Özils Rücktritt

#1308723 von zaya
24.07.2018, 17:56
Özils Rücktritt


Vorwort

Mit der deutschen Nationalmannschaft hat es schon vor der WM 2018 in Russland Probleme gegeben; Die Fußballspieler Mesut Özil und İlkay Gündoğan standen/stehen stark unter Kritik. Grund dafür war, dass sie auf Instagram ein Foto mit dem Präsidenten Erdogan veröffentlicht haben, sprich mit einem "Diktator".

WM 2018

Auch in den drei Gruppenspielen lief es für Deutschland nicht gut. Sie haben als Team einiges falsch gemacht. Doch nach dem Rauswurf stand speziell ein Spieler in der Kritik - Mesut Özil. Özil verteilte sauber Bälle, gab gute Flanken und verlor selten den Ball. Er war zwar nicht in Top-Form, aber niemals viel schlechter als sein Team um so hart in der Kritik zu stehen. Und wieso stand Gündogan nicht mindestens so hart unter Druck?

Statements

Bis vor kurzem gab es nur Statements von dem Spieler Gündogan, "Jeder Mensch hat seine eigene Meinung. Deswegen haben wir auch die Meinungsfreiheit. Dafür stehe ich. Genau dafür fühle ich mich privilegiert, in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein. Aber beleidigen lassen will ich mich auch nicht".

Von Özil gab es allerdings noch keine Rückmeldung, bis zum 22. Juli. Er teilte sein Statement in drei Teilen und veröffentlichte sie jeweils um verschiedenen Uhrzeiten. Er schrieb in diesem Statement, dass er rassistisch behandelt wird und das nicht auf sich sitzen lassen möchte. Dafür spiele er kein Fußball, weswegen er die deutsche Nationalmannschaft nun verlässt. Auch übte er Kritik an den DFB-Präsidenten Reinhard Grindel aus. Als Özil versuchte Grindel seine Kultur klar zu machen, hat Grindel nur über seine politischen Ansichten geredet und versucht Özils Meinung niederzumachen. Er habe Özil nicht zugehört. Welcher Spruch wohl am meisten hevorsticht: "In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren".

Eure Meinung

Was sagt ihr dazu? Hat Özil richtig entschieden? Hätten Gündogan und Özil ohne der Kritik besser gespielt? Was haltet ihr von dem Bild mit Erdogan?

Meine Meinung

In meinen Augen hat Özil das richtige getan. Ich finde, dass man damit rechnen müsste, dass man Kritik und Hass nach dem Bild mit Erdogan bekommt, aber Leben wir nicht in einer Demokratie in der jeder seine eigene Meinung haben darf? Nach dem Spiel gegen Südkorea durfte ich mir die ein oder anderen Posts angucken, in denen Sätze standen wie "Özil geh zurück in dein Land". Oder auch nach diversen Twitterposts von AFD-Politikern konnte ich nochmal klar und deutlich sehen, dass Özil mit dem Großteil seines Statements im Recht liegt.

Quellen

Natürlich hat Özil vieles mehr geschrieben. Hier könnt ihr alles nachlesen
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Re: Özils Rücktritt

#1308724 von AzumarillFTWrofl
24.07.2018, 20:38
Vorab: Ich finde, ein Foto mit Erdogan zu machen, nicht schlimm. Was ich schlimmer finde, ist, dass er 1) bewusst einem Treffen mit ihm zugesagt hat, 2) ihm ein Trikot geschenkt hat, 3) über beide Ohren gestrahlt hat als wär es der schönste Tag in seinem Leben, und 4) sich zwei Monate lang gar nicht dazu geäußert hat.

Dass seine späte Erklärung auf Twitter dann voll von Whataboutismus und Rassismus-Vorwürfen ist, aber keinerlei Selbstreflexion aufweist, sorgt dann leider für ein sehr glanzloses Ende eines tollen Fußballers.

Der Vergleich zu Lothar Matthäus war hirnrissig, weil Loddar nunmal beruflich auf einem offiziellen FIFA-Treffen war. Die Vergleiche zu Miroslav Klose und Lukas Podolski waren hinrissig, weil auch diese sehr wohl (nicht zuletzt von Polen selber) ständig mit ihrer polnischen Herkunft in Verbindung gebracht werden.

