Schreibe eigene Geschichten über Pokémon und deine Lieblings-Charaktere.

Der Ring der Lickitungen [abge...

#1307021 von Soemwriter
29.05.2018, 12:29
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Vorwort


Hallihallo ihr Lieben,

letztes Jahr habe ich für ein Sommerzeltlager eine recht bekannte Sage als kleine Gute-Nacht-Geschichte aufbereitet. Jetzt kam mir die Idee, diese mit euch hier zu teilen. Selbstverständlich habe ich die Charaktere dem Forum entsprechend angepasst und die etwas brutal geratenen Stellen gewissenhaft zensiert - ich warne hier jedoch vor, dass sich Blut und Tod nicht vollends aus der Geschichte verbannen ließen, ohne weitreichende Änderungen vorzunehmen. So etwas gehört nunmal in gewissem Maße zu mittelalterlichen Legenden dazu. Für Kenner der Sage sei vorgemerkt, dass sie sich aus dramaturgischen Gründen vom "Original" abgrenzt, eher an einer Verfilmung (2004) orientiert und aufgrund der gewollten Aufteilungen in sechs Kapitel gewisse Aspekte der Geschichte wegfallen oder kürzer treten mussten. Der Text stammt jedoch komplett von mir.


Kapitel 1 - Das Krebutack und sein Geselle

Tretet näher heran, denn ich will euch eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte voll von Mut und Tapferkeit, reich an Liebe und Ruhm, aber auch an Intrigen und Blut. Dies ist die Geschichte um das Lickitungengold.

Es war ein fröhlicher Morgen, als Igamaro aus seinem Zimmer trat und durch die Gänge der Burg huschte. Trotz der frühen Stunde herrschte schon ein geschäftiges Treiben, denn schließlich musste Sabbaione das Brot für das königliche Frühstück backen, die Zurrokex-Stallburschen mussten die Reittiere versorgen, Blubella-Bedienstete kauften auf dem Markt Eier, Milch und Käse – der ganze Hofstaat arbeitete emsig.
Igamaro war der jüngere Bruder des Königs Igastarnish zu Kalos und somit von fürstlicher Abstammung. Als er den Speiseraum betrat, war jedoch nur seine Schwester Fruyal bereits an der Tafel. Er begrüßte sie freundlich und setzte sich zu ihr. Fruyal galt im ganzen Land als die größte Schönheit weit und breit. Doch war es nicht ihr leuchtendes, grünes Haar, nicht ihre violettroten Lippen, ihre rosanen Augen oder ihre übermäßige Freundlichkeit, der sie den Ruf verdankte: jedem der sie sah war es, als würde sie von innen heraus majestätisch strahlen wie eine Sonne. Allerdings hatte sie bislang keine Anstalten gemacht, auch nur einen Freier zu empfangen.
Es dauerte nicht lange, da gesellten sich auch ihre Mutter und der große Bruder zum Frühstück, sowie der engste Berater der Familie: Snibunna. Snibunna war ein großer und starker Ritter und diente der Familie schon bevor Igastarnish geboren war. Er erzog die Jungen anständig auch nachdem der alte König gestorben war und für die beiden Königssöhne schien er fast wie ein zweiter Vater – oder manchmal doch eher wie der unheimliche und viel zu strenge Onkel. Und heute blickte Snibunna besonders grimmig drein, denn schon wieder hatte der Drache Dragoran ein ganzes Dorf im Königreich niedergebrannt. Viel zu lange wütete die Kreatur schon in den Landen, doch kein tapferer Recke konnte ihn bislang erschlagen.
Deswegen hatte Igastarnish sich in den Kopf gesetzt, den Drachen eigenhändig niederzuringen. Er wollte mit allen seinen Rittern ausreiten, sobald der Schmied endlich mit den bestellten Schwertern kam. Meister Krebutack war über die Grenzen der Länder bekannt für seine Schmiedekunst und sollte deshalb einhundert Schwerter für die Drachenjagd schmieden. Sehnsüchtig wartete man auf die Lieferung, die doch tatsächlich an diesem Tage eintreffen sollte.

