Schreibe eigene Geschichten über Pokémon und deine Lieblings-Charaktere.

Die Tenku — Die Legende des ...

#1166591 von Furanty
18.01.2015, 19:59
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Nach vielen Überarbeitungen, Plotting und Replotting, Not und Leid beim Schreiben, leeren Kaffeebechern und Wutausbrüchen habe ich es endlich geschafft mein altes Herzenstück auf eine Linie zu bringen, die mir ganz und gar gefällt. Zwar ist es mir anfangs schwer gefallen, diese Geschichte zu schreiben, doch mit der Zeit hab ich mich echt gut eingefunden, wie ich finde.

Ich hoffe einige Leser zu finden, die sich für die Tenku begeistern können und den neuen Ansatz gut finden. Kommentare sind selbstverständlich gern gesehen. Mit der Zeit plane ich Hintergrundmaterialien öffentlich zugänglich zu machen, außerdem werde ich die Geschichte auch in einem ebook-geeigneten Format veröffentlichen, damit ihr auch auf dem Weg, ein wichtiges Motiv der Tenku, lesen könnt ;)

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f2/Epub_logo_color.svg/50px-Epub_logo_color.svg.png Zum eBook

Die Tenku — Die Legende des Roten Ritters




Prologue
„Sichtung des Roten Ritters verhindert.“ Die Überschrift war mit der Hand in einer alt aussehenden Schrift auf das brüchige Papier aufgetragen worden. Sie war datiert auf „Siebenter Tag des fünften Monats im Jahr 1831 AD“.
Christoph begutachtete das alte Schriftstück sorgsam. Die Seiten der gelblichen Blätter waren ausgefranst und wellig. Es fiel ihm schwer die Schrift zu lesen, denn sie war doch anders als jene die er in der Schule gelernt hatte. Schon die Überschrift war kunstvoll ausgeschmückt, mit roter Farbe hinterlegt. Glücklicherweise war der Rest des Textes in schwarz gehalten und nicht ganz so verschnörkelt.
Christoph legte seine Hände auf die Tastatur der Schreibmaschine und tippte die Überschrift ab. Das Rattern der Schreibmaschine verstummte, als er überlegte, ob er das Datum in einem heute üblichen Format übertragen sollte, oder doch den alten Text einfach nur abzutippen habe.
Die Tür seines Zimmers öffnete sich und eine ältere Frau kam herein. Ihr Gesicht war faltig, das Haar von einem braunen Schatten ihrer früheren Jahre. Bald wäre es völlig ergraut. Die Frau legte ein paar gebügelte Kleidungsstücke auf das Bett.
„Dein Vater erwartet dich. Er will gleich mit dir los“, sagte sie zu ihrem Enkel, legte ihm die runzeligen Finger auf die Schultern. „Diese Schreibmaschinen machen es euch heute doch einfacher, die Schriften zu übertragen“, fügte sie lächelnd hinzu.
„Danke, Oma. Ich bin gleich unten“, antwortete Christoph kurz gebunden. Vorsichtig nahm er das Papier und legte es zu den anderen alten Zeugnissen in die hölzerne Truhe zurück.
Die Großmutter verließ das Zimmer, nicht ohne ihrem Enkel zu sagen, dass er sich beeilen sollte. Christoph stand von seinem Stuhl und dem durchgesessenen Kissen auf. Er blickte aus dem Fenster zum sich langsam rosa färbenden Himmel. Bald würde die Sonne untergangen sein und den warmen Sommertag für beendet erklärt haben. Christophs Lust hielt sich in Grenzen, doch half es nichts. Er nahm die Kleider vom Bett, trug sie zum Kleiderschrank und räumte sie ein. Ehe er den Schrank schloss, zog er ein langärmliges, schwarzes Oberteil heraus. Er öffnete die Knöpfe seines Hemdes, schlüpfte heraus und in das schwarze Teil hinein. Es war ihm fast schon zu eng. Noch ein paar Wochen zuvor hatte er es gut tragen können, doch sein Körper hatte sich schnell verändert, seitdem er sein Training intensiviert hatte.

Der Himmel war in einem dunklen Blau gehalten, mit hellen Punkten gesprenkelt. Es war fast Neumond und so spendeten nur die kleinen Sterne ein wenig Licht in dieser Nacht. Die Wärme des Tages war noch nicht ganz verflogen, hier zwischen den alten Bäumen und Sträuchern des Waldes.
Die feuchtwarme Luft strömte in Christophs Lungen, während er über moosbewachsene Baumstämme stieg und sich durch dichtes Gestrüpp kämpfte. Die Geräusche des Waldes, das Schlagen dünner Insektenflügel, das Plätschern des fernen Baches, das Rascheln flinker Mäuse, sie machten ihm schon lange keine Angst mehr. Vor zehn Jahren noch, zum Beginn seiner Ausbildung, fürchtete er die fremden Sinneseindrücke. Doch mittlerweile gab es in keinem Wald der Welt noch etwas, vor dem er sich fürchten musste.
Und doch: er hasste es. Er wollte nicht seiner Bestimmung nachkommen. Er wollte den Samstagabend verbringen wie seine Freunde. Bei einer Feier in einem stickigen Lokal, mit einem Bier in der Hand und den Mädchen hinterherguckend. Doch er hatte seine Verpflichtung und konnte sich dieser auch nicht entziehen. Ihm war bewusst, wie wichtig er sein könnte.
Christoph sah auf sein Handgelenk. In der Dunkelheit konnte er kaum was erkennen, doch die Nadelspitze seines Kompasses leuchtete und hob sich so von der Schwärze hervor. Zumindest stimmte die Richtung. Seufzend lehnte er sich an einen Baum, legte seinen Rucksack halbseitig ab, öffnete ihn ein wenig und griff hinein. Er spürte die Verpackungsfolie und zog den Proviantriegel heraus, öffnete die Folie mit seinen Zähnen und nahm einen großen Bissen. Noch gut einen Kilometer, dann müsste er dort sein. Orientierung war nicht sein liebstes Fach, aber immerhin kam er aus diesen Unterrichtsstunden ohne blaue Flecken oder gebrochene Knochen heraus. Er verstaute die silberne Verpackung in seiner Hosentasche und setzte seine Wanderung durch die stille Dunkelheit der Nacht fort.
Stille. Erst jetzt bemerkte er, dass die nächtlichen Geräusche des Waldes verstummt waren. Er hörte nicht mal mehr den sanften Wind, wie er sich durch die Baumkronen kämpfte. Christoph verschränkte die Arme vor der Brust, kalte Luft umströmte ihn, vertrieb die sommerliche Wärme. Der junge Mann hatte sich geirrt — in diesem Wald gab es etwas, vor dem er Angst haben sollte.
Sein Herzschlag erhöhte sich. Es konnte kein Zufall sein, dass sie gerade jetzt, im Unterricht, hier auftauchten. Aber sein Vater würde ihn doch niemals dieser Gefahr aussetzen. Christoph sah kaum etwas, denn das spärliche Sternenlicht konnte die Baumkronen nicht durchdringen. Schwarz, dunkelblau und grau war die Umgebung, die vor wenigen Stunden noch in saftigem Grün und warmem Braun beschrieben worden wäre.
Mit vorsichtigen Bewegungen tastete sich der junge Mann voran, streifte eine eiskalte Baumrinde. Erschrocken legte er seine Hand auf das Holz, nur um sich zu vergewissern. Er rieb die Finger aneinander, Eiskristalle schmolzen in seinen warmen Händen zu Wasser. Es gab keine Zweifel. Es musste einer von ihnen sein.
Als Kind hatte Christoph in den Überlebens- und Gefahrentrainings gelernt sich aus der Gefahrenzone zu begeben, leise und unauffällig, damit sein Vater ohne Acht den Kampf bestreiten konnte. Doch sein Vater war nicht hier. Er wartete am Wagen darauf, dass Christoph das im Wald versteckte Etwas borg. Vielleicht gehörte die Kreatur wirklich zum Unterricht.
Eine Kälte umfasste seinen Körper. Eisiger Atem fiel auf seinen Nacken, die Härchen gefroren. Christoph, noch den Blick auf den Baum gerichtet, dessen Umrisse er kaum ausmachen konnte, überlegte einen Moment zu lange. Er spürte die gewaltige Hand, wie sie gegen seinen Oberarm schlug und ihn zur Seite warf, in das kalte Geäst. Schmerz durchfuhr seinen Arm. Das Wesen hatte fest zugeschlagen, doch diese Qual kam von der Kälte, die den Ärmel des engen Pullovers eingefroren hatte. Mit der Hand des anderen Armes griff er den Ärmel und riss ihn ab, befreite seinen Arm vom Eis, während er aufstand und zu dem großen Wesen aufblickte. Etwas größer als zwei Meter schien ihm der Riese zu sein, zumindest deutlich größer als Christoph selbst.
Er sah die riesigen Hände nicht auf ihn zukommen, spürte aber, wie sie die Luft bewegten und reagierte darauf mit einem Sprung nach hinten, landete jedoch auf einem moosigen Stamm und rutschte erneut zu Boden. Ohne zu zögern rollte er sich zur Seite, über die von einer Eisschicht überzogenen Blätter und Äste. Der Riese stampfte nur eine Sekunde zu spät auf die Stelle, an der Christoph gerade noch zu Boden gegangen war.
„Reifriesen sehen sehr viel besser als wir“, erinnerte sich Christoph. Auch wenn er das Geschöpf nur an seinen Umrissen erahnen konnte: der Riese sah ihn. Christoph war im Nachteil. Er wusste nicht, wie er es mit einem Reifriesen aufnehmen sollte. Er konnte nur ausweichen, denn jeder Treffer des Riesen hätte schwere Gefrierwunden zufolge gehabt.
Christoph machte noch einen weiten Sprung, hinüber zum nächsten Baum. Er hörte, wie der Riese ihm hinterherlief, die breiten Füße zerstampften das Unterholz. Christoph drückte sich vom Boden ab, sprang hoch und griff nach einem Ast, den er nur erahnen konnte. Beide Hände hatten den Ast gegriffen und mit aller Kraft zog Christoph seinen schweren, muskulösen Körper hinauf. Er suchte nach einem weiteren Ast, plante von Baum zu Baum zu springen, wie er es als Kind so gut gekonnt hatte. Doch er war kein Kind mehr. Der Ast auf dem er stand beugte sich unter seinem Gewicht gefährlich hinunter.
Ein lauter Knall ertönte durch die Dunkelheit. Christoph verlor fast sein Gleichgewicht, als der Baum zu fallen begann. Gerade noch stieß er sich vom Ast ab und landete erneut auf dem kalten Boden. Er spürte, wie warmes Blut seinen nackten Arm benetzte, beim Aufprall musste er sich an einem Stock oder Stein eine Wunde zugezogen haben.
Christoph sah hinauf. Er sah den Umriss des großen Kopfs über sich, die gewaltige Hand raste hinab, auf sein Gesicht zu. Seine eigenen Hände schnellten vor seine Brust, bereit den wuchtigen Schlag abzufangen, wohlwissend dabei gefrieren zu können.
Doch soweit kam es nicht. Wärme erfüllte die Luft, Hitze gar. Rötliches Licht erfüllte den Wald, brachte Grün und Braun zurück, wenn auch von einer dünnen, weißen Frostschicht bedeckt. Der Riese lag im Laub, Flammen hockten auf ihm und malträtierten seinen gewaltigen Körper. Christoph sah erst jetzt die graue, schrumpelnde Haut des Ungeheuers.
„Lauf zum Wagen. Warte nicht auf mich, fahr sofort heim!“, sprach die vertraute Stimme der Person, die Christoph so gerade das Leben gerettet hatte. Das metallische Klirren der Autoschlüssel erklang neben dem Jungen. Er packte sich die Schlüssel, stand auf und lief los.


Epic 1: Entdeckung
No story lives unless someone wants to listen. — Joanne K. Rowling

Das Rauschen des Wassers übertönte die gedämpfte Musik. Das von oben herabfallende Licht war ein starker Kontrast zu der von Blitzen durchsetzten Schattenhaftigkeit. Seinen Kopfschmerzen half es nicht. Alexander reichte seine Hände in den kalten Wasserstrahl und vergrub sie anschließend in seinem Gesicht. Die angenehme Kälte linderte das Leiden, doch nur kurzweilig, wie ihm bewusst war. Gleich würde er die Tür öffnen, die Musik wäre nicht mehr gedämpft und man erwartete sicherlich, dass er noch ein paar Stunden bliebe.
Er hob seinen Blick. Der Wandspiegel war von eingetrockneten Wassertropfen und Schlieren übersät. Alex sah sich seine Erschöpfung an. Seine geröteten, sonst blauen Augen, war von dunkel konturiert, er wirkte ungewöhnlich blass dafür, dass er jeden Tag draußen verbrachte.
Es war ein sommerlicher Samstagabend, den Alexander mit seinem Team verbrachte. Ausnahmsweise stand den Sonntag kein Spiel an, sodass die Jungs den Abend im Playa verbrachten, zusammen mit der halben Stadt, wie es schien.
Noch tropfte der Wasserhahn, doch als Alex die Tür endlich öffnete wurde das regelmäßige Tropfen von einer akustischen Welle überrollt. Er ging durch die Menschenmassen, die Jungs und Mädels in den Grüppchen bewegten ihre Münder, ihre Gespräche waren nicht mehr als ein Hintergrundrauschen für Alexander. Schatten flitzten über Boden und Wände, über Gesichter und Rücken, immer wieder unterbrochen von gleißenden Blitzen. Alex nahm drei Treppenstufen hinauf auf ein Podest, dann nach rechts zu einer gepolsterten Sitzecke hin, wo mehrere Jugendliche saßen. Er setzte sich, spürte ein Klopfen auf seinen Schultern.
„Alles klar?“, fragte Mike, Alex‘ bester Freund.
„Klar“, log Alex, nahm sein Glas und nippte daran. „Aber ich glaube, ich haue gleich ab.“
„Was? Jetzt schon?“, insistierte Mike. „Der Abend hat doch gerade erst angefangen.“
„Ich wollte meinem Vater morgen früh aushelfen“, antwortete Alex, wieder gelogen. Er leerte sein Glas mit einem Zug und erhob sich. „Wir sehen uns Montag“, sagte er in die Runde, klopfte seinem besten Freund auf die Schulter und verließ anschließend den Tisch. Er hörte noch, wie jemand fragte, ob alles in Ordnung sei. Mike bejahte.
Alex kämpfte sich durch die feiernden Menschen. Sein Kopf schmerzte, hinter seinen Augen spürte er ein unangenehmes Pochen. Seit einiger Zeit ging es ihm nun nicht mehr so gut wie sonst. Er konnte sich nur schwer konzentrieren. Zwar ließ er sich nicht ablenken, doch es gelang ihm auch nicht mehr eine Sache zu packen und seine gesamte Kraft darauf zu fokussieren. Und ständig war er müde, gar erschöpft.
Endlich erreichte er die Tür. Kühle Sommernachtsluft drang in seine Lungen. Der junge Mann hielt kurz inne, atmete tief ein. Für einen kurzen Augenblick vergaß er sein Leiden. Das Playa lag etwas abgelegen in der Nähe des Parks. Vor seinen Türen standen große Keramikkübel mit Palmen, um deren Stämme Lichterketten gewunden waren. Die leuchtenden Palmen säumten den ganzen Weg bis zur Straße. Auch hier standen Menschen und unterhielten sich, doch Alex hatte nicht das Gefühl von ihren Gesprächen erdrückt zu werden. Der Sternenhimmel über ihm und die Luft darunter gaben ihm das ersehnte Gefühl der Freiheit.
Nach seiner kurzen Pause setzte er seinen Weg fort, nicht den palmengesäumten, sondern einen dünneren, sandigen Weg, der ihn in die Dunkelheit führte. Seine Augen gewöhnten sich langsam an die dunklere Umgebung und zusammen mit den Sternen der wolkenlosen Nacht sah er recht viel, auch ohne künstliche Beleuchtung oder Mond. Und in der Ferne erkannte er die Laternen im Park, der ihm nicht nur zwanzig Minuten mehr seines Lebens schenkte, sondern ihm auch den lärmenden Autoverkehr ersparte.
Die paar Minuten an der Luft hatten seine Kopfschmerzen betäubt, da erreichte er den Stadtpark. Alex nahm auf einer der Bänke Platz, lehnte sich zurück, streckte seine Arme an der Rückenlehne aus. Es ging ihm wieder besser. Zwar war er noch müde, aber die Aussicht auf sein Bett war eine äußerst angenehme. Und das grelle Licht der Straßenlaterne über ihm störte ihn kaum.
Es war keine Stille. Das Zirpen der Grillen lag im Hintergrund, noch weiter dahinter das Plätschern des Wassers. Wer nicht bewusst hinhörte, nahm es kaum wahr. Und doch machte es einen Großteil der hiesigen Atmosphäre aus. Alexander Schmidt gehörte nicht zu den Menschen die großen Gefallen an der Natur fanden. Normalerweise hätte er den Abend mit seinen Freunden verbracht, die Aufmerksamkeit und Beliebtheit genossen, seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Doch heute Nacht genügte es ihm einfach nur da zu sitzen.
Ein Schrei teilte die Ruhe. Alex schreckte auf. Er sah sich um, nach rechts, von wo der Schrei sein Ohr erreichte hatte. Er erkannte wenig, denn große, schwarze Büsche versperrten die Sicht. Dahinter lag ein weiterer Sandweg, das wusste Alex, denn dort musste er entlang, wenn er nach Hause wollte.
Aber jemand brauchte Hilfe. Alex sprang auf und rannte los, den Weg entlang, bis er sich schließlich gabelte. Er bog rechts ab.
Ein blonder Junge saß auf dem Boden. Das eine Knie zum Gesicht gezogen begutachtete er seinen Knöchel. „Oliver, alles okay?“, fragte Alex, eilte zu seinem Mitschüler und reichte ihm die Hand. Dankend nahm der Blonde an und ließ sich von Alex aufhelfen.
„Ich weiß nicht. Eine … ich glaube, es war eine Frau. Sie hat mich umgerannt. Aber sie war nicht allein“, antwortete Oliver unsicher.
Alex mochte Oliver nicht besonders. Zwar kannte er ihn hauptsächlich vom Sehen, und das auch schon sehr lange, doch hatte er nie Interesse gehabt ihn besser kennenzulernen. Doch es war dunkel und seine Beschreibung des Geschehens machte Alex etwas unruhig. „Komm mit“, sagte er.
Oliver schien das nicht zu gefallen. „Hör mal, ich bin nicht so besonders erpicht darauf, zu sehen was da in den Büschen vor sich geht.“ Er sah sich vorsichtig um, die dunklen Bäume und Büsche wirkten plötzlich bedrohlich.
„Erpicht?“, erwiderte Alex leise. Das war einer der Gründe weshalb er Oliver nicht besser kennenlernen wollte. Während er Fußball spielte, verbrachte Oliver die Zeit mit einem Buch.
Oliver öffnete den Mund, wollte etwas sagen, doch Alex packte ihn am Arm und zog ihn runter auf den Boden. Langsam bewegte sich Alex auf einen Busch zu, immer noch mit Oliver im Schlepptau. Alex versteckte sich hinter dem Busch und Oliver tat es ihm gleich.
„Ist das die Frau?“, fragte Alex leise. Er hatte den Kopf hoch gestreckt. Eine Frau stand an einem Baum. Sie war viel älter als er, wahrscheinlich so alt wie Alex und Oliver zusammen. Und doch fand Alex, dass sie gut aussah mit ihrem langen, rotblonden Haar.
Oliver lugte vorsichtig hervor. Er erkannte den weißen Kittel wieder. „Ja, das ist sie“, flüsterte er. Sie trug einen metallenen Koffer, hielt ihn schützend vor sich. Oliver wunderte sich ob dieser Haltung, bis er den großen Mann erkannte, der die Frau offensichtlich bedrohte. Er war riesig, bestimmt über zwei Meter. Im Kontrast zu der Frau trug er einen schwarzen Mantel, eher noch einen Umhang, der auch seinen Kopf bedeckte. Oliver ging wieder in Deckung, sah Alexander fragend an.
„Los, wir müssen ihr helfen.“ Alex wirkte entschlossen.
„Was?! Du weißt doch gar nicht was da los ist!“
„Sei kein Feigling, Mann“, erwiderte Alex. Er sprang auf, zog Oliver hoch und stieg über den Busch. „Hey, leg dich lieber mit jemandem in deiner Liga an!“
Der Mann drehte sich um. Die Kapuze verdeckte den Großteil seines Gesichtes, der Rest lag im Schatten.
„Das ist keine gute Idee“, protestierte Oliver leise. Er machte einen Schritt zurück und stellte sich hinter Alex.
„Seid ihr lebensmüde?!“, rief die Frau Alex zu.
„Siehst du?“ Oliver fühlte sich bestätigt.
„Verschwindet von hier! Schnell!“ ergänzte die Frau.
Alex schien irritiert, ganz anders als der Mann, der mit großen Schritten auf die Jugendlichen zuging.
Olivers Herz schlug schneller, raste sogar. Er erkannte das Kinn des Mannes, fahl und blass war es. Die Lippen hatten einen gelblichen Ton, doch alles aufwärts verdeckte die Kapuze des Umhangs. Oliver wollte schreien. Er öffnete den Mund, schloss die Augen — ein lauter Knall ertönte.
„Lass mich los“, forderte Alex. Er versuchte sich von Oliver zu lösen, der ihn zu Boden gerissen hatte. Als es ihm gelang richtete er sich wieder auf. Jetzt erkannte er, was geschehen war: Der Mann hatte sich umgedreht, starrte wieder die Frau an. Doch sein Mantel hatte ein Loch im Rücken und eine Flüssigkeit strömte aus diesem Loch über das Schwarz. Alex begriff, doch versicherte er sich mit einem Blick auf die Frau. Sie hatte eine Pistole gezogen und einen Schuss abgefeuert.
„Haut jetzt endlich ab!“, rief sie Alex zu. Der Mann ging auf sie zu. „Nimm deinen Freund und verschwinde!“ Sie schoss noch einmal auf den Mann, der von der Wucht einen Schritt zurückstolperte, sich aber nicht weiter beeindrucken ließ. Der Riese erreichte die Frau, ehe sie noch einmal schießen konnte. Er hob seine Hand und schlug sie zu Boden. Sie packte ihren Metallkoffer, sprang auf und rannte auf die beiden Jungs zu. „Meine Güte, ihr seid wirklich dumm!“, rief sie ihnen zu.
Auch der Mann setzte sich in Bewegung und rannte los, der Frau hinterher und damit auf Alex und Oliver zu. Er machte schwerfällige Schritte.
„Wo ist die Waffe?“, fragte Alex, als die Frau ihn erreichte.
„Die bringt nichts gegen ihn. Er ist hinter dem Koffer her.“ Die Frau blieb bei Alex stehen. „Ich werde jetzt weiterrennen und ihr seht zu, dass ihr nach Hause kommt. Dieses Monster wird euch nichts tun, wenn ihr euch nicht in die Quere stellt.“ Dann schrie sie auf. Sie hatte einen Moment zu lange geredet, in dem der riesige Mann sie eingeholt und erneut zu Boden geschlagen hatte. Sie lag auf dem Bauch, vor Alex und Oliver. Mit einem Zug rollte sie sich auf den Rücken, hielt den Koffer wieder schützend vor sich. Der Mann holte noch mal aus, seine Faust raste hinab und traf den Metallkoffer.
Alex wurde von grellem Licht geblendet. Er kniff die Augen zusammen, dann spürte er einen Schmerz in seiner Brust. Für einen Moment dachte er von einer Kugel durchbohrt worden zu sein. Er fiel nach hinten über. Seine Hände verbohrten sich in sein T-Shirt, genau über seinem Herzen, das schnell, aber unregelmäßig schlug.
Die Kühle der Nacht wich einer sengenden Hitze. Die rotblonde Frau hatte sich aufgerappelt. Ihr Koffer hatte sich geöffnet. Erschrocken warf sie sich wieder zu Boden, suchte und tastete um sich herum. Das Flammenmeer um sie herum interessierte sie nicht.
„Für dich gibt es hier nichts zu suchen, Kyklop“. Eine selbstbewusste Stimme, weiblich, aber nicht die der Frau hatte gesprochen.
Der Mann bellte auf. Seine Stimme war tief, zu tief. Noch nie hatte Alex solch eine Stimme gehört. Mit Mühe öffnete er die Augen, hob den Kopf. Der Park stand in Flammen. Rote und braune Lichter warfen tanzende Schatten. Es knisterte und loderte und jetzt bemerkte Alex auch den Geruch des Verbrannten.
Eine junge Frau hatte sich vor den Mann gestellt, kleiner als Alex. Das Feuer schien aus ihrem Körper zu kommen. „Verschwinde!“, rief sie mit Nachdruck.
Der Mann ließ sich das nicht zweimal sagen. Er wirbelte herum und lief davon. Mit einem Sprung über die Flammen verschwand er in einem Gebüsch.
Das Mädchen widmete sich nun Alex. Sie hatte schwarzes, schulterlanges Haar. Ihre Unterlippe war blutig und sie sah mitgenommen aus. „Du vergisst besser, was du gesehen hast“, sagte sie. Als sie ihren Satz beendet hatte verschwanden die Flammen wie von Zauberhand.
Alex verlor das Mädchen aus den Augen, die sich noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt hatten, jetzt wo das Feuer erloschen war.
„Und kümmer dich um deinen Freund.“ Die Stimme war nun entfernter.
„Oh verdammt, Oliver!“, rief Alex entsetzt. Er hatte seinen Mitschüler fast vergessen. Oliver lag am Boden. Er hatte sich zusammengerollt und wimmerte. Alex kniete sich nieder und versuchte Oliver aufzuhelfen. Wie er zuvor selbst hatte auch Oliver sich ans Herz gepackt.


