Homo-Ehe in Deutschland?

#1196086 von AzumarillFTWrofl
05.06.2015, 01:45
Homo-Ehe in Deutschland?

Nachdem im vergangenen Monat selbst das katholische Irland per Volksentscheid für die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehe gestimmt hat, werden in Deutschland die Stimmen immer lauter, dies endlich nachzutun.

Zur Zeit gibt es in Deutschland nur die 2001 eingeführte "eingetragene Lebenspartnerschaft", die in vielen Bereichen die gleichen Rechte und Pflichten wie die Ehe mitbringt, aber dennoch einige Nachteile aufweist und somit keine völlige Gleichstellung zu heterosexuellen Eheleuten schafft.

Andere Länder sind da schon längst weiter. Als erstes Land der Welt beschlossen bereits 2001 die Niederlande die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, gefolgt von Belgien, Spanien, Kanada, Südafrika, Norwegen, Schweden, Portugal, Island, Argentinien, Dänemark, Brasilien, Frankreich, Uruguay, Neuseeland, Großbritannien, Luxemburg, Finnland und Teilen der USA.
In diesem Jahr kamen Irland und sogar Slowenien dazu.



Somit gibt es (in Europa) nicht ein einziges Land westlich oder nördlich von Deutschland, welches die Homo-Ehe noch nicht gleichgestellt hat. Das immer um Fortschritt bemühte Deutschland hängt nun also deutlich hinterher - und das obwohl Deutschland seit Jahren als eines der schwulen- und lesbenfreundlichsten Länder der Welt gilt. Woran hapert es also?

Nicht nur in der normalen Bevölkerung, auch in unserer Parteienlandschaft gibt es von der SPD, den Grünen, der FDP und den Linken ein eindeutiges Ja zur Homo-Ehe und auch in der CDU und der CSU gibt es teilweise Mehrheiten, die dafür sind. Unsere Kanzlerin bleibt jedoch in ihrer typischen abwartenden Haltung und andere Unions-Politiker lehnen es strikt ab, wie z.B. Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kamp-Karrenbauer mit zweifelhafter Logik in Anlehnung an Inzest und Polygamie:
"Wir haben in der Bundesrepublik bisher eine klare Definition der Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau. Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen. Wollen wir das wirklich?"
Diese und ihre weiteren verstörenden Aussagenden auf ihrer Facebook-Seite bringen ihr derzeit Kritik von allen Seiten ein und sogar eine Strafanzeige.

Diverse Bundesländer arbeiten momentan an Gesetzentwürfen zur Gleichstellung, würden damit im Bundesrat die Mehrheit erhalten und wollen somit die Bundesregierung überzeugen.

Was haltet ihr von dem Thema? Könnte es wie in Irland bald einen Volksentscheid geben? Ist die Gleichstellung der Homo-Ehe noch in dieser Legislaturperiode realistisch oder bleibt die Bundesregierung stur? Was könnte das für Kanzlerin und Partei für Folgen haben? Haltet ihr die völlige Gleichstellung für erstrebenswert oder liegt euch etwas daran, dass einige Steuervorteile, Adoptionsrechte und der Name "Ehe" hetero-exklusiv bleiben?
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196088 von Platurt
05.06.2015, 02:48
Ich weiß ehrlich gesagt nicht worin das Problem läge, wenn man die Nachteile der eingetragenen Lebenspartnerschaft ausbessert und dafür die Ehe weiterhin exklusiv zwischen Mann und Frau behält. Versteht mich nicht falsch, wenns nach mir ginge können gleichgeschlechtliche Ehen gerne erlaubt werden, aber da das Konzept der Ehe irgendwo nun mal eine religiöse Sache ist finde ich einfach, dass da keine Änderungen aufgezwungen werden sollten. Die Tatsache, dass etwas wie die Ehe immer noch so großen rechtlichen Einfluss hat ist mMn eh nicht mehr Zeitgemäß und hätte schon bei der Trennung von Kirche und Staat abgeschafft werden sollen, vor allem wenn man eine nicht religiöse Alternative hat.

Also ich find die Ehe sollte einfach keinerlei Einfluss auf Rechte und Pflichten haben und dafür ganz einfach von der eingetragenen Lebenspartnerschaft ersetzt werden. Dann kann der Staat, bzw. die Bürger per Volksentscheid, die Regeln der eingetragene Lebenspartnerschaft variieren wie sie wollen und so auch Partnerschaften zwischen Gleichgeschlechtlichen ohne jegliche Nachteile erlauben, ohne dabei der Kirche ihre Regeln vorzuschreiben. Diese kann dann selbst entscheiden, ob sie auch Partnerschaften zwischen gleichgeschlechtlichen als "Ehe" ansehen wollen, und wenn sie sich dagegen entscheidet dann ist das mMn ihr gutes Recht.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196089 von Flax
05.06.2015, 03:03
Es ist meiner Ansicht nach offensichtlich, welche Meinung man zu dem Thema haben sollte, weshalb eine grundlegende Diskussion darüber nicht nur unnötig, sondern fast absurd wäre. Natürlich kann man sich über Details streiten, die zum Teil in den weiterführenden Fragen angesprochen sind, aber allgemein sollte es selbstverständlich sein, dass die Homo-Ehe auf der selben Stufe wie die herkömmliche Ehe zu stehen hat.

Warum? Wenn zwei Menschen sich lieben, ist es doch egal mit welchen Geschlechtsorganen sie ausgestattet und ob sie zeugungsfähig sind. Die Ehe für heterosexuelle Paare zu reservieren, wäre nicht nur diskriminierend gegenüber den anderen, es wäre auch ein eindeutiger Beweis der Rückständigkeit unserer Zivilisation und die Macht der Konventionen, welche durch die Religion eingeführt wurden. In der Antike war Homosexualität auch kein Verbrechen, doch das hat sich später schlagartig geändert. Inzwischen sind wir zum Glück wieder viel weiter, aber der einzige Grund warum die Homo-Ehe noch nicht erlaubt ist, ist das Festhalten an den alten Werten und den vereinzelten irrationalen Abneigungen mancher Menschen. Es wäre nun schwer die Kirchen zu zwingen, jede Art von Ehe zu erlauben, aber eine gleichwertige Ehe auf einen anderen Weg zu schließen, um beispielsweise auch die selben Rechte zu erlangen, ist ein Muss in einer säkularisierten Gesellschaft. Ich kann mir nicht vorstellen, warum jemandem etwas daran liegen könnte, dass der Ehe zwischen Mann und Frau mehr Vorteile und Rechte zukommen und wie dies logisch überhaupt begründbar wäre.

Die Gründe, die von der Gegenseite genannt werden, sind meist jedoch frei von religiösen Argumenten, wie auch im Beispiel der Saarländischen Ministerpräsidentin. Aber wie du so schön schon hervorgedeutet hast, ist ihre Logik zweifelhaft. Vor allem in ihrer Schlussfrage, 'wollen wir das wirklich?', schließt sie von ihrer Meinung auf einen allgemeinen moralischen Konsens zu dem Thema. Ich gestehe ein, dass ihre genannten Fälle nicht so eindeutig sind, wie die Homo-Ehe, aber prinzipiell fallen mir auch keine besonderen Gründe gegen eine polygamische Ehe ein. Nichtsdestotrotz verstehe ich, dass die Wahl ihrer Beispiele und die Formulierung als beleidigend aufgefasst werden kann. Ihr vorzuwerfen, sie stelle Homosexualität mit Inzest und Polygamie gleich, wäre meiner Meinung nach aber nicht gerechtfertigt. Sie hat wahrscheinlich ihre Worte nur sehr unklug gewählt. Aber gut, ich kenn die Dame nicht, vielleicht hat sie tatsächlich ein paar Schrauben locker...

Ob das ganze nun zu einem Volksentscheid führt, weiß ich jedoch nicht. Ich weiß nicht, ob so etwas in Irland oder allgemein in kleineren Ländern üblicher ist, aber ich bekomme in Deutschland so etwas so gut wie gar nicht mit. Durch Google habe ich nur bundesländerspezifische Abstimmungen gefunden, meist Bayern, Berlin oder Hamburg, jedoch keine von dort, wo ich herkomme. So eine Abstimmung ist für mich etwas schwer vorzustellen, aber vielleicht kann sich dazu ja mal jemand äußern, der tiefer in der Materie ist. Aufgrund der bereits geäußerten und erklärten Selbstverständlichkeit, die meiner Meinung nach bezüglich dieses Themas bestehen sollte, wäre für mich eine Volksabstimmung unnötig. Dies müsste aber auch heißen, dass die Politiker selbst auf diese Idee kommen und sich endlich überwinden, den Schritt in die Moderne zu wagen. Sollte die Stagnation jedoch bestehen, ist aufgrund derselben Selbstverständlichkeit der Einsatz des Volkes zur Beseitigung der Ungleichheit unabdingbar.

Ich kann leider nicht einschätzen, wie schnell in Deutschland Beschlüsse gefasst und umgesetzt werden, aber ich vermute mal, dass es allzu lange nicht mehr dauern wird. Die Konsequenzen, die aus der Entscheidung folgen könnten, sollten gering sein - vor allem wenn die Parteien sich geschlossen dafür entscheiden. Die Empörung sollte sich auf alte konservative Menschen und religiöse Schwerstfanatiker beschränken, da die Aufklärung zu diesem Thema doch inzwischen sehr weit fortgeschritten ist, denn wie du ja bereits gesagt hast, gilt Deutschland als eins der schwulen- und lesbenfreundlichsten Länder.

