Schreibe eigene Geschichten über Pokémon und deine Lieblings-Charaktere.

Pokémon, Drugs and Rock `n`Ro...

#1238993 von vampirbiss
04.03.2016, 22:06
Hallo Leute,
ich hatte mich ja auch kurz vorgestellt und dort schon gesagt, dass ich mal meine Story veröffentlichen könnte bei euch. :)

Wo sie genau hin führen soll, werdet ihr sehen, es entsteht alles langsam. Kurz gesagt: Ich habe einfach darauf los geschrieben und nun ist es schon recht viel.

Noch kleine Anmerkung:
Die Geschichte spielt in der Kanto Region, euch wird bestimmt bald auffallen, dass es sich um meine erste Pokémon-Spiel-Liebe dreht: Blau, Rot, Gelb. Es gibt aber alle Pokémon und nicht nur die damaligen 151 Stück. Vielleicht wird die Story irgendwann weiter schreiten in andere Regionen, da bin ich mir aber noch nicht sicher. Ich mixe es mit dem realen Leben, weil die Story aus dem urspünglichen Gedanken "Wie wäre es mit Pokémon im Alltag?" entstanden ist. Pokémon-Reise mit 10 ist unrealistisch und entsprechend werde ich einiges ändern.

Und bitte nicht wundern, wenn manche Pokémon nicht die "normale" Farbe haben, es gibt definitiv Unterschiede. Ein Hund einer bestimmten Rasse sieht ja auch nicht immer gleich aus. ;) Auch die Größen der Monster ändere ich teilweise ab. Ein Glurak kann keinesfalls kleiner als ich selber sein! :o :lol:

Und wegen der bunten Haarfarbe der Leute: Die färben nicht, das wächst so raus! Hach ja, das wäre mein Traum. :roll:

Um euch in die reale Welt etwas rein zu bringen, habe ich ds gefunden: https://youtu.be/rhhuAm2rSGE
Das ist ganz cool gemacht, da hat sich wer echt Mühe gegeben. Sogar ein Alpollo ist dabei <3 :)

Viel Spaß wünsche ich. :)
Zuletzt geändert von vampirbiss am 25.08.2016, 15:08, insgesamt 9-mal geändert.
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Pokémon, Drugs and Rock `n`Ro...

#1238997 von vampirbiss
04.03.2016, 22:14
Pokémon, Drugs and Rock ´n´ Roll – Teil 01


Ein bedeutender Kampf

Die Stimmung war geladen und das Publikum jubelte laut. Bereits nachdem die erste Qualifikationsphase der Kämpfe durch war, hatten die Zuschauer ihre Favoriten unter den Trainern gewählt. Der junge Mann, mit den blauen Haaren, konnte sich stolz dazu zählen. Während der Kämpfe, war eine Abstimmung gelaufen, bei der das Publikum ihren Favoriten wählen konnte. Er war nervös und hatte die Augen geschlossen. Für ihn wurde oft gestimmt. Er lag auf dem ersten Platz. Die meisten Zuschauer hofften tatsächlich, dass er den Cup gewinnen würde. Alleine das war für ihn schon unglaublich. Er merkte, wie sein Herz schneller schlug. Die Erwartungen waren hoch. Die Trainerin die ihm dicht folgte und auf dem zweiten Platz lag, war jene, gegen die er jetzt kämpfen musste. Wenn er den Kampf schaffen würde, konnte er um den ersten Platz streiten. Die Siegesprämie war sehr hoch. 30.000 Pokédollar (im Wert von unserem Euro) waren ausgeschrieben und das cash auf die Kralle! Er könnte das Geld gut gebrauchen, da er sein Motorrad das letzte Jahr komplett überholt hatte. Es war nicht nur viel Arbeit, sondern hatte auch viel Geld gekostet.

Aber viel mehr ging es ihm darum, allen anderen zu beweisen, dass er es doch weiter schaffen konnte in seinem Trainerdasein. Schon im Kindesalter erkannte man seine Gabe, die Pokémon zu verstehen. Schnell hatten die Wesen – egal welchen Typs sie angehörten – Vertrauen zu ihm gefasst. Im Alter von zehn Jahren, wusste er sie auch in Kämpfen entsprechend einzusetzen. Doch im Gegenzug wurde der junge Mann auch oft als zu weich eingeschätzt, zu mitfühlend, zu rücksichtsvoll. Hatte er eine enge Verbindung zu seinen Pokémon entwickelt, rief er sie gerne mal zu früh aus dem Kampf, weil er dachte, sie hätten zu große Schmerzen. Doch mittlerweile hatte er viel dazu gelernt und sein Traum war es der Champion des Meistercups zu sein. Denn die Orden der verschiedenen Regionen waren die Prüfungen für Anfänger und die ebenfalls regionsabhängige Top-Vier-Liga stellte Herausforderungen für Fortgeschrittenen dar. Wenn man dies in seiner Region gemeistert hatte, konnte man sich in den Cups anmelden. Hier kamen Trainer aus aller Welt zusammen und kämpften gegeneinander mit den unterschiedlichsten Pokémon, um, bei einem Sieg im Meistercup, ein Jahr lang den Titel des weltbesten Trainers zu tragen. Den Mini- und den Supercup hatte er bereits gemeistert, um nun im Hypercup sein Können unter Beweis zu stellen. Er hatte sich vorgenommen mit seinem Team bis an die Grenzen zu gehen. Der Schlüssel, um im Meistercup teilzunehmen, war nicht mehr weit entfernt. Es war die Liga für aufsteigende Trainer und Trainerinnen, welche in die Geschichte eingehen könnten und seine Geschichte hatte jetzt erst richtig angefangen.

Er war in einer Art Vorraum, mit sanfter Beleuchtung. Hier konnten die Trainer mit ihren Monstern das letzte Mal alleine sein, sich absprechen sowie gegenseitig Mut machen. Aber er hatte seinen Pokémon bereits alles gesagt und wusste, dass er ihnen vertrauen konnte und umgekehrt.

Als die große Tür vor ihm langsam aufging, öffnete er seine steingrauen Augen. Die Nachmittagssonne suchte ihren Weg durch den Schlitz der Tür und allmählich wurde das Jubeln der Publikums lauter. Nun hob er seinen Kopf. Es war so weit. Das Publikum war so laut, dass man sein eigenes Wort nicht hören konnte, doch für ihn erschien es ein dumpfer Klang zu sein. Als der junge Mann im Publikum erkannt wurde, schien es noch wilder zu toben. Er versuchte die Nervosität abzuschütteln und schritt langsam voran. Nun konnte er seinen Namen aus den Schreien der Zuschauer herausfiltern. Mit einem schiefen Lächeln sah er zu seinen Fans. Über die Trainingsjahre war er etwas bekannter geworden und hatte dadurch einiges an Selbstbewusstsein aufbauen können. Nach außen wirkte der Blauhaarige stets cool, aber kämpfte mit viel Leidenschaft. In seiner Rechten hielt er den dunklen Pokéball. Dieses Monster würde er zuerst raus lassen. Es war ein Geist-Gift-Typ, viele wussten damit nicht richtig umzugehen. Eine gute Wahl, wie der Mann fand. Sie waren ein eingespieltes Team und kämpften schon lange Seite an Seite.

Mit der anderen Hand fuhr er sich durch seine halblangen, zerzausten Harre und betrat das Podest, von dem aus er auf die Arena schauen konnte. Mit verengten Augen sah er seine Gegnerin an, die im gleichen Moment zu ihm sah. Auf ihren Lippen lag ein arrogantes und falsches Lächeln wie er fand. Der Trainer zog die Brauen zusammen und schob mit einem Finger seine Brille ein Stück nach oben. Seine Augen waren nicht unbedingt die Besten und seine markante Brille war mittlerweile eines seiner Markenzeichen geworden. Im Publikum löste diese Bewegung einige Schreie und Pfiffe bei den jungen Frauen aus. Es hatte seine Gedanken unterbrochen, worauf er lächelnd zu seinen weiblichen Fans sah und ihnen zuversichtlich zuzwinkerte, was die Damen fast in Ohnmacht fallen und ihn belustigt schmunzeln ließ. Er hatte alles unter Kontrolle. Hatte er das wirklich? Das komische Gefühl bei seiner Gegnerin konnte er nicht abschütteln. Schon in den letzten Kämpfen, die er verfolgt hatte, kam sie ihm irgendwie merkwürdig vor. Sie kämpfte kaltblütig und egoistisch.

Das Publikum verstummte, als die gegenüberliegenden großen LCD-Tafeln der Arena aufleuchteten und die Namen der Duellanten anzeigten. Darunter sah man drei Pokébälle, die für die Anzahl, der erlaubten Monster im Kampf standen sowie ein leeres Feld in dem gleich das aktiv kämpfende Pokémon abgebildet wurde. So war der Kampfverlauf für jeden leicht zu erkennen.

Im Gesicht des jungen Mannes konnte man nun leichte Anspannung erkennen. Er schluckte und merkte, wie er innerlich zitterte, doch nach außen wirkte er noch immer ruhig und gelassen. Plötzlich war es so still, dass man den Flügelschlag eines Smettbos hätte hören können. Die Arena hatte die Größe eines Fußballstadions, eingeteilt in verschiedene Bereiche. Es gab Flecken mit Wiese sowie sandigem, steinigen Boden und sogar ein großes Wasserbecken. Endlich gab der Moderator den Ring frei. Gleichzeitig hoben die Trainer die Arme und warfen ihre Pokébälle, um die ersten Monster in den Kampf zu schicken. Kaum befreit schnellten die Bälle wieder zurück in die Hände der Trainer.

Das Gengar des Trainers materialisierte sich aus einem violett-bläulichem Energiestrahl. Es war ca. 160 cm groß und es stand auf zwei knubbeligen Beinen. Sein Rücken war mit einer Art Stacheln besetzt und die großen aufrechten Ohren sahen aus wie zwei teuflische Hörner. Mit seinen tat es in der Luft langsame, gleitende Bewegungen. Insgesamt wirkte das Monster etwas zusammen gestupst. Sein violett-blauer Körper schimmerte und hatte eine kugelige Form, was es fast niedlich wirken ließ. Wären da nicht die großen, böse blickenden Augen. Sein fieses, unheimliches Grinsen war unnatürlich breit und große, scharfe Zähne blitzen auf.

(Gengar: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgQd3ctOz4xkU0UGl
und in seiner hässlichen Form ;D https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgQhHTaKGsOKVK1P4)

Der Pokéball der Trainerin öffnete sich mit einem roten Energiestrahl und es erschien ein Wesen, was aufrecht wie ein Mensch stand. Es wirkte sportlich und sein Körper war mit einem roten Federkleid bedeckt, was an den Füßen in gelb auslief. Es ging in Kampfposition und hielt seine Hände, welche Vogel-Klauen waren, schützend vor sich. Sein Federkragen war bunt und pompös, sein Kopf war der eines Hahnes.

(Schönes Bild von Lohgock im Kampf mit Knogga: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtb-ccQq4NVGvOEMc)

Das Publikum war wieder laut geworden, als die Monster im Ring standen. „Ein Lohgock...“, murmelte der Trainer zu sich selbst. Er hatte seine Nervösität nun wieder unter Kontrolle bekommen und bekam die Jubelschreie kaum mit. Es war ein Feuer-Kampf-Pokémon, stellte er nüchtern fest. Da hatte er eine gute Wahl getroffen. Der Kampf war eröffnet und die Bildschirme blendeten die Monster ein. Sogleich gab die Trainerin ihren ersten Befehl. „Lohgock, Feuerschlag!“, rief sie und das menschlich wirkende Hahnenwesen rannte aggressiv auf das Gengar zu. „Weich aus, Mr. Spook! Und danach Hypnose!“, sagte der Trainer laut, aber in ausgeglichenem Tonfall.

Lohgocks Klaue ballte sich und seine Hand schien zu glühen. Das Geist-Pokémon stieß einen lauten, schrillen Lacher aus, der das Publikum kurz verstummen lies und in der Arena verhallte. Kurz bevor es getroffen wurde, löste es sich zu Luft auf und erschien hinter Lohgock. Das Feuerwesen sah sich wütend um und erblickte Gengar. Mr. Spook riss die Augen weit auf, unnatürlich weit. Sein Trainer nickte nur. Gebannt sah der Hahn hinein, Gengar versuchte es mit Hypnose einzuschläfern. Doch dann rief die Trainerin dazwischen: „Lass dich davon nicht beeinflussen! Feuerschlag!“ Der Feuerhahn schüttelte seinen Kopf, was seinen Federkragen anmutig aufschwingen ließ und holte sogleich aus. Das Geist-Pokémon schrie auf, als es von der glühenden Faust getroffen wurde und flog einige Meter zurück. Bevor es auf den Boden prallte löste es sich erneut in Luft auf. Der Trainer zog die Brauen zusammen. „Spukball!“, knurrte er. Lohgock krähte auf, es schien aggressiver als zuvor zu sein, dachte der Trainer, verlor den Gedanken jedoch gleich wieder. Gengar erschien schwebend hinter dem Feuer-Kampf-Typ, mit einer leuchtenden-violetten Kugel zwischen den Händen, die es auf seinen Gegner abfeuerte. Die Trainerin schrie auf, doch ihr Monster konnte nicht mehr ausweichen und fand sich auf den Knien wieder.

Raue Schreie kamen aus seinem Hals und es bekam die neue Attacke Sonnentag genannt. Lohgock wand sich um seine eigene Achse und sah in Richtung Sonne. Von einer auf die nächste Sekunde schien die Sonne heißer zu brennen und trotz des Nachmittags wurde es gleißend hell. Die Miene des Trainers wurde finster, das gefiel seinem Geist-Monster natürlich gar nicht. Gengar wirkte nun etwas durchsichtiger als vorher und stieß einen verzogenen Ton aus. Lohgock schien es aggressiv zu machen und sprang, ohne Befehl seiner Trainerin, auf Gengar zu. Der Geist schwebte ca. zwei Meter über dem Boden und schaute verdutzt drein, als er mit dem Turmkick attackiert wurde. Doch das blieb gegen den Geist wirkungslos, dieser fing an irre zu lachen und streckte seine Zunge weit heraus. Es schien sich über Gedanken mit seinem Trainer zu verständigen, denn dieser stand nur mit geballten Händen da. Mit entschlossenem Blick sah er auf die Kampfszene. Nun kam der Schlecker zum Einsatz. Lohgock wurde über den kompletten Rücken abgeleckt. Sabber lief seine glänzenden Federn herunter. Man sah wie das Hahnenwesen erzitterte und erneut ging es in die Knie. Verkrampft hatte es seine Augen geschlossen. Das Publikum rumorte, als sich Lohgock am Boden befand. Der Trainer grinste schief, es war paralysiert. „Psychokinese, Mr. Spook! Setz dem ein Ende“, rief er, immerhin sollte das Publikum auch etwas von der guten Attackenauswahl mitbekommen. Sein Geist-Partner nahm seine Zeigefinger an die Stirn und schloss die Augen.

Die Trainerin weitete erschrocken die Augen und fluchte. Warum musste der Geist auch eine Psychoattacke beherrschen? Das menschlich wirkende Federvieh wurde in die Luft gehoben. Es zappelte und schrie laut dabei. Der Trainer formte seine Lippen zu einem schmalen Strich und zog die Brauen zusammen, er sah ebenso konzentriert wie sein Pokémon aus. Dann öffnete Gengar die Augen, welche nun rot glühten, seine Stacheln am Rücken schienen zu dampfen. Es streckte alle Viere von sich und lachte erneut, sein Gesicht war zu einer scheußlichen Grimasse verzogen. Lohgock hingegen schrie auf und krümmte sich.

Das Publikum tobte und bekam sich kaum noch ein. Der Blauhaarige begeisterte wie immer mit seinem Auftreten und dem Zusammenspiel mit seinem Gengar Mr. Spook. Die Trainerin schüttelte den Kopf, als das Feuer-Kampf-Pokémon zu Boden kam. Erneut trat eine kurze Stille ein und der Moderator kommentierte die Kampfstrategien.

Lohgock blieb liegen, doch bevor der Countdown zu Ende gezählt werden konnte, rappelte er sich wieder auf. Ungläubig schüttelte der Trainer den Kopf, seine Gegnerin grinste nur. Das konnte nicht sein. Nach dieser Attacke hätte das Monster nicht mehr aufstehen dürfen. Das Publikum wurde wieder lauter. Lohgock wirkte schwer verletzt, doch es stand. Der junge Mann war Wort wörtlich sprachlos. Wie konnte das sein?

Gengar schwebte vor ihm, sein Blick war entschlossen. Den Kampf-Typ würde er besiegen. Doch es war echt merkwürdig, die Kampf-Pokémon fegte Mr. Spook sonst einfach weg. Gengar bemerkte die Stimmung seines Trainers und sah kurz etwas verunsichert aus. Doch der Mann schüttelte sich aus seinen Gedanken zurück und rief erneut: „Psychokinese!“ Dabei zeigte er entschlossen auf das Lohgock. Genau im selben Moment gab auch die Trainerin einen neuen Befehl und die Pokémon gingen aufeinander los. Der violette Geist reagierte eine Sekunde zu spät, ungläubig verzog es sein Gesicht, als das Hahnenwesen mit vielen Feuerschlägen und Kicken auf es losging. „Weich aus!“, konnte Gengar nur noch seinem Trainer entnehmen, zwei Mal wurde er getroffen, die nächsten Male löste es sich zu Luft auf, wenn der Hahn nach ihm schlug oder trat. Er hatte kaum einen Moment zum Luft holen, doch dann war er verschwunden. Lohgock stockte kurz und hob sich plötzlich schreiend in die Luft, dabei wurde er hin und her geschleudert. Das unsichtbare Gengar ließ ihn immer wieder auf und ab steigen und Lohgock prallte jedes Mal hart auf den Boden. Nach einigen Malen, indem die Schläge immer stärker wurden, ließ Gengar das Lohgock zu Boden fallen und tauchte einige Meter hinter ihm auf. Sein Blick war grimmig und der Hahn regte sich kaum noch. Er war schwer verletzt.

Der Trainer biss die Zähne aufeinander. Er hatte Mitleid mit dem gegnerischen Monster, warum blieb es erst dermaßen schwerverletzt liegen? Es musste nun mehrere Knochen gebrochen haben. Seine Fassungslosigkeit versuchte der junge Mann zu unterdrücken, als sich das Lohgock nach einer Weile wieder versuchte aufzurappeln. Seine Trainerin zog es noch immer nicht aus dem Kampf und feuerte es noch an endlich aufzustehen, ehe es endgültig liegen blieb. Gengar sah auf seinen Trainer, welcher nur fassungslos den Kopf schüttelte. Auf der Tafel der Trainerin wurde ein Ball gestrichen, welche sich sichtlich darüber ärgerte. Sie zog das Hahnenwesen fluchend zurück in den Ball und gab dem nächsten Pokémon den Ring frei.

Ein Armaldo. Der Trainer zog die Brauen zusammen. Der Gestein-Käfer-Typ war genau richtig gewählt um seinen Partner endgültig zu besiegen. Dazu kam noch, dass Mr. Spook bereits angeschlagen war. Sie tauschten Blicke und sein Partner wollte es offensichtlich noch mit dem Monster aufnehmen.

Armaldo war ein großes Pokémon, was wie eine Mischung aus Gottesanbeterin und Dinosaurier aussah. Es hatte blaugraue Haut, welche rau erschien. Die Panzerung auf seinem Bauch war teils mit gelb abgesetzt sowie die warnende Musterung auf seinem Kopf. Auf seinen Schulterplatten waren zwei schwarze insektenförmige Flügel, mit denen es jedoch nicht fliegen konnte. Sie waren verkümmert und dienten nur noch zum Schutz des Monsters. Es stand auf zwei Beinen und hatte einen langen Hals, an welchem links und rechts drei scharfe Schuppen ab standen, die metallisch glänzten. An den Enden liefen sie rot aus, als hätte man die Spitzen zum Glühen gebracht. Seine Augen waren an der Seite des Kopfes, ähnlich die einer Gottesanbeterin und starrten böse auf das Geist-Pokémon herab. Dazu kam das gefährliche Drachenmaul hinzu. Seine dünnen Arme hielt es angezogen und am Ende waren zwei große, glänzende Klingen sowie auch am Ende seiner Rute. Es war eine Pokémon-Art die Wissenschaftler aus einem Fossil wieder auferstehen lassen hatten.

(Armaldo: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgQQAmmbpGfPpUud9)

Das Mr. Spook weiter kämpfen wollte, gefiel seinem Trainer nicht besonders, aber er gab ihm eine Chance. Die neue Runde wurde eröffnet. Die Trainer riefen gleichzeitig ihren Monstern etwas zu. Gengars Hypnose schlug erneut fehl. „Seltsam...“, dachte der Trainer, „Die Pokémon müssen unglaublich aufgebracht sein, damit die Hypnose nicht wirkt.“ Armaldo ging mit der Attacke Kreuzschere auf den Geist los. Der Trainer ballte die Hände, das Armaldo wirkte ebenso wütend wie das Lohgock. Warum nur waren ihre Monster so dermaßen aggressiv? Er schrie kurz auf, als der rundliche Geist getroffen wurde und sich am Boden wieder fand. Der Blauhaarigen stieß ein paar Fluchworte hintereinander aus. Das Gengar war schwer getroffen worden und hatte kaum Zeit sich wieder auf zu rappeln, als das Gestein-Käfer-Pokémon erneut auf es los rannte. Die Zuschauer schrien und feuerten jeweils ihr Favoriten-Monster an. Es stand über Gengar, welcher die Augen weit aufgerissen hatte, die Arme des Gegners waren zum Schutz ausgestreckt, als der Gegner zu schlug. Doch ehe eine Klaue den Geist treffen konnte, erschien ein violett-blauer Energiestrahl und das Pokémon wurde in letzter Sekunde zurück in den Ball gerufen. Teilweise kamen nun Buh-Rufe und Pfiffe aus dem Publikum. Doch der Trainer ließ sich nicht irritieren, mit zusammengezogenen Brauen stand er da und hielt den Ball mit Gengar an seine Brust. „Du wärst k.o. gewesen Kumpel, ich brauche dich vielleicht später noch. Gönn´ dir eine kurze Pause. Ich weiß nicht was mit den anderen Pokémon los ist, aber der Kampf wird noch hart...“, murmelte er zu dem Ball. Die Zuschauer tobten und der Moderator gluckste: „Was wäre nur passiert, wenn das Pokémon nicht zurück gezogen worden wäre? Wir wissen es nicht und sind auf das nächste gespannt!“ „Blöde Frage!“, schrie ihm der blauhaarige Trainer wütend entgegen, „Mr. Spook wäre drauf gegangen und zwar so mies wie das Lohgock gerade eben!“ Er war echt sauer, aber scheinbar schien es die anderen nicht zu verwundern, wie die Tarinerin mit ihren Pokémon umging und wie merkwürdig sich diese verhielten.

Die Blicke der Trainerin brannten auf dem jungen Mann, welcher einen neuen Ball in seiner Hand hielt. „Du Feigling! Dein Gengar ist einfach zu schwach!“, rief sie ihm lachend zu. Ihre Tonlage war provokant und sie schmiss ihre langen, blonden Haare zurück. Ihr Insekten-Dinosaurier in der Arena tobte wild und konnte es kaum abwarten, den nächsten Gegner gestellt zu bekommen. Der Mann schüttelte nur den Kopf. Ihre Monster schienen sich über den Kampf immer mehr in ihre Wut hinein zu steigern. „Von wegen Feigling, dir werd ich´s zeigen...“, murmelte er und schmiss den nächsten Pokéball, aus welchem sich ein Arkani entfesselte.

Sein reiner Feuer-Typ würde dem Käfer-Pokémon hoffentlich ordentlich einheizen. Ein anmutiges Monster. Mit der Höhe eines Pferdes. Seine Statur war eine Mischung aus Rottweiler und Löwe. Er hatte den Kopf eines Hundes und einen beige-gelben Fellkragen wie der eines Löwen. Längeres Fell wanderte über seine Wirbelsäule am Rücken entlang und wurde am Ende zu einem buschigen Schwanz. Es war sehr muskulös und sein orangenes Fell glänzte mit einem gestromten Muster in der Nachmittagssonne. Knurrend und mit geducktem Kopf stand es vor Armaldo.

(Beste Arkani Umsetzung von Renecambellart: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgQa8p6uegeouetIW
Die Zeichnung ist auch toll, von Arvanis, wobei mir der Kopf etwas zu viel „nach Löwe aussieht“: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgR0ZaBCY0Yunmx2n)

Die Trainerin lachte nur und zeigte auf Arkani. Sogleich griff das Armaldo wieder an und traf mit seinen Klauen. Das Feuer-Pokémon wurde gekratzt und zur Seite geschleudert. Auch es hatte einen Befehl bekommen und nun war es an Armaldo nah genug dran. Bei der Attacke Feuerzahn fing das innere seines Maules an zu glühen und es biss sich in dem langen Hals des Gegners fest. Arkanis Zähne schmolzen langsam in die raue, harte Haut von Armaldo. Das Gestein-Käfer-Monster schrie auf und wand sich hin und her. Erst nach einer Weile schaffte es Arkani mit einem weiteren Schlag seiner Klauen abzuschütteln. Geschickt wand sich dieses um seine eigene Achse und schleuderte das Hundewesen weg. Sogleich griff Armaldo mit Antik-Kraft an, eine Gestein-Attacke. Sollte Arkani davon getroffen werden, würde es starken Schaden nehmen. Der Trainer verzog die Brauen, so hatte er sich das nicht gedacht.

Jaulend flog Arkani weg, es blutete leicht, an den Stellen, an denen Armaldo es getroffen hatte. „Vorsicht, weich aus - „Jauler“ - spring von hinten auf und pack es im Nacken!“, rief ihm sein Trainer zu. Und genau das tat Arkani. Im letzten Moment sprang es zur Seite und wich dem riesigen Stein aus. Dabei jaulte es erneut laut auf, diesmal jedoch nicht wegen der Schmerzen, mit der defensiven Attacke steigerte es sich in den Angriff rein. Als es auf dem Boden auf kam, stieß es sich schnell erneut ab, in Richtung Armaldo, welcher durch den Fehltritt noch mit dem Rücken zu Arkani stand. Der Käfer-Dino drehte seinen langen Hals nach hinten, doch da krallte sich bereits das Arkani in seine Schulterblätter und biss in den langen Hals. Ein lauter Schrei entwich dem Gestein-Käfer-Monster, als sich die Zähne und Krallen von Arkani glühend durch seine Panzerung bohrten. Die Trainerin fluchte und befahl ihm die Attacke Felswurf. „Mist!“, fluchte der Trainer. Erneut ein Gestein-Angriff. Armaldo bekam mit seinem großen Maul das Hundewesen an seinen Hinterläufen gepackt, drehte sich einmal um sich selbst um Schwung zu holen und warf es mit voller Wucht gegen einen Felsen in der Arena. Laut und aggressiv brüllte der insektenartige Dinosaurier auf und stampfte mit den Füßen auf dem Boden, so dass die Podeste der Trainer leicht bebten.

Mit geballten Händen stand der junge Mann da, während die Trainerin nur hysterisch lachte. Oh... wie war sie ihm unsympathisch und er wurde sein mulmiges Gefühl nicht los, dass irgendwas mit ihren Pokémon nicht stimmte. Sonst waren die gegnerischen Trainer immer loyal beim Kämpfen, aber die brachte ihn zur Weißglut. Der Countdown zählte bereits runter und der Trainer schloss die Augen. Er musste sich wohl eingestehen, dass sein Arkani besiegt war. Manche seiner Fans bissen sich auf ihren Nägeln rum, andere schüttelten fassungslos die Köpfe, doch dann fingen sie an zu klatschen und feuerten das Hundemonster an. Gerade wollte der Trainer langsam den Ball in die Richtung seines Monsters heben, um es zurück zu ziehen, da hörte er ein Knurren. Arkani hatte kurz um Besinnung gekämpft und nahm nun seine letzte Kraft zusammen, um sich hoch zu rappeln. Kurz blickte es zu seinem Trainer. „Paulinchen...“, sagte er gerade so laut, dass es die Arkani-Dame ein paar Meter neben ihm hören konnte. Dann lächelte der Blauhaarige entschlossen. „Wenn das so ist: Den schaffst du noch!“, kam es zuversichtlich von ihm.

Die Menge in der Arena wurde lauter und der Moderator war fassungslos. Das Pokémon war so gut wie k.o. gewesen. Doch sein Trainer konnte in den treuen Augen des Arkanis lesen, dass es mit seiner letzten Kraft versuchen würde, Armaldo zu besiegen. Der junge Mann nickte und sagte nur noch ein Wort: „Feuersturm.“

Die Trainerin befahl ihrem Armaldo ebenfalls etwas und wollte, dass er dem Feuer-Typen zuvor kam, doch es war zu spät. Arkanis Mähne und Rute schienen nun in Flammen zu stehen, seine Augen glühten, ehe es sein Maul weit öffnete. Paulinchen entblößte einen riesigen Feuerstrahl. Der Dinosaurier stockte und hielt seine Arme schützend vor sich. Als das Feuer Armaldo traf spaltete es sich in fünf Richtungen. Alle rumorten bei dem gewaltigen Angriff und Stille kam auf. Die Hitze der Attacke konnte der Trainer deutlich spüren, ein heißer Wind wehte ihm - und auch den ersten Reihen im Publikum - ins Gesicht, ehe sich die Flammen langsam lichteten.

Armaldo stand in gleicher schützender Pose da, Arkanis Beine zitterten und es sah kraftlos aus. Langsam nahm Armaldo seine Arme runter und schrie. Der Blauhaarige hob nur beide Brauen. „Echt jetzt?“, entfiel ihm. Das Armaldo sollte bei der Feuerattacke definitiv zu Boden gehen. Hatte es Drogen oder so bekommen? Die Trainerin lachte und befahl ihrem Pokémon erneut mit den Klingen auf Arkani los zu gehen. Armaldo schrie noch einmal auf und wollte los rennen, ungläubig stand der Trainer da. Seine Arkani stand immer noch direkt neben ihm. Doch dann fiel Armaldo um. Es war einfach ohnmächtig geworden. Der Trainer hob erneut beide Brauen und der Countdown zählte runter. Noch immer hielt sich Arkani zitternd auf seinen Beinen. Dann wurde das Gestein-Käfer-Monster als besiegt gezählt und auf der Tafel der Trainerin wurde der zweite Ball gestrichen.

Der junge Mann schloss die Augen und atmete tief ein und aus. Durch einen erneuten Jauler seines Arkanis öffnete er seine Augen wieder. Paulinchen hatte keine Kraft mehr und brach ebenfalls zusammen. Sie wollte nur nicht aufgeben und das k.o. des starken Gegners abwarten, welcher gerade zurück in seinen Ball gezogen wurde. „Das gibt es ja nicht! Ein Doppel-K.o.! Arkani war zu geschwächt, als dass es hätte weiter kämpfen können!“, kam es von dem Moderator. Mit einem Lächeln auf den Lippen zog der Trainer sein treues Arkani zurück in den Ball und dankte ihm leise. Auch auf seiner Tafel wurde nun ein Ball gestrichen.

Die neue Runde wurde eingeläutet und er spielte wieder sein Gengar aus. Hoffentlich könnte es etwas Vorarbeit leisten, dann hätte er den Sieg so gut wie in der Tasche. Seine Gegnerin sah sehr verärgert aus. Sie könnte doch gar nicht verlieren! Dann legte sich ein fieses Grinsen über ihr Gesicht und sie gab ihr drittes Monster in den Kampf. Sie schmiss den Pokéball in Richtung des Wasserbeckens. Ein blauer Energiestrahl kam heraus und es materialisierte sich ein riesiges Pokémon, was unglaublich lang war. Die Länge der Wasser-Schlange wollte gar nicht mehr aufhören. Ein Garados. Eine Mischung aus Muräne und einem riesigen chinesischen Drachen ohne Beine. Seine Schuppen glänzten dunkelblau und es hatte ein giftig wirkendes Muster in rot und gelb abgesetzt. Viele scharfe Flossen liefen seinen Rücken herunter und endeten in einer fächerartigen Schwanzflosse.

Der Trainer seufzte unhörbar. Jetzt hoffte er wirklich, dass sein Geist etwas an Vorsprung gewinnen würde. Garados mit dem Typ Wasser-Flug war nicht gut für sein drittes Pokémon. Als erstes griff die übergroße, aggressive Muräne mit Biss an. Sein Gengar wich aus und schlug mit Psychokinese und Nachtnebel zurück. Was das Wasser-Pokémon nur anstachelte noch aggressiver zu werden. Kopfschüttelnd sah der Trainer dem Kampf zu und schrie immer wieder Befehle rein. Sein Gengar schlug sich gut, doch es war geschwächt, was er deutlich merkte. Das Garados schien viel schneller zu sein und erwischte das Geister-Gift-Monster ein paar Mal. Immer wieder wich Mr. Spook aus und attackierte mit seinen Spukbällen. Bis Garados sein Maul öffnete und ein mächtiger Wasserstrahl heraus zischte. Hydropumpe. Gengar wurde getroffen, prallte auf und wurde zu Boden gedrückt. Seinem Trainer gingen kurz die Emotionen durch und er schrie mit seinem Monster laut auf. Danach wurde es ruhiger und ein Murmeln ging durch das Publikum. Der Countdown wurde gezählt und Mr. Spook blieb wie ein durchsichtiger Schatten auf dem Boden liegen. Der Trainer zog es zurück und sah mit finsterem Blick auf die Trainerin, welche hysterisch lachte. Ihr Garados machte drachenartige Töne und grollte tief. Immer wieder hob es seinen Kopf und schrie in Richtung Himmel.

(Von Arvalis, total genial: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgQmh0qERkqU00-3Q
Der ist auch so geil: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgQrIXYPx8KVeMTCC)

Das Dritte Pokémon war auch das Letzte. Nun hatte auf den Tafeln jeder nur noch einen Ball. Verbissen sah der Trainer drein, als er sein letztes Monster in den Ring gab. Ein Stahl-Flug-Typ. Panzaeron war stark, jedoch hatte er einen großen Element-Nachteil. Sein Trainer ahnte, dass sein Stahlvogel unter gehen könnte.

(Panzaeron von Renecampbellart: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgQtpIK3vo172i4bs)

Panzaerons Federn glänzten metallisch in den letzten Strahlen der Nachmittagssonne. Das straußenartige Monster stieß einen blechernen Schrei aus und breitete seine Flügel aus. Gegen Garados wirkte es winzig. Sogleich wurde es mit einer weiteren Hydropumpe angegriffen, doch konnte dieser Attacke geschickt mit Agilität ausweichen. Mit dem Anlauf stieß es sich in die Luft empor, flog auf die Wasserschlange zu und griff mit Aero-Ass an. Garados wurde schwer getroffen, schrie auf und holte mit seinem Schwanz aus. „Nein, steig höher!“, rief der Trainer seinem Stahlvogel zu, doch dieser schaffte es nicht mehr so schnell an Höhe zu gewinnen und wurde von der Schwanzflosse des Riesen erwischt. Das war der Nassschweif gewesen, eine miese Wasserattacke, welche sich wohl so anfühlen müsste, als würde man von einem 10 Meter Brett springen und ungünstig mit dem Bauch auf der Wasseroberfläche aufkommen. Der Trainer verzog die Brauen. Panzaeron konnte sich mit einem Flügelschlag gerade noch so abfangen, dass es nicht komplett ins Wasser fiel und landete hart im Dreck. Noch so eine Attacke würde sein Monster wahrscheinlich nicht aushalten, ahnte der Trainer. Er verzog das Gesicht, als Panzaeron einige Meter über Steine und Schotter rutschte. Als es nun wieder aufstand sah man deutliche Kratzer und Dellen in seinem Stahlgefieder. Sein Trainer sah angespannt aus und rief erneut zur Attacke auf. Ein Steinhagel sollte die Muräne treffen. Panzaeron breitete seine zerkratzten Metallschwingen aus und wedelte so stark mit den Flügeln, das der Riesenmuräne Steine entgegenflogen. Garados´ drachenartige Haut bekam sichtlich Schrammen und an den Schuppen der Riesenmuräne lief Blut herunter. Seine Trainerin war davon gar nicht begeistert und man sah dem Flug-Wasser-Pokémon an, dass es ordentlich Schaden nahm. Es fing an zu toben und bekam einen Wutanfall, seine Trainerin lies die Sache einfach laufen, lachte auf und rief etwas während sie auf das Vogel-Pokémon zeigte.

Das Publikum grölte auf. Beide Monster waren stark geschwächt und kämpften mit ihren letzten Kraftressourcen. Garados traf Panzaeron mehrmals, was es nicht mehr rechtzeitig schaffte dem großen Maul und der riesigen Schwanzflosse des Wassermonsters auszuweichen. Verzweifelt setzte es die Attacke Frustration ein, was auch die drachenähnliche Muräne noch ein paar Mal traf. Der Trainer verzog die Brauen und stand so da, als ob er gleich selbst in den Kampf springen würde.

Seiner Meinung nach hätte Garados längst zu Boden gehen müssen, da es durch sein Gengar bereits geschwächt war. Durch die scharfen Klauen, klingenartigen Flügel und Stein-Angriffe des Panzaerons blutete es stark und das Wasser des Teiches färbte sich langsam rot. Doch es war gerade so, als würde das Wassermonster die Schmerzen gar nicht wahrnehmen. Dann wurde das Vogel-Pokémon erneut von Nassschweif getroffen und zur Seite geschleudert. Es lag am Boden. Sein Stahlgefieder war nun stark zerbeult und sah matt aus. Der Moderator redete aufgebracht, schnelle Sätze. Der K.o.-Countdown wurde runtergezählt. Nach und nach schaffte es das Panzaeron tatsächlich wieder, sich auf seine zwei langen Beine zu stellen.

Ein stählerner Schrei. Doch der Trainer erkannte wie schwach es war, seine Glieder zitterten und aus irgendwelchen Gründen schien das Garados seine Wunden nicht zu spüren. Es wirkte nur noch aggressiver. Das Publikum hielt die Luft an, als das Stahl-Flug-Monster nochmal aufstand. Der Trainer schüttelte kaum merkbar den Kopf, er war kurz davor seinen Stahlschnabel zurück zu ziehen. Auch Garados wirkte schwach. Würde es noch mehr Blut verlieren, würde es bald in Ohnmacht fallen. Aber sein Monster stand ebenfalls nur noch gerade so. Mit weit ausgebreiteten Flügeln, würde es verzweifelt versuchen sich zu verteidigen und Garados ließ auch nicht lange darauf warten. Weit öffnete er sein Maul, aus seinem Rachen sprudelte das Wasser hervor und wurde zu einer mächtigen Hydropumpe die es auf das Vogel-Pokémon ausstieß. Für den Trainer lief alles wie in Zeitlupe ab, er sah: Sein Partner würde nicht mehr ausweichen oder sich verteidigen können. Die Attacke wäre so stark, dass es das Monster wahrscheinlich nur schwer verletzt überleben würde. Wollte er das wirklich riskieren? Er würde das Leben seines Monsters aufs Spiel setzen, um der erste Platz werden zu können? Sein Monster vertraute ihm. Es würde immer wieder versuchen aufzustehen, um kampfbereit aus zu sehen. Nur für ihn. Um seinen Trainer nicht zu enttäuschen. Und nur um seinen erbarmungslosen Gegner einzuschüchtern. Die Zuschauer waren verstummt. Das würde definitiv ein K.o. geben, das Pokémon würde eventuell mit seinem Leben dafür bezahlen.

„Nein!“, rief der Trainer und machte eine schnelle Bewegung. Wieder kurz bevor die Hydropumpe das Monster treffen konnte, zog es der Pokéball in sein Inneres zurück. Die Attacke traf den Felsen so stark, dass dieser in Einzelteile zerbarst.

Die Zurufe und die Pfiffe nahm der junge Mann nicht mehr wahr. Seine Hand umklammerte feste, zitternd den Pokéball. Er hatte seine Augen geschlossen und seinen Arm ausgestreckt, welchen er langsam sinken ließ. Auf der Tafel seiner Seite, wurde der letzte Ball durchgekreuzt und in dem Kasten, wo soeben noch ein Portrait seines Monsters war, erschien der Schriftzug „Verlierer“. Der Moderator kommentierte, dass der Kampf aufgegeben wurde und es wohl besser so gewesen war.

Blinzelnd sah der junge Mann auf. Die Trainerin rief ihm etwas zu, was er nicht richtig wahrnahm. Seine Fans waren still. Manche hatten ihre Hände an den Mund gehoben, andere heulten, manche schwenkten mit Fahnen, ehe sie laut anfingen zu jubeln und zu applaudieren. Er und seine Monster hatten es reichlich verdient. Mit hochgezogenen Brauen wanderte sein Blick über die Arena und die Zuschauer. Ein dicker Kloß bildete sich gefühlt in seinem Hals und er merkte wie er um Beherrschung ringen musste. Er war so nah dran gewesen und hatte doch verloren. Dann jedoch lächelte er zu seinen Fans, das Gefühl die richtige Entscheidung für sein geliebtes Pokémon getroffen zu haben, war besser als zu gewinnen. Er bekam starken Applaus, obwohl er verloren hatte, wie noch keiner zuvor in diesem Cup.

Nun ging auch das Garados zu Boden. Die Trainerin war zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie es früher in seinen Ball zurückgezogen hätte. „Es benötigte dringend eine Verarztung in einem Pokémon-Center“, dachte der junge Mann, doch er würde sich da jetzt nicht einmischen, die Trainerin wurde bereits von anderen ermahnt. Er atmete tief ein und hielt kurz Inne, ehe er sich umwand und das Podest herunter stieg. Mit einem tiefen Seufzer versuchte er seinen Frust der Niederlage auszuatmen. Jetzt könnte er noch um den dritten Platz kämpfen...


Durch den Vertania Wald

Es war Mittag. Er lief durch den Vertania Wald und würde hoffentlich bald die gleichnamige Stadt Vertania erreichen. Der junge Mann war hoch gewachsen und hatte seine saphirblauen, halblangen Haare notdürftig zur Seite gekämmt. Der kühle Wind ließ ihn frösteln und er zog erst den Reißverschluss seiner grauen Hoodie-Jacke und dann den seiner dunklen Lederjacke zu. Trotz allem bekam er eine Gänsehaut.

Der Weg nach Alabastia zog sich ganz schön. Vielleicht hätte er doch besser mit dem Bus weiter fahren sollen, dachte er sich mürrisch. Warum hatte er sich nochmal entschieden zu Laufen? Ach ja richtig, weil er einen freien Kopf bekommen wollte und Bus- und Bahnfahren eigentlich hasste. Seufzend ließ er seinen Kopf hängen und der Wind zog ihm in den Nacken, worauf er auch sein Halstuch, mit dem Hahnentrittmuster, enger zog. Mit einem Tagesmarsch war er jedenfalls nicht hingekommen und dummer Weise stand sein Auto in Saffronia. Sein Motorrad hatte er in dem Dorf Alabastia zurück gelassen. Eine schlechte Entscheidung. Leute die ihn aufhalten konnten, weil sie ihn zu einem Kampf auffordern würden, ging lieber aus dem Weg.

Sein Panzaeron, der einzige Flug-Typ in seinem aktuellen Team, hatte einen so harten Kampf hinter sich, dass es trotz der Verarztung im Pokémon-Center eine längere Pause benötigte. Es war eines seiner neuesten Pokémon. Stahlschnabel, so war sein Name, hatte im Hypercup viele Gegner besiegt und sich richtig gut geschlagen. Nur mit finsterem Blick, konnte er an seinen vorletzten Kampf zurück denken.

Sein Plan mit Stahlschnabel zurück zu fliegen, ging jedenfalls nicht auf und da er so schnell wie möglich nach Alabastia wollte, hatte er keine weitere Pause im Pokémon-Center eingelegt, sondern war weiter gezogen. Es war die falsche Entscheidung gewesen, denn dadurch musste er die letzte Nacht im Wald schlafen. Zum Glück hatte er seine Arkani-Dame dabei, mit dem Feuer-Pokémon war das Lagerfeuer machen ein Leichtes und beim Schlafen hatte sie ihn gewärmt. Sein Geist-Partner Mr. Spook stand gerne die ganze Nacht wache. Mittlerweile lag das letzte Center schätzungsweise so weit zurück, wie das Nächste vorweg.

Langsam wurde der Rucksack auf dem Rücken des jungen Mannes immer schwerer und er stöhnte, denn mit mit seinen Füßen war es ähnlich. Vielleicht lag es auch daran, dass er weder für sich noch für seine Monster etwas zu Essen hatte. Genervt pustete sich er sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und er merke, wie die schlechte Laune mehr und mehr in ihm aufstieg. „Wenn der Akku von meinem scheiß Pokédex nicht auch noch leer wäre, wäre ich hier wahrscheinlich schon längst draußen!“, motzte er laut zu sich selbst, er war sich sicher, dass ihn keiner hörte. Sein Pokédex war das neueste Modell auf dem Markt und beinhaltete unter anderem ein Navigationssystem. Genervt nahm er das schmale, klappbare Gerät aus seiner Tasche und drückte länger auf den Startknopf. Immer fester und noch fester, doch nichts tat sich. Er zog seine Brauen zornig zusammen und hob seinen Arm. Er blieb stehen und spielte mit dem Gedanken das dumme Teil einfach gegen einen Baum zu werfen, da öffnete sich ein Pokéball an seinem Gürtel.

Der blau-violette Energiestrahl setzte sich mit einem rauschenden Zischen vor ihn und sein Gengar starrte ihn an. Der Trainer stockte und sah in die kleinen, ausdruckslosen Augen des Geist-Pokémon. Es konnte seine Gestalt verändern, von gruselig zu fast niedlich, dazu gehörte, dass es sein Gesicht je nach Bedarf anpassen konnte. Mit einem resignierenden Seufzen, lies er seinen Arm wieder sinken und steckte seinen Pokédex zurück in die Jackentasche. In dem Moment öffnete sich der Mund des Pokémon und formte sich zu einem nahezu riesigen Grinsen. Der Trainer musste bei diesem Anblick einen Mundwinkel leicht heben, was ihm ein verschmitztes Grinsen gab und schüttelte leicht den Kopf. Er fand Gengar schon lange nicht mehr so furchteinflößend wie andere, wahrscheinlich lag es unter anderem daran, dass er den Geist schon sehr lange an seiner Seite hatte. Das Monster war ein super Partner, jedoch hatte es auch seine ganz eigenen Ansichten, was nicht zuletzt daher kam, dass Gengar sehr intelligent war. Im Training wurde er immer stärker, seine Grenzen waren noch lange nicht erreicht. Nebenbei war es wohl seine größte Leidenschaft, andere zu ärgern, davon blieb auch sein Trainer nicht verschont.

„Was ist los? Du bist doch sonst nicht so unausgelastet. Könnte es an deinem knurrenden Magen liegen? Wir haben uns nicht etwa wieder verlaufen? Oder… sollte ich besser fragen: Hast du dich wieder verlaufen... Trainer?!“, ertönte eine verzogene Stimme in den Gedanken des jungen Mannes. Gengar hatte früh gelernt, seine Gedanken zu übertragen. Zumindest wenn sein Trainer dies zu lies.

„Spooky-Baby, nerv mich jetzt nicht. Ich will hier einfach nur raus!“, antwortete der Mann und warf einen genervten Blick nach oben. Die Bäume des Waldes waren so hoch gewachsen, dass sie kaum Licht durch ließen. Gengar verging das Grinsen und sein Blick wurde finster. „Spooky-Baby“, schnarrte er in die Gedanken des Mannes, „Wie oft hatten wir das Thema, dass ich so nicht genannt werden will? Ich kann nichts dafür, dass du dein Ziel im Hypercup nicht ganz erreichen konntest.“ Das Monster fing an zu schweben und drehte sich in der Luft kopfüber, um seinem Trainer tief in die Augen zu blicken. Dieser atmete langsam ein und aus, um sich zu beherrschen, Gengar hatte ein empfindliches Thema angesprochen.

„Außerdem habe ich auch Hunger. Ich könnte einfach deine Seele verspeisen“, schnarrte Mr. Spook und langsam hob der Trainer eine Braue. „Du wärst danach nur total überfressen und noch irrer als du jetzt schon bist“, antwortete er, „Und wie oft hatten wir das Thema, das mit der Alten – oder viel mehr mit derer Pokémon – irgendwas nicht gestimmt hat?! Und jetzt hör auf mich zu nerven.“ Dann wand er sich ab. „Weißt du wie es hier raus geht? Ich war schon viel zu lange nicht mehr in diesem Wald…“, sprach er abgewandt zu Gengar, welcher sich wieder sich wieder richtig herum drehte und mit schlaff hängenden Armen und Beinen hinterher seinem Trainer schwebte. Der Geist gab einen gruselig verzerrten Ton von sich, ehe er wieder in Gedanken sprach: „Woher soll ich das wissen? Naja... immerhin kann ich nicht verhungern.“ „Du könntest einfach mal nach oben schweben und schauen, wo´s hier raus geht, Spook“, sagte sein Trainer mit genervter Tonlage, welcher weiterhin durch das Gestrüpp stolperte. Kurz sah er über seine Schulter, ob ihm Gengar noch folgte. Ja, das tat er, aber er schüttelte seinen Kopf und formte sein Gesicht schließlich zu einer Grimasse, ehe er ihm seine lange, schlabberige Zunge entgegen streckte. „Wag es nicht, mich zu paralysieren!“, stieß der junge Mann aus und hob seinen Finger warnend, „Ich kann dich auch einfach in dem Wald aus...“, sprach der Trainer, hielt jedoch inne, weil er etwas gehört hatte. Auch Gengar stockte und zog die Zunge wieder ein. Scheinbar hatte er es auch vernommen. Eine Stimme. Eine Frauenstimme. Nachdem beide erst in die gleiche Richtung geguckt hatten, sahen sie sich nun an und gingen ohne ein weiteres Wort einstimmig in die Richtung.

Der Mann rümpfte die Nase, ein übel riechender Geruch wurde immer stärker. Und Tatsache, da stand eine junge Frau. Als sie sich umdrehte verschwand Gengar schnell, das tat er immer. „Hey!“, sagte die rothaarige Frau, welche scheinbar noch sehr jung war und der Trainer schätzte sie höchstens auf 20. „Wer bist du?“

„Ehw... das gleiche wollte ich dich auch gerade fragen...“, sagte er und hob zur Begrüßung kurz seine Hand, ehe er ein charmantes Lächeln aufsetze und seine Brauen schief legte. Doch sogleich verzog sich seine Mimik wieder, irgendwas roch hier extrem streng und bitter, es konnte doch nicht von dem Mädchen kommen… oder doch?