Epic 2: Gesehenes
Wenn wir wollen, daß alles so bleibt, wie es ist, müssen wir zulassen, daß sich alles verändert. — Giuseppe Tomasi di Lampedusa

Mit langsamen, der Vorsicht gewidmeten Schritten tastete sich Alexander Schmidt durch die Dunkelheit des Flures, darauf bedacht keinesfalls seinen Vater aufzuwecken. Er wollte sich jede Erklärung sparen. Nicht, dass es ein Problem für ihn sei, spät nach Hause zu kommen, doch wusste Alex nicht wie mitgenommen er aussah.
Er hatte Oliver beruhigen können, ihm aufgeholfen und mit ihm zusammen den Park verlassen, ohne viele Worte mit ihm zu wechseln. An der Straße hatten sich ihre Wege dann getrennt. Von der Frau im Kittel oder dem Mädchen hatte Alex nichts mehr gesehen. Und glücklicherweise auch nicht von dem riesigen Mann.
Seine Hand suchte nach der alten Kommode, dem besten Anhaltspunkt, um in sein Zimmer zu gelangen. Er spürte das morsche Holz an seinen Fingerspitzen. Die Hand glitt voran, der Körper folgte. Mit einem leisen Quietschen gelang es Alex die Tür zu seinem Zimmer zu öffnen. Er knipste das Licht an und kniff die Augen.
Nach einigen Sekunden hatte er sich an das Licht gewöhnt. Das Zimmer war klein. Die blauen Tapeten hatte es schon, so lange Alex zurückdenken konnte. Auch die Möbel waren alt. Dem Kleiderschrank fehlte eine Schranktür, die andere, an der ein Spiegel montiert war hing etwas schief. Zwischen Schrank und Bett gab es einen kleinen Gang, der zum Schreibtisch am Fenster führte.
Alex begutachtete sich im Spiegel. Sein weißes Hemd war an der Brust dunkelrot gefärbt. Das Blut war bereits eingetrocknet. Mit schnellen Griffen knöpfte er es auf und warf es in die Ecke. Das trockene Blut blätterte schon von der Haut ab, doch eine Wunde fand Alex nicht. Er rieb sich mit dem Handballen die Brust sauber. Jetzt erst sah er die gerötete Stelle über seinem Herzen.
Seufzend setzte sich Alex auf sein Bett. Er zog sich die Schuhe aus und warf sie dem Hemd hinterher. Er stand noch einmal auf, um das Licht auszuschalten, dann legte er sich hin.

Auch Oliver lag in seinem Bett. Gedimmtes, lila Sonnenlicht fiel durch die Vorhänge seines Fensters. Er hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt, den die Hände stützten. Es war schon fast sieben Uhr, doch geschlafen hatte Oliver kaum.
„Wahrscheinlich steh ich unter Schock“, hatte er vor ein paar Stunden gedacht, als er sich nichts sehnlicher gewünscht hatte als einzuschlafen. Doch jetzt war er ruhig, lag einfach nur da und lauschte den Morgengesängen der Vogeleltern, die vom aufmerksamkeitsheischenden Piepsen der Küken gefolgt wurden. Jedes Jahr nistete eine Familie über seinem Fenster.
Oliver hatte viel gelesen und gesehen. Fantasy-Romane und Science-Fiction-Filme, Krimis und Dramen. Szenen wie er sie vor einigen Stunden erlebt hatte, kannte er nur aus seiner Literatur. Er erinnerte sich an das fahle, blasse Kinn und die gelben Lippen. Keinem Menschen wünschte er ein solch widerliches Aussehen. Doch er war sich nicht sicher ob es überhaupt ein Mensch gewesen war. „Kyklop“, hatte das schwarzhaarige Mädchen ihn genannt.
„Zyklopen sind riesig.“ Langsam setzte Oliver sich auf. „Aber nicht real.“
Er erinnerte sich noch, wie der Mann den metallenen Koffer der Frau im Kittel entzwei geschlagen hatte, wie die zwei Lichtkugeln heraus geschossen waren. Seine Nackenhaare sträubten sich bei dem Gedanken an den Schmerz, den er verspürte, als das Licht sich in seine Brust bohrte. Vorsichtig strich er sich über die Stelle seines Pyjamas, unter der die Haut noch gereizt war.
Mit einem Ruck hob er seine Beine aus dem Bett und war aufgestanden. Er nahm die Wasserflasche von dem Nachttisch und trank einen Schluck.
„Er hat uns echt in Gefahr gebracht. Dieser Blödmann“, murmelte Oliver, als er die Flasche wieder zudrehte. Doch er hatte wohl keine Wahl, als mit ihm zu reden. Er tauschte die Flasche mit dem Mobiltelefon auf dem Tisch aus, ging seine Kontakte durch. Alexander hatte er nicht gespeichert. Und wo er wohnte, wusste er auch nicht.
So verging der Sonntag, den Oliver zu Hause verbrachte, lesend und an seinen Hausaufgaben arbeitend, doch immer mit den Gedanken an vergangene Nacht.

Es läutete, gefolgt von Schülermassen, die aus ihren Klassenzimmern drängten, hinaus auf den Pausenhof, in die Sonne. Oliver verließ mit einem brünetten Mädchen, fast zwei Köpfe kleiner als er, das Kunstatelier. Die Beiden blieben vor einer Pappmaché-Skulptur in Form einer großen Schildkröte stehen.
„Komm bitte mit mir“, flehte Oliver mit großen Augen. Er stand vor seiner besten Freundin. Er wusste, dass sie nicht nein sagen konnte.
„Muss das wirklich sein?“, fragte Jasmin zurück. Das Grün ihrer Augen traf auf Olivers braune Augen. Sie seufzte.
„Es ist auch nur ganz kurz“, versprach Oliver. Jasmin war der netteste und beste Mensch, den Oliver kannte. Sie war eine wunderbare Freundin, auf die man sich seit dem Kindergarten immer verlassen konnte. Und obwohl er sie so lange kannte, hatte er noch nie miterlebt wie sie gemein zu anderen Menschen war. Abgesehen von einem.
„Wirklich, wenn dieser widerliche Mike mich auch nur einmal doof anmacht, dann haue ich ihm meine Tasche ins Gesicht“, versicherte Jasmin ihrem besten Freund, der daraufhin grinste. „Und was willst du überhaupt von Alexander? Abgesehen natürlich davon, dir blöde Sprüche anhören zu müssen.“
„Es geht um eine Sache vom Wochenende“, antwortete Oliver. Er hoffte, dass Jasmin nicht zu viele Fragen stellte.
„Oh ja. Das Wochenende. Eigentlich hast du es nicht verdient, dass ich dich begleite, nachdem du mich im Playa allein gelassen hast. Weißt du, wie aufdringlich Mike war?“ Jasmin wirbelte sich durch das ordentliche, gewellte Haar. Dann zog sie eine dünne Strickjacke aus ihrer Tasche und zog sie sich über ihr ärmelloses Blümchenkleid. „Sehen meine Haare so furchtbar genug aus?“
Oliver nickte, noch immer grinsend, und machte sich mit Jasmin auf dem Weg nach draußen. Er wusste, dass Alexander die Pause mit seinen Freunden an den Tischtennisplatten verbrachte. Das Kunstatelier war im Keller der Schule, von dem nächsten Ausgang führte eine steile Treppe hoch auf den Schulhof.
Die Sonne schien, die Hitze kochte die Schüler, von denen die Kleinen aber unbeirrt ihr Fangspiel fortsetzten. Für einen Moment machte sich Enttäuschung in Oliver breit, er sah keine große Gruppe von pubertierenden Jungs. Erst auf dem zweiten Blick erkannte er, dass sich Alexander und Mike allein an die Tischtennisplatten gelehnt hatten und sich unterhielten.
„Hey, Alex“, grüßte Oliver. Seinem Blick versuchte Alexander auszuweichen.
„Was willst du? Ich bin beschäftigt und habe keine Lust mich mit dir sehen zu lassen.“ Alexander stupste Mike an, doch der reagierte nicht.
Er war also wieder der Alte, dachte sich Oliver, ohne sich aber etwas anmerken zu lassen. „Es ist wichtig.“
Jasmin seufzte. „Hallo Mike“, sagte sie anschließend, begleitet von ihrem mädchenhaftesten Lächeln.
„Na, Minni. Wie geht’s?“
„Es ist furchtbar heiß.“ Jasmin war ein Engel, wie Oliver wieder mal bewusst wurde. Zwar wirkte sie nicht sonderlich an Mike interessiert, doch das musste sie auch nicht.
„Wir könnten zum Bistro und uns ein Eis holen“, schlug Mike vor. „Ich lade dich ein.“ Er hob seinen Arm, gebot ihr sich einzuhaken, was Jasmin zu Olivers Überraschung auch machte.
Jasmin warf ihrem besten Freund noch einen Blick zu, der viele Botschaften enthielt, die Oliver auch verstand, dann verschwanden sie und Mike im Schulgebäude.
„Können wir jetzt reden?“, wiederholte Oliver in abgewandelter Form.
„Worüber denn?“, gab Alexander entnervt nach.
„Über Samstagnacht vielleicht?“, schlug Oliver vor, als sei sein Anliegen nicht offensichtlich.
„Nicht so laut“, bat Alex, sah sich vorsichtig um. Niemand schien auf die beiden zu beachten. „Hör mal, nur weil wir irgendeine Freakshow zusammen erlebt haben, sind wir sicher keine Freunde. Also belästige mich nicht weiter.“
„Du denkst wirklich, dass wir nicht darüber reden sollten, was wir gesehen haben?“
„Ich habe nichts gesehen!“, sagte Alexander nachdrücklich.
„Nichts? Keinen gruseligen Mann?“, fragte Oliver nach, doch Alexander verneinte. „Kein Feuermeer im Park?“ Alexander schüttelte den Kopf. „Du hast nicht gespürt wie eine Lichtkugel sich in deinen Körper eingenistet hat?“
„Eine Lichtkugel?“ Alexander wirkte plötzlich neugierig. „Was meinst du damit?“
„Das hast du wirklich nicht gesehen, oder?“ Oliver war sich nun gar nicht mehr sicher, ob das, was er gesehen hatte, wirklich passiert war.
„Hör mal, mir ging es Samstagabend nicht gut. Ich habe keine Ahnung was passiert ist, aber ich finde dass es ein peinliches Erlebnis war, an dass ich mich gar nicht erinnern möchte. Und jetzt lass mich bitte in Ruhe.“ Alexander hatte sich aufgebaut, stand nun bedrohlich vor Oliver. Er war stärker als Oliver, keine Frage, sportlicher und breiter und gewiss auch aggressiver.
„Verstehe“, sagte Oliver schließlich. Er hielt noch mal inne, dann nickte er. „Ich habe eigentlich erwartet, dass du auch wissen willst, was passiert ist. Aber vielleicht fürchtest du dich einfach.“
Einen dumpfen Knall später lag Oliver am Boden, hielt sich eine Hand an den Mund. Er spürte das warme Nass auf seiner Haut, den Schmerz an seiner Lippe. Er versuchte sich aufzurappeln, griff hinauf auf die Tischtennisplatte und zog sich hoch.
Oliver und Alexander hatten nun die Aufmerksamkeit des ganzen Schulhofs auf sich gezogen. Es gab kein anfeuerndes Gejohle nach einer Schlägerei, aber entsetzte Blicke. Wie Alexander genoss auch Oliver große Sympathie unter seinen Mitschülern.
„Oliver!“ Jasmin hatte ihr Eis fallen gelassen, sich von Mikes Arm gelöst und lief ihrem besten Freund zur Hilfe. „Alles okay?“, fragte sie. Sie öffnete hektisch ihre Tasche, zog eine Packung Taschentücher hervor. „Wie kannst du nur?!“, machte sie Alexander einen Vorwurf.
„Mir geht es gut, Jasmin“, versuchte Oliver seine Freundin zu beruhigen. Er wusste wie sehr sie Gewalt verabscheute.
Alexander drehte sich um und ging fort.
„War es das jetzt mit uns?“, fragte Mike enttäuscht, doch Jasmin beachtete ihn gar nicht. Sie versorgte Oliver mit voller Übertreibung. Mike seufzte, dann lief er Alexander hinterher.
„Er ist ein Monster! Kaum besser als sein widerlicher Freund! Was wolltest du überhaupt von ihm?“, fragte Jasmin. Sie wirkte völlig durch den Wind.
„Nicht jetzt“, wimmelte Oliver ab. Er sah, wie die Pausenaufsicht auf ihn zugelaufen kam. Eine breite Frau mit strengem Dutt und noch strengerem Blick. Oliver stöhnte. Frau Bärenknecht war die Letzte, die er jetzt sehen wollte.
„Zur Sozialarbeiterin! Sofort! Diese Schule ist eine gewaltfreie Zone!“ Bärenknechts militärischer Tonfall war Oliver gewidmet, auch wenn sie an ihm vorbei und Alexander hinterher lief.
„Soll ich mitkommen?“, fragte Jasmin. Sie hatte ihren Arm um Oliver gelegt, begleitete ihn durch die Schülerscharen, die wieder ihren normalen Pausenbetrieb aufgenommen hatten.
Oliver schüttelte den Kopf. „Ich komm schon zurecht. Und du hast schon genug für mich getan“, antwortete er, als er aus Versehen auf die Eiswaffel am Boden trat.

In den Fluren war es angenehm kühl. Die Wunde an Olivers Lippe hatte aufgehört zu bluten. Er saß auf einem Stuhl vor dem Büro der Sozialarbeiterin, einer netten, jungen Frau, die letztes Jahr ein Projekt geleitet hatte, an dem Oliver teilgenommen hatte. Es ging um Konfliktbewältigung, etwas, dass er kaum nötig hatte, wie er fand.
An der Bürotür war eine Ampel befestigt. Sie war auf Rot. Alexander saß zwei Plätze neben Oliver, doch die beiden mieden jeden Blick. „Er hat Konfliktbewältigung nötig“, überlegte sich Oliver, jedoch kam ihn dann in den Sinn, dass Alexander zu vielen Menschen äußerst nett war. Er hörte immer, wie hilfsbereit er sei, wie gutmütig, und wie er für Zusammenhalt sorgte.
Die Ampel wechselte auf grün, die Tür öffnete sich. Alexander war schnell aufgesprungen und im Büro verschwunden. Oliver holte tief Luft, dann folgte er ihm.
Das Büro war sehr lichtdurchflutet. Am großen Fenster befand sich der Schreibtisch der Schulsozialarbeiterin, doch Alexander hatte sich auf der Sofaecke niedergelassen. Auch Oliver setzte sich auf das Sofa, hielt aber den größtmöglichen Abstand ein.
„Da seid ihr ja“, sagte die bekannte Stimme.
Oliver wusste nicht, wie sie so plötzlich auftauchen konnte. Am Schreibtisch hatte sie zumindest gerade noch nicht gesessen, doch genau von dort kam sie. Sie hatte weder das blonde Haar, noch war sie so jung wie die Sozialpädagogin der Schule. Und doch kannte Oliver das dunkle, rotbraune Haar.
„Ich denke wir haben viel zu bereden, Tenkukai“, fuhr die Frau im Kittel fort.


Epic 3: Doktor Devon
Der Beginn aller Wissenschaften ist das Erstaunen, daß die Dinge so sind, wie sie sind. — Aristoteles

„Sie sind nicht Frau Thomms“, bemerkte Oliver das Offensichtliche.
Die Frau schüttelte den Kopf, dann reichte sie Oliver die Hand. „Doktor Veronika Devon“, stellte sie sich vor. „Ab heute bin ich hier zuständig.“
Alexander war aufgestanden. „Das tue ich mir nicht an.“ Er wandte sich der Tür zu.
„Alexander Schmidt, geboren am zwölften November 1997. Deine Mutter starb drei Jahre später. Du lebst mit deinem Vater in einer kleinen Wohnung über eurer Bäckerei und spielst Fußball im TSV Rothfurt, recht erfolgreich sogar“, zählte Doktor Devon auf, um Alexanders Aufmerksamkeit wiederzugewinnen.
Sie hatte Erfolg. „Was sind Sie? Eine Stalkerin?“, fragte Alexander überrascht und entrüstet zugleich.
Ein triumphierendes Lächeln breitete sich auf dem Gesicht der Doktorin aus. „So ähnlich. Ich bin Wissenschaftlerin“, sagte sie mit einem süffisanten Ton in der Stimme. „Und zwar eine von nur ganz wenigen, die die Tenku erforschen.“ Sie ging zu ihrem Schreibtisch und holte einen Tablet-Computer hervor. „Setz dich doch bitte wieder, Alexander. Die Tür ist elektromagnetisch verschlossen, die wirst du nicht öffnen können.“
Alexanders Augenbrauen hoben sich. Er packte die Türklinke, drückte sie runter und zog, doch die Tür öffnete sich nicht.
„Was wollen Sie von uns?“ Es war Oliver, der gefragt hatte. Er saß noch auf dem Sofa, in seinem Gesicht stand Neugier, aber auch Vorsicht geschrieben. Alexander hatte sich hinter dem Sofa positioniert, stützte sich mit den Ellbogen auf der Lehne auf.
„Euch beschützen. Ihr habt mit eurer Dummheit in der Nacht auf Sonntag Kräfte auf euch aufmerksam gemacht, mit denen man nicht Spaßen sollte.“ Doktor Devon hatte sich auf einem Sessel niedergelassen. Ihre Finger wischten über das Tablet. „Vor manchen kann ich euch beschützen. Aber es sind auch Kräfte dabei, vor denen nur ihr euch beschützen könnt.“
„Der Zyklop?“, fragte Oliver, doch war er sich sicher die Antwort schon zu kennen.
Devon nickte.
„Was?“, schoss es aus Alexander heraus. „Zyklop?“
„Einäugige Riesen der griechischen Mythologie“, antwortete Oliver wie auf Kommando.
„Ich weiß was Zyklopen sind. Aber sowas gibt es nicht“, erwiderte Alexander.
Wieder nickte Devon. „Das dachte ich auch. Allerdings hat die Tenkukai ihn so genannt.“ Sie überlegte. „Kyklop nannte sie ihn. Eine andere Variante. Ich habe auch noch nie einen Kyklopen gesehen, aber ich glaube, dass es einer war.“
„Und warum sollte eine Sagengestalt Sie verfolgen?“, fragte Alexander mit spöttischem Unterton.
„Deshalb.“ Veronika Devon hielt den beiden so unterschiedlichen Jugendlichen nun den Rechner hin. Zwei Steine waren auf dem Bildschirm abgebildet, der eine blau wie ein kostbarer Saphir, der andere in einem sanften Rosa gehalten. Sie waren leicht durchsichtig.
Oliver rückte etwas vor. Obwohl er sich sicher war, dass es sich um ein Standbild handelte, hatte er das Gefühl, dass etwas in diesen Steinen pulsierte, ein Licht ging von ihrem Innern aus.
„Das sind Tenku. Mystische Steine mit großer Macht. Ich erforsche sie seit vielen Jahren. Ich habe vor zwei Jahren eine Möglichkeit gefunden, ihre Energiesignaturen zu orten und so konnte ich diese beiden Exemplare in einer alten Höhle an der Nordsee finden“, erzählte die Wissenschaftlerin. In ihrer Stimme schwang die Faszination mit. „Und in dieser Stadt konnte ich wieder einen Tenku orten. Seit Wochen suche ich ihn, aber er ist nicht einfach zu finden.“
„Das Mädchen“, begriff Oliver langsam. Er hatte sich nicht eingebildet, dass sie Feuer aus ihrem Körper ausstieß. Er hatte es wirklich gesehen.
„Ja. Der Tenku ist in ihr. Sie ist eine Tenkukai, genauso wie ihr es jetzt seid.“
„Das ist absoluter Schwachsinn“, sagte Alexander, doch er schien nicht mehr von sich selbst überzeugt.
„Wasser und Wind“, erklärte Devon, zeigte dabei erst auf den blauen, dann auf den rosa Stein. „Als der Kyklop sie aus dem Koffer befreite, spürten sie die Gefahr, in der sie sich befanden und suchten einen Schutz. Deshalb haben sie sich in euch eingenistet. Ich nehme an, ihr habt die Wunde an eurer Brust entdeckt?“
Oliver nickte kurz, Alexander fasste sich an die besagte Stelle. „Da war keine Wunde“, antwortete er schließlich.
„Ja, eine der vielen Fähigkeiten der Tenku ist die Verbesserung eures Immunsystems. Schau dir Olivers Lippe an, die Verletzung die du ihm in deiner Verzweiflung zugefügt hast, ist bereits verheilt.“ Doktor Devon sah Alexander mit einem scharfen Blick an.
Oliver tastete über seine Lippe. Er fühlte keine schützende Kruste, keine blutende Wunde.
„Ich bin nicht verzweifelt. Und ich habe auch nicht so fest zugeschlagen“, beschwichtigte Alexander insbesondere sich selbst.
„Sie hat aber Recht. Ich habe geblutet.“ Oliver machte Alexander keinen Vorwurf. Er war selbst irritiert. „Jasmin hat es gesehen. Die ganze Schule hat es gesehen.“
„Wie dem auch sei“, fuhr Devon fort. „Ich kannte zwar bisher keine Kyklopen, jedoch andere gefährliche Kreaturen, die nicht von dieser Welt sind, aber die Tenku ebenso suchen wie ich. Nun ist mein Interesse wissenschaftlicher Natur, doch ich denke nicht, dass die Kyklopen oder wer auch immer sie beherrscht ebenso wissensgierig sind. Ihr werdet lernen müssen, eure Kräfte zu kontrollieren. Und dabei kann uns die Tenkukai des Feuers helfen.“
„Wissen Sie, wer es ist?“, fragte Oliver. Es fiel ihm schwer, die Geschichte der Doktorin zu glauben, doch noch schwerer fiel es ihm, es nicht zu tun. Er hatte sich die letzten achtunddreißig Stunden viele Fragen gestellt, die diese Frau ihm beantworten konnte.
„Euch zu finden war einfach. Doch sie habe ich noch nicht ausfindig machen können“, antwortete Devon nachdenklich. „Ich schätze, sobald euch wieder Kyklopen oder andere Kreaturen angreifen, wird sie auftauchen um euch zu beschützen. Dann werden wir sehen, wer es ist.“ Doktor Devon war aufgestanden. Sie ging auf ihren Schreibtisch zu, legte das Tablet ab. Mit einem Blick aus dem Fenster sagte sie schließlich: „Ihr begreift es noch nicht, doch ihr werdet schon bald sehen, was viele Menschen in ihrem ganzen Leben nie sehen werden. Und nun geht. Wir haben genug geredet.“
Alexander ließ sich das nicht zweimal sagen, er sprang zur Tür, öffnete sie erfolgreich und war verschwunden.
Oliver stand langsam auf. „Wo ist Frau Thomms?“, fragte er. Er musste an die Waffe denken, die die Wissenschaftlerin vor zwei Tagen bei sich trug.
„Sie hat ein lukratives Angebot bekommen. Mehr Geld, mehr Urlaub. Ich gehöre nicht zu den Bösen, Oliver March.“

