichte...“

Seffe schüttelte den Kopf. „Es ist eine Legende“, korrigierte er und bemerkte Lottes höhnischen Blick. „Wie auch immer... die Artikel die ich darüber gefunden habe, basieren auch alle nur auf Spekulationen, beziehungsweise... es ist so viel darüber geredet worden und als Kindergeschichte missbraucht worden, dass es niemand mehr ernst nimmt.“

Lotte streichelte Dragonir und grinste leicht. „Wahrscheinlich glaubt es eher keiner, weil das Dorf Alabastia so klein ist, dass jeder vom Inzest-Dorf spricht... die Leute die daher kommen haben nie einen guten Ruf... wie du wahrscheinlich weißt.“

Finster und strafend sah sie Seffe an. „Ja, haha, sehr lustig...“ Er zuckte mit den Schultern und zog Zitrone an ihrer Rute zu sich, welche anfangen wollte mit Pudding zu zanken.

Lotte sah nachdenklich aus. „Wobei das alles mit den Tagebucheinträgen zusammen passen würde und Matze hatte auch von einem Forschungsauftrag gesprochen... Vielleicht ist da wirklich etwas Wahres dran und die Ereignisse wiederholen sich auf eine bestimmte Weise? Du bist ja schon mal der Trainer aus dem besagten Dorf.“

Seffe lachte kurz auf und fuhr sich mit den Händen durch seine Haare. „Natüüürlich... ich bin der Held“, sagte er lachend, ehe er sie ernst ansah und hinzufügte: „... wohl eher nicht.“ Daraufhin stand er auf, nahm seinen Rucksack und verschwand im Bad. Mr. Spook hatte schweigend alles beobachtet und sah ihm vielsagend hinterher, kurz blickte er nochmal zu Lotte, dann verschwand er in seinem Ball.

Lotte blieb nachdenklich zurück und streichelte Ludwig. Das Drachen-Pokémon wackelte mit den Ohren und schmiegte sich an ihre Schulter. Betrübt sah sie auf ihre Tasche, worin der kleine Pokéball mit den aufgeklebten Herzchen war. Kurz verzog sie das Gesicht. Zitrone und Pudding – der immer noch falsche Farben für ein Pikachu hatte – kuschelten sich auf dem Bett von Seffe zusammen und seufzten tief, ehe sie zu dösen begannen.

Lotte hörte wie Seffe das Wasser laufen ließ, die Wände waren wirklich sehr hellhörig. Mit Ludwig am Fußende lag sie im Bett und sah nachdenklich an die Decke. Murrend kam Seffe aus dem Bad: „Wenn das so weiter geht... werde ich irgendwann wie Frankensteins Monster aussehen...“ Da er nur mit einer lockeren Boxershort bekleidet war, konnte Lotte seine restlichen Tattoos betrachten. Er hatte zwischen den Schultern ein Tattoo und am rechten Rippenbogen und sein linkes Bein war fast komplett mit bunten Bildern übersät. „Das ist echt abgefahren...“, dachte sie sich und hob die Brauen, während sie sich leicht auf die Unterlippe biss. Sie musste zugeben, dass er ihr sehr gefiel und merkte sogleich wieder, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg, also hob sie die Decke über ihre Nase und rollte sich zusammen. Verklemmt schien er jedenfalls nicht zu sein, auf eine gewisse Art und Weise schien er sich sogar gerne zu präsentieren. Wobei er sich für seine Figur auch nicht schämen brauchte. Halbnackt lief er ein paar Mal durch das kleine Zimmer, gefolgt von Lottes Blick, bis er das Deckenlicht aus machte.

Seufzend setzte er sich auf sein Bett. Seine Haare waren noch feucht und er wuschelte mit seiner Hand durch sie. Etwas genervt sah er zu ihr. „Dann schlaft mal gut“, meinte er. Mit den Worten hob er die Decke an und kroch darunter, ein letztes Mal streckte er sich, um an die Tischlampe zu kommen und auch diese auszuschalten.


Das veränderte Wesen

Langsam wurde Seffe wach. Er öffnete seine Augen, weil er das Gefühl hatte angestarrt zu werden und es war nicht Gengar. Lotte grinste ihn an, als er endlich seine Augen öffnete und ließ eine Zeitung auf sein Gesicht fallen. Murrend nahm Seffe diese von sich. „Bist du blöd?“, fragte er in tieferer Tonlage als sonst.
Lotte saß schon voll angezogen auf ihrem Bett und hippelte leicht mit den Beinen. Ihre langen, roten Haare hatte sie zu einem Zopf geflochten und trug ein offenes, dunkelgraues Hemd mit einem petrolfarbenem, engem Trägertop darunter, dazu eine lockere, graue Jeans. Die Sneaker hatten einen hohen durchgehenden Absatz und ziemlich genau die gleiche Farbe wie ihr Top. Sie grinste ihn fröhlich an. „Guten Morgen, Seffe! Du bist ein Langschläfer, oder?“
Verpennt setzte sich Seffe auf und sah auf seinen Pokédex, der neben ihm lag und stets die Uhr anzeigte. Es war doch erst halb neun! Genervt wanderte sein Blick zu Lotte. „Und du bist hyperaktiv.“
Lotte grinste ihn nur weiter an. „Sieh dir die Zeitung an, Prügel-Trainer.“
Seffe hob eine Braue, kurz fiel sein Blick auf Zitrone und Pudding. Sie rollten spielend im Zimmer herum. Pudding hatte noch immer die Form eines Pikachus, doch die zwei Streifen an seinem Rücken und das Muster an der Rute waren mittlerweile braun sowie die Spitzen seiner Ohren nun schwarz gefärbt waren. Er war nur noch von Zitrone zu unterscheiden, weil er ein dunkleres Gelb hatte und seine Wangen blassrosa waren.
Seffe schüttelte den Kopf und drehte die Zeitung. Danach stand in seinem Gesicht bloßes Entsetzen. Er hatte tatsächlich den Platz auf der zweiten Seite bekommen, mit einem Foto, auf dem er gerade auf Felix einschlug. In der Überschrift stand: „Prügel-Trainer. Auch ohne Pokémon verteilt er kräftig Schläge!“
Seffe rollte mit den Augen und klappte die Zeitung wieder wie ursprünglich zusammen, danach schmiss er sie zur Seite. „Da haben sie ja meine Schokoladenseite getroffen“, sagte er trocken, als sein Blick auf Lotte fiel.
„Felix meint es wohl echt nicht gut mit dir. Glaubst du er hat was damit zu tun?“
Seffe zuckte mit den Schultern und fuhr sich genervt durch seine Haare. „Keine Ahnung, aber das ist jetzt richtig scheiße, weil meine Spinner-Verfolger jetzt mit Sicherheit in Vertania einlaufen werden.“ Nach seinem Satz stockte er und blickte nachdenklich drein. Hoffentlich wussten sie noch nichts von Lotte und ihrer Oma.
Erschrocken hob Lotte die Hände vor den Mund, an die Verfolger hatte sie noch gar nicht gedacht. Sie blickte Seffe nach, als er aufstand und im Bad verschwand. Als er nur ein paar Minuten später wieder heraus kam, war er angezogen. Lotte seufzte unhörbar, sie stand total auf seine tätowierten Arme, welche durch sein einfaches schwarzes Shirt noch bunter als sonst wirkten. Interessiert versuchte sie die anderen Motive auf seinem Arm zu erkennen, bis sie Seffes fragenden Blick mitbekam und verschämt zur Seite sah. Die beiden Pikachus setzen sich neben Lotte und guckten abwartend auf Seffe, als er seine Chucks anzog.
„Ich hab eine ungute Vorahnung“, sagte Seffe nachdenklich.
Lotte streichelte die Pikachus und blickte nicht zu ihm. „Du hast wohl öfter Vorahnungen. Was meintest du gestern eigentlich mit „Ich spüre ihn“, als wir vor Matzes Tür standen?“
Seffe ging darauf nicht weiter ein. Die Zeitung lag neben ihm und er verengte die Augen. Auf dem Titel konnte er lesen: „Pokémon greifen Trainer an.“ Kurz hob er eine Hand an sein Kinn. So ein Artikel war ihm schon mal vor ein paar Tagen aufgefallen, als er flüchtig an einem Zeitungsständer vorbei ging. Doch dann schüttelte er den Kopf, zog sich seine Lederjacke über, schnappte seinen Rucksack, sagte ein „Komm mit“ und verließ das Zimmer.
Lotte schnaufte und folgte ihm. Zitrone seufzte kurz und sprang dann hinter Seffe her, während Pudding schnell auf Lottes Reisetasche hüpfte und sich ziehen ließ.
Den Schlüssel des Zimmers ließen sie einfach auf dem Tisch liegen, das war so üblich, da Seffe mit seinem Trainerpass eingecheckt hatte, würde die Rechnung im Nachhinein automatisch beglichen werden.

Schweigend gingen sie aus dem Pokémon-Center auf die Straße, in Richtung des Autos. Es herrschte mäßiger Verkehr und vereinzelt liefen Leute auf den Straßen herum. In der Luft lag der Geruch von frisch Gebackenem und Kaffee. Ein Laden hatte Tische und Stühle draußen stehen, wo ein paar Leute saßen und frühstückten.
Lotte kaute aus Wut auf der Innenseite ihrer Wange herum. Er ignorierte sie schon wieder. „Was hast du jetzt vor?“, fragte sie schließlich, doch der andere lief einfach weiter und schwieg.
Zitrone sah Lotte mit hängenden Ohren an, welche die Brauen zusammen zog. „Seffe, jetzt echt mal! Was soll das? Warum ignorierst du mich?“
Doch Seffe schien sie gar nicht wahr zu nehmen und als weiterhin keine Reaktion von ihm kam, fing Lotte an zu schmollen. Dann würde sie eben auch nicht mehr mit ihm reden. Schweigend liefen sie auf der Straße parallel zum Park, als Seffe plötzlich ruckartig stoppte und vor Lotte einen Arm ausstreckte. Zitrone blieb ebenfalls stehen, stellte sich auf ihre Hinterbeine und richtete sogleich ihre Ohren aufmerksam nach vorne. Ditto sprang von der Reisetasche und machte es ihr nach. Mit fragendem Blick sah Lotte zu dem Größeren, welcher zaghaft aussah.
Kurz blickte Seffe Lotte an, dann nahm er sie an der Schulter und drückte sie in eine andere Richtung. „Lass uns hier lang gehen.“
Zitrone und Pudding folgten, doch nun reichte es Lotte, sie stellte sich gegen Seffe und ließ sich nicht mehr mit ziehen. „Verdammt, was soll das? Warum verhältst du dich plötzlich so komisch und redest nicht mit mir?
Seffe hob beide Brauen, ehe er mahnend den Kopf schüttelte. „Sei nicht so laut und komm mit!“
Beide Pikachus sahen in eine bestimmte Richtung. Lotte kreuzte die Arme. „Nur wenn du mir antwortest.“
Jetzt erst bemerkte Seffe, dass Lotte scheinbar sauer war und überlegte kurz was er antworten sollte.
„Da vorne ist die Luft nicht rein. Komm jetzt!“ Mit den Worten schob er sie erneut, mit einer Hand auf ihrem Rücken, in Taillenhöhe, neben sich her. Lotte ließ es geschehen und lief stutzig weiter. Sie liefen einen schmalen Seitenweg entlang, der in den Park führte.
Die Grünanlage hatte einige Stellen wo Bäume und Büsche eng aneinander standen und genau solch eine steuerte Seffe an. Als sie vom eigentlichen Schotterweg abgingen, verzog Lotte das Gesicht. Sie musste den Rollkoffer mit immer mehr Kraft ziehen, erst über die Steinchen und nun wickelten sich die Grashalme um die kleinen Räder. Endlich blieb Seffe zwischen den Bäumen stehen. Genervt schnaufte sie und blickte strafend zu dem anderen, welcher sich nach hinten umschaute.
„Also Seffe echt jetzt, was soll das?“ Mit den Worten hatte sie wieder seine volle Aufmerksamkeit. Im nächsten Moment steckte er sich einen Kaugummi in den Mund und bot ihr mit einer Bewegung ebenfalls einen an. Sie kreuzte ihre Arme und lehnte patzig ab, worauf Seffe das Kaugummipäckchen wieder in seiner Jackentasche verschwinden ließ.
„Ich glaube, die wissen wo mein Auto steht“, antwortete er schließlich.
„Wie kommst du da drauf?“ Lotte hob die Schultern und gleichzeitig die Hände.
Der andere lehnte sich mit dem Rücken an einen Baum und sah zur Seite.
„Pika pikaaaaa“, machte Zitrone und seufzte. Pudding lies die Ohren hängen. Dann hoppelte Zitrone zu Seffe und setzte sich neben ihn. Sie kannte das für andere merkwürdige Verhalten von ihrem Trainer nur zu gut.
„Ich ahne so was“, sagte Seffe und der Blick von Lotte wurde skeptisch.
„So wie du Matze gespürt haben willst? Und jetzt hast du die Vorahnung, dass wir von irgendwelchen Schurken beobachtet werden, die sich an deinem Auto befinden oder was?“ Sie klang ungläubig und konnte ein Augenrollen nicht unterdrücken. „Du bist echt komisch. Du leidest wahrscheinlich unter Verfolgungswahn und bildest dir nur etwas ein.“
Seffe murrte etwas unverständliches und sah sie danach böse an. „Danke auch, aber es war klar, dass du so reagierst. Aber du kannst ja gerne hingehen und nach sehen, ob ich recht habe.“ Er hob sein Kinn und sah seitlich auf die Kleinere herab.
Bei seinem arroganten, jedoch ernsten Blick, verzog Lotte nur ihren Mund, dann sah sie unsicher in die Richtung, in der das Auto stand. Doch auch die zwei Elektro-Nager schienen nervös zu sein. Immer wieder hoben sie ihre Köpfe in die gleiche Richtung. Lotte beobachtete die Szene kurz, bis sie unsicher zu Seffe blickte.
„Was ist?“, fragte er. Sein Lächeln war gehässig. „Warum gehst du nicht hin und schaust nach?“
Lotte schnaufte und kreuzte die Arme. Jetzt wo Seffe sie so vorführte, traute sie sich nicht mehr und bekam ebenfalls ein mulmiges Gefühl. „Kannst du mir mal bitte erklären, warum du so abgehst?“
Der andere verharrte noch eine Weile in seiner Bewegung und beobachtete sie aus den Augenwinkeln, bis er ihr antwortete. „Gute Intuition?“
Lotte blickte ihn darauf auffordernd an.
Seffe haderte merklich mit sich selbst. Ob es eine gute Idee war, ihr davon zu erzählen? Doch dann gab er sich einen Ruck. „Ich habe manchmal so Vorahnungen oder träume irgendeinen Mist.“
Lotte hob eine Braue und schnaufte. „Und das war alles? Jetzt sprich schon und lass dir nicht alles aus der Nase ziehen! Das ist nämlich echt anstrengend!“
Der andere rollte mit den Augen und seufzte. „Ich habe angefangen darauf zu achten, weil meine Träume oft auf etwas gedeutet haben. Manchmal ist es fast wie Gedankenübertagung oder eine Eingebung. Hin und wieder bekomme ich davon auch heftige Kopfschmerzen.“
Lotte beäugte ihn daraufhin skeptisch. „Echt jetzt? Das ist ganz schön schräg.“
Ihre Feststellung wurde direkt mit finsteren Blicken von Seffe bestraft. „Ja, ich war schon immer anders und du bist nicht die erste, die behauptet hat, ich sei komisch. Deswegen habe ich auch keinem mehr davon erzählt.“
Zitrone machte einen aufbauenden Ton und sprang an ihm hoch, um von Seffe in den Arm genommen zu werden, was er auch tat und mit sachtem Lächeln ihr Köpfchen streichelte.
Lotte beobachtete ihn dabei. Sie hatte unschwer erkannt, dass sie einen wunden Punkt erwischt hatte. Vielleicht hatte er ja wirklich so etwas wie einen siebten Sinn.
Seffe sah nach der kurzen Stille wieder zu ihr. „Menschen haben Angst, wenn sie etwas nicht verstehen oder etwas anders ist. Sie verabscheuen es teilweise sogar. Anders als Pokémon. Sie haben keine Vorurteile.“
Lotte blinzelte ihn an und nickte langsam, so eine Aussage hatte sie von ihm nicht erwartet. Es hatte ihn scheinbar einiges Überwindung gekostet, wo er doch sonst eher kühl war.
„Tut mir leid, was ich gesagt habe. Ich versuch dir zu glauben, okay?“ Sie hatte ihre Stimme gesenkt. „Aber hör auf mich immer so rum zu schubsen!“
Bei ihrem scharfen Unterton, musste Seffe kurz schmunzeln. „Sorry, aber wenn ich konzentriert bin, achte ich nicht auf so etwas.“
Darauf blinzelte Lotte fragend. „Konzentriert? Bei was?“
Ihr Gegenüber zeigte nun in eine Richtung und nahezu im selben Moment fing Pudding an auf einer Stelle zu hüpfen und rief flüsternd: „Pi, pi! Pi, pi, piiii!“
Nun sahen alle dort hin und durch das Gestrüpp hindurch konnten sie eine Gruppe an Leuten erkennen.
„Ich hab´s doch gesagt! Und die kommen von meinem Auto!“, stieß Seffe aus. Er hatte die fünf sofort erkannt. Sie waren auffällig schwarz gekleidet und trugen dunkle Sonnenbrillen auf der Nase. „Der Große heißt Gunther und ist einer der Typen, die mich verfolgt haben!“
Lotte beobachtete die Gruppe mit offenem Mund. An Gunther blieb sie mit ihrem Blick hängen. Er war nahezu riesig und es wirkte so, als wäre sein Hemd ein paar Nummer zu klein, da die Ärmel spannten. „Man, hat der viel Muskeln.“
„Ja, der hat definitiv zu viel Zeit im Fitnessstudio verbracht.“ Seffe rümpfte bei seiner Antwort die Nase und verschränkte die Arme.
„Die kommen echt von deinem Auto!“, sagte Lotte leise, dann verengte sie die Augen und stockte. Gunther hatte ein Päckchen in der Hand mit dem umkreisten „D“ darauf.
Seffe bemerkte an ihrem Blick, dass etwas nicht stimmte. „Was hast du?“
Die Kleinere schüttelte nur ihren Kopf. „Nichts.“
„Verkauf´ mich nicht für blöd! Du hast dich gestern schon teilweise so merkwürdig verhalten! Was zum Giratina ist los mit dir?“ Dabei stemmte er seine Fäuste ihn die Hüfte.
Langsam sah Lotte zu ihm hoch. Dabei presste sie ihre Lippen feste aufeinander und ihre linke Hand war geballt, während sie mit der rechten ihren linken Oberarm umfasste. Sie wusste, dass es Seffe nicht gefallen würde, aber sie konnte es nicht noch länger verheimlichen und verzog reumütig ihr Gesicht. „Ich kenne das Symbol... das „D“.“
Die Pikachus und Seffe sahen sie abwartend an, bis sie in ihrer Tasche wühlte und dem Älteren eine kleine Schachtel hinhielt. Seffe ließ Zitrone herunter und guckte verdutzt darauf, ehe er die Packung an sich nahm und auffordernd zu Lotte sah. Die weiße Medikamentenpackung in seiner Hand hatte nur ein schwarzes „D“ aufgedruckt, um den Buchstaben lag ein Kreis. Er kannte die Aufmachung von dem Paket, das er zur alten Villa gebracht hatte. Er öffnete die Schachtel und sah, dass nur noch eine Tablette drinnen war.
„Wo hast du das her?“, fragte er und versuchte so neutral wie möglich zu klingen.
Lotte lies reumütig ihren Kopf hängen und fing an zu erzählen.
Sie hatte sich ein paar Mal mit Felix getroffen. Er hatte unschwer zu erkennen großes Interesse an ihr geheuchelt. Sie lachten und redeten viel zusammen und sie erzählte ihm auch von ihrem Traum. Alle Arena-Orden wollte sie ergattern, angefangen mit den Orden in Kanto. Am nächsten Tag kam Felix mit einem schelmischen Grinsen auf sie zu, es war der Tag, nachdem er versucht hatte sie zu küssen. Vielleicht wollte er etwas wieder gut machen, da sie abgeblockt hatte oder dachte gar, mit dieser Geste ihr Herz zu erobern und gab ihr die Tabletten. Dazu sagte er nur: „Es sind Vitamine für Pokémon, das ist das neueste Produkt am Markt. Dadurch werden deine Monster unglaublich stark und du wirst bestimmt weniger Probleme haben, an die Orden zu kommen!“ Nach nicht allzu langem Überlegen, hatte Lotte ihrem Pixi schließlich die Vitamine ins Fressen untergemischt. Lotta wurde dadurch auch merklich Stärker, doch nach kurzer Zeit schien es so, als würde sie den Schmerz bei Kämpfen nicht mehr richtig wahrnehmen und auch ihr Verhalten hatte sich sehr geändert. Sie wurde zunehmend aggressiver. Mittlerweile war es so schlimm geworden, dass Lotte Lotta gegenüber anderen Pokémon nicht mehr aus dem Ball lassen konnte, weil das Pixi sofort anfing anzugreifen.
Seffe hatte ihr gebannt zugehört und schüttelte ungläubig den Kopf. Dann überschlugen sich seine Gedanken: Was hatte Felix mit der Sache zu tun? Wollte er deswegen unbedingt einen weiteren Kampf mit ihm austragen? Apropos Kampf: Im Schnellablauf schossen ihm die Runden gegen Ricarda im Hypercup durch den Kopf.
Lotte sah unsicher zu Seffe, welcher die Augen geschlossen hatte, scheinbar um Beherrschung rang und schließlich nickte. Dann drehte er sich um.
„Pi?“, machten die Pikachus gleichzeitig und auch Lotte war nun verwundert. In dem Moment zuckten alle zusammen, weil Seffe schrie. Er brüllte einfach gegen den Baum. Die Pikachus hielten sich dabei die Ohren zu und Zitrone sah unsicher zu der Gruppe, welche weit entfernt war, doch sie hatten sich nur kurz irritiert umgesehen und zum Glück wieder abgewandt. Für die meisten ging Seffes Schrei im leichten Stadtverkehr unter.
Lotte hatte ihre Augen geweitet und stand wie erstarrt auf der Stelle. Sie vernahm, wie Seffe tief ein- und ausatmete.
Dann griff er sich mit seinen Händen an den Kopf, ehe er die Schultern und Hände wieder sinken ließ und sich zu ihr drehte.
„Lotte, echt jetzt?! Wie kann man nur so naiv sein? Hast du überhaupt eine Sekunde darüber nachgedacht, dass es sich um Drogen oder so handeln könnte? Glaubst du alles was dir die Leute erzählen? Bist du eigentlich bekloppt? Du hast ein Hirn zwischen deinen Ohren! Das kannst du auch benutzen!“ Fassungslos schüttelte er seinen Kopf, ehe er seine Brille abnahm und sich durch das Gesicht fuhr.
Lotte blickte ihn nicht an, ihr war zum Heulen zumute, als Seffe sie anbrüllte und verblieb stumm.
„Du machst mich fertig, Lotte. Wirklich! Sorry, aber … so etwas verstehe ich einfach nicht!“ Er setzte seine Brille wieder auf und sah sie an.
Lotte behielt den Blick zu Boden gerichtet. Zu groß war ihr Wunsch gewesen, besser zu werden und stärkere Pokémon zu haben. Sie seufzte langsam und schluckte den gefühlten Kloß in ihrem Hals herunter, um nicht anzufangen zu heulen.
Seffe blickte sie forschend an und die Pikachus saßen bedrückt neben ihm. Dann wurde Seffes Mimik wieder sanfter, als hätte er ihre Gedanken gehört, sagte er sacht: „Man braucht nicht das stärkste Pokémon um zu Gewinnen, Lotte. Du musst es spüren, du musst eins mit ihm im Kampf werden. Du musst ihnen vertrauen, so wie sie dir vertrauen und ihr müsst euch gegenseitig Halt geben. Aber doch nicht so!“ Erneut schüttelte er leicht den Kopf, während er seine Hände zur Seite gehoben hatte.
Seine Worte waren eindringlich, doch machte es für Lotte nicht unbedingt leichter. Sie wusste selber, wie dumm sie gewesen war. Die ganze Zeit hatte sie Angst vor Seffes Reaktion darauf gehabt. Zurecht. In ihr stiegen wieder die Tränen auf und sie blickte mit glasigen Augen nach oben, von ihm weg.
Seffe verzog den Mund und schnaufte. „Wir gehen jetzt nochmal zu Matze!“, knurrte er. „Er wird uns - oder besser dir - da hoffentlich weiterhelfen können!“
Als von Lotte keine weitere Reaktion kam, sah sich Seffe suchend um. „Los Zitrone und Pudding, schaut ob die Luft da vorne rein ist.“ Zitrone rannte vor dicht gefolgt von Pudding.
Dann wandte sich Seffe zu Lotte um. „Komm jetzt.“ Er nahm den Griff ihrer Reisetasche und hob sie an, dann ging er vor. Lotte folgte ihm wortlos.

