Schreibe eigene Geschichten über Pokémon und deine Lieblings-Charaktere.

Pokémon, Drugs and Rock `n`Ro...

#1238993 von vampirbiss
04.03.2016, 21:06
Hallo Leute,
ich hatte mich ja auch kurz vorgestellt und dort schon gesagt, dass ich mal meine Story veröffentlichen könnte bei euch. :)

Wo sie genau hin führen soll, werdet ihr sehen, es entsteht alles langsam. Kurz gesagt: Ich habe einfach darauf los geschrieben und nun ist es schon recht viel.

Noch kleine Anmerkung:
Die Geschichte spielt in der Kanto Region, euch wird bestimmt bald auffallen, dass es sich um meine erste Pokémon-Spiel-Liebe dreht: Blau, Rot, Gelb. Es gibt aber alle Pokémon und nicht nur die damaligen 151 Stück. Vielleicht wird die Story irgendwann weiter schreiten in andere Regionen, da bin ich mir aber noch nicht sicher. Ich mixe es mit dem realen Leben, weil die Story aus dem urspünglichen Gedanken "Wie wäre es mit Pokémon im Alltag?" entstanden ist. Pokémon-Reise mit 10 ist unrealistisch und entsprechend werde ich einiges ändern.

Und bitte nicht wundern, wenn manche Pokémon nicht die "normale" Farbe haben, es gibt definitiv Unterschiede. Ein Hund einer bestimmten Rasse sieht ja auch nicht immer gleich aus. ;) Auch die Größen der Monster ändere ich teilweise ab. Ein Glurak kann keinesfalls kleiner als ich selber sein! :o :lol:

Und wegen der bunten Haarfarbe der Leute: Die färben nicht, das wächst so raus! Hach ja, das wäre mein Traum. :roll:

Um euch in die reale Welt etwas rein zu bringen, habe ich ds gefunden: https://youtu.be/rhhuAm2rSGE
Das ist ganz cool gemacht, da hat sich wer echt Mühe gegeben. Sogar ein Alpollo ist dabei <3 :)

Viel Spaß wünsche ich. :)
Zuletzt geändert von vampirbiss am 24.11.2019, 18:41, insgesamt 10-mal geändert.
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Pokémon, Drugs and Rock `n`Ro...

#1238997 von vampirbiss
04.03.2016, 21:14
Pokémon, Drugs and Rock ´n´ Roll – Teil 01

Ein bedeutender Kampf
Er war in einem großen Vorraum, mit hohen Wänden und sanfter Beleuchtung. Seine Augen waren geschlossen und er versuchte die Nervosität etwas abzuschütteln. Die Stimmung draußen im Stadion war geladen und er konnte das Publikum durch die schweren Türen jubeln hören. Bereits nachdem die erste Qualifikationsphase der Kämpfe durch war, hatten die Zuschauer ihre Favoriten unter den Trainern gewählt. Die Abstimmung war während der Kampfphasen gelaufen. Der junge Mann, mit den blauen Haaren, konnte sich stolz zu den Favoriten zählen. Für ihn wurde sehr oft gestimmt. Er lag sogar auf dem ersten Platz und hatte weit mehr Stimmen, als die Trainerin, Ricarda, gegen die er gleich antreten würde. Alleine das war für ihn schon unglaublich, dass die meisten Leute hofften, ihn bald auf dem ersten Platz zu sehen. Er merkte, wie sein Herz schneller schlug. Die Erwartungen waren hoch und Ricardas Kampfstil galt als erbarmungslos.
Wenn er mit seinem Team gewinnen würde, konnte er um den ersten Platz streiten. Die Siegesprämie war sehr hoch. 30.000 Pokédollar (im Wert von unserem Euro) waren ausgeschrieben. Er könnte das Geld gut gebrauchen, da er sein Motorrad das letzte Jahr komplett überholt hatte. Es war nicht nur viel Arbeit, sondern hatte auch viel Geld gekostet. Aber hauptsächlich ging es ihm darum, allen anderen zu beweisen, dass er es doch weiter schaffen konnte, als nur als einfacher Trainer im Land herum zu reisen.
Er war schon viel herum gekommen. Die Orden der verschiedenen Regionen zu ergattern, langweilte ihn irgendwann. Er empfand sie als die Prüfungen für Anfänger. Die ebenfalls regionsabhängigen Top-Vier-Ligen stellten in seinen Augen Herausforderungen für ein paar Fortgeschrittene dar. Da er schon alles in der Kanto und teilweise auch in anliegenden Regionen gemeistert hatte, konnte er sich in den Cups anmelden. Das war für ihn wesentlich spannender, denn hier kamen Trainer aus aller Welt zusammen und duellierten sich mit den unterschiedlichsten Pokémon. In dem Mini- und Supercup hatte er sich die ersten Plätze erkämpft, um nun im Hypercup sein Können unter Beweis zu stellen. Der Schlüssel, um im Meistercup teilzunehmen, war nicht mehr weit entfernt. Es war die Liga für aufsteigende Trainer und Trainerinnen, welche in die Geschichte eingehen konnten. Sein Traum war es der Champion des Meistercups zu werden und ein Jahr lang den Titel des weltbesten Trainers zu tragen.
Er öffnete er seine steingrauen Augen, als die großen Türflügel vor ihm anfingen tief zu surren und in der Mitte einen Spalt frei gaben. Die Nachmittagssonne suchte ihren Weg durch den Türspalt, der langsam größer wurde. Das Jubeln des Publikums wurde immer lauter. Nun hob er seinen Kopf. Es war so weit. Das Publikum war so laut, dass man sein eigenes Wort nicht hätte hören können, doch für ihn erschien es wie ein dumpfer Klang.
Als ihn die Menschenmasse erkannte, schien sie noch wilder zu toben. Er versuchte die Nervosität abzuschütteln und schritt langsam voran. Nach Außen wirkte er stets cool. In der rechten Hand hielt er feste umklammert einen dunklen Pokéball mit grünen Flecken und roter Mittellinie.
Nun konnte er seinen Namen aus den Schreien der Zuschauer herausfiltern. Er setzte ein schiefes Lächeln auf und sah zu seinen Fans, die er über die Trainingsjahre gesammelt hatte. Er hob seine rechte Hand mit dem Ball und nickte den Leuten zu. Die Pfiffe und Schreie wurden kurzzeitig lauter. Er blickte wieder nach vorne und verlor sein Lächeln, während er sich durch seine halblangen, zerzausten Harre fuhr. Mit ruhigem und beherrschtem Schritt trat er fast theatralisch die Stufen des Podestes hoch, von dem aus er auf die Arena schauen konnte. Die Arena hatte die Größe eines Fußballstadions, eingeteilt in verschiedene Bereiche. Es gab Flecken mit Wiese sowie sandigem, steinigen Boden und sogar ein großes Wasserbecken befand sich darin.
Nun stand er Ricarda gegenüber. Mit verengten Augen sah er die hübsche Frau an, die sich im gleichen Moment auch zu ihm wandte. Sie war schlank und hatte wortwörtlich eine Bombenfigur. Ihre schwarzen Stiefel hatten einen hohen geschlossenen Absatz und waren nur sehr locker zugebunden, sodass die kurzen Enden der Schnürsenkel an den Seiten heraushingen. Ihre Beine waren in eine schwarze Strumpfhose gehüllt und der sehr kurze, hellblaue Jeansrock betonte ihre Länge. Ihr enges, schwarzes Oberteil hatte einen runden, tiefen Ausschnitt. Darüber trug sie eine Lederjacke mit modernem Schnitt. Mit einer schwungvollen Kopfbewegung schmiss sie ihre langen, glatten Haare über ihre Schultern. Sie waren weißblond und die Spitzen liefen in ein dunkles violett aus. Ihre Augen hatte sie mit dunkler Schminke betont und auf ihren Lippen lag ein arrogantes, falsches Lächeln.
Der Trainer rümpfte kurz die Nase und zog die Brauen zusammen, ehe er mit einem Finger seine Brille ein Stück nach oben schob. Seine Augen waren nicht unbedingt die Besten und seine markante Brille war mittlerweile eines seiner Markenzeichen geworden. Im Publikum löste diese Bewegung einige Schreie ein paar junger Frauen aus, die selbstgebastelte Schilder hoch hielten und ihm damit zuwinkten. Das ließ ihn seine Gedanken unterbrechen und schmunzelte seinen weiblichen Fans zu. Als er ihnen zuversichtlich zuzwinkerte, verlor eine der Damen ihre Besinnung und wurde von ihren Freundinnen aufgefangen. Schief grinsend blickte er wieder nach vorne. Er hatte alles unter Kontrolle, sagte er sich ständig in Gedanken. Doch sein Bauchgefühl täuschte ihn selten. Bei seiner Gegnerin sollte er äußerste Vorsicht bieten.
Das Publikum verstummte, als die überdrehte Stimme des Moderators ertönte und die gegenüberliegenden großen LCD-Tafeln der Arena aufleuchteten. Sie zeigten als erstes die Namen der Duellanten an, dann ihre Portraits und bildeten schließlich nacheinander drei Pokébälle ab. Sie standen für die Anzahl, der erlaubten Monster im Kampf. Neben dem Portrait des Trainers erschien ein leeres Feld in dem gleich das aktuelle, kämpfende Pokémon abgebildet wurde. So war der Kampfverlauf für jeden leicht zu erkennen. Das Herz des jungen Mannes raste. Er schluckte und merkte, wie er innerlich zitterte. Doch für das Publikum stand er ruhig und gelassen da – seinen skeptischen Blick auf Ricarda gerichtet.
Plötzlich war es so still, dass man den Flügelschlag eines Smettbos hätte hören können. Endlich gab der Schiedsrichter den Ring frei. Gleichzeitig hoben die Trainer die Arme und warfen die Bälle. Ricarda schmiss ihren Pokéball in gerader Linie, als ob sie ihren Gegenüber mit einem Stein am Kopf treffen wollte, während der Trainer den Schwung von der Seite nahm und der Finsterball einen anmutigen Bogen flog. Kaum befreit schnellten die Bälle zurück zu den Trainern, die sie wieder auffingen.
Das Gengar des Mannes materialisierte sich aus einem violett-bläulichem Energiestrahl. Es war ein Geist-Gift-Typ, ca. 160 cm groß und stand auf zwei knubbeligen Beinen. Sein violett-blauer Körper schimmerte sacht und hatte eine kugelige Form, was es fast niedlich wirken ließ. Wären da nicht die großen, bösartigen und knallroten Augen, mit den schwarzen, spitzen Pupillen. Sein fieses Grinsen war unnatürlich breit und scharfe Zähne blitzen auf. Die großen aufrechten Ohren sahen aus wie zwei teuflische Hörner und sein Rücken war besetzt mit Stacheln, die mit einer kurzen Rute endeten. Es wippte von einem Bein auf das andere. Der Schatten unter ihm war schwarz wie die Nacht und wirkte etwas schlammig.
Der Pokéball der Trainerin öffnete sich mit einem roten Energiestrahl und es erschien ein Wesen, das aufrecht wie ein Mensch stand. Es wirkte athletisch und durchtrainiert. Sein Körper war mit einem roten Federkleid bedeckt, das an den Füßen in gelb auslief. Es ging in Kampfposition und hielt seine Hände, welche aus hahnenähnlichen Klauen, wie auch seine Füße, bestanden, schützend vor sich. Sein Kopf war der eines Hahnes und in einen pompösen Federkragen gehüllt, der im Sonnenlicht in verschiedenen Farben schimmerte. Das Publikum war wieder laut geworden, als die Monster im Ring standen.
„Ein Lohgock – Feuer, Kampf“, murmelte der Trainer zu sich selbst. Er hatte seine Nervosität nun wieder unter Kontrolle und bekam die Jubelschreie kaum mit. Die Bildschirme blendeten die Monster ein und sogleich gab die Trainerin ihren ersten Befehl.
„Lohgock, Feuerschlag!“, rief Ricarda und das menschlich wirkende Hahnenwesen rannte aggressiv auf das Gengar zu.
„Ausweichen Spook! Hypnose!“, sagte der Trainer in ausgeglichenem Tonfall.
Lohgocks Klaue ballte sich und schien zu glühen. Das Geist-Pokémon stieß einen lauten, schrillen Lacher aus, der in der Arena verhallte und das Publikum kurz innehalten ließ. Kurz bevor das Gengar getroffen werden konnte, löste es sich zu Luft auf und erschien hinter dem Lohgock. Das Feuerwesen sah sich wütend um und erblickte seinen Gegner. Mr. Spook riss die Augen unnatürlich weit auf. Sein Trainer nickte nur. Gebannt sah der Hahn in die Augen des Geistes. Das Gengar versuchte es einzuschläfern, doch Ricarda handelte sofort.
„Lass dich von der Stümpertaktik nicht beeinflussen! Feuerschlag!“
Der Feuerhahn schüttelte seinen Kopf und ließ seinen Federkragen anmutig aufschwingen, sogleich holte er aus. Das Gengar schrie auf, als es von der glühenden Faust getroffen wurde und flog einige Meter zurück. Doch es prallte nicht auf dem Boden auf, sondern verschwand in seinem schwarzen, matschigen Schatten.
Der Trainer zog die Brauen zusammen. „Spukball“, murmelte er.
Das Lohgock krähte auf, als er seinen Gegner nicht mehr erblicken konnte. Es schien aggressiver als zuvor zu sein, dachte der Trainer, verlor den Gedanken jedoch gleich wieder. Der Schatten erschien wieder und huschte auf das Lohgock zu. Plötzlich schwebte das Gengar hinter dem Feuerhahn. Es hielt eine leuchtend-violette Kugel zwischen den Händen, die es auf seinen Gegner abfeuerte. Die Trainerin schrie auf, doch ihr Monster konnte nicht mehr ausweichen und fand sich auf den Knien wieder.
Raue Schreie kamen aus der Kehle des Lohgocks und es bekam die neue Attacke Sonnentag genannt. Es hüpfte auf, wandte sich um seine eigene Achse und sah in Richtung Sonne. Es fing lauthals an zu krähen und von einer auf die nächste Sekunde schien die Sonne heißer zu brennen. Trotz des Nachmittags wurde es gleißend hell.
Die Miene des Trainers wurde finster. Das Gengar wirkte nun etwas durchsichtiger als vorher und stieß einen verzogenen Ton aus. Das Lohgock schien abermals aggressiver als vorher und sprang, ohne Befehl seiner Trainerin, auf das Gengar zu. Der Geist schwebte knapp zwei Meter über dem Boden und schaute verdutzt drein, als er mit dem Turmkick attackiert wurde. Doch das Lohgock sprang einfach durch den Geist hindurch. Ricarda ärgerte sich darüber, während der Trainer mit einem leichten Grinsen den Kopf schüttelte und zuckte mit den Schultern. Er schien sich in Gedanken mit dem Gengar zu verständigen, denn der Geist fing im selben Moment an irre zu lachen. Ohne, dass sein Trainer ein Wort sagen musste, streckte das Gengar weit seine Zunge heraus und setzte die Attacke Schlecker ein. Das Lohgock wurde von unten nach oben über den kompletten Rücken abgeleckt. Zähflüssige Sabber lief seine glänzenden Federn herunter und das Hahnenwesen erzitterte. Es schloss verkrampft seine Augen und ging erneut in die Knie. Das Publikum rumorte, als sich das Lohgock wieder am Boden befand.
Der Trainer grinste schief und seine Haare fielen in sein Gesicht, so dass man nur die reflektierende Brille darunter erkennen konnte. Sein Gegner war sichtlich paralysiert.
Psychokinese, Spook! Setz dem ein Ende, sagte er in Gedanken zu dem Gengar.
Sein Geist-Partner nahm seine Zeigefinger an die Stirn und schloss grinsend die Augen.
Ricarda fing an zu fluchen. Das menschlich wirkende Federvieh wurde in die Luft gehoben. Es zappelte und krähte laut. Der Trainer formte seine Lippen zu einem schmalen Strich und zog die Brauen zusammen, da öffnete das Gengar die Augen. Sie glühten rot und seine Stacheln am Rücken schienen zu dampfen. Es streckte alle Viere von sich und lachte erneut, sein Gesicht hatte sich zu einer scheußlichen Grimasse verzogen. Das Lohgock schrie noch lauter auf und krümmte sich in den unsichtbaren Fängen.
Das Publikum tobte und Schreie überschlugen sich. Das Zusammenspiel des Trainers mit seinem Gengar riss die Leute von den Stühlen des Stadions. Die Trainerin schüttelte den Kopf, als das Feuer-Kampf-Pokémon zu Boden fiel. Erneut trat eine kurze Stille ein und der Moderator kommentierte die Kampfstrategien.
„Lohgock, steh gefälligst wieder auf. Du willst mir doch nicht weiß machen, dass es das schon war! Hoch mit den faulen Federn!“
Das Gengar wandte sich bei Ricardas Schreien zu seinem Trainer, dessen Blick nun absolute Fassungslosigkeit zeigte.
Das Lohgock blieb liegen, doch bevor der Countdown zu Ende gezählt werden konnte, rappelte es sich wieder auf. Ungläubig schüttelte der Trainer den Kopf, seine Gegnerin grinste nur. Nach dieser Attacke hätte das Monster nicht mehr aufstehen dürfen, spürte es denn keine Schmerzen? Ricardas Fans wurden schlagartig wieder lauter, während einige Leute im Publikum nur die Köpfe schüttelten und die Hände vor ihren Mund hielten. Der Feuerhahn war schwer verletzt, doch er stand.
Dem Gengar war das Grinsen vergangen, doch sein Blick zeigte Entschlossenheit. Es schwebte ein paar Meter vor seinem Trainer, der eine Hand an sein Kinn gehoben hatte. Die Kampf-Pokémon fegte Mr. Spook sonst einfach weg. Wie war das möglich?
Das Gengar blickte verunsichert zu seinem Trainer. Dieser schüttelte nur seinen Kopf. „Dann eben nochmal: Psychokinese!“, sagte er nun laut und deutlich und zeigte auf das Lohgock.
Genau im selben Moment gab auch die Trainerin einen neuen Befehl und die Pokémon gingen aufeinander los. Der violette Geist reagierte eine Sekunde zu spät und verzog sein Gesicht, als das Hahnenwesen mit vielen Feuerschlägen und Kicken auf ihn losging.
Verdammt! Weich aus!, nahm das Gengar die Worte der Gedanken seines Trainers wahr. Wieso ist es trotz der Paralyse noch derartig schnell?
Der Körper des Gengars bekam durch die schnellen, feurigen Schläge überall dunkle Wunden, ehe es sich zu Luft auflöste und das Lohgock ein paar mal durch den violetten Nebel schlug. Der Hahn stockte und schaute sich irritiert um. Dann hob er sich plötzlich wieder in die Luft. Mr. Spook war unsichtbar und hatte mit der Attacke Psychokinese das Lohgock feste umgriffen. Der Hahn flog auf und ab und auf und ab und auf und ab und knallte jedes Mal hart auf den Boden. Die Wucht schien immer stärker zu werden, ehe das Lohgock sichtlich ohnmächtig in der Luft gehalten wurde und das Gengar es ein letztes Mal kraftvoll zu Boden warf. Der Geist tauchte einige Meter hinter dem Feuerhahn auf. Sein Blick war grimmig und er atmete schwer. Das Lohgock regte sich nicht mehr, es war schwer verletzt.
Der Trainer biss die Zähne aufeinander. Voll Mitleid blickte er auf das gegnerische Monster. Warum blieb es erst dermaßen schwerverletzt liegen? Und warum ließ seine Trainerin dies zu?
Der Countdown wurde herunter gezählt. Zehn, neun, acht - Ricarda schrie ihr Pokémon an wieder aufzustehen. Sieben, sechs, fünf – das Lohgock zuckte ein paar Mal, doch es hatte zu viele Knochenbrüche, als dass es aufstehen konnte. Vier, drei, zwei - ein kleiner Teil des Publikums feuerten das Feuer-Monster an, andere schrien dazwischen, dass es gefälligst raus gezogen werden sollte. Eins und aus. Der Trainer hatte die Luft angehalten und atmete in einem Zug aus, wobei er seine Augen schloss. Das Gengar schwebte unverändert vor ihm und verengte seine Augen zu schmalen Strichen. Auf der Tafel der Trainerin wurde ein Ball gestrichen und das Portrait des Lohgocks vergraute. Sie ärgerte sich sichtlich darüber und zog endlich das Hahnenwesen aus dem Ring, um ihrem nächsten Pokémon den Platz frei zu machen.
Ein großes Pokémon materialisierte sich aus dem Pokéball, das wie eine Mischung aus Gottesanbeterin und Dinosaurier aussah. Es hatte blaugraue Haut, welche glatt wirkte, aber beim Anfassen sehr rau war. Die Panzerung auf seinem Bauch war teils gelb abgesetzt sowie die warnende Musterung auf seinem Kopf. Auf seinen Schulterplatten waren zwei schwarze insektenförmige Flügel, mit denen es jedoch nicht fliegen konnte. Sie waren verkümmert und dienten nur noch zum Schutz des Monsters. Es stand auf zwei Beinen und hatte einen langen Hals, an welchem links und rechts drei scharfe Schuppen ab standen, die metallisch glänzten. An den Enden liefen sie rot aus, als hätte man die Spitzen zum Glühen gebracht. Seine Augen waren an der Seite des Kopfes, ähnlich die einer Gottesanbeterin angebracht und starrten böse auf seinen Gegner herab. Dazu kam das gefährliche Drachenmaul. Seine dünnen Arme hielt es angezogen und am Ende waren zwei große, glänzende Klingen sowie auch am Ende seiner Rute, die langsam von rechts nach links wedelte. Ein Armaldo. Es war eine Pokémon-Art die Wissenschaftler aus einem Fossil wieder auferstehen lassen hatten.
Der Trainer zog die Brauen zusammen. Kannst du noch, Mr. Spook oder brauchst du eine Pause?
Lass mich fertig kämpfen, Trainer. Das Gengar streckte Armaldo seine Zunge heraus und lachte abgehackt und schrill, darauf folgten Jubelschreie des Publikums.
Die neue Runde wurde eröffnet und die Trainer riefen gleichzeitig ihren Monstern etwas zu. Die Hypnose des Gengars schlug erneut fehl.
„Seltsam, warum sind ihre Monster so aufgebracht? So oft schlägt Spooks Hypnose nie fehl“, dachte der Trainer und ballte seine Hände neben sich zu Fäusten.
Verschwinde im Schatten, Spook!
Doch seine Gedanken erreichten seinen Partner zu spät und Armaldo traf es mit der Kreuzschere. Der rundliche Geist wurde zu Boden geworfen und schüttelte sich. Aus einer langgezogenen Wunde an seinem Bauch strömten Schatten heraus.
„Scheiße, verdammte! Es ist zu schnell! VERSCHWINDE!“, rief der Trainer nun seinem Geist-Partner zu und seine Fans fingen an zu tuscheln. Doch das Gengar brauchte ein paar Sekunden, um sich zu fangen. Die Zuschauer schrien und feuerten jeweils ihr Favoriten-Monster an. Das Armaldo stand über Mr. Spook mit erhobenen Sicheln. Die Mundwinkel des Geistes fielen nach unten und er riss seine Augen weit auf, dabei streckte die Arme zum Schutz aus. Da schlug der Gegner zu. Doch seine Klauen trafen den sandigen Boden.
„Wow! Gengar wurde im letzten Moment zurückgezogen!“, ertönte die Stimme des Moderators und das Publikum fing an im Takt zu klatschen und zu trampeln.
Der Trainer stand ein paar Sekunden lang reglos da, die Hand noch gehoben und in ihr der Finsterball. Seine Lippen hatte er zu einem schmalen Strich verzogen. Zu dem taktvollen Klang, als würde die Menge gemeinsam marschieren, folgten Pfiffe und Jubeln, durchmischt von ein paar Buh-Rufen. Der Trainer ließ seinen Kopf hängen, so dass ihm erneut seine Haare ins Gesicht fielen und hielt den Ball gegen seine Brust.
„Auch, wenn der Schiedsrichter das jetzt als Aus zählt, das war es mir wert. Kumpel“, murmelte er.
Der Moderator gluckste: „Was wäre nur passiert, wenn das Pokémon nicht zurück gezogen worden wäre? Na wenn das mal kein … Ooh, seht! Der Schiedsrichter hat den Zug tatsächlich durchgehen lassen und der begehrte Mr. Spook darf später nochmal ausgespielt werden!“
Die Zuschauer tobten und der Mann in der auffällig schwarz-weißen Uniform und der Mütze mit dem Muster eines Pokéballs, gab dem Trainer ein Handzeichen, sein nächstes Pokémon auszuspielen.
Die Blicke der Trainerin brannten auf dem jungen Mann, welcher einen neuen Ball in seiner Hand hielt.
„Du Feigling! Dein Gengar ist einfach zu schwach für mich! Ich werde dich platt machen!“
Ricarda schmiss ihren Kopf zurück und lachte, wobei ihre strahlend weißen Zähne aufblitzen. Ihr Insekten-Dinosaurier in der Arena tobte und guckte schnell von einer zur anderen Seite, als ob er seinen nächsten Gegner schon erwischen könnte.
Der Mann mit den blauen Haaren schüttelte leicht den Kopf. Das Verhalten ihrer Monster war äußerst aggressiv.
„Dir werd ich´s zeigen“, murmelte er.
Im hohen Bogen schmiss den nächsten Pokéball, aus welchem sich ein Arkani entfesselte. Die Arkanihündin würde dem Käfer-Pokémon ordentlich Feuer unter dem Hintern machen. Das weibliche Arkani war ein anmutiges Monster, mit der Höhe eines Pferdes und der Statur die einer Mischung aus Rottweiler und Löwe entsprach. Es hatte den Kopf eines Hundes und einen beige-gelben Fellkragen, wie der eines Löwen. Längeres Fell wanderte über die Wirbelsäule am Rücken entlang und wurde am Ende zu einem buschigen Schwanz. Die Hündin war sehr muskulös und ihr gold-orangenes Fell glänzte mit einem gestromten Muster in der Nachmittagssonne. Knurrend und mit geducktem Kopf stand das Arkani vor dem Armaldo.
Die Trainerin lachte nur und zeigte auf den Feuerhund. Sogleich griff das Armaldo wieder an und traf mit seinen Klauen. Das Arkani wurde gekratzt und zur Seite geschleudert. Es hatte den Befehl seines Trainers vernommen und war nun nah genug an dem Armaldo dran. Bei der Attacke Feuerzahn fing das innere seines Maules an zu glühen und es biss sich in dem langen Hals des Gegners fest. Die Zähne des Arkanis schmolzen langsam in die raue, harte Haut des Armaldos. Das dinoähnliche Monster brüllte auf und schmiss sich hin und her. Erst nach einer Weile schaffte es das Armaldo den Angreifer mit einem weiteren Schlag seiner Klauen abzuschütteln. Das Arkani wurde erneut weggeschleudert und schüttelte sich.
Die Bisswunde am Hals des Dinosauriers zeichnete sich mit verbrannter Haut ab und fing an zu bluten. Das Armaldo brüllte gen Himmel und griff mit Antik-Kraft an. Ein paar Felsbrocken um ihn herum wurden von einer violetten Aura umfasst und hoben sich wie von Geisterhand gepackt aus dem Boden.
„Paulinchen, spring - jetzt! Jauler!“, rief ihr Trainer und die Hündin sprang mit einem jaulenden Ton zur Seite. Die Felsbrocken landeten knapp neben ihr und Ricarda schrie vor Wut. Doch ihre Worte kamen nicht bei dem Trainer an, zu laut war die Menge.
Das Armaldo wurde dadurch angestachelt und nahm erneut seine Klingen in die Höhe. Das Feuer-Pokémon war noch immer mit dem Rücken zu dem Gegner gewandt und duckte sich leicht, die Ohren waren aufmerksam in Richtung des Trainers aufgestellt und sie hielten Blickkontakt.
„Spring – jetzt!“, rief sein Trainer und zeigte ruckartig nach oben. Das Arkani folgte seinem Befehl so gleichzeitig, als hätte es der Trainer mit seinem Finger und telekinetischen Kräften in die Höhe gehoben. Die Sicheln des Armaldos schlugen tief in die Erde ein.
“Biss!“, stieß der Trainer aus. Das Arkani hatte blitzschnell Armaldos Nacken anvisiert, indem es sich verbiss. Das Fossil-Pokémon warf seinen Kopf mit einem Brüller nach hinten und die Krallen des Arkanis bohrten sich in seine Schulterblätter. Das Arkani hing auf seinem Gegner wie ein Löwe der gerade eine Gazelle erlegte. Das Toben des Publikums klang wie Donnerschläge.
„Wirst du es wohl abschütteln!“, rief Ricarda und machte dabei eine verkrampfe Handbewegung in der Luft.
Einen Moment schmiss sich das Armaldo hin und her um den Feuerhund abzuwerfen, doch Paulinchen war hartnäckig. Doch der Rodeo-Ritt schien das Armaldo kaum zu schwächen, es wurde nur sichtlich aggressiver. Schließlich bekam es mit seinem Maul das Arkani an einem seiner Hinterläufe gepackt. Kurz hielt Paulinchen stand, dann jaulte sie – diesmal vor Schmerzen – auf. Das Armaldo drehte sich einmal um sich selbst und warf es mit voller Wucht gegen einen Felsen in der Arena. Die Attacke Felswurf ließ das Arkani in sich zusammen sinken. Laut und aggressiv brüllte der insektenartige Dinosaurier auf und stampfte mit den Füßen auf dem Boden, so dass die Podeste der Trainer leicht bebten.
Mit geballten Händen stand der junge Mann da, während die Trainerin nur hysterisch lachte. Sie war ihm gänzlich unsympathisch. Sonst waren die gegnerischen Trainer immer loyal bei den Kämpfen. Er merkte, wie Wut in ihm aufstieg und versuchte sich gleichzeitig in Gedanken wieder zu beruhigen. Der Countdown zählte bereits runter und der Trainer schloss für den Moment die Augen. Paulinchen schien besiegt. Manche seiner Fans bissen sich auf ihren Nägeln rum, andere schüttelten fassungslos die Köpfe, doch dann fingen sie an zu klatschen. Verwundert blickte der Trainer auf, als er ein Knurren vernahm.

Das Arkani hatte kurz um Besinnung gekämpft und seine letzte Kraft zusammen genommen, um sich hoch zu rappeln. Aus treuen Augen blickte es zu seinem Trainer, dann lefzte es die Zähne und atmete ein paar kleine Flammen aus.
„Paulinchen“, sagte der Trainer gerade so laut, dass es die Arkani-Dame ein paar Meter weiter hören konnte. Dann lächelte er entschlossen. Die Menge in der Arena wurde wieder lauter und der Moderator kommentierte wild. Der Schiedsrichter winkte zur nächsten und für einen von beiden Seiten auch zur letzten Runde.
Der Trainer nickte und sagte nur noch ein Wort: „Feuersturm.“
Ricarda schrie etwas ihrem Monster zu, doch es war zu spät. Die Mähne und Rute des Arkanis schienen in Flammen zu stehen, seine Augen glühten und es atmete tief ein. Dann öffnete es weit sein Maul und entblößte einen mächtigen Feuerstrahl. Das Armaldo rannte auf den den Feuerhund zu und stockte, ehe es seine Arme schützend vor sich hielt. Als es von dem Feuerstrahl getroffen wurde, spaltete sich dieser in die Attacken typischen fünf Richtungen auf. Alle rumorten bei dem gewaltigen Angriff, bis Stille aufkam. Ein heißer Wind wehte durch das Stadion, bis sich die Flammen langsam lichteten.
Die Beine von Paulinchen zitterten. Das Armaldo stand in schützender Pose da. Langsam nahm es seine Arme runter und tat einen kurzen rauen Ton. Sein Körper war von schweren Brandwunden geziert. Der Trainer hob beide Brauen und ballte seine Hände.
Ricarda lachte, warf ihre Haare zur Seite und befahl ihrem Pokémon erneut mit den Klingen auf das Arkani los zu gehen. Das Armaldo schrie auf und rannte los. Ungläubig zeichnete sich in dem Gesicht des Trainers aus. Von Fassungslosigkeit gepackt, stand er einfach nur da, genau wie das Arkani. Doch kurz bevor das Armaldo zuschlagen konnte, wurde es ohnmächtig. Es fiel einfach nach vorne um und blieb ein paar Meter vor dem Feuerhund liegen. Paulinchen legte ihre Ohren an. Ihr Trainer schob seine Brille auf der Nase zurück. Der Countdown zählte runter, während Paulinchen anfing leise zu winseln. Dann wurde das Armaldo als besiegt gezählt und auf der Tafel der Trainerin wurde der zweite Ball gestrichen. Ricarda fluchte gegen den Ball, als sie ihr Armaldo zurückzog und der junge Mann atmete tief ein und aus. Dann brach Paulinchen mit einem Jaulen zusammen.
„Das gibt es ja nicht! Ein Doppel-K.o.!“, kam es von dem Moderator.
Mit einem Lächeln auf den Lippen zog der Trainer das Arkani zurück.
„Danke, Paulinchen. Du warst sehr tapfer“, murmelte er gegen den Ball.
Auch auf seiner Tafel wurde nun ein Ball gestrichen und die neue Runde wurde eingeläutet. Er spielte wieder Mr. Spook aus. Der Geist hatte sich in der kurzen Auszeit hoffentlich etwas erholen können. Dann hätten sie den Sieg so gut wie in der Tasche.
Seine Gegnerin blickte verärgert drein. Dann legte sich ein fieses Grinsen über ihr Gesicht und sie gab ihr drittes Monster in den Kampf. Sie schmiss den Pokéball in Richtung des Wasserbeckens. Es war ein blauer Energiestrahl aus dem sich ein riesiges Pokémon materialisierte. Die Länge der Wasser-Schlange wollte gar nicht mehr aufhören. Ihr zweites Element war Flug, sie hatte keine Beine und war eine Mischung aus einer riesigen Muräne und einem chinesischen Drachen. Ihre Schuppen glänzten dunkelblau und waren mit einem giftig wirkendem Muster in rot und gelb abgesetzt. Viele scharfe Flossen liefen ihren langen Rücken herunter und endeten in einer fächerartigen Schwanzflosse.
Der Trainer seufzte unhörbar, als das Garados in Richtung des Gengars brüllte.
Spook, ich hoffe, du kannst etwas Vorsprung raus holen. Ihre Pokémon sind unheimlich stark.
Der Blick des Gengars wurde finster.
Ja, Trainer. Als ob sie keine Schmerzen spüren würden.
Ehe der Mann mit den blauen Haaren noch einen weiteren Gedanken hätte teilen können, griff die übergroße Muräne mit Biss an und das Publikum wurde wieder laut. Spook wich immer wieder aus und schlug mit Spukbällen zurück. Doch der Riesenmuräne schien der Widerstand kaum etwas auszumachen, es stachelte sie nur an noch aggressiver zu werden.
Gengar schlug sich gut, doch sein Trainer merkte deutlich, wie geschwächt sein Partner war. Er verlor immer mehr an Geschwindigkeit. Schließlich öffnete das Garados sein Maul und ein mächtiger Wasserstrahl zischte heraus. Die Hydropumpe zerstörte den zuletzt abgeworfenen Spukball des Gengars und traf das violette Wesen. Der Geist flog zurück und wurde zu Boden gedrückt. „Nein!“, schrie der Trainer langgezogen, doch sein Schrei ging in der Lautstärke der Masse unter. Danach wurde es ruhiger und ein Murmeln ging durch das Publikum. Der Countdown wurde gezählt und Mr. Spook blieb wie ein durchsichtiger Schatten halb in den Boden eingesunken liegen. Seufzend zog sein Trainer ihn zurück und sah mit finsterem Blick auf Ricarda, welche hysterisch lachte. Ihr Garados grollte tief. Immer wieder hob es seinen Kopf und schrie gen Himmel.
Nun hielt auch er seinen letzten Chance in der Hand. Die Tafeln zeigten auf beiden Seiten nur noch einen Ball an. Der junge Mann biss seine Zähne feste aufeinander, als er sein letztes Monster in den Ring gab, er war sich dem Element-Nachteil durchaus bewusst. Es war ein Stahl-Flug-Typ.
Ein silberfarbener Energiestrahl materialisierte ein straußenähnliches Monster. Seine Federn glänzten metallisch in den letzten Strahlen der Nachmittagssonne. Der große Vogel stieß einen blechernen Schrei aus und breitete seine Flügel aus, die aus mehreren, scharfkantigen Klingen bestanden. Doch das Panzaeron wirkte winzig, gegen das Garados. Es war kaum in dem Kampffeld angekommen, da wurde es mit einer weiteren Hydropumpe angegriffen und wich der Attacke geschickt mit Agilität aus. Mit dem gewonnenen Anlauf stieß sich das Panzaeron in die Luft. Es flog flach auf die Wasserschlange zu und griff mit Aero-Ass an. Das Garados wurde schwer getroffen, schrie auf und holte mit seinem Schwanz aus.
„Höher, Stahlschnabel!“, rief sein Trainer so laut, dass sich seine Stimme fast überschlug, um die Menge zu übertönen.
Doch so schnell konnte das Panzaeron nicht an Höhe zu gewinnen und wurde von dem Nassschweif des Riesen erwischt. Der Stahlvogel stieß einen schrillen Schrei aus und konnte sich mit einem Flügelschlag gerade noch so abfangen, dass er nicht komplett in das Wasserbecken fiel. Sein Trainer verzog die Brauen, als sein Partner einige Meter über Steine und Schotter rutschte. Stahlschnabel rappelte sich schnell wieder auf und schüttelte sich. Dabei gab er einen langen, blechernen Schrei in Richtung des Garados von sich. Nun zierten Kratzer und Dellen sein Stahlgefieder. Das Publikum fing wieder an zu trampeln, der Kampf schien sich dem Ende zu neigen.
Der Trainer zog seine Brauen zusammen.
„Steinhagel!“
Das Panzaeron breitete seine zerkratzten Metallschwingen aus und wedelte so stark mit den Flügeln, dass der Riesenmuräne Steine vom Boden entgegenflogen. Die drachenartige Haut des Garados` wurde übersät mit Schrammen und sogleich lief an den Schuppen Blut herunter.
Ricarda fluchte ihrem Gegner zu, doch der Trainer verstand sie akustisch nicht im geringsten, dafür schrie das Garados zu laut und übertönte sogar die Zuschauer. Es fing an zu toben und bekam einen Wutanfall. Seine Trainerin schien irgendwas mit sich selbst zu reden und winkte ab. Sie lies den Dingen einfach ihren Lauf und fing an zu lachen.
Das Publikum grölte auf. Beide Monster waren stark geschwächt und kämpften mit ihren letzten Kraftressourcen. Das Garados traf das Panzaeron mehrmals. Der Trainer konnte nur noch dabei zusehen, wie es sein Partner nicht mehr rechtzeitig schaffte dem großen Maul und der riesigen Schwanzflosse des Wasser-Monsters auszuweichen. Es war zu laut, um Stahlschnabel einen Tipp oder gar Befehle zu geben. Das Panzaeron konnte nicht zu seinem Trainer schauen, zu sehr war es mit dem Ausweichen und Zurückschlagen beschäftigt. Ein paar Mal traf es auch das wütende Garados mit seinen scharfkantigen Klingen seiner Federn, doch es wurde mehr und mehr in die Enge getrieben.
Der Trainer schüttelte den Kopf. Das Garados hatte mittlerweile so viele Wunden und blutete so stark, dass es hätte längst zusammenbrechen müssen. Doch es griff einfach weiter an, ohne das kleinste Zeichen an Schwäche zu zeigen. Aggressiv und ohne Pause ging es immer wieder auf den stählernen Vogel los. Dann wurde Stahlschnabel erneut von dem Nassschweif weg geschleudert. Das Panzaeron lag am Boden und atmete schwer. An seinem Gefieder klebte überall das Blut des Garados´. Das Wasser des Teiches färbte sich allmählich dunkelrot und der Moderator redete aufgebracht, schnelle Sätze – ob es wieder ein Doppel-K.o. geben würde?
Doch das Garados machte noch keine Anstalten erschöpft zu wirken, im Gegensatz zu dem Panzaeron, das liegen blieb. Der Countdown wurde runter gezählt und der Trainer nahm den Ball von seinem Gürtel ab. Doch Stahlschnabel schaffte es nochmal auf seine Beine. Ein stählerner Schrei. Seine Glieder zitterten. Das Publikum hielt die Luft an. Der Trainer wartete ab. Auch das Garados wirkte nun schwächer, immerhin hatte es aufgehört wie wild anzugreifen. Würde es noch mehr Blut verlieren, würde es bald in Ohnmacht fallen. Mit weit ausgebreiteten Flügeln drohte das Panzaeron dem Garados. Das Garados ließ sich davon jedoch nicht einschüchtern und öffnete sein Maul. In seinem Rachen sprudelte das Wasser hervor und wurde formte sich zu einer mächtigen Hydropumpe.
Für den Trainer lief alles wie in Zeitlupe ab, die Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Die Zuschauer waren fast alle verstummt. War es das wert?
„Nein!“, rief der Trainer plötzlich und hob in einer schnellen Bewegung den Arm. Er zog Stahlschnabel in der letzten Sekunde zurück und die Hydropumpe traf den Boden. Dreckklumpen flogen auf und eine feuchte Mulde wurde hinterlassen.
Die Zurufe und die Pfiffe nahm der junge Mann kaum wahr. Er hatte seine Augen geschlossen und seinen Arm ausgestreckt, welchen er langsam wieder sinken ließ. Seine Hand umklammerte feste und zitternd den Ball. Auf der Tafel seiner Seite, wurde der letzte Ball gestrichen und in dem Kasten, wo soeben noch die Portraits seiner Monster waren, erschien der Schriftzug „Verlierer“. Der Schiedsrichter wedelte mit seinen Händen.
„Wahnsinn! Wie es scheint wurde der Kampf aufgegeben!“, plapperte der Moderator schnell.
Nun ging auch das Garados zu Boden. Doch Ricarda war zu sehr mit sich selbst und ihren Zurufern beschäftigt, als ihr Monster zurück zu ziehen. Sie musste erst vom Moderator aufgefordert werden, bis sie es tat. Der Schiedsrichter ging in schnellen Schritten ihr Podest hoch und riet ihr die Pokémon dringend ärztlich Versorgen zu lassen.
Der Trainer hatte seine blauen Haare wieder in sein Gesicht fallen lassen und blickte auf den Turboball in seiner rechten Hand. Ricarda rief ihm irgendetwas etwas mit „Feigling und Verlierer“ zu, das er nicht richtig verstand, aber es war ihm auch egal. Ein Großteil des Publikums verblieb still. Einige seiner Fans hatten ihre Hände an den Mund gehoben, andere heulten, manche schwenkten weiter mit ihren Fahnen und Schildern. Ein dicker Kloß bildete sich gefühlt in seinem Hals.
„Wir waren so nah dran“, murmelte er. Plötzlich gab es vereinzelt Applaus, der das ganze Publikum ansteckte mit zu klatschen.
„SEFFE – SEFFE – SEFFE“, ertönte es in der Meute. Langsam blickte der junge Mann auf und der Applaus wurde immer lauter. Mit glänzenden Augen ging er in ein breites, entschlossenes Lächeln über.

Eine junge Frau saß im Schneidersitz am Ende ihres Bettes, legte die Chipstüte bei Seite und zwirbelte eine rote Haarsträhne um ihren Finger, ehe sie die Strähne hinter ihr Ohr kämmte.
„Schade, er hätte den Sieg irgendwie verdient. Auch wenn mich sein Gengar gruselt“, sagte sie zu ihrem Pixi, das traurig piepte. Die Rothaarige zuckte mit den Schultern und machte den Fernseher aus.