Die Kritik an deinen Aktionen liegt nicht an Rassismus und auch nicht daran, dass du Moslem bist.

Ilkay Gündogan hat sich schließlich ohne größere Probleme rausretten können, eben weil er den Mumm und den Anstand hatte, sich zu äußern.

Özil ist ein Mensch, der immer sehr gerne das Wort "Respekt" benutzt. "Ich singe die deutsche Nationalhymne nicht mit, aus 'Respekt' vor der Heimat meiner Eltern"... "Ich treffe mich mit dem türkischen Präsidenten, aus 'Respekt' vor der Heimat meiner Eltern"... In seinen Tweets kam locker 5-mal "Respekt" vor.

Aber wenn es darum geht, dem aufgeheizten und sich nach einer Erklärung sehnenden Deutschland eine Antwort zu geben, ist Respekt bei ihm Fehlanzeige. Und was das Nichtsingen der Hymne des Geburtslandes mit "Respekt" zu tun haben soll, ist mir, der ich selber ein Migrantenkind bin, absolut schleierhaft.

Ich finde, von Özil und vielen Deutschtürken wird eine schizophrene Debatte geführt. Einerseits wird auf die türkischen Wurzeln beharrt, man dürfe sie niemals vergessen, viele halten die deutsche Staatsangehörigkeit sogar nur für ein Stück Papier, Deutschsein sei nicht Integration sondern Assimilation und das sei ja literally worse than Hitler. Und im nächsten Atemzug wird sich darüber echauffiert, wenn man von einem Deutschen als "Deutschtürke" bezeichnet wird. Was falle dem Deutschen bloß ein, uns nicht als echte Deutsche zu akzeptieren?

Wer sich an die Zeiten von 2009-2017 zurückerinnert und auch nur einmal die Kommentare auf Özils Social-Media-Kanälen gelesen hat, der weiß, dass es in erster Linie Türken und Deutschtürken selber sind, die ihm permanent das Deutschsein absprechen, ihn übel beschimpfen und bedrohen weil er nicht für die Türkei spielt. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, das seien AfD-Wähler.

Und das führt mich zu dem was ich ganz ganz traurig finde: Der Fall Özil wird (von Leuten, die "es schon immer wussten") zum perfekten Beispiel für gescheiterte Integration hochstilisiert - und legt damit einen riesigen Stein in den Weg aller Migranten und Migrantenkinder, die vor der Flüchtlingskrise und dem Rechtsruck in schöner Harmonie gelebt haben.

Rücktritt richtig oder falsch? Aus sportlicher Sicht hat er eh schon gebröckelt, daher eher richtig. Aus ethischer Sicht verständlich, aber die Art und Weise war stillos.
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Re: Özils Rücktritt

#1308757 von DerSpieler
26.07.2018, 22:24
Ich bin kein Fußballfan und habe die Debatte nur am Rande verfolgt. Aus meiner Sicht haben sich zwei Fußballspieler mit einem (sehr) umstrittenen Staatspräsidenten getroffen. Ich verstehe grundsätzlich die Idee nicht so ganz, warum Fußballspieler, die in den wenigen Interviews die ich kenne nun nicht so wirkten als hätten sie neben "Fußball" noch viel andere Dinge im Kopf und folglich auch nicht viel intelligentes mitzuteilen hatten, als Helden und Vorbilder stilisiert werden.
Ich erkenne aber die Tatsache an, dass es so ist. Besonders für Kinder sind diese Männer nun mal Vorbilder und darum gibt es ein großes öffentliches Interesse an ihren Handlungen. Während meiner Meinung nach jeder unbekannte Typ auf der Straße gerne seine Meinung zu Diktatoren und totalitärer Herrschaft haben darf, müssen Stars (und dazu zählen eben auch Fußballer) einfach vorsichtig sein und dürfen eben kein zu dünnes Fell haben, wenn sich die Öffentlichkeit über ihre möglicherweise kontroversen Ansichten aufregt. Auch hier darf Herr Özil natürlich seine Meinung haben und es fordert meines Wissens nach auch niemand, dass er deswegen nun ins Gefängnis gehört o.ä. aber er muss auch akzeptieren, wenn die Öffentliche Meinung gegen ihn steht.
Ob der Rücktritt nun überzogen war oder nicht kann ich nicht wirklich beurteilen.
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