Der Schritt nach vorne ist also zu begrüßen und sollte möglichst bald gewagt werden.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196405 von Furanty
07.06.2015, 13:39
Was haltet ihr von dem Thema?

Wie meine Vorposter schließe ich mich natürlich dem Befürworten der Eheöffnung an. In unserer zivilen, staatlichen Gesellschaft entscheiden allein unsere demokratisch geschaffenen Gesetze was eine Ehe ist und was nicht. Was die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften davon halten, ist ganz allein deren Sache. Ich halte die Ehe allerdings nicht für religiös motiviert, sie ist am ehesten patriarchalisch motiviert (die Ehe fehlt wenn überhaupt in matriarchalen Gesellschaften). Die Ehe ist, wie so vieles, von der Religion vereinnahmt worden und steht heute wohl unter religiösem Einfluss, aber das darf nicht Anhaltspunkt für die staatliche Ehe sein.
Gegner der Eheöffnung brachten mir bisher auch keine überzeugenden Argumente weshalb Mann und Frau heiraten dürfen und Mann und Mann oder Frau und Frau nicht. Das Kinder-Argument spräche ja zugleich für eine Altersgrenze der Eheschließung, der gesellschaftliche Nutzen ist Folge des Kinder-Arguments, ...
Da die Eheöffnung zudem niemandem schade, sehe ich keinen Grund die Ehe nicht zu öffnen.

Könnte es wie in Irland bald einen Volksentscheid geben?

In Deutschland sind Volksentscheide auf Bundesebene nicht vorgesehen. Von daher müsste zuerst das Grundgesetz geändert werden, dagegen spricht sich aber als einzige Partei die CDU aus. Selbst die CSU ist für Volksentscheide auf Bundesebene :x
Ist die Gleichstellung der Homo-Ehe noch in dieser Legislaturperiode realistisch oder bleibt die Bundesregierung stur? Was könnte das für Kanzlerin und Partei für Folgen haben? Haltet ihr die völlige Gleichstellung für erstrebenswert oder liegt euch etwas daran, dass einige Steuervorteile, Adoptionsrechte und der Name "Ehe" hetero-exklusiv bleiben?

Mit der Union in der Regierung wird es keine Öffnung der Ehe geben. Merkel selbst wäre das vielleicht noch egal, aber ihre Partei würde diese Abkehr von konservativen Werten nicht mehr verkraften, nachdem schon Wehrpflicht und Atomkraft abgeschafft und Frauenquote und Mindestlohn eingeführt wurden.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196745 von Tic
09.06.2015, 10:25
Ich sehe das ganze etwas differenzierter als meine Vorposter.

Die Ehe ist seit jeher als Verbindung von Mann und Frau definiert - ich benutze das Wort traditionell bewusst nicht, da Eheähnliche Institute in fast allen Kulturen bekannt sind - seien sie nun mono- oder polytheistischen Glaubens. Selbstverständlich hat sich das Ehebild zwischenzeitlich zumindest bei uns stark gewandelt: Aus den Vernunft- und Versorgungsehen sind Liebesehen geworden, Scheidungen sind möglich, und rechtlich sind kirchliche Ehen bedeutungslos geworden. Dennoch hat die Ehe einen gewissen "Markenkern" behalten - also vor allem, dass sie eben auf Lebenszeit ausgelegt ist, zwischen Mann und Frau geschlossen wird und durch sie gewisse Ehewirkungen entstehen, die dann die Ehegatten zur gegenseitigen Hilfe und Rücksichtsnahme verpflichten.

Die Frage ist: Wie weit wollen wir die Ehe noch aufweichen. Jede Aufweichung macht die Ehe als Institution im gewissen Sinne bedeutungsloser - ich denke mal, dass Frau Kramp-Karrenbauer genau das kritisieren wollte, auch wenn sie sich natürlich äußerst ungeschickt ausgedrückt hat. Die Sache ist, dass es, wenn man Homosexuellen die Eheschließung erlaubt, eigentlich wirklich keinen Grund gibt, die Mehrehe nicht auch zu erlauben. Bei beiden Eheschließungsverboten handelt es sich um eine rein kulturelle Konvention, beides ist nicht selbstverständlich und beides kommt bei anderen Tierarten vor, ist also auch nicht "widernatürlich" (Übrigens mein Lieblingsargument von uninformierten, erzkatholischen Homoehe-Gegnern). Warum ziehen wir, wenn wir die Trennung zwischen Homosexuellen und Heterosexuellen Partnerschaften aufheben, bei der Polygamie immer noch eine Grenze?

Versteht mich nicht falsch, ich bin recht romantisch veranlagt und will hier keinesfalls für Polygamie Werbung machen. Ich sage nur, dass ein Verbot an sich genau so widersinnig ist wie ein Verbot der Homo-Ehe. Der wichtigste Unterschied zwischen beiden Sachverhalten ist eigentlich nur, dass Homosexualität in unserer Gesellschaft mittlerweile akzeptiert ist. Logische Folge ist, dass für Homosexuelle, die sich auf ewig binden wollen, ein Rechtsinstitut geschaffen werden muss. Das haben wir mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft getan. Und natürlich - das ist jetzt der Moment, wo alle Leute, die nach meinem ersten Absatz angefangen haben, wütende Hasstriaden zu formulieren, sich hoffentlich eines besseren besinnen - gibt es keinen rational begründbaren Grund, warum dieses Institut der Ehe nicht im Wesentlichen* gleich gestellt sein sollte. Ich bin unbegrenzt dafür, dass Homosexuelle und Heterosexuelle Partnerschaften die gleichen Rechte haben sollten. Ich bin nur dagegen, ihre Verbindung dann als Ehe zu bezeichnen, weil ich dieses traditionell gebildete Rechtsinstitut nicht weiter aufweichen möchte. Stattdessen würde ich, wenn es nach mir ginge, die eingetragene Lebenspartnerschaft als getrennte Institution der Ehe anzugleichen (Und gerne in den Schutzbereich des Artikel 6 aufzunehmen). Wir können die dann noch in ELPe umbenennen, um den sperrigen Namen los zu sein, und alle sind hoffentlich glücklich.


*Nur ganz kurz: Es gibt einige Dinge, die in dem Idealbild der Väter und Mütter des Grundgesetzes von der Ehe zentral waren und die sich eigentlich nicht sinngemäß auf Homosexuelle anwenden lassen. Exemplarisch möchte ich hier die Steuererleichterungen nennen, die nicht unwesentlich den Zweck hatten, finanzielle Belastungen durch Kinder auszugleichen. Und - hier muss ich das nächste, doofe Totschlargument bemühen - Homosexuelle kriegen eben keine Kinder. Das gilt aber auch verstärkt für junge Akademikerehepaare, weswegen man hier über eine Reform des Ehegattensteuerrechts insgesamt nachdenken sollte, die Mehreinnahmen könnte man dann ja in Kitaplätze stecken, das würde Akademiker eh eher zum Kinderkriegen motivieren, verdienen tun die ja sowieso genug :D.


tl,dr: "Homo-Ehe" aus kulturellen Gründen nein, aber selbstverständlich sollten eingetragene Lebenspartner exakt die gleichen Rechte haben wie Ehegatten.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196747 von Platurt
09.06.2015, 10:57
^Und wieder scheiterts nur am Namen "Ehe"...

Verstehe deinen Punkt, stimme dir zwar nicht zu aber kann es nachvollziehen und das wäre mMn nur ein weiterer Grund, jegliche rechtliche Bedeutung von der Ehe zu nehmen und die eingetragene Lebenspartnerschaft stattdessen einzuführen.

Allerdings verstehe ich die Argumentation nicht ganz. Wenn du wie die meisten mit der Kultur-Schiene gegangen wärst oder die Möglichkeiten, welche die Ehe in der Zukunft mit sich bringen kann wenn die Grundregeln einmal geändert wurden, als krank darstellst würde es für mich Sinn machen. Ich stimme beiden Ansichten nicht im geringsten zu, aber es sind Sichtweisen welche man nachvollziehen können sollte, wenn man es versucht. Du dagegen hast das Beispiel mit der möglichen zukünftigen Multi-Ehe gebracht und dabei sogar angesprochen, dass es nur seltsam wirkt weil es heute noch nicht gesellschaftlich akzeptiert ist.

Du hast aber nie gesagt was schlecht daran wäre. Also warum sollte man es in der Zukunft nicht erlauben? Weil wir es nach heutigem Maßstab als falsch erachten? Die Gesellschaft wird sich noch oft genug ändern und irgendwann sieht man uns evtl. als die Multiphoben Lebensfresser die noch in separaten Ländern lebten und dies als Grund sahen sich gegenseitig zu töten. Wenn die Gesellschaft soweit ist hätte ich kein Problem damit wenn die eingetragene Lebenspartnerschaft, welche die Ehe im Laufe der Zeit wohl eh abgelöst hat :P, auf mehre Personen zu erweitern und ihr einen weniger Multiphoben naben zu geben. Hey, würde das Interesse daran bestehen würde ich es auch stark befürworten, es jetzt schon durchzusetzen^^
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196749 von Tic
09.06.2015, 11:20
Platurt hat geschrieben:Verstehe deinen Punkt, stimme dir zwar nicht zu aber kann es nachvollziehen und das wäre mMn nur ein weiterer Grund, jegliche rechtliche Bedeutung von der Ehe zu nehmen und die eingetragene Lebenspartnerschaft stattdessen einzuführen.