Durch den Vertania Wald
Es war Nachmittag. Er lief durch den Vertania Wald und würde hoffentlich bald die gleichnamige Stadt erreichen. Sein Ziel Alabastia kam erst danach. Der junge Mann hatte seine saphirblauen Haare notdürftig zur Seite gekämmt. Der kühle Wind ließ ihn frösteln und er zog erst den Reißverschluss seiner grauen Kapuzenjacke und dann den seiner schwarzen Lederjacke zu. Trotz allem bekam er eine Gänsehaut.
Er hatte die Strecke unterschätzt und war nur gelaufen, weil er Busfahren hasste. Seine Transport-Pokémon waren von den Kämpfen noch zu erschöpft, als dass er auf ihnen hätte reiten können. Seufzend ließ er seinen Kopf hängen und der Wind zog ihm in den Nacken, worauf er sein Halstuch, mit dem Hahnentrittmuster, enger zog. Der Rucksack wurde auf seinem Rücken immer schwerer und er stöhnte, denn seine Füße fühlten sich ähnlich an. Dazu kam das Hungergefühl. Er hätte das nächste Pokémon Center wahrscheinlich schon erreicht, wenn er nicht den potenziellen Herausforderern ausgewichen und somit vom Weg abkommen wäre. Genervt pustete er sich seine blauen Haare aus dem Gesicht und drückte ein paar Zweige zur Seite, um sich weiter durch das Dickicht zu kämpfen. Schlechte Laune stieg mehr und mehr in ihm auf. Er zog seinen Pokédex aus der Tasche, klappte das schmale Gerät auf und drückte länger auf den Startknopf. Immer fester und noch fester, doch nichts tat sich.
„Wenn der verdammte Akku von meinem scheiß Pokédex nicht immer so schnell leer wäre, wäre ich hier schon längst draußen!“
Er zog seine Brauen zusammen und hob seinen Arm. Als er ernsthaft mit dem Gedanken spielte den Pokédex gegen einen Baum zu werfen, hörte er ein Rascheln und blickte sich verwundert um. Wurde er beobachtet? Langsam ließ er seinen Arm sinken, doch konnte niemanden erkennen. Mit einem Seufzen wollte er weiterlaufen, als ein Pokéball an seinem Gürtel auf ging und die Silhouette des Gengars vor ihm erschien. Der Trainer blickte in die kleinen, ausdruckslosen Augen seines Geist-Pokémons - das Gengar konnte seine Gestalt nach belieben anpassen und diese war wirklich nicht seine Schönste.
„Was ist los, Spook?“, fragte er und der Mund des Pokémons formte sich langsam zu einem nahezu riesigen Grinsen. Der Trainer ließ bei seinem Anblick eine Augenbraue langsam in die Höhe wandern und schüttelte leicht den Kopf. Er fand das Gengar schon lange nicht mehr so furchteinflößend wie andere. Dazu hatte er das Monster zu lange an seiner Seite.
Das wollte ich dich gerade fragen, Trainer. Du bist doch sonst nicht so unausgelastet. Könnte es an deinem knurrenden Magen liegen? Wir haben uns nicht etwa wieder verlaufen? Oder warte: Du hast dich nicht etwa wieder verlaufen?, ertönte die verzogene Stimme in den Gedanken des jungen Mannes.
„Spook, nerv mich nicht.“
Er warf seinen Blick nach oben. Die Tannen des Waldes waren so hoch gewachsen, dass sie kaum Licht durch ließen.
Dem Gengar verging das Grinsen und sein Blick wurde finster.
Hast du immer noch schlechte Laune, weil du deinem gesetzten Ziel im Hypercup nicht gerecht wurdest?
Der Geist schwebte vor seinem Trainer und drehte sich in der Luft kopfüber, um ihm tief in die Augen zu blicken. Der Mann atmete langsam ein und wieder aus.
„Dir geht die Niederlage doch genau so wenig aus dem Kopf wie mir. Und jetzt geh beiseite.“
Spook verschränkte seine Arme.
Ich habe Hunger, Trainer. Ich könnte einfach deine Seele verspeisen.
„Natürlich, Spook. Das nimmst du dir auch immer wieder auf´s Neue vor.“
Für ein paar Sekunden sahen sich beide einfach nur an, dann ging sein Trainer an ihm vorbei.
„Weißt du wie es hier raus geht?“
Das Gengar drehte sich wieder richtig herum und schwebte mit schlaff hängenden Armen und Beinen hinterher ihm her.
Was fragst du mich das? Immerhin kann ich nicht verhungern.
„Schweb nach oben und schau wo´s hier raus geht?“
Nö.
Sein Trainer blickte über die Schulter. Mr. Spook hatte sich wieder zu Luft aufgelöst.
„Idiot“, murmelte er und schüttelte den Kopf. Er wandte sich um und wollte weiter gehen, da gucke er in große, blutunterlaufene Augen. Das Gengar grinste ihn irre an und war ihm so nah, dass er dessen kalten Atem spürte. Er zog seine Brauen zusammen und drückte den Geist an der Stirn weg von sich.
„Du hast wieder nur Mist im Kopf, Spook. Wenn du nichts Sinnvolles beizutragen hast, verschwinde wieder in deinem Ball!“
Mr. Spooks Schultern bebten, als er leise kicherte und streckte seine Zunge heraus. Da hörten sie eine Stimme. Eine Frauenstimme. Beide stockten und blickten in die gleiche Richtung, ehe sie in diese gingen. Der Mann rümpfte die Nase, ein übel riechender Geruch wurde immer stärker. Und tatsächlich: dort stand eine junge Frau. Als sie sich umdrehte verschwand das Gengar schnell. Die Frau hatte lange, gewellte Haare, deren knallrote Farbe in den paar Sonnenstrahlen, die der Wald durchließ, schimmerte. Sie erschrak leicht, als sie den anderen erblickte. Der Trainer hob eine Braue und schätzte sie auf höchstens 20 Jahre.
„Oh, hallo, tut mir leid. Ich wollte dich nicht erschrecken.“
Er hob zur Begrüßung kurz seine Hand, ehe er ein charmantes Lächeln aufsetze und seine Brauen schief legte. Doch sogleich verzog sich seine Mine wieder, irgendwas roch hier extrem streng und bitter, es konnte doch nicht von dem Mädchen kommen. Oder doch?
Die junge Frau formte ihre Lippen zu einem kleinen Punkt, während sie aufstand und ihre Haarpracht mit einer Kopfbewegung nach hinten warf. Sie verschränkte die Arme und blickte den Größeren skeptisch an. Er irrte hier schon länger im Wald herum. War das wirklich der Typ mit den blauen Haaren aus dem Hypercup, der als Trainer der Herzen ausgezeichnet wurde? Innerlich rollte sie mit den Augen. Andere Mädchen in ihrem Alter wären wahrscheinlich dahin geflossen, doch sie ließ sich nicht so schnell beeindrucken.
„Sag mal, schleichst du dich immer von hinten an andere heran?“
Der junge Mann hatte seinen Blick an ihr hoch und runter wandern lassen. Sie hatte tolle Beine, die sie mit ihrer Strumpfhose, die bunt gekringelt war, besonders betonte. Wobei ihre schwarzen, abgenutzen Boots ein paar Nummern zu groß wirkten. Ihr olivgrüner Mantel war geschlossen, weit geschnitten und so lang, dass er nicht erkennen konnte, ob sie darunter einen kurzen Rock oder Hose trug. Der Trainer hob mit einem frechen Grinsen eine Augenbraue, was ihn durchaus etwas arrogant wirken ließ und sprang einen kleinen Absatz herunter. Doch auch jetzt wo sie ebenerdig standen, war er noch knapp einen Kopf größer als sie.
„Ich wollte nur nachsehen, woher die Selbstgespräche kommen.“
Die Rothaarige hatte seine Blicke bemerkt und tat das selbige. Mit ihren stechend-grünen Augen musterte sie ihn von oben bis unten. Seine Figur war schmal und sportlich, sein Kleidungsstil leger. Er trug zu seiner Lederjacke eine dunkle, abgenutzte Jeans und gelbe Chucks. Der übergroße Rucksack auf seinem Rücken war nicht zu übersehen. Jetzt wo sie nur noch knapp ein ein-halb Meter voneinander entfernt waren, erkannte sie, dass er Tunnel in den Ohrläppchen trug sowie ein schmales Septum-Nasenpiercing. Es war tatsächlich der Typ aus dem Hypercup.
„Selbstgespräche? Das sagt ja wohl der Richtige! Du bist echt komisch“, sagte sie und rümpfte die Nase. Der andere guckte sie kurz finster an und biss feste die Zähne aufeinander, ehe sich seine Miene wieder entspannte.
„Ich habe mit meinem Pokémon diskutiert.“
„Ein Pokémon diskutiert nicht.“
Er rollte mit den Augen. „Wenn du wüsstest.“
„Ich habe auch kein Pokémon gesehen. Nur dich.“
„Moment mal! Du hast mich beobachtet?“ Er hob seine Brauen in die Höhe, ehe er sich erneut um sah. Der Geruch wurde schwächer, aber lag immer noch in der Luft.
„Ich hab dich hier nur rum irren sehen, als ich auf dem Weg zu dem Duflor war.“
Der Trainer schob nachdenklich seine Brille die Nase hoch. Das erklärte endlich den strengen Geruch.
„Du sagst ich bin komisch und redest selber mit einem Duflor.“
Sie stemmte ihre Hände in die Hüften und verengte ihre Augen.
„Ja, ich brauchte seinen Saft.“
„Du meinst seine Sabber.“ Der Größere verschränkte seine Arme und für ein paar Sekunden entstand eine Stille. Dann tat er eine schweifende Handbewegung.
„Wie dem auch sei, kannst du mir helfen, aus dem Wald zu kommen?“
Die junge Frau legte ihre Augenbrauen schief und fing an eine Haarsträhne zu zwirbeln, worauf der andere seufzte.
„Bitte, ich hab mich verlaufen.“
„Das tut mir leid für dich.“ Sie zuckte mit den Schultern und wandte sich ab.
„Hey, warte! Bist du immer so unfreundlich?“
„Hast du keinen Pokédex?“
„Ich... doch, aber“, er stockte kurz und schüttelte den Kopf.
„Der Akku ist leer.“
„Dann hättest du wohl weniger damit spielen sollen.“ Wieder wandte sich die Frau zum Gehen ab und ließ den anderen mit offenem Mund stehen. Doch der gab noch nicht auf.
„Ok, du hast schlechte Laune, das hab ich jetzt verstanden. Aber kannst du mir nicht wenigstens die Richtung nennen?“
„Ein Trainer wie du, sollte es doch wohl alleine aus diesem Wald schaffen.“
„Was? Du kennst mich doch gar nicht.“
„Na, klar. Du bist der Typ aus dem Hypercup. Dritter Platz. Seffe oder so. Einen komischen Namen hast du auch noch.“
Seffe lachte kurz gestellt auf.
„Ja, das bin ich wohl. Was aber trotzdem nicht heißt, dass du mich kennst und ich mich nicht auch verlaufen kann.“
Verlaufen ist einer seiner Stärken, konnten beide in Ihren Gedanken hören, darauf folgte ein Kichern.
„Sehr lustig, Spook. Danke“, sagte Seffe und blickte sich um, ob er den Geist irgendwo sehen konnte. Die junge Frau sah sich verunsichert um und verzog ihr hübsches Gesicht.
„Ich muss dich nicht weiter kennen. Du magst vielleicht gut kämpfen, aber jeder der ein Gengar als Partner hat ist ein Freak. Die Partner-Pokémon sagen viel über den Charakter des jeweiligen Trainers aus. Und jetzt lass mich in Ruhe.“
Seffe hob bei den harten Worten ungläubig seine Brauen.
„Von mir aus: Dann bin ich halt ein Freak, weil ich ein Gengar an meiner Seite habe. Aber zeig mir doch wenigstens die Richtung, in die ich gehen muss, um nach Vertania zu kommen.“
Die junge Frau drehte sich nachdenklich zu ihm.
„Von mir aus könntest du hier mit deinen Pokémon im Wald verrotten! Aber ich will auch nicht, dass hier ein Geist im Wald rumspukt.“
Seffe blinzelte sie fassungslos an. Ihre niedliche Erscheinung hatte ihn getäuscht und ohne etwas dafür getan zu haben, hasste sie ihn scheinbar.
„Aber vorher“, sagte sie mit erhobenem Finger, „will ich gegen dich kämpfen. Wenn du gewinnst zeige ich dir den genauen Weg und bringe dich zum Pokémon-Center. Wenn nicht, zeige ich dir nur die Richtung.“
Er rollte mit den Augen und stöhnte leise.
„Echt jetzt? Erst willst du mich so schnell wie möglich los werden und jetzt willst du meine Begleitung zum nächsten Pokémon Center sein?“
Die andere verzog ihre Brauen.
„Wie kommst du denn da drauf?“
„Ganz einfach“, sagte Seffe, ließ seine Brauen sinken und ging in ein selbstsicheres Grinsen über.
„Ich werde gewinnen.“
Die Jüngere verzog ihren Mund.
„Ich hab deine schlechte Laune jetzt lange genug ertragen, lass uns anfangen“, sagte er in kühlem Ton und hob sein Kinn leicht an. In dem Moment kam Nebel hinter ihm auf, aus dem sich die Silhouette des Gengars Formte. Es öffnete seine roten Augen und entblößte mit seinem unnatürlich breitem Grinsen seine spitzen Zähne, dann streckte es seine Zunge mit einem Lachen heraus und war komplett materialisiert. Die junge Frau erschauderte bei dem Anblick kurz und trat ein paar Schritte zurück, worauf Seffe kurz lachen musste.
„Aber nicht, dass du dann plötzlich Händchen halten willst, weil du Angst vor Mr. Spook hast.“
Sie verengte die Augen. Seine Monster sollten von dem Cup noch geschwächt sein, ging ihr durch den Kopf. Endlich hatte sie mal einen Gegner und keinen Käferfreak, dessen Team sie mit ihren Monstern einfach platt walzte.
„Na warte“, knurrte sie und holte einen Ball aus ihrer Manteltasche.
Dem anderen verging sein süffisantes Grinsen nicht. Er hatte die Vermutung, dass sie nur blöffte.
„Also Seffe: Zwei Runden, Monster gegen Monster. Das erste, das wir wählen, darf nicht mehr getauscht werden. Ein Tausch gilt als Niederlage. Es wird also nicht gewechselt und solange gekämpft bis ein Pokémon k.o. ist. Dann kann man sich zu einem Wechsel entscheiden oder mit dem Pokémon weiter kämpfen. Bei einem Gleichstand wird noch ein Kampf ausgeführt.“
„Hast du heute einen schlechten Tag oder so?“, fragte Seffe abgewandt und steckte sich einen Kaugummi in den Mund. Mr. Spook hinter ihm kicherte.
„Los, spiel dein erstes Monster aus, meine Wahl kennst du bereits.“
Gengar schwebte vor seinem Trainer. Es ging in Kampfposition und stieß ein schrilles Lachen aus, das im Wald verhallte. Die junge Trainerin verzog das Gesicht und schnaufte. Doch innerlich grinste sie in sich hinein, immerhin bot er ihr die Stirn und zog nicht einfach ab, wie die meisten anderen Typen. Dann schmiss sie ihren Ball in die Höhe. Der rosafarbene Ball hatte ein Herzchen aufgeklebt und öffnete sich. Ein pinker Energiestrahl formte die Silhouette ähnlich die des Gengars. Ein blass-rosanes Pixi stand nun im gedachten Kampfkreis. Es blinzelte und piepte, hob dann unschuldig einen Finger an den Mund. Es hatte anstelle der teuflischen Hörner, niedliche, lange Öhrchen, mit dunkleren Spitzen. Anstelle der Stacheln auf dem Rücken hatte es feenartige Flügel.
Kurz lachte Seffe auf, als das Gegenstück des Gengars vor ihm stand.
„Okay – Ladys first.“
Er lächelt charmant, als ob er ihr irgendwelche Chancen zum Gewinnen lassen würde. Die Trainerin hob die Hand.
„Ayla, setz deinen Charme ein und danach Bitterkuss!“
„Pass auf, dass du dich nicht verliebst, Mr. Spook“, sagte Seffe und lachte, während er den Kopf schüttelte.
Das Gengar blickte seinen Trainer darauf hin nur mit verengten Augen an und streckte Pixi seine Zunge weit heraus. Spook ließ sich von dem Charme des Pixis nicht im Geringsten beeinflussen, angeekelt ging er ein paar Schritte zurück und als das Pixi nah genug bei ihm war und ihn küssen wollte, verschwand er im Boden. Hinter dem rosafarbenen Pokémon tauchte der matschige Schatten wieder auf und Spook kam heraus. Er tat einen angewiderten Ton, umarmte sich selbst und schüttelte sich. Das Pixi wandte sich verwirrt zu ihrer Trainerin, welche nun sichtlich wütend wurde und Seffe musste erneut auflachen. Plötzlich verstummte er und verschränkte seine Arme, in dem Moment ging von dem Gengar eine kurze, dunkle Druckwelle aus. Die Tannen erzitterten und es kam Wind auf. Die Dunkelheit schien die restliche Nachmittagssonne zu fressen und es wurde schlagartig kälter. Die junge Trainerin verzog ihre Brauen und fröstelte. Auch Ayla fühlte sich sichtlich nicht wohl und verzog tapfer das Gesicht. Das Geist-Pokémon formte in seinen Händen einen Ball, der tiefviolett leuchtete. Das Gesicht des Gengars verformte sich gruselig, es bekam kleine stierende Augen und spitze Zähne. Das Pixi blickte seinen Gegner wie gebannt an, da schoss der Geist den Spukball ab.
„Nein, weich aus Ayla!“, rief die Trainerin und das Pixi sprang zur Seite. Seffe lächelte gefährlich, da schrie das Gengar laut auf und lenkte den Spukball um. Das Pixi drehte sich bei dem Schrei um und sah die Kugel auf sich zu kommen. Der Fee blieb nichts anderes mehr übrig, als schützend ihre Pfoten vor sich zu halten. Die Trainerin schrie ebenfalls auf und ihr Pokémon versuchte standhaft zu bleiben, indem es die Wucht des Spukballs abfing. Seffe zog seine Brauen zusammen und das Gengar konnte sich ein irres Lachen nicht verkneifen. Die Kugel, die gerade zu verblassen schien, glühte nun wieder auf sowie auch die Augen des Geistes und das Pixi wurde schließlich umgestoßen. Es blieb kurz liegen und blickte auf seine Pfoten, sie brannten und bitzelten zugleich. Das Pixi schüttelte sich und sprang wieder auf.
„Ist alles okay, Ayla?“, fragte die Trainerin. Sie hatte ihre Hände geballt und sah von ihrem Pokémon zu dem Trainer mit den blauen Haaren. Er hatte seine Arme verschränkt und hielt ihrem Blick stand, sein süffisantes Grinsen verging ihm nicht. Das Gengar fing laut an zu lachen, wobei es tief in seinen Mund blicken ließ. Die nun spitzen Zähne liefen seinen kompletten Rachen herunter. Die junge Frau erschauderte und auch das Pixi blickte den Geist nur mit großen Augen an. Vielleicht war ihr Gegenüber doch etwas zu stark für sie. Das Gengar schwebte zwei Meter über dem Boden und hatte dabei einen mindestens genauso selbstgefälligen Blick wie sein Trainer aufgesetzt.
„Psychokinese“, sagte Seffe ruhig, aber bestimmt und durchbrach die Stille. Sofort hob Mr. Spook seine Hände und wackelte mit gekrümmten Fingern in der Luft herum, dabei leuchteten seine Augen gefährlich. Ayla wurde wie aus Geisterhand hoch gehoben. Sichtlich versuchte sie dagegen anzukämpfen, doch das Feen-Pokémon war in seinen Fängen. Seffes Blick war finster und er sah konzentriert auf seinen Partner. Langsam hob er eine Hand und ballte sie im nächsten Moment zur Faust. Mr. Spook tat genau das Gleiche und das Pixi schrie laut auf. Das Mädchen hob beide Hände vor den Mund und schüttelte leicht den Kopf.
„Nein, Ayla! Halte durch! Versuch dich zu befreien!“
Das Pixi schrie voller Schmerzen erneut auf und ein paar Tränen rollten über seine zarten, rosafarbenen Wangen. Ayla zappelte und kämpfte gegen die Psychokinese an. Doch Spook ließ nicht locker und bis Seffe mit einer Handbewegung einen „Cut“ machte. Das Gengar verengte seine Augen und Ayla fiel zu Boden. Der jungen Frau standen wie ihrem Pokémon die Tränen in den Augen
„Ayla. Es tut mir so leid“, sagte sie und hob den Ball, da stand das Pixi wieder auf. Es wischte sich die Tränen weg und strotzte dem Gengar mit einem schrillen Schrei. Seffe kniff dabei kurz ein Auge zu und Mr. Spook schüttelte sich.
„Wenn das so ist. Setz dem ein Ende, Spook.“
Seffes Zusammenspiel mit Spook war so einnehmend, dass die Rothaarige nur noch mit offenem Mund zuschauen konnte. Der Geist fing erneut an eine leuchtende Kugel zu formen und feuerte sie ab. Da weitete die Trainerin ihre Augen.
„Komm ihm zuvor! Psychoschock!“
Das Pixi holte in einer schnelleren Bewegung als ihr Gegner aus, faltete die Hände und schoss daraus einen pinken Strahl ab, der durch den Spukball hindurch ging. Erstaunt sprang Seffe einen Schritt zurück, als Mr. Spook getroffen wurde und an ihm vorbei flog. An einem Baum fand sein Partner Halt und fiel ein paar Meter nach unten durch die Tannenäste, ehe er verschwand. Das Gengar tauchte neben Seffe auf und schnappte ein paar mal nach Luft. Sein Trainer blickte ihn nur mit erhobenen Brauen an. Vorwurfsvoll wanderten Spooks Pupillen zu Seffe, der sich schüttelte und die Schultern hob.
„Ja, `Tschuldigung. Ich hab das auch nicht geahnt“, sagte Seffe und die Trainerin nutze ihre Chance.
„Erholung, Ayla!“
Das Pixi war schon ziemlich am Ende. Es konzentrierte sich kurz und fiel in den Schlaf. Seffe und Spook blickten gleichzeitig auf das Feen-Pokémon, da hob Seffe einen Mundwinkel.
„Du hattest doch Hunger, Spook.“
Die Augen der jungen Frau weiteten sich.
„Boah! Nein, nicht Traumfresser! Ihr seid so hinterhältig!“
Sie stampfte mit dem Fuß auf und das violette Pokémon lachte schrill. Auf dem Weg zu Pixi wurde es zu Nebel und ließ sich in nur einen Atemzug inhalieren.
„Das nenne ich mal Eigentor!“, sagte Seffe. Die Trainerin schüttelte ruckartig ihren Kopf, dabei flogen ihre langen roten Haare um sie herum.
„Nein! Ayla wach auf!“, schrie sie. Doch es war zu spät. Das Pixi hatte das Gesicht verzogen und nieste das Gengar wieder aus. Dabei wurde es wach und blinzelte verwirrt. Das Gengar saß direkt vor dem Pixi und grinste es irre an, während es sich über seinen Bauch rieb. Ayla blickte von Spooks spitzen Zähnen auf, in seine fiesen Augen. Plötzlich fing sie an laut zu schreien. Sie kroch ein Stück rückwärts und rannte zu ihrer Trainerin, um sie wimmernd zu umarmen. Die junge Frau streichelte dem Pixi über den Kopf.
„Alles wird gut, Ayla. Ich bin bei dir.“
Ihr Pokémon zitterte wie Espenlaub und traute sich nicht mehr das Gengar auch nur an zu schauen. Mit stechendem Blick sah die Trainerin zu Seffe, der nur unschuldig mit den Schultern zuckte.
„Ich würde sagen: Dein Pixi ist kampfunfähig.“
Ein wenig leid tat es ihm ja schon, aber sie hatte es verdient. Das Gengar tauchte schwebend hinter ihm auf und grinste. Dabei schwankte es von links nach rechts und wieder zurück. Sein Gesicht war nur nicht mehr halb so gruselig, wie gerade eben. Die Zähne waren nicht mehr spitz und seine Augen groß und unschuldig. Das Mädchen funkelte den Trainer und sein Pokémon an. Dann schüttelte sie ihren Kopf.
„Du hast die erste Runde verloren“, sagte Seffe mit fiesem Grinsen.
„Und weil ich nett bin und Tränen bei Mädchen so schlecht ertragen kann, werde ich Mr. Spook austauschen.“
Die Rothaarige hatte das Pixi zurück in ihren Ball gezogen.
„Dass Ayla verloren hat, war nur Pech! Sie ist ein gutes Pokémon!“, sagte sie mit zittriger Stimme. Die Niederlage stand ihr zuvor, aber einfach aufgeben würde sie auf gar keinen Fall.
„Dein Pixi ist mit Sicherheit ein sehr gutes Pokémon, aber dass wir nur Glück hatten stimmt nicht.“
Seffe sah gen Himmel und tippte mit den Fingern nacheinander die Bälle an seinem Gürtel an. Er zählte sie ab und überlegte.
„Du magst es niedlich und nicht gruselig. Lass überlegen. Was habe ich denn da für dich im Angebot?“
Mr. Spook verzog beleidigt sein Gesicht. Er wurde einfach eingetauscht und war noch voller Energie. Plump ließ er sich neben seinem Trainer auf den Po fallen. Die Trainerin verzog ihren Mund. Was führte er im Schilde? Sie erinnerte sich an kein niedliches Pokémon in seinem Team. Seffe fing schließlich wieder an zu grinsen und hielt den ausgewählten Ball in die Höhe. Ein stinknormaler Pokéball der schon ziemlich mitgenommen aussah. Ihn zierten Dellen und Kratzer.
„Das ist mein erstes Pokémon, was ich bekommen habe!“
Der Blick der jungen Frau wurde skeptisch. Die meisten Pokémon entwickelten sich später und waren dann nicht mehr annähernd so süß wie vorher. In dem Moment öffnete sich auch schon der Ball. Ein gelber Energiestrahl und eine Silhouette die verhältnismäßig klein blieb kamen zum Vorschein.
„Pi“, hauchte das kleine Wesen. Es saß mit dem Rücken zu der Trainerin, die erst nur ein gelbes Fell erkannte und eine gezackte Rute, die in einer Herzform endete.
„Da vorne spielt die Musik, Zitrone“, sagte Seffe und zeigte zur Trainerin, ehe er die Arme verschränkte. Gengar rollte mit den Augen. Das Pikachu ignorierte das Geist-Pokémon gekonnt und schmunzelte seinen Trainer an, welcher schließlich zurück lächelte.
Die Farbe des Elektro-Wesens tat fast schon in den Augen weh, so neongelb war es, das Pikachu wandte sich um und zupfte an seinem Ohr. Dann blinzelte es die rothaarige Trainerin an, die verdattert drein sah.
„Okay, das Kleine ist echt süß“, sagte Sie leise und es würde ihr auch leid tun, jetzt gegen das Pikachu zu kämpfen. Doch daran führte kein Weg vorbei und sie hatte auch schon eine Idee wie sie den Elektronager mit Sicherheit besiegen konnte.
„Gut, du hast gewählt. Dann bist jetzt du dran, Fridolin!“ Der Ball kam fast auf dem Boden auf, als er das Pokémon freigab und zurück schnallte. Seffe verzog seine Augenbrauen, als er den rosafarbenen Energiestrahl erblickte.
„Du weißt aber schon, dass wir hier keinen Putzigkeits-Wettbewerb gestartet haben, sondern käm...“ Das letzte Wort konnte er nicht mehr ganz aussprechen, als sich ein Nidoking vor dem Pikachu aufbaute.
„Scheiße, ist das groß“, murmelte er und fasste sich an den Hinterkopf. Das Nidoking war gewaltig und überragte sogar seine Größe von 186 cm. Allerdings war es dunkelrosa. Das gelbe Monster neigte seinen Kopf zur Seite und wackelte mit dem Ohr.
„Pi“, hauchte das Pikachu erneut und kleine elektrische Blitze kamen aus seinen magentafarbenen Wangen. Das riesige, gepanzerte Monster schleuderte seinen nashornähnlichen Kopf von einer Seite zur anderen. Seine Stirn zierte ein großes Horn, aus dem Gift heraus kommen würde, wenn es traf. Es stand auf zwei kräftigen Beinen und mit einem scharrte es über den Boden, während es seine pfotenähnlichen Hände ballte. Es hatte einen kräftigen und ebenfalls gepanzerten Schwanz, der dem eines T-Rex` ähnelte. Sein Hauptelement war Gift, sein Zweitelement Boden. Das Nidoking schnaubte und schrie so laut, dass es durch den ganzen Wald hallte und einige Vogel-Pokémon ängstlich aus den Büschen und Tannen flogen.
„Na dann, auf in den Kampf“, sagte Seffe, dessen Miene nun ernst war. Die Kleine hatte extra abgewartet und spielte jetzt das Nidoking mit dem Element-Vorteil aus, um ihn in der Runde schnell Schach matt zu setzen. Die junge Frau grinste ihn siegesgewiss an und das Nidoking brüllte erneut. Zitrone saß dabei nur ein paar Meter von dem Riesen weg und tat so, als würde es sie alles nichts angehen. Dann wischte sie sich mit den Pfötchen noch drei Mal durchs Gesicht und ging in Kampfposition. Kurz blickte sie zu Seffe, der ihr nur zu nickte.
„Mal schauen wie lange mein Nidoking dein Pikachu noch kalt lässt“, sagte die Trainerin und warf mit einer Handbewegung ihre lockige Haarpracht zurück.
„Los Frido, Hornattacke!“
Gegen Ende wurde sie immer lauter und das Nidoking setzte sich schwerfällig in Bewegung. Immer schneller werdend, rannte es auf das Pikachu zu, dabei bebte die Erde. Es senkte seinen Kopf und zielte mit dem Horn. Zitrone stand angespannt auf allen Vieren und funkelte das riesige Pokémon an. Ihre Ohren waren in Richtung ihres Trainers gedreht. Seffe wartete den Moment ab.
„Weich aus mit Ruckzuckhieb – jetzt!“, sagte er und bei dem finalen „Jetzt“ sprang das Pikachu hoch. Nidoking rammte mit seinem Horn in den Boden und zog eine lange Kuhle.
„Das wäre wahrscheinlich ein K.o.-Treffer gewesen“, sagte Seffe, „Aber so leicht sind wir nicht zu besiegen!“
Als Zitrone wieder runterkam, stieß sie sich von dem Kopf des großen Pokémon ab und war nun einige Meter von diesem entfernt. Nidoking riss seinen Kopf in die Höhe und schrie laut auf. Die Trainerin schnaufte.
„Erdbeben, Frido!“
Der Riese hob einen Fuß in die Höhe und stampfte feste auf. Der Boden bekam einen Riss, der schnell in die Richtung des Pikachus wanderte. Seffe und die Trainerin gingen bei dem starken Beben in die Hocke. Gengar hob sich in die Luft und applaudierte schnell, er hatte seine Zunge weit heraus gestreckt und stieß ein paar Mal ein verzogenes Lachen aus.
„Agilität, Zitrone! Du musst an Abstand gewinnen! Komm ihm nicht zu nahe!“, rief Seffe und das Elektrowesen hüpfte im Zickzack davon, bis die Erde aufhörte aufzureißen. Die Trainerin ballte die Fäuste.
„Los, nochmal Hornattacke, diesmal trifft du es!“
Gleich wieder setzte sich das schwere Monster in Bewegung und rannte auf Zitrone zu. Die Augen des Pikachus weiteten sich und es sah zu Seffe. Es war sich dem Typen-Nachteil und der Kraft von Nidoking durchaus bewusst, doch nur Ausweichen wäre auch keine Taktik.
„Renn um es herum!“, rief Seffe und und schmiss den Rucksack neben sich. Das neongelbe Wesen tat das Gesagte und aus seinen magentafarbenen Wangen kamen kleine Blitze hervor. Es lud sich immer mehr auf. Fridolin brach seine Attacke ab und stockte, er drehte sich um seine eigene Achse, doch das kleine Wesen war zu schnell, als dass er es mit seinem Horn erwischen konnte. Die Trainerin zog die Brauen zusammen.
„Mist!“, stieß sie aus. Der Typ holte echt alles aus seinem Pikachu heraus. Doch die Donnerattacken würden bei Fridolin wirkungslos sein. Das Nidoking brüllte mehrmals und versuchte immer wieder das Pikachu mit seinem Horn zu erwischen. Doch jedes Mal, wenn es ausholte, sprang das kleine Monster einfach herüber oder duckte sich darunter hinweg. Zitrone hatte ihre Endgeschwindigkeit erreicht, so schnell wie sie um das Nidoking herum wirbelte, konnte dieser gar nicht gucken. Schließlich ließ Fridolin nach. Er war durch das Drehen sichtlich verwirrt und strauchelte leicht.
„Frido, Erdbeben!“, schrie die Trainerin so laut, dass ihre Stimme fast abbrach. Zitrone blicke immer wieder zu ihrem Trainer, der nun seine Hand hob und eine Handkante nach unten andeutete. Das Pikachu verstand und sprang nach oben, als das Nidoking nun mit beiden Füßen auf der Erde trampelte. In der Luft machte Zitrone einen Purzelbaum und ihr gezackter Schweif fing metallisch an zu glänzen. Das Gengar lachte und klatschte laut, als das Nidoking mit dem Eisenschweif im Nacken getroffen wurde. Kurz stockte der rosafarbene Riese und wandte sich um. Verwirrt blickte Fridolin hin und her, doch konnte das Pikachu nirgends sehen. Da spürte er plötzlich etwas seinen Rücken hoch laufen.
„Beiß ihm ins Ohr!“, sagte Seffe und konnte sich ein kurzes Lachen nicht verkneifen. Die Rothaarige schüttelte den Kopf. Fridolin müsste nur einmal einen Treffer landen. Doch genau das war das Problem: Das Pikachu zu treffen. Zitrone hing an dem Ohr des Nidokings und hatte sich darin verbissen. Fridolin fuchtelte herum, doch bekam sie nicht herunter geschmissen. Als sie ihm auch dort, wo keine Panzerung im Nacken war, hinein biss, schrie er auf.
„Es reicht! Fridolin, Giftstachel!“
Das Nidoking grollte tief und die Giftnadeln an seinem Rücken und Nacken hoben sich.
„Kaaaaa!“, schrie das kleine Pikachu und sprang von dem Riesen ab.
„Mist!“, stieß Seffe aus, Zitrone war vergiftet.
„Eisenschweif und weg da mit dir!“
„So schnell nicht! Nochmal Hornattacke, Frido!“
Das Pikachu blickte nach oben und sprang hoch, um erneut der Hornattacke auszuweichen. Es drehte sich in der Luft und traf das nashornähnliche Monster mit seinem kaltem Eisenschweif genau auf der Stirn. Volltreffer! Nun brach das Nidoking zusammen und blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht kurz liegen, ehe es sich wieder aufrappelte und schüttelte. Es schnaubte schwer und visierte mit funkelndem Blick das Pikachu an. Zitrone hatte derzeit Abstand gewinnen können. Auf allen Vieren stand sie da, die Ohren ihrem Trainer zugewandt. Ihre Atmung war schnell und immer wieder stießen Blitze aus den Wangen. Seffe lächelte Zitrone an, doch in seinen Augen war auch Besorgnis zu erkennen. Zitrone war vergiftet worden, die Schrammen waren deutlich zu sehen und sie blutete leicht.
„Ist alles okay, Zitrone?“, fragte er sein Monster leise. Das Pikachu sah entschlossen zu ihm, aufgeben wollte es nicht.
„Okay, das habe ich nicht erwartet! Dein Pikachu ist echt gut. Aber mein Fridolin ist stärker!“
„Stärke ist nicht alles, um zu gewinnen“, sagte Seffe und Mr. Spook hinter ihm kicherte. Die junge Frau nahm ihre roten Haare auf die Seite.
„Wir werden sehen. Setz Dampfwalze ein, Fridolin! Schnapp es dir und dann: Zermürber!“
Das Nidoking schnaubte, mit der einen Hand boxte es sich in die andere hinein und rannte auf das gelbe, kleine Wesen zu. Zitrones Augen weiteten sich.
„Scheiße“, stieß Seffe aus.
„Ich meine: Agilität! Gewinne Abstand, Zitrone! Viel Abstand!“
Sofort wandte sich Zitrone um und rannte wieder im Zickzack weg.
„Pi – Pi – Pi – Pi“, hechelte sie dabei. Sie versuchte das rosafarbene Riesennashorn abzuhängen, doch der Abstand zu Nidoking wurde immer kürzer. Die Rothaarige feuerte ihr Gift-Boden-Pokémon an und Seffe zog seine Brauen zusammen, dabei ballte er seine Hände. Die Vergiftung machte sich sehr bemerkbar. Bald war Nidoking nah genug an dem kleinen Monster dran und stieß sich zu einem Sprung ab.
„Vorsicht, Zitrone! Er will dich von hinten greifen! Spring – jetzt!“
Das Pikachu sprang in die Luft, währenddessen drehte es sich um die eigene Achse. Gerade so entkam Zitrone dem Griff von Nidoking, der noch ihre Rute mit der Hand streifte, sich dann jedoch auf dem Boden mit beiden Händen abstützen musste, weil er sonst auf die Nase gefallen wäre. Es war nur eine Sekunde und das Pikachu guckte in die funkelnden Augen von dem aufgebrachten Nidoking. Was sollte sie tun? Seffe griff sich an den Kopf.
„Sehr gut!“, schrie die Trainerin. „Noch einmal: Hornattacke! Dann hast du es!“
Das neongelbe Pikachu war noch immer in der Luft, es ging jetzt aber bereits wieder abwärts. Zitrone sah das Horn kommen und wand sich geschickt wie eine Katze. So bekam sie das Horn zu greifen und hielt sich daran so fest sie konnte.
„Piiiiiiiikaaaaaaaaaaa“, schrie sie laut um Hilfe.
„Das gibt’s doch nicht!“, kam es von der Trainerin. Ein amüsierter Schrei von Mr. Spook ertöne, er lachte laut und feierte die Szene. Zitrone war doch immer wieder für Überraschungen gut. Seffe hob beide Brauen und klatschte in die Hände, ehe er die Stirn runzelte. Wie weiter?
Das Nidoking bekam einen Wutanfall, es stand auf allen Vieren und schüttelte seinen Kopf wild hin und her. Mit geschlossenen Augen hing das Pikachu, wie eine Klette, an seinem Horn.
„Chuuuuu piiiii kaaaaa!“
Immer wieder wenn Zitrone ihre Augen öffnete, blickte sie in die des Nidokings. Der rosafarbene Riese schrie und schnaubte. Nun hing das Pikachu Kopf über an seinem Horn. Es sah alles verschwommen und schüttelte sich. Bald würde es keine Kraft mehr haben. Seffe Blickte ruckartig zur Seite. Irgendwas musste ihm einfallen. Sekunden vergingen.
„So wird das nichts Frido!“, sagte die Trainerin schließlich und zeigte auf einen Baum.
„Hornattacke!“
Mr. Spook schüttelte enttäuscht seinen Kopf.
„Verdammt!“, sagte Seffe. Er beobachtete, wie sich das Nidoking brüllend umdrehte und mit dem Fuß schabte. Die Hilfeschreie von Zitrone wurden lauter, sie klammerte sich voller Angst und mit geschlossenen Augen an dem Horn fest. Was könnte er ihr als sinnvollen Tipp geben, außer abzuspringen? Da hob er seine Brauen. Er brüllte so laut, dass sich seine Stimme fast überschlug um Nidoking zu übertönen.
„Donnerblitz! Auf seine Zunge!“
In dem Moment öffnete das Pikachu seine Augen wieder und die Wangen fingen an stärker zu blitzen. Sie konnte genau in den Rachen des großen Pokémons schauen und dann kam der Elektroschock.
„Chuuuuuuuuuuuuuuu!“ Stimme des Pikachus war angestrengt, sie gab ihr Bestes und entlud ihre kompletten Elektro-Ressourcen.
„Neeeeiiiin!“, rief die Trainerin im gleichen Moment, als Pikachu schrie. Gengar applaudierte wieder laut und drehte sich in der Luft im Kreis. Seffe stand angespannt da. Wie vermutet, hielt die Panzerung des Monsters Elektroattacken nur von außen ab. Das zweibeinige Nashorn schrie schmerzerfüllt auf und fiel kurz vor dem Baum schwer zu Boden. Pikachu verweilte noch ein paar Sekunden an dem Horn, ehe es blinzelte und absprang. Auf allen Vieren und mit zitternden Beinen, stand es vor dem schnaufenden Nidoking, ehe sie einen Meter zur Seite taumelte. Die Trainerin hielt eine Hand vor den Mund, dann rannte sie zu ihrem Pokémon.
„Fridolin!“
Sie ließ sich neben ihm auf die Knie fallen und streichelte über seinen Kopf.
„Du hast super gekämpft. Es war nicht deine Schuld“, sagte sie leise.
Seffe blinzelte kurz, diese Spannung zum Schluss, hatte er nicht erwartet. Da fiel auch Zitrone um und blieb jammernd liegen. Er zuckte kurz, packte seinen Rucksack und ging im Schnellschritt zu seinem Pikachu. Das Gift schadete dem Elektro-Pokémon nach wie vor. Seffe bückte sich zu dem neongelben Wesen und nahm es sanft in seine Arme. Aus dem Rucksack wühlte er ein Gegengift und ließ die grüne Flüssigkeit, des Flächleins in das Mäulchen von Zitrone laufen. Sacht strich er ihr über die weichen Wangen, die nun keine Elektrizität mehr ausstoßen konnten.
„Du bist wirklich tapfer, Zitrönchen.“
Die junge Frau schaute dem Trainer dabei mit vielsagendem Blick zu. Als Seffe aufsah, wandte sie sich schnell von ihm ab. Seffe hatte ihre Blicke nicht mitbekommen und stupste sie gegen die Schulter, dabei hielt er ihr ein Spray hin. Verwundert blinzelte sie ihn an.
„Gib ihm das“, sagte er. „Das ist ein Beleber, das baut deinen Frido vorübergehend wieder auf.“
Zögernd nahm sie das Spray an und verzog ihren Mund.
„Danke“, murmelte sie kaum verständlich. Spätestens nach diesem Kampf wurde ihr bewusst, wie viel sie noch dazu lernen konnte. Nidoking hätte eigentlich gewinnen müssen. Ein drückendes Gefühl breitete sich in ihr aus, sie hatte den Typ-Vorteil nicht richtig nutzen können. Sie schnaufte und sah aus den Augenwinkeln durch ihre Haare zu Seffe. Wie liebevoll er jetzt wirkte. Zitrone hatte mittlerweile wieder die Augen geöffnet und genoss die Streicheleinheiten. Sein Titel „Trainer der Herzen“ war schon nicht so ganz unberechtigt. Sie verzog ihren Mund, vielleicht war er ja doch ganz in Ordnung und auch sein Gengar wirkte nun gar nicht mehr so gruselig. Dann zog Seffe das Pikachu wieder in den Pokéball zurück und die Rothaarige blickte wieder zu ihrem Nidoking, das ebenfalls wieder wach wurde und seinen schweren Kopf auf ihren Schoß legte.
„Es tut mir leid, Frido. Das war echt doof. Ich werde noch mehr mit dir trainieren müssen“, sagte sie leise zu ihm. Seffe stand auf und schulterte seinen Rucksack.
„Ich würde sagen, wir brauchen beide ein Pokémon-Center. Und du wolltest mich begleiten.“ Dabei zwinkerte er sie auffällig an. Die andere zog darauf ihre Brauen zusammen, nahm das Nidoking zurück in seinen Ball und stand auf. Mit einem kurzen Nicken ging sie vor. Seffe behielt sein Grinsen und lief ihr hinterher. Das Gengar folgte seinem Trainer.
Es dämmerte bereits und zum Glück fanden sie bald auf den Weg zurück. Die Tannen warfen lange Schatten in den letzten Sonnenstrahlen. Alles war in blau-violettes Licht gelegt und bald konnten die Trainer ihren Atem sehen. Spook löste sich während dem Laufen immer wieder, wenn die beiden genug Abstand zu ihm gewonnen hatten, zu Luft auf und erschien ein gutes Stück vor ihnen. Immer und immer wieder.
„Dein Gengar nervt voll, kannst du ihm nicht sagen, dass er damit aufhören soll?“
Die junge Frau stockte, als Mr. Spook plötzlich vor ihr erschien und ihr weit die Zunge raus streckte. Seffe tat eine Handbewegung um Spook wegzuschubsen, doch seine Finger glitten nur noch durch violetten Nebel.
„Man gewöhnt sich daran.“
Grimmig blickte seine Begleitung hoch zu ihm.
„Ich mag Geist-Pokémon nicht.“
„Das erwähntest du bereits.“
Seffe gähnte leicht, er war schon lange unterwegs und war froh, bald das Pokémon Center zu sehen. Die wilden Monster suchten sich Schlafplätze und hin und wieder rannte eines schnell über den Weg, weil es von dem Gengar erschrocken und gejagt wurde. Die junge Frau sah dem Geist nur immer wieder böse nach, ehe sie strafend zu Seffe guckte. Der zuckte lediglich mit den Schultern.
„Du sagst nix dazu? Das ist nicht richtig, was dein Gengar macht! Die Pokémon haben Angst vor ihm!“
Seffe rückte seinen Rucksack an den Trägern zurecht und hob erneut die Schultern.
„Einem Gengar wird man das Spuken genau so wenig abgewöhnen können, wie einem Nidoking das Trampeln.“
Die junge Frau schnaufte leicht, dann wurde ihr Blick forsch.
„Wie alt bist du eigentlich?“
Seffe fing an leicht zu lächeln und starrte in die Luft. Er dachte gerade darüber nach, wie sehr er sich auf das Essen im Center freute und danach auf die Dusche. Doch zuerst würde er seine Pokémon an Schwester Joy geben. Dann guckte er zur Kleinen und ging in ein schelmisches Grinsen über.
„Wollen wir doch Händchen halten?“
Die andere blinzelte verdutzt. Seffe lachte und schüttelte den Kopf.
„Tut mir leid – du bist mir zu jung.“
Die junge Frau guckte ihn mit offenem Mund an.
„Was denkst du eigentlich wer du bist?“
Aus Seffes Grinsen wurde ein genervter Gesichtsausdruck.
„Genau das wollte ich dich eigentlich fragen! Du hast eine ganz schön große Klappe. Bist du immer so oder ist dir ein Wattzapf über die Leber gelaufen?“
Die junge Frau stockte, ehe sie beleidigt zischte und strich ihre Haare hinter die Ohren. Vor ihnen sah man nun den Ausgang des Waldes und die ersten Lichter der Stadt. Mit erhobener Nase ging sie knapp einen Schritt vor ihm. Das Gengar tauchte verwundert neben seinem Trainer auf. Es war eine unangenehme Stille und er wurde ignoriert, also verschwand er von selbst in seinen Ball. Endlich erreichten sie Vertania. Mittlerweile war es dunkel geworden. Die Laternen erleuchteten die Stadt in sanften, gelblichen Licht und die Straßen waren leer. Den Häusern sah man an, dass sie in die Jahre gekommen waren, die Leute versuchten sie so gut wie möglich zu erhalten. Neue Gebäude gab es hier nicht, das verlieh der Stadt einen rustikalen Charme. Nur zwei Personen kreuzten den Weg der beiden in Richtung des Pokémon-Centers.
Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete Seffe die junge Frau.
„Ich werde übrigens bald 19“, sagte das Mädchen plötzlich, als sie ein paar Meter vor dem Pokémon Center waren. Seffe blieb stehen und sah sie fragend an.
„Und bald werde ich auf Reisen gehen, die Arenaleiter in Kanto herausfordern und dann an Pokémon-Cups teilnehmen!“, fügte sie strahlend hinzu.
Seffe hob seine Brauen und versuchte sich an einem Lächeln.
„Na dann. Viel Erfolg“, sagte er und ging in Richtung des Pokémon Centers.
„Hey! Warte! Du hast noch nicht gesagt, wie alt du bist.“
Seffe drehte sich nur halb zu ihr um.
„Du, sorry, aber mein Tag war echt anstrengend und ich kenne nicht mal deinen Namen.“
Er lächelte charmant, wandte sich von ihrem verblüfften Blick ab und ging durch die Glastür ins Center. Die Rothaarige rollte mit den Augen und ging ihm nach. Als sie sich im Pokémon Center umsah, bemerkte sie, dass fast alle Blicke der Leute auf dem jungen Mann lagen. Es hatten ihn wohl noch mehr erkannt. Schwester Joy war aufgetaucht, eine hübsche Frau mittleren Alters. Ihre blassrosafarbenes Haar hatte sie zu einem lockeren Dutt zusammengefasst. Sie hatte einen figurbetonenden Kasack in weiß an, mit rosafarbenen Absetzungen. Der Kasack ging bis zur Mitte ihrer Oberschenkel und wirkte wie ein Kleid. Dazu trug sie eine helle Strumpfhose und rosafarbene Crocs. Damit man erkannte, dass sie die Oberschwester war, hatte sie eine kleine Haube auf, mit einem hellblauen Krankenkreuz. Seffe war zu ihr gegangen und sprach mit ihr. Er legte seinen Gürtel mit den Bällen auf dem Tresen ab. Die junge Frau an seiner Seite tat es ihm nach und legte ihre zwei Bälle daneben. Ein Pokémon watschelte um die Ecke, dessen kurze Rute dabei von einer Seite zur anderen schwankte. Seine tollpatschig wirkende Gangart, war seinen kurzen Hinterläufen verschuldet. Auch seine Arme waren kurz und seine Pfötchen waren auf dem Ei abgelegt, das in seiner Bauchtasche immer wieder neu heranwuchs. Sein Gesicht und die schwarzen Knopfaugen sowie die jeweils drei flauschigen Fühler links und rechts an seinem Kopf ähnelten dem eines Axolotls. Es schien keinen Hals zu haben, sein Körper hatte die Form eines Eies und war komplett bedeckt mit sehr feinem, rosafarbenem Fell, so dass es fast nackt wirkte. Das Chaneira nahm lächelnd alle Bälle an und sortierte sie in eine Art Eierkarton.
„Ich bin übrigens Lotte“, sagte die junge Frau schließlich zu Seffe als Schwester Joy dem Chaneira etwas erklärte. Er erwiderte es erneut nur mit einem Lächeln.
„Na dann“, sagte er und schob seine Brille die Nase hoch. Beide blickten abwartend auf Joy und ihr Pokémon, für den Moment entstand eine unangenehme Stille. Seffe räusperte sich schließlich und blickte zu Lotte.
„Ich wünsche dir noch einen schönen Abend und viel Glück auf deinem weiteren Weg.“
Das Mädchen strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sah ihn aus großen Augen an, ehe sie den Blick senkte.
„Ich ehm danke. Ja, dir auch.“
Sie wollte doch nicht klein und schüchtern wirken. Von sich selbst genervt wandte sie sich um und zog die Brauen zusammen.
„Der Kampf war auf jeden Fall eine Erfahrung wert“, sagte sie von ihm weggedreht. „Wenn wir uns mal wieder sehen, fordere ich eine Revanche!“
Dann ging sie in schnellen Schritten aus dem Pokémon Center. Seffe blickte ihr nachdenklich hinterher. Irgendwie war die Kleine ja doch süß gewesen. Er schüttelte den Kopf über diesen Gedanken und drehte sich wieder zu Schwester Joy, die endlich damit fertig war dem Chaneira etwas zu erklären. Sie lächelte den Mann in der Lederjacke an und hielt ihm einen Zimmerschlüssel entgegen.
„Neira bringt dich auf dein Zimmer. Es ist schön, dass du dich hier mal wieder sehen lässt. Neu angehende Champs braucht die Stadt und verrückte Kämpfe. Aktuell ist Vertania ziemlich ruhig. Wenn wir keine Arena hätten, wäre hier wohl gar nichts mehr los.“
Seffe nahm den Schlüssel an sich.
„Ach was, ihr habt doch ordentlichen Trainer-Nachwuchs hier. Lotte hat auf jeden Fall schon das Selbstbewusstsein von den gaaanz Großen.“
Schwester Joy warf ihm einen strafenden Blick zu.
„Pass lieber auf, dass du auf dem Boden bleibst, Seffe.“
Seffe hob seine Brauen und lächelte entschuldigend.
„Naja, der Kampf mit ihr war zum Ende hin echt spannend. Das Potenzial ist da, aber ihr fehlt deutlich die Erfahrung.“
Er seufzte, blickte in die Richtung, in die Lotte gegangen war und dachte an ihre letzten Worte.
„Um an Cups teilzunehmen, muss sie noch einiges dazu lernen.“
Schwester Joy lachte und schüttelte leicht ihren Kopf, während sie ein paar Pokébälle säuberte.
„Es war klar, dass sie dir gefällt.“
„Hey! Wo denkst du denn hin?“
„Ich sehe es an deinem Blick.“
Seffe hielt kurz mit offenem Mund inne und schüttelte dann seinen Kopf.
„Sie ist ja wohl mal die Ober-Zicke schlecht hin. Du hast keine Ahnung, wie sie mich am Anfang behandelt hat!“
Schwester Joy wandte sich ab, um die verletzten Pokémon zu versorgen.
„Du bist mit Mr. Spook durch die Gegend gezogen, oder? Sie mag Geist-Pokémon nicht besonders.“
Seffe verschränkte die Arme.
„Was du nicht sagst.“
Als von Joy keine weitere Reaktion kam, wandte auch er sich zum Gehen um. Als hätte die Schwester diesen Moment abgewartet räusperte sie sich plötzlich und sprach ruhig weiter, worauf Seffe stockte.
„Gegen dich im Kampf zu gewinnen, ist für die meisten Trainer mittlerweile wohl eine große Herausforderung. Deine Kämpfe im Cup waren beeindruckend, deine Pokémon sind das ohnehin. Verlerne nie mit dem Herzen zu kämpfen und auf deine Monster zu achten.“
Joy hatte den Karton mit den Bälle genommen und ging um das Tresen herum, auf Seffe zu. Dieser hob nur langsam eine Augenbraue. Joy sah ihm mit sanftem Blick tief in die Augen und sprach nun nur noch so laut, dass er es hören konnte.
„Lotte hätte, wie du schon festgestellt hast, das Potenzial, aber sie kommt von Zuhause nicht so ohne weiteres weg. Sie hatte eine schwierige Kindheit und ist dadurch zum Einzelgänger geworden. Ich denke, etwas Abwechslung und neues Vertrauen würden euch beiden gut tun. Sie hat einen Traum, genau wie du. Seffe.“
Der junge Mann hatte die Luft angehalten, als Joy ihm so nah kam.
„Und als Anfänger so ohne weiteres alleine auf Reisen zu gehen, ist gefährlich. Das solltest du bestens wissen.“
Schwester Joy schmunzelte und zwinkerte ihm zu, ehe sie sich abwandte, um die Pokémon in einer anderen Räumlichkeit zu versorgen. Erst dann atmete Seffe langsam wieder aus. Er kannte Joy schon sehr lange. Im jugendlichen Alter, war er mal schwer in sie verliebt gewesen, obwohl sie knapp 15 Jahre älter war als er. Mit der Zeit wurde die Krankenschwester eine seiner engsten Vertrauenspersonen. Ihr eigentlicher Name war Heidrun. Doch als Angestellte im Pokémon Center wurde sie nur Schwester Joy gerufen. Joys brachten die Freude ihren Trainern zurück: Ihre Pokémon. Verschiedenen Gerüchten nach hätten die Schwestern den umherreisenden Trainern damals auch noch anders Spaß geboten. Aber diese Zeiten waren schon lange vorbei. Und allmählich setzte sich auch die männliche Variante durch: Der Pfleger Joy.
Seffe hatte keine Chance mehr gehabt etwas zu erwidern und sah ihr skeptisch hinterher. Er schüttelte den Kopf und das große, rosafarbene Pokémon piepte, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Mit dem ewigen Grinsen eines Axolotls und starrte ihn an.Nera zwinkerte ihm zu und ging nun vor, um ihm sein Zimmer zu zeigen. Nachdenklich lief Seffe dem Pokémon hinterher. War das jetzt ein schlechter Verkupplungsversuch von Heidrun gewesen? Jedoch musste er zugeben, sie hatte ihn etwas neugierig gestimmt.