Alexander lief die glühend heiße Straße herunter. Die Schule befand sich auf einem kleinen Hügel und überthronte so die Stadt. Schweißperlen kullerten von seiner Stirn herab, verfingen sich in den Augenbrauen und flossen seitlich der Augen hinab. Dieser Sommer hatte es in sich, dachte Alex sich. Doch er hielt nicht inne. Er wollte so schnell wie möglich weg von dieser Devon.
Woher wusste sie nur so viel über ihn. Wo er wohnte, dafür musste sie ihm nur gefolgt sein. Das Geburtsdatum hatte sie womöglich aus den Schulakten. Aber wie konnte sie von seiner Mutter wissen? Diese Doktorin weckte eine Unwohlsein ihn ihm, das er nicht beschreiben konnte.
Und er hatte ein schlechtes Gewissen. Oliver zu schlagen war falsch, genauso falsch, wie ihn bei der Verrückten zurückzulassen.
Alex hielt nun doch inne. Er war am Fuß des Hügels angelangt, an einer stark befahrenen Straße mit Ampel. Er betätigte mit der einen Hand die Fußgängerampel, mit der anderen wischte er sich über die Stirn.
Wieso dauert das so lange, dachte Alex sich, schlug mit der Faust gegen den Schalter der Ampel, zweimal, dreimal.
„Dass du deine Aggressionen jetzt an Dingen auslässt, werte ich als Besserung.“
Alex drehte sich zur Seite und erkannte Jasmin. Er hatte bisher kaum mit ihr gesprochen und doch war sie oft präsent. Mike redete den halben Tag von ihr. Alex musterte sie argwöhnisch. Wollte sie ihm Vorwürfe machen? Ihr Gesicht zeigte das typische sanfte Lächeln. Alex verstand, was sein Freund an ihr fand.
„Ich wollte mich bei dir entschuldigen“, sagte Jasmin.
Alex‘ Brauen hoben sich. „Wofür?“ Er verstand es nicht.
„Ich habe heute die Fassung verloren. Ich hätte dich nicht so anfahren dürfen“, erklärte Jasmin.
Alex wimmelte ab. „Ich muss mich entschuldigen“, gestand er ein.
„Aber nicht bei mir. Ich warte gerade auf Oliver. Wenn du willst, kannst du dich gleich entschuldigen“, bot Jasmin an. Sie klang so, als ob sie ihm wirklich helfen wollte.
Das Ampelmännchen sprang auf grün. „Nicht jetzt“, sagte Alex kopfschüttelnd. Er wollte Oliver nicht sehen. Er setzte wieder zum Laufen an und ließ Jasmin allein zurück.

Nach einiger Zeit erreichte Alex endlich die kleine Bäckerei. In roten Lettern stand auf einem gelben Schild „Schmidts“. Irgendwann im Laufe der Zeit hatten Alexanders Vorfahren wohl von ihren Ambossen und Hämmern zu Brot und Backöfen gewechselt.
Alex betrat das Ladenlokal und erkannte seinen Vater hinter der Theke, wie er gerade eine Kundin bediente. Er nickte ihm kurz zu und verschwand dann durch eine Tür hinter der Theke in die Backstube. Von dort aus nahm er eine Tür zur Linken und die Treppe hinauf in die Wohnung.
Sein T-Shirt war durchnässt vom Schweiß. Er warf es in die Wäscheecke zwischen Schrank und Schreibtisch, griff in den Kleiderschrank und zog eine kurze Hose hervor, ehe er sein Zimmer wieder verließ und ins Bad verschwand.
Das Badezimmer war ebenso winzig wie der Rest der Wohnung. Zwischen Toilette, Waschbecken und Dusche war noch irgendwie eine alte Waschmaschine gequetscht worden. Alex, jung und dynamisch, hatte keine Probleme sich durch die Enge zu manövrieren, dabei auch den Rest seiner Kleidung abzulegen und schließlich in der Dusche zu verschwinden.
Das kalte Wasser tat seinem erhitzten Körper gut. Alex war kein Warmduscher, doch etwas kam ihn anders vor. Während er seinen Körper mit Duschgel einrieb, musste er an die Worte Doktor Devons denken. Wasser und Wind. Ihm war klar, dass wenn diese Geschichte stimmte, was er für sehr unwahrscheinlich hielt, er den blauen Stein in sich hatte. Und der symbolisierte eindeutig Wasser.
Das Wasser fühlte sich anders an. Es war nicht nur erfrischend, es benetzte seinen Körper nicht nur. Es war, als würde es ihn durchströmen. Das Gefühl erfüllte Alexander. Es war wohltuend — dennoch — es war ihm auch ungeheuerlich. Er drehte das Wasser ab und stieg aus der Dusche. Nachdem er sich abgetrocknet hatte und in eine Hose geschlüpft war, verließ er das Badezimmer, ließ das Handtuch am Boden liegen.
„Hallo.“
Alexander wich zurück. Auf seinem morschen Bett saß Oliver im Schneidersitz. „Was machst du hier?“
„Dein Vater hat mir gesagt, dass du hier seist“, antwortete Oliver ausweichend. „Und Jasmin sagte mir, wo du wohnst.“
„Mike“, grummelte Alex. Dann fragte er erneut: „Aber was machst du hier?“
„Ich wollte dir nur sagen, dass ich dich von jetzt an in Ruhe lassen werde. Du musst mit mir über nichts sprechen, wenn du es nicht willst. Ich habe mir nur gedacht, dass du vielleicht darüber reden wolltest“, erklärte Oliver etwas durcheinander.
Alex nahm ein graues, ausgewaschenes T-Shirt aus seinem Schrank und steckte seinen Kopf durch. „Das nennst du in Ruhe lassen?“, fragte er abweisend.
Oliver löste seinen Schneidersitz, setzte mit den Füßen auf und erhob sich.
„Es tut mir leid, dass ich dich geschlagen haben“, sagte Alexander, zwar leise, aber für Oliver verständlich.
„Schon gut“, erwiderte dieser.
„Glaubst du dieser Devon?“
Oliver holte Luft. „Ich habe keine bessere Erklärung für das, was passiert ist. Eigentlich schon, aber die sind alle ziemlich blöd“, erklärte er.
„Ja, ich weiß, was du meinst“, stimmte Alex zu. „Ich bring dich runter.“
Oliver folgte Alex aus dem Zimmer heraus, durch den Flur, die Treppe hinunter. Die Haustür, sie war mehr ein Hintereingang, hatte ein vergilbtes Glasfenster. Aus der anderen Tür, neben der Treppe, hörte man das Summen der Backautomaten. Alex öffnete die Tür und trat mit Oliver nach draußen in die dunkle Gassen zwischen der Bäckerei und dem Nachbarshaus.
„Na dann, wir sehen uns in der Schule“, verabschiedete sich Oliver. Er drehte sich um, wollte losgehen. Da sah er am lichten Ende der Gasse zwei große Personen.
„Verdammt“, sagte Alex, der sie auch gesehen hatte. Er packte Oliver am Arm, schlug die Haustür hinter sich zu und lief los, in die andere Richtung, die sich in mehrere Gassen gabelte.
„Du glaubst Doktor Devon doch ihre Geschichte!“, bemerkte Oliver, der nicht so schnell wie Alex war, aber von ihm gut mitgezogen wurde.
„Ich weiß, wann es gefährlich wird“, erwiderte Alex. Sie hatten eine Sackgasse erreicht. Drei Gebäude, ineinander verbaut, hatten hier ihre Müllcontainer. „Scheiße! Wir sind eins zu früh abgebogen!“, fluchte Alexander. Er und Oliver wollten umkehren, doch die Männer hatten sie eingeholt.
Diesmal trugen sie keine Umhänge, keine Mäntel. Es waren nackte Kreaturen. Die Körper waren von einer fahlen, weißen Haut überzogen. Von plumper, aber gewaltiger Statur mit großen Köpfen. Und tatsächlich: wo sich bei einem Menschen die Nase befunden hätte, hatten diese zwei Geschöpfe nur ein großes, gelbes Augen. Stattdessen befanden sich auf der Stirn Nüstern und unter dem Auge war ein großer, runder Schlund, umgeben von gelben Lippen. Kyklopen.


Epic 4: Tenkukai des Feuers
Die Männer mögen das Feuer entdeckt haben. Aber die Frauen wissen besser, wie man damit spielt. — Sarah Jessica Parker

Sie rannte so schnell sie konnte. Sorgen quälten sie. Sie spürte diese mächtige Präsenz, die darauf aus war zu töten. Nach einer Bäckerei bog sie nach links, in eine schmale Gasse, ein. Obwohl die Sonne noch hoch am Himmel stand, wehrten die Gebäude, die die Gasse bildeten, geschickt das Sonnenlicht ab. Hier war es schwül und dunkel.
Ihr antrainiertes Gespür sagte ihr, wo sie lang musste. Es war ein diffuses Gefühl, so wie man spürte, wo es warm und wo es kalt war, spürte Kira Kendall die dunklen Kräfte, die ihre Stadt unsicher machten. Sie bog nach links, dann rechts. Dann schließlich sah sie die Beiden.
Der blonde, schmächtige Junge lag am Boden, während der Kräftigere versuchte ihn hochzuziehen. Letzterer war barfuß unterwegs. Zwei Kyklopen bedrängten die beiden Jugendlichen.
Zwei Kyklopen, dachte Kira. Zwar hatte sie zwei Tage zuvor bereits einen Kyklopen vertrieben, doch ihre Erfahrung mit diesen Ungeheuern sagte ihr, dass dies ein gefährlicher und harter Kampf werden würde.
Kira schnipste mit den Fingern beider Hände und spürte, wie sich die angenehme Wärme über ihre Hände ausbreitete, wie die flammenden Bälle Form annahmen. Wie eine Kugelstoßerin drehte sie sich und schleuderte die feurigen Geschosse auf den Rücken eines der beiden Kyklopen.
Das Ungeheuer brüllte auf, als sich seine versengte Haut schwarz färbte. Es drehte sich um und sah Kira mit seinem gelben, eitrigen Auge an.
„Ihr beiden übernehmt den anderen!“, befahl Kira den Jungs, die sie erst jetzt bemerkten. Während der Kyklop sich mit holprigen Schritten auf sie zu bewegte, entfachte sie ihre Hände erneut. Die Faust des Monsters näherte sich ihrem Gesicht, eine riesige Faust, die ihr den Kopf hätte vom Rumpf abtrennen können, wenn sie nicht mit Schwung zwischen den Beinen des Kyklopen durchgerutscht wäre. Wieder prallten die Flammenkugeln gegen den Rücken des Ungeheuers.
„Wir brauchen Hilfe!“, rief der muskulöse Junge, der den Arm des Blonden über seine Schulter gelegt hatte und ihn stützte.
„Ihr seid Tenkukai, also handelt auch so!“, erwiderte Kira in wütendem Ton. Zwar hatte sie noch nie andere Tenkukai getroffen, jedoch hatte sie sich oft gefragt, wie stark Andere wohl seien; es war enttäuschend. Doch ihre Aufgabe war es, jene zu beschützen, die sich nicht selbst beschützen konnten. Sie rannte auf den zweiten Kyklopen, der die Jungs bedrohte, zu. Mit einem hohen Sprung landete sie auf seinen Schultern, griff um seinen Kopf herum und presste ihre brennenden Hände auf sein gelbes Auge.
Der Schrei des Ungetüms war eine Mischung zwischen schrillem Geheule und wütendem Gebrüll. Seine massigen Hände schnellten empor, seine gewaltigen Finger umschlungen Kiras dünnen Oberkörper, fest und kräftig. Dann warf er sie mit einem Ruck nach vorn, ehe sich die feurige Kriegerin wehren konnte.
Das Mädchen prallte gegen die Ziegelsteinwand der Gasse. Steinige Splitter rasselten zu Boden, genauso wie Kira. Sie lag nun hinter den beiden Tenkukai, die zu nichts gut waren.
„Hilf ihr“, sagte der Blonde, lehnte sich an einen Müllcontainer. Der Braunhaarige eilte auf Kira zu, griff nach ihrer Hand, doch sie wehrte ab.
„Ich brauche deine Hilfe nicht“, sagte sie stolz. Ihre Hände tasteten die Wand hinter ihr ab, griffen in die Rille zwischen zwei Steinen und so zog sich Kira auf. „Verschwindet von hier, wenn ihr nicht kämpfen könnt oder wollt. Hauptsache ihr steht mir nicht im Weg.“
Die Kyklopen standen nun Schulter an Schulter. Der eine hatte sein Auge schmerzhaft zusammengekniffen, der andere starrte Kira wütend an, die ihre Arme weit nach vorn ausgestreckt hatte. Sie schloss die Augen, ließ ihren Fokus von den Schultern über die Arme zu den Händen wandern und dann ihren Körper verlassen. Sie hatte den Boden, auf dem die Kyklopen standen gut vor Augen. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten und mit einem lauten Knall hatte ein Feuerwirbel die Ungeheuer erfasst
„Das hält sie nicht lange auf“, rief Kira den Jungs zu. „Wenn ihr nicht kämpfen wollt, solltet ihr die Gelegenheit jetzt nutzen und verschwinden!“ Sie versuchte sich auf das Feuer zu konzentrieren, es zu mehren, doch es fiel ihr schwer. Sie hatte schon immer Probleme damit gehabt, Flammen in der Entfernung zu kontrollieren und wachsen zu lassen.
Der geblendete Kyklop brach aus dem Wirbel aus, setzte zu einem Sprung an. Sein massiger Körper flog nicht weit durch die Luft, doch es reichte um Kira unter sich zu begraben. Sofort erlosch das Feuer.
Der zweite Kyklop stieg über seinen Gefährten und ging auf den blonden Jungen zu. Dieser, kaum imstande zu stehen, konnte sich den großen, fahlen Händen nicht entziehen. Das Monster zog ihn hoch, während er versuchte mit seinen Händen den Griff zu lösen. Er schlug auf die dicken Finger ein, doch es half ihm nicht. Und dann — er wusste nicht, warum er es tat — nahm er seine Hände und hielt sie dem Kyklopen vor das vergilbte Auge. Die schwüle Luft sammelte sich vor den Handflächen, verdichtete sich für den Bruchteil einer Sekunde um sich anschließend explosionsartig zu entladen. Die entstandene Windbö warf das Ungetüm nach hinten und der Tenkukai des Windes purzelte aus seinen modrigen Händen heraus auf den kalten, dreckigen Boden.
„Wie hast du das getan?“, fragte sein Gefährte überrascht, der dem Blonden gerade hatte zur Hilfe eilen wollen und den starken Windzug bemerkt hatte.
Die Antwort des Tenkukai des Windes ging in einem tosenden Lärm unter. Eine Feuersäule hatte den zweiten Kyklopen in die Luft katapultiert. Die Luft erhitzte sich rasant, das Feuer schien nicht aufhören zu wollen, bis Kira aus dem flammenden Strahl heraustrat und dieser schnell zusammenschrumpfte. Ihr rechter Arm hing ungewöhnlich tief und sie hielt sich die Schulter mit der Hand des anderen Arms fest.
„Ich habe mir die Schulter ausgekugelt“, knirschte sie mit zusammengebissenen Zähne. „Gebt mir einen Moment Rückendeckung.“ Es war keine Bitte, sondern ein kühler Befehl.
Der schmächtige Blonde humpelte auf den so kontrastierenden, kräftigen Braunhaarigen zu, während der in die Luft geschleuderte Kyklop in einen Müllcontainer einschlug und ihn dabei zerschlug.
„Ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe“, gab der Schmächtige zu. Seine Atmung ging schnell, er war erschöpft.
„Es ist einfacher für dich“, antwortete Kira, die dabei war, ihren verletzten Arm zwischen einem Müllcontainer und der Backsteinwand zu fixieren. „Du musst nur die Luft um dich herum nutzen. Feuer zu erzeugen erfordert mehr Konzentration.“ Mit einer flotten Bewegung kugelte sie ihre Schulter wieder ein wobei sie einen Schmerzensschrei zu einem leisen Stöhnen unterdrückte.
Jetzt war Kira wütend. Ihre Schulter schmerzte, auch wenn sie spürte, wie sie bereits heilte. Sie war dreckig vom staubigen Boden, doch die Flammen, die sie erzeugt hatte, hatten keine Spuren an ihr oder ihrer Kleidung hinterlassen. Sie sah hinüber zu dem Kyklop, der vom Angriff des Tenkukai des Windes zu Boden geworfen worden war, sich nun aber aufraffte.
„Du blödes Vieh!“, fluchte Kira. Sie streckte ihren rechten Arm aus. Aus ihrer Handfläche brachen Flammen heraus, formten sich zu etwas länglichem, verfestigten sich schließlich zu einer schwarzen, breiten Klinge. Mit einem starken Griff hielt sie das Schwert gekonnt in den Händen, ging zielstrebig auf den Kyklopen zu, der mit seinem Arm ausholte. Kiras Reflexe waren schnell und geübt, sie wich der massigen Faust aus und rammte dann mit einem Stoß die dunkle Klinge von unten in den Bauch des Ungeheuers, schob sie gar mit aller Kraft bis zur Parierstange in den Körper hinein.
Mit einem Gebrüll fiel das Geschöpf auf die Knie. Eine gelbe Flüssigkeit trat aus der Wunde hervor, tropfte von der Parierstange ab. Kira schloss schwer atmend die Augen und entzündete das Schwert mit ihren Gedanken. Unter einem grausigen Gestöhne verlor der Kyklop an Masse, schrumpfte und fiel in sich zusammen. Es war, als zerfiele er zu Staub, dass die Flammen verschlangen.
Kira sah, wie der Blonde seine Augen bei dem gequälten Schrei des Ungeheuers zukniff. Ob er Mitleid empfand, obwohl das Ungeheuer versucht hatte, sie zu töten? Kiras Blick wanderte dann auf den Müllcontainer, den der andere Kyklop bei seiner Landung zerstört hatte. Vom Kyklopen war nichts mehr zu sehen, stattdessen bedeckte dunkler, gelber Sand die Überreste des Containers. Auch der unnütze Tenkukai des Wassers hatte bemerkt, dass der Kyklop nicht mehr war.
„Sie zerfallen bei ihrem Tod“, erklärte Kira, die sich nun erschöpft an eine Wand lehnte. Das Schwert war mit einem Flammenblitz verschwunden.
„Hast du kein schlechtes Gewissen?“, fragte Blonde, der sich zu Boden fallen gelassen hatte, um sein angeschlagenen Knöchel nicht weiter zu belasten.
„Er wollte dich töten und dir den Tenku aus der Brust reißen. Kyklopen sind Wesen ohne Verstand, einzig darauf aus zu töten. Außerdem leben sie ohnehin nur ein paar Tage. Es sind künstlich geschaffene Kreaturen“, erklärte Kira gelangweilt. Ihr Körper beruhigte sich langsam. Und doch, sie ärgerte sich über den Jungen. Er hatte Mitleid mit einem Monstrum.
„Interessant.“
Kira bemerkte die Frauenstimme und sah sich mit eilendem Blick um. Die Frau aus der Nacht zwei Tage zuvor war plötzlich am zerstörten Container aufgetaucht. Sie begutachtete die verbrannten, staubigen Überreste des Kyklopen.
„Du“, sagte Kira abschätzig.
„Ja, wir kennen uns noch nicht“, erwiderte die Frau, die wieder einen langen weißen Kittel trug. Sie ging auf Kira zu und reichte ihr die Hand. „Doktor Veronika Devon.“
„Interessiert mich nicht“, wimmelte Kira ab. Sie hatte sich von der Wand gestemmt und war imstande, die Gruppe zu verlassen.
„Ja, deinen Namen kenne ich bereits, Kira Kendall“, rief ihr die Wissenschaftlerin hinterher. „Es ist nur schade, dass du auf die Sankt-Barbara-Schule gehst. Ich kann schließlich nicht an zwei Schulen arbeiten.“
Kira hielt inne, drehte sich sogar um. „Woher weißt du das?“
„Ich habe viele Quellen. Deine Freunde, Oliver und Alexander, haben diese Erfahrung auch schon machen müssen. Aber keine Angst, ich gehöre zu den Guten“, erklärte Devon mit einem versuchten, aber nicht besonders erfolgreichem Lächeln.
„Haltet euch von ihr fern. Und von mir auch“, forderte Kira die Jungs auf. „Es ist nicht gut, wenn jemand unser Geheimnis kennt.“ Sie drehte sich wieder um.
„Willst du jetzt einfach gehen? Du könntest uns so viel erklären!“, rief Alexander ihr hinterher. Er fühlte sich ausgeschlossen. Kira und Doktor Devon wussten viel mehr als sie preisgaben und Oliver hatte es zumindest mit einem der Monster aufgenommen.
„Ich habe euch nichts zu erklären. Und ohnehin, Wasser und Feuer machen kein gutes Team“, schnaubte Kira, dann ging sie los, bog ab und ließ die schwachen Tenkukai und die mysteriöse Frau hinter sich zurück.
Wer war diese Frau? Sie trug die Tenku bei sich, als Kira sie zum ersten Mal gesehen hatte, gut behütet in einem Koffer. Ihr Auftauchen war ein Problem für Kira, soviel war ihr klar. Drei Kyklopen in drei Tagen war viel Arbeit, vor allem aber gefährliche Arbeit.
„Könnte sie zum Orden gehören?“, murmelte Kira abwesend, während sie die Gasse verließ und endlich wieder Sonnenlicht auf ihrer blassen Haut spürte. Die Sonnenstrahlen waren warm, ein wunderbares Gefühl für die Tenkukai des Feuers.