Jegliche Bedeutung von der Ehe zu nehmen, ist wohl nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung" und so. Das ist ein Grundrecht und sowas von sakrosant, dass man das wahrscheinlich nicht mal mit 2/3-Mehrheit im Bundestag ändern könnte, abgesehen davon dass die dank der Union auch in absehbarer Zeit nicht zu Stande kommen würde. Homosexuelle in den Schutzbereich aufzunehmen ist einfacher.

Im Übrigen müssen wir klar zwischen der kirchlichen und der zivilrechtlichen Ehe differenzieren: die kirchliche hat heute schon keinerlei Bewandtnis mehr, aus einer kirchlichen Heirat entstehen keinerlei Rechtsfolgen, die ist für diese Diskussion in sofern absolut wurscht.

...oder die Möglichkeiten, welche die Ehe in der Zukunft mit sich bringen kann wenn die Grundregeln einmal geändert wurden, als krank darstellst würde es für mich Sinn machen.

Ja, da haben wir das Problem, das kann ich nicht. Ich halte mich in der Regel für einen ziemlich rational denkenden Menschen und halte einen Großteil dieser Argumente auch für bescheuert.

Platurt hat geschrieben:Du hast aber nie gesagt was schlecht daran wäre.


Hm, das habe ich im Subtext schon denke ich: Ich bin - wie gesagt - recht romantisch veranlagt und es ist für mich unvorstellbar, dass eine Ehe zwischen mehr als zwei Menschen geschlossen werden können soll (4 Verben hintereinander, guter Satzbau FTW). Allerdings ist das zugegebenerweise der Gleiche Grund, aus dem in den 60ern der Großteil der Bevölkerung gegen die Homo-Ehe war.

Ich denke einfach, dass die Ehe eine schöne Institution ist, die die ewige Liebe von Mann und Frau wiederspiegelt. Ich bin schlicht dagegen, schöne Traditionen, die sich über Jahrtausende entwickelt haben und die gesellschaftlich sehr akzeptiert sind - welches junge Mädchen träumt nicht von seiner Hochzeit? - aufzuweichen - wiederum ein sehr romantisches, zugegebenerweise konservatives Argument. Ich sehe schlicht und einfach nicht die Notwendigkeit, die Ehe für Homosexuelle zu öffnen, wenn sie exakt die gleichen Rechte aus einem anderen Rechtsinstitut erhalten können.

In Anbetracht der Tatsache, dass meine Lösung absolut niemandem schadet und dabei das Institut der Ehe in seiner jetzigen Form intakt lässt, halte ich es aber für durchaus vertretbar. Ganz nebenbei lassen sich so wohl leichter bayrische Stammtische überzeugen, und wir wissen alle, dass die uns regieren. Ich bin jetzt weiß Gott kein konservativer Hardliner, ich hätte auch kein großes Problem damit, Homosexuellen die Eheschließung zu erlauben, ich sehe bloß auch keine Argumente, die dafür sprechen würden, homosexuelle Partnerschaften Ehen zu nennen.
Zuletzt geändert von Tic am 09.06.2015, 12:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196765 von Platurt
09.06.2015, 12:02
Hm, ok dass es im Grundgesetz unter dem Begriff Ehe steht wusste ich ehrlich gesagt nicht, hätte ich mir aber denken können. Dann kann man wohl die rechtliche Ehe nicht so leicht durch eine Änderung des Begriffes von der kirchlichen distanzieren sodass man die Voraussetzungen für diese lockern kann ohne die Tradition der Ehe "aufzuweichen" (auch wenn ich finde dass es dafür bereits ein wenig zu spät ist, aber das ist ein Thema für sich).

Wenn man nun die rechtliche Ehe allein ändert und die kirchliche traditionell belässt, wäre es wohl nicht allzu leicht durchzubringen, einfach weil trotzdem die Bedingungen für eine Ehe geändert werden und das bekanntlichen vielen ja so gar nicht passt.

Dann wäre momentan die leichteste Lösung wohl tatsächlich die Verbesserung / der Ausbau der eingetragenen Lebenspartnerschaft (nicht nur für Homoehen, ich rede hier rein theoretisch von allen folgenden nicht konventionellen Formen der Ehe, welche die Gesellschaft irgendwann akzeptieren wird). Gleiche rechtliche Folgen, weniger Leute empfinden es als ein Angriff auf die Tradition der Ehe und daher ist es wohl auch leichter umzusetzen.

Nur kommt es mir dennoch nicht ganz richtig vor. Klar, es hat rein rechtlich keine Nachteile, aber wirkt es auf dich nicht auch als ob man das Konzept der Ehe in zwei Klassen teilt?
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196801 von dyna
09.06.2015, 15:48
Mein persönliches "Lieblings"-Argument gegen die Homo-Ehe ist ja die Argumentation, sie könne keine Kinder hervorbringen. Von daher plädiere ich für ein Maximalalter für die Frau bei der Eheschließung und/oder einen Fruchtbarkeitstest für beide Ehekandidaten!!

Der momentane, unromantische "Nutzen" einer Eheschließung für die Allgemeinheit ist ja meines Wissens und nach meinem Urteil, dass die beiden Ehepartner einige Verpflichtungen eingehen, sich im Falle des Falles insbesondere finanziell zu unterstützen und somit teilweise dem Staat und somit der Allgemeinheit Verantwortung abzunehmen.
Dafür gewissermaßen eine Belohnung in Form von Steuervergünstigungen zu geben, halte ich für sinnvoll, auch wenn ich das Festhalten im GG aus heutiger Sicht für übertrieben halte ^^ Die Form dieser Vergünstigung ist übrigens nochmal eine andere Frage - ich stehe dem Ehegattensplitting eher skeptisch gegenüber, da es durch seine Berechnung eine ungleiche Einkommensverteilung zwischen den Partnern bevorteilt, was letztendlich ein Machtgefälle in der Beziehung verursacht (unabhängig vom Geschlecht der Partner - auch wenn in der Realität ja häufiger der Mann das höhere Einkommen hat)

Mein verzwecktes Bild der Ehe ist also nicht nur ein Vertrag zwischen den Ex-Verlobten, sondern letztendlich ebenso zwischen dem Paar und dem Staat - man wird gewissermaßen dafür bezahlt, dass man sich gegenseitig "versichert", bevor Sozialhilfe fällig wird. In diesem Kontext sehe ich also keinen Nutzen darin, die Ehe exklusiv hetero-monogam zu halten.

Für generell wichtiger halte ich allerdings die Förderung und Unterstützung von Kindern, seien sie leiblich oder adoptiert. Das soll sich auf meine polemische Einleitung beziehen; denn ich halte es für falsch, die bloße Möglichkeit von Nachwuchs zu fördern. Die Ehe ist neuesten Forschungen zufolge ;) weder notwendige noch hinreichende Bedingung für Kinder und da ich auch im Adoptionsrecht eine Gleichstellung homosexueller Paare befürworte (und eine Gleichstellung von leiblichen und Adoptivkindern für selbstverständlich halte), wäre es mMn deutlich zweckmäßiger, einfacher und nachvollziehbarer, vorhandene statt potentielle Kinder zu fördern.

Was meine romantische Haltung zur Ehe angeht: Die ist nicht davon abhängig, wer sich sonst noch Ehepaar nennen darf. Meinetwegen kann auch Claudia ihren Schäferhund heiraten (jedenfalls, wenn Geschlechtsverkehr nicht als obligatorischer Teil der Ehe gesehen wird...) - was auch immer meine romantischen Assoziationen mit der Ehe sind, Abgrenzung gegenüber anderen Beziehungsformen gehört nicht dazu. Das Argument von Kramp-Karrenbauer geht also völlig an mir vorbei - auch wenn ich selbst weder meine Schwester ehelichen noch in einer Kommune 2 oder 3 leben will. Aber es schränkt mich doch in keinerlei Hinsicht ein, weder finanziell-verzweckt noch romantisch, wenn sich entsprechende Lebensformen "Ehe" nennen.

Ich will das hier nicht in eine Diskussion über Sodomie (die ich ausnahmslos ablehne) und Inzucht (deren Strafbarkeit ich für fragwürdig halte) abdriften lassen. Wer mir hier widersprechen will, möge bitte einen eigenen Thread dafür öffnen ^^
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196817 von Baguette
09.06.2015, 16:47
Das Problem liegt doch vor allem darin, dass man letztendlich eine Zweiklassengesellschaft hätte; und auch wenn der Vergleich nicht eben angebracht ist: Es hat schon einen Grund, warum "Seperate but equal" in den USA abgeschafft wurde. Schon allein daraus, dass die Ehe, im Gegensatz zur (überdies wenig romantischen, sehr bürokratisch angehauchten) "eingetragenen Lebenspartnerschaft", eine so traditionsreiche, alte Institution darstellt, ergibt sich eine gewisse Tendenz zur Diskriminierung und Überlegenheit. Wer sagt, dass er aus traditionellen u.ä. Gründen die Ehe als zwischen einem Mann und einer Frau definiert lassen will, der macht damit zweifellos einen Anspruch auf Privilegierung deutlich. Umgekehrt ist es eben auch dieser traditionelle Charme der Ehe - wie der User Tic sagt: das, wovon viele Kinder träumen -, an dem Homosexuelle (und andere) teilhaben wollen.