Die junge Frau formte ihre Lippen zu einem kleinen Punkt, während sie ihre langen, gelockten Haare mit einer Kopfbewegung zur Seite warf und die Arme kreuzte. Skeptisch sah sie den Größeren an. Andere Mädchen in ihrem Alter wären bei seinem Auftreten wahrscheinlich bereits dahin geflossen, doch sie ließ sich nicht so schnell beeindrucken. „Das ist sehr unhöflich von dir! Ich habe zuerst gefragt! Schleichst du dich eigentlich immer an andere von hinten ran?“

Der junge Mann hatte seinen Blick an ihr hoch und runter wandern lassen – sie hatte tolle Beine, mit ihrer gekringelten Strumpfhose betonte sie diese besonders. Ihr Mantel war sehr weit geschnitten und so lang, dass man nicht wissen konnte, ob sie darunter einen kurzen Rock oder eine kurze Hose trug. Dann hob er mit einem frechen Grinsen eine Augenbraue, was ihn durchaus etwas arrogant wirken ließ und sprang den kleinen Absatz, auf dem er stand, herunter. Doch auch jetzt wo sie ebenerdig standen, war er noch ein gutes Stück größer als sie. „Ich wollte nur nachsehen, woher die Selbstgespräche kommen. Hi auch, ich bin Seffe.“

Die Rothaarige hatte seine Blicke bemerkt und tat das selbige. Mit ihren stechend-grünen Augen musterte sie ihn von oben bis unten. Seine Figur war schmal und die Sachen die er an hatte, wirkten wie eine Notlösung, gegen das plötzlich wieder kühle Wetter. Dazu fiel ihr der übergroße Rucksack auf seinem Rücken auf und dass er Tunnel in den Ohrläppchen hatte sowie ein schmales Septum-Nasenpiercing. „Seffe? Komischer Name“, murmelte Sie, irgendwie kam er ihr so bekannt vor. „Selbstgespräche? Das sagt ja wohl der Richtige!“, kam es direkt danach mit aufmüpfiger Stimme und das Mädel rümpfte die Nase. „Du warst der, der mit sich selber gesprochen hat! Du bist komisch!“

„Quatsch...! Ich habe mit meinem Pokémon diskutiert...“

„Ein Pokémon diskutiert nicht.“

Er rollte kurz mit den Augen. „Wenn du wüsstest...“

„Ich habe auch kein Pokémon gesehen. Nur dich.“

„Du hast mich beobachtet?“, er verzog das Gesicht, ihre Argumente kamen zu schnell, als dass er sich richtig hätte wehren können. „Du hast mir auch immer noch nicht deinen Namen genannt“, sagte er nun mit tieferer Stimme. Dann sah er sich erneut um, der Geruch wurde schwächer, aber lag immer noch in der Luft.

„Wieso sollte ich dich beobachten? Hab dich nur da rum irren sehen und bin dann hier her gegangen, zu dem niedlichen Duflor *.“

(* Pokédex: Duflor. Die erste Entwicklungsstufe von Myrapla. Es ist ein Pflanzen-Gift-Pokémon. Duflor hat einen lila-bläulichen kugeligen Körper, mit zwei dünnen Beinchen und Ärmchen. Auf dem Kopf hat es orangefarbene Blätter, welche aussehen wie Haare, die zu allen Seiten abstehen und es knuffig wirken lassen. Auf den Blättern, welche schon etwas welk wirken, wächst eine Blume heran, mit vier kugeligen Geschwülsten, welche gemustert sind wie ein Fliegenpilz. Wenn man die Blüte anfasst, fühlt es sich auch genau wie ein solcher an. Sein Blick ist immer verschlafen und meistens sieht es so aus, als würde es sabbern. Was aus seinem Mund läuft ist jedoch ein übel riechender Honig. Viele ekeln sich vor diesem Geruch, jedoch hat dieser Honig heilende Kräfte.)

„Ach was...“, meinte Seffe, das erklärte ihm auch endlich diesen strengen Geruch. „Ich bin komisch und du redest selber mit einem Duflor?“

„Ja, ich brauchte seinen Saft.“

„Du meinst seine Sabber?“, kam es leicht angewidert von ihm. „Und ich bin komisch?“, fragte er erneut. Kurz blinzelten sie sich an, ehe die junge Frau ihre Arme kreuzte und ihm stechende Blicke zuwarf.

„Wie dem auch sei... namenloses Mädchen... weißt du wie es hier raus geht?“ Kurz hielt Seffe inne und holte tief Luft. Es war ihm unangenehm, aber er gab es zu: „Ich hab mich verlaufen und hab keine Ahnung mehr in welche Richtung ich muss...“

Die junge Frau sah ihn abweisend an. „Das habe ich gesehen. Hast du denn keinen Pokédex? Du bist doch ein Trainer, oder?“ Seffe winkte genervt ab. „Lassen wir die Sache mit dem Pokédex einfach.“ Kurz darauf ertönte ein fieses, verachtendes Lachen, worauf Seffe kurz sein Gesicht verzog, dann ging er wieder in sein charmantes Lächeln über. Das war wohl sein schadenfrohes Gengar gewesen.

„Was...? Was war das?“, fragte die Rothaarige nun verunsicher und sah sich ängstlich um. Im nächsten Moment schnaufte Seffe genervt. „Jetzt halt doch endlich mal deine blöde Klappe!“

Der Blick der jungen Frau, durchsuchte soeben noch den Wald und fiel nun fassungslos auf Seffe. „Bitte?! Geht´s noch?“

Dieser hob sofort schlichtend die Hände. „Oh, ich meinte nicht dich, sondern Mr. Spook!“ Der Blick des Mädchens wurde immer stechender und er sprach schnell weiter: „Das ist mein Gengar, er kommuniziert mit mir per Gedankenübertragung…“ Die andere kreuzte ihre Arme, worauf Seffe seufzte und sie bittend ansah. „Eigentlich will ich hier einfach nur raus. Ich wander` schon seit gestern hier rum und bald wird es wieder dunkel und ich habe wahrlich keine Lust noch eine Nacht im Wald zu pennen. Außerdem habe ich echt richtig Hunger und meine Monster wahrscheinlich auch und … und mir tut der Rücken weh. Kannst du mir also bitte die Richtung sagen?“

Die rothaarige Frau ging ein paar Schritte zurück. „Du bist komisch... du hörst Stimmen und hast ein Gengar“, stellte sie für sich fest. Und warum kam er ihr so bekannt vor?

„Von mir aus: Dann bin ich halt komisch, weil ich ein Gengar habe. Ist mir auch egal. Aber du siehst aus, als ob du dich hier auskennst.“ Seffe hob beide Augenbrauen und obwohl er bei Frauen dann meist gut ankam und mit seinem schiefen Lächeln Herzen brechen konnte, ging die Rothaarige in keinster Weise darauf ein. Sie rümpfte nur die Nase. „Ein Gengar...? Dieses … … Geist-Pokémon?“ Sie nahm beide Arme um sich, als ob es sie fröstelte.

Seffe blinzelte nur, schon wieder hatte er keine Antwort auf seine eigentliche Frage erhalten. Er seufzte und versuchte sich in seinem Tonfall zu beherrschen, seine Geduld war ohnehin schon dem Ende nahe. „Mr. Spook ist okay, er tut niemandem etwas. Wie komme ich aus dem Wald?“ Doch gerade als er Gengars Unschuld verteidigte, bildete sich violettfarbener Nebel hinter dem Mädchen und langsam materialisierte sich das Monster daraus. Sein Blick war grimmig, aus kleinen roten Augen funkelte er sie von hinten an, bis er in sein gewohntes Grinsen überging. Gengar holte Luft und hauchte, mit seinem eiskalten Atmen, in den Nacken der jungen Frau, ehe es wieder verschwand. Die Rothaarige drehte sich fiepsend um. Doch da war nichts. Ebenso schnell wand sie sich wieder zu dem Trainer. „Diese Geist-Pokémon sind widerliche Viecher! Die Elementare sagen viel über den Charakter der jeweiligen Trainer aus! Ich bin froh, dass die Geister hier nicht überall im Wald spuken! Und jetzt kommst du mit einem Gengar an! Ich wusste gleich, dass mit dir etwas nicht stimmt!“ Erneut konnte Seffe nur tief seufzen und sah zur Seite.

„Von mir aus könntest du hier mit deinem Pokémon im Wald verrotten! Aber ich will nicht, dass hier Geister sind, also werde ich dir den Weg sagen.“ Seffe hob nur eine Braue und meinte mit flüchtiger Handbewegung: „Oh man, dein Charme haut mich um.“ Er dachte nur, wie wundervoll es doch wäre, wenn sie ihm endlich den Weg sagen und er sie wieder loswerden würde. Ihre niedliche Erscheinung hatte ihn getäuscht, denn sie war äußerst anstrengend.

„Aber vorher...“, sprach die Rothaarige mit erhobenem Finger weiter und Seffe blickte sie fragend an, „... kämpfen wir! Wenn du gewinnst zeige ich dir den genauen Weg und bringe dich zum Pokémon-Center. Wenn nicht, zeige ich dir nur die Richtung.“

Er rollte mit den Augen und stöhnte leise. „Echt jetzt?“, kam es genervt von ihm. Na gut, wenn sie sich denn so sträubte und er mit Freundlichkeit und Charme nicht weiter kam, dann könne er auch seine andere Seiten zeigen. Er war die Kleinen jetzt schon leid, noch dazu hielt sie ihn auf und als ob das nicht reichen würde, machte sie ihn und sein Gengar auch noch blöd an. Abgesehen davon hatte er furchtbaren Hunger, damit ließen sich die ganzen Frechheiten nur noch schwerer ertragen. Seffe sah wieder zu dem Mädchen, doch diesmal anders, sein Blick war kühl und er schob seine Brille zurück. „Ich kämpfe jetzt also um einen Spaziergang mit der Unnahbaren?“, fragte er zynisch und klang fast gelangweilt, „Sollte ich mich etwa geschmeichelt fühlen, dafür, dass du mich so komisch findest?“ Die junge Frau stemmte ihre Hände in die Hüfte und sah ihn strafend an. „Aber nicht, dass du dann plötzlich Händchen halten willst, weil du Angst vor Mr. Spook hast“, lachte er gestellt und sah auf sie arrogant herab.

Das Mädchen verengte die Augen. „Mit Sicherheit nicht mit so einem Schnösel!“ Diesmal lachte Seffe richtig, denn Schnösel hatte ihn noch keiner genannt. „Mädel, ich weiß nicht... willst du mir nicht einfach so den Weg zeigen? Du wirst untergehen“, kam es von ihm unbeabsichtigt mit abwertender Note, denn er war sich ziemlich sicher, dass sie eine Anfängerin war, nicht nur wegen ihres Alters. Sie blöffte und war unfreundlich, weil... „Ja, warum eigentlich?“, schoss es ihm kurz durch den Kopf. Er hatte ihr doch nichts getan. Vielleicht hatte sie einfach nur einen schlechten Tag.

Die junge Frau merkte, wie sie innerlich zu beben begann. Seine Arroganz machte sie gerade rasend und lachte er sie etwa aus? „Das werden wir noch sehen! Wir kämpfen ohne Items!“, kam es bestimmend von ihr.

Seffe schaute nun ernst drein und kreuzte die Arme, in dem Moment erschien der violette Nebel neben ihm und Mr. Spook zeigte sich das erste Mal dem Mädchen. Sein Trainer hatte ihn in Gedanken gerufen und er wollte den gekonnten Auftritt keinesfalls versauen. Außerdem war die Kleine sehr vorlaut, so etwas war ihnen nur selten über den Weg gelaufen. Gengar starrte die Rothaarige aus leeren, kleinen Augen an, er hatte seine hässlichste Gestalt angenommen und wirkte extrem angsteinflößend. Sein Leib zitterte kurz und er gab ein ekelhaftes Murren von sich. Er bemerkte, wie genervt Seffe war, die Stimmung seines Trainers übertrug sich eins zu eins auf ihn. Doch vielleicht könnte der Kampf spannend werden. „Okay“, sagte Seffe tonlos und sah die Rothaarige so neutral wie möglich an. Irgendwie konnte er nicht abstreiten, dass er sie total niedlich fand, so unsicher, wie sie nun sein Pokémon anstarrte. Aber sie hatte es nicht anders verdient.

Das Mädchen hatte bald ihre Angststarre gegenüber Gengar überwunden und zog einen Pokéball aus ihrer Tasche. „Du hast nicht nur einen furchtbaren Geschmack, was dein Pokémon angeht, du bist scheinbar auch ziemlich von dir selbst überzeugt! So arrogant wie du, muss man erst mal werden. Aber gut... Zeig was du drauf hast...“ Sie schloss ihre Augen und schmiss ihre Haare mit einer Kopfbewegung nach hinten. „Wie viele Pokémon willst du einsetzen?“, fragte sie.

Seffe setzte sein selbst gefälligstes Grinsen auf und hob leicht den Kopf, dabei machte er eine fließende Handbewegung. „Je nachdem wie lange du kämpfen willst. Aber meist sind die Niederlagen der anderen schneller als sie gucken können.“

Die junge Frau schnaufte, seine Überheblichkeit machte Sie wütend … oder schwang er keine großen Reden, sondern war einfach gut? Innerlich war sie aufgebracht und ärgerte sich über ihn, dennoch weckte seine kühle Art ihr Interesse. Immerhin bot er ihr die Stirn und zog nicht einfach ab, wie die meisten anderen Typen. Kurz schüttelte sie ihren Kopf, um ihre Gedanken los zu werden. „Gut, dann kämpfen wir zwei Runden, Monster gegen Monster. Das erste was wir wählen, darf nicht mehr getauscht werden. Ein Tausch gilt als Niederlage. Es wird also nicht gewechselt und solange gekämpft bis ein Pokémon k.o. ist. Dann kann man sich zu einem Wechsel entscheiden oder mit dem Pokémon weiter kämpfen. Bei einem Gleichstand wird noch ein Kampf ausgeführt.“

Der Blauhaarige zuckte kurz mit den Schultern. „Du hast viel Zeit allein im Wald gehabt, um dir solche Regeln aus zu denken, was? Aber in einer Sache kannst du dir sicher sein, es wird keinen Gleichstand geben“, spottete er mit leichtem Grinsen und sah zu Gengar. „Mein erstes Pokémon kennst du bereits und mit ihm werde ich die erste Runde gewinnen ... und bitte lass es nicht langweilig werden und suche ihm einen ebenbürtigen Gegner aus.“ Gengar kicherte, und schwebte vor seinen Trainer. Er ging in Kampfposition und stieß ein schrilles Lachen aus, was im Wald verhallte.

Die junge Frau verzog die Brauen und schmiss ihren Pokéball. „Ich habe gewählt.“ Jetzt würde sich heraus stellen, ob es nur ein arroganter Schwätzer war. Der rosafarbene Ball hatte ein Herzchen drauf und öffnete sich. Ein pinker Energiestrahl formte die Silhouette ähnlich die des Gengars. Ein blass-rosanes Pixi stand nun im Kampfkreis. Es blinzelte und piepte, hob dann unschuldig eine Hand an den Mund. Es hatte anstelle der teuflischen Ohren wie sein Gegenüber, niedliche, lange Öhrchen, mit dunkleren Spitzen. Anstelle der Zacken auf dem Rücken hatte es süße, feenartige Flügel.

(Für Pixi hab ich leider kein brauchbares Bild gefunden, falls einer von euch eins hat, schickt es mir zu. :)
https://www.youtube.com/watch?v=3SQlr43Arng Erstmal die klassische Kampfmusik!
Hab von Ayron hier aus`m Forum die Idee übernommen, es lohnt sich auch bei seiner Story reinzuschauen ;))


Kurz lachte Seffe auf, als das gegensätzliche Pixi vor Gengar stand. „Nicht dein Ernst... aber gut. Ladys first.“ Charmant lächelte er, als ob er ihr irgendwelche Chancen zum Gewinnen lassen würde. Das Mädchen hob die Hand, „Lotta, setz deinen Charme ein und danach den Bitterkuss!“

„Oh wie unglaublich niedlich! Mr. Spook, du muss aufpassen, dass du dich nicht verliebst“, kam es ironisch und mit verstellter Stimme von Seffe. Sein Gengar ließ sich von Pixis Charme nicht im Geringsten beeinflussen, angeekelt ging es ein paar Schritte zurück und als Pixi es küssen wollte löste es sich zu Luft auf. Es tauchte schwebend über dem rosafarbenen Pokémon auf und stieß einen angewiderten Ton aus, dabei umarmte es sich selbst und schüttelte sich, worauf Seffe erneut lachen musste. Pixi wand sich verwirrt zu ihrer Trainerin, welche nun sichtlich wütend wurde, da die beiden sie verarschten.

„Genug mit dem Mädchenkram!“, rief Seffe seinem violetten Monster zu, „Spukball!“ Von Gengar ging eine kurze Druckwelle ab, die Bäume erzitterten und die Blätter wehten im Wind. In dem Moment schien die Dunkelheit die restliche Nachmittagssonne zu fressen und das Geist-Pokémon formte in seinen Händen einen violett-schimmernden Ball, der sein Gesicht von unten anleuchtete und es langsam zu Grinsen begann. So wirkte Gengar noch gruseliger. Dann schoss es den gefährlich schimmernden Ball auf die Fee zu. „Nein, weich aus Lotta!“, rief das Mädchen und Pixi sprang direkt zur Seite. Doch als hätte es Gengar erwartet, lenkte es im letzten Moment, mit einem abstoßenden Schrei, die Kugel um. Das rosa Monster hatte sich nochmal umgesehen und hielt schützend seine Pfötchen vor sich. Es versuchte standhaft zu bleiben und die Kugel zurück zu stoßen, doch es rutschte nur weiter nach hinten.

Seffe zog seine Brauen zusammen und Gengar stieß noch einen Schrei aus, die Kugel, die gerade zu verblassen schien, glühte nun wieder auf sowie auch die Augen des Geistes und Pixi wurde schließlich umgestoßen.

Sein Trainer grinste geheimnisvoll und Gengar lachte, wobei es tief in seinen Rachen blicken ließ. Die nun spitzen Zähne blitzen in seinem Mund auf und seinen Rachen herunter, sogar in seinem ganzen Hals, konnte man die Zahnreihen sehen. Pixi blieb, wie auch ihre Trainerin, kurz gebannt stehen und sie sahen mit großen Augen den Geist an. Gengar blickte nun auf beide herab, dabei hatte er einen mindestens genauso selbstgefälligen Blick wie sein Trainer drauf. Er genoss die ängstlichen Blicke. „Psychokinese“, sagte Seffe leise und durchbrach somit die kurze Stille. Sofort hob Mr. Spook seine Hände und wackelte mit gekrümmten Fingern in der Luft herum, dabei leuchteten seine Augen gefährlich. Lotta wurde wie aus Geisterhand hoch gehoben. Sichtlich versuchte sie dagegen anzukämpfen, doch das Feen-Pokémon war in den Fängen von Gengar. Seffes Blick war finster und er sah konzentriert auf sein Pokémon. Langsam hob er eine Hand und ballte sie im nächsten Moment zur Faust. Ohne, dass er ein Wort gesagt hatte, tat sein Monster das Gleiche und Pixi schrie laut auf. Das Mädchen hob beide Hände vor den Mund und schüttelte leicht den Kopf. „Nein, Lottchen! Halte durch! Versuch dich zu befreien!“ Pixi schrie voller Schmerzen erneut auf und ein paar Tränen rollten ihre zarten, rosafarbenen Wangen herunter. Sie zappelte und kämpfte gegen die Psychokinese von Mr. Spook an. Dieser ließ nicht locker und sah sichtlich angespannt aus. Bis Seffe die Arme kreuzte. „Es reicht“, sagte er tonlos und Pixi fiel zu Boden. Dem rothaarigen Mädchen standen wie ihrem Pokémon Tränen in den Augen.

„Lotta... es tut mir so leid...“, gerade hob sie den Ball und wollte das Feen-Pokémon zurückrufen, da stand Pixi wieder auf. Es wischte sich die Tränen weg und strotzte Gengar mit einem schrillen Schrei. Seffe kniff dabei kurz ein Auge zu und Mr. Spook schüttelte sich. „Wenn das so ist... setz dem ein Ende, Spook. Ein weiterer Spukball sollte genügen“, kam es von ihm. Sein Zusammenspiel mit Gengar im Kampf war so einnehmend, dass die Rothaarige nur noch mit offenem Mund zuschauen konnte. Der Geist fing erneut an eine leuchtende Kugel zu formen und feuerte sie ab, da rief die junge Frau rein. „Komm ihm zuvor mit Psychoschock!“ Das Pixi holte in einer schneller Bewegung aus, faltete seine Hände und schoss daraus einen pinken Strahl. Erstaunt riss Seffe die Augen auf, ehe er oder Mr. Spook auch nur reagieren konnte wurde sein Partner davon getroffen. Die Psycho-Attacke des Pixis ging durch den Spukball hindurch und stieß Gengar so weit zurück, bis es an einem Baum halt fand. Mr. Spook stöhnte auf und rutschte ein Stück den Stamm herunter, ehe er sich fing und wieder in der Luft schwebte. Die Psycho-Attacke war mies, da ihr Schaden höher wurde, je stärker das angegriffene Pokémon war. Gengar sah finster drein, während es ein paar Mal nach Luft schnappte. Gerade wollte sein Trainer den Befehl zum nächsten Angriff geben, als ihm die Rothaarige erneut zuvor kam. „Erholung, Lotta!“

Lotta war schon ziemlich am Ende. Es konzentrierte sich und fiel in den Schlaf. Seffe hob eine Braue, er wusste der Schlaf würde nur sehr kurz anhalten, also musste er direkt reagieren und lachte auf. „Du hattest doch Hunger, Mr. Spook.“ Die Augen des Mädchens weiteten sich. Das musste die Attacke Traumfresser sein. „Nein... das ist so hinterhältig!“, schrie die junge Frau und stampfte mit dem Fuß auf. Das violette Pokémon lachte schrill auf und wurde auf dem Weg zu Pixi zu Nebel. Es ließ sich in nur einen Atemzug von diesem inhalieren. „Stimmt! Hinterhältig und super! Das war wohl ein Eigentor!“, gluckste Seffe und grinste dabei. Die Trainerin schüttelte wütend und fassungslos den Kopf, dabei flogen ihre langen roten Haare um sie herum. „Nein! Lotta wach auf!“ Und ehe sie es ganz aussprechen konnte, nieste das Pixi und vor ihm erschien mit einem „Fup“ das Gengar. Mit geschlitzten Augen starrte es Pixi an, seine Grimasse war unheimlich verzogen. Lotta blinzelte noch etwas schläfrig, doch man sah ihr schon an: Gut hatte sie nicht geträumt. Mr. Spook hatte ihre Träume gefressen und dadurch seine eigene Energie aufgefüllt, während er in ihren Gedanken gespukt hatte. Als sie auf die spitzen Zähne von Gengar schaute und die funkelnden Augen wahrnahm, schrie Lotta auf. Sie kroch erst rückwärts und rannte dann zitternd zu ihrer Trainerin. Kleinlaute Töne machte das große Feen-Pokémon. Es zitterte wie Espenlaub und traute sich nicht mehr Gengar auch nur an zu schauen. Das Mädchen nahm ihr Pokémon in den Arm und streichelte sie es mitfühlend.

„Ich würde sagen: Dein Pixi ist kampfunfähig. Auf in die nächste Runde“, sagte Seffe beschleunigend. Ein wenig leid tat es ihm ja schon, aber sie hatte es verdient. Sein Gengar tauchte schwebend hinter ihm auf und grinste. Dabei schwankte es von links nach rechts und wieder zurück. Sein Gesicht war nur nicht mehr halb so gruselig wie gerade eben. Die Zähne waren nicht mehr spitz und seine Augen groß. Es sah sogar fast niedlich aus. So wirkte es irre, aber harmlos.

Das Mädchen funkelte den Trainer und sein Pokémon an. „Dein Gengar ist... ekelhaft und furchteinflößend. Nahezu widerlich! Ein ganz mieses Pokémon ist das!“ Gengar verzog traurig das Gesicht und sah mit großen unschuldigen Augen zu Seffe, welcher den Blick erwiderte. Dann guckten beide wieder zu dem Mädchen und grinsten wie auf Kommando. „Da hast du Recht, das kann Mr. Spook durchaus sein. Aber nur weil du verloren hast, musst du nicht beleidigend werden. Beherrsche dich mal etwas! Das ist nämlich nicht so nett, weißt du?“, sagte der Trainer rau, behielt jedoch ein sachtes Lächeln. Kurz stockte die junge Frau, so radikal hatte ihr noch nie jemand den Spiegel vorgehalten.

„Du hast die erste Runde verloren“, sagte Seffe mit süffisantem Grinsen, „Und weil ich nett bin und Tränen bei Mädchen so schlecht ertragen kann, werde ich Mr. Spook austauschen.“ Die Rothaarige zog Pixi zurück in ihren Ball. Sie zitterte vor Wut. Er hatte ihr Pixi besiegt, was sie sich anders ausgemalt hatte. „Dass meine Lotta verloren hat, war nur Pech! Sie ist ein gutes Pokémon!“, sagte sie mit zittriger Stimme. In Gedanken musste sie zugeben, dass der Trainer und auch dessen Pokémon wohl eine Nummer zu hoch für sie waren, aber einfach aufgeben wollte sie auf gar keinen Fall.

„Das streite ich nicht ab, aber dass wir nur Glück hatten stimmt nicht.“ Der Mann tippte mit den Fingern und dem Blick zum Himmel gerichtet, die Bälle an seinem Gürtel nacheinander an. Er schien zu überlegen. „Du magst es niedlich? Klein? Putzig? So gar nicht gruselig?“ Gengar verzog etwas beleidigt sein Gesicht. Er wurde einfach eingetauscht und war noch voller Energie.

Das Mädchen hob langsam eine Braue. Was führte er nun wieder im Schilde? Sie würde nicht glauben, dass er ein niedliches Pokémon dabei hatte. Der Typ war definitiv komisch! Seffe fing schließlich wieder an zu grinsen und hielt den Ball in die Höhe. Ein stinknormaler Pokéball. Welcher schon ziemlich mitgenommen aussah, hier und da auch verdellt und zerkratzt. „Das ist mein aller erstes Pokémon gewesen!“ Der Blick der jungen Frau wurde skeptisch, da konnte ja jetzt nichts Gutes heraus kommen. Die meisten Pokémon entwickelten sich später und wurden hässlich. In dem Moment öffnete sich auch schon der Ball. Ein gelber Energiestrahl und eine Silhouette die klein blieb kamen zum Vorschein. „Pi...“, hauchte das kleine Wesen. Es stand mit dem Rücken zu der Trainerin und Seffe zeigte nach vorne, ehe er die Arme kreuzte. „Da vorne spielt die Musik, Zitrone!“ Gengar rollte mit den Augen. Das Pikachu ignorierte das Geist-Pokémon und schmunzelte erst seinen Trainer an, welcher zurück lächelte. Er musste zugeben, er war jedes Mal entzückt von dessen Anblick. Die Farbe des Elektro-Wesens tat fast schon in den Augen weh, so neongelb war es, Pikachu wand sich um und zupfte an seinem Ohr. Dann blinzelte es die rothaarige Trainerin an, welche nur zurück blinzeln konnte. „Okay, das Kleine ist echt niedlich“, sagte Sie leise und am liebsten hätte sie gequietscht bei dem Anblick, aber sie beherrschte sich. Sie wollte dem Blödmann nicht noch mehr Grund geben, sich über sie lustig zu machen.

(Die schönste Pikachu Umsetzung, alles anderen sind echt Mist. Aber das ist so niedlich! https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgS9sqmEY5mYjt5q6
https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgQ19cZcV2Y4996QW)

Sie nickte nur. „Gut, du hast gewählt. Dann wähle ich dich, Fridolin!“ Der Ball kam auf dem Boden auf und erneut kam ein pinker Energiestrahl heraus, was den Trainer schon die Augenbrauen verziehen ließ. „Du weißt aber schon, dass wir hier keinen Putzigkeits-Wettbewerb gestartet haben, sondern einen...“, sprach Seffe, ehe er langsamer wurde und sich ein riesiges Nidoking vor seinem kleinen Pikachu aufbaute. „...Kampf“, war sein abschließendes Wort. Scheiße, war das Nidoking riesig, das gewaltige Monster überragte sogar seine Größe von 186 cm, musste er erschrocken feststellen.

Das gelbe Monster neigte seinen Kopf zur Seite und wackelte mit dem Ohr. „Pi...“, hauchte das gelbe Wesen erneut und kleine elektrische Blitze kamen aus seinen magentafarbenen Wangen. Das riesige, gepanzerte Monster schleuderte seinen nashornähnlichen Kopf von einer Seite zur anderen. Seine Stirn zierte ein großes Horn, aus dem Gift heraus kommen würde, wenn Nidoking traf. Er stand auf zwei kräftigen Beinen, mit einem scharrte er über den Boden, während er seine pfotenähnlichen Hände ballte. Es hatte einen kräftigen und ebenfalls gepanzerten Schwanz, der dem eines T-Rex`ähnelte. Nidoking schnaubte und schrie so laut, dass es durch den ganzen Wald hallte und einige Taubsis ängstlich aus den Büschen und Bäumen davon flogen.

(Nidoking von Arvalis: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgQ8ZldIQ9n3kz12L)

„Du willst mich doch verarschen, oder?“, kam es von dem Trainer, der das nicht besonders erfreulich fand. Hätte er vielleicht doch besser ein anderes Monster wählen sollen? Das weibliche Pikachu hatte heute bereits einen Kampf gegen einen Käfersammler gewonnen. Nidoking war also der zweite Kampf und er hatte der Element-Vorteil, denn er war nicht nur ein Gift-, sondern auch ein Boden-Typ. Diesmal lächelte ihn das Mädchen siegesgewiss an.

Seffe schüttelte leicht den Kopf und verzog nachdenklich sein Gesicht. Pikachus Elektroattacken würden allesamt keine Wirkung auf das riesige, schnaubende Monster haben. „Wenn dein Pokémon nicht niedlich ist, gibst du ihm niedliche Namen oder was?“, fragte der Blauhaarige schnippig. Die Trainerin lachte nur etwas verschämt, dann schrie Nidoking erneut auf, so dass alles erzitterte. Es konnte scheinbar gar nicht mehr erwarten zu kämpfen, in seinen Augen sah man die Entschlossenheit, das Elektro-Pokémon schnell Schach matt zu setzen. Pikachu sah das Nidoking noch immer neutral an. Dann wischte es sich mit seinen Pfötchen zwei, drei Mal durch sein Gesicht, ging in Kampfposition und sah zu Seffe. Dieser nickte seinem Partner zu, „Na, dann ab in die zweite Runde!“

„Dein Pikachu lässt mein Nidoking wohl kalt. Mal schauen wie lange das noch so bleibt. Los Frido, Hornattacke!“, gegen Ende wurde die Rothaarige immer lauter. Angespannt zeigte sie mit dem Finger auf das kleine, gelbe Monster. Das Nidoking setzte sich in Schwung, immer schneller rannte es auf das Elektro-Pokémon zu, dabei fing die Erde leicht an zu beben. Es ließ den Kopf sinken und zielte mit seinem Horn. Das Pikachu stand angespannt da, funkelte das riesige Pokémon an und wartete. Seine Ohren waren in Richtung seines Trainers gedreht. Absolutes Vertrauen war sichtlich die Basis zwischen den beiden. Dann rief Seffe: „Weich mit Ruckzuckhieb aus, Zitrone. Jetzt!“ Gerade als Nidoking mit seinem Kopf ausholte und Pikachu mit seinem Horn treffen wollte, sprang das gelbe Monster im letzten Moment in die Höhe. Es war genau der Moment, wo sein Trainer „Jetzt!“ gerufen hatte. Das Horn des zweibeinigen Nashorns rammte sich tief in die Erde. Das wäre eventuell ein k.o.-Treffer gewesen. Doch blitzschnell hüpfte Zitrone auf den Kopf des großen Pokémon, mit dem nächsten Sprung war es einige Meter von diesem entfernt. Unverletzt. Nidoking riss seinen Kopf in die Höhe und schrie laut auf. Dass er verfehlt hatte ärgerte ihn. „Erdbeben“, rief die Trainerin laut zu ihrem riesigen Monster und Nidoking fing sofort an mit den Füßen stark auf den Boden zu trampeln. Um ihn herum bekam der Boden Risse und das Nachbeben war so stark, dass sich Seffe nicht mehr halten konnte und in die Knie ging. Kurz fluchte er. Gengar schwebte in der Luft und applaudierte, er hatte seine Zunge weit raus gestreckt und stieß ein paar Mal ein verzogenes, schnelles Lachen aus.

„Agilität, Zitrone! Du musst an Abstand gewinnen! Komm ihm nicht zu nahe!“, rief Seffe seinem kämpfenden Pokémon zu, was ebenfalls Probleme hatte, sich bei dem Beben auf den Beinen zu halten. Die Bodenattacken könnten das Elektrowesen sehr schnell mitnehmen. Doch ehe es richtig erwischt werden konnte, hüpfte es im Zickzack schnell davon, um einigen Abstand von dem großen Gegner zu bekommen. Die Trainerin ballte die Fäuste und schrie: „Los, nochmal Hornattacke, diesmal trifft du es!“ Gleich wieder setzte sich das schwere Monster in Bewegung und rannte auf Zitrone zu. Pikachus Augen weiteten sich und es sah zu Seffe. Es war sich dem Typ-Nachteil bewusst und nur Ausweichen wäre auch keine Taktik. „Renn um es herum! Im Wirbel! Du weißt was ich meine!“, rief Seffe und rappelte sich wieder hoch, ehe er den Rucksack neben sich schmiss. Genau das tat das neongelbe Wesen auch, aus seinen magentafarbenen Wangen kamen kleine Blitze hervor, es lud sich automatisch dabei auf. Frido brach seine Attacke ab und stockte, er drehte sich um seine eigene Achse, doch das kleine Wesen war zu schnell, als dass er es so kriegen könnte. Die Trainerin zog die Brauen zusammen. „Mist!“, fluchte sie, der Typ hatte echt eine gute Technik. Nidoking brüllte mehrmals und versuchte weiterhin das Pikachu mit seinem Horn zu erwischen. Doch jedes Mal, wenn er ausholte, sprang das kleine Monster einfach herüber. Pikachu hatte seine Endgeschwindigkeit erreicht, so schnell wie es um Nidoking herum wirbelte, konnte dieser gar nicht gucken. Frido war durch das Drehen sichtlich verwirrt und strauchelte leicht. „Spring, Zitrone! Und wenn du hinter ihm bist: Eisenschweif!“, rief Seffe seinem Pikachu zu, während Gengar klatschte.

„Frido, Erdbeben!“, schrie die Trainerin so laut, dass ihre Stimme fast abbrach. Das wutentbrannte Nidoking trampelte erneut auf der Erde herum und schrie dabei laut. Doch es kam zu spät, Pikachu befand sich durch den Sprung bereits hinter ihm in der Luft, es drehte sich und sein gezackter Schweif fing an zu leuchten. Er wirkte nun wie kaltes Metall und schlug dem Nidoking mit Wucht in den Rücken. Frido brüllte und knurrte, es schien so, als ob es ihn nur noch wütender gemacht hatte. Das große rosafarbene Pokémon wand sich um, doch Pikachu war nicht da. Zitrone hing auf seinem Rücken und sprintete nach oben. „Beiß ihm ins Ohr!“, lachte Seffe. Die Rothaarige war von der Schnelligkeit seines Pikachus total überrumpelt und schüttelte nur ungläubig den Kopf. Zitrone hing an Nidokings Ohr und biss immer wieder herein, während Frido weiterhin versuchte es von seinem Rücken zu bekommen und wie wild herum fuchtelte. Dort wo keine Panzerung im Nacken war, biss das Pikachu ebenfalls herein. „Es reicht!“, rief die junge Frau, „Giftstachel!“

Nun hoben sich die Nadeln an Nidokings Rücken und Nacken. „Kaaaaa!“, schrie das kleine Pikachu auf und sprang von dem Riesen ab. „Mist!“, stieß Seffe aus, Pikachu wurde getroffen, „Eisenschweif und dann weg da mit dir!“ „Hornattacke!“, schrie die Trainerin dazwischen. Nidoking wand sich zu Pikachu und holte mit seinem Horn aus. Doch erneut traf er nur den Boden. Das Elektro- Wesen war hochgesprungen, drehte sich in der Luft und traf das nashornähnliche Monster erneut mit seinem Schweif genau auf der Stirn. Volltreffer!

Nun brach Nidoking das erste Mal zusammen und blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht kurz liegen, ehe es sich wieder aufrappelte und schüttelte. Es schnaubte schwer und visierte mit funkelndem Blick das Pikachu an. Zitrone hatte derzeit Abstand gewinnen können, auf allen Vieren stand es da, die Ohren wieder seinem Trainer zugewandt. Seine Atmung war schnell und immer wieder stießen Blitze aus seinen Wangen. Seffe lächelte Zitrone zufrieden an, doch in seinen Augen war auch Besorgnis zu erkennen. Sein weibliches Pikachu war vergiftet worden, die Schrammen an ihrem Fell waren deutlich zu sehen und sie blutete leicht. „Geht es noch, Zitrönchen?“, fragte er sein Monster leise. Pikachu sah entschlossen zu ihm, aufgeben wollte sie nicht.

„Okay, das habe ich nicht erwartet! Dein Pikachu ist echt gut. Aber nicht gut genug um Frido zu besiegen!“, keifte das Mädchen. Sie nahm ihre roten Haare auf die Seite. „Setz Dampfwalze ein! Schnapp es dir und dann: Zermürber!“ Nidoking hielt eine Hand flach und boxte sich mit der anderen ein paar Mal rein, dann rannte er auf das gelbe, kleine Wesen zu. Zitrönchens Augen weiteten sich. „Scheiße“, stieß Seffe aus, „Ich meine: Agilität! Gewinne Abstand, Zitrone! Viel Abstand!“ Sofort rannte Pikachu wieder im Zickzack weg. „Pi – Pi – Pi – Pi...“, hechelte es dabei. Sie versuchte das rosafarbene Riesennashorn abzuhängen, doch der Abstand zu Nidoking wurde immer kürzer. Die Rothaarige feuerte ihr Gift-Boden-Pokémon dabei an. Seffe zog seine Brauen zusammen und ballte seine Hände, Pikachu konnte nicht mehr so schnell wie vorher rennen, die Vergiftung machte sich sehr bemerkbar. Bald war Nidoking nah genug an dem kleinen Monster dran und stieß sich zu einem Sprung ab. „Vorsicht, Zitrone! Er will dich von hinten greifen! Spring!“ Pikachu reagierte sofort und sprang in die Luft, währenddessen drehte sie sich um. Gerade so entkam sie dem Griff von Nidoking, welcher noch ihre Rute mit der Hand streifte, sich dann jedoch auf dem Boden mit beiden Händen abstützen musste, weil er sonst auf die Nase gefallen wäre. Es war nur eine Sekunde und Pikachu guckte in die funkelnden Augen von dem nashornartigen Wesen, was sollte sie tun? Seffe griff sich an den Kopf und sah das Aus. „Sehr gut!“, schrie die Trainerin, „Noch einmal: Hornattacke! Dann hast du es!“

Das neongelbe Pikachu war noch immer in der Luft, ging aber bereits wieder abwärts. Sie sah das Horn kommen und wand sich geschickt wie eine Katze noch einmal um die eigene Achse und bekam das Horn zu greifen. „Pikaaaaaaaa“, schrie Zitrone laut und hielt sich so fest sie konnte. „Das gibt’s doch nicht...!“, kam es von dem Mädchen. Gengars Schrei ertöne und er lachte laut und feierte noch mehr im Hintergrund. „Yeah! Zitrone!“, feuerte Seffe sein Elektro-Monster an. „Du bist doch immer wieder für Überraschungen gut!“ … nur, was jetzt?

Nidoking bekam einen Anfall, er stand auf allen Vieren und schüttelte seinen Kopf wie wild hin und her. Mit geschlossenen Augen hing Pikachu nun wie eine Klette an seinem Horn. „Chuuuuu- piiiii- kaaaaa“, schrie sie dabei etwas verzweifelt. Immer wieder wenn Zitrone ihre Augen öffnete, blickte es Nidoking tief und wütend an. Der rosafarbene Riese schrie und schnaubte. Nun hing Pikachu Kopf über an seinem Horn, es schüttelte sich kurz, bald würde es keine Kraft mehr haben. Seffe wurde nervös und er wischte seine schwitzenden Hände an seiner Hose ab. Irgendwas musste ihm einfallen. Sekunden vergingen. „So wird das nichts Frido!“, sagte die Rothaarige und zeigte nun auf einen Baum. „Hornattacke!“

Mr. Spook schüttelte enttäuscht seinen Kopf. „Scheiße!“, fluchte der Trainer erneut und boxte in die Luft. Er starrte zu Boden, während sich das Nidoking brüllend umdrehte und mit dem Fuß schabte. Pikachus Hilfeschreie wurden lauter, sie klammerte sich nun voller Angst mit geschlossenen Augen an dem Horn fest. Dann schoss dem Trainer eine Idee durch den Kopf. Nidoking fing an zu rennen und brüllte erneut. Saffe sah auf und schrie so laut er konnte um den Schrei des riesigen Monsters zu durchdringen. „Donnerblitz auf seine Zunge! Gib alles, Zitrone!“ Und Pikachu bekam es tatsächlich noch mit. Seine Wangen fingen an stärker zu blitzen und es öffnete für den Moment die Augen. Sie konnte genau in den Rachen des großen Pokémon schauen und dann kam der Elektroschock. „Chuuuuuuuuuuuuuuu!“, Pikachus Stimme war angestrengt, sie gab ihr Bestes, mit den letzten Energieressourcen die sie hatte. „Neeeeiiiin!“, rief die Trainerin. Gengar schrie erneut im Hintergrund auf, Seffe stand mit zusammengezogenen Brauen und in Kampfposition da. Scheinbar wirkte es. Die Panzerung von Nidoking hielt nur von außen die Elektroattacken ab. Das zweibeinige Nashorn schrie schmerzerfüllt auf und fiel kurz vor dem Baum schwer zu Boden. Pikachu konnte abspringen und stand höchstens einen halben Meter leicht zitternd vor dem liegenden und schnaufenden Nidoking.

Eine Stille trat ein, man hörte nur die schweratmenden Pokémon. Die Trainer schüttelten beide leicht den Kopf. Dann: Nidoking bewegte sich. Er hob seinen Kopf, ein letzter Schrei, dann wurde sein Körper schlaff und blieb liegen.

Die Trainerin hielt eine Hand vor den Mund, dann rannte sie zu ihrem Pokémon. „Fridolin... du hast super gekämpft... es tut mir so leid“, sagte sie leise. Während sie neben ihm kniete und über seinen Kopf streichelte. Seffe stand einen Moment gedankenverloren da. Diese Spannung hätte er jetzt nicht erwartet. Erst als Gengar ihn antippte, schüttelte er kurz den Kopf. Nun fiel auch Zitrone um und blieb jammernd liegen. „Warte, Zitrone...“, sagte er und fing an in seinem Rucksack zu wühlen. Das Gift schadete dem Elektro-Pokémon immer noch. Dann rannte er zu ihr und bückte sich zu dem neongelben Wesen. Sanft nahm er Pikachu in seine Arme und strich ihr über die weichen Wangen, welche nun keine Elektrizität mehr ausstoßen konnten. „Du bist wirklich tapfer“, kam es sacht vom ihm und er öffnete ein kleines Fläschchen mit einer grünen Flüssigkeit, was er Zitrone in das Mäulchen laufen ließ.

Die junge Frau schaute ihm dabei mit vielsagendem Blick zu. Dann hielt ihr Seffe auch eine Flasche hin. „Gib ihm das...“, kam es tonlos von ihm. „Es ist ein Beleber, das baut deinen Frido vorrübergehend etwas auf...“ Zögernd nahm die Rothaarige die Flasche an und formte ihren Mund zu einem schmalen Strich. „Danke...“, murmelte sie kaum verständlich. Sie hatte verloren und nach diesem Kampf wurde ihr bewusst, wie viel sie noch dazu lernen konnte. Nidoking hätte eigentlich gewinnen müssen. Ein drückendes Gefühl breitete sich in ihr aus, sie hatte den Typ-Vorteil nicht richtig nutzen können. Sie schnaufte und sah aus den Augenwinkeln durch ihre Haare zu dem Trainer. Wie liebevoll er jetzt wirkte. Sein Pikachu hatte mittlerweile wieder die Augen geöffnet und genoss die Streicheleinheiten. Auch das Gengar wirkte nur noch halb so gruselig. Vorhin hatte es noch eine andere Gestalt, meinte sie, und nicht halb so große, traurig guckende Augen gehabt. Dann zog Seffe sein Pikachu wieder in den Pokéball zurück und die Rothaarige blickte schnell zu ihrem Nidoking, welches ebenfalls wieder wach wurde und seinen schweren Kopf auf ihren Schoß legte.

„Es tut mir leid Frido. Das war echt doof. Es war nicht deine Schuld...“, murmelte sie leise zu ihm. Seffe stand auf und schulterte seinen Rucksack. Erst jetzt bemerkte er, dass seine Hose an den Knien eingerissen war und er leicht blutete. Das kam wohl von der Erbeben-Attacke des Nidokings. Seffe verzog seinen Mund und sah dann zu dem Mädchen. „Ich würde sagen, wir brauchen nun beide dringend ein Pokémon-Center. Meine Medizin reicht nicht aus“, sprach er ernst und die Trainerin nickte wortlos, ehe auch sie aufstand und Nidoking in seinen Ball zurückholte.

Am liebsten hätte Seffe ihr noch einen Spruch gedrückt, verdient hätte sie es, aber er schluckte die Worte runter und sah das Mädchen nur auffordernd an. Immerhin wusste er nicht, wie es aus dem Wald raus ging. Kurz blickte sie hoch zu ihm, dann drehte sie schwungvoll ihren Kopf zur Seite. Ihre roten langen Haare flogen alle über ihre Schulter und sie ging voran. Seffe hob nur beide Augenbrauen und lief ihr wortlos hinterher.

Gengar folgte ebenfalls, während dem Laufen löste er sich immer wieder, wenn er Abstand gewonnen hatte, zu Luft auf und erschien ein gutes Stück vor den Beiden. Immer und immer wieder. „Dein Gengar nervt voll“, kam es schließlich von der Rothaarigen. Mr. Spook streckte ihr weit die Zunge raus und fing an noch mehr rum zu blödeln. Seffe sah schief auf die Kleinere herab. „Ach was.... man gewöhnt sich daran. Mittlerweile finde ich es unterhaltsam.“ Die junge Frau schaute den Blauhaarigen nur grimmig an. „Ich mag Geist-Pokémon nicht“, sagte sie rauh.

„Das erwähntest du bereits“, kam es tonlos von Seffe zurück. Er sah nach vorne und gähnte leicht. Es dämmerte bereits und die wilden Monster suchten sich Schlafplätze. Hier und da rannte eines schnell über den Weg, weil es von Gengar erschrocken und gejagt wurde. Die Rothaarige sah diesem nur immer wieder böse nach und blickte dann strafend zu Seffe. Dieser zuckte lediglich mit den Schultern.

„Kein Kommentar von dir? Das ist nicht richtig, was dein Gengar macht! Die Pokémon haben Angst vor ihm!“, motzte sie den jungen Mann an, welcher erneut die Schultern hob.

„Ich lasse sie einfach ihr Wesen ausleben. Einem Geist-Pokémon wird man nicht abgewöhnen können, zu spuken und andere zu erschrecken. Genau so wenig, wie du deinem Nidoking das Trampeln abgewöhnen kannst“, weiter ging er nicht auf das Thema ein. Seine Knie brannten und langsam taten ihm richtig die Füße weh. Die junge Frau hob nur ihre Brauen und schnaufte leicht. Irgendwo hatte Seffe Recht. Sie versuchte sein Alter zu schätzen, aber es fiel ihr schwer. Er schien wesentlich erfahrener zu sein, als sie im Kampf, schien aber noch recht jung zu sein. „Wie alt bist du eigentlich?“, fragte sie schließlich.

Seffe lächelte und starrte in die Luft, er dachte gerade darüber nach, wie sehr er sich auf das Essen im Center freute und auf die Dusche. Doch zuerst würde er seine Pokémon an Schwester Joy geben... fies grinsend sah er zu dem Mädchen und fragte dann: „Wollen wir doch Händchen halten?“ Die andere blinzelte und wunderte sich kurz. Seffe lachte und schüttelte den Kopf: „Tut mir leid – ich bin eh zu alt für dich.“ Die Kleinere sah ihn nun finster an, er verarschte sie doch schon wieder. „Sehr lustig! Was denkst du eigentlich wer du bist?!“ Seffe ging darauf erst nur mit einem genervten Lächeln ein, ehe sein Gesichtsausdruck ernst und strafend wurde und antwortete mit tiefer Tonlage: „Genau das, wollte ich dich eigentlich fragen! Du hast eine ganz schön große Klappe. Bist du immer so oder hast du nur heute einen schlechten Tag?“ Die junge Frau zischte beleidigt und strich ihre Haare hinter das Ohr. Vor ihnen sah man nun den Ausgang des Waldes und die ersten Lichter der Stadt. Mit erhobener Nase ging sie knapp einen Schritt vor ihm. Beide liefen nun schweigend nebeneinander. Sogar Gengar wurde die Stille zu langweilig und er wurde ignoriert, also ging er von selbst zurück in seinen Pokéball.

Endlich erreichten sie die Stadt. Mittlerweile war es dunkel geworden. Die Laternen erleuchteten die Stadt in sanften, gelblichen Licht und die Straßen waren unbelebt. Den Häusern sah man an, dass sie in die Jahre gekommen waren und die Leute versuchten sie so gut wie möglich zu erhalten. Neue Gebäude gab es hier nicht und verlieh der Stadt einen rustikalen Charme. Nur zwei Personen kreuzten den Weg der beiden in Richtung des Pokémon-Centers.

Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete Seffe die junge Frau. Er würde nicht schlau werden aus ihrer Art. Die Stille war ihm unangenehm, aber diese zu brechen, dafür war er sich zu fein. Die Kleine würde ihn eh nur wieder anzicken. „Ich werde übrigens bald 19“, sagte sie unerwartet, als sie ein paar Meter vor dem Pokémon-Center waren. Seffe blieb ebenfalls stehen und sah sie fragend an. „Und bald werde ich auf Reisen gehen, die Arenaleiter in Kanto herausfordern und dann an Pokémon-Cups teilnehmen!“, fügte die Rothaarige hinzu.