Epic 5: Gute Taten
Kritik ist gut, Vorbild ist besser. — Lothar Schmidt

Weißes Licht erfüllte die Nacht. Der Vollmond stand hoch oben am wolkenlosen Himmel; er hatte sich zu den kleinen, viel weiter entfernten Sternen gesellt. Die Sommernacht war erfrischend kühl im Vergleich zu der sengenden Tageshitze.
Oliver saß auf seinem Balkon, hatte seinen nackten Fuß auf einem anderen Stuhl hochgelegt. Er war noch leicht geschwollen, doch er konnte wieder gehen. Der Kyklop hatte ihn zwar verletzt, doch sein Tenku hatte ihn gut geflickt, wie Doktor Devon vorausgesagt hatte. Sie hatte ihn nach Hause bringen wollen, doch Oliver war nicht geheuer bei dem Gedanken gewesen in einem Auto mit der Wissenschaftlerin zu sein. Er kannte sie nicht gut genug. Sicherlich, sie hatte ihm und Alexander geholfen, doch war sie mysteriös, geheimnisvoll und verschlossen.
Oliver lehnte sich zurück und genoss den Vollmond. „Ob es wohl Werwölfe gibt?“, fragte er sich laut. Nein, bisher hatte er nicht an Werwölfe geglaubt, aber nachdem sich Kyklopen als sehr lebendig erwiesen haben, hielt er die Existenz von sich an Vollmond in Wölfe verwandelnden Menschen für absolut nicht abwegig. Schließlich hatte er sich selbst in gewisser Weise verwandelt. Er hob seine Hand ein wenig, öffnete sie schalenförmig und konzentrierte sich auf die Luft. Er versuchte sie mit seinem Blick in die geöffnete Hand zu lenken, doch es gelang ihm nicht. Oliver hatte es bereits einige Male diesen Abend probiert, doch ohne Erfolg.
Ein vibrierendes Geräusch drang in seine Ohren und sein Blick fiel sofort auf sein Handy auf dem Tisch. Jasmin rief ihn an.
„Hallo Jasmin“, meldete sich Oliver, als er das Telefon an sein Ohr hielt.
„Oliver! Wie geht es dir?“ Jasmins vertraute, beruhigende Stimme tat Olivers Ohren gut. Wie ein Fels in der Brandung strahlte sie eine gewisse Sicherheit aus, die Oliver in den letzten Tagen verloren geglaubt hatte. Er antwortete ihr und schnell fand Jasmin das Thema, weswegen sie angerufen hatte. „Wie ist euer Gespräch verlaufen? Mit Alexander?“
„Oh“, setzte Oliver an, um sich selbst eine kurze Denkpause zu geben. Er konnte ihr nicht erzählen, dass er einen Kyklopen bekämpft hatte, nicht weil das unglaubwürdig schien, sondern weil Jasmin jede Form der Gewalt strikt ablehnte. Aber das Gespräch, das er mit Alexander geführt hatte, war ziemlich erfolgreich gewesen, wie Oliver fand. „Wir haben uns ausgesprochen. Er ist eigentlich gar nicht so furchtbar.“
„Natürlich nicht. Menschen sind nie furchtbar“, erwiderte Jasmin mit einem leicht tadelnden Unterton in ihrer sonst sanften Stimme.
„Außer Mike, ich weiß“, antwortete Oliver mit rollenden Augen.
„Ach, fang nicht mit dem an. Er ist mittlerweile fest davon überzeugt, dass ich Interesse an ihm habe.“ Oliver hatte das ziemlich sichere Gefühl, dass diesmal Jasmins Augen gerollt haben. „Er wird mich morgen furchtbar belagern.“
„Halt dich einfach an Malte. Den wird Mike nicht mal dir zu liebe ertragen“, sagte Oliver mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Er mochte Malte, doch die Fußballer fanden ihn furchtbar und zeigten ihm das auch des Öfteren. Doch Mike war Oliver von allen Fußballern am sympathischsten. Er war nicht gemein wie Alexander und der Rest der Mannschaft, insbesondere in Jasmins Anwesenheit nicht.
„Und dich werde ich auch brauchen“, ergänzte Jasmin. „Aber es ist spät. Wir reden morgen weiter, okay? Dann schlaf gut, Oliver!“
Oliver schüttelte grinsend den Kopf. Jasmin war wirklich die beste Freundin die man sich wünschen konnte.

Stunden später war der helle Mond von der gleißenden Sonne ersetzt worden. Der Morgen begann so wolkenlos wie die Nacht aufgehört hatte und die Frische war schnell vergangen. Langsam füllte sich der Hof hinter dem alten Schloss, in dem die Schule hauste, mit den Schülern. Manche, hauptsächlich die Älteren, ätzten unter der Hitze, doch die jüngeren Schüler spielten vergnügt.
Oliver wurde fast von zwei Fünftklässlern umgerannt, als er mit Jasmin den Schulhof erreichte. Sie waren spät dran, gleich würde der Unterricht beginnen, aber natürlich würde kein Schüler vor dem Läuten daran denken, den Klassenraum aufzusuchen. Die beiden Freunde nahmen eine Treppe nach unten, gesäumt von bunten, blütentragenden Büschen und verschwanden im schwülen Schatten. Von hier führte die Tür zum Kunsttrakt im Keller des Schulgebäudes, aber auch ihr Raum für ihren Englischunterricht befand sich hier. Als Oberstufenschüler genossen Oliver und Jasmin das Privileg, sich auch außerhalb der Unterrichtszeiten im Schulgebäude aufhalten zu dürfen.
Sie gingen durch den alten Flur. Im Innern hatte die Schule nicht sehr viel von einem Schloss. Der Boden war mit blauem Linoleum ausgelegt, die Wände weiß verputzt und mit Kunstwerken der Schüler dekoriert. Eine der Halogenlampen an der Decke flackerte nervtötend.
Vor dem Raum standen bereits einige Schüler. Oliver erkannte Mike, der etwas abseits stand, und auf dessen gebräuntem Gesicht sich ein Lächeln ausbreitete, als er Jasmin erkannte. Alexander hingegen fand Oliver nicht sofort. Für einen Moment dachte er, Alexander sei noch draußen an den Tischtennisplatten, doch er sah die Jungs, mit denen er die Schulzeit verbrachte. Nicht alle waren in seiner Fußballmannschaft, doch sie alle waren groß gewachsen und sportlich. Oliver ließ Jasmin zurück — eine Gelegenheit, die Mike sofort am Schopfe packte — und näherte sich der Sportlertraube. Er hörte das Gejohle, das Gelächter.
Der dickere Junge mit den roten Haaren und dem blauen Superman-T-Shirt, war von Alexanders Gruppe umkreist und musste ihren Spott ertragen. Oliver stellte zu seinem Bedauern fest, dass Alexander auch zu denen gehörte, die lachten. Ihm war klar, wer den Spruch, der für diese Paviane so erheiternd war, gebracht hatte.
„Na, Queipo, wieder dabei anderen Menschen den Tag zu versauen?“, fragte Oliver mit einer Portion Selbstbewusstsein, die ihn selbst überraschte. Oliver war zwar ein ängstlicher Mensch, aber keinesfalls ein Feigling. Er hatte von Jasmin die Abscheu gegenüber Mobbing, Ausgrenzung und systematischen Gemeinheiten übernommen, doch heute war es ihm danach, Fernando Queipo nicht nur zu verabscheuen, sondern auch mal etwas Richtiges zu tun.
„Olli, gefiel es dir etwa, eine Faust im Gesicht zu spüren?“, erwiderte der große, schwarzhaarige Junge. Er war deutlich größer als Oliver und sah mit voller Arroganz zu seinem Herausforderer hinunter.
Oliver bereute für einen Moment, den Held spielen zu wollen. Er wusste nicht wie es kam, möglicherweise lag es an seinem Sieg gegenüber den Kyklopen, aber das war mehr Glück als Können. Und er wollte Fernando ganz gewiss nicht wehtun. „Lasst einfach Malte in Ruhe“, versuchte Oliver zu deeskalieren. Er suchte für einen Moment den Blick zu Alex, der ihn aber nicht erwiderte und wandte sich dann Malte zu. „Komm, Jasmin steht hinten und muss vor Mike gerettet werden.“
Malte ließ sich das nicht zweimal sagen, eilte an Fernando und den anderen vorbei und stellte sich zu Oliver, ohne ein Wort zu sagen.
Oliver wollte sich umdrehen und zurück zu Jasmin, doch Queipo hatte ihn an der Schulter gepackt. Olivers braune Augen trafen auf die noch brauneren Augen Queipos und für einen Moment fürchtete er die Eskalation.
„Ich lass mir von dir Prinzessin nicht in meine Morgenbeschäftigung hineinpfuschen“, machte Fernando Queipo deutlich, als er Oliver zu sich gezogen und seinen Arm bedrohlich um seine Schulter gelegt hatte.
Oliver überlegte, was er erwidern konnte, doch es fiel ihm nichts ein. Glücklicherweise war das auch nicht notwendig.
„Lass ihn los!“ Alexander hatte Queipos breiten Arm von Olivers Schulter geworfen. „Ich habe keine Lust auf noch mehr Ärger wegen ihm“, rechtfertigte Alexander seine Handlung vor dem größeren Jungen. Oliver entging nicht der abschätzige Ton, mit dem Alexander „ihm“ gesagt hatte, doch er glaubte zu verstehen, was Alex’ Vorhaben war. Er wollte sein Gesicht wahren und zugleich Oliver helfen.
„Na schön, Alex, wie du meinst“, gab Queipo schließlich nach.
Oliver entfernte sich von Alexander, Fernando und den anderen Jungs und folgte Malte zu Jasmin. „Solche Idioten“, sagte Oliver kopfschüttelnd und an Mike gewidmet.
„Sie spielen nur“, verteidigte Mike seine Freunde, mied aber den Blick auf Malte.
„Spielen? Sie ärgern Menschen, die mir was bedeuten. Das ist abartig“, machte Jasmin sehr deutlich. Ihr Gesicht hatte sich verzogen, so als hätte sie einen ekelhaften Geruch aufgeschnappt.
„Ich werde mal mit ihnen reden“, gab Mike schließlich nach und verließ Olivers Gruppe um in seine zurückzukehren.
„Danke“, sagte Malte schließlich. „Ohne dich wäre ich da nicht rausgekommen, Olli.“
„Das war wirklich mutig“, stimmte Jasmin zu, auch wenn sie nicht alles mitbekommen hatte. „Aber auch gefährlich. Gerade erst hat Alexander dich schließlich geschlagen!“
Oliver zuckte die Achseln. „Das war nichts“, spielte er seine Leistung herunter. Ehe er etwas Weiteres hinzufügen konnte, schloss Frau Bärenknecht das Klassenzimmer auf und beendete so das Gespräch.

Der Raum hatte sich verändert. Die pastellgelben Wände waren weiß gestrichen, die Bilder waren entfernt worden. Das Eichenholzmobiliar hatte sie durch moderne Möbel ersetzen lassen. Das Büro der Schulsozialarbeiterin hatte seine Wärme verloren und wirkte nun klinisch und wenig einladend.
Alex saß auf einer ledernen Couch, hatte sich zurückgelehnt und wartete darauf, dass Doktor Devon ihnen erzählte, warum sie ihn und Oliver her zitiert hatte. Die Doktorin schenkte gerade mit zittrigen Händen heißes Wasser in schwarze Tassen. Sie wirkte als Gastgeberin deutlich weniger souverän denn als Monsterforscherin, dachte Alexander.
„Nun, ich freue mich, dass ihr gekommen seid. Hier, bitte“, sagte Veronika Devon, als sie Oliver eine Tasse Tee reichte. „Ich schätze, Kira wird meiner Einladung nicht entsprechen, deshalb lohnt es nicht, zu warten.“ Die Wissenschaftlerin reichte nun auch Alex eine Tasse, nahm dann auf ihrem großen Sessel Platz.
„Ich denke kaum, dass Kira was mit uns zu tun haben will“, erwiderte Oliver, der seine Tasse auf einem Tischchen neben ihm abgestellt hatte.
„Das Gefühl hatte ich auch“, antwortete Doktor Devon. Sie wirkte müde. Ihre Augen waren von dunklen Schatten unterstrichen. „Aber dennoch wäre es besser, wenn wir Kontakt aufbauen würden. Auch sie braucht meinen Schutz. Und sie kann euch viel besser lehren, eure Tenku zu nutzen.“
„Als ob sie Schutz braucht“, schnaubte Alex. Es war das erste Mal, dass er was sagte, seitdem er das Büro betreten hatte. Er musste daran denken, wie hilflos er war, während das Mädchen riesige Monster besiegte. Und sogar Oliver, ein Schwächling, konnte sich wehren, während Alex nur tatenlos zusehen konnte.
„Oh, verteidigen kann sie sich sehr wohl, das ist mir bewusst. Aber vor Ungeheuern kann ich euch ohnehin nicht schützen. Nur vor der Öffentlichkeit“, antwortete Doktor Devon. Sie nippte vorsichtig an ihrer Tasse.
Daran hatte Alexander bisher nicht gedacht. Natürlich war ihm klar, dass er seinem Vater nicht einfach erzählen konnte, dass er von Kyklopen bedroht wurde. Doch dass so gut wie kein Mensch was davon mitkriegen durfte, das war ihm bisher nicht wirklich bewusst gewesen.
„Und wie?“, fragte Oliver kritisch.
„Ich habe meine Mittel. Aber das spielt auch keine Rolle“, wechselte Doktor Devon das Thema. „Wie ihr ja wisst, suche und studiere ich Tenku. Nun sind die Tenku keine Allerweltsgegenstände, die man überall und jederzeit trifft. Deshalb hat es mich gestern Abend so überrascht, als meine Geräte eine höhere Präsenz an Tenku-Energie registrierten.“ Die müden Augen funkelten wie die eines Kindes, das gerade ein Geschenk auspackte.
„Noch ein Tenku?“, fragte Oliver. Er wirkte misstrauisch, fand Alex. Bisher hatte er den Eindruck gemacht, die ganze Angelegenheit wenig zu hinterfragen, doch dieses Bild hatte Alex mittlerweile nicht mehr.
„Nun, die Energie, die ich beobachte, schwankt immer. Während eures Kampfes gegen die Kyklopen war natürlich viel mehr dieser mysteriösen Tenku-Energie wahrzunehmen. Doch gestern stieg sie ungewöhnlich hoch. Es gibt eigentlich nur die eine Erklärung: ein vierter Tenku muss sich in der Nähe befinden.“ Die Augen der Doktorin funkelten nun wie frisch geschliffene Diamanten.
„Wie viele Tenku gibt es überhaupt?“, fragte Alexander. Wenn es allein in Rothfurt schon vier gab, dann müssten es insgesamt unzählige sein.
„Das kann ich nicht sicher sagen. Ich habe die Anzahl der Tenku auf der Erde früher auf ein bis zwei Dutzend geschätzt, doch seitdem ich meine Geräte verbessert habe, musste ich meine Schätzung nach oben korrigieren. Es sind viel mehr als ich lange Zeit dachte“, antwortete Doktor Devon. Sie hatte sich erhoben und den Sessel umkreist, lehnte nun mit den Ellbogen auf der Lehne.
„Und jetzt wollen Sie den vierten Tenku suchen, nehme ich an?“ Oliver setzte mit seinen Lippen an der Tasse an, doch der Tee war ihm wohl noch zu heiß, denn er stellte die Tasse schnell wieder ab.
„Sicherlich. Der Tenku war vorher nicht hier, möglicherweise wird er von euch dreien angezogen“, sagte die Wissenschaftlerin mit einem raschen Blick auf ihre Uhr.
„Es sind doch Steine?!“, warf Alex ein. Er dachte an das Bild, das Devon ihnen auf ihrem Tablet gezeigt hatte.
„Ja. Wahrscheinlich ist es ein Tenkukai“, verbesserte Veronika Devon sich. „Nun denn, ich werde mich heute Abend auf die Suche machen. Alex, für dich habe ich folgende Aufgabe …“
„Ich habe schon genug zu tun“, erwiderte Alex genervt. Er hatte keine Lust auf weitere Hausaufgaben.
„Ich möchte, dass du lernst deinen Tenku zu benutzen. Setz dich in eine Badewanne, spring in einen See oder tanz im Regen, aber komm mit Wasser in Kontakt“, befahl Doktor Devon.
„Nun, da habe ich es ja doch etwas einfacher“, sagte Oliver grinsend, doch verstummte sofort wieder, als er den bösen Blick bemerkte, den Alex ihm zuwarf.
„Für dich habe ich auch eine andere Aufgabe: nimm Kontakt zu Kira auf.“
Und plötzlich freute Alex sich über seine Aufgabe. Er sollte sich in diesem heißen Sommer einfach nur abkühlen. Oliver hingegen war dazu verdammt, sich die Finger zu verbrennen.


Epic 6: Zu Besuch
Besuche machen immer Freude: Wenn nicht beim Kommen, dann beim Gehen. — Sprichwort