Auf dem Weg zu Matzes Wohnung huschten sie immer wieder von einem Punkt zum anderen, um nicht von unerwünschten Personen entdeckt zu werden. Zum Glück waren die Straßen mittlerweile etwas voller. Immer wieder blickte sich Seffe zu Lotte um, ob sie ihm noch folgte. Was sie niedergeschlagen tat. Sie sah kein einziges Mal auf, ihr fielen nicht mal mehr die besorgten Blicke von Seffe auf.
Seffe verzog seinen Mund. Irgendwie tat sie ihm leid. Sie hätte ihrem geliebten Pixi bestimmt nie etwas böse gewollt, aber er ärgerte sich so sehr über ihr unüberlegtes Handeln. Sie überstürzte die Dinge einfach immer, dies konnte er auch klar aus ihrem Kampfstil lesen.

Bald waren sie an Matzes Wohnung angekommen. Um schneller in das Gebäude zu gelangen, ohne dabei entdeckt zu werden, nutzen sie wieder Gengars Kräfte und gingen im Schnellschritt die Treppen hoch. Den mittelgroßen Reisekoffer stellte Seffe neben Matzes Wohnungstür ab und blickte genervt zu Lotte, welche sich bedrückt neben ihn stellte. „Das wird schon wieder“, sagte er plötzlich und versuchte sich, nach seinem Ausraster, an etwas mehr Mitgefühl, während er an die Wohnungstür klopfte.
Lotte blickte noch immer nicht hoch und hätte darauf fast angefangen zu heulen, aber sie biss sich auf die Zunge und beherrschte sich.
Es dauerte einen Moment, doch dann hörten sie es in der Wohnung poltern. Schließlich ging die Tür einen Spalt auf und die strahlend blauen Augen von Matze sahen ihnen entgegen. Kurz hob er seine Brauen, dann machte er die Tür nochmal zu, entfernte die Schutzkette und öffnete sie so, dass die anderen eintreten konnte.
„Ihr zwei? Ich hab mich schon gewundert, wer das jetzt sein könnte. Ist irgendwas?“ Er knibbelte sich unsicher an seinen Fingern herum. „Wie seid ihr unten reingekommen?Ach, was frag ich eigentlich? Mr. Spook hat euch geholfen. Na, wenigstens seid ihr diesmal nicht direkt in meine Wohnung eingefallen.“ Er lachte kurz und grinste beide breit an, doch das Grinsen verging ihm schnell wieder. Lottes trauriger Blick sowie der der Pikachus sprachen für sich. Gengar schwebte an seinem Trainer vorbei und fing neugierig an Matzes Räumlichkeiten nach Zwirrfinst zu durchsuchen.
Seffe hatte nur eine Augenbraue gehoben und sah den Mann im Holzfällerhemd ernst an. „Wir mussten umgehen, dass du uns wieder unten vor dem Wohnblock stehen lässt.“
Nun wurde Matzes Blick fragend und er holte erschrocken Luft. „Seid ihr auf der Flucht? Sind sie hier? Suchen sie euch?“
Seffe hob die Brauen und zuckte mit den Schultern. „Ich denke nicht, dass sie wissen, wo wir sind. Wir haben darauf geachtet, dass uns niemand folgt. Glaube ich zumindest.“
„Glaubst du?“ Matzes hob ungläubig seine Hände in die Höhe.
Lotte schnaufte kurz, als Seffe an ihm vorbei ging und ihre Reisetasche in den kleinen Flur der Wohnung zog. die Pikachus folgten ihm und er setzte sich auf´s Sofa.
„Ja, klar, fühl dich wie Zuhause!“ Matze war sichtlich fassungslos. „Seffe, mal ernsthaft! Seid ihr verfolgt worden? Woher willst du wissen, dass eure Verfolger nicht wissen wo ihr seid?“
Lotte, die die ganze Zeit unverändert da stand, meinte nun verächtlich: „Er spürt sowas.“
Seffe hatte es sich bequem gemacht und seine Hände hinter dem Kopf gefaltet. Er warf ihr nur einen bösen Blick zu.
Matze kratzte sich am Kopf. „Ah ja, wie auch immer. Komm Lotte, setz´ dich doch auch.“
Daraufhin ließ sich auch Lotte seufzend auf dem Sofa nieder und Matze schloss die Tür, ehe er sich zu ihnen gesellte. Er setzte sich den beiden gegenüber, auf einer Art Würfel, der eindeutig zu dem grauen, durchgesessenen Sofa gehörte, das seine besten Tage eindeutig hinter sich hatte. „Was genau führt euch nochmal zu mir? Ihr zieht so lange Gesichter.“
Lotte verblieb stumm und Seffe fing an, ihm stichpunktartig zu erzählen, was in der Zwischenzeit alles passiert war.
Matze holte langsam und tief Luft, dann hielt er kurz den Atem an und nickte. „Okay, das ist durchaus sehr schlecht. Kannst du deine Lotta denn mal raus lassen?“
Missmutig sah Lotte die anderen im Raum an.
„Mr. Spook wird aufpassen, dass sie nichts falsches tut“, sagte Seffe und nickte zuversichtlich. Außerdem war er neugierig, was die Veränderung mit Pixi gemacht hatte und ob es wirklich schon so schlimm war.
Matze nickte ebenfalls. „Gusto wird Mr. Spook unterstützen.“
Nun erschienen Gengar und Zwirrfinst aus dem Nichts im Raum und sahen abwartend auf Lotte. Zitrone und Pudding sprangen auf den Platz von Seffe, als er sich aufstellte.
„Okay... aber ich weiß echt nicht, wie sie diesmal reagiert.“ Lotte strich sich eine dünne Haarsträhne aus dem Gesicht und holte den Ball mit den Herzchenstickern hervor. Die oberen Häflten der Bälle, waren alle halbdurchsichtig und sie konnte die Silhouette des Pixis erkennen. Lotte stand regungslos da. Langsam entsperrte Lotte den Sympaball und Pixi kam zum Vorschein. Es stand in der Mitte des Zimmers und verengte die Augen, als es sich umblickte. Lotte lächelte ihr Feen-Monster an und ging vorsichtig auf sie zu. „Hey, meine Süße“, sagte sie sacht.
Doch Pixi wand ihren Blick ruckartig von ihr ab und blieb bei Seffe hängen. Dieser hob nur seine Brauen, während die Pikachus hinter ihm gleichzeitig ihre Ohren hängen ließen. In dem Moment fing Lotte laut an zu schreien und ging auf Seffe los.
Seffe hob schnell schützend die Hände vor sich und hätte fast wieder einen Schlag kassiert, da hob sich Lotta, wie von Geisterhand gefasst, in die Höhe. Mr. Spook und Gusto waren rechtzeitig dazwischen gegangen. Konzentriert sahen sie auf das Pixi und hatten ihre Hände gleichzeitig schwingend vor sich gehoben. Sie verständigten sich über Gedanken.
Das einst niedliche Pixi konnte sich aus der Attacke Psychokinese nicht befreien. Es schrie so laut, dass sich seine Stimme überschlug und zappelte und kämpfte gegen die unsichtbare Kraft an. Als Lotta erkannte, dass es ihr bekannter Gegner Mr. Spook war, der sie unter anderem gefangen hielt, wurde sie nur noch aggressiver.
„Wo sie doch vorher so viel Angst vor ihm hatte und auch sonst eher ein schüchternes Monster zu seien schien“, murmelte Seffe mehr zu sich selbst.
Matze hatte die Luft angehalten und schüttelte seinen Kopf.
Dann dematerialisierte sich das Pixi wieder. Lotte hatte ihre Hand mit dem Ball gehoben und machte sofort wieder die Ausbruchssperre rein. Sie hatte ihr hübsches Gesicht verkrampft verzogen. Mit Tränen in den Augen setzte sie sich wortlos auf die Couch.
Seffe und Matze tauschten kurz einen Blick aus. Dann fragte der rundliche Mann:„Lotte, hast du von den Pillen noch etwas?“
Doch die Antwort bekam er von Seffe, welcher ihm die weiße Packung mit dem schwarzen einfachen Druck hinhielt. „Eine noch. Von zehn.“
Matze nahm die Schachtel an sich und nickte. „Ich werde versuchen heraus zu finden, ob es sich um das gleiche Mittel wie damals handelt.“ Kurz schluckte er, dann wand er sich zum Fenster und sah in die Leere. „Mewtu hatte damals ein ähnliches, besessenes Verhalten aufgewiesen. Je nachdem in welchem Zeitraum und in welcher Menge ein Monster davon bekommen, baut sich das Medikament vielleicht sogar von selber ab. Aber es muss auch irgendwie möglich sein Gegenmittel herzustellen.“
Lotte sagte dazu nichts mehr, während Seffe nickte und die Umgebung durch das Fenster checkte. „Danke, Matze. Wir machen uns jetzt wieder ab.“ Mr. Spook nickte darauf knapp und verschwand von selbst in seinem Finsterball.
Sie ließen Pixi bei Matze und verabschiedeten sich.

Zwirrfinst schwebte neben Matze, während sie beobachteten wie die beiden Trainer, von den zwei Pikachus gefolgt, den Wohnblock verließen und die Straße im schnellen Schritt herunter gingen. Zwirrfinst sah Matze fragend und schließlich auffordernd an.
Der Mann nickte nur. „Ich weiß. Aber das müssen sie selber heraus finden. Ich werde dennoch versuchen, Lotta wieder zur Besinnung zu bringen.“


Die A. D. O.

Schweigend liefen sie zum Auto und zum Glück waren die Schwarzgekleideten nicht mehr unter den Menschen zu sehen. Lotte hob ihre Tasche gerade in den Kofferraum des blauen Autos, als sie hörte, wie Zitrone aufgebracht Töne machte. Sie lief zur Beifahrerseite, um sich in den Toyota zu setzen, doch stockte. Seffe lag mit dem Rücken auf dem Boden und war bis zur Brust unter seinem Auto verschwunden.
Verwirrt blinzelte Lotte und hob einen Finger an ihre Lippen. „Was tust du da?“
Der andere stöhnte kurz, als er wieder hervor kam und aufstand. „Die Bremsleitungen sind von irgendetwas durchgebissen worden. Zitrone hat es entdeckt.“ Dabei hielt er Lotte seine Hand hin, an der eine schmierige Flüssigkeit klebte. Zitrone derweil nickte ganz stolz und Pudding klopfte ihr auf die Schulter.
Lotte verzog das Gesicht und rümpfte die Nase. „Wollen die uns umbringen?“, stieß sie aus.
Seffe zuckte mit den Schultern und wischte sich die dreckigen Finger an seinem schwarzen Shirt ab. „Vielleicht ist es besser, wenn du wieder nach Hause gehst.“
Bei dem Satz hob Lotte ihre Brauen und schüttelte ruckartig mit dem Kopf. „Kommt gar nicht in die Tüte!“
„Lotte, ich mach mir echt Gedanken, die Situation spitzt sich zu. Aktuell verfolgen die nur mich. Vielleicht ist es besser so.“
„Und was willst du alleine machen?“
Als Antwort bekam sie ein Schulterzucken.
„Außerdem glaubst du doch nicht wirklich, dass die uns noch nicht zusammen gesehen haben! Die entführen mich bestimmt!“ Bei dem Gedanken wurde es ihr etwas bange und sie verzog kurz ihr Gesicht.
Seffe verschränkte die Arme und hob eine Braue. „Dann hast du aber gute Chancen, dass sie dich nach ein paar Tagen wieder zurück bringen.“
Lotte blickte ihn darauf nur mit leicht geöffnetem Mund an. Gerade holte sie Luft, um ihn anzufahren, da kam ihr Seffe zuvor. „Pack dir ein paar Sachen mit in den Rucksack. Wir müssen wohl oder übel zu Fuß weiter.“ Dabei hielt er ihr mit einer Hand seinen Eastpack hin und öffnete mit der anderen den Kofferraum.
Die Pikachus seufzten nur und Lottes Blick lag noch für ein paar Sekunden brennend auf ihm. Doch Seffe ignorierte das gekonnt und lächelte sie schief an. Dann nahm sie ihm barsch den Rucksack ab. Nachdem sie ihre Sachen dazu gepackt hatte, schien der Eastpack fast zu platzen. Wortlos nahm ihn Seffe wieder an sich und ließ den Kofferraum zufallen.

Noch immer waren die Verfolger nirgends zu sehen. Aufmerksam gingen sie durch die Stadt und Lotte verließ sich auf ihn, dass sie den Schwarzgekleideten weiterhin nicht begegnen würden. Als der andere stehen blieb, blickte sie bange zu ihm.
„Sag mir, Lotte: Warum hast du das getan? Deinem Pixi diese Tabletten gegeben? Nur, um im Kampf zu gewinnen? Das lässt mir einfach keine Ruhe.“ Er hatte mit seinen Händen die Träger des Rucksacks umgriffen und sah ihr feste in die Augen, worauf Lotte seufzend ihren Blick sinken ließ. Wenn er sie so ansah wurden ihre Gewissensbisse nur noch stärker. Seffe verzog leicht seinen Mund als von Lotte keine weitere Reaktion kam.
„Ich hab mir bei dem Kampf mit Ricarda im Hypercup die ganze Zeit gedacht, dass etwas nicht stimmt. Und ich frage mich bis heute, was eigentlich aus ihrem Garados geworden ist.“
Lotte biss leicht auf ihre Unterlippe und zuckte mit den Schultern. „Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich Lotta nie dieses Zeug gegeben. Gegenüber Felix war ich zwar skeptisch, aber so etwas hätte ich ihm nicht zugetraut. Du hast recht: Es war dumm und naiv von mir.“ Sie trat ein kleines Steinchen mit dem Fuß weg und blickte ihm hinterher, wie es über den Bürgersteig sprang und auf der Straße landete, ehe ihn ein Auto überrollte.
Seffe seufzte unhörbar. „Naja, passiert ist passiert. Tut mir leid, dass ich dich vorhin so angefahren habe. Aber ich war so sauer und in letzter Zeit weiß ich nicht mehr wo mir der Kopf steht. Die Ereignisse überschlagen sich und ich hab keine Ahnung was ich weiter tun soll.“ Diese Gedanken musste er einfach loswerden, dabei hob er kurz seine Schultern.
Nach den Worten entstand eine Stille und sie sahen sich eine Weile an. Seffe hielt dabei unbemerkt die Luft an. Lotte hatte so tolle grüne Augen.
Zitrone sah abwechselnd von Seffe zu Lotte, bis sie ein Ohr absinken ließ und das andere aufstelle. „Pika?“
Nun räusperte sich Seffe und Lotte wandte ihren Blick ab, der kurz darauf einem Bus folgte.
„Ich wollte unbedingt mit dir auf Reisen gehen, aber ich habe das Gefühl, ich bin nur eine Last für dich.“
Seffe hob leicht seine Augenbrauen und benötigte ein paar Sekunden, um nach den richtigen Worten zu suchen. „Eigentlich... bin ich ganz froh nicht alleine zu sein … und mit jemandem darüber reden zu können.“
Nun blinzelte Lotte perplex, diese Antwort hatte sie nicht erwartet.
Sogleich drehte sich Seffe von ihr weg, er bemerkte wie ihm etwas wärmer wurde. „Natürlich wäre ich ohne dich auch bis hier gekommen.“
Die Pikachus und Lotte verschränkten nahezu gleichzeitig die Arme. „Was du nicht sagst“, murrte Lotte und ließ ihre Brauen sinken.
Seffe grinste erst ihr zu und zwinkerte dann Zitrone und Pudding an. „Natürlich bin ich nie ganz alleine. Ich hab ja euch.“
Dann ging er langsam wieder los und die Elektronager hoppelten ihm fröhlich hinterher. Lotte seufzte und schüttelte kaum merklich den Kopf. Doch sogleich huschte ein spitzbübisches Grinsen über ihre Lippen, denn immer wenn sie zu ihm hoch sah, mied er verlegen ihren Blick. Die Stille, die zwischen ihnen entstanden war, während sie die Straße weiter hoch liefen, störte sie diesmal nicht.
„Ich weiß was!“, stieß sie plötzlich aus und schnipste mit den Fingern. „Wir können Bill aufsuchen!“
Die Pikachus drehten ihre Ohren in Lottes Richtung und Seffe tat eine schweifende Handbewegung. „Der Bill, der das Pokémon-Lagerungssystem erfunden hat? Wie kommst du da drauf?“
„Natürlich! Also wenn der uns nicht irgendwie weiterhelfen kann! Er hat doch mal an Kämpfen mit einem Mew teilgenommen, weißt du das nicht mehr?“
Nun blickte Seffe kurz nach oben, jedoch ohne seinen Kopf zu heben und verzog den Mund. „Doch das ging überall durch die Medien. Und das Mew war am Schluss nur seine verwandelte Frau! Es war eines seiner Genexperimente.“
Lotte zuckte mit den Schultern. „Ist doch egal. Er kann uns bestimmt weitere Anhaltspunkte liefern. Wir könnten natürlich auch zu dem alten Giovanni gehen und ihn ein bisschen ausquetschen.“
Bei dem Wort „ausquetschen“ lachte Seffe auf. „Ich glaube, der alte Mafiaboss quetscht uns eher aus! Besser, wenn wir dem nicht auch noch blöd kommen, wir haben schon genug Ärger an der Backe oder viel mehr ich.“
Lotte hatte ihren roten Zopf hervor geholt und strich mit ihren Händen nachdenklich darüber. „Glaubst du er hat etwas mit der Sache zu tun?“
„Wer? Giovanni? Woher soll ich das wissen?“
„Schau doch nochmal in die Zukunft, Seffe! Wo bleiben denn deine Eingebungen?“
Seffe blickte sie kurz genervt an, doch dann schloss er seine Augen, fasste sich mit seinen Fingern an die Schläfen und wirkte konzentriert. „Zuuuuukuuunft! Ich rufe dich! Erhöööööre mich!“
Lotte hob bei der plötzlichen Show eine Braue und weitete ihre Augen. Konnte er wirklich in die Zukunft sehen?
„Ah! Da! Warte! Sie ist ganz nah! Ich sehe sie!“
Gespannt ballte die Kleinere ihre Fäuste und die Pikachus standen aufrecht, wie Erdmännchen, neben ihm und blickten ihn aus großen Augen an.
Nun öffnete Seffe seine Augen und umfasste mit seinen Händen wieder die Träger seines Eastpacks. „Wir werden morgen in einer kleinen Kammer, um 14:42 Uhr wilden, hemmungslosen Sex miteinander haben.“
Dass dies nicht Lottes erwartete Antwort war, sah man ihr an und sie verschränkte ihre Arme. „Sehr lustig, Blödmann. Das hättest du wohl gerne.“
Seffe hatte seine Brauen erst unschuldig in die Höhe gehoben, dann fing er an zu grinsen. Lotte schnaufte und wollte cool darauf reagieren und lief weiter. Doch ihr Gesicht färbte sich zu schnell purpurrot.
Lachend und kopfschüttelnd lief Seffe ihr nach und die Pikachus rollten mit den Augen, ehe auch sie folgten.
„Erstens: Ich kann nicht in die Zukunft sehen – so ein Schwachsinn! Zweitens: Ich kann`s mir nicht vorstellen. Du hast gesehen wie verängstigt Matze ist. Wenn man so etwas Krasses einmal mitgemacht hat und die Kraft Mewtus am eigenen Leib erlebt hat, müsste man schon sehr blöd sein, um so was zu wiederholen. Findest du nicht?“
Lotte zuckte nur mit den Schultern. „Dann auf zu Bill!“ Anhand ihrer Betonung konnte man unschwer erkennen, dass sie noch genervt war, doch wenigstens ließ die Hitze in ihr wieder nach. Zitrone und Ditto stimmten ihr zu.
Nur Seffe blieb kurz stehen und stemmte seine Hände in die Seite. „Wir müssen den Weg dann komplett zu Fuß zurück legen.“
„Na und? Ist das denn schlimm?“, fragte Lotte mit zickigem Unterton.
Seffe nickte nur heftig, ehe er seufzte und weiter lief. Er hatte zu den anderen schon an Abstand gewonnen. Ihm blieb aktuell sowieso keine andere Möglichkeit. Wenn sie aus der Stadt draußen waren, könnten sie mit Arkani und Ditto vielleicht schneller vorwärts kommen.