„Nun ja...“, meinte er nur, das kam so plötzlich, darauf fiel ihm gerade nichts weiter ein, außer dass sie dafür noch eine ordentliche Portion Training benötigen würde. Aber das wollte sie jetzt mit Sicherheit nicht hören. Außerdem war er zu fertig darüber näher nachzudenken. „Und wie alt bist du jetzt?“, hakte die Rothaarige nach. Seffe blinzelte, dann hob er seine Brauen in die Höhe. „Du... sorry, aber mein Tag war echt lang und ich kenne nicht mal mehr deinen Namen“, kam es abweisend von ihm und er wand sich langsam und charmant lächelnd von ihr ab, um ins Center zu gehen. Er würde den Spieß jetzt einfach umdrehen und ihr auch nicht mehr antworten. Die Rothaarige rollte mit den Augen und ging ebenfalls wieder los. „Ich bin Lotte“, sagte sie, was Seffe nur mit einem erneuten Lächeln erwiderte. Ihr voller Name war Charlotte, aber das musste er ja nicht sofort erfahren, dachte sie sich.

Im Pokémon-Center fielen ihr die Blicke der Leute auf, wie sie den Mann ansahen. Seine Haarfarbe leuchtete auffällig in Saphirblau, aber wurde man dann so angeglotzt? Oder kam es wegen seiner zerrissenen Jeans und den wunden Knien? Seffe sprach mit Schwester Joy und nickte in die Richtung seiner Begleitung. Die Rothaarige stellte sich neben ihn und legte, wie er, ihre Pokébälle auf den Tresen. Chaneira nahm lächelnd die Bälle an und ging zur Schwester zurück.

„Na dann...“, kam es von Seffe, welcher wie gewohnt seine Brille hoch schob, „... Wünsche ich dir noch einen schönen Abend und viel Glück auf deinem weiteren Weg.“ Das Mädchen strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sah ihn leicht verwirrt an. „Ich ehm... danke... ja, ich dir auch“, stammelte sie. Sie wollte nicht klein und schüchtern wirken und wand sich mit zusammen gezogenen Brauen leicht von ihm ab. „Der Kampf war auf jeden Fall eine Erfahrung“, sagte sie schließlich und sah zu ihm auf. „Wenn wir uns mal wieder begegnen sollten, fordere ich eine Revanche! Tschüß, Seffe“, mit dem Satz wand sie sich von ihm ab und ging mit schnellen Schritten aus dem Pokémon-Center. Der Trainer sah ihr schief grinsend hinterher, ehe er den Kopf schüttelte und sich umdrehte. Irgendwie war die Kleine doch amüsant gewesen. Schwester Joy lächelte den Mann in der Lederjacke an und hielt ihm einen Zimmerschlüssel entgegen. „Chaneira bringt dich auf dein Zimmer. Es ist schön, dass du dich hier mal wieder sehen lässt. Neu angehende Champs braucht die Stadt und verrückte Kämpfe. Aktuell verlassen die Leute Vertania leider lieber.“ Seffe nahm den Schlüssel an sich. „Ach was... ihr habt doch ordentlichen Trainer-Nachwuchs hier. Die kleine Rothaarige hat auf jeden Fall schon das Selbstbewusstsein von den ganz Großen. Ich wusste ja ab Anfang an, dass sie keine Chance hatte“, sagte Seffe zynisch und klang dabei etwas überheblich, wofür er nur einen strafenden Blick von der Frau im weißen Kittel abbekam. Darauf zuckte er mit den Schultern, schmunzelte dann und meinte anschließend: „Wobei der Kampf echt abwechslungsreich war. Das Potenzial ist da, aber ihr fehlt deutlich die Erfahrung... Sie muss noch viel dazu lernen um irgendwann an Cups teilnehmen zu können...“ Dabei sah er gedankenverloren in die Richtung, in welche das Mädchen gegangen war.

„Das war klar, dass sie dir gefällt“, sagte Schwester Joy lachend mit einem leichten Kopfschütteln. „Hey! Wo denkst du denn hin?“, protestierte Seffe direkt. „Sie ist eine... unglaubliche Zicke und war grade am Anfang echt anstrengend! Sag: Ist die immer so drauf?“ „Anstrengend kannst du aber auch gut sein. Pass auf, dass du nicht arrogant wirst“, erwiderte Schwester Joy und wand sich ab, um die verletzten Pokémon zu versorgen. Seffe hielt kurz mit offenem Mund inne, dann kreuzte er die Arme. „Keine Sorge...“, kam es nur von ihm. Als keine weitere Reaktion kam, wand sich der Blauhaarige zum Gehen um. Als hätte die Schwester diesen Moment abgewartet redete sie plötzlich weiter: „Gegen dich im Kampf zu gewinnen, ist für die meisten Trainer mittlerweile wohl eine große Herausforderung. Deine Kämpfe im Cup waren beeindruckend, deine Pokémon sind das ohnehin. Verlerne nie mit Herz zu kämpfen und auf deine Pokémon Rücksicht zu nehmen“, sagte Joy und ging einige Schritte auf Seffe zu, welcher nur langsam, fragend eine Braue hob. Sie sah ihn mit sanftem Blick tief in die Augen und sprach nun so leise, dass nur er es hören konnte: „Lotte hätte, wie du schon festgestellt hast, das Potenzial, aber sie kommt von Zuhause nicht so ohne weiteres weg. Sie hatte eine schwierige Kindheit und ist dadurch zum Einzelgänger geworden. Ich denke, etwas Abwechslung und neues Vertrauen würden euch beiden gut tun. Sie hat einen Traum, genau wie du, Seffe.“ Der junge Mann hatte die Luft angehalten und sah Joy nur an. „Und als Anfänger so ohne weiteres alleine auf Reisen zu gehen, ist gefährlich. Das solltest du bestens wissen“, sagte Schwester Joy schmunzelnd und zwinkerte ihm zu, ehe sie sich abwand und auf einen weiteren Trainer zuging, der soeben das Pokémon-Center betrat.

Nun atmete Seffe langsam wieder aus. Er kannte Joy schon sehr lange. Im jugendlichen Alter, war er mal schwer in sie verliebt gewesen. Mit der Zeit wurde die Krankenschwester eine seiner Vertrauenspersonen. Ihr eigentlicher Name war Heidrun und sie war ca. 15 Jahre älter als er. Als Angestellte im Pokémon-Center wurde sie nur Schwester Joy gerufen. Joys brachten die Freude ihren Trainern zurück: Ihre Pokémon. Verschiedenen Gerüchten nach hätten die Schwestern den umherreisenden Trainern damals auch noch anders Spaß geboten. Aber diese Zeiten waren schon lange vorbei. Mittlerweile gab es auch die männliche Variante: der Pfleger Joy.

Jedenfalls hatte Seffe keine Chance mehr gehabt etwas zu erwidern und sah ihr skeptisch hinterher. Er schüttelte den Kopf und sah auf das große rosafarbene Pokémon. Es hatte das Grinsen eines Axelotls (http://www.axolotl.org/images/animals/axolotl.jpg) und dessen Ohren, sein Körper war stupsig und es trug wie ein Känguru einen Beutel am Bauch. In diesem hielt Chaneira ein Ei geborgen. Das Ei hatte heilende Kräfte und wuchs immer wieder in dem Beutel nach. Die ganze Zeit hatte es ihn lächelnd angestarrt. Chaneira zwinkerte ihm zu und ging nun vor, um ihm sein Zimmer zu zeigen. War das jetzt ein schlechter Kupplungsversuch von Schwester Joy gewesen oder eine Aufforderung? Jedoch musste er zugeben, sie hatte ihn etwas neugierig gestimmt.


Der kurze Schock

In Gedanken versunken, schloss Lotte die Tür auf. Sie betrat ihr Zuhause und holte das Fläschlein aus ihrer Jackentasche heraus, ehe sie die Jacke auf einen Haken hing. Es dauerte keine zwei Sekunden, da rannte ein Terribark* schwanzwedelnd auf sie zu und sprang kläffend an ihr hoch.

(Pokédex: Terribark. Es ist die erste Entwicklungsstufe von Yorkleff. Ein Pokémon des Typs Normal, mit der Größe und Statur eine Welsh Terriers. Es hat stehende Ohren und eine kantige Schnauze mit einem Bärtchen. Sein Fell ist struppig und braun, auf dem Rücken ist es länger und liegt über ihm, wie eine schützender Mantel. Das längere Fell ist dunkler und schimmert anthrazitgrau bis blau, bis hin zu seiner abstehenden Rute. Im Gesicht ist das Fell etwas heller braun und zwei treue Augen gucken dich an.)

(Terribark, krass gut umgesetzt einfach: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgRKI3I4KaD9Pbx0P
https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgRNa0Dqdb02UewqW)

Er müsste mal wieder gekämmt werden, dachte sich Lotte, lachte und streichelte ihn, „Hallo, Wuschel. Ja, ich hab dich auch vermisst. Hast du gut auf Oma aufgepasst?“ Terribark bellte, rannte zur Wohnzimmertür und sah Lotte erwartungsvoll an. „Ich komm ja schon“, sagte sie und ging ins Wohnzimmer rein, während Terribark vor ihr her hüpfte. „Lotte?“, kam eine alte Frauenstimme und eine weißhaarige Frau drehte sich im Sessel um, „Du bist ganz schön spät. Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Ist etwas passiert?“ „Ach Oma, ich kann schon auf mich aufpassen“, sagte die junge Frau und setze sich neben sie auf das Sofa. „Hier schau, ich habe dir den Saft eines Duflors mitgebracht, das hilft dir eine Weile gegen dein Rheuma.“

„Oh Kind, das ist wirklich lieb von dir. Warst du etwa wieder im Vertania Wald? Du weißt doch, dass es dort gefährlich sein kann und wilde...“

„Ja ja... wilde Pokémon könnten mich angreifen und die verrückten Käfer-Freaks und wer weiß, was sonst noch alles passieren könnte...“, unterbrach Lotte die weißhaarige Frau, welche zu schmunzeln begann. „Es war echt harmlos und die Pokémon sind stark genug, um auf mich aufzupassen“, sprach die Rothaarige weiter und hielt ihrer Oma die Flasche hin, doch diese sah sich suchend um. „Wo sind sie eigentlich? Lotta hast du doch sonst immer im Haus aus ihrem Ball gelassen...?“

„Ehm, ja... heute...“, Lotte räusperte sich, „Ich bin so einem komischen Typen im Wald begegnet. Der war... etwas verwirrt... er hatte sich verlaufen... naja...“

Die weißhaarige Frau hörte ihr aufmerksam zu und nahm die kleine Flasche ab. „Warum komisch? Hast du ihm geholfen? Was ist passiert?“ Sie würde sich freuen, wenn ihre Enkelin mal Kontakte schließen würde. „Er kämpft mit einem Gengar. Das ist echt ein hässliches Wesen. Ich hatte es gar nicht mehr so furchtbar in Erinnerung…“, schnarrte Lotte. Ihre Oma sah sie nur vielsagend an. Die Erfahrung die Lotte mit den dunklen Elementen der Pokémon gemacht hatte, hatte sie schwer geprägt. „Ach Lottchen, nicht alle Geister sind auch böse. Was ist denn weiter passiert?“, kam es von der weißhaarigen Frau interessiert.

Ein Blick von Lotte verriet ihr, dass sie anderer Meinung über Gengar war. „Ihr habt gekämpft und deine Pokémon sind jetzt im Center? Hast du denn gewonnen?“, fragte ihre Oma neugierig. Die rothaarige junge Frau lies ihren Blick sinken und schaltete wortlos den Fernseher ein, worauf ihre Oma wieder keine weiteren Worte brauchte, um zu wissen, dass ihre Enkelin verloren hatte. „Sei doch nicht traurig darüber. Mit jedem Kampf lernt man dazu“, ihre Oma lächelte sie an und legte kurz eine Hand auf ihr Knie. Du bist ein tapferes Mädchen und deine Pokémon sind dir ähnlich. Du kommst ganz nach deiner Mutter. Sie liebte auch die Kämpfe. So hat sie deinen Vater damals kennen gelernt. Leider hat sie es nie zur Champion-Liga geschafft.“ Die alte Dame sah melancholisch auf Terribark. Das Hunde-Pokémon schubste seine Schnauze unter ihre Hand und sachte lächelnd streichelte sie ihm über den Kopf. „Ja ja...“, erwiderte Lotte erneut und fuhr sich durch ihre roten Haare, währenddessen zappte sie durch das Fernsehprogramm. „Wenigstens habe ich keine Pokédollar verloren“, sprach Lotte in Gedanken weiter. „Nach dem Kampf habe ich ihm aus dem Wald geholfen. Das war sein Gewinn.“ Ihre Großmutter lächelte und fragte „War er denn wenigstens eine nette Begleitung, wenn ihr zusammen durch den Wald gezogen seid?“ Sie wusste, wie aufbrausend ihre Enkelin sein konnte, gerade wenn sie verloren hatte. Nach ihrer Vermutung hatte es der Junge dann bestimmt nicht leicht mit ihr gehabt.

„Ja, ging...“, sagte Lotte kurz angebunden und sah danach frech grinsend zu ihrer Oma, als sie weiter im Fernsehprogramm schaltete. Plötzlich stoppte sie und schaltete zurück. Hatte sie gerade ernsthaft blaue Haare gesehen? Sie glaubte ihren Augen kaum. „Waaaaas? Das gibt es ja nicht!“ Ihre Großmutter hatte soeben den bitteren Saft getrunken und trank schnell Tee nach, um den Geschmack los zu werden. Dann schaute sie fragend zu ihrer Enkelin. Ihr Blick wanderte zum Fernseher. Das Mädchen schaute mit großen Augen auf den Bildschirm, sie konnte es nicht fassen. Mit dem Finger zeigte auf den Mann, der gerade interviewet wurde. „Das ist der Kerl!, Ohne scheiß, Oma! Das ist der!“, rief sie und hippelte auf dem Sofa. „Na, na...“, kam es nur von der weißhaarigen Frau, welche nun angestrengt dem Fernseher lauschte. Das Hunde-Pokémon sprang mit einem kurzen Kläffen auf die Couch und schaute ebenfalls in das Gerät.

„Und, Seffe? Was sagst du dazu den dritten Platz des Hypercups belegt zu haben?“, ertönte die überdrehte Stimme des Moderators, „Du hast ein sehr starkes Pokémon-Team und ich glaube, das ganze Stadion war von dem harten Endkampf gebannt.“

Der Mann mit den blauen Haaren wirkte etwas fertig, sah nach oben und zuckte mit den Schultern, ehe er zu Lächeln begann. „Ja, knapp daneben ist wohl auch vorbei. An der Technik muss ich mit meinen Team wohl noch etwas feilen... ich find`s zwar schade, dass wir im Halbfinale raus geflogen sind, aber das wird auch nicht das letzte Mal im Cup gewesen sein.“

„Das siehst du richtig, schließlich ist jeder Kampf eine Erfahrung! Wir würden uns wohl alle sehr freuen, dich im nächsten Hypercup wieder begrüßen zu dürfen! Und der dritte Platz zwischen den ganzen Wettstreitern hat dir auf jeden Fall den Schlüssel zum Meistercup gegeben.“

Die Kamera zoomte auf den jungen Trainer. Verschmitzt grinste Seffe kurz in die Kamera, dann streckte er die Zunge raus und zeigte mit der Hand das Metal-Zeichen. Dann wurde das Bild klein in die Ecke über eine Moderatorin gesetzt. Darunter erschien wurde folgender Text eingeblendet: Seffe, 25, Pokémon-Trainer. „Und das war Seffe, ein sehr begabter, junger Trainer. Wir sind gespannt wohin sein Weg noch führt. Ich gebe wieder zurück an Jan Tratschge, er hat die zwei Endgegner interviewt. Wir sind gespannt, was sie zu erzählen haben.“

Das Programm ging weiter und Lotte schaltete bei dem Gerät die Lautstärke runter. „So ein verrückter Poser...“, sagte sie leise. 25 war er also. Und sie fand den Namen Seffe immer noch komisch, wie er wohl auf diesen Spitznamen gekommen war? Jetzt wurde ihr auch klar, warum die Leute im Pokémon-Center alle nach ihm geguckt hatten. Und etwas ärgerte sie sich, dass sie den Cup nicht im Fernsehen mitverfolgt hatte. Die Rothaarige zwirbelte eine lange Strähne ihrer Haare um einen Finger. Ihr fiel auch wieder ein, warum er ihr so bekannt vor kam, sie hatte ihn bei den Trainern im Hypercup kurz gesehen, ihn jedoch nicht weiter verfolgt, weil er unter anderem die Typen Geist, Unlicht und Drache ausgespielt hatte. Den dazugehörigen Pokémon konnte sie noch nie viel abgewinnen. Sie schnaufte leise.

Lotte war meistens, draußen im Vertania-Wald mit Trainieren beschäftigt. Oft kämpfte sie gegen eintönige Käfer-Freaks und freute sich immer, wenn sie auch mal andere Trainer und Trainerinnen fand. Den Orden von Vertania hatte sie nach dem dritten Versuch ergattert. Wobei da zugegeben, viel Glück eine Rolle gespielt hatte. Nachdenklich biss sie sich auf die Unterlippe. Es war schon cool! Sie hatte ihn kennengelernt, den Trainer mit dem dritten Platz im Hypercup. Plötzlich war es für sie weniger ärgerlich, gegen ihn verloren zu haben. Und wie gemein sie war, ein Lächeln huschte über ihre Lippen. Darauf folgte ein Schulterzucken. Sie dachte kurz zurück, er sah am Anfang ganz schön unbeholfen aus. Den dritten Platz im Hypercup hätte sie ihm in dem Moment auf jeden Fall nicht zugetraut.

„Er sieht sehr nett aus“, kam es nun von ihrer Oma und riss Lotte aus ihren Gedanken. Ihre Großmutter setzte sich gerade die Lesebrille auf und griff nach einem Buch. „Ich finde, er ist gut mit der Situation umgegangen. Immerhin ist es nicht leicht zu verlieren, gerade bei einem Cup. Mit Sicherheit war es für den Jungen sehr frustrierend im Halbfinale zu verlieren und nur noch um den dritten Platz kämpfen zu können.“ Sie lächelte leicht und schlug die Stelle auf, wo das Lesezeichen lag. Terribark sprang von der Couch, suchte sich ein Spielzeug und schleuderte es herum. Lotte rümpfte ihre Nase und blickte zu ihrer Oma. Sie wusste selber, dass sie oft hitzköpfig reagierte und kein guter Verlierer war. Sie verabschiedete sich und ging ins Bad. Nach einer Dusche würde sie jetzt auch nur noch ins Bett fallen und schlafen.


Morgens in Vertania
(Ich habe das „City“ bei „Vertania City“ und auch den restlichen Städtenamen in Kanto, etc. mit Absicht überall weg gelassen, weil ich es doof finde! Es heißt ja auch nicht „Frankfurt City“ oder „Berlin City“... ich empfinde das als unnötigen Zusatz.)

Viel zu früh wurde Seffe aus dem Bett geworfen, aber Chaneira beleidigte er besser nicht mehr. Seine Erfahrungen mit wütenden Chaneiras waren nicht prickelnd gewesen. Wie oft wurde er schon von ihnen aus dem Zimmer gejagt und stand dann draußen auf dem Flur. Und das lediglich mit seiner Boxershort bekleidet. Gequält stand er auf, als ihn das große rosafarbene Pokémon mit dem ewig schmunzelnden Gesicht eines Axelotls (Sausüß die Viecher, oder? https://www.dropbox.com/s/itai7vwvb8tb4 ... e.jpg?dl=0) antippte. Es wollte wie immer das Bett frisch beziehen, den Boden saugen und danach das Bad putzen. Dabei kannte es weder Gnade noch Widerrede, wenne s seinen Pflichten nachgehen wollte. Also stand Seffe auf und tapste gerade in Richtung Bad, als ihm seine Pokébälle in die Augen fielen. Chaneira musste die Kiste beim Betreten des Zimmers auf dem Tisch gestellt haben. Und schon ging der dunkle Pokéball auf. Gengar lachte, umarmte Seffe und schleckte dann mit seiner großen Zunge über seinen Bauch und Brust. Es ging zu schnell, wehren konnte sich der halb nackte Mann dagegen nicht mehr. „Uaaaaahhhhh...“, stieß er noch aus und bekam am ganzen Körper eine Gänsehaut. Dann fiel er rückwärts um. „Hmmmmmmm..... Gaaaaaa?“, machte Mr. Spook und sah Seffe aus großen Augen an. In dem Moment fing Chaneira an zu schimpfen und hüpfte in großen Sätzen auf Seffe zu. Dieser lag paralysiert am Boden. „Das... bekommst du... zurück!“, stammelte Seffe, während er versuchte gegen die Paralyse anzukämpfen. Doch ohne Chaneiras Hilfe, hätte er sich wohl nicht aufsetzen können. „Blödmann!“, keuchte er und sein Finger wanderte langsam in die Höhe. Das Gengar sah ihn mit großen Augen an, hob eine Hand in Seffes Richtung und folgte dann dem Finger seines Trainers. Schnarrend ließ das Geist-Pokémon Arme und Kopf hängen und zog sich zurück in seinen Ball. Chaneira gab Seffe einen sauren Trank. Anti-Paralyse. Diesen Geschmack kannte Seffe nur zu gut. Schon oft hatte er mit letzter Kraft einen solchen Trank aus seinem Rucksack gewühlt und er kannte das unschöne Nachspiel. Mit zusammen gekniffenen Augen hustete er. „Mir ist schlecht...“, sagte er nur noch. Das Mittel schlug sofort an und Seffe rannte ins Bad – sofern man es so nennen konnte, es spielte sich mehr auf allen Vieren ab. Hinter ihm knallte die Tür zu und das rosa Pokémon sah ihm nur mitfühlend nach. Um die folgenden, unangenehmen Geräusche zu übertönen, machte es den Staubsauger an.

Endlich draußen. Es war ein schöner Morgen. Den Sonnenaufgang hatte der Trainer zwar verpasst und er konnte auch nichts frühstücken – er bekam lediglich einen Kaffee runter – aber die frische Luft tat ihm gut. Tief atmete er ein und langsam wieder aus. Sein Pokédex vibrierte in seiner Hosentasche, auch dieser hatte endlich wieder einen vollgeladenen Akku. Seffe zog das Gerät aus seiner Hosentasche und nahm den Anruf an. „Hi Mom. Ja... hm hat sich etwas verzögert..... Hm... Nein, mein Akku war leer und ich hatte mich im Wald verlaufen.... Ja, haha, sehr lustig, wie immer.... Nein.... Nein! Sag bitte nichts meinem Vater... ja, ich hab doch gesagt, dass ich auf jeden Fall vorbei schaue. Ich nehme den nächsten Bus. Bis gleich. Jo, tschö!“ Mit dem Finger drückte er leicht auf den Bildschirm um aufzulegen, bevor er das Display sperrte, sah er auf die Uhrzeit. Er fuhr sich durch seine halblangen Haare und rieb sich über den Hinterkopf. Er hatte eine ordentliche Beule bekommen. Mit leicht verzogenem Gesicht strich er darüber, ehe er zur nächsten Bushaltestelle ging. Eigentlich wollte er schon gestern Abend daheim angekommen sein. Genervt saß er an der Haltestelle. Wie er Bus fahren hasste.

Dann hob er freudig eine Brauen. Panzaeron sollte jetzt wieder fit sein. Aus der Tasche zog er einen Hyperball und ein weiß-grauer Energiestrahl trat heraus, welcher sich zu einem großen, hochbeinigen Vogel formte. Panzaeron war wieder einsatzbereit! Sein Gefieder schimmerte in der Sonne und das Vogel-Pokémon streckte sich. Breit faltete es seine Flügel aus, die aus mehreren Klingen bestanden und immer noch von ein paar Dellen geziert wurden. Innen schimmerten sie in einem dunklen Orange. Wenn sich das Pokémon bewegte, hörte man leise, wie Metall aufeinander rieb. „Na Stahlschnabel, geht es dir wieder besser?“, fragte Seffe lächelnd und streckte langsam eine Hand nach dem Monster aus. Obwohl Seffe recht groß war, überragte ihn das Pokémon nochmal um eine Kopflänge. Es sah zu seinem Trainer und streckte ihm seinen Kopf hin. Als der Trainer über das kalte Metall des Gefieders streichelte, schloss es die Augen und gab einen rauen, blechernen Ton von sich. „Du bist ein großartiger Kämpfer, Stahlschnabel. Denkst du, du hast wieder genug Kraft, um mit mir nach Alabastia zu fliegen?“ Das Panzaeron hob seinen Kopf und ein metallischer Schrei ging von ihm aus, gleich darauf ging es, wie ein Strauß, in die Hocke. „Cool!“, stieß Seffe aus, das war wohl eine Einladung und er setzte sich auf das Vogel-Pokémon. Er würde bei dem Flug zwar einen kalten Po bekommen, aber das war immer noch besser als mit dem Bus zu fahren, vor allem ging es wesentlich schneller. Das Pokémon breitete seine Schwingen aus und nahm Anlauf. Es benötigte viel Anlauf und die ersten Flügelschläge waren schwerfällig, doch bald gewannen sie gemeinsam immer mehr an Höhe. Die Häuser fingen an klein zu wirken und Seffe sah mit einem begeisterten Grinsen mal wieder die Welt von oben. Konnte er da gerade noch rote Haare erkennen? Seffe richtete seinen Blick wieder nach oben, da er durch die Klingen von Panzaeron ohnehin nicht mehr viel erkennen konnte und der Metallvogel flog große Kreise über Vertania. „Da ist es. Alabastia!“, sagte er zu Stahlschnabel und zeigte auf das Dorf, was man in Miniaturform durch die Wälder erkennen konnte. Auch Stahlschnabel erblickte das Ziel und schlug die Richtung ein, mit ein paar weiteren Flügelschlägen, gewann es an Tempo und sein Trainer musste sich ordentlich fest halten.


Knapp verpasst

Lotte war schon früh wach gewesen. Sie huschte ins Bad und durch die Wohnung. Zwischen drinnen begrüßte sie ihre Großmutter und lies sich von ihr schnell ein paar Brote machen. Wie immer aß Lotte viel zu hastig und im Stehen. Ihre langen, roten Haare hatte sie locker zu einem Zopf zusammengefasst. Sie verabschiedete sich und stürmte mit Terribark an ihrer Seite aus dem Haus. In schnellem Schritt lief die Trainerin mit Wuschel zum Pokémon-Center. Sie hatte gesagt, dass sie es kaum erwarten könnte, die Pokémon wieder abzuholen. Doch insgeheim hoffte sie, den Trainer von gestern Abend wieder zu treffen.

Er war auf der Durchreise gewesen, so hatte sie ihre kurzen Gespräche interpretiert und wahrscheinlich würde er nach Alabastia gehen, da es in dieser Richtung keine weiteren Städte gab und es war sein Geburtsort, das sie aus der Trainerliste des Hypercups herausfinden konnte. Immerhin hielt einen das Internet immer auf dem Laufenden. Und Seffe, mit dem dritten Platz, war schnell zu finden gewesen. Der Hypercup ging zwei Wochen lang, die zwei letzten Teilnehmer hatten wahrscheinlich gerade um den ersten Platz gekämpft, als Seffe durch den Wald irrte. Wenn man es bis ganz nach oben schaffen wollte, musste man 10 Kämpfe gewinnen. Und man durfte selber nur 10 Pokémon mitbringen, aus denen man wählen konnte. Obwohl Lotte Gengar immer noch nicht sympathisch finden konnte, war es wohl ein sehr starkes Pokémon. Mit dem Geist hatte Seffe in dem Cup die meisten Kämpfe gewonnen.

Die junge Frau war kurz vor dem Pokémon-Center da riss sie ein metallischer Schrei aus den Gedanken. Erschrocken sah sie sich um, woher es kam, bis ihr Blick nach oben fiel, da Wuschel neben ihr in den Himmel sah und bellte. Ein beeindruckendes Panzaeron zog über Vertania Luftkreise. Sie konnte es erst nicht richtig erkennen, aber auf dem Vogel-Pokémon saß doch jemand...? Und irgendwie kamen ihr die orangenen Schwingen bekannt vor. Es war das Panzaeron von Seffe! Sie hatte sich die ganze Nacht die Aufnahmen seiner Kämpfe im Internet angesehen. „Das gibt es doch nicht“, murmelte die Rothaarige verärgert zu sich selbst und zog ihre Brauen zusammen. Dabei hatte sie sich so beeilt und trotzdem hatte sie ihn verpasst. Terribark winselte leise und rieb seinen Kopf an ihrem Bein. „Naja, Wuschel...“, sagte sie etwas traurig, „Es war wohl doch nur eine einmalige Begegnung...“

Etwas niedergeschlagen schlenderte sie in das Pokémon-Center herein und wurde von Schwester Joy freundlich begrüßt: „Guten Morgen Lotte, du möchtest bestimmt deine Pokémon abholen? Oh und du hast Wuschel mitgebracht!“ Terribark freute sich über die Aufmerksamkeit und noch viel mehr über die Leckerlies. „Hallo Schwester Joy... ja...“, kam es mit nicht allzu großer Freude zurück. Chaneira gab Lotte lächelnd die zwei Pokébälle in die Hand. „Was ziehst du denn für ein Gesicht? Hast du etwa nicht gut geschlafen?“, fragte Joy.

„Ach... gestern wurde es vielleicht etwas spät“, winkte Lotte ab und sah die Krankenschwester an. Langsam holte sie tief Luft und hielt kurz inne, dann fragte sie es doch. „Kennen Sie den Trainer?“

„Ich kenne viele Trainer, wen meinst du genau?“ Schwester Joy stellte sich wohl extra dumm und ihr neutrales Lächeln verlor sie dabei nie.

Lottes Blick wurde leicht grimmig. „Na wen wohl? Den blauhaarigen Typen von gestern. Ich hab den Hypercup nicht verfolgt... aber das war er doch, oder? Der dritte Platz...?“

Schwester Joy hob leicht die Brauen und nickte einmal kurz, wobei sie die Augen geschlossen hatte. „Genau. Das war Seffe.“

Lottes Lippen wurden zu einem geraden Strich. „Er sagte mir nur, dass er auf der Durchreise ist.“

Die Schwester nickte erneut und fing nebenbei an ein paar Pokébälle zu polieren. „Ein guter Trainer ist bescheiden und bindet nicht jedem seine Erfolge auf die Nase. Er kommt ursprünglich aus Alabastia, ist aber leider nicht mehr so häufig in der Gegend und reist viel umher.“

Lotte hob beim Zuhören eine Augenbraue immer mehr in die Höhe, dabei waren ihre hübschen Lippen leicht geöffnet. „Bescheiden war er bei mir nicht unbedingt...“, murmelte sie mit entsprechendem Blick, „Aber... hat er denn keinen Wohnort?“

„Aber doch, sehr wohl!“, antwortete Schwester Joy und legte die Pokébälle zärtlich in eine Kiste.

„Und wo trifft man ihn sonst an? Woher kommt er?“, stocherte Lotte neugierig nach. Terribark spielte derweil mit Chaneira und rempelte ein paar Mal an Lottes Bein. Sie versuchte das Hunde-Pokémon mit dem Geblödel zu ignorieren und schubste es nur immer wieder mit dem Fuß leicht weg von sich.

„Ich denke, das solltest du ihn besser selber fragen“, kam es nun lächelnd von Schwester Joy und sie wand sich mit einem verabschiedenden Nicken ab. Scheinbar hatte es der Trainer tatsächlich geschafft für die Rothaarige interessant zu sein. Die Schwester grinste in sich hinein. Sie musste natürlich noch andere Dinge erledigen und das könnte Lotte ihn auch selber fragen. Später...

Schwester Joy lächelte, als sie den Flur herabging. Sie kannte ihn schon lange. Als zwölfjähriger Junge, kam er das erste Mal in das Pokémon-Center. Er stürmte wortwörtlich herein und sah noch etwas verheult aus, weil sein neongelbes Pichu damals einen miesen Schlag einkassieren musste. Er gab nicht seinem Pokémon die Schuld für die Niederlage, sondern sich selber. „Ich habe nicht richtig aufgepasst. Es ging zu schnell...“, gestand er ihr damals reumütig. Er hatte schon damals das richtige Gespür dafür Pokémon zu trainieren und war ihnen gegenüber immer sehr fair gewesen. Manche Monster mochten das Kämpfen nicht, also ließ er sie wieder frei oder verschenkte sie an Leute, die sie richtig einsetzen konnten und ihnen ein gutes Zuhause gaben. Gegenüber anderen Trainern und Trainerinnen hatte er immer versucht stark zu erscheinen und sich mittlerweile eine teils kühle, nahezu arrogante Art antrainiert, damit man seine weiche Seite nicht so schnell erkannte. Als Kind war er oft ausgelacht worden, wenn er den Tränen nahe war, weil er im Kampf verloren hatte. Doch Joy wusste schon immer, dass seine Tränen aus Mitgefühl zu seinen Pokémon kamen und nicht wegen des verlorenen Kampfes aus Wut.

Lotte verzog das Gesicht, als sich Schwester Joy einfach umdrehte und sie keine weiteren mehr Antworten erwartete. Schnaufend verließ sie das Pokémon-Center, gefolgt von Terribark und ging nach Hause. Wenn Sie nur jemanden für ihre Oma hätte, würde sie auch auf Reisen gehen. Aber sie konnte sie nicht einfach alleine lassen. Denn ihre Oma liebte sie über alles, sie hatte sich immer um sie gekümmert. Sie seufzte und sah auf die Uhr des Stadtturms. Der Bäckerladen hatte bereits offen und ihr fiel ein, dass sie wieder Dienst hatte. „Mist!“, stieß sie aus, „Wuschel renn` zurück zu Oma, ich muss doch heute noch etwas arbeiten... aaaaah... das gibt bestimmt Ärger...“ Schnell joggte sie zur Bäckerei und Wuschel blickte ihr verdutzt nach.


Die Begrüßung

Sie waren schon seit gestern fertig. Das Haus war geschmückt und einige Leute aus dem Dorf warteten vor der Bushaltestelle von Alabastia. Schon von oben sah Seffe die Menschentraube, ein paar Pokémon wuselten sich dazwischen. Panzaeron drehte seinen Kopf, um seinen Trainer seitlich und fragend anzusehen. Der Trainer warf seinem Pokémon nur einen vielsagenden Blick zu und versuchte sich an einem Schulterzucken. Auf dem Stahl-Pokémon zu fliegen, war bei dem kühlen Wetter vielleicht doch keine so gute Idee gewesen. Er war komplett durchgefroren und spürte seine Gliedmaßen kaum noch.

Stahlschnabel flog in Kreisen immer weiter nach unten. Die Menschen hatten die blechernen Flügelschläge vernommen und liefen allesamt in die Richtung in die das Panzaeron gerade zur Landung ansetzte. „Aus dem Weeeeg!“, rief Seffe und klammerte sich an seinem straußenähnlichen Pokémon fest. „Aaaaaahhhh“, schrie der er mit weit geöffneten Augen. Er wusste, dass sein Pokémon zum Abheben und zur Landung eine gewisse Strecke benötigte und merkte deutlich, wie Stahlschnabel den ersten Fuß auf den Boden setzte, seine Schwingen waren noch weit ausgebreitet, um den Schwung abzubremsen. Das Monster lehnte sich beim Laufen leicht zurück, die Menschenmenge stand zu nah vor ihnen und nun fing auch Stahlschnabel an zu schreien. Ein rauer metallischer Ton kam aus seiner Kehle und ergänzte Seffes Schrei fast melodisch. Es flatterte verzweifelt mit den Flügeln. Es war zu spät. Ein paar Pokémon, mit bunten Hüten und Masken sowie Personen mit Fähnchen sprangen im letzten Moment zur Seite. Das Panzaeron, welches verzweifelt versuchte schneller zum Stand zu kommen, rannte, mit Seffe auf den Rücken, genau auf den Banner zu. Das Bären-Pokémon Ursaring und Onix, die Steinschlange, hielten den großen Stoffbanner gespannt, auf welchem in Großbuchstaben „WILLKOMMEN!“ stand. Wie durch das Band einer Ziellinie, rannte Panzaeron hindurch und stolperte, als der Stoff zerriss. Mit einem lauten Scheppern überschlug es sich und rutschte mit Seffe noch ein Stück über den Boden.

Ein Stöhnen ging durch die Menge, ehe die Ersten zu den Sturzgelandeten hin rannten. „Scheiße... aua... argh...“, Seffe hielt seinen Kopf, er hatte die Stahlschwingen seines Pokémon volle Breitseite abbekommen. Ihm wurde mal wieder klar, wie schmerzhaft ein Kampf für die Pokémon sein musste, nur, dass die Monster ein ganz anderes Schmerzempfinden hatten. Stahlschnabel schüttelte sich, es lag neben ihm und tippte mit seiner Klaue vorsichtig seinen Trainer an. Dieser hatte seine Hand an den Kopf gehoben und sah kurz auf, ehe er seinen Kopf wieder senkte. Ihm war schwindelig und er sah alles stark verschwommen. Er hatte wohl einen mächtigen Schlag gegen den Kopf bekommen, doch dann fiel ihm auf, dass es seine Brille verloren hatte sowie den Rucksack, welcher einige Meter weiter gerutscht war. „Oh nein, mein Junge! Ist ihm was passiert?“, vernahm er eine Frauenstimme und seine Mutter schubste sich durch die Menge und bückte sich neben ihn. „Josef, mein Junge“, sie tätschelte seine Wange, welcher einen von Schmerzen verzogenen Laut von sich gab und die Augen zusammen kniff. Die Leute sahen sich die Szene an. Ein paar sahen mitfühlend aus, andere musste sich das Lachen verkneifen und ein paar kicherten bereits.

„Geht schon, Mum“, sagte Seffe schließlich. Ein kleiner Junge hielt ihm seine Brille hin und fragte: „Hast du dir weh getan?“ Seffe schüttelte den Kopf und lächelte den Kleinen tapfer an, dann nahm er seine Brille dankend an und setzte sich auf. „Du bist ein Verlierer, Seffe. Das du es auf den dritten Platz im Hypercup geschafft hast, kann ich immer noch nicht glauben“, die Stimme erkannte Seffe ohne auf zu gucken. Er rollte nur mit den Augen. Es war Felix, man könnte sagen: sein Rivale. „Danke, Felix. Dein Neid ist mein größter Sieg“, kam es von ihm mit einem Grinsen und sah in dessen Richtung. „Tse, mehr Glück als Verstand...“, kam es von dem gleichaltrigen Mann. Er fuhr sich seine hochgegelten, orangenen Haare mit der Hand nach und verschwand in der Menge.

„Ich find dich super! Unterschreibst du später auf meinem Pokéball?“, kam es begeistert von dem Junge, der Seffe an tippte und und ihn erneut zum Schmunzeln brachte, ehe dieser nickte. Dann erst nahm Seffe den Rest wahr und ließ seinen Blick schweifen. Die Leute waren alle wegen ihm gekommen. Sie hatten Fähnchen mit seinem Namen ausgedruckt, dem Hypercup-Logo und der Nr. drei darauf. Die Pokémon waren von ihren Besitzern geschmückt worden und sahen alle erwartungsvoll auf ihn. Dieser sah zu Seite auf Stahlschnabel, er merkte wie ihm die Röte ins Gesicht stieg und versuchte es etwas zu verbergen, indem er sich seine halblangen Haare ins Gesicht fallen ließ.

Er sah auf seine Handflächen, welche sich heiß an fühlten, weil sie aufgescheuert waren. Seine Schulter tat ihm weh durch den Aufprall und an seiner Wange lief etwas herunter. „Oh, Junge! Du blutest ja! Und deine Knie!“, seine Mutter hatte sich zu ihm gebückt und wischte ihm mit einem Tempo das Blut von der Wange, dann umarmte sie ihn. „Willkommen Zuhause“, sagte sie, als sie wieder von ihm abließ und lächelte ihn an. „Aber du solltest deinem Pokémon beibringen, wie man besser landet!“, kam es sofort danach vorwurfsvoll von ihr. Panzaeron stand wieder und wurde von ein paar Leuten begutachtet. Auf die Aussage der Mutter, gab es einen schrillen, verärgerten Schrei von sich. Seffe hob den Finger und das Pokémon verstummte sofort und sah beleidigt zur Seite. „Das sie einen längeren Landeweg benötigen ist für Panzaerons ganz normal! Stahlschnabel trifft keine Schuld... es war ein Unfall.“

Nun erhalte ein Lachen in dem Gemurmel, es war das, seines Vaters. Mit schweren Schritten stapfte er auf seinen Sohn zu. „Trude, behandle Josef nicht wie ein Kind, er wird es gut überleben“, lachte der große Mann mit Bauch und hielt seinem Sohn die Hand hin. Seffe zögerte einen Moment und nahm dann die Hilfe seines Vaters an, der ihn mit Schwung wieder auf die Füße zog. Kurz stöhnte Seffe vor Schmerz, verstummte jedoch gleich wieder und stellte sich gerade hin, um sich nicht zu viel anmerken zu lassen. Mit ernstem Blick guckte er seinem Vater ein paar Sekunden tief in die Augen, dann lächelten sie gleichzeitig. Er hatte ihn schon lange nicht mehr gesehen. Dann sah er wieder durch die Menge. Ein paar Menschen fingen an zu lächeln und mit den Fähnchen zu schwenken, wenn Seffes Blick sie traf, worauf er verlegen schmunzeln musste, das sahen die anderen als Aufforderung, ihm endlich zu gratulieren und ihm durcheinander Fragen zu stellen.

„Danke, Leute... das ist echt cool von euch...“, kam es verschämt von ihm, während er versuchte allen gerecht zu werden. Er war doch nur der dritte Platz und trotzdem gab sich fast das ganze Dorf Alabastia solch eine Mühe für seine Begrüßung. Die Leute mochten ihn und hatten durch ihn Hoffnung geschöpft, dass das kleine Alabastia etwas bekannter werden und wieder mehr Trainer durch das Dorf ziehen würden. Schließlich hatten auch sie hübsche Cafés und Haltepunkte für Trainer und einen kleinen, aber dafür wunderschönen Strand.

Die Begrüßungs- und Siegesfeier ging perfekt als Überraschung auf. Sie hatten den größten Schuppen im Dorf innen festlich geschmückt und ein riesiges Büfett errichtet. Mit vielen Leuten, die Seffe lange nicht mehr gesehen hatte, konnte er mal wieder reden und ein paar Spaß-Kämpfe in der Dorfmitte ausführen. Nur Gengar wollte nicht gehorchen, weswegen Seffe es aus dem Kampf zog. Der Geist war wohl immer noch beleidigt, nachdem er ihn wegen der Paralyse nochmal geschimpft hatte. Doch egal, ob mit oder ohne Mr. Spooks Hilfe: in der Dorfrangliste würde er so schnell nicht vom ersten Platz gestoßen werden.

Kauend sah Seffe durch die Menge und grinste in sich hinein, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte und sich umwand. Sein Vater stand neben ihm und blickte ihm fest in die Augen. „Ich hätte nie gedacht, dass du im Hypercup so weit kommst“, sagte er und Seffe hob etwas beleidigt seine Brauen. „Danke, Vater. Wie sehr du doch an mich glaubst“, kam es von ihm und er stellte seinen Teller ab, während er unhörbar seufzte.

Sein Vater war ein Stückchen kleiner als er und unter seinem Vollbart erkannte man, dass er nun leicht grinste. „Ich habe mir deine Karriere einfach etwas anders vorgestellt“, gestand er und Seffe rollte mit den Augen. „Ich weiß, Vater. Ich weiß...“, seufzte er und sah zur Seite. Der Mann fuhr sich durch seine lichten, braunen Haare und nickte. „Ich fordere dich heraus.“

Nun blickte ihn Seffe schief an.

„Lass uns kämpfen.“ Sein Vater sah ihn herausfordernd an und Seffe verengte seine Augen mit einem Lächeln, ehe er nickte.

Schließlich standen sie sich im Kampf gegenüber. Seffe wusste: Sein Vater mochte große, starke und am besten weiterentwickelte Pokémon. Er konnte bis heute nicht verstehen, warum sein Sohn, das kleine Pikachu nicht weiterentwickelte. Seffe grinste und hob den auserwählten Pokéball in die Höhe. Er würde seinem Vater zeigen, wie stark Zitrone war.

Die Bälle flogen gleichzeitig in die Luft und die Zuschauer jubelten. Sein Vater hatte, wie erwartet, Ursaring in den Kampf geschickt und Seffe stockte, denn vor ihm stand ein Pixi im Ring. „Waaaaas?“, stieß er aus und hob beide Hände zur Seite.

Sein Vater fing an zu lachen: “Josef. Wirklich? Ein Pixi?“

Doch Seffe schüttelte nur verdattert den Kopf, während Pixi sich schüchtern umsah. „Das... ist doch gar nicht... mein Monster...“, stammelte er, dann kam es ihm in den Sinn. „Lotta?“, fragte er vorsichtig und die Fee wand sich zu ihm um. Langsam weitete das Pixi seine Augen, es hob die kleinen Pfötchen über den Mund und fing an hysterisch zu schreien. Gengar schwebte derweil gelangweilt hinter seinem Trainer in der Luft und schnarrte. Es schien als läge es auf einer unsichtbaren Hängematte, beachtete das niedliche, rosafarbene Pokémon jedoch nicht weiter. Pixi fing an sich im Kreis zu drehen, sie suchte sichtlich eine Person und rannte voller Panik los und andere dabei um. Bevor Lotta noch mehr umwarf und kaputt machte, zog Seffe es schnell in den Ball zurück. Es wurde ruhig und alle Blicke lagen auf ihm. „Was war denn das, Josef?“, fragte sein Vater, auch das Ursaring vor ihm blickte verdutzt drein. Seffe hob einen Finger. „Ich glaube, es handelt sich hier um einen ganz blöden Irrtum.“

Etwas enttäuscht waren die Leute, dass der letzte Kampf scheinbar nicht mehr stattfinden würde und Seffe erklärte, was wohl passiert sein musste. Seine heimliche Vermutung war, dass Schwester Joy das extra gemacht hatte. Nun musste er morgen nochmal zurück nach Vertania. Lotte würde wahrscheinlich sein Pikachu mit sich führen. Zusammen mit den anderen ließ er den Abend ausklingen.


Die Abmachung

Der Tag von Lotte verlief etwas anders. Nachdem der Dienst in der Bäckerei beendet war, ging sie – wie immer – in den Vertania Wald. Sie suchte stärkere Trainer. Auf ihrem Smartphone hatte sie in der Pause nach Cups gesucht und sich ein paar Kämpfe angesehen. Viele Trainer waren gut, aber ihr war aufgefallen, dass Seffe irgendwie mehr mit seinen Pokémon „eins war“ als andere. Der Kampf den sie sich mit ihm geleistet hatte, ging ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf. Immerhin hatte er es geschafft, mit seinem Pikachu, ihr großes, gepanzertes Nidoking zu besiegen und das, obwohl er sogar einen erheblichen Element-Nachteil hatte. Ganz abgesehen von seinem Gengar dem er die Befehle wohl teils über Gedanken und Emotionen vermittelte. Man fand nur selten Trainer die starke Geist-Pokémon unter Kontrolle hatten und oft hörte man nach einiger Zeit Geschichten wie: „... hatte seine Seele gefressen.“ oder „... wurde so lange von Alpträumen geplagt, dass er sich selber umbrachte...“. Charlotte verzog das Gesicht. Wie dem auch sei, sie würde so gerne besser werden und mehr auf die Stärken ihrer Pokémon eingehen.

Nach ein paar Stunden, war sie etwas enttäuscht, da sie wieder nur verrückte Käfer-Freaks fand und sich versteckte, bevor diese das rothaarige Mädchen entdeckten. Leise und gekonnt huschte Lotte durch das Gebüsch. Immerhin ging sie schon jahrelang mitten durch den Wald. Manchmal fand sie das ein oder andere Item oder interessante Pokémon. Gerade beobachtete sie das Käfer-Monster Paras dabei, wie es sich eine Schlafstelle grub, als sie Schritte hörte.

Schnell versteckte sie sich hinter einem Baum. Es könnte wieder so ein Käfer-Freak sein. Aber nein: Endlich! Eindeutig eine fremde Trainerin! Sie sah nach mehr aus, als die meisten anderen hier. Lotte sprang aus dem Gebüsch. „Hey! Wollen wir kämpfen?“, platze es aus ihr heraus, die Trainerin sprang ein Stück zur Seite und hielt sich die Hand auf die Brust. „Sag mal spinnst du?“, keifte sie, „Du hast mich fast zu Tode erschrocken!“ Ihr stand immer noch die Blässe im Gesicht und sie musterte das Mädchen. „Oh... das tut mir wirklich leid...“, kam es etwas beschämt von ihr, „Trotzdem Lust zu kämpfen?“ Die Frau rollte mit den Augen. Sie sah etwas spießig aus, unter ihrem Mantel trug sie einen Rollkragenpullover und war insgesamt eher in Naturtönen gekleidet. Ihre braunen Haare waren lang, ohne besonderen Schnitt und wellten sich leicht. Sie trug eine rahmenlose Brille und war nicht merklich geschminkt. „Wenn du mich dann in Ruhe lässt, von mir aus...“, sagte sie leicht genervt und zog einen Pokéball aus ihrer Tasche. „Cool! Okay, wir spielen nach den Regeln des ...“, Lotte konnte es kaum erwarten und zückte dabei den kleinen rosafarbenen Ball mit dem Herzchen darauf. „Das ist interessant, dass du die Regeln bestimmst. Eins gegen eins! Für mehr habe ich keine Zeit!“, unterbrach sie die Frau bestimmend und leicht genervt.

Sie lies ihr Pokémon raus, ohne zu wissen, was Lotte gewählt hatte. das Mädchen mit den roten Haaren zog die Brauen zusammen. „Gut... möge der Kampf beginnen“, dachte sie sich, als das Ambidiffel vor ihr aus dem Ball kam. Ein Pokémon mit dem Typ Normal hatte sie bei der Frau auch erwartet. Grinsend schmiss die Rothaarige ihren Ball und er öffnete sich. „Los, Lo......“, wollte sie gerade rufen und stockte. Ein neongelbes Pikachu saß vor ihr. Sie blinzelte, „Was zum...?“ Auch dem Elektro-Monster kam es nun etwas komisch vor, es hörte auf sich zu putzen und sah sich um. „Ka...?“, kam es von dem kleinen Wesen und es verzog deutlich das Gesicht. Ein paar Sekunden brauchten die Trainerin und das Pikachu, um zu verstehen, was gerade lief. „Was starrst du so dein Pikachu an?“, sagte die braunhaarige Frau mit jetzt deutlich genervtem Tonfall, „Können wir jetzt endlich anfangen?“ Lotte hob eine Braue. „Ich ehm... tjaaa..... ein Pikachu.... kann ich nochmal tauschen?“, fragte sie kleinlaut. „Wenn du nicht weißt, welches Pokémon du in welchem Ball hast, ist das jetzt wirklich dein Problem! Du hast gewählt! Ruffy setz deinen Sandwirbel ein!“, und mit diesen Worten eröffnete sie den Kampf.