Überdies muss ich jemandem, der Homosexuellen sagt, dass doch eigentlich kein Unterschied zwischen Ehe und E.L. besteht - man sich also nicht an den Heterosexuellen orientieren solle -, wohl Heuchelei vorwerfen, wenn dieselbe Person die Institution Ehe gefährdet sähe (oder jedenfalls in ihrem "Wert" sinkend), sobald Homosexuelle heiraten dürften.

Wo ich gerade noch einen anderen Post lese: Würde man Ehe und ELP (oder welchen schöneren Namen diese später vllt haben wird) bis auf die unterschiedlichen Bezeichnungen angleichen, würde imo zumindest nach einiger Zeit die Forderungen nach einer endgültigen Vereinigung noch lauter werden. Welche Argumente genannt würden, ist wohl nicht nötig zu erwähnen: Zwei verschiedene Institute zu haben, die quasi dasselbe tun, kann man rational nicht begründen und daher vermutlich nicht lange aufrechtheralten.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196877 von Tic
09.06.2015, 19:41
Baguette hat geschrieben:Das Problem liegt doch vor allem darin, dass man letztendlich eine Zweiklassengesellschaft hätte


Mit Verlaub, das ist kein rechtliches Problem. Gleichberechtigung rechtlich durchzusetzen ist eine Sache, sie in die Köpfe der Menschen reinzukriegen eine ganz andere. Wenn aus beiden Institutionen die gleichen Rechte entstehen, wird durch das Gesetz niemand mehr diskriminiert. Alles andere ist dann nicht mehr Sache der Politik, sondern schlicht und einfach eine Sache der Erziehung/Bildung.
Dass man gegen die Diskriminierung von Homosexuellen vorgehen muss, ist klar, aber das Problem wird sich in absehbarer Zeit nicht zufriedenstellend lösen lassen - ich für meinen Teil bezweifle, dass die Erlaubnis der Eheschließung in irgendeiner Weise förderlich ist, um Vorurteile auszuräumen. Ich kann mir zumindest genau so gut vorstellen, dass gerade dadurch in konservativen Kreisen mehr Grund zur Stimmungmache gegen Homosexuelle bestünde, frei nach dem Motto "Jetzt klauen die uns auch noch unsere Ehe".
Auf den "seperate, but equal"-Part werde ich jetzt nicht weiter eingehen, du merkst ja selber an, dass das Beispiel unangebracht und unpassend ist.


Baguette hat geschrieben:Überdies muss ich jemandem, der Homosexuellen sagt, dass doch eigentlich kein Unterschied zwischen Ehe und E.L. besteht - man sich also nicht an den Heterosexuellen orientieren solle -, wohl Heuchelei vorwerfen, wenn dieselbe Person die Institution Ehe gefährdet sähe (oder jedenfalls in ihrem "Wert" sinkend), sobald Homosexuelle heiraten dürften.


Ich sehe da wirklich keine Heuchelei. Die Ehe hat einerseits einen "rechtlichen" Wert (Der dem der ELP angeglichen sein sollte) und andererseits so etwas wie einen "kulturellen" Wert. Das sieht man in Deutschland gut an der schon angesprochenen Trennung zwischen kirchlicher und zivilrechtlicher Ehe. Ich bin uneingeschränkt dafür, Homosexuellen die gleichen Rechte zukommen zu lassen wie Heterosexuellen, aber kulturelle Gleichheit zu schaffen ist meiner Meinung nach schlicht nicht möglich - die Kirche wird ja trotz der Gleichstellung auch weiterhin keine homosexuellen Heiraten zulassen. Die Ehe ist nun mal seit ewig als die Verbindung von Mann und Frau definiert, und diese Tradition lässt sich nicht einfach durch die Änderung einer seit Jahrtausenden bestehenden, im Kern unveränderten Definition wegwischen. In sofern können und sollten wir meiner Meinung nach die kulturelle Identität der Ehe so lassen, wie sie ist.

Ich gebe aber zu, dass ich natürlich keine Erfahrungen aus erster Hand habe - ich bin einerseits nicht homosexuell und habe andererseits auch nicht vor, in den nächsten 5 Jahren zu heiraten. Ich denke aber, dass die Forderung, unterschiedliche Ausdrücke zu benutzen, nicht per se auf einen Anspruch auf Privilegierung schließen lässt - viel mehr darauf, dass leicht unterschiedliche Sachverhalte leicht anders bezeichnet werden.

Baguette hat geschrieben:Wo ich gerade noch einen anderen Post lese: Würde man Ehe und ELP (oder welchen schöneren Namen diese später vllt haben wird) bis auf die unterschiedlichen Bezeichnungen angleichen, würde imo zumindest nach einiger Zeit die Forderungen nach einer endgültigen Vereinigung noch lauter werden.


Perfekt, dann machen wir doch erst mal die Angleichung und gucken was wird, die Option, später endgültig zu vereinigen ist ja nicht weg.


Baguette hat geschrieben:Zwei verschiedene Institute zu haben, die quasi dasselbe tun, kann man rational nicht begründen und daher vermutlich nicht lange aufrechtheralten.


Das deutsche Recht ist voll von Instituten, die auf geringfügig anderen Ausgangslagen berufen und die gleichen Rechtswirkungen entfalten, das geht schon. Übrigens bin ich nicht dafür, dass die Institute "quasi" dasselbe tun, sondern für exakt die gleiche Wirkung auf der rechtlichen Ebene. Wenn man stattdessen Homosexuelle heiraten lässt, soll mich das auch nicht großartig stören, die andere Lösung wäre mir halt nur geringfügig lieber...
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196902 von Baguette
09.06.2015, 20:37
Tic hat geschrieben:Ich sehe da wirklich keine Heuchelei. Die Ehe hat einerseits einen "rechtlichen" Wert (Der dem der ELP angeglichen sein sollte) und andererseits so etwas wie einen "kulturellen" Wert. Das sieht man in Deutschland gut an der schon angesprochenen Trennung zwischen kirchlicher und zivilrechtlicher Ehe. Ich bin uneingeschränkt dafür, Homosexuellen die gleichen Rechte zukommen zu lassen wie Heterosexuellen, aber kulturelle Gleichheit zu schaffen ist meiner Meinung nach schlicht nicht möglich - die Kirche wird ja trotz der Gleichstellung auch weiterhin keine homosexuellen Heiraten zulassen. Die Ehe ist nun mal seit ewig als die Verbindung von Mann und Frau definiert, und diese Tradition lässt sich nicht einfach durch die Änderung einer seit Jahrtausenden bestehenden, im Kern unveränderten Definition wegwischen. In sofern können und sollten wir meiner Meinung nach die kulturelle Identität der Ehe so lassen, wie sie ist.

Mein Problem mit diesem Argument ist eben, dass es quasi auf Fortsetzung einer alten Tradition um der Tradition willen beharrt. Keiner, der so argumentiert, kann rationale Gründe nachreichen - wie du es auch selbst in einem anderen Post zugibst. Allerdings finde ich auch die subjektiven Kriterien höchst zweifelhaft, die mich, um ein weiteres Mal schlechte Quervergleiche zu ziehen, an viele Leute in Vegetarismus-Debatten erinnern: "Ich könnte nie auf Fleisch verzichten" sagen da viele; die Aussage in diesem Fall würde etwa lauten: "Wenn Homosexuelle heiraten, wird meine eigene [heterosexuelle] Ehe beeinflusst". Man redet sich etwas ein, weil man irgendwie überzeugt ist, dass ein Bruch mit einer sehr alten Tradition wie der Ehe doch Konsequenzen haben muss. Und in der Hinsicht finde ich es nur richtig, solchem Aberglauben entgegenzusteuern.

Insgesamt ging es mir auch mehr um die Lage der Betroffenen (was für mich hier nur die Homosexuellen sind) als um etwaige Auswirkungen auf den Rest der Gesellschaft. Dass es durch die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe nicht zu einem weitreichenden Meinungsumschwung in Teilen der Bevölkerung kämeund dass so mancher Konservativer sich in seiner ablehnenden Haltung nocht bestärkt sähe, kann durchaus sein, da gebe ich dir recht.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196910 von Furanty
09.06.2015, 20:54
Tic hat geschrieben:*Nur ganz kurz: Es gibt einige Dinge, die in dem Idealbild der Väter und Mütter des Grundgesetzes von der Ehe zentral waren und die sich eigentlich nicht sinngemäß auf Homosexuelle anwenden lassen. Exemplarisch möchte ich hier die Steuererleichterungen nennen, die nicht unwesentlich den Zweck hatten, finanzielle Belastungen durch Kinder auszugleichen. Und - hier muss ich das nächste, doofe Totschlargument bemühen - Homosexuelle kriegen eben keine Kinder. Das gilt aber auch verstärkt für junge Akademikerehepaare, weswegen man hier über eine Reform des Ehegattensteuerrechts insgesamt nachdenken sollte, die Mehreinnahmen könnte man dann ja in Kitaplätze stecken, das würde Akademiker eh eher zum Kinderkriegen motivieren, verdienen tun die ja sowieso genug :D.

Das Problem bei den Steuererleichterungen für Ehepaare ist ja folgendes. Paare ohne Kinder kriegen diesen Steuervorteil aus dem einfachen Grund, weil sie heiraten. Damit könnte ich sogar noch leben, aber gerade strukturell benachteiligte Kinder, nämlich die von Alleinerziehenden, profitieren davon nicht und genau diese brauchen eigentlich jede Unterstützung. Das große Problem bei der Diskussion ums Ehegattensplitting ist, dass man immer nur mit kinderlosen Paaren argumentiert, dabei sind Kinder bei Nicht-Paaren doch das wirkliche Problem.