Igamaro übte gerade den Schwertkampf auf dem Hof der Burg, als der große Wagen von zwei Tauros auf den Hof gezogen wurde. Igamaro war so konzentriert, dass er das junge Laukaps gar nicht beachtete, das ihn beobachtet hatte und dann näher gekommen war, um seine Haltung zu korrigieren. Doch Igamaro erzürnte sich sehr über den Ratschlag. Was wusste ein junger Käfer denn vom Schwertkampf? So wie er aussah, war er ein einfacher Schmiedegeselle. Es hatte kräftige Arme und breite Schultern, sowie ein vom Feuerschein gebräuntes Gesicht. Es schien nicht allzu viel älter als Igamaro – vielleicht so alt wie Igastarnish – doch war es für einen Käfer recht hübsch anzusehen.
Wütend ging er das Laukaps an und schickte es fort, doch dieses meinte nur, dass der junge Prinz wohl ein paar Manieren bräuchte. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Wutschäumend griff Igamaro den Fremden an, doch dieser entwaffnete seinen Gegner mit Leichtigkeit. Als die Wachen herbeieilten, schlug er auch diese mit dem Schwert Igamaros. Bald waren es sechs Kämpfer gegen den Schmiedejungen, doch dieser wirbelte die hölzerne Waffe in einem wilden Schwerttanz um sich und parierte gegen alle gleichzeitig. Der Kampf nahm ein jähes Ende, als das Krebutack rief: „Laukaps, Schluss mit dem Unfug!“

Auf diese Worte lies der Schmiedejunge das Schwert fallen, wich scheinbar mühelos einer Zornklinge aus und stellte sich neben den Wagen des Schmieds. Meister Krebutack begrüßte die Anwesenden und entschuldigte sich für seinen Lehrling. Bald war das Geplänkel vergessen und König Igastarnish selbst empfing den Schmied mit seiner Ladung an Waffen. Igamaro indes war in die Burg zurückgekehrt, wo er auf seine Schwester traf, die ihn schelmisch anlächelte. Sie hatte offenbar zugesehen, wie er von dem Schmiedegesellen Laukaps besiegt wurde, der danach auch noch weitere sechs Soldaten abwehren konnte. Doch anstatt ihn aufzuziehen, fragte sie ihn aus, wer denn der Käfer war. Viel wusste Igamaro selbst nicht, doch es missfiel ihm, dass seine Schwester scheinbar Interesse an dem Jungen zeigte. Die nächsten Tage über erwischte er sie immer wieder, wie sie von den Zinnen auf den Hof der Burg blickte, wo der Schmiedejunge mit anderen Burschen kämpfte oder schwere Fässer umhertrug.

Ein paar Tage später dann ritten König Igastarnish und seine Getreuen aus, um Dragoran endlich zur Strecke zu bringen und Frieden für das Land zu gewinnen. Igamaro war es leider nicht vergönnt mitzureiten, denn es musste wenigstens einer der Könige im Magnus Opum Palast bleiben. Allerdings war es auch Laukaps nicht erlaubt, gegen das Monster in den Krieg zu ziehen. Und das obwohl dieses in den vergangenen Tagen bewiesen hatte, dass es mit dem Schwert besser war als so manch ein Ritter.
Irgendwann überwand sich Igamaro dann, das Laukaps anzusprechen und um eine Übungsstunde zu bitten. Schließlich war der Schmiedegeselle ein großartiger Schwertkämpfer und nur von Besseren konnte man lernen. So erfuhr Igamaro, dass der Schmied Krebutack einst ein großer Ritter war und seinem Lehrling den Schwertkampf beigebracht hatte. Bald schon waren die beiden Jungen wie Pech und Schwefel und hingen ständig zusammen herum. Laukaps zeigte Igamaro auch sein selbstgeschmiedetes Schwert Durengard. Doch die Geschichte, wie Laukaps das Metall gefunden hatte, nachdem ein mächtiger Feuerball vom Himmel geregnet war, glaubte er bei aller Freundschaft doch nicht.
Laukaps zeigte Igamaro gerade, wie man ein Schwert schmieden konnte, als ein Tumult am Hoftor entstand. König Igastarnish war zurückgekehrt, doch lag er auf einer Trage und war schwer verwundet – genauso wie eine Hand voll Ritter, die ihn mit letzter Kraft zurückgebracht hatten. Eine Hundertschaft war gegen den Drachen ausgeritten und nur sechs hatten überlebt. Der Drache indes lebte nicht nur immer noch. Keiner der Schwerthiebe hatten den Multischuppenpanzer nur ankratzen können. Ständig war er über das Heer hinweggeflogen und hatte Drachenwut herabregnen lassen. Jetzt musste er in seine Höhle zurückgekehrt sein und neue Bosheiten aushecken. Doch welche Schandtaten der Drache noch plante, erfahren wir vielleicht im nächsten Kapitel.