Eine große Sieben war in das breite Messingschild eingraviert. Gleich darunter stand in geschwungenen Lettern „Fam. Kendall“ geschrieben. Das Schild war an einer niedrigen Mauer befestigt, die das ganze Grundstück zu umsäumen schien. Das Tor, der Zugang zu dem Anwesen der Familie Kendall, stand einladend offen.
Hinter den Mauern, über die nur Kinder nicht hinüber schauen konnten, befand sich ein wahres Paradies. Ordentlich gepflegter Rasen, der trotz der Sommerhitze saftig grün war; hohe Bäume, die den geschwungenen, mit rotem Pflaster gebildeten Pfad zum Haus zierten; und ein Teich mit Brunnen, der die ruhige Nachbarschaft mit frischen Plätschern entzückte. Das Anwesen, ein zweistöckiger, weißer Prachtbau mit hohen Fenstern und rotem Dach, eines der wenigen Gebäude in dieser Stadt mit einem solchen, erinnerte Oliver an eine warme Küstenregion am Mittelmeer.
Mit sorgsamen Blick suchte er eine Klingel neben dem Schild, doch fand keine. Das Grundstück schüchterte ihm ein wenig ein und er war sich nicht sicher, ob er es einfach betreten durfte, doch da das Tor offen stand und er nicht läuten konnte, hatte er keine Wahl und setzte einen Fuß über die Schwelle des geöffneten Tores.
Für einen Moment zuckte Oliver zusammen, doch dann eilte er durch die Baumreihen zu der zweiflügligen Haustür hin. Die Tür war verglast, wodurch es Oliver möglich war, in den Flur dahinter zu gucken. Er erkannte eine Kommode gegenüber der Tür, an der verschiedenste Jacken hangen, einen Schuhschrank gleich daneben und eine große Palme in einem Terrakottatopf. Oliver löste seinen Blick von den Scheiben und suchte einen Moment die Klingel, die wie das Schild einige Meter zuvor, ebenfalls messingfarben war. Er legte seinen Daumen auf den Knopf, hoffte dass Kira ihn nicht verscheuchen würde, hasste Doktor Devon für ihren Auftrag und fragte sich, warum er ihn überhaupt ausführte. Er klingelte.
Das Läuten war durch die Tür zu vernehmen. Oliver fragte sich, ob überhaupt jemand im Hause war, spähte wieder in den Flur hinein. Er sah nur eine Treppe, die sowohl nach oben als auch in den Keller führte, doch keine Türen die in andere Räume im Erdgeschoss führten, doch dann öffnete sich die weiße Wand, die in Wahrheit eine an den Raum angepasste Tür war, und ein Mann schritt in den Flur. Oliver war sich sicher, dass es Kiras Vater war, da öffnete sich schon die Tür.
„Guten Tag“, sprach der große Mann mit seiner tiefen, beruhigenden Stimme. Herr Kendall trug ein weißes Hemd, dessen Ärmel er bis zu den Ellbogen aufgekrempelt hatte, sodass seine haselnussbraune Haut gut sichtbar war.
Oliver musste aufblicken, denn der Mann war gut einen Kopf größer als er. „Hallo“, murmelte er. „Ich möchte zu Kira.“ Für einen Moment sah Oliver ein Anzeichen von Überraschung in den hellen, braunen Augen des Mannes und war sich gar nicht mehr so sicher, ob es wirklich Kiras Vater war, doch die Überraschung legte sich so schnell, dass Oliver glaubte, sie sich nur eingebildet zu haben.
„Weiß Kira denn, dass du kommst?“, fragte er freundlich.
Verdammt, dachte Oliver. „Nein, das ist eher spontan“, antwortete er ehrlich.
„Das dachte ich mir“, erwiderte Herr Kendall zufrieden nickend. Sein freundliches Lächeln hatte sich in ein triumphierendes gewandelt. „Kira versteckt ihren Besuch normalerweise vor uns. Einfach die Treppe hoch und dann links.“ Der Vater zeigte auf die Wendeltreppe rechts des Eingangs und geleitete Oliver auf die erste Stufe.
„Vielen Dank“, sagte Oliver erleichtert und nahm zwei Stufen auf einmal, bis er im oberen Flur angelangt war. Die Wände hier waren von einem angenehmen Pastellgelb. Der Flur war lang gestreckt und die hohe Decke war mit schmuckvollen Stuckarbeiten versehen. Türen gingen an den Seiten ab, dazwischen Kommoden und dekorative Pflanzen. Oliver drehte sich sofort nach links und klopfte an die Tür. Er hörte Kiras Stimme, wie sie ihn hereinbat, holte tief Luft und drückte dann die güldene Türklinke herunter.
Bevor Oliver Kira auch nur erahnen konnte, spürte er einen dumpfen Schmerz an seinem Hinterkopf, der Raum verlor seine Konturen in einem bunten Farbenwirbel und ertastete die Rillen des Laminats mit seinen Händen. Kira hockte auf seiner Brust, drückte ihren Unterarm fest an Olivers Kehle und hielt ihn so am Boden. Mit der Hand des anderen Arms hielt sie ihm den Mund zu. Oliver hörte die Zimmertür zufallen, versuchte seine Arme zu heben und die Verrückte von sich zu stemmen, doch ihre Knie blockierten ihn.
„Erstens: wenn du schreist, bringe ich dich um!“, begann Kira eine Aufzählung. Oliver erkannte in ihren dunklen Augen eine Mixtur aus Wut und Gewaltbereitschaft. Ihm war klar, dass Kira nicht scherzte. „Zweitens: wenn du versuchst mich anzugreifen, bringe ich dich um!“, setzte Kira schließlich fort, wobei sie ihren Arm noch fester auf Olivers Hals drückte. „Drittens: wenn du versuchst zu flüchten, bringe ich dich um! Hast du das verstanden?“
Oliver versuchte ein „ja“ zu artikulieren, doch Kira ließ es nicht zu. Schließlich bewegte er seinen Kopf so gut es ihm möglich war, in der Hoffnung, dass Kira das Nicken erkannte. Scheinbar war das der Fall, denn ihr Griff lockerte sich.
„Was willst du hier?“, fragte sie. Ihre Stimme und ihr Blick wirkten immer noch sehr erbost und wütend, doch sie nahm ihre Hand aus Olivers Gesicht und wischte sie sich an seinem lilafarbigen Shirt trocken. „Hat die Frau dich geschickt?“
Oliver, eingeschüchtert durch Kiras Kraft und ihren Drohungen, traute sich nicht sich aufzusetzen, so blieb er liegen und antwortete: „Ja, kann man so sagen.“
„So eine Idiotin. Und du bist auch nicht besser“, erwiderte Kira. Sie sah auf Oliver hinab. „Aber dann muss ich dich nicht irgendwann mitten in der Nacht überfallen, um meine Antworten zu kriegen.“
Das klang nicht gut, dachte sich Oliver. Wie konnte Doktor Devon ihn nur in solch eine Gefahr hineinmanövrieren.
„Diese Frau, ist sie ein Mitglied des Kreises?“ Kira packte Oliver am Kragen und zog ihn auf die Beine. „Setz dich.“
Oliver setzte sich auf den harten Stuhl, den Kira ihn angeboten hatte. Für einen kurzen Moment sah er sich um und erkannte, dass Kiras Zimmer äußerst spärlich eingerichtet war. Es befanden sich keine Bilder oder Poster an den kalten, weißen Wänden. Selbst die Bettwäsche war in einfachem Weiß gehalten, wie Oliver es oft in Krankenhäusern gesehen hatte. „Des Kreises?“, wiederholte Oliver schließlich.
Kira rollte mit den Augen. „Vielleicht bist du auch nur ein unwissender Handlanger“, äußerte sie ihre Vermutung. Sie hatte sich an die Kante ihres Schreibtisches gelehnt und fixierte den Jungen mit ihren Augen. „Warum bist du hier?“
„Ich habe einige Fragen. Über die Tenku und Kyklopen und sowas“, antwortete Oliver wahrheitsgetreu. Doktor Devon hatte ihm überhaupt keinen detaillierten Auftrag gegeben, den er ausführen konnte.
Kira schnaubte verächtlich. „Du denkst also, weil du ein Tenkukai bist, kannst du hier herein spazieren und so tun als seien wir Freunde, die sich gegenseitig helfen?“
Oliver fiel auf, wie unterschiedlich Kira ihrem Vater sah. Ihre Haut war so blass wie die Wände ihres Zimmers, ihre Augen waren dunkel und kalt und ein freundliches Lächeln hatte er noch nie auf ihrem Gesicht gesehen. „Ich dachte, du gehörst zu den Guten“, erwiderte Oliver. Er war sich bewusst, wie blöd das klingen musste, doch ihm fiel nichts Besseres ein.
„Ich beschütze diese Stadt, wenn du das meinst, weil es meine Aufgabe ist. Das hat nicht viel damit zu tun, dass ich eine Tenkukai bin. Und deine Aufgabe ist es ganz gewiss nicht. Ich habe dir nichts zu erzählen, nicht über die Tenku, nicht über Kyklopen oder Reifriesen, nicht über den Kreis“, machte Kira äußerst deutlich. Sie hatte ihre Arme vor sich verschränkt.
„Reifriesen?“, fragte Oliver überrascht. Dieses Wort hatte er zuvor noch nicht gehört.
„Kreaturen wie die Kyklopen, aber sie dienen einem anderen … Wenn du das noch einmal versuchst, bringe ich dich um!“, sagte Kira entschieden, aber nicht sehr laut.
„Was hab ich denn jetzt gemacht?“ Oliver fühlte sich zu Unrecht beschuldigt, wusste zugleich aber, dass das in dieser Situation vollkommen unnötig war und ihm keineswegs half.
„Du hast versucht, mir Informationen zu entnehmen!“
„Du hast mir nicht verboten, Fragen zu stellen!“ Olivers dunkle, doch warme Augen, trafen auf Kiras kalte. Oliver hatte nun genug von ihr und stand auf.
Sofort schnellte Kiras Hand voran, packte ihn an der Schulter du versuchte ihn wieder auf den Stuhl zu drücken.
„Was denkst du eigentlich, wer du bist, dass du Menschen so behandeln kannst?“, fragte Oliver nun lauter. Er schlug Kiras Arm von seiner Schulter und stand endgültig auf. Er war erheblich größer als sie, doch sie war übernatürlich stark, das wusste er.
„Du bist hierhergekommen und hast damit alles in Gefahr gebracht! Weder du noch dein Freund wisst, worauf ihr euch überhaupt eingelassen habt, als ihr die Tenku angenommen habt!“ Kira lehnte nicht mehr an ihrem Schreibtisch. Sie hatte sich aufgerichtet, doch musste immer noch hinaufschauen, um Olivers Gesicht zu sehen.
„Alex ist nicht mein Freund und wir haben keine Tenku angenommen! Die haben uns … erwählt“, beendete Oliver seinen Satz nach einer kurzen Denkpause. Er wollte ansetzen zu gehen.
„Dann standen ihre vorherigen Tenkukai wohl unter Drogeneinfluss, anders kann ich mir nicht erklären, wie man solche Schwächlinge erwählen kann!“ Kira verlor nun die Fassung. Oliver spürte, wie sich die Luft im Raum merklich erhöhte und fürchtete bereits einen Brand. „Ich bring dich jetzt nach draußen. Wenn mein Vater fragt, du warst wegen einer Schulsache hier“, beschloss Kira, packte Oliver am Oberarm und geleitete ihn zu ihrer Zimmertür.
„Wir gehen nicht mal auf dieselbe Schule“, erwiderte Oliver, doch Kira öffnete die Tür ohne auf seinen Einwand einzugehen. Sie begleitete ihn die Treppe hinunter und öffnete die Haustür.
„Noch mal will ich dich hier nicht sehen“, flüsterte sie.
„Mach dir da mal keine Gedanken“, erwiderte Oliver, wobei er seinen Arm aus ihrem Griff riss und über die Allee zur Straße hin spurtete. Er war froh den Fängen der Tenkukai entkommen zu können und war sich sehr sicher, sie nie wieder aufsuchen zu werden.
Oliver eilte schnell die von Prachthäusern gesäumte Straße hinunter und überquerte die Kreuzung. Der Himmel war in einem kühlen Blau, das sich schon bald Orange färben würde. Oliver brauchte einen Moment um sich zu orientieren. Kira wohnte ziemlich weit weg von der Schule, von Alexander und von ihm — zum Glück. In der Ferne erkannte Oliver schließlich den Kirchturm, von wo er dann auch nach Hause finden konnte. Er setzte seinen Weg fort und bog in eine ruhige Nebenstraße ein, die geradewegs zur Kirche zu führen schien.
Kira wusste, wie sie ihren Tenku kontrollieren konnte und sie würde es Oliver gewiss nicht zeigen. Er müsste es sich selbst aneignen. Ob Alexander wohl Fortschritte gemacht hatte, fragte sich Oliver.
Oliver bemerkte den Nebel nicht, der langsam aufzog. Erst als er sich die Arme rieb und er die Sommerhitze vermisste, ahnte er, dass etwas passiert war. Vorsichtig schaute er sich um, doch der eisige Nebel ließ ihn kaum die Hand vor Augen sehen.
Etwas Raues und Kaltes packte Oliver am Nacken. Er wollte aufschreien, doch die Kälte verschnürte ihm die Lungen. Das Etwas zog ihn hoch, weiter in den blassen Nebel, hinter dem Oliver glaubte, zwei blassblaue Augen zu erkennen. Instinktiv streckte Oliver die Hände vor sich aus, wie er es schon bei dem Kyklopen zuvor getan hatte, und spürte die Luft, die er gegen seinen Angreifer zu pressen versuchte. Zumindest lichtete sich der Nebel ein wenig und Oliver erkannte, was ihn gepackt hatte.
„Reifriese“, stammelte er.
Der Riese brüllte auf und Oliver sah, dass der Nebel der Atem des Reifriesen war. Eiskalter Atem, der sein Gesicht quasi erfrieren ließ.
„Gib dir mehr Mühe! Konzentriere dich auf die Luft vor dir!“, rief eine bekannte, männliche Stimme, die Oliver jedoch nicht zuordnen konnte. Es war eindeutig nicht Alexander, doch wer hatte noch Erfahrung mit Tenku?
Oliver streckte seine Hand erneut aus. Sie war bereits kalt und taub und er spürte seine Finger nicht mehr. Auch von seinem Nacken, der zwischen den frostigen Fingern der Kreatur steckte, ging ein kalter Schmerz aus. Oliver spürte die Luft erneut, mehr noch — er sah dank des Nebels, wie sich die Luft vor seiner Hand zu einer Kugel ballte. Mit aller Kraft schloss er seine gefrorene Hand und entließ die geballte Luft damit. Die Kugel prallte gegen den Kopf des Reifriesen, ließ ihn nach hinten taumeln und schließlich stolpern, wobei er Oliver fallen ließ.
Starke Arme halfen dem blonden Jungen auf. „Das war gute Arbeit“, sprach der Mann, als er Oliver von der Kälte wegzog. Als sie den Nebel verließen, erkannte Oliver die gebräunte Haut.


Epic 7: Die Familie Kendall
Sage nicht, du kennst einen Menschen, bevor du nicht ein Erbe mit ihm geteilt hast. — Johann Casper Lavater

Nichts war mehr wie es vor ein paar Tagen noch gewesen war. Wütend legte Kira ihren Füller beiseite. Ihr Essay für den Englischunterricht mit dem Thema „Transitioning“ hatte zu warten, erst einmal musste sie sich abreagieren.
Seitdem die beiden Jungs in ihrer Stadt, Rothfurt, aufgetaucht waren, hatte sich alles verändert. Kyklopen machten die Stadt unsicher, ein Mitglied des Kreises observierte sie und ihr Gefühl war getrübt. Die Anwesenheit zweier weiterer Tenku überlagerte die dunklen Energien und machte es Kira äußerst schwierig, ihre Gegner zu spüren.
Woher kamen die beiden Tenkukai nur? Ja, sie hatte gesehen, wie sie erwählt wurden. Es war ein Akt der Verzweiflung, die Tenkukai hatten Schutz gesucht und sich mit den beiden Jugendlichen zufrieden geben müssen, waren doch keine besser geeigneten Kandidaten zur Stelle. Aber es konnte kein Zufall sein, dass sie hierher kamen, in eine geschützte Stadt.
Und die Wissenschaftlerin, Devon, sie wusste zu viel über die Tenku. Sie musste Mitglied des Kreises sein, jener Organisation, die die Macht der Tenku für ihre Zwecke missbrauchen wollte.
Kira stand auf und widmete sich dem einzigen Gegenstand in ihrem Zimmer, der deutlich machte, dass es sich nicht um eine Klosterzelle handelte: ihrem Boxsack. Gerade wollte sie zum Schlag ausholen, da —
„Kira! Komm runter, schnell!“
Es war ihr Vaters. Doch etwas lag in seiner Stimme, das Kira beunruhigte. Er klang nicht böse oder wütend, sondern einfach nur in Eile, vielleicht ein kleines wenig besorgt. Kira ahnte nichts Gutes, doch sie ließ ihren Boxsack unversehrt hängen, stürmte aus ihrem Zimmer und mit eiligen Schritten die Treppe hinunter.
Die Haustür stand offen, genauso wie die Tür zum Wohnzimmer, in das Kira rannte. Wie auch der obere Flur, ja wie jedes Zimmer in diesem Haus, von ihrem einmal abgesehen, war auch das Wohnzimmer in warmen Pastellfarben gehalten. Die hohen Fenster erhellten den Raum auch jetzt zum Sonnenuntergang gut und obwohl es Ende August war, loderte das Feuer im Kamin.
Kira erkannte ihren Vater, der vor dem Kamin kniete, neben einer Person, die zitternd davor lag. Kira erkannte das blonde, fast goldene Haar, die helle Hose und das lilafarbige Oberteil — Oliver.
„Er wurde von einem Reifriesen angegriffen, in der Finkengasse“, erklärte Kiras Vater, der sich erhoben hatte, zum Sofa eilte und eine Wolldecke hervorholte.
„Verstehe!“, antwortete Kira und drehte sich wieder der Tür zu.
„Nein, bleib hier. Der Reifriese kann warten“, erwiderte ihr Vater. Kira wollte widersprechen, doch sie sah in seinem Blick, dass er jetzt nicht diskutieren wollte. „Wärm den Jungen.“
Kira zögerte, doch dann kniete auch sie sich neben Oliver. Sie sah seine Verletzungen: die gefrorene Haut um seinen Hals war aufgeschwollen und hatte eine blau-rote Farbe angenommen. Zwar regte sich jeder Muskel seines Körpers, doch schien er nicht ansprechbar. „Ich glaube nicht, dass er diese Erfrierungen übersteht. Wir sollten einen Arzt rufen“, schlug Kira vor.
„Er ist ein Tenkukai“, sagte ihr Vater ruhig. Kira sah ihn für einen Moment an, doch sie brauchte nicht erst überrascht wirken. „Ich weiß es und du weißt es auch. Wahrscheinlich schon länger als ich. Warum sonst sollte er dich besuchen?“
Kira wusste nicht, was sie erwidern sollte. Natürlich konnte ihr Vater einen Tenkukai erkennen. Statt das Gespräch fortzusetzen, legte Kira ihre glühenden Hände um Olivers Hals. Sie spürte das eisige Gift der Reifriesen in seiner Haut: winzige Eiskristalle die sich in seine Poren gelegt hatten und den Körper weiter abkühlten, doch ihr Feuer würde sie vernichten.
„Du weißt, dass es eine einmalige Chance für unsere Familie ist?“, fragte ihr Vater noch immer ruhig, doch Kira spürte den besorgten Blick, den er ihr zuwarf.
„Es gibt noch einen anderen Tenkukai. Die Beiden sind befreundet“, begann Kira zu erzählen. Jetzt wo ihr Vater Oliver schon kannte, machte es wenig Sinn, den Rest zu verschweigen. „Aber sie werden von einer Frau geführt, die ganz sicher kein Tenkukai ist.“
Ihr Vater sah sie nun nachdenklich an. „Nicht viele Menschen wissen von den Tenku. Die Geschichten, die sich um sie ranken, sind zwar weltbekannt, aber das verbindende Element aller Mythen kennt so gut wie keiner. Denkst du, die Frau, die du meinst, gehört dem Kreis an?“
Kira schüttelte den Kopf. „Dann hätte sie Menschen mit einer militärischen Ausbildung oder ähnlichem die Tenku gegeben, Vater.“
Herr Kendall nickte. „Das wäre wahrscheinlicher. Aber trotzdem sollten wir vorsichtig sein. Ich werde auf jeden Fall mit der Frau sprechen müssen.“
„D-doktor De-von.“ Oliver zitterte noch immer, seine Augen waren halb geschlossen und er war kaum zu verstehen, doch anscheinend bei Bewusstsein.
Kira schloss ihre Hände fester um Olivers schmächtigen, kalten Hals. Würde er sterben, wäre er der Erste, den sie nicht hätte schützen können. Sie spürte, wie ihr Vater eine seiner großen Hände auf ihre Schulter legte.
„Wird er durchkommen?“
Kira und ihr Vater sahen zur Wohnzimmertür, in der eine Frau mit rotblondem Haar stand. Über ihren Anzug trug sie einen weißen Laborkittel. Und hinter ihr erkannte Kira den großen Jungen, der ebenfalls Tenkukai war.
„Doktor Veronika Devon.“ Die Frau im Kittel stellte sich Kiras Vater, mit der Hand über Olivers zitternden Körper ausgestreckt, vor.
„Christopher Kendall. Es ist unhöflich, ein Haus einfach so zu betreten“, erwiderte der Vater mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht, als er ihre Hand schüttelte.
„Manchmal ist für Höflichkeit kein Platz. Ich habe gesehen, wie Sie Oliver hier hin getragen haben. Was ist passiert?“, fragte Devon. Sie kniete sich zu dem verletzten Jungen hinunter und begutachtete ihn, weniger mit Sorge als mit Neugier.
„Ein Reifriese hat ihn angegriffen“, begann Christopher Kendall, doch wurde alsbald unterbrochen:
„Ein was?“ Alexander hatte sich zu Oliver gekniet. „Er ist halb erfroren!“
„Reifriesen, oder auch Eisriesen, sind Wesen, die einem Herrn dienen. Einem Dämonenfürsten. Dieser Ort wird seit Jahrhunderten von ihnen geplagt und von unserer Familie beschützt“, fuhr Kendall fort.
„Dann sind Sie auch ein Tenkukai?“, fragte Alexander ohne von Oliver aufzublicken. Er sah die feurig glühenden Hände Kiras, die versuchten die Kälte aus Olivers Körper zu vertreiben.
„Nein. Ich war einst ein Tenkukai, doch vor drei Jahren habe ich Kira den Tenku überreicht, sowie mein Vater ihn einst an mich weitergab“, erklärte Kiras Vater.
„Ich glaube, ich habe die Eissplitter neutralisiert. Die Haut ist äußerlich etwas verbrannt, aber das sollte spurlos verheilen“, sagte Kira endlich und löste ihren Griff von Oliver. Ihre Hände glühten nicht mehr, sondern waren wieder blass. Kira stand auf und sah aus dem Fenster. „Ich sollte mich jetzt um den Reifriesen kümmern.“
Doch ihr Vater schüttelte den Kopf. „Er griff den Jungen aufgrund des Tenku an. Wenn du das Grundstück verlässt, wird er vor unserer Straße auftauchen. Es ist noch zu hell, um jetzt zu agieren.“
„Ich nehme an, dieses schöne Haus ist durch einen Schleier aus Tenku-Energie geschützt?“, vermutete Doktor Devon wissbegierig. Sie hatte sich ebenfalls erhoben und sah ihren Gastgeber mit funkelnden Augen an.
„Sehr richtig“, antwortete Herr Kendall. Als er Alexanders Blick aufnahm, fügte er hinzu „Ein Teil der Energie unseres Tenku umhüllt das Grundstück und weist alle dämonischen Kräfte ab. Über die Jahrhunderte wurde der Schleier immer mächtiger. Leider hält er keine ungebetenen Gäste ab.“
„Es würde sicherlich helfen, wenn man die Tür hinter sich schließt“, konterte Doktor Devon und erntete ein anerkennendes Lächeln von Herrn Kendall. „Nun, ich kenne mich, wie Sie wohl merken, gut mit den Tenku aus. Ich weiß allerdings wenig von Dämonen und kann Oliver und Alexander nicht beibringen, wie man sie bekämpft.“
„Wir werden es ihnen auch nicht zeigen“, antwortete Kira abweisend. „Das hier ist kein Dojo!“
„Wieso müssen wir überhaupt kämpfen?“ — Oliver hatte gesprochen. Er zitterte nur noch ein wenig und hatte wieder etwas gesunde Farbe im Gesicht. Trotzdem klang er noch äußerst geschwächt.
„Weil ihr quasi mit den wertvollsten Juwelen des Planeten durch die Stadt spaziert“, antwortete Devon schroff, fast so, als sei dies die logischste Antwort überhaupt.
„Und aus diesem Grund werde ich euch lehren müssen, eure Tenku zu beherrschen“, fügte Herr Kendall hinzu.
„Vater!“, protestierte Kira umgehend. „Sie gehören nicht zur Familie und haben kein Recht auf unsere Geheimnisse!“
„Kira, hier bietet sich für unsere Familie eine unglaubliche Chance!“ Herr Kendalls Ruhe schwand, eine Portion Strenge schwang in seiner Stimme mit. „Sollten die Reifriesen auch nur einen Tenku in ihre winterlichen Fänge bringen, war die Arbeit unserer Familie für die Katz. Ich werde Oliver und Alexander unterrichten, Ende der Diskussion.“
Es war still geworden im Wohnzimmer. Kira sah mit Abscheu auf Oliver und Alexander hinab, dann ging sie in einen Nebenraum. Einen Moment später hörte man Teller zu Boden fallen.
Alexander und Herr Kendall verhalfen Oliver auf das Sofa, auf dem schließlich auch Doktor Devon mit überschlagenen Beinen Platz nahm.
„Gibt es noch andere Familien wie Ihre?“, fragte die Wissenschaftlerin, nachdem sie einen Notizblock aus ihrem Kittel hervorgezogen hatte. „Familien, die irgendwelche Orte schützen?“
„Oliver und Alexander sind die einzigen Tenkukai, von denen ich weiß. Von Kira mal abgesehen“, antwortete Kendall, als er sich in seinen breiten Sessel gesetzt hatte. „Wir haben alte Aufzeichnungen, in denen auch von anderen Beschützern berichtet wird, doch die sind wirklich sehr alt. Tatsächlich wissen wir recht wenig“, seufzte Herr Kendall. „Aber wir haben keine Wahl. Die Reifriesen sind hier und werden es wohl auch immer sein. Es ist ein sinnloser, niemals enden wollender Konflikt.“
„Ich würde die Aufzeichnungen gerne mal sehen“, erwiderte Doktor Devon ohne von ihrem Notizblock aufzusehen, auf dem sie eifrig schrieb.
„Völlig inakzeptabel. Nur die Familie hat Zugang auf die jahrhundertealten Zeugnisse und die Chronik der Roten Ritter. Wir können da absolut keine Ausnahme machen“, stellte Herr Kendall klar. Er sah hastig auf seine Armbanduhr. „Wie dem auch sei. Alexander und Oliver, ich erwarte euch morgen um siebzehn Uhr zu eurer ersten Trainingseinheit.“


Epic 8: Pausengespräche
Pausen sind die Löcher im Käse des Lebens. — Waltraud Puzicha