Im Übrigen ist unsere Verfassung nicht für die Ewigkeit geschrieben (sie war sogar sehr lange nur vorläufig). Die Verfassung kann jederzeit geändert werden (von Artikeln 1 und 20 abgesehen) und die Auslegung des Grundgesetzes ist aus gutem Grund Sache des Bundesverfassungsgericht. Die Lesart nach dem Willen der Verfassungseltern halte ich für völlig verkehrt und rückschrittsgewandt.

welches junge Mädchen träumt nicht von seiner Hochzeit?

Das finde ich im übrigen schon etws frech, denn natürlich träumen viele Mädchen und Jungen von ihrer Hochzeit, aber diesen wird sie dann Jahre später verweigert.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196924 von Tic
09.06.2015, 21:23
Baguette hat geschrieben:Mein Problem mit diesem Argument ist eben, dass es quasi auf Fortsetzung einer alten Tradition um der Tradition willen beharrt. Keiner, der so argumentiert, kann rationale Gründe nachreichen - wie du es auch selbst in einem anderen Post zugibst. Allerdings finde ich auch die subjektiven Kriterien höchst zweifelhaft, die mich, um ein weiteres Mal schlechte Quervergleiche zu ziehen, an viele Leute in Vegetarismus-Debatten erinnern: "Ich könnte nie auf Fleisch verzichten" sagen da viele; die Aussage in diesem Fall würde etwa lauten: "Wenn Homosexuelle heiraten, wird meine eigene [heterosexuelle] Ehe beeinflusst". Man redet sich etwas ein, weil man irgendwie überzeugt ist, dass ein Bruch mit einer sehr alten Tradition wie der Ehe doch Konsequenzen haben muss. Und in der Hinsicht finde ich es nur richtig, solchem Aberglauben entgegenzusteuern.

Insgesamt ging es mir auch mehr um die Lage der Betroffenen (was für mich hier nur die Homosexuellen sind) als um etwaige Auswirkungen auf den Rest der Gesellschaft. Dass es durch die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe nicht zu einem weitreichenden Meinungsumschwung in Teilen der Bevölkerung kämeund dass so mancher Konservativer sich in seiner ablehnenden Haltung nocht bestärkt sähe, kann durchaus sein, da gebe ich dir recht.


Darauf können wir uns mehr oder weniger einigen :)

Furanty hat geschrieben:Das Problem bei den Steuererleichterungen für Ehepaare ist ja folgendes. Paare ohne Kinder kriegen diesen Steuervorteil aus dem einfachen Grund, weil sie heiraten. Damit könnte ich sogar noch leben, aber gerade strukturell benachteiligte Kinder, nämlich die von Alleinerziehenden, profitieren davon nicht und genau diese brauchen eigentlich jede Unterstützung. Das große Problem bei der Diskussion ums Ehegattensplitting ist, dass man immer nur mit kinderlosen Paaren argumentiert, dabei sind Kinder bei Nicht-Paaren doch das wirkliche Problem.

Im Übrigen ist unsere Verfassung nicht für die Ewigkeit geschrieben (sie war sogar sehr lange nur vorläufig). Die Verfassung kann jederzeit geändert werden (von Artikeln 1 und 20 abgesehen) und die Auslegung des Grundgesetzes ist aus gutem Grund Sache des Bundesverfassungsgericht. Die Lesart nach dem Willen der Verfassungseltern halte ich für völlig verkehrt und rückschrittsgewandt.


Wir haben da inhaltlich die gleiche Meinung, das Ehegattensteuerrecht gehört, wie ich oben geschrieben habe, modernisiert. Das ist dann ja auch einfaches Gesetzesrecht, eine Verfassungsänderung wäre dazu nicht nötig.
Die Verfassung ist natürlich nicht für die Ewigkeit geschrieben, aber an die Änderung gerade der Grundrechte sind harte Hürden zu Nehmen, die - im Hinblick auf die Abschaffung der Ehe - mit Union und gerade auch den Richtern am Bundesverfassungsgericht in absehbarer Zeit nicht zu nehmen sind - mehr habe ich nie behauptet
Die Frage nach dem ursprünglichen Sinn und Zweck der Norm halte ich ehrlich gesagt nicht für rückschrittsgewandt - es ist schon wichtig, sich zu fragen, was die Gesetzesgeber mit dem Gesetz bezwecken wollten. So kann man z.B. in diesem Fall gut sehen, dass die Regelung ihre Brauchbarkeit verloren hat, und sie so modernisieren. Das ist nicht Rückschritt, sondern Fortschritt.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196939 von Furanty
09.06.2015, 21:55
Tic hat geschrieben:Die Frage nach dem ursprünglichen Sinn und Zweck der Norm halte ich ehrlich gesagt nicht für rückschrittsgewandt - es ist schon wichtig, sich zu fragen, was die Gesetzesgeber mit dem Gesetz bezwecken wollten. So kann man z.B. in diesem Fall gut sehen, dass die Regelung ihre Brauchbarkeit verloren hat, und sie so modernisieren. Das ist nicht Rückschritt, sondern Fortschritt.

Okay, dann zeige ich dir mal was anderes auf. Die Religionsfreiheit in der Verfassung ist vor allem der früheren Bikonfessionalität Deutschlands geschuldet. Wir haben traditionell katholische und traditionell reformierte Gebiete und in der Weimerer Republik gab es katholische und reformierte Parteien. Die Religionsfreiheit war nie für die Millionen von Muslimen da, aber natürlich musste es so kommen, dass die Religionsfreiheit für alle Religionen zutrifft, was ja auch die einzige sinnvolle Möglichkeit ist. Aber noch vor 100 Jahren wäre der Islam in Deutschland sicher nicht unter die Religionsfreiheit gefallen.
Dieses Beispiel gilt in den USA übrigens noch viel mehr, zu mal dort auch die originalistische Lesart sehr viel stärker vertreten wird als in Deutschland.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196944 von dyna
09.06.2015, 22:09
Tic hat geschrieben:Die Frage nach dem ursprünglichen Sinn und Zweck der Norm halte ich ehrlich gesagt nicht für rückschrittsgewandt - es ist schon wichtig, sich zu fragen, was die Gesetzesgeber mit dem Gesetz bezwecken wollten. So kann man z.B. in diesem Fall gut sehen, dass die Regelung ihre Brauchbarkeit verloren hat, und sie so modernisieren. Das ist nicht Rückschritt, sondern Fortschritt.
Nur ganz kurz: Im Zusammenhang mit Homosexualität kann und sollte man mMn die Meinung unserer (Ur-)Großvatergeneration völlig ignorieren. Homosexualität galt nach dem Krieg noch eine ganze Zeit als psychische Störung oder Krankheit - was also die Väter des Grundgesetzes von der Homoehe gehalten hätten, ist mir ziemlich egal.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1196979 von Ash
10.06.2015, 01:40
Auch auf die Gefahr hin, mich hier noch unbeliebter zu machen als ich es bei manchen sowieso nicht schon bin, spreche ich mich gegen eine Homo-Ehe aus. Während es in diesem Thema eher um die rechtliche Grundlage einer gleichgeschlechtlichen Ehe geht, möchte ich mich an der Stelle sehr sehr sehr kurz zum allgemeinen Thema Partnerschaft äussern, welches den Ursprung noch etwas weiter hat - auch dagegen, weil eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft, auch wenn sie noch so romantisch veranlagt ist oder noch so oft bei Pinguinen in freier Wildbahn vorkommt in meinen Augen eine Einstellung ist, die sich die Menschen aus mir, und vermutlich auch der Wissenschaft, unerklärten Gründen zu einem Thema entwickelt hat und mittlerweile Kult-Status geniesst.

Ich bin religiös aufgewachsen und finde das soweit in Ordnung. Selbstverständlich kann auch ich nicht die Existenz meines mir "zugewiesenen Gottes" beweisen und hinterfrage selbst in längeren Sequenzen am See oder bei Gesprächen mit Kollegen den Sinn des Lebens oder den Grund unseres Daseins. Man könnte fast sagen, ich sei ein religiöser Vertreter der Wissenschaft - solange nicht bewiesen ist, dass es dort oben den Big Boss gibt, gibt es nichts was dagegen spricht. Ob die heiligen Bücher von Menschenhand, Gotteshand oder einer Ziege geschrieben wurden spielt hier mal keine Rolle. Deshalb und auch nur deshalb bin ich der Meinung, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften etwas sind, was nicht von der Natur in unserer Evolution einkalkuliert wurde und deshalb eine Diskussion entstanden ist ob das denn korrekt ist oder nicht - ich sag nein.

Nichtsdestotrotz ändert das nichts an der Tatsache dass wir mittlerweile an einem Punkt in unserer Evolution angekommen sind, an der das Gewissen entscheidet wie es weiter geht. Wird die Homo-Ehe ein Teil unserer Gesellschaft, so müssen wir damit leben dass es immer Leute geben wird, die ihre Kinder dagegen erziehen und ihnen etwas auf Ihren Lebensweg mitgeben werden: Die Homo-Ehe ist nicht korrekt. Auch wenn Neil Patrick Harris ein echt geiler Typ ist und echt süss aussieht mit seinen Mädels - so ändert dies nichts an der Tatsache, dass ich von der Sache x nichts halte. Auch nicht, wenn sich plötzlich ein Haufen Fussballer zu ihrer Sexualität bekennen. Hier geht es eher um die Gesetze und die Macht (?) die wir den gleichgeschlechtlichen Paaren mitgeben. Haben Sie die gleichen Rechte wie Hetero-Paare? Dürfen Sie x und y nicht? Warum dürfen Sie das nicht? Sind sie wegen dem erlaubten Thema q eine Zumutung für die Gesellschaft? Was ist mit Kindern? Bekommen die welche?