Kapitel 2 - Der Drache

Rasch trieb Laukaps sein Ponita an, welches über die Ebenen und durch die Wälder jagte. Der Trubel um König Igastarnish war so groß gewesen, dass es sich unbemerkt davon stehlen konnte. Laukaps hatte einen Schild und sein Schwert Durengard, die aus dem seltsamen Metall stammten, das vor einem Jahr aus dem Himmel gefallen war. Ein lodernder Feuerball hatte es umgeben, als es auf die Erde nieder stürzte, und obwohl der Feuerschein weithin zu sehen gewesen war, waren es und das geheimnisvolle weibliche Chinchilla die einzigen gewesen, deren Neugier sie zum Ort des Aufschlages geführt hatte.
Seither nannte Meister Krebutack seinen Schüler oft einen Träumer. Er wusste nichts von den Alpträumen des Lehrlings um eine Schlacht, in der ein Cavalancas und eine Hydragil vor Laukaps Augen starben. Doch tagsüber dachte Laukaps oft an das Chinchilla, das er in jener Nacht getroffen hatte. Sie ging ihm nicht mehr aus dem Kopf, doch leider hatte sie sich als die Königin der Nordinseln vorgestellt: Chillabell. Als einfacher Schmied konnte Laukaps nicht um ihre Hand anhalten, doch wenn er genügend Heldentaten vollbringen und genügend Gold ansammeln konnte, hatte er vielleicht eine Chance. Und immerhin hieß es, Dragoran bewache den uralten Schatz der Lickitungen, einem mächtigen Volke aus der Vergangenheit.

Doch als sich Laukaps der Höhle des Drachen näherte, zwang es sich und seine Gedanken zurück in die Gegenwart. Es wusste, dass dieses Dragoran den Schnüffler beherrschte, also rieb es sich mit Harz ein und suhlte sich im Lehm, um so viel Erdgeruch wie möglich anzunehmen. Dies brachte Laukaps immerhin unbemerkt zum Eingang der Höhle, wo ihm der Gestank von Schwefel entgegenschlug. Von nun an würde sein Geruch vermutlich wieder einen Kontrast zur Umgebung bieten, der nicht so leicht zu überdecken war.
Langsam schlich es sich tiefer hinein in den finsteren Steinschlund. Seine Augen gewöhnten sich dank Gesichte schnell an das Dunkel und hie und da strahlte etwas Sonnenschein durch eine Ritze im Fels. Still war es in der Höhle und obwohl Laukaps versuchte, leise zu gehen, hörte sich jeder Schritt in der Stille wie ein Donnergrollen an. All seine Muskeln waren angespannt, jederzeit bereit dem Ungeheuer zu begegnen. Und dann ... erreichte Laukaps das Ende der Höhle. Dragoran war offenbar ausgeflogen, um sich eine Mahlzeit zu suchen. Dafür fand Laukaps einen Schatz, der von unermesslicher Größe schien. Man hätte das Gold höher Stapeln können, als die Türme der Kronburg groß waren. Dazu Silber, Elfenbein und Edelsteine in ebenso großen Mengen. Ringe, Ketten, Kronen, Diademe, Schwerter, Kelche. Der Reichtum würde jeden König vor Neid erblassen lassen.