Es ging in Richtung Nord-Ost. Die Straßen waren gut belebt und alle Läden hatten mittlerweile geöffnet. Plötzlich zog Seffe Lotte am Oberarm hinter einen Aufsteller, von einem Laden, der mit Coffee-to-go warb. Die Pikachus sprangen schnell hinterher und gingen mit ihnen in Deckung. Seffe zeigte auf eine Gestalt in einer Ecke. Der Mann trug einen komplett schwarzen Anzug und verhandelte etwas mit einem jungen Trainer.
„Die schmuggeln den Leute bestimmt diese Tabletten zu“, sagte Lotte und blickte böse auf die beiden.
„Wenn das wirklich so ist, wird es bald nur noch verrückte Pokémon geben und Trainer, die sie irgendwann nicht mehr unter Kontrolle haben. Hast du den Artikel auf dem Titel der Zeitung heute Morgen gesehen? Das kommt in letzter Zeit wohl häufiger vor“, sagte Seffe und Zitrone sprang auf seine Schulter und bestätigte mit einem Nicken seine Worte.
Lotte sah bedrückt zur Seite. „Deswegen hatte ich mir die Zeitung ursprünglich gekauft. Weil sich Lotta immer merkwürdiger benommen hat. Erst da habe ich verstanden, dass es nicht nur mir so geht.“
Seffe warf ihr einen strafenden Blick zu. „Für`s nächste Mal: Sag mir einfach gleich was Sache ist, das hätte einiges erleichtert!“
„Ich hab mir aber schon gedacht, dass du dann durch drehst. Wenn du nicht immer so barsch wärst, hätte ich es dir wahrscheinlich schon viel früher erzählt!“, zischte ihn Lotte an, um nicht laut zu werden und tippte ihm ein paar Mal mit dem Finger gegen die Brust, ehe sie sich ihm abwandte.
Seffe hob dabei seine Augenbrauen und rollte dann mit den Augen. „Wie auch immer.“ Zitrone nickte erst vorwurfsvoll und lächelte ihren Trainer schließlich wieder an. Pudding saß derweil so da, als hätte er von all dem nichts mitbekommen und putze sich mit seinen Pfötchen durchs Gesicht.

Die zwei Schmuggler trennten ihre Wege und der Mann in schwarz ging, ohne seine Spione zu bemerken, die Straße herunter. Lotte und Seffe sahen sich gleichzeitig an und liefen, wie auf Kommando, dem jungen Mann mit der roten Kappe und den Dreadlocks hinterher. Er ging ohnehin in die Richtung, in die sie auch wollten. Bald verließen sie die Stadt. Sie hatten den Abstand soweit erhöht, dass der andere auf sie nicht aufmerksam wurde.
Irgendwann wurden auch die Straßen weniger und sie konnten das Rauschen der Autobahn kaum noch hören, schweigend und dem anderen immer noch auf der Spur, liefen sie einen Landweg mit Feldern an den Seiten entlang. Das Getreide um sie herum war hoch gewachsen und erstreckte sich weit, in großen Vierecken. Hin und wieder wurden die verschiedenen Kornsorten von einem Wiesenteil getrennt. In der Ferne konnte man erkennen, dass sie auf einen Wald zugingen. Was allerdings noch eine ganze Weile dauern würde, bis sie ihn erreichen würden. Dann blieb der Verfolgte neben einer Bank unter einem einzelnen Baum stehen.
Sie konnten erkennen, wie er in seiner Tasche wühlte und ein Bibor und Morlord aus den Bällen ließ. Lottes Blick wurde finster und sie sagte zu Seffe: „Er darf seinen Monstern das nicht geben! Wir müssen ihn aufhalten!“
Kurz schien Seffe zu überlegen, doch ohne eine Antwort abzuwarten, rannte Lotte auf den anderen zu. Zitrone und Pudding nickte und unterstützten sie mit einem kurzen Aufschrei, dann rannten sie ihr hinterher. Seffe rollte mit den Augen und beschleunigte seinen Schritt.
Der Junge, dessen Hautfarbe einen dunklen Teint hatte, blickte verwundert zu dem Mädchen.
„Tu das nicht! Stopp!“, rief ihm Lotte entgegen und er verzog finster guckend sein Gesicht. Bibor flog vor ihn und zischte. Lotte stockte und stand ein paar Meter vor ihm. Die große Wespe vor ihr hatte gefährliche Stacheln, wie Lanzen, anstelle ihrer Hände und zielte damit auf sie. Morlord schien immer zu grinsen und sah sie aus seinen kleinen Knopfaugen an.
„Was willst du von mir?“, fragte der Trainer und tat eine abwertende Handbewegung.
Lotte war direkt aufgefallen, dass er die weiße, kleine Schachtel in seiner Hand hielt. „Gib es ihnen nicht!“
„Pi! Pikachu Pi piii!“ Die zwei Elektronager saßen nun rechts und links von ihr.
Kurz stockte der junge Trainer, dann sah er böse zu dem Mädchen und den Pikachus herab. „Hau ab! Ich lass mir von dir doch nichts verbieten!“
Sein Bibor zischte und zuckte kurz auf Lotte zu, welche darauf zurück ging und plötzlich sanfte Hände auf ihrer Schulter spürte. Es war Seffe, dem sie fast auf die Füße getreten wäre.
„Junge, fahr deinen Monstern nicht diese Scheiße rein!“, sagte Seffe in ruhigem Ton und stellte sich lässig neben Lotte.
Bibor visierte den Mann mit den blauen Haaren an und zischte auf ihn zu. Doch Seffe wich keinem Zentimeter zurück. Er verengte nur seine Augen und Bibor stoppte 30 Zentimeter vor ihm. Für ein paar Sekunden verweilten sie so, dann wich die große Wespe zurück und blickte zu seinem Trainer.
Doch der ließ sich nicht so schnell verunsichern. Er wirkte zwar kurz nachdenklich, wurde dann jedoch sauer. „Was wollt ihr eigentlich von mir? Verpisst euch endlich oder meine Pokémon bringen euch dazu!“
„Das Zeug ist gefährlich für deine Monster! Egal was man dir erzählt hat, gib ihnen nicht die Tabletten! Es wäre ein großer Fehler!“, sagte Lotte, dabei versuchte sie so glaubwürdig wie möglich zu klingen.
Der andere schüttelte den Kopf. „Ach... ihr spinnt doch! Ich weiß gar nicht, was ihr von mir wollt. Außerdem geht es euch einen Scheißdreck an. Bibor, pass` auf, dass die nicht näher kommen.“ Mit den Worten wandte er sich ab und öffnete die Schachtel.
Seffe verzog den Mund und schüttelte den Kopf. „Jugendlicher Leichtsinn“, sagte er mit einer schweifenden Handbewegung, ehe er seine Brille die Nase hoch schob. Dann bemerkte er Lottes auffordernde Kopfbewegung und schnaufte. Kurz zögerte er und ging dann schließlich ein paar Schritte auf den fremden Jungen zu. „Gib mir das Zeug!“, sagte er in tieferem Ton als sonst und streckte seine Hand aus.
Nun witterte die Wespe Gefahr und wurde sauer, sie holte aus und Seffe duckte sich reflexartig, um ihrem Stachel auszuweichen. Im nächsten Moment bekam das Käfer-Gift-Monster einen Donnerblitz ab. Zitrone stand neben ihrem Trainer und kreuzte die Arme. „Piii!“
Pudding hüpfte neben Zitrone und nickte kampfbereit.
Der Jungtrainer war bei der plötzlichen Elektro-Attacke erschrocken und ballte die Hände, dann hob er einen Finger in die Höhe. „Ich glaube, du spinnst! Aaaaabstand, Alter!“ Er trat zwei Schritte von Seffe ab und schüttelte langsam seinen Kopf. „Ihr wollt das Zeug doch nur selber haben! Aber das könnt ihr vergessen! Dafür war es viel zu teuer! Die Vitamine bewirken nämlich Wunder!“ Dabei hob er grinsend einen Ball in die Höhe und spielte sein Donphan aus.
Der graue Elefant war nur etwas höher als einen Meter und hatte große Stoßzähne. Dabei zog sich ein harter Panzer komplett über seinen Rücken sowie über seinen Kopf und Rüssel. Er trompetete laut und sein Trainer rief: „Hau die mit der Dampfwalze um, die nerven! Los!“
Um Anlauf zu nehmen, rannte das Boden-Monster eine Runde um seinen Trainer, dann sprang es nach vorne und rollte sich in der Luft wie ein Gürteltier zusammen. Mit einem dumpfen Rums, kam es auf dem Boden auf und rollte schnell auf die anderen zu.
„Ausweichen!“, rief Seffe, da sprang erst Zitrone, dann Pudding, gefolgt von ihm und schließlich Lotte zur Seite. Dabei stolperte Lotte über den unebenen Weg und landete auf den Knien. Sie fing sich mit den Händen ab, um mit dem Gesicht nicht im Schmutz zu landen und winselte leise, als sich die kleinen Steinchen in ihre Handflächen bohrten.
Der Junge mit den Dreadlocks lachte nur. Donphan hatte genug Schwung und drehte, ohne sich wieder aufzurollen, in einem großzügigen Halbkreis. Lotte hob erschrocken ihre Brauen, als Donphan immer schneller wurde und direkt auf sie zukam. Sie würde nicht schnell genug ausweichen können und Donphan wich nicht von ihrer Richtung ab, was sie laut aufschreien ließ. Plötzlich bäumte sich ein Turtok vor ihr auf. Verdutzt hielt sie inne und sah zu Seffe, welcher noch den Pokéball hoch hielt.
Durch die große Schildkröte ging ein Beben, als Donphan, mit einem dumpfen Schlag, an ihren Bauchpanzer knallte.
„Turrrrrr!“, knurrte Blueshell tief und stieß das benommene Boden-Pokémon von sich.
Seffe lächelte Blueshell an. „Danke, meine Hübsche! Und jetzt: zeig ihm wie das Dodri läuft!“ Klicken für die Redewendung ;)
Das Turtok fing an breit zu grinsen und zwei Klappen auf seinem Panzer öffneten sich. Ehe die Kanonenrohre ganz rausgefahren waren, wurde das Donphan von den Wasserstrahlen der Hydropumpe weg geschossen. Der Elefant stieß ein schmerzerfülltes Trompeten aus und wurde in die Wiese gedrückt. Donphan blieb kraftlos liegen, als Turtok das Wasser wieder einstellte und sich schwerfällig zu Lotte drehte. Das kalte Metall der Kanonenrohre glänzte in der Sonne und ein Wassertropfen traf Lotte an der Wange.
Lotte blickte das mächtige Turtok aus großen Augen an, welches sie aus sanften Augen anzulächeln schien. Dann seufzte sie erleichtert, lächelte dankbar zurück und stand wieder auf.
Der fremde Trainer schüttelte seinen Kopf und griff sich in die Dreadlocks. „Waaaaas?“, rief er mit steigender Betonung. Dann sah er finster zu seinem Gegenüber mit den blauen Haaren.
Seffe kaute auf seinem Kaugummi herum und machte nur eine schweifende Handbewegung. „Mehr hast du nicht drauf?“ Gleichzeitig zog er Blueshell wieder zurück.
Lotte seufzte, schüttelte den Kopf und fasste sich mit einer Hand gegen die Stirn, musste Seffe jetzt provozieren? Wirklich? Sie konnte dem Jungen deutlich ansehen, dass ihm die schnelle Niederlage seines Donphans gar nicht schmeckte. Zähneknirschend zog er das Boden-Monster wieder in seinem Ball. „Dir werd ichs zeigen!“, sagte er und ließ ein Tangoloss frei. „Jetzt komm mir nochmal mit deinem blöden Turtok!“
Tangoloss` blau-graue Ranken wackelten alle unterschiedlich, als wäre er von tausenden Würmern umgeben. Seine Augen lugten, wie aus einer kleinen Höhle, aus seinem knubbeligen Körper hervor. Das Pflanzenmonster stand auf zwei kurzen Beinen und die Ranken, an seinen Seiten, wuchsen wie Arme aus ihm heraus, dessen Fingerspitzen waren rot gefärbt.
Seffe rollte kurz mit den Augen und entfesselte seine Arkani-Dame. „Ernsthaft?“, fragte er. Dann streckte seinen Arm nach vorne, mit der Handfläche nach oben und bewegte seine Finger zu sich. „Gib mir die Schachtel, dann bin ich gnädig im Kampf.“
Paulinchen hatte die Brust stolz heraus gedrückt und sah mit erhobener Schnauze auf das Pflanzen-Monster herab, dabei wallte ihre Mähne majestätisch im leichten Wind.
Der junge Mann mit den Dreads hatte die Fäuste geballt und schüttelte seinen Kopf. „Morlord! Lehmbrühe auf das Arkani!“
Morlord gehorchte sofort und tapste auf seinen zwei Beinen wankend vorwärts, was den dicken, hellblauen Lurch sehr niedlich aussehen ließ. Es öffnete sein Maul und spuckte in einem Strahl matschbraunes Wasser heraus.
„Ausweichen! Flammenwurf!“, rief Seffe seinem hundeähnlichen Pokémon zu und zeigte dabei auf Tangoloss.
Paulinchen sprang im richtigen Moment zur Seite und wirbelte herum, um sich gegen Tangoloss zu richten. Zwischen ihren Zähnen stießen kleine Flammen heraus, um in der nächsten Sekunde einen feurigen Strahl auf das Ranken-Monster zu spucken.
Tangoloss und seinem Trainer ging es zu schnell und das Pflanzen-Monster wurde getroffen und fing an zu brennen. „Tangoooo-go-go-goooo! Loooooss!“
Panisch rannte es den Weg herunter, an Seffe vorbei, der einen Schritt zur Seite tat und ihm mitleidig hinterher blickte. Tangoloss warf sich in die Wiese und rollte darin herum, um die Flammen zu löschen.
„Bibor, greif das Arkani mit deinen Giftspitzen an!“, rief der Dread-Träger. Er hatte sein Gesicht verkrampft zusammengezogen und fuchtelte mit seinen Händen wild in der Luft herum.
Bibor ging sogleich auf das Feuer-Pokémon los. Doch Arkani schnappte einen seiner lanzenartigen Stacheln und seine noch glühenden Zähne bohrten sich tief hinein. Dann riss der Feuerhund die Wespe zu Boden und sprang von ihr weg.
Die Pikachus saßen an Lottes Seite und guckten verdattert. Der andere würde jetzt sicherlich nicht mehr mit sich reden lassen, befürchtete Lotte zu Recht.
Nun wurde Arkani von der Lehmbrühe getroffen. Morlord hatte die Attacke ein zweites Mal ausgestoßen und Paulinchen schüttelte sich verdreckt im Gras.
„Ok. Jetzt reicht es!“, sagte Seffe, seine Betonung war gefährlich leise. „Zitrone, Pudding!“ Er zeigte auf das Bibor und ballte seine Faust, dann öffnete er seine Hand schnell.
Die zwei Pikachus verstanden und sprangen mit knisternden Wangen sofort in Richtung der Wespe und attackierten sie mit einem Donnerblitz. Bibor sank während der Attacke ein Stück gen Boden, doch es fing sich auf bevor es ihn erreichte. Seine roten Insektenaugen funkelten gefährlich im Licht der Sonne. Es war noch nicht am Ende seiner Kräfte und ging wieder über die Pikachus zu attackieren.
Zitrone und Pudding rissen gleichzeitig ihre Augen auf und ließen ihre Ohren sinken, dann wichen sie den Stacheln der großen Wespe aus. Immer wieder schossen sie Blitze auf sie ab, doch dann wurde Pudding getroffen. Schreiend flog das Pikachu ein paar Meter durch die Luft, um dann unsanft über den Schotterweg zu rollen. Zitrone blickte ihrem Partner ebenfalls schreiend hinterher, dann legte sie ihre Ohren zurück und setzte einen Donner auf das schwarz-gelbe Monster ab.
Bibor zischte und fiel zu Boden.
Pudding lag auf dem Weg und zuckte ein paar Mal, ehe er auseinander floss und langsam wieder zu einfacher pinker Masse wurde.
Der fremde Trainer beobachtete irritiert das Pikachu, das wieder zu Ditto verschwamm.
Tangoloss murrte und schlug nun mit seinen brennenden Ranken nach Zitrone. Das Pikachu wich allen Attacken mit Agilität aus.
Paulinchen fletschte ihre Zähne und rannte mit einem kurzen bellen los, um Zitrone zu helfen. Sie sprang hoch, um nicht erneut vom dreckigen Wasserstrahl getroffen zu werden und packte das Pflanzen-Pokémon von hinten mit der Attacke Feuerzahn. Tangoloss gab einen schmerzerfüllten Laut von sich und wurde von Arkani weiter in die Wiese geschleudert. Mit angesenkten Ranken blieb es ohnmächtig liegen.
Seffes Blick wanderte langsam von einem kämpfenden Monster zum anderen und verzog den Mund. Die Situation war wohl etwas eskaliert. Seufzend wandte er sich zu dem anderen um. „Komm´ lass Frieden sein! Wir wollen doch nur nicht, dass du einen Fehler begehst! Gib mir das Zeug einfach!“ Er startete einend dritten Versuch den Jungen zu erreichen und hielt wieder seine Hand auf. Doch der andere ging nicht darauf ein und ließ einen Flammpivian heraus.
Der Feueraffe mit dem breiten, fiesen Grinsen und den feurigen Augenbrauen schnaufte ein paar Mal und Qualm kam aus seinen Nasenlöchern. Dann sprang er mit einem Schrei auf Seffe zu, welcher schnell in die Knie ging, wobei der Affe hinter ihm landete.
Bibor hatte sich wieder wach geschüttelt und flog mit der Attacke Nadelrakete auf Zitrone zu. Seine zwei Lanzen schossen immer wieder so schnell nach vorne, dass die Bewegung vor den Augen verschwamm. Zitrone rannte dabei im Zick-Zack und schreiend vor der Wespe weg. Paulinchen legte ihre Ohren zurück und galoppierte auf Bibor zu, um nach ihm zu schnappen. Doch auch Morlord stand noch und schoss ständig mit dreckigem Wasser auf sie. Immer wenn Paulinchen ausweichen musste, gewann sie mehr Abstand von dem Käfer-Gift-Monster.
Pudding glibberte über den Weg und schüttelte sich. Er nahm die Gestalt der Wespe an, natürlich in schwarz-rosa und flog, in seiner neuen Form, Zitrone zu Hilfe. Das neongelbe Pikachu blickte nach hinten zu ihrem Gegner und dann nach vorne zu Pudding. Es riss schreiend die Augen auf und bremste, wobei sich sich zurücklehnte und das letzte Stück, bis zum Stopp, auf ihrem Po rutschte. Dann entlud sie einen Ladungsstoß. Die Elektroattacke stieß zu allen Seiten aus dem Maus-Pokémon heraus. Das Bibor hinter ihr änderte blitzschnell die Richtung und flog weg. Das andere vor ihr zischte und fiel zu Boden, ehe es wieder zu pinker Masse zerfloss. Zitrone ließ seufzend ihre Ohren hängen, dann tätschelte sie reumütig Pudding. „Pikaaa, pikaaaaachu.“
Lotte beobachtete die Szene und griff sich mit beiden Händen in ihre Haare! Seffe ließ seinen Blick über das Chaos wandern und hob in ihre Richtung entschuldigend seine Schultern. Es waren zu viele Monster draußen, als dass man alle hätte kontrolliert führen können. Jetzt musste der Kampf beendet werden, bevor man mit dem Jungen wieder sprechen konnte. Seffe ließ Dragonir frei und zwinkerte Lotte zu. Sie würde das mit dem Drachen schon hinbekommen. Verdutzt begriff sie, dass er ihr Ludwig anvertraute.
Ohne sich von den schillernden Schuppen des Dragonirs ablenken zu lassen, ließ auch der andere sein Tauboga frei. Es war sein letztes Monster.
„Wenn du echt dein ganzes Team verspielen willst, kannst du das gerne haben“, sagte Seffe und warf schwungvoll wieder den Ball von Turtok in die Höhe.
Der junge Trainer hob seine Kappe an und wedelte sich Luft zu. Er fing an zu schwitzen. Doch bei der aufbrausenden Tussie und ihrem selbstgefälligen Macker, würde er jetzt auf gar keinen Fall einfach aufgeben.
Ludwig gehorchte gut und sofort auf Lotte. Mit ihm ging sie taktisch auf das Morlord los, welches sich bald ohnmächtig auf dem Schotterweg befand. Arkani konnte derweil Bibor packen und schüttelte es durch die Luft. Zitrone ließ ihre Blitze auf das Tauboga los, worauf die Taube mit dem orange-roten Kopfgefieder, nicht viel erwidern konnte. Blueshell traf den verrückten Affen mit ihrer Hydropumpe nur ein Mal, dann blieb auch dieser erschöpft liegen.
Nicht ein Pokémon von Seffe war besiegt, worauf er, die Monster und Lotte auf den Jungen zugingen. Nach und nach hatte dieser seine ohnmächtigen Monster eingezogen und Lotte hielt ihm finster guckend die offene Hand hin.
„Glaub uns einfach! Es ist besser so! Das sind gefährliche Drogen für Pokémon, die ihr komplettes Wesen verändern! Wenn du sie uns gibst, beschützen wir dich vor dem Schlimmsten.“ Bei dem Gesagten sah sie ihn ernst an.
Seffe stand mit gekreuzten Armen hinter ihr und blickte Kaugummi kauend gen Himmel. Seine Pokémon standen um sie herum und machten bestätigende Töne.
Der Andere setzte seine Kappe wieder auf und sah sauer zu Boden. Er wurde von denen einfach abgespeist, dabei hatte der blauhaarige Typ gerade mal vier Monster verwendet. Widerwillig gab er dem Mädchen die Packung. „Ihr wollt mich doch verarschen! Wahrscheinlich haben deine Pokémon das Zeug schon bekommen, deswegen sind die so stark! Und ihr beklaut die Leute alle!“ Dabei zeigte er erst auf Seffe, dann nacheinander auf dessen Monster.
Gerade hob Seffe beide Brauen und holte Luft, um ihm die Leviten zu lesen, da hielt ihn Lotte zurück. Sie hob nur kurz ihre Hand und Seffe stockte verwundert, dann ging sie mit strengem Blick einen Schritt auf den anderen zu. Sie standen sich nun fast Nase an Nase gegenüber. „Was ein Quatsch! Wir haben deine illegalen Geschäfte in Prismania gesehen! Wir sind Mitglieder der A. D. O. – der Anti-Drogen-Organisation! Und rate mal warum auf der Packung ein „D“ steht!“ Kurz wackelte sie mit dem weißen Päckchen vor der Nase des anderen herum, welcher nur verdutzt von ihr zu Packung guckte.
„Richtig!“, sagte Lotte, ohne eine Antwort abzuwarten, „Es steht für Drogen! Und Drogen sind nicht gut! Weder für Mensch, noch Pokémon! Die erzählen dir nur, es sind irgendwelche Vitamine, aber in Wirklichkeit ist es eine gefährliche Chemikalie die du deinen Monstern damit geben würdest! Du hast keine Ahnung, wie viel Schaden du damit anrichten kannst! Ließ mal Zeitung, bevor du jeden Schwachsinn glaubst!“
Seffe musste sich ein Grinsend verkneifen und rollte mit den Augen. Doch er musste zugeben, dass seine Begleitung sehr glaubwürdig rüber kam. Also spielte er mit, indem er bestätigend nickte. „Du hast ein starkes Team. Trainiere es lieber so weiter wie bisher und glaube an deine Monster, so wie sie an dich glauben! Damit wirst du eines Tages viel mehr erreichen!“
Der andere wirkte von einem auf den anderen Moment nachdenklich, ehe er langsam nickte. „Es tut mir Leid. Und jetzt? Wollt ihr mich jetzt anzeigen?“
Seffe und Lotte tauschten einen Blick aus. „Nein, es reicht uns, wenn du daraus gelernt hast und in Zukunft die Finger von dem Zeug lässt!“, antwortete Lotte.
Ihr Gegenüber blickte schuldbewusst zu Boden und Seffe versuchte sein Alter zu schätzen. Er war höchstens 20 Jahre alt. Seufzend nahm Seffe seinen Rucksack vor. Aus der vorderen Tasche holte er zwei Beleber und hielt sie dem Jungtrainer hin. „Damit bekommst du zwei deiner Monster wieder fit, der Weg zum nächsten Pokémon-Center zieht sich etwas. Sieh es als milde Gabe und wehe dir, wir erwischen dich nochmal!“
Lotte nickte und stemmte ihre Fäuste in die Taille. „Ja, dann lassen wir dich nicht so schonend davon kommen! Wir haben dich im Auge!“
Der Junge blickte von einem zum anderen, ehe er die Medizin entgegennahm und nickte. „Es tut mir wirklich leid und danke, dass Sie mich davon abgehalten haben. Ich werde nie wieder so leichtsinnig sein! Ich will ein guter Trainer sein und werde immer an Ihre Worte denken.“
Lotte wirkte zufrieden, während Seffe nur eine knappe Kopfbewegung machte, um zum Weitergehen zu animieren. Bis auf Zitrone und Ludwig zog Seffe seine Monster zurück, Pudding klebte er sich auf die Schulter.
Kurz verabschiedeten sie sich noch von dem anderen, welcher den Weg zurück nach Prismania ins Pokémon-Center einschlug und sie gingen weiter in Richtung Nord-Osten. Während sie nebeneinander herliefen und grinste Lotte über beide Ohren. Sie waren tatsächlich erfolgreich mit ihrer kleinen Notlüge gewesen.