Im Fernsehen
In Gedanken versunken, schloss Lotte die Tür auf. Sie betrat ihr Zuhause und holte das Fläschlein aus ihrer Jackentasche heraus, ehe sie die Jacke an einen Haken hing. Es dauerte keine zwei Sekunden, da rannte ein Terribark schwanzwedelnd auf sie zu und sprang kläffend an ihr hoch. Das Pokémon gehörte des Typs Normal an, mit der Größe und Statur eine Welsh Terriers. Es hatte stehende Ohren und eine kantige Schnauze mit einem Bärtchen. Sein Fell war struppig und braun, auf dem Rücken wurde es länger und lag über ihm, wie eine schützender Mantel. Das längere Fell war dunkler und schimmert anthrazitgrau bis blau, bis hin zu seiner abstehenden Rute. Im Gesicht war das Fell etwas heller braun und zwei treue Augen guckten Lotte an. Sie lachte und bückte sich um das Terribark zu streicheln.
„Hallo, Wuschel. Oh man, du musst mal wieder gekämmt werden. Ja, ist doch gut, ich hab dich auch vermisst. Hast du brav auf Oma aufgepasst?“
Terribark bellte, rannte zur Wohnzimmertür und sah Lotte mit aufgestellten Ohren an.
„Ich komm ja schon“, sagte sie und ging ins Wohnzimmer, während Terribark vor ihr her hüpfte.
„Lotte?“
Eine alte Frauenstimme erklang und eine weißhaarige Frau drehte sich im Sessel um.
„Du bist ganz schön spät. Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Ist etwas passiert?“
„Ach Oma, ich kann schon auf mich aufpassen“, sagte die junge Frau und setze sich neben sie auf das Sofa.
„Hier schau, ich habe dir den Saft eines Duflors mitgebracht, das hilft dir wieder eine Weile gegen dein Rheuma.“
„Oh Kind, das ist wirklich lieb von dir. Warst du etwa wieder im Vertania Wald? Du weißt doch, dass es dort gefährlich sein kann und wilde...“
„Ja ja, wilde Pokémon könnten mich angreifen und die verrückten Käfer-Freaks und wer weiß, was sonst noch alles passieren könnte“, unterbrach Lotte ihre Oma, die zu schmunzeln begann.
„Es war echt harmlos und meine Pokémon sind stark genug, um auf mich aufzupassen.“
Die Rothaarige hielt ihrer Oma die Flasche hin.
„Zumindest wenn es um Käfer-Freaks und die paar wilden Monster im Wald geht“, fügte Lotte leiser hinzu und ihre Oma wurde hellhörig.
„Wo sind sind eigentlich deine Bälle? Ayla lässt du doch sonst im Haus immer raus.“
„Ehm, ja. Heute ist mal etwas spannendes passiert.“
Lotte räusperte sich.
„Ich bin so einem komischen Typen im Wald begegnet. Der war etwas verwirrt. Er hatte sich verlaufen und so. Naja.“
Die weißhaarige Frau hörte ihr aufmerksam zu und nahm die kleine Flasche ab.
„Warum komisch? Hast du ihm geholfen? Was ist passiert?“
Sie würde sich freuen, wenn ihre Enkelin mal Kontakte schließen würde.
„Das war der Kerl aus dem Hypercup. Der immer sein Gengar zu erst ausgespielt hat, weißt du noch?“
Ihre Oma hob ihre Brauen und blinzelte.
„Du bist Seffe begegnet?“
„Das ist echt ein hässliches Wesen. Also das Gengar. Ich hatte diese Monster gar nicht mehr so furchtbar in Erinnerung“, sagte Lotte leiser werdend.
Ihre Oma verzog leicht ihrem Mund. Die Erfahrung die Lotte mit den dunklen Elementen der Pokémon gemacht hatte, hatte sie geprägt.
„Ach Lotte, nicht alle Geister sind auch böse. Was ist denn weiter passiert? Immerhin bist du einem berühmten Trainer begegnet. War das nicht aufregend?“
Ein Blick von Lotte verriet ihr den Rest und ihre Oma ließ die Mimik fallen.
„Ihr habt gekämpft, du hast verloren und deine Pokémon sind jetzt im Center?“
Lotte verzog ihren Mund, ihre Oma kannte sie zu gut. Die alte Dame lächelte und schüttelte leicht ihren Kopf, dabei beobachtete sie weiterhin ihre Enkelin.
„Mit jedem Kampf lernt man dazu, Lotte.“
Sie legte kurz eine Hand auf das Knie von ihr.
„Du bist ein tapferes Mädchen und deine Pokémon sind das auch. Du kommst da ganz nach deiner Mutter. Sie liebte auch die Kämpfe. Allerdings musste sie lernen ihr Temperament zu zügeln.“
Die alte Dame sah zu Wuschel, der seine Schnauze unter ihre Hand schubste, um gestreichelt zu werden.
„Ja, ja“, sagte Lotte und fuhr sich durch ihre Haare, währenddessen zappte sie durch das Fernsehprogramm.
„Wenigstens habe ich keine Pokédollar verloren. Ich hab ihm nach dem Kampf nur aus dem Wald helfen müssen. Das war sein Gewinn.“
„War er denn wenigstens eine nette Begleitung, wenn ihr zusammen durch den Wald gezogen seid?“
Sie wusste, wie aufbrausend ihre Enkelin sein konnte, gerade wenn sie verloren hatte. Nach ihrer Vermutung hatte es der Junge dann bestimmt nicht leicht gehabt.
„Geht so“, sagte Lotte kurz angebunden, ehe sie ein leichtes Grinsend nicht mehr unterdrücken konnte und kurz zu ihrer Oma blickte. Plötzlich stoppte sie beim Programmwechsel und schaltete zurück. Da waren doch gerade dunkelblaue Haare.
„Da ist er!“, stieß sie laut aus und ihre Großmutter zuckte kurz zusammen. Sie hatte soeben den bitteren Saft getrunken und trank schnell Tee nach, um den Geschmack los zu werden. Ihr Blick war ebenfalls auf den Fernseher gerichtet. Lotte hippelte und schaltete die Lautstärke hoch. Das Terribark sprang mit einem kurzen Kläffen auf die Couch und schaute ebenfalls auf das Gerät. Es war eine Rückschau.
„Mein Arceus, Seffe! Der Kampf war ja mal wieder total verrückt. Du hast ein sehr starkes Pokémon Team und ich glaube, das ganze Stadion war von dem harten Endkampf gebannt. Was sagst du dazu den dritten Platz des Hypercups belegt zu haben?“, sprach der überdrehte Moderator und hielt Seffe das Mikrofon hin. Seffe wirkte etwas fertig, sah nach oben und zuckte mit den Schultern, ehe er zu lächeln begann.
„Naja, ich find`s immer noch schade, dass wir im Halbfinale raus geflogen sind, aber das wird auch nicht das letzte Mal im Cup gewesen sein.“
„Das siehst du richtig, schließlich ist jeder Kampf eine Erfahrung! Wir würden uns wohl alle sehr freuen, dich im nächsten Hypercup wieder begrüßen zu dürfen! Immerhin bist du der Trainer der Herzen geworden! Es hat noch nie jemand dermaßen viele Stimmen bekommen, wie du! Wenn es nur danach ging wärst du vier mal der erste Platz geworden.“
Wieder bekam Seffe das Mikrofon hingehalten. Er schien etwas überfordert zu sein und lachte kurz verlegen.
„Was soll ich noch sagen? Danke. Danke, dass ihr da draußen alle an mein Team und mich geglaubt habt.“
Der Moderator schwenkte wieder um.
„Das sind doch mal schöne Worte!“
Die Kamera zoomte nochmal auf den jungen Trainer. Verschmitzt grinste Seffe kurz in die Kamera, dann streckte er die Zunge raus, auf der ein Piercing aufblitzte und zeigte mit der Hand das Metal-Peace. Dann wurde das Bild klein in die Ecke über die Moderatorin der Nachrichten gesetzt. Sie lächelte.
„Und das war Seffe, aus Alabastia, mit seinen jungen 26 Jahren hat er die Herzen im Kampf erobert. Wir sind gespannt wohin sein Weg noch führt. Auch wir wünschen ihm alles Gute.“
Sie klopfte die Moderatorkarten auf dem Tisch auf.
„Jetzt gebe ich wieder zurück an Jan Tratschge, er hat die zwei Endgegner interviewt. Wir sind gespannt, was sie zu erzählen haben.“
Das Programm ging weiter und Lotte schaltete bei dem Gerät die Lautstärke runter.
„So ein verrückter Poser“, sagte sie leise. Junge 26 Jahre? Er war sieben Jahre älter als sie. Sogar etwas drüber. Lotte starrte auf den Fernseher und zwirbelte eine ihrer Haarsträhnen.
„Das Zusammenspiel beim Kämpfen mit seinen Pokémon ist außergewöhnlich“, sagte ihre Oma und streichelte Wuschel.
„Außergewöhnlich gut. Ich habe auch für ihn gestimmt. Dabei konnte man auch etwas gewinnen.“
Lotte rollte mit den Augen.
„Boah Oma, du sollst doch nicht immer bei den Telefonhotlines anrufen.“
Die alte Dame lächelte nur.
„Er war mir einfach sehr sympathisch, weil er sogar eine Niederlage eingesteckt, um sein Panzaeron nicht noch schwerer zu verletzen. Es wäre immerhin das Halbfinale vom Cup gewesen. Dazu gehört viel Courage.“
Ihre Großmutter setzte sich die Lesebrille auf und griff nach einem Buch. Lotte verzog nachdenklich ihr Gesicht.
„Ich hab ihm den dritten Platz mehr als gegönnt“, sagte ihre Oma. Dann schlug sie die Stelle im Buch auf, wo das Lesezeichen lag. Das Terribark sprang von der Couch, suchte sich ein Spielzeug und schleuderte es herum. Lotte wackelte mit ihrer Nase und nickte. Sie hatte seine Kämpfe im Hypercup auch verfolgt. Wie hatte sie im Wald nur glauben können, gegen ihn auch nur eine geringe Chance zu haben? Und sie wusste selber, dass sie kein guter Verlierer war. Sie verabschiedete sich von ihrer Oma und ging in ihr Zimmer. Sie ließ die Tür zufallen und stand in der Mitte des fast quadratischen Raumes. Wie sehr sie ihn doch beneidete. Zu gerne würde sie auch auf Reisen gehen und Erfahrungen sammeln. Den Orden von Vertania hatte sie mit viel Glück nach dem dritten Versuch ergattert. Sie blickte aus dem Fenster und biss sich auf ihre Unterlippe. Dann lockerte sich ihre Miene wieder und sie lächelte leicht. Sie hatte ihn kennengelernt, den Trainer auf dem dritten Platz im Hypercup. Plötzlich empfand sie ihre Niederlage weniger ärgerlich. Sie würde nicht aufgeben und weiter Erfahrungen sammeln. Langsam lief sie auf das Fenster zu. Sie konnte das Dach und das höchste Geschoss des Pokémon Centers erkennen. Der stilisierte Pokéball leuchtete gegen den nächtlichen Himmel. Wie gemein sie am Anfang zu Seffe war. Vielleicht sollte sie sich nochmal von einer besseren Seite zeigen und ihn morgens vor seiner Abreise abfangen.
Sie nickte und wandte sich um, ehe sie sich mit dem Rücken auf ihr Bett schmiss und breit lächelte.

Der Abflug
Viel zu früh wurde Seffe aus dem Bett geworfen, aber das Chaneira von Heidrun beleidigte er besser nicht. Dieses Monster kannten weder Gnade noch Widerrede, wenn es seinen Pflichten nachgehen wollten. Einmal wurde er von Nera aus dem Zimmer gejagt und stand im Flur des Pokémon Centers. Und das lediglich mit seiner Boxershort bekleidet.
Gequält stand er auf, als ihn das große, rosafarbene Pokémon mit dem schmunzelnden Gesicht antippte. Es wollte das Bett frisch beziehen, den Boden saugen und danach das Bad putzen. Seffe tapste gerade durch das Zimmer, als ihm seine Gürtel mit den Bällen ins Augen fiel. Nera musste die Kiste beim Betreten des Zimmers auf den Tisch gestellt haben. Der dunkle Ball zuckte und Schatten flossen heraus. Das Gengar materialisierte sich vor seinem Trainer. Es lachte und umarmte Seffe, dann schleckte es mit seiner großen Zunge über seinen Bauch und Brust.
„Uah“, stieß Seffe aus und bekam am ganzen Körper eine Gänsehaut. Dann fiel er einfach rückwärts um.
„Hmmm? Gaaa?“, machte Mr. Spook und schwebte über seinen paralysierten Trainer, dabei hielt er sich einen Finger an den Mund. Das Chaneira fing an zu schimpfen und hüpfte in großen Sätzen auf Seffe zu.
„Das... klären... wir später!“, sagte Seffe der gegen die Paralyse ankämpfte. Doch ohne Chaneiras Hilfe, hätte er sich nicht mal mehr aufsetzen können.
„Idiot“, sagte er und sein Finger wanderte langsam in die Höhe. Mr. Spook verzog sein Gesicht und folgte mit dem Blick dem Finger seines Trainers. Schnarrend ließ das Geist-Pokémon Arme und Beine hängen und zog sich zurück in seinen Ball. Seffe bekam von Nera einen sauren Trank. Anti-Paralyse. Diesen Geschmack kannte er nur zu gut. Schon oft hatte er mit letzter Kraft einen solchen Trank aus seinem Rucksack gewühlt und er kannte das unschöne Nachspiel. Mit zusammen gekniffenen Augen hustete er. Das Mittel schlug sofort an.
„Mir ist schlecht“, sagte er leise und krabbelte so schnell es ging auf allen Vieren ins Bad. Hinter ihm knallte die Tür zu und das rosafarbene Pokémon blinzelte ihm nach. Dann verzog es sein Gesicht und machte den Staubsauger an, um die folgenden, sehr unangenehmen Geräusche zu übertönen.

Endlich draußen. Es war ein schöner Morgen. Der Sonnenaufgang lag noch nicht lange zurück und die ersten Sonnenstrahlen vertrieben sogleich die Kälte der Nacht. Seffe hatte nur einen Kaffee getrunken und atmete die frische Luft tief ein, da vibrierte sein Pokédex in seiner Hosentasche und er nahm den Anruf an.
„Hi Mutter. Ja, hm, hat sich etwas verzögert. Hmhm. Nein, mein Akku war leer und ich hatte mich im Wald verlaufen. Ja, haha, sehr lustig, wie immer. Nein. Naheeiin! Sag bitte nichts Vater! Ja, ich hab doch gesagt, dass ich auf jeden Fall vorbei schaue. Ich nehme den nächsten Bus. Bis gleich. Jo, tschö.“
Mit dem Finger drückte er leicht auf den Bildschirm um aufzulegen. Bevor er das Display sperrte, checkte er die Uhrzeit und fuhr sich durch seine halblangen Haare, ehe er sich über den Hinterkopf strich. Dort war eine ordentliche Beule gewachsen. Mit leicht verzogenem Gesicht ging er zur nächsten Bushaltestelle. Eigentlich wollte er schon gestern Abend daheim angekommen sein. Mit genervtem Blick fuhr er mit dem Finger auf dem Plan die Uhrzeiten der nächsten Busankünfte entlang, da hob er plötzlich grinsend seinen Kopf. Stahlschnabel! Der war ja wieder fit! Er machte den Turboball von seinem Gürtel ab und ein weiß-grauer Energiestrahl setzte das große, hochbeinige Vogel-Pokémon vor ihn. Das Gefieder schimmerte in der Sonne und Panzaeron streckte sich. Breit faltete er seine Flügel aus. Die Klingen wurden immer noch von ein paar Dellen geziert. Innen schimmerten sie in einem dunklen Orange. Und wenn sich das Pokémon bewegte, hörte man leise, wie das Metall aufeinander rieb.
„Na Stahlschnabel, geht es dir wieder besser?“, fragte Seffe hob langsam eine Hand zu dem Monster. Stahlschnabel war knapp 2,60 m hoch und streckte ihm seinen Kopf entgegen. Mit einem sachten Lächelnd strich Seffe über das kühle Metall und das Panzaeron schloss die Augen. Es gab einen leisen, rauen Ton von sich.
„Du bist ein großartiger Kämpfer, Stahlschnabel. Denkst du, du hast wieder genug Kraft, um mit mir nach Alabastia zu fliegen?“
Das Panzaeron hob ruckartig seinen Kopf und ein metallischer Schrei ging von ihm aus, wobei es Blicke auf sich zog. Es schüttelte seinen Körper, wobei sich die metallischen Federn kurz aufplusterten und ging wie ein Strauß in die Hocke.
„Klasse“, sagte Seffe und setzte sich auf den Rücken von ihm. Er würde bei dem Flug mit Sicherheit einen kalten Po bekommen, aber das war immer noch besser, als mit dem Bus zu fahren. Vor allem war es wesentlich schneller. Ein paar Leute auf der Straße sahen die Szene mit großen Augen an und gingen bei Seite. Das Pokémon breitete seine Schwingen aus und rannte die gerade Straße herunter. Die Schritte wurden immer größer und die Hüpfer immer länger. Die ersten Flügelschläge waren schwerfällig, doch bald gewannen sie immer mehr an Höhe. Die Häuser fingen an klein zu wirken und Seffe sah mit einem breiten Grinsen die Welt mal wieder von oben. Er kniff seine Augen leicht zusammen und hielt seine Brille fest, als er nach unten blickte. Waren das gerade knallrote Haare? Es ging zu schnell, als dass er sich sicher sein konnte und richtete seinen Blick wieder nach vorne. Stahlschnabel flog große Kreise über Vertania und die Klingen seiner Flügel durchschnitten mit einem Zischen die Luft. Seffe orientierte sich kurz, von oben fiel es ihm leichter, dann zeigte er auf das Miniatur-Dorf in der nähe des Meeres, es lag hinter einem Waldstück.
„Da ist es. Alabastia!“
Stahlschnabel legte seinen Kopf schief und ging sogleich in Schräglage. Seffe hielt sich fester an den Schultern des Pokémons fest und seine Haare wurden nach hinten geweht. Mit ein paar weiteren Flügelschlägen, gewann das Panzaeron ordentlich an Tempo.

Knapp verpasst
Lotte war zu nervös gewesen um lange zu schlafen und huschte frühmorgens durch die Wohnung, ins Bad und machte sich fertig. Als sie wieder heraus kam, hüpfte sie an ihrer Oma vorbei und begrüßte sie. Schnell hatte sie sich ein Brot geschmiert, das sie hastig im Stehen aß. Ihre Oma kam in die Küche und runzelte die Stirn.
„Hast du irgendetwas vor? Du bist so früh wach.“
Lotte drehte sich zu ihr, als sie ihre langen, roten Haare gerade hinter ihrem Kopf zusammen fasste. Das Haargummi hatte sich zwischen ihre Zähne geklemmt.
„Ja, erschäl isch dir schpäter“, sagte Lotte und zwinkerte ihrer Oma zu. Als sie den Raum verließ, nahm sie das Haargummi mit deiner Hand aus ihrem Mund und band es um ihre Haare. Das Terribark kläffte sprang ein paar Mal vor der alten Frau hoch und rannte dann hinter Lotte her. Der Hund huschte gerade noch durch den Spalt der durch, da fiel sie schwer ins Schloss. Lottes Oma grinste und schüttelte leicht ihren Kopf.
Mit Wuschel an ihrer Seite, schlug die Trainer im Schnellschritt die Richtung des Pokémon Centers ein. Seffe würde bestimmt früh abreisen und sie wollte ihn unbedingt noch erwischen. Sie kniff ihre Augen zusammen, irgendetwas hatte sie geblendet. Verwundert wurde ihr Schritt langsamer, dann hörte sie einen metallisch-scheppernden Schrei sowie ein Zischen in der Luft und guckte gen Himmel. Ein Panzaeron drehte Kreise über Vertania, sein Gefieder glänzte so sehr, dass sie abermals kurz geblendet wurde. Sie schüttelte den Kopf und verengte ihre Augen. Wuschel neben ihr bellte nach oben. Sie erkannte das Panzaeron und jemand saß auf ihm.
„Das gibt es doch nicht!“ Lotte schnipste in die Luft, ehe sie seufzte.
„Dabei hab ich mich so beeilt.“ Wuschel winselte leise und rieb seinen Kopf an ihrem Bein.
„Tja, Wuschel. Es hat nicht sollen sein.“
Mit hängendem Kopf und ihren Händen tief in ihrer Manteltasche vergraben, lief sie die leichte Steigung zum Pokémon Center hoch. Schwester Joy erblickte sofort die roten Haare und lächelte.
„Guten Morgen, Lotte, du möchtest bestimmt deine Pokémon abholen? Oh und du hast Wuschel mitgebracht!“
Das Terribark freute sich über Joys Aufmerksamkeit und noch viel mehr über die Leckerlies, die sie ihm gab.
„Hallo Schwester Joy. Ja“, sagte Lotte und legte ihre Ellbogen auf dem Tresen ab, ihren Kopf stützte sie in ihre Hände. Das Chaneira schob Lotte lächelnd die zwei Pokébälle im Karton zu, in dem noch vier Plätze frei waren. Joy legte ihrem Kopf schief.
„Was ziehst du denn für ein Gesicht? Hast du nicht gut geschlafen?“
„Ach. Gestern wurde es vielleicht etwas spät. Danke, Nera.“ Lotte steckte die Pokébälle wieder in ihre Manteltasche. Langsam holte sie Luft und hielt kurz inne. Dann blickte sie ruckartig zu Joy.
„Wissen Sie, wohin Seffe wollte? Ich hab ihn leider verpasst.“
Schwester Joy lächelte Lotte an und runzelte ihre Stirn, wobei sie kurz einen Finger an ihr Kinn hob.
„Ich weiß es nicht genau, aber ich glaube, er wollte schon gestern Alabastia erreichen.“
Währenddessen bediente sie den Computer.
„Ja, die Richtung stimmt“, sagte Lotte. „Kommt er nochmal hier vorbei?“
Die Schwester zuckte mit den Schultern.
„Das weiß ich nicht.“
Lotte verzog ihre Lippen.
„Wohnt er in Alabastia?“
„Schon lange nicht mehr.“
Das Terribark spielte derweil mit dem Chaneira und rempelte ein paar Mal an Lottes Bein. Lotte versuchte das Hunde-Pokémon mit seinem Geblödel zu ignorieren und schubste es nur immer wieder, mit dem Fuß, leicht weg von sich.
„Und wo trifft man ihn sonst an? Woher kommt er?“
Joy zuckte erneut mit den Schultern.
„Das müsstest du ihn schon selber fragen.“
Lotte rollte mit den Augen.
„Sehr lustig, ich hab ja nicht mal eine Nummer von ihm.“
„Da kann ich dir leider auch nicht weiter helfen.“
Joy seufzte und blickte kurz zu dem Mädchen, ehe sie auf Enter drückte und die Maschine Pokébälle vor sie in den Karton transportierte.
„Na gut, schade. Bis dann, Schwester Joy. Ich muss zum Frühdienst im Bäckerladen.“
Lotte pfiff kurz und das Terribark stellte die Ohren auf.
„Komm Wuschel, sag „Tschüß“.“
Terribark kläffte kurz in Joys, dann in Neras Richtung und hüpfte Lotte hinterher. Die Krankenschwester winkte ihnen kurz nach, ehe sie grinste. Als hätte sie es erwartet fand Lotte auch Seffe interessant. Sie nahm den Karton mit den Pokébällen und ging den Flur herab. Sie kannte Seffe schon lange. Sie konnte sich gut an den Tag erinnern, als der zwölfjährige Junge mit den blauen Haaren, das erste Mal ein Pokémon Center besuchte. Er stürmte wortwörtlich hinein und blickte sie verheult an. Sein neongelbes Pichu hatte bei seinem ersten Kampf einen miesen Schlag kassiert und lag ohnmächtig in seinen Armen. Doch er gab nicht seinem Pokémon die Schuld für die Niederlage.
„Ich habe nicht aufgepasst. Es ging zu schnell“, sagte er.
Schon damals hatte er das richtige Gespür die unterschiedlichsten Pokémon zu trainieren. Die Monster, die das Kämpfen nicht mochten, ließ er wieder frei oder suchte für sie ein gutes Zuhause, mit Leuten die für sie den richtigen Einsatz hatten. Doch als Kind war er auch oft ausgelacht worden, wenn er heulte, weil er im Kampf verloren hatte. Aber Joy wusste schon immer, dass seine Tränen seinen Pokémon galten. Seine Empathie gegenüber der Monster verlernte er nie, doch über die Jahre wurde er nach außen gelassener und kühler.
Joy öffnete das Arztzimmer und stellte nachdenklich den Karton auf den Tisch. Ihre erste Begegnung mit Lotte war ähnlich. Auch sie rannte in das Pokémon Center und heulte, weil ihr Pii besiegt wurde. Lotte war in Vertania aufgewachsen und ein stetiger Besucher im Pokémon Center. Sie zog meistens durch den Wald und verprügelte mit ihren zwei Monstern, Ayla und Fridolin, die Teams von Käfer-Freaks. Sie lebte sehr zurückgezogen mit ihrer Oma zusammen. Auch Joy bekam nie einen engeren Draht zu ihr, das Mädchen blockte immer ab. Was wahrscheinlich nicht minder an dem unschönen Ereignis lag. Joy verzog ihr Gesicht.
Die Krankenschwester ließ ein geschwächtes Rattfratz aus dem Ball und lächelte es zärtlich an. Die kleine, violette Ratte hielt ihr eine Vorderpfote hin und wimmerte.
„Keine Sorge, mein Kleines, bald bist du wieder gesund“, sagte Joy mit sanftem Lächeln.

Die Begrüßung
Sie waren schon seit gestern fertig. Die Dorfmitte war geschmückt und die Leute warteten vor der Bushaltestelle von Alabastia, bis einer das Panzaeron am Himmel erkannte und nach oben zeigte.
Seffe erblickte die Menschentraube unter denen auch einige Pokémon wuselten. Stahlschnabel drehte seinen Kopf, um seinen Trainer fragend anzusehen. Seffe warf seinem Pokémon nur einen vielsagenden Blick zu. Was auch immer die da unten trieben, er wollte so schnell wie möglich von dem Stahl-Pokémon herunter. Nach den 15 Minuten Fliegen, war er komplett durchgefroren und spürte seine Gliedmaßen kaum noch. Mit blechernen Flügelschlägen flog Stahlschnabel in Kreisen immer weiter nach unten. Die Menschen liefen allesamt in die Richtung in die das Panzaeron gerade zur Landung ansetzte.
„Aus dem Weeeeg!“, rief Seffe und klammerte sich fester an sein Flug-Pokémon.
Er merkte deutlich, wie Stahlschnabel den ersten Fuß auf den Boden setzte. Die Schwingen des Vogels waren weit ausgebreitet, um den Schwung schneller abzubremsen, dabei lehnte sich das Monster beim Rennen leicht zurück.
“Wuaaaaaaaaah!“, schrie Seffe, der nun den Hals von Stahlschnabel mit beiden Armen umfasste. Die Menschenmenge stand zu nah vor ihnen und nun fing auch Stahlschnabel an zu schreien. Der raue, metallische Ton ergänzte Seffes Schrei fast melodisch. Verzweifelt fing das Vogel-Pokémon an mit den Flügeln zu flattern und endlich spaltete sich die Menschenmasse in zwei. Bunt geschmückte Pokémon und Leute mit verrückten Hüten und Masken sprangen im letzten Moment zur Seite, ehe sie alle dem Panzaeron und Seffe hinterher guckten. Der Trainer und sein Pokémon rannten genau auf den Banner zu, auf dem groß „Wilkommen!“ stand. Das Bären-Pokémon, Siberio, und die Steinschlange, Onix, hielten den großen Stoffbanner gespannt und weiteten die Augen. Wie durch das Band einer Ziellinie, hüpfte Panzaeron hindurch und kam ins straucheln, als der Stoff zerriss und sich um seine Beine wickelte. Mit einem lauten Scheppern überschlug es sich und Seffe flog dabei von ihm ab. Er rutschte mit Stahlschnabel noch ein Stück über den Boden. Ein Stöhnen ging durch die Menge, ehe die Ersten zu den Sturzgelandeten rannten.
„Scheiße, verfluchte. Argh.“ Seffe und hielt sich im liegen den Kopf. Er hatte die Stahlschwingen seines Pokémons abbekommen. Stahlschnabel schüttelte sich, er lag neben ihm und tippte mit einer Klaue vorsichtig seinen Trainer an. Dieser hatte seine Hände immer noch an den Kopf gehoben und öffnete kurz die Augen, ehe er sie wieder schloss. Ihm war schwindelig und er sah alles stark verschwommen. Hatte er so einen mächtigen Schlag gegen den Kopf bekommen? Nein, er hatte seine Brille verloren und auch den Rucksack, der einige Meter weiter gerutscht war.
„Josef. Mein Junge. Ist dir was passiert?“
Eine Frau hatte sich neben ihn gehockt. Sie hatte mittellange Haare, die einst dunkelbraun waren, aber mittlerweile mit silbergrauen Strähnchen durchmischt waren. Sie hatte keinen besonders auffälligen Klamottenstil und trug eine einfache Stoffhose mit einer Bluse sowie eine Perlenkette. Seffe gab einen von Schmerzen verzogenen Laut von sich und drückte leicht die Hand seiner Mutter weg. Einige Beobachter sahen mitfühlend aus, andere musste sich das Lachen verkneifen und ein paar kicherten bereits.
„Mutter, bitte“, sagte Seffe und sie ließ direkt von ihrem Sohn ab, seufzte und lächelte ihn, mit einem sachten Kopfschütteln, an. Ein kleiner Junge hielt Seffe seine Brille hin.
„Hast du dir weh getan?“
Seffe schüttelte den Kopf und biss seine Zähne zusammen, dann nahm er seine Brille mit einem kurzen Nicken an und setzte sich auf.
„Dass du es auf den dritten Platz im Hypercup geschafft hast, kann ich immer noch nicht fassen!“
Seffe erkannte die Stimme ohne auf zu gucken und rollte mit den Augen.
„Danke, Felix. Dein Neid ist mein größter Erfolg.“
Mit einem Grinsen blickte Seffe in Felix´ Richtung.
„Ach, du hattest schon immer mehr Glück als Verstand!“
Der gleichaltrige Mann fuhr sich seine hochgegelten, orangenen Haare mit der Hand nach und verschwand wieder in der Menge.
„Also ich fand deine Kämpfe super! Unterschreibst du später auf meinem Pokéball?“, fragte der kleine Junge. Dabei tippte er Seffe ein paar Mal hibbelig gegen die Schulter. Seffe schmunzelte darauf und nickte. Dann erst ließ er seinen Blick schweifen und nahm den Rest wahr. Die Leute waren alle wegen ihm gekommen. Sie hatten Fähnchen mit seinem Namen ausgedruckt, dem Hypercup-Logo und der Nummer drei darauf. Die Pokémon waren von ihren Besitzern geschmückt worden und blickten erwartungsvoll zu ihm. Seffe sah zu Seite auf Stahlschnabel, er merkte wie ihm die Röte ins Gesicht stieg und versuchte es etwas zu verbergen, indem er sich seine halblangen Haare ins Gesicht fallen ließ. Dann erst bemerkte er, dass sich seine Handflächen heiß anfühlten und drehte sie nach oben. Sie waren aufgescheuert. Auch seine Schulter schmerzte und seinem rechten Knien war ein großes Loch in der Jeans. Sein Blut wurde von dem Stoff aufgesogen. Seffe zog seine Brauen zusammen und seufzte.
„Oh, mein Junge! Dein Knie! Du blutest ja!“
Seine Mutter, die schon die ganze Zeit neben ihm kniete, fing an mit einem Taschentuch über sein Knie zu wischen, ehe sie es leicht dagegen drückte, um die Blutung zu stoppen. Dann umarmte sie ihn.
„Willkommen Zuhause“, nuschelte sie ihm gegen das Ohr, was Seffe erneut seufzen ließ. Als sie wieder von ihm abließ lächelte sie ihn an, doch dann fiel ihr Blick auf das Panzaeron.
„Du solltest deinem Pokémon beibringen, wie man besser landet! Wie oft bist du schon mit ihm geflogen? Du vertraust deinen Monstern immer viel zu früh. Du hättest im Hypercup ein anderes Monster am Schluss wählen sollen. Eines, das du länger kennst.“
Das Panzaeron stand wieder und wurde von ein paar Leuten begutachtet. Auf die Aussage der Mutter, gab es einen schrillen Schrei von sich. Seffe hob schnell den Finger, worauf das Pokémon sofort verstummte und ruckartig zur Seite sah.
„Mutter, bitte! Fang nicht wieder so an!“ Seffes Ton war rauer als sonst und seine Mutter stemmte ihre Hände in die Seiten.
„Ich weiß schon was ich tu! Und Stahlschnabel ist ein super Partner“, sagte Seffe. Seine Mutter öffnete den Mund, stockte aber und verzog leicht ihr Gesicht. Nun erhalte ein Lachen durch das Gemurmel, es kam von Dietrich, Seffes Vater. Mit schweren Schritten stapfte der Mann, mit den braun-grauen Haaren, auf seinen Sohn zu.
„Rita, behandle Josef nicht immer wie einen Zwölfjährigen.“
Seffe blickte seinem Vater in die Augen, dann hielt der breite Mann ihm seine Hand hin. Seffe zögerte einen Moment und ging darauf ein. Mit Schwung wurde er wieder auf die Füße gezogen. Kurz stöhnte er auf, verstummte jedoch sofort wieder und stellte sich gerade hin, um sich seine Schmerzen nicht anmerken zu lassen. Mit ernstem Blick guckte er seinem Vater ein paar Sekunden tief in die Augen. Der Mann strich sich durch seinen gepflegten Bart, dann lächelte er und auch Seffes Mimik wurde freundlicher. Sie hatten sich schon lange nicht mehr gesehen. Oft war sein Vater arbeiten, wenn Seffe zu Besuch kam. Aber das war Seffe ja noch von früher gewohnt.
Dann blickte Seffe wieder durch die Menge. Ein paar Menschen fingen an zu lächeln und mit den Fähnchen zu schwenken, wenn sein Blick sie traf, worauf er leicht schmunzelte. Das deuteten die anderen als Aufforderung, ihm endlich zu gratulieren und ihm durcheinander Fragen zu stellen. Etwas verschämt versuchte Seffe allen gerecht zu werden. Fast das ganze Dorf hatte sich solch eine Mühe, für seine Begrüßung, gegeben. Die Leute hatten durch ihn neue Hoffnung geschöpft, dass in das kleine Alabastia mal wieder etwas mehr Leben einziehen würde. Trainer und Pokémon-Kämpfe wurden schon lange nicht mehr regelmäßig in Alabastia ausgetragen, obwohl sie vor ein paar Jahren extra einen Kampf-Platz angelegt hatten. Außerdem hatten auch sie hübsche Cafés und Haltepunkte und einen kleinen, aber dafür wunderschönen Strand. Um die Begrüßungs- und Siegesfeier als perfekte Überraschung aufgehen zu lassen, hatten sie den größten Schuppen im Dorf innen festlich geschmückt und ein riesiges Buffet errichtet. Seffe hatte viele der Dorfbewohner lange nicht mehr gesehen und trug auch ein paar Spaßkämpfe auf dem Kampfplatz in der Dorfmitte aus. Nur Mr. Spook wollte nicht gehorchen, weswegen er ihn nach mehrmaligem Ermahnen aus dem Kampf zog. Der Geist war noch immer beleidigt. Doch ob mit oder ohne Spooks Hilfe: in der Dorfrangliste würde er so schnell nicht von dem ersten Platz gestoßen werden.
Nach einigen Kämpfen gönnte sich Seffe erst mal eine Pause. Kauend sah er durch die Menge und grinste in sich hinein, weil sich ein paar seiner Pokémon wortwörtlich über das Futter stürzten. Als hätten sie wochenlang nichts zwischen die Zähne oder den Schnabel bekommen. Aber das Essen war auch unglaublich gut. Seffe warf sich das letzte Stück des Donuts in den Mund, als er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter spürte und sich umdrehte. Sein Vater stand neben ihm und blickte ihm fest in die Augen. Er war gut einen halben Kopf kleiner als er und fuhr sich, wie so oft, mit einer Hand immer wieder den Bart nach.
„Josef“, sagte er und machte eine theatralische Pause, das Seffe eine Braue heben ließ.
„Ich hätte nie gedacht, dass du im Hypercup so weit kommen würdest.“
„Danke, Vater. Wie sehr du doch an mich glaubst.“
Unter dem Vollbart erkannte man nun ein leichtes Grinsen.
„Ich habe mir deine Karriere einfach etwas anders vorgestellt.“
„Ja. Ich weiß.“
Seffe seufzte leise und blickte zur Seite. Dietrich fuhr sich durch seine lichten Haare und nickte entschlossen.
„Ich fordere dich heraus.“
Nun blickte ihn Seffe schief an.
„Na los! Lass uns kämpfen.“
Seffe verengte seine Augen mit einem folgenden Lächeln, ehe auch er nickte.
Ein paar Minuten später standen sie sich im Kampf gegenüber. Seffe wusste: Sein Vater mochte große, starke und am besten weiterentwickelte Pokémon. Dietrich konnte bis heute nicht verstehen, warum er, das „kleine“ Pikachu nicht weiterentwickelte. Seffe blickte leicht nach oben aus einem Fenster der Scheune, es dämmerte bereits. Die Leute bildeten einen Kampfkreis um sie herum. Dann wanderte Seffes Blick zu seinem Vater. Beide hoben den auserwählten Ball in die Höhe. Seine Mutter stand zwar hinter seinem Vater, doch sie winkte und zwinkerte Seffe zu, ehe sie beide Daumen in seine Richtung nach oben hielt. Jetzt würde er seinem Vater zeigen, wie stark Zitrone geworden war.
Die Bälle flogen gleichzeitig in die Luft und die Zuschauer jubelten. Sein Vater hatte, wie erwartet, Siberio in den Kampf geschickt und Seffe stockte, denn vor ihm stand nicht Zitrone im Ring und Dietrich fing an laut zu lachen, dabei hielt er sich seinen Bauch.
“Josef. Wirklich? Ein Pixi?“
„Was zum Giratina?“, stieß Seffe aus und blinzelte.
„Das - das ist doch gar nicht mein Monster!“, stammelte er und sein Vater kreuzte die Arme. Die Menge um sie herum blickten fragend von einem zum anderen. Dann kam Seffe der Geistesblitz.
„Ayla?“
Die Fee wandte sich langsam zu ihm und weitete ihre Augen. Sie hob die kleinen Pfötchen über den Mund, holte tief Luft und fing hysterisch an zu schreien. Das Gengar schwebte derweil gelangweilt hinter seinem Trainer in der Luft und schnarrte. Es schien, als läge es auf einer unsichtbaren Hängematte. Der Geist beachtete das niedliche, rosafarbene Pokémon jedoch nicht weiter. Ayla fing an sich im Kreis zu drehen, sie suchte sichtlich eine Person und rannte schließlich voller Panik los. Seffe zucke auf und hob den Ball, doch dieser verfehlte sein Ziel. Kurz schnaufte er, dann rannte er hinter dem Pixi her.
„Ayla beruhig dich wieder!“, rief er ihr nach. Doch anstelle dessen guckte sich Ayla nur kurz nach ihrem Verfolger um und rannte noch schneller. Dabei schubste sie ein paar Leute um.
„Ayla! Das ist eine Verwechslung, ich bring dich zurück!“
Seffe rannte im Zickzack an den Leuten vorbei und hob erneut den Ball. Doch das Pixi hüpfte in dem Moment zur Seite und der Energiestrahl verfehlte erneut.
„Verdammt!“ Seffe bremste ab. Viele Fluchtmöglichkeiten hatte das Feen-Pokémon nicht mehr, es stand an einer Wand.
„Ayla, hör mir zu. Es ist eine Verwechslung, ich bringe dich zurück. Geh jetzt bitte in den Ball.“
Seffe hatte einen ruhigen Ton aufgesetzt und schlichtend seine Hände gehoben. In der einen hielt er den Pokéball, in den eigentlich Zitrone gehörte. Ayla hielt kurz inne und blickte ihn leicht zitternd an. Seffe lächelte und hob langsam den Pokéball, doch bevor dieser das Pokémon inhalieren konnte, hüpfte Ayla mit einem Schrei zur Seite und krachte in das Buffet. Seffe verzog die Brauen und holte durch die Zähne Luft, was einen zischenden Laut gab. Das Besteck fiel klirrend zu Boden, ein paar Gläser zerschepperten und die großen Platten, mit verschiedenen Häppchen darauf, verteilten das Essen unter den Scherben über den Boden. Ayla lag kurz etwas benommen in dem Desaster und schüttelte sich. Seffe blickte auf den Ball in seiner Hand und bevor der wieder verfehlte, warf er ihn schnell und zielsicher auf die Fee. Der Ball traf das Pokémon genau an der Stirn und das Pixi verzog bei dem Aufprall das Gesicht, sogleich wurde es eingezogen. Die Mitte des Balls glühte und es schien so, als ob Ayla gleich wieder ausbrechen würde. Da kamen aus dem Boden zwei dunkle Hände und umgriffen den Pokéball. Sie drückten den Kreis, der Ballmitte, tiefer herein und aktivierten somit die Sperre. Nun hatte das Pixi keine Chance mehr den Pokéball aus eigenem Willen zu verlassen. Dann erschien der matschige Schatten auf dem Boden und Mr. Spook kam heraus und schwebte vor Seffe, ehe er seinem Trainer mit ausdrucksloser Mine den Ball mit beiden Händen hinhielt. Seffe seufzte und nahm den Pokéball an sich.
„Danke, Spook.“
Spook rollte nur mit den Augen, kreuzte die Arme und verschwand wieder im Boden. Jetzt registrierte Seffe die Stille und drehte sich langsam um. Die Blicke aller Leute lagen auf ihm. Er räusperte sich und griff sich an den Hinterkopf, dabei legte er seine Brauen schief. Er hatte nun wohl einiges zu erklären.