Im inneren seines Kopfes hörte Laukaps seinen Meister sagen: „Gold bringt nur Unheil über die Welt. Und Drachengold sowieso. Es ist ein Fluch der sich auf das Gold legt, das von so einem Ungetüm bewacht wird.“
Doch Laukaps glaubte nicht an solch unsinnige Dinge wie Flüche. Alles woran es denken konnte, war, dass selbst die Königin der Nordinseln Chillabell von diesem Schatz beeindruckt sein würde. Langsam fuhr es mit der Hand über das Gold und fand dabei einen Ring, den es sich direkt ansteckte. Er passte wunderbar und es gab noch ein passendes Gegenstück für seine baldige Gemahlin. Ein weiteres Stück fing seinen Blick ein. Es war eine silberne Krone, doch hingen kristallene Ketten davon herunter. Fast hätte er wegen dem Schatz die Rückkehr des Drachens überhört. Er setzte die Krone gerade auf, als die Echse bereits um die Ecke schnellte. Die gewaltigen Flügel hatte sie in der engen Höhle eng an den geschuppten Körper gelegt. Doch auch so bewegte sie sich sehr behände vorwärts. Die gewetzten Klauen des Drachens waren lang und scharf genug eine Panzerrüstung zu durchbohren, als wäre diese ein einfaches Leinenhemd. Rücken und Schwanz waren von Dornen übersät, ebenso tödlich wie die scharfen Reißzähne. Der Drache schnupperte wild. Er wusste, dass jemand oder etwas in seine Höhle eingedrungen war. Seine Augen sahen Laukaps direkt an doch dann blickten sie wieder weg, als konnten sie ihn nicht sehen.

Länger konnte Laukaps jedoch nicht warten, denn es hatte Angst, dass ihm sonst der Mut versagte. Es trat einen schnellen Schritt voran und stach mit Durengard zu. Der Drache schrie auf, als das Schwert sich in seine Seite bohrte und rotes, dickes Blut herausströmte, das wiederum auf Laukaps Schwertarm landete. Dieses zog verzweifelt das Mystoschwert aus dem Untier um es an anderer Stelle wieder zu versenken. Der Drache indes peitschte mit seinem Schwanz und Laukaps konnte den Schlag gerade noch so mit dem Schild blocken. Dennoch warf ihn die Wucht der Drachenrute gegen eine Wand und die silberne Krone fiel ihm vom Kopf.
„Da bissst du alssso, Käfffferlein!“ zischte der Drache. Er zog das Schwert aus seinem Bein und warf es achtlos davon. Dann öffnete er sein Maul und eine Welle des Schwefelgestanks flutete auf Laukaps zu. Dieses ahnte, was kommen würde, und hechtete mit einem gewaltigen Sprung zur Seite – gerade rechtzeitig um dem Drachenpuls zu entgehen.
Eilig lief es zu seinem Schwert, doch ein weiteres Mal traf ihn ein Schlag des Schweifes und zersplitterte seinen Schild. Ihm war schwindelig und so wich er zu spät dem Schlag der Drachenklaue aus. Sie traf seinen Schwertarm und Laukaps fürchtete schon, der Krallen Wucht würde den Arm verletzen. Doch wie durch ein Wunder prallte die Klaue an seiner blutverschmierten Haut ab und ließ sie unverletzt. Laukaps dachte nicht weiter darüber nach, der Drache tat es schließlich auch nicht. Der Käfer brachte sich schnell vor einem neuen Flammenwurf in Sicherheit und hob dabei sein Schwert auf. Doch das Problem war, dass der Drache den Käfer nicht mehr nah genug an seinen Körper lies, um einen verheerenden Schlag auszuführen.

Doch Laukaps war nicht nur stark, sondern auch clever. Es durchschlug mit seiner Waffe eine Felssäule, worauf die Decke begann unter einem Steinhagel einzustürzen. Einer der Felsbrocken landete Dragoran direkt auf dem Kopf und streckte den Drachen nieder. Sie waren zum Glück nahe dem Ausgang und so konnte Laukaps sich leicht retten. Der Drache jedoch lag in einem Felsgrab von dem ein Rinnsal Blut tropfte. Da begriff Laukaps: Das Blut hatte seinen Arm unverwundbar gemacht.
Da dieses sich in einem Becken sammelte, entkleidete sich Laukaps und schickte sich, darin zu baden. Von oben bis unten benetzte es seinen ganzen Körper mit dem schützenden Drachenblut. Jetzt hatte es eine unverletzbare Chitinhaut und obendrein noch die silberne Krone, die es offenbar unsichtbar machen konnte. Was ihm jedoch nicht auffiel, war das Lindenblatt, welches sich auf seinen Rücken geheftet hatte. Somit blieb eine verwundbare Stelle unterhalb seiner Schulter. Wem es aber auffiel, war der König der Kobolde Zobiris, der schon lange das Gold begehrte und sich den ganzen Kampf angesehen hatte. Doch ob Zobiris unserem Helden wohl gesonnen ist und ob Laukaps an das verschüttete Gold gelangen kann, erfahren wir ein andermal.