Partnertausch

Es war später Nachmittag und sie kamen allmählich dem Wald näher. Die Wege schienen sich bis in die Unendlichkeit zu ziehen und sie gingen an Wiesen und Feldern vorbei. Es war merklich wärmer geworden und die Luft war schwül.
Natürlich hatten sie kein Proviant dabei und hatten den Tag noch nichts gegessen. Seffe hing der Magen in den Knien. Zu aller Übel, ging es auch noch leicht bergauf, was ihn hörbar schnaufen ließ. Es waren doch immer die sachten Steigungen die sich extrem zogen und einfach kein Ende nehmen wollten.
Lotte wirkte wie immer fit und ging mit federndem Schritt voran, ihr geflochtener Zopf schwang dabei von links nach rechts. Dragonir schlängelte derweil an ihrer Seite.
Seffe hatte seit einer guten Weile nichts mehr von sich gegeben und trottete ihr hinterher. Seine Lederjacke hatte er ausgezogen und hielt sie mit einer Hand, wobei sie fast am Boden schleifte. Im anderen Arm trug er Zitrone, wie ein Baby und auf seiner Schulter klebte Pudding.
Lotte blickte hinter sich und schüttelte lachend den Kopf. „Zitrone, Pudding, was ist los mit euch? Oh man, Seffe, jetzt zieh doch nicht so ein Gesicht. Glaubst du etwa mir ist nicht warm und ich habe keinen Hunger?“ Sie hatte sich zu ihm gedreht und hüpfte rückwärts vor ihm her. Ludwig gab einen schnurrenden Laut von sich und wackelte mit den Ohren. Auch er ließ sich vom Hunger und dem Wetter nicht viel anmerken.
Seffe rollte mit den Augen. „Ich frag' mich echt woher du deine Energie nimmst. Und warum trage ich dich eigentlich die ganze Zeit, Zitrone? Du hast vier Beine und kannst selber laufen.“ Er ließ Zitrone fallen, mit dem Wissen, das sie auf ihren Beinen landete, bekam aber trotzdem vorwurfsvolle Blicke von ihr ab.
„Ja, was denn? Du wirst langsam echt schwer!“ Er hob seine Schultern an und blickte dann wieder zu Lotte. „Ich bin doch kein Schlepp-Chevrumm. Den Rucksack trage ich auch die ganze Zeit. Da sind auch deine Sachen drinnen.“
Lotte grinste ihn nur an und klimperte mit den Wimpern. „Du bist ja auch ein Gentleman.“
„Nicht das ist wüsste.“ Seffe zog seine Brauen zusammen, ehe sich seine Mimik prompt wieder erhellte und er nach vorne zeigte. „Seht mal da! Vielleicht bekommen wir dort was zu futtern!“ Seine Vorfreude konnte man unschwer erkennen.
Schwungvoll drehte sich Lotte um, jetzt wo sie an der höchsten Stelle angekommen waren und es wieder leicht bergab ging, konnte sie sehen, dass es zum Wald nicht mehr allzu lange war und davor, auf einem Feldweg, stand ein alter kantiger Wagen.
„Was ist das? Ein Wohnwagen ist es nicht, oder? Sieht aus wie ... ne Kutsche?“ Lotte umgriff sich selbst mit ihren Händen und kurz bekam sie eine Gänsehaut. „Ich weiß nicht Seffe, was soll es da zu essen geben? Ich finde das Ding sieht schon aus der Entfernung gruselig aus.“
„Es ist mir ehrlich gesagt egal, wie das Teil aussieht. Vielleicht ist es 'ne Frittenbude oder so“, sagte Seffe und Zitrone sprang jubelnd auf einer Stelle.
Lotte verschränkte ihre Arme und schnaufte. „Ich will euch ja nicht enttäuschen, aber ich denke: eher nicht. Das würden wir wahrscheinlich auch riechen.“
„Wie dem auch sei. Ich werde mir das mal genauer anschauen.“ Seffes Neugier trieb ihn an und in großen Schritten hatte er mit Zitrone Lotte und Ludwig überholt. Pudding auf seiner Schulter winkte Lotte zu, als Seffe an ihr vorbei rauschte. Das rosafarbene Dragonir jaulte kurz auf und Lotte rollte mit den Augen. Dann lief sie den anderen hinterher.

Nach ein paar Minuten waren sie angekommen. Es war ein alter, umgebauter Wohnwagen, welcher vorne tatsächlich eine Art Bank angebracht hatte sowie Stangen und Gurte damit ihn Monster ziehen konnten. Lotte blieb etwas abseits stehen, während Seffe und Zitrone um den Wagen herum schlichen. Er war beige lackiert, jedoch ziemlich herunter gekommen und rostete an vielen Stellen. Seffe klopfte schließlich an der Tür, doch es tat sich nichts. Moos hing an den Gummis der Fenster und durch die schwarzen Gardinen im Inneren konnte man nicht herein schauen.
„Seffe bitte! Lass uns wieder gehen. Im Wald gibt es bestimmt ein Gasthaus, indem wir uns ausruhen können. Da bekommen wir dann auch etwas zu essen“, sagte Lotte mit deutlicher Furcht in der Stimme.
„Da müssen wir aber noch weiter laufen. Meine Füße sind platt und mir hängt der Magen in den Knien, außerdem“, Seffe brach seinen Satz ab und drehte sich von ihr ab, denn im Wagen hörte man Geräusche und die Tür ging langsam auf.
Eine feine, beige Schnauze kam heraus und schnupperte. Die anderen sahen fragend zur Tür und ganz langsam kam ein fuchsartiger Kopf hervor. Das Gesicht lief zur Schnauze spitz zusammen, die Wangen waren flauschig und zwei rote Augen sahen sie neugierig an. Dann trat das Fennexis ganz heraus. Auf dem Kopf waren zwei übergroße dreieckige Ohren, aus denen dunkelrotes, langes Fell, wie Flammen, wuchs. Auf der Stirn trug es einen glänzenden Stein, der in allen Farben schimmerte und an einem hübschen, goldenen Diadem befestigt war. Es stand aufrecht auf zwei zierlichen Pfoten, das Fell an seinem Körper war länger und sah aus wie ein dunkelrotes, schweres Kleid.
(Ich liebe die schillernde Farbe von Fennexis <3 Habe es aber nicht in der Sonderfarbe reingebracht, weil es zu viel geworden wäre...
https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtcEN41cIZVY7udKI

Und hier eins in reality <3
https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtdROQT_kxxUZ1nBI DeviantArt, by Renepolumor )