Es wäre interessant zu sehen, wie die Bevölkerungen von Ländern mit direkter Demokratie abstimmen würden. Da dort der Nerv der Zeit am besten getroffen wird und man nicht die Meinung nach komischen Portionen vertritt und nicht andere Leute wählen lässt, käme eine Abstimmung dort am besten zur Geltung. Ich möchte nicht ausschliessen, dass das Thema in der aktuellen Situation in grossen Ländern Zustimmung finden würde.

Long story short: Jo, ich spreche mich dagegen aus - auch wenn ich in keinem der Länder Stimmrechte habe, haha. Mir gefällt aber der Beitrag von Tic sehr. Sind einige Elemente dabei, die mir zusagen - obwohl seine in eine etwas andere Richtung gehen als meine.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1197128 von Simlopen
10.06.2015, 21:24
Jeder hat das Recht auf die Heirat seines Traumpartners :)
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1197152 von Baguette
10.06.2015, 22:50
Ash hat geschrieben:Deshalb und auch nur deshalb bin ich der Meinung, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften etwas sind, was nicht von der Natur in unserer Evolution einkalkuliert wurde und deshalb eine Diskussion entstanden ist ob das denn korrekt ist oder nicht - ich sag nein.

Weshalb jetzt? Sorry für die blöde Frage, aber mir wird das weder aus dem, was du vorher, noch aus dem, was du danach geschrieben hast, ersichtlich. Inwiefern wäre die Homo-Ehe nicht "korrekt"?

Auf die Gefahr hin, etwas ins Offtopic zu geraten: Im Allgemeinen finde ich solche Argumente, die etwas anhand seiner "Natürlichkeit" bewerten wollen, sehr unbrauchbar. Auch hier kann ich aus Vegetarismus-Debatten zitieren, in denen wirklich sehr oft sowas gesagt wird wie: "Der Mensch hat ein Pflanzenfressergebiss" und "der Mensch kann kein rohes Fleisch verdauen" , woraufhin dann mit den Schneidezähnen gekontert werden, die dem Gebiss eines Karnivoren entsprechen etc. Der Punkt ist, dass der Mensch an so vielen Punkten die Natur nicht nur überwunden, sondern bisweilen verändert oder sogar umgekehrt hat, dass es einfach lächerlich und heuchlerisch ist, in einer betimmten Sache dann auf Einhaltung der natürlichen Gegebenheiten zu beharren. Wir sind uns doch vermutlich einig darin, dass der Mensch zu eigenständigem Denken fähig und damit nicht auf Einhaltung dessen, was sich evolutionär entwickelt hat, angewiesen ist.

Aber das nur am Rande.
Zuletzt geändert von Baguette am 11.06.2015, 01:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1197158 von Ash
10.06.2015, 23:53
Es mag durchaus sein, dass sich unser Intellekt im Verlauf der Evolution entwickelt und uns mit Werkzeugen ausgerüstet hat, die jene von Tieren oder anderen Lebewesen um ein Vielfaches überschreiten. Während die eine Person der Meinung ist, dass unser Sinn des Lebens darin besteht uns fortzupflanzen, kann jemand anders der Meinung sein, dass der Sinn des Lebens darin besteht unsere körperlichen und geistigen Möglichkeiten so gut wie möglich zum Wohle der Menschheit und Welt einzusetzen. Der menschliche Körper ist im Sinne der Schöpfung für ein Aufeinandertreffen zwischen Männlein und Weiblein ausgelegt. Alles andere sind im Endeffekt Luxusgüter, die sich im Laufe der Entstehung der Menschheit gebildet haben.

Ob wir mit den Möglichkeiten die uns zur Verfügung stehen, Sachen und Gesetze beschliessen, die jeder Mensch anders gewichtet, liegt im Endeffekt dann doch in den Händen der Masse, der wir folgen.

In diesem Sinne klinke ich mich aus - Cheerio.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1197174 von IloveSnibunna
11.06.2015, 11:15
So, ich möchte auch mal meine Meinung dazu sagen:
Gegen Homo-Ehen habe ich absolut nichts einzuwenden. Wenn die Natur es so will, dann interessiert es einfach keinen, was Kirche oder Regierung oder sonst wer dazu sagen. Auch die ganzen Beschimpfungen wie "Schwuchtel" machen es ganz deutlich, dass viele einfach ein Problem mit Homosexuellen haben. Und das obwohl, es das schon ewig lange gibt. Nur früher ging man nicht so offen damit um. Jetzt ist es eben für viele "neu", nur weil es früher nicht so das Thema war. Ich weiß auch nicht, was eigentlich das Problem hier in Deutschland ist. So viele Länder haben die Homo-Ehe legalisiert. Und haben sie deswegen jetzt einen Schaden? Ich würde sagen nein. Außerdem wüsste ich nicht, was es die Leute eingentlich angeht. Wenn jemand so fühlt, sollte man ihn lassen und ihn nicht verspotten. So läuft Mobbing auch, wenn einer die Meinung des anderen nicht akzeptiert.
Und:
Da spricht man von irgendwelchen Zwangshochzeiten in welchen Land auch immer (man kann sich ja einmischen), aber in Deutschland werden Ehen sogar verboten, wenn man das gleiche Geschlecht hat. Naja, vielleicht kommen ja Fortschritte, nachdem wir die Euro-Krise überstanden haben...

PS: Sorry, falls ich was wiederhole, hab die anderen Beiträge nur überflogen.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1197180 von Saschky
11.06.2015, 12:32
IloveSnibunna hat geschrieben: Wenn die Natur es so will, dann interessiert es einfach keinen, was Kirche oder Regierung oder sonst wer dazu sagen.

Sorry aber ??? Der Mensch an sich hat doch schon lange seine eigene Natur, die er über alles stellt.

Wenn wir machen würden was die Natur will würden wir im Einklang leben und leben lassen. :]

Klar sind wir in einer Zeit angekommen wo es für die eigene Existenz nicht mehr wichtig ist viele Nachkommen zu haben. Der Familiengedanke wie er einst mal war verliert an Wert und es denkt jeder nur noch an sich. Das Ich und die Gegenwart stehen im Mittelpunkt des Denkens und nicht mehr der Blick in die Zukunft. Gerade bei so einer Sache wie der Homosexualität, ich will damit nicht sagen das ich dagegen bin.

Ich finde es gut, dass unsere Zeit weniger Zwängen unterliegt und das wir mehr oder weniger eine Spaßgeneration sind. Wir wollen keine Kriege und wir wollen Gleichberechtigung für alle. Aber erreicht man Gleichberechtigung nur wenn man diejenigen umstimmt die anderer Meinung sind? Warum also nicht ein paralleles Konzept mit gleichen Rechten, warum anderen etwas aufzwingen? Können die Gläubigen doch die Ehe behalten. Ich sag mal wenn die Lebenspartnerschaft die selben Rechte hat, müssen doch auch Mann und Frau nicht mehr den Bund der Ehe schließen. Der Rest ergibt sich mit der Zeit. ;)
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1197181 von Platurt
11.06.2015, 12:50
@Snibunna: Nennt mich naiv, aber ich habe nicht das Gefühl dass Homophobie der Grund ist, dass wir die Homo-Ehe noch nicht legalisiert haben. (Ebenso finde ich dass Beleidigungen wie Schwuchtel auch nicht unbedingt aus Homophobie entstehen bzw. diese fördern, aber das ist wohl ein anderes Thema)

Ich bekomme tatsächliche Schwulenfeindlichkeit einfach nicht in dem Level mit, dass sie politisch allzu große Auswirkungen haben sollte. Klar, bin ja auch nicht selber davon betroffen und ich bin mir sicher es gibt sie zu genüge, aber die gemeine Meinung kommt mir doch sehr progressiv vor. Und wenn Menschen sich gegen die Homo-Ehe aussprechen dann schätze ich mal liegt das deutlich häufiger am Wunsch, alte Traditionen beizubehalten als an der Tatsache, dass man Homosexuelle einfach nicht mag. Da alle Gegner der Homo-Ehe in eine Schublade zu stecken hindert mMn jeglichen Fortschritt. (Finde es daher auch echt cool dass hier so erwachsen diskutiert wird. So eine Offenheit für unterschiedliche Meinungen trifft man generell eher selten und im Internet fast nie.)

@Oben: Ich glaube mit "Wenn die Natur es so will" hat sie eher den Lauf der Dinge und wie die Gesellschaft sich entwickelt gemeint, anstatt zurück auf eine animalische Zeit hinzuweisen^^
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1197185 von Baguette
11.06.2015, 13:43
IloveSnibunna hat geschrieben: Ich weiß auch nicht, was eigentlich das Problem hier in Deutschland ist. So viele Länder haben die Homo-Ehe legalisiert. Und haben sie deswegen jetzt einen Schaden

Gute Frage eigentlich, ich habe selbst noch fast keine Nachforschung dahingehend bemüht. Umfragen zu etwaigen Meinungsänderungen bzw. allgemeinen Eindrücken zur Einführung der Homoehe "und was diese mit sich gebracht hat" dürfte es wohl in mehreren Ländern geben. Da es sich bei der Homo-Ehe aber ausnahmslos überall um eine relativ neue Sache handelt (tatsächlich eine "Erfindung" des 21. Jahrhunderts, erstmalig eingeführt von unseren holländischen Nachbarn im Jahr 2001), wird es einige Zeit dauern, bis man sieht, wie die nächsten Generationen zum Thema stehen, die ihr gesamtes Leben mit der Homo-Ehe gelebt haben.