Kapitel 3 - Ränkeschmiede

Snibunna hatte es sehr eilig und so trieb es sein Pampross durch den dunklen Wald, als hätten sich die sieben Höllen hinter ihm aufgetan und ein dreiköpfiges Hundemon wäre plötzlich hinter ihm her. Seine Zähne hatte Snibunna gefletscht und innerlich raste es vor Wut. Dieser kleine Bursche Laukaps hatte geschafft, was keinem Ritter zu Kalos jemals gelungen war. Er hatte das Land vom Drachen Dragoran befreit und König Igastarnish, dieser Narr, hatte dem strahlenden Held den Lickitungenschatz im Berg zugesprochen. Das Gold das er, Snibunna, schon seit Jahrzehnten vergeblich versuchte in die Langfinger zu bekommen. Nur deswegen war er nach Kalos gekommen, hatte sich den edlen Fürsten demütig zum Dienst angeboten und ihren Hof gut beraten. Schließlich war es wahrscheinlich gewesen, dass die Streiter des Reiches für ihren König den Drachen erlegten. Doch jetzt war das Gold in den Besitz eines Außenstehenden gekommen.
Und als wäre dies nicht schon schlimm genug. Als Snibunna in Frage stellte, dass ein Schmiedegeselle solch einen königlichen Reichtum besitzen solle, hatte der Schmiedemeister erzählt, Laukaps sei in Wirklichkeit der verschollene Kronprinz des angrenzenden Königreiches. Die Geschichte von der Schlacht, in welcher die Königsfamilie mit ihrer Burg ausgelöscht wurden, war weit über die Grenzen der Reiche gedrungen und jeder wusste, dass der Sohn des Königs Cavalanzas entkam und seitdem verschollen galt.

Endlich hielt Snibunna sein Pferd an und stieg ab. Er rief in die Dunkelheit des Waldes und der Kobold Zobiris erschien vor ihm. Dieser hatte nicht nur Laukaps Sieg über den Drachen mit angesehen, sondern war mit Snibunna schon lange auf der Suche nach dem Schatz. Lange diskutierten die beiden Unlicht-Pokemon und langsam fassten sie einen gemeinsamen Plan: Snibunna würde Igastarnish überreden, das Gold für den Retter Laukaps auszugraben und in den sicheren Magnus Opum Palast von Kalos zu bringen. Dann würde sich schon eine Möglichkeit finden, den Schatz von dort zu stehlen. Doch Zobiris warf ein, dass Laukaps bestimmt zugleich mit seinem Gold in sein Königreich reiten wolle, um es von den Feinden zurück zu erobern. Man müsse Laukaps eng an den Hof zu Kalos binden, sodass er das Gold hier ließe. Der beste Weg dafür wäre eine Hochzeit zwischen ihm und Fruyal, der Schwester König Igastarnishs. Doch Snibunna hatte seine Ohren überall und so bereits von Igamaro erfahren, dass Laukaps eine andere Frau liebte.