Das Wesen war eine Mischung aus Fuchs und Mensch, hüpfte elegant die kleine Treppe herunter und lief neugierig auf Seffe zu. Es streckte seinen Kopf voraus und schnupperte an ihm, dabei fing die beige Fuchsrute des Monsters an zu wedeln und aus großen Augen sah es den Trainer freundlich an. Seffe stand nur regungslos da und ließ es geschehen, dann lächelte auch er. Das Feuer-Psycho-Pokémon war ihnen gegenüber scheinbar friedlich gesinnt. Als Fennexis auf Lotte zu hüpfte erstarrte sie. Auch sie wurde beschnuppert und während das fremde Monster sie begutachtete, ging Zitrone auf es zu. Das kleine Pikachu machte es dem Fennexis nach, stellte sich, leicht nach vorne über gebeugt, auf seine zwei Hinterbeine und schnupperte an dem Fuchswesen, welches nur verschämt und kichernd zurück zuckte. Ludwig wackelte mit seinen Ohren und beäugte das fremde Monster skeptisch. Pudding versteckte sich derweil hinter Seffe.
„Ich habe euch erwartet.“
Alle, außer Fennexis, zuckten zusammen, als eine kratzige Stimme erklang. Ruckartig sahen alle in die Richtung und das fuchsartige Pokémon hüpfte in eleganten Sprüngen auf seine Besitzerin zu. Eine alte Frau stand in der Tür des Wagens. Sie hatte polange, weiße Haare, welche glatt über ihre Schultern fielen und trug ein dunkelrotes Kleid sowie klobige goldene Ohrringe. Wie das Fennexis hatte sie ein Diadem auf dem Kopf, welches den gleichen mysteriösen Stein fasste. Die Frau war gefühlte 200 Jahre alt, so viele Falten hatte sie. Ihre Haltung war leicht gekrümmt und sie stützte sich auf einen hölzernen, in sich geschwungenen Stock ab. Dabei kraulte sie das Fuchs-Pokémon am Kopf.
„Du musst der Trainer aus Alabastia sein und du seine bezaubernde Begleitung.“
Seffe hob nur eine Braue und sah zu Lotte, deren Blick skeptisch war und eine Portion Angst verriet. Woher wusste die Alte wer sie waren?
Die Frau lächelte und machte eine Handbewegung. „Kommt rein, Kinder, kommt rein. Ihr habt sicherlich großen Hunger. Mit Sicherheit, ja.“ Sie wandte sich um und ging vor.
Nun hob Seffe auch die andere Augenbraue, die Szene hatte er doch letztens erst erlebt, nur dass Lottes Oma damals weniger schräg und weniger wie eine alte, verrückte Hexe aussah. Kurz verweilte er nachdenklich und kam auf die Geschichte von Hänsel und Gretel. Was nahm Märchen nochmal für ein Ende? Seffe zuckte mit den Schultern und lief auf die Tür des Wohnwagens zu.
Lotte packte Seffe am Arm, der sie erst ignorieren wollte, doch ihr Griff festigte sich immer mehr und sie stemmte sich so stark gegen ihn, dass er sich zu ihr umdrehte.
„Aua, verdammt! Was soll das?“
Lotte schüttelte nur wild den Kopf, wobei ihr geflochtener Zopf schwungvoll von links nach rechts flog. Dann klammerte sich auch Zitrone an Seffes Hosenbein und versuchte ihn quietschend zurück zu halten. Sie hatte ihre Ohren zurückgelegt und blickte aus großen Augen hoch zu ihrem Trainer.
„Piiika pikachuuuu!“
„Reißt euch zusammen! So wie es scheint, hat sie gerade gekocht! Riecht ihr das nicht?“ Seffe zog beide mit sich.
„Wahrscheinlich sind wir die nächsten die sie kocht“, sagte Lotte und versuchte angestrengt gegen ihn zu halten, bis sich ihr Griff langsam lockerte und sie schnaufte. Soviel Hunger könne ein Mensch doch gar nicht haben, dachte sie sich noch, aber täuschte sich wohl. Sie stolperte hinter Seffe die Treppe des Wohnwagens hoch, während Pudding sie an piepte. Mit verengten Augen schlängelte Dragonir langsam hinter allen her.
Mit mulmigem Gefühl guckte sich Lotte mit den anderem im alten Wohnwagen um. Es war recht dunkel und in der Luft, lag der intensive Duft von Räucherstäbchen. Eine halbe Wand des kleinen Raumes war voll mit Büchern, welche merkwürdige Titel trugen, wie „Das Buch der Zukunft“, „Hellsehen mit Pokémon“ und „Die Bestimmung“. Sogar eine große Glaskugel fehlte nicht. Lotte musste ihren Blick eigentlich gar nicht weiter dafür schweifen lassen, um zu wissen, dass sie wirklich bei einer Hexe gelandet waren. Die Einrichtung war finster und es standen ein paar Schädel herum, dass diese nur aus Plastik waren, glaubte die junge Trainerin nicht und verzog ihr Gesicht. Einige hatten Kerzen auf ihre Schädeldecke geklebt bekommen und das Wachs war an ihnen herunter gelaufen, als sie brannten.
Ludwig war nah bei Lotte und sah wachsam aus. Er hatte bemerkt, dass sie Angst hatte und wollte ihr das Gefühl geben, dass er sie beschützen würde. Zitrone und Pudding hingegen hielten sich auf Seffes Schulter fest, nur dass sie eher Schutz bei ihm zu suchen schienen. Zitrone hatte ein unwohles Gefühl und sah sich aufmerksam um. Es gab eine kleine Sitzgruppe und einen Tisch und die Frau bat die „Kinder“ platz zu nehmen.
Seffe schien das recht wenig aus zu machen und er tat das Gesagte einfach. Lotte rollte mit den Augen und setzte sich mit strafendem Blick neben ihn, während Seffe sie anlächelte. Die Frau stand an einer Art Tresen, dann war der Raum schon zu Ende. Sie holte eine große Schüssel hervor und stellte sie in die Mitte des Tisches, dabei lächelte sie. Es war auf jeden Fall essbar, man konnte Reis erkennen, Früchte und alles war vermengt mit einer Soße. Fennexis gab den beiden mit einer gleitenden Bewegung zwei Schüsseln und Löffel, ehe sie mit einem noch größeren Löffel die Schälchen füllte.
Lotte saß einfach nur da und hatte skeptisch die Schüssel in ihren Händen, welche sie ein Stück von sich weg hielt. Seffe wühlte bereits mit dem alten Silberlöffel darin herum und betrachtete die Masse etwas genauer.
„Keine Sorge, das ist vegetarisch“, sagte die alte Frau mit sanftem Lächeln. „Ich denke, ihr werdet es alle mögen.“
Seffe hob erneut eine Braue. Auch Ditto, Pikachu und Dragonir bekamen von Fennexis eine Schüssel gefüllt und hingestellt. Die Monster schnupperten jedoch nur daran und blickten alle gleichzeitig zu ihrem Trainer.
Langsam sah jetzt auch Lotte zu Seffe, doch dieser presste nur kurz die Lippen zusammen und fing an zu essen. „Echt jetzt?“, zischte sie leise zu ihm. Sie konnte es nicht glauben! „Dasch schmeckt schupa“, antwortete er ihr und schaufelte weiter das Essen in sich rein. Zitrone, Pudding und Ludwig starrten ihn eine Weile an, dann fingen auch sie an zu essen.
Lotte schnaufte genervt und rollte mit den Augen, ehe sie die Schüssel patzig auf den Tisch stellte. Sie würde noch ein paar Minuten abwarten. Wenn die anderen plötzlich umkippen würden, wüsste sie Bescheid. Fennexis hatte sich neben der Gruppe hingehockt und sah das Mädchen mit großen, traurigen Augen an, dabei schob sie ihr die Schüssel ein Stück zu, woraufhin Lotte die Arme verschränkte und ruckartig den Kopf zur Seite warf. Nun setzte sich die alte Frau zu ihnen, auf den letzten freien Platz. Sie lächelte das Mädchen sanft an. „Wenn Josef keine schlechte Vorahnung hat, kannst du es auch essen, Kindchen. Fennexis würde an meinem Geiste zweifeln, würde ich euch vergiften.“
In dem Moment verschluckte sich Seffe und fing an zu husten, dabei sah er zu der Alten. „Bitte?“, stieß er rau aus. Sie wusste, dass er aus Alabastia kommt, dass er Vegetarier war und kannte seinen richtigen Namen. Was würde sie sonst noch alles wissen?
Lotte sah ruckartig zu ihm und konnte ein Kichern nicht unterdrücken. „Josef? Dein richtiger Name ist wirklich Josef?“
Seffe warf ihr einen finsteren Seitenblick zu, ehe er einfach weiter aß.
Die Frau hatte die Augen geschlossen, aber ihr geheimnisvolles Lächeln nicht verloren. „Er mag seinen Namen nicht besonders.“
Mit einem Augenrollen sah Seffe kurz genervt nach oben, wahrscheinlich wusste sie auch, wann er das letzte mal Kacken war.
Lotte kicherte erneut bei seinem Gesichtsausdruck, dann blickte sie skeptisch zur Frau. Woher wusste Sie das alles? Irgendwie war es ihr unheimlich und eine kurze Gänsehaut legte sich über ihre Arme.
„Ich habe euch erwartet, aber ihr wart zwei Minuten zu früh“, sagte die Frau, öffnete ihre eisblauen Augen und blickte durch die Runde. „Aber vielleicht geht auch meine Uhr nicht mehr richtig.“ Dabei hatte sie eine Taschenuhr aus ihrem Ärmel fallen lassen, steckte diese jedoch gleich wieder weg. „Josef und Charlotte. Es war Schicksal, dass ihr euch begegnet seid.“
Seffe hörte langsam auf zu kauen und sah nur mit den Augen zur Alten hoch. Einen Moment verharrte er in seiner Pose. Die Frau erwiderte seinen Blick starr und machte keine Anstalten ihm auszuweichen, bis sie ihre Augen wieder schloss und erneut in ein Lächeln überging.
Das könnte ja noch interessant hier werden, ging es Seffe durch den Kopf und er verzog den Mund leicht.
Lotte stockte und beobachtete die zwei dabei. Seffe entspannte sich langsam wieder, setzte sich etwas gerader hin und nickte ihr zu. „Das schmeckt echt gut, Charlotte.“ Ein neckendes Grinsen huschte über seine Lippen, dann nahm er sich nach und gab auch den Pokémon noch eine Portion.
Lotte blickte ihn zweifelnd und mit offenem Mund an und wieder zu der Frau. Dann griff auch sie langsam nach ihrer Schüssel und probierte vorsichtig. Es schmeckte wirklich gut. Nein, es schmeckte vorzüglich! Es war herzhaft und nussig, durch den Reis, dabei hatte es eine fruchtig-süße Note. Nun sah auch Fennexis glücklich aus und nickte.
„Sind Sie... eine Hexe?“, fragte Lotte.
„Ich bin Madame Mim und bevorzuge die Umschreibung „Wahrsagerin“. Aber eigentlich bin ich schon lange außer Dienst. Nur, in letzter Zeit sind viele Unruhen gewesen. Sibyl hat mich auf euch aufmerksam gemacht“ Die Frau sprach sanft und ruhig. Fennexis gab einen kurzen Ton von sich und nickte stolz. Madame Mim ließ ihren intensiven Blick eine Weile auf Lotte ruhen, wobei das Mädchen erneut erschauderte und wegblickte.
Missmutig sah Lotte zu Seffe, welcher bei der dritten Portion angekommen war, er zuckte nur mit den Schultern. Wo auch immer sie hier saßen, schlimmer als von der verrückten Drogen-Gruppe verfolgt zu werden konnte es nicht sein.
„Ihr seid auf dem richtigen Weg, ihr dürft nicht aufgeben.“ Madame Mim strich sich, mit geschlossenen Augen, durch ihre weißen Haare. „Ich möchte meinen kleinen Teil dazu beitragen und euch etwas Gutes tun. Ich sehe schon, ihr habt es dringend nötig.“
Die Frau stand langsam auf und öffnete eine Truhe zu ihrer Seite, worin sie wühlte.
Seffe stellte die leere Schale auf dem Tisch ab und lehnte sich überfressen zurück. Zitrone sprang neben ihn und machte es ihm nach, dabei rieb sie sich über ihren runden Bauch. Lotte hob bei den beiden nur eine Braue und aß langsam weiter. Warum tat Seffe so, als ob für ihn das alles vollkommen normal wäre?
Gemächlich setzte sich Madame Mim wieder hin und hielt ihnen einen alten Lederrucksack entgegen. Der Rucksack schimmerte an ein paar Stellen schwarz-blau oder weiß-pink.
Seffe nahm ihn skeptisch an und betrachtete ihn, woher das Schimmern genau kam, konnte er nicht ausmachen. Das Leder fühlte sich warm und samtig weich an, fast wie Pfirsichhaut, dabei schien es rein optisch glatt und kalt zu sein. Der Rucksack hatte eine Klappe mit einer großen Haupttasche, sowie zwei kleinere Taschen an den Seiten. Er sah schon etwas mitgenommen aus, wirkte aber ebenso robust. Schräg beäugte Seffe die Tasche und öffnete sie schließlich.
Er hob seine Brauen und schloss die Tasche wieder. „Wow.“
„Was?“, fragte Lotte, ihr Blick war voll Neugier.
„Das kann ich schlecht erklären, sieh selber.“ Seffe wirkte verdutzt und schüttelte leicht seinen Kopf. Dabei hielt er ihr den Rucksack hin.
Schnell nahm ihm Lotte diesen ab und warf einen Blick herein. Ihre Augen weiteten sich und sie griff mit einer Hand hinein. Der Rucksack schien Unmengen an Platz zu bieten, der Raum in ihm schien gar nicht aufhören zu wollen. Sie schüttelte ungläubig ihren Kopf und blickte zu Madame Mim.
Die Frau rückte ihr Diadem zurecht und lächelte. „Als Dialga und Palkia durch einen Kampf Raum und Zeit erschufen, verwendeten sie Unmengen ihrer Energie. Das hinterließ Spuren bei beiden und meine Urahnen fanden in früheren Zeiten von ihnen Schuppen und bewahrten sie auf. Mein Urgroßvater war Gerber, er war spezialisiert auf komfortable Rucksäcke und war immer darauf aus, sie noch robuster und praktischer zu machen. Bis ihm eines Tages die Idee kam in ein paar Rucksäcke Teile der Schuppen von Dialga und Palkia einzuarbeiten. Es gibt nicht viele davon und das ist der Letzte, in meinem Besitz. Ich möchte ihn in gute Hände geben.“
Seffe blinzelte zur Alten und sah auf den Rucksack, er machte eine der vorderen Taschen auf und griff ebenfalls hinein. Auch diese boten Unmengen an Platz, er konnte mit seinem ganzen Arm darin verschwinden. Lotte sah ihn vielsagend an, als er seinen Arm wieder heraus zog und verdutzt auf seine Hand blickte.
„Okay. Naja, warum sollte man auch außen Platz verschwenden, wenn man ihn nur innen braucht.“ Belustigt zuckte Seffe mit den Schultern, ehe sein Blick fragend wurde. „Das mit Palkia verstehe ich ja, laut der Sagen beherrscht es den Raum. Aber warum Dialga? Was hat Zeit mit einem Rucksack zu tun?“
Madame Mim nickte, sie hatte diese Frage bereits erwartet. „Was auch immer ihr darin lagert, es wird nicht älter, es wird nicht verfallen und der Rucksack wird niemals schwerer.“
Seffes Augen fingen an zu leuchten. Sie könnten also Unmengen an Essen darin lagern und es würde niemals schlecht werden.
Lotte hingegen hatte einen anderen geistreichen Gedanken. Mit verträumten Blick hielt sie ihren Zeigefinger an die Lippen. Wenn sie jede Nacht in dem Rucksack schlafen würde, würde sie auf ewig jung bleiben.
Doch ihre Idee wurde sogleich wieder von Madame Mim zerschlagen, die mahnend einen Finger hob. „Seid achtsam, lebende Wesen dürfen niemals diesen Rucksack betreten! Das gilt auch für Pokébälle in denen sich Monster befinden. Zeit und Raum hat in dem Rucksack keine Bedeutung. Nur ein paar Sekunden könnten für sie die Ewigkeit bedeuten!“
Fennexis jaulte auf und nickte, dabei wackelten ihre großen Ohren auf und ab. „Fenne! Fennexis Fee!“
Mit zusammengezogenen Brauen sah Lotte herab. Ihre Idee war doch eigentlich so gut gewesen.
Pikachu und Dragonir weiteten ängstlich ihre Augen, während Ditto glücklich piepte.
Seffe blickte mahnend auf Pudding. „Warnung, Pudding. Auch wenn du nach einer Ewigkeit da raus kommst, erwartet dich der Ärger deines Lebens!“
Pudding blickte Seffe an und lief etwas auseinander, dann umklammerte er dessen Arm und schmuste damit.
Seffe lächelte und streichelte über die Glibbermasse. „Danke, Madame Mim“, sagte er, doch seine Mimik ihr gegenüber blieb forschend. Warum schenkte die Alte ihnen so etwas wertvolles?
Die Wahrsagerin und ihr Monster lächelten ihn dabei nur gleichzeitig an und Seffe war sich sicher, dass er keine weiteren Antworten erwarten dürfte.
„Josef“, sagte Madame Mim und Lotte fiel auf, dass Seffe plötzlich etwas angestrengt wirkte. Ob es daran lag, dass er seinen richtigen Namen nicht mochte oder an etwas anderem war ihr nicht ganz klar.
Die Wahrsagerin blickte Seffe ernst an. „Du hast eine große Gabe. Fast alle Menschen haben verlernt, so empfindsam zu sein. Verlasse dich auf dein Gespür.“
Bei dem Wort „empfindsam“ musste Lotte kichern. „Feinfühligkeit bei einem Mann? Dass es so etwas überhaupt gibt.“
Seffe versuchte Lotte genervt zu ignorieren.
Madame Mim behielt ihr mysteriöses Lächeln und sagte zu ihm. „Sei nicht immer so abweisend zu ihr. Charlotte meint es nur gut mit dir. Auf ihre Hilfe kannst du in allen Situationen zählen.“
Nun hob Seffe eine Braue, während Lotte errötete und sich auf ihre Unterlippe biss.
Die Wahrsagerin nickte ihrem Pokémon zu und Fennexis stand auf. Der Fuchs-Anthro hockte sich vor Seffe. Sibyl strich mit ihren samtigen Pfoten, mit denen sie menschlich greifen konnte, die Haare von Seffe zur Seite, so dass seine Stirn frei lag und seine genähte Wunde zeigte.
Mit großen Augen beobachtete Lotte die Szene, als Fennexis ein stinkendes Kraut aus ihrem dicken Fell hervorholte, es etwas zwischen ihren Händen ausdrückte und den Saft mit der anderen Hand auffing.
Seffe rümpfte die Nase und blinzelte skeptisch. Was war das denn jetzt für eine Show?
Zitrone sprang auf und beobachtete mit aufgestellten Ohren, was weiter passieren würde. Nun legte Sibyl ihre Hand auf seinen Hinterkopf, damit er nicht weiter zurückzucken konnte und schmierte die Flüssigkeit auf seine Wunde.
Verkrampft schloss Seffe seine Augen und verzog den Mund. Es fühlte sich an, als ob ihn jemand an der Stelle mit Nadeln stach, ehe es heiß wurde, bis er eisige Kälte verspürte. Doch er wehrte sich nicht und ließ es tapfer geschehen.
Lächelnd ließ das Fuchs-Pokémon wieder von ihm ab und Seffe legte seine Hand, mit einem zischenden Laut, ein paar Sekunden, auf die zugenähte Wunde. Dann öffnete er seine Augen wieder und rückte seine Brille gerade.
„Pika Pi!“ Zitrone sprang auf seinen Schoß und sah ihn aus großen Augen an. Pudding, Ludwig und Lotte blickten fragend zur Wahrsagerin.
„Bald wird es besser sein. Wenn du Glück hast, verschwindet die Narbe nach einer Weile ganz. Nehmt euch den Rest des Essens mit auf Reisen. Sibyl, wärst du so lieb?“ Madame Mim machte eine Handbewegung und Fennexis nickte mit einem sanften Ton, stand auf und füllte in die Schüssel den Rest des großen Topfes rein, ehe sie es in dem Rucksack verstaute.
Die zwei Trainer saßen einfach nur da und beobachteten die Szene. Seffe überlegte der Frau Fragen stellen, doch war sich nicht sicher, ob sie ihm antworten würde, geschweige denn, ob er die Antworten wirklich wissen wollte.
Im Gegensatz zu Lotte, welche nur darauf brannte, weitere Aussagen zu bekommen. „Und jetzt? Können Sie uns noch irgendeinen Tipp geben? Wie geht es weiter? Was wollen die anderen? Sie wissen doch von denen, oder? Was sollen wir tun?“
Doch Madame Mim lächelte nur. „Ihr seid auf dem richtigen Wege. Kommt nicht davon ab.“ Dann stand sie auf und öffnete die Tür. Blicke trafen sich in der Runde, dann ging Seffe resignierend vor. Lotte sah böse auf Madame Mim, sie antwortete ihr nicht und hatte auch keine charmante Art sie zum Gehen aufzufordern.
„Ich glaubs nicht, Sie laden uns ein und jetzt werfen Sie uns einfach so raus?“ Fassungslos schüttelte Lotte ihren Kopf, sie war vor der alten Frau stehen geblieben und hatte die Hände in ihre Taille gestemmt.
Madame Mim lächelte das Mädchen sanft an und legte plötzlich eine Hand auf die Mitte ihrer Brust, dabei schloss sie ihre Augen. „In dir brennt das Feuer. Bei ihm ist vieles Fassade. Mit seiner Gabe hat er wenig gute Erfahrungen gegenüber anderen gemacht. Hilf ihm etwas mehr aus sich heraus zu kommen und nicht so viel zu zweifeln. Nur zusammen könnt ihr es schaffen. Er wird deine Hilfe brauchen.“ Die Stimme der Alten war noch kratziger, wenn sie leise sprach.
Lotte hielt die Luft an und blinzelte, als die weise Frau von ihr abließ und ihre Augen wieder öffnete. „Zu viele Antworten würden euer Handeln beeinflussen, ihr müsst die Zukunft laufen lassen und denke daran: Es gibt immer zwei Wege.“
Perplex wandte sich Lotte zu Seffe, welcher mit verschränkten Armen ein paar Meter abseits stand und eine auffordernde Kopfbewegung tat. Kurz blickte sie nochmal zu Madame Mim, dann ging sie langsam die Treppe herunter. Zusammen mit Seffe blickte sie nochmal zurück.
„Glaubt an Ditto, es ist so stark wie Mew“, rief ihnen Madame Mim abschließend entgegen und Fennexis winkte den beiden mit einem liebevollen Lächeln nach, dann schloss sich die Tür wieder.

Wortlos gingen sie weiter. Sie erreichten den Anfang des Waldes und liefen den Wanderweg entlang. Seffe sah nachdenklich drein und fasste vorsichtig über seine Wunde, die nicht mehr so spannte wie vorher. Verwundert hielt er plötzlich die Fäden in der Hand und ließ sie zu Boden fallen. Dann strich er sich abermals über die Stelle, es war nur eine geschlossene Narbe zurückgeblieben. „Verrückt“, murmelte er.
Seffe ließ seinen Blick über die Gruppe wandern. Zitrone trug Pudding glücklich auf dem Rücken und auch Ludwig folgte gehorsam. Dann sah Seffe forschend zu Lotte, welche noch immer schwieg und mit gesenktem Kopf gen Boden starrte. Verwundert hob er seine Brauen. Warum war sie so still? Normalerweise hätte er erwartet, dass sie ihn mit Worten bombardieren würde.
„Erst hast du Angst dem Wohnwagen überhaupt näher zu kommen und dann plauschst du mit der Alten noch ´ne Runde, was?“
Lotte sah ihn nur kurz nachdenklich an und wandte sich wieder ab.
„Über was habt ihr geredet?“
Lotte schüttelte leicht den Kopf. „Nichts besonderes.“
Auf die Antwort rollte Seffe mit den Augen, er mochte es nicht, wenn andere mehr wussten als er. Doch er seufzte nur leise.
Immer wieder ah Lotte aus den Augenwinkeln zu ihm und bald hielt sie das nicht mehr aus. „Das war echt schräg. Mit dir passieren mir nur so Sachen. Woher kannte die uns?“
Seffe zuckte mit den Schultern. „Das frag ich mich öfter. Es gibt viele Stalker und du bist ja jetzt schon eine Weile mit mir unterwegs. Wobei das bis jetzt mein ältestes Fangirl war.“ Dabei grinste er Lotte an.
Lotte erwiderte das Grinsen mit stechendem Blick. „Wobei Madame Mim dann wohl auch dein größtes Fangirl ist oder wissen deine anderen Stalker auch, dass du Vegetarier bist und mit richtigem Namen Josef heißt?“
Darauf verzog Seffe seinen Mund und zuckte mit den Schultern.
„Ich hab auch nach dir gegoogelt, aber du stehst überall nur mit Seffe Hippe drinnen. Irgendwann hab ich deinen komischen Namen einfach hingenommen.“
„Du hast nach mir gegoogelt?“, stieß Seffe aus und musste kurz lachen. „Naja, Seffe ist ja wohl weniger komisch als Josef.“
Lotte hob nur eine Braue und warf ihren Zopf nach hinten. „Madame Mim wusste viel.“
„Glaubst du etwa ernsthaft daran, dass sie eine Hexe ist? Es gibt viele Verrückte auf dieser Welt.“
„Wahrsagerin.“ Lotte hatte einen Finger gehoben, ehe sie ihm feste in die Augen blickte. „Meinst du, so verrückt wie dich andere bezeichnen, wenn du wieder irgendetwas geträumt hast oder ahnst?“
Kurz stockte Seffe und versuchte die Aussage durch ein weiteres Augenrollen abzutun, doch Lotte grinste siegreich.
„In allem was Madame Mim gesagt hat, hat sie recht gehabt. Ich glaube ihr. Außerdem hat sie uns diesen Rucksack gegeben.“
„Nur leider nicht genügend Antworten.“ Seffe hatte seine Arme verschränkt und schnaufte.
„Zu viele Antworten würde unser Handeln beeinflussen.“
Nach der Aussage blickte sie Seffe forschend an. „Die Worte hat sie dir doch in den Mund gelegt.“
Lotte lächelte ihn unschuldig an und zuckte mit den Schultern. „Wenn sie wirklich in die Zukunft sehen kann, wird sie schon wissen, warum sie nicht mehr gesagt hat. Nur, warum ist Ditto so stark wie Mew?“ Sie sprach mehr mit sich selber und hob ihre Schultern in die Höhe. Dann schüttelte sie ihren Kopf. „Du hast recht, es sind so viele Fragen offen geblieben und wir wissen immer noch nicht, wie wir weiter machen sollen.“
Seffe rückte nachdenklich seine Brille zurecht. „Pudding kann sich in alles verwandeln, also auch in ein Mew. Dann ist es natürlich auch so stark wie Mew. Dazu müsste es nur eine gescheite Vorlage bekommen. Vielleicht kann uns Bill da wirklich weiterhelfen.“
Pudding piepte glücklich auf und Zitrone zuckte mit den Ohren, während Ludwig zu dem Ditto guckte.
„Sag mal, hast du Pudding eigentlich gefangen?“
Seffe schüttelte den Kopf.
„Nein, er klebt nur – wortwörtlich – seit dem Pokémon-Haus an mir.“
„Ach, deswegen schleppst du die ganze Zeit sieben Pokémon mit dir herum. Ich hab mich schon gewundert. Ich hab nur zwei eigene Monster. Also aktuell nur noch Fridolin. Ich mache mir richtig Sorgen um Lotta. Ich war so ein Idiot. Ob sie jemals wieder normal wird?“
Ludwig schlängelte neben Lotte und schmiegte sich tröstend an ihrem Bein. Das Mädchen kraulte ihm mit traurigem Blick kurz hinter dem Ohr.
Seffe beobachtete die beiden aus den Augenwinkeln heraus und verzog mitfühlend seine Brauen. „Matze bekommt das sicherlich hin. Ich vertraue ihm da.“
Lotte nickte leicht. „Du, Seffe, wenn mir ein cooles Monster begegnen würde“, fing sie den Satz an und holte langsam Luft, ehe sie weitersprach und ihn aus großen Augen anblickte. „Dürfte ich mir dann einen deiner Bälle ausleihen? Du hast doch noch welche oder?“
Der andere stockte kurz und nickte schließlich. „Ludwig hat eine ganz besondere Farbe, weißt du das eigentlich?“
Lotte hob fragend ihre Augenbrauen. „Er ist rosa und das ist sehr niedlich. Außerdem schimmert er so hübsch.“
„Dragooo!“, kam es erfreut von Ludwig. Er wurde sonst eher belächelt, wenn er mit seinem Trainer gekämpft hatte. Ein Mann, der ein rosafarbenes Monster bei sich hatte und dann war der Drache zu allem Überfluss auch noch männlich. Immer wieder mussten sie sich doofe Sprüche anhören und im Kampf beweisen.