(Ambidiffel: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgRRSa48DVniSqHz6)

Das affenähnliche Pokémon Ambidiffel hatte jeweils eine große Hand an seinen zwei Ruten. Es machte einen schrägen Ton, seine Hände gingen wie zwei Schaufeln über den Weg und nahmen Kies, Erde, Sand und wer weiß was noch auf. Pikachus böser Blick wurde nachdenklich. Es wurde durch den Kampfschrei von Ambidiffel aus seinen Gedanken gerissen und sah von der rothaarigen Trainerin in Richtung des Affen. Zitrone sah nur noch den Dreck auf sich zu fliegen, machte noch einen erschrockenen Ton und bekam ihn mitten ins Gesicht. „Oh nein… Pikachu… so pass doch auf!“ Zitrone rieb sich die Augen – man wie das kratzte! Sie schüttelte sich und sprang auf alle Viere, die andere Frau hatte ihrem Affen-Pokémon bereits einen neuen Befehl gegeben: Doppelschlag. Lotte schüttelte den Kopf, wo war sie da nur rein geraten?

Ambidiffel rannte auf ihr Pikachu… also auf Seffes Pikachu… wie auch immer... zu und holte aus. Es war offensichtlich, dass die kleine Zitrone noch etwas in den Augen hatte und sie nicht öffnen konnte. Lotte biss sich auf die Lippe, sie war mit der Situation überfordert. Die Gedanken kreisten in ihrem Kopf und es ging zu schnell. Das neongelbe Pokémon bekam erst links, dann rechts, eine Ohrfeige und wurde zur Seite geschleudert. Jammernd lag es am Boden, noch immer rieb es sich die Augen, ehe es auf stand und sich schüttelte.

„Was ist los? Du wolltest kämpfen und jetzt kommst du mit so einem schwachen Pikachu an?“, fragte die Trainerin ungläubig, „Du solltest wohl noch etwas trainieren mit deinem Pokémon! Los, Ruffy! Nochmal Doppelschlag, dann hast du´s gleich!“ Ambidiffel machte Affentöne und rannte erneut auf das Elektrowesen zu. „Pikachu ist nicht schwach!“, zischte Lotte. Zitrone hatte sich wieder aufgerappelt und versuchte ihre Augen zu öffnen, doch sie konnte nur gerade so durch kleine Schlitze sehen. „Vorsicht, Pikachu! Hüpf nach rechts… jetzt!“, rief Lotte ihr zu. Was sollte sie schon tun, sie war mitten drinnen. Sie mussten jetzt wohl oder übel zusammen halten… oder etwa nicht?

Zitrone nahm den Befehl wahr, zögerte jedoch einen Moment. Sie wurde an Seffe erinnert, wenn er ihr immer im letzten Moment „Jetzt!“ zu rief und sprang dann doch zur Seite. Etwas zu spät und leicht wurde sie an der Flanke getroffen.

„Chuuaaaa!“, rief Zitrone und aus ihren Wangen stießen Blitze auf. Sie wurde sauer, als sie weiter zurück dachte. Schlafend wurde sie in den Ball gezogen und hatte von dem Ganzen nichts mitbekommen. Was war das hier eigentlich für eine Show? Warum war sie bei der rothaarigen Trainerin? Hatte Seffe sie ernsthaft getauscht? Hätte er sie nicht einfach frei lassen können? Wütend merke das kleine, weibliche Pikachu, wie sich ihre Augen mit Tränen füllten. So enttäuscht war sie. Sie hatte prompt keine Lust mehr zu kämpfen und überlegte einfach weg zu rennen.

Ambidiffel konzentrierte sich derweil und entwickelte eine Energiekugel zwischen seinen großen Händen an den Ruten. Der Hyperstrahl wurde aufgeladen, mit diesem Treffer sollte das Pikachu zu Boden gehen. „Nein! Zitrone, bitte!“, flehte die rothaarige Trainerin, die hilflos die Szene beobachtete, „Das handelt sich hier alles um eine blöde Verwechslung! Wir müssen jetzt zusammenhalten. Mach irgendwas!“ Als das Elektrowesen seinen Namen hörte, sah es auf und lauschte der Trainerin, die Tränen hatten den Dreck etwas aus den Augen gespült und verkniffen sah es zu dem violetten Affen, welcher nun seinen Hyperstrahl gegen sie richtete. Im letzten Moment sprang Zitrone mit einem Ruckzuckhieb hoch, wand sich geschickt in der Luft, stieß sich an einem Baum ab und huschte mit der selbigen Attacke auf das Ambidiffel zu. Der Hyperstrahl hinter lies eine dunkle Kuhle auf dem steinigen Boden des Weges. Im nächsten Moment bekam das Affen-Monster Pikachus Kopf hart in den Bauch gerammt, das es umwarf. Zitrone sprang wieder in die Richtung von Lotte und landete auf allen Vieren. Aus seinen Wangen stießen immer wieder Blitze und es blickte finster drein. Eine Verwechslung? Zitrone schöpfte Hoffnung. Was hatte sie aktuell schon für eine Wahl? Sie könnte sich jetzt von dem Affen verkloppen lassen oder sich zur Wehr setzen.

Lotte seufzte erleichtert auf, dankend sah sie auf Zitrone, „Und jetzt…ehm... mach irgendwas elektrisches….“ Etwas ungläubig sah sich Zitrone zu ihr um und wackelte mit dem Ohr. War sie jetzt so nervös oder warum stammelte sie so ein Zeug? Besonders viel Halt gab ihr die Trainerin ja nicht. Der Moment der Verwirrung reichte aus und Ambidiffel trat das Pikachu mit einem Gigastoß zur Seite. Das hatte gesessen. Zitrone prallte an einem Baum ab und blieb einen Moment auf dem Boden liegen. Die Schreie seiner aktuellen Trainerin hörte es zwar, aber es war zu benommen, als dass es hätte verstehen können, was sie sagte. Sie rappelte sich auf. Schwankend stand das kleine Elektrowesen auf allen Vieren und wurde erneut von dem Affen mit Doppelschlag geohrfeigt. Nun lag Zitrone auf dem Rücken und kämpfte um Besinnung.

„Neeeeiiiiin! Zitrone! Oh man, scheiße! Vorsicht es kommt wieder auf dich zu! Donnerblitz!“, rief Lotte - das war doch die Attacke die es konnte, oder? Sie biss sich auf die Unterlippe und zog ihren roten Haare in die Länge. Es tat ihr so leid, wie das kleine Pikachu die Schläge von Ambidiffel einstecken musste. Die braunhaarige Trainerin rollte kopfschüttelnd mit den Augen und gab Ruffy den nächsten Befehl. Das Pikachu überhaupt noch versuchte aufzustehen war für sie ein Wunder. Erneut ein Doppelschlag, das sollte genügen. Gerade holte Ambidiffel aus und wollte dem neongelben Wesen das letzte Mal eins überziehen, da öffnete es finster guckend die Augen. Ein lauter Schrei ging von dem Pikachu aus, jetzt genügte es ihr. Zitrone war sauer und Wort wörtlich aufgeladen. Sie entfesselte all ihre Wut und den Donnerblitz. Ambidiffel blieb für einen kurzen Moment zuckend in der Luft stehen. Als der Affe zu Boden ging, sah man direkt, dass der so schnell nicht mehr aufstehen würde. Der Donnerblitz war so gewaltig gewesen, dass der Boden unter Ruffy schwarz und verkohlt war, leichter Rauch stieg an der Stelle auf. Dann rappelte sich das Elektromonster wieder auf. „Ka!“, sagte es schnippig und böse Blicke trafen Lotte.

Beide Trainerinnen standen eine Weile wortlos da und starrten auf die Pokémon. Was da gerade gelaufen war, konnten sie nicht fassen. Doch der Moment der Stille verging und die Frau rannte zu ihrem Pokémon. Sie streichelte und murmelte etwas zu ihm, ehe sie es zurück in den Ball nahm. „Das Pikachu ist viel zu stark für dich! Ein guter Trainer sollte mindestens das gleiche Level wie sein Pokémon haben, um es richtig zu trainieren!“, sagte sie sauer, dann warf Sie Charlotte einen zerknüllten 10 Pokédollar-Schein zu. „Mehr hat dein schlechter Kampfstil nicht verdient!“, mit diesen Worten wand sie sich ab und rannte zum Ausgang des Waldes. Sie benötigte jetzt schnell ein Pokémon-Center.

Charlotte versuchte das Ganze noch zu verarbeiten. Zitternd und innerlich total aufgewühlt stand sie da, dann merkte sie die stechenden Blicke des Elektro-Pokémon. Nur kurz sah sie zu Pikachu und suchte den Pokéball aus ihrer Tasche. „Na ja…für`s erste Mal… wenigstens haben wir gewonnen, Zitrone“, kam es schulterzuckend von Lotte und sie ging grinsend auf das Pokémon zu. Doch Pikachu teilte ihre Meinung nicht und bevor die Rothaarige das kleine gelbe Wesen erreichte, bekam sie einen leichten Stromschlag. Genervt wand sich Zitrone ab und sah beleidigt zur Seite. Nun sah das Mädchen etwas zerzaust aus. „Aua! Was soll das? Glaubst du etwa ich wusste, dass ausgerechnet du aus dem Ball kommst? Ich suche deinen blöden Trainer! Ich will mein Pixi zurück haben!“, motzte die junge Frau und hob den Pokéball in Pikachus Richtung. Doch ehe dieser das Pokémon einziehen konnte, sprang Zitrone zu Seite und schüttelte sauer den Kopf. „Was soll das? Ab jetzt! Geh rein!“ Doch immer wenn Charlotte den Ball in die Richtung hielt hüpfte Pikachu zur Seite. Sie zog die Brauen zusammen und schmiss den Ball nach dem neongelben Wesen und Pikachu wurde eingezogen. „Geht doch“, sagte sie siegessicher und hob den Ball auf.

Da kam ihr eine Idee und sie fing an teuflisch zu grinsen. Allerdings konnte sie den Einfall nicht zu Ende denken und gab einen erschrockenen Ton von sich, als sich der Ball mit dem Herzchen darauf wieder öffnete und Pikachu wütend und mit knisternden Wangen vor ihr stand. Das niedliche Gesicht war vergangen und erbost sah es sie von unten an. Seine Ohren hatte es nach hinten angelegt, was es noch aggressiver wirken ließ. „Okay… Zitrone. Tut mir leid, wirklich! Aber ich hatte auch noch nie ein Pikachu… Scheinbar wurdest du mit Lotta vertauscht. Und warum willst du eigentlich nicht in den Ball zurück?“, schlichtend hatte sie ihre Hände gehoben, dann hockte sie sich zu dem kleinen gelben Wesen. Der Elektronager stellte sich auf zwei Beine und kreuzte die Arme, es schaute jetzt viel mehr genervt, als wütend, aus. Kurz trat eine Stille ein, ehe Zitrone anfing herumzufuchteln und versuchte Lotte etwas zu erklären. „Sorry… ich kann jetzt nur raten… du… willst zurück zu deinem Trainer, oder?“, riet Lotte und Zitrone nickte heftig. „Okay…“, sagte das Mädchen und überlegte kurz, „Aber ich habe keine Ahnung, wo er sich befindet und wer weiß, ob er überhaupt schon bemerkt hat, dass er dich gar nicht bei dir trägt. Männer sind da manchmal etwas… naja, sie merken halt vieles erst, wenn es zu spät ist. Wenn du weißt, was ich meine…“

Mit großen Augen sah Pikachu sie an. Hatte Lotte vielleicht Recht? Hatte es Seffe noch nicht gemerkt, dass sie in seinem Team fehlte? Zitrone ließ ihre langen Ohren hängen, dann sah sie auf und schüttelte den Kopf. Seffe hatte es bestimmt schon längst gemerkt und war auf dem Weg zurück nach Vertania. Er machte sich mit Sicherheit Sorgen und würde sie unheimlich vermissen. Pikachu sah schnell zur Seite, ihre Ohren waren aufmerksam nach vorne gerichtet. Dort war Vertania. Die Trainerin blinzelte verwirrt in die gleiche Richtung, da rannte das Elektro-Pokémon bereits los. „Hey! Zitrone! Wo rennst du hin?“, beim Aussprechen sprang sie bereits auf und rannte dem gelben Wesen so schnell sie konnte hinterher. Das gab es doch nicht! Warum rannte das Vieh jetzt einfach weg? Seffe würde sie mit Sicherheit aufsuchen und sein Pikachu gegen Pixi zurück fordern. Wenn sie ihm antworten müsste, dass es abgehauen sei, würde er … gar nicht daran zu denken, was er eventuell tun würde. Lotte versuchte mit den Gedanken noch schneller zu rennen, da sie Zitrone nicht verlieren wollte, gewann jedoch an Abstand zu dem Pikachu, was durch Agilität immer schneller wurde.

Seitenstechen hatte sie gepackt und laut schnaufend stürmte sie in das Pokémon-Center ein. „Pikachu!“, rief sie atemlos und sogleich landeten alle Blicke auf ihr. Das kleine gelbe Monster war bereits dabei einen Aufstand zu machen und Chaneira versuchte es ruhig zu halten. „Was ist denn hier überhaupt los?“, fragte Schwester Joy durch das Chaos. „Das Pikachu gehört zu mir Chaneira“, kam es von Lotte, doch Zitrone schüttelte wild den Kopf und als Lotte mit dem Ball erneut auf Pikachu zielte, sprang es wieder weg. Chaneira hatte versucht es fest zu halten und fiel dabei um. Anstelle des gelben Monsters, wurde Chaneira kurz in den Pokéball gezogen. Lotte fluchte kurz und ergriff die Initiative, dann würde sie es eben mit den Händen fangen. Zitrone sprang durch das Center und rannte schreiend und quietschend bei der Verfolgungsjagd zwischen den Beinen der Leute durch. Ein Mann stolperte dabei, Lotte konnte ihm nicht mehr ausweichen und fiel mit ihm um. In einer Ecke machte Zitrone Halt, geduckt und kampfbereit sah sie sich um. Wie immer kamen aus ihren magentafarbenen Wangen kleine, leuchtende Blitze heraus. Chaneira brach aufgebracht aus dem Ball aus und fing an laut zu schimpfen. Lautstärke und Chaos regierten das Pokémon-Center.

„Es reicht!“, rief Schwester Joy bestimmend durch den Raum. Alle stockten und sahen sie abwartend an. „Was ist das denn für ein Chaos hier? Charlotte was ist los?“, kamen Joys Fragen nacheinander, ihr stetiges Lächeln war vergangen und sie sah sehr verärgert aus, „Hier sind kranke und gestresste Pokémon in den Nebenräumen! Ich bitte um etwas Ruhe!“ Dann sah sie zu Chaneira und machte eine fließende Handbewegung. „Chaneira, bitte räume hier etwas auf.“ Das rosafarbene Pokémon gehorchte sofort und Lotte half dem Mann auf, mit dem sie zusammen gestürzt war. Zum Glück hatte sich keiner etwas getan. Zitrone hüpfte zu der Schwester, welche das weibliche Pikachu sofort erkannte. „Zitrone? Was machst du denn hier, wo ist denn dein Trainer?“, fragte Joy scheinheilig und streichelte das Pokémon über den Kopf, welches sofort darauf anfing zu fiepen und herum zu fuchteln und danach auf Lotte zeigte. Mit genervtem Blick ging Lotte auf die Schwester zu. „Sie wissen nicht, warum Zitrone bei mir ist? Sie müssen es vertauscht haben! Und der verrückte, blauhaarige Typ mit seinem Gengar, hat jetzt wahrscheinlich mein Pixi und macht ihr Angst!“, motzte sie und kreuzte die Arme. Finster wurde sie von Pikachu angesehen, doch bevor sich das gelbe Monster wieder aufregen konnte, streichelte es Schwester Joy über den Kopf. „Beruhigt euch erstmal. Chaneira muss wohl etwas vertauscht haben, ich habe sie noch verarztet und dann …“, meinte sie und wand sich ab zu Chaneira, um ihr heimlich zu zuzwinkern. Gerade als das rosafarbene Pokémon rechtfertigend aufschreien wollte, hielt es inne und zuckte nur mit den Schultern. Danach hob es weiter die Papiere auf, die Pikachu vom Tresen gefegt hatte, als es panisch darüber rannte.

Erneut fing Zitrone an zu reden und fuchtelte herum. Ihre Erzählungen waren eine wirre quietschende Kombination, aus ihrem Rassennamen „Pikachu“. Immerhin hatte jedes Pokémon seinen Rassennamen aus den Tönen die es machte zugewiesen bekommen. Bei manchen konnte man den Namen deutlich hören und bei anderen brauchten die Forscher wohl etwas mehr Fantasie. „Zitrone will zurück zu Seffe…“, sagte Lotte genervt und band derweil ihre zerzausten Haare zu einem Zopf zusammen, „War er schon hier und hat nach ihr gesucht?“ Schwester Joy schüttelte leicht den Kopf, „Nein, vielleicht hat er den Fehler noch gar nicht bemerkt. Und wie du dir wahrscheinlich denken kannst, kann ich dir auch nicht sagen, wo er sich aktuell befindet.“ Traurig ließ das kleine Elektrowesen Kopf und Ohren hängen. Dabei hatte es sich doch so sehr gewünscht, seinen Trainer hier anzutreffen. Wo sollte sie jetzt nach ihm suchen?

„Wir werden ihn schon wieder finden!“, sagte Lotte aufbauend und tätschelte Pikachus Köpfchen. Zufrieden nickte Schwester Joy. Sie würden mit Sicherheit wieder zusammen finden. Schließlich hatten beide einen triftigen Grund.

Pikachu hatte noch einen Trank bekommen und watschelte nun grimmig hinter Lotte her. „So Zitrone, hier mein Angebot: Ich helfe dir so schnell wie möglich zurück zu deinem Trainer zu kommen, aber vorher musst du mir helfen einen Orden zu bekommen“, kam es schelmisch grinsend von dem Mädchen. Schief sah das Pikachu zu ihr hoch. „Pika-pi?“, gab es genervt von sich. „Wir gehen morgen nach Azuria, da sind alle auf Wasser-Pokémon spezialisiert, das sollte ein Leichtes für dich werden. Und danach, fahre ich direkt mit dir nach Alabastia“, meinte Lotte entschlossen und wartete Pikachus Reaktion ab. Zitrone schaute skeptisch drein, rollte dann mit den Augen und nickte schließlich. Was blieb ihr schon anderes übrig?


Damals...

Am nächsten Morgen konnte Seffe wenigstens bis 8:30 Uhr ausschlafen, dann wurde er von dem Fukano namens Emelie wach geschlabbert. Es war die Vorentwicklung von Arkani und somit ein gutes Stück kleiner. Er hatte Funkano seiner Mutter geschenkt. Als sie damals die Kleine sah, war sie so hin und weg, dass er es nicht mehr übers Herz brachte, ihr Emelie weg zu nehmen. Sein Vater war viel auf Achse und erkundete für Professor Affenbrotbaum* Pokémon und unterstützte ihn bei seinen Forschungen im Labor. So war seine Mutter nicht so alleine und da er Emelie schon trainiert hatte, war sie stark genug, sie zu beschützen.

(* Eine besondere Eigenschaft der Professoren der Pokémon Hauptreihe sind ihre Namen. Alle stammen von Bäumen ab. Aktuell bekannt, unter anderem durch die Pokémon Editionen, sind Prof. Eich, Prof. Lind, Prof. Birk, Prof. Eibe, Prof. Esche und Prof. Platan. Was bleibt denn da noch übrig?!?)

Nach einem ausgiebigen Frühstück und der Verabschiedung seiner Eltern, konnte er es kaum noch erwarten sich auf sein Moped zu setzen. Eine Honda CB 750. Nun stand er vor ihr und fuhr mit einem Finger vom Sitz über den Tank und über den Lenker, dann erst steckte er den Schlüssel in die Öffnung. Motorrad fahren war eine seiner Leidenschaften und die Maschine war für ihn wie purer Sex. Er hatte ihr ein besseres Fahrwerk eingebaut, um mit ihr Straßen und Gelände befahren zu können. Sie lag etwas höher als von Werk. Die Dämpfer waren dezent in schwarz gehalten und der Sitz war mit dunkelbraunem Leder bezogen. Die Felgen hatten eine 5-Armige Sternform und waren ebenfalls schwarz. Ein paar Teile glänzten in poliertem Chrom auf. Das runde Frontlicht war gelb foliert und den perlmuttweißen Tank zierte das Honda-Emblem. Im gleichen weiß war eine Race-Tafel angebracht mit der Nummer 86 darauf. Die 86 war mit einer schwarzen Kontur umfasst und passend zum Scheinwerfer gelb gefüllt. Der Flügel des Honda-Emblems war in dem selbigen Stil gehalten. Die Maschine hatte er von seinem Opa bekommen. Seffe lächelte sacht.

Der siebenjährige Junge mit den blauen Haaren rannte über den gepflasterten Hof. Sein Opa wohnte direkt gegenüber seiner Eltern. Er wusste, dass er zuhause war, denn das Motorrad stand vor dem Haus und wie erwartet war die Eingangstür nur angelehnt. Seffe konnte es kaum erwarten seinen Opa zu sehen, denn heute würde er ihn zum einkaufen mitnehmen. Das spannendste daran war, dass sie mit dem Motorrad fahren würden. Stürmisch rannte Seffe um die Ecke und da stand sein Opa. Er versuchte noch zu bremsen, doch stieß mit ihm zusammen, was schließlich zu einer freudigen Umarmung wurde. Lachend hielt ihn der ältere Mann im Arm, er hatte die schnellen Schritte natürlich schon vernommen, denn er war noch gut in Form für sein Alter. „Junge! Nicht so stürmisch“, lachte er und Seffe grinste ihn an. „Wenn du später mal Motorrad fährst, Seffe, darfst du aber nicht so um die Ecke rasen, da musst du sehr achtsam sein. Hörst du?“ Seffe blickte ihn aus großen Augen an und nach einer kurzen nachdenklichen Pause nickte er mit verlegenem Lächeln. „Aber Opa bevor wir einkaufen...“, stieß der Junge aufgebracht aus, ehe er seine Stimme dämmte, „Kannst du mir davor nochmal die Fotos zeigen?“ Erneut musste der Mann auflachen und fuhr sich durch seine weißen Haare. „Dann müssen wir uns aber beeilen, die Läden machen gegen Mittag zu. Wir haben Samstag.“

„Biiitteeee“, kam es von Seffe und er zuppelte an dem Hemd seine Opas, welcher darauf nickte. „Okay, aber danach müssen wir einkaufen, sonst werden deine Eltern sauer. Ich bin diese Woche dran.“ Seffe bekam glänzende Augen, sein Blick fiel noch einmal zurück, durch die offene Tür erkannte er einen Teil des Hecks der Maschine, dann hüpfte er mit Schwung auf die Couch neben ihn. Der Mann hatte ein kleines unauffälliges Buch aus einer Schublade geholt und blickte Seffe mit erhobenem Finger an. „Aber erzähl das niemals...“, fing er an und sein Enkel rollte bereits mit den Augen und nickte. „Jaaaa, Mama und Papa dürfen nichts davon wissen. Sonst dürfte ich bestimmt nicht mehr mit dir fahren. Ich schweige wie ein Echnatoll!“, unterbrach ihn Seffe, worauf der Mann wieder lächelte. „Gut, gut. Hier... das war ich vor dreißig Jahren. Auf einem illegalen Straßenrennen in der Innenstadt von Safronia.“ Er kicherte dabei und Seffe sah fasziniert auf das schwarz-weiße Foto in dem Buch. Es zeigte einen Motorradfahrer, erstaunlich gut getroffen, während der Fahrt, der Hintergrund war verwischt, doch man konnte erkennen, wie andere Motorradfahrer hinter ihm fuhren. „Man, man, man, das waren Zeiten... wir waren ganz schön böse Jungs und mit der Polizei hat es dann oft in einem Pokémonkampf geendet, ich war immer wieder heilfroh, wenn ich da unversehrt rauskam.“ Sein Opa lachte leise und fasste sich etwas verlegen an seinen Kopf. „Früher waren die Straßen noch freier, da konnte man so etwas noch eher machen. Heutzutage kann viel mehr schief gehen, die Straßen werden immer voller“, murmelte er und Seffe blätterte in dem Buch weiter. Hier war sein Opa mit der Honda fotografiert, während er auf ihr saß und sich lässig auf den Lenker lehnte. „Damals hatte ich übrigens so blaue Haare wie du, weißt du das?“, kam es von dem Mann und er wuschelte seinem Enkel grinsend durch die zerzausten Haare.

Seffe seufzte und setzte sich den Helm auf. Ein trauriges Lächeln huschte über seine Lippen, während sein Blick auf der Honda lag. Als sein Opa irgendwann nicht mehr fahren konnte, sagten seine Eltern, dass er die Maschine verkaufen sollte. Es gab sogar richtigen Streit deswegen und eines Tages war die Maschine einfach spurlos verschwunden. Was sein Opa mit ihr gemacht hatte, wusste niemand. Gedankenverloren schloss Seffe den Kinnriemen des Helms und setzte sich auf die Honda. Dann schloss er seine Lederjacke und holte die Handschuhe aus der Jackentasche.

Ein paar Jahre später erlitt sein Opa einen schweren Schlaganfall, der alte Mann war nach dem Vorfall nicht mehr ganz bei Verstand gewesen und erzählte viel wirres Zeug. Doch Seffe besuchte ihn jeden Tag im Krankenhaus und jeden Tag erneut, erkannte ihn sein Opa, als den kleinen Jungen, obwohl er schon 15 war und erzählte ihm seine Geschichte vom Motorradfahren und den illegalen Straßenrennen. Lange hatte Seffe abends, in dem Haus seines Opas, danach gesucht und er hatte es tatsächlich gefunden: das kleine Buch mit den schwarz-weißen Bildern.

Mit gesenktem Blick lief der 15-Jährige, mit seinem Pichu, den Flur im Krankenhaus entlang und blieb vor der Tür stehen. Mit den Händen umfasste er das Buch mit den alten Fotos. Seine Augen glänzten leicht, denn er wusste nicht, wie viel Zeit seinem Opa noch blieb. Eine vollständige Genesung, hatten die Ärzte bereits ausgeschlossen. Er seufzte tief und blickte auf das kleine, neongelbe Pichu, was dicht neben ihm verweilte und mit hängenden Ohren zu ihm auf sah. „Geh bitte in deinen Ball, Zitrone“, kam es von Seffe fast tonlos und das Pichu nickte mitfühlend, es rieb seinen Kopf nochmal an seinem Hosenbein, dann verschwand es in dem Pokéball an seinem Gürtel.

Als sich Seffe wieder gefangen hatte, öffnete er langsam die Tür, da sah sein Opa bereits zu ihm und setzte sich im Bett leicht auf. „Seffe, Junge! Schön dich zu sehen. Willst du eine Runde mit mir drehen?“ Seffe lächelte ihn an und setzte sich neben ihn. „Später vielleicht, Opa“, sagte er und versuchte dabei so zu tun, als wäre alles normal. „Aber vorher... zeigst du mir nochmal Fotos?“ Dabei hielt Seffe ihm das Buch hin, worauf der alte Manne erstaunt die Brauen hob. „Das Buch. Wo hast du das her? Du weißt doch, dass du niemals...“ Seffe nickte und unterbrach ihn: „Jaaaa, ich darf Mama und Papa nicht davon erzählen, sonst darfst du mich nicht mehr mitnehmen. Ich schweige wie ein Echnatoll!“ Sein Opa lächelte ihn an und nickte. Seffe hatte tatsächlich nie etwas davon seinen Eltern erzählt, das war so, bis zum heutigen Tag. „Gut, gut“, sagte sein Opa und schlug das Buch auf. Das Gespräch verlief wie immer und unbemerkt strich sich Seffe schnell über seine Augen. Sein Opa sollte keine Tränen bei ihm sehen. Er war in dem Moment so glücklich, als er ihm alles immer wieder von vorne erzählen konnte. Tag für Tag. „Das waren noch Zeiten...“, lachte der alte Mann und wuschelte Seffe schließlich durch seine Haare. „Ich hatte früher genau so blaue Haare wie du, weißt du das?“ Seffe presste seine Lippen zusammen und ging in ein Lächeln über. „Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Deine Haare sind schneeweiß“, scherzte er und sein Opa lachte, ehe er plötzlich mit ernstem Blick stockte und ihn am Arm näher zu sich zog. „Wenn ihr die Maschine findet. Gehört sie dir, Seffe!“

Seffe blickte seinen Opa verdutzt an und blinzelte. „W-was...?“

„Die Honda! Sie soll dir sein. Ich schenke sie dir. Sie steht im Schuppen“, sagte sein Opa, nickte und zwinkerte ihm zu. „Ich wollte sie dir zum 18. Geburtstag schenken, aber du bist noch so jung.“ Er lachte und tätschelte Seffes Hand, der darauf seine Brauen hob. Scheinbar hatte sein Opa einen lichten Moment. Oder war es nur seine Fantasie?

Diesmal verließ Seffe nachdenklich das Krankenhaus und erzählte daheim seinen Eltern, was sein Opa ihm gesagt hatte. Doch sie taten es als Fantasie ab. In der gleichen Nacht verstarb sein Opa und als es darauf zu ging, das Haus und den Schuppen zu räumen, fanden sie tatsächlich das vergessene Motorrad. Sein Opa hatte es wirklich versteckt und für ihn aufgehoben. Seffes Vater nahm den Wunsch seines Vaters hin und versprach ihm, das Motorrad für ihn aufzuheben, bis er 18 Jahre alt wäre. Das Haus seines Opas wurde verkauft an die Nachbarsfamilie. Felix´ Familie. Sie renovierten das komplette Haus für ihn.

Gedankenverloren sah sich Seffe die Gebäude an. Das Haus seiner Eltern, mit dem Hof und dem Schuppen dahinter, wirkte dagegen sehr rustikal. Wenigstens hatte es mehr Charme, dachte er sich, nicht nur, weil der Vorgarten des anderen Hauses wie geleckt aussah. Er sah immer noch den alten Hof und wie er mit den Pokémon damals herumgetollt hatte. Er seufzte mit einem sachten Lächeln und startete die CB 750, welche direkt an sprang – wie damals im Schuppen, als hätte sie die ganze Zeit sehnsüchtig auf ihn gewartet. Immerhin war das Motorrad älter als er und durch das lange Stehen, war der Zustand damals nicht mehr so gut gewesen. Neben dem Pokémon-Training und seinem Job hatte er viel Zeit, Liebe und Geld in die Maschine investiert, um sie in ihren jetzigen Zustand zu bringen.

„Ich hätte nie gedacht, dass du dieses Wrack wieder hinbekommst...“, kam eine Stimme hinter Seffe, welcher leicht zusammen zuckte und danach lautlos schnaufte. „Felix... was willst du?“, fragte der Blauhaarige tonlos, wand sich zu ihm um ließ die Kupplung leicht kommen, wobei die Honda anrollte, um den Eindruck zu verstärken, dass er gleich los wollte. „Macht das Teil immer noch keine Mucken? Hast du nicht Angst, dass sie dich im Gelände irgendwann mal hängen lässt? Bei deinem Orientierungssinn, wärst du gnadenlos verloren“, meinte Felix und grinste ihn provozierend an. Seffe ging darauf nicht weiter ein, er beschäftigte sich damit die Spiegeleinstellung an seinem Motorrad zu kontrollieren.

Die zwei Männer waren gleichen Alters, doch so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Felix war modern und edel gekleidet und man bemerkte sofort, dass er Geld haben musste. Seffes Stil hingegen war eher alternativ und rockig angehaucht, seine Piercings wiesen direkt auf seine wilde Ader. Gerade heute hatte er sich auch keine Mühe gegeben, seine Haare zu stylen. Unter dem Helm würde sie eh keiner sehen. Bei Felix war immer alles perfekt. Und komischer Weise suchte er schon immer seine Nähe. Warum er das tat, wusste er nicht. Doch was er wusste war, dass ihn der andere meist anstacheln, provozieren oder gar beleidigen wollte.

Mit einem selbstgefälligen Lächeln zeigte Felix auf die Dreckspritzer am Heck. Sie verrieten eindeutig, dass Seffe damit über einen matschigen Weg gefahren war. „Du könntest sie mal wieder putzen“, sagte Felix und sah auf Seffe, dieser hob nur eine Braue, während der andere sein spöttisches Grinsen behielt. „Also... dass dir diese kleinen Seitentaschen und dein Rucksack auf dem Gepäckträger reichen, kann ich gar nicht glauben. Ist das nicht unangenehm beim Fahren?“ Seffe rollte sichtlich mit den Augen und schob die Maschine ein Stück zurück um an Felix vorbei zu kommen, denn der stellte sich ihm ständig in den Weg. „Ist sonst noch was?“, fragte er und drehte kurz am Gas, er wollte schnell nach Vertania, um Lotte zu suchen und die Pokémon wieder zu tauschen.

„Ist deine Brille unter dem Helm eigentlich sehr unangenehm?“, fragte Felix und tat keine Anstalten beiseite zu gehen. Wahrscheinlich war er wieder nur gekommen, um seinen Frust an ihm aus zu lassen. „Willst du dir ein paar auf die Fresse kassieren?“, fragte er genervt, worauf der andere kurz stockte.

„Oh, Josef…“, lachte Felix, „Aus dem Alter solltest du raus sein. Ich mach doch nur Spaß. Eigentlich wollte ich dir was zeigen. Ich hab mir jetzt den Jeep da drüben gekauft.“ Seffe sah ihn nur vielsagend an. Die bloße Anwesenheit von Felix reichte mittlerweile aus, um seine Laune direkt auf den maximalen Genervtheits-Status zu setzen. Und dafür bräuchte der andere nicht mal mehr seinen Mund auf zu machen. Aber Seffe beherrschte sich. Noch. Sein Blick wanderte an Felix vorbei zu dem silbernen Jeep. „Hab mir schon gedacht, dass das dein Neuer ist... das Nummernschild verrät dich“, kam es gelangweilt von ihm und er lehnte sich auf der Honda nach hinten, die Hände stemmte er in die Hüfte. Felix hielt ihn gerne auf, er wollte nur herausfinden, wann diesmal Seffes Geduldsfaden riss. Na ja, dann läuft der Motor halt erst mal warm.

„Der ist echt super angenehm beim Fahren und das schwerste Gelände schafft der auch, dank zuschaltbarem Allrad. Ich bin mit ihm sogar schon durch die Wüste gefahren. Du glaubst nicht, was man da alles finden kann! Ich habe ein Fossil gefunden und werde es mal ins Forschungslabor bringen. Und weißt du was total komfortabel ist?“ Seffe rollte kurz mit den Augen, er redete sich wohl gerade in Rage. Ob der Motor wirklich warm laufen musste? „Noch nicht...“, schnaufte Seffe, sein Blick sprach mehr als Worte. „In den Jeep geht eine Menge Gepäck rein. Das ist echt super, wenn man auf Expedition ist und besondere Pokémon fangen will. Ich fahre sogar meine Taucherausrüstung immer mit mir rum! Man kann ja nie wissen. Fährst du immer noch deine blaue Schüssel, Josef? Warum kaufst du dir nicht ein richtiges Auto? Geld genug hast du doch oder etwa nicht? Hast du immer noch deinen Kurierjob oder ist da mittlerweile was Besseres draus geworden?“, sprach Felix weiter, doch das meiste seines Geschwätzes flog einfach an Seffe vorbei. Er hatte zur Seite gesehen, um sich innerlich zu beruhigen. Dann endlich eine Pause. Er richtete seine Lederjacke ein letztes Mal und sah wieder zu ihm. „Das freut mich für dich. Mach mir jetzt Platz“, sagte er auffordernd und nahm die Hände wieder an den Lenker. Der Motor war jetzt warm genug.

„Was bist du so abweisend, Josef? Ich wollte dich eigentlich noch zum Kampf heraus fordern.“ Felix hatte die Arme gekreuzt und sah ihn mit leicht geschlitzten Augen an.

„Ich habe dich doch gestern erst besiegt. Noch eine Niederlage wirst du wahrscheinlich nicht verkraften.“ Seffe sah ihn höhnisch an und fuhr mit viel Gas leicht an, so dass die Honda laut aufjaulte und der andere mehr aus Schreck einen Hüpfer zur Seite tat.

„Hey! Sag mal, willst du mich umfahren?“, blökte Felix direkt und Seffe warf ihm erneut einen genervten Blick zu. Am liebsten würde er ihn umfahren, ja! Anstelle dessen sagte er: „Ich will mein Pikachu zurück holen!“

„Du kannst keinen Kampf einfach so ablehnen, für wen hältst du dich?“, kam es vorwurfsvoll von Felix und er schubste Seffe leicht gegen die Schulter. „Was glaubst du, was die Leute von dir halten, wenn ich das erzähle? Ich habe noch starke Pokémon, die ich dir unbedingt zeigen muss. Die von gestern waren nur mein zweites Team.“

Wenn Blicke in dem Moment hätten töten können, wäre Felix wohl tot umgefallen. „Übertreib es nicht, Felix!“, zischte Seffe und hob nach dem Schubser den linken Arm, mit der Hand zur Faust geballt. „Und wag es dich so einen Scheiß zu verbreiten!“

Als er damals neu dazu gezogen war, hatte Felix Schwierigkeiten Anschluss zu finden. Seffe war ihm anfangs noch freundlich gestimmt, doch bald kippte es ins komplette Gegenteil. Felix´ verwöhnte Art, hatte ihn schon als Kind schwer genervt. Abgesehen davon, dass er immer Recht behalten wollte und nach kurzer Zeit anfing, die Jüngeren im Dorf zu erpressen. Er führte sich immer auf wie ein König. Ein schlechter König noch dazu. Was wohl unter anderem daran lag, dass seine Eltern viel Geld hatten und Felix extrem verwöhnten. Auf Seffe ritt er immer besonders gerne herum, da er ihm Kontra bot. Immer öfter verlor Seffe dabei die Geduld, wobei ihm die Hand ausrutschte und sie fingen an sich regelmäßig zu prügeln. Da die ersten Schläge immer von Seffe aus gingen, bekam Felix weniger Schuld von Außenstehenden zugeschrieben. Er konnte perfekt lügen und sich in Unschuld wiegen. Felix war schon immer ein guter Schauspieler gewesen, im Gegensatz zu Seffe. Er war ehrlich und direkt. In Pokémon-Kämpfen maß er sich am liebsten gegen Felix, der eine zerstörerische Art in der Führung seiner Monster zeigte. Für Seffe und seine Monster war dies ein gutes Training, vor allem, weil Felix immer neue und stärkere Pokémon von seinen Eltern bekam. So konnte er Seffe des öfteren besiegen. Doch bald wendete sich das Blatt. Seffe konzentrierte sich darauf die besonderen Eigenschaften seiner Pokémon herauszukitzeln und ihre Stärken richtig zu nutzen. Dank seiner Reisen hatte Seffe viel dazu gelernt und die letzten Jahre hatte er in den Kämpfen mit Felix immer gewonnen. Dies schmeckte Felix natürlich ganz und gar nicht. Er verstand einfach nicht, wie das sein konnte, dass er immer und immer wieder verlor, obwohl seine Pokémon doch viel größer und stärker waren und so setzte er es sich zum Ziel, Seffe übertrumpfen zu wollen. Den eigentlichen Sinn im Zusammenspiel zwischen Trainer und Pokémon hatte er bis heute nicht begriffen.

„Naja, wenn du meinst, dann fahr dein blödes Pikachu holen. Bei unserem nächsten Treffen, werden wir kämpfen und mein Glurak macht deine Viecher fertig! Ich kann jetzt nämlich etwas Besonderes! Speziell dein Pikachu wird untergehen! Ich würde es an deiner Stelle lieber entwickeln.“

Seffe drückte mit seinen Händen die Griffe des Lenkers, so fest er konnte und biss die Zähne aufeinander. Doch dann fuhr er langsam an. „Der Kampf steht aus, Josef!“, rief ihm Felix noch nach, wovon er von Seffe erneut einen bösen, seitlichen Blick abbekam.

Kurz rang Seffe um Beherrschung, jetzt nicht doch abzusteigen und einen Pokéball zu werfen. Mit Schwung. Sehr feste. Direkt in Felix` Gesicht. Der Gedanke daran belustigte ihn und er gab einem Mal viel Gas. Das Hinterrad der Maschine drehte für einen kurzen Moment auf dem Schotterweg durch und hinterließ neben den fliegenden, kleinen Steinchen eine Staubwolke auf Felix. Mit der Hand wedelte dieser vor seinem Gesicht herum und ging in schnellen Schritten und hustend ein paar Meter abseits. „Das bekommst du noch zurück...“, knurrte er und ging auf seinen Jeep zu.


Auf dem Weg nach Vertania (City ...)
(Ach schön, ich musste es so nennen, weil ich immer an das Lied denken muss! Jetzt hört es euch alle an und holt euch gefälligst diesen beschissenen Ohrwurm! xD https://www.youtube.com/watch?v=byiGfDQsUbQ )

Um aus dem Dorf Alabastia heraus zu kommen, musste man einen kleinen Wald durchfahren. Der schmale, schlecht geteerte Weg, auf welchem gerade so zwei Autos aneinander vorbei fahren konnten, führte auf eine breite Landstraße. Die Sonne zeigte sich mal wieder und neben Seffe flog ein Schwarm Vogel-Pokémon auf, welche eine kurze Weile parallel mit flogen. Seffe atmete die frische Luft und genoss die Freiheit. Die Gegend um Alabastia war flach, da das Dorf ans Meer grenzte. Wälder konnte man in weiter Ferne sehen und noch weiter weg, konnte man blasse Berge erkennen.

Nach ca. einer Stunde Fahrt kam er Vertania näher, die Straßen waren immer besser ausgebaut und die Berge stiegen immer höher an den Seiten auf. Dann fuhr er am Ortsschild vorbei. Das Pokémon-Center lag auf der Hauptstraße, welche gerade durch Vertania führte. Er ließ die Honda ausrollen und stellte sie vor dem Center ab. Den Helm hatte Seffe abgenommen und unter seinen Arm geklemmt. Als er das Gebäude betrat, lagen sofort wieder Blicke auf ihm. Kurz sah er sich um und lächelte eine Gruppe an jungen Trainern leicht verlegen an. Sie glotzen ihn wortwörtlich an und fingen an zu tuscheln, als er an ihnen vorbei ging. Schwester Joy tat so, als hätte sie ihn nicht wahrgenommen und sortierte weiterhin in einen Schrank Medizin ein.

Seffe stellte sich mit stechendem Blick neben sie, legte räuspernd den Helm auf den Tisch neben dem Schrank ab und lehnte sich mit dem Ellbogen an. Die Schwester sah mit unschuldigem Blick zu ihm auf und lächelte. „Oh, Seffe. Ich dachte du fährst durch nach Saffronia. Das ist schön, dass du hier nochmal vorbei schaust... brauchen deine Pokémon nochmal Verpflegung?“ Dieser hob bei jedem weiteren Wort mehr eine Augenbraue in die Höhe und verzog leicht den Mund. Joy blinzelte und fragte verunsichert: „Ist irgendwas?“ Erneut räusperte sich der junge Mann und zog die Brauen zusammen. „Tu nicht so, als ob du von nichts wüsstest. Wo ist Lotte? Oder vielmehr: Wo ist Zitrone?“ Der Trainer sprach gerade so laut, dass nur Heidrun ihn richtig verstehen konnte.

Nun konnte sie Seffes Blick nicht mehr standhalten, sah zur Seite und sagte: „Ich... weiß nicht genau, wie du das meinst.“ Seffe verengte leicht die Augen und schwieg, man konnte unschwer erkennen, dass er ihr keinen Glauben schenkte. „Lotte war hier“, sagte sie schließlich und fuhr sich mit den Fingern beschämt durchs Gesicht, um sich eine ihrer blassrosanen Haarsträhnen hinters Ohr zu streichen, „Lotte war hier und hatte Zitrone dabei.“

Erst jetzt hörte Seffe mit dem Starren auf und sah nach oben, was ihn genervt wirken ließ. Seine Hand legte er nun wieder auf dem Helm und er sah die Schwester strafend an. „Weißt du, wo sich Lotte aufhält?“, fragte er ohne auf den Rest weiter einzugehen. Als Antwort bekam er erst nur ein Schulterzucken, dann überlegte Joy und sagte: „Lotte ist wahrscheinlich Zuhause oder im Vertania Wald. Zumindest sind das ihre hauptsächlichen Aufenthaltsorte.“

Seffe seufzte erneut. Die Blicke von Schwester Joy hatten ihm verraten, dass sie der Grund für diese Situation war. „Du weißt schon, dass ich morgen wieder arbeiten muss und für solche Zwischenfälle keine Zeit habe?“, kam es vorwurfsvoll von dem Trainer, „Wenn das länger dauert muss ich wegen dir einen Auftrag verschieben...“ Streng sah er auf Joy herab. Die Frau erwiderte den Blick nur aus den Augenwinkeln und hatte ihren Mund verzogen. „Lottes Zuhause ist am unteren Rand der Stadt, das Fachwerkhaus neben dem kleinen Poké-Laden, du erkennst es an den Beerenbäumen im Vorgarten“, sagte sie und lächelte ihn nun wieder neutral an. Seffe hob kurz den Finger und hatte einen vielsagenden Blick aufgesetzt. „Darüber reden wir später nochmal. Denk dir schon mal etwas aus. Dafür bekomme ich noch eine Entschädigung!“, gegen Ende hin wurde er lauter, da er sich wieder zum Gehen abwand. In einer gleitenden Bewegung nahm er den Helm vom Tisch und verließ das Pokémon-Center. Die Trainergruppe sah ihm fragend nach und die Schwester seufzte. Schulterzuckend und mit einem Lächeln sah sie schließlich zu Chaneira und ging ihrer Tätigkeit nach.

Wieder angekommen bei seiner Honda sah er die Straße runter. Es war wirklich nicht weit und er konnte das Haus bereits erkennen. Langsam holte er Luft und hielt sie an. Lotte wusste scheinbar schon von der Verwechslung sie würde mit Sicherheit nicht überrascht sein ihn zu sehen. Nur wie würde sie reagieren? Beim Ausatmen sah er auf den Tank seines Motorrads, vorhin hatte er schon bemerkt, dass nicht mehr viel drinnen war. Die Tankstelle in Vertania war gerade im Umbau, er könnte erst in Azuria tanken.

Also nahm er sich ein Herz und schob die Maschine die Straße herunter, bis vor das Fachwerkhaus mit dem Beerenbäumen im Vorgarten. Seinen Helm hatte er wieder unter seinen Arm geklemmt und lief auf das Haus zu. Kurz verweilte er, dann hob er langsam die Hand zur Klingel und drückte den Knopf. Er wartete eine Weile und sah sich um. Die Beerenbäume sahen gesund aus und hatten die ersten Knospen gebildet, trotz des noch kühlen Wetters. Ansonsten sah der Garten, passend zum Rest der Stadt, eingewachsen und rustikal aus. Noch einmal klingelte er und versuchte in die Fenster rein zu lunzen. Doch es hingen Gardinen davor und die Lichtspiegelung verbot es ihm mehr zu sehen. Scheinbar war keiner Zuhause. Unhörbar seufzend wand er sich ab und ging wieder zurück zu seinem Motorrad, da ging hinter ihm die Tür auf. „Hallo?“, erklang eine alte Stimme, Seffe stockte und drehte sich wieder um. Eine alte Frau stand vor ihm, abgestützt auf einem Stock und sah ihn mit verkniffenen Augen an. „Hallo? Wer sind Sie?“, fragte sie nun etwas lauter. „Deswegen hat es so lange gedauert“, dachte sich Seffe und musste schmunzeln. „Hallo, ich hoffe ich störe nicht. Ist Lotte zuhause?“, sagte er mit charmantem Lächeln. War das ihre Oma?

Die alte Frau guckte mit verzogenem Gesicht und schiefem Kopf nach oben, sie hatte etwas Probleme, da Seffe doch sehr viel größer als sie war. Aber sie erinnerte sich an die blauen Haare und hob erfreut die Brauen. „Sind Sie etwa der Pokémon-Trainer aus dem Fernsehen? Der dritte Platz im Hypercup?“, fragte sie und blinzelte. Seffe schluckte kurz, es hatten doch mehr mitbekommen, als er gedacht hätte. Aber warum wusste Lottes Oma davon und sie selber nicht? „Oh, tut mir leid, ich habe mich gar nicht richtig vorgestellt. Ich bin Seffe Hippe“, sagte er leicht verlegen und fügte leiser hinzu, „Ja, genau der.“ Die weißhaarige Dame musterte ihn von oben bis unten und sagte dann: „Hat Ihnen denn niemand beigebracht, dass man sich zuerst vorstellt, bevor man etwas fragt?“ Der Mann hob beide Brauen, er merkte wie ihm die Röte ins Gesicht stieg. „Sie sind genauso ungehobelt, wie meine Enkelin“, kam es rau von ihr, dann lächelte sie, „Sehr erfreut, ich bin Irmgard Krehahn. Aber kommen Sie erst Mal rein und wärmen sich bei einer heißen Tasse Tee auf. Der Wind ist kalt, obwohl die Sonne scheint.“

Darauf fiel Seffe nichts ein, da er so überrumpelt war. Kurz stockte der Trainer. War Lotte jetzt daheim oder nicht? Scheinbar lag es in der Familie, nicht auf alle gestellten Fragen eine Antwort zu bekommen. Die Frau ging voran und lockte: „Na, kommen Sie schon. Ihnen ist doch sicher kalt? Oder mögen Sie lieber einen Kaffee?“ Kurz sah Seffe zu seiner Honda, dann seufzte er leise, zuckte leicht mit den Schultern und folgte Lottes Oma. Hinter sich schloss er die Tür und sah sich um. Der Stil war alt eingerichtet und genau so, wie er es vermutet hätte bei dem alten Fachwerkhaus. „Ich mag Kaffee lieber, danke“, sagte er nachträglich und wurde von der Frau gebeten im Wohnzimmer Platz zu nehmen. Seine Blicke wanderten durch das Zimmer als er es betrat. Als Erstes fiel ihm auf, dass der Fernseher lief, dessen Ton jedoch auf stumm geschaltet war. Das Gerät setze sich vom Rest des Zimmers erheblich ab, es war ein riesiger LED Widescreen – Seffe schätze ihn auf 50 Zoll – und wohl das Neueste in diesem Raum. Die Möbel waren alt, aber gepflegt, der Geruch erinnerte ihn an seine Großeltern, was ihn erneut seufzen und sachte schmunzeln ließ. Das Sofa hatte geschwungene Beinchen und einen Blümchenstoff, darauf legte er seinen Motorradhelm und seine Lederjacke ab. Er trug nun noch eine Motorradjeans, Motorradschuhe, welche jedoch aussahen wie normale Vans und ein schwarz-grau-gestreiftes, langärmliges Shirt. Kurz fuhr er sich durch seine halblangen Haare die ihm ins Gesicht fielen, weil er heute kein Gel rein gemacht hatte und schaute sich um.