Der Kobols lachte verschlagen. Er kannte viele Formen der alten Magie und braute alsbald einen Zaubertrank, der einen Mann seine alte Liebe vergessen lies. Zeitgleich würde er in ewiger Liebe zu der Frau entbrennen, die er danach zuerst sieht. Diesen Trank gab er Snibunna mit und dieses ritt damit zurück zum Hofe. Dort beeinflusste es König Igastarnish, dem Helden Laukaps seine Knechte zur Hilfe zu stellen, um das Lickitungengold aus dem eingestürzten Drachenberg zu heben. So geschah es auch bald und der erste Teil seines Planes funktionierte problemlos.
Schwieriger war es, König Igastarnish zu überreden, Laukaps seine Schwester zur Braut zu geben. Doch als König Igastarnish das viele Gold sah, schien Prinz Laukaps ein immer wichtigerer Partner für ihn zu werden. Wenn Laukaps erst ein Königreich mit seinem Reichtum aufbauen würde, wäre ein Bündnis sehr von Vorteil. Snibunna versprach als ergebener Diener des Königs, die Vermählung der beiden in die Wege zu leiten. Dafür ging er zu Fruyals Gemächern und erzählte ihr, wie sehr es ihrer Familie zum Vorteil gereiche, wenn sie Laukaps heiraten würde. Er wusste natürlich längst, dass Fruyal heimlich in Laukaps verliebt war. Seinen wachen Augen entging nunmal nichts, das sich am Hofe tat. So überraschte es ihn wenig, dass Fruyal schon von Igamaro gehört hatte, dass Laukaps ein anderes Pokemon liebte. Deshalb stellte er den Zaubertrank des Kobolds vor ihr auf den Tisch und trug ihr auf, Laukaps diesen mit Wein vermischt zum Trinken zu geben. Doch Fruyal war nicht auf den Kopf gefallen und so fragte sie nach, was Snibunna denn damit im Schild führte. Und so erzählte er ihr die Wahrheit über den Trank und sie erschrak heftigst, denn dieses Unrecht wollte sie Laukaps nicht antun.
Doch Snibunna war ein sehr verschlagenes Pokemon und so schaffte er es, beim nächsten gemeinsamen Mahl alle Frauen bis auf Fruyal wegen eines ausgedachten Vorwandes aus dem Saal zu schicken. Er schlug Laukaps auf die Schulter und meinte gönnerhaft, er wolle dem Helden von Kalos seinen Becher wieder füllen. Dieser nahm dankbar an und trank gierig den Wein. Für einen langen Moment wurde sein Blick gläsern und Snibunna fragte sich, ob der Zaubertrank denn auch richtig wirkte.

Da wurde Laukaps von der Stimme König Igastarnishs aus der Trance gerissen. Dieser dankte Laukaps für die Ehre, ihn bei sich am Tisch zu haben und hob einen Becher Wein, um auf die Freundschaft und den Drachentöter zu trinken. Doch hatte der König auch eine Bitte. In allen Landen erzählte man sich von einer Königin, die so stark war, dass sie jeden Mann mit Leichtigkeit besiegen konnte. Auch sei sie eine besondere Schönheit und Igastarnish wusste, dass diese Frau ihn zum ruhmreichsten König der Welt machen würde – neben Laukaps dem Drachentöter versteht sich. Diese Frau war die Königin der Nordinseln Chillabell und sie hatte geschworen, dass sie den Freier heiraten würde, der sie im Wettkampf besiegen konnte. Viele Ritter hatten es wohl versucht und waren gescheitert. Sie alle wurden von Chillabell besiegt und gedemütigt. Igastarnish wusste, dass er keine Chance gegen Chillabell hatte, doch wenn Laukaps ihm dabei helfen würde, könnten sie siegreich sein.

Laukaps schaute leicht verwirrt drein, als würde es sich verzweifelt an etwas erinnern wollen. Es blickte durch die Halle auf der Suche nach etwas und als seine Augen auf Fruyal ruhen blieben, da wurde sein Blick wieder klar und er sprach: „Ich will euch helfen, werter Freund, so gut ich es vermag. Doch hätte ich ebenfalls einen Wunsch vorzubringen. Wenn es eurer Schwester beliebt, würde ich sie gerne heiraten.“
Snibunna jubilierte innerlich. Das lief besser, als er es erwarten konnte. Wenn die beiden Männer mit einer Delegation Rittern zu den Nordinseln aufbrachen, hatte er genügend Zeit, den Lickitungenschatz an sich zu reißen. Bis die Könige das merkten, war er schon über alle Berge. Doch ob Snibunnas Plan aufgeht und was Laukaps und Igastarnish auf den Nordinseln erwartete, das erfahren wir erst im nächsten Teil unserer Geschichte.