Die Abmachung
Nachdem Lotte ihren Dienst in der Bäckerei beendet hatte, ging sie in den Vertania Wald, auf der Suche nach stärkeren Trainern. Leise und gekonnt huschte sie durch das Gebüsch. Immerhin ging sie schon jahrelang mitten durch den Wald. Manchmal fand sie das ein oder andere Item oder gar ein interessantes Pokémon. Nach zwei Stunden setzte sie sich enttäuscht auf einen Baumstamm, da sie wieder nur verrückte Käfer-Freaks vorgefunden und sich vor ihnen versteckt hatte. Gedankenverloren beobachtete sie ein paar Meter entfernt ein Paras. Das Käfer-Monster grub sich gerade eine Schlafmulde. In der Pause, hatte sie sich auf ihrem Smartphone erneut die Kämpfe des letztens Hypercups angeschaut und sich näher mit Seffe beschäftigt. Sie musste zugeben, dass er einen sehr fairen Kampfstil aufwies und seine Pokémon öfter vor der Ohnmacht aus dem Kampf gezogen hatte. Der Kampf den sie sich mit ihm geleistet hatte, pochte ihr noch immer gegen die Stirn. Immerhin hatte er es geschafft, mit seinem Pikachu, ihren nahezu riesigen, gepanzerten Fridolin zu besiegen. Sie blickte durch die hochgewachsenen Tannen in den Himmel.
„Stärke ist nicht alles, um zu gewinnen“, hörte sie Seffes Worte in ihren Gedanken, dicht gefolgt von dem Lachen seines verrückten Gengars. Diese Szene wollte ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen. Sie rieb sich über ihre Stirn und verzog ihren Mund. Mit dem Gengar verständigte er sich wohl oft über Telepathie. So schnell wie der Geist in Kämpfen reagierte und die Emotionen seines Trainers übernahm, wäre es anders gar nicht möglich. Man fand nur selten Trainer die ein Gengar unter Kontrolle hatten und oft hörte man nach einiger Zeit Geschichten wie „(...) hatte seine Seele gefressen“, „(...) verstarb eines plötzlichen Todes“ oder gar „(...) wurde so lange von Alpträumen geplagt, dass er sich das Leben nahm“. Ein kalter Schauer lief Lotte den Rücken herunter. Sie umfasste sich und rieb mit ihren Händen über ihre Oberarme. Dann schüttelte sie sich und nickte. Sie stand mit einem entschlossenen Lächeln auf und ballte eine Hand vor sich. Ab sofort würde sie auch mehr auf die Stärken ihrer Pokémon eingehen und – sie zuckte zusammen, als sie Schritte hörte. Schnell versteckte sie sich hinter einem Baum. Wahrscheinlich war es wieder so ein Käfer-Freak. Lotte hob ihre Brauen. Endlich! Eindeutig eine fremde Trainerin! Sie sah nach mehr aus, als die meisten anderen hier. Lotte sprang aus dem Gebüsch vor der Trainerin auf den Weg.
„Hey! Wollen wir kämpfen?“
Die Trainerin stockte prompt und hielt sich die Hand auf die Brust.
„Sag mal spinnst du? Wie kannst du mich so erschrecken?“
Der Frau stand die Blässe im Gesicht und sie musterte das Mädchen. Lotte stockte und rieb sich mit dem Blick zur Seite kurz über ihre erröteten Wangen.
„Oh, tut mir wirklich leid.“
Dann fingen ihre Augen wieder an zu glänzen.
„Trotzdem Lust zu kämpfen?“
Die Frau rollte mit den Augen. Sie sah etwas spießig aus, unter ihrem Mantel trug sie einen Rollkragenpullover und war in Naturtönen gekleidet. Ihre braunen Haare waren lang und glatt ohne besonderen Schnitt. Sie trug eine rahmenlose Brille und war nicht merklich geschminkt.
„Wenn du mich dann in Ruhe lässt, von mir aus.“
Dabei zog sie einen Pokéball aus ihrer Tasche.
„Cool! Okay, wir spielen nach den Regeln des ...“
„Eins gegen eins. Für mehr habe ich keine Zeit!“
Lotte verzog ihren Mund, während sie den kleinen rosafarbenen Ball, mit dem Herzchensticker darauf, aus ihrer Manteltasche zückte. Die Frau ließ ihr Pokémon heraus, ohne zu wissen, was Lotte gewählt hatte.
„Gut, möge der Kampf beginnen“, sagte Lotte, als sich ein Ambidiffel vor ihr materialisierte, das aussah wie ein Affe. Ein Pokémon mit dem Typ Normal hatte sie bei der Frau auch erwartet. Grinsend schmiss die Rothaarige ihren Ball in die Höhe.
„Los, Ay... waaaas?“ Ein neongelbes Pikachu saß vor ihr. Sie blinzelte.
Auch dem Elektro-Monster kam es nun etwas komisch vor, es hörte auf sich zu putzen und sah sich um.
„Ka?“, kam es von dem kleinen Wesen und es rümpfte die Nase. Ein paar Sekunden brauchten Lotte und Zitrone, um zu verstehen, was gerade lief.
„Was starrst du so dein Pikachu an, als würdest du es zum ersten Mal sehen? Können wir jetzt endlich anfangen?“
Lotte fasste an ihre Schläfe.
„Ich, ehm, tjaaa. Mein Pikachu. Kann ich nochmal tauschen?“
„Wenn du nicht weißt, welches Pokémon du in welchem Ball hast, ist das jetzt wirklich dein Problem! Du hast gewählt! Ruffy, setz deinen Sandwirbel ein!“
Mit diesen Worten eröffnete die Fremde den Kampf. Das Affen-Pokémon machte einen schrägen Ton, und seine großen Hände, an den Enden seiner zwei Ruten, fuhren wie zwei Schaufeln über den Weg und nahmen Kies, Erde und Sand auf. Der einst böse Blick des weiblichen Pikachus war nachdenklich geworden. Es wurde durch den Kampfschrei von Ambidiffel aus seinen Gedanken gerissen und blickte von der rothaarigen Trainerin in Richtung des violetten Affen. Dann sah es nur noch den Dreck auf sich zu fliegen, machte einen erschrockenen Ton und bekam ihn mitten ins Gesicht.
„Oh nein! Zitrone, so pass doch auf!“
Zitrone rieb sich quietschend ihre Augen! Sie schüttelte sich und sprang auf alle Viere. Die andere Trainerin hatte ihrem Affen-Pokémon derweil einen neuen Befehl gegeben und das Amidiffel holte zum Doppelschlag aus. Lotte schüttelte den Kopf, wo war sie da nur rein geraten? Es war offensichtlich, dass Zitrone noch etwas in den Augen hatte und sie nicht öffnen konnte. Lotte biss sich auf die Unterlippe, die Gedanken kreisten in ihrem Kopf. Das neongelbe Pokémon bekam erst links, dann rechts, eine Ohrfeige und wurde zur Seite geschleudert. Jammernd lag es am Boden und rieb sich immer wieder die Augen.
„Was ist los? Du wolltest kämpfen und jetzt kommst du mit so einem schwachen Pikachu an? Du solltest wohl noch etwas mit ihm trainieren! Los, Ruffy! Nochmal Doppelschlag, dann hast du´s gleich!“
Ambidiffel machte Affentöne und rannte erneut auf das Elektrowesen zu.
„Zitrone ist alles, aber nicht schwach!“, rief Lotte sauer. Zitrone hatte sich wieder aufgerappelt und versuchte ihre Augen zu öffnen, doch sie konnte nur gerade so durch kleine Schlitze sehen.
„Vorsicht, Zitrone! Hüpf nach rechts… ehm – jetzt!“, rief Lotte ihr zu. Was sollte sie schon tun, sie war mitten drinnen. Sie mussten jetzt wohl oder übel zusammen halten oder etwa nicht? Zitrone nahm den Befehl wahr, zögerte jedoch einen Moment. Lotte versuchte den Führungsstil von Seffe zu übernehmen. Doch als Zitrone zur Seite sprang, war es zu spät und sie wurde von dem violetten Affen leicht an der Flanke getroffen.
„Chuuaaaa!“, rief Zitrone und aus ihren Wangen stießen Blitze auf. Sie versuchte sich zu erinnern was als letztes passiert war. Angekommen im Pokémon Center wurde sie verarztet und schlafend in ihren Ball gezogen. Hatte sie Seffe ernsthaft getauscht? Ihre Trauer wandelte sich in Wut um und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie war so enttäuscht. Sie wollte nicht Kämpfen und überlegte einfach weg zu rennen. Das Ambidiffel konzentrierte sich derweil und entwickelte eine Energiekugel zwischen seinen großen Händen an den Ruten. Der Hyperstrahl wurde aufgeladen, mit diesem Treffer sollte das Pikachu zu Boden gehen.
„Nein! Zitrone, bitte!“, flehte Lotte, die hilflos die Szene beobachtete.
„Das handelt sich hier alles um eine blöde Verwechslung! Wir müssen jetzt zusammenhalten. Mach irgendwas!“
Als Zitrone ihren Namen hörte, zuckten ihre Ohren und sie lauschte der Trainerin. Die Tränen hatten den Dreck etwas aus ihren Augen gespült und verkniffen sah sie zu dem violetten Affen, welcher nun seinen Hyperstrahl gegen sie richtete. Im letzten Moment sprang sie mit einem Ruckzuckhieb hoch, wandte sich geschickt in der Luft, stieß sich an einem Baum ab und huschte mit der selbigen Attacke auf das Ambidiffel zu. Der Hyperstrahl hinterließ eine dunkle Kuhle auf dem steinigen Boden des Weges und im nächsten Moment bekam das Affen-Monster den Kopf des Pikachus hart in den Bauch gerammt. Das Ambidiffel fiel um und Zitrone sprang ab von ihm. Sie landete ein paar Meter vor Lotte auf allen Vieren. Aus ihren Wangen stießen immer wieder Blitze und sie blickte finster drein. Eine Verwechslung? Sie schöpfte Hoffnung. Was hatte sie aktuell schon für eine Wahl? Sie könnte sich jetzt von dem Affen verkloppen lassen oder sich zur Wehr setzen. Lotte seufzte erleichtert, dankend sah sie auf Zitrone und hielt ihre Hände vor ihre Brust. Dann ballte sie diese zu Fäusten und nickte.
„Und jetzt - eeehm. Mach irgendwas Elektrisches.“
Ein Ohr von Zitrone zuckte und sie legte ihren Kopf schief. War das Mädchen jetzt so nervös oder warum stammelte sie so ein Zeug? Besonders viel Halt gab ihr die neue Trainerin nicht. Der Moment der Verwirrung reichte aus und der Affe trat das Pikachu mit einem Gigastoß zur Seite. Das hatte gesessen. Zitrone prallte an einem Baum ab und blieb einen Moment auf dem Boden liegen. Die Schreie von Lotte hörte sie zwar, aber sie war zu benommen, als dass sie hätte verstehen können, was sie sagte. Sie rappelte sich auf. Schwankend stand Zitrone auf allen Vieren und wurde erneut von dem Affen mit dem Doppelschlag geohrfeigt. Nun lag sie auf dem Rücken und kämpfte um Besinnung.
„Neeeeiiiiin! Zitrone! Oh man, scheiße! Vorsicht es kommt wieder auf dich zu! Donnerblitz! Jetzt!“, rief Lotte – das war doch die Attacke die Zitrone konnte, oder? Lotte biss sich auf die Unterlippe und zog ihre roten Haare in die Länge. Es tat ihr so leid, wie das kleine Pikachu die Schläge von Ambidiffel einstecken musste. Die braunhaarige Trainerin rollte kopfschüttelnd mit den Augen und gab Ruffy den nächsten Befehl. Das Pikachu überhaupt noch versuchte aufzustehen war für sie ein Wunder. Erneut sollte die Attacke Doppelschlag ausgeführt werden, das sollte genügen. Gerade holte Ambidiffel aus und wollte den Elektronager ein letztes Mal ohrfeigen, da öffnete das Pikachu finster guckend die Augen. Ein lauter Schrei ging von Zitrone aus. Sie war und Wort wörtlich aufgeladen und entfesselte in ihrer Wut und Enttäuschung einen mächtigen Donnerblitz. Ambidiffel blieb für einen kurzen Moment zuckend in der Luft stehen. Als der Affe zu Boden fiel, sah man direkt, dass er so schnell nicht mehr aufstehen würde. Der Boden unter Ruffy schwarz und verkohlt, leichter Rauch stieg um ihn herum auf. Dann rappelte sich das Elektromonster wieder auf.
„Ka!“, machte Zirone, dann blickte sie mit verengten Augen Lotte an und legte ihre Ohren zurück. Ein Moment der Stille verging und die Frau rannte zu ihrem Ambidiffel. Sie streichelte und murmelte etwas zu ihm, ehe sie es zurück in den Ball nahm.
„Das Pikachu ist viel zu stark für dich! Ein guter Trainer sollte mindestens das gleiche Level wie sein Pokémon haben, um es richtig zu trainieren!“
Sie hatte in ihrer Seitentasche des Mantels gewühlt und warf Lotte einen zerknüllten 10-Pokédollar-Schein vor die Füße.
„Mehr hat dein schlechter Kampfstil nicht verdient!“
Sie machte auf dem Absatz kehrt und rannte zum Ausgang des Waldes. Lotte blinzelte ihr nach. Sie versuchte ihr leichtes zittern zu unterdrücken und blickte zu Zitrone. Das weibliche Pikachu stand unverändert da und verengte ihre Augen nur noch ein Stück mehr.
„Na ja, für`s erste Mal – wenigstens haben wir gewonnen, Zitrone.“ Lotte ging lächelnd auf das Pokémon zu. Doch Zitrone teilte ihre Meinung nicht und bevor die Rothaarige sie erreichen konnte, stieß sie einen kleinen Blitz in ihre Richtung aus. Lotte wurde getroffen und sah nun etwas zerzaust aus.
„Aua! Was bitte sollte das? Glaubst du etwa ich wusste, dass du aus dem Ball kommst? Ich dachte Ayla ist da drinnen!“
Lotte hob den Pokéball in Pikachus Richtung. Doch ehe dieser das Pokémon einziehen konnte, sprang Zitrone zur Seite und schüttelte den Kopf, ehe sie sich mit dem Hinterlauf am Ohr kratzte.
„Was soll das? Ab jetzt! Geh rein!“
Doch immer wenn Lotte den Ball in die Richtung des Pikachus hielt, hüpfte es zur Seite. Sie zog die Brauen zusammen und schmiss den Ball nach dem Elektronager und das Pokémon wurde eingezogen.
„Geht doch“, sagte sie und bückte sich nach dem Ball, da kam ihr eine Idee und sie fing teuflisch an zu grinsen. gerade wollte sie den Ball aufheben, da platzte er wieder auf. Lotte gab einen erschrockenen Ton von sich, als Zitrone mit angelegten Ohren und knisternden Wangen vor ihr stand. Das niedliche Gesicht des Pikachus war vergangen und Lotte hob schlichtend ihre Hände.
„Okay, Zitrone. Es tut mir leid, dass du all die Attacken des Ambidiffels einkassieren musstest – wirklich! Aber ich hatte auch noch nie ein Pikachu. Und scheinbar wurdest du im Poké Center mit Ayla vertauscht.“
Zitrone rollte mit den Augen und seufzte, als sich Lotte neben sie hockte. Abwartend blickte Zitrone Lotte an ehe sie sich auf ihre zwei Hinterbeine stellte und anfing herumzufuchteln. Sie versuchte etwas zu erklären. Lotte stellte sich gekonnt dumm und hob beide Brauen in die Höhe.
„Sorry, aber ich kann jetzt nur raten. Ah, du willst zurück deinem Trainer, richtig?“
Zitrone nickte heftig.
„Okay, ich will auch Ayla zurück“, sagte sie und grinste in sich hinein.
„Aber ich habe keine Ahnung, wo sich Seffe befindet und wer weiß, ob er überhaupt schon bemerkt hat, dass er dich gar nicht im Team hat. Männer sind da manchmal etwas ... naja, sie merken halt vieles erst etwas später. Wenn du weißt, was ich meine.“
Mit großen Augen sah Zitrone sie an. Hatte Lotte vielleicht Recht? Hatte Seffe die Verwechslung in seinem Team noch gar nicht bemerkt? Zitrone ließ ihre langen Ohren hängen, dann sah sie auf und schüttelte den Kopf. Seffe hatte es bestimmt schon längst gemerkt und war auf dem Weg zurück nach Vertania. Er machte sich mit Sicherheit große Sorgen und würde sie unheimlich vermissen. Sie blickte ruckartig zur Seite und ihre Ohren waren aufmerksam nach vorne gerichtet. Dort war Vertania. Lotte folgte Zitrones Blick und sprang auf, als Elektro-Pokémon los rannte.
„Hey! Zitrone! WARTE!“, rief sie und rannte so schnell sie konnte hinterher. Das gab es doch nicht! Seffe würde sie mit Sicherheit aufsuchen und sein Pikachu gegen ihr Pixi zurück fordern. Wenn sie ihm antworten müsste, dass Zitrone abgehauen sei, würde er … gar nicht daran zu denken, was er eventuell würde. Lotte rannte bei den Gedanken noch schneller, doch der Abstand zu dem Pikachu wurde größer, da es durch seine Agilität immer schneller wurde. Seitenstechen hatte Lotte gepackt und laut schnaufend stürmte sie in das Pokémon Center.
„Zitrone!“, rief sie atemlos und sogleich landeten alle Blicke auf ihr. Das kleine gelbe Monster war bereits dabei einen Aufstand zu proben und das Chaneira versuchte es ruhig zu bekommen.
„Was ist denn hier los?“, fragte Schwester Joy durch das Chaos.

„Das Pikachu gehört zu mir, Nera“, rief Lotte, doch Zitrone schüttelte wild den Kopf und als Lotte mit dem Ball erneut auf das Pikachu zielte, sprang es wieder weg. Nera hatte versucht es fest zu halten und fiel dabei um. Anstelle des gelben Monsters, wurde das Chaneira kurz in den Pokéball gezogen.
„Man Zitrone, komm wieder runter und hör auf mit dem Scheiß!“, stieß Lotte aus und rannte dem Pikachu hinterher. Zitrone sprang durch das Center und rannte schreiend und quietschend zwischen den Beinen der Leute durch. Ein Mann stolperte dabei, Lotte konnte ihm nicht mehr ausweichen und fiel mit ihm um. In einer Ecke machte Zitrone Halt. Geduckt und kampfbereit sah sie sich um. Aus ihren magentafarbenen Wangen kamen kleine, leuchtende Blitze heraus. Das Chaneira brach aufgebracht aus dem Ball aus und fing an laut zu schimpfen. Lautstärke und Chaos regierten im Pokémon Center.
„Es reicht!“, rief Schwester Joy bestimmend durch den Raum. Alle stockten und sahen sie abwartend an.
„Was soll das? Charlotte! Was ist hier los?“
Joys sanftes Lächeln war vergangen.
„Hier sind kranke und gestresste Pokémon in den Nebenräumen! Ich bitte um Ruhe!“
Dann blickte sie zu dem Chaneira und machte eine fließende Handbewegung.
„Nera, bitte räume hier etwas auf.“
Das rosafarbene Pokémon gehorchte sofort. Lotte half dem Mann auf, mit dem sie zusammen gestürzt war. Zum Glück hatte sich keiner ernsthaft verletzt. Zitrone schnupperte reine Luft und hüpfte zu der Schwester auf den Tresen, die das weibliche Pikachu sofort erkannte.
„Zitrone? Was machst du denn hier, wo ist denn dein Trainer?“
Dabei streichelte sie das Pikachu über den Kopf, das sofort anfing zu fiepen und herum zu fuchteln und danach auf Lotte zeigte. Mit zusammengezogenen Augenbrauen ging Lotte auf die beiden zu.
„Sie wissen nicht, warum Zitrone bei mir ist? Sie haben doch die Pokémon vertauscht! Und Seffe mit seinem verrückten Gengar, hat jetzt wahrscheinlich meine arme Ayla. Sie wird tausend Tode sterben und hat bestimmt viel Angst!“
Zitrone ließ ihre Ohren hängen und blickte Lotte finster an, doch bevor sie sich wieder aufregen konnte, streichelte ihr Schwester Joy über den Kopf.
„Jetzt beruhigt euch erstmal. Nera muss wohl etwas vertauscht haben, ich habe die beiden noch verarztet und dann“, sagte Joy und zuckte mit den Schultern. Dabei drehte sie sich kurz zu dem Chaneira, um dem Pokémon heimlich zu zuzwinkern. Gerade wollte sich Nera rechtfertigen, da hielt sie inne und hon weiter die Papiere auf, die das Pikachu vom Tresen gefegt hatte. Erneut fing Zitrone an zu reden und fuchtelte herum. Ihre Erzählungen waren eine wirre, quietschende Kombination, aus ihrem Rassennamen den sie äußerst verständlich aussprach. Immerhin hatte jedes Pokémon seinen Rassennamen aus den Tönen die es machte zugewiesen bekommen. Bei manchen konnte man den Namen deutlich hören und bei anderen brauchten die Forscher wohl etwas mehr Fantasie.

„Zitrone will zurück zu Seffe“, sagte Lotte und band derweil ihre zerzausten Haare zu einem Zopf zusammen.
„War er schon hier und hat nach ihr gesucht?“
Schwester Joy schüttelte leicht den Kopf.
„Nein, noch nicht. Männer merken ja vieles erst – naja – etwas später eben. Und wie du dir wahrscheinlich denken kannst, weiß ich auch nicht, wo er sich aktuell befindet.“
Zitrone hatte Joy zuerst aufmerksam angesehen, dann ließ sie ihren Kopf und Ohren hängen. Dabei hatte sie sich so sehr gewünscht, ihren Trainer hier anzutreffen. Wo sollte sie jetzt nach ihm suchen?
„Wir werden ihn schon wieder finden!“, sagte Lotte aufbauend und tätschelte das Köpfchen des Pikachus. Zufrieden nickte Schwester Joy. Sie würden mit Sicherheit wieder zusammen finden. Zitrone hatte von Joy noch einen Trank bekommen und watschelte grimmig hinter Lotte aus dem Pokémon Center.
„So Zitrone, hier mein Angebot: Ich helfe dir so schnell wie möglich zurück zu Seffe zu kommen, aber vorher musst du mir helfen einen Orden zu bekommen.“
Lotte grinste schelmisch und das Pikachu blickte langsam an ihr hoch.
„Pika-pi?“
„Wir werden morgen früh nach Azuria aufbrechen, dort sind alle auf Wasser-Pokémon spezialisiert, das sollte ein Leichtes für dich werden. Und danach, fahre ich direkt mit dir nach Alabastia.“
Zitrone ließ ein Ohr hängen und rollte mit den Augen.
„Also? Abgemacht?“
Zitrone seufzte nochmal tief, ehe sie nickte. Was blieb ihr schon anderes übrig?


Damals

Am nächsten Morgen konnte Seffe wenigstens bis 8:30 Uhr schlafen, dann wurde er von dem Fukano seiner Mutter wach geschlabbert. Das hundeähnliche Feuer-Pokémon hatte schnell gelernt Türen zu öffnen, wenn sie nicht abgeschlossen waren. Er hatte das Fukano Emelie genannt und damals seiner Mutter geschenkt, nachdem es schon eine Weile in seinem Team war. Als seine Mutter die kleine Fukanohündin das erste Mal sah, war sie so hin und weg, dass er es nicht mehr übers Herz brachte, ihr Emelie wieder weg zu nehmen. Da sein Vater viel auf Achse war und mit Professor Affenbrotbaum* die Gene der Pokémon erforschte und ansonsten viel im Labor unterstützte, war seine Mutter oft alleine. Mit Emelie hatte sie nicht nur ein sehr treues Pokémon an ihrer Seite, sondern auch etwas Schutz.

(* Eine besondere Eigenschaft der Professoren der Pokémon Hauptreihe sind ihre Namen. Alle stammen von Bäumen ab. Aktuell bekannt, unter anderem durch die Pokémon Editionen, sind Prof. Eich, Prof. Lind, Prof. Birk, Prof. Eibe, Prof. Esche und Prof. Platan. Was bleibt denn da noch übrig ohne einen der bestehenden Professoren zu nutzen?)

Nach einem ausgiebigen Frühstück und der Verabschiedung seiner Eltern, konnte er es kaum noch erwarten sich auf sein Motorrad zu setzen. Eine Honda CB 750. Nun stand er vor ihr und fuhr mit einem Finger vom Sitz über den Tank und über den Lenker, dann erst steckte er den Zündschlüssel in die Öffnung. Motorrad fahren war eine seiner Leidenschaften und die Maschine war für ihn wie purer Sex. Er hatte ihr ein besseres Fahrwerk eingebaut, um mit ihr Straßen und Gelände befahren zu können. Sie lag etwas höher als von Werk. Die Dämpfer waren dezent in schwarz gehalten und der Sitz war mit dunkelbraunem Leder bezogen. Die Felgen hatten eine 5-Armige Sternform und waren ebenfalls schwarz gepulvert. Ein paar Teile glänzten in poliertem Chrom auf. Das runde Frontlicht war gelb foliert und den perlmuttweißen Tank zierte das Honda-Emblem. Im gleichen Weiß war eine Race-Tafel angebracht mit der Nummer 86 darauf. Die 86 war mit einer schwarzen Kontur umfasst und passend zum Scheinwerfer gelb gefüllt. Der Flügel des Honda-Emblems war in dem selbigen Stil gehalten. Die Maschine hatte er von seinem Opa bekommen. Bei dem Gedanken lächelte Seffe sacht.

Der siebenjährige Junge mit den blauen Haaren rannte über den gepflasterten Hof. Sein Opa wohnte direkt gegenüber seiner Eltern. Der Junge wusste, dass er zuhause war, denn das Motorrad stand vor dem Haus und wie erwartet war die Eingangstür nur angelehnt. Seffe konnte es kaum erwarten seinen Opa zu sehen, denn heute würde er ihn zum Einkaufen mitnehmen. Das spannendste daran war, dass sie mit dem Motorrad fahren würden. Stürmisch rannte Seffe um die Ecke und da stand sein Opa. Der Junge versuchte noch zu bremsen, doch stieß mit dem älteren Mann zusammen. Der Zusammenstoß wurde schließlich zu einer freudigen Umarmung. Lachend hielt ihn sein Opa im Arm, er hatte die schnellen Schritte von Seffe natürlich schon vernommen, denn er war noch gut in Form für sein Alter.
„Junge! Nicht so stürmisch“, lachte er und Seffe grinste ihn breit an.
„Wenn du später mal Motorrad fährst, Seffe, darfst du aber nicht so um die Ecke rasen, da musst du sehr achtsam sein. Hörst du?“
Seffe blickte ihn aus großen Augen an und nach einer kurzen nachdenklichen Pause nickte er mit einem Lächeln.
„Aber Opa bevor wir einkaufen“, stieß der Junge aufgebracht aus, ehe er seine Stimme dämmte. „Kannst du mir davor nochmal die Fotos zeigen?“
Erneut musste der Mann auflachen und fuhr sich durch sein weißes, noch recht volles Haar.
„Dann müssen wir uns aber beeilen, die Läden machen gegen Mittag zu. Wir haben Samstag.“
„Biiitteeee!“
Seffe zupfte an dem Hemd seines Opas, der darauf mit einem Lächeln nickte.
„Okay, aber wirklich nur kurz. Wenn ich die Öffnungszeiten verpasse, werden deine Eltern sauer. Ich bin diese Woche dran, sonntags zu kochen.“

Als sein Opa ins Wohnzimmer lief, bekam Seffe glänzende Augen, sein Blick fiel noch einmal zurück. Durch die offene Tür erkannte er einen Teil des Hecks der Maschine.
„Kommst du, Seffe?“
Seffe zuckte auf und rannte ihm hinterher, dann hüpfte er mit Schwung über die Lehne der Couch neben seinen Opa. Der Mann hatte ein kleines unauffälliges Buch hervor geholt und blickte Seffe mit erhobenem Finger an.
„Aber erzähl das niemals deinen ...“
„Jaaaa, Mama und Papa dürfen nichts davon wissen. Sonst darf ich bestimmt nicht mehr mit dir fahren. Ich schweige wie ein Echnatoll!“, unterbrach ihn Seffe, worauf sein Opa lächelte.
„Gut, gut. Hier. Das war ich vor dreißig Jahren. Auf einem illegalen Straßenrennen in der Innenstadt von Safronia. Mein Motorrad hatte die Nummer 86.“
Er kicherte dabei und Seffe sah fasziniert auf die schwarz-weißen Foto auf der Seite. Ein Foto gefiel Seffe besonders gut, es zeigte einen Motorradfahrer, erstaunlich gut getroffen, während der Fahrt, man erkannte klar die CB 750. Der Hintergrund war verwischt und andere Motorradfahrer fuhren dicht neben und hinter ihm.
„Das waren noch Zeiten. Wir waren ganz schön böse Jungs und mit der Polizei hat es dann oft in einem Pokémonkampf geendet. Ich war immer wieder heilfroh, wenn ich da unversehrt rauskam.“
Sein Opa lachte leise und fasste sich etwas verlegen an seinen Kopf.
„Früher waren die Straßen noch freier, da konnte man so etwas noch machen“, murmelte er und Seffe blätterte in dem Buch weiter. Hier war sein Opa mit der Honda fotografiert, während er auf ihr saß und sich lässig auf den Lenker lehnte.
„Es ist zwar alles schwarz-weiß, aber damals hatte ich genau so blaue Haare wie du, Seffe.“
Mit einem sachten Lächeln wuschelte er seinem Enkel durch die zerzausten Haare.

Seffe seufzte und setzte sich den Helm auf. Ein Lächeln huschte über seine Lippen, während sein Blick auf der Honda lag. Als sein Opa irgendwann nicht mehr fahren konnte, sagten seine Eltern, dass er das Motorrad verkaufen sollte. Es gab sogar richtigen Streit deswegen und eines Tages war die Maschine spurlos verschwunden. Ein paar Jahre später erlitt sein Opa einen schweren Schlaganfall. Nach dem Vorfall erzählte er viel wirres Zeug. Doch Seffe besuchte ihn jeden Tag im Krankenhaus und jeden Tag erneut, erkannte ihn sein Opa, als den kleinen Jungen, obwohl er schon 16 Jahre war, und erzählte ihm seine Geschichte vom Motorradfahren, den illegalen Straßenrennen und seinen wilden Pokémonkämpfen. In dieser Zeit suchte Seffe, in dem Haus seines Opas, fast jeden Abend, nach dem kleinen Fotobuch, bis er es schließlich fand.

Mit gesenktem Blick lief der 16-Jährige, gefolgt von seinem Pichu, den Flur im Krankenhaus entlang und blieb vor der Tür stehen. Mit beiden Händen umfasste er das Buch mit den alten Fotos. Seine Augen glänzten leicht. Eine vollständige Genesung, hatten die Ärzte bereits ausgeschlossen. Er seufzte tief und blickte auf das kleine, neongelbe Pichu, was dicht neben ihm verweilte und mit hängenden Ohren zu ihm auf sah.
„Geh bitte in deinen Ball, Zitrone. Ich hol dich danach wieder raus“, sagte Seffe fast tonlos. Das Pichu rieb seinen Kopf nochmal an dem Hosenbein seines Trainers, dann verschwand es in dem Pokéball an seinem Gürtel.
Seffe blieb noch eine halbe Minute vor der Tür stehen, ehe er tief ein- und ausatmete und langsam die Klinke nach unten drückte. Sogleich blickte sein Opa lächelnd zu ihm und setzte sich im Bett leicht auf.
„Seffe, Junge! Schön dich zu sehen. Wollen wir eine Runde zusammen drehen?“
Seffe lächelte ihn an und setzte sich neben ihn.
„Später vielleicht, Opa. Aber vorher zeigst du mir nochmal die Fotos, okay?“
Dabei hielt Seffe ihm das Buch hin, worauf der alte Mann die Brauen hob. Der Schlaganfall hatte ihm schwer zugesetzt, er wirkte blass und hatte dunkle Augenringe.
„Das Buch. Wo hast du das her? Ich hatte es doch so gut versteckt. Du weißt doch, dass du niemals deinen ...“
„Jaaaa, ich darf meinen Eltern nichts davon erzählen, sonst darfst du mich nicht mehr mitnehmen. Ich schweige wie ein Echnatoll!“, unterbrach ihn Seffe und wurde von ihm angelächelt.

Gedankenverloren schloss Seffe den Kinnriemen des Helms und setzte sich auf die Honda. Dann zog er den Reißverschluss seiner schwarzen Lederjacke zu und holte die Handschuhe aus der Jackentasche. Er hatte bis zum heutigen Tag tatsächlich nie etwas davon seinen Eltern erzählt.

„Gut, gut“, sagte sein Opa und schlug das Buch auf. Das Gespräch verlief wie immer und unbemerkt strich sich der 16-Jährige schnell über die Augen. Sein Opa sollte keine Tränen bei ihm sehen. Er war dabei so glücklich, als er ihm alles immer wieder von vorne erzählte. Tag für Tag.
„Das waren noch Zeiten“, lachte der alte Mann und wuschelte Seffe schließlich durch seine Haare.
„Ich hatte früher genauso blaue Haare wie du.“
Seffe presste seine Lippen zusammen und ging in ein Lächeln über.
„Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Deine Haare sind schneeweiß.“
Sein Opa lachte, ehe er plötzlich mit ernstem Blick stockte und Seffe am Arm näher zu sich zog.
„Wenn ihr die Maschine findet. Gehört sie dir, Seffe!“
Seffe hielt die Luft an und stellte seine Augenbrauen schief.
„W-was?“
„Stell dich nicht dumm, Junge. Die Honda! Sie soll dir sein. Ich schenke sie dir. Sie steht im Schuppen.“
Seffe hob die Brauen und sein Opa nickte und zwinkerte ihm zu, dann lockerte er seinen Griff wieder.
„Ich wollte sie dir zum 18. Geburtstag schenken, aber du bist noch so jung.“
Er lachte und tätschelte Seffes Hand, der ihn ungläubig anguckte. Hatte sein Opa einen lichten Moment oder ging die Fantasie mit ihm durch?

Seffe seufzte und strich der Honda über den Tank. Als er damals das Krankenhaus verließ, erzählte er gleich seinen Eltern von dem Ereignis. In der folgenden Nacht verstarb sein Opa. Als es schließlich darauf zuging, das Haus und den Schuppen zu räumen, fanden sie tatsächlich das verschwundene Motorrad. Rita war total dagegen, weil Motorradfahren viel zu gefährlich sei, speziell, wenn es dabei um ihren Sohn ging. Doch Dietrich nahm den letzten Wunsch seines Vaters wahr und versprach seinem Sohn, bis zu seinem 18. Geburtstag, das Motorrad für ihn aufzuheben. Er mietete für die Honda sogar einen Platz in einer trockenen Garage an und das Haus von Seffes Opa wurde verkauft. An Felix´ Familie. Sie kamen ursprünglich aus der Region Einall. Bevor sie einzogen, wurde das komplette Haus erstmal von Grund auf saniert und renoviert. Gedankenverloren sah sich Seffe die zwei Gebäude an. Das Haus seiner Eltern, mit dem Hof und dem Schuppen dahinter, hatte sich kaum verändert und wirkte gegen das andere sehr rustikal. Das ehemalige Haus seines Opa war wohl das modernste in Alabastia. Die Fenster waren hoch geschnitten und die Fassade strahlend weiß gestrichen, von dem ursprünglichen Fachwerk sah man nichts mehr. Die Bäume und Büsche im Vorgarten waren alle ordentlich zugeschnitten und weiße Pflastersteine zogen sich geradlinig durch die Wiese, bei der jeder Grashalm gleichlang war. Seffe hob kurz seine Brauen, er sah immer noch den alten Hof und wie er mit den Pokémon darauf herumgetollt hatte. Er startete die CB 750, welche direkt an sprang – wie damals zu seinem 18. Geburtstag, als hätte sie die ganze Zeit sehnsüchtig auf ihn gewartet. Immerhin war das Motorrad älter als er und durch das lange Stehen, war der Zustand damals nicht mehr allzu gut gewesen.
„Ich hätte nie gedacht, dass du dieses Wrack wieder hinbekommst“, kam eine Stimme wie aus dem Nichts und Seffe zuckte leicht zusammen, ehe er lautlos schnaufte.
„Felix. Was willst du?“
Seffe guckte über die Schulter zu ihm und ließ die Kupplung leicht kommen, wobei die Honda leicht anrollte.
„Macht das Teil keine Mucken? Hast du nicht Angst, dass sie dich im Gelände irgendwann mal hängen lässt? Bei deinem Orientierungssinn, wärst du gnadenlos verloren.“
Felix grinste ihn an. Doch Seffe beschäftigte sich damit, die Spiegeleinstellung an seinem Motorrad zu kontrollieren. Die zwei Männer waren gleichen Alters, doch so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Felix war modern und edel gekleidet und verheimlichte durch seine Rolex und guten Schuhe auch nicht, dass er Geld hatte. Seine Frisur hatte Seffe schon lange nicht mehr ungestylt gesehen. Bei Felix schien immer alles perfekt zu sein. Und er suchte immer Seffes Nähe. Mit einem selbstgefälligen Lächeln zeigte Felix auf die Dreckspritzer auf Heck des Motorrads.
„Du könntest sie mal wieder putzen“, sagte er und sah auf Seffe, dieser hob nur eine Braue, während der andere sein spöttisches Grinsen behielt.
„Also, dass dir diese kleinen Seitentaschen und dein Rucksack reichen, kann ich gar nicht glauben. Ist das nicht unangenehm beim Fahren?“
Seffe rollte sichtlich mit den Augen und schob die Maschine ein Stück zurück um an Felix vorbei zu kommen, der ihm absichtlich in den Weg stellte. Kurz drehte er am Gas, er würde jetzt schnell nach Vertania fahren, um Lotte zu suchen und die Pokémon wieder zu tauschen.
„Nervt dich deine Brille unter dem Helm nicht? Warum probierst du nicht mal Kontaktlinsen?“
Felix stellte sich erneut vor das Motorrad.
„Willst du ein paar auf die Fresse kassieren oder machst du freiwillig Platz?“, fragte Seffe in gelassenem Ton, worauf der andere kurz stockte und sich durch seine orangenen Haare fuhr.
„Oh, Josef.“
Felix lachte kurz gestellt.
„Aus dem Alter solltest du raus sein. Ich mach doch nur Spaß. Eigentlich wollte ich dir was zeigen. Ich hab mir jetzt den Jeep da drüben gekauft. Er ist ganz neu auf den Markt gekommen.“
Seffe ließ seine Augenbrauen sinken, machte jedoch keine Anstalten rüber zu sehen, sondern blickte weiterhin Felix an. Er holte tief Luft und hielt sie an, dabei lehnte er sich auf der Honda leicht zurück und verschränkte seine Arme.
„Dem Nummernschild nach, hab ich mir schon denken können, dass es dein Auto ist“, sagte Seffe. Felix hob kurz seine Brauen, als ob er sich freuen würde, dass Seffe endlich auf ihn einging.
„Der ist echt super angenehm beim Fahren, so dass ich gleich mal eine Tour gemacht habe. Das schwerste Gelände schafft der auch, dank dem Allradantrieb. Ich bin mit ihm sogar durch die Wüste gefahren und hab einen Fluss überquert. Du glaubst nicht, was ich bei der Tour alles gefunden habe! Sogar ein Fossil. Das werde ich mal ins Forschungslabor bringen. Und weißt du was total komfortabel ist?“
Seffe rollte kurz mit den Augen, Felix redete sich wohl gerade in Rage.
„In den Kofferraum geht eine Menge Gepäck! Das ist echt super, wenn man auf Expedition ist und besondere Pokémon fangen will. Ich fahre sogar meine Taucherausrüstung immer mit mir rum! Man kann ja nie wissen. Fährst du immer noch deine blaue Schüssel oder hast du dir mittlerweile ein richtiges Auto gekauft? Geld genug hast du doch, oder? Hast du immer noch deinen Kurierjob oder ist da mittlerweile was Besseres draus geworden?“
„Der Motor ist jetzt warm gelaufen, Felix. Mach mir Platz“, antwortete Seffe und nahm seine Hände wieder an den Lenker des Motorrads.
„Was bist du so abweisend, Josef? Ich war froh, dich noch erwischt zu haben und wollte dich zu einem Kampf heraus fordern.“
Felix verengte seine Augen und stemmte eine Hand in seine Hüfte.
„War dir deine letzte Niederlage nicht genug, Felix?“
Seffe hob eine Braue und fuhr mit viel Gas leicht an. Die Honda bewegte sich kaum ein Stück vorwärts, doch jaulte laut auf, so dass der andere aus Schreck einen Hüpfer zur Seite tat.
„Sag mal, willst du mich umfahren?“
Felix hatte beide Hände zur Seite gehoben und schüttelte fassungslos seinen Kopf. Seffe schnaufte nur.
„Ja! Am liebsten würde ich das“, dachte er sich.
„Das nächste Mal, Felix, wenn ich Zitrone zurück habe!“, sagte er anstelle des Gedachten und ließ die Honda langsam an Felix vorbei rollen.
„Du kannst keinen Kampf einfach so ablehnen, für wen hältst du dich?“
Felix hatte seine Stimme gehoben und stieß Seffe gegen die Schulter.
„Was glaubst du, was die Leute von dir halten, wenn ich das erzähle? Meine Pokémon sind viel stärker geworden und dein Pikachu wird dir da rein gar nichts helfen!“
„Übertreib es nicht, Felix!“, zischte Seffe, der nach dem Schubser seinen Arm gehoben hatte und die Hand zur Faust ballte. Darauf ging Felix zwei Schritte zurück.
„Naja, wenn du meinst. Bei unserem nächsten Treffen, mache ich dich fertig. Im Kampf.“
Seffe biss die Zähne aufeinander. Schüttelte dann den Kopf und fuhr langsam an.
„Ich warte auf dich, Josef!“, rief ihm Felix noch nach, wobei er von Seffe noch einen bösen, seitlichen Blick kassierte.
Seffe stellte sich vor, wie er die Honda wieder abstellte und abstieg, um einen Pokéball zu werfen. Mit Schwung. Sehr feste. Direkt in Felix` Gesicht. Er schmunzelte darauf, ehe er mit einem Mal viel Gas gab. Das Hinterrad der Maschine drehte für einen kurzen Moment, auf dem Schotterweg, durch und hinterließ, neben den fliegenden, kleinen Steinchen, eine riesige Staubwolke auf Felix. Mit der Hand wedelte Felix vor seinem Gesicht herum und ging in schnellen Schritten und hustend aus der Staubwolke heraus. Finster blickte er Seffe nach, wie dieser die Straße entlang fuhr und sein Motorrad dabei neckend von links nach rechts schaukeln ließ.
„Das bekommst du noch zurück“, knurrte Felix und ging auf seinen silbernen Jeep zu.


Auf dem Weg nach Vertania (City)
(Ach schön, ich musste es so nennen, weil ich immer an das Lied denken muss! Jetzt anhören und direkt den beschissenen Ohrwurm gratis erhalten! xD https://www.youtube.com/watch?v=byiGfDQsUbQ )
Um aus dem Dorf Alabastia heraus zu kommen, musste man einen kleinen Wald durchfahren. Der schmale, schlecht geteerte Weg, auf welchem gerade so zwei Autos aneinander vorbei fahren konnten, führte auf eine breite Landstraße. Die Sonne zeigte sich mal wieder, was Seffe lächeln ließ. Er atmete die frische Luft ein und genoss das Gefühl der Freiheit. Neben Seffe flog ein Schwarm Habitaks auf, der eine Weile parallel mit ihm zog. Die Gegend um Alabastia war flach, da das Dorf ans Meer grenzte. Wälder konnte man in der Ferne sehen und noch ein Stück weiter, erkannte man blass Berge. Nach knapp einer Stunde Fahrt kam er Vertania näher, die Straßen waren immer besser ausgebaut und die Berge stiegen allmählich höher an den Seiten auf. Dann fuhr er am Ortsschild vorbei. Das Pokémon Center lag auf der Hauptstraße, die sich ihren Weg gerade durch Vertania bahnte. Seffe ließ die Honda ausrollen und stellte sie vor dem Center ab. Den Helm hatte er abgenommen und unter seinen Arm geklemmt. Als er das Gebäude betrat, lagen sofort wieder Blicke auf ihm. Kurz sah er sich um und nickte einer Gruppe jungen Trainern zu, die kurz aufzuckten. Sie glotzen ihn wortwörtlich an, ein paar lächelten verlegen und als er an ihnen vorbei gegangen war, fingen sie an zu tuscheln. Schwester Joy, die sonst immer aufmerksam war, tat so, als hätte sie ihn nicht wahrgenommen und sortierte weiterhin in einen Schrank Medizin ein. Seffe machte neben ihr Halt, an dem Stehtisch, der neben dem Schrank stand. Er legte seinen Helm auf dem Tisch ab und stützte einen Ellbogen darauf, dann räusperte er sich. Die Schwester hatte seine stechenden Blicke bemerkt, doch sortierte in aller Ruhe die letzte Medizinpackung in den Schrank ein und schloss ihn, dann erst sah sie mit einem Lächeln zu dem jungen Mann.
„Oh, Seffe. Das ist schön, dass du hier nochmal vorbei schaust. Brauchen deine Pokémon nochmal Verpflegung?“
Bei jedem weiteren Wort von Joy, hob Seffe eine Augenbraue mehr und mehr in die Höhe, ehe er den Mund verzog. Joy blinzelte ihn aus großen Augen an.
„Ist irgendwas?“
„Verkauf mich nicht für blöd. Wo ist Lotte? Oder vielmehr: Wo ist Zitrone?“
Seffe sprach absichtlich nur so laut, dass Heidrun ihn richtig verstehen konnte. Nun konnte sie Seffes Blick nicht mehr lächelnd standhalten und sah zur Seite.
„Ich – weiß nicht genau, wie du das meinst.“
Seffe ließ seinen Blick keine Sekunde von ihr ab und verengte leicht die Augen. Er holte langsam Luft und atmete ebenso langsam wieder aus. Joy zwirbelte währenddessen immer wieder eine rosa Haarsträhne um einen Finger, ehe sie diese wieder entzwirbelte. So entstand kurz eine Stille zwischen den beiden. Seffe tat eine abwartende Kopfbewegung.
„Lotte war hier“, sagte Joy schließlich und fuhr sich mit den Fingern durchs Gesicht.
„Lotte war hier und hatte Zitrone dabei.“
Erst jetzt hörte Seffe mit dem Starren auf und sah nach oben. Seine Hand legte er nun wieder auf dem Helm. Joys Blicke hatten ihm bestätigt, dass die Verwechslung scheinbar kein Versehen war.
„Weißt du, wo sie sich aufhält?“
Als Antwort bekam er erst nur ein Schulterzucken, doch dann hob Joy einen Finger und ihre Augenbrauen.
„Wenn Lotte nicht Zuhause ist, hält sie sich wahrscheinlich im Vertania Wald auf.“
Seffe schnaufte.
„Du weißt schon, dass ich morgen wieder arbeiten muss und für solche Zwischenfälle eigentlich keine Zeit habe? Denk dir nie wieder so einen Scherz aus. Wenn ich ein Mädchen wieder sehen will, bekomme ich das auch alleine hin!“
Joy sah kurz zur Seite und hob dabei einen Mundwinkel in die Höhe, doch bei Seffes genervtem Blick stockte sie.
„Lottes Zuhause ist am unteren Rand der Stadt, das Fachwerkhaus neben dem kleinen Poké Laden, du erkennst es an den Beerenbäumen im Vorgarten“, sagte sie und lächelte ihn nun wieder neutral an. Seffe hob seinen Finger.
„Darüber reden wir später nochmal, Heidrun!“
Gegen Ende hin nahm er in einer gleitenden Bewegung den Helm vom Tisch und verließ das Pokémon Center so schnell, wie er es betreten hatte. Die Trainergruppe sah ihm fragend nach und die Schwester seufzte. Schulterzuckend und mit einem Lächeln sah sie zu dem Chaneira und ging ihrer Tätigkeit nach. Wieder angekommen bei seiner Honda sah Seffe die Straße runter. Es war wirklich nicht weit und er konnte das Haus bereits erkennen. Langsam holte er Luft und hielt sie an. Lotte wusste scheinbar schon von der Verwechslung sie würde mit Sicherheit nicht überrascht sein ihn zu sehen. Nur wie würde sie reagieren? Beim Ausatmen sah er auf den Tank seines Motorrads, vorhin hatte er schon bemerkt, dass nicht mehr viel drinnen war. Die Tankstelle in Vertania war gerade im Umbau, die nächste war erst in Azuria. Ein Seufzen. Er schob die Maschine die Straße herunter, bis vor das Fachwerkhaus mit dem Beerenbäumen im Vorgarten und stellte sie vor dem Zaun ab. Er klemmte seinen Helm wieder unter den Arm und lief auf die Haustür zu. Sein Herz fing plötzlich an schneller zu pochen, warum wurde er so nervös? Kurz verweilte er unter dem kleinen Vordach, dann hob er langsam die Hand zur Klingel. Er wartete eine Weile und sah sich um. Die Beerenbäume sahen gesund aus und hatten die ersten Knospen gebildet, trotz des noch kühlen Wetters. Ansonsten sah der Garten, passend zum Rest der Stadt, eingewachsen und rustikal aus. Noch einmal klingelte er und versuchte in die Fenster rein zu lunzen. Doch es hingen Gardinen davor und die Lichtspiegelung verbot es ihm mehr zu sehen. Scheinbar war keiner Zuhause. Unhörbar seufzend wandte er sich ab und ging wieder zurück zu seinem Motorrad, da ging hinter ihm die Tür auf.
„Hallo?“
Eine alte Frauenstimme ließ Seffe stocken und er drehte sich um. Eine alte Frau, in einem einfachen Blümchenkleid, stand vor ihm, abgestützt auf einem Stock. Sie sah ihn mit verkniffenen Augen an.
„Hallo? Wer sind Sie?“, fragte sie nun etwas lauter.
„Deswegen hat es so lange gedauert“, dachte sich Seffe und schmunzelte. Das musste Lottes Oma sein.
„Hallo, ich hoffe ich störe nicht. Ist Lotte zuhause?“, sagte er mit charmantem Lächeln. Als er vor der Frau stand, war er fast zwei Köpfe größer als sie. Die alte Frau guckte mit verzogenem Gesicht und schief gelegtem Kopf nach oben. Sie erinnerte sich an die blauen Haare und hob erfreut ihre Brauen.
„Sind Sie etwa der Trainer aus dem Fernsehen? Sie haben den dritten Platz im Hypercupbelegt und gegen meine Enkelin im Wald gekämpft. Wie wundervoll, dass ich Sie kennenlernen darf! Ich habe auch für Sie gestimmt, ich hätte Ihnen den Sieg sowas von gegönnt.“
Seffe schluckte und lächelte verlegen, während die weißhaarige Dame ihn von oben bis unten musterte.
„Aber hat Ihnen denn niemand beigebracht, dass man sich zuerst vorstellt, bevor man etwas fragt?“
Seffe wusste noch immer nichts zu antworten und merkte wie ihm die Röte ins Gesicht stieg.
„Sie sind genauso ungehobelt, wie meine Enkelin“, sagte sie, dann lächelte sie ihn an.
„Sehr erfreut, ich bin Irmgard Krehahn. Aber kommen Sie erst Mal rein und wärmen sich bei einer heißen Tasse Tee auf. Der Wind ist kalt, obwohl die Sonne scheint.“
Seffe blickte mit offenem Mund zurück zu seinem Motorrad. Eigentlich hatte er keine Zeit dafür. Die Frau ging voran und Seffe haderte einzutreten.
„Ehm, ist Lotte denn daheim?“, rief er der Dame nach und betrat schließlich doch den Flur.
„Nein, aber sie kommt sicher bald. Oder mögen Sie lieber Kaffee?“
Seffe stand im Flur und hielt seinen Helm mit beiden Händen umfasst. Er erwischte sich dabei, wie er immer wieder zu seiner Honda guckte. Schließlich seufzte er leise.
„Kaffee, danke.“
Er schloss die Tür hinter sich und schaute sich um. Der Flur war klein und er konnte direkt in die Küche gucken, wo Frau Krehan mit einem Lächeln Kaffee aufsetzte. Der Stil war alt eingerichtet und genau so, wie man es bei alten Fachwerkhäusern vermutete.
„Nehmen Sie doch Platz auf der Couch. Das Wohnzimmer ist gleich gegenüber“, sagte Frau Krehan. Seffe ging in den Raum, der sich um die Ecke weit öffnete. Es war Wohn- und Esszimmer in einem. Sein Blick wanderte durch das Zimmer. Als Erstes fiel ihm auf, dass der Fernseher lief, dessen Ton jedoch auf stumm geschaltet war. Das Gerät setze sich vom Rest des Zimmers erheblich ab, es war ein riesiger LED Widescreen – Seffe schätze ihn auf 50 Zoll – und wohl das Neueste in diesem Raum. Die Möbel waren alt, aber gepflegt. Der Geruch erinnerte ihn an seinen Opa und er seufzte. Auf dem Sofa, mit den geschwungenen Beinchen, legte er seinen Motorradhelm und seine Lederjacke ab, daneben stellte er seinen großen Rucksack. Kurz hoffte er, dass der alte Blümchenstoff seiner Motorradjeans standhalten könnte und wollte sich setzen, da fiel ihm ein großer Schrank mit Fotos auf. Um genauer zu sein, war es ein Buffetschrank. Kurz sah er in Richtung Tür, doch Frau Krehan war wohl noch beschäftigt. Er steckte seine Hände in die vordere Tasche seines schwarzen Kapuzenpullovers und ging auf den Schrank zu. Auf der Fläche standen ein paar kitschige Figuren von Feen-Pokémon und gerahmte Bilder. Er bückte sich leicht, um die Leute darauf besser erkennen zu können. Auf dem einen war ein Hochzeitspaar zu sehen, eine hübsche Frau und ein ebenso gut aussehender Mann standen nebeneinander. Die Frau hatte dunkles, lockiges Haar und der Mann kurze, aber knallrote Haare. Auf einer Bilderreihe war eindeutig immer Lotte zu sehen – vom Kleinkindalter bis hin zur jungen Lady. Seffe hob eine Braue, auch wenn sie sich nicht immer so benahm. Doch sie war äußerst fotogen. Auf dem Foto im größten Bilderrahmen war eine komplette Familie zu sehen.
„Da war Lotte aber noch sehr jung“, murmelte Seffe, „Ihre Eltern, ihre Oma und wahrscheinlich ihr Opa.“
Jeder hatte ein Pokémon an seiner Seite. Lottes Oma hielt ein junges Yorkleff im Arm und Lotte ein Pii. Er lächelte kurz, alle wirken so glücklich auf dem Bild. Es gab noch mehrere kleine, gerahmte Fotos auf denen verschiedenen Pokémon zu sehen waren. Nun vernahm Seffe den immer stärker werdenden Geruch von Kaffee. Er ging schnell zum Sofa zurück und setzte sich, da vernahm er die Schritte der alten Dame. Die Frau balancierte ein Tablett und Seffe sprang auf.
„Warten Sie, ich nehme das Tablett ab.“
Die alte Frau lächelte.
„Sehr zuvorkommender, danke.“
Sie setzte sich und er stellte das Tablett auf dem Tisch ab. Es stand nicht nur Kaffee darauf, Milch und Zucker, sondern auch für jeden jeweils ein Stück Käsekuchen.
„Den habe ich gestern gebacken. Bedienen Sie sich ruhig“, sagte Frau Krehan und Seffe bemerkte, wie ihm erneut die Röte ins Gesicht stieg.
„Ich, ehm, das muss doch nicht ...“
„Ach Papperlapapp. Männer in ihrem Alter sind doch immer hungrig. Keine Scheu! Essen Sie nur.“
Seffe musste schmunzeln und widersetzte sich nicht mehr. Er machte Milch und drei Löffel Zucker in seinen Kaffee und bekam das Kuchenstück von der Frau zugeschoben. Er trank einen Schluck Kaffee und trennte die Kuchenspitze mit der Gabel ab. Er führte das Stück Kuchen an seinen Mund. Ihm schoss kurz durch den Kopf, ob dieser vergiftet sei, denn die Blicke von Lottes Oma lagen auf ihm. Langsam steckte er sich den Kuchen in den Mund und kaute vorsichtig darauf herum. Frau Krehan blinzelte ihn abwartend an und Seffe zog seine Brauen zusammen.
„Verdammt, ist der lecker“, stieß er aus und stockte im gleichen Moment, wegen des Ausdrucks. Doch Frau Krehan war scheinbar einiges von ihrer Enkelin gewohnt und fing nur breit an zu lächeln. Dann erst aß sie auch von ihrem Stück.
„Sind Sie denn ganz alleine hier?“, fragte Seffe.
„Oh nein. Eigentlich ist immer Wuschel, mein Terribark, bei mir. Aber Lotte ist mit ihm losgezogen.“
Dann blinzelte sie über ihre Brille. Ein hübscher Bursche, fand sie, trotz der Piercings. Aber so waren nun mal die jungen Leute aus der Stadt.
„Sind Sie mit ihr verabredet? Dann sollte sie bald nach Hause kommen. Charlotte ist eigentlich sehr zuverlässig.“
„Ich, eeehm, nicht wirklich.“
Seffe überlegte kurz und rückte routinemäßig seine Brille auf der Nase gerade, um nicht wieder rot zu werden. Dann stellte er den leeren Teller auf dem Tablett ab.
„Ich hab Lotte nur flüchtig im Wald kennen gelernt. Wir haben einen Kampf ausgetragen und im Pokémon Center gab es eine Verwechslung. Ich hatte gehofft sie hier an zu treffen, um mein Pikachu mit ihrem Pixi wieder zu tauschen.“
„Ach, so ist das.“
Seffe versuchte seine Mimik zu beherrschen, die alte Dame wirkte fast etwas enttäuscht. Doch dann lächelte sie wieder.
„Lotte ist wahrscheinlich wieder zum Vertania Wald gegangen. Sie ist dort immer zum Trainieren. Aber die meisten Trainer dort sind Kinder oder Käferfreaks und langweilen sie.“
Sie machte eine Pause.
„Sie haben Lotte haushoch besiegt, nicht wahr?“
Seffe stockte kurz und zuckte mit den Schultern.
„Naja, ich hab sie halt besiegt.“
„Lotte ist immer so hitzköpfig“, sagte ihre Oma und seufzte, während Seffe nachdenklich an seinem Kaffee trank.
„Seit wann trainieren Sie Pokémon?“
Seffe hob mit einem charmanten Lächeln seine Brauen.
„Ich bin mit Pokémon aufgewachsen. Ich habe meine ersten Versuche früh gewagt.“
„Wollen Sie noch ein Stück Kuchen mitnehmen?“
„Ehm. Nein, danke.“
„Wenn Sie Lotte im Vertania Wald finden wollen, brauchen Sie viel Ausdauer. Sie geht nämlich immer Querfeldein und hat eine Menge Energie. Sie legt meistens sehr weite Strecken zurück. Ich packe Ihnen noch ein großes Stück ein.“
„Das ist sehr nett, aber ...“
Frau Krehan stand auf und ging in Richtung Küche. Seffe seufzte leise, ehe er schmunzelte und leicht den Kopf schüttelte. Dann zog er seine Lederjacke wieder an und schulterte den schweren Rucksack. Mit dem Helm, in der einen Hand, stand er nun im Flur. Sein Blick fiel auf die Garderobe.
„Gehören davon etwas Lotte?“, fragte Seffe und zeigte auf die Kleidungsstücke. Frau Krehan runzelte die Stirn.
„Ja, sehr wohl. Der dunkelgraue Schal zum Beispiel, aber warum?“
Seffe begann zu grinsen und hob einen Turboball in die Höhe.
„Darf ich Paulinchen raus lassen? Eine Aranihündin. Sie ist vorsichtig und wirft mit Sicherheit nichts um.“
Lottes Oma nickte und Seffe drückte auf den Knopf des Balls, er wuchs in seiner Hand um das Fünffache an und sogleich stand der Feuerhund, so groß wie ein Pferd, in dem engen Flur. Paulinchen schien ihrem Trainer zu zuschmunzeln. Sie drückte ihm kurz ihre feuchte Nase gegen die Brust und er kraulte sie hinter ihren Ohren. Frau Krehan war ganz entzückt von dem Monster.
„Na du bist aber eine Hübsche!“, sagte sie und Paulinchen blickte mit aufgestellten Ohren zu ihr. Die Arkanihündin musste sich nicht viel bewegen, es reichte, dass sie ihren Hals leicht streckte, um die Frau in der Küche zu erreichen. Paulinchen beschnuffelte sie kurz und ließ sich streicheln. Dabei wedelte ihre Rute von rechts nach links. Seffe hatte den Schal von der Garderobe genommen.
„Hier Paulinchen, du kannst mir helfen, Lotte zu finden.“
Paulinchen drückte derweil ihren Kopf gegen die Frau, die sie lachend kraulte und dabei so aussah, als würde sie gleich nach hinten umkippen.
„Paulinchen, nicht so wild!“, sagte Seffe, „Tut mir leid, sie ist total verschmust.“
Frau Krehan lachte nur und tätschelte den Feuerhund ein letztes Mal am Kopf. Dann hatte Seffe wieder Paulinchens Aufmerksamkeit. Sie schloss ihre Augen und nahm, erst mit ein paar tiefen Atemzügen und dann ein paar kürzeren, Lottes Geruch am Schal auf. Sie öffnete ihre Augen wieder und gab einen kurzen, tiefen Laut von sich. Seffe nickte und lächelte Lottes Oma zu.
„Vielen Dank, so sollte ich Lotte schnell finden.“
Er hängte den Schal zurück an den Haken und ging Richtung Ausgang. Paulinchen kläffte zum Abschied nochmal Lottes Oma zu und folgte ihrem Trainer. Frau Krehan kam an der Tür an, als sich Seffe gerade seinen Helm aufgesetzt hatte.
„Fahren Sie bloß vorsichtig und hier“, sagte sie und hielt ihm etwas hin. Seffe nahm dankend das sorgfältig eingepackte Stück Kuchen an sich. Paulinchen erschnupperte direkt was sich unter der Alufolie befand und blickte Seffe aus großen Augen an.
„Du bekommst später etwas davon ab, versprochen. Aber vorher müssen wir Lotte finden“, sagte er zu seinem Monster, das sogleich glücklicher wirke, ehe er das Stück Kuchen in seine Jackentasche steckte.
„Vielen Dank nochmal, Frau Krehan.“
Lottes Oma lächelte ihnen nach. Als er sich auf das Motorrad setzte, hatte die Arkanihündin ihre Nase schon zu Boden gerichtet und schnupperte den Weg ab, ehe sie den Blick einer Richtung widmete und dazu ein Vorderbein hob. Ihre Mähne wallte pompös im Wind, der mit einer frischen Brise durch die Straße heulte. Schließlich wurde er von der aufjaulenden Honda übertönt. Seffe und Paulinchen guckten beide nochmal zu Lottes Oma, die ihnen zu winkte. Dann sahen sie sich an und Seffe nickte, sogleich sprintete das Arkani mit einem großen Satz nach vorne los. Noch einmal sah Seffe zu dem Häuschen zurück, ehe er zwei Mal am Gas drehte, um fließend los zu fahren. Frau Krehan schloss die Tür hinter sich, dass er Charlotte gefiel, konnte sie sich gut vorstellen. Die kurze Begegnung und der Umgang mit seinem Pokémon hatten ihr gereicht, um zu wissen, dass er ein ehrlicher Junge war. Sie hatte seine Entschlossenheit in den Augen gesehen. Vielleicht würde er mit Charlotte ja doch zusammen finden und sie auf eine Reise mitnehmen. Er wirkte ruhig und kontrolliert und könnte dem Temperament ihrer Enkelin bestimmt standhalten.