Neugierig ging er auf einen großen Schrank zu. Um genauer zu sein, war es ein Buffetschrank. Auf der Fläche standen ein paar kitschige Figuren von Feen-Pokémon und gerahmte Bilder. Er bückte sich leicht, um die Leute darauf besser erkennen zu können. Auf dem einen war ein Hochzeitspaar zu sehen, eine hübsche Frau und ein ebenso gut aussehender Mann standen nebeneinander. Die Frau hatte dunkles, lockiges Haar und der Mann eindeutig rote Haare. Lottes Eltern? Auf einer Bilderreihe war ein Mädchen zu sehen, vom Kleinkindalter bis hin zur Lady werdend (auch wenn sie sich nicht unbedingt so benahm), das war eindeutig Lotte. Auf dem Foto im größten Bilderrahmen war eine komplette Familie zu sehen. Seffe murmelte zu sich selbst: „Da war Lotte aber noch sehr klein... ihre Eltern, ihre Oma einige Jahre jünger und... wahrscheinlich ihr Opa. Mit vielen Pokémon.“ Er lächelte kurz, das Bild war ihm sympathisch. Unter anderem hielt Lottes Oma ein junges Yorkleff im Arm. Es gab noch mehrere kleine, gerahmte Fotos von verschiedenen Pokémon.

Dann hörte er Schritte, ging schnell zum Sofa und setzte sich hin. Als ob er schon die ganze Zeit dort gewartet hätte. Die Frau kam mit einem Tablett herein, wo einiges drauf stand. Hilfsbereit sprang Seffe wieder auf. „Warten Sie, ich nehme Ihnen das Tablett ab.“ Die alte Frau lächelte nur. „Ein zuvorkommender, junger Mann“, dachte sie sich. Damit hatte er die verpatzte Vorstellung wieder wettgemacht, ohne es selbst zu bemerken. Die alte Frau setzte sich und sah zu dem Mann mit den blauen Haaren, welcher das Tablett auf dem Tisch abgestellt hatte und gerade mit erhobenen Brauen seinen Blick darüber wandern ließ. Es stand nicht nur Kaffee darauf, Milch und Zucker, sondern auch für jeden jeweils ein Stück Käsekuchen.

„Den habe ich gestern gebacken, ich dachte Sie sind bestimmt hungrig. Bedienen Sie sich ruhig“, sagte die weißhaarige Frau lächelnd. Seffe dankte ihr und machte Milch und drei Löffel Zucker in seinen Kaffee und bekam das Kuchenstück von der Frau zugeschoben. Er rührte in seinem Kaffee und sah dann zu ihr, scheinbar freute sie sich über seinen Besuch. Nur warum? Suchte sie Beschäftigung oder hatte sie noch einen anderen Vorwand? Lottes Oma hatte nun eine Brille auf und sah ihn abermals musternd an, was ihn leicht verunsicherte. „Sind Sie denn ganz alleine hier?“, fragte er schließlich und trank einen Schluck aus der großen Tasse.

„Oh nein…“, antwortete die Frau, „Eigentlich ist immer Wuschel, mein Terribark, bei mir. Aber Lotte ist mit den Pokémon in den Wald gegangen und hat ihn mitgenommen.“ Dann blinzelte sie über ihre Brille, es schien ihr wieder eingefallen zu sein, dass Seffe ja nach ihrer Enkelin gefragt hatte. „Haben Sie sich mit ihr verabredet? Dann sollte sie bald hier sein, Lotte ist eigentlich immer sehr zuverlässig.“ Lächelnd sah sie den Blauhaarigen an. Ein hübscher Bursche war das, fand sie. Trotz des Nasen-Piercings, aber so waren nun mal die jungen Leute und sie freute sich für Lotte.

„Ich ehm… nein, nicht wirklich“, Seffe musste es ihr erklären, um falschen Vermutungen aus dem Weg zu gehen. „Also… ich hab sie im Wald flüchtig kennen gelernt und wir hatten unsere Monster kämpfen lassen. Im Pokémon-Center gab es wohl eine Verwechslung. Ich hatte gehofft sie hier an zu treffen, um die Pokémon wieder mit ihr zu tauschen. Sie hat mein Pikachu und ich ihr Pixi.“

Die Frau sah nun etwas enttäuscht aus, fast sogar traurig und seufzte leise. „Oh, so ist das.“

Seffe versuchte seine Mimik zu beherrschen, scheinbar hatte die ältere Dame andere Hoffnungen geschöpft. Hatte sie ein Pakt mit Schwester Joy geschlossen und wollte ihn mit Lotte verkuppeln?

Dann lächelte die Frau wieder. „Lotte ist wahrscheinlich wieder zum Vertania Wald gegangen. Dann kann ich Ihnen leider nicht sagen, wann sie zurückkommt. Sie ist dort immer zum Trainieren. Aber die meisten Trainer dort sind Kinder und langweilen sie. Sie haben Lotte haushoch besiegt, nicht wahr?“

Seffe stockte kurz beim letzten Satz und nickte, ehe er leicht mit den Schultern zuckte. „Naja... Haushoch ist etwas übertrieben“, kam es bescheiden von ihm.

„Ich habe ihr schon oft gesagt, dass die Stärke der Pokémon nicht alles ist, aber sie ist so hitzköpfig.“

Der junge Mann blinzelte nur, dann zeigte die Oma auf das Kuchenstück. „Essen Sie schon! Wenn Sie Lotte im Vertania Wald finden wollen, brauchen Sie viel Kraft und Ausdauer. Sie geht nämlich immer Querfeldein und hat eine Menge Energie. Sie legt meistens sehr weite Strecken zurück.“

Seffe sah sie kurz vielsagend an, musste danach schmunzeln und aß den Kuchen. Das Stück schmeckte auch wirklich vorzüglich, was man ihm ansah und die alte Frau lächelte zufrieden.

„Wie lange trainieren Sie schon Pokémon? Sie wirkten im Fernsehen ziemlich erfahren.“

Kurz räusperte er sich und sah nachdenklich hoch an die Decke. „Hmm, ich bin mit Pokémon aufgewachsen. Den ersten Kampf habe ich mit 8 Jahren ausgetragen. Aber richtig angefangen zu trainieren, habe ich erst nach der Schule.“ Kurz dachte er an seinen ersten Kampf zurück und schmunzelte gedankenverloren, dann schob er seine Brille hoch und sah zur Frau. „Man muss ja auch immer schauen, wie man über die Runden kommt, das viele Reisen will schließlich finanziert werden“, fügte er hinzu.

Die Frau nickte. Das kam ihr irgendwie bekannt vor, Lotte sparte auch schon die ganze Zeit, um auf Reise zu gehen. Nun sah Seffe auf die Uhr und hob erschrocken die Brauen. „Oh man, schon so spät“, stieß er aus, „Ich muss Lotte noch finden, Pokémon tauschen und zurück nach Saffronia.“

Oma Krehan trank ihren letzten Schluck Kaffee aus und blinzelte. „Sie wollen das alles heute noch zu Fuß zurücklegen?“, fragte Sie verdutzt.

Der andere lachte kurz auf. „Nicht doch. Das würde ich mit Sicherheit nicht schaffen. Ich bin mit dem Motorrad unterwegs.“ Dabei zeigte er auf seinen Helm.

Jetzt erst fiel der alten Dame der Helm neben den Kissen auf, sie hatte ihn die ganze Zeit nicht bemerkt. „Kommen Sie denn damit durch den Vertania Wald?“

Der Mann nickte zuversichtlich. „Ja, mein Motorrad ist relativ geländegängig.“

„Dann haben Sie mit Sicherheit auch ein Tattoo.“

Seffe wollte gerade seinen Kaffee aus trinken und verschluckte sich dabei. Ein Tattoo? Er war tätowiert! Langsam sah er wieder hoch, zuckte mit den Schultern und nickte. „Das gehört zum Klischee, nicht wahr?“

Er stellte die Tasse wieder aufs Tablett und ging weiter nicht auf das Thema ein. Gerade wollte die Weißhaarige nochmal nach haken, da stand Seffe auf und schnipste mit dem Finger. „Ich hab eine Idee“, lenkte er grinsend ab und griff an die Pokébälle an seinem Gürtel. Den kleinen, auserwählten Pokéball hielt er hoch, welcher ca. 3 cm groß war. Als er mit dem Daumen auf den vorderen Knopf drückte, wuchs der Ball um das Fünffache an und war bereit geworfen zu werden, um ein Monster auszuspucken. Seffe lächelte charmant. „Pokémon sind hier erlaubt?“

„Wenn sie nichts kaputt machen, sehr gerne!“, kam es grinsend von der alten Dame.

„Keine Sorge.“ Seffe nickte zuversichtlich und ließ sein Arkani aus dem Ball. Paulinchen wirkte in dem Zimmer doch größer als geahnt, kurz streckte sie sich, ehe sie sich um sah und mit einem kurzen Kläffen ihren Trainer begrüßte. „Na, meine Große“, sagte er sacht zu ihr und streichelte über ihren Kopf, „Beweg dich langsam, damit du nichts umwirfst.“ Mit einem stolzen Lächeln sah er zu Lottes Oma und machte eine gleitende Handbewegung zu seinem Feuerhund. „Darf ich vorstellen? Das ist Paulinchen, meine Arkani-Dame.“ Paulinchen war ganz schön groß, er konnte ihr genau ins Gesicht sehen.

Man sah der weißhaarigen Frau an, wie sehr sie sich über das Pokémon freute, sie stand auf und streckte langsam eine Hand zu ihr. „Du bist aber eine Hübsche. Und so tapfer, ich habe im Fernsehen gesehen, wie treu du zu deinem Trainer stehst.“ Liebevoll leckte ihr Arkani über die Hand, ehe es seinen Kopf nach unten nahm und ihn vorsichtig an die alte Frau drückte.

„Sie ist sehr verschmust“, sagte Seffe grinsend, „Früher hat sie mich mit ihrer Liebe Wort wörtlich erdrückt.“ Kurz ließ er die Szene einfach laufen, er sah deutlich, wie sehr sich die Frau über die liebevolle Art seines Arkanis freute und es streichelte. In der Zwischenzeit zog er seine Jacke wieder an und nahm den Helm. „Liegt hier irgendetwas rum von Lotte, eine Jacke oder so?“, fragte er sie schließlich und sprach dann zu seinem Monster: „Paulinchen, du musst ihre Fährte aufnehmen, ich bin etwas im Zeitdruck und muss Lotte so schnell wie möglich finden.“ Das Feuer-Pokémon antwortete erneut mit einem kurzen Kläffen.

Oma Krehahn lächelte und zeigte auf eine Garderobe. „Da vorne hängen Jacken von Charlotte“, sagte sie und Arkani stupste sie ein letztes Mal an. Dann trabbte sie zur Garderobe, um die Fährte aufzunehmen. „Charlotte Krehahn heißt sie also mit vollem Namen…“, dachte Seffe kurz.

Lottes Oma kam noch ein Stück mit zur Tür, Seffe bedankte sich nochmal für die Gastfreundlichkeit und ließ Arkani vorlaufen. Er schloss die Tür hinter sich und setzte den Helm im Gehen wieder auf. „So, Paulinchen. Das war zwar nett, aber hat leider viel mehr Zeit gekostet als geplant, wir müssen uns jetzt wirklich beeilen.“ Arkani sah ihn nur mit großen Augen an und Seffe stieg auf sein Motorrad, er zog sein Halstuch hoch, über seinen Mund und die Nase. „Die Fährte hast du?“, fragte er die Feuerhündin. Paulinchen sprang vor ihn und schnüffelte den Boden ab, dann jaulte sie kurz und sah die Straße hoch. „Sehr gut“, kam es von seinem Trainer zufrieden und er ließ die Honda an, „Dann los! Such!“ Und sogleich sprintete Paulinchen los. Auf sie war eben Verlass. Noch einmal sah er zu dem Häuschen zurück und gab dann mehrmals Gas, ehe er los fuhr.

Mit einem leichten Lächeln im Gesicht, sah die weißhaarige Frau dem jungen Mann nach. Dass er ihrer Enkelin gefiel, wusste sie, ohne näher nachgefragt zu haben. Die kurze Begegnung und der Umgang mit seinem Pokémon hatten ihr gereicht, um zu wissen, dass er ein ehrlicher Junge war. Sie hatte seine Entschlossenheit in den Augen gesehen, er würde seinen Weg gehen. Für Charlotte wünschte sie sich, dass sie auch eine Reise als Trainerin antreten könnte. Vielleicht würden sie ja doch zusammen finden und Seffe würde sie eine Weile mitnehmen. Er wirkte ruhig und kontrolliert und könnte dem Temperament ihrer Enkelin bestimmt standhalten.


Es hätte so einfach sein können

Immer wieder wurde Arkani langsamer und senkte den Kopf, um auf dem Boden die Fährte zu erschnüffeln. Paulinchen hatte sichtlich Spaß daran, sie rannte gerne und Fährten lesen fand sie besonders spannend. Seffe hielt hinter ihr mit dem Motorrad an und sah nachdenklich seinem Feuer-Pokémon zu. Sie hatten schon halb eins, die Zeit rannte und Lotte wusste doch bereits, dass sie das falsche Pokémon mit sich führte. Warum also, mussten sie immer weiter in den Wald hinein? Er hatte ein komisches Gefühl bei der Sache und irgendwas verriet ihm, dass ihn noch eine Überraschung erwarten würde. Ein Jauler von Paulinchen holte ihn aus seinen Gedanken zurück und er ließ sein Motorrad vor rollen, zu dem Punkt, wo Arkani stand und ihn erwartungsvoll ansah. „Hast du was gefunden?“, fragte er und zog das Halstuch nach unten. Arkani sah ihn mit schief gelegtem Kopf an und dann runter auf dem Boden. Oh… er stand wohl genau auf dem Fund. Dann verzog er die Brauen. „Was zum Giratina…?“, kam es von ihm.

Er stand auf einer schwarzen Fläche. Der Rest des Weges schien normal zu sein. Doch die Stelle, fast kreisrund schien stark erhitzt worden zu sein. Jetzt wo er sich darauf konzentrierte, roch es auch noch verbrannt. In der Mitte kohlrabenschwarz lief der Fleck an den Seiten aus, wie kleine Adern die immer mehr verblassten. „Das war der Einschlag einer starken Elektro-Attacke...“, murmelte er und sah zu Paulinchen auf, „Meinst du etwas, das war…?“ Das Hunde-Monster kläffte kurz und nickte. „Das gibt´s doch nicht… hat sie etwa mit Zitrone gekämpft?“, kam es fassungslos von Seffe und er dotze sich kurz selber mit der Hand gegen den Helm. Er konnte es nicht fassen. Kurz hielt er inne.

„Ich kann mir kaum vorstellen, dass Zitrone auf sie hört…“, sprach er weiter und nickte zu Paulinchen. Sie reagierte sofort und drückte die Schnauze wieder schnüffelnd auf den Boden, ehe sie weiter rannte. Die Tankanzeige des Motorrads war nun fast leer, Seffe verzog das Gesicht.

Der Weg führte immer weiter durch den Wald, jedoch auf einem einigermaßen befahrbaren Weg. Wo zum Giratina, war Lotte hingegangen? Sie fuhren schon ziemlich lange und teilweise im Kreis. Paulinchens Nase war gut, aber Lotte war in diesem Wald auch schon so gut wie fast überall gewesen. Dann bellte das Feuer-Pokémon, als sie merkte, dass ihr Trainer ihr nicht mehr folgte und rannte zurück zu ihm. Fluchend musste er sein Motorrad abstellen. Mitten im Wald. Im Nirgendwo. Er hatte mal wieder keinen blassen Schimmer wo sie waren. „Verfluchter Mist, kein Sprit mehr…“, sagte er finster schauend und Pauli winselte. „Ich hätte letztens doch noch in Azuria tanken sollen...“, fügte er hinzu und sah resignierend zu seinem Hunde-Pokémon. „Ich hoffe, das war´s für heute an Zwischenfällen...“

Nachdenklich sah er in die Baumkronen des Waldes. Arkani hatte sich neben ihn gesetzt und kratzte sich mit dem Hinterlauf am Ohr, ehe sie aufmerksam in eine Richtung sah. „Was ist los?“, fragte Seffe, Paulinchen hatte etwas bemerkt und fing an zu knurren. Zusammen mit ihr ging er im Schnellschritt in die Richtung, wo das Feuer-Pokémon das Geräusch wahrgenommen hatte. Bald konnte er eine Silhouette erkennen. Als die Gestalt klarer wurde, erkannte er einen Jugendlichen mit struppigem Haar und dicker Brille auf der Nase. Der Junge fluchte wild und sah erst auf, als Seffe so vor ihm stand, dass er ihn fast angerempelt hätte.

„Eehh du! Ich hab keine Pokémon mehr zum Kämpfen, okeee?! Also geh mir aus dem Weg!“, kam es unfreundlich von dem Jugendlichen.

Seffe hob schlichtend seine Hände. „Alles gut, ich habe selber genug Pannen heute gehabt und keine Lust zu kämpfen. Aber was ist dir denn passiert?“ Sein Blick war neugierig und Arkani neigte den Kopf.

„Aaach... hör mir auf! Geh mir aus dem Weg, wieso sollte dich das interessieren?“, abweisend ging er einen Bogen um den Blauhaarigen.

„Brauchst du einen Beleber?“, fragte Seffe mit einem wissenden Grinsen. In dem Moment stockte der andere und wand sich um. Skeptisch beäugte er Seffe und sein hochgewachsenes Pokémon. „Du kommst mir so bekannt vor“, sagte er schließlich und ging ein paar Schritte auf ihn zu, „Hast du beim Hypercup mitgespielt?“

Seffe sah nur auf ihn herunter, behielt sein kühles Grinsen und ging auf die Frage des Jungen nicht weiter ein. „Antwort gegen Beleber. Was ist dir passiert?“

Der andere hatte die Augenbrauen fast zu einem durchgängigen Strich zusammen gezogen. „Okay, aber erst der Beleber!“

Seffe verzog den Mund und hielt ihm die Flasche hin, gerade als der andere danach greifen wollte, zog er sie wieder weg und nickte ihm auffordernd zu. Dieser schnaufte. „Diese blöde Göre, eine riesen Klappe hat se gehabt und ging mir tierisch auf die Nerven!“

Aha. Das kam Seffe doch bekannt vor. „Rote, lockige Haare?“, fragte er und wackelte mit dem Beleber in seiner Hand.

Der andere rollte mit den Augen und nickte. „Kennst du die etwa? Leg dich echt nicht mit der an, sach ich dir...“

Gerade wollte Seffe ihm den Beleber geben und der Jugendliche griff danach, da stockte er und zog seine Hand erneut weg. „Wieso? Wie meinst du das?“

Der Junge griff sich in seine strubbeligen Haare, als ob er gleich an ihnen zerren wollte und funkelte den Größeren an. „Ey, du echt jetzt! Nur weil du im Fernsehn warst, brauchste dich net aufführen! So viele Fragen! Das sind mindestens zwei Beleber!“

Seffe hob nur eine Braue, ehe er finster drein schaute. „Ein Beleber und einen Trank, wenn überhaupt!“

Doch der Jugendlich schüttelte aufmüpfig den Kopf. Kurz schloss Seffe zur Beherrschung die Augen, dann packte er ihn am Kragen. „Antworte oder mir geht die Geduld ganz aus!“, zischte er den Jungen an. Dieser zappelte und versuchte seine Jacke von dem festen Griff zu befreien. Da er erfolglos blieb, gab er nach und redete schnell weiter. „Sie hatte ein Pikachu und hat all meine Käfer-Pokémon einfach damit weg gebrutzelt! Sie hat große Sprüche gekloppt und gesacht sie geht inne Wasser Arena und dass ich nur ´ne Vorspeise für das blöde Vieh gewesen wär!“ Man hörte deutlich Frust in seiner Stimme.

Seffe hielt ihn noch einen Moment fest und sah ihn ernst an. Dann ließ er den Käfer-Freak wieder los und schnaufte genervt. Er musste Lotte einholen! Aber mit leerem Tank...? „Das ist doch nicht ihr Ernst...“, murmelte er und sah fassungslos zu seinem Feuerhund. Arkani murrte und schüttelte sich.

„Der Beleber“, kam es nun von dem Jungen tonlos. Sichtlich rollte Seffe mit den Augen, gab ihm das Item und wand sich um.

„Und der Trank!“, forderte der Jugendliche, worauf sich Seffe, halb mit seinem Oberkörper umwand, um dem Typen einen bösen Blick entgegen zu werfen. „Zisch ab jetzt!“, sagte er rau und kurz schien es so, als würde er sich den anderen gleich wieder packen. Der Kleinere zuckte kurz auf und tat dann das Gesagte.

Genervt sah ihm Seffe hinterher und stand mit hängenden Armen da. „Gibt´s hier eigentlich nur Blöde?“, fragte er Paulinchen, diese legte nur den Kopf schief. „Pauli, wir müssen uns beeilen und sie aufholen! Die spinnt wohl! Und warum zum Giratina, hat sie Zitrone unter Kontrolle?!“ Arkani merkte die angekratzte Stimmung seines Trainers deutlich und sah ihn schon kurz vorm Durchdrehen. Um ihn zu beruhigen hob sie eine Pfote und tippte ihn einige Male an. Als sie endlich seine Aufmerksamkeit hatte, legte sie sich auf den Bauch und machte eine Kopfbewegung, dass er aufsteigen solle. Seffe hob beide Brauen. „Wirklich?“, fragte er unsicher sein Monster. Immerhin hatte er den schweren Rucksack auf dem Rücken und den unhandlichen Motorradhelm. Doch Arkani murrte und nickte erneut. Kurz verzog Seffe das Gesicht und ging zurück zu seinem Motorrad. Er machte den Rucksack vom Gepäckträger ab und setzte ihn sich auf, den Helm hatte er ja noch auf dem Kopf. Die Honda musste er wohl oder übel stehen lassen. Und Arceus bewahre, dass seiner Honda was passieren würde!

Dann kletterte er auf den Rücken des Feuerhundes und tätschelte den kräftigen Hals. Er wusste wie schnell Arkanis sein konnten und obwohl Paulinchen schon länger in seinem Team war, war er noch nie auf ihr geritten. Ohne ein weiteres Wort erhob sich Arkani und nahm die Fährte erneut auf. Dann sprintete sie los und Seffe krallte sich in dem Fellkragen des Monsters fest. Anders als Panzaeron war sie schön weich und warm. Er musste lächeln, Arkani war einfach super. Bald rannte Paulinchen wie der Wind durch den Wald. Hin und wieder wurde sie langsamer und hielt den Kopf geduckt zum Schnuppern. Dann wurde sie wieder schneller. Seffe war sich nicht sicher wie schnell Arkani rannte, er schätze es teilweise auf mindestens 80 km/h über Stock und Stein. Der Wald flog förmlich an ihnen vorbei. Hier und da hüpfte die Arkani-Dame auch über einen umgefallenen Baum, wo Seffe immer wieder kurz das Gefühl bekam den Halt zu verlieren. Aber Paulinchen passte auf, dass dies nicht passierte. Scheinbar kürzte sie ab und schon bald konnte Seffe den Ausgang des Waldes sehen.

Anmutig trabte Arkani mit ihrem Trainer auf dem Rücken durch Marmoria, ehe sie stehen blieben. Die Blicke der Leute lagen auf Ihnen, langsam gewöhnte sich Seffe daran. Aber wer ritt auch schon auf einem Arkani durch die Stadt? Der restliche Weg hatte bei dem Tempo 15 Minuten gedauert, nicht daran zu denken, wie lange er zu Fuß gebraucht hätten. Als Seffe abgestiegen war, setzte er seine Helm ab und legte plötzlich die Arme um ihren Paulinchens Hals, dabei gab er ihr einen Kuss ins Fell. „Das war echt super!“, sagte er leise zu dem großen hundeartigen Pokémon. Paulinchen hechelte und schien ihn dabei breit anzulächeln. Sie war sichtlich stolz, solche Anerkennung von ihrem Trainer zu bekommen. Dann fiel Seffes Blick auf die Arena auf der anderen Straßenseite. Hier konnte es jedoch nicht sein. Es war die Arena, welche sich auf Gestein-Pokémon spezialisiert hatte, mit dem Leiter Rocko. Seffe sah Arkani an. „Die Wasser-Arena ist noch eine Stadt weiter... hast du die Fährte noch?“

Paulinchen bellte kurz auf und nahm die Fährte erneut auf. Seffe sah sich um, irgendwie wurde er das Gefühl nicht los beobachtet zu werden. Wortlos folgte er seinem Feuerhund, ehe sie an einer Bushaltestelle stehen blieben. „Och nööö, oder? So holen wir sie mit Sicherheit nicht mehr ein!“ Er klang verzweifelt und verärgert zugleich, sein Blick fiel zu Boden und Paulinchen murrte, auch sie ließ nun den Kopf hängen. Betröppelt standen beide nebeneinander und Seffe blieb wohl nichts anderes mehr übrig als auf den Bus zu warten.

„Hey, Trainer“, kam plötzlich eine Stimme von hinten, Seffe und Arkani drehten gleichzeitig ihren Kopf zu dem Mann. Seffes Gefühl täuschte ihn selten und die Vermutung beobachtet zu werden, hörte schlagartig auf. Der Mann war mittleren Alters, hatte eine einfache Jeans an, eine dicke Jacke und darunter einen lässigen Pulli.

Begeistert sah er zu dem Trainer auf. „Ich glaube meinen Augen kaum, du bist es wirklich!“, dabei klatschte er sich in die Hände. „Das ist ja unglaublich! Was suchst du in Marmoria? Kann ich dir weiterhelfen? Du und dein Pokémon... ihr seht beide so … niedergeschlagen aus.“

Seffes Augenbraue wanderte langsam in die Höhe und er tauschte mit seinem Arkani Blicke, ehe er den Mann musterte. „Sorry... aber... kennen wir uns?“ In seiner Stimme konnte man eindeutig Skepsis herausfiltern. Er war sich sicher den Kerl noch nie vorher gesehen zu haben.

Der Mann dessen Haare bereits lichte waren stockte. „Oh tut mir leid. Natürlich nicht. Ich habe aber deine großartigen Kämpfe im Fernsehen verfolgt!“, er verneigte sich kurz, „Beeindruckende Leistung, dein Stil ist unverwechselbar, du hast viel Talent Pokémon zu führen... aber was rede ich? Das hast du bestimmt schon oft gehört. Deine Arkani-Hündin ist viel anmutiger noch, als ich sie mir vorgestellt habe...“ Wieder tauschte Seffe mit seinem Pokémon nur einen Blick. „Ich bin Matthias. Du kannst mich Matze nennen“, sprach der Mann weiter und hielt Seffe die Hand hin. Mit seinen strahlend-blauen Augen lächelte er ihm entgegen. „Ich hätte zu gerne ein Autogramm von dir, bekomme ich eins?“

Seffe hob einen Mundwinkel in die Höhe und schüttelte ihm schließlich die Hand. Er schien etwas irre, aber harmlos zu sein. „Wenn´s nur das ist. Aber dann musst du dich beeilen... ehm... Matze. Mein Bus kommt in zehn Minuten. Hoffe ich zumindest.“ Scheinbar hatte er mittlerweile ein paar Fans gewonnen, was ihn freudig lächeln ließ, doch sogleich verfinsterte sich seine Mine wieder. Matze freute sich darüber, natürlich ging es schnell, als Pokémon-Nerd hatte er sein Unterschriften-Sammelbuch immer dabei und griff in die Innentasche seiner Jacke. All die Handgriffe tat er, ohne auf zu hören Seffe anzustarren. Er bemerkte dessen Mimik und wie der Champ mit dem Blick und auch seinen Gedanken anfing ab zu schweifen. Gerade wollte er ihm sein Buch hin halten, da stockte er und drückte es mit beiden Händen fest an seine Brust. „Was ist los? Du wirkst so... nachdenklich...“

Seffe blinzelte den Mann an und winkte ab. „Ach lange Geschichte“, er klang genervt. Paulinchen gab einen leisen Kläffer von sich und legte ihren Kopf sanft auf Seffes Schultern. Noch immer verharrte Matze in seiner Bewegung und sah Seffe mit großen Augen an. „Du hast einen Motorradhelm bei dir... hattest du eine Panne? Weil du auf Arkani geritten bist.“

Seffe rollte mit den Augen und verzog das Gesicht, gab sich dann einen Ruck und redete doch. „Aach, ich ärgere mich so... Ich hab die ganze Zeit nur Pannen!“ Ein Schnaufen. „Mein scheiß Tank ist im Wald leer gegangen, ich musste das Motorrad zurücklassen, weil ich hoffte wen einzuholen... Aber das wird wahrscheinlich eh nichts mehr, weil ich jetzt mit dem scheiß-drecks-verfluchten Bus nach Azuria pimmeln muss!“ Gegen Ende hin wurde Seffe immer lauter und man konnte unschwer seinen Frust erkennen. Nun formte der Mann seinen Mund zu einem schmalen Strich und sah nachdenklich zur Seite, sein Büchlein hatte er noch immer mit beiden Händen umklammert. „Also ich habe ein Auto. Wenn du willst, fahre ich dich schnell hin. Über die Autobahn dauert es vielleicht eine halbe Stunde.“

„Was echt?“ Ungläubig sah ihn Seffe an und Paulinchen stieß einen freudigen Ton aus.

„Das Angebot steht. Und mein Auto ist gleich da drüben. Das Grüne“, sagte der Mann und ließ das Buch nun mit einer Hand los, um auf seinen alten Audi 100 zu zeigen. Seffe verzog leicht die Brauen. Das Fahrzeug sah aus, als hätte sich darüber jemand mehrfach übergeben. Die Farbe war furchtbar und der Lack war echt herunter gekommen, aber das sollte ihn nicht daran hindern sich in das Auto hinein zu setzen.

In seinem Blick konnte man nun neue Hoffnung sehen und er lächelte dem Mann breit entgegen. „Dann bin ich mal so frech und sage: ja!“ Er sah wieder auf Arkani und streichelte es, ehe er einen Ball hochhielt und Paulinchen mit einem Zwinkern einzog.

Matzes Augen wurden groß, so als ob er gar nicht glauben konnte, Seffe chauffieren zu dürfen. „Na, dann: Los!“, kam es von ihm, er hielt dem Trainer sein Buch hin, welcher es abnahm und in die Innentasche seiner Lederjacke steckte. Dann ging er mit ihm auf die andere Straßenseite zu seinem Auto. Mit dem Schlüssel machte er die Türen auf und sie setzen sich rein. Das Auto war von innen unerwartet gepflegt und überall hingen Sachen herum. Seffe sah sich um und entdeckte neben den ganzen Karten, Schlüsselanhängern und Figuren, unter anderem eine Unterschrift auf dem Armaturenbrett. Der Mann startete den Motor und sie fuhren los, grinsend sah er zu dem Blauhaarigen. „Das ist die Unterschrift von Marty Mc Fly, du weißt? Der letzte Gewinner der Pokémon-Auto-Rallye.“ Seffe grinste ihn an und nickte. Diese Art von Rallyes fand er auch immer sehr amüsant. Sie waren wie die normalen Auto-Rallyes, nur dass jeder Fahrer ein Pokémon als Partner an seiner Seite hatte, welches ihm half Hindernisse zu überwinden oder auch Unfälle etwas abzufangen.

„Du sammelst alle möglichen Unterschriften“, stellte Seffe fest, doch da hob der Mann einen Finger. „Oh nein! Nur von den Leuten, bei denen ich merke, dass Talent dahinter steckt!“, sagte er mit tiefer Stimme und strenger Betonung.

„Oh... na dann fühle ich mich ja richtig geehrt.“ Seffe musste kurz lachen.

„Die meisten Unterschriften habe ich ergattert, da waren es noch gar keine großen Berühmtheiten“, sprach der Mann und nachdem sie kurz an der Ampel gestanden hatten, fuhren sie nach der Kurve schon auf die Autobahn auf. Seffe sah ihn nachdenklich aus den Augenwinkeln an und dann aus dem Fenster heraus. Er hatte vergessen wie gut Marmoria eigentlich angebunden war.

Nach einer kurzen Weile des Schweigens ergab sich ein nettes Gespräch. Beide Männer lachten viel und Seffe erzählte ihm, wie sich seine blöde Situation ergeben hatte. So verging die Zeit wie im Flug und sie ließen das Ortsschild Azuria hinter sich.

„Hier wären wir“, sagte Matze mit einem breiten Grinsen und hielt in der Mitte der Stadt auf einem Parkplatz an. Von hier konnte man die Arena bereits sehen. Das Gebäude ragte wie alle Arenen groß heraus. Das Dach wölbte sich nach oben und leuchtete in blau, es war so abgedeckt, dass sein Anblick an Wasserwellen erinnerte. Mit zusammen gezogenen Brauen sah Seffe auf die Arena. „Soll ich auf dich warten und wieder mit zurück nehmen?“, fragte ihn Matthias. Nicht nur, weil er eh wieder zurück fahren musste, sondern auch, weil Seffe ihm noch nicht sein Buch zurück gegeben hatte. Vielleicht würde er das dann auf der Rückfahrt machen. Seffe grinste ihn dankbar an und nickte. „Dafür hast du echt was gut bei mir, Matze!“ Matthias erwiderte es mit einem freudigen Lächeln.

Als Seffe aus stieg, ließ er Paulinchen erneut heraus. Er war sich immerhin nicht sicher, wo sich Lotte gerade befand. Doch wie vermutet rannte Arkani in Richtung der Wasser-Arena ... und Seffe hinter ihr her.


Der zweite Orden

Ein junger Trainer-Lehrling hatte sich Lotte in den Weg gestellt und forderte sie vor der Arenaleiterin Misty heraus. Als Pikachu hinter ihr hervor getreten war, wurde dieser schon ganz blass. Schnell hatte sie ihn besiegt und konnte Misty selbstbewusst zum Kampf herausfordern.

Als diese das Pikachu erblickte, wurde ihr Gesicht ernst. Das Nager-Pokémon war so neongelb, dass es schon fast in den Augen weh tat und irgendwie kam es der Arena-Leiterin bekannt vor. Doch näher dachte sie nicht darüber nach, zu sehr war sie darüber verärgert, dass jemand mit einem Elektro-Pokémon in einer Wasser-Arena erschien. Die Trainerin dachte wohl, sie könnte schnell mal einen Orden kassieren. Misty sah die Rothaarige mit gekreuzten Armen strafend an.

Die Arena-Leiterin hatte eine tolle Figur und kam wohl gerade vom Schwimmen. Die Spitzen ihrer blondroten Haare tropften noch und an ihrem sportlichen, weiß-blauen Badeanzug perlten die Wassertropfen herunter. Sie hatte eine Art Bobschnitt und trug einen weißen Bademantel darüber sowie blaue Badeschlappen. Ihr Alter lag knapp über dreißig.

Mit einer schwungvollen Kopfbewegung sah sie ärgerlich zur Seite. Lotte wurde von dem Wasser aus ihren Haaren dabei leicht nass gespritzt und verzog die Brauen. Misty schien kurz zu überlegen und nickte dann doch. „Du denkst wohl mich schnell mit einem Elektro-Pokémon besiegen zu können, aber so einfach werde ich es dir nicht machen. Wenn du nur dein Pikachu einsetzten willst, werde ich mein stärkstes Monster wählen! Es hat den Typ Wasser-Psycho. Ich will es dir nicht zu einfach machen“, sagte sie leicht schnippisch.

Lotte sah Misty noch immer entschlossen an. Pikachu neben ihr, sah hingegen ziemlich desinteressiert aus und kratze sich mit einem seiner Hinterpfötchen am Ohr.

„Es ist das Pokémon, was am längsten an meiner Seite kämpft. Solltest du das schaffen, hast du dir den Wasser-Orden verdient.“ Die Arenaleiterin war sehr selbstbewusst und hatte nun ein Lächeln aufgesetzt.

Die Rothaarige sah auf Pikachu, hoffentlich spielte Zitrone jetzt richtig mit. Sie hatte ihre Hände zu Fäusten geballt und schluckte. Natürlich war sie nervös. Dann sah sie mit einem entschlossenem Lächeln zur Arena-Leiterin und nickte.

Misty und Lotte gingen auf ihre Plätze. Sie standen sich gegenüber, der Arena-Platz lag zwischen ihnen. Es war ein riesiges, rechteckiges Schwimmbad. Auf dem Wasser schwammen Bojen und gut verteilt inselartige Flächen, damit auch Pokémon, die nicht ausschließlich schwammen, kämpfen konnten. Alleine die Kampffläche war bereits eine Herausforderung, dachte Lotte. Aber sie würde es schon schaffen. Irgendwie.

„Bereit, Zitrone? Ich vertrau auf dich“, sagte sie und zeigte auf die Arena-Mitte. Zitrone zuckte mit einem Ohr und sprang auf eine der Inseln am Rand. Das Pokémon war immer noch genervt überhaupt hier zu sein. Sie hatten auf dem Weg zwar schon ein paar Dinge zusammen geübt, aber besonders viel Vertrauen hatte sie noch immer nicht in Lotte. Viel mehr hatte Zitrone Lotte ein paar Sachen, außer Donnerblitz, gezeigt, die sie auch noch konnte. Im Kampf mit einem Käfer-Freak konnte ihr das Pikachu gut eine Auswahl ihrer Attacken vorführen.

Misty lächelte selbstbewusst und rief: „Dann kann der Kampf ja beginnen! Los Starmie!“ Sie schmiss den Pokéball in hohem Bogen und ein violettes Monster trat hervor. Es sah aus, als hätte man zwei fünfarmige Seesterne hintereinander geklebt. In der Mitte des Sterns war ein zehn-zackiges Ornament in Gold, worin ein Edelstein gefasst war. Der Edelstein-Kern von Starmie funkelte hauptsächlich rot und das Pokémon gab einen merkwürdigen zischenden Ton von sich.

(Starmie: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgRiPlZVyWh15n7V8
oh warte... Starmie: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgRbIm_5DXj4w5Thl)

Den würde Pikachu schnell umhauen, dachte sich Lotte und zeigte sogleich mit dem Finger auf das Sternen-Monster. „Los Zitrone, Donnerblitz!“, rief sie. Zitrones Wangen fingen an zu blitzen und sie stieß einen Donnerblitz auf den Wasser-Psycho-Stern ab.

„So leicht nicht!“, kam es lachend und gleichzeitig von Misty, ihr war klar gewesen, dass das Mädchen direkt in die Offensive gehen würde. „Lichtschild, Starmie!“

Bevor Pikachus Donnerblitz treffen konnte, hatte dieser die Psycho-Attacke Lichtschild verwendet und eine Spiegelung erschien vor ihm, wie eine Art Scheibe glänzte sie im Licht. Der Donnerblitz durchbrach die Scheibe und traf Starmie, welcher zischend ins Wasser fiel. Zitrone sah ihm hinterher, das Becken war tief. Geschickt drehte sich Starmie durch das Wasser. Misty hatte einen entschlossenen Blick und ebenso entschlossen wirkte auch das violette Monster, obwohl der Stern kein Gesicht hatte.

„Zitrone, nochmal Donnerblitz ins Wasser!“, rief Lotte dem Elektro-Wesen zu.

Misty nickte nur. „Schnell raus mit dir aus dem Wasser, Starmie und attackier mit Turbodreher!“

Pikachu entfesselte seine nächste Elektro-Attacke einfach unter sich in das Wasser, doch es kam eine Sekunde zu spät. Unter Wasser bewegte sich der Stern unheimlich schnell und kam mit hohem Tempo aus dem blitzenden Becken gezischt. Diesmal war er in der Luft und flog wie ein Frisbee auf Zitrone zu, welche ihre Augen noch weitete, aber nicht mehr ausweichen konnte. „Ein guter Treffer!“, freute sich die Arena-Leiterin und warf ihren Kopf nach oben, „Und jetzt Typenspiegel!“

Pikachu schrie kurz auf und schüttelte sich. Als sie ihre Augen wieder öffnete stand der große violette Stern direkt vor ihr und sie sah an ihm hoch. Sein Kern schien plötzlich in Regenbogenfarben zu schimmern und Zitrone schloss die Augen. Sie wusste nicht was passierte, aber sie fühlte sich merkwürdig.

In der Zwischenzeit war Seffe atemlos mit seinem Arkani am Eingang der Arena angekommen. Schnaufend betrat er das Gebäude. Ein paar Trainer, sowohl weiblich, als auch männlich sahen ihn an und fingen an zu lachen. „Mit einem Feuer-Monster wirst du hier wohl kaum weiterkommen“, sagte einer zu ihm und ging auf ihn zu. Paulinchen knurrte und der Blauhaarige versuchte seinen Atem zu beruhigen, ehe sein Blick ebenfalls finster wurde. Er verblieb wortlos, griff sich nur mit einer Hand an die Jacke und öffnete sie zur Seite. Die Innenseite kam zum Vorschein und acht Orden blitzen auf. „Und das sind nur die aus Kanto. Mach mir Platz!“, knurrte er nun, der andere ging ein paar Schritte zurück und sah ihn ehrfürchtig an. Mit entschlossenem Schritt ging er auf die große Tür zu. Dank Arkani wusste er, dass sich Lotte darin befand. Eine Frau im Bikini stellte sich ihm mit ausgestreckten Armen in den Weg. „Tut mir leid, Trainer. Du kannst da jetzt nicht einfach rein, unsere Arena-Leiterin befindet sich gerade in einem Kampf!“

Seffe starrte kurz gebannt auf die Brüste der Frau, sie war wahrscheinlich erst vor kurzer Zeit vom Schwimmen gekommen, ihr Bikinioberteil war noch feucht und ihr war wohl kalt... Langsam hob er seinen Blick, seine Mimik wurde ernst, dann schob er sie sachte zur Seite und lächelte sie charmant an.

„Hey! Du kannst doch nicht einfach!“, protestierte die Frau, aber der Mann hatte einfach mehr Kraft als sie und hielt sie beiseite, öffnete die Tür und betrat den Raum. Sie zog noch an seiner Jacke, als er durch die Tür ging. Er lief jedoch hinein, ehe er stehen blieb und seine Brauen in die Höhe zog. Die Frau wurde schließlich von Arkani ganz weg gedrängelt und gab einen beleidigten Ton von sich.

Der Blick von Seffe wurde finster, Paulinchen setzte sich hinter ihn und beobachtete mit aufgerichteten Ohren den Kampf. Sie bekamen gerade noch mit wie Pikachu mit dem Turbodreher eins auf den Deckel bekam und Starmie das Element Elektro annahm. Man konnte deutlich erkennen, dass Seffe nicht besonders amüsiert war, er kreuzte die Arme und schaute böse drein.

Starmie sprang zurück ins Wasser und schwamm ein paar Meter weg von dem Pikachu. Misty, die Arena-Leiterin, hatte ihn bemerkt und sah ihn fragend an. Der Trainer war ihr bekannt und er schien nicht sonderlich erfreut zu sein. Warum dem so war, wusste sie jedoch nicht.

Nun hatte ihn auch Lotte bemerkt. Unwohlsein machte sich in ihr breit. Sie biss sich auf die Unterlippe und sah ihn reumütig von der Seite an. Seffe zog wortlos sein Arkani ein und ging ein paar Schritte auf Lotte zu, sein Blick war streng.

„Seffe? Ich erklär dir alles später... Bitte...“, kam es von dem rothaarigen Mädchen. Sie wusste, würde er jetzt dazwischen gehen, würde der Kampf als ungültig gezählt werden, da es nicht ihr Pokémon war. Pikachu schüttelte sich und sah zu Seffe. Zitrones Augen wurden groß und sie sah erleichtert aus. „Piiii!“, rief sie ihrem Trainer zu. Sie war so froh ihn zu sehen.

Noch immer stand Seffe einfach nur da, mit verzogenem Mund ließ er seinen Blick durch den Raum wandern. Gerade wollte Zitrone auf ihn zu springen, da hob er die Hand und das Monster stockte und blieb auf der letzten Insel vor dem Aus sitzen. Lotte sah ihn nur fragend an. Resignierend und ebenso verärgert sah der junge Mann zur Seite. „Bringt zu Ende, was ihr angefangen habt!“, kam es von Seffe und er kreuzte die Arme.

Misty hatte einen fragenden Blick aufgesetzt. Sie erkannte Seffe, aber was sein Auftauchen bedeutete, wusste sie nicht. Sie hörte zwar, dass die zwei Trainer etwas geredet hatten, verstand aber die Worte nicht deutlich genug. Sie wollte den Kampf zu Ende bringen und gewinnen. „Unfreundlich hier einfach herein zu platzen, Seffe! Was ist los, Lotte? Kann es weiter gehen?“, rief sie den beiden herüber und sah siegessicher auf das Mädchen.

Lotte war nun schwer verunsichert und Zitrone blickte bedröppelt drein. Hatte Seffe gerade ernsthaft von ihr verlangt, auf das unerfahrene Mädchen zu hören? Sie wusste, wenn sie die Linie überschreiten würde, um zu ihm zu gehen, wäre der Kampf direkt beendet. Die Regeln waren, dass die Pokémon im Kampf immer in einem gewissen Areal bleiben mussten, wenn sie raus flogen wurde es direkt als Niederlage gezählt.

Lotte wurde mulmig zumute, was sollte sie jetzt tun?

Misty grinste, zeigte dann auf das neongelbe Pikachu und rief: „Weiter geht`s! Starmie, Konfusstrahl!“

Sofort kam Starmie erneut aus dem Wasser geschossen, es zielte mit einem Strahl wie Nebel auf das kleine Elektro-Wesen. Zitrone sah hinein und wurde von dem Nebel auf merkwürdige Art und Weise geblendet. „Kaaaaa...“, sagte sie und verdrehte die Augen. Sie ging von der aufrechten Stellung auf alle vier Beine und schwankte. Lotte stand mit offenem Mund da und sah mit zusammengezogen Brauen auf Pikachu. „Scheiße!“, kam es nur von ihr und sie ballte die Hände. Was jetzt?

Das kleine gelbe Wesen war sichtlich verwirrt und schwankte auf der Insel. Starmie platschte zurück in das Becken. Pikachu strauchelte und fiel hin, dann rollte sie sich auf den Rücken und ihre Beinchen traten unkoordiniert in der Luft herum. Zitrone war ganz schön neben der Spur. Lotte fing an ihr etwas zu zurufen, doch sie konnte es nicht richtig wahrnehmen. Auch die Stimme der Arena-Leiterin erkannte sie und rollte sich weiter auf der kleinen Insel herum.

„So Starmie und jetzt nutzen wir mal dein neues Element Elektro aus! Du erinnerst dich an die Attacke Donnerblitz? Gib es dem Pikachu zurück!“ Mistys Blick war weiterhin entschlossen und Lotte sah immer mehr verzweifelt aus. Gleich würde Pikachu k.o. gehen und das von einem Wasser-Pokémon!

Seffe rollte mit den Augen. „Das war doch gerade die Attacke Typenspiegel, oder?!“ Er versuchte seine Tonlage zu beherrschen, doch man konnte deutlich hören, dass er sauer und genervt war.

Lotte sah ihn betreten an und nickte dann.

„Starmie hat das Element von Pikachu angenommen!“, klärte Seffe Lotte auf. Das rothaarige Mädchen sah ihn grade noch betreten an, dann sah sie mit geweiteten Augen auf Zitrone. Starmie kam aus dem Wasser geschossen und Blitze stießen aus seinem Körper heraus, ehe er einen gewaltigen Donnerblitz entlud.

Lotte und Seffe hielten sich bei dem grellen und zugleich lauten Einschlag beide die Hände vors Gesicht. Pikachu wurde getroffen und schrie laut auf. Doch das war mehr aus Schock. Zitrone hatte sich wieder auf den Bauch gerollt und ihre gezackte Rute, mit der Herzform am Ende, weit hochgestellt. Sie hatte keine Schmerzen dabei, ihre Fähigkeit Blitzfänger absorbierte die komplette elektrische Attacke, wodurch sie keinen Schaden erlitt. Starmie fiel erneut zurück ins Wasser und schwamm am Grund herum.

Lotte hatte beide Hände an ihren Mund gehoben und sah das kleine Wesen blinzelnd an. Pikachu war nicht mehr verwirrt, die absorbierte Elektro-Attacke hatte ihr einen sichtlichen Schub gegeben und sie sprang wieder kampfbereit auf.

„Das war der Blitzfänger! Pikachus Spezial-Angriff hat sich erhöht!“, sagte Seffe nur und kreuzte seine Arme wieder. „Und jetzt lass sie nicht so auflaufen! Hilf ihr die Orientierung zu behalten!“

Misty schüttelte den Kopf. Ihr Plan hätte auch einfach aufgehen können, so ein Mist. „Starmie, Psychokinese!“ Sie fuhr durch ihre feuchten Haare, um den Pony aus dem Gesicht zu bekommen und zeigte mit zusammengezogenen Brauen auf das kleine neongelbe Monster.

Starmie ließ sich nach oben treiben, bis an die Wasseroberfläche. Sein Kern fing erneut an mystisch zu leuchten und Pikachu wurde fiepsend in die Höhe gehoben.

„Zitrone! Versuch es nochmal mit deinem Donnerblitz! Gib alles!“, schrie Lotte dem kleinen, nun schreienden Wesen zu. Und Pikachus Wangen fingen an zu fitzeln, ehe das komplette gelbe Monster von Blitzen umgeben wurde und diese auf das Starmie abstieß. Der Stern hielt einen Moment dagegen an, doch dann zischte er und drehte sich im Wasser, ehe er sich wieder langsam nach unten sinken ließ. Es hatte die Attacke Psychokinese abgebrochen und Pikachu fallen gelassen. Zitrone plumpste ins Wasser und paddelte sogleich nach oben, um wieder Luft schnappen zu können.

Lotte lächelte breit und sah kurz stolz zu Seffe. Dieser stand immer noch mit gekreuzten Armen da, ein paar Meter abseits von ihr, seine Miene war noch immer kalt und ernst. Schnell sah Lotte wieder von ihm ab und dann zu Misty. Sie hatte die Brauen zusammengezogen und die Hände geballt. Sie schien vor Wut zu kochen. Dann setzte sie ebenfalls ein Lächeln auf und sagte nur: „Genesung. Danach Taucher!“

Seffe stöhnte kurz auf und rollte mit den Augen. Nun verzog Lotte das Gesicht. „Wie kann es sein, dass ihr Starmie die Befehle unter Wasser versteht?“

„Die Arena ist dafür extra konzipiert worden. Hier verstehen die Pokémon unter Wasser die Worte ihres Trainers! Hast du dich denn vorher nicht informiert?“, antwortete er genervt. „Du brauchst eine andere Technik um zu gewinnen!“

Tief aus dem Wasser kam ein Schein und Starmie heilte sich selbst, danach ging er in den Angriff über und drehte sich erneut durch das Wasser.