Als Seffe damals mit Turtok über den See schwamm, wurde Ludwig hochgewirbelt. Damals war er noch ein rosa Dratini gewesen. Er spürte gleich, dass der junge Mann begeistert von ihm war und wurde schließlich von ihm gefangen. Sein Trainer hatte nie an ihm gezweifelt. Dann sah Ludwig zu Lotte. Ihre Furcht bei der ersten Begegnung war schnell verflogen und sie hatte etwas an sich, was ihn anzog. Immer wieder betrachtete sie seinen glänzenden, mysteriösen Stein am Hals voller Ehrfurcht und strich über seine seidigen Schuppen. Sie war so liebevoll zu ihm.
Kurz trafen sich die Blicke von Ludwig und Seffe, sein Trainer lächelte ihn an und das Drachen-Pokémon wackelte freundlich mit den Ohren.

Nachdenklich richtete Seffe seinen Blick wieder nach vorne und als ob er Dragonirs Gedanken lesen konnte, sagte er: „Ludwig hat echt einen Narren an dir gefressen.“
Lotte kicherte. „Ja, scheint so. Aber ich mag ihn auch. Sehr sogar...“ Dabei streichelte sie Dragonir über den Kopf. Das kleine Horn an seiner Stirn wirkte so putzig.
Seffe nickte nur und seufzte leise. „Ihr seid ein gutes Team, der Kampf vorhin mit dem Jungen, hat mir gezeigt, dass du gut mit ihm handeln kannst. Und Ludwig hat dir vollkommenes Vertrauen geschenkt. Fühle dich deswegen ruhig geehrt.“
Lotte blinzelte Seffe fragend an. Auch Pikachu und Ditto sahen verwundert zu ihrem Trainer hoch.
Seffe schloss kurz seine Augen und lächelte. „Weißt du, es gibt ein paar Pokémon, die suchen sich ihre Trainer selber aus und Ludwig gehört dazu.“ Plötzlich blieb Seffe stehen, worauf alle stockten. Er machte den Superball von seinem Gürtel ab und hielt ihn Lotte hin.
Lotte hielt die Luft an und hob langsam ihre Brauen. Die obere Hälfte des Balls schimmerte in einem durchsichtigen Blau und wurde von zwei roten, etwas erhabenen Streifen geziert.
„Ich denke, Ludwig wird nichts dagegen haben, pass gut auf ihn auf.“
Langsam nahm ihm Lotte den Ball an sich.
„Raaaaa!“, stieß Ludwig glücklich aus und schlängelte sich um Seffe. Er schmiegte sich an seinem Körper und leckte ihm kurz übe die Wange, dann tat er das Gleiche bei Lotte. Zitrone ließ mit einem Lächeln ihren Ohren sinken.
„Du... du schenkst mir ein Pokémon... einfach so?“ Lotte konnte nur noch stammeln und Seffe seufzte leise, ehe er kurz nickte. Ohne Vorwarnung umarmte sie ihn schließlich. Wie paralysiert stand der junge Mann da und hielt für den Moment, welcher ihm wie eine halbe Ewigkeit vorkam, unmerklich die Luft an, bis die Kleinere wieder von ihm abließ.
Zitrone und Pudding piepten glücklich, bis sie kurz stockten, denn Seffe wirkte durch die plötzliche Nähe leicht gequält. Lotte bekam von all dem nichts mit und ein breites, dankbares Lächeln legte sich über ihre Lippen. Sie konnte es kaum glauben, den blau-weißen Ball in ihren Händen zu halten. Ihre Freude war riesig darüber.

Gemeinsam gingen sie ein Stück weiter. Lottes hüpfte glücklich voran, während Seffe sie nachdenklich beobachtete. In Gedanken stritt er immer wieder ab, dass seine Gefühle für sie stärker wurden. Es wäre besser, wenn sie einfach befreundet bleiben würden. Irgendwann würde die Phase bestimmt wieder nach lassen.
Dann blieb er stehen, legte seinen Eastpack auf einen Stapel, gefällter Baumstämme und öffnete ihn. Er musste seine Gedanken los werden, also würde er den Rucksack um räumen, wo sie jetzt schon den anderen hatten.
Lotte drehte sich fragend zu ihm, als Seffe den Reißverschluss vom Eastpack aufmachte und sogleich Sachen heraus quollen. Er öffnete auch das vordere Fach und legte die restliche Medizin und die vier letzten Bälle ab, ehe er anfing in den Klamotten zu kramen.
Lottes Blick lag dabei nachdenklich auf Ditto, welcher Seffes zu guckte und immer wieder belustigt piepte, wenn er etwas Neues aus dem Rucksack kramte.
„Und was ist mit dir Pudding? Du hast doch auch schon gewählt, willst du Seffes Lücke im Team nicht schnell wieder schließen?“, fragte Lotte.
Seffe stockte und sah mit einem Seitenblick auf Ditto. Mehr aus Scherz hob er den leeren Luxusball in die Höhe. Der Ball glänzte Schwarz und der Ring um seine Mitte sowie der Knopf schienen aus Gold zu sein, mit einer silbernen Kontur. Die obere Hälfte zierte ein weiterer Ring in edlem bordeauxrot, mit einer goldenen Kontur.
„Diese noble Luxuswohnung hier ist aktuell frei, Pudding. Sie hat die perfekte Lage am Gürtel und wunderbare Kampfaussichten.“ Seffe grinste das Ditto an und wollte den Ball gerade in den anderen Rucksack legen, da inhalierte dieser das Ditto mit einem pinken Energiestrahl. Der Knopf des Balls leuchtete nur kurz auf, ehe er geschlossen blieb. Ungläubig blinzelte Seffe. „Na, das ging ja schnell. Schon gekauft?“
Lotte lachte auf, als Ditto wieder heraus kam und die Glibbermasse piepend Seffes Arm umstülpte. Zitrone sprang erfreut auf die Baumstämme und begrüßte Pudding offiziell im Team.
„Es gibt ein paar Pokémon, die suchen sich ihre Trainer eben selber aus.“ Lotte lächelte Seffe an, der etwas verlegen grinsen musste, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder dem Rucksack widmete.
Lotte seufzte leise und setzte sich daneben auf den Baumstamm. Sie atmete die frische Waldluft ein und blickte mit einem leichten Lächeln durch die Gegend. Wie friedlich es doch war. Warme Sonnenstrahlen suchten sich einen Weg durch die Äste der Bäume und die Blätter raschelten leise im Wind.
„Vielleicht ist es besser, wenn du deine Sachen selber sortierst“, durchbrach Seffe plötzlich die Stille. Er war auf eine schmale Unterhose gestoßen und konnte sich nicht daran erinnern rosafarbene Rüschen getragen zu haben. Erschrocken hob Lotte ihre Brauen und sprang hoch, wobei sie gleich wieder rot anlief. „Hey! Finger weg da!“
Seffe wurde von ihr weg gedrängt und stand nun mit den Daumen in seinen vorderen Hosentaschen eingehakt und einem schelmischen Grinsen neben ihr. Er konnte nicht anders, als sie sich in dieser Unterwäsche vorzustellen.
Unverständlich nörgelnd Lotte vor sich hin und sortierte ihre paar Klamotten, die sie in einer der vorderen Taschen des Palkia-und-Dialga-Rucksacks legte. Zitrone schüttelte Seffe gegenüber strafend den Kopf, doch ihr Trainer behielt seinen frechen Blick, ehe er sich abwandte. Er musste sich erneut ablenken, bevor ihm heiß wurde.
Eine kurze Weile später stupste ihm Lotte gegen den Arm und hielt ihm den Eastpack hin. „Da sind nur noch deine Sachen drinnen.“ Dabei zeigte sie auf den anderen Rucksack. „Also die rechte Seite ist jetzt mir von den vorderen Taschen und da gehe auch nur ich dran! Verstanden?“ Streng blickte sie Seffe an, welcher sie nur weiterhin angrinste und leicht nickte.
„Ist okay“, sagte er und tat seine Klamotten in die linke Seite. Die Medizin, die Bälle sowie den Eastpack räumten sie zusammen in das größte Fach und schlossen den Rucksack wieder.
„Ob da auch ein Fahrrad rein passt?“, fragte Seffe und Lotte zuckte mit den Schultern.
„Platz dafür wäre auf jeden Fall vorhanden. Ich finde es echt verrückt und immer noch unglaublich. Der Rucksack ist der absolute Wahnsinn“
Seffe nickte leicht, da stand Lotte lächelnd auf und ging den Weg langsam weiter. Der andere schnaufte kurz, er sollte den Rucksack natürlich wieder Schultern – wer auch sonst? Doch schnell ging er wieder in ein Grinsen über und blickte auf Lottes Po. Immerhin war die Aussicht von hier gut. Dabei schlenderte er ihr hinter her und steckte sich einen Kaugummi in den Mund. Ditto piepte vergnügt und hing auf seiner Schulter.
Zitrone und Ludwig waren in der Mitte der beiden und schubsten sich aus Spaß immer wieder an.

Wie vermutet kamen sie spät abends an einem Gasthaus für Trainer an. Hier fütterte Seffe erst mal den Rest seines Teams. Zum Glück war der Energieverbrauch, wenn sich ein Monster in seinem Ball befand nur so gering, dass es zwei Tage am Stück nicht gefüttert werden müsste. Wobei Seffe und auch Lotte ihre Monster mindestens einmal am Tag heraus holten oder sie gar von selber heraus kamen, um frische Luft zu schnappen. Zusammen aßen sie noch etwas und dort übernachteten sie auch. Diesmal allerdings in getrennten Zimmern.
Zuletzt geändert von vampirbiss am 01.08.2017, 11:23, insgesamt 10-mal geändert.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1264284 von Simno
22.08.2016, 14:53
Juhu, es geht weiter :D. Und wie!
Die Geschichte gibt noch einmal richtig Gas. Super, wie du die grusligen und actionlastigen Elemente rüberbringst, ohne auf das charakteristische deiner Geschichte - dem andauernden Geplänkel zwischen Seffe und praktisch allen anderen - zu verzichten. Gerade die Szene auf dem Wasser war herrlich. Mr. Spook ist echt lästig, aber wenn man ihn braucht, ist er zu 100% da. Zweiter Platz meiner Lieblingsszenen gibt die erste Begegnung mit dem Riesen in Orania. Da blitzte kurz wieder Seffes rebellische Ader durch, fand ich cool, dass er sich da einfach nicht beherrschen konnte.

Was ich bei diesen Geschichten immer super finde und mir auch bei dir toll gefällt ist die Interpretation der Welt. Das sind ein paar schwere Entscheidungen, die dem ganzen den Stempel aufdrücken. Es gibt mehrere Mews, einem Turtok kann das Wasser ausgehen, usw.
Außerdem lieeeebe ich Ditto, besonders deines. Bei mir war schon vorher eines fix für das nächste Kapitel eingeplant, aber eine so tolle Persönlichkeit wie deines bekommt es bei mir wohl nicht.

Ich habe beim Lesen wieder ein PDF gemacht und angestrichen, was mir sprachlich auf den ersten Blick aufgefallen ist. Kann ich dir mailen, wenn du willst.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1268433 von vampirbiss
18.09.2016, 17:26
So, zwei es gibt zwei neue Kapitel (mit denen ich endlich zufrieden bin). Have fun. ^^
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1268443 von DMNC
18.09.2016, 18:45
Schön, dass es hier weiter geht ;D
Die 2 neuen Kapitel sind echt gut geworden. Bin gespannt, wie es mit der Sache mit Mewtu weiter geht, hast da echt ne Menge Spannung mit aufgebaut.
Im ersten Satz hast du ein "er" zu viel drin (oder ich stehe da gerade aufm Schlauch xD)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1268451 von vampirbiss
18.09.2016, 20:20
Oh, ein für mich bis jetzt unentdeckte/r Leser/in. Freut mich, dass du scheinbar an der Story dran bleibst. Ja, sei gespannt, allerdings wird da demnächst ganz schön viel auf dich / euch einprasseln. Aber mit Mewtu habe ich etwas bestimmtes vor :)

Und ja, da ist ein "er" zuviel. xD *droop*

Danke für dein Kommentar! :3


Was ich noch fragen wollte, vielleicht liest es ja wer: Welche Monster würdet ihr gerne in der Story sehen / lesen? Spezielle Vorlieben? Wäre für Antworten dankbar. :3
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1268457 von DMNC
18.09.2016, 20:52
Freue mich schon drauf^^
Skaraborn/Porenta wären so meine Wünsche für weitere Pokémon, einfach weil ich die Pokémon mag ^.^
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1268486 von vampirbiss
19.09.2016, 10:17
Sehr cool! Habe ich auf jeden Fall notiert!

Nicht so schüchtern, ihr könnt ruhig mehr nennen. :3

Ich picke sonst immer bei einer riesigen Liste zufällig welche raus, manchmal passen die auch nicht, da hab ich dann immer totale Hänger. :0 :D
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1268515 von Simno
19.09.2016, 15:43
Jetzt bin ich auch durch mit den neuen Kapiteln. Da braut sich ja einiges zusammen. Bin froh, dass wieder zusammen ist, wer zusammen gehört :).
Meine absolute Lieblingsszene war, als Lotte mit Ditto alleine war, die ist wirklich sehr gut gelungen.
Fand auch gut, dass du das Problem mit dem Essen von Pokémon angesprochen hast. Die ist ziemlich heikel. Passt aber zu Seffe, dass er da nicht mitmacht.
Das mit Matze fand ich DEN Moment dieser Kapitel. Bis wirklich gespannt, was da dahinter steckt.

Ich habe keine Vorschläge für Pokémon. Wir haben eh einen ganz ähnlichen Geschmack und auch sonst schaffst du es, jedem Persönlichkeit zu verleihen. (Außerdem ist meine Rotation so hoch, dass ich alle meine Lieblinge verwenden möchte, ohne dass wir zu viele Parallelen haben ;) )
Was das betrifft fand ich ein wenig schade, dass Prollo nicht mitkommt. Der hatte einen furiosen Start in der Geschichte und kommt nun auf die Ersatzbank. Aber ihn zuhause zu lassen war auf der anderen Seite eine gute Lösung. So hatte man viel weniger das Gefühl, dass Lotte ihre Oma im Stich lässt und er ist auch zufrieden.

Ich habe wieder im PDF gelesen und einige Dinge angestrichen. Kann ich dir gerne schicken.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1268600 von vampirbiss
20.09.2016, 10:16
Ja, da braut sich einiges zusammen, stimmt. Ich brauche deswegen auch aktuell länger, weil ich alles tausend mal durchlesen muss und muss tierisch aufpassen, selber keine Ereignis-Fehler einzubauen. ;)

Ich mochte Ditto schon immer :3 Bisschen dümmlich, aber cool musste er werden. Danke für dein Lob *blush*

Das mit dem Fleisch essen in dieser Welt musste ich auch thematisieren. ^^ Heikel? Normal. ;)

Ja, der Matze. Hier darfst du gerne auf gewisse Zwischensätze achten, die sich Matze denkt. *grins*

Und die Sache mit Prollo, das hab ich mir fast gedacht und sogar gehofft, dass da mindestens einer aufschreit. :D Es werden noch mehrere unerwartete Dinge passieren. :roll:


Und Korrekturen immer gerne. Eine liebe Bekannte von mir liest auch gerne Korrektur und auch die Story, ich werde demnächst nochmal eine korrigierte Fassung und dazu noch ein, zwei Kapitel einstellen. Deine Korris würde ich sehr gerne da mit aufnehmen.

Wegen den Pokémon und so ein paar Szenen... was mir auffiel, ich habe - wie du - auch eine Duschszene drinnen, wo der Chara wieder zur Ruhe und klaren Gedanken kommt. Das sind wohl Dinge die oft verwendet werden, weil es einfach nachvollziehbar ist und einigen Leuten so geht. Parallelen findet man also immer. Doof zu sagen, einer hätte abgeschaut. Manches beeinflusst einen vielleicht, aber das Rad kann nunmal nicht neu erfunden werden.

Du kannst gerne also auch schreiben, welche Monster du mal gerne in der Story antreffen würdest. Das würde mich freuen. :3 Ich brauche halt interessante Pokémon, für interessante Kämpfe.

Der "Verschleiß" bei Nathes Pokémon ist sowieso höher als bei Seffe ;) Aber da gehe ich in der Story erst später darauf ein und es wird auch etwas passieren........ was aber noch dauert bis ich es hier reinstelle. Das ist irgendwo MItte/Ende in Teil drei... xD Wo wir definitiv nichts "nachgemacht" haben, weil wir es beide, ohne von dem anderen zu wissen, geschrieben haben. Ich finde es umso lustiger, dass du teilweise die gleichen Gedanken hast.


*Langer Text zu Ende*
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1268658 von Ayron1986
20.09.2016, 18:44
Hey, Ina, ich bin´s mal wieder. Hab die Kapitel "Die alte Villa" "Schwarz vor Augen" und "Das Tagebuch" gelesen... und grad gesehn, dass schon wieder viel mehr online ist. :tja: Naja, sag jetzt trotdzem schon mal eine Rückmeldung über die drei genannten, weil du bestimmt auch mal wieder was von mir über deine Story hören willst:

Was mir im Allgemeinen sehr gut gefällt, ist, dass die Story im Vergleich zum Anfang actiongeladener wird und mehr Tempo bekomen hat, wobei deine schönen, bildlichen Beschreibungen nicht vernachlässigt wurden. Die Villa, das Pokemonhaus hat eine schöne, gruselige Atmosphäre bekommen. Und den Grusel hast du auch schön gesteigert. War am Ende zwar etwas enttäuscht, dass nur Ditto und Mr. Spook dort rumgespukt haben, aber ok, net schlimm. ^^

Mir gefällt die gute Beziehung zwischen Seffe und seinen Pokemon und find toll, dass zwei neue bekannt geworden sind, Blushell und Ludwig. Vor allem Blueshell kam ab seinem ersten Auftritt richtig cool rüber, bis zum ende des Tagebuch-Kapitels. ^^ Das machte mir Seffe wieder sympathischer.

Wobei ich mit Mr. Spook weniger klar komme. Find´s schon sehr mies von ihm, dass er Seffe in wirklich jeder Situation erschreckt oder verarscht, sogar da, wo er auf der Flucht bzw. beim Verstecken vor den Gaunern war oder er sichtlich panisch aufgewacht ist und sich erstmal nicht mehr auskannte. Wirkt auf mich so, als hätte er für seinen Trainer kein Mitgefühl. Ich an Seffe´s Stelle würde ihm mal ordentlich die Meinung geigen, weil ich könnte einem eigenen Pokemon, das so zu mir wäre, nicht vertrauen. Ich würde es entweder freilassen, tauschen oder in der Box versauern lassen, auch, wenn´s sehr stark ist. Klingt jetzt hart, aber fiese Pokemon haben fiese Maßnahmen zu erwarten. :P

In die Musik hab ich net zum lesen, aber im Nachhinein kurz reingehört und an den Alptraum zurückgedacht. Interessent, fand ich nur etwas zu krass für die gedachte Szene. Die Musik war jetzt schon sehr psychopatisch und verstörend. :o Aber eben mein Geschmack, ich untermale lieber melödiöser. ^^

Die Tagebuch-Seiten über Mew und Mewtu fand ich auch noch sehr interessant und wie er sie nacheinander gefunden und gelesen hat. Toller Nostalgie-Effekt an die Rot/Blau/Gelb bzw. Feuerrot-Remake-Zeit. :D

Am Ende des Kapitels hast du meiner Meinung nach ein echtes Meisterwerk geschaffen: Eine Auseinandersetzung, die in eine Verfolgungsjagd mündet, toller Übergang, sehr gut gemacht! Die vorkommenden Pokemon sind mit ihren Aktionen und ihren Eigenschaften dabei wahnsinnig toll rübergekommen. Hat mich sehr gefesselt. Genau wegen sowas lese ich Fanfiktion, sowas kriegt der Anime einfach net hin. :) :D

Les dann die nächsten Tage weiter, bis dann. ;)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1268675 von vampirbiss
20.09.2016, 20:46
Hey Ayron! Danke, für dein so ausführliches Kommentar und freut mich, dass es dir so gut gefällt.