„Der Schlüssel zur Kontrolle des Tenku ist, eine Verbindung mit ihm herzustellen. Die körperliche Verbindung hat er hergestellt, aber die emotionale Verbindung musst du herstellen.“
Du — nicht ihr. Oliver saß mit angewinkelten Knien auf dem dreckigen Boden und versuchte Herrn Kendall zuzuhören, doch er war enttäuscht. Allein war er, in diesem Trainingsraum im Keller des großen Hauses, dass die Kendalls bewohnten. Es war ein dunkler, ungewöhnlich kalter Raum. Die Wände waren mit einem rauen, filzigen Stoff verkleidet, der Boden mit alten Matten ausgelegt. In einer Ecke hing ein Boxsack, daneben an der Wand metallene Spinte. Halogenleuchten spendeten dem Raum ein unnatürliches Licht. Alexander war nicht gekommen.
Herr Kendall stand mit verschränkten Armen vor Oliver. Hinter ihm stand Doktor Devon und machte sich Notizen. Sie war bereits da gewesen, als Oliver ankam. „Der Wille zum Kampf kann die Verbindung herstellen, starke Gefühle ebenso. Es muss etwas sein, was den Tenku anspricht, was ihm gefällt und ihn bewegt.“
Vorsichtig hob Oliver die Hand um zu signalisieren, dass er eine Frage hatte. Nach Herrn Kendalls Nicken fragte er: „Wie kann einem Tenku etwas gefallen?“ Oliver musste an das Bild mit den Steinen denken, das Doktor Devon ihm vor einigen Tagen gezeigt hatte.
„Ich kenne deinen Tenku nicht, deshalb kenne ich auch seine Vorlieben nicht. Unser Tenku des Feuers, den wir von Generation zu Generation weiterreichen, hat sich sehr an uns gewöhnt und kennt uns und unsere Eigenheiten. Aber natürlich hat Kira einen anderen Stil als ich. Mein Anker, meine Quelle der Kraft war immer der Wunsch, andere vor Schaden zu schützen“, erklärte Herr Kendall. „Das war etwas, mit dem der Tenku übereinstimmte, etwas, das uns verband.“
„Was ist denn dann Kiras Anker?“, fragte Oliver sich laut. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sie so einen starken Beschützerdrang hatte.
„Was soll Oliver nun tun?“ Sie hatte einen Schritt nach vorn gemacht und ihren Notizblock zugeschlagen. „Er kann nicht auf die Erfahrungen seines Vaters und Großvaters zugreifen.“
Herr Kendall sah die Doktorin kurz an, nickte dann erneut. „Das stimmt.“ Er wandte sich wieder Oliver zu. „Du wirst ausprobieren müssen, was deinem Tenku gefällt, wie du sein Vertrauen gewinnen kannst. Das kann lange dauern, aber wie ich bereits sagte, die Tenku sind keine leblosen Steine. Sie haben ein Gedächtnis, sie merken sich ihre Tenkukai, deren Gefühle und Erlebnisse speichern sie. Und darauf hast du durchaus unterbewusst Zugriff.“

Das Läuten der Pausenglocke, gefolgt vom Tumult zusammenklappender Bücher, quietschender Stühle und schneller Schritte, beendete den Französischunterricht. Oliver sortierte sein Federmäppchen und seinen Schreibblock sorgfältig in seine Umhängetasche ein. Als er seine Tasche schultern wollte, zuckte er für einen Moment vor Schmerz zusammen. Seine linke Schulter tat noch weh, auch wenn Herr Kendall ihm versicherte, dass der Schmerz schnell vergehen würde.
„Alles gut bei dir?“, fragte Jasmin, als sie ihren Stuhl sorgsam unter den Tisch geschoben hatte.
Oliver nickte kurz, warf sich den Tragegurt der Tasche über die rechte Schulter und sagte: „Nur ein kleiner Unfall.“
„Das hat sicher was mit deiner Abendbeschäftigung von gestern zu tun. Und dafür sollte ich dich mit Schweigen strafen“, erwiderte Jasmin, drehte sich mit einem Schwung um und ging Richtung Tür.
Oliver rollte mit den Augen. „Jasmin, es tut mir leid, dass ich dich gestern versetzt habe. Ich habe es einfach zeitlich nicht geschafft“, erklärte Oliver sich, während er versuchte Jasmin einzuholen.
„Und du hattest auch sicher keine halbe Minute Zeit, um mir eine Nachricht zu schicken. Aber das macht nichts, denn ich habe ja Zeit, um auf dich zu warten“, antwortete Jasmin ungewöhnlich abweisend, doch nach einem kurzen Seufzer fügte sie hinzu: „Weißt du, wenn was ist, egal was, dann kannst du es mir doch sagen.“
Oliver musste schmunzeln, auch wenn er die Besorgnis Jasmins erkannte. „Das weiß ich. Aber ich habe Anderen versprochen, dass ich es für mich behalte“, versuchte er seine Position zu verdeutlichen. Die Beiden hatten endlich den Klassenraum verlassen können und schritten auf die Treppe zu.
„Na gut, dann ist es verständlich, dass du mir nichts sagen kannst“, stimmte Jasmin betrübt zu. „Hast du denn heute Abend Zeit?“
„Äh, ich denke nicht“, verneinte Oliver vorsichtig, wissend, dass das nicht für ihn sprach. „Jasmin, wir sehen uns später, ich muss mit jemand anderem sprechen.“ Noch bevor sie das Treppenhaus erreichten, bog Oliver in einen anderen Flur ein, von wo ihm Schülermassen entgegen kamen, die in Richtung Treppenhaus und damit Schulhof drangen.
Er musste ihn finden. Das Training am vergangenen Abend hatte ihm nicht groß geholfen, stattdessen hatte es ihm eine ausgerenkte Schulter beschert, doch wusste Oliver, nachdem er von einem Reifriesen auf offener Straße attackiert worden war, wie notwendig es war, sich verteidigen zu können. Außerdem wollte er keine weiteren Stunden allein mit Herrn Kendall und Doktor Devon in einem miefigen, kalten Kellerraum verbringen.
Die Tür zum Klassenzimmer, das Oliver aufsuchen wollte, stand offen. Er erkannte Doktor Devon, die sich an einen Tisch angelehnt hatte und ungeduldig mit ihren Fingern auf der Tischplatte tippte.
„Wenn du gehst, werde ich mit dem Schulleiter sprechen müssen. Es geht hier um mehr, als du denkst“, hörte Oliver die Doktorin streng sagen.
„Sie können mich nicht so behandeln. Ich habe absolut nichts gemacht. Und wenn Sie weitermachen, dann werde ich mal erzählen, was hier so abgeht!“, konterte Alexander, den Oliver nur hören konnte.
Oliver klopfte an den metallenen Türrahmen und betrat das fast leere Klassenzimmer.
„Es würde dir niemand glauben. Hallo, Oliver“, flocht die Wissenschaftlerin ihre Begrüßung in ihr Gespräch mit Alexander ein.
„Und der nächste Spinner.“ Alexander übertraf Doktor Devons Begrüßung in Unangemessenheit, doch Oliver hatte kaum etwas Anderes erwartet.
„Ich lasse euch dann mal allein. Vielleicht reicht ja die Vernunft aus und meine Drohungen sind überflüssig.“ Doktor Devon löste sich vom Tisch, verließ den Raum und schloss die Tür hinter sich.
Oliver hievte sich auf einen Tisch und machte es sich im Schneidersitz bequem, gegenüber von Alexander, der breitbeinig auf seinem Tisch saß.
„Was willst du, Oliver?“, fragte Alexander genervt.
Oliver war ersichtlich, dass Alexander kein Interesse an einem Gespräch hatte, dass er sich auf dünnem Eis bewegte und eine Eskalation nicht weit war. „Ich will dich bitten, dass du heute Abend mit zu den Kendalls kommst“, sagte Oliver freundlich.
„Nein“, lehnte Alexander kurz ab.
Oliver überlegte für einen Moment was er sagen konnte, seufzte. „Alex, ich wurde von einem Reifriesen angegriffen und konnte mich nicht verteidigen. Er hat mich fast umgebracht! Und dass du angegriffen wirst, ist wohl nur eine Frage der Zeit, wenn die Reifriesen wirklich deinen Tenku wollen“, erklärte Oliver.
„Ihr versteht es nicht. Keiner von euch“, erwiderte Alexander nach einem kurzen Aufstöhnen. Er klang genervt und schien das Gespräch kurz halten zu wollen. „Ich möchte damit nichts zu tun haben.“
„Aber diese Wahl hast du nicht. Denkst du denn, dass ich mit der jetzigen Situation zufrieden bin?“, fragte Oliver.
„Uh. Ich bin nicht wie du. Ich mag mein bisheriges Leben und habe keinen Bock auf diesen Tenku-Mist. Dass dir das gelegen kommt, endlich mal etwas Spannung, kann ich verstehen. Aber ich bin nicht du“, stellte Alexander nachdrücklich klar. Er ließ seine Füße auf den Boden fallen und stand auf. „Also lasst mich endlich in Ruhe. Du, diese Devon, Kira.“
„Wieso denkst du, dass ich nicht mit meinem Leben zufrieden sei?“, fragte Oliver. Er fühlte sich missverstanden, ja fast schon angegriffen. Alexander kannte ihn kaum und konnte sich so ein Urteil nicht erlauben.
„Unser Gespräch ist beendet“, antwortete Alexander kühl. Er wandte sich von Oliver ab und ging auf die Tür zu. „Und nerv mich bitte nicht mehr. Du weißt gar nicht, wie sehr du mir damit schadest.“
Oliver löste seinen Schneidersitz und hüpfte vom Tisch. Er eilte voran und erreichte vor Alexander die Tür, vor die er sich demonstrativ aufstellte.
„Willst du mich jetzt am Gehen hindern?“, fragte Alexander mit hochgezogenen Augenbrauen.
Oliver schüttelte den Kopf. „Du bist ein Egoist. Du denkst wirklich nur an dich, daran wie schrecklich dein Leben ist, seitdem wir die Tenku haben. Ich dachte, du seist nicht so schrecklich wie deine Idioten von Freunden, aber du bist tatsächlich noch schlimmer. Ich halte dich nicht mehr auf, mach was du willst“, sagte Oliver. Seine Stimme blieb ruhig, doch er klang enttäuscht. Noch einmal schüttelte er den Kopf, dann drehte er sich um und stieß kraftvoll die Tür auf.
Einen Schmerzensschrei später, hörte Oliver wie jemand zu Boden fiel. Er verließ das Klassenzimmer und erkannte das rot-gelbe Emblem auf dem blauen T-Shirt: Malte. Er lag auf dem hellgrauen Linoleumflur, die Hände an seine Schläfe gepresst und wimmerte vor sich hin. Erschrocken ging Oliver auf die Knie und sah nach seinem Freund.
„O Malte! Das tut mir leid. Alles okay bei dir?“, fragte Oliver perplex.
„Ich glaube, du hast mir den Schädel gebrochen“, antwortete Malte jaulend. Seine Hände hatten sich gelockert, er tastete die Kontur seiner Augenhöhlenknochen vorsichtig ab.
„Ich wusste nicht, dass jemand vor der Tür steht… Was hast du da überhaupt gemacht?!“ Oliver ahnte, dass er Malte nicht im Vorbeigehen fast erschlagen hätte. „Bist du… hast du mich beschattet?“
Malte setzte sich auf und rückte sein Superman-Shirt zurecht. „Es war Jasmins Idee!“, gestand Malte umgehend. „Ich habe ihr gesagt, dass das eine ganz blöde Idee ist.“
Oliver konnte Malte nicht glauben. Jasmin war die Güte in Person, das sah ihr gar nicht ähnlich. Sie war niemand, der andere Leute anheuerte und schon gar niemand, der seine Freunde beobachten ließ. „Jasmin?“, wollte er sich versichern. „Jasmin Thyen? Unsere Jasmin?“
„Ja. Welche sonst?“, fragte Malte mit irritiertem Blick. „Die Jasmin, die gestern die Gruppenarbeit allein machen musste. Also, mit mir.“
„Ja, ich habe schon verstanden, dass das nicht richtig war. Nächstes Mal gebe ich euch Bescheid, wenn ich nicht komme“, stöhnte Oliver, der nicht noch mehr Vorwürfe ertragen konnte. Er reichte Malte die Hand und half ihm hoch.
„Erzählst du jetzt, was mit dir und dem Idioten ist?“, fragte Malte neugierig.
„Oh!“ Oliver hatte Alexander völlig vergessen. Er sah sich um, doch er fand ihn weder im Klassenzimmer, noch im Flur.
„Er ist schon lange weg“, erklärte Malte. „Und?“
Oliver wollte Malte genauso wenig wie Jasmin belügen, doch er wusste nun schon ein wenig mehr. „Wir hatten gestern Training, aber er kam nicht und da wollte ich fragen, ob alles okay ist“, sprach Oliver die Wahrheit.
Malte begann zu lachen. „Klar, du und Training. Was denn, bist du jetzt in seiner Fußballmannschaft? Sport ist dein Kryptonit!“, sagte Malte prustend.
„Kampfsport, um genau zu sein.“ Noch war es die Wahrheit, dachte Oliver sich, doch viel weiter könnte er sie nicht mehr verbiegen.
„Na, besser als Fußball mit diesen Untermenschen“, stellte Malte fest, wobei sich sein Blick verfinsterte. Oliver war sich sicher, dass er an Fernando Queipo dachte. „Aber dann hast du ja heute Abend sicher Zeit für uns. Jasmin und ich wollen ins Playa. Jasmin will die Chance nutzen, dass Mike mit den anderen an irgendeinem See die Nacht verfeiern will.“
Und Malte wollte die Gelegenheit nutzen, einen Freitagabend im Playa ohne die ihn so quälenden Leute zu verbringen. Doch Oliver hatte Herrn Kendall schon zugesagt. „Ich kann leider nicht, Malte. Ich würde gern, aber ich habe schon was Anderes vor.“
Es läutete.


Epic 9: Gewitter am See
Mächtig zürnt der Himmel im Gewitter. — Nikolaus Lennau

Die Stille des Waldes wurde durchbrochen von Gesprächen. Das ruhige Seeufer war von zwei Dutzend Jugendlichen erobert worden, die die kommende Dunkelheit mit einem Lagerfeuer bekämpften.
Alex saß auf einem großen, von der Sonne getrockneten Felsen am Ufer und starrte in das schwarze Wasser, das eine glatte regungslose Oberfläche bildete. Er fühlte sich zu dem Wasser hingezogen, die Nähe zum See fühlte sich erfrischend an. Alex wusste, dass der Grund dafür der Tenku in seiner Brust war, doch hoffte er trotzdem, dass es nur die Erfrischung nach einem heißen Sommertag war.
„Du kannst dich freuen“, hörte Alex die vertraute Stimme hinter sich. „Queipo wollte sich um die Musik kümmern, aber er kriegt es nicht hin.“
Alex drehte sich um und erkannte Mike, der zwei Bierflaschen in den Händen hielt. „Welcher Idiot beauftragt denn Queipo mit der Musik?“
„Das war er wohl selbst“, antwortete Mike. Er nahm neben Alex Platz und drückte ihm eine der schwarzen Flaschen in die Hand. „Und jetzt erzähl mal, was diese neue Sozialarbeiterin von dir will.“
Alex sah Mike für einen Moment überrascht an. „Ach, die Sache mit Oliver“, versuchte er dann seinen besten Freund abzuwimmeln.
„Schon klar, aber wieso zieht sich das so hin. Ich mein, das war doch keine große Sache“, erwiderte Mike. „Oder macht Oliver da so eine große Sache draus?“
Alex nahm einen großen Schluck aus seiner Flasche. „So wird es wohl sein“, sagte er schließlich.
„Wäre besser, wenn du in Zukunft besser mit Oliver klar kommen würdest. Jasmin hat es gar nicht gefallen, dass du ihn geschlagen hast. Und sie weiß ja, dass wir gut befreundet sind“, erklärte Mike. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Eigentlich war das ziemlich egoistisch von dir.“
Alex hatte keinen Nerv dazu, sich auf Mikes Schwärmerei einzulassen. „Wo wir schon bei Jasmin sind. Ich dachte, das wäre nur für uns Jungs“, sagte Alex und deutete auf das Gewusel hinter sich, wo sich seine Freunde und Mannschaftsmitglieder amüsierten.
„Du meinst, weil Queipo, Jona und die Anderen ihre Freundinnen mitgebracht haben?“, fragte Mike. Alex nickte kurz. „Keine Ahnung, lass ihnen doch ihren Spaß“, erwiderte Mike schulterzuckend.
Alex und Mike erschraken gleichzeitig. Ein kräftiges Dröhnen übertönte das Hintergrundrauschen der Gespräche, des Gelächters und des Gejohles. Anscheinend war es Fernando Queipo gelungen, die Musik, wenn auch noch viel zu laut, zum Laufen zu bringen
Mike stand auf und verließ Alex, der auf dem Stein zurückblieb. Alex richtete seinen Blick wieder auf das dunkle Wasser des Sees, auf dem die vom Lagerfeuer geworfenen Schatten tanzten. Das Wasser beruhigte ihn von den Gedanken, die ihn nun schon tagelang quälten. Vor nicht einmal einer Woche hatte die laute Musik im Playa seinen Kopf fast zum Bersten gebracht. Kopfschmerzen hatte er seit dem Abend nicht mehr, doch stattdessen ein Problem, mit dem er nicht umzugehen wusste. Samstag noch war sein Leben perfekt, wie Alex fand, doch seit dem Vorfall mit dem Tenku, der sich in seiner Brust eingenistet hatte, fühlte Alex sich verloren. Fremde Menschen stellten hohe Anforderungen an ihn — Menschen, die er nicht mochte und mit denen er nichts zu tun haben wollte.
Alex ließ einen leisen Seufzer und sah auf. Es war nun so dunkel, dass er das andere Ufer des Sees, der an dieser Stelle nicht sehr breit war, kaum ausmachen konnte. Das schwarze Wasser und das dunkle Ufer mit den Raumreihen dahinter bildeten eine unförmige Einheit, nur durchbrochen von zwei kalten, leuchtend blauen Punkten.
Alex sprang auf. „Nicht hier“, flüsterte er. Sein Herz schlug schneller.
„Was, nicht hier?“
Erschrocken drehte sich Alex um. Er erkannte das blonde Haar, nicht so hell wie Olivers, aber sehr viel länger. „Nichts, äh, ich hatte gerade nur einen dummen Gedanken“, stammelte Alex. „Du bist Vanessa, richtig?“ Alex kannte das Mädchen nur flüchtig, war sich aber ihres Namens sicher.
„Oh, du kennst mich“, antwortete Vanessa kichernd. „Willst du nicht zu uns ans Feuer kommen? Du wirkst so allein.“
„Äh, ja, klar. Ich komme gleich, ich muss nur kurz weg“, sagte Alex. Er stellte seine Flasche auf den Stein, wandte sich von Vanessa ab und lief los, das Ufer entlang, weg von dem orangeroten Schein des Lagerfeuers.
Alex war sich sicher, die Augen eines Reifriesens gesehen zu haben. Er musste verschwinden, ehe das Monster ihn fand. Zwar wollte Alex es nicht zugeben, doch er wusste, dass Oliver Recht damit hatte, dass Reifriesen gefährliche Kreaturen waren.
Alex hatte sich so weit entfernt, dass er keinen Schatten mehr vom Licht des Lagerfeuers warf. Auch die laute Musik von Queipo hörte er nicht mehr, geschweige denn die Gespräche seiner Freunde. Vorsichtig sah er sich um, sah hinüber zum anderen Ufer. Er sah das Spiegelbild des abnehmenden Mondes auf der Wasseroberfläche. Das wenige Licht, dass der Mond spendete, ließ Alex gerade noch die Bäume vor sich erkennen. Er wusste grob, wo er war; hinter dem Wäldchen befand sich die Straße zur Stadt.
Schnell atmend griff er in seine Hosentasche und zog sein Telefon heraus. Er durchsuchte seine Kontakte, doch er fand Oliver nicht. Alex hatte Olivers Nummer nie gespeichert.
Alex‘ Nackenhaare stellten sich auf. Plötzlich sah er seinen eigenen Atem, spürte die abscheuliche Kälte, die die Wärme der Sommernacht verschlang. Ehe Alex sich noch einmal umschauen konnte, hatte ihn etwas Eisiges an seinem rechten Oberarm gepackt. Alex schrie vor Schmerz auf, während sich das Eis in seine Haut fraß. Alex versuchte sich aus dem Griff der großen, eisigen Hand zu befreien, doch er konnte sich nicht losschütteln. Mit einer ungeheuren Kraft versuchte der Besitzer der Eispranke ihn die wenigen Meter in den Wald zu ziehen, doch Alex gab nicht auf. Mit seiner freien Hand versuchte er, die eisigen, harten Finger, die seinen Arm umgaben, zu lösen, bis er sich schließlich doch befreien konnte und sofort die Flucht ergriff.
Alex‘ linke Hand schmerzte. Der kurze Augenblick, in dem er sich befreite, hatte gereicht um auch seine Hand einzufrieren. Seine Finger konnte er kaum noch bewegen, er hatte kein Gefühl mehr in ihnen. Doch er konnte sich jetzt nicht um seine Verletzungen kümmern, denn er hörte die gewaltigen Schritte hinter ihm.
Alex war als Fußballer ausdauernd und schnell, er war sich sicher, den Reifriesen hinter sich lassen zu können, doch dann erkannte er eine riesige Gestalt auf seinem Weg: mehr als zwei Meter groß und von breiter Statur. Dieses Geschöpf hatte keine leuchtend blauen Augen. Alex drehte sich um, erkannte die wenige Meter entfernten Umrisse des Reifriesen, der auf ihn zulief. Doch auch seine Augen leuchteten nicht blau.
Ein heller Feuerblitz blendete Alex für einen Moment. Er kniff die Augen zusammen, während sich die wohltuende Wärme ausbreitete.
„Geht’s dir gut?“, hörte Alex die Stimme Olivers sagen. „Kira, sein Arm ist von einer dicken Eisschicht umhüllt! Alex, mach die Augen auf!“
Alex tat wie ihm befohlen und sah in Olivers besorgtes Gesicht, das er im Licht von Kiras Flammen gut erkannte. „Zwei Reifriesen“, stotterte er.
„Kira kümmert sich darum, und danach föhnt sie dich“, sagte Oliver, wandte sich dann aber von Alex ab. Einer der Reifriesen bewegte sich auf ihn zu, doch Oliver streckte seine Hand aus und einen Augenblick später spürte Alex den Windzug, der gegen die weiße Brust des Reifriesens prallte du ihn auf den Rücken warf. „Das Training lohnt sich wirklich!“, jubelte Oliver, doch dann sah er weitere Reifriesen, die aus dem Wald gerannt kamen und eine eisige Spur hinter sich ließen. „Kira!“
Wie auf Befehl formte sich ein feuriger Schutzwall um Alex, Oliver und Kira, die zu den beiden gehechtet war. „Es sind zu viele“, sagte sie hechelnd. „So viele auf einmal habe ich noch nie gesehen. Aber sie können die Flammen nicht durchdringen.“
„Mein Arm“, bemerkte Alex zitternd. Nun, da er umgeben war von lodernden Flammen erkannte er die dicke Eisschicht, die sich um seinen Oberarm gebildet hatte und zum Unterarm und der Schulter dünner wurde. Sofort packte Kira den gefrorenen Arm, legte ihre kleinen, feurigen Hände drauf und begann, das Eis zu schmelzen.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Oliver. Er versuchte durch die Flammen die Reifriesen ausmachen zu können.
„Ich brauch ein paar Sekunden um den Arm zu befreien, danach werde ich die Reifriesen ablenken und ihr lauft“, sprach Kira in einem Befehlston.
„Wir können dich nicht allein gegen die Reifriesen kämpfen lassen!“, protestierte Oliver sofort.
„Ich habe Feuer, ihr nicht. Das ist die effektivste Waffe gegen Reifriesen.“
Für einen Moment schien es Alex, als wollte Oliver widersprechen, doch schließlich herrschte, von dem Knistern des Feuers abgesehen, Schweigen. Alex‘ Blick wanderte von Oliver zu Kira hinunter, die seinen Arm weiter wärmte. Oliver und Kira konnten kämpfen, doch er selbst war ein wehrloses Opfer für die Reifriesen.
Ein Schrei beendete das Schweigen.
„Das ist Mike!“, rief Alex. „Mach das Feuer weg!“, forderte er Kira auf.
„Noch nicht“, antwortete Kira. Sie wärmte weiter Alex‘ Arm. „Ich muss das erst abschließen.“
„Lass mich los!“, sagte Alex sich aus Kiras wärmenden Händen befreiend. Das Eis auf seiner Haut war fast vollständig geschmolzen. Er lief auf den Flammenwall zu und sprang durch das knisternde Feuer. Er landete sanft auf dem steinigen Ufer ohne sich verbrannt zu haben. Stattdessen waren seine Hose und sein Hemd durchnässt.
Alex erkannte die weißen Rücken von sieben Reifriesen. Aber die Reifriesen waren ihm egal, er interessierte sich nur für den Körper, der regungslos am Boden lag. Alex rannte an den Riesen vorbei und warf sich neben Mike auf den steinigen Untergrund.
„Dummer Junge“, sprach eine kalte, quieksende Stimme.
Alex schaute auf. Erst jetzt erkannte er den kleinen, fast schon winzigen Mann, der vor den Reifriesen stand. Er hatte fahles, langes Haar, das unter seiner braunen Mütze herausfiel, und einen schwarzen Ziegenbart. Doch am auffälligsten waren seine blauen Augen, die sein altes, faltiges Gesicht erleuchteten.
„Meine Reifriesen suchen nur Tenku. Dieser Junge war einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort“, kicherte der Zwerg vergnügt. „Und deine Nähe zu ihm hat ihm wohl auch nicht so gut getan.“
Die roten Flammen des Feuerwalls erloschen und die Umgebung wurde wieder in Dunkelheit gehüllt. Jetzt erst erkannte Alex, dass die Augen des Zwergs wirklich leuchteten, wie das Licht blauer Glühwürmchen.
„Wer bist du?“, fragte Alex, erhob sich und stellte sich schützend vor Mikes reglosen Körper.
Ein Feuerstrahl durchstieß die Brust eines Reifriesen, der daraufhin zu weißem Staub zerfiel. „Du Idiot!“, rief Kira Alex zu, als sie über die Asche des Reifriesen stieg. Die anderen Reifriesen, wandten sich Kira zu, doch sie streckte ihre Arme seitlich aus und feuerte glühende Feuerbälle aus ihren Handflächen, die sich in die kalte Haut der Reifriesen brannte. „Ich sagte ja, dass die für mich keine große Herausforderung sind, solange ich nicht auf euch Acht nehmen muss.“
Des Zwerges Blick widmete sich nun der Tenkukai des Feuers. „Du bist wohl der Rote Ritter dieser Zeit“, quiekste er. „Mir gefällt es nicht, wie du meine Reifriesen schlachtest.“
Alex sah zu Kira herüber, um der sich weißer Staub sammelte. Doch was Alex sah, kannte er nicht von Kira. In ihrem Gesicht stand das pure Entsetzen geschrieben.
„Oliver, Alex, verschwindet von hier! Sofort!“, befahl Kira. Sie machte einen Schritt zurück, während sich ihr gesamter Körper entzündete, ohne dass die Flammen ihre Haare oder Kleidung versengten.
Oliver, der seinerseits damit beschäftigt war, der frostigen Faust eines Reifriesens auszuweichen, machte keine Anstalten zu fliehen. Aus seiner Handfläche entlud er eine Windbö, die den Riesen erfasste und nach hinten warf, in den See hinein. Als der Reifriese das Wasser berührte, gefror die Oberfläche im näheren Umkreis zu einer kleinen Eisscholle, die das Ungeheuer trug.
„Ich widme mich dir später, Wasser. Erst einmal stelle ich mich dem Roten Ritter vor“, sprach der Zwerg zu Alex und eilte dann auf die flammende Kira zu, die ihre Arme nach vorn streckte, doch ehe sie einen glühenden Feuerstrahl auf ihren Gegner richten konnte, warf dieser ein engmaschiges Netz auf die Tenkukai, das ihr Feuer löschte und sich eng um ihren Körper legte.
„Verschwindet von hier!“, rief Kira erneut, doch ihre Stimme erstickte, also der Zwerg sie, auf den Zehenspitzen stehend, am Hals packte und zu Boden warf.
„Ich kenne viele deiner Vorväter, Mädchen. Aber dir werde ich nun den Tenku entreißen!“, kicherte der Zwerg, der über der strampelnden Kira stand. Seine langen, knochigen Finger bewegten sich auf Kiras Brustkorb zu.
„Lass sie ihn Ruhe!“, verlangte Oliver, der eine weitere Bö entfachte, die den kleinen meterweit davon wehte. Oliver rannte auf Kira zu. Er griff nach dem Netz und versuchte es von ihr zu lösen, doch dann sackte er zusammen. „Ich fühle mich so kraftlos“, stammelte er.
„Ja, mein Netz verschlingt eure Tenku-Kräfte“, kicherte der Zwerg, der sich wieder aufgerichtet hatte. Langsam schritt er auf Kira und Oliver zu, die Vorfreude zeichnete sich auf seinem fahlen Gesicht ab.
Alex musste einschreiten, doch er wusste nicht, wie er seinen Tenku kontrollieren konnte. Wie die anderen Tenkukai streckte er seinen Arm nach vorn, zielte mit seiner Hand auf den Zwerg, doch nichts geschah. Kein peitschender Wasserstrahl drang aus seiner Haut, keine Regengeschosse feuerten aus seiner Handfläche. Nichts geschah.
Alex konnte niemanden beschützen. Nicht Mike, nicht Oliver, nicht Kira.
Gleißendes, helles Licht verbannte die Dunkelheit von dem Ufer, gefolgt von einem lauten, tosenden Donnergrollen. Alex, geblendet von dem Licht, taub von dem Donner, nahm nicht wahr, was um ihn herum geschah. Mal grollte es näher, dann ferner. Erst als die Blitzschläge vorüber waren, konnte Alex langsam erkennen, dass die übrigen Reifriesen zerfallen waren. Ihre Asche lag in kleinen Kratern, die sich über das Ufer verteilten. Und auch der Zwerg war verschwunden.
Zuletzt geändert von Furanty am 07.06.2015, 18:17, insgesamt 9-mal geändert.
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Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1167574 von XIce_MasterX
22.01.2015, 07:28
Hey Furanty,
hier nun meine versprochene Kritik zu deiner Geschichte.