Es hätte so einfach sein können
Immer wieder wurde das Arkani langsamer und senkte den Kopf. Paulinchen hatte sichtlich Spaß daran, sie rannte gerne und Fährten lesen fand sie besonders spannend. Seffe hielt hinter ihr mit dem Motorrad an und sah nachdenklich seinem Feuer-Pokémon zu. Einen Blick auf die Uhr, neben dem Tacho, verriet ihm, dass sie schon halb eins hatten, die Zeit rannte und Lotte wusste doch bereits, dass sie das falsche Pokémon mit sich führte. Warum also, mussten sie immer weiter in den Wald hinein? Sein Bauchgefühl verriet ihm, dass noch eine unschöne Überraschung erwartete. Ein Jauler von Paulinchen holte ihn aus seinen Gedanken zurück und er ließ sein Motorrad vor rollen. Er hielt neben dem Arkani.
„Hast du was Besonderes gefunden?“, fragte er und zog sein Halstuch nach unten. Paulinchen sah ihn mit schief gelegtem Kopf an und dann runter auf dem Boden.
„Oh“, kam es von Seffe, er stand genau auf dem Fund. Dann verzog er die Brauen.
„Was zum Giratina?“
Die Honda stand auf einer schwarzen Fläche. Der Rest des Weges schien normal zu sein. Doch die Stelle, fast kreisrund schien stark erhitzt worden zu sein. Jetzt wo er sich darauf konzentrierte, roch es sogar noch verbrannt. In der Mitte kohlrabenschwarz lief der Fleck heller werdend zu den Seiten aus, wie kleine Adern die immer mehr verblassten.
„Das muss der Einschlag einer starken Elektro-Attacke gewesen sein“, sagte Seffe, ehe er ruckartig zu Paulinchen blickte.
„Sie wird doch nicht etwa ...“
Das Hunde-Monster winselte kurz.
„Das gibt´s doch nicht! Ich kann mir kaum vorstellen, dass Zitrone auf sie hört.“
Er hielt kurz inne, dann nickte er wieder zu Paulinchen. Sie stellte die Ohren auf und drückte sofort wieder die Nase auf den Boden. Dann rannte sie weiter. Die Tankanzeige des Motorrads war nun auf dem letzten Strich und Seffe verzog das Gesicht. Der Weg führte immer weiter durch den Wald und wurde immer unebener. Es kam Seffe so vor, als würden sie sich im Kreis drehen. Lotte war in diesem Wald wahrscheinlich auch schon so gut wie überall gewesen. Paulinchen konzentrierte sich darauf, mit ihrer feinen Nase, die verschiedenen Spuren zu trennen. Der Geruch von Zitrone war unverwechselbar. Und dann endlich, sie war sich sicher, dass sie die frischeste Route der beiden hatte. Sie bellte und hob stolz ihren Kopf. Dann legte sie ihre Ohren zurück. Wo war ihr Trainer abgeblieben? Paulinchen guckte sich um, dann folgte sie nicht nur dem Geruch, sondern auch dem immer lauter werdenden Fluchen ihres Trainers. Er hatte sein Motorrad abstellen müssen.
„Mitten im Wald. Im Nirgendwo. Ohne Sprit. Klasse. Ich glaub, ich rast´ gleich aus.“
Er sprach mit sich selber oder mit seinem Motorrad – das wurde Paulinchen nicht ganz klar – und gestikulierte dabei. Er verschränkte seine Armen blickte, als er Paulinchen wieder wahrnahm.
„Da bist du ja wieder, ich hab schon gedacht du bekommst vor lauter Fährtenlesen gar nichts mehr mit.“
Paulinchen legte ihren Kopf schief und hielt die Ohren unterschiedlich hoch. Seffe blickte nachdenklich in die Baumkronen und seufzte. Die Arkanihündin setzte sich neben ihn und kratzte sich mit dem Hinterlauf am Ohr, ehe sie aufmerksam in eine Richtung sah. Seffe folgte ihrem Blick. Paulinchen legte ihre Ohren an und knurrte leise. Seffe zog die Brauen zusammen und ging in die Richtung, dicht gefolgt von dem Feuerhund. Nun hörte auch er Schritte und erkannte bald zwischen den Bäumen eine schmale Silhouette. Der Jugendliche, der ihnen entgegen lief, sah aus wie eine Zierblume, der man etwas zu wenig Wasser gegeben hatte und trug eine dicke Brille auf der Nase. Der Junge fluchte wild und sah erst auf, als er fast Seffe gerempelt hätte.
„Eehh du! Ich hab keine Pokémon mehr zum Kämpfen, okeee?! Also geh mir aus dem Weg!“
Seffe verschränkte langsam seine Arme und runzelte die Stirn. Paulinchen stellte ihre Ohren auf.
„Keine Sorge, ich wollte dich gar nicht zu einem Kampf auffordern. Aber sag, was hat dir die Laune verdorben?“, kam es von Seffe.
„Aaach. Hör mir auf! Geh mir aus dem Weg, was interessiert dich das denn?“
Der schmale Kerl machte einen Bogen um Seffe und sein Pokémon. Beide blickten ihm nach.
„Brauchst du einen Beleber?“, fragte Seffe. In dem Moment stockte der andere und drehte sich um. Skeptisch Blicke wanderten an Seffe und seiner hochgewachsenen Arkanihündin hoch und runter.
„Du kommst mir so bekannt vor“, sagte der Junge und ging wieder ein paar Schritte auf die beiden zu. Dabei hielt er seine Brille auf der Nase fest. Er erkannte die blauen Haare von Seffe, die teilweise unter dem Helm hervor schimmerten. Das Nasenpiercing und die markante Brille passten ebenfalls zu seinem Gedanken.
„Bist du nicht der Trainer aus dem Hypercup?“
„Antwort gegen Beleber. Was ist dir passiert?“
Der andere hatte die Augenbrauen fast zu einem durchgängigen Strich zusammen gezogen.
„Okay, aber erst der Beleber!“
Seffe verzog den Mund und hielt ihm die Flasche hin, gerade als der andere danach greifen wollte, zog er sie wieder weg und nickte ihm auffordernd zu. Der Junge schnaufte nur.
„Diese blöde Göre, eine riesen Klappe hat se und ging mir tierisch auf die Nerven!“
Aha. Das kam Seffe doch bekannt vor.
„Rote, lockige Haare?“, fragte er und wackelte mit dem Beleber in seiner Hand
Der andere rollte mit den Augen und nickte.
„Kennst du die etwa? Die war echt anstrengend, sach ich dir...“
Der Jugendliche griff bereits nach dem Beleber, als Seffe ihn erneut wegzog.
„Wie meinst du das?“
Der Junge griff sich in seine Haare und durch wuschelte sie verkrampft, als ob er gleich an ihnen zerren wollte. Er schnaufte kurz und funkelte den Größeren an.
„Ey, du echt jetzt! Nur weil du im Fernsehn warst, brauchste dich net aufführen! So viele Fragen! Das sind mindestens zwei Beleber!“
Seffe hob nur eine Braue, ehe er finster zurück schaute.
„Antworte mir einfach!“
Doch der Jugendlich schüttelte ruckartig den Kopf.
„Vielleicht für nen Beleber und nen Trank.“
Seffe ließ seine Brauen fallen. Gerade wollte sich der Kleinere abwenden, da packte er ihn mit einer Hand am Kragen.
„Antworte! Oder mir geht die Geduld aus.“
Der schmächtige Kerl erstarrte in dem festen Griff und hob seine Hände auf Brusthöhe.
„Sie hat ein Pikachu bei sich und damit all meine Käfer-Pokémon einfach weg gebrutzelt! Sie hat große Sprüche gekloppt und gesacht, sie geht inne Wasser Arena und dass ich nur ´ne Vorspeise gewesen wär!“
Seffe hatte den Frust unschwer aus seiner Stimme lesen können und lockerte seinen Griff wieder. Er musste Lotte so schnell wie möglich einholen. Sein Blick fiel auf Paulinchen.
„Das ist doch nicht ihr Ernst“, sagte er und das Arkani winselte kurz. Der Junge räuspere sich kurz.
„Der Beleber.“
Seffe rollte mit den Augen, gab ihm das Item und blickte wieder zu Paulinchen.
„Und der Trank!“, sagte der Junge.
Seffe drehte nur seinen Kopf zu dem anderen.
„Zisch ab jetzt!“
Der Kleinere zuckte kurz auf und tat dann das Gesagte. Genervt sah ihm Seffe hinterher.
„Gibt´s hier eigentlich nur noch Bekloppte?“, fragte er Paulinchen.
„Die spinnt wohl! Die denkt doch jetzt nicht ernsthaft, dass Misty leicht zu besiegen ist, nur weil sie ein Pikachu an ihrer Seite hat! Und warum zum Giratina, hört Zitrone auf sie?“
Das Arkani duckte sich leicht und ließ die Ohren hängen. Sie hob ihre Pfote und fing an Seffe gegen den Arm zu stoßen. Als sie endlich seine Aufmerksamkeit hatte, legte sie sich auf den Bauch und machte eine Kopfbewegung, dass er aufsteigen solle. Seffe stockte, ehe er tief ausatmete. Er blickte nochmal auf sein Motorrad und nickte.
„Du hast recht, nichts wie los.“
Er stieg auf den Rücken des Arkanis, für das es ein leichtes war, ihn und den Rücksack zu transportieren. Paulinchen hob sich wieder. Sie erinnerte sich genau an die Spur, die sie vorhin gefunden hatte. Seffe tätschelte ihren kräftigen Hals und fand in der dichten Mähne Halt.
„Arceus bewahre, dass meiner Honda nichts passiert!“, murmelte er mehr zu sich selbst, da trabte Paulinchen bereits los. Sie hatte den Kopf gesenkt, ehe sie ihn hob und immer schneller wurde. Anders als auf Stahlschnabel wurde ihm auf Paulinchen schnell warm. Nicht nur weil Reiten auf seine Weise sehr anstrengend war, Paulinchen heizte sich beim Rennen wortwörtlich auf. Ihre Zunge hing seitlich weit aus ihrem Maul heraus. Hin und wieder wurde sie kurz langsamer, um die Fährte nicht zu verlieren. Bis sie wieder ins Sprinten überging und wie ein Feuerblitz durch den Wald zog. Seffe staunte immer wieder, wie geschickt und ebenso elegant Paulinchen über Stock und Stein sprang und sich unter Ästen wegduckte. Und das alles, ohne zu vergessen, auf ihren Reiter mit Gepäck Rücksicht zu nehmen. Seffe hatte sich dicht an sie geschmiegt und guckte zur Seite, der Wald flog förmlich an ihnen vorbei. Nach einem 15 minütlichem Galopp, trabte Arkani anmutig auf den Stadtrand Marmorias zu. Nicht daran zu denken, wie lange er zu Fuß gebraucht hätte. Der Atem des Arkanis zeichnete sich in kleinen Wolken in der Luft ab, bis sie schließlich verblassten. Seffe hatte sich wieder aufgesetzt und sie hielten in einem kleinen Park. Die Blicke der Leute lagen auf Ihnen. Langsam gewöhnte sich Seffe daran. Er stieg von dem Arkani ab und zog seinen Helm vom Kopf. Paulinchens Atemzüge waren schnell, ihre Zunge hing noch immer weit heraus und ihre Lefzen waren weit nach oben gezogen, als ob sie ihren Trainer breit anlächelte. Da legte Seffe plötzlich die Arme um ihren Hals und gab ihr einen Kuss ins Fell.
„Du bist einfach super“, murmelte er ihn ihr Fell und Paulinchen schloss für den Moment genüsslich ihre Augen. Seffe ließ wieder von ihr ab und guckte sich um. Er fühlte sich irgendwie beobachtet. Er erblickte das Dach der Arena von Marmoria. Doch es war die von Rocko, dem Gestein-Spezialisten.
„Hast du die Fährte noch?“, fragte er und Paulinchen stellte die Ohren auf und senkte ihren Kopf. Sie ließen den Park hinter sich und standen nun wieder auf dem Bürgersteig. Das Arkani hob ihren Kopf und blickte auf die andere Straßenseite. Dort war eine Bushaltestelle. Sie duckte sich und Seffe hob eine Braue, ehe er es verhindern konnte, machte das Arkani einen riesigen Satz. Seffe stieß noch einen erschrockenen Laut aus, ehe er die Luft anhielt. Paulinchen sprang hoch und weit, über die Straße und über ein paar Autos, die allesamt hupten. Sie kam auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig auf und blickte hinter sich. Seffe stemmte seine Hände in die Hüfte und wartete bis sich eine Lücke ergab.
„Paulinchen, tu das nie wieder!“
Die Arkanihündin ließ ihren Kopf hängen. Seffe schnaufte, dann blickte er sich um. Das Gefühl beobachtet zu werden ließ nicht nach. Das Arkani schnupperte mittlerweile an dem Schild mit den Busrouten.
„Bus fahren? Echt jetzt? Die fährt doch zurück, bevor wir ankommen“, sagte Seffe und Paulinchen ließ ihre Ohren hängen.
„Hey, Trainer!“
Eine Stimme erklang hinter ihnen und beide drehten gleichzeitig ihren Kopf zu dem Mann. Seffes Gefühl beobachtet zu werden, endete hiermit schlagartig. Der Mann war mittleren Alters, hatte eine einfache Jeans an, eine dicke Jacke und darunter ein rotkariertes Hemd. Er sah zu dem Trainer auf und seine Augen fingen an zu glänzen.
„Ich glaube meinen Augen kaum, du bist es wirklich!“
Der Mann, mit den kurzen, braunen Haaren, klatschte sich in die Hände.
„Das ist ja unglaublich! Was suchst du in Marmoria? Kann ich dir weiterhelfen? Du und dein Pokémon ... ihr seht beide so … niedergeschlagen aus.“
Seffes Augenbraue wanderte langsam in die Höhe und er tauschte mit Paulinchen Blicke, dann musterten beide den Mann.
„Öhm, kennen wir uns?“, fragte Seffe.
Der Mann, dessen dunkle Haare sich bereits etwas lichteten, stockte.
„Oh tut mir leid. Natürlich nicht. Also ich kenne dich. Mehr oder weniger. Ich habe deine großartigen Kämpfe im Fernsehen verfolgt!“
Er verneigte sich kurz vor Seffe.
„Beeindruckende Leistung! Dein Stil: unverwechselbar! Du hast viel Talent Pokémon zu führen. Aber was rede ich? Das hast du bestimmt schon oft gehört.“
Sein Blick wanderte zu Paulinchen, die ihre Nase kräuselte.
„Deine Arkanihündin ist noch viel beeindruckender, als ich sie mir vorgestellt habe.“
Ohne Anstalten zu machen das Feuer-Pokémon anzufassen, ging er halb um es herum. Das Arkani blieb wie eingefroren stehen, nur die Ohren wanderten immer in die Richtung, in der sich der Mann befand.
„Wundervoll. Diese Anmut. Dieser Stolz. Diese Kraft – die in ihr schlummert.“
Wieder tauschte Seffe mit Paulinchen nur einen Blick. Dann stellte sich der Mann wieder vor die beiden.
„Ich bin übrigens Matthias. Du kannst mich gerne Matze nennen“, sagte er und hielt Seffe die Hand hin. Mit seinen strahlend-blauen Augen lächelte er ihm entgegen, dabei zuckte ein Mundwinkel vor Nervosität leicht von ihm.
„Ich ... hm ... hätte zu gerne ein Autogramm von dir. Bekomme ich eins?“
Seffe hob einen Mundwinkel in die Höhe und schüttelte ihm schließlich die Hand. Er schien etwas irre, aber harmlos zu sein.
„Wenn´s nur das ist. Aber dann musst du dich beeilen. Matze. Mein Bus kommt in zehn Minuten. Hoffe ich zumindest.“
Matze zuckte bei Seffes Aussage auf. Er hielt eine Seite seiner Jacke auf und wühlte mit der anderen Hand sogleich in der Innentasche. Als Pokémon-Nerd hatte er sein Unterschriften-Sammelbuch immer dabei und zog es hervor. All die Handgriffe tat er, ohne auf zu hören Seffe anzustarren und anzulächeln. Dann bemerkte er, dass die Mimik des Champs sank und er scheinbar in seinen Gedanken anfing ab zu schweifen. Gerade wollte er Seffe sein Buch hinhalten, da stockte er und drückte es mit beiden Händen fest an seine Brust.
„Was ist los? Du wirkst so... nachdenklich.“
Seffe schüttelte sich aus seinen Gedanken und winkte ab. Paulinchen gab einen leisen Kläffer von sich und legte ihren Kopf sanft auf Seffes Schultern. Noch immer verharrte Matze in seiner Bewegung und sah Seffe mit großen Augen an. Er verengte seine Augen und fing an zu raten.
„Du hast einen Motorradhelm bei dir. Hattest du eine Panne? Weil du auf Arkani in die Stadt geritten bist. Oder reitest du immer mit Motorradhelm, weil du es cooler findest als ein einfacher Reithelm?“
Seffe hob eine Braue, als Matze ziemlich in Schwarze traf und verzog sein Gesicht.
„Aach, ich ärgere mich so. Ja, das kann man wohl so sagen, ich hatte eine Panne“, sagte er und schnaufte, „Der Tank ist mir dummerweise im Wald leer gegangen. Ich musste mein Motorrad zurücklassen.“
Matze blinzelte verdutzt.
„Warum fährst du mit deinem Motorrad durch den Wald?“
Seffe rollte mit den Augen und schnaufte.
„Ich hab wen gesucht und versucht sie einzuholen. Aber das wird wahrscheinlich eh nichts mehr, weil ich jetzt mit dem scheiß-drecks-verfluchten Bus nach Azuria pimmeln muss!“
Gegen Ende hin wurde Seffe immer lauter und Matze zuckte bei jedem Fluchwort zusammen. Dann fing er breit an zu grinsen.
„Oh wie romantisch. Eine Liebesgeschichte? Ihr seid euch im Wald das erste Mal begegnet und habt euch verliebt. Du denkst, sie dort wieder zu treffen und findest heraus, dass sie nach Azuria gereist ist und versuchst sie einzuholen, um sie wieder zu treffen?“
Seffe ließ den Kopf leicht sinken und stellte die Brauen schief.
„Nicht ganz“, sagte er und Matze guckte traurig. Sein Büchlein hatte er noch immer mit beiden Händen umklammert.
„Also ich habe ein Auto. Wenn du willst, fahre ich dich nach Azuria. Wir haben hier eine direkte Anbindung zur Autobahn, es dauert vielleicht zwanzig Minuten bis Azuria. Du kannst mir in der Zeit die ganze Geschichte erzählen. Wenn du magst natürlich nur.“
„Was echt?“
Seffe hob seine Brauen und Paulinchen stieß einen freudigen Ton aus. Matze nickte schnell und zeigte auf einen grünen alten Audi 100. Er lief in die Richtung des Autos, das nur ein paar Meter weiter stand. Sein Buch steckte er wieder in seine Innentasche und drehte sich kurz um. Er lächelte, als er sah, dass ihm Seffe und Paulinchen folgten. Seffe verzog leicht die Brauen. Das Fahrzeug sah aus, als hätte sich darüber jemand mehrfach übergeben. Die grüne Farbe war furchtbar und der Lack war sehr herunter gekommen, aber das sollte ihn nicht daran hindern sich in das Auto hinein zu setzen. Als Matze ihn anguckte, lächelte er ihm breit entgegen.
„Das ist wirklich sehr nett von dir!“, sagte Seffe und Matzes Augen wurden groß, er konnte es gar nicht glauben, Seffe chauffieren zu dürfen. Als er den Schlüssel im Schloss umdrehte, zog Seffe Paulinchen, mit einem Zuzwinkern, zurück in den Ball.
„Na, dann: Steig ein!“, sagte Matze und ließ sich in das Auto fallen. Als Seffe neben ihm saß, startete er gleich den Motor. Das Auto war von innen unerwartet gepflegt und überall hingen Sachen herum. Seffe sah sich um und entdeckte neben den ganzen Karten, Schlüsselanhängern und Figuren, unter anderem eine Unterschrift auf dem Armaturenbrett. Sie standen an der ersten und gleichzeitig letzten Ampel vor der Autobahnauffahrt. Grinsend guckte Matze zu Seffe.
„Das ist die Unterschrift von Marty Mc Fly, du weißt? Der letzte Gewinner der Pokémon-Auto-Rallye.“
Seffe lächelte und nickte. Diese Art von Rallyes fand er auch immer sehr amüsant. Sie waren wie die normalen Auto-Rallyes, nur dass jeder Fahrer ein Pokémon als Partner an seiner Seite hatte, welches ihm half Hindernisse zu überwinden oder gar Unfälle zu meiden oder milder zu gestalten. Teilweise attackierten sich die Teilnehmer mit ihren Monstern auch.
„Du sammelst echt alle möglichen Unterschriften, oder?“
Der Mann schüttelte leicht den Kopf und hob einen Finger.
„Oh nein! Nur von den Leuten, bei denen ich glaube, dass Talent dahinter steckt!“
„Danke fürs Bauchpinseln“, sagte Seffe und musste kurz lachen.
„Lach du nur. Die meisten Unterschriften habe ich ergattert, da waren es noch gar keine großen Berühmtheiten“, sagte Matze grinsend. Nach der Kurve waren sie bereits auf der Autobahn. Seffe sah ihn nachdenklich aus den Augenwinkeln an und dann aus dem Fenster heraus. Er hatte vergessen wie gut Marmoria eigentlich angebunden war. Nach einer kurzen Weile des Schweigens, hakte Matze nach und es ergab sich ein nettes Gespräch. Seffe erzählte ihm, wie sich seine unglückliche Situation ergeben hatte. So verging die Zeit wie im Flug und sie ließen das Ortsschild Azuria hinter sich.
„Hier wären wir. Hier würde der Bus auch halten“, sagte Matze weiterhin mit einem breiten Grinsen und hielt in der Mitte der Stadt auf einem Busparkplatz an. Von hier konnte man die Arena bereits sehen. Das Gebäude ragte wie alle Arenen groß heraus. Das Dach wölbte sich nach oben und leuchtete in blau. Sein Anblick erinnerte an Wasserwellen, die auch bei wenig Sonne schimmerten. Mit zusammen gezogenen Brauen sah Seffe auf die Arena.
„Soll ich auf dich warten und wieder mit zurück nehmen? Ich muss eh wieder zurückfahren und du musst noch in meinem Buch unterschreiben“, sagte Matze. Seffe lächelte ihn dankbar an und nickte.
„Ich denke länger als eine halbe Stunde sollte es nicht dauern.“
„Okay, aber ich suche mir dort drüben einen legalen Parkplatz.“
Seffe nickte und stieg aus. Gleich ließ er Paulinchen wieder aus dem Ball.
„Dann wollen wir doch mal schauen, ob du die Fährte von Lotte hier wieder findest.“
Die Arkanihündin jaulte kurz auf und schüttelte sich. Sie drückte ihre Nase auf den Boden und rannte in Richtung der Wasser-Arena. Seffes Miene wurde finster und er joggte Paulinchen hinterher.


Der zweite Orden
Ein junger Trainer-Lehrling hatte sich Lotte in den Weg gestellt und forderte sie heraus. Als Pikachu hinter ihr hervor trat, wurde er ganz blass. Schnell hatte sie ihn besiegt und konnte Misty selbstbewusst zum Kampf herausfordern. Als die Arena-Leiterin das Pikachu erblickte, wurde ihr Gesicht ernst. Das neongelbe Nager-Pokémon, mit den magentafarbenen Wangen, kam ihr zwar bekannt vor, doch sie dachte nicht näher darüber nach. Zu sehr war sie verärgert.
„Du forderst mich heraus?“, kam es von Misty mit verschränkten Armen. Lotte nickte entschlossen.
„Glaube bloß nicht, einen schnellen Sieg zu erhaschen, nur weil du mit deinem Elektro-Pokémon hier aufkreuzt. Aber keine Sorge, dir wird dein Grinsen bald vergehen.“
Zitrone saß auf ihren Hinterbeinen und ließ ihre Ohren hängen. Lotte schluckte. Die Arena-Leiterin hatte ein sehr selbstbewusstes Auftreten und eine tolle Figur. Sie kam wohl gerade vom Schwimmen. Sie trug einen Bobschnitt und die Spitzen ihrer blondroten Haare tropften noch. Die Wassertropfen perlten ihren weiß-blauen Badeanzug herunter, der sportlich geschnitten war. Ihr Alter lag knapp über dreißig. Sie drehte sich schwungvoll um, so dass ihr weißer Bademantel anmutig aufflog. Ihre blauen Badeschlappen quietschten leise, als sie über die Fließen auf die andere Seite des Kampfkreises ging. Auch Lotte suchte sich ebenfalls ihre Position und Zitrone hoppelte hinter ihr her. Nun standen sie sich gegenüber. Der Arena-Platz lag zwischen ihnen. Es war ein riesiges, rechteckiges Schwimmbad. Auf dem Wasser schwammen Bojen und gut verteilt inselartige Flächen. So konnten auch Pokémon kämpfen, die nicht ausschließlich schwammen. Schon die Kampffläche war bereits eine Herausforderung, dachte sich Lotte. Ein Relaxo in dem Feld hätte wohl so seine Probleme. Aber sie würde es mit Pikachu schon schaffen. Irgendwie.
„Ich gehe davon aus, du willst nur dein Pikachu einsetzten?“, sagte Misty, die einen Pokéball zückte und Lotte nickte erneut wortlos.
„Gut. ich habe auch gewählt. Es hat die Typen Wasser und Psycho. Es ist das Pokémon, das am längsten an meiner Seite kämpft. Solltest du das schaffen, hast du dir den Wasser-Orden verdient.“
Lotte schluckte erneut und balle ihre Hände. Hoffentlich spielte das kleine Pikachu jetzt richtig mit. Zitrone kratzte sich derweil am Ohr und wirkte ziemlich desinteressiert.
„Keine Sorge, ich werde es dir nicht zu einfach machen“, sagte Misty mit einem siegesgewissem Lächeln und warf den Ball schwungvoll nach oben. Er drehte sich schnell in der Luft, ehe er auf schnalzte. Ein violettes Monster erschien ein paar Meter über der Wasseroberfläsche. Es drehte sich so schnell in der Luft, wie es der Ball getan hatte. Es sah aus, als hätte man zwei fünfarmige Seesterne hintereinander geklebt. Die Mitte des Sterns bestand aus einem goldenen, zehn-zackigen Ornament, das einen Edelstein umfasste. Der Kern des Starmies funkelte hauptsächlich rot. Mit einem Zischen tauchte es im Wasser ab.
„Okay, Zitrone. Bereit? Ich vertrau auf dich“, sagte Lotte und zeigte nach vorne. Zitrone zuckte mit einem Ohr und sprang auf eine der Inseln am Rand. Als Zitrone aufkam, schwankte die Insel auf der Wasseroberfläche.
„Dann kann der Kampf ja beginnen!“, sagte Misty und das Starmie sprang aus dem Wasser. Er landete ebenfalls auf einer Insel und stand mit zwei seiner Sternspitzen darauf. Eine Schwimmerin spielte Schiedsrichterin und ein paar andere Personen standen weiter ab und blickten gespannt zum Kampffeld. Lotte ergriff sogleich die Initiative.
„Los Zitrone, Donnerblitz!“
Zitrones Wangen fingen an zu blitzen und sie stieß einen Donnerblitz aus.
„So leicht nicht!“, rief Misty.
„Lichtschild, Starmie!“
Bevor Pikachus Donnerblitz traf, funkelte der Kern des Starmies. Der Seestern errichtete das Lichtschild vor sich. Der Donnerblitz zuckte auf die glänzende Scheibe zu, und durchbrach sie. Das Starmie wurde getroffen und fiel zischend ins Wasser. Zitrone stellte die Ohren auf und beobachtete wie der Seestern im klaren Wasser immer weiter abtauchte. Misty nickte entschlossenen und das Starmie fing an sich zu drehen, so gewann es unter Wasser mehr und mehr an Tempo.
„Zitrone, nochmal Donnerblitz ins Wasser!“, rief Lotte und Misty grinste nur.
„Schnell, mein Hübscher: Turbodreher!“
Pikachu entfesselte seine nächste Elektro-Attacke einfach unter sich, doch durch das bloße Herumstehen, benötigte es einen Moment zu lange die Elektrokräfte zu sammeln. Das Starmie preschte aus dem Wasser, und das Becken fing im nächsten Moment an zu blitzen. Wie ein Frisbee flog der Stern auf das Pikachu zu. Zitrone weitete ihre Augen und wurde getroffen.
„Kaaaaaa!“, schrie sie und es gelang ihr gerade noch so Halt auf der schwankenden Insel zu finden und nicht ins Wasser zu fallen.
„Ein guter Treffer!“, sagte Misty und warf ihren Kopf nach oben. „Und jetzt Typenspiegel!“
Zitrone schüttelte sich, als sie ihre Augen wieder öffnete stand der große violette Stern direkt vor ihr. Langsam blickte sie zu ihm hoch und legte ihre Ohren an. Sein Kern schimmerte in Regenbogenfarben und Zitrone wurde leicht schwindelig.