Bei den Monster gebe ich mir mit den Persönlichkeiten immer Mühe, könnte zu jedem einen Lebenslauf schreiben, bzw. wie sie zu Seffe stehen und er sie gefangen hat (oder auch bei Lotte und ihren Pokémon).

Und ja Mr. Spook ist ein Quälgeist, (Wortwitzalarm) er hat den Namen ja auch nicht von irgendwoher. Seffe hat eine... ich würde sagen: ganz besondere Beziehung zu ihm. Gengar ist zwar alles andere als nett, aber genau das ist ja das spannende an dem Charakter, es ist ein Arschloch und ja er sucht jede Gelegenheit unter anderem auch seinen Trainer zu verstören. Damit muss man halt umgehen können. Bzw. Seffe muss das... ^^

Und danke wegen dem "Meisterwerk"... *blush*
Ich mag Action ja auch sehr und langwierige Kämpfe, wie man wahrscheinlich merkt ^^' Aber es muss erstmal dazu kommen, bzw. sich reinsteigern. Langweiliger wird es jedenfalls nicht oder soll es nicht mehr werden. :roll:
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1268776 von Ayron1986
21.09.2016, 20:10
Gern. ^^

Mhm, ja, aber ich versteh halt beim besten Willen net, warum Seffe sich das mit Spook antut... Eine Rückblende aus der Vergangenheit, wo der kleine Seffe mit dem kleinen Nebulak ein wichtiges Schlüsselerlebnis teilt, wäre vielleicht angebracht, damit´s ich und andere Leser deren Beziehung besser nachvollziehen können. ;)

Ich weiß, es soll witzig sein, wie Spook Seffe in jeder Situation nervt, aber ich versetze mich halt gern in die Rolle des männlichen Hauptcharakters und darum müssen für mich einige Sachen Sinn ergeben, sonst gefällts mir einfach net. Find ich deswegen auch leider net witzig, hab nur Mitleid mit Seffe und frag mich warum zur Hölle er sich so ein Pokemon antut! :D :lol:
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1268799 von vampirbiss
21.09.2016, 22:50
Da teilen wir einen anderen Humor, ich finde Gengar urkomisch. ;) Es ist halt ein Geist-Monster, die sind gruselig und abartig.

Erinnerst du dich noch an die Szene ganz am Anfang wo Lotte sagte: „Kein Kommentar von dir? Das ist nicht richtig, was dein Gengar macht! Die Pokémon haben Angst vor ihm!“, motzte sie den jungen Mann an, welcher erneut die Schultern hob. „Ich lasse sie einfach ihr Wesen ausleben. Einem Geist-Pokémon wird man nicht abgewöhnen können, zu spuken und andere zu erschrecken. Genau so wenig, wie du deinem Nidoking das Trampeln abgewöhnen kannst.“, weiter ging er nicht auf das Thema ein.

Die Rückblende kommt aber auf jeden Fall noch. Die habe ich sogar gerade nochmal überlesen. ;)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1269095 von Ayron1986
25.09.2016, 18:37
Hab heute das Kapitel "Durch den Wind gelesen" . Fand ich echt unterhaltsam. Schöne Beschreibungen, viel Pokemoncharme war auch dabei, viele putzige Szenen. ^^

Als Seffe diesen Unympathen Felix in die Schnauze gehaun hat, war das auch eine persönliche Genugtuung für mich, das war schon länger fällig. Da ging das schadenfrohe Ayron-Grinsen nach oben. :D
Ich fand nur den zeitlichen Moment, wann Seffe die Geduld geplatzt ist, nicht ganz nachvollziehbar. Was ist kurz davor passiert? Felix legte einen Arm um Lotte und wollte mir ihr gerade gehn. Ja, klar, Eifersucht halt, aber trotzdem... Also, ich hätts besser nachvollziehen können, wo Felix sich an Seffes Auto zu schaffen macht, bzw. hättet du ihn ruhig auch nochmal Seffe beleidigen lassen können, damit dieser plötzliche Wutausbruch noch logischer und besser rüberkommt. Aber ok, ich mecker halt wieder auf hohem Niveau. :D Trotdzem sehr coole Szene, gefiel mir. ;) :D :lol:

Dann später die Szene in der Dusche mit dem Ditto-Handtuch... Seffe kann einem leid tun, jetzt hat er zwei Pokemon, die ihn ärgern. :D Oder was wollte Ditto eigentlich mit dieser Aktion bezwecken? War ihm langweilig? Oder hat er Interesse an nackten, männlichen Körpern? Wollte es mit Seffe unter der Dusche ein Ei zeugen? Und was soll dann draus schlüpfen? Also, ich verstehs net. :D :lol:

Den Satz fand ich auch so cool, dass ich lachen musste: "Ja, so nenne ich ihn... sie.. es.. ein ein Ditto halt... "
Hahaha! :lol:

"Er hatte großen Hunger, was man ihm deutlich ansah, dennoch pulte er auch die Speckstückchen aus der Soße heraus."

Also, ich kenn mich jetzt nicht mit Vegetariern oder Veganern aus und, Arceus sei mein Zeuge, ich bin Fleischfresser.. Ne, Allesfresser, das triffts eher. ^^ Aber ich behaupte einfach mal, wenn jemand aus Überzeugung kein Fleisch issst, dann rührt er auch keine Soße an, wo Fleisch drin war, oder evtl. auf Fleischfond-Basis angesetzt wurde. Jaja, Vegetarier habens nicht leicht, die können halt dann in dieser Situation nur Kartoffeln mit Butter essen. Und Salat. Den gab´s ja auch noch. ^^ Fand die Stelle aber insgesamt lustig und unterhaltsam, vor allem, weil du mir im Vorhinein von dieser Szene schon erzählt hattest. ;)

Pikachu und Dragonir spielen zusammen ein Brettspiel, fand ich so knuffig, wo ich´s mir vorgestellt hab. :3 Und heyhey, Gengar hat ja doch ein Herz, am Ende, wo Zitrone sich an ihn kuschelt. Zwei große Pluspunkte für den Pokemoncharme, find ich gut, dass er bei dir so oft so schön rüberkommt. :oops: :D

Zum Abschluss kann ich noch sagen, dass Seffe mir viel sympathischer geworden ist. Nicht nur, dass er sich langsam ggü. Lotte öffnet, er teilt auch einige Ansichten mit meinem Ayron und du hast mir einige identische Gedankengänge vorweggenommen... Ich sag´s jetzt schonmal, dass du mir kein Nachschreiben unterstellst. :D Und du hast mit Simon auch geschafft, dass ich mein Spukhaus-Horror-Kapitel vorziehe, was ich auch schon seit Anfang an im Kopf habe und es mir schon brennend in den Fingern juckt. Danke an euch beide, wird mich glücklich machen. 8) :D Muss halt erstmal die Audienz bei der Königin schreiben, auch wenn ich drauf viel weniger Bock hab. Wird wieder so schwer, mit gefühlten 100 Charakteren gleichzeitig. -.- Aber da muss man durch, Herr Lurch. ;) :D

ich freu mich auf das Kapitel "Los gehts". Schau, dass ich morgen auch am Stück lese. ^^
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1269144 von vampirbiss
26.09.2016, 09:31
Ach Ayron,

*pruuuust*Kaffee aus der Nase spritzt* ... Ditto wollte sich mit Seffe bestimmt nicht paaren xD
Mach dir über manche Szenen nicht zu viele Gedanken ^^ Pudding hängt einfach an ihm. er hat ihn da aus dem ekelhaften Keller rausgeholt. Er liebt ihn halt. ;) Darum möchte Pudding auch immer bei ihm sein.

Und Seffe sieht das gechillt, er ist generell sehr ruhig - wie du schon gemerkt hast - deswegen hat er auch so lange zum Ausrasten gebraucht und deswegen beherrscht er sich auch wieder, als Felix ihn beleidigt. Warum soll er zurück beleidigen? Was bringt es ihm in dem Moment? Nichts. Seffe weiß, er hat gewonnen, also grinst er lieber über den der sich ärgert und ihn aus voller Wut und Frust beschimpft.

Vorher zwischen Lotte und Felix ist in dem Sinne nichts gelaufen, sie hat den Kuss ja abgeblockt. Wie beschrieben, haben sie sich nur öfter getroffen und Felix hat gebaggert. Für Lotte war es nur reine Freundschaft, weil sie ja unübersehlich in Seffe verschossen ist. Felix erzählt halt viel und mischt sich überall ein. Er wollte Seffe mit der Aktion natürlich nur zeigen, dass er mit "seinem Mädchen" was am Laufen hat, was ja so gar nicht stimmen muss. Felix hat einfach nur so getan und deswegen hat er auch seine Hand - ganz frech - einfach auf Lottes Rücken gelegt. Einfach nur so, um ein Zeichen zu setzen: Ich ziehe jetzt mit Lotte weiter und du nicht! Was halt nach hinten los ging. ^^

Bei den Vegetariern kommt es auf die Einstellung an. Seffe trägt ja auch die Lederjacke. Worauf ich später vielleicht nochmal eingehe. ;o) Nur Kartoffeln und Salat essen ist ihm zu blöd, also pult er den Speck raus. Wenn er die Wahl hätte, würde er wahrscheinlich auch etwas essen, wo gar kein Fleisch drinnen rumgeschwommen ist...

Und ja, Gengar kann auch lieb sein. Aber es ist halt ein Geist. Und er ist von Natur aus mies, furchteinflößend und wie manche sagen würden: Ein Arsch. Wobei wenn ich an meine beste Freundin denke, da glaubt auch keiner, dass wir uns mögen. Natürlich muss es in Maßen sein.

Wegen den Szenen: Ja, so ist es halt, es gibt die ein oder andere klassische Szene, die darf einfach nirgendwo fehlen ^^ Ich bin gespannt. Und ja, mehrere Charas auf einmal zu schreiben ist einfach schwierig. Gerade wenn es um wichtige Infos geht. Deswegen habe ich meine Kapitel auch so lange zurück gehalten. ö.Ö
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1269150 von Ayron1986
26.09.2016, 11:58
Hahaha, ja, tut mir leid. Bin halt Komiker und liebe es, jeden Gag bis zum letzten auszureizen. :D
Vielleicht sollte ich das net machen, wenn du in der Arbeit bist und deinen Kaffee nicht mehr vor lachen wegen mir trinken kannst. Wenns mir halt net so Spaß machen würde, andere zum lachen zu bringen. :D :lol:

Ja, ne, hast mich falsch verstanden. Ich meinte, Felix hätte Seffe nochmal ordentlich beleidigen können, bevor Seffe ausgerastet ist. Wie z. B. dass er viel besser zu Lotte passt als so ein abgefuckter Punk. Das hätte er noch sagen können, als er seine Hand auf ihren Rücken gelegt hat. :D

Dann erst dreht Seffe durch und haut ihm die Schnauze blau. Und Maschock befreit sich aus dem Ball und beide stiefeln dann den Drecks-Felix ein, bis da nur noch ein matschiger Haufen Elend auf dem Bürgersteig übrig bleibt. :D :lol:

Is nur ´n Vorschlag, musst du net machen, is ja deine Story. Muss ja net so brutal sein wie bei mir. ;) :D
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1269155 von vampirbiss
26.09.2016, 14:15
Lol... noch nicht, ich meine... also ist ja nicht so, dass es das letzte Mal war, dass die Felix getroffen haben. ;)

In meiner erdachten, relativ realen Welt, würde Seffe dafür in den Knast kommen und Story ist beendet ;)

Aber... ob es Felix wirklich verdient dermaßen in den Boden gestampft zu werden, kannst du und auch der Rest dann später lesen. :D

Und brutal oder noch brutaler wird es früh genug. ^^
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1269254 von Ayron1986
27.09.2016, 17:06
Yeah, bin gespannt. Gib ihm! :D

Dein akutellstes Kapitel grad auch fertig gelesen. Find ich interessant, dass Lotte´s Eltern ebenso in die Forschung nach Mew/Mewtu verwickelt ist wie Seffes Vater.

Schön beschrieben, wie Ditto sich über das Käsebrot hermacht. Die Vorstellung war sehr lustig. :D

Und später, wo Seffe und Maschock giftige Blicke getauscht haben, hab ich mir das wie im Pokemonanime vorgestellt, mit roten, gestrichelten Linien, die aus ihren Augen schießen und sich gegenseitig bekämpfen. Sehr amüsant :D :lol:

"So verkehrssicher wie ein Kondom." Dachte ich mir, lol, hab ich auch noch nicht gehört diesen Spruch. Ich werd den selber zwar nicht verwenden, weil das net zu meinem Stil passt, aber interessant. ^^

Find schon sehr schade, dass Maschock nicht mitkommt, der hätte für spannende, packende Kampfszenen gesorgt (nach meiner Vorstellung ;) ) Aber trotzdem, freu mich sehr auf das gemeinsame Abenteuer von Seffe und Lotte. Naja, wenigstens Seffes Turtok noch dabei, die kann notfalls auch mit mehreren Gegnern gleichzeitig den Boden aufwischen. :D
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1269308 von vampirbiss
28.09.2016, 12:34
:D

Nicht vertauschen: Ich habe nicht erwähnt, dass Seffes Vater in den Forschungen mit Mew(tu) verwickelt ist. Nur Lottes Eltern waren das damals. Seffes Vater arbeitet aber in einem Forshcungsteam, ja... nur Seffe ist sich ja gar nicht sicher, ob er ihm weiterhelfen kann. Die Beziehung zu seinem Vater ist ja, wie man herauslesen konnte, etwas ... ich sage mal "belastet". ;)

Ja, der Spruch... :D Und nein, der kommt nicht aus Facebook o.ä.! Wobei der Spruch schon ganz schön frech ist. Aber gut. Wer es so genau wissen will. ^^

Mal schauen was ich mit Maschok noch so anstelle... aber der wird wohl erstmal eine Weile nicht mehr auftauchen. Wollte ihn ja anfangs tatsächlich in Lottes Team eingliedern. Habe mich aber dagegen entschieden, als ich deine Story gelesen hab. Es gibt noch so viele interessante Monster. xD
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1269311 von Ayron1986
28.09.2016, 12:43
Ups, ok. Aber ich wusste noch, irgendwas mit Forschung hat der auch am Hut. ^^

Ah ok, du willst mir die Ehre überlassen, Maschock richtig cool in Szene zu setzen? Danke, das freut mich. :D
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1270047 von KleinKokuna
07.10.2016, 21:44
Gut, dann komme ich nun zum bisherigen zweiten Teil :)!

Ab hier nimmt die Story wirklich rasant an fahrt auf! Die Szenerie im Pokémon-Haus hast du wirklich richtig spannend und vor allem im weiteren Verlauf auch gruselig umgesetzt :o!

Da sind erst diese maskierten Typen, welche die Ruine durchsuchen und dann Seffe, der sich auf ominöse Weise beobachtet fühlt, jagen. Dieser findet fast zufällig das gesuchte Tagebuch und landet, dank Mr. Spooks Hilfe, im geheimen Labor. Spätestens bei seinem Traum und den Szenen mit den eingelegten... du weist schon... und der blutigen Pritsche hab ich mein Abendessen dann weggepackt :\...

Aber ich muss sagen, es ist wirklich genial, wie du das Pokémon-Haus, welches ich auch schon im Spiel iwie gruslig fand, so gut umgesetzt hast, auch die Tagebucheinträge - einfach klasse :1:!

Dann geht die Action in Orania City ja gleich weiter: Ein heißer Fight und die fast in die Hose gehende Flucht von Seffe, vor diesen mysteriösen Typen. Aber immerhin weiß ich nun wie diese Walküre vom Anfang heißt - passt ja richtig gut, dass sie zu diesen Kerlen dazugehört.

Und endlich kommen sich Seffe und Lotte dann, nachdem Felix mal bekommen hat was er verdient :evil:, richtig näher, finde ich ziemlich romantisch :love:! Zumal sich schlussendlich rausstellt, dass Lottes Eltern, wenn auch unfreiwillig, auch in diese bedrohliche Sache mit Mew und Mewtu, die sich über allem so zusammenbraut, verwickelt sind. -Das dieser nette Matze vielleicht auch was mit der Sache zu tun hat, hat mich schon überrascht o.O! Und da denkt man, man kennt die Leute nach ein paar Sätzen ;D!

Dann kommt auch schon wundervolle Aufbruchsstimmung auf, als Seffe und Lotte vereint sich auf den Weg machen. (Um es in Issuns Worten auszudrücken: 'Diese Geschichte ist noch lange nicht vorbei!' :D)

Und jetzt zu deiner 'Marke' Mr. Spook ^-^: Die Überfahrt zur Zinnoberinsel war wirklich die allererste Stelle, an der Gengar schon etwas lästig wirkte, weil beinahe alle abgesoffen wären. Aber so richtig böse kann zumindest ich ihm nicht sein, denn nach einem Machtwort von Seffe hat er ja wieder gespurt und im weiteren Verlauf der Geschichte sich ja mehr als einmal als verlässlicher und starker Partner gezeigt 8)! Es war aber doch drollig, als man Mr. Spook anmerkte, dass es auch ihm, einem Geist, im Pokémon-Haus nicht behagte^^. Und die Szene, in der Zitrone erfuhr, dass es von Gengar gerettet wurde, weshalb es seine Nähe gesucht und bei ihm geschlafen hat, war einfach goldig :herz:! Vor allem weil es Mr. Spook ja insgeheim auch gefallen hat :P!

Pudding das Ditto ist ebenfalls eine kreative Idee: Seine liebesbedürftige Art, die es sogar gewisse Grenzen überschreiten lässt *hust* sich als Seffes Badetuch ausgeben *hust* macht es selber richtig liebenswert *-*!

Und zu guter Letzt bin ich sehr neugierig welche Rolle dieses Zwirrfinst im weiteren Verlauf spielen wird! Es ist ja einfach so aufgetaucht und wurde von niemandem, nicht mal Gengar, bemerkt. War er es, der Seffe schon im Pokémon-Haus beobachtet hat? Ich musste jedenfalls sofort an jenes Zwirrfinst aus PDM Zeit/Dunkelheit und Himmel denken :D!

P.S: Bevor ich da schon wieder vergesse: Professor 'Affenbrotbaum' ist eine der besten Profnamen die ich bis jetzt gehört habe - ich komme um eine bildliche Vorstellung nicht herum XD!
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1273160 von vampirbiss
07.11.2016, 16:51
Da ich heute frei habe, habe ich mich mal wieder an die Story gesetzt und mir fiel selber auf die hat extrem verschiedene Phasen. Eine Berg und Talfahrt koennte man sagen. :D

Ich werde heute auch noch ein oder zwei neue Kapitel reinstellen, aber erst muss ich noch ein paar Anmerkungen von meinen Testlesern korrigieren. Ich muss immer erst nochmal darueber nachdenken, bevor ich neue Kapitel so gut finde, dass ich sie hier veroeffentliche.

Das folgende Kapitel ist auch recht lang, weil ein ausfuhrlicher Kampf darin vorkommen wird und der ein oder andere Leser wird Seffe mit Sicherheit fuer seine Art gegenueber Lotte schlagen wollen. Sie sind halt wie Feuer und Wasser und streiten einfach gerne. ;)

Und wie sagt man so schoen: Gras waechst langsam.


@Klein Kokuna: Hier hast du auch so ausfuerhlich Kommentiert :lol:

Was es mit Zwrirrfinst auf sich hat, wird sich in den naechsten Kapiteln aufloesen, das hab ich nicht allzulange "spannend" in die Laenge gezogen... ;) Dafuer kommt neuer Stuff zum Nachdenken und behalten dazu.

Ach ja, Mr. Spook ist ein alter Spinner, aber dennoch ein guter Kumpel. Er ist halt einfach ein Geist. Es liegt in seinem Wesen boesartig zu sein. Wobei es auch bei Gengars mit Sicherheit charakterliche Unterschiede gibt. Ich liebe Gengar einfach. Meine liebe zu dem Element Geist sticht wohl sowieso heraus. Ich mag die finstere Seite, die nicht so schnell durchschaut wird. Ich mag einfach generell ausgefallene Pokémon, wo man richtig schoen viel Story herum stricken kann.

Ich liebe Aktionszenen und freue mich sehr, wenn es anderen auch so geht. Und was ist dafuer besser geeignet, als eine Pokémon-Story, wo man staendig und eigentlich ueberall Kaempfe reinpacken kann? ˆˆ

Und bevor ich es wieder vergesse: Vielleicht beschreibe ich Professor Affenbrotbaum auch nochmal naeher. xD

Freut mich sehr, wenn dir die Charas zusagen und sage jetzt mal bis heute abend, da kommt dann was Neues. bis dann ;)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1273990 von Simno
16.11.2016, 12:45
Hey, habe mir heute die Zeit genommen, bei deiner Geschichte wieder aufzuholen. Die Gangart bleibt ein wenig rauer, eine gewisse Paranoia schleicht sich ein, weil um jede Ecke Gefahr lauert. Trotzdem bleibt das Zwischenmenschliche bzw. Zwischenpokémonsche, das deiner Geschichte ihren Charme verleiht, nicht auf der Strecke.

Habe mir noch ein paar Dinge notiert, die Eindruck hinterlassen haben.