Also erstmal muss ich eines los werden: WOW!

Pro:
Ehrlich gesagt mir hat das bisherige veröffentlichte Material deinerseits die Sprache verschlagen!
Als erstes hat mich schon der grobe Überblick, sowie die optische Gestaltung deines Posts sehr beeindruckt. Allein daran kann man schon erkennen wieviel Liebe und Arbeit du in dieses Werk steckst. Zudem ist deine Idee, die Geschichte auch für eBook-Nutzer zugänglich zu machen einzigartig und bewundernswert.
Aber nun möchte ich zu der Geschichte selbst kommen. Der Prolog fängt sehr interessant an. Es hat mich besonders gefreut, das es nicht mit dem typischen "Es war einmal..." den Anfang gemacht hat. Nein es beginnt mit einer Situation, bei der man sich anfangs direkt mit dem Thema konfrontiert sieht. Eine gut gelungene Einführung wie ich festgestellt habe.
Was mir hier und besonders an deinem gesamten Schreibstil besonders gefällt sind die Detailgetreuen Beschreibungen. Dies ist unter anderem schonmal ein Merkmal, das auf eine lange und sehr arbeitsintensive Geschichte hoffen lässt. Weiterhin gefällt mir die Ausgangssituation in der sich im Prolog Christoph und im ersten Kapitel Alexander wiederfinden.
Du beschreibst sehr gelungen die Gefühle und Gedanken der Charaktere. Dieser Punkt hilft dem Leser sehr gut sich mit den Charakteren zu identifizieren und sich in ihre Lage hinein zu versetzen. Ebenso finde ich die Wortwahl an jeder Stelle und in jeder Situation mehr als passend und authentisch gewählt.
Zum aktuellen Geschehen der Storyline kann ich mit einem großen Lob erwähnen, das mich die bereits früh herrschende Action in der Geschichte sehr freut. Normalerweise kenne ich FanFictions nur so, das mit der eher ruhigen und erklärenden Situationen und Aktionen beginnen. Neben diesen beiden Punkten, die du durchaus gut eingebracht hast, kommt der Anfang deiner Geschichte allerdings sogleich zu fesselnden Ereignissen.
Im Normalfall bin ich eigentlich auch eher der Freund von ruhigeren Anfängen und stehe dem Gegenteil eigentlich eher skeptisch gegenüber. In deinem Fall muss ich jedoch beneidenswert anerkennen das du es sehr gut verstanden hast diese klischeehaften Anfänge erfolgreich zu umgehen. Der größte Pluspunkt für den Start deiner Geschichte ist meiner Meinung nach das exzellent hervorgerufene Mysterium, das sich gleich von Anfang an stellt. Hierzu finde ich es auch äußerst positiv, das ich mir beim lesen
einige Fragen gestellt habe, warum es gerade so weitergeht. Und direkt eine, maximal zwei Zeilen später habe ich sogleich eine Antwort auf meine Fragen bekommen.
Nun möchte ich noch die Charaktere bewerten. Hierbei gefällt mir besonders, das du zwar über die Gedanken, Gefühle und Handlungen der Charaktere berichtest, allerdings die optische Beschreibung zum Beispiel der Vorstellung der Leser überlässt.
Auch schön finde ich den eingebauten Kontrast von Alexander zu Oliver, den sicherlich viele Leser mit eigenen Freunden oder Bekannten in Verbindung bringen können. Alexander der eher beliebtere Sportler, der sich anderen gegenüber eigentlich anderen gerne in Szene setzt und Oliver der belesene "Streber", der seine Aufmerksamkeit eher dem geistlichen und widmet.



Kontra:
Negative Punkte konnte ich bisher keine bzw. kaum feststellen. Normalerweise sage ich gerne: Wo Licht ist, das gibt es auch Schatten. Allerdings konnte ich an deiner bisherigen Umsetzung der Geschichte kaum einen Makel finden.
Einzig eine Satzfolge hat mich beim lesen ein wenig gestört. Und zwar folgende Stelle:

"Er verstaute die silberne Verpackung in seiner Hosentasche und setzte seine nächtliche Wanderung durch die stille Dunkelheit vor.Stille. Erst jetzt bemerkte er, dass die nächtlichen Geräusche des Waldes verstummt waren"

Dort hast du zweimal eine Wortdoppelung benutzt, die dem Lesefluß nicht ganz so schmeichelt, wie bei dem Rest der bisherigen
Geschichte.



Fazit:
Eine sehr gut gelunge Einstiegssituation, in eine Geschichte mit sehr sehr großem Potenzial. Die markantesten und besten Merkmale sind die authentische Charaktergestaltung, sowie das Geschichtsträchtige Flaire.
Der positivste Punkt, zumindest meiner Meinung nach, ist das große Mysterium das sich von Anfang an on der Geschichte behauptet. Du kannst mich hiermit gerne als eine Art Fan deiner Geschichte ansehen, der den weiteren Verlauf deiner Geschichte mit großem Interesse verfolgen wird. Außerdem werde ich dir stets weiterhin Unterstützung in Form von konstruktiver Kritik bieten, insofern du da nichts gegen hast.



Mfg
XIce_MasterX
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Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1168194 von Furanty
25.01.2015, 02:08
Es ist Sonntag und damit habe ich Epic 2: Gesehenes veröffentlicht.

Nun zu dir XIce_MasterX. Erst einmal bedanke ich mich für deinen Kommentar. Es tut gut zu sehen, dass jemand die Geschichte liest und darauf antwortet. Insbesondere über dein Lob freue ich mich natürlich, auch wenn ich mich etwas fürchte, denn Epic 2 hat leider viele Dialoge und weniger Beschreibungen, die dir ja bisher so gefielen.

Die von dir erwähnte Stelle mit der Wortdopplung habe ich überarbeitet und zumindest die eBook-Version sollte auf dem neuesten Stand sein. Die Muße den entsprechenden Teil auch hier zu ändern hatte ich noch nicht, hol ich aber gleich nach. Normalerweise sehe ich Wortdopplungen nicht so kritisch, insbesondere bei kleinen Funktionswörtern. Aber Nächtliche und Stille sollten so nah nun doch nicht vorkommen.

Ich freue mich auf zukünftige Kritik von dir.
-0
+2

Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1168210 von XIce_MasterX
25.01.2015, 08:43
Hallo Furanty,
also bevor ich mich an die Bewertung des neuen Kapitels mache möchte ich dir erstmal dafür danken, das du die Kritik so gut aufgenommen hast. Schließlich bin ich im Vergleich zu dir noch ein Anfänger in Sachen FFs schreiben und da freut es mich immer zu hören, das ich dir mit meiner Kritik helfen kann. :)
Dann möchte ich noch auf deine Befürchtung bezüglich den Punkten Dialoge & Beschreibungen im allgemeinen eingehen.
Ich bin zwar ein großer Fan von detailreichen Beschreibungen, aber ebenso viel macht meiner Ansicht nach eine gute Dialogführung eine gute Geschichte aus. Gerade diese beiden Punkte sind meiner Meinung nach die wichtigsten um eine gute Authentik zu vermitteln. Demnach brauchst du dich diesbezüglich in Zukunft was meine Kritik und Bewunderung betrifft nicht mehr zu "fürchten". (Entschuldige, mir fällt gerade kein anderes Wort ein :D )

So nun zur Kapitelbewertung. Diese schreibe ich sogar erstmals im Namen, des von Storm_Nightmare & mir frisch gegründeten
Pokefans-FanFiction Bewertungsteam: "Eissturm", also feiern wir bzw. in diesem Fall ich nun hier offiziel mein Debüt.
Es sei noch gesagt, das du von Storm in den nächsten Tagen auch kontruktive Kritik erhälst, da wir dies so abgesprochen haben.
Wie üblich nutze ich mein altbewertes Bewertungsschema.


Pro:
Fazination pur! Ich dachte eigentlich schon das man die literarischen Fähigkeiten deinerseits aus dem voherigen Prolog & dem Epic nicht mehr steigern könnte, da eben jene schon nah an der Perfektion dran waren. Allerdings wird man gerne eines besseren belehrt. Mit dem Erscheinen des neuen Epics hast du ohne Übertreibung tatsächlich neue Maßstäbe gesetzt. Ich muss sagen ich bin wirklich überwältigt. Das prägnanteste Merkmal einer deutlichen Verbesserung ist eindeutig dein im Epic 2 angewandter Schreibstil. Die Erzählweise ist absolut authentisch, die Wörter und Sätze absolut passend gewählt und ins Geschehen eingebracht, aber vor allem die zeitliche Struktur beeindruckt mich tief. Das wechseln der aktuellen Ereignisse um die scheinbaren Protagonisten & die wechselnden Zeitformen vor allem zu Beginn des neuen Epics sind fast schon einzigartig und
nahezu perfekt. Die Übergänge stimmen überall und selbst der Sprung von der Zimmersituation zum Schulaltag ist bestens geschrieben worden. Weiterhin sind die Beschreibungen der Situationen, des Klimas unf besonders der Orte durchgehend authentisch "zu Papier" gebracht worden. Ich finde es klasse wir du alltägliche Probleme & Personen einbaust, wie z.B die Erwähnung der Fangen spielenden Kinder oder Charakteren wie Mike. Solche Leute kennt wohl fast jeder aus der eigenen Schulzeit und gerade deshalb kann man sich besonders gut mit den Charakteren identifizieren bzw. ihre Beweggründe un Handlungen nachvollziehen. Und wo wir schon beim Thema Charaktere sind können wir auch gleich dabei bleiben. Im zweiten Epic sind schließlich mehrere neue Charaktere aufgetreten. Der schon erwähnte Mike scheint auf mich der typische Mitläufer zu sein. Dieser eine Freund des beliebten Alexandere, der vermutlich alles für ihn macht nur um selbst im Mittelpunkt zu stehen. Ich kenne solche Typen selbst aus meiner Schulzeit und mag sie nicht. Deiner Geschichte allerdings schmeichelt die Eingabe eines solchen Charakters, das sie noch mehr das Gefühl beim lesen erweckt, das man mittendrin statt nur dabei ist.
Dann wäre da noch Alexander selbst, er ist zwar kein neuer Charakter, aber man hat zumindest die Bestätigung bekommen, das es sich bei ihm um den typisch beliebten Schüler handelt, den es ebenfalls so gut wie an jeder Schule gibt.
Das verstärkt die gerade genannten Punkte noch weiterhin.
Der Charakter der mich aber am meisten interessiert ist Jasmin, besonders im Zusammenhang mit Oliver. Du vermittelst mit deiner Beschreibung des Freundschaftsverhältnisses zwischen den beiden optimal die tatsächliche Verbundenheit und dir Gemeinsamkeiten der beiden. Ohne das man groß über die verschiedenen Situationen nachdenken muss in denen sich beide helfen und interagieren, kann man ihr Handeln vollkommen nachvollziehen.
Nun möchte ich zum inhaltlichen & geschichtlichen Teil des Epics kommen. Mit dem Anfang setzt du passend an. Du führst nicht einfach die Situation aus dem vorausgegangenen Epics fort, sondern du nutzt einen kleinen Zukunftssprung, um dann das nach dem Ende des vorigen Epics langsam aufzurollen. Gerade das macht auch diesen einzigartigen Schreibstil aus, den ich A) sehr faszinierend finde und B) den Lesefluß nochmals äußerst positiv verbessert.
Der Haupteil wendet sich dann der versuchten Klärung des nächtlichen Vorfalls zu und da kann man eigentlich nicht viel zu sagen, das es alle Punkte mit Glanz und Glorie erfüllt.
Und nun zum Ende. Und da kommt nun der Punkt vor dem ich mich wirklich verneigen muss. Undzwar beiße ich mir gerade in den Hintern, das ich mir dieses Epic schon durchgelesen habe. Ein so treffendes überraschendes und vor allem spannendes Ende ist absolut genial von dir eingebaut worden. Jeder Leser der sich mit dieser Geschichte befasst wird sich vor allem über dieses Ende den Kopf zerbrechen. Also besser hätte man es nicht machen können!


Kontra:
Tja hier gibt es wirklich absolut nichts was ich schreiben könnte. Es gibt tatsächlich keinen Makel den ich finden kann.
Nicht ein Punkt an dem ich negative Kritik äußern könnten. Das ist nun tatsächlich das erste Mal in meiner relativ kurzen
Bewertungszeit der Fall.


Fazit:
Das Epic 2 der Geschichte "Die Tenku-Die Legende des roten Ritters" ist eine mehr als gelungene Fortsetzung, die beinahe Perfektion aufweist. Ein neuer einzigartiger Schreibstil, verbunden mit neuen äußerst authentischen Charakteren machen dieses Epic zu dem bisher besten was ich jemals im FF-Bereich gelesen habe. Klasse Beschreibungen der Orte, Situationen und Gefühle sind gegeben worden und auch inhaltlich gibt dieses Epic einiges her.
Das macht auf jeden Fall Lust auf mehr! Müsste ich nun eine Schulnote geben, so wäre dies ohne wenn und aber, eine absolut
sichere 1!



Ich werde auf jeden Fall deine Story unter meiner FanFiction und auch des öfteren mal im Chat erwähnen, damit sie mehr an Aufmerksamkeit gewinnt, die sie ohne Frage verdient hat!
Ich werde auf jeden Fall weiterhin mit äußerst großem Interesse deine Geschichte verfolgen und bin schon gespannt (gespannt ist eigentlich noch untertrieben) auf das nächste Epic!

Ich hoffe das ich dir hiermit wieder helfen konnte!

Mit freundlichen Grüßen,
XIce_MasterX
vom Pokefans-FanFiction Bewertungsteam: Eissturm
-0
+3

Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1168816 von Storm_Nightmare
27.01.2015, 19:30
Vorwort
Eigentlich hatte ich ja vor, Ice diese FF komplett zu überlassen, da du ihn ja darum gebeten hast (?) dir hier Kritik dazulassen und ich mir auch wegen der Altersunterschiede nicht so sicher war, ob meine "Kritik" hier so gut platziert wäre. Allerdings hat Ice jetzt ja nun schon was angekündigt, weshalb ich trotzdem versuchen werde etwas konstruktives dazulassen. Meine Kritik ist in meinen Augen allerdings immer die etwas weniger schöne für den Autor, da ich mich schon immer weniger auf den Inhalt und eher auf Formulierungen und Co beschränkt habe, auch bevor wir uns zusammengetan haben. Allerdings denke ich mal, dass ich hier gar nicht viel schreiben kann, da deine FF einen wirklich guten Gesamteindruck hinlegt - natürlich gibt es auch ein Fazit, aber in der Länge von Ice könnte ich das nie. ^^'

Prologue
Er verstaute die silberne Verpackung in seiner Hosentasche und setzte seine nächtliche Wanderung durch die stille Dunkelheit fort.

Im Moment steht da noch "vor". Ich bin es wirklich nicht gewohnt kleine Wortfehler rauszusuchen, aber ich glaube ich finde sonst gar nichts verbesserungswürdiges.


Es konnte kein Zufall sein, dass sie gerade jetzt, im Unterricht, hier auftauchten. Aber sein Vater würde ihn doch niemals dieser Gefahr aussetzen.

Statt "ihm".


Schmerz durchfuhr seinen Arm. Das Wesen hatte fest zugeschlagen, doch der Schmerz kam von der Kälte, die den Ärmel des engen Pullovers gefroren hatte.

Wortwiederholungen sind meist nur Kleinigkeiten, können den Lesefluss allerdings ein wenig stören. Hier hätten wir in zwei aufeinander folgenden Sätzen das Wort "Schmerz ", wobei ich aber auch selbst sagen muss, dass das eines der Wörter ist, für das man schwer ein Synonym findet. Vielleicht könnte man das ganze etwas umformulieren, wie:
Schmerz durchfuhr seinen Arm, doch obwohl das Wesen fest zugeschlagen hatte, kam dieser von der Kälte, die den Ärmel des engen Pullovers eingefroren hatte.


Ohne zu zögern rollte er sich zur Seite, durch die von einer Eisschicht überzogenen Blätter und Äste.

Ich würde das "die" noch ergänzen, weil es irgendwie vom Schriftbild her fehlt.


Er konnte nur ausweichen, denn jeder Treffer des Riesen hätte ihm schwere Gefrierwunden zufügen können.

Das ist jetzt keine direkte Wortwiederholung, kann aber eventuell dennoch etwas anders formuliert werden. Ich versuche es mal:
Er konnte nur ausweichen, denn jeder Treffer des Riesen hätte schwere Gefrierwunden zufolge.

Epic 1
Seinen Kopfschmerzen half es nicht. Alexander reichte seine Hände in den kalten Wasserstrahl und vergrub sie anschließend in seinem Gesicht.

Da ich diese Formulierung selbst selten benutze, bin ich mir nicht sicher, ob da wirklich noch das "-em" dran muss. ^^'


Gleich würde der die Tür öffnen, die Musik wäre nicht mehr gedämpft und man erwartete sicherlich, dass er noch ein paar Stunden bliebe.

Ich denke mal, dass es hier eigentlich "er" heißen sollte, da du weitergehend nur er verwendest.


Und in der Ferne erkannte er die Laternen im Park. Die Abkürzung durch den Park ersparte ihm den lärmenden Verkehr und schenkte ihm sicher zwanzig Minuten mehr Leben.