Schnell atmend kam Seffe am Eingang der Arena an, Paulinchen hatte dort auf ihn gewartet und er drückte die große Tür auf. Ein paar Trainer, sowohl weiblich, als auch männlich sahen ihn an und fingen an zu lachen.
„Mit einem Feuer-Monster wirst du hier wohl kaum weiterkommen“, sagte einer zu ihm und ging auf ihn zu. Paulinchen knurrte. Seffe versuchte seinen Atem zu beruhigen, ehe sein Blick finster wurde. Er verblieb wortlos, griff sich nur mit einer Hand an die Jacke und öffnete sie zur Seite. Die Innenseite zeigte nicht nur die acht Orden aus Kanto.
„Mach mir Platz!“, grollte er und der andere ging ehrfürchtig ein paar Schritte zur Seite. Auch die anderen blickten Seffe nur aus großen Augen an und fingen an zu tuscheln.
„Der hat doch den dritten Platz im Hypercup belegt“, „Ja, das ist Seffe“ und „Der wird schon wissen, was er tut“, konnte Seffe hören, als er mit großen Schritten auf die Tür zu ging, hinter der der Kampfraum lag. Paulinchen trabte ihm hinterher. Seffe war nur noch einen Meter von dem Eingang entfernt und hob schon seine Hand zum Griff, da sprang eine Frau im Bikini vor ihn. Er stockte, als sie mit ausgestreckten Armen im Weg stand. Ihre Brüste bebten.
„Tut mir leid. Aber du kannst da jetzt nicht einfach reinplatzen. Unsere Arenaleiterin befindet sich gerade in einem Kampf!“
Seffe starrte kurz, wie gebannt, auf die Brüste der Frau. Sie kam wahrscheinlich gerade vom Schwimmen, denn ihr Bikini war noch nass und das Oberteil zeichnete alles genauestens ab. Ihr war sichtlich kalt. Er zwang sich seinen Blick zu heben. Er lächelte sie an und schob sie sachte zur Seite. Die Frau stieg die Röte ins Gesicht, dann versuchte sie sich zu wehren. Doch Seffe hatte einfach mehr Kraft als sie und hielt sie an der Schulter mit einer Hand beiseite während er mit der anderen die Tür aufschob.
„Hey! Du kannst doch nicht einfach!“, sagte die Frau und zog noch an seiner Jacke, bis sie von dem Arkani weggedrückt wurde. Seffe lief zwei Meter in den großen Raum hinein, ehe er seine Brauen in die Höhe zog und langsam den Kopf schüttelte. Paulinchen setzte sich hinter ihm hin und beobachtete mit aufgerichteten Ohren den laufenden Kampf. Zitrone bekam mit dem Turbodreher eins auf den Deckel und Mistys Starmie setzte die Attacke Typenspiegel ein. Seffe verengte seine Augen und verschränkte die Arme. Das Starmie sprang zurück ins Wasser und schwamm ein paar Meter weg von dem Pikachu. Misty blickte irritiert zu dem Trainer und seinem Arkani.
„Was suchst du denn hier, Seffe? Siehst du nicht, dass wir gerade kämpfen?“, rief sie ihm zu und die Schiedsrichterin hob eine Hand, sodass der Kampf kurz angehalten wurde. Lotte zuckte zusammen und drehte sich ruckartig um. Unwohlsein machte sich in ihr breit. Sie biss sich auf die Unterlippe.
„Ich bin ja nicht blind“, sagte Seffe und zog Paulinchen zurück in den Ball. Er lief mit strengem Blick auf Lotte zu und blieb knapp einen Meter vor ihr stehen.
„Ich ... ich ... ich erklär dir später alles. Bitte, Seffe“, sagte sie und faltete ihre Hände vor ihrer Brust.
„Piiiii!“, rief Zitrone und schüttelte sich. Ihr Trainer war gekommen, um sie zu retten. Ihre Augen wurden groß und fingen an zu leuchten. Seffe hatte den Blick noch immer nicht von Lotte abgewandt und zog seine Brauen zusammen, während er die Lippen aufeinander presste. Dann blickte er zu Zitrone, die zum Sprung ansetzte, um zu ihm zu gelangen. Da hob auch er eine Hand und das Elektro-Monster stockte und ehe es die Ohren sinken ließ.
„Bringt zu Ende, was ihr angefangen habt!“, sagte Seffe und verschränkte seine Arme. Misty stemmte, mit einem Schnaufen, eine Hand in ihre Hüfte.
„Das ist also doch dein Pikachu, Seffe. Oder?“
Lotte blickte Seffe flehend an, doch der schenkte seine Aufmerksamkeit der Arenaleiterin.
„Ja“, sagte er und Lotte verzog ihre Brauen.
„Aber wir haben abgemacht, dass sie Zitrone für diesen Kampf einsetzen darf. Lotte lernt gerade von mir die Effektivität der unterschiedlichen Elemente.“
Zitrone zuckte mit einem Ohr und Lotte öffnete leicht ihren Mund, während sich ihre Wangen rot färbten.
„Ich wusste gar nicht, dass du jetzt Ausbilder bist. Aber okay“, sagte Misty und schnipste mit den Fingern, „Weiter geht´s.“
Lotte ballte ihre Hände zu Fäusten und guckte von Seffe ab. Zitrone drehte sich wieder um und ging in Position. Vor ihrem Trainer würde sie nicht gerne verlieren, also würde sie sich alle Mühe geben.
„Starmie, Konfusstrahl!“, rief Misty und schmiss ihren Kopf zur Seite. Sofort kam das Starmie aus dem Wasser geschossen. Es blieb für zwei Sekunden in der Luft und zielte mit einem Strahl wie Nebel auf das kleine Elektro-Wesen, dann fiel es wieder ins Wasser zurück. Zitrone blickte gebannt hinein und wurde von dem Nebel auf merkwürdige Art und Weise geblendet.
„Kaaaa“, machte sie und verdrehte die Augen. Sie ging von der aufrechten Stellung auf alle vier Beine und schwankte. Lotte stand mit offenem Mund da.
„Scheiße“, stieß sie aus. Zitrone war sichtlich verwirrt und strauchelte. Sie fiel hin und drehte sich auf den Rücken. Ihre Beinchen traten unkoordiniert in der Luft herum. Lotte rief ihr etwas zu, doch Zitrone konnte es nicht richtig wahrnehmen.
„So mein Hübscher, jetzt nutzen wir mal dein neues Element Elektro aus! Du erinnerst dich an die Attacke Donnerblitz? Gib es dem Pikachu zurück!“
Lotte ließ ihre Schultern hängen und hob fragend ihre Brauen. Seffe rollte mit den Augen.
„Durch die Attacke Typenspiegel hat Starmie Pikachus Element angenommen“, sagte er, ohne vom Kampffeld wegzublicken. Lotte drehte ihren Kopf zu Seffe.
„Aber das ist ein taktischer Fehler von Misty, sie kennt Zitrone doch eigentlich“, sagte Seffe leise, über dessen Lippen ein kaum merkbares Lächeln huschte, dann blickte er Lotte kurz in die Augen.
„Oder sie gibt dir gerade eine Chance.“
Lotte zuckte auf und guckte ruckartig zu den Pokémon, als sie den Einschlag des Donnerblitzes hörte. Das Starmie drehte sich über dem Wasser und traf Zitrone, die vor Schreck aufschrie. Sie lag wieder auf dem Bauch und hielt ihre gezackte Rute, mit der Herzform am Ende, in die Höhe. Ihre Fähigkeit Blitzfänger absorbierte die komplette elektrische Attacke. Das Starmie platschte zurück ins Wasser und schwamm am Grund herum. Lotte hatte beide Hände an ihren Mund gehoben und sah das kleine Wesen an. Zitrone war nicht mehr verwirrt, die absorbierte Elektrizität hatte ihr einen sichtlichen Schub gegeben und sie sprang wieder kampfbereit auf.
„Pika!“, schrie Zitrone und stellte ihre Ohren auf. Sie guckte leicht über den Rand der Insel und erblickte immer mal wieder kurz den Seestern, wie er durch das Becken schoss.
„Du musst den Gegner im Auge zu behalten und Zitrone helfen sich zu orientieren!“, sagte Seffe zu Lotte, die etwas hilflos wirkte.
„Und nutze den erhöhten Spezial-Angriff!“, fügte er hinzu worauf Lotte kurz nickte.
„Starmie, Psychokinese!“, rief Misty. Sie fuhr durch ihre feuchten Haare, um den Pony aus dem Gesicht zu bekommen und zeigte auf das neongelbe Monster. Das Starmie ließ sich auftreiben und schwamm flach an der Wasseroberfläche. Sein Kern fing an mystisch zu leuchten und das Pikachu wurde fiepsend in die Höhe gehoben.
„Zitrone! Donnerschock!“, rief Lotte und die Wangen von Zitrone fingen an zu fitzeln. Sie stieß einen kurzen Donnerschock auf das Starmie ab. Der Stern erschrak und ließ von dem Pikachu ab. Langsam ließ er sich wieder nach unten sinken. Das Pikachu fiel ins Wasser und paddelte sogleich nach oben, um nach Luft zu schnappen. Lotte nickte grinsend und blickte zu Seffe. Doch der stand unverändert, mit dem Blick auf das Kampffeld gerichtet und mit verschränkten Armen da. Schnell sah Lotte wieder von ihm ab und dann zu Misty. Misty hatte die Brauen zusammengezogen und die Hände geballt. Dann setzte sie ebenfalls ein Lächeln auf.
„Genesung. Danach Taucher!“
Nun stöhnte Seffe auf und rollte mit den Augen. Lotte verzog ihr Gesicht.
„Wie kann es überhaupt sein, dass das Starmie die Befehle unter Wasser versteht?“, fragte Lotte mehr sich selbst.
„Die Arena ist dafür extra konzipiert worden. Hier verstehen die Pokémon unter Wasser die Worte ihres Trainers! Hast du dich denn vorher nicht informiert?“
Seffe hob die Schultern und schüttelte mit dem Kopf.
„Egal. Du brauchst auf jeden Fall eine andere Technik um zu gewinnen! Starmie ist wieder fit.“
Tief aus dem Wasser kam ein Schein. Danach ging das Starmie in den Angriff über. Der violette Stern drehte sich immer schneller werden durch das Wasser. Lotte biss auf ihre Unterlippe.
„Andere Technik. Behalte den Gegner im Auge. Gib Zirtone Orientierung“, ging ihr durch den Kopf.
„Zitrone, Agilität! Schwimm` so schnell du kannst auf die Insel. Rechts von dir!“, rief sie und Zitrones paddelnde Beinchen wurden immer schneller. Zur Unterstützung, um noch schneller vorwärts zu kommen, fing sie an mit der Rute, von links nach rechts, zu rudern. Misty zog ihre Brauen zusammen. Der violette Stern zischte auf Zitrone zu, da bekam sie die Insel zu greifen und sprang aus dem Wasser. Das Starmie striff das Pikachu noch an der Flanke und der Nager purzelte über die Insel. Hinter Zitrone kam der Stern auf und zischte. Zitrone drehte sich zu ihm. Sie spiegelte sich in dem leuchtenden Kern und weitete ihre Augen. Das Starmie hatte sie feste im Blick. Dann zuckten Zitrones Ohren, als sie Lottes Stimme vernahm.
„Und jetzt Doppelteam!“ Lotte ging einen Schritt nach vorne und beugte sich leicht über. Seffe warf ihr einen Seitenblick zu und hob einen Mundwinkel. Zitrone, die gerade noch in ihr Spiegelbild guckte, rannte los. Dabei hinterließ sie immer mehr Bilder ihres Gleichen und manche der Pikachus sprangen sogar ins Wasser und schwammen in schnellem Tempo um den violetten Stern herum.
„Ssstarrrrr - ssstarrrr“, zischte das violette Monster und zuckte hin und her. Misty verzog ihren Mund. In der noch offenen Tür sammelten sich immer mehr der Wasser-Trainer.
„Nicht schlecht“, sagte Misty.
„Lass dich nicht irritieren, Starmie. Dreh dich mit dem Blubbstrahl!“
Der Seestern sprang hoch, dann kamen nacheinander aus seinen Zacken Strahlen, bestehend aus eng aneinandergereihten Blubberblasen, heraus und er fing an sich in der Luft wie ein flacher Kreisel zu drehen. Er traf alle Pikachus mit der Attacke. Sie verschwammen und verschwanden wie Phantombilder. Das Richtige wurde nur kurz getroffen und schüttelte sich. Kurz jubelte Lotte auf.
„Lass dich davon nicht unterkriegen, Zitrone! Eisenschweif!“
Misty konnte nichts mehr erwidern, so schnell sprang das kleine Pikachu auf ihren Seestern zu. Zitrone drehte sich um ihre eigene Achse und die metallische Rute traf Starmie von hinten.
„Sssssssstaaa“, zischte das Pokémon und fiel ins Wasser. Kurz blickte Lotte zu Seffe, welcher ihr anerkennend zunickte. Sie merkte, wie ihr Herz einen großen Hüpfer machte und guckte schnell wieder nach vorne. Das Pikachu schnaufte hörbar, es war schon ziemlich fertig. Misty befahl Starmie die Attacke Lake. Seffe verzog seine Brauen.
„Die Attacke richtet doppelten Schaden an, wenn der Gegner geschwächt ist“, sagte er schnell und Lotte hob eine Hand vor ihren Mund. Starmie preschte aus dem Wasser heraus und formte schwebend in der Luft einen Wasserball. Sein Edelstein funkelte gefährlich auf und er spuckte den Ball auf das Pikachu, dabei hielt es sich mit seinen Psychokräften weiterhin in der Luft. Zitrone sprang zur Seite, doch das Starmie lenkte die Attacke um und traf. Für ein paar Sekunden blieb Zitrone auf der Insel liegen. Aus ihren Wangen stießen wieder kleine Blitze aus. Ein Zeichen dafür, dass sie geladen war. Lotte erkannte, dass Zitrone noch nicht aufgeben wollte und nickte.
„Sehr gut! Und jetzt: Donnerblitz!“
Das Pikachu hatte ihre Augen zu Schlitzen geformt und blickte auf den schwebenden Seestern. Sogleich entlud es einen mächtigen Donnerblitz. Misty übertönte den Einschlag des Blitzes mit einem Schrei. Starmie fiel nach der Attacke auf die gegenüberliegende Insel und blieb auf dem Rücken liegen. Der Typenspiegel hatte nach der letzten Genesung nachgelassen, entsprechend war der Stern nun ganz schön angekratzt. Misty ballte eine Hand und hielt sie vor sich in die Luft, dabei flog ihr Mantel anmutig um sie herum. Seffe hatte seinen Blick auf die Arenaleiterin gelegt und seufzte leicht. Sie war eine Wucht und der Badeanzug betonte ihre tolle Figur.
„Starmie, gib noch nicht auf!“, schrie Misty.
„Noch einmal Genesung!“
Nun verzog Seffe das Gesicht und sah ruckartig zu Lotte.
„Reagier schnell!“
Lotte zuckte auf und rief: „Zitrone! Slam!“
Das Pikachu schüttelte sich, dann stieß es sich so feste auf der Insel ab, dass diese kippte und wild schwankend im Wasser hinterlassen wurde. Zitrone hüpfte mit einem Kampfschrei in Richtung der gegenüberliegenden Insel und ließ sich auf das Starmie herabfallen. Der Kern des Sterns fing gerade wieder an zu leuchten, da landete das Pikachu mit voller Wucht auf ihm. Das violette Wesen zischte und es knackte. Zitrone sprang von ihm herunter und man erkannte, dass der Edelstein einen Riss bekommen hatte. Schwer atmend beobachtete Zitrone seinen Gegner. Der Stern hob kurz seine fünf Arme, dann blieb er kraftlos liegen. Der Kern erschien nun stumpf und matt. Die Schiedsrichterin schüttelte etwas enttäuscht ihren Kopf, es war offensichtlich, dass das Starmie nicht mehr weiterkämpfen konnte.
„Nein!“, rief Misty und zögerte keine Sekunde den Bademantel hinter sich zu werfen und ins Wasser zu springen, um zu ihrem Pokémon zu kraulen. Sachte zog sie ihr Starmie ins Wasser und begutachtete seinen Edelstein. Sanft strich sie darüber und der Stern zischte kraftlos.
„Du bist der Beste. Das bekommen wir wieder hin, mein Hübscher“, sagte Misty und gab ihm einen sanften Kuss. Sie ließ ihn los und das Pokémon glitt sacht zu Boden und blieb erschöpft liegen. Zitrone hatte die zwei mit schiefgelegten Ohren beobachtet und guckte sie mitfühlend an.
„Das war super, Zitrone!“, rief ihr Lotte zu, die ihre Freude nicht mehr verbergen konnte und das Pikachu quietschte. Es hüpfte von einer Insel auf die andere, doch nicht auf Lotte zu. Zitrone sprang geradewegs in die Arme von Seffe. Lotte verzog kurz ihr Gesicht und ging auf Misty zu, die wieder aus dem Becken kam und ihren Mantel über zog.
„Geht es deinem Starmie gut?“, fragte sie und Misty nickte.
„Es hat schon schlimmeres durchgemacht.“
Misty war ein Stück größer als Lotte und blickte sie ernst an. Sie schloss kurz ihre Augen und hielt inne. Als sie diese wieder öffnete, ging sie in ein resignierendes Lächeln über.
„Seine Anwesenheit hat dir scheinbar geholfen. Ich habe richtig gemerkt, wie du dich im Kampf gesteigert hast. Du hast dir den Orden verdient“, sagte Misty die nun hinter Lotte guckte. Lotte drehte ihren Kopf zur Seite. Da kam Seffe angeschlendert und blieb ein Stück hinter ihr stehen. Er versuchte sich zu beherrschen, doch konnte nicht anders und musterte Mistys Beine. Zitrone lag in seinen Armen, das Pikachu klammerte sich fest an ihn und schmiegte den Kopf an seiner Brust. Eine Stille entstand und langsam hob Seffe den Blick um erst Misty ins Gesicht zu schauen und dann Lotte.
„Ist was?“, fragte er und die Frauen rollten gleichzeitig mit den Augen.
„Du hast dich seit unserer letzten Begegnung kein bisschen verändert“, sagte Misty, dann nickte sie zu Lotte.
„Komm mit mir, du bekommst deinen Orden und die Siegesprämie.“
Misty ging vor und Seffe legte seinen Kopf schief. Hin und wieder konnte der durch den Schlitz des Mantels auf ihren Po gucken. Lotte schnaufte leicht und boxte ihm so schwungvoll, wie Misty sich umgedreht hatte, in die Rippen. Seffe stöhnte kurz auf und blickte der Kleineren nach. Lotte hielt vor Misty und bekam einen schimmernden Orden. Er hatte die Form eines Tropfens. Mit glänzenden Augen nahm Lotte den Orden an sich und bekam noch 1.500 Pokédollar und die TM Blubbstrahl.
„Wenn du diese Attacke einem Pokémon beibringst, fügst du ihm Schaden zu und es senkt die Initiative. Uns hat es im Kampf nicht mehr viel geholfen, aber es kann sehr nützlich sein“, sagte Misty. Sie verabschiedete sich danach von beiden. Schweigend gingen Lotte und Seffe aus der Arena, während die Blicke der anderen Trainer auf ihnen lagen. Lotte ging mit dem Blick auf den Orden gerichtet heraus und Seffe schlenderte ihr hinterher. Vor der Arena hielt sie den Orden in die Abendsonne, er glänzte in wundervollen Blautönen. Sie wurde aus den Gedanken gerissen, als Seffe sich neben ihr laut räusperte.
„Gratuliere zu deinem ersten Orden“, sagte er und sie guckte zu ihm auf.
„Und jetzt sprich: Was hast du dir dabei gedacht?“
Lotte zog die Brauen zusammen.
„Das ist mein zweiter Orden.“
„Ist das echt alles, was dir dazu einfällt? Charlotte!“
Lote zuckte leicht auf und richtete ihren Blick zur Seite. Zitrone guckte von einem zum anderen.
„Woher kennst du meinen richtigen Namen?“, fragte sie.
„Wie kommst du nur auf die Idee mit einem versehentlich vertauschten Pokémon einen Arenakampf zu bestreiten?“
Lotte schwieg und sah Seffe weiterhin nicht an.
„Abgesehen davon, dass du dich mit der Azuria-Arena erstmal mehr hättest beschäftigen müssen, hättest du auch noch mehr Übung mit Zitrone gebraucht!“
Vorwurfsvoll blickte er Lotte an. Das Pikachu hatte die Augen geschlossen als ihr Trainer lauter wurde. Lotte schnaufte und sah ihn mit leicht glänzenden Augen an.
„Es hat sich eben die Möglichkeit ergeben! Und jetzt hör auf mich anzuschreien!“
Sie warf sie ihren Kopf zur Seite und kreuzte die Arme. Langsam holte Seffe Luft und sah nach oben. Der Ärger saß tief in ihm und er zählte in Gedanken bis zehn. Zitrone hatte die Ohren zurückgelegt und sah ihn traurig und unsicher an.
„Okay, tut mir leid“, sagte er schließlich wieder ruhiger. Doch Lotte regte sich nicht und er zog die Brauen zusammen.
„Eigentlich solltest du dich bei mir entschuldigen! Wenn ich es nicht gut gemeint hätte, wäre der Kampf abgebrochen worden! Man darf nämlich nur mit eigenen Pokémon einen Arenakampf annehmen oder mit legal getauschten!“
Lotte verzog ihr Gesicht trotzig.
„Ich bekomme die Hälfte der Siegesprämie! Den Orden und die TM kannst du behalten, die habe ich selber!“, sagte Seffe und hielt seine Hand auf. Lotte war kurz davor gewesen zu heulen, doch das Gefühl war so schnell wieder verschwunden, wie es gekommen war. Fassungslos blickte sie den anderen an.
„Du spinnst wohl!“
Seffes Mimik blieb finster. Er ließ Zitrone herunter und beugte sich mit gefährlichem Blick zur Kleineren.
„Du hast unerlaubt mit einem fremden Pokémon gekämpft, ich habe dein Pixi nicht für meine Zwecke eingesetzt. Das hat etwas mit Trainerehre und einem gewissen Ruf zu tun, vergiss das nicht! Ich bekomme die Hälfte der Siegesprämie und werde das Vorgefallene einfach vergessen.“
Lotte lehnte sich leicht zurück, als ihr der andere näher kam, sein Atem roch nach Minze und ihr Herz fing schnell an zu klopfen. Dann nickte sie und sah wieder zur Seite. Seffe stellte sich wieder aufrecht hin und sah kühl auf sie herab. Dann hielt er ihr wieder die offene Hand hin. Er meinte es wirklich ernst. Lotte schnaufte leise. Sie zählte die Hälfte des Geldes ab und gab es ihm. Seffe steckte es, mit schief gelegten Augenbrauen, in seine hintere Hosentasche. Dann machte er einen Pokéball seines Gürtels ab und ließ das Pixi heraus. Zitrone hatte immer noch die Ohren zurückgelegt, ehe sie diese freudig aufstellte und verschwand von selbst in ihrem gewohnten Ball. Auch Lottes Gesicht erhellte sich nun.
„Ayla!“
Das Pixi piepte und beide fielen sich in die Arme.
„Schön dich wieder bei mir zu haben!“, sagte Lotte, ehe sie das Monster auch in seinen gewohnten Ball einzog. Seffes Blick lag noch immer auf ihr, während er langsam auf seinem Kaugummi kaute, dann machte er eine Kopfbewegung und nahm sie bestimmend am Arm.
„Komm mit jetzt, wir fahren zurück nach Vertania!“
Lotte sträubte sich, doch Seffe ließ nicht locker.
„Lass mich los, was denkst du dir eigentlich?“
Er ließ von ihr ab und drehte sich genervt zu ihr um.
„Was ich mir denke? Mein Tag war total beschissen! Du hast gar keine Ahnung, was ich wegen dir alles durchmachen musste! Und jetzt komm gefälligst mit! Wir fahren gemeinsam nach Vertania und ich bringe dich zu deiner Oma!“
Die andere verzog die Brauen, ehe sie stockte.
„Du kennst meine Oma?“
Seffe legte seinen Kopf leicht schief und machte eine fließende Handbewegung. Lotte schüttelte ihren Kopf.
„Ich bin doch kein kleines Kind, ich komme auch selber wieder nach Hause!“
Seffe schüttelte nur langsam seinen Kopf.
„Ich lasse keine junge Frau in einer fremden Großstadt zurück. Schon gar nicht wenn es dunkel ist. Auf jetzt!“
Lotte überlegte kurz und folgte mit dem Blick der Richtung in die Seffe zeigte. Sie seufzte.
„Bist du mit dem Auto da?“
Lotte legte ihren Schritt vor Seffes in Richtung des Parkplatzes.
„Nicht mit meinem. Matze fährt uns“, sagte Seffe und spuckte seinen Kaugummi auf die Straße, ehe er sich einen neuen in den Mund steckte. Lotte schnaufte.
„Toll. Mit zwei fremden Männern im Auto“, sagte sie leise und Seffe rollte mit den Augen.
„Dass ich es nicht böse mit dir meine, solltest du langsam verstanden haben. Außerdem weiß deine Oma, dass wir zusammen unterwegs sind.“
Lotte guckte ruckartig zu ihm. Doch Seffe ging an ihr vorbei zu dem Audi, dessen kaputter Lack auch im gelblichen Licht der Laternen auffiel. Lotte schnaufte und ging ihm im Schnellschritt nach. Sie richtete ihren Blick zu Boden und vergrub ihre Hände in den Manteltaschen. In der einen Hand umklammerte sie feste den Orden. Seffe machte die Tür des Autos auf. Matze hatte tatsächlich die ganze Zeit auf sie gewartet. Mit einem Kreuzworträstelbuch hatte er sich die Zeit vertrieben und füllte gerade die Kästchen aus, als er kurz zusammen zuckte. Seffe grinste ihm mit schief gelegten Brauen entgegen. Neben ihm stand Lotte, mit dem Blick abgewandt.
„Man, ihr seid ganz schön überfällig!“, sagte Matze und machte eine Handbewegung, dass sie einsteigen sollten. Das kantige Auto hatte fünf Türen und Seffe öffnete Lotte die hintere. Wortlos ging sie an ihm vorbei und setzte sich, die Tür zog sie selber zu.
„Hallo, ich bin Matthias, du kannst mich aber gerne Matze nennen“, begrüßte er Lotte, doch die warf ihm nur einen bösen Blick zu, und drehte sich dann zum Fenster. Matze runzelte die Stirn und sah zu Seffe, der guckte ihn nur vielsagend an.
„Wenn ich das Rätsel gelöst hätte, wäre ich gefahren“, sagte Matze mit seiner lustigen Stimme zu ihm und hielt ihm seinen Kugelschreiber hin. Seffe verstand sofort, er musste noch in dem Buch unterschreiben, das er als nächstes von Matze in die Hand gedrückt bekam.
„Danke, dass du so lange gewartet hast. Würdest du uns vielleicht nach Vertania fahren? Nur wenn es dir nichts ausmacht.“
„Das Mädchen nach Hause bringen?“ Matze war gut im raten und Seffe nickte.
„Na, klar doch“, sagte Matze, er hatte das Auto bereits gestartet und lächelte in den Rückspiegel. Lotte seufzte, ohne Matzes Lächeln kurz zu erwidern und schnallte sich an. Matze hob beide Brauen und drehte sich zu Seffe.
„Ist es nicht gut gelaufen?“, fragte Matze Seffe, der kurz die Schultern hob und den anderen erledigt anlächelte.
„Wie man´s nimmt – scheinbar. Sie hat auf jeden Fall ihren zweiten Orden.“
„Oh, na das ist doch super!“, sagte Matze und guckte Lotte durch den Rückspiegel an. Sie sah immer noch verbissen aus dem Fenster. Er verzog kurz seinen Mund und schwieg nun besser. Seffe hatte ihm ein weiteres Mal vielsagenden angesehen, ehe er nachdenklich nach vorne guckte. Insgesamt verlief die Fahrt recht still. Das Radio plänkelte im Hintergrund und sie machten einen Zwischenstopp bei einer Tankstelle. Lotte hatte kein einziges Wort gesprochen und nur den Männern, bei den paar Sätzen, die sie ausgetauscht hatten, gelauscht. Seffe verschob telefonisch irgendeinen Auftrag. Der Mann an der anderen Leitung klang nicht so erfreut und brüllte scheinbar in das Telefon, worauf Seffe genervt auflegte. Nach knapp über einer Stunde Fahrt waren sie sicher in Vertania angekommen und Matze verabschiedete beide. Lotte nuschelte ihm ein „Danke“ entgegen und stieg mit Seffe aus.
„Nummern haben wir ja getauscht“, sagte Seffe und schüttelte ihm dankbar die Hand, ehe auch er ausstieg. Der Mann nickte nur und lächelte ihn an.
„Sei nicht zu hart zu ihr. Sie mag dich“, sagte Matze leise mit einem Lächeln. Seffe stockte kurz, schloss dann die Tür und drehte sich zu Lotte um. Matze sah ihnen noch kurz nach, dann fiel sein Blick auf das Buch. Seffe hatte es auf dem Sitz hinterlassen und während der Fahrt darin rumgekritzelt. Mit neugierigem Blick nahm er das Büchlein, dessen Lederbezug schon etwas abgeranzt war und schlug die Seite auf, in der Seffe den Kugelschreiber hinterlassen hatte. Er hatte nicht nur einfach unterschrieben, er hatte auch etwas gezeichnet. Es war etwas verwackelt durch die Fahrt, aber sah lustig aus. Darauf zu sehen war ein kantiges Auto, welches Staubwolken hinterließ. Im Hintergrund lagen gestrichelte Linien mit Pfeilen, welche wie ein Zeitstrahl aussahen. Es gab drei Punkte, mit den Städtenamen gekennzeichnet. Wenn man den Pfeilen folgte, erkannte man den Weg von Marmoria, nach Azuria und zurück nach Vertania. Wobei über Azuria ein Tropfen gemalt war, der für den Wasser-Orden stand. Über dem Auto waren drei Strichmännchen in Sprechblasen gesetzt. Eins zeigte definitiv Matze, es hatte kurze Haare und war etwas pummeliger als die anderen beiden. Matze musste kurz auflachen und grinste. Das andere war eindeutig Seffe, mit halblangen Haaren und einer großen Brille auf der Nase. Das kleinste stand für Lotte, es trug lange, lockige Haare und hatte als einziges Wimpern gezeichnet und Stinkwölkchen über dem Kopf. Daneben stand ein stilisiertes Arkani und ein Pikachu attackierte einen Stern. „Danke, Matze“, stand in Druckbuchstaben geschrieben unten rechts und Seffes geschwungene Unterschrift daneben.
Matze lächelte breit. So konnte er sich immer bestens an die erste Begegnung mit den Beiden erinnern. Kurz drückte er das Buch an seine Brust, ehe er es wieder in seine Jackeninnentasche steckte. Sie würden sich mit Sicherheit nochmal wieder treffen. Grinsend machte er sich auf den Weg nach Hause.
Schweigend gingen die beiden Trainer auf das kleine Fachwerkhaus zu, in dem noch Licht brannte.
„Du musst mir nicht mehr folgen, du kannst auch zum Pokémon Center gehen“, sagte Lotte, ohne Seffe an zu schauen.
„Ich bringe dich bis nach Hause.“
Lotte verzog die Brauen und blieb vor der Gartentür stehen. Langsam blickte sie an Seffe hoch, der sie neutral ansah. Lottes Herz fing schnell an zu klopfen. Sie guckte von ihm ab zu dem Licht im Fenster. Sie konnte die Silhouette ihrer Oma erkennen, die auf der Couch saß. Der Wind zog kalt in die Schlitze ihrer Klamotten.
„Deine Oma macht sich bestimmt schon Sorgen“, sagte Seffe und Lotte guckte ihn nur an, um schnell wieder von ihm abzusehen. Sie strich ihre Haare hinter ihre Ohren, nickte kurz, machte auf dem Absatz kehrt und ging zur Haustür. Seffe blickte ihr nach, doch ohne dass sich Lotte noch einmal umdrehte, verschwand sie im Haus. Er verzog leicht seine Brauen und seufzte. Dann schlug auch er langsam den Weg zum Pokémon Center ein. Mit dem Helm unter den Arm geklemmt und dem Spritkanister in der Hand, griff er mit seiner anderen Hand in seine Tasche und entdeckte den Kuchen wieder.
Er fing an zu summen und sang schließlich leise den Text: „Bye, bye, Miss American Pie.“ Immerhin konnte er im Center sein Versprechen einlösen und Paulinchen etwas von dem Käsekuchen geben.

Lotte kam zur Haustür herein und entfesselte ihr Pixi und das Terribark ihrer Oma. Das Hundewesen rannte auch direkt zu Irmgard und begrüßte sie. Ayla erkannte sofort, die niedergeschlagene Stimmung ihrer Trainerin und tätschelte ihren Arm.
„Ach Ayla“, sagte das Mädchen und guckte kurz in das Wohnzimmer zu ihrer Oma hinein.
„Charlotte, du bist so spät. Oh, du hast Ayla wieder! Seffe hat dich also gefunden.“
Zufrieden lächelte die alte Frau. Dann wurde ihre Miene fragend.
„Was ist los? Du guckst so traurig?“
„Ach. Nichts“, antwortete Lotte. Sie überlegte noch etwas hinzuzufügen, doch ging dann flüchtig in ihr Zimmer.
„Gute Nacht, Oma.“
Lotte wartete bis das Pixi durch die Tür gelaufen war, um sie zu schließen. Dann schmiss sie Ihren Mantel zur Seite und ließ sich mit dem Bauch auf das Bett fallen, ohne ihre Schuhe aus zuziehen. Ihr hübsches Gesicht vergrub sie in den Kissen. Ihre polangen Haare flogen hinter ihr her und legten sich über sie, wie eine Decke. Dann fing sie an zu schluchzen. Das rosafarbene Feen-Pokémon mit den niedlichen Flügelchen, hatte sich neben sie gesetzt und streichelte ihr über den Rücken.
„Ach Ayla, ich hab alles verbockt.“
Plötzlich klopfte es an der Tür. Lotte und Ayla zuckten beide erschrocken auf.
„Darf ich rein kommen, Lotte?“
Es war natürlich die Stimme ihrer Oma und auch Wuschel konnte man hinter der Tür schnuppern hören. Lotte setzte sich schnell auf das Bett und wischte ihre Tränen weg.
„Ja“, kam es leise von Lotte zurück. Langsam öffnete sich die Tür und ihre Oma sah sie mitfühlend an. Sie setzte sich auf einen Stuhl im Zimmer und runzelte die Stirn.
„Was ist denn los, Charlotte?“, fragte sie. Selten hatte sie ihre Enkelin so niedergeschlagen angetroffen. Lotte hatte den Blick zu Boden gesenkt. Das Pixi strich ihr weiterhin sacht über den Rücken und piepte. Das Terribark kam mit hängenden Ohren und traurigen Augen ins Zimmer und legte sich neben Lottes Oma. Lotte seufzte tief.
„Ich war so ein Idiot. Ich bin heute Morgen los gezogen nach Azuria. Ich dachte, wenn ich schon das Pikachu habe, ist der Wasser-Orden ein Leichtes.“
Ihre Oma verzog ihren Mund.
„Er war heute Morgen hier und hat nach dir gefragt. Ich hatte kurz das Vergnügen ihn kennen zu lernen“, sagte sie und Lotte hob den Blick.
„Du bist so neugierig, Oma! Wahrscheinlich hast du ihn auch noch zu Kaffee und Kuchen eingeladen.“
Die weißhaarige Frau grinste nur.
„Ich dachte erst, ihr seid verabredet. Aber ihr habt euch ja gefunden.“
„Ja. Aber erst in der Azuria. Ich war schon am Kämpfen mit Misty“, sagte Lotte und das Pixi piepte aufmunternd auf, doch Lottes Blick blieb bedrückt.
„Und? Hast du denn gewonnen?“
Lotte nickte langsam. Sie öffnete die Hand. Darin funkelte der blaue Orden.
„Er war sehr sauer, weil ich sein Pikachu einfach eingesetzt habe. Aber er hat mich trotzdem kämpfen lassen, hat mir Tipps gegeben und mich sogar nach Hause gebracht.“
Nun rollten Tränen über ihre Wangen und ihre Oma lächelte sacht.
„Hast du dich bei ihm bedankt?“
Lotte wischte sich die Tränen weg.
„Nein, aber er hat auch die Hälfte der Siegesprämie eingefordert.“
Ein knappes Grinsen konnte sich die alte Frau nicht verkneifen.
„Sein Pikachu entführen ist von dir auch nicht besonders charmant gewesen.“
Lotte liefen nun noch mehr Tränen über die Wangen und sie schüttelte verärgert ihren Kopf. Jetzt stand ihre Oma auf und setze sich neben sie und nahm sie in den Arm. Das Pixi schmunzelte dabei.
„Ach, Charlotte. Nimm es dir doch nicht so zu Herzen. Passiert ist passiert. Such ihn doch morgen früh nochmal auf. Dann könnt ihr nochmal in Ruhe über alles reden.“
Lotte blickte ruckartig auf und schüttelte den Kopf.
„Das ist doch total peinlich“, sagte sie, doch ihre Ome schüttelte lächelnd den Kopf.
„Ich bin mir sicher, dass er sich darüber freuen würde. Es wäre schade, jemanden einfach so ziehen zu lassen, den man mag.“
Mit zusammengezogenen Augenbrauen sah Lotte zu Boden und biss sich auf ihre Unterlippe.
„Du hast recht, Oma“, sagte sie schließlich und ihre Oma strich ihr über das weiche Haar.
„Und ich denke, du hast dir den Orden verdient. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Man lernt immer nur langsam dazu und jeder braucht mal Hilfe.“
Nun konnte auch Lotte wieder lächeln, während Ayla zwinkerte und Wuschel einen bestätigenden Ton von sich gab.


Unerwarteter Besuch
Der nächste Morgen zeigte sich mit gutem Wetter und das neue Frühstücksbuffet des Pokémon Centers war besonders lecker. Seffe freute sich schon, sein Motorrad aus dem Wald zu retten. Und obwohl er schwer beladen war, mit dem Rucksack, dem Helm und dem Benzinkanister, ging er schwungvoll und gut gelaunt aus dem Center heraus. Er blieb kurz auf der Straße stehen, schloss seine Augen und hob seinen Kopf, dabei steckte er sich Stöpsel zum Musikhören in die Ohren. Der kühle Wind erfrischte ihn beim Atmen, während sich die Sonnenstrahlen warm auf sein Gesicht legten. Paulinchen stand neben ihm und hechelte freudig, auch sie hatte die Nase gehoben. Zitrone war ebenfalls nicht in ihrem Pokéball und saß auf dem Kopf des Feuer-Pokémons. Seffe lächelte beim Anblick der beiden.
„Na los ihr beiden“, sagte er und Paulinchen kläffte kurz. Sie nahm die Fährte seines Motorrads auf und lief los. Zitrone sprang auf den Rücken des Arkanis und hob ihr Pfötchen, als ob sie der Kapitän eines Schiffes wäre. Seffe schmunzelte, steckte sich einen Kaugummi in den Mund und drehte sich in Richtung des Waldes. Kurz kam es ihm so vor, rote Haare gesehen zu haben, schüttelte dann aber seinen Kopf und folgte seinen Pokémon.
Lotte war mal wieder früh aufgestanden und hatte sogar ein kleines Frühstück ausgelassen, um so schnell wie möglich zum Pokémon Center zu gehen. Gerade lief sie in schnellem Schritt die Straße hoch, da sah sie ihn. Seffe stand einfach da und träumte vor sich hin. Lotte hob die Hände und winkte ihm zu, doch er drehte sich um und ging mit seinen Pokémon los. Sie verzog ihren Mund und ihr Schritt wurde schneller. Doch auch die anderen gingen in einem flotten Tempo voran. Sie schnaufte und rief schließlich nach ihm und joggte los.
Paulinchen lief schnuppernd voran, ehe sie aufmerksam den Kopf hob. Auch Zitrone blickte in immer kürzer werdenden Abständen nach hinten. Doch darauf reagierte der Trainer nicht, sein Blick war auf den Pokédex gerichtet und er ging seine Playlist durch.
Lotte war nur noch ein paar Meter weg von ihm und rannte noch schneller. Im nächsten Moment sprang sie ihn von hinten halb an und klopfte ihm dabei auf die Schulter. Seffe erschrak sich dabei so sehr, dass er fast seinen Pokédex hätte fallen lassen. Die Stöpsel wurden ihm schwungvoll aus seinen Ohren gerissen und er drehte sich um. Lotte grinste ihn breit an, doch bei dem Blick des anderen verging es ihr sogleich wieder. Seffe fing die Kabel ein und schüttelte leicht seinen Kopf.
„Geht´s eigentlich?“, fragte er in beherrschtem Ton. Lotte sah ihn mit ihren großen, grünen Augen an.
„Tut mir leid. Ich wollte dich nicht erschrecken. Aber du hast nichts gehört.“
Seffe hob nur eine Braue, während er die Kabel entwirrte.
„Wenn du so laut Musik hörst, machst du dir die Ohren kaputt!“
Nun blickte er auf.
„Was kümmert`s dich?“
Lotte zuckte mit den Schultern und eine Stille entstand. Paulinchen und Zitrone blickten wie gebannt auf die beiden. Seffe zog seine Brauen zusammen.
„Warum rennst du mir eigentlich nach?“, fragte er. Lotte blickte zu Boden und biss sich auf ihre Unterlippe. Sie schaukelte auf ihren Füßen und seufzte schließlich. Seffe beobachtete sie abwartend. Er musste zugeben, dass sie sehr niedlich sein konnte. Zumindest was das Äußere betraf.
„Du bist immer noch sauer, weil ich Zitrone entführt habe und ich nerv dich, oder?“, fragte Lotte und der Größere runzelte die Stirn. Kurz überlegte er, was er darauf antworten sollte und entschied sich für ein einfaches Schulterzucken. Lottes Herz fing wieder an schneller zu schlagen.
„Eigentlich wollte ich dich abfangen, um mich“, sagte sie an und hielt kurz inne. Atmete sie so schnell, weil sie hinter ihm her gerannt war oder weil sie so nervös war? Seffe blickte kurz unsicher zu seinen Monstern die ihn beide mit aufgestellten Ohren anblickten.
„Ich wollte mich bei dir entschuldigen“, sagte Lotte schließlich und Seffe legte seine Brauen schief. Lotte schloss verkrampft ihre Augen und redete schnell los.
„Die Aktion war blöd von mir. Ich wollte Zitrone nicht entführen und es tut mir wirklich leid! Danke, dass du mich trotzdem hast kämpfen lassen.“ Danach erst öffnete sie ihre Augen mit einem Seufzen und guckte kurz Seffe an und dann zu dem Pikachu. Seffe zuckte kaum merkbar mit dem Mundwinkel. Mit dem Blick wich er jedoch keine Sekunde von ihr ab. Es war als würde er sie das erste Mal richtig ansehen. Ihre Gesichtszüge waren fein und sie hatte leichte Sommersprossen, um die Nase herum verteilt.
„Pika, Pika!“, kam es von Zitrone. Das Pikachu schien ihr zu verzeihen und machte einen Kapitänsgruß.
„Schön, dass du Einsicht zeigst“, sagte Seffe und versuchte sich an einem freundlicheren Gesichtsausdruck. Lotte lächelte erleichtert zurück.
„Ich … war auch gerade auf dem Weg in den Wald. Du suchst bestimmt dein Motorrad, oder?“
Wie auf Kommando liefen alle gleichzeitig los. Paulinchen ging vor und konzentrierte sich wieder auf die Fährte, während Zitrone auf ihr herum zappelte und immer wieder zu den Trainern schielte. Seffe richtete seine Lederjacke und fuhr sich durch die Haare. Lotte musterte ihn dabei, aber er schien sie nicht weiter zu beachten. Unhörbar seufzte sie.
„Du bist echt nachtragend, oder.“
Daraufhin wurde sie von Seffe nur belächelt. Sie verengte ihre Augen, bei seinem arroganten Blick.
„Wie lange trainierst du schon Pokémon?“, fragte sie und Seffe steckte sich wieder einen Stöpsel ins Ohr.
„Lange“, sagte er und blickte auf seinen Pokédex. Wo war er nochmal bei seiner Playlist stehen geblieben? Lotte warf mit einer Handbewegung ihre Haare zurück. Besonders gesprächig war er ja nicht. Sie liefen schweigend nebeneinander her.
„Sag mal, was hörst du da eigentlich?“
Lotte gab nicht nach und ehe Seffe hätte antworten können, hatte sie sich den anderen Stöpsel geschnappt und lauschte der Musik.
„Oh – Rock `n´ Roll?“
„Kann man so nennen, ja.“
„Ich mag Rockmusik auch“, sagte sie und blickte an ihm hoch und runter. Zu seinem alternativen Stil, passte diese Musikrichtung auch. Sie versuchte zu erkennen, was auf seinem Shirt für ein Aufdruck abgebildet war, da bemerkte Seffe ihre Blicke. Auch er fing an sie zu mustern und ihre Blicke trafen sich. Lotte kämmte sich leicht verschämt, mit den Fingern, eine gewellte Haarsträhne hinters Ohr. Wieder entstand eine Stille von ein paar Minuten, bis Lotte sie brach.
„Du schleppst ganz schön viel mit dir herum. Soll ich dir das Ding da abnehmen?“
Seffe hob nur eine Braue.
„Du meinst den Benzinkanister? Ist schon okay.“
Lotte rollte mit den Augen.
„Du kannst es mir ruhig geben, nur weil ich eine Frau bin, heißt es nicht, dass ich schwach bin.“
„Wenn du meinst.“
Er hielt ihr den 5-Liter-Kanister hin und sie nahm ihn ab. Wieder liefen sie schweigend Paulinchen und Zitrone nach. Es vergingen knapp zehn Minuten. Lotte wechselte immer häufiger die Hand, in der sie den Kanister hielt. Seffe blickte nur manchmal aus den Augenwinkeln zu ihr. Sie hatte noch immer den anderen Stöpsel im Ohr und nickte bei der rockigen Musik leicht mit dem Kopf.
„Wie weit ist es noch?“, fragte sie schließlich und Seffe blieb ruckartig stehen, so dass Lotte der Stöpsel aus dem Ohr gezogen wurde. Verwundert drehte sie sich zu ihm um und auch die Pokémon verharrten in ihrer Bewegung.
„Lotte, warum folgst du mir?“
Seffe runzelte die Stirn und alle blickten ihn verdutzt an.
„Ich meine: Was willst du von mir?“
Paulinchen ließ ihre Ohren hängen, auch sie wusste mit der Situation nichts anzufangen. Zitrone rollte derweil mit den Augen. Lotte blickte nachdenklich zur Seite.
„Ich... habe das Gefühl ... etwas wieder gut machen zu müssen“, sagte sie, doch eigentlich wollte sie ihn nicht einfach so gehen lassen, weil sie ihn mochte.
„Das geht schon klar. Komm, gib mir den Kanister und ...“
Er zuckte mit den Schultern.
„Lass es einfach. Geh nach Hause.“
Er wollte sie nicht beleidigen, es tat ihm sogar etwas leid, aber sie würde ihm auf seinen Reisen nur eine Last sein. Außerdem war sie so jung. Aus großen, enttäuschten Augen blickte Lotte an ihm hoch. Dann hielt sie ihm den Kanister hin. Als er ihn abnahm murmelte sie ein „Mach´s gut“ und ging langsam den Weg wieder runter.
„Ja, du auch“, sagte Seffe noch, eher er unhörbar seufzte. Dann drehte auch er sich um. Paulinchen und Zitrone starten ihn an und er blickte von einem Pokémon zum anderen.
„Waaas?“, fragte er mit erhobenen Schultern. Er machte eine Handbewegung und Paulinchen ging weiter der Fährte nach.
„Pikaaachuuu“, machte Zitrone, während sie plump auf Paulinchen saß, die Arme verschränkt hatte und leicht mit dem Kopf schüttelte. Ob das die richtige Entscheidung war?