Lotte, deren Blick kurz nachdenklich auf Seffe lag, reagierte schnell. „Zitrone, Agilität! Schwimm` so schnell du kannst auf die Insel rechts von dir!“ Und Zitrone gehorchte. Lotte hatte natürlich gesehen, dass diese Insel am nächsten war und durch Agilität wurden Zitrönchens paddelnde Beinchen wesentlich schneller als vorher. Zur Unterstützung, um noch schneller vorwärts zu kommen, ruderte Zitrone mit ihrer Rute im Wasser. „Schneller, Starmie!“, rief Misty eifernd rein und gerade holte der Stern aus, um nach oben zu schnellen, da bekam Zitrone die Insel zu greifen und sprang aus dem Wasser. Starmie sauste aus dem Wasser und striff das Pikachu noch an der Flanke. Das kleine gelbe Wesen purzelte über die Insel und schrie. Der Stern stand nun genau hinter ihr, als sie sich gerade wieder aufrappelte.

„Super, Zitrone! Und jetzt Doppelteam!“ Lotte hatte eine Hand zur Faust geballt und bei dem Zuruf ging sie einen Schritt nach vorne und beugte sich leicht über. Seffe hatte recht, sie musste ihre Taktik ändern, sonst würde sie Misty nie besiegen können. Pikachu reagierte direkt und fing nun an schnell um den Stern herum rennen. Dabei hinterließ es immer mehr Bilder ihres Gleichen und manche Pikachus sprangen sogar ins Wasser und schwammen in schnellem Tempo um den violetten Stern herum. Dieser zuckte hin und her und war sich nicht mehr sicher, welches nun das Richtige war. Seffe hob verwundert eine Braue, sah zu Lotte und musste schief grinsen. Das hatte er nicht erwartet.

Misty sprang kurz hoch, um ihren Frust raus zu lassen. In der noch offenen Tür sammelten sich nun die anderen Wasser-Trainer welche anfingen zu tuscheln. „Starmie, dreh dich um deine eigene Achse und setz den Blubbstrahl ein!“, rief sie aufgebracht. Und der Seestern tat genau das. Die Attacke Blubbstrahl würde nicht nur ein paar Ebenbilder von Pikachu zerstören, sondern im besten Falle auch seine hohe Initiative wieder etwas runter setzen.

Einige Pikachus verschwammen und verschwanden wie Phantombilder. Das Richtige wurde nicht getroffen. Kurz jubelte Lotte auf und lachte. „Cool, Zitrone! Schnell! Greif es von hinten an! Eisenschweif!“

Misty konnte nichts mehr erwidern, so schnell sprang ein kleines Pikachu aus dem Wasser und die restlichen Ebenbilder lösten sich in Luft auf. Es wand sich um seine eigene Achse und seine metallische Rute traf Starmie von hinten, welcher mit einem erneuten Zischen ins Wasser fiel und unter ging.

Seffe stand noch immer mit gekreuzten Armen da, doch sein Blick war nicht mehr finster, er nickte Lotte sogar anerkennend zu. Kurz schmunzelte die Kleinere ihm verlegen zu und lies dann ihre roten, lockigen Haare in ihr Gesicht fallen. Sie würde bestimmt rot anlaufen.

Pikachu schnaufte hörbar, sie war schon ziemlich fertig. Und Misty befahl Starmie die Attacke Lake. Die Attacke richtete doppelten Schaden an, wenn der Gegner schon geschwächt war. Starmie huschte aus dem Wasser und trug vor sich in der Luft schwebend einen Wasserball, sein innerer Edelstein funkelte gefährlich auf und er spuckte den Ball auf Pikachu. Er selbst landete auf einer der Inseln. Zitrone wollte ausweichen wurde jedoch getroffen und blieb nass und tropfend auf der Insel liegen. Aus ihren Wangen stießen wieder Blitze aus, durch die viele Bewegung hatte es sich wieder genug aufgeladen.

„Nein, Zitrone!“, Lotte sah sie mitfühlend an. Doch das kleine, neongelbe Wesen wollte noch nicht aufgeben. „Sehr gut! Nochmal Donnerblitz!“

Und sogleich kam aus den magentafarbenen Wangen ein mächtiger Donnerblitz heraus geschossen und entlud sich auf Starmie. Misty übertönte den Einschlag des Blitzes mit einem Schrei. Ihr Starmie war schon wieder ganz schön angekratzt, das kleine Pikachu hatte sie anfangs scheinbar unterschätzt. Obwohl Starmie aktuell auch dem Typ Elektro angehörte, waren die Attacken des mausähnlichen Wesens sehr intensiv. Seitdem Seffe erschienen war, wusste sie unter anderem endlich wieder warum Pikachu ihr anfangs so bekannt vorkam. Es war sein Pikachu! Die Kleine musste es von ihm ausgeliehen haben. Sie ballte die Hand und hielt sie vor sich in die Luft, dabei flog ihr Mantel anmutig um sie herum.

Seffe hatte seinen Blick mit schiefem Grinsen auf die Arena-Leiterin gelegt und seufzte leicht. Sie war eine Wucht und der Badeanzug betonte ihre tolle Figur.

„Starmie, gib noch nicht auf!“, schrie Misty, „Heil dich nochmal mit Genesung!“ Nun verzog Seffe das Gesicht und sah ruckartig zu Lotte. „Du musst schnell reagieren! Sonst ist es wieder fit!“

Die Rothaarige nickte ohne ihm einen Blick zu zuwerfen. „Zitrone! Slam!“

Das Pikachu schüttelte sich, dann stieß sie sich so feste auf der Insel ab, dass diese kippte und wackelnd im Wasser hinterlassen wurde. Zitrone befand sich in der Luft und stieß einen lauten Kampfschrei aus, als sie sich auf Starmie herab fallen ließ. Das Innere des Sterns fing gerade wieder an zu leuchten, da landete das Pikachu mit voller Wucht auf ihm. Das violette Wesen zischte und es knackte. Der Edelstein hatte einen Riss abbekommen und Pikachu sprang von ihm herunter. Schwer atmend beobachtet es seinen Gegner. Der Stern hob seine Arme und ließ sich auf den Boden sinken. Sein Kern erschien nun stumpf und matt. Nun schrie Misty auf. „Nein! Mein Starmie!“, sie zögerte keine Sekunde und warf den Bademantel hinter sich, um ins Wasser zu springen und zu ihrem Pokémon zu kraulen. Sachte zog sie Starmie ins Wasser und begutachtete besorgt seinen Edelstein. Sanft strich sie darüber. „Das bekommen wir wieder hin, mein Hübscher“, sagte sie liebevoll zu ihm und Starmie zischte kraftlos. „Es ist okay... du warst klasse!“, dann ließ sie das Pokémon los, welches sich sacht zu Boden gleiten ließ.

Seffe konnte es nicht fassen. Lotte hatte tatsächlich gewonnen, er lächelte sie an, doch sogleich wurde sein Blick wieder strafend. Lottes Herz klopfte wie wild und sie konnte ihre Freude nicht mehr verbergen. „Das war super, Zitrone!“ Doch Pikachu sah nur etwas genervt zu ihr. Dann sprang sie von Insel zu Insel und hüpfte auf Seffe zu, welcher sie auffing und breit anlächelte. Kurz sah Lotte beide an. Sie verzog das Gesicht, da sich Zitrone mehr über das Wiedersehen von Seffe freute, als den Kampf gewonnen zu haben. Kurz seufzte Lotte, dann rannte sie an die Stelle des Beckenrandes, wo Misty ausstieg. „Geht es deinem Starmie gut?“, fragte sie, während ihre Sorge aufrichtig gemeint war.

Misty erhob sich vor ihr und sah leicht auf sie herab und nickte. „Starmie wird sich wieder erholen. Es ist sehr stark.“ Man konnte in ihrem Blick den Frust lesen, dass sie verloren hatte. Kurz hielt sie inne und schloss die Augen. „Ich habe nicht gedacht, gegen dich zu verlieren und es ärgert mich sehr! Nichts desto trotz, hast du dir den Orden verdient.“

Nun kam auch Seffe angeschlendert, mit leichtem Grinsen musterte er Misty und blieb ein Stück hinter Lotte stehen. Zitrone hatte er noch immer im Arm, das Pikachu klammerte sich fest an ihn und schmiegte seinen Kopf an seiner Brust. Langsam sah Seffe Misty Gesicht, als deren Blicke auf ihm brannten, ehe er sich räusperte und verlegen zur Seite sah. Die Arena-Leiterin schnaufte nur. Er hatte sich nicht großartig verändert... und guckte dann wieder zu Lotte. „Seine Tipps sind dir wohl sehr hilfreich gewesen. Ich habe die Steigerung im Kampf deutlich bemerkt. Und jetzt, komm mit mir, du bekommst deinen Orden und die Siegesprämie.“

Die rotblonde Frau wandte sich elegant um und Seffe konnte nicht anders, als auf ihren Po zu sehen. Lotte rollte mit den Augen und boxte ihm so schwungvoll, wie Misty ihren Mantel aufhob, in die Seite. Seffe stöhnte kurz auf und sah dann mit verzogenem Gesicht zu der Kleineren. Diesmal hatte sie eine Braue gehoben, wand sich mit strafendem Blick von ihm ab und ging Misty nach. Die Arena-Leiterin hielt Lotte nun einen schimmernden Orden hin, welcher die Form eines Tropfens hatte. Mit glänzenden Augen nahm Lotte den Orden an sich, dazu bekam sie noch 2.000 Pokédollar (In der Story vom Wert her wie der Euro) und die TM Aquawelle. „Wenn du diese Attacke einem Pokémon beibringst, fügst du ihm Schaden zu und es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass es danach verwirrt ist. Du hast gesehen, wie sich Pikachu im verwirrten Zustand benommen hat. Es kann einem im Kampf sehr weiterhelfen“, sprach Misty und verabschiedete sich danach von beiden.

Schweigend gingen sie aus der Arena. Die Blicke der anderen Trainer lagen auf ihnen, Lotte ging mit dem Blick auf den Orden gerichtet raus und Seffe schlenderte ihr noch immer hinterher. Draußen hielt die Rothaarige den Orden in die Abendsonne, er glänzte in wundervollen Blautönen. Sie wurde aus den Gedanken gerissen, als Seffe sich neben ihr laut räusperte. „Gratuliere zu deinem ersten Orden“, kam es von ihm, „Und jetzt sprich: Was hast du dir dabei gedacht?“

Lotte sah zu ihm auf und zog die Brauen zusammen. „Das ist mein zweiter Orden.“

„Okay... und was hast du dir dabei gedacht, Charlotte?!“, wiederholte er lauter und sah strafend auf sie herab, diesmal war sie ihm Antworten schuldig. Pikachu blinzelte nur von einem zum anderen.

Mit dem Blick zur Seite gerichtet, zuckte sie nur mit den Schultern. Woher kannte er eigentlich ihren richtigen Namen?

„Hast du dich überhaupt mal vorher mit Pikachu richtig beschäftigt? Der Kampf war anfangs echt mies!“

„Natürlich habe ich das!“

„Aber nicht genug! Was ich alleine schon daran gemerkt habe, dass Zitrone noch andere Elektro-Attacken kann als „Donnerblitz“! Du hättest noch mehr Übung gebraucht – ihr als Team hättet mehr Übung gebraucht! Du hast es total überstürzt! Wenn du keine Tipps von mir bekommen hättest, wärst du wortwörtlich untergegangen! Außerdem ist es ziemlich naiv mit nur einem Pikachu in einer Wasser-Arena einzulaufen und den schnellen Sieg vor Augen zu haben.“ Sein Ton klang vorwurfsvoll und entsprechend sah er sie an. Pikachu hatte die Augen geschlossen als ihr Trainer lauter wurde.

Lotte schnaufte und sah ihn mit leicht glänzenden Augen an. „Du weißt wohl immer alles besser! Es hat sich halt die Möglichkeit ergeben! Und hör auf mich anzuschreien!“ Dann warf sie ihren Kopf zur Seite und kreuzte die Arme.

Langsam holte Seffe Luft und sah nach oben. Der Ärger saß tief in ihm und er musste wieder etwas runter kommen. Zitrone hatte die Ohren zurückgelegt und sah ihn traurig und unsicher zugleich an, als sie bemerkte, wie er um Beherrschung kämpfte. „Okay, tut mir leid“, kam es schließlich leiser von ihm. Doch Lotte regte sich noch immer nicht und verharrte in ihrer Bewegung. „Du bist mir allerdings auch etwas schuldig! Und damit meine ich nicht nur eine Entschuldigung! Wenn ich es nicht gut gemeint hätte, wäre der Kampf abgebrochen worden! Man darf nämlich nur eigene Pokémon oder legal ausgetauschte, bzw. ausgeliehene für Arena-Kämpfe nutzen! Ich bekomme die Hälfte der Siegesprämie! Den Orden und die TM kannst du behalten, die habe ich selber!“

Lotte war kurz davor gewesen zu heulen, doch das Gefühl war so schnell wieder verschwunden, wie es gekommen war. Fassungslos sah sie den anderen an. „Du spinnst wohl!“

Nun wurde Seffes Mimik finster. Er ließ Zitrone herunter und beugte sich mit gefährlichem Blick zur Kleineren herunter. „Du hast unerlaubt mit meinem Pikachu gekämpft, ich habe dein Pixi nicht eingesetzt. Das ist nicht die feine Art, wenn Trainer so etwas tun, verstehst du? Also bekomme ich die Hälfte und wir sind wieder quitt und ich werde das Vorgefallene einfach vergessen!“

Lotte lehnte sich leicht zurück, als ihr der andere näher kam und ihr Herz fing an wie verrückt zu hüpfen. Dann nickte sie und sah wieder zur Seite. Seffe stellte sich wieder aufrecht hin und sah nun kühl auf die Kleinere herab und hielt ihr eine offene Hand hin. Lotte schnaufte erneut, grimmig zählte sie von dem Geld die Hälfte heraus und gab es ihm schließlich. Seffe steckte es, mit schief gelegten Augenbrauen und einem Lächeln, in seine hintere Hosentasche. Dann machte er einen Pokéball seines Gürtels ab und ließ das Pixi heraus. Zitrone hatte immer noch die Ohren zurückgelegt, ehe sie diese freudig aufstellte und verschwand von selbst in ihrem gewohnten Ball.

Lotte hob die Brauen. „Lotta!“ Das Pixi piepte und beide fielen sich in die Arme. „Schön dich wieder bei mir zu haben!“, sagte Lotte, ehe sie das Monster auch in ihren Ball einzog.

Seffe blickte sie immer noch so merkwürdig an und sie sah fragend zurück. Dann machte er eine Kopfbewegung und nahm sie bestimmend am Arm. „Komm mit, wir fahren zurück nach Vertania!“

Lotte sträubte sich und Seffes Griff wurde fester. „Lass mich los, was denkst du dir eigentlich?“

Nun ließ sie der junge Mann locker und sah genervt auf sie. „Was ich mir denke? Mein Tag war heute total beschissen! Du hast gar keine Ahnung, was ich wegen dir alles durchmachen musste!“ Dabei lag die Betonung auf „dir“ und er hob dabei beide Brauen. „Und jetzt hör gefälligst auf dich zu wehren und komm mit mir! Wir fahren zurück nach Vertania! Und ich bringe dich zu deiner Oma!“

Die andere verzog die Brauen. „Woher kennst du meine Oma?“ Sie stockte und sah sich um. Es wurde bereits dunkel und da sie die ganze Zeit da standen und teils lautstark diskutierten, wurden sie von einigen Leuten beobachtet. Kurz überlegte Lotte so zu tun, als würde Seffe sie angreifen, hielt dies aber für die falsche Entscheidung. Anstelle dessen nickte sie. „Bist du mit deinem Auto unterwegs?“

„Nicht mit meinem. Matze fährt uns.“ Er hielt eine Hand nach vorne, um sie zum Gehen aufzufordern. Na das waren ja tolle Aussichten, dachte sich Lotte. Mit zwei fremden Männern im Auto zu fahren. Sie verformte ihren Mund, sah grimmig zu Seffe und ging langsam los. „Und woher kennst du meine Oma?“

Seffe blickte vielsagend zu Lotte und lief nun vor. „Die habe ich heute Morgen kennen gelernt.“

Deswegen kannte er auch ihren Namen, bemerkte Lotte und zog die Brauen zusammen. Sie hatte ein blödes Gefühl. Mit dem Blick zu Boden gerichtet und den Händen in ihren Manteltaschen vergraben, lief sie ihm nach. In der einen Hand hielt sie den Orden und umklammerte in feste.

Schweigend kamen sie am Auto von Matze an. Dieser hatte tatsächlich die ganze Zeit dort auf Seffe gewartet. Matze hatte ein Kreuzworträstelbuch raus geholt und füllte gerade die Kästchen aus, als er wegen den Schatten vor der Scheibe aufsah. Seffe grinste ihm mit schief gelegten Brauen entgegen und neben ihm stand Lotte, mit gekreuzten Armen und dem Blick böse von ihm abgewandt. Der schwarzhaarige Mann sah erfreut auf und machte eine Handbewegung, dass sie sich rein setzen sollten, also öffnete Seffe die Tür und klappte den vorderen Sitz um. Mit einer Bewegung zeigte er Lotte, dass sie sich nach hinten setzen sollte. Böse funkelte sie ihn an, ließ sich dann jedoch ins Auto fallen. Seffe behielt sein vielsagendes Lächeln und ließ den vorderen Sitz wieder nach hinten schnallen.

„Hallo ihr Zwei! Ich habe gerade noch gedacht, ob ihr gar nicht mehr bei kommt. Noch zehn Minuten und ich wäre gefahren“, redete Matze mit seiner lustigen Stimme drauf los und hielt dem Trainer einen Kugelschreiber entgegen. Seffe verstand sofort, er musste noch in dem Buch unterschreiben. Dann sah Matze hinter zu Lotte. „Ich bin übrigens...“

„Ja, ja, ich weiß... du bist Matze.“ Lotte rollte mit den Augen und schnallte sich an, ehe sie wieder die Arme kreuzte. Ohne Matzes Lächeln kurz zu erwidern sah sie aus dem Fenster. Der ältere Mann hob nur beide Brauen und sah zu Seffe. „Ist es nicht gut gelaufen?“

Dieser hob kurz die Schultern in die Höhe und sah Matze leicht lächelnd an. „Mehr oder weniger. Sie hat auf jeden Fall ihren zweiten Orden in der Tasche.“

„Oh, na das ist doch super!“, kam es von dem anderen und er guckte Lotte durch den Rückspiegel an. Sie sah immer noch verbissen aus dem Fenster. Ganz so glücklich schien sie darüber nicht zu sein. Er startete den Motor seines grünen Audis und schwieg nun besser. Er konnte sich schon denken, warum die Stimmung bei Lotte gekippt war. Seffe hatte ihm einen weiteren vielsagenden Blick zugeworfen und sah dann neutral, aber nachdenklich nach vorne.

Insgesamt war die Fahrt auch nicht mehr so lustig wie die Letzte und sie dauerte etwas länger an. Sie machten auch noch einen Zwischenstopp bei einer Tankstelle und nahmen fünf Liter Sprit mit, für Seffes Motorrad. Lotte hatte bis dahin kein einziges Wort gesprochen und nur den Männern, bei den paar Sätzen, die sie ausgetauscht hatten, gelauscht. Scheinbar war Seffes Tag wirklich nicht so optimal verlaufen und in ihr pochte das schlechte Gewissen. Noch dazu bekam sie mit, dass er telefonisch irgendeinen Auftrag verschieben musste, weil er es bis morgen früh definitiv nicht mehr bis nach Saffronia schaffen würde. Sie ging die Situation in der Arena innerlich nochmal ab. Seffe war sehr wütend gewesen und hatte ihr dennoch die Chance gegeben den Kampf zu Ende zu führen. Nachdenklich zog sie ihre Brauen zusammen und ihre Lippen wurden schmal. Sie sah ein, dass es nicht richtig von ihr gewesen war. Die Abfuhr danach hatte sie sich sogar verdient gehabt. Lotte seufzte unhörbar.

Nach knapp über einer Stunde Fahrt waren sie sicher in Vertania angekommen und Matze verabschiedete beide. Lotte nuschelte ihm ein „Danke“ entgegen und stieg mit Seffe aus. „Nummern haben wir ja getauscht“, sagte Seffe mit dankbarem Blick, bevor er ausstieg. Der Mann nickte nur und lächelte ihn an. „Sei nicht zu hart zu ihr. Sie mag dich“, kam es wissend noch von dem Älteren. Der andere stockte kurz, schloss dann die Tür und wand sich zu Lotte um. Dann gingen sie auf das kleine Fachwerkhaus zu, in dessen Garten mehrere Beerenbüsche standen.

Matze sah ihnen noch kurz nach, dann fiel sein Blick auf das Buch. Seffe hatte es auf dem Sitz hinterlassen und während der Fahrt darin rumgekritzelt. Mit neugierigem Blick nahm er das Büchlein, dessen Lederbezug schon etwas abgeranzt war und schlug die Seite auf, in welcher Seffe den Kugelschreiber hinterlassen hatte. Er hatte nicht nur einfach unterschrieben und geschrieben, er hatte auch etwas gezeichnet. Es war zwar etwas verwackelt durch die Fahrt, aber sah lustig aus.

Darauf zu sehen war ein kantiges Auto, welches Staubwolken hinterließ. Im Hintergrund lagen gestrichelte Linien mit Pfeilen, welche wie ein Zeitstrahl aussahen. Es gab drei Punkte, mit den Städtenamen gekennzeichnet. Wenn man den Pfeilen folgte, erkannte man den Weg von Mamoria, nach Azuria und zurück nach Vertania. Wobei über Azuria ein Tropfen gemalt war, welcher eindeutig für den Wasser-Orden stand.

Über dem Auto waren drei Strichmännchen gezeichnet. Eins sollte definitiv Matze sein, es hatte kurze Haare und war etwas pummeliger als die anderen beiden. Matze musste kurz auflachen und grinste. Das andere war eindeutig Seffe, mit halblangen Haaren und einer großen Brille auf der Nase. Das kleinste war auf jeden Fall das Mädchen gewesen. Es trug lange, lockige Haare und hatte Stinkwölkchen über dem Kopf. Daneben standen Arkani und Pikachu. „Du hast was gut bei mir!“, stand in Druckbuchstaben geschrieben unten rechts und Seffes geschwungene Unterschrift folgte.

Matthias lächelte breit. Es war total persönlich und er fand es super cool. Kurz drückte er das Buch an seine Brust. Sie würden sich mit Sicherheit nochmal wieder treffen. Grinsend machte er sich auf den Weg nach Hause.

Schweigend gingen die beiden nebeneinander her. „Du musst mir nicht mehr folgen, du kannst auch zum Pokémon-Center gehen“, murrte die Kleinere ohne den anderen an zu schauen.

„Ich bringe dich bis nach Hause.“

Lotte verzog die Brauen. „Warum? Glaubst du ich werde entführt?“

„Man weiß nie...“ Seffe blickte mit erhobener Braue zu ihr. Der innere Gentleman verbot es ihm, die junge Frau alleine nach Hause gehen zu lassen. Er spürte seinen Rücken dank des Rucksacks wieder und hatte seinen Helm, sowie den Spritkanister dabei. Nun standen sie genau vor dem Haus, es war mittlerweile dunkel geworden und der Wind war kalt. Drinnen brannte Licht. „Deine Oma macht sich bestimmt Sorgen.“ Der Ältere klang kühl, blickte Lotte jedoch neutral an.

Die Rothaarige strich sich die Haare auf einer Seite des Gesichts hinters Ohr und sah nun vorsichtig zu dem anderen hoch. Eigentlich wollte sie sich noch entschuldigen und ihm danken. Eine Weile sahen sie sich nur an. Seffe abwartend und Lotte hatte den Mund leicht geöffnet, als ob sie ihm noch etwas sagen wollte. So sehr sie es wollte, aber es kam nicht aus ihr heraus. Dann verzog sie ihren hübschen Mund und wand sich um. Schnellen Schrittes ging sie auf das Haus zu und verschwand darin.

Seffe hob langsam beide Brauen in die Höhe. Tief atmete er ein und aus, sie hatte ihm nicht mal „Tschüß“ gesagt. Mit geschlossenen Augen, zuckte er resignierend mit den Schultern und ging, schwer beladen wie er war, den Weg wieder hoch zum Pokémon-Center. Dabei summte er und sang schließlich leise: „Bye bye, Miss American Pie…“ Lotte war ein hübsches Mädchen und auch nicht dumm, sie hätte bestimmt sogar gute Voraussetzungen, um Pokémon richtig zu führen. Irgendwie hatte sie sein Interesse geweckt. Kurz gingen ihm die Worte von Schwester Joy wieder durch den Kopf: „Sie hatte eine schwierige Kindheit und ist dadurch zum Einzelgänger geworden. Ich denke, etwas Abwechslung und neues Vertrauen würden ihr gut tun. Sie hat einen Traum, genau wie du, Seffe. Und als Anfänger so ohne weiteres alleine auf die Reise zu gehen, ist gefährlich. Das solltest du bestens wissen.“ Seffe seufzte und schüttelte schließlich den Kopf, es hätte ja doch keinen Sinn, er wurde aus ihrem Verhalten nicht schlau. Außerdem war sie ja doch viel zu jung.

Lotte kam zur Haustür herein und entfesselte ihr Pixi und das Terribark ihrer Oma. Das Hundewesen rannte auch sofort zu dieser. Pixi sah, dass ihre Trainerin bedröppelt war, tätschelte ihren Arm und piepte. „Ach Lotta...“, sagte das Mädchen nur und ging dann zu ihrer Oma.

„Charlotte, du bist so spät. Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Oh, du hast Pixi wieder! Seffe hat dich also gefunden.“ Zufrieden lächelte die alte Frau. Dann wurde ihre Miene fragend. „Was ist los? Du guckst so traurig?“

„Ach... nichts...“ Lotte überlegte noch etwas hinzuzufügen, doch ging dann flüchtig in ihr Zimmer. „Gute Nacht, Oma.“

Lotte wartete bis Pixi durch die Tür gelaufen war, um sie zu schließen. Dann schmiss sie Ihren Mantel zur Seite und ließ sich mit dem Bauch auf das Bett fallen, ohne ihre Schuhe aus zuziehen. Ihr hübsches Gesicht vergrub sie in den Kissen. Ihre langen Haare flogen hinter ihr her und breiteten sich um sie herum wie ein Halbkreis aus.

Dann fing Lotte an zu schluchzen. Sie war so doof gewesen und konnte sich gar nicht mehr richtig über den gewonnenen Orden freuen. Sie hätte sich bei ihm entschuldigen und bedanken sollen. Aber seine kühle und bestimmende Art hatten sie eingeschüchtert und sie war weggerannt, wie ein kleines, dummes Mädchen. Das rosafarbene, knuddelige Pokémon mit den niedlichen Flügelchen, hatte sich neben Lotte gesetzt und streichelte ihr über den Rücken. „Ach Lotta, ich hab alles verbockt. Das ärgert mich so“, schluchzte sie zu ihrem Pixi.

Dann klopfte es an der Tür. Lotte und Lotta zuckten beide erschrocken auf. „Darf ich rein kommen, Lotte?“ Es war natürlich die Stimme ihrer Oma und auch Wuschel, das Terribark, konnte man hinter der Tür schnuppern hören.

Lotte setzte sich schnell auf das Bett und wischte ihre Tränen weg. „Jaaa...“

Langsam öffnete sich die Tür und ihre Oma sah sie mitfühlend an. Sie setzte sich auf einen Stuhl im Zimmer und hob die Brauen. „Was ist denn los, Kindchen?“ Sie wusste, dass Lotte reden wollte. Selten hatte sie ihre Enkelin so niedergeschlagen angetroffen.

Lotte hatte den Blick zu Boden gesenkt. Pixi strich ihr weiter hin sacht über den Rücken und piepte. Terribark kam mit hängenden Ohren und traurigen Augen ins Zimmer und legte sich neben Lottes Oma. Lotte seufzte tief. „Ich war so ein Idiot. Ich ärgere mich so darüber. Ich bin heute Morgen los gezogen nach Azuria. Ich dachte, wenn ich schon das Pikachu habe, ist der Wasser-Orden ein Leichtes.“ Sie verzog das Gesicht und sie sah reumütig aus.

Ihre Oma seufzte nur, Lotte ging oft unüberlegt an Sachen ran. „Dein gesuchter Trainer war heute Morgen hier und hat nach dir gefragt. Ich habe kurz mit ihm gesprochen und er hat einen Kaffee getrunken.“

Lotte hob den Blick. Typisch ihre Oma, sie freute sich immer so über Besuch, dass sie jeden auf einen Kaffee oder Tee einlud. Leicht verzog die Rothaarige die Brauen. „Du bist so neugierig Oma!“, kam es vorwurfsvoll von ihr.

Die weißhaarige Frau grinste nur und nickte ihr dann zu. „Wie ist es verlaufen? Er hat dich ja scheinbar gefunden.“

„Ja... in der Arena aber erst. Ich war schon am Kämpfen.“ Pixi piepte aufmunternd auf, doch Lottes Blick blieb gesenkt.

„Und? Hast du denn gewonnen?“

„Ohne seine Hilfe, hätte ich das wohl nicht geschafft...“, gestand sich Lotte ein und öffnete die Hand. Darin funkelte der blaue Orden. „Er war sauer, weil ich sein Pikachu einfach mitgenommen und verwendet habe. Aber er hat mich trotzdem kämpfen lassen … und mir Tipps gegeben … und mich nach Hause gebracht.“ Nun rollten Tränen über ihre Wangen.

Mitfühlend sah ihr Oma sie an und lächelte sacht. „Das ist allerdings sehr nett von ihm gewesen. Hast du dich bei ihm bedankt?“

Lotte schluchzte weiter und gluckste: „Nein… aber er hat auch die Hälfte der Siegesprämie eingefordert.“

Ein knappes Grinsen konnte sich die alte Frau nicht verkneifen. Wahrscheinlich hatte der Junge auch genug mitgemacht, um dies einzufordern. „Die Trainer müssen wohl alle schauen, wo sie bleiben und du hast sein Pikachu mehr oder weniger entführt…“ Lotte liefen nur noch mehr Tränen über die Wangen und sie schüttelte verärgert ihren Kopf. Es war einfach alles schief gelaufen. Jetzt stand ihre Oma auf und setze sich neben sie und nahm sie in den Arm.

„Lotte … Nimm es dir doch nicht so zu Herzen. Passiert ist passiert. Such ihn doch morgen früh nochmal auf. Dann könnt ihr nochmal in Ruhe über alles reden.“ Nun strich ihre Oma Lotte über den Rücken. Pixi piepte erneut aufmunternd und nickte.

Die Rothaarige sah auf und schüttelte den Kopf. „Wie peinlich wär´ das denn?“

Die alte Dame hatte ein sachtes Lächeln aufgesetzt und sah sie vielsagend an. „Ich bin mir sehr sicher, dass er sich darüber freuen würde. Es wäre schade, wenn du ihn einfach so ziehen lässt. Ich sehe doch, dass du ihn magst.“

Mit zusammengezogenen Augenbrauen sah Lotte zu Boden und biss sich auf ihre Unterlippe. „Du hast recht...“, gab sie zu.

Ihre Oma lächelte sie an und strich ihr nochmal übers Haar. „Und ich denke, du hast dir den Orden verdient. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Man lernt immer nur langsam dazu und ohne die Hilfe anderer, geht es manchmal nicht.“ Nun konnte auch Lotte wieder lächeln. Pixi zwinkerte ihr zu und Terribark gab einen bestätigenden Ton von sich.

Noch einmal drückte Lotte ihre Oma. Dann wünschten sie sich eine gute Nacht und gingen bald schlafen.


Unerwarteter Besuch

Der nächste Morgen fing super an und Seffe hatte gute Laune. Das Frühstück des Pokémon-Centers war der Hammer gewesen und dann noch das gute Wetter, um später Motorrad zu fahren! Er stand draußen, hatte die Augen geschlossen und seinen Kopf hoch gehoben, dabei steckte er sich Stöpsel zum Musikhören in die Ohren. „Endlich mal wieder Sonne“, dachte er sich, der kühle Wind erfrischte ihn beim Atmen, während sich die Sonnenstrahlen warm auf sein Gesicht legten. Arkani stand neben ihm und hechelte freudig. Pikachu war ebenfalls nicht im Pokéball und saß auf dem Kopf des Feuer-Pokémon. Seffe lächelte beim Anblick der beiden. „Jetzt schnell mein Motorrad finden und dann geht`s weiter – was meint ihr?“

Die Pokémon bestätigten es fröhlich und gerade als sich Seffe in Richtung des Waldes umwand und einen Kaugummi in den Mund steckte, stockte er kurz. Waren da gerade rote Haare gewesen? Anstelle sich nochmal umzudrehen, entschied er sich zum Weitergehen, es wäre besser für beide Seiten, dachte er und gab Paulinchen den Befehl die Fährte seines Motorrads aufzunehmen. Zitrone sprang nun auf ihren Rücken und zeigte mit erhobenem Pfötchen nach vorne, als ob sie der Kapitän eines Schiffes wäre.

Lotte war mal wieder früh aufgestanden, zu früh, um ehrlich zu sein. Sie hatte sogar ein kleines Frühstück ausgelassen, um so schnell wie möglich zum Pokémon-Center zu gehen. Gerade lief sie in schnellem Schritt die Straße hoch, da sah sie ihn. Seffe! Er stand einfach da und träumte vor sich hin. Lotte hob die Hände und fing an wild zu winken, doch er wand sich um und ging mit seinen Pokémon los. Ignorierte er sie oder hatte er sie wirklich nicht gesehen? Ihr Schritt wurde schneller, doch auch er ging in einem flotten Tempo voran. Dann rief sie nach ihm und joggte los.

Paulinchen lief voran, ehe sie aufmerksam den Kopf hob und auch Zitrone immer wieder hinter Seffe schaute. Doch darauf reagierte der Trainer nicht. Verwundert sahen sich die Pokémon an und im nächsten Moment klopfte ihm Lotte von hinten ein paar Mal feste auf die Schulter und zog schwungvoll die Stöpsel aus seinen Ohren. Seffe gab einen erschrockenen Laut von sich. Erst hatte ihn Lotte mit einem breiten Lächeln angesehen, doch der Blick des anderen sprach Bände. Seffe fing die Kabel ein, die nun aus seiner Jackentasche herunter hingen und holte tief Luft um sich zu beherrschen. „Geht´s noch?“, stieß er sauer aus.

Das Mädchen sah ihn mit ihren großen, grünen Augen an. „Tut mir leid… ich wollte dich nicht erschrecken. Aber du hast nichts gehört… wenn du so laut Musik hörst, machst du dir die Ohren kaputt! …… Bist du immer gleich so aggro?“

Seffe blinzelte kurz. „Ja! Wenn mich einer so begrüßt dann schon! Und was kümmert`s dich?“ Seine Freundlichkeit hielt sich nach all dem Geschehenen in Grenzen und warum war ihm Lotte überhaupt nachgelaufen? Nur um ihn abzufangen? Kurz wurde sein Blick unsicher, doch er fing seine Mimik schnell wieder.

Das rothaarige Mädchen sah zu Boden und hatte sich auf ihre Unterlippe gebissen. „Sie sieht total niedlich aus, wenn sie das tut“, dachte sich Seffe, kreuzte jedoch die Arme und behielt nun seinen strengen Blick.

„Du bist immer noch sauer, weil ich Zitrone entführt habe und ich nerv´ dich, oder?“, fragte Lotte leicht bedrückt und der Größere hob langsam eine Braue. Kurz überlegte er zu antworten, aber es wäre nichts Gutes dabei raus gekommen. Also sah er sie weiterhin nur an. Warum nur musste er sie so ansehen? Lottes Herz fing an schneller zu schlagen. „Eigentlich wollte ich „Hallo“ sagen und mich …“, fing sie an und hielt kurz inne. Atmete sie so schnell, weil sie hinter ihm her gerannt war oder weil sie so nervös war? Schließlich gab sie sich einen Ruck und sprach weiter: „… bei dir entschuldigen wollte. Es war blöd von mir dein Pikachu einfach so zu erpressen und zu entführen und mit ihr zur Wasser-Arena zu gehen.“ Beim reden hatte sie ihre Augen feste geschlossen, dann blickte sie entschuldigend zu dem Maus-Pokémon.

Eine Weile entstand eine Stille und der Seffe zuckte kaum merkbar mit den Augenbrauen. Mit dem Blick wich er jedoch keine Sekunde von ihr ab. Es war als würde er sie das erste Mal richtig ansehen. Ihre Gesichtszüge waren fein und sie hatte leichte Sommersprossen. Erst bei einem „Pika, Pika!“ von Zitrone sah Seffe ab von Lotte. Das Pokémon schien ihr zu verzeihen und machte einen Kapitänsgruß. „Schön, dass du Einsicht zeigst...“, sagte er schließlich und versuchte sich an einem freundlicheren Gesichtsausdruck.

Lotte lächelte erleichtert zurück. „Ich… ehm… war auch gerade auf dem Weg in den Wald, als ich dich gesehen hab. Du suchst bestimmt dein Motorrad, oder?“

Wie auf Kommando liefen beide los. Paulinchen ging vor und konzentrierte sich auf die Fährte, während Zitrone auf ihr herum zappelte und immer wieder zu den Trainern schielte. Seffe nickte nur und richtete seine Lederjacke. „Woher kommt dein plötzlicher Geisteswandel? Und warum begleitest du mich? Ich bin doch komisch…“

Lotte warf mit einer Handbewegung ihre offenen Haare zurück und musterte ihn. „Ich hab mich wohl getäuscht. Du bist scheinbar nachtragend, aber eigentlich ganz okay.“ Daraufhin wurde sie von Seffe nur belächelt. Da war sein arroganter Blick schon wieder. „Danke, dass du mir in der Arena geholfen hast… aber das mit der Kohle…“, sprach die Kleinere weiter, ehe sie von Seffe unterbrochen wurde. „Vergiss es! Das Geld bekommst du nicht zurück! Ich hatte genug Strapazen deinetwegen!“ Kopfschüttelnd hob dieser mahnend seine freie Hand. In der anderen trug der den Kanister und hatte den Helm unter den Arm geklemmt.

„Ja, ja, schon okay…“ Lotte hatte die Brauen zusammen gezogen und sie liefen wieder schweigend nebeneinander her. In das eine Ohr hatte sich der junge Mann wieder einen Kopfhörer gesteckt.

„Sag mal, was hörst du da eigentlich?“, fragte Lotte und ohne, dass Seffe hätte antworten können, hatte sie den anderen Stöpsel geschnappt und lauschte der Musik. „Oh … Rock `n´ Roll?“

„Kann man mit in die Kategorie zählen... Ist nicht so dein Ding?“ Seffe musste zugeben, dass er von ihr leicht belustigt war und unsicher, was sich aus der Situation ergeben würde.

„Doch. Ich mag Rock...“ Dann sah sie an ihm hoch und runter, zugegeben konnte man seine Musikrichtung bereits an seinem Stil erkennen. Er hatte wie immer seinen schweren Rucksack auf dem Rücken, eine legere Jeans an und ein schwarzes Shirt mit Print, dazu die Piercings und der auffällige Gürtel. Gerade als sie entziffern wollte, was genau auf seinem Shirt war, fing nun Seffe an sie zu mustern. Bis sich ihre Blicke trafen. Lotte kämmte sich leicht verschämt mit den Fingern eine rote, gewellte Haarsträhne hinters Ohr. „Soll ich dir das Ding da abnehmen?“

Seffe hob nur beide Brauen und grinste. „Du meinst den Benzinkanister? Ist schon okay...“

Lotte rollte mit den Augen. „Du schleppst die ganze Zeit so viel, du kannst es mir ruhig abgeben, nur weil ich ein Mädchen bin, heißt es nicht, dass ich schwach bin.

„Wenn du meinst...“, ohne sich weiter zu wehren, hielt er ihr den 5-Liter-Kanister hin und sie nahm ihn ab. Es war schon erleichternd, der schwere Rucksack und der Helm reichten ihm eigentlich aus. Ein paar Minuten liefen sie schweigend nebeneinander her während Paulinchen und Zitrone vorne herum blödelten. Der Kanister kam Lotte nach einer Weile immer schwerer vor und immer häufiger wechselte sie ihn von einer Hand in die andere. Seffe tat so, als würde es nicht bemerkten und grinste in sich hinein.

„Wie weit ist es noch?“, durchbrach das Mädchen irgendwann die Stille.

„Nicht mehr weit“, kam es von Seffe, dann blieb er plötzlich stehen. „Warum folgst du mir, Lotte?“ Alle sahen Seffe nun verdutzt an. „Es tut mir leid, wenn das jetzt etwas rau klingt, aber was willst du von mir?“, fragte er direkt, weil er sichtlich mit der Situation nichts anfangen konnte.

Die Rothaarige sah nachdenklich zur Seite. „Ich... habe das Gefühl etwas wieder gut machen zu müssen.“ Doch in Gedanken sah es etwas anders aus. Sie wollte ihn nicht so schnell gehen lassen, weil sie ihn … mochte.

„Komm... gib mir den Kanister und...“ Er stockte und zuckte mit den Schultern. „Lass es einfach. Geh nach Hause“ Seffe wollte das Mädchen nicht beleidigen, es tat ihm sogar etwas leid, aber sie würde ihm auf seinen Reisen nur eine Last sein. Außerdem war sie so jung. Mit großen, enttäuschten Augen sah ihn Lotte nun an. Dann hielt sie ihm den Kanister hin. Als er ihn abnahm murmelte sie nur noch ein „Mach´s gut“, drehte sich um und ging langsam den Weg wieder runter. „Ja... du auch“, sagte er noch, dann wand auch er sich um. Mit zusammengezogenen Brauen ging er langsam vorwärts und seine Pokémon sahen ihn bedröppelt an. Ob es die richtige Entscheidung war? Tief seufzte er und richtete seinen Blick wieder nach oben. Bald würde er bei seinem Motorrad sein.

Ein kleines Stück ging Lotte den Weg wieder zurück. Sie war so traurig, dass Seffe sie so abgewiesen hatte und setze sich an einen Baum. Sie sah nach oben und nein, sie wollte nicht schon wieder heulen. Nicht wieder wegen ihm! Der Kerl hatte es ihr angetan, aber es beruhte scheinbar nicht auf Gegenseitigkeit. Mit ihren Händen wischte sie sich über ihre feuchten Augen, starrte Löcher in die Luft und saß einfach da. Es kam ihr wie eine halbe Ewigkeit vor, dann holte sie ein Schrei aus ihren Gedanken zurück und sie sah sich um. Was war das? Kurz hatte sie die Vermutung, es wäre Seffes Stimme gewesen. Sie schüttelte den Kopf... wieso sollte er schreien, sie stand auf. Mit verzogenem Gesicht wollte sie sich umwenden, dann hörte sie weitere Schreie. Nun schoss das Adrenalin in ihre Adern und ihr Herz fing an wie wild zu klopfen. Das war doch Seffe! Aber noch irgendwas anderes und es klang nach einem Problem. Im nächsten Moment rannte sie wie von einem Voltula gebissen in die Richtung der Schreie. Atemlos blieb sie ein paar Meter abseits von der Szene stehen.

Ein unglaublich wütendes, grau-violettes Pokémon mit der Figur eines Bodybuilders hatte Seffe am Hals gepackt und hielt ihn mit nur einer Hand in die Luft. Ein Maschock! Seffes Rucksack der Helm und auch der Kanister lagen in der Gegend verstreut. Arkani kniete halb unter dem Motorrad, würde es sich bewegen, würde das gepflegte Zweirad komplett auf die Seite fallen. Pikachu hüpfte wie wild um Maschock herum und versuchte ihn in der Pokémon-Sprache herunter zu bringen. Seffe zappelte, seine Füße hatten keinen Bodenkontakt mehr und er versuchte sich von dem steinharten Griff zu befreien. Er war bereits rot angelaufen und würde mit Sicherheit gleich das Bewusstsein verlieren. „Zitrone, tut doch was! Erschreck es mit einem kurzen Donnerblitz!“, rief Lotte. Pikachu wand sich verdutzt um, als sie Lotte hörte. Widerwillig setze sie die Elektro-Attacke auf das Maschock ab, sie versuchte dabei nicht mal die Hälfte an Energie zu verwenden. Immerhin wollte sie Seffe keine Schmerzen zufügen.

(Maschok: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgRzPApWQzrKrU0fA)

Das große Kampf-Pokémon ging in die Knie und lies den Trainer wieder los. Hustend fiel auch Seffe zu Boden, nun sah er noch dazu etwas zerzaust aus. Maschock hatte das kleine gelbe Wesen mit einem Schlag seiner großen Hand zur Seite gehauen und Arkani jaulte auf. Schwer atmend und ohne hoch zu sehen hob Seffe eine Hand. „Du gibst … das Moped ... nicht frei! Und wehe… es fällt um!“, befahl er Paulinchen und rappelte sich hoch. Nun lag der Blick des Kampf-Typen wieder auf dem jungen Mann und Seffe sah ihn mindestens genau so böse an, wie umgekehrt. Dann holte Maschock erneut aus und Seffe bekam seine Faust in den Bauch. Da war der Wuchtschlag. Er klappte in die Fötusstellung zusammen und ein schmerzerfüllter Schrei hallte durch den Wald. Lotte hatte die Hände an ihre Wangen gehoben und sah ihn ein paar Meter fliegen. Hart landete dieser auf dem Boden und musste um seine Besinnung kämpfen.

Lotte rannte gerade zu ihm da stellte sich ihr das Maschock in den Weg und schrie sie an, danach zeigte es vorwurfsvoll auf das Motorrad. Mit den Füßen trampelte es auf dem Boden. „Maschock, bitte beruhige dich!“, sagte Lotte und hatte die Hände zum schlichten vor sich gehoben. „Hau einfach ab Maschock, das ist nicht dein Motorrad!“, ächzte Seffe. Lotte rollte mit den Augen, gerade wo Maschock gestockt hatte und sie ansah, muss der was dazwischen funken. Nun erkannte man die zurück kommende Wut in den Augen des Kampf-Pokémon. Dann schlug es sich mit einer Hand in die andere, schubste Lotte weg und ging auf Seffe zu. „Nein!“, schrie Lotte, „Zitrone, nochmal Donnerblitz!“ Pikachu tat genau das und Maschock wand sich wutentbrannt um. Erneut schrie es auf, wieder fiel sein Blick auf Lotte und sie wich etwas zurück vor dem Kraftprotz.

Hatte sich Seffe mit Maschock um das Motorrad gestritten? Er lag noch immer auf dem Rücken. Der Schlag des Monsters hatte gesessen. Lottes Blick zeigte Verzweiflung und nun stellte sich Pikachu mit blitzenden Wangen vor sie. Maschock wollte unbedingt an das Motorrad. Es war seins! Er hatte es gefunden! Pikachu sprach dagegen und schüttelte den Kopf. Aufgebracht packte Maschock Pikachu schließlich. Zitrone zappelte und schrie, dabei stieß es noch zweimal einen Elektroschock aus. Dann schleuderte sie Maschock an ihrem Schweif einige Male herum und dann mit Wucht gegen einen Baum. Zitrone verlor ihr Bewusstsein und blieb liegen. Lotte wollte zu dem Pikachu rennen, doch Maschock stand finster blickend zwischen ihnen. Hinter ihr war Seffe und hinter Maschock das Motorrad. Und hinter dem Motorrad und halb darunter vergraben Paulinchen. Die Arkanihündin winselte und wollte zu gerne helfen und einen Flammenwurf auf das Pokémon abwerfen. Doch dann würde sie mit Sicherheit das Motorrad beschädigen und sie hatte eine klare Ansage von ihrem Trainer bekommen.

Lotte rief Seffe etwas zu, doch er war halb weggetreten und kämpfte gegen den Schmerz an. Seffe sah alles verschwommen. Hatte er so einen Schlag auf den Kopf bekommen? Oder war seine Brille wieder weg? Es könnte auch beides sein. Er griff sich an den Gürtel und zählte die Bälle ab, um sein Gengar frei zu lassen. Den Ball hatte er von seinem Gürtel gelöst und er zuckte bereits in seiner Hand. Das violette Licht vorne am Ball glühte, doch das Pokémon kam nicht heraus. Als Maschock es wahrnahm, schubste er Lotte zur Seite und der Blauhaarige konnte über sich wieder die große Silhouette erkennen. Maschock schrie ihn an und schien mit ihm diskutieren zu wollen, erneut packte es ihn am Kragen. Seffe hatte gegen die Stärke des Monsters keinerlei Chancen und befand sich erneut in der Luft.

Lotte zog voller Verzweiflung an Maschocks anderem Arm, doch wurde von ihm nieder gestoßen. Mit schmerzverzogenem Gesicht sah sie sich um und der dunkle, zuckende Ball lag nur eineinhalb Meter von ihr weg. Auf allen Vieren krabbelte sie schnell auf ihn zu, ehe sie aufsprang und ein paar Meter von dem Kampf-Pokémon Abstand nahm. Fragend sah sie auf den Ball, Seffe hatte ihm eine Sperre verpasst... aber warum? Es war eindeutig der Ball von Gengar und der Geist tobte darin und versuchte sich zu befreien. Sie verzog die Lippen und legte den kleinen Hebel um. Sogleich platze das Geist-Gift-Pokémon heraus. Mit ausgestreckter Zunge und einem lauten Schrei schwebte es nun neben dem Kampf-Pokémon.

Maschok warf Seffe wieder einige Meter weg und fing an auf Gengar ein zu schlagen. Doch so leicht hatte er es mit dem Geist nicht und schlug durch ihn hindurch. Lotte rannte zu Seffe, welcher durch den letzten Aufprall ohnmächtig war und tätschelte seine Wange. „Seffe … wach auf! Verdammt, Seffe!“

Gengar verarschte Maschock und hatte ihn durch den Schlecker bereits paralysiert und einige Treffer gelandet. Doch das Kampf-Monster war so aufgebracht, es wollte unbedingt das Motorrad haben. Immer wieder wenn es in die Richtung des Zweirades ging oder einen Schritt zu den Trainern tat, schubste es Mr. Spook mit leuchtenden Augen und einem kurzen Anflug von Psychokinese zurück.