Kapitel 4 - Spiele der Liebe

Verträumt saß Chillabell auf den Zinnen ihrer Burg auf den verschneiten Nordinseln. Es war nun schon zwei Jahre her, dass sie mit ihrer Leibgarde nach Kalos gefahren war. Dort war, genau wie es Traunmagil weisgesagt hatte, ein Feuerball vom Himmel geregnet und sie war einem Käfer begegnet. Er war ein einfacher Schmiedegeselle, doch hatte er es so gut verstanden, mit dem Schwert umzugehen, dass er sie im Zweikampf besiegt hatte. Dies war nie zuvor geschehen, denn Chillabell hatte von den Göttern ein magisches Wahlband verliehen bekommen, das ihre Kräfte vervielfachte. Und so hatte sie geschworen, dass sie erst einen Mann heiraten würde, der sie in drei Wettkämpfen bezwang. Doch nie hatte ein Pokemon auch nur eine Chance gehabt – bis auf Laukaps. Chillabell hatte sich sofort in den Käfer verliebt und in seinen Augen hatte sie gelesen, dass er ihre Gefühle teilte.
So wartete sie Tag für Tag, dass ihr Traumprinz auf die Nordinseln kam, um um ihre Hand anzuhalten. Was war sie beglückt, als sie die Geschichten vom Festland hörte. Ihr Laukaps war in Wirklichkeit ein König und somit ihrer Hand würdig. Darüber hinaus hatte er einen Drachen getötet. Er würde kommen, das wusste sie genau.

Schnelle Schritte drangen zu ihr, als ein Dienstbote mit Rasanz herkam. Sie hatten ein Transport-Lapras gesichtet. Chillabell spürte es tief in ihrem Herzen: Laukaps war auf diesem Lapras. Sie sprang ihren Dienerinnen voraus und sie schaffte es den Hafen zu erreichen, noch bevor das Pokemon im dort anlegte. Nun ruhig bleiben, schließlich musste ihr Verhalten einer Königin würdig sein und so konnte sie sich nicht in Laukaps Arme werfen. Es waren nur vier männliche Pokemon, die aus dem Schiff ausstiegen. Da waren ein stämmiges, schwarzpelziges Snibunna, das den Anschein machte, es wolle ganz woanders sein. Die nächsten beiden waren Pflanzenpokemon und eher schmächtig in ihrer Erscheinung, doch fürstlich gekleidet. Das Igamaro war noch fast ein Kind, das Igastarnish trug eine Krone. Der vierte – Chillabells Herz setzte einen Schlag aus – war Laukaps. Er war gewaschen, trug fürstliche Gewänder und hatte eine neue Frisur, doch erkannte sie ihn sofort. Sie hieß höflich die vier Männer willkommen, da trat der Gekrönte vor.
„Die Ehre ist ganz unsererseits, Königin Chillabell. Mein Name ist König Igastarnish von Kalos und ich bin hergekommen, um um eure Hand anzuhalten. Mich begleiten mein kleiner Bruder Igamaro, mein treuer Berater Snibunna und...“
Der König stockte kurz, sah zu Snibunna hinüber, dann zu Laukaps „… und mein Gefolgsmann Laukaps.“

War das ein schlechter Scherz? Chillabell runzelte die Stirn und fragte nach, ob es nicht eigentlich Laukaps sei, der um ihre Hand anhalten wollte. Doch der Mann namens Snibunna bekräftigte schnell, dass Laukaps nur der Gefolgsmann des Königs und zu dessen Unterstützung da war. Ärger machte sich in Chillabell breit. All die Monate hatte sie gewartet, gewartet auf den Käfer der jetzt vor ihr stand und keine Anstalten machte, sie auch nur wiederzuerkennen.
Was auch immer das alles sollte. Die Männer würden es bitter bereuen sie so vor den Kopf zu stoßen. Sie hieß die Ankömmlinge an, für die Prüfungen in die Burg zu kommen. Dann ritt sie weit voraus, um ihre Tränen zu verbergen. Auf dem Burghof erwartete sie die Gäste dann, gerüstet für den Kampf. Doch neben den beiden schmächtigen Königen trat nur noch der Berater Snibunna durch das Tor. Laukaps, so sagten sie, sei noch beim Lapras um dieses zu versorgen.
Nun kam es also zum Kampf. Chillabell sah sofort, dass der kleine König nicht die Kraft hatte, es mit ihr aufzunehmen. Doch dieser hatte es nicht anders gewollt und war gekommen, seinen Schild fest in der Hand. Chillabell nahm ihren Speer auf und geowarf ihn gegen Igastarnish. Dessen Schutzstacheln zerbarsten, doch er wich keinen Schritt nach hinten. Stattdessen nahm er den Speer, um ihn zurück zu schleudern. Dabei drehte er die Waffe aber nicht, sodass das stumpfe Ende nach vorn zeigte. Auch hielt er den Speer ganz falsch. Wenn er ihn weit schleudern wollte, hätte er einen guten Schritt weiter hinten stehen müssen. Doch als der König warf, rauschte der Speer heran und der Aufprall auf den Schild warf die Königin von ihren Beinen und schleuderte sie nach hinten. Wäre die Waffe mit der Spitze voran auf sie zugekommen, hätte er sie ohne Zweifel tödlich verletzen können.