Ein kleines Stück ging Lotte den Weg wieder zurück. Sie ließ sich an einem Baumstamm herunter rutschen. In der Hocke richtete sie ihren Blick nach oben und nein, sie wollte nicht schon wieder heulen. Nicht wieder wegen ihm! Der Kerl hatte es ihr angetan, aber es beruhte scheinbar nicht auf Gegenseitigkeit. Mit ihren Händen wischte sie sich über ihre feuchten Augen, starrte Löcher in die Luft und saß einfach da. Es kam ihr wie eine halbe Ewigkeit vor.
Plötzlich holte sie ein Schrei aus ihren Gedanken zurück und sie schaute sich um. Kurz hatte sie die Vermutung, es wäre Seffes Stimme gewesen. Sie schüttelte den Kopf. Wieso sollte er so laut schreien? Sie stand auf und seufzte. Gedankenverloren drehte sie sich um, dann hörte sie weitere Schreie. Nun schoss das Adrenalin in ihre Adern und ihr Herz fing an wie wild zu klopfen, ihr wurde schlagartig warm. Ruckartig drehte sie sich um. Das war doch Seffe! Und noch eine andere Stimme. Die dumpfen Schläge ließen nichts Gutes vermuten. Sie ballte ihre Hände und rannte wie von einem Voltula gebissen los, in die Richtung aus der die Geräusche kamen. Atemlos blieb sie ein paar Meter von der Szene stehen. Ein unglaublich wütendes, grau-violettes Pokémon mit der Figur eines Bodybuilders hatte Seffe am Hals gepackt und hielt ihn mit nur einer Hand in die Luft. Ein Maschock!
Seffes Rucksack, der Helm und auch der Kanister lagen in der Gegend verstreut. Die Arkanihündin kniete halb unter dem Motorrad. Würde sie sich bewegen, würde das gepflegte Zweirad komplett auf die Seite fallen. Das Pikachu hüpfte, wie wild, um Maschock herum und redete in schnellen Quietschtönen auf das Pokémon, mit dem reinen Element Kampf, ein. Seffe hatte mit beiden Händen das Handgelenk des Maschocks umfasst, doch gegen den steinharten Griff hatte er keine Chance. Er zappelte und seine Füße hatten keinen Bodenkontakt mehr. Langsam lief er blau an.
„Zitrone, tu doch was! Erschreck es mit einem kurzen Donnerschock!“, rief Lotte. Das Pikachu guckte sich kurz um und wieder zu Seffe. Sie wollte ihrem Trainer nicht schaden. Doch anders würde er gleich ersticken, denn das Maschock ließ einfach nicht locker. Zitrone legte ihre Ohren an und setze die kurze Elektro-Attacke auf beide ab. Das Kampf-Pokémon ging in die Knie und ließ den Trainer los. Seffe fiel zu Boden und schnappte nach Luft, ehe er anfing zu husten. Maschock schüttelte sich und schlug das Pikachu mit seiner großen Hand zur Seite. Zitrone erlitt keinen großen Schaden, sie fing sich geschickt ab und landete auf allen Vieren. Paulinchen jaulte auf.
„Du gibst … das Moped ... nicht frei! Und wehe… es fällt um!“, sagte Seffe schwer atmend und ohne dabei aufzusehen, dann rappelte er sich auf. Nun lag der Blick des Maschocks wieder auf dem jungen Mann und dieser funkelte mindestens genau so böse zurück. Seffe griff an seinen Gürtel und wollte einen Ball ab machen, da holte Maschock bereits aus und der Trainer bekam seine Faust in den Bauch. Der Wuchtschlag ließ ihn in sich zusammen klappen und flog einige Meter weit weg. Lotte hatte die Hände an ihre Wangen gehoben und blickte ihm nach. Als Seffe hart auf dem Rücken landete und über den Waldboden rutschte, verzog sie ihr Gesicht. Ohne zu hadern rannte sie in seine Richtung. Da sprang das Maschock ihr in den Weg in den Weg und sie fiepte kurz.
„MAAAAAAAAA!“, schrie der Kraftprotz und zeigte hinter sich auf das Motorrad, dabei stampfte es mit einem Fuß auf dem Boden auf.
„Maschock, bitte beruhige dich!“, sagte Lotte und hatte die Hände zum schlichten vor sich gehoben. Das Maschock stockte und schien ihr zu zuhören.
„Das ist nicht dein Motorrad!“, ächzte Seffe und Maschock drehte sich wieder zu ihm um. Lotte rollte mit den Augen und wünschte sich in dem Moment, dass Seffe einfach ohnmächtig geworden wäre. Sie erkannte die zurück kommende Wut in den Augen des Kampf-Pokémons. Dann schlug es sich mit einer Hand in die andere, schubste Lotte weg und ging auf Seffe zu.
„Nein!“, schrie Lotte, doch das Maschock reagierte nicht.
„Zitrone, Donnerblitz!“
Das Pikachu rannte neben Lotte und stieß erneut die Elektro-Attacke aus. Das Maschock drehte sich wutentbrannt um. Lotte wich schnell zurück und guckte zu Seffe. Zitrone stellte sich mit blitzenden Wangen vor sie und legte ihre Ohren an. Seffe lag noch immer auf dem Rücken. Der Schlag des Monsters hatte gesessen. Das Maschock brüllte erneut. Es wollte unbedingt das Motorrad haben, das es gefunden hatte. Zitrone stellte sich auf ihre Hinterbeine und verschränkte ihre Arme. Sie schloss ihre Augen und schüttelte den Kopf. Doch mit dem Maschock war nicht mehr zu diskutieren und es schnappte das Pikachu. Zitrone zappelte und schrie, dabei stieß sie noch zweimal einen Elektroschock aus. Verkrampft hielt das Maschock dagegen an, packte sie schließlich mit der anderen Hand an ihrem Schweif, schleuderte sie im Kreis und ließ sie mit Wucht gegen einen Baum prallen. Zitrone verlor ihr Bewusstsein und blieb liegen. Lotte schrie auf und wollte zu dem Pikachu, doch das Maschock stand finster blickend zwischen ihnen. Hinter ihm lag Seffe und da hinter das Motorrad, mit dem halb darunter vergraben Paulinchen. Die Arkanihündin winselte. Ihr Maul glühte und sie versuchte hinter sich zu gucken, um auf das Maschock einen Flammenwurf abzuwerfen. Doch jedes Mal, wenn sie sich bewegte, merkte sie, wie das Motorrad rutschte und stemmte sich wieder mehr darunter. Seffe versuchte in gleichmäßigen Zügen zu atmen und kämpfte gegen den Schmerz an. Er war nicht in der Lage aufzustehen. Er sah alles verschwommen. Hatte er so einen Schlag auf den Kopf bekommen? Oder war seine Brille wieder weg? Es könnte auch beides sein. Er griff sich an den Gürtel, um Mr. Spook frei zu lassen. Er schaffte es den Finsterball von seinem Gürtel zu lösen. Der Ball zuckte bereits in seiner Hand und das violette Licht in der Mitte glühte, weil das Gengar darin tobte.Doch das Maschock war nicht dumm und hatte es mit bekommen. Mit zwei großen Schritten, war es bei dem Trainer. Seffe erkannte die breite Silhouette und wurde erneut am Kragen gepackt. Mit Leichtigkeit wurde er von Maschock auf die Füße gezogen und verlor dabei den Ball. Lotte klammerte sich voller Verzweiflung an einen Arm des Maschocks und zog daran. Das Kampf-Pokémon schüttelte sie ab und schubste sie weg. Stöhnend fand sich Lotte auf dem Boden wieder. Sie blinzelte, als sie den dunklen, zuckenden Ball bemerkte. Er lag nur eineinhalb Meter von ihr weg. Sie krabbelte auf allen Vieren schnell auf ihn zu, schnappte ihn, sprang auf und rannte ein paar Meter von dem Kraftprotz weg. Schnell atmend blickte sie sich den Ball an und stockte. Seffe hatte die Sperre aktiviert. Ohne weiter darüber nachzudenken, drückte sie auf den leuchtenden Knopf, der Ballmitte. Sogleich platze der Finsterball auf und Lotte ließ in quietschend fallen. Das Gengar blickte sie irre an und kicherte. Es verschwand in der Luft und erschien schwebend neben dem Kampf-Pokémon. Spook lachte laut und streckte dem Maschock seine lange Zunge entgegen. Das Maschock blickte das Gengar böse an, warf Seffe neben sich und schrie auf. Dann fing es an auf Mr. Spook ein zuschlagen. Doch seine Schläge gingen alle durch den Geist hindurch. Spook schwebte langsam zurück und hielt sich kichernd seine Hände vor den Mund.
Lotte rannte zu Seffe. Er war durch den letzten Aufprall ohnmächtig geworden. Sie tätschelte seine Wange.
„Seffe, wach auf! Verdammt, Seffe!“
Mr. Spook verarschte das Maschock. Schnell hatte er ihn mit dem Schlecker paralysiert. Immer wieder, wenn der Kraftprotz versuchte in die Richtung des Zweirades zu gelangen, fingen Spooks Augen an zu leuchten und er schubste es, mit einem Anflug von Psychokinese, zurück.
Da das Tätscheln bei Seffe nichts half, packte Lotte ihn grob an den Schultern und schüttelte ihn. Das wohlige Gefühl der Bewusstlosigkeit, was ihn gerade noch schwarz ummantelt hatte, wurde nun schlagartig durch Schmerzen ersetzt. Seffe stöhnte, ehe er verkrampft seine Augen öffnete. Verschwommen erkannte er die roten Haare.
„Lotte?“, kam es von ihm und sie atmete erleichtert auf. Er vernahm die Kampfgeräusche seines Partners und verzog sein Gesicht.
„Wirf einen Hyperball, Lotte. Vorne… in der Tasche vom Rucksack“, seine Stimme war schmerzverzerrt und es gelang ihm nicht sich auf zusetzen. Lotte nickte und rannte zu dem Rucksack. Der erste Griff saß und sie holte aus der vorderen Taschen einen schwarzen Ball heraus, mit weißem Ring und einem gelben „H“ darauf.
Spook hatte das Maschock zu Boden gestoßen und hielt ihn lachend unten. Das Kampf-Pokémon war fast k.o. Das Gengar schwebte über ihm und holte zur letzten Attacke aus. Die Dunkelklaue ließ seine rechte Hand krallig und groß werden, da flog ein Ball gegen die muskulöse Figur. Maschock wurde durchsichtig und von dem Hyperball eingesogen, der sogleich auf dem Boden landete. Der Ball zuckte einmal, zweimal und ein drittes Mal und blieb ruhig liegen. Mr. Spook verzog sein Gesicht, seine Klauen schrumpften wieder und er ließ seinen Arm hängen. Einen Moment starrte er genervt auf Lotte, die ihm seine Pointe versaut hatte. Dann fiel sein Blick auf seinen Trainer und er verengte die Augen zu schmalen Schlitzen.
Erleichterte blickte Lotte neben sich. Dort lag die Brille von Seffe. Sie streckte sich und setzte sie ihm auf. Seffe hatte sich auf seine Ellbogen gelehnt und jedes Mal, wenn er Luft holte stach es in seiner Seite.
„Ich habe Maschock gefangen“, sagte sie und versuchte sich an einem Lächeln.
Seffe stöhnte nur, drückte seine Brille etwas gerader und ließ sich wieder zurück fallen. Er hatte selten solche Schmerzen erlebt. Atmen fiel ihm schwer und er versuchte seinen Rücken gerade zu strecken. Das Gengar erschien über ihm und Lotte zuckte zur Seite. Spook blickte Seffe aus kleinen Augen an. Dann verschwand er in seinem Ball. Paulinchen lag noch immer unter dem Motorrad und winselte leise. Zitrone war auch wieder wach geworden und schwankte auf die beiden zu. Sie ließ sich neben Seffe fallen und leckte über seine Hand.
„Chuu“, hauchte sie und Seffe schmunzelte mit geschlossenen Augen. Lottes Blick war besorgt.
„Wirst du wieder ohnmächtig?“, fragte sie. Seffe schüttelte nur mit dem Kopf.
„Nein, ich bekomme nur schlecht Luft … ich glaube ... meine Rippen sind gebrochen.“
Er hatte es sichtlich schwer mit dem Atmen und versuchte sich erneut auf zu setzen, doch Lotte hielt ihn mit einer Hand an seiner Schulter zurück.
„Warte“, sagte sie, streckte sich erneut und zog den großen Rucksack zu sich. In der vorderen Tasche hatte sie doch diese kleinen Flächlein gesehen. Sie zog die kleine Flasche mit der pinken Flüssigkeit heraus.
„Trink das.“
Sie hielt Seffe die Flasche an den Mund und kippte sie. Der Geschmack war ekelhaft und ließ Seffe das Gesicht verziehen, als ob ihm jemand einen Suppenlöffel puren Süßstoff in den Mund gegeben hätte. Er schluckte es dennoch und hustete dann.
„Um Arceus` Willen, was ist das denn gewesen?“
Lotte hob ihre Brauen, als er sich aufsetzte.
„Ich glaube, ein Trank. Und er wirkt scheinbar!“
Sie lächelte ihn aus großen Augen an, ehe ihr Blick wieder ernst wurde und sie bedrückt zur Seite sah. Seffes guckte erst sie an und dann auf die Flasche.
„Ekelhaft. Warum fahren die Monster nur so auf das Zeug ab?“
Er streichelte Zitrone neben sich und erneut trafen sich die Blicke der Trainer. Seffe seufzte leise, dann warf er ihr ein knappes Lächeln zu.
„Danke, für deine Hilfe.“
Die junge Frau schmunzelte verlegen und hielt ihm einen Trank für Pikachu hin. Sie stand auf und beobachtete Seffe, wie er Zitrone pflegte und schließlich in den Ball zurückzog. Dann stand er mit einem Stöhnen auf und richtete sich langsam auf. Er hielt sich eine Hand an die Seite und hielt kurz seine Luft an. Als er Lottes besorgten Blick bemerkte, zwang er sich zu einem Lächeln.
„Was ist passiert? Warum war Maschock so sauer?“, fragte sie, während Seffe auf den Spritkanister zu ging. Schnellen Schrittes war sie vor ihm und hob ihn auf. Leise seufzte der andere und nahm den Kanister entgegen. Dann gingen sie auf die Honda zu.
„Maschock saß auf meinem Motorrad und hat es durch die Gegend geschoben. Ich hab ihm gesagt er soll da runter gehen.“
In dem Moment platze der Finsterball am Boden auf und Mr. Spook schwebte vor ihnen.
Du bist ausgerastet und hast ihn angeschrien! Das hättest du auch diplomatischer lösen können, Trainer!
Lotte erstarrte wie Eis, als die schaurige Stimme auch in ihrem Kopf hallte. Seffe rollte nur mit den Augen.
Wenn es um sein Motorrad geht, rastet er direkt aus.
Mr. Spook hatte sich zu Lotte gewandt. Seine Schultern bebten, er kicherte. Lotte verzog ihr Gesicht.
Du warst doof, dass du mich eingesperrt hast, Parrrrrtner, schnarrte Mr. Spook und verengte die Augen, während seine Pupillen zu Seffe wanderten. Lotte blickte ebenfalls zu Seffe.
„Warum hast du die Sperre an Gengars Ball aktiviert?“, fragte Sie und Seffe winkte ab.
„Ich sperre die Bälle oft, wenn ich in Hotels und so bin, weil ich schon mal wach wurde und Blueshell – sie ist ein Turtok – neben mir stand und kuscheln wollte.“
Lotte hob ihre Schultern und Seffe sprach weiter.
„Der Boden gab nach und wir sind ein Stockwerk tiefer gelandet. Ich musste damals nur für das Loch in der Decke aufkommen und hatte Glück, dass keinem etwas passiert war.“
Lotte blickte zu Mr. Spook.
„Das kann dir mit Gengar aber nicht passieren“, sagte sie, während das violette Monster heftig nickte. Seffe warf Spook einen bösen Blick zu.
„Stimmt, das nicht. Aber eine ruhige Nacht bekommt man mit ihm auch nicht immer.“
Spook verschränkte seine Arme und schnaufte.
„Und jetzt hilf mal“, sagte Seffe und deutete auf das Motorrad. Der Geist rollte mit den Augen, ehe sie anfingen zu leuchten. Die CB 750 hob sich, wie von Geisterhand, und stellte sich wieder auf. Paulinchen sprang auf, als das Gewicht endlich nicht mehr auf ihr lastete und schüttelte sich. Lotte seufzte. Während Seffe sein Motorrad mit Benzin fütterte, sammelte sie den Rucksack und den Hyperball ein. Paulinchen sah sie schwanzwedelnd an und stupste sie leicht, die Feuer-Hündin hatte den Helm gebracht. Lotte nahm ihn ab und tätschelte den Kopf des Arkanis. Wie freundlich seine Pokémon doch waren. Das Gengar hatte den Finsterball aufgehoben und hielt diesen Seffe hin.
Damit du nicht noch vergisst, deinen Retter mitzunehmen.
Seffe band den leeren Kanister auf dem Gepäckträger an und machte den Finsterball wieder an seinem Gürtel fest.
„Ab in deinen Ball, Spook“, sagte er genervt und der Geist gehorchte. Dann blickte Seffe und zur Kleineren.
„Kannst du jetzt überhaupt Motorrad fahren?“, fragte Lotte. Seffe verzog seinen Mund und zuckte mit den Schultern
„Ich will es nicht noch länger hier im Wald stehen lassen, wer weiß. Das nächste Mal sitzt vielleicht ein verrücktes Relaxo drauf.“
Lotte musste kurz kichern, dann hob sie den Ball in die Höhe.
„Ich hab jetzt ein Maschock und ich glaube, es ist gar nicht so verrückt, außer vielleicht auf Motorräder.“
„Nein, schlimmer: auf mein Motorrad! Außerdem hast du es mit einem meiner Bälle gefangen und ein Hyperball kostet fast 100 Dedennes!“
Dedenne, ein mausartiges Pokémon… habe ich in der Redewendung verpackt, weil man umgangssprachlich zum Beispiel sagt: „Du schuldest mir noch 100 Mäuse!“
Lotte warf mit einer Kopfbewegung schwungvoll ihre Haare zurück.
„Nach der Hälfte meiner Siegesprämie, sollte das doch drinnen sein, oder?“
Paulinchen kläffte darauf kurz.
„Ja, ist mir auch egal“, sagte Seffe und winkte wieder ab.
„Es klingt ja fast, als hätte es deine Ehre angekratzt und deswegen hast du kein Interesse an Maschock. Es ist ein gutes Pokémon.“
Lotte lachte kurz.
„Bestimmt. Einen guten Geschmack, zumindest was Motorräder betrifft, hat es bereits. Allerdings kreuzt sich das unangenehm mit meinem. Und gleich und gleich gesellt sich nicht immer gerne.“
Seffe drückte den Startknopf, und die Honda sprang zuverlässig an. Lotte runzelte die Stirn und stemmte ihre Hände in die Hüfte.
„Und du willst jetzt wirklich nach Saffronia fahren?“
Seffe blickte sie nachdenklich an. Lotte wirkte besorgt und traurig zugleich und verdammt! Sie hatte tolle grüne Augen, wenn sie ihn so ansah. Er wendete seinen Blick den Anzeigen der Motorradinstrumente zu.
„Ehrlich gesagt: Keine Ahnung, ob ich die Strecke schaffe“, sagte er. Beim Atmen hatte er noch deutliche Schmerzen.
„Vielleicht ist es besser erstmal ein Pokémon Center zu besuchen.“
Lotte hob bei seiner Aussage den Blick und ihre Augen fingen an zu leuchten.
„Also geht´s nach Vertania? Darf ich bei dir mit fahren?“
„Glaubst du ernsthaft, dass ich mich jetzt noch von einem Sozius umklammern lasse?“, fragte Seffe und Lotte verzog ihr Gesicht.
„Paulinchen, nimmt dich gerne auf ihrem Rücken mit.“
Die Mimik von Lotte hellte wieder auf, als das Arkani in die Beuge ging. Sie setzte sich den Helm auf und schulterte den großen Rucksack, dann stieg sie auf das Hunde-Pokémon. Schnell waren sie vor dem Pokémon Center von Vertania angekommen. Lotte wäre am liebsten noch länger auf dem Feuer-Pokémon sitzen geblieben. Paulinchens flauschiges Fell roch so gut und sie war so schön warm. Lotte kraulte den großen Feuerhund hinter dem Ohr, der sich dann zurück in den Ball zog. Nachdenklich fiel ihr Blick auf Seffe, der gerade vom Motorrad abstieg und so aussah, als würde er sein Gleichgewicht verlieren. Schnell war sie zu ihm gegangen, um ihn zu stützen.
„Alles gut?“, fragte sie, er nickte nur stumm, doch war ziemlich blass.
„Komm, lass uns schnell zu Schwester Joy gehen.“
Als sie in das Center gingen kamen direkt zwei Arzthelfer zu ihnen und stützten Seffe. Lotte erzählte aufgebracht alles Schwester Joy und Seffe wurde in ein Zimmer gebracht. Chaneira folgte schnell und gerade als sie das Krankenzimmer betrat, verlor Seffe die Besinnung und fiel in sich zusammen. Ein Arzthelfer legte Seffe zusammen mit Chaneira auf eine Liege und der andere rief Joy.
Nach dem kurzen Chaos saß Lotte im Warteraum und zwirbelte an einer roten Haarsträhne herum. Es war schon einiges an Zeit vergangen und viele weitere Leute und Pokémon waren im Center ein- und ausgegangen. Sie bekam das Bild nicht aus dem Kopf, wie Maschock, der ein Stück kleiner war als Seffe, ihn mit einer Leichtigkeit hoch hob, als würde er nicht mehr als eine Feder wiegen. Von Schwester Joy hatte sie die Info bekommen, dass sich Seffe tatsächlich zwei Rippen gebrochen sowie mehrere Prellungen zugezogen hatte. Da spürte Lotte eine sachte Hand auf ihrer Schulter und drehte sich um. Es war Schwester Joy, die sie anlächelte.
„Ich hab ihn fast wieder ganz zusammen geflickt, er braucht jetzt nur noch etwas Ruhe“, sagte sie und zwinkerte Lotte zu.
„Die Tränke werden die Heilung beschleunigen, mach dir keine Sorgen. Zitrone ist ebenfalls noch etwas schwach, aber auch sie wird es gut überstehen. Das mit dem Trank war eine gute Idee von dir, allerdings hat der bei seiner Größe nicht so lange angehalten.“
„Danke, Schwester“, sagte Lotte und lächelte. „Darf ich zu ihm rein?“
Joy nickte.
Vorsichtig machte Lotte die Tür einen Spalt breit auf und lunzte hindurch, ehe sie den sterilen Raum betrat. Das Bett von Seffe war im Rücken leicht aufrecht gestellt. Er war in weiße Klamotten gesteckt worden und hatte die Augen geschlossen. Pikachu lag zusammengerollt links neben ihm. Zitrone hatte ihr Köpfchen auf seine Schulter gelegt und schlummerte glücklich. Lotte lächelte, bei dem Anblick der beiden und setze sich auf den linken Stuhl neben dem Bett. Sie hatte ihren Mantel über die Lehne gehängt und eine lockere Bluse und Jeans an. Sanft streichelte sie Zitrönchen über den Rücken. Das Pikachu gab einen wohligen Ton von sich und kuschelte sich noch enger an seinen Trainer, beide schienen zu schlafen. Lotte seufzte und legte ihre Hände in den Schoss.
„Ach Seffe, wenn du wüsstest, wie sehr ich dich beneide“, sagte sie leise. Nachdenklich sah sie auf das große bizarre Bild vor sich. Es war das einzige, das etwas Farbe in dem Raum brachte.
„Warum?“, fragte Seffe plötzlich und blinzelte zu ihr auf. Er erkannte ihr wallendes, feuerrotes Haar und griff mit seiner rechten Hand nach der Ablage, auf der seine Brille lag. Lotto hatte sich leicht erschrocken und sah empört zu ihm. Sie zog ihre Brauen zusammen und stellte fest, dass seine Augenfarbe in dem Licht gar nicht mehr grau war, sondern eher grün. Außerdem wirkte er ohne Brille jünger. Ihre Wangen nahmen fast die Farbe ihrer Haare an und sie verschränkte die Arme.
„Du schläfst ja gar nicht!“
„Aber ich wünschte es wäre so. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du mich gerade beneidest.“
Seffe hatte sich seine Brille wieder aufgesetzt. Noch mehr verärgert sah ihn Lotte an und gab ihm einen leichten Klapps gegen seine linke Seite. Seffe stöhnte auf.
„Ich hab zufälliger Weise zwei gebrochene Rippen, blödes Miltank.“
Lotte stockte und kurz wirkte es so, als wolle sie sich entschuldigen, dann verzog sie ihren Mund.
„Das hast du dir verdient, Dummkopf.“
Jetzt war auch Zitrone wieder wach und blinzelte Lotte an.
„Chuuuuu!“, sagte sie und lehnte sich an sie. Lotte lächelte und kraulte sie am Köpfchen. Skeptisch beäugte Seffe sie aus den Augenwinkeln. Leider war ihm sein halblanges Haar diesmal etwas im Weg. Er sah Lotte das erste Mal ohne ihren dicken Mantel. Sie war schmal, wenn auch nicht schwächlich. Sie hatte eine sportliche Figur. Seffe hob beide Brauen und somit auch leicht den Blick, kurz blieb er an ihren Brüsten hängen, ihre Bluse war oben leicht aufgeknöpft. Dann schüttelte er verärgert seinen Kopf. Er wollte Lotte doch gar nicht so abchecken. Zumindest hatte er sich das so vorgenommen. Also guckte er ihr ins Gesicht. Lotte hatte seine Blicke bemerkt und sah ihn strafend an.
„Willst du dir noch eine fangen?“, fragte sie und verbat sich ein Grinsen. Seffe presste seine Lippen aufeinander und blickte zur Seite. Sie schweigen eine Weile, bis Seffe wieder zu ihr sah.
„Was meintest du damit? Warum beneidest du mich?“
Lotte nahm ihre Haarpracht hinter sich zusammen und legte alle Haare über ihre linke Schulter.
„Aach, weißt du, ich würde auch gerne auf Reisen gehen. Aber … ich habe ja heute erst gesehen, wie gefährlich es sein kann.“
Seffe zuckte mit den Schultern.
„Naja, manchmal ist man eben auf die Hilfe anderer angewiesen. Schlimmer geht immer.“
Lotte blickte ihn kurz mit erhobener Braue an.
„Wann haben dich deine Eltern los gehen lassen?“
Bei dem Thema verzog Seffe sein Gesicht.
„Ich bin mit knapp 17 von Zuhause weg. Ich hab die Realschule noch beendet und“, sagte er und zuckte mit den Schultern, „Egal.“
Lotte hob einen Mundwinkel in die Höhe.
„Deine Eltern hatten sich einen anderen Lebenslauf vorgestellt, was?“, fragte Lotte und Seffe schmunzelte kurz.
„Natürlich. Studieren, ein ordentlicher Job und so weiter.“
„Hm-hm. Und was hast du jetzt für einen Job?“
„Ich bin in einem Kurierdienst angestellt. Und meinem Chef wird es gar nicht schmecken, weil ich erst den Auftrag verschoben habe und jetzt auch noch krank bin. Ich muss hier so schnell wie möglich raus.“
Lotte blinzelte ihn an.
„Bist du deswegen Pokémon-Trainer, um dein Konto mit Siegesprämien aufzufrischen?“
Zitrone blickte zu Seffe, der pikiert den Kopf schüttelte.
„Nein! Ich habe den Kurierjob, um mit meinen Pokémon reisen zu können. Nur von Siegesprämien lebt es sich nicht lange, wenn man noch ´ne Bude, ein Auto und ´n Motorrad halten will.“
Lotte schwieg.
„Und was ist mit dir? Du bist doch abenteuerlustig. Lassen dich deine Eltern von daheim nicht weg?“, fragte Seffe. Kurz sah sie den anderen wie gebannt an und dann von ihm ab.
„Meine Eltern leben nicht mehr.“
Seffe hob seine Brauen und kniff die Lippen zusammen.
„Das ... wusste ich nicht. Tut mir leid.“
„Schon okay. Sie leben schon lange nicht mehr. Meine Oma hat immer auf mich aufgepasst und mich aufgezogen. Sie macht sich immer große Sorgen um mich und würde mich ungerne alleine los ziehen lassen. Außerdem kann ich sie nicht einfach alleine lassen, verstehst du?“
Mit glänzenden Augen richtete Lotte den Blick nach vorne und eine betretene Stille füllte den Raum. Bis sie seufzte und ihn anlächelte.
„Ich find`s gut, dass du deinen Weg gehst und werde dich in Cups auf jeden Fall weiterhin im Fernsehen verfolgen. Wenn du mal wieder in der Gegend bist, kannst du mich ja mal besuchen kommen.“
Seffe hatte ihre Mimik genau beobachtet, sah dann nach unten und lächelte leicht.
„Naja, ich lasse euch jetzt mal alleine. Tschüß, Seffe und Zitrönchen“, sagte Lotte, das die beiden kurz erwiderten. Sie streichelte noch einmal über das Köpfchen des Pikachus, nahm ihren Mantel und verließ den Raum. Nachdenklich blickte Seffe ihr nach.


Glück im Unglück
(Verrückt. Ich habe dieses Kapitel einen Tag vor meinem Motorradunfall (am 05.05.2016) geschrieben und so benannt. Ich hatte auch Glück im Unglück.)
Einen Tag musste Seffe noch im Krankenhaus bleiben und wurde unter anderem von seiner Mutter besucht. Lotte jedoch ließ sich nicht mehr blicken, obwohl er es insgeheim gehofft hatte. Die wundersame Medizin half nicht nur bei Pokémon, auch ihn päppelten sie ordentlich auf, so fühlte er sich in der Lage am nächsten Tag zurück nach Saffronia zu fahren. Der Wecker klingelte so früh, dass nicht mal mehr Chaneira in dem Zimmer gewesen war, um zu putzen oder ihn zu verpflegen. Zitrone murrte und als ihr Trainer aufstand, kroch sie unter die Decke.
„Du hast es gut“, murmelte er und rieb sich über die Seite. Er legte seine flache Hand auf die Stelle, wo seine Rippen gebrochen waren und verzog das Gesicht, dann tapste er ins Bad. Knapp eine halbe Stunde später stand Seffe auch schon wieder an seiner Honda. Noch einmal streckte er sich so gut es ging und gähnte. Die Müdigkeit würde hoffentlich gleich gänzlich verfliegen, wenn er am Fahren war. Eigentlich fuhr er mit dem Motorrad lieber über Land, jedoch würde das zu lange dauern, also wählte er die Autobahn, wo er auch gleich voll tankte. Die dreispurige Straße war komplett frei und er fuhr die langen Kurven aus. Bald kam die Abfahrt nach Saffronia und die Straße fädelte auf zwei Spuren ein. Er fuhr auf eine gefühlte Wand aus Hochhäusern zu. Kurz zuckte Seffe innerlich zusammen, als es rot blitzte.
„Ouuu, verdammt“, murmelte er in sein Halstuch herein, ließ das Gas der Maschine locker und bremste ab. Sein Blick lag kurz auf dem Tacho und als er wieder hoch sah fiel ihm ein großer, silberner Transporter auf, welcher auffällig blau beklebt war und eine Lichtleiste auf dem Dach hatte. Innerlich rollte Seffe mit den Augen, als er ein paar Meter weiter, von einem männlichen Officer Rocky mit einer Kelle an den Rand gewunken wurde. Seffe stellte den Motor ab, zog sein Halstuch herunter und setzte seinen Helm ab. Dann drehte er langsam seinen Kopf in die Richtung des Officers, der nun neben ihm stand. Ein Fukano saß akkurat an seiner Seite. Das stämmige Hunde-Pokémon ging ihm im Sitzen bis an die Hüfte. Es war schwarz-orange gestromt und hatte eine beige buschige Rute sowie an der Brust längeres Fell. Seine Schnauze war gedrungen und auf seinem Kopf war ein Ansatz einer Mähne zu erkennen. Aus großen, entschlossenen Augen blickte es Seffe an.
„Guten Morgen Herr Hippe, hat man es als angehender Champ wirklich nötig dermaßen schnell zu fahren?“ Der Mann hatte braune, kurzgeschorene Haare und musterte ihn, dabei zückte er ein Gerät.
„Tut mir leid. Bin im Stress“, antwortete Seffe und schnaufte unhörbar. Musste das jetzt unbedingt passieren?
„Wissen Sie denn, wie viel sie zu schnell gefahren sind?“
„Hab nicht drauf geachtet.“
Der Polizist verengte seine Augen. „Das glaube ich allerdings auch – laut Messung 91 Km/h mit Toleranzabzug.“
„Ui“, kam es von Seffe nur.
Der Officer schwieg kurz und sah ihn ernst an.
„Wissen Sie wie viel hier erlaubt ist?“
Kurz überlegte der Motorradfahrer, zuckte dann jedoch mit den Schultern.
„Bin mir nicht sicher.“
Dem Blick des Officers nach, war das eindeutig die falsche Antwort und sogleich biss sich Seffe auf die Zunge.
„50 gilt in der Stadt! Das gibt einen Strafzettel, einen Punkt und ein Fahrverbot.“
„A-aber“, sagte Seffe und suchte nach Worten, “Können Sie nicht ein Auge zudrücken?“
Sauer verzog der Officer die Brauen.
„Dafür müsste ich schon blind sein. Steigen Sie bitte ab und händigen Sie mir Führerschein und Fahrzeugpapiere aus.“
Seffe hob kurz die Hände zur Seite, als wolle er noch was sagen, stellte dann jedoch das Motorrad auf dem Seitenständer ab und kramte aus seiner Geldbörse die geforderten Papiere.
„In Ihrem Straßenverkehrs-Strafregister sind Sie ständig wegen zu schnellen Fahrens auffällig“, sagte der Officer und Seffe seufzte.
„Diesmal gibt es einen Monat Fahrverbot.“
„Einen Monat?“, stieß Seffe aus, „Das geht nicht! Ich meine... Bitte! Ich habe einen Kurierjob, können Sie mir nicht einfach einen Strafzettel ausschreiben?“
„Ach was, ich dachte Sie sind Pokémon-Trainer“, sagte der Polizist und Seffe blickte genervt zur Seite.
„Keine Sorge, den Strafzettel bekommen Sie ganz sicher auch.“
Seffe presste seine Lippen aufeinander und blickte schräg nach oben. Da nahm er weitere Schritte wahr und drehte sich fragend um. Officer Rocky, diesmal in der weiblichen Variante, kam neugierig auf beide zugelaufen. Der Motorradfahrer beherrschte seine Mimik. Sie sah richtig heiß aus. Sie hatte ebenfalls eine blaue Uniform an, trug jedoch keinen kurzen Rock, sondern eine hautenge Hose. Unter ihren Klamotten konnte man die durchtrainierte Figur erkennen. Ihre petrolfarbenen Haare hatte sie zusammengefasst und ein gerade geschnittener Pony ließ sie streng wirken.
„Bastian, was ist los? Du brauchst so lange“, sagte sie und beäugte Seffe, der schnell zu Boden blickte. Der Officer verzog nur das Gesicht und bevor er etwas sagen konnte, beantwortete sich seine Kollegin die Frage selber.
„Sind Sie nicht Herr Hippe? Der Seffe aus dem Hypercup? Trainer der Herzen?“
Sie hob eine Hand an ihre Brust und ihre Augen fingen an zu leuchten. Seffe blickte wie ein geschlagener Wuffels zu ihr und nickte schließlich leicht. Der Polizist schnaufte hörbar.
„Ja und er ist eine Gefährdung für den Straßenverkehr! Er hält sich nie an Geschwindigkeitsbegrenzungen!“
Seffe hob eine Hand an den Nacken.
„Ich bin im Stress“, sagte er als Entschuldigung und während der Polizist ihn anfunkelte, beäugte ihn die andere ganz verliebt, ehe sie zu ihrem Kollegen guckte.
„Können wir nicht eine Ausnahme machen?“
Der Polizist sah perplex von Seffe zu seiner Kollegin, dann wieder zu Seffe – der ein Lächeln aufsetzte und zu nicken anfing – dann wieder zu seiner Kollegin.
„Kommt gar nicht in Frage! Trainer der Herzen – tse, wenn ich das schon höre. Damit kommt er wahrscheinlich überall durch.“
Die weibliche Rocky blickte ihren Kollegen aus ihren großen, braunen Augen an.
„Ach Bastian. Du bist immer so streng.“
„Er ist ein Raser!“, sagte Bastian und hielt Seffe die Strafzettel hin. Die Summe darauf ließen Seffe tief Luft holen und ihm wurde etwas schwindelig. Nun bemerkte Bastian die Blicke seiner Kollegin, sie himmelte den Raser nur so an, ehe sie traurig seufzte. Gerade wollte Seffe nach den Strafzetteln greifen, da zog Bastian seine Hand zurück.
„Kämpf gegen mich!“
Seffe blinzelte ihn mit offenem Mund an.
„Vielleicht mildere ich die Strafe dann etwas!“, sagte der Bastian, „„Brandy, bist du bereit?“
Seine Kollegin hob verdutzt die Brauen.
„Bist du verrückt geworden? Brandy ist noch nicht so weit! Seffe ist der dritte Platz im Hypercup. Hast du dir die Kämpfe überhaupt angeguckt?“
„Natürlich habe ich das. Wir werden es einfach versuchen. In Brandy steckt viel Talent!“, sagte Bastian und rückte seine Uniform gerade. Sein Hunde-Pokémon bellte kurz und stellte sich knurrend auf alle Viere. Es würde seinem Herrchen in allem Zustimmen und niemals im Stich lassen. Seffe versuchte seine Mimik zu beherrschen und biss sich auf die Innenseite seine Wange. Die Polizistin lachte kurz auf.
„Na dann möchte ich aber Mr. Spook live sehen!“
Die Polizistin hielt sich vor lauter Vorfreude ihre Hände an die Wangen.
„Los, lass dein Gengar raus! Wir werden schon sehen, wer der Bessere ist“, sagte Bastian immer leiser werdend und ging in Kampfposition. Seffe verengte seine Augen. Nun verstand er endlich, die Eifersucht sprudelte nur so aus dem Officer heraus, dessen Wangen sich leicht röteten.
„Womit wir wohl beim „Du“ wären“, sagte Seffe, machte den Reißverschluss seiner schwarzen Lederjacke auf und ging ein paar Meter Abseits. Er entfernte den dunklen Ball an seinem Pokégürtel und hielt ihn zur Seite. Ohne den Finsterball zu werfen, floss Mr. Spook als Schatten aus ihm heraus und seine Silhouette erschien vor seinem Trainer. Die Polizistin stand hinter Bastian und schmachtete bei Seffes Bewegung dahin, als der Geist die Augen öffnete und zu grinsen begann bekam sie Gänsehaut. Die Straße war so früh morgens nur wenig befahren und der breite Bürgersteig ergab die Kampffläche der Pokémon.
„Dein Fukano sieht wirklich sehr fit aus. Mr. Spook ist aktuell noch etwas geschwächt, aber mal gucken, was der Kampf so mit sich bringt“, sagte Seffe und Spooks Pupillen wanderten zu ihm.
Was redest du für einen Unsinn, Trainer?, konnte nur Seffe in seinen Gedanken hören.
Spiel einfach mit, Spook!
Seffe spürte wie Mr. Spook anfing in seinen Gedanken zu wühlen und ließ es für einen kurzen Moment zu.
Der fällt noch unter Welpenschutz, Trainer! Was, wenn der Tunichtgut dir trotzdem den Führerschein abnimmt?
Wir werden sehen. Sei einfach nicht so grob zu Brandy.
Spook stöhnte auf und blickte mit geschlitzten Augen wieder nach vorne. Bastian wirkte etwas angespannt. Brandy knurrte leicht und legte seine Ohren an. Die Polizistin seufzte leise. Irgendwie fand sie es ja süß von Bastian. Mut hatte er jedenfalls. Sogleich bekam das Fukano seinen ersten Befehl und der halbgroße Hund jaulte auf, ehe er auf das Gengar zu rannte. Das innere seines Maules glühte. Spook wartete auf den Befehl seines Trainers, doch dessen Gedanken waren leer.
„Gaa?“, machte Mr. Spook und drehte sich fragend zu Seffe, ehe sich das Fukano mit dem Feuerzahn in seinem Arm verbiss.
„Weich aus, Spook!“, rief Seffe nun. Viel zu spät. Das Gengar schüttelte seinen Arm, doch er Feuerhund ließ nicht mehr von ihm ab.
Tut mir leid, Kumpel, da musst du jetzt durch, hörte er die Gedanken von Seffe, Ich mach´s wieder gut, versprochen
Böse blickte Mr. Spook zu Seffe, dann löste er sich mit einem schaudrigen Schrei zu Luft auf und der matschige Schatten tauchte hinter Fukano auf.
„Gut gemacht, Brandy. Der erste Treffer war ein Erfolg! Schnell dreh dich um und Feuerwirbel!“
Das bekommst du zurück, Trainer!, hörte Seffe, während sich Flammen kreisförmig um den Geist legten. Seffe presste, mit schräg gestellten Augenbrauen, seine Lippen aufeinander und verschränkte seine Arme.
Spook, das muss der schlechteste Kampf in unserem Leben werden.
Die Polizistin hob erstaunt ihre Brauen, während Bastian lachte.
„Ihr seid heute nicht in Höchstform. Ist es noch zu früh? Brandy, setz` Schnüffler ein!“
„Befrei dich endlich aus den Flammen, Mr. Spook! Und dann Spukball“, sagte Seffe mit einer genervten Handbewegung. Das Gengar hatte sich an ein paar Stellen verbrannt und versuchte seine Wut zu unterdrücken. Mit einem Schrei, fegte es mit Finsteraura – einer dunklen, kalten Druckwelle – die Flammen um sich herum weg. Sogleich formte der Geist einen mysteriös, leuchtenden Ball in seinen Händen und schoss ihn auf das Fukano ab. Brandy konzentrierte sich derweil mit geschlossenen Augen auf den Geruch des Gengar, da wurde er von dem Spukball getroffen. Mit voller Wucht flog der gestromte Feuerhund hinter Bastian und winselte leise.
„Oh nein, Brandy!“, riefen beide Officer synchron. Seffe hob eine Hand an seine Stirn und schüttelte leicht den Kopf.
Nicht so wild, Spook! Lass ihm eine Chance!
Mr. Spook drehte sich genervt zu seinem Trainer. Rollte kurz mit den Augen und verhöhnte das Fukano. Kurz sah es für Bastian nach einer Niederlage aus, da rappelte sich Brandy wieder auf und jaulte laut. Er würde sein Herrchen nicht im Stich lassen! Niemals!
Erleichtert atmete Seffe aus und nickte seinem Partner zu, doch Spook streckte Seffe die Zunge heraus.
„Komm schon, Spook. Dunkelklaue!“
„Brandy! Bodycheck!“, rief der Polizist dazwischen und die beiden Pokémon stürzten aufeinander los. Das Fukano hatte den Geruch von Spook genau in der Nase und es rannte auf ihn zu. Die linke Hand des violetten Geistes verformte sich und wuchs zu einem Vielfachen an. Am Ende der Finger waren scharfe Klauen zu sehen, welche in der Morgensonne aufblitzten. Mr. Spook verengte seine Augen. Mit diesem Treffer könnte er das Fukano ins Aus befördern, doch Seffe verbot es ihm. Spook war so wütend darüber, dass er aufschrie. Seine Augen leuchteten gefährlich auf. Das Fukano sprang nach vorne um ihn mit dem Bodycheck zu attackieren. Den Bruchteil einer Sekunde sahen sich die Pokémon in die Augen. Da zog Spook das junge Fukano in ein Zeitloch der Gedanken. Brandy zappelte, er schien von Geisterhand in der Luft gehalten zu werden und egal wo er hinsah, er guckte immer in die starrenden Augen seines Gegners. Das Gengar war unglaublich stark, aber wenn es sein müsste, würde er sich auch für sein Herrchen opfern! Brandy legte die Ohren an, als eine schaurige Stimme tief in seinem Kopf erklang.
Attackiere mich, du kleiner, reudiger Hund. So, dass dein dummes Herrchen denkt, du würdest mich besiegen.
Das Gengar schien überall zu sein und sein irres Lachen verhallte in Brandys Kopf, der verkrampft seine Augen schloss.
Wenn du mich triffst, werde ich dich quälen und deine Seele fressen und dich tiefer in Dunkelheit ziehen, als du dir vorstellen kannst! Wenn du mich nicht triffst, werde ich mit spielen und dich verschonen.
Brandy riss seine Augen wieder auf und starrte auf die spitzen Zähne des Gengars, das anfing breit zu grinsen und ihn von oben herab ansah.
Bekommst du das hin, kleines Feuer-Wauzi?
Brandy wurde aus dem Loch seiner Gedanken gerissen und die Sonne blendete ihn plötzlich. Sein Bodycheck wurde von Mr. Spooks Dunkelklaue gekontert und das Fukano flog jaulend auf den Bürgersteig. Brandy stand auf allen Vieren und blickte wie paralysiert auf den Geist, der ein paar Meter von ihm weg stand, halb im Boden in seinem matschigen Schatten versunken war.
Ein paar Schaulustige hatten sich an den Fenstern der Häuser versammelt und beobachteten den Kampf. Seffe blickte von den Häusern zurück zu den Pokémon. Das Fukano wirkte jetzt irgendwie verängstigt.
Ich weiß nicht, was du gerade getan hast, Spook. Aber ich vertraue dir., hörte der Geist Seffes Gedanken und schenkte ihm einen genervten Blick.
„Flammenwurf, Brandy! Zeig es ihm!“, rief der Officer und Brandy holte Tief Luft. Alle anderen hatten von dem Zwischenfall wohl nichts mitbekommen. Die Worte des Geistes hallten in Brandys Kopf nach, er öffnete sein Maul und feuerte den flammenden Strahl auf seinen Gegner ab. Das Gengar wehrte sich nicht weiter. Seffe hob seine Brauen, als die Flammen den Boden knapp vor Spook trafen und zu den Seiten hin weg stießen.
Der weibliche Officer staunte nicht schlecht, als das violette Monster auf flog, als wäre es getroffen worden. Spook hob eine Hand an die Stirn, drehte sich halb im Kreis und ließ sich mit einem verzerrten Laut zu Boden fallen. Seffe runzelte die Stirn. Ein etwas weniger theatralischer Abgang hätte es auch getan. Aber für die anderen musste es wie ein Volltreffer ausgesehen haben.
Brandy blinzelte und fing freudig an zu hecheln, ehe er stockte. Er hatte das Gengar doch nicht getroffen, oder? Der Feuerhund legte seinen Kopf schief und ließ die Ohren hängen und erschrak mächtig, als er von hinten umarmt wurde.
„Oh Brandy, das war super! Du bist doch stärker als ich dachte!“, sagte Bastian.
Das Fukano entspannte sich erleichtert und seufzte tief. Dann leckte es seinem Herrchen über die Wange.
„Ich glaubs nicht“, sagte die Polizistin, ihre zusammengebundenen Haare wippten in der Bewegung mit, in der sie auf Bastian und Brandy zuging. Sie blickte zu Seffe, der sie nur angrinste und ihr kurz zuzwinkerte. Spook stand schon wieder neben ihm und hatte die Arme verschränkt. Er verschwand von selbst in seinem Ball. Die Polizistin verstand und kicherte. Bastian lobte Brandy und glaubte fest an ihren Sieg. Dann endlich stand er auf und räusperte sich. Das Fukano setzte sich wieder, wie eine edle Marmorfigur, an seine Seite. Brandy drückte die Brust heraus und richtete die Ohren aufmerksam nach vorne.
„Für einen Morgenmuffel wie mich, ist es einfach noch viel zu früh zum kämpfen“, sagte Seffe und blieb vor dem Officer stehen
„Ich hoffe das wird dir eine Lehre gewesen sein“, sagte Bastian und Seffe biss sich erneut auf die Zunge.
„Bastian! Brandy! Ihr seid echt mutig!“, sagte die Polizistin. Bastian lächelte sie verliebt an und Brandy hechelte kurz. Er würde sich von dem Vorfall nichts weiter anmerken lassen und einfach hoffen, dass das Gengar sein Wort hält.
„Das Fahrverbot und den Punkt vergessen wir. Von der Geldstrafe gibst du mir einfach die Hälfte.“
Gegen Ende hin wurde Bastian leiser und seine Kollegin rollte mit den Augen. Seffe verzog seinen Mund und zählte etwas widerwillig die Scheine ab. Nun hatte er nur noch 2 Pokédollar Bargeld dabei.
„Aber ein Autogramm bekommen wir noch, Seffe, oder? Für Lisa und Bastian!“, sagte sie und hielt Seffe die ungültigen Strafzettel und einen Stift hin. Seffe lächelte und legte die Zettel auf seinen Motorradsitz zum unterschreiben. Mit einem Zwinkern nahm die hübsche Frau die Autogramme entgegen und gab ihm im Tausch seinen Führer- und Fahrzeugschein wieder zurück. Dann drehte sie sich wieder zu dem anderen.
„Und Bastian? Du lädst mich von dem Gewinn jetzt zum Essen ein?“, sagte Lisa, die mit selbstbewussten Schritt und ordentlichem Hüftschwung auf Bastian zu ging, ehe sie beide zurück zu dem Auto gingen. Seffe blickte ihnen nach und hob nur eine Braue, ehe er stockte und runter sah. Brandy starrte ihn noch immer an.
„Du bist ein tapferes Kerlchen“, sagte er lächelnd zu dem Fukano. Brandy zuckte auf und fing an mit dem Schwanz zu wedeln, dann sprang er auf und rannte den Polizisten hinterher. Seffe zog schmunzelnd den Helm wieder auf und fuhr weiter. Allerdings hielt er sich nun vorerst an die Richtgeschwindigkeit.


Der Auftrag
Der Verkehr war mittlerweile dichter geworden und ein paar Ampeln hielten Seffe auf. Nichts desto trotz kam er pünktlich an dem großen Gebäudekomplex an, in dem unter anderem die Firma „TauBoss GmbH – Kurierdienste, so schnell wie im Flug“ untergebracht war. Seffes Arbeitgeber. Am Empfang wurde er freundlich begrüßt. Der achte Stock war sein Ziel, wofür er den Fahrstuhl nahm. In dem großen Spiegel im Aufzug, versuchte er seine Haare nach der Fahrt noch etwas zu richten. Er hatte einen Termin bei seinem Chef und rechnete mit nichts Gutem.
Sein Chef war Anfang 50, mit einem Anzug bekleidet und knapp einen Kopf kleiner als er. Sein Haupt wurde von einem grauen Haarkranz geziert, er hatte eine schmale Brille auf der Nase und einen ernsten Blick. Seffe wurde in den Raum gebeten und bekam nicht mal mehr ein Getränk angeboten. Das war das erste Zeichen, das die schlechte Laune seines Vorgesetzten unterstrich. Der Ältere saß hinter seinem Schreibtisch, seine Hände waren zusammen gefaltet und er musterte seinen Angestellten streng. Nichts desto trotz wirkte Seffe ruhig und entspannt. Genau das war einer der Gründe, die seinen Chef zum kochen brachten. Er leitete leicht cholerisch das Gespräch ein und ging von seinen Fehlstunden über auf die spontanen Zwischenfälle. Die Tonlage steigerte sich, als er von den unzufriedenen Kunden sprach.
Seffe rollte innerlich mit den Augen und guckte aus dem Fenster, die Aussicht war super, denn man konnte über die Hochhäuserflut von Saffronia sehen. Sein Chef hätte den Auftrag ja auch wem anders geben könne, aber mit den wichtigen Dingen wartete er immer auf ihn, weil er der schnellste Bote in dem ganzen Laden war. Zumindest wenn er keine Zwischenfälle hatte. Es war nicht das erste Mal, dass Seffe mit der Kündigung gedroht bekam.
„Herr Hippe, hören Sie mir überhaupt zu?“ Sein Chef schlug mit der Handfläche auf den Tisch und Seffe blickte ihn mit schief gelegten Brauen an.
„Natürlich, und die Leute auf dem Flur wahrscheinlich auch.“
Sein Chef ließ gefährlich seine Brauen sinken und atmete langsam ein und aus.
„Wenn Sie nicht immer ihre Hobbys vorziehen würden, wären Sie mein bester Mitarbeiter.“
Seffe zog seine Brauen zusammen.
„Das ist kein Hobby von mir! Das hier“, sagte er und zeigte mit dem Finger auf den Boden, „Ist nur mein Nebenjob!“
Die Männer blickten sich beide feste in die Augen. Im nächsten Moment hielt ihm sein Chef ein Paket hin und verengte seine Augen.
„Bringen Sie das Paket bis morgen früh zu dem Kunden. Sonst sind Sie ihren Nebenjob los!“
Seffe nahm das Paket an, dann schnaufe er leicht und beendete das Blickeduell.
„Wo soll es hin?“, fragte er und begutachtete das Päckchen skeptisch. Es war 15 mal 20 cm groß und schusselig, mit sehr viel Paketband drum herum, eingepackt. Es klebte nur ein schwarzer, runder Sticker darauf. Ein weißes „D“ war ausgespart und wurde von einem weißen Kreis umfasst.
„Der Liefertermin ist fix! Bis morgen früh muss es im Pokémonhaus ankommen“, sagte sein Chef und faltete seine Hände wieder vor sich.
„Und lassen Sie es nicht nass werden!“
Seffe hob seine Brauen und ließ seinen Kopf ein Stück sinken.
„Das ist auf der Zinnoberinsel! Wie soll das funktionieren?“
Die Mimik seines Chefs blieb hart.
„Der Auftrag liegt jetzt schon seit zwei Tagen. Und es ist mir egal, wie Sie das machen! Sie sind doch Pokémon-Trainer, also nutzen Sie Ihre Viecher gefälligst!“
Seffe hielt kurz die Luft an und presste seine Lippen aufeinander. Sein Chef stand auf und hielt ihm seine Hand hin. Seffe blickte ihn beim Händeschütteln grimmig an. Beide drückten die Hand des anderen so fest sie konnten, dann verließ Seffe das Büro und ließ die Tür hinter sich hart ins Schloss fallen. Wieder im Fahrstuhl angekommen Blickte Seffe einen Moment, wie paralysiert, sein Spiegelbild an, dann ließ er seinen Blick auf das Päckchen fallen und hob es vor sich. Es war sehr leicht. Eigentlich hatte er mit seiner Kündigung gerechnet und nicht damit, dass sein Chef ihm höchstpersönlich ein Päckchen übergab. Die Aufträge bekam er für gewöhnlich per Anruf oder sogar per SMS. Die Pakete holte er dann irgendwo ab, um sie auszuliefern. War es etwas besonderes? Er schüttelte das Päckchen leicht, doch das Klebeband hatte scheinbar alles feste zusammen gesurrt. Es stand nicht mal eine richtige Adresse darauf. Seffe blinzelte und hob es an sein Ohr, doch hören konnte er auch nichts. Der Fahrstuhl kam unten an und er steckte das Päckchen schulterzuckend in seinen Rucksack.
Mit seinem Motorrad fuhr er tiefer in die Stadt, bis er es an der Seite eines Bürgersteigs abstellte. Er legte einen kurzen Zwischenstopp in seiner kleinen Einzimmerwohnung ein. Hinter sich ließ er die Tür zufallen, schmiss er den Rucksack zur Seite und setzte sich seufzend auf sein Bett, ehe er sich rückwärts fallen ließ. Kurz schloss er die Augen und seufzte tief. Er vernahm das Geräusch wie sich einer seiner Pokébälle öffnete. Ohne seine Augen zu öffnen, konnte er die Blicke von Mr. Spook spüren.
Du musst aufpassen, dass du nicht einschläfst, Trainer. Der Auftrag scheint wichtig zu sein, hörte er Spook in seinen Gedanken und guckte zu ihm.
„Dein schnippiger Tonfall ist nicht zu überhören, Spook. Bist du eingeschnappt wegen dem Kampf vorhin?“, fragte Seffe und zeigte auf seinen Rucksack.
„Wenn du magst, kannst du dir zur Entschädigung ein paar Pokébohnen aus der Seitentasche nehmen.“
Spook folgte der Richtung in die sein Trainer zeigte, verschwand in seinem Schatten und tauchte im Sitzen kauend neben dem Rucksack auf.
Dein Chef ist übrigens ein Arsch. Wenn du willst, fresse ich das nächste mal seine Seele.
Seffe musste schmunzeln und winkte ab.
„Ich glaube, da kam dir wer anders zuvor.“
Das Gengar und sein Trainer lachten kurz. Dann holte sich Spook aus der Tüte noch drei weitere Pokébohnen heraus und warf sich davon die erste in den Mund. Als sein Blick auf das kleine Paket fiel, wurde sein Kauen langsamer.
Zinnorberinsel. So, so. Da steht gar keine Adresse drauf.
„Das fiel mir auch schon auf“, antwortete Seffe, stand auf und zog den Rucksack zu sich. Spook wollte gerade noch die Tüte mit den Pokébohnen schnappen, doch kam zu spät.
„Du hast genug gehabt. Lass den anderen auch noch was“, sagte Seffe und legte sie beiseite. Er kippte den kompletten Inhalt des Rucksacks auf sein Bett. Die gebrauchten Klamotten flogen in eine Zimmerecke, die Medizin und Pokébälle sortierte er auf dem Bett. Er ging zu seinem Rechner und legte einen seiner Pokébälle in ein dafür vorgesehenes Gerät. Es hatte das Fassungsvermögen von bis zu drei Bällen, aber er musste diesmal nur einen umbuchen. Jedes Mal war Seffe genervt, dass er nur sechs Pokémon mit auf seine Reise nehmen konnte. Alles weitere wurde von den Systemen so überwacht, dass es als eingetragener Trainer unmöglich war, es zu umgehen. Wenn man ein neues Pokémon fing, wurde das Pokémon, dem man den letzten Platz im Team zuwies, spätestens in der Lichtschranke des Pokémon-Centers, mit dem Ball, weg teleportiert. Wenigstens ging das umbuchen schnell, dachte sich Seffe und besetzte sein Team. Er hielt den Superball vor sich, der sogleich auf platzte und ein männliches Dragonir frei ließ.
„Na, Ludwig. Freust du dich mit auf die kleine Reise zu kommen? Da können wir vielleicht etwas trainieren“, sagte Seffe und ließ seine Hand über die glatten Schuppen auf Dragonirs Kopf gleiten. Ludwig zirpte und seine Ohren, die aussahen wie Flügel, wackelten. Es hatte einen drachenartigen Kopf und sein Körper glich dem einer großen Schlange. Seine rosafarbenen Schuppen glänzten und an seinem Hals trug es eine goldene Perle sowie an seinem Schwanzende erst eine große Perle und dann eine etwas kleinere.
Seffe hatte seinen großen Reiserucksack gegen seinen schwarzen Eastpak getauscht, in den er drei frische Shirts, Boxershorts und Strumpfpaare hinein packte sowie die Bälle und Medizin. Dabei wurde er von Ludwig neugierig beobachtet. Die wichtigsten Dinge würden für die kurze Reise reichen. Leider musste er feststellen, dass er bald dringend eine Waschmaschine anschmeißen müsste. Gerade wollte Seffe die Tüte mit den Pokébohnen noch in die vordere Tasche des Eastpacks packen, da blickte er sich suchend um. Er drehte sich zu Spook, der ihn mit den Augen an klimperte und gerade versuchte nicht zu kauen. Seffe rollte mit den Augen und zog den Reißverschluss das Eastpacks zu. Da ging der nächste Ball an seinem Gürtel auf und das weibliche Pikachu saß in der Mitte von allen. Zitrone begrüßte Dragonir mit einem Schmunzeln, ehe sie ihre Nase hob und anfing zu schnuppern. Doch als sie an der Tüte Pokébohnen angekommen war, ließ sie traurig ihre Ohren sinken. Spook kicherte nur und Zitrone guckte ihn böse an. Sie griff das Gengar mit dem Ruckzuckhieb an, doch sprang durch es hindurch, genau neben das Päckchen.
„Pi?“, machte sie und legte ihre Ohren und Kopf schief, dann schnupperte sie an dem Päckchen, ehe sie anfing leicht an einer Kannte zu nagen. Nun wurde sie von Gengar in die Rute gekniffen und schrie auf. Sie drehte sich um. Doch da war nur Ludwig, der sie anblinzelte. Spook kicherte und Zitrone legte ihre Ohren zurück und verengte ihre Augen. Sie konnte das Gengar nirgends sehen. Sie drehte sich resignierend wieder zu dem Paket, da erschrak sie, weil Spook vor ihr aus dem Boden kam und ihr die Zunge entgegen streckte.
„Ka!“, schrie sie und ihre Wangen fingen an zu blitzen.
„Werdet ihr wohl aufhören damit!“, rief Seffe dazwischen und alle hielten in ihrer Bewegung inne. Seffe legte die Hand auf Spooks Kopf und drückte ihn in den Boden hinein. Spook verschwand und erschien mit grimmigem Blick neben ihm. Seffe bückte sich zu dem Päckchen und hob es auf.
„Merkwürdig, dass ich es im Pokémon-Haus abgeben soll. Das Gebäude ist doch eine Ruine.“
Fragende Blicke trafen sich in der Runde, ehe Seffe das Päckchen in seinen Händen drehte und die Brauen hob.
„Zitrone! Hast du etwa daran rum geknabbert?“, stieß er aus, „Warum tust du das?“
Zitrone zuckte auf und ließ die Ohren hängen, als Seffe ihr die leicht angeknabberte Ecke des Päckchens vor die Nase hielt.
„Kaaa-chu“, machte Zitrone und sprang auf die Schulter von Seffe.
Die Zwangsneurosen eines Elektro-Nagers.
Der Geist hielt sich den Bauch während er albern lachte und das Dragonir schmunzelte. Seffe schüttelte seinen Kopf, ehe er eine auffordernde Handbewegung tat.
„Wie auch immer. Los, lasst uns gehen!“

Hier geht`s zum zweiten Teil: Klick!
Zuletzt geändert von vampirbiss am 24.11.2019, 18:42, insgesamt 26-mal geändert.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1239788 von Ayron1986
10.03.2016, 18:52
Hey, ich hab dir ja schon einige Dinge über Mail gesagt. Aber zusammenfassend ist das bis jetzt eine echt gut geschriebene Story, manchmal zieht sich die Handlung etwas, aber deine Kämpfe sind sehr detailliert, spannend und auf jeden Fall wert, gelesen zu werden. Hier und da einige Schönheitsfehler, aber das ist ja net weiter schlimm. Dafür bin ich ja da! :D
Vieles lässt darauf hindeuten, dass das eine ernsthafte u. spannende Story wird und nicht so´n Kindergeburtstag wie der Anime. Freu mich jedenfalls, wenn´s weitergeht und die Charaktere mal etwas besser beschrieben werden. Interessante Eigenschaften haben sie auf jeden Fall schon mal.
Und P. S.: Gern geschehn. ;)

mfg Ayron
Zuletzt geändert von Ayron1986 am 13.03.2016, 15:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1240027 von Simno
12.03.2016, 15:14
Hallo, ich hatte viel Spaß beim Lesen deiner Geschichte. Mit gefällt der Ansatz, den der Titel schon andeutet: Top-Trainer als die Stars ihrer Welt, mit allem was dazugehört, auch dem alltäglichen Leben.