Lotte sah sich kurz die Szene an. Da das Tätscheln bei Seffe nichts half, packte sie den jungen Mann nun an den Schultern und schüttelte ihn. Das wohlige Gefühl der Bewusstlosigkeit, was ihn gerade noch schwarz ummantelte, wurde nun schlagartig durch Schmerzen ersetzt. Seffe stöhnte, ehe er verkrampft seine Augen öffnete. Verschwommen erkannte er Lotte, welche erleichtert seinen Namen rief und er hörte die Kampfgeräusche seines Gengars, was ihn sofort zurückerinnerte. „Werf einen Ball Lotte! Vorne… in meiner Tasche!“, seine Stimme war schmerzverzerrt und er versuchte sich etwas auf zu setzen. Lotte reagierte sofort, sie rannte zu dem Rucksack und durchwühlte die vorderen Taschen. Dann fand sie endlich die Bälle.

Gengar hatte Maschock zu Boden gestoßen und hielt ihn laut lachend unten. Das Kampf-Pokémon war fast k.o. Gerade als Gengar über ihm schwebte und zur letzten Attacke ausholte, wurde die muskulöse Figur plötzlich durchsichtig und schließlich in einen Ball eingesaugt. Lotte hatte ihn geworfen und Gengar starrte sie böse an. Der Ball zuckte einmal, zweimal und ein drittes Mal und blieb ruhig liegen. Erleichterte sah Lotte neben sich und ihr fiel die Brille von Seffe auf. Gengar schnaufte, seine Pointe war versaut worden, dann fiel sein Blick finster auf seinen Trainer. Lotte rannte zu Seffe, welcher sich auf seinen Ellbogen gelehnt hatte und immer noch am Boden lag. Grinsend setzte sie ihm die verbogene Brille auf. „Ich habe Maschock gefangen.“

Seffe stöhnte nur, drückte seine Brille gerader und ließ sich wieder zurück fallen. Er hatte selten solche Schmerzen erlebt. Atmen fiel ihm schwer und er versuchte seinen Rücken gerade zu strecken. Gengar erschien über ihm, was Lotte zur Seite zucken ließ. Er funkelte Seffe böse an. Dann verschwand es ohne weiteres in seinem Ball. Arkani lag noch immer unter dem Motorrad und winselte leise. Pikachu schüttelte sich und schwankte auf die beiden zu, ehe es sich mit einem gehauchten „chuu...“ neben Seffe legte, um ihm sacht über die Hand zu lecken. Seffe lächelte leicht und hatte die Augen wieder geschlossen. Lottes Blick wurde besorgt. „Nein, bitte nicht wieder ohnmächtig werden, Seffe!“ Dieser schüttelte nur mit dem Kopf. „Keine Sorge, ich bin wach. Ich bekomme nur schlecht Luft… ich glaube... meine Rippen sind angeknackst...“ Er hatte es schwer mit dem Atmen und versuchte sich erneut auf zu setzen, doch Lotte hielt ihn mit einer Hand an seiner Schulter zurück. „Warte…“, kam es von ihr und sie zog den großen Rucksack zu sich. In der vorderen Tasche hatte sie doch diese kleinen Flächlein gesehen. Und da war endlich ein Trank. „Trink das“, kam es bestimmend von ihr, als Seffe erst skeptisch den Kopf zur Seite bewegte. Der Geschmack war ekelhaft und ließ ihn das Gesicht verziehen, als ob ihm jemand einen Suppenlöffel Süßstoff in den Mund gegeben hätte. „Um Arceus` Willen, was ist das gewesen?“, kam es schließlich von ihm, doch es ging ihm direkt besser und er sah angeekelt zu Lotte.

„Ich glaube ein Trank… Hey, du kannst ja schon wieder sitzen!“ Die Rothaarige lächelte ihn mit großen Augen an, ehe ihr Blick wieder ernst wurde und sie bedrückt zur Seite sah.

Seffes Blick fiel auf die Flasche. „Ekelhaft… Ich hab noch nie verstanden, warum die Monster so auf das Zeug abfahren…“ Er streichelte das kleine Zitrönchen neben sich und erneut trafen sich die Blicke der Trainer. Seffe seufzte leise. Immer wenn das Mädchen in seiner Nähe war, hatte er dieses merkwürdige Gefühl … er dachte nicht weiter und warf ihr ein knappes Lächeln zu. „Danke, Lotte.“

Die junge Frau hob freudig ihre Augenbrauen und hielt ihm einen Trank für Pikachu hin. Sie stand auf und beobachtete Seffe, wie er das kleine, gelbe Wesen pflegte und schließlich in den Ball zurückzog. Dann stand er mit einem Stöhnen auf und richtete sich langsam auf. Die Schmerzen in seiner Brust würden wohl noch eine Weile anhalten. Sein Lächeln gegenüber der Kleineren sah sehr gezwungen aus, aber sie blickte ihn so besorgt an, dass er nicht anders konnte.

„Was war passiert? Warum war Maschock so sauer?“, fragte sie schließlich und Seffe ging auf den Spritkanister zu. Schnellen Schrittes war sie vor ihm da und hob ihn auf. Leise seufzte der andere und nahm den Kanister entgegen. „Maschock saß auf meinem Motorrad und hat es durch die Gegend geschoben… ich hab ihm gesagt er soll da runter gehen…“ Dabei gingen sie auf die Honda zu. In dem Moment platze ein Pokéball von Seffe auf und Mr. Spook schwebte erneut grimmig guckend vor ihnen. „Du bist ausgerastet und hast ihn angeschrien, das hättest du auch diplomatischer angehen könne, Trainer.“ Lotte erstarrte zu Eis, als die schaurige Stimme auch in ihrem Kopf hallte. Seffe rollte nur mit den Augen und murmelte: „Es ist vielleicht etwas eskaliert…“

„Wenn es um sein Motorrad geht, rastet er direkt aus…“, schnarrte Mr Spook provozierend und sah mit verengten Augen zu Lotte und dann wieder zu Seffe. Lotte musste kurz schief grinsen. „Du warst doof, dass du mich eingesperrt hattest, Partner.“ Das „Partner“ betonte der Geist schnippig und rau. „Aber die Lektion hast du dafür ja auch bekommen. Sei froh, dass ich überhaupt geholfen habe…“ Genervt wand sich Seffe um und sah strafend auf Mr. Spook. „Das bin ich auch, aber es reicht jetzt, Gengar!“, sein Ton war strenger als sonst und ließ sogar Mr. Spook kurz die Augen weiten. Seffe nannte seine Pokémon nur beim Rassenamen, wenn es für ihn genug war. Das Geist-Pokémon landete neben ihm und half ihm nun mit Paulinchen die CB 750 wieder aufzustellen. Arkani sprang auf, als das Gewicht endlich nicht mehr auf ihr lastete und schüttelte sich.

Lotte stand daneben, gab Seffe den Kanister und holte den Rucksack. Arkani sah sie schwanzwedelnd an und stupste sie leicht, die Feuer-Hünding hatte den Helm gebracht. Wie freundlich seine Pokémon doch waren. Sogar Gengar hatte etwas ihr Vertrauen geweckt, mit einer Selbstverständlichkeit, hatte er alle vor Maschock verteidigt. Und dass, obwohl zwischen ihm und seinem Trainer gerade merklich Stunk herrschte. Sie hatte Respekt vor dem Geist, er war ein sehr starkes und scheinbar auch intelligentes Wesen.

Stumm beobachtete sie, wie Seffe sein Motorrad mit Sprit fütterte, dabei wurde sie von Gengar angestarrt und versuchte es zu ignorieren. Ein mulmiges Gefühl kam in ihr auf und sie verzog leicht das Gesicht. Seffe sah auf und guckte von einem zum anderen. „Spook, dein Ball wartet auf dich!“, forderte er den Geist auf, welcher nur die Augen langsam zu seinem Trainer bewegte und dann im Ball verschwand. Seffe seufzte und sah zur Kleineren.

„Kannst du jetzt überhaupt Motorrad fahren?“, fragte Lotte und klang dabei besorgt.

Seffe verzog seinen Mund und zuckte mit den Schultern. „Ich will es nicht noch länger hier im Wald lassen, wer weiß… das nächste Mal sitzt vielleicht ein verrücktes Relaxo drauf.“

Lotte musste kurz kichern, dann hob sie den Ball in die Höhe. „Ich hab jetzt ein Maschock und ich glaube, es ist gar nicht so verrückt, außer vielleicht auf Motorräder.“

„Nein, schlimmer: auf mein Motorrad! Außerdem hast du es mit einem meiner Bälle gefangen und ein Hyperball kostet fast 100 Dedennes!“

Dedenne, ein mausartiges Pokémon… habe ich in der Redewendung verpackt, weil man umgangssprachlich zum Beispiel sagt: „Du schuldest mir noch 100 Mäuse!“ Allerdings haben den Wortwitz lange nicht alle verstanden… ^^
Hier noch etwas realistischere Bilder von der süßen Maus:
https://www.dropbox.com/s/nyvizrgw6uog2 ... 1.png?dl=0
https://www.dropbox.com/s/bqx3cs05g3kos ... 2.jpg?dl=0 Quelle: Deviantart, by Reganismyfirstname


Lotte warf mit einer Kopfbewegung schwungvoll ihre Haare zurück. „Du rechnest einem ständig alles auf, oder? Nach der Hälfte meiner Siegesprämie und dass ich dir geholfen habe, sollte das doch drinnen sein.“ Arkani kläffte kurz, ob es jetzt seinen Trainer verteidigte oder die andere blieb offen.

„Ja und ich hab die Prügel kassiert! Aber ist mir auch egal… Ich will`s gar nicht haben.“ Seffe winkte ab.

„Es klingt ja fast, als hätte es deine Ehre angekratzt und deswegen hast du kein Interesse an Maschock. Es ist ein gutes Pokémon.“

„Bestimmt, guten Geschmack hat es ja schon“, sagte Seffe neutral und startete das Motorrad, zuverlässig sprang die Honda an.

„Und du willst jetzt wirklich nach Saffronia fahren?“

Kurz schien er zu überlegen. Lotte wirkte besorgt und traurig zugleich und verdammt… sie hatte tolle grüne Augen, wenn sie ihn so ansah. Davon wollte er sich doch nicht beeinflussen lassen. Er sah wieder ab von ihr. „Ehrlich gesagt, keine Ahnung, ob ich die Strecke heute noch fahre… oder besser fahren kann.“ Er merkte noch immer deutlich die Schmerzen. „Außerdem… würde ich dich hier nicht alleine lassen“, fügte er hinzu.

Lotte hob den Blick und ihre Augen fingen an zu leuchten. „Darf ich bei dir mit fahren?“

„Nein, du hast nicht mal mehr einen Helm“, sagte er tonlos und machte eine Kopfbewegung zu seinem hundeähnlichen Pokémon, dann setzte er sich selbst den Kopfschutz auf. „Paulinchen, du nimmst sie auf deinem Rücken mit.“

Die Mimik des Mädchens war wieder gefallen. Wobei auf einem Arkani reiten allerdings auch cool war, wenn auch mindestens so gefährlich wie auf einem Motorrad zu sitzen. Wahrscheinlich suchte er nur einen Vorwand, um sie nicht auf dem Soziussitz mitzunehmen. Doch dann lächelte sie. „Ist auch besser, wenn du wirklich gebrochene Rippen haben solltest“, kam es noch neckend von ihr, denn sie hätte ihm beim Fahren von hinten umfassen müssen. Grinsend setze sich auf Arkani.

Schnell waren sie zurück in Vertania angekommen und Lotte wäre am liebsten noch länger auf dem Feuer-Pokémon sitzen geblieben. Paulinchens flauschiges Fell roch so gut und sie war so schön warm. Am Pokémon-Center angekommen lobte Lotte das Monster, welches sich dann zurück in den Ball zog. Nachdenklich fiel ihr Blick auf Seffe. Welcher gerade vom Motorrad stieg und kurz so aussah, als würde er sein Gleichgewicht verlieren. Schnell war sie zu ihm gegangen, um ihn zu stützen. „Alles gut?“, fragte sie, worauf der junge Mann nur schmerzverzogen zu ihr blickte. „Komm, lass uns schnell zu Schwester Joy gehen.“

Aufgebracht hatte Lotte der Krankenschwester alles erzählt und Seffe wurde von Chaneira in ein Zimmer gebracht. Gerade als er das Krankenzimmer betreten hatte, verlor er die Besinnung und fiel einfach um. Chaneira hatte ihn noch halb dabei aufgefangen und laut nach Schwester Joy gerufen. Das Mädchen mit den roten Haaren saß im Warteraum und seufzte. Sie hatte das Bild vor sich, wie ihm Maschock in den Magen schlug. Links hatte ihm das Kampf-Pokémon dadurch zwei gebrochene Rippen zugezogen, wie sie erfuhr.

Dann ging erneut die Tür auf und Joy lächelte ihr entgegen. „Den flicke ich schon wieder zusammen, Lotte. Mach dir keine Sorgen. Zitrone ist ebenfalls etwas schwach, aber auch sie wird es gut überstehen. Das mit dem Trank war eine gute Idee von dir, allerdings hält der bei seiner Größe nicht so lange an und wird wohl auch Nebenwirkungen zeigen. Deswegen ist er vorhin einfach ohnmächtig geworden.“

„Danke, Schwester…“, Lotte sah leicht bedrückt aus, „Darf ich zu ihm rein?“ Joy nickte und sah ihr lächelnd hinterher. Vorsichtig lunzte Lotte durch den Türspalt, ehe sie den Raum betrat. Das Bett von Seffe war im Rücken leicht aufrecht gestellt. Er war in weiße Klamotten gesteckt worden und hatte die Augen geschlossen. Pikachu lag zusammengerollt links neben ihm. Zitrone hatte ihr Köpfchen auf seine Schulter gelegt und sah glücklich aus.

Lotte lächelte, bei dem Anblick der beiden und setze sich auf den linken Stuhl neben dem Bett. Sie hatte ihren Mantel ausgezogen und eine lockere Bluse und Jeans darunter. Sanft streichelte sie Zitrönchen über den Rücken. Das Pikachu gab einen wohligen Ton von sich und kuschelte sich noch enger an seinen Trainer, beide schienen zu schlafen. Lotte seufzte und legte ihre Hände in den Schoss. „Ach Seffe... wenn du wüsstest, wie sehr ich dich beneide...“ Nachdenklich sah sie auf das große bizarre Bild im Raum vor sich.

„Warum?“, fragte Seffe plötzlich und blinzelte zu ihr auf. Er erkannte ihr wallendes, feuerrotes Haar und griff mit seiner rechten Hand nach der Ablage, wo seine Brille drauf lag.

Lotto sah empört zu ihm. In dem Licht wirkte seine Augenfarbe gar nicht mehr grau, sondern grün und ohne Brille wirkte er jünger. Ihre Wangen nahmen fast die Farbe ihrer Haare an und sie kreuzte die Arme. „Du schläfst ja gar nicht!“

„Stimmt, aber ich wünschte es wäre so... Ich kann mir nicht vorstellen, dass du gerade Rollen mit mir tauschen willst.“ Nun hatte sich Seffe seine Brille wieder aufgesetzt. Er müsste sie bei Gelegenheit mal neu einstellen lassen. Als ob es nicht schlimm genug war, dass sie schon dauernd am Rutschen war, wurde sie auch noch immer schiefer.

Noch mehr verärgert sah ihn Lotte an und gab ihm einen leichten Klapps an seine linke Seite. Seffe konnte sich nicht wehren und stöhnte auf. „Ich hab zufälliger Weise zwei gebrochene Rippen, blödes Miltank...“

Lotte stockte und kurz wirkte es so, als wolle sie sich entschuldigen, dann verzog sie ihren Mund. „Das hast du dir verdient. Arsch...“ Jetzt war auch Pikachu wach und blinzelte Lotte an. „Chuuuuu!“, sagte es dann und lehnte sich an sie, welche anfing es zu kraulen.

Skeptisch beäugte sie Seffe aus den Augenwinkeln. Leider war ihm sein halblanges Haar diesmal etwas im Weg. Er sah Lotte das erste Mal ohne ihren dicken Mantel. Scheinbar war sie ziemlich schmal, wenn auch nicht unbedingt schwächlich. Im Gegenteil. Die Ärmel der Bluse hatte sie hochgekrempelt und für eine Frau hatte sie recht starke Oberarme. Seffe hob beide Brauen und somit auch leicht den Blick, kurz blieb er an ihren Brüsten hängen, ihre Bluse war oben leicht aufgeknöpft... Er wollte Lotte doch gar nicht so abchecken. Zumindest hatte er sich das so vorgenommen. Also zwang er sich, noch weiter hoch, also ihr ins Gesicht zu sehen. Doch Lotte hatte seine Blicke bereits bemerkt und sah ihn strafend an, wobei sie sich innerlich zugegeben darüber freute. „Willst du dir noch eine fangen?“

Mit verzogenem Mund und leicht genervt sah Seffe zur Seite. „Als ob das jetzt noch was ausmachen würde...“, murrte er leicht verschämt, dann sah er sie wieder an. „Was meintest du vorhin? Warum beneidest du mich?“ Sein Interesse war nicht geheuchelt.

Lotte nahm ihre Haarpracht hinter sich zusammen und legte alle Haare über ihre linke Schulter, dabei fiel Seffe auf, wie lang diese eigentlich waren, sie gingen ihr locker bis zum Po. Das Mädchen seufzte tief. „Aach... weißt du... ich würde auch gerne auf Reisen gehen. Aber … ich habe ja heute erst gesehen, wie gefährlich es sein kann...“

Seffe zuckte mit den Schultern. „Naja... wenn du nicht erschienen wärst, hätte mich Maschock wahrscheinlich bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt oder geprügelt, mein Motorrad betankt und wäre weggefahren. Schlimmer geht immer.“

„Sehr lustig... du weißt was ich meine. Wann haben dich deine Eltern los gehen lassen?“

Nachdenklich verzog der Seffe sein Gesicht. „Ich bin mit 16 los gezogen. Da waren es aber noch kurze Strecken. Ich hab die Realschule noch beendet und...“ Er brach mit einem Schulterzucken ab. „Meine Eltern hatten sich wohl einen anderen Lebenslauf bei mir vorgestellt...“

Lotte hob einen Mundwinkel in die Höhe. „Wieso?“

„Eija... weiter Schule machen, Studieren, ein ordentlicher Job und so...“

„Hm-hm... und was hast du jetzt für einen Job?“

„Ich bin in einem Kurierdienst angestellt. Und meinem Chef wird es gar nicht schmecken, weil ich erst den Auftrag verschoben habe und jetzt auch noch krank bin... ich muss hier morgen unbedingt raus.“

Lotte blinzelte ihn an. „Bist du deswegen Pokémon-Trainer, um dein Konto mit Siegesprämien aufzufrischen?“

Seffe sah sie schief von unten an und Zitrone sah vorwurfsvoll auf Seffe. „Nein!“, sagte der Trainer ohne lange überlegen zu müssen, „Ich habe deswegen den Kurierjob, um mit meinen Pokémon reisen zu können. Das Hobby ist teuer und ich muss ja auch noch die Bude, das Auto und mein Motorrad halten... Und die Pokémon, die auf der Box liegen, brauchen auch Beschäftigung und fressen Geld. Zum Glück ist da die Verpflegung schon mit drinnen...“

Lotte hob beide Brauen. „Wie viele Pokémon hast du denn?“

Seffe zuckte abermals mit den Schultern. „Was ist mit deinen Eltern? Lassen sie dich von daheim nicht weg?“

Kurz sah sie den anderen wie gebannt an und dann von ihm ab. „Meine Eltern leben nicht mehr.“

Das hatte Seffe jetzt nicht erwartet, er kniff die Lippen zusammen. „Das tut mir leid.“

„Schon okay… Sie leben schon lange nicht mehr. Meine Oma hat immer auf mich aufgepasst und mich aufgezogen. Sie macht sich immer große Sorgen um mich und würde mich ungerne alleine los ziehen lassen. Außerdem kann ich sie nicht einfach alleine lassen, verstehst du?“ Mit glänzenden Augen richtete Lotte den Blick nach vorne und eine betretene Stille füllte den Raum. Lotte seufzte schließlich tief. „Ich find`s gut, dass du deinen Weg gehst und werde dich in Cups auf jeden Fall weiterhin im Fernsehen verfolgen. Wenn du mal wieder in der Gegend bist, kannst du mich ja mal besuchen kommen.“

Seffe hatte ihre Mimik ganz genau beobachtet, sah dann nach unten und lächelte leicht. „Naja, ich lasse euch jetzt mal alleine. Tschüß, Seffe und Zitrönchen“, sagte das Mädchen, was die beiden nur kurz erwiderten. Dann streichelte Lotte noch einmal über das Köpfchen des Pikachus, nahm ihren Mantel und verließ den Raum.

Nachdenklich ließ sie den anderen zurück. „Piii-kaaa-chuuu, Pika pika?“, Zitrone sah ihn an und ihr Trainer legte eine Hand auf ihren Kopf. Irgendwie tat ihm Lotte leid. „Ach, ich weiß doch auch nicht, Zitrone“, kam es nur von ihm, aber sein Gefühl verriet ihm, dass er sie noch häufiger sehen würde. Wenn es ihm morgen besser ginge, müsse er als erstes nach Saffronia düsen, um der Auftrag abzuholen. Sein Chef würde sonst bestimmt einen Tobsuchtsanfall bekommen.


Glück im Unglück

(Als kleine Anekdote: Ich habe diese Kapitel einen Tag vor meinem Motorradunfall (am 05.05.2016) geschrieben. Ohne Mist! Echt verrückt manchmal... ich hatte jedenfalls auch Glück im Unglück.)

Einen Tag lang blieb Seffe noch im Krankenhaus und wurde unter anderem von seinen besorgten Eltern besucht. Lotte jedoch ließ sich nicht mehr blicken. Auch wenn es Seffe insgeheim gehofft hatte, aber er wollte das Ganze sowieso nicht zu eng werden lassen.

Mit den ganzen Tränken und Mittelchen, war er ordentlich gepäppelt worden und fühlte sich endlich in der Lage zurück nach Saffronia zu fahren. Der Wecker klingelte so früh, dass nicht mal mehr Chaneira in dem Zimmer gewesen war, um zu putzen oder Seffe zu verpflegen. Zitrone murrte und als ihr Trainer aufstand, legte sie sich auf die warme Stelle im Bett, welche er hinterlassen hatte und zog die Decke leicht über sich. „Du hast es gut…“, murmelte er und tapste ins Bad. Er hatte zwar immer noch leichte Schmerzen, aber gegen die gebrochenen Rippen konnte man eh nicht viel mehr machen, als abwarten bis es wieder verheilt war.

Knapp eine halbe Stunde später stand der junge Mann auch schon wieder an seiner Honda. Noch einmal streckte sich Seffe so gut es ging und gähnte. Die Müdigkeit würde hoffentlich gleich gänzlich verfliegen, wenn er am Fahren war. Eigentlich fuhr er mit dem Motorrad lieber über Land, jedoch würde das zu lange dauern, also wählte er die Autobahn. Die dreispurige Straße war komplett frei, so konnte er die langen Kurven wunderbar ausfahren. Nach einer Weile verlor er das Gefühl für die Geschwindigkeit und fuhr die Abfahrt nach Saffronia herunter. Die Straße fädelte auf zwei Spuren ein und er fuhr auf eine gefühlte Wand aus Hochhäusern zu, die der Silhouette von Frankfurt am Main glich. Kurz zuckte Seffe innerlich zusammen, als es rot blitzte. „Ouuu…“, murmelte er in sein Halstuch herein, ließ das Gas der Maschine locker und bremste leicht. Sein Blick lag kurz auf dem Tacho und als er wieder hoch sah fiel ihm ein großer, silberner Transporter auf, welcher auffällig blau beklebt war und eine Lichtleiste auf dem Dach hatte. Innerlich rollte Seffe mit den Augen, als er von einem männlichen Officer Rocky mit einer Kelle an den Rand gewunken wurde. Seffe stellte den Motor ab, zog seinen Helm vom Kopf und sah unschuldig in die Richtung des Officers, welcher nun neben ihm stand. Ein Fukano saß akkurat an seiner Seite.

(Fukano: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtgR48AwKCGlnnguEl)

„Guten Morgen Herr Hippe, hat man es als angehender Champ wirklich nötig dermaßen schnell zu fahren?“ Der braunhaarige Mann hatte ihn direkt erkannt und beäugte ihn vorwurfsvoll, dabei zückte er ein Gerät.

„Tut mir leid, ich bin im Stress…“, ging Seffe knapp darauf ein, er hatte schlechte Chancen, sich aus der Sache rauszureden. Musste das jetzt unbedingt passieren?

„Wissen Sie denn, wie schnell sie zu viel gefahren sind?“

„Nein, ich habe nicht darauf geachtet.“

Der Polizist sah ihn böse an, „Das glaube ich auch – laut Messung 81 Km/h mit Toleranzabzug.“

„Ui…“, kam es von Seffe nur.

Der andere Mann schwieg kurz und sah ihn ernst an. „Wissen Sie wie viel hier erlaubt ist?“

Kurz überlegte der Motorradfahrer, zuckte dann jedoch mit den Schultern. „Hab nicht drauf geachtet, war wohl in Gedanken.“ Das war eindeutig die falsche Antwort und sogleich biss sich Seffe selber auf die Zunge.

Kurz fiel dem Officers alles aus dem Gesicht. „50 gilt in der Stadt! Das gibt einen Strafzettel, einen Punkt ...“

„A-aber...“, unterbrach ihn Seffe nur und lachte kurz verlegen. “Ich bin echt in Eile und hatte die grüne Welle.“

Sichtlich sauer verzog der Officer die Brauen und schüttelte den Kopf, ehe er weiter aussprach: „Ich denke, Ihnen wird das Scherzen gleich vergehen. Steigen Sie bitte ab und geben Sie mir Führerschein und Fahrzeugpapiere.“

Seffe hob kurz die Hände zur Seite, als wolle er noch was sagen, stellte dann jedoch das Motorrad auf dem Seitenständer ab und kramte aus seiner Geldbörse die geforderten Scheine. „Es tut mir wirklich leid, Officer Rocky…“, versuchte er ihm noch entgegen zu kommen, „Ich bin eigentlich nicht so unterwegs, aber ich habe es echt eilig und…“

„In Ihrem Straßenverkehrs-Strafregister sind Sie fast nur wegen zu schnellen Fahrens auffällig“, unterbrach ihn der Officer trocken und Seffe rollte unbemerkt mit den Augen. „Diesmal gibt es einen Monat Fahrverbot.“

„Was? Das geht nicht! Ich meine… also wirklich nicht. Bitte! Ich bin Kurier, können Sie mir nicht einfach einen Strafzettel ausschreiben?“ Seffe wirkte nun verzweifelt. Als er den bösen Blick des anderen abbekam, sah er zur Seite und verstummte.

„Den Strafzettel bekommen Sie auch, keine Sorge“, erwiderte der Polizist und Seffe verzog seinen Mund. Jetzt würde nichts mehr helfen.

Dann nahm er Schritte wahr und sah sich leicht um. Officer Rocky, diesmal in der weiblichen Variante, kam neugierig auf beide zugelaufen. Der Motorradfahrer beherrschte seine Mimik. Sie sah richtig heiß aus. Sie hatte ebenfalls eine blaue Uniform an, trug jedoch keinen kurzen Rock, sondern eine enge Hose. Unter ihren Klamotten konnte man die durchtrainierte Figur erkennen. Ihre petrolfarbenen Haare hatte sie zusammengefasst und ein gerade geschnittener Pony ließ sie streng wirken. „Bastian, was ist los? Du brauchst so lange“, kam es von ihr und sie beäugte Seffe, welcher resignierend und schuldbewusst zur Seite schaute. Der Officer verzog nur das Gesicht und sah kurz zu ihr, ehe er seiner Kollegin antworten konnte, sprach diese jedoch weiter. „Sind Sie nicht Herr Hippe? Der Seffe Hippe aus dem Hypercup?“, sie klang voller Freude und ihre Augen fingen an zu leuchten.

Der Trainer nickte nur leicht, noch immer mit reumütigem Blick und der männliche Polizist mischte sich ein. „Ja und er ist eine Gefährdung für den Straßenverkehr! Er hält sich nie an Geschwindigkeitsbegrenzungen!“

Seffe hob eine Hand an den Hinterkopf und zuckte mit entschuldigendem Lächeln mit den Schultern. „Wenn Sie wüssten was mir in den letzten Tagen alles passiert ist... dann ist das hier nur noch das i-Tüpfelchen“, kam es von ihm und resignierend sah er erneut ab. Dann müsse er eben schwarzfahren und damit dachte er nicht an die öffentlichen Verkehrsmittel. Seffe war nachdenklich und etwas verzweifelt. Die Polizistin beäugte ihn jedoch ganz verliebt, ehe sie zu ihrem Kollegen sah. „Können wir nicht eine Ausnahme machen?“

Der Kollege sah sie empört an. Als ob ihm ihre Blicke für Seffe und jene von Seffe nicht schon gereicht hätten. Bastian hatte schon länger ein Auge auf sie geworfen und war froh, dass sie endlich zusammen Dienst hatten. Doch jetzt stand ihr Trainerschwarm aus dem Fernsehen vor ihr. „Kommt gar nicht in Frage! Nur, weil du ein Fan von seinen Kämpfen bist, willst du ihn gehen lassen?“

„Er kämpft auch gut!“, sagte die Rocky schulterzuckend und sah ihren Kollegen mit großen, braunen Augen an.

„Er ist ein Raser!“, argumentierte dieser und hielt Seffe die Strafzettel hin. Dieser sah nur abwechselnd von einem zum anderen Rechtehüter und nahm die Zettel an sich. Die Summe ließ ihn tief Luft holen und ihm wurde etwas schwindelig. „Und dass ich nicht lache, gegen mein Fukano hat er nicht den Hauch einer Chance!“, vernahm Seffe - nach kurzer Abwesenheit - wieder vom Officer.

„Er hat gerade versprochen sich zu bessern...“, wollte ihn die Polizistin verteidigen, ehe sie die Arme in die Hüfte stemmte. „Gegen Brandy?“, zweifelnd sah Rocky ihren Kollegen an, welcher kurz zu überlegen schien. Der Mann in der Uniform nickte schließlich und sah zu seinem Fukano. „Natürlich gegen Brandy!“ Sein Hundepokémon bellte kurz entschlossen auf und stellte sich knurrend auf alle Viere. Es würde sein Herrchen in allem Zustimmen und niemals im Stich lassen.

Seffe sah zur Seite und biss sich feste auf die Zunge, sonst hätte er gelacht. „Im Leben nicht!“, dachte er sich.

„Lass uns gegeneinander kämpfen! Vielleicht mildere ich dann die Strafe...“, kam es von dem Officer und Brandy sprang kampfbereit vor ihn.

Ungläubigkeit zeichnete Seffes Gesichtsausdruck aus. „Officer... sind sie sich sicher?“, kam es vorsichtig von ihm. Nebenbei dachte er sich: „Haben Sie nichts anderes zu tun, als mich zum Kampf aufzufordern?“

Die Frau lachte kurz. „Gegen was willst du antreten? Sein Gengar? Wirklich Bastian... in dem Fall ist er eine Nummer zu hoch für dich!“, schimpfte sie, ehe sie die Stimme dämpfte. „Wir sind aktuell erst im unteren Straßendienst und Brandy ist noch nicht so weit!“

„Lass dein Gengar raus! Wir werden schon sehen, wer der Bessere ist“, knurrte Bastian und sah dann auffordernd zu dem Motorradfahrer. Er ignorierte einfach alles Gesagte seiner Kollegin. Nun verstand Seffe, um was es ging. Die Eifersucht sprudelte förmlich aus dem Officer heraus, dessen Wangen sich leicht röteten. „Nun ja, dann...“, sagte Seffe, „... womit wir wohl beim „Du“ wären, Officer.“ Dabei machte er seine Motorrad-Lederjacke auf und nahm von seinem Gürtel darunter den dunklen Ball ab. „Wir haben es leider nicht mehr geschafft zum Pokémon-Center zu kommen und Gengar ist etwas geschwächt. Vielleicht besteht der Hauch einer Chance gegen mich zu gewinnen. Bei dem fitten Fukano...“ Der Ball platzte auf und Gengar stand vor Seffe. Es grinste nicht, sein Mund war geschlossen. Genervt sah es zu seinem Trainer, welcher ihn nun ernsthaft gegen … dieses junge Fukano antreten ließ?

Der Officer, welcher erst angespannt aussah, grinste nun. Es tat gut, das zu hören. Brandy knurrte leicht, er würde sein Herrchen nie im Stich lassen und tat alles für ihn, doch er hatte eine schlechte Vorahnung. Aber er würde sich nichts anmerken lassen. Die Polizistin seufzte nur und zuckte mit den Schultern. Irgendwie fand sie es ja süß von Bastian, wie er sich beweisen wollte. Mut hatte er jedenfalls.

Die Pokémon standen sich gegenüber und die Trainer sprangen beide ein Stück zurück. Die Straße war so früh morgens noch wenig befahren und der breite Bürgersteig würde die Kampffläche sein. Sogleich bekam Fukano seinen ersten Befehl und der halbgroße Hund jaulte auf, ehe er auf Gengar zu rannte und das innere seines Maules anfing zu glühen.

Gengar wartete auf den Befehl seines Trainers, doch dieser schien wohl noch zu träumen. Seine Gedanken schienen leer. Was war los? „Gaa?“, machte Mr. Spook und wand sich fragend um, ehe er von der Attacke Feuerzahn getroffen wurde, Fukano hatte sich in seinem Arm verbissen und ließ nicht mehr los. „Weich aus Mr. Spook!“, konnte er dann hören. Es kam viel zu spät...

„Geeeehhh...“, kam es von Gengar vorwurfsvoll und er versuchte den Feuerhund abzuschütteln, welcher sich wie ein Pitbull in seinen Arm verbissen hatte. Das schmerzte dem Geist-Gift-Pokémon sichtlich. Bis sich der violette Geist mit einem schaudrigen Schrei zu Luft auflöste und tauchte hinter Fukano auf. „Gut gemacht, Brandy. Der erste Treffer war ein Erfolg! Schnell dreh dich um, Feuerwirbel!“

Vorwurfsvolle Blicke bekam Seffe ab, welcher sich mit einem leichten Schulterzucken zu Mr. Spook entschuldigte. „Spooky, das soll der schlechteste Kampf in unserer Geschichte werden, verstanden?“, konnte Gengar die Gedanken seines Trainers hören. So etwas würde Seffe niemals aussprechen. Schlimm genug, dass er es überhaupt dachte. „Gaaaaaaaa?!?“, erklang es fragend und dann konnte man nur noch die Silhouette des Geistes hinter Flammen erkennen.

Die Frau sah ungläubig drein und Bastian lachte. „Scheinbar seid ihr zwei heute wirklich nicht in Höchstform... ist es noch zu früh für euch? Brandy, setz` Schnüffler ein!“

„Befrei dich endlich aus den Flammen, Mr. Spook!“, kam es nun unprofessionell von Seffe, „Und dann Spukball!“ Gengar war sauer für die Schläge die er einkassieren musste und das Feuer hatte ihn an ein paar Stellen verbrannt. Mit einem Schrei fegte er mit der Finsteraura, welche eine Art unsichtbare Kraft war, die Flammen um sich herum weg. Sogleich formte er einen mysteriös, leuchtenden Ball in seinen Händen und schoss ihn auf Fukano ab, welcher gerade damit beschäftigt war, sich auf den Geruch von Gengar zu konzentrieren.

Mit voller Wucht flog der leuchtende Ball auf das gestromte Hundepokémon zu und traf es so hart, dass es ein paar Meter hinter Bastian rutschte und winselte. „Oh nein, Brandy!“, riefen beide Officer synchron. Seffe hob eine Hand an seine Stirn und schüttelte den Kopf. „Doch nicht so wild, Mr. Spook! Lass ihm eine Chance“, dachte er und sauer sah ihn Gengar an und verhöhnte sogleich das Fukano. Kurz sah es nach einer Niederlage aus, doch dann rappelte sich Brandy wieder auf. Er würde Bastian nicht im Stich lassen! Niemals!

Erleichtert atmete Seffe aus und nickte seinem Partner zu, welcher immer noch ziemlich unamüsiert war. „Dunkelklaue, Mr. Spook!“

„Super, Brandy! Bodycheck!“, rief der Officer.

Die beiden Pokémon gingen aufeinander los. Fukano hatte den Geruch von Gengar genau in der Nase und würde ihm den Bodycheck seines Lebens verpassen. Die linke Hand von dem violetten Geist hatte sich verformt und war zu einem Vielfachen größer geworden. Am Ende waren scharfe Klauen zu sehen, welche violett-bläulich schimmerten. Für Mr. Spook lief alles wie in Zeitlupe ab, mit diesem Treffer würde Fukano k.o. gehen, aber Seffe strebte nicht nach einem Sieg. Im Gegenteil. Gengar war verwundert, resignierte jedoch aus Loyalität zu seinem Trainer.

Den Bruchteil einer Sekunde sahen sich die beiden Pokémon tief in die Augen. Fukano kam sich vor wie in einem Zeitloch, es schien von Geisterhand in der Luft gehalten zu werden und es konnte nur in die starrenden Augen seines Gegners sehen. Das Gengar war wie vermutet noch viel zu stark für ihn, aber er würde sein Herrchen nie im Stich lassen! Dann… diese Stimme: „Attackiere mich so, dass es für deinen Besserwisser-Officer so aussieht, als hättest du mich getroffen! Aber wehe du triffst mich wirklich, dann werde ich deine Seele fressen und dich tiefer ins Dunkel ziehen, als du dir vorstellen kannst! Ich hoffe du bekommst das hin, kleines Feuer-Wauzi!“ Fukano riss seine Augen auf, was war das für eine Show?

Mr. Spook ließ seine Klauenhand von Fukanos Bodycheck kontern und Fukano flog mit einem Kläffen von Gengar ab, der Rückstoß wirkte härter, als er letztlich war.

Ein paar Schaulustige hatten sich an den Fenstern der Häuser gesammelt und beobachteten den rasenden Kampf. Einen Kampf am Straßenrand hatte Seffe auch noch nie gehabt und das auch noch gegen einen Officer.

Für alle Außenstehenden ging es viel zu schnell und sie sahen nach den Attacken der Pokémon nur, wie beide Monster weggeschleudert wurden. Sie konnten nicht verfolgen was gerade genau passiert war. Geschweige denn hatten sie das Gespräch zwischen den beiden mitbekommen. Nur Seffe grinste in sich hinein, er war sich sicher Mr. Spook würde ihn nicht auflaufen lassen.

Fukano stand hechelnd und mit leicht zitternden Beinen da, Gengar lag am Boden. „Nein, Mr. Spook! Steh wieder auf!“ rief Seffe geschauspielert und der Officer glaubte seinen Augen kaum. Das violette Monster rappelte sich auf und tat erschöpft. „Flammenwurf, Brandy! Zeig es ihm!“ Brandy stand kurz gebannt da, die Worte des Geistes schossen ihm durch den Kopf, ehe er sein Maul öffnete und einen flammenden Strahl auf seinen Gegner abfeuerte. Gengar wehrte sich nicht und fing an breit zu Grinsen. Der Flammenwurf traf den Boden vor ihm und die Flammen stießen zu den Seiten hin weg. Der weibliche Officer staunte nicht schlecht, als das violette Monster eine Hand an die Stirn hob, sich halb im Kreis drehte und mit einem verzerrten Laut zu Boden fallen ließ. Seffe hob nur eine Braue. Ein etwas weniger theatralischer Abgang hätte es auch getan.

Verdutzt stand Fukano da und blinzelte. Er hatte das Gengar doch gar nicht getroffen, oder? Aus der Perspektive und Entfernung konnte man es nicht genau ausmachen. Brandy legte den Kopf schief und winselte eher er von hinten von seinem Trainer umarmt wurde. „Oh Brandy, das war super! Du bist doch stärker als ich dachte!“ Als Fukano von hinten umarmt wurde zuckte es zusammen und erstarrte kurz, nur langsam entspannte es sich wieder. Kurz dachte es, sein Trainer wäre Gengar, der ihn nun in die Tiefen der Dunkelheit ziehen wollte. Er hechelte und sah etwas verschämt zu seinem Herrchen und versuchte dabei so glücklich wie nur möglich zu wirken.

„Ich werde verrückt...“, kam es von Officer Rocky, ihre zusammengebundenen Haare wippten in der Bewegung mit, in der sie auf Bastian und Brandy zuging. Verdutzt sah sie auf Seffe, welcher sie nur angrinste und kurz zuzwinkerte. Sein Gengar im Hintergrund sah schon wieder viel fitter aus, hatte die Arme gekreuzt und schnaufte genervt. Dann wurde es von seinem Trainer zurückgezogen. Nun verstand auch die weibliche Ordnungshüterin und schüttelte lächelnd den Kopf. Bastian und Brandy hatten davon nicht viel mitbekommen, sie waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen. Dann endlich stand der Officer auf und räusperte sich. Fukano saß nun wieder wie eine edle Marmorfigur an seiner Seite, er hatte seine Brust rausgedrückt und die Ohren aufmerksam nach vorne gerichtet.

„Es ist einfach noch viel zu früh zum kämpfen ... deine Taktik hat mich als Morgenmuffel überrannt“, kam es nun von Seffe und der Officer sah ihn streng an. Anfangs hatte er nicht unbedingt mit dem Sieg gerechnet. „Ich hoffe das wird dir eine Lehre gewesen sein“, sagte, worauf Seffe seine Lippen zu einem schmalen Strich verzog und leicht zur Seite sah. Er musste sich das Grinsen schwer verkneifen. „Wow, Bastian! Brandy! Ihr wart super, das hätte ich nie erwartet!“, bestätigte ihn die Polizistin, welche wirklich beeindruckt schien. Bastian musste leicht lächeln. „Das Fahrverbot und den Punkt vergessen wir. Die Geldstrafe wird aber trotzdem gezahlt!“, kam es nun von dem Polizisten. Seine Kollegin zog erfreut die Brauen hoch, kramte kurz einen Kugelschreiber aus ihrer Seitentasche heraus und hielt ihn Seffe hin. „Toll, aber dann bekomme ich auf jeden Fall noch ein Autogramm von dir, Seffe. Für Lisa!“, zwitscherte sie und Seffe nahm verwirrt den Stift an sich. Der Mann in der Uniform rollte mit den Augen, wand sich ab und ging mit Fukano zurück zu dem Transporter. Er wusste, dass seine Kollegin ein großer Fan von ihm war, nachdem sie ihn im Cup verfolgt hatte. Dagegen könne er wohl nicht viel tun.

Seffe hatte den Zettel auf den Sitz seines Motorrads gelegt und darauf unterschrieben. Mit einem Zwinkern nahm die hübsche Frau das Fahrverbot ab. Das Papier wurde nun auf der Rückseite von Seffes Unterschrift geziert mit den Worten „Für Lisa <3“. „Hier noch dein Führer- und Fahrzeugschein. Ich spreche allerdings auch eine ausdrückliche Verwarnung aus! Aber deine Taktik fasziniert mich immer wieder erneut.“ Kurz kicherte sie und strich sich durch ihren Pony. „Ich werde versuchen Bastian etwas abzufangen und sich nicht zu viel aus seinem Sieg zu machen. Ich weiß nicht was genau gelaufen ist, aber Brandy schien kurz etwas unter Schock zu stehen.“

Seffe blinzelte nur und sah zu der jungen Frau, welche ihn anlächelte. „Weiterhin gute Reise und vor allem: Achte dabei auf die Richtgeschwindigkeit!“, mit einem Augenzwinkern und winkend wand sich die hübsche Officer Rocky von ihm ab und lief mit selbstbewusstem Schritt und ordentlichem Hüftschwung zurück zu dem Polizeiwagen.

Seffe seufzte tief, das nannte man wohl Glück im Unglück. Er zog den Helm wieder auf und fuhr weiter. Allerdings hielt er sich nun erstmal an die Richtgeschwindigkeit. Der Verkehr war mittlerweile dichter geworden und ein paar Ampeln hielten ihn auf. Nichts desto trotz kam er pünktlich an dem großen Gebäudekomplex an. Am Empfang wurde er freundlich begrüßt und der achte Stock war sein Ziel, wofür er den Fahrstuhl nahm. In dem großen Bürogebäude war die Firma „TauBoss GmbH – Kurierdienste, so schnell wie im Flug“ untergebracht, bei der er angestellt war. In dem großen Spiegel im Aufzug, versuchte er seine Haare nach der Fahrt noch etwas zu richten. Gleich könnte er sich noch eine Portion der Zurechtweisung abholen. Und genau so war es auch.

Sein Chef war Anfang 50, mit einem Anzug bekleidet und ca. einen halben Kopf kleiner als er. Sein Haupt wurde von einem grauen Haarkranz geziert, er hatte eine schmale Brille auf der Nase und einen ernsten Blick. Seffe wurde in den Raum gebeten und bekam nicht mal mehr ein Getränk angeboten, das war schon das erste Zeichen, das die schlechte Laune seines Vorgesetzten unterstrich. Der Ältere saß hinter seinem Schreibtisch, seine Hände waren zusammen gefaltet und er musterte seinen Angestellten streng. Nichts desto trotz wirkte Seffe ruhig und entspannt und ließ sich wie immer nichts anmerken von dem Ganzen. Genau das war wahrscheinlich einer der Gründe, die seinen Chef zum Ausrasten brachten. Leicht cholerisch leitete er ein und ging von seinen Fehlstunden über auf die spontanen Zwischenfälle. Die Tonlage steigerte sich, als es um die unzufriedenen Kunden ging und dass Seffe nun mal der Einzige mit einem – von der Firma gesponserten – Bootsticket für alle Regionen sei, weswegen sein Chef den wichtigen Auftrag nicht wem anders geben konnte.

Ein paar Mal zuckte Seffe mit den Brauen, sich rechtfertigen hatte keinen Sinn, da sein Chef zu aufgebracht war und ihm sogar mit einer Abmahnung drohte. Das hatte er schon ein paar Mal getan. Seffe wusste, dass er nur noch keine bekommen hatte, weil er der schnellste Kurier in der Firma und mit der zuverlässigste war. Außer es ging um seine Pokémon oder die Kämpfe, dann machte er seinem Vorgesetzten immer wieder unbewusst klar, dass er seine Arbeit nicht priorisierte und sie nur ausführte, um über die Runden zu kommen.

Im nächsten Moment hielt ihm sein Chef ein Paket hin. „Ich will, dass Sie das Paket bis morgen früh zu dem Kunden bringen. Der Auftrag ist schon genug im Verzug und der Liefertermin ist jetzt fix!“, kam es bestimmend von dem älteren Mann, welcher aus einem Tresor das Paket holte. Seffe hob nur eine Braue und sah dann auf die Adresse, was ihn verdutzt blinzeln ließ. „Das ist auf der Zinnoberinsel! Die Zinnofähre legt erst heute Abend ab und kommt morgen gegen Mittag an! Wie soll das funktionieren?“ Seffe kannte die Zeiten wann die Fähren und Schiffe fuhren nur zu gut.

Sein Chef ließ gefährlich die Mimik sinken. „Es ist mir egal, wie Sie das machen! Sie sind doch Pokémon-Trainer, also nutzen Sie Ihre Monster gefälligst!“ Darauf sagte Seffe nichts mehr, außer einer Entschuldigung und dass er sich der Besserung gelobe. Daraufhin ging er mit einer knappen Verabschiedung aus dem Büro.

Kurz stand der junge Mann wie paralysiert da und sah auf das nicht allzu große Päckchen in seinen Händen. Sein Chef hatte es persönlich aufbewahrt, war es etwas Wichtiges? Seffe blinzelte, dann hob er es an sein Ohr und schüttelte es leicht. Etwas merkwürdig war die ganze Sache ja schon. Schulterzuckend ging er zurück zu seinem Motorrad.

Er fuhr tiefer in die Stadt und stellte sein Motorrad an der Seite des Bürgersteigs ab. Für das umsatteln legte er einen kurzen Zwischenstopp in seiner kleinen Einzimmerwohnung ein. Hinter sich ließ er die Tür zufallen, schmiss er den Rucksack zur Seite und setzte sich seufzend auf sein Bett, ehe er sich rückwärts fallen ließ. Kurz schloss er die Augen. Er vernahm das Geräusch wie sich einer seiner Pokébälle öffnete und er war sich ziemlich sicher, dass Mr. Spook raus gekommen war. Nur seine Blicke konnte er so deutlich mit geschlossenen Augen spüren. „Du musst aufpassen, dass du nicht einschläfst, Trainer“, kam es von dem Geist, sein Tonfall klang immer noch schnippig.

Seffe öffnete die Augen und schaute zu ihm. „Bist du immer noch eingeschnappt? Es tut mir ja leid, aber es war eine Notlage und der Officer brauchte ein paar Streicheleinheiten.“ Das violette Wessen rollte übertrieben mit den Augen und watschelte in der kleinen Wohnung zu dem Paket. „Du nimmst aktuell ganz schön viele Fettnäpfchen mit. Und ich soll sie ausbaden“, gluckste Mr. Spook in Seffes Gedanken. Gengar fing an zu schweben, mit geneigtem Kopf sah es auf das Paket. „Zinnorberinsel. So, so…“

„Ja... dann muss ich wohl heute noch über die Wasserroute...“ Nun stand Seffe auf, ging zu seinem Rechner und legte einen seiner Pokébälle in ein dafür vorgesehenes Gerät. Es hatte das Fassungsvermögen von bis zu drei Bällen, aber er musste diesmal nur einen umbuchen. Jedes Mal war er genervt, dass er nur sechs Pokémon mit auf seine Reise nehmen konnte. Alles andere wurde von den Systemen so überwacht, dass es als Trainer unmöglich war, es zu umgehen. Wenigstens ging das umbuchen schnell. Nun war sein Team für´s erste voll. Sogleich ging der Ball auf und ließ ein männliches Dragonir frei. „Na, Ludwig... freust du dich mit auf die kleine Reise zu kommen?“, begrüßte ihn Seffe und tätschelte dessen Kopf. Dragonir zirpte und seine Ohren, die aussahen wie Flügel, wackelten. Es hatte einen Drachenkopf und sein Körper glich dem einer großen Schlange. Seine rosafarbenen Schuppen glänzten und an seinem Hals trug es eine goldene Perle sowie an seinem Schwanzende erst eine große Perle und dann eine etwas kleinere.

(Dragonir: https://1drv.ms/i/s!AvI7NL1RmVrtfxkjtj8tiWE6ads)

Nun fing Seffe an ein paar Dinge aus seinem Wanderrucksack in seinen Eastpak umzupacken, wobei er von Ludwig neugierig beobachtet wurde. Er würde nur die wichtigsten Dinge mitnehmen, wie Verpflegungen für seine Pokémon, ein paar Bälle und ein paar Klamotten zum Wechseln. Leider musste er feststellen, dass er bald dringend waschen müsste, da er nicht mehr so viele saubere Klamotten übrig hatte. Der nächste Ball ging auf und Pikachu saß in der Mitte des kleinen Raumes. Schnell war es durch Gengar hindurch neben das Päckchen gesprungen. „Pi?“, kam es von dem gelben Wesen und es schnupperte daran, ehe es anfing leicht an einer Kannte zu nagen.