Was folgt handelt nur marginal von der gleichgeschlechtlichen Ehe und befasst sich eher konkret mit Adoption und anderen Ausschweifungen, die ich niederschreibe, weil ich schon zu lange wach bin.

Bei allen Pro- bzw. Contra-Contra-Argumenten, die ich bisher genannt habe, will ich an dieser Stelle aber betonen, dass ich in Sachen Adoptinsrecht - das in der völligen Angleichung der Rechte umfassend inbegriffen wäre - mindestens insoweit meine Zustimmung zurückhalte, als ich noch keine Literatur dazu gelesen habe. Im Zweifelsfalle spreche ich mich dagegen aus, mit Kindern zu "experimentieren" - wenngleich wir natürlich in zahlreichen Fällen bereits verstümmelte Elternkonstellation vorfinden, so könnte ich es nicht gutheißen, auf dieser Basis das vollwertige Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare zu legitimieren. In dieser Hinsicht unterscheide ich da auch von dem zugegebenermaßen ähnlichen Argument pro Homo-Ehe, das wiederum das Contra-Argument "Ehe heißt Kinderkriegen" totschlägt, da dies konsequenterweise sowas wie Fruchtbarkeitstests, Heiratsverbote für Frauen ab Mitte Vierzig, Ehe-Auflösung bei Kinderlosigkeit etc. zur Folge hätte. Als jemand, der ohne Vater und ohne richtige männliche Ersatzfigur aufgewachsen ist, kann ich zumindest nachvollziehen, was möglicherweise schlecht für ein Kind eines gleichgeschlechtlichen Paares wäre. Um jedem Misverständnis vorzubeugen, weise ich an dieser Stelle darauf hin, dass ich natürlich nicht das Fehlen von Vater oder Mutter mit dem Vorhandensein von zwei Vätern/Müttern gleichsetze. Mir ist sehr klar, dass 1. ein beachtlicher Aspekt des Elterntums eben darin besteht, dass es zwei Menschen sind, die zwei [unterschiedliche] Meinungen haben können; sie bieten zwei Anlaufstellen für Probleme; die Elternteile bremsen sich auch gegenseitig aus (vllt. das größte Problem meiner eigenen Situation war, dass ich meiner Mutter stets alleine ausgeliefert war). 2. werden in der Praxis gleichgeschlechtliche Paare wohl genauso wenig zwei Väter bzw. zwei Mütter (in dem Sinne, dass sie wirklich zwei Mal das gleiche sind) für das Kind sein wie es bei natürlichen Eltern der Fall ist. Die Frage ist da eben, inwieweit a) das Kind dahingehend Bedürfnisse hat, b) (falls die Bedürfnisse vorhanden sind) die gg. Eltern diese erfüllen können und c) das Kind wiederum diese Bemühungen wahrnehmen kann. Wie gesagt, ich müsste mich erst intensiv in das Thema einlesen und empirisches Wissen aufnehmen, bevor ich da eine konkrete Aussage zu machen kann.

Wo in der Zwischenzeit nochmal gepostet wurde:
Platurt hat geschrieben:@Snibunna: Nennt mich naiv, aber ich habe nicht das Gefühl dass Homophobie der Grund ist, dass wir die Homo-Ehe noch nicht legalisiert haben. (Ebenso finde ich dass Beleidigungen wie Schwuchtel auch nicht unbedingt aus Homophobie entstehen bzw. diese fördern, aber das ist wohl ein anderes Thema)

Ich bekomme tatsächliche Schwulenfeindlichkeit einfach nicht in dem Level mit, dass sie politisch allzu große Auswirkungen haben sollte. Klar, bin ja auch nicht selber davon betroffen und ich bin mir sicher es gibt sie zu genüge, aber die gemeine Meinung kommt mir doch sehr progressiv vor. Und wenn Menschen sich gegen die Homo-Ehe aussprechen dann schätze ich mal liegt das deutlich häufiger am Wunsch, alte Traditionen beizubehalten als an der Tatsache, dass man Homosexuelle einfach nicht mag. Da alle Gegner der Homo-Ehe in eine Schublade zu stecken hindert mMn jeglichen Fortschritt. (Finde es daher auch echt cool dass hier so erwachsen diskutiert wird.


Wenn ich hier Spitzenpolitiker (Bundestag) als Repräsentanten eines relativ breiten Spektrums an Meinungen setzen darf, dann stimmt zumindest in der Öffentlichkeit dein Bild des Erhaltungswillens im Gegensatz zur "Homophobie". Die Frage ist natürlich, wie viele derer, die vor Publikum bloß von der Tradition der Ehe sprechen, zu Hause unter Freunden ihre Abneigung gegenüber Homosexuellen (und eigentlich LGBTs im Gesamten). Unabhängig von dieser Dunkelziffer würde ich aber ein positives Fazit aus der Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte ziehen und bin überzeugt davon, dass Politiker (und auch Teile des gemeinen Pöbels) ihre Ansichten tatsächlich geändert haben; dass viele, die heute neutral oder sogar positiv zu solchen Themen stehen, früher aber noch ganz andere Töne anschlugen - ohne Beispiele nennen zu können, bin ich sicher, dass es solcher Leute viele gibt -, dies auch so meinen.


Insgesamt hadere ich manchmal insofern ein wenig mit dem Thema (besonders dann, wenn es um Adoption geht), als ich mich frage: Warum nur diese Minderheit? Es gibt so viele Minderheiten, von denen vermutlich die meisten ihre Rechte verbessert sehen wollen (Inzest-Ehen und Vielehen als gerade aktuelle Beispiele analog zur Homo-Ehe (ich entschuldige mich übrigens für diese, wie ich finde, recht ungalanten Bezeichnungen)), warum diskutieren wir also mit solcher Priorität nur über die eine?
Einerseits, da wir in einer Demokratie leben und - ich bleibe bei meinen Quervergleichen - schließlich sowas wie Marktwirtschaft befürworten, muss wohl für eine Diskussion mit Resonanz auch eine entsprechende Nachfrage vorhanden sein. Für manche Themen ist es womöglich auch einfach zu früh; ich kann mir gut vorstellen, dass vielleicht in 50 Jahren, wenn die Rechte der Homosexuellen längst geklärt sind, andere "Gruppen" ihre Stimmen erheben und ähnliche Prozesse beginnen. Andererseits ist es wohl auch kein Zufall, dass Homosexualität gerade jetzt und in diesem doch beachtlichem Tempo "gesetzlich bearbeitet" wird. Sie war vor allem religiös bis Mitte des 20. Jahrhunderts überall kriminalisiert, profitierte anschließend enorm vom Demokratisieruns- sowie Säkularisierungsprozess, von der antiautoritäre Nachkriegsgeneration. Hinzu kommt, wie ich finde, die jahrzehntelange "Vorbereitung" im Untergrund, als vor allem mit dem zwanzigsten Jahrhundert Homosexualität zB in der künstlerischen Avantgarde (ob nun Musik, bildende Kunst, Film oder anderes) Anerkennung genoss. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann sich dieser Einfluss allmählich ins Establishment zu schleichen, bis es irgendwann (spätestens mit der Jahrtausendwende) zu einer Eruption kam. Letztendlich wird wohl auch der (kommunikations)technische Fortschritt zum raschen Tempo beigetragen haben. Naja, soviel jedenfalls zu ein paar Gedanken, die ich gerade zu diesem Thema hatte. Wäre sicher interessant, das alles ein wenig faktenbasierter und generell ausführlicher zu untersuchen (was sicher schon viele Leute getan haben).

Wer auch immer bis hierhin gelesen hat, wird nun dankend entlassen und gern dazu angehalten, einen Kommentar zu verfassen.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1199377 von Platurt
26.06.2015, 21:46
Jetzt wo Amerika es uns vorgemacht hat ( :trumpet: ) call ich einfach mal den Februar 2016 als Monat in dem Homo-Ehe in Deutschland legal wird^^
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1199387 von AzumarillFTWrofl
26.06.2015, 21:59
Danke für eure vielen Antworten, die auch alle ein schönes Niveau haben. Riesenlob an das Diskussionsklima auf Pokefans. Da können sich selbst große Bildungsplattformen eine Scheibe von abschneiden. :up:

Und jap, die USA gehören jetzt auch "nationwide" zu den Ländern, die die Homo-Ehe legalisiert haben.

Ich glaub aber nicht, dass das jetzt mehr Einfluss auf Deutschland haben wird als die Volksabstimmung in Irland. Das Pikante an Irland war ja, dass es ein erzkatholisches Land ist und es somit peinlich ist, dass wir noch verschlossener sind als ebendieses Land :D Ich glaub also nicht, dass die Stimmen in Deutschland jetzt durch die Legalisierung in den USA noch lauter werden.