Der Erzählstil ist bei mir sehr gut angekommen. Die Kämpfe sind, finde ich, besonders spannend beschrieben.

Sprachlich lässt sich mMn noch ein wenig daran arbeiten. Dabei geht es meistens um Dinge, die beim Schrieben eben so passieren und die man beim eigenen Korrekturlesen nicht so bemerkt (lies statt ließ z.B.), wie Groß- und Kleinschreibung, Umgangssprachliches, ungewohnte Kollokationen usw. Stört den Lesefluss aber kaum, dafür sorgt der gute Erzählstil.

Was manche Fakten angeht würde mich interessieren, ob du sie absichtlich so angegeben hast, etwa die Typenvorteile beim ersten Kampf, die so ja nicht den offiziellen entsprechen oder die Größen von manchen Pokémon. Da hätte ich mir eine Angabe im ersten Thema gewünscht, dass manche 'Fakten' aus persönlichen Vorlieben abgeändert wurden, dann ist das ja kein Problem. Sie so in der Geschichte zu entdecken hat mich nur ein wenig aus dem Lesefluss geworfen, gerade wenn sie extra erwähnt und nicht einfach übergangen und hingenommen werden.

Bei den Beschreibungen der Pokémon würde ich ein wenig vom Steckbriefartigen abweichen. Wenn ich lese, dass da ein Gengar ist, weiß ich, was ich vor mir habe (etwa wie: Er sah einen Hund. Der Hund hatte 4 Beine und ein Fell). Vielleicht hattest du deine Gründe, aber ich persönlich würde mir diese Beschreibungen mehr in Aktionen wünschen, wie du es ein paarmal sehr gut gemacht hast (Seine Stacheln schienen zu dampfen anstatt: Er hatte Stacheln auf dem Rücken).

Die Interaktion zwischen den Charakteren fand ich witzig, unterhaltsam und gelungen. Bin schon gespannt, wie es weitergeht.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1240309 von vampirbiss
14.03.2016, 19:48
Hallihallo ;D

Also erstmal @ Ayron86: Wir haben ja schon per Mail ausgiebig geschrieben :)

@Simno: Danke, dir für das Posting!

Die Rechtschreibteufel... ja... *hust* Jedesmal, wenn ich es lese, fallen mir neue Sachen auf... :/
Ich versuche es so Fehlerfrei wie möglich zu halten...

Zu den Elementen: Ich hatte einen dummen Denkfehler am Anfang bei den Typen im ersten Kampf bei Armaldo... aber hatte den eigentlich beseitigt...? Was meinst du genau?

Zu meiner Vorstellung und den Typen kann ich nur sagen: Es hat sich ja von Generation zu Generation teilweise geändert... was ich da halt unlogisch finde, z.B.:
- Das Element Geist hat doch auf Normal mittlerweile auch keine Wirkung mehr...? Finde ich unlogisch. Weil stell dir einen Geist vor. Er kann dich antippen, aber wenn er nicht will, kannst du ihn nicht antippen und fasst einfach durch ihn hindurch. Also wenn er aufpasst, kannst du ihm physisch nichts anhaben, weil er "unsichtbar" ist... so halt...
- oder... Element Psycho hat auf Unlicht keinerlei Wirkung... warum? Fand ich schon immer doof... wenn es wenig Wirkung zeigt okay, aber gar keine? Teilweise würde ich es wahrscheinlich einfach abändern, weil ich es realistischer sehe oder haben will.
- Wasser löscht Feuer, absolut logisch für mich. Oder Feuer verbrennt Pflanze... auch logisch, wenn da Pokémon den anderen Volltreffer reinhauen oder auch nicht...

Wenn mir wer logische Gründe dafür nennen kann, schreibe ich es direkt um ;) :D



Bei den Größen und Farben der Pokémon
werde ich absichtlich teilweise etwas abweichen. Alleine dass Glurak - der megageile Feuerdrache - nur 1,70m ist! EIN METER SIEBZIG!!! Alter! Ich bin größer! Das haben sich kleine Japaner ausgedacht! Sorry... :o :)

Also abgesehen davon, dass mein Hauptchara Seffe 1,86m groß ist, kann und darf Glurak nicht kleiner sein! Und ich werde es so darstellen, dass es da einfach unterschiedliche Größen gibt. Genau wie Farben. Wir Menschen sind ja auch nicht alle Gleichgroß. :)

Wenn es hier Abweichungen gibt, sind die absichtlich und entsprechen meiner (leicht) abgeänderten Vorstellung.


Ich habe versucht die Pokémon-Welt etwas realistischer zu sehen.
Deswegen habe ich die Monster auch nochmal beschrieben, wobei bei den meisten Lesern die Vorstellung im Anime-Stil wahrscheinlich nicht aus bleibt... :)

Ansonsten werde ich nochmal eine korrigierte Fassung reinstellen. Wo ich auch Seffe und Lotte direkt anfangs etwas genauer beschreibe. Ich habe das irgendwie verpeilt... weil ich erst gar keine Story in den Ausmaßen schreiben wollte. Es hat sich einfach ergeben.

Danke für jegliche ausführliche Kritik! Ich werde versuchen es anzupassen und auszubessern. Und auch danke für das Lob! :3
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1240316 von Simno
14.03.2016, 20:31
Hallo, nochmal ich :)

Was mir zu den Typen aufgefallen ist:
Käfer empfindlich gegen Psycho beim Armaldo-Kampf
Stein schlecht gegen Wasser beim Garados-Kampf

Natürlich völlig legitim, wenn du die Typen nach deiner eigenen, vielleicht besseren Logik aufbaust. Ich wollte es nur erwähnt haben, weil es mir beim Lesen aufgefallen ist.
Mit den Größen natürlich das selbe, manche Originalangaben sind echt fast ein bisschen peinlich. Die Lösung mit unterschiedlichen Größen finde ich sogar noch schöner :).
Die Beschreibungen haben rückblickend den Effekt ziemlich gut erzielt, ich hatte teilweise mehr die 'realistischen' Versionen diverser Künstler im Kopf, als die putzigen Animationen. Wenn du noch vom Steckbriefartigen wegkommen würdest (z.B. aus einer Beobachtung/Aktion heraus beschreiben), würde es mMn noch ein bisschen mehr hermachen.

Weiter so! :)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1240330 von Ayron1986
14.03.2016, 21:46
Ja, genau, das hatte ich bei dir überlesen: Das Zusammenspiel der Mischtypen hast du leider etwas falsch gemacht und Eigentore geschossen. Gestein auf Wasser ist erstmal ein neutraler Treffer. Aber Garados hat noch den zweiten Typen "Flug" und somit ist Stein sehr effektiv auf ihn. Und Käfer ist auf Psycho sehr effektiv und nicht umgekehrt.
Kleiner Tipp: Wenn du einen Kampf schreibst, mach dir doch derweil die Tabelle für das Zusammenspiel der Typen auf und schau dir das genau an. Weil wenn der Pokemonexperte deinen Kampf liest und dann sowas kommt wie "Stein ist nicht effektiv auf Garados" dann kann das schon ausreichen, dass er deine Story vor Wut in den Papierkorb donnert, bzw. das Fenster schließt. Und dann ist der Leser weg und kommt nicht wieder.
Und ich würd´s eigentlich gar nicht mal so wörtlich erwähnen. Wenn die erfahrenen Pokemonspieler deine Story lesen, läuft der Satz in ihrem Kopf automatisch ab. "Das ist sehr effektiv" oder eben "Das ist nicht sehr effektiv."
Beschreib das lieber während des Kampfes, das ist viel spannender! Z. B. "Garados brüllte vor Schmerz, als die Steine gegen seine Haut donnerten und scharfe Risse verursachten." = sehr effektiv, oder "Garados starrte fragend den kleinen Machollo an, der ihn mit einem Karateschlag angriff und an seiner harten Drachenhaut abprallte." = nicht sehr effektiv. So hat dein ganzer Kampf nicht den Hauch eines trockenen, mechanischen Pokemonkampfes, den man vom Spiel kennt. ;) Find ich auch in einer Story nicht so wichtig, das wiederum macht die Serie ganz gut: Wenn man sein eigenes Pokemon richtig einsetzt, kann es auch gegen einen Typen gewinnen, das laut Tabelle im Nachteil wäre. ;)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1246688 von vampirbiss
02.05.2016, 09:06
Danke für eure Tipps und Hinweise, ich habe nochmal drüber korrigiert und finde es selber jetzt auch viel runder. Außerdem habe ich neue kleine Kapitel dazu gegeben. 8)

Da folgt die Tage wahrscheinlich noch mehr.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1246960 von Ayron1986
03.05.2016, 17:55
Keine Ursache, geht auch gleich damit weiter! ^^ Hab die kurzen Kapitel gelesen und hab dazu folgende Meinung:

Der Anfang ist sehr amüsant geworden mit Seffe, Gegnar und Chaneira. Beim Telefonat mit seiner Mom musste ich auch grinsen. :lol:

Ansonsten ist dein Schreibstil noch schöner, anschaulicher und fehlerfreier geworden, meinem Rotstift sind nur drei Dinge zum Opfer gefallen:

"Mit leicht verzogenem Gesicht strich er sich über die Beule, ehe er zum nächsten Bus ging."

Nach Gesicht war ein Komma, das gehört nicht hin.

"Ich kenne viele Trainer, wen meinst du genau?" Schwester Joy stellte sich wohl extra dumm, ihr Lächeln jedoch verlor sie nie."


Da war wieder ein Kommafehler nach der wörtlichen Rede. Macht man in diesem Fall nicht, da du danach nicht mit " sagte sie" oder so weitermachst. Und Lächeln ist in diesem Fall ein Nomen, wird groß geschrieben.

Wenn ein Monster nicht das richtige Wesen für den Kampf hatte, ließ er es wieder frei oder verschenkte es an Leute, die es richtig einsetzen konnten und ihm ein gutes Zuhause gaben.

Hier wolltest du Seffe sympathisch rüberkommen lassen, damit hast du aber leider ein großes Eigentor geschossen, zumindest bei mir: "Das richtige Wesen für den Kampf". Nein, nein, mach das bitte nicht. Bring nicht die trockene, kaltherzige-berechnende Thematik aus dem Spiel mit ein, du zerstörst damit den Charme von Pokemon. Jedes Pokemon ist wundervoll, kann kämpfen und jedes sollte eine Chance bekommen und nicht aussortiert werden, wenn das Wesen nicht passt. Pokemon sind Lebewesen mit Gefühlen, sollten zumindest so, wie auch in der Serie, in einer Fanfiction dargestellt werden. Ich finde es grausam, mehrere Pokemon eines Typs zu fangen und dann auszusortieren. Würdest du das mit Pokemon machen, wenn es sie real gäbe? Brächtest du das über das Herz? Also, ich nicht. Das wichtigste ist doch, dass Trainer und Pokemon miteinander auskommen und von sich gegenseitig lernen, gehört doch zur Grundphilosophie dazu. Aber ok, lassen wir das mal...

Dann find ich noch sehr interessant, wie du am Ende Seffes Vergangenheit beschrieben hast. Toll, damit hat der Leser ihn nochmal besser kennengelernt, kann seine Handlungen besser nachvollziehen und ich persönlich find ihn da wieder sehr sympahtisch, da er mehrere Paralelen zu dem Protagonisten aus meiner Fanfiction aufweist. :)

So, das wars auch schon. Ein spannender Kampf oder eine ernste Situation ist ausgeblieben, aber ist nicht schlimm, du wolltest mit den beiden kurzen Kapiteln wahrscheinlich einfach die Charaktere noch etwas genauer vorstellen, das ist durchaus in Ordnung. Freu mich, wenn das nächste Kapitel turbulenter und spannender abgeht. ^^
mfg
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1247083 von vampirbiss
04.05.2016, 10:33
Danke, erstmal für das Lob, darüber freue ich mich sehr.

Die Änderungen mit dem Komma etc. werde ich einfügen. Mit Kommas bin ich eigentlich im Krieg... hier und da werden mit Sicherheit weiterhin solche Fehler aufkommen. :roll:

Wegen dem Wesen: darüber habe ich gar nicht nachgedacht! Ich meinte das ganz anders, aber habe es schlecht rüber gebracht. Vielleicht nehme ich die Stelle einfach raus, weil es mit dem Spiel zu sehr falsch in Verbindung gebracht wird. Ich muss gestehen, dass ich auch im Spiel nicht immer auf das Wesen achte und halt dennoch mit den Pokis kämpfe. Um das Spiel durch zu spielen reicht es. Sonst müsste ich tausend Jahre durchs Gras laufen oder reseten oder sonst was... ich glaube dafür bin ich zu faul. Ich akzeptiere sie so. ;)

Ich stelle bald neue Kapitel ein, ich hoffe es wird nicht langweilig, aber die Story ist ziemlich "dicht" und befindet sich aktuell in einer ruhigen Phase xD

Eine Kampf-Szene naht jedoch und du wirst dich bestimmt freuen: Zitrönchen steht im Mittelpunkt! :3 Danach geht es Wechselhaft zu, aber Powerbringe ich wieder rein, keine Sorge. ^^

LG
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1252109 von Simno
03.06.2016, 16:31
Hey, habe gesehen, dass die Geschichte weitergeht und sie mir heute Nachmittag zu Gemüte geführt.
Ich muss sagen, ich mag deinen Stil wirklich. Es geht immer so schön dahin, manche Details und Formulierungen sind wirklich gut gelungen und die Personen wirken auch immer tiefer und lebendiger, je länger die Geschichte geht.
Die Landeschwierigkeiten mit Panzaeron fand ich super. Ich konnte mir immer schwer vorstellen, wie so etwas überhaupt gut gehen soll ;). Ich finde auch gut, dass du dir über Transport und Entfernungen Gedanken gemacht hast. Das gibt einem einfach ein Gefühl für die Welt. Die Kämpfe waren auch wieder abwechslungsreich und gut durchdacht.
Du hast ein paar Rechtschreibfehler drin, aber das kann bei so einem langen Text schnell passieren. Ich habe sie in einem PDF-Dokument angestrichen, kann ich dir schicken, wenn du möchtest.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1253357 von vampirbiss
11.06.2016, 15:06
Hallihallo!

Danke erstmal für die Kritik und auch ein paar Anmerkungen zu Rechtschreibfehlern!

Ich habe die Kapitel nochmal leicht korrigiert und auch ein bisschen was Neues dazu gelegt, das war`s jetzt aber erstmal. Über alle anderen Kapitel muss ich nochmal ordentlich drüber gehen ^^'

Have fun ... :D ~
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1253536 von Ayron1986
12.06.2016, 11:46
Liebe Ina,
hab das Kapitel "Die Begrüßung" gelesen. Du schreibst sehr schön, vor allem beschreibst du die Zitrone sooo süß. :oops: Wie sie sich mit Lotte streitet, und der Aufruhr im Pokemoncenter, wie sie mit den Pfötchen rumfuchtelt und erklären will, dass sie zu Seffe gehört und zu ihm zurück will, haha, voll knuffig. X3

Hab mich auch sehr gefreut, dass Zitrone wieder einen Auftritt hat. Ich werd sie solange knuddeln und wuddeln, bis ihr die Luft wegbleibt! :oops: :D

Der Kampf war auch sehr gut und spannend beschrieben. Schöne Story mit sehr viel Charme. Schließ mich auch bei allen genannten Punkten von Simno an. Freu mich auf´s Weiterlesen. ;)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1253709 von Ayron1986
13.06.2016, 16:19
Hab die nächsten zwei Kapitel gelesen, auf die ich auch gleich mal eingehe, damit ich nichts vergesse, wenn ich weiterlese. ^^

Im nächsten Kapitel folgt eine schöne, detailgetreue Beschreibung über das Motorrad, die Honda. Darin erkennt man deine Liebe für die Vehikel. :D Ich hab zwar mal gesagt, dass man in Storys Markennamen eigentlich nicht verwendet, aber ich denke, bei Fahrzeugen ist das durchaus in Ordnung, vor allem, wenn es dem Autor sehr am Herzen liegt. Und es wird erwähnt, dass Seffe ein Piercing hat, das sich im folgendem Kapitel als Nasenpiercing herausstellt. Ok, meinetwegen, wem´s gefällt...

Für mich ist es schwierig, deinen Hauptakteur einzuschätzen: Auf der einen Seite hat er mal viel Geduld, wie bei diesem Unsympathen Felix. Ich und/oder Ayron hätte nicht nur gedroht, ihm in die Schnauze zu haun, wir hättens auch gemacht. Ich mein, der beleidigt, verhöhnt Seffe und der hat noch die Geduld, fast ne Seite mit ihm zu labern und sich von ihm beleidigen zu lassen. Kindheits"freund" hin- oder her. Ein Mann, der was auf sich hält, lässt einfach nicht so mit sich reden, meine Meinung. Und das geht jahrelang so, seit seiner Kindheit? Wieso lässt Seffe ihm das durchgehn? Versteh ich nicht. ^^
Dann Schwester Joy, die er richtig fertig macht und ihr droht, obwohl sie erstens eine Frau ist und zweitens er keinen Beweis dafür hat, dass sie absichtlich die Pokemon von ihm und Lotte vertauscht hat.... Mhm, ok, kann man evtl. mit seiner Sorge über Zitrone begründen... Fand ich jedenfalls in Bezug auf der vorherigen Szene mit Felix eher unsympathisch. Vor allem würde ich nicht so mit einer Frau reden, wenn ich wichtige Informationen von ihr bräuchte. Er hatte Glück, dass sie ihm trotzdem gleich die Wahrheit gesagt hat. Aber ok, war ja auch in ihrem Interesse... Und wir erfahren die Nachnamen von Seffe und Lotte, ebenfalls interessant.

Deine Beschreibungen über die Geschehnisse und die Umgebungen sind nach wie vor sehr schön u. sehr detailgetreu. Das Wohnzimmer konnt ich mir sehr gut vorstellen, wie die Oma Krehahn und Seffe drin sitzen. Und vorher der Unfall mit Panzaeron, auch sehr gut beschrieben und ausgeschmückt. :)

Ich les mal weiter, bis dann. ^^
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1253799 von vampirbiss
14.06.2016, 11:13
Ich gehe auf all deine Punkte nacheinander ein: Ja, Markennamen wie „Tempo“ etc. muss ich raus löschen, das passiert mir mehr unabsichtlich. Aber die Fahrzeuge… die sind so markant, die mag ich genau beschreiben, zur Not kann der Leser dann danach googeln. Da kann ich einfach nicht anders, weil ich halt dann genau dieses Modell liebe oder auch nicht ;) ^^

Zum Charakter Seffe: Ja, das liegt wohl daran, dass er ein anderer Charakter ist, deswegen reagiert er halt anders. :D :P

Wobei Lotte es am Anfang schon ganz gut erfasst hat, Seffe ist wirklich etwas „komisch“. Das bekommt der Leser mit, weil er mit Gengar "dicke" ist und gleichzeitig mit Pikachu, dass da was zwiegespaltenes rauskommt ist doch klar, oder? :D

Ich wollte auch, dass er auf andere so wirkt. Man kann ihn schlecht einschätzen, er ist halt unberechenbar und in der Regel sehr ruhig und kühl, wirkt nach außen manchmal fast emotionsfrei. Dementsprechend ist er schwer zu reizen. Wenn ihn einer anpöbelt, ist er so cool und hebt die Braue, um dann einfach weiter zu laufen. Wenn er keinen Sinn darin sieht, ist es ihm einfach egal und er wendet sich dem Ganzen einfach ab. Da kann er äußerst leidenschaftslos sein.

Ich habe die Haarfarbe blau natürlich extra gewählt, weil ich seinem Element das Wasser zuschreibe. Stell`s dir so vor: du wirfst einen Stein in das ruhige Meer. Es wird leichte Wellen schlagen, aber sonst wird nichts passieren. Wenn jedoch ein Sturm aufkommt, kann es heikel werden. Um Seffe richtig aus der Ruhe zu bringen, braucht es mehr und dann kann er teils auch überreagieren… wenn das Meer erstmal tobt, dann richtig. ;) *uh das war fast poetisch...* Seffe wird in den nächsten Kapiteln irgendwann seine Ruhe verlieren. Ich habe es natürlich etwas ausgereizt.

Bei Schwester Joy (Heidrun) war es bei Seffe mehr Schein, als Sein. Er hat ihr "gedroht" und vielleicht gefährlich gewirkt, aber darauf geht Joy auch gar nicht so ein. Warum? Weil sie ihn kennt und weil er sie kennt. Die sind schon lange befreundet und kennen sich sehr gut und gegenüber Freunden verhält man sich halt anders. Und Joy weiß, dass er ihr nichts tun würde. Er war halt einfach angepisst, weil er sich so sicher war, dass sie die Bälle extra vertauscht hat. Aber Joy (Heidrun) weiß auch, dass er sich darüber wieder einkriegt und hat seine Reaktion deswegen nur belächelt. Ich find es auch irgendwie gar nicht sooo schlimm, wie du es beschrieben hast. Mich hat das Ganze eher amüsiert, Seffe hat sich noch beherrscht, hat man das nicht gemerkt? :D Klar, war es nicht unbedingt charmant, aber auch zu Recht irgendwo. Später wird vielleicht klarer, dass sie immer so miteinander umgehen. :D Heidrun wird auch weiterhin eine Vertrauensperson für Seffe sein und sie werden noch öfter zusammen treffen.

Zu deinem Satz: „Ein Mann, der was auf sich hält, lässt einfach nicht so mit sich reden, meine Meinung. Und das geht jahrelang so, seit seiner Kindheit? Wieso lässt Seffe ihm das durchgehn? Versteh ich nicht. ^^“
Das wird dir später bestimmt klarer werden. ;) Seffe hat viele Ecken und Kanten, aber wird sich (auch wie Ayron) weiter entwickeln. :)

Nachnamen gehören einfach dazu, dachte ich mir… vor allen Dingen erfährt der Leser hier, dass er eigentlich Josef heißt. :D und Lotte Charlotte. Und ja… ich habe selber lange gehadert, aber er brauchte ein markantes Piercing. Hab sogar schon ein paar mal überlegt, es wieder weg zu nehmen. Vor allem kommen da noch wesentlich mehr Tattoos zum vorschein. Tief im inneren ist er ein Rebell... xD Das Nasenpiercing allerdings echt nur dezent vorstellen. Da gibt`s auch die Ausgabe, dass man dann nur zwei kleine Kugeln sieht.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1253832 von Ayron1986
14.06.2016, 16:17
Ok, alles klar, dann sehn wir mal, wie´s weitergeht. ^^ Dachte schon, ich hab irgendwas Wichtiges überlesen, da Seffe mit seinen verschiedenen Reaktionen mir schon einige Fragezeichen über´n Kopf verursacht hat. ^^
Aber jetzt kann ich´s mir schon besser erklären, was mit Seffe und Heidrun passiert ist, während sie sich kennengelernt haben und warum sie so miteinander reden. ;) :D
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1255015 von vampirbiss
21.06.2016, 19:36
Damit es nicht langweilig wird, habe ich den ersten Teil der Story jetzt komplett "on" gestellt... ':D
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1255057 von Simno
22.06.2016, 09:52
Habe den neuen Teil der Geschichte gelesen und muss sagen, dass ein paar meiner neuen Lieblingsmomente der Geschichte dabei sind.
Wie die Pokémon jetzt auch miteinander interagieren (was mir vorher nicht so aufgefallen ist), finde ich richtig gut gelungen. Die Idee, dass Maschok das Motorrad für sich habe wollte und mit Seffe darum kämpft, finde ich genial. Freue mich schon, es im Besitz von Lotte wiederzusehen, es scheint Persönlichkeit zu haben. :D Über die interessante Beziehung von Seffe und Lotte habe ich, glaube ich, schon etwas gesagt. Finde es immer wieder spannend, wenn die beiden aufeinander treffen.
Höhepunkt für mich war das Zusammentreffen mit den Polizisten. Da habe ich laut gelacht, obwohl ich allein im Raum war.

Ich habe wieder ein paar Sachen in einem PDF angestrichen, das ich dir natürlich gerne schicken kann.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1259738 von Ayron1986
26.07.2016, 16:40
Hi, hab leider immer noch nicht alles gelesen, aber zumindest bis Azuria und zurück nach Vertania. ^^

Die Geschichte entwickelt sich schön und interessant, genauso wie die Charaktere. Du bringt etwas Humor in die Sache, das find ich immer super, lockert so schön auf. :)

Am besten gefiel mir bis jetzt die Stelle, wo Seffe der wegschreitenden Misty auf den Hintern guckt, Lotte es bemerkt und ihm daraufhin eine verpasst. Der checkt natürlich net, dass sie eifersüchtig ist, weil sie auf ihn steht. Hahaha, das ist voll Ranma 1/2 Komik, die liiiiiiebe ich! :D :lol:

Am Ende sieht man auch, dass sich hinter der zickigen Lotte ein liebes Mädchen verbirgt, dass nur versucht mit ihren Gefühlen umzugehn. Hatte auch Mitleid mit ihr am Ende, wo sie traurig ist und weint, wollte sie in den Arm nehmen und knuddeln. ;)

Zitrönchen wieder so süß beschrieben, mit ihren Pfötchen und den paddelnden Beinchen im Wasser. :oops: :D

Der Arenakampf war auch sehr gut und detalliert. Für meinen Geschmack etwas zu sehr in die Länge gezogen, dafür, dass nur zwei Pokemon kämpfen, aber ist jetzt Geschmackssache. Donnerblitz, Slam, Doppelteam, Eisenschweif... du wolltest wohl unbedingt alle Attacken von Zitrone in diesem Kampf schon einbauen? :D Naja, warum eigentlich nicht? ^^

Die Strategie von Misty mit Typenspiegel und Donnerblitz fand ich erstmal etwas komisch und unbeholfen von der 30-jährigen Arenaleiterin. Da erwarte ich von ihr schon das Wissen, dass viele Elektropokemon die Fähigkeit "Statik" haben und lieber Attacken wählen, die auf jeden Fall Wirkung haben. Auch etwas zu mechanisch am Game orientiert für meinen Geschmack, aber liegt auch wahrscheinlich an der Attacke "Typenspiegel" an sich. Weiß net, mag sie irgendwie net, aber egal. ^^ Aber trotzdem echt SEHR gut, wie du daraus den Höhepunkt gebildet hast. Respekt. :)

2000 Pokedollar (In der Story vom Wert her wie der Euro)
Alter Schwede, das ist aber mal ordentlich Zaster für einen gewonnen Arenakampf. Ok, klar kriegt man da etwas mehr als von so´n armen Käferfreak, aber trotzdem.... 2000 Euro find ich etwas übertrieben.... Wie wär´s denn mit 200-500Euro? Ist auch noch viel Geld, davon kann man auch ne zeitlang satt werden, sowohl Trainer als auch Pokemon. ^^ Rechne lieber mit dem Wert vom US-Dollar oder Yen, wäre mein Vorschlag.

Die Story wird immer interessanter, will jetzt natürlich auch wissen, wie´s mit Seffe und Lotte weitergeht. Les dann am Wochenende weiter. Bis dann. :D

lg der Ayron ;)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262044 von Ayron1986
08.08.2016, 09:06
Die letzten zwei Kapitel jetzt auch fertig gelesen. Fand ich sehr cool, mit dem Maschock. Erstens wegen dem Poke an sich und zweitens sehr unterhaltsam, sein Interesse am Motorrad. ^^ Hatte ein Funbild vor mir: Maschock mit Helm und Sonnenbrille auf dem Motorrad und rauscht mit einem kindlich-lächelnden Gesichtsausdruck davon, während Seffe und Lotte auf Paulinchen ihn verfolgen, mit Drohgebärden und Beschimpfungen. Schade, dass ich net so gut zeichnen kann. Wär auf jeden Fall ´n Fanart wert. :D

Dann im Krankenhaus, wo Lotte ihm so lieb beisteht und hilft und er sogar da noch mit der Verletzung total arrogant ist, anstatt mal etwas Dankbarkeit zu zeigen... Wieder mal sehr unsympathisch, aber ok, so iser wohl.
Wirkt irgendwie so, als wären ihr anfänglicher Charakter im Lauf der Story vertauscht worden: Am Anfang Lotte sehr zickig, er dagegen ruhig und einigermaßen verständnisvoll und jetzt umgekehrt. :D

Und wir erfahren, dass er nebenbei noch eine Arbeit als Kurier hat. Interessant. ^^

Wieder alles sehr schön beschrieben und witzige Momente bis zur letzten Seite. Am Ende noch, wie er sich aufregt, wie Zitrone das Paket anknabbbert und die süße Maus Betroffenheit zeigt. Haha! :lol: Weiter so. ;)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262369 von vampirbiss
10.08.2016, 12:30
Ich antworte nach längerer Zeit mal wieder. Hallo Leute! ^^ Habe momentan etwas viel um die Ohren. :~

Erstmal ein "Danke" an euch. ^^
Es freut mich immer, wenn andere sich amüsieren, das ist ja auch Sinn der Sache und wohl das größte Lob für mich. ^^ Und vielen dank auch, dass ihr mir die Korrekturen schickt. Mir selber fällt das nach dem x-Mal lesen nicht mehr auf.

Ja, Lotte und Seffe haben sehr wohl eine "interessante" Beziehung. Ich versuche das auch immer mehr heraus kristallisieren zu lassen.


Spezieller @Ayron, ich fange mal an ^^

Die Arenakämpfe sind Geschmackssache in der Länge, ja. Für mich kann ein Kampf nie lang genug sein. Wegen dem Typenspiegel... naja, nicht jedes Elektropokèmon hat die Gabe "Statik". Und Starmie hat durch den Typenwechsel, auch wenn er Pikachu mit Elektroattacken nicht schädigen kann, immerhin nicht den absoluten Nachteil. Sonst wäre der Kampf schnell vorbei. Also so dumm fand ich das jetzt für / von Misty gar nicht. Sie hat jedenfalls den taktisch klugen Zug gemacht, dass Pikachu Starmie nicht mehr brutal attackieren kann. ;)


Wegen dem Gewinn 2000 Pokédollar, das habe ich extra so gemacht. Arenaleiter nehmen ja auch ständig ein. (Außer sie sind vielleicht total Scheiße xD)

Bei Käferfreaks oder anderen Wettbewerben sind die Siegespreise meistens niedriger. Pokémon trainieren sehe ich in der "realen Welt" nicht als Zuckerschlecken an. Die Monster wollen verpflegt werden, alles kostet Geld, wenn ein Trainer ständig blank laufen würde, wäre es auch scheiße. (Dazu später mehr... xD ~)

Außerdem kann man sich ja nur einmalig durch gewonnene Orden etwas dazu verdienen, weil wenn du den Orden hast, gibt´s den kein zweites Mal und irgendwann hat man alle. Und mit Wohnung, Auto, Motorrad, Unterhaltskosten, Smartphone / Pokédex und Monstern / Tieren (ich spreche aus Erfahrung...), geht das Geld monatlich schneller runter als einem lieb ist!


Also Ranma 1/2 hab ich nie richtig geguckt und auch keine Comics gelesen. Die kompletten Szenen sind alle selbst erdacht, aber lustig, dass da so Ähnlichkeiten bestehen, aber eine "Liebesstory" kann auch nicht komplett neu erfunden werden. Das Rad gibt´s halt schon ^^ :D


Ja, in Lotte interpretierst du richtig rein, Seffe macht dich aber wohl etwas fertig (mal wieder, hihi) wie ich mitbekomme. ^^ Ich versuche es etwas schlüssiger zu machen, um Seffe nicht als totalen Unsympathen hinzustellen.

Er ist wie schon gesagt durchaus etwas komisch, er ist halt ein Einzelgänger. ^^ Was aber nicht bedeutet, dass er Lotte nicht doch etwas mag dann. Als sie sich von ihm nicht mal mehr verabschiedet, als er sie sogar nach Hause gebracht hat, (Das fand ich ziemlich Gentlemen, andere hätten vielleicht gesagt: "Okay tschüß!" und wären gegangen.) ist er schon etwas traurig, versucht es sich selbst aber natürlich nicht einzugestehen und trägt es mit Humor. Deswegen auch das Summen "Bye, bye Miss american pie...".

Lotte hat einen Fehler gemacht und ist sich dem durchaus bewusst, nachdem sie von Seffe auch noch eine Abfuhr bekommen hat und der auch noch knallhart das Geld eingefordert hat. Ihre Reaktion ist pubertär. Seffe versteht das nicht, weil er sich dem allen gar nicht bewusst ist und schlicht weg verärgert über sie, u. a. darüber, dass sie sich nicht entschuldigt hat, weil sie Zitrone entführt hatte. Er ist wirklich, wirklich wütend und wirkt in der einen Szene bestimmt auch etwas... wie soll ich sagen? Gemein? Einnehmend? Bedrohlich? K. A. ...

Was sich auch hält bis zu der Stelle wo Lotte ihn aufsucht und ihm in den Wald nachläuft. Dann entschuldigt sie sich endlich, aber nun weiß Seffe damit nicht richtig umzugehen. Er schafft es einfach nicht hinter Lottes Fassade zu schauen und weiß nicht woran er ist. Um sich selber nicht zu schädigen und den Gedanken mit Lotte und tralala los zu bekommen, verkrault er sie ja auch ziemlich direkt. Das ist einfach seine Einzelgängerart. Es tut ihm auch (mal wieder) irgendwie leid, deswegen überlegt er ja auch noch, ob es das Richtige war und versucht sich dann aber wieder auf andere Gedanken zu bringen. Für ihn ist eine feste Freundin einfach nicht drinnen, bzw. er kann sich das für sich aktuell einfach nicht vorstellen. Außerdem ist sie ihm zu jung... ;)

Das dir die Stelle mit Maschok gefällt war mir klar. Das lustige ist: Ich hatte das geschrieben, bevor ich dich kennengelernt habe und bevor ich von deiner Liebe zu dem Kampfmonster wusste ^^

In der Krankenhaus-Szene nochmal zu Seffe: So arrogant finde ich ihn gar nicht. Also eigentlich überhaupt nicht. Verstehe nicht ganz was du meinst. Ich fand es eher sehr lustig, als er so tat, als würde er schlafen. Er ist halt schon gemein. Ich finde das gut ^^ Anders wäre es auch gar nicht zu dem darauf folgendem Gespräch gekommen. Ich brauchte etwas zum auflockern. Und er interessiert sich ja schon für Lotte, er hakt auch nach und zeigt ernsthaftes Interesse und er ist betroffen von ihrer Geschichte, weiß aber nicht darauf zu reagieren. Natürlich hätte man auch anders reagieren können. Aber wenn man eine Person so "stürmisch" kennenlernt und geht seinem ganz eigenen Alltagstrott hinterher, dann ist es schon ziemlich schwierig sich erstmal auf die neue Person einzulassen. Und genau das wird auch im weiteren Verlauf Seffes Problem werden oder einfach bestehen bleiben, da er doch schon sehr lange Einzelgänger ist, d.h. unter anderem teilweise egoistisch ist. Und ja er ist kühl und deswegen erscheint er vielleicht arrogant, aber dazu kann man später noch mehr lesen und erfahren... ^^

Und der Kurierjob spielt später noch eine wichtige Rolle. Soviel dazu. :)

Aber die nächsten Szenen werden erstmal ohne Lotte sein. :O Lasst euch überraschen ^_^~
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262378 von KpunktOPFlos554
10.08.2016, 13:29
Puhh... das ist viel. ich werde es mir mal durchlesen aber ich habe jetzt keine zeit eine frage wie lange hast du für die sache gebraucht da ist ja meins ein zwerk auf den ich stolz bin:lol: ich werde ewig brauchen um sowas zu schreiben. das ist echt... WOW ich bin Baff das... WOW Bis Später
Das ist eine geniale leistung.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262388 von vampirbiss
10.08.2016, 13:50
Hallo KpunktOPFlos554 (Was ein Nickname o.O) Freut mich sehr, dass du dir das durchlesen magst! :oops:
Ich kenne das Thema "Zeit" leider selber und habe davon meistens zu wenig bis gar keine... ;)

Ich schreibe ziemlich schnell, wenn ich das im Kopf habe, was ich schreiben will. Da schreibe ich an einem Kapitel im Durchschnitt zwei Stunden am Stück.

Was viel mehr Arbeit macht ist alles nochmal durch zu lesen, Sätze umzustellen und Fehler heraus zu picken. Oft schreibe ich ganze Teile auch nochmal um oder verschiebe sie, füge Dinge ein, lösche Dinge raus oder sonst was...

Ich habe letztes Jahr im Herbst / Winter mit der Story angefangen, wenn dir das deine Frage etwas beantwortet... bin aber eigentlich auch schon viel weiter. Der erste Teil ist jetzt aber soweit abgeschlossen hier im Forum, zwei weitere Teile sind "fertig" und warten auf mich... ich muss alles nochmal übergehen und überdenken. ^^

Ich hab jetzt aber auch bestimmt schon zwei Monate nichts mehr gemacht u. a. kam mir Pokémon Go dazwischen... *_*

Insgesamt habe ich schon gefühlt etliche Stunden daran gesessen... aber es macht auch Spaß. Nur wenn man viele Hobbys hat ist es schwierig mit Job alle unter einen Hut zu bringen. :)
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262409 von KpunktOPFlos554
10.08.2016, 15:45
Die geschichte ist gut, ich bin zwar erst jetzt beim "durch den Vertania Wald" ich hatte teilweise das gefühl das, dass die pokémon vor meinen augen gekämpft haben. Naja Ewentuel liegt es an meiner "Lebhaften Fantersi" Oder meinem guten forstellungs vermögen. es ist gut und wegen rectschreibfehlern kann ich mich nicht beklagen man kann es lesen das reicht doch, oder? ich würde gerne konstruktive kritik da lassen aber ich weiß wie schwirig manchmal ist eine geschichte auf die beine zu stellen.
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262439 von Ayron1986
10.08.2016, 17:51
Achso, Typenspiegel ändert den Typ vom Anwender, nicht den gegnerischen. Dann hast Recht, war ein guter Zug von Misty. ^^
Hab aber gelesen, dass Zitrone zu Wasser/Psycho wurde. Oder war das eine andere Attacke, die das bewirkt hat? Weiß ich grad net...

Ich hoff halt, dass er bisschen mehr aus sich herauskommt und etwas herzlicher wird. Solche "obercoolen" Unsympathen kann ich einfach net leiden. Zur Zeit les ich nur weiter, weil ich wissen will, wie´s mit Lotte und Zitrone weitergeht. Die waren übrigens ein sehr putziges Team. Hätten ruhig zusammenbleiben können. :D :lol:
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262529 von vampirbiss
11.08.2016, 08:46
@KpunktOPFlos554: Danke dir nochmal :)
Wegen konstruktiver Kritik, ja... hin und wieder gibt es bestimmt Dinge die andere anders gelöst hätten, aber da bin ich (meistens) sehr offen bei Geschichten anderer, weil der Autor meist darüber nachgedacht hat, warum, weshalb wieso. Man kann ja sagen, das und das fand ich bissl krass oder nicht so gut, ob der Autor es dann ändert ist allerdings seine Sache. Weil es seine Geschichte ist und so stellt er sich das halt vor.

Ich hab feste Charaktere im Kopf, bringe Dinge rein die ich lustig finde und werde definitiv keine großen Änderungen mehr reinbringen, weil die den Storyverlauf beeinflussen würden. Ich denke mir da, entweder man mag es dann halt oder nicht. Ein geschriebenes Buch verändert auch keiner mehr, entweder es fesselt und man liest weiter oder lässt es halt. Damit muss jeder Autos leben. :)

Aber du kannst gerne sagen was du gut findest und was nicht. Ich finde es ja super, wenn sich der Leser darüber Gedanken macht und "mitfühlt". :)


@Ayron: Typenspiegel ändert nur den Typ von Anwender? Ich dachte der vertauscht die Typen. Das würde ich dann noch korrigieren! *am Kopf kratzt* dachte echt es wäre anders... xD

Und Seffe entwickelt sich, wenn auch langsam, aber jede Schale muss halt erstmal geknackt werden. Naja... "obercool"... hihi. Er ist halt kühl und schräg. xD Das kommt alles noch. ^^ Die Gegensätze passen gut zusammen, Lotte mit dem Temperament und dem Feuer in sich und Seffe - ruhig und trocken... xD

Naja, ich muss dir teilweise aber Recht geben, Seffe kann sich verhalten wie der letzte Arsch. Er ist jedenfalls kein Goodboy, das fände ich sooo langweilig. Bis ihn das Gewissen beißt und dann ist er auch mal nett und teils Gentlemen, aber alles in gewissen Maßen. ^^ Lotte ist halt auch echt anstrengend, in gewissen Situationen hätte ich ihr eine geknallt... und dann wieder geknuddelt. Wie auch immer. xD

Das lustige ist, ich will manchmal Szenen schreiben und dann passiert was ganz anderes, weil die einfach so und zwar anders reagieren. Manchmal echt schwierig...

Und da muss ich dich enttäuschen, Zitrone wird auf ewig bei Seffe bleiben, zumindest aktuell. :P Vielleicht schreibe ich da noch einen Rückblick... Er liebt Zitrone und Zitrone ihn und Lotte bekommt aber auch noch tolle Pokémon.


In den nächsten Szenen, wird man Seffe teilweise vielleicht etwas besser verstehen, weil er einen Alleingang hat und dann... tjaa... auch andere Seiten zeigt... Da wirst du, lieber Ayron, bestimmt deinen Senf (sehr gerne) dazu geben und ich kann mir schon vorstellen was du schreibst ... xD
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262541 von Ayron1986
11.08.2016, 09:53
Ja, Typenspiegel verändert nur den Typ des Anwenders in den vom Ziel um, hab ich selber nochmal nachgeguckt. ;)

Ist schon klar, dass Seffe kein Bilderbuch-Held ist, wäre langweilig geb ich dir recht. Aber du beschreibst ihn halt so dermaßen abweisend und emotionslos, dass er mir so wenig gefällt... Naja, wird ja vielleicht noch. Ist ja ein guter Move in der Story, seinen Charakter entwickeln zu lassen. Ich lass mich mal überraschen, bin gespannt, liebe Ina. ;) Auch, wenn ich Lotte im nächsten Part vermissen werde. ^^ Wenigstens mein Zitrönchen dabei. :oops: :D
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262755 von vampirbiss
12.08.2016, 16:21
So ich habe mal das Kapitel "Der zweite Orden" korrigiert. Speziell wegen der Attacke Typenspiegel.

Dann habe ich noch etwas hinzugefügt, was eventuell wichtig ist. So versteht man speziell auch im Nachhinein noch ein paar Aktionen ;) Ich kopiere die Stelle nochmal hier rein:

Die Rothaarige strich sich die Haare auf einer Seite des Gesichts hinters Ohr und sah nun vorsichtig zu dem anderen hoch. Eigentlich wollte sie sich noch entschuldigen und ihm danken. Eine Weile sahen sie sich nur an. Seffe fragend und Lotte hatte den Mund leicht geöffnet, als ob sie ihm noch etwas sagen wollte. So sehr sie es wollte, aber es kam nicht aus ihr heraus. Dann verzog sie ihren hübschen Mund und wand sich um. Schnellen Schrittes ging sie auf das Haus zu und verschwand darin.

Seffe hob langsam beide Brauen in die Höhe. Tief atmete er ein und aus, sie hatte ihm nicht mal „Tschüß“ gesagt. Mit geschlossenen Augen, zuckte er resignierend mit den Schultern und ging, schwer beladen wie er war, den Weg wieder hoch zum Pokémon-Center. Dabei summte er und sang schließlich leise: „Bye bye, Miss American Pie…“ Lotte war ein hübsches Mädchen und auch nicht dumm, sie hätte bestimmt sogar gute Voraussetzungen, um Pokémon richtig zu führen. Kurz gingen ihm die Worte von Schwester Joy wieder durch den Kopf: „Sie hatte eine schwierige Kindheit und ist dadurch zum Einzelgänger geworden. Ich denke, etwas Abwechslung und neues Vertrauen würden ihr gut tun. Sie hat einen Traum, genau wie du, Seffe. Und als Anfänger so ohne weiteres alleine auf die Reise zu gehen, ist gefährlich. Das solltest du bestens wissen.“ Seffe seufzte und schüttelte schließlich den Kopf, es hätte ja doch keinen Sinn, er wurde aus ihrem Verhalten nicht schlau. Außerdem war sie ja doch viel zu jung für ihn.




Über das Kapitel danach bin ich auch nochmal knapp gegangen. Und ich finde da verstehen sie sich am Schluss fast schon zu gut. Das Ayron Seffe da arrogant findet, kann ich immernoch nicht nachvollziehen. *am Kopf kratzt* Das macht mich fast schon etwas fertig, weil ich es so gar nicht nachvollziehen kann... xD Net böse gemeint, ich raffs einfach net.

So jetzt setze ich mich an weitere Kapitel. ^^
Mit der Frage: "WAS SOLL ICH TUN?!"

Die Story wird so tierisch lang, einfach weiter im Posting Sachen hinzufügen oder neuen Thread mit Teil zwei öffnen und verlinken? Wenn ich neue Kapitel z.B. hier einfüge, wird es wahrscheinlich irgendwann untergehen...

Was findet ihr besser? :(
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262860 von Ayron1986
13.08.2016, 12:35
Es ist ja nicht so, dass ich ihn gar nicht leiden kann. Ich find einfach nur, er könnte Lotte mehr anlächeln bzw. einfach freundlicher zu ihr sein, auch, wenn er findet, dass sie zu jung für ihn ist. Kommt ja bestimmt noch. Mehr erwarte ich nicht. ;) Zur Zeit sind mir einfach Lotte und Zitrone viel sympathischer und die sind´s mir schon wert, weiterzulesen. ^^

Abgesehen davon:

Süße, es ehrt mich zwar, dass dir meine Meinung soviel bedeutet, aber pfeif einfach drauf. Es ist deine Story, du solltest sie so schreiben, wie du willst und dich nicht von mir beeinflussen lassen. Ich geb zwar ordentlich meinen Senf dazu, aber was du davon annimmst, liegt bei dir. Du kannst es eh nicht allen Lesern 100%ig Recht machen. Ich bin vielleicht ein begabter Schreiberling, aber deswegen habe ich noch lange keinen Götter-Status. (Auch, wenn ich manchmal so tue, als hätte ich ihn :lol: ) Wie gesagt, schreib einfach weiter. Ich bin dafür bekannt, meine Meinung schnell ändern zu können. ;)

Simno, sag doch du auch mal was über Seffe, oder jemand anderes, damit sie sich auch an anderen Meinungen orientieren kann. :D
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Re: Pokémon, Drugs and Rock `...

#1262900 von Simno
13.08.2016, 18:02
Also ich mag Seffe :). Jedenfalls als Charakter. Er hat Ecken und Kanten, überrascht hier und da und ist nicht sofort zu durchschauen. Manche Aktionen wundern einen, aber das liegt eben daran, dass er nicht immer vernünftig und einfühlsam ist. Das macht die Momente umso wertvoller, wo er doch sein gutes Herz durchblitzen lässt.
Im echten Leben wäre ich wohl nicht mit ihm befreundet, aber ich würde ihn bei Facebook in der Liste lassen, weil mich interessiert, was bei ihm so abgeht ;).
Bei der Geldsache nach der Arena (also, dass er ihr die Hälfte abgeknöpft hat) bin ich auch etwas erschrocken, aber ich glaube, er hatte einfach den Drang, Lotte ein wenig zu erziehen. :D
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