Nun raste Chillabell, denn da war schon wieder etwas, das sie nicht verstehen konnte. Wo hatte der Winzling die Kraft für solch einen Wurf her? Die nächste Prüfung war der Weitsprung und auch hier schien es nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Es war als würde der König in der Luft stehen und vom Rückenwinde getragen einen ganzen Meter weiter springen, als Chillabell. Jetzt war es endgültig genug. Sie nahm ihre Doppelaxt und schon ging es in den Zweikampf. Doch egal wie oft sie zuschlug und wohin, ihr gegenüber hatte immer den Schild zwischen sich und ihrer Waffe. Letztendlich verkeilte sich ihre Axt im Schild und mit einem Ruck entwaffnete der König Chillabell. Sie war geschlagen. Wütend schleuderte sie ihren Schild zur Seite und lief wortlos in die Burg. Sie hatte verloren und musste nun den Preis dafür zahlen, das wusste sie. Sie würde König Igastarnish heiraten müssen und was noch viel schlimmer war, Laukaps ständig am Hofe sehen. Wie sie die beiden hasste und sie schwor ihnen Rache. Arceus würde sie bestrafen für die Art und Weise, wie sie mit Chillabells Gefühlen spielten.


Kapitel 5 - Geschwätzige Zungen

Igastarnish schwoll vor Stolz die Brust, als er in sein Land zurückkehrte. An seiner Seite stand seine wunderschöne Braut Chillabell. Zugegeben, dass Laukaps mit seiner Tarnkappe ihm bei den Wettkämpfen geholfen hatte, war nicht ganz ehrenhaft. Aber dies sollte bald vergessen sein und er würde mit seiner Königin das prächtigste aller Reiche regieren. Zu Hause in Kalos waren die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren, denn bald sollte die Hochzeit stattfinden. Und was das für eine Hochzeit werden würde, denn nicht nur der König von Kalos und die Königin der Nordinseln würden heiraten. Gleichzeitig sollten auch der Held des Reiches Laukaps die bezaubernde Fruyal ehelichen. Der Hof zu Kalos war in großer Aufruhr.

Die Vorbereitungen jedoch waren leicht überschattet von Chillabells Kaltherzigkeit. Besonders Fruyal gegenüber war sie extrem abweisend und dies betrübte Igastarnish sehr. Ständig fragte er Chillabell, was ihr fehle oder was er tun könne, um sie endlich mal zum Lächeln zu bringen. Doch sie blieb dann immer stumm und drehte ihm den Rücken zu. Einmal jedoch fragte sie, wie es sein könne, dass Igastarnish seine Schwester einem seiner Gefolgsmänner zur Frau gab. Auch ein Drachentöter konnte nicht solche Ehre erwarten, wenn er nicht von adligem Blut wäre.
Da fluchte Igastarnish innerlich, denn Laukaps als einfachen Gefolgsmann zu bezeichnen war Snibunnas Idee gewesen und er hatte das damals ohne wirklich nachzudenken übergangen. Nun fragte er sich aber auch, wozu dies nötig gewesen war. Allerdings wollte er das auch nicht vertiefen, also tat er es nichtssagend ab. Es war doch wohl nicht wichtig, ob