Eine kleine Wortwiederholung, aber leicht zu vermeiden. Statt "dem Park" kann man im zweiten Satz zum Beispiel einfach nur "diesen" schreiben.


Der Mann ließ sich das nicht zweimal sagen.

Etwas zu umgangssprachlich formuliert, was auch sehr stark auffällt, da du ansonsten eine wirklich gute Schreibweise aufzeigst. Vielleicht würde es so oder ähnlich ein wenig besser klingen:
Der Mann zögerte nicht lange.


Epic 2
Nicht, dass es ein Problem für ihn sei, spät nach Hause zu kommen, aber wusste Alex nicht wie mitgenommen er aussah.

Mir ist leider gerade entfallen, bei welchem stilistischen Mittel man die Reihenfolge der Satzglieder ein wenig abändert, aber sollte das wirklich so beabsichtigt sein, dann kannst du das hier gerne übersehen. Meine kleine Anmerkung wäre, dass es besser klingen würde, wenn man "Alex wusste" schreibt und die Wörter somit einfach vertauscht, da es im Satzbild normalerweise besser klingt.


Er knipste das Licht an und kniff die Augen zusammen.

Eventuell auch "zu", aber ein Wort würde ich noch ergänzen wollen, damit der Satz vollständiger klingt.


Doch er war sich nicht sicher ob es überhaupt ein Mensch gewesen war.
[...]
Oliver war sich nun gar nicht mehr sicher, ob das, was er gesehen hatte, wirklich passiert war.

Zur Zeit steht da noch ein "ist", aber da du im Präteritum schreibst, müsste es doch eigentlich (berichtige mich, wenn ich falsch liege :)) ein "war" sein. Gleiches gilt für das "hatte".


Alexander stupste Mike an, doch der reagierte nicht.

Da fehlt der Punkt (so weit ist es also schon gekommen mit mir, korrigiere fehlende Satzzeichen, weil ich nichts anderes finden kann q.q).


Wie Alexander auch genoss Oliver große Sympathien.

Hier müsste es dann aber imo wirklich "genoss auch" heißen.


Fazit und was es sonst noch zu sagen gibt
Als erstes möchte ich mich mal für meine schlimme Kleinlichkeit entschuldigen. Eigentlich beachte ich viele der hier genannten Kriterien gar nicht, aber ich dachte mir, dass du vielleicht einen möglich fehlerfreien Text haben willst, da du die Geschichte auch eBook-Nutzern zur Verfügung gestellt hast. Das ist übrigens in meinen Augen ziemlich cool von dir und deine Geschichte kann sich auch wirklich sehen lassen. Ich mag deinen Schreibstil, deine Wortwahl ist äußerst umfang- und abwechslungsreich und es gelingt dir sehr gut Spannung aufzubauen. Alles was bis jetzt erschienen ist, ist nahezu perfekt formuliert und ich bin auch echt gespannt wie es weitergehen wird, vor allem, da wir im Moment ja mehr als einen potenziellen Protagonisten haben. :)
Falls ich jetzt etwas, naja, unsicher oder verklemmt rübergekommen bin, tut mir das leid. Ich war wie am Anfang gesagt nur etwas unsicher, ob ich dir überhaupt irgendwie helfen kann und meine Kritik dich anspricht. :')


MfG ~ Storm
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+5

Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1168942 von Furanty
28.01.2015, 01:36
Es ist zwar nicht Sonntag und doch ist Epic 3: Doktor Devon veröffentlicht.

XIce_MasterX hat geschrieben:Ich bin zwar ein großer Fan von detailreichen Beschreibungen, aber ebenso viel macht meiner Ansicht nach eine gute Dialogführung eine gute Geschichte aus. Gerade diese beiden Punkte sind meiner Meinung nach die wichtigsten um eine gute Authentik zu vermitteln. Demnach brauchst du dich diesbezüglich in Zukunft was meine Kritik und Bewunderung betrifft nicht mehr zu "fürchten". (Entschuldige, mir fällt gerade kein anderes Wort ein :D )

Das ist gut, denn auch das neue Epic ist sehr dialoglastig, aber die handlungslastigeren Epics kommen schon bald :)

XIce_MasterX hat geschrieben:Der Charakter der mich aber am meisten interessiert ist Jasmin, besonders im Zusammenhang mit Oliver. Du vermittelst mit deiner Beschreibung des Freundschaftsverhältnisses zwischen den beiden optimal die tatsächliche Verbundenheit und dir Gemeinsamkeiten der beiden. Ohne das man groß über die verschiedenen Situationen nachdenken muss in denen sich beide helfen und interagieren, kann man ihr Handeln vollkommen nachvollziehen.

Stellvertretend nehme ich mal diesen Absatz um allgemein auf meine Charaktere einzugehen. Bei der Kreation der Figuren in diesem Werk habe ich versucht so wenig wie möglich zwischen Haupt- und Nebencharakteren zu differenzieren. Ich habe zu jedem Charakter einen Hintergrund erarbeitet, damit ich zum einen selbst weiß, was dieser Charakter für Werte, Erlebnisse und Beziehungen hat, aber vor allem um das auch authentisch darstellen zu können.

XIce_MasterX hat geschrieben:Ich werde auf jeden Fall deine Story unter meiner FanFiction und auch des öfteren mal im Chat erwähnen, damit sie mehr an Aufmerksamkeit gewinnt, die sie ohne Frage verdient hat!
Ich werde auf jeden Fall weiterhin mit äußerst großem Interesse deine Geschichte verfolgen und bin schon gespannt (gespannt ist eigentlich noch untertrieben) auf das nächste Epic!

Ich freue mich, dich so begeistern zu können :)

Storm_Nightmare hat geschrieben:Als erstes möchte ich mich mal für meine schlimme Kleinlichkeit entschuldigen. Eigentlich beachte ich viele der hier genannten Kriterien gar nicht, aber ich dachte mir, dass du vielleicht einen möglich fehlerfreien Text haben willst, da du die Geschichte auch eBook-Nutzern zur Verfügung gestellt hast. Das ist übrigens in meinen Augen ziemlich cool von dir und deine Geschichte kann sich auch wirklich sehen lassen. Ich mag deinen Schreibstil, deine Wortwahl ist äußerst umfang- und abwechslungsreich und es gelingt dir sehr gut Spannung aufzubauen. Alles was bis jetzt erschienen ist, ist nahezu perfekt formuliert und ich bin auch echt gespannt wie es weitergehen wird, vor allem, da wir im Moment ja mehr als einen potenziellen Protagonisten haben. :)
Falls ich jetzt etwas, naja, unsicher oder verklemmt rübergekommen bin, tut mir das leid. Ich war wie am Anfang gesagt nur etwas unsicher, ob ich dir überhaupt irgendwie helfen kann und meine Kritik dich anspricht. :')

Du musst dich sicherlich für nichts entschuldigen. Ich habe einige Tippfehler, manche grammatikalischen Unfeinheiten und auch ein paar Wortwiederholungen eingearbeitet, die nicht sein sollten. Dementsprechend habe ich deine Verbesserungshinweise größtenteils umgesetzt (jedoch muss ich hier noch aktualisieren, aber dafür bin ich ja dann oft zu faul :S) Ich versuche zwar orthografische Fehler soweit es geht zu vermeiden und einen einheitlichen Schreibstil beizubehalten, allerdings fällt mir das auf Dauer auch schwer, deshalb bedanke ich mich für deine Kritik und lehne deine Entschuldigung als überflüssig, wenn auch nett gemeint, ab :)
Ich freue mich auch, dich mit der Geschichte begeistern zu können und hoffe, dass du das nächste Epic genießt.

Fufu
-0
+1

Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1168944 von Storm_Nightmare
28.01.2015, 02:46
Vorwort
Ok, dann freue ich mich, dass ich helfen konnte. :)
Dann werde ich mich jetzt ohne weitere Entschuldigungen dem 3. Epic zuwenden.


Epic 3
Ein triumphierendes Lächeln breitete sich über das Gesicht der Doktorin aus.

Eigentlich verwendet man hier eher "auf dem" statt "sich über" und lässt dann das "das" weg. Wenn du das "sich über" allerdings gerne beibehalten möchtest, sollte das auch absolut kein Problem sein, ist wahrscheinlich Geschmackssache.


Es sind auch übernatürliche Kräfte dabei.

Der Satz klingt irgendwie sehr platt, wenn du verstehst was ich meine. Leider fällt mir gerade auch nicht wirklich ein, wie man ihn vielleicht besser formulieren könnte, aber so klingt es nicht sonderlich schön, irgendwie zu selbstverständlich für ein besonderes Thema wie dieses. Eventuell würde das hier ja gut an die vorherige Aussage des Beschützens anknüpfen:
Dabei werden auch übernatürliche Kräfte eine große Rolle spielen.


Ich kannte zwar bisher keine Kyklopen, aber andere gefährliche Kreaturen, die nicht von dieser Welt sind, aber die Tenku ebenso suchen wie ich.

Das erste "aber" könnte man Zum Beispiel durch ein "jedoch" oder "allerdings" ersetzen, um diese Wortwiederholung zu umgehen.


Wieso dauert das so lange, dachte Alex sich, haute mit der Faust gegen den Schalter der Ampel, zweimal, dreimal.

Ist so ein doof klingendes Wort, da "hauen" im Präteritum eigentlich nie wirklich verwendet wird. Auch wenn etwas weiter oben schon "schlagen" steht, solltest du hier lieber auf "schlug" zurückgreifen.


Es war wohltuend, dennoch, es war ihm auch ungeheuerlich.

Das "dennoch" erscheint mir so ausgeklammert etwas deplatziert. Eventuell könnte man die Kommas weglassen und einfach ein "und" einfügen:
Es war wohltuend und dennoch war es ihm auch ungeheuerlich.


Nachdem er sich abgetrocknet hatte und in eine Hose geschlüpft war, verließ er das Badezimmer, ließ das Handtuch am Boden liegen.

Wenn man das "hatte" nicht ergänzt, würde das "war" zum Abtrocknen zugeordnet werden, was allerdings in Verbindung mit dem "sich" nicht richtig wäre.


„Es tut mir leid, dass ich dich geschlagen haben“, sagte Alexander, zwar leise, aber für Oliver verständlich.
„Schon gut“, erwiderte dieser. [...]
Oliver holte Luft.

Hier hätten wir ansonsten eine dreifache Wortwiederholung in Form von Olivers Namen. Für genau solche Fälle sind ja die Personalpronomen gedacht, weshalb ich das "dieser" vorschlagen würde.


Von Aus der anderen Tür neben der Treppe hörte man das Summen der Backautomaten.

Ist bestimmt nur ein vorheriger Satzanfang, der nicht entfernt wurde. Sollte dem nicht so sein, will ich nichts gesagt haben, auch wenn der Satz dann ein wenig seltsam klingt. :x


„Verdammt“, sagte Alex, der sie auch gesehen hatte. Er packte Oliver am Arm, schlug die Haustür hinter sich zu und lief los, in die andere Richtung, die sich in mehrere Gassen gabelte.

Das gleiche wie zuvor bei Oliver, nur diesmal nur zweifach und mit Alexander. Mir fällt gerade im Allgemeinen auf, dass du Personalpronomen öfters umgehst. Hat das einen bestimmten Grund? :)


Er und Oliver wollten umkehren, doch die Männer hatten sie eingeholt.

Ein wenig unglücklich formuliert, da die beiden sich schließlich immer noch umdrehen können. Nur fliehen ist in diese Richtung halt nicht mehr möglich.


Und tatsächlich: wo sich bei einem Menschen die Nase befunden hätte, hatten diese zwei Geschöpfe nur ein großes, gelbes Augen.

Da hast du das Wörtchen "ein" vergessen. ^^


Auf der Stirn stattdessen befanden sich die Nüstern und unter dem Auge war ein großer, runder Schlund, umgeben von gelben Lippen.

Hm, hier sind mir gleich zwei Sachen aufgefallen.
1. Die Satzgliedersetzung ist wieder ein wenig verwackelt, besser klänge es meiner Meinung nach so:
Auf der Stirn befanden sich stattdessen Nüstern und unter dem Auge war ein großer, runder Schlund, umgeben von gelben Lippen.
2. Wie du vielleicht schon gemerkt hast, habe ich das "die" entfernt. Es ist da etwas fehl am Platz, da man ja nicht davon ausgeht, dass diese Wesen Nüstern haben.


Fazit
Eine wirklich gelungene und spannende Fortsetzung deiner Geschichte. Kein Charakter wird in irgendeiner Weise vernachlässigt und man erfährt stroytechnisch wirklich sehr viel. Weiterhin setzt dein toller Schreibstil sich fort, Ice wird dir ja dazu hoffentlich noch einmal einen kleinen Roman schreiben. :'D
Was mir allerdings noch aufgefallen ist: du verwendest sehr oft das Wort "sich", auch wenn es manchmal gar nicht nötig im Satz wäre. Das aber als einziger kleiner Kritikpunkt. :)

MfG ~ Storm
-0
+3

Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1168958 von XIce_MasterX
28.01.2015, 08:33
Heyho Furanty,
hier nun ohne große Vorrede meine Kritik oder wie es der Kollege Storm nennt: "Mein kleiner Roman". :D


Pro:
Ich habe nicht daran gezweifelt. Du hast mit dem neuen Epic mal wieder überzeugt! Im letzten Epic noch das spannende Ende, so gehts im neuen Epic direkt mal da weiter wo man sich bis heute den Kopf zerbrach. Bemerkenswert hierbei ist dann schonmal die erste kleine Änderung im Übergangsstil. Vom ersten ins zweite ging es nicht direkt mit der Situation des ersten Epics weiter,
sondern mit einem kleinen Sprung in die Zukunft um wie in meiner vorrigen Bewertung schon erwähnt, die Vergangenheit von hinten aufzurollen.
Diese kleine Änderung des Übergangs tut dem neuen Epic aber ganz sicher keinen Abbruch. Nein, ganz im Gegenteil, denn damit bringst du eine Flexibilität im Lesefluß bzw. für die gesamte Geschichte ins Spiel. Mit der direkten Fortsetzung an Epic 2 hast du auf jeden Fall die richtige Wahl getroffen, zumal es zwar nicht unmöglich gewesen wäre den Übergang wie im voherigen zu gestalten, aber so die Einfindung in die Fortsetzung deutlich erleichtert wurde.
Du fängst direkt mit der Vorstellung einer neuen Person an, die unsere Freunde Oliver und Alex sogleich mit dem geschehenen
konfrontiert. Dr. Devons Persönlichkeit wurde allein schon mit den kräftigen und lehrreichen Dialogen zu einer Person, die zum einen in der Geschichte den beiden Jungen hilft und zum anderen für den Leser einiges an Inhalt mit sich bringt.
Diese Verbindung aus Dialog und der inhaltlichen Überlieferung ist sehr genial gewählt.
Zudem scheint die Doktorin sowieso über ein enormes Wissen zu verfügen und zum anderen eine starke und selbstbewusste und vor allem direkte Persönlichkeit zu besitzen. Was auch sehr schön ist, ist die Tatsache das durch das Erscheinen dieser Person Alexander zumindest nun teilweise an die Geschehnisse in Epic 1 zu glauben beginnt und wenn auch langsam ein gewisses Interesse diesbezüglich zeigt. Allein diese Punkte machen Epic 3 schon zu einem für die gesamte Story sehr wertvolles Kapitel.
Nun zu Oliver. Er hat sich ja bereits im Gegenzug zu Alex in gewisser Hinsicht schon mit der Nacht abgefunden und scheint nun froh zu sein, das A) Alex auch damit.konfrontiert wird und keine Gelegenheit bekommt es einfach zu ignorieren und somit als abgestempelt zu werten und B) selbst mehr über die Umstände zu erfahren.
Eines haben beide jedoch in diesem Epic gemeinsam und das ist ein Punkt der dieses Epic alleine dadurch schon literarisch und storytechnisch positiv begünstigt. Undzwar die erkennbare Charakterentwicklung.
Während Alex im zweiten Epic gar nichts von alle dem wissen will, beginnt er sich zumindest nach dem erzwungenen Gespräch mit Dr. Devon zum einen Gedanken über die Situation zu machen ohne sie zwanghaft ausblenden zu wollen und zum anderen über die Gefühle anderer, besonders über Olivers Gedanken zu machen.
Durch diese Fortsetzung hast du einiges an Authentik gewonnen, da ein solch gemeinsames Erlebnis die betroffenen Personen
zu binden bzw. verbinden beginnt.
Mit einem zwar kurzen aber dennoch gut geplanten und eingesetzten Auftritt bekommt auch Jasmin eine Stelle in diesem Epic.
Das zeigt, das du keinen Charakter vernachlässigst und dir große Gedanken und jene machst und gut vorraus planst wie man die
entsprechenden Charaktere sinnvoll in diesem Epic erscheinen lassen kann. Das selbe gilt natürlich auch für Mike, der zwar nur einen Auftritt in einem Dialog erhält, aber dennoch gut eingebracht und beachtet wird.
Ein weiterer Pluspunkt ist der geschaffene allgemeine inhaltliche Informationsfluß. Man erfährt einiges über die Tenku und die Hibtergründe, aber dennoch ist es so geschrieben, das man sich als Leser weiterhin einem großen Mysterium gegenüber sieht.
Besonders das Mädchen, das über die zwei Jungen wacht will man immer mehr erfahren, da sie bisher ein sehr geheimnisvoller Charakter ist.
Wieder einmal überzeugst du auch in diesem Epic mit detailreichen Beschreibungen und Gefühlen, die sich sowohl auf die Charaktere, als auch auf das Klima und die Umgebung fixieren. Somit hast du wieder ein nahezu perfektes Gesamtpaket erschaffen, was zum einen den exzellenten Schreibstil und zum anderen dem inhaltlichen und authentischen Teil der Story noch mehr Einzigartigkeit und Charakter schenkt.
Der letzte Lobpunkt gilt mal wieder dem Ende. Da könnte ich theoretisch einfach die entsprechenen Zeilen aus meiner vorherigen Bewertung einfügen, aber ich denke mal du verstehst was ich damit meine.


Kontra:
Wie gehabt, einwandfrei und damit bekommt der Kontrabereich meiner Bewertung wieder einmal keine Aufmerksamkeit.


Fazit:
Wieder einmal überzeugst du mit literarischem Können und bietest mit dem dritten Epic faszinierende Einblicke über die Hintergründe der Geschichte. Der Schreibstil bleibt einzigartig und genial und auch die Authentik bekommt mit dem
Release des dritten Epics einen positiv starken Zuwachs. Der positivste Aspekt beim Vergleich Epic 3 zu den bisherigen zeigt eine kontinuierliche Steigerung des Leseflußes und des Gesamtbildes der Storyline!
Meinen Hut darf ich wieder einmal ziehen, vor einer so klasse Fortsetzung der Geschichte.


Mfg
XIce_MasterX
vom Pokefans-FanFiction Bewertungsteam: Eissturm! ;)
-0
+3

Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1169892 von Furanty
01.02.2015, 03:12
Wieder Sonntag und deshalb gibt es jetzt auch Epic 4: Tenkukai des Feuers :)

Storm_Nightmare hat geschrieben:Fazit
Eine wirklich gelungene und spannende Fortsetzung deiner Geschichte. Kein Charakter wird in irgendeiner Weise vernachlässigt und man erfährt stroytechnisch wirklich sehr viel. Weiterhin setzt dein toller Schreibstil sich fort, Ice wird dir ja dazu hoffentlich noch einmal einen kleinen Roman schreiben. :'D
Was mir allerdings noch aufgefallen ist: du verwendest sehr oft das Wort "sich", auch wenn es manchmal gar nicht nötig im Satz wäre. Das aber als einziger kleiner Kritikpunkt. :)

Erstmal zu deinem Kommentar, Herr Storm, denn da habe ich recht wenig zu sagen. Die bemerkten Fehler habe ich ausgebessert und, man glaubt es kaum, sogar im Post aktualisiert (!) Was das sich angeht, nun, ich neige dazu, reflexive Verben weiterhin reflexiv zu verwenden, auch wenn sie heute oft ohne das Reflexivpronomen benutzt werden können. Da kommt dann 'sich' eben häufiger vor, aber das ist es mir wert.

Und nun zum Kommentar von Herrn Ice, wobei ich auf ein Zitat verzichte und versuche alles möglichst kurz und spoilerfrei auf den Punkt zu bringen. Du sprichst ja schon die unterschiedliche Struktur der Epics an. Momentan versuche ich die Kapitel so zu gestalten, dass jedes genau einen Point-of-View-Charakter hat, was mir aber am Anfang noch schwer fiel. Gerade Kapitel 2 und 3 haben da ziemlich viele Wechsel der Erzählperspektive, die mir so nicht gefallen. Bei Epic 4 habe ich es wieder etwas strukturierter geschafft, wie ich finde, aber das müssen andere beurteilen.
Tatsächlich habe ich das Gefühl, heute sehr viel charakterzentrierter schreiben zu können als noch vor einiger Zeit. Früher legte ich sehr viel mehr Fokus auf die Handlungen, was natürlich nicht falsch sondern auch sehr wichtig ist. Aber dieser Stil quasi über die Schulter eines Charakters (und zudem noch in ihn hineinzuschauen), gefällt mir ausgesprochen gut. Ich habe zwar keinen reinen personalen Erzähler, sondern gebe dem Erzähler auch ab und an auktoriale Erkenntnisse, aber dennoch ist es sehr persönlich. Und das ist auch sehr wichtig, denn die Charakterentwicklung ist sehr entscheidend in dieser Geschichte ;)


So dann, viel Spaß mit Epic 4 :)
-0
+1

Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1173146 von Furanty
15.02.2015, 20:50
Mal wieder Sonntag! Epic 5: Gute Taten steht nun zur Verfügung :)
-0
+1

Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1174966 von Furanty
23.02.2015, 01:43
Irgendwo ist sicher noch Sonntag! Epic 6: Zu Besuch jetzt hier zu lesen! Viel Spaß
eBook aufgrund technischer Probleme noch nicht aktualisiert.
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+1

Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1176754 von Furanty
03.03.2015, 13:41
Dank meinem fabulograndiosen Internet kommt Epic 7: Die Familie Kendall leider etwas später, aber nun könnt ihr es ja lesen und müsst hoffentlich nur 5 Tage bis zum nächsten warten :)
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+0

Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1186831 von Furanty
12.04.2015, 23:33
Ja, das war wohl nichts mit meinem "jeden Sonntag wirds was geben" :x Nach einer einmonatigen Pause, in denen ich sehr viel replottet habe, hoffe ich, dass es nun wieder regelmäßiger weiter geht. Versprechen kann ich es aber nicht.

Viel Spaß mit Epic 8: Pausengespräche :)
-0
+0

Re: Die Tenku — Die Legende ...

#1196467 von Furanty
07.06.2015, 18:19
Furanty hat geschrieben:Ja, das war wohl nichts mit meinem "jeden Sonntag wirds was geben" :x

Und diesmal traue ich mir auch keine Prognose zu! Aber immerhin gibt es mal wieder was. Hier auch ein nettes Dankeschön an meine Alpha-, Beta-, Gamma- und My-Leser!

Viel Spaß mit Epic 9: Gewitter am See :)
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