Nun wurde Zitrone von Gengar in die Rute gekniffen, was sie aufschreien ließ und sich umwand. Doch Gengar war nicht mehr da und erschien lachend vor ihr. Zwischen ihnen lag das Paket. Erbost wurde er von Zitrone angesehen und streckte ihr die Zunge raus. „Klar, dass ihr nichts verpassen wollt und euch um das Päckchen tummelt“, kam es von Seffe und er hielt die eine Hand auf Gengars Stirn und die andere auf Pikachus. Die beiden sahen aus, als ob sie gleich wieder aufeinander losgehen würden. „Beherrscht euch!“, sagte er, ehe sein Blick fragend auf das schlicht eingepackte Bündel fiel. Erst jetzt sah er sich die Adresse genauer an. Auf dem Absender stand „Pokémon-Haus“. „Das soll in der Villa im EG abgegeben werden? Das Gebäude ist doch eine Ruine“, sprach er zu den anderen beiden. „Komisch…“, murmelte er, „Ich dachte, es ist längst verlassen…?“ Sie tauschten fragende Blicke aus. Nachdenklich sah Seffe das Paket an, dann hob er die Brauen. „Zitrone! Hast du etwa daran rum geknabbert?“, stieß er aus, „Warum tust du sowas?“

Das Pikachu ließ die Ohren hängen. „Kaaa-chu...“, sagte es und sprang auf die Schulter von Seffe.
Die Zwangsneurosen eines Elektro-Nagers. Gengar hielt sich den Bauch während er albern lachte. Zitrone fing an zu schimpfen, worauf Seffe beide strafend ansah und eine auffordernde Handbewegung tat.
„Wie auch immer. Hört auf zu streiten und lasst uns aufbrechen!“
Nach den Worten verließen sie die Wohnung.

Hier geht`s zum zweiten Teil: Klick!
Zuletzt geändert von vampirbiss am 01.08.2017, 11:19, insgesamt 25-mal geändert.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1239788 von Ayron1986
10.03.2016, 19:52
Hey, ich hab dir ja schon einige Dinge über Mail gesagt. Aber zusammenfassend ist das bis jetzt eine echt gut geschriebene Story, manchmal zieht sich die Handlung etwas, aber deine Kämpfe sind sehr detailliert, spannend und auf jeden Fall wert, gelesen zu werden. Hier und da einige Schönheitsfehler, aber das ist ja net weiter schlimm. Dafür bin ich ja da! :D
Vieles lässt darauf hindeuten, dass das eine ernsthafte u. spannende Story wird und nicht so´n Kindergeburtstag wie der Anime. Freu mich jedenfalls, wenn´s weitergeht und die Charaktere mal etwas besser beschrieben werden. Interessante Eigenschaften haben sie auf jeden Fall schon mal.
Und P. S.: Gern geschehn. ;)

mfg Ayron
Zuletzt geändert von Ayron1986 am 13.03.2016, 16:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1240027 von Simno
12.03.2016, 16:14
Hallo, ich hatte viel Spaß beim Lesen deiner Geschichte. Mit gefällt der Ansatz, den der Titel schon andeutet: Top-Trainer als die Stars ihrer Welt, mit allem was dazugehört, auch dem alltäglichen Leben.

Der Erzählstil ist bei mir sehr gut angekommen. Die Kämpfe sind, finde ich, besonders spannend beschrieben.

Sprachlich lässt sich mMn noch ein wenig daran arbeiten. Dabei geht es meistens um Dinge, die beim Schrieben eben so passieren und die man beim eigenen Korrekturlesen nicht so bemerkt (lies statt ließ z.B.), wie Groß- und Kleinschreibung, Umgangssprachliches, ungewohnte Kollokationen usw. Stört den Lesefluss aber kaum, dafür sorgt der gute Erzählstil.

Was manche Fakten angeht würde mich interessieren, ob du sie absichtlich so angegeben hast, etwa die Typenvorteile beim ersten Kampf, die so ja nicht den offiziellen entsprechen oder die Größen von manchen Pokémon. Da hätte ich mir eine Angabe im ersten Thema gewünscht, dass manche 'Fakten' aus persönlichen Vorlieben abgeändert wurden, dann ist das ja kein Problem. Sie so in der Geschichte zu entdecken hat mich nur ein wenig aus dem Lesefluss geworfen, gerade wenn sie extra erwähnt und nicht einfach übergangen und hingenommen werden.

Bei den Beschreibungen der Pokémon würde ich ein wenig vom Steckbriefartigen abweichen. Wenn ich lese, dass da ein Gengar ist, weiß ich, was ich vor mir habe (etwa wie: Er sah einen Hund. Der Hund hatte 4 Beine und ein Fell). Vielleicht hattest du deine Gründe, aber ich persönlich würde mir diese Beschreibungen mehr in Aktionen wünschen, wie du es ein paarmal sehr gut gemacht hast (Seine Stacheln schienen zu dampfen anstatt: Er hatte Stacheln auf dem Rücken).

Die Interaktion zwischen den Charakteren fand ich witzig, unterhaltsam und gelungen. Bin schon gespannt, wie es weitergeht.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1240309 von vampirbiss
14.03.2016, 20:48
Hallihallo ;D

Also erstmal @ Ayron86: Wir haben ja schon per Mail ausgiebig geschrieben :)

@Simno: Danke, dir für das Posting!

Die Rechtschreibteufel... ja... *hust* Jedesmal, wenn ich es lese, fallen mir neue Sachen auf... :/
Ich versuche es so Fehlerfrei wie möglich zu halten...

Zu den Elementen: Ich hatte einen dummen Denkfehler am Anfang bei den Typen im ersten Kampf bei Armaldo... aber hatte den eigentlich beseitigt...? Was meinst du genau?

Zu meiner Vorstellung und den Typen kann ich nur sagen: Es hat sich ja von Generation zu Generation teilweise geändert... was ich da halt unlogisch finde, z.B.:
- Das Element Geist hat doch auf Normal mittlerweile auch keine Wirkung mehr...? Finde ich unlogisch. Weil stell dir einen Geist vor. Er kann dich antippen, aber wenn er nicht will, kannst du ihn nicht antippen und fasst einfach durch ihn hindurch. Also wenn er aufpasst, kannst du ihm physisch nichts anhaben, weil er "unsichtbar" ist... so halt...
- oder... Element Psycho hat auf Unlicht keinerlei Wirkung... warum? Fand ich schon immer doof... wenn es wenig Wirkung zeigt okay, aber gar keine? Teilweise würde ich es wahrscheinlich einfach abändern, weil ich es realistischer sehe oder haben will.
- Wasser löscht Feuer, absolut logisch für mich. Oder Feuer verbrennt Pflanze... auch logisch, wenn da Pokémon den anderen Volltreffer reinhauen oder auch nicht...

Wenn mir wer logische Gründe dafür nennen kann, schreibe ich es direkt um ;) :D



Bei den Größen und Farben der Pokémon
werde ich absichtlich teilweise etwas abweichen. Alleine dass Glurak - der megageile Feuerdrache - nur 1,70m ist! EIN METER SIEBZIG!!! Alter! Ich bin größer! Das haben sich kleine Japaner ausgedacht! Sorry... :o :)

Also abgesehen davon, dass mein Hauptchara Seffe 1,86m groß ist, kann und darf Glurak nicht kleiner sein! Und ich werde es so darstellen, dass es da einfach unterschiedliche Größen gibt. Genau wie Farben. Wir Menschen sind ja auch nicht alle Gleichgroß. :)

Wenn es hier Abweichungen gibt, sind die absichtlich und entsprechen meiner (leicht) abgeänderten Vorstellung.


Ich habe versucht die Pokémon-Welt etwas realistischer zu sehen.
Deswegen habe ich die Monster auch nochmal beschrieben, wobei bei den meisten Lesern die Vorstellung im Anime-Stil wahrscheinlich nicht aus bleibt... :)

Ansonsten werde ich nochmal eine korrigierte Fassung reinstellen. Wo ich auch Seffe und Lotte direkt anfangs etwas genauer beschreibe. Ich habe das irgendwie verpeilt... weil ich erst gar keine Story in den Ausmaßen schreiben wollte. Es hat sich einfach ergeben.

Danke für jegliche ausführliche Kritik! Ich werde versuchen es anzupassen und auszubessern. Und auch danke für das Lob! :3
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1240316 von Simno
14.03.2016, 21:31
Hallo, nochmal ich :)

Was mir zu den Typen aufgefallen ist:
Käfer empfindlich gegen Psycho beim Armaldo-Kampf
Stein schlecht gegen Wasser beim Garados-Kampf

Natürlich völlig legitim, wenn du die Typen nach deiner eigenen, vielleicht besseren Logik aufbaust. Ich wollte es nur erwähnt haben, weil es mir beim Lesen aufgefallen ist.
Mit den Größen natürlich das selbe, manche Originalangaben sind echt fast ein bisschen peinlich. Die Lösung mit unterschiedlichen Größen finde ich sogar noch schöner :).
Die Beschreibungen haben rückblickend den Effekt ziemlich gut erzielt, ich hatte teilweise mehr die 'realistischen' Versionen diverser Künstler im Kopf, als die putzigen Animationen. Wenn du noch vom Steckbriefartigen wegkommen würdest (z.B. aus einer Beobachtung/Aktion heraus beschreiben), würde es mMn noch ein bisschen mehr hermachen.

Weiter so! :)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1240330 von Ayron1986
14.03.2016, 22:46
Ja, genau, das hatte ich bei dir überlesen: Das Zusammenspiel der Mischtypen hast du leider etwas falsch gemacht und Eigentore geschossen. Gestein auf Wasser ist erstmal ein neutraler Treffer. Aber Garados hat noch den zweiten Typen "Flug" und somit ist Stein sehr effektiv auf ihn. Und Käfer ist auf Psycho sehr effektiv und nicht umgekehrt.
Kleiner Tipp: Wenn du einen Kampf schreibst, mach dir doch derweil die Tabelle für das Zusammenspiel der Typen auf und schau dir das genau an. Weil wenn der Pokemonexperte deinen Kampf liest und dann sowas kommt wie "Stein ist nicht effektiv auf Garados" dann kann das schon ausreichen, dass er deine Story vor Wut in den Papierkorb donnert, bzw. das Fenster schließt. Und dann ist der Leser weg und kommt nicht wieder.
Und ich würd´s eigentlich gar nicht mal so wörtlich erwähnen. Wenn die erfahrenen Pokemonspieler deine Story lesen, läuft der Satz in ihrem Kopf automatisch ab. "Das ist sehr effektiv" oder eben "Das ist nicht sehr effektiv."
Beschreib das lieber während des Kampfes, das ist viel spannender! Z. B. "Garados brüllte vor Schmerz, als die Steine gegen seine Haut donnerten und scharfe Risse verursachten." = sehr effektiv, oder "Garados starrte fragend den kleinen Machollo an, der ihn mit einem Karateschlag angriff und an seiner harten Drachenhaut abprallte." = nicht sehr effektiv. So hat dein ganzer Kampf nicht den Hauch eines trockenen, mechanischen Pokemonkampfes, den man vom Spiel kennt. ;) Find ich auch in einer Story nicht so wichtig, das wiederum macht die Serie ganz gut: Wenn man sein eigenes Pokemon richtig einsetzt, kann es auch gegen einen Typen gewinnen, das laut Tabelle im Nachteil wäre. ;)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1246688 von vampirbiss
02.05.2016, 10:06
Danke für eure Tipps und Hinweise, ich habe nochmal drüber korrigiert und finde es selber jetzt auch viel runder. Außerdem habe ich neue kleine Kapitel dazu gegeben. 8)

Da folgt die Tage wahrscheinlich noch mehr.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1246960 von Ayron1986
03.05.2016, 18:55
Keine Ursache, geht auch gleich damit weiter! ^^ Hab die kurzen Kapitel gelesen und hab dazu folgende Meinung:

Der Anfang ist sehr amüsant geworden mit Seffe, Gegnar und Chaneira. Beim Telefonat mit seiner Mom musste ich auch grinsen. :lol:

Ansonsten ist dein Schreibstil noch schöner, anschaulicher und fehlerfreier geworden, meinem Rotstift sind nur drei Dinge zum Opfer gefallen:

"Mit leicht verzogenem Gesicht strich er sich über die Beule, ehe er zum nächsten Bus ging."

Nach Gesicht war ein Komma, das gehört nicht hin.

"Ich kenne viele Trainer, wen meinst du genau?" Schwester Joy stellte sich wohl extra dumm, ihr Lächeln jedoch verlor sie nie."


Da war wieder ein Kommafehler nach der wörtlichen Rede. Macht man in diesem Fall nicht, da du danach nicht mit " sagte sie" oder so weitermachst. Und Lächeln ist in diesem Fall ein Nomen, wird groß geschrieben.

Wenn ein Monster nicht das richtige Wesen für den Kampf hatte, ließ er es wieder frei oder verschenkte es an Leute, die es richtig einsetzen konnten und ihm ein gutes Zuhause gaben.

Hier wolltest du Seffe sympathisch rüberkommen lassen, damit hast du aber leider ein großes Eigentor geschossen, zumindest bei mir: "Das richtige Wesen für den Kampf". Nein, nein, mach das bitte nicht. Bring nicht die trockene, kaltherzige-berechnende Thematik aus dem Spiel mit ein, du zerstörst damit den Charme von Pokemon. Jedes Pokemon ist wundervoll, kann kämpfen und jedes sollte eine Chance bekommen und nicht aussortiert werden, wenn das Wesen nicht passt. Pokemon sind Lebewesen mit Gefühlen, sollten zumindest so, wie auch in der Serie, in einer Fanfiction dargestellt werden. Ich finde es grausam, mehrere Pokemon eines Typs zu fangen und dann auszusortieren. Würdest du das mit Pokemon machen, wenn es sie real gäbe? Brächtest du das über das Herz? Also, ich nicht. Das wichtigste ist doch, dass Trainer und Pokemon miteinander auskommen und von sich gegenseitig lernen, gehört doch zur Grundphilosophie dazu. Aber ok, lassen wir das mal...

Dann find ich noch sehr interessant, wie du am Ende Seffes Vergangenheit beschrieben hast. Toll, damit hat der Leser ihn nochmal besser kennengelernt, kann seine Handlungen besser nachvollziehen und ich persönlich find ihn da wieder sehr sympahtisch, da er mehrere Paralelen zu dem Protagonisten aus meiner Fanfiction aufweist. :)

So, das wars auch schon. Ein spannender Kampf oder eine ernste Situation ist ausgeblieben, aber ist nicht schlimm, du wolltest mit den beiden kurzen Kapiteln wahrscheinlich einfach die Charaktere noch etwas genauer vorstellen, das ist durchaus in Ordnung. Freu mich, wenn das nächste Kapitel turbulenter und spannender abgeht. ^^
mfg
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1247083 von vampirbiss
04.05.2016, 11:33
Danke, erstmal für das Lob, darüber freue ich mich sehr.

Die Änderungen mit dem Komma etc. werde ich einfügen. Mit Kommas bin ich eigentlich im Krieg... hier und da werden mit Sicherheit weiterhin solche Fehler aufkommen. :roll:

Wegen dem Wesen: darüber habe ich gar nicht nachgedacht! Ich meinte das ganz anders, aber habe es schlecht rüber gebracht. Vielleicht nehme ich die Stelle einfach raus, weil es mit dem Spiel zu sehr falsch in Verbindung gebracht wird. Ich muss gestehen, dass ich auch im Spiel nicht immer auf das Wesen achte und halt dennoch mit den Pokis kämpfe. Um das Spiel durch zu spielen reicht es. Sonst müsste ich tausend Jahre durchs Gras laufen oder reseten oder sonst was... ich glaube dafür bin ich zu faul. Ich akzeptiere sie so. ;)

Ich stelle bald neue Kapitel ein, ich hoffe es wird nicht langweilig, aber die Story ist ziemlich "dicht" und befindet sich aktuell in einer ruhigen Phase xD

Eine Kampf-Szene naht jedoch und du wirst dich bestimmt freuen: Zitrönchen steht im Mittelpunkt! :3 Danach geht es Wechselhaft zu, aber Powerbringe ich wieder rein, keine Sorge. ^^

LG
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1252109 von Simno
03.06.2016, 17:31
Hey, habe gesehen, dass die Geschichte weitergeht und sie mir heute Nachmittag zu Gemüte geführt.
Ich muss sagen, ich mag deinen Stil wirklich. Es geht immer so schön dahin, manche Details und Formulierungen sind wirklich gut gelungen und die Personen wirken auch immer tiefer und lebendiger, je länger die Geschichte geht.
Die Landeschwierigkeiten mit Panzaeron fand ich super. Ich konnte mir immer schwer vorstellen, wie so etwas überhaupt gut gehen soll ;). Ich finde auch gut, dass du dir über Transport und Entfernungen Gedanken gemacht hast. Das gibt einem einfach ein Gefühl für die Welt. Die Kämpfe waren auch wieder abwechslungsreich und gut durchdacht.
Du hast ein paar Rechtschreibfehler drin, aber das kann bei so einem langen Text schnell passieren. Ich habe sie in einem PDF-Dokument angestrichen, kann ich dir schicken, wenn du möchtest.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1253357 von vampirbiss
11.06.2016, 16:06
Hallihallo!

Danke erstmal für die Kritik und auch ein paar Anmerkungen zu Rechtschreibfehlern!

Ich habe die Kapitel nochmal leicht korrigiert und auch ein bisschen was Neues dazu gelegt, das war`s jetzt aber erstmal. Über alle anderen Kapitel muss ich nochmal ordentlich drüber gehen ^^'

Have fun ... :D ~
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1253536 von Ayron1986
12.06.2016, 12:46
Liebe Ina,
hab das Kapitel "Die Begrüßung" gelesen. Du schreibst sehr schön, vor allem beschreibst du die Zitrone sooo süß. :oops: Wie sie sich mit Lotte streitet, und der Aufruhr im Pokemoncenter, wie sie mit den Pfötchen rumfuchtelt und erklären will, dass sie zu Seffe gehört und zu ihm zurück will, haha, voll knuffig. X3

Hab mich auch sehr gefreut, dass Zitrone wieder einen Auftritt hat. Ich werd sie solange knuddeln und wuddeln, bis ihr die Luft wegbleibt! :oops: :D

Der Kampf war auch sehr gut und spannend beschrieben. Schöne Story mit sehr viel Charme. Schließ mich auch bei allen genannten Punkten von Simno an. Freu mich auf´s Weiterlesen. ;)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1253709 von Ayron1986
13.06.2016, 17:19
Hab die nächsten zwei Kapitel gelesen, auf die ich auch gleich mal eingehe, damit ich nichts vergesse, wenn ich weiterlese. ^^

Im nächsten Kapitel folgt eine schöne, detailgetreue Beschreibung über das Motorrad, die Honda. Darin erkennt man deine Liebe für die Vehikel. :D Ich hab zwar mal gesagt, dass man in Storys Markennamen eigentlich nicht verwendet, aber ich denke, bei Fahrzeugen ist das durchaus in Ordnung, vor allem, wenn es dem Autor sehr am Herzen liegt. Und es wird erwähnt, dass Seffe ein Piercing hat, das sich im folgendem Kapitel als Nasenpiercing herausstellt. Ok, meinetwegen, wem´s gefällt...

Für mich ist es schwierig, deinen Hauptakteur einzuschätzen: Auf der einen Seite hat er mal viel Geduld, wie bei diesem Unsympathen Felix. Ich und/oder Ayron hätte nicht nur gedroht, ihm in die Schnauze zu haun, wir hättens auch gemacht. Ich mein, der beleidigt, verhöhnt Seffe und der hat noch die Geduld, fast ne Seite mit ihm zu labern und sich von ihm beleidigen zu lassen. Kindheits"freund" hin- oder her. Ein Mann, der was auf sich hält, lässt einfach nicht so mit sich reden, meine Meinung. Und das geht jahrelang so, seit seiner Kindheit? Wieso lässt Seffe ihm das durchgehn? Versteh ich nicht. ^^
Dann Schwester Joy, die er richtig fertig macht und ihr droht, obwohl sie erstens eine Frau ist und zweitens er keinen Beweis dafür hat, dass sie absichtlich die Pokemon von ihm und Lotte vertauscht hat.... Mhm, ok, kann man evtl. mit seiner Sorge über Zitrone begründen... Fand ich jedenfalls in Bezug auf der vorherigen Szene mit Felix eher unsympathisch. Vor allem würde ich nicht so mit einer Frau reden, wenn ich wichtige Informationen von ihr bräuchte. Er hatte Glück, dass sie ihm trotzdem gleich die Wahrheit gesagt hat. Aber ok, war ja auch in ihrem Interesse... Und wir erfahren die Nachnamen von Seffe und Lotte, ebenfalls interessant.

Deine Beschreibungen über die Geschehnisse und die Umgebungen sind nach wie vor sehr schön u. sehr detailgetreu. Das Wohnzimmer konnt ich mir sehr gut vorstellen, wie die Oma Krehahn und Seffe drin sitzen. Und vorher der Unfall mit Panzaeron, auch sehr gut beschrieben und ausgeschmückt. :)

Ich les mal weiter, bis dann. ^^
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1253799 von vampirbiss
14.06.2016, 12:13
Ich gehe auf all deine Punkte nacheinander ein: Ja, Markennamen wie „Tempo“ etc. muss ich raus löschen, das passiert mir mehr unabsichtlich. Aber die Fahrzeuge… die sind so markant, die mag ich genau beschreiben, zur Not kann der Leser dann danach googeln. Da kann ich einfach nicht anders, weil ich halt dann genau dieses Modell liebe oder auch nicht ;) ^^

Zum Charakter Seffe: Ja, das liegt wohl daran, dass er ein anderer Charakter ist, deswegen reagiert er halt anders. :D :P

Wobei Lotte es am Anfang schon ganz gut erfasst hat, Seffe ist wirklich etwas „komisch“. Das bekommt der Leser mit, weil er mit Gengar "dicke" ist und gleichzeitig mit Pikachu, dass da was zwiegespaltenes rauskommt ist doch klar, oder? :D

Ich wollte auch, dass er auf andere so wirkt. Man kann ihn schlecht einschätzen, er ist halt unberechenbar und in der Regel sehr ruhig und kühl, wirkt nach außen manchmal fast emotionsfrei. Dementsprechend ist er schwer zu reizen. Wenn ihn einer anpöbelt, ist er so cool und hebt die Braue, um dann einfach weiter zu laufen. Wenn er keinen Sinn darin sieht, ist es ihm einfach egal und er wendet sich dem Ganzen einfach ab. Da kann er äußerst leidenschaftslos sein.

Ich habe die Haarfarbe blau natürlich extra gewählt, weil ich seinem Element das Wasser zuschreibe. Stell`s dir so vor: du wirfst einen Stein in das ruhige Meer. Es wird leichte Wellen schlagen, aber sonst wird nichts passieren. Wenn jedoch ein Sturm aufkommt, kann es heikel werden. Um Seffe richtig aus der Ruhe zu bringen, braucht es mehr und dann kann er teils auch überreagieren… wenn das Meer erstmal tobt, dann richtig. ;) *uh das war fast poetisch...* Seffe wird in den nächsten Kapiteln irgendwann seine Ruhe verlieren. Ich habe es natürlich etwas ausgereizt.

Bei Schwester Joy (Heidrun) war es bei Seffe mehr Schein, als Sein. Er hat ihr "gedroht" und vielleicht gefährlich gewirkt, aber darauf geht Joy auch gar nicht so ein. Warum? Weil sie ihn kennt und weil er sie kennt. Die sind schon lange befreundet und kennen sich sehr gut und gegenüber Freunden verhält man sich halt anders. Und Joy weiß, dass er ihr nichts tun würde. Er war halt einfach angepisst, weil er sich so sicher war, dass sie die Bälle extra vertauscht hat. Aber Joy (Heidrun) weiß auch, dass er sich darüber wieder einkriegt und hat seine Reaktion deswegen nur belächelt. Ich find es auch irgendwie gar nicht sooo schlimm, wie du es beschrieben hast. Mich hat das Ganze eher amüsiert, Seffe hat sich noch beherrscht, hat man das nicht gemerkt? :D Klar, war es nicht unbedingt charmant, aber auch zu Recht irgendwo. Später wird vielleicht klarer, dass sie immer so miteinander umgehen. :D Heidrun wird auch weiterhin eine Vertrauensperson für Seffe sein und sie werden noch öfter zusammen treffen.

Zu deinem Satz: „Ein Mann, der was auf sich hält, lässt einfach nicht so mit sich reden, meine Meinung. Und das geht jahrelang so, seit seiner Kindheit? Wieso lässt Seffe ihm das durchgehn? Versteh ich nicht. ^^“
Das wird dir später bestimmt klarer werden. ;) Seffe hat viele Ecken und Kanten, aber wird sich (auch wie Ayron) weiter entwickeln. :)

Nachnamen gehören einfach dazu, dachte ich mir… vor allen Dingen erfährt der Leser hier, dass er eigentlich Josef heißt. :D und Lotte Charlotte. Und ja… ich habe selber lange gehadert, aber er brauchte ein markantes Piercing. Hab sogar schon ein paar mal überlegt, es wieder weg zu nehmen. Vor allem kommen da noch wesentlich mehr Tattoos zum vorschein. Tief im inneren ist er ein Rebell... xD Das Nasenpiercing allerdings echt nur dezent vorstellen. Da gibt`s auch die Ausgabe, dass man dann nur zwei kleine Kugeln sieht.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1253832 von Ayron1986
14.06.2016, 17:17
Ok, alles klar, dann sehn wir mal, wie´s weitergeht. ^^ Dachte schon, ich hab irgendwas Wichtiges überlesen, da Seffe mit seinen verschiedenen Reaktionen mir schon einige Fragezeichen über´n Kopf verursacht hat. ^^
Aber jetzt kann ich´s mir schon besser erklären, was mit Seffe und Heidrun passiert ist, während sie sich kennengelernt haben und warum sie so miteinander reden. ;) :D
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1255015 von vampirbiss
21.06.2016, 20:36
Damit es nicht langweilig wird, habe ich den ersten Teil der Story jetzt komplett "on" gestellt... ':D
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1255057 von Simno
22.06.2016, 10:52
Habe den neuen Teil der Geschichte gelesen und muss sagen, dass ein paar meiner neuen Lieblingsmomente der Geschichte dabei sind.
Wie die Pokémon jetzt auch miteinander interagieren (was mir vorher nicht so aufgefallen ist), finde ich richtig gut gelungen. Die Idee, dass Maschok das Motorrad für sich habe wollte und mit Seffe darum kämpft, finde ich genial. Freue mich schon, es im Besitz von Lotte wiederzusehen, es scheint Persönlichkeit zu haben. :D Über die interessante Beziehung von Seffe und Lotte habe ich, glaube ich, schon etwas gesagt. Finde es immer wieder spannend, wenn die beiden aufeinander treffen.
Höhepunkt für mich war das Zusammentreffen mit den Polizisten. Da habe ich laut gelacht, obwohl ich allein im Raum war.

Ich habe wieder ein paar Sachen in einem PDF angestrichen, das ich dir natürlich gerne schicken kann.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1259738 von Ayron1986
26.07.2016, 17:40
Hi, hab leider immer noch nicht alles gelesen, aber zumindest bis Azuria und zurück nach Vertania. ^^

Die Geschichte entwickelt sich schön und interessant, genauso wie die Charaktere. Du bringt etwas Humor in die Sache, das find ich immer super, lockert so schön auf. :)

Am besten gefiel mir bis jetzt die Stelle, wo Seffe der wegschreitenden Misty auf den Hintern guckt, Lotte es bemerkt und ihm daraufhin eine verpasst. Der checkt natürlich net, dass sie eifersüchtig ist, weil sie auf ihn steht. Hahaha, das ist voll Ranma 1/2 Komik, die liiiiiiebe ich! :D :lol:

Am Ende sieht man auch, dass sich hinter der zickigen Lotte ein liebes Mädchen verbirgt, dass nur versucht mit ihren Gefühlen umzugehn. Hatte auch Mitleid mit ihr am Ende, wo sie traurig ist und weint, wollte sie in den Arm nehmen und knuddeln. ;)

Zitrönchen wieder so süß beschrieben, mit ihren Pfötchen und den paddelnden Beinchen im Wasser. :oops: :D

Der Arenakampf war auch sehr gut und detalliert. Für meinen Geschmack etwas zu sehr in die Länge gezogen, dafür, dass nur zwei Pokemon kämpfen, aber ist jetzt Geschmackssache. Donnerblitz, Slam, Doppelteam, Eisenschweif... du wolltest wohl unbedingt alle Attacken von Zitrone in diesem Kampf schon einbauen? :D Naja, warum eigentlich nicht? ^^

Die Strategie von Misty mit Typenspiegel und Donnerblitz fand ich erstmal etwas komisch und unbeholfen von der 30-jährigen Arenaleiterin. Da erwarte ich von ihr schon das Wissen, dass viele Elektropokemon die Fähigkeit "Statik" haben und lieber Attacken wählen, die auf jeden Fall Wirkung haben. Auch etwas zu mechanisch am Game orientiert für meinen Geschmack, aber liegt auch wahrscheinlich an der Attacke "Typenspiegel" an sich. Weiß net, mag sie irgendwie net, aber egal. ^^ Aber trotzdem echt SEHR gut, wie du daraus den Höhepunkt gebildet hast. Respekt. :)

2000 Pokedollar (In der Story vom Wert her wie der Euro)
Alter Schwede, das ist aber mal ordentlich Zaster für einen gewonnen Arenakampf. Ok, klar kriegt man da etwas mehr als von so´n armen Käferfreak, aber trotzdem.... 2000 Euro find ich etwas übertrieben.... Wie wär´s denn mit 200-500Euro? Ist auch noch viel Geld, davon kann man auch ne zeitlang satt werden, sowohl Trainer als auch Pokemon. ^^ Rechne lieber mit dem Wert vom US-Dollar oder Yen, wäre mein Vorschlag.

Die Story wird immer interessanter, will jetzt natürlich auch wissen, wie´s mit Seffe und Lotte weitergeht. Les dann am Wochenende weiter. Bis dann. :D

lg der Ayron ;)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262044 von Ayron1986
08.08.2016, 10:06
Die letzten zwei Kapitel jetzt auch fertig gelesen. Fand ich sehr cool, mit dem Maschock. Erstens wegen dem Poke an sich und zweitens sehr unterhaltsam, sein Interesse am Motorrad. ^^ Hatte ein Funbild vor mir: Maschock mit Helm und Sonnenbrille auf dem Motorrad und rauscht mit einem kindlich-lächelnden Gesichtsausdruck davon, während Seffe und Lotte auf Paulinchen ihn verfolgen, mit Drohgebärden und Beschimpfungen. Schade, dass ich net so gut zeichnen kann. Wär auf jeden Fall ´n Fanart wert. :D

Dann im Krankenhaus, wo Lotte ihm so lieb beisteht und hilft und er sogar da noch mit der Verletzung total arrogant ist, anstatt mal etwas Dankbarkeit zu zeigen... Wieder mal sehr unsympathisch, aber ok, so iser wohl.
Wirkt irgendwie so, als wären ihr anfänglicher Charakter im Lauf der Story vertauscht worden: Am Anfang Lotte sehr zickig, er dagegen ruhig und einigermaßen verständnisvoll und jetzt umgekehrt. :D

Und wir erfahren, dass er nebenbei noch eine Arbeit als Kurier hat. Interessant. ^^

Wieder alles sehr schön beschrieben und witzige Momente bis zur letzten Seite. Am Ende noch, wie er sich aufregt, wie Zitrone das Paket anknabbbert und die süße Maus Betroffenheit zeigt. Haha! :lol: Weiter so. ;)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262369 von vampirbiss
10.08.2016, 13:30
Ich antworte nach längerer Zeit mal wieder. Hallo Leute! ^^ Habe momentan etwas viel um die Ohren. :~

Erstmal ein "Danke" an euch. ^^
Es freut mich immer, wenn andere sich amüsieren, das ist ja auch Sinn der Sache und wohl das größte Lob für mich. ^^ Und vielen dank auch, dass ihr mir die Korrekturen schickt. Mir selber fällt das nach dem x-Mal lesen nicht mehr auf.

Ja, Lotte und Seffe haben sehr wohl eine "interessante" Beziehung. Ich versuche das auch immer mehr heraus kristallisieren zu lassen.


Spezieller @Ayron, ich fange mal an ^^

Die Arenakämpfe sind Geschmackssache in der Länge, ja. Für mich kann ein Kampf nie lang genug sein. Wegen dem Typenspiegel... naja, nicht jedes Elektropokèmon hat die Gabe "Statik". Und Starmie hat durch den Typenwechsel, auch wenn er Pikachu mit Elektroattacken nicht schädigen kann, immerhin nicht den absoluten Nachteil. Sonst wäre der Kampf schnell vorbei. Also so dumm fand ich das jetzt für / von Misty gar nicht. Sie hat jedenfalls den taktisch klugen Zug gemacht, dass Pikachu Starmie nicht mehr brutal attackieren kann. ;)


Wegen dem Gewinn 2000 Pokédollar, das habe ich extra so gemacht. Arenaleiter nehmen ja auch ständig ein. (Außer sie sind vielleicht total Scheiße xD)

Bei Käferfreaks oder anderen Wettbewerben sind die Siegespreise meistens niedriger. Pokémon trainieren sehe ich in der "realen Welt" nicht als Zuckerschlecken an. Die Monster wollen verpflegt werden, alles kostet Geld, wenn ein Trainer ständig blank laufen würde, wäre es auch scheiße. (Dazu später mehr... xD ~)

Außerdem kann man sich ja nur einmalig durch gewonnene Orden etwas dazu verdienen, weil wenn du den Orden hast, gibt´s den kein zweites Mal und irgendwann hat man alle. Und mit Wohnung, Auto, Motorrad, Unterhaltskosten, Smartphone / Pokédex und Monstern / Tieren (ich spreche aus Erfahrung...), geht das Geld monatlich schneller runter als einem lieb ist!


Also Ranma 1/2 hab ich nie richtig geguckt und auch keine Comics gelesen. Die kompletten Szenen sind alle selbst erdacht, aber lustig, dass da so Ähnlichkeiten bestehen, aber eine "Liebesstory" kann auch nicht komplett neu erfunden werden. Das Rad gibt´s halt schon ^^ :D


Ja, in Lotte interpretierst du richtig rein, Seffe macht dich aber wohl etwas fertig (mal wieder, hihi) wie ich mitbekomme. ^^ Ich versuche es etwas schlüssiger zu machen, um Seffe nicht als totalen Unsympathen hinzustellen.

Er ist wie schon gesagt durchaus etwas komisch, er ist halt ein Einzelgänger. ^^ Was aber nicht bedeutet, dass er Lotte nicht doch etwas mag dann. Als sie sich von ihm nicht mal mehr verabschiedet, als er sie sogar nach Hause gebracht hat, (Das fand ich ziemlich Gentlemen, andere hätten vielleicht gesagt: "Okay tschüß!" und wären gegangen.) ist er schon etwas traurig, versucht es sich selbst aber natürlich nicht einzugestehen und trägt es mit Humor. Deswegen auch das Summen "Bye, bye Miss american pie...".

Lotte hat einen Fehler gemacht und ist sich dem durchaus bewusst, nachdem sie von Seffe auch noch eine Abfuhr bekommen hat und der auch noch knallhart das Geld eingefordert hat. Ihre Reaktion ist pubertär. Seffe versteht das nicht, weil er sich dem allen gar nicht bewusst ist und schlicht weg verärgert über sie, u. a. darüber, dass sie sich nicht entschuldigt hat, weil sie Zitrone entführt hatte. Er ist wirklich, wirklich wütend und wirkt in der einen Szene bestimmt auch etwas... wie soll ich sagen? Gemein? Einnehmend? Bedrohlich? K. A. ...

Was sich auch hält bis zu der Stelle wo Lotte ihn aufsucht und ihm in den Wald nachläuft. Dann entschuldigt sie sich endlich, aber nun weiß Seffe damit nicht richtig umzugehen. Er schafft es einfach nicht hinter Lottes Fassade zu schauen und weiß nicht woran er ist. Um sich selber nicht zu schädigen und den Gedanken mit Lotte und tralala los zu bekommen, verkrault er sie ja auch ziemlich direkt. Das ist einfach seine Einzelgängerart. Es tut ihm auch (mal wieder) irgendwie leid, deswegen überlegt er ja auch noch, ob es das Richtige war und versucht sich dann aber wieder auf andere Gedanken zu bringen. Für ihn ist eine feste Freundin einfach nicht drinnen, bzw. er kann sich das für sich aktuell einfach nicht vorstellen. Außerdem ist sie ihm zu jung... ;)

Das dir die Stelle mit Maschok gefällt war mir klar. Das lustige ist: Ich hatte das geschrieben, bevor ich dich kennengelernt habe und bevor ich von deiner Liebe zu dem Kampfmonster wusste ^^

In der Krankenhaus-Szene nochmal zu Seffe: So arrogant finde ich ihn gar nicht. Also eigentlich überhaupt nicht. Verstehe nicht ganz was du meinst. Ich fand es eher sehr lustig, als er so tat, als würde er schlafen. Er ist halt schon gemein. Ich finde das gut ^^ Anders wäre es auch gar nicht zu dem darauf folgendem Gespräch gekommen. Ich brauchte etwas zum auflockern. Und er interessiert sich ja schon für Lotte, er hakt auch nach und zeigt ernsthaftes Interesse und er ist betroffen von ihrer Geschichte, weiß aber nicht darauf zu reagieren. Natürlich hätte man auch anders reagieren können. Aber wenn man eine Person so "stürmisch" kennenlernt und geht seinem ganz eigenen Alltagstrott hinterher, dann ist es schon ziemlich schwierig sich erstmal auf die neue Person einzulassen. Und genau das wird auch im weiteren Verlauf Seffes Problem werden oder einfach bestehen bleiben, da er doch schon sehr lange Einzelgänger ist, d.h. unter anderem teilweise egoistisch ist. Und ja er ist kühl und deswegen erscheint er vielleicht arrogant, aber dazu kann man später noch mehr lesen und erfahren... ^^

Und der Kurierjob spielt später noch eine wichtige Rolle. Soviel dazu. :)

Aber die nächsten Szenen werden erstmal ohne Lotte sein. :O Lasst euch überraschen ^_^~
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262378 von KpunktOPFlos554
10.08.2016, 14:29
Puhh... das ist viel. ich werde es mir mal durchlesen aber ich habe jetzt keine zeit eine frage wie lange hast du für die sache gebraucht da ist ja meins ein zwerk auf den ich stolz bin:lol: ich werde ewig brauchen um sowas zu schreiben. das ist echt... WOW ich bin Baff das... WOW Bis Später
Das ist eine geniale leistung.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262388 von vampirbiss
10.08.2016, 14:50
Hallo KpunktOPFlos554 (Was ein Nickname o.O) Freut mich sehr, dass du dir das durchlesen magst! :oops:
Ich kenne das Thema "Zeit" leider selber und habe davon meistens zu wenig bis gar keine... ;)

Ich schreibe ziemlich schnell, wenn ich das im Kopf habe, was ich schreiben will. Da schreibe ich an einem Kapitel im Durchschnitt zwei Stunden am Stück.

Was viel mehr Arbeit macht ist alles nochmal durch zu lesen, Sätze umzustellen und Fehler heraus zu picken. Oft schreibe ich ganze Teile auch nochmal um oder verschiebe sie, füge Dinge ein, lösche Dinge raus oder sonst was...

Ich habe letztes Jahr im Herbst / Winter mit der Story angefangen, wenn dir das deine Frage etwas beantwortet... bin aber eigentlich auch schon viel weiter. Der erste Teil ist jetzt aber soweit abgeschlossen hier im Forum, zwei weitere Teile sind "fertig" und warten auf mich... ich muss alles nochmal übergehen und überdenken. ^^

Ich hab jetzt aber auch bestimmt schon zwei Monate nichts mehr gemacht u. a. kam mir Pokémon Go dazwischen... *_*

Insgesamt habe ich schon gefühlt etliche Stunden daran gesessen... aber es macht auch Spaß. Nur wenn man viele Hobbys hat ist es schwierig mit Job alle unter einen Hut zu bringen. :)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262409 von KpunktOPFlos554
10.08.2016, 16:45
Die geschichte ist gut, ich bin zwar erst jetzt beim "durch den Vertania Wald" ich hatte teilweise das gefühl das, dass die pokémon vor meinen augen gekämpft haben. Naja Ewentuel liegt es an meiner "Lebhaften Fantersi" Oder meinem guten forstellungs vermögen. es ist gut und wegen rectschreibfehlern kann ich mich nicht beklagen man kann es lesen das reicht doch, oder? ich würde gerne konstruktive kritik da lassen aber ich weiß wie schwirig manchmal ist eine geschichte auf die beine zu stellen.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262439 von Ayron1986
10.08.2016, 18:51
Achso, Typenspiegel ändert den Typ vom Anwender, nicht den gegnerischen. Dann hast Recht, war ein guter Zug von Misty. ^^
Hab aber gelesen, dass Zitrone zu Wasser/Psycho wurde. Oder war das eine andere Attacke, die das bewirkt hat? Weiß ich grad net...

Ich hoff halt, dass er bisschen mehr aus sich herauskommt und etwas herzlicher wird. Solche "obercoolen" Unsympathen kann ich einfach net leiden. Zur Zeit les ich nur weiter, weil ich wissen will, wie´s mit Lotte und Zitrone weitergeht. Die waren übrigens ein sehr putziges Team. Hätten ruhig zusammenbleiben können. :D :lol:
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262529 von vampirbiss
11.08.2016, 09:46
@KpunktOPFlos554: Danke dir nochmal :)
Wegen konstruktiver Kritik, ja... hin und wieder gibt es bestimmt Dinge die andere anders gelöst hätten, aber da bin ich (meistens) sehr offen bei Geschichten anderer, weil der Autor meist darüber nachgedacht hat, warum, weshalb wieso. Man kann ja sagen, das und das fand ich bissl krass oder nicht so gut, ob der Autor es dann ändert ist allerdings seine Sache. Weil es seine Geschichte ist und so stellt er sich das halt vor.

Ich hab feste Charaktere im Kopf, bringe Dinge rein die ich lustig finde und werde definitiv keine großen Änderungen mehr reinbringen, weil die den Storyverlauf beeinflussen würden. Ich denke mir da, entweder man mag es dann halt oder nicht. Ein geschriebenes Buch verändert auch keiner mehr, entweder es fesselt und man liest weiter oder lässt es halt. Damit muss jeder Autos leben. :)

Aber du kannst gerne sagen was du gut findest und was nicht. Ich finde es ja super, wenn sich der Leser darüber Gedanken macht und "mitfühlt". :)


@Ayron: Typenspiegel ändert nur den Typ von Anwender? Ich dachte der vertauscht die Typen. Das würde ich dann noch korrigieren! *am Kopf kratzt* dachte echt es wäre anders... xD

Und Seffe entwickelt sich, wenn auch langsam, aber jede Schale muss halt erstmal geknackt werden. Naja... "obercool"... hihi. Er ist halt kühl und schräg. xD Das kommt alles noch. ^^ Die Gegensätze passen gut zusammen, Lotte mit dem Temperament und dem Feuer in sich und Seffe - ruhig und trocken... xD

Naja, ich muss dir teilweise aber Recht geben, Seffe kann sich verhalten wie der letzte Arsch. Er ist jedenfalls kein Goodboy, das fände ich sooo langweilig. Bis ihn das Gewissen beißt und dann ist er auch mal nett und teils Gentlemen, aber alles in gewissen Maßen. ^^ Lotte ist halt auch echt anstrengend, in gewissen Situationen hätte ich ihr eine geknallt... und dann wieder geknuddelt. Wie auch immer. xD

Das lustige ist, ich will manchmal Szenen schreiben und dann passiert was ganz anderes, weil die einfach so und zwar anders reagieren. Manchmal echt schwierig...

Und da muss ich dich enttäuschen, Zitrone wird auf ewig bei Seffe bleiben, zumindest aktuell. :P Vielleicht schreibe ich da noch einen Rückblick... Er liebt Zitrone und Zitrone ihn und Lotte bekommt aber auch noch tolle Pokémon.


In den nächsten Szenen, wird man Seffe teilweise vielleicht etwas besser verstehen, weil er einen Alleingang hat und dann... tjaa... auch andere Seiten zeigt... Da wirst du, lieber Ayron, bestimmt deinen Senf (sehr gerne) dazu geben und ich kann mir schon vorstellen was du schreibst ... xD
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262541 von Ayron1986
11.08.2016, 10:53
Ja, Typenspiegel verändert nur den Typ des Anwenders in den vom Ziel um, hab ich selber nochmal nachgeguckt. ;)

Ist schon klar, dass Seffe kein Bilderbuch-Held ist, wäre langweilig geb ich dir recht. Aber du beschreibst ihn halt so dermaßen abweisend und emotionslos, dass er mir so wenig gefällt... Naja, wird ja vielleicht noch. Ist ja ein guter Move in der Story, seinen Charakter entwickeln zu lassen. Ich lass mich mal überraschen, bin gespannt, liebe Ina. ;) Auch, wenn ich Lotte im nächsten Part vermissen werde. ^^ Wenigstens mein Zitrönchen dabei. :oops: :D
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262755 von vampirbiss
12.08.2016, 17:21
So ich habe mal das Kapitel "Der zweite Orden" korrigiert. Speziell wegen der Attacke Typenspiegel.

Dann habe ich noch etwas hinzugefügt, was eventuell wichtig ist. So versteht man speziell auch im Nachhinein noch ein paar Aktionen ;) Ich kopiere die Stelle nochmal hier rein:

Die Rothaarige strich sich die Haare auf einer Seite des Gesichts hinters Ohr und sah nun vorsichtig zu dem anderen hoch. Eigentlich wollte sie sich noch entschuldigen und ihm danken. Eine Weile sahen sie sich nur an. Seffe fragend und Lotte hatte den Mund leicht geöffnet, als ob sie ihm noch etwas sagen wollte. So sehr sie es wollte, aber es kam nicht aus ihr heraus. Dann verzog sie ihren hübschen Mund und wand sich um. Schnellen Schrittes ging sie auf das Haus zu und verschwand darin.

Seffe hob langsam beide Brauen in die Höhe. Tief atmete er ein und aus, sie hatte ihm nicht mal „Tschüß“ gesagt. Mit geschlossenen Augen, zuckte er resignierend mit den Schultern und ging, schwer beladen wie er war, den Weg wieder hoch zum Pokémon-Center. Dabei summte er und sang schließlich leise: „Bye bye, Miss American Pie…“ Lotte war ein hübsches Mädchen und auch nicht dumm, sie hätte bestimmt sogar gute Voraussetzungen, um Pokémon richtig zu führen. Kurz gingen ihm die Worte von Schwester Joy wieder durch den Kopf: „Sie hatte eine schwierige Kindheit und ist dadurch zum Einzelgänger geworden. Ich denke, etwas Abwechslung und neues Vertrauen würden ihr gut tun. Sie hat einen Traum, genau wie du, Seffe. Und als Anfänger so ohne weiteres alleine auf die Reise zu gehen, ist gefährlich. Das solltest du bestens wissen.“ Seffe seufzte und schüttelte schließlich den Kopf, es hätte ja doch keinen Sinn, er wurde aus ihrem Verhalten nicht schlau. Außerdem war sie ja doch viel zu jung für ihn.




Über das Kapitel danach bin ich auch nochmal knapp gegangen. Und ich finde da verstehen sie sich am Schluss fast schon zu gut. Das Ayron Seffe da arrogant findet, kann ich immernoch nicht nachvollziehen. *am Kopf kratzt* Das macht mich fast schon etwas fertig, weil ich es so gar nicht nachvollziehen kann... xD Net böse gemeint, ich raffs einfach net.

So jetzt setze ich mich an weitere Kapitel. ^^
Mit der Frage: "WAS SOLL ICH TUN?!"

Die Story wird so tierisch lang, einfach weiter im Posting Sachen hinzufügen oder neuen Thread mit Teil zwei öffnen und verlinken? Wenn ich neue Kapitel z.B. hier einfüge, wird es wahrscheinlich irgendwann untergehen...

Was findet ihr besser? :(
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262860 von Ayron1986
13.08.2016, 13:35
Es ist ja nicht so, dass ich ihn gar nicht leiden kann. Ich find einfach nur, er könnte Lotte mehr anlächeln bzw. einfach freundlicher zu ihr sein, auch, wenn er findet, dass sie zu jung für ihn ist. Kommt ja bestimmt noch. Mehr erwarte ich nicht. ;) Zur Zeit sind mir einfach Lotte und Zitrone viel sympathischer und die sind´s mir schon wert, weiterzulesen. ^^

Abgesehen davon:

Süße, es ehrt mich zwar, dass dir meine Meinung soviel bedeutet, aber pfeif einfach drauf. Es ist deine Story, du solltest sie so schreiben, wie du willst und dich nicht von mir beeinflussen lassen. Ich geb zwar ordentlich meinen Senf dazu, aber was du davon annimmst, liegt bei dir. Du kannst es eh nicht allen Lesern 100%ig Recht machen. Ich bin vielleicht ein begabter Schreiberling, aber deswegen habe ich noch lange keinen Götter-Status. (Auch, wenn ich manchmal so tue, als hätte ich ihn :lol: ) Wie gesagt, schreib einfach weiter. Ich bin dafür bekannt, meine Meinung schnell ändern zu können. ;)

Simno, sag doch du auch mal was über Seffe, oder jemand anderes, damit sie sich auch an anderen Meinungen orientieren kann. :D
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262900 von Simno
13.08.2016, 19:02
Also ich mag Seffe :). Jedenfalls als Charakter. Er hat Ecken und Kanten, überrascht hier und da und ist nicht sofort zu durchschauen. Manche Aktionen wundern einen, aber das liegt eben daran, dass er nicht immer vernünftig und einfühlsam ist. Das macht die Momente umso wertvoller, wo er doch sein gutes Herz durchblitzen lässt.
Im echten Leben wäre ich wohl nicht mit ihm befreundet, aber ich würde ihn bei Facebook in der Liste lassen, weil mich interessiert, was bei ihm so abgeht ;).
Bei der Geldsache nach der Arena (also, dass er ihr die Hälfte abgeknöpft hat) bin ich auch etwas erschrocken, aber ich glaube, er hatte einfach den Drang, Lotte ein wenig zu erziehen. :D
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