In dieser Legislaturperiode wird es meiner Meinung nach nicht passieren. Da sind unsere christlichen Parteien einfach zu christlich. Ich kann mir vorstellen, dass es zur nächsten Bundestagswahl 2017 ein dominantes Wahlkampfthema sein wird. Mit Rot-Grün würde die Homo-Ehe definitiv sofort legalisiert werden. Vielleicht zieht die Union dann auch nach, weil sie keine Wähler verlieren wollen.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1290507 von AzumarillFTWrofl
28.06.2017, 19:42
Aus aktuellem Anlass:
EHE FÜR ALLE ab Freitag in Deutschland?

An diesem Freitag wird der Bundestag über die "Ehe für alle" abstimmen. Vor fast genau zwei Jahren haben wir hier auf Pokefans debattiert, ob die Homo-Ehe noch in dieser Legislaturperiode bei uns erlaubt werden wird. Lange hat es sich hingezogen - im September ist die nächste Bundestagswahl. Doch nachdem erst Grüne und dann auch SPD, Linke und FDP angekündigt haben, keine Koalition eingehen zu werden, sofern die Legalisierung der "Ehe für alle" kein Bestandteil davon ist, hat bei Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Umdenken stattgefunden. Sie erklärte das Thema für eine "individuelle Gewissensentscheidung" und lässt ihre Abgeordneten daher ohne Fraktionszwang abstimmen, heißt: Unionspolitiker dürfen frei und für sich entscheiden, ohne sich der allgemeinen Meinung der Union beugen zu müssen. In den Jahrzehnten davor scheiterten alle Anstöße meistens an der CDU+CSU, die unisono dagegenstimmten. Satte 30 Mal wurde die Entscheidung deshalb schon vertagt, obwohl Politiker und Bevölkerung sich schon lange mehrheitlich für eine Gleichstellung aussprechen. Am Freitag soll es nun endlich soweit sein.

Einer endgültigen Gleichstellung aller Paare steht somit kaum noch was im Wege: Allein die Abgeordneten der SPD, Grüne und Linke würden im Bundestag schon auf eine Mehrheit von 321 Stimmen kommen (gegen theoretisch 309 Stimmen der Union, von denen viele aber auch für "Ja" stimmen werden). Bei einem "Ja" soll z.B. im Bürgerlichen Gesetzbuch der Satz "Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen" geändert werden. Künftig soll es dort heißen: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen".

Gegner der "Ehe für alle" fühlen sich von dieser Methodik überrumpelt und halten es für eine vorschnelle, undemokratische, erzwungene Entscheidung. Andererseits wurde diese Entscheidung ja bereits 30-mal vertagt, ist seit Jahrzehnten groß debattiert worden und Umfragen zufolge eindeutiger Volkswille.

Was haltet ihr von den Geschehnissen der letzten Tage? Was erwartet ihr euch vom Freitag? Wird die Union doch im Gleichschritt mit "Nein" stimmen und auf Enthaltungen/Abwesenheiten der anderen Parteien hoffen? Wie kann man ein geschlossenes "Nein" in der heutigen Zeit überhaupt noch begründen, wenn selbst 64% der CDU/CSU-Wähler für "Ja" sind? Und ist es wahlkampftaktisch unklug von der Bundeskanzlerin, der Opposition nachzugeben, oder ist es sogar sehr klug, der Opposition noch vor der Wahl ein wichtiges Wahlkampfthema wegzunehmen?
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1290511 von dyna
28.06.2017, 21:57
Schon verrückt, dass es ein Event der "Brigitte" braucht, um diesen Stein hoffentlich endgültig ins Rollen zu bringen. Ich halte es auf jeden Fall für die richtige Entscheidung von Martin Schulz und der SPD, die Gelegenheit zu nutzen, bevor die Ehe für alle nach der Wahl dann doch wieder aus dem Koalitionsvertrag zwischen Union+X (offen gestanden schätze ich Schulz' Chancen auf die Kanzlerschaft nach wie vor ziemlich gering ein) herausverhandelt wird, weil die CSU wieder einmal Maut-Style einen ihrer Punkte auf Teufel komm raus durchdrücken will. Und bei der Maut hat man ja auch gesehen, dass ihr das auch gegen explizite Aussagen Merkels vor der Wahl möglicherweise gelingen würde.

Dass ich die Ehe für alle für längst überfällig halte, konnte man ja aus dem ersten Absatz ablesen. Ich sehe schlicht und ergreifend keinerlei gute Gründe für die Bevorzugung heterosexueller Ehen - dass nun auch Schwule und Lesben heiraten dürfen, wertet die Hetero-Ehe weiß Gott nicht ab und ich halte es für eher unwahrscheinlich, dass wir aussterben, weil plötzlich halb Deutschland schwul wird. Das Argument, die Ehe in ihrer jetzigen Form fördere Paare mit Nachwuchswünschen, finde ich ebenfalls nicht haltbar: Es bleiben doch auch viele Hetero-Paare kinderlos, sei es weil sie keine Kinder wollen (soll's ja auch geben - Leute, die keine Kinder mögen ^^), weil sie befürchten, Kind und Karriere nicht vereinbaren zu können, oder aus welchen Gründen auch immer. Und andersherum - warum sollten Menschen mit Kinderwunsch sich nun umentscheiden, nur weil Klaus und Peter sich jetzt auch "offiziell" ein Ehepaar nennen dürfen? Vernünftiger, als diese sinnlose Diskriminierung aufrechtzuerhalten, fände ich, wenn die steuerlichen Vorteile für Ehepaare teilweise umgelagert werden auf die Unterstützung von Kindern. Dass eine Ehe geldwerte Vorteile mit sich bringt, halte ich für OK, schließlich beinhaltet sie ja auch eine Fürsorgepflicht zwischen den Partnern. Aber wenn es darum geht, Kinder zu unterstützen, stelle ich mir die Frage, warum man nicht ausdrücklich Familien mit Kindern fördert. ;)

€: Oh geez, ich habe völlig vergessen, dass ich ja schon mal in diesem Thread geschrieben habe und sich sicherlich einiges in meiner Argumentation wiederholt :/ Sorry!
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1290546 von gasi
29.06.2017, 22:30
Gute Sache und extrem klug, dass man die Gunst der Stunde genutzt hat, um den Gesetzesentwurf nun durchzubringen. Endlich, nach so vielen Jahren.

Wobei ich hier erwähnen möchte: Ich sehe keineswegs ein Umdenken von Merkel. Sie hat letztendlich dem Druck aller möglichen Koalitionspartner nachgegeben und wollte bei diesem Event vermeiden, dass man sie schlecht darstellen könnte. Die Aussagen waren schwammig und in beide Richtungen geöffnet, damit weder die (stark) konservativen, noch die eher progressiven Wähler verschreckt werden. Die so schnell kommende Abstimmung war sicherlich nicht in ihrem Interesse.

Es ist eigentlich sogar traurig, dass eine Bundeskanzlerin bei solch wichtigen gesellschaftspolitischen Themen über Jahre hinweg durchweg nur mit ihrem "Bauchgefühl" argumentiert hat, im Endeffekt keine Stellung beziehen wollte. Auch die Tatsache, dass sie in ihrer Antwort mehr oder weniger angeprangert hat, dass dieses Thema nun im Wahlkampf aufkommt, finde ich einer Regierungschefin eines demokratischen Landes unwürdig. Unter anderem mit diesem Verhalten hat sie dazu beigetragen, dass eine wirkliche Debatte auf parlamentarischer Ebene nicht zustande gekommen ist. Darum ist es auch lachhaft, dass so manche Politiker der Union plötzlich von einem undemokratisch erzwungenen Entscheidung sprechen. Dabei haben sie doch mit ihrem Verhalten ein solches Manöver herbeigeführt. Wie dyna nämlich schon gesagt hat: Das Risiko, dass gerade die CSU ihren fragwürdigen Willen in Koalitionsverhandlungen durchdrückt, ist sehr hoch.

Wie auch immer: Tolle Sache, ich freue mich. Persönlich wird sich für mich nichts ändern, aber das ist egal. Deutschland wird morgen ein kleines Stück gerechter - und das ist gut so.
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Re: Homo-Ehe in Deutschland?

#1290551 von Jonkins99
30.06.2017, 00:10
Nur ein ganz kurzes Statement:
Ich bin persönlich nicht betroffen und habe auch soweit ich weiß niemanden im Freundeskreis für den die Gesetzesänderung direkte Auswirkung hätte. Es freut mich aber dennoch sehr, dass diese vollkommen veraltete Regelung der Vergangenheit angehören wird. Es war eine Frechheit von Gleichberechtigung aller in Deutschland zu predigen, obwohl solche Schranken existieren. Die Homo-Ehe und die Drogen-Politik waren und bleiben zwei Gründe warum ich die aktuelle CDU niemals guten Gewissens hätte wählen können. Das Merkel vor der Wahl bei dem Druck der anderen Parteien so einknickt und das auch noch auf so eine vorsichtige Art ("ja niemanden verärgern") finde ich aber auch nicht sehr konsequent. Das ganze Koalitionsgehabe in Deutschland stört mich eh. Parteien weichen von ihren Versprechen ab nur um "mitzuregieren" und sprechen im Bundestag sogar ganz offen davon, dass man anderer Meinung sei aber Vorschläge ablehnen müsse, weil man in einem Koalitionsbündnis stehe. Da verlieren Parteien doch vollkommen ihren Charakter.
Aber dennoch, hoffen wir, dass heute alles gut über die Bühne geht und diese Sache endlich vom Tisch ist.
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