- Seffe als rücksichtsloser Fahrer - kann ich aus Lottes Sicht so unglaublich gut nachvollziehen.
- Sabrina als Person - vor allem die Gegenüberstellung mit Lotte. Und dass sie nicht mehr gegen Seffe, sondern gegen die 'direkte Konkurrentin' kämpfen möchte.
- Dass Zitrone für Lotte kämpft. Ich hatte es die ganze Zeit schon im Hinterkopf und dann ist es echt so gekommen. Obwohl ich gerne auch Lotte mit einem weiteren eigenen Pokémon gegen Sabrina kämpfen gesehen hätte.
- Rossana ist einfach gut getroffen. Sieht man sonst ja auch eher selten
- Der hochemotionale und aufschlussreiche Besuch bei Matze - die Geister als clever gestaltete Nebendarsteller
- PC nicht öffentlich, sondern im Zimmer - interessant
- Der nette Ludwig
- Der Anime als verharmloste Kindergeschichte - großartige Anspielung :D
- „Natüüürlich... ich bin der Held“ :lol:
- Seffes Vorahnungen als neues Element - bin sehr gespannt, ob es da eine Erklärung gibt. Noch bin ich ein wenig skeptisch, ob es mir gefällt. Was ich aber gut finde ist, dass es sein oft zurückweisendes Verhalten erklärt. Für einen alleine lässt sich der Intuition gut folgen, aber das anderen zu erklären... schwierig.
- Die Erklärung, warum Pixi nicht mehr aus dem Ball gekommen ist - da bin ich richtig erschrocken. Absolut geniale Idee, da gibt es sicher noch einige tiefe innere Konflikte bei Lotte.
- Und es hat sogar was mit Felix zu tun :|
- Matze ist wieder der hilfreiche Kumpel, wenn auch mit düsterem Hintergrund
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1274043 von vampirbiss
16.11.2016, 23:57
Hey Simno, danke fuer das Posting, trotz deines Zeitmangels. :)

Ja, die Boesen meinens halt nicht gut, :lol: eine gewisse Vorsicht ist und muss jetzt angebracht ein.

Finde ich schoen, dass dir doch einige Sachen zugesagt haben. Ich gehe jetzt nicht auf alles ein, das wuerde zu lang werden.

Zitrone ist ein super Chara, um die Harmonie zwischen Feuer und Wasser zu halten ;) Aber gut, die zwei werden schon noch lernen miteinander umzugehen. ;)

Beim Pokécenter dachte ich mir, dass es bestimmt auch einen oeffentlichen PC gibt, aber wenn man denn schon ein Zimmer hat, warum soll man dann nicht seine Ruhe genießen? ;)

Matze ja, so ganz vertrauen kann man ihm nicht. Der fuehrt auch was im Schilde ;) Das eruebrigt sich dann.

Zu der "Gabe" von Seffe... ich bin selber noch etwas hin und hergerissen. Er hat ja keine krassen Psycho-Kraefte oder so (das faende ich auch uebertrieben), aber vielleicht einfach gute Intuition, eine gewisse Feinfuehligkeit fuer bestimmte Situationen oder sagen wir: er ist sehr empfindsam / emphatisch und kann sich halt besser als andere hinein versetzen. Eine Gabe wie bei Hundefluesterern die es einfach im Blut haben, durch Mimik und Bewegung etwas oder auch andere Wesen zu verstehen... so in die Richtung...

Nebenbei bin ich am ueberlegen, ob ich Lote auch etwas "gebe", wobei das schon eine "krasere Gabe" waere. Will nicht spoilern, bin aber echt am Zweifeln, dann waren die Gaben schon etwas ganz besonderes. Ich weiß nicht, ob ich es selber gut finde. Wobei die Pokémon ja auch gewisse Gaben haben. Daher habe ich ueberlegt, ob in meiner Welt die Menschen so etwas auch haben (sollen). Nur in milderer Form.

Ich weiß aber noch nicht genau, weswegen ich gerade etwas haenge. '-_- Meinungen dazu sind erwuenscht... xD
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1274340 von KleinKokuna
20.11.2016, 18:03
Oh Junge, es geht weiter :D! (Ich hätte nie gedacht, dass mich das Weihnachtsgeschäft so aufhalten würde, dass ich erst jetzt zum Kommentieren komme :tja:... Tja, besser spät, als nie^^.)

Das Wichtigste zuerst: Matze ist kein Böser, das hat mich wirklich gefreut :)! Er ist zwar auch kein 'lupenreiner Demokrat', doch seine Geschichte erklärt sein Verhalten völlig und macht es nachvollziehbar. Außerdem wird die ganze Lage dadurch noch dramatischer, jetzt wo man weiß, zu was die Bösen fähig sind! Zudem wirkt er trotzdem ziemlich undurchsichtig, vor allem am Schluss weil er Seffe und Lotte dennoch nicht alles erzählt, aber das macht ihn auch weiterhin als Charakter interessant.

Cool ist auch, dass dieses mysteriöse Zwirrfinst sein Pokémon ist, was wieder dessen Auftauchen in den Kapitel vorher gut erklärt. Und die detaillierte Konfrontation Mr. Spook versus Gusto fand ich ziemlich episch 8)! Anders als Lotte hätte ich wohl staunend und mit weit aufgerissenem Mund gaffend zugesehen und wahrscheinlich beide angefeuert :P. Allerdings hat dieses Verhalten dafür gesorgt, dass sie 'rein zufällig' diesen besonderen Stein an Seffe gesehen hat - bestimmt kein Schlüsselstein^^.

Und nun zur Story an sich: Allein die amüsant zu lesende Hinfahrt nach Prismania hat mir schon gezeigt, wie gut die beiden zusammenpassen. (Das meine ich fei wirklich ernst!) Seffe fährt wie eine, salopp gesagt, 'gesenkte Sau', Lotte kommt aus den Ermahnungen gar nicht mehr raus und Zitrone kriegt die Krise, weil die beiden sich so streiten - 'Happy Familylive' vom Feinsten :lol:! (Denn was sich liebt, das neckt sich^^.)

Das es ihm mit Lotte auch wirklich ernst ist, sieht man gleich darauf daran, dass er ihr Nidoking moralisch im Kampf gegen eine seiner Verehrerinnen aufbaut. (Also schon insgeheim hofft, dass sie und nicht Sabrina gewinnt.) Seinen Gesichtsausdruck, als er sich zum Schiedsrichter für das Duell Lotte gegen Sabrina ernannt hat, kann ich mir zu gut vorstellen :P! Und ich wusste gar nicht, dass Fridolin so ein Gentleman sein kann, wobei du Rosannas 'Reize' sehr gut zur Geltung gebracht hast. (So genau habe ich mir das noch nie vorgestellt :o!)

Lustig war auch, dass Seffe Zitrone gleich vorgeworfen hat, es 'gehe mit Lotte fremd' nur weil es sich als zweites Pokémon für ihren Kampf angeboten hat^^. Wie es sich dann aber für ihren Sieg reingehängt hat, war aber richtig süß :herz:! (Bei der Dreschflegel-Attacke musste ich etwas an meine Katze denken - die reagiert so ähnlich, wenn ich sie streicheln möchte o-O!)

Im weitern Verlauf macht dann (leider) wieder diese Felix von sich reden, weil er Lottas Arglosigkeit schamlos ausgenutzt und ihr diese gefährlichen Putschmittel für ihre Pokémon angedreht hat. Diese erklären dann auch die seltsame Situation bei Seffes Kampf im Hyper-Cup und für die Tatsache, dass Mewtu damals im Pokémon-Haus so Amok gelaufen ist. Zusammen mit seiner sehr traurigen, ja bedrückenden Lebensgeschichte in Kombination mit diesem 'Teufelszeug' kann man durchaus behaupten, dass diese Typen ein 'Monster' erschaffen haben. Um Lottes Pixi tut es mir aber wirklich leid, denn es hat ja dadurch schon eine Krasse Veränderung durchlebt :(!

Seffes 'Gabe' finde ich gut und passend zu ihm. Vor allem seine überraschend offene Erklärung dazu, dass Menschen sich vor solchen Dingen fürchten und mitunter mit Ablehnung darauf reagieren, unterstreicht warum er sich meist so verschlossen und kühl gibt. Ob nun Lotte auch so etwas in der Art bekommen sollte, kann ich jetzt nicht sagen. (Ich misch mich in die Geschichten anderer nicht gerne ein :tja:...)

Was ich aber sagen kann und will ist, dass mir dein mitunter zotiger Humor, mit denen du die Paradoxen aus den Spielen aufs Korn nimmst und die kleinen Anspielungen aus der Story sehr gefallen :D. Alabastia das 'Inzestdorf' - da lacht mein schadenfrohes Herz :evil:! Und gut: In einem Ort, deren Einwohnerzahl man mit zwei Händen aufzählen kann, wird es schon schwer mit der Partnersuche :P!

Die Legende um das Ende von Team Rocket und Giovanni selbst fand ich sehr interessant und vielleicht irre ich mich, aber als Seffe den Slogan von Team Rocket verkündet hat, das war doch das erste Mal, dass er bewusst etwas lustiges gemacht hat, oder :huh:?

Und was mir noch gefallen hat war Pudding: Das multifunktionale 'Schweizertaschenditto' :D! Einfach gut!

Freue mich jedenfalls schon wenn es weitergeht, denn die Sache mit Mewtu und dieser Organisation nimmt ja nun doch sehr bedrohliche Züge an o-O!
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1287257 von vampirbiss
19.04.2017, 14:52
Ich muss mich noch für deine, wie immer sehr ausführliche Antwort, bedanken, KleinKokuna. Du passt echt auf in den Geschichten, das ist klasse. :)

Sei gespannt wegen Matze xD Und zu Zwirrfinst sag ich nur: der Name Gusto kam von meinem freund. ich wollte ihn nach der Überarbeitung erst umbenennen, hab mich dann aber dagegen entschieden.

Und ja, wenn sich Geist-Monster battlen ist das episch, finde ich auch und ja, der Stein an Seffes Ring. Gut aufgepasst, sag ich nur.

Ob Seffe und Lotte zusammen passen wird sich später zeigen. ;) Vielleicht werden sie letztlich von Zitrone verkuppelt xD

Felix ist mein Trickster, der blöde Arsch muss doch auch etwas beitragen, wenn auch nichts Gutes. :D

Ja, Mewtu und seine dramatische Geschichte. Auch episch, wie ich finde. Sie hat mir schon als Kind immer gut gefallen. Was aus Pixi wird, weiß ich echt noch nicht. Ich mag Pixi eigentlich gar nicht, es ist mir zu rosa und so... ;D

Zu Seffes 'Gabe', tja, darüber habe ich lange nachgedacht. Aber er ist eben nicht der typische Sunnyboy, der allen gleich das Herz erwärmt. Er trainiert ja nicht umsonst ein ziemlich starkes geist-Pokémon. Dazu muss man schon auch selber komisch sein. xD Seffe würde mich für die Aussage wohl schlagen... Das lustige wird später seine Einstellung gegenüber dem "übernatürlichem / unerklärlichen" Dingen sein, aber warte ab... ;)

Bei Lotte habe ich lange nachgedacht. Mir ist auch etwas für sie eingefallen. Aber die eigentliche Idee (Jetzt kann ich es ja sagen), dass sie unbewusst heilen kann, habe ich verworfen. Das wäre mir zu abstrakt geworden. Es ist natürlich eine Welt in der Wunder geschehen, ich meine Tiere die Wasser und Feuer spuken oder so ist ja ach nicht ganz realistisch. Auch wenn ich versuche es realistisch zu erklären.

Zotiger Humor, darüber musste ich schmunzeln. Aber sind wir ehrlich, die Spiele sind auch manchmal schräg... da kommen Sachen drin vor, die ich echt schon als kind in Frage gestellt haben, wo andere nur stumpf dem Weg des Spieles gefolgt sind...

Und nein, du irrst dich nicht, als Seffe den Slogan von Team Rocket aufgesagt hat, scherzte er das erste Mal. Er ist eigentlich kein lustiger oder alberner Geselle. Seine Sprüche sind eher zynisch und direkt, worauf andere vielleicht lachen oder schmunzeln. Sind wir ehrlich: Er ist ein Arsch, wenn auch mit gutem Herz und Seiten, wenn ihn sein Gewissen überrennt. Auerdem hat er ja jetzt Lotte. Sie helfen sich gegenseitig würde ich sagen und Lotte hat schon einiges an Respekt von ihm verdient. Sie ist zwar manchmal nervend, aber auch mutig und ein kleiner Sonnenschein und wie man unschwer erkennen mag total verschossen in ihn. Sie wird sich natürlich auch entwickeln, das wird man merken... einfach auch abwarten ;D

Und Pudding: Ja, ist es nicht genial zu was ein Ditto alles in der lage ist?! Jeder hätte gerne eines im Real-Life, wo es in den Spielen doch mehr zur Zucht existiert und ansonsten im kampf nicht besonders nützlich ist. (Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, ich fand Ditto immer klasse. Aber im Spiel... ;/ )

Und ja, wie immer: "warte ab" was diese Organisation noch so mit sich bringt. Nen Haufen Ärger, kann ich jedenfalls schon mal versprechen. Wer hätte damit gerechnet? ;)
Zuletzt geändert von vampirbiss am 19.04.2017, 15:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1287260 von vampirbiss
19.04.2017, 15:06
So meine Besten,

auch hier habe ich die komplett überarbeitete Version reingestellt. Mein süßes Tablett hat dabei ganz schön geschnauft. Aber hab ich schon mal erwähnt wie praktisch dieses kleine Teil mit Bluetooth Tastatur ist? Außer der Akku der tastatur geht leer, dann kann es u.a. sehr nerven... xD

Ich hab auch zwei neue Kapitel rein gestellt. Vielleicht entdeckt der ein oder andere verspätet zu ostern ein paar Eastereggs. x3
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1287780 von KleinKokuna
01.05.2017, 16:26
Okay, dann will ich der Erste sein, der was zu deinen neuen Kapiteln schreibt^^.

Auch wenn Seffes Auto gleich am Anfang mal sabotiert wurde; was ihren Tod hätte bedeuten können; fand ich diese beiden Kapitel vor allem ziemlich lustig. Und das Seffe zugibt, dass ihm Lotte nicht egal ist und er sogar froh darüber ist, dass sie mit ihm reist, ist wirklich süß :herz:.

Das sie dann gemeinsam den anderen Trainern vor diesem Drogenmist bewahren und, nachdem Seffe ihn weggeputzt hatte, die Show mit der A-D-O so wie ein eingespieltes Team und glaubwürdig abgezogen haben war dann richtig amüsant :D! Genau wie diese Binsenweisheit a lá : 'Glaube an deine Pokémon, dann schaffst du alles!'^^. Hört man in jedem Spiel und auch wenn es ja stimmt, so war es dennoch richtig komisch, das aus Seffes Mund zu hören xD.

Die Idee mit den Zeitungsartikel gefällt mir auch, da man so hintergründig noch etwas über die bösen Machenschaften deiner Organisation, sowie deren Fortschritte bei ihren Plänen, erfährt. -Und so wie sich das anhört wird es wohl noch richtig übel D:!

Und dann das Treffen mit Madame Mim (irgendwo hab ich den Namen schon mal gehört^^): Dieser morbide Wohnwagen, außen wie innen, ist ziemlich gut dargestellt, genau wie die gegensätzlichen Reaktionen von Seffe und Lotte auf das Ganze und Mims wunderbar schwammige Formulierung, sie seien auf dem richtigen Weg. -Genauso müssen Prophezeiungen sein :D.

Diese 'Zauberrucksäcke' haben mir hingegen, trotz deiner guten Erklärung mit Palkia und Dialga, anfangs nicht so dolle zugesagt, weil sie so gar nicht zu deiner so gut wie möglich realistisch gehaltenen Geschichte passen wollen :/.

ABER!

Dann hab ich kurz nachgedacht und bin zum Schluss gekommen, dass du damit sooo gar nicht einen weiteren Seitenhieb auf die Spiele eingebaut hast, in denen man in seinem Rucksack problemlos mehrmals 999 Exemplare irgendeines klobigen Items verstauen kann, so als wäre dass das normalste der Welt :lol:!

Die Szenen im Wald waren wiederum einerseits lustig, als auch romantisch und Seffe schenkt Lotte dann auch noch schillerndes Dragonir und fängt sich dafür Pudding - richtig goldig :3! Allgemein knistert es an dieser Stelle ganz schön zwischen den Beiden :P!

Und meine 'dunkle' Seite möchte auch noch was sagen^^: 14:42 Uhr... Das ist so schön frivol wie schwarzhumorig böse und genau die Art von Antwort, die ich fast schon auf Lottes etwas naive Frage erwartet hätte :evil: ! Damit fällt diese Uhrzeit ab jetzt bei mir in die gleiche Sparte wie die Zahl 21893 (die ich hier aber nicht erörtere).

Zum Schluss will ich nur noch etwas bezüglich deiner eigenen Aussage über Seffe sagen:

85% aller Frauen finden ihren A**** zu dick.

10% aller Frauen finden ihren A**** zu klein.

5% aller Frauen finden ihren A**** so wie er ist in Ordnung und sind glücklich, dass sie ihn geheiratet haben. (Das habe ich von Dr. Eckard von Hirschhausen^^)


Ich hoffe du, oder Seffe, schlagen mich nicht dafür, aber ich finde, dass er durchaus das Zeug hat zu den 5% zu zählen :D!
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1288046 von vampirbiss
07.05.2017, 15:00
Yay!! Oh man nächste Woche noch, dann hab ich Urlaub und kann endlich mal wieder Privat erleben... -__-

Danke für dein Kommi, KleinKokuna :D

Ja, Seffe hat hier und da wohl seine guten Seiten, die aufblitzen, jetzt wo Lotte mehr und mehr (würde ich behaupten) cooler wird, lernt er sie auch immer mehr zu schätzen. Lotte als Charakter mochte ich nicht ab Anfang an, klar hab ich sie erfunden, aber sie ist doch mehr nervend und anstrengend gewesen. Das hört sich jetzt vielleicht etwas komisch an, aber wenn ich sie manchmal schreibe, muss ich mit den Augen rollen. Wobei sie mir sympathisch ist/war, weil ich weiß, was sie denkt ;) und wo ich mit ihr hin will... :)

In der Kampfszene mit der ADO habe ich versucht zu zeigen, wie Seffe eigentlich gegenüber Trainern/innen ist, wenn er keine gute Laune hat. Wobei gerade dieser klassische Satz "Vertraue deinen Pokémon, bla" aus seinem Mund kommen musste, weil er halt erfahren ist und den Sinn im Kampf verstanden hat. Er hat schon viel Erfahrung und den ... ich sag mal siebten Sinn dazu ... und das seit Kindheit an. Dieser Satz macht den halben Charakter aus, er liebt seine Monster und würde wohl Alles für sie tun.

Und klar, wenn es sein muss, halten sie zusammen. Aktuell zumindest ... xD

Ansonsten hast du es gut raus, Geschichten zu interpretieren. Wie die Zeitungsartikel :) und Eastereggs zu finden... die Sache mit dem Rucksack. Meine Welt ist schon real, klar. Aber das Fantastische gibt es natürlich, ich muss nur eine Erklärung dafür finden, damit es das realistisch vorstellbar macht :) Aber sonst würde es ja auch keine Pkm geben und natürlich ist es eine Anspielung auf dieses unlogische Design in allen Spielen... die Sache mit dem scheiß Rucksack. Wo ich mich immer gefragt habe: WIE? WIE ZUM TEUFEL???? okay :D

Und du hast es richtig erfasst, deswegen hab ich Seffe den Satz mit dem Fahrrad sagen lassen... xD
Nebenbei hatte ich das Problem: Wie sollen meine Beiden weiterreisen? Stinkend und dreckig? oOder kaufen sie sich ständig neue Klamotten? Oder Auto? Aber das ist ja futsch... :D

Madame Mim ist "geklaut", ja, zumindest der Name. Disney - Die Hexe und der Zauberer. Der Junge Arthur, der das Schwert Excalibur finden muss, um König zu werden und auf dem Weg auf Merlin, den Zauberer, und Madame Mim, die Hexe, trifft. Ich hab die verrückte Hexe schon als Kind geliebt.

Die Szenen im Wald ... tja, Seffe kann dem leser nicht mehr sagen, dass er Lotte nicht mag. Mal schauen wie lange ich sie noch distanziert sein lasse... Soll ja auch kein Hentai werden hier. xD

Ich wusste, dass du das 14:42 Uhr lustig finden wirst, zumindest hoffte ich das :) Mit der Zahl 21893 werde ich wohl weiterhin nichts anfangen können, außer du klärst mich irgendwann auf. :D Aber zu der Uhrzeit werde ich nochmal zurück kommen. ;)

Und zu deinem - für mich - äußerst amüsanten Schluss: Ich stehe da und lache. Klatschend - versteht sich. Lotte wird knallrot und wendet sich verschämt ab. Und Seffe ... der sieht dich nur drohend an, bis er langsam seine Hand hebt und dir den Finger zeigt, danach taucht Spook vor ihm auf und streckt dir kichernd seine lange Zunge heraus, womit dich Seffe indirekt zum Kampf auffordert, um das wieder klar zu stellen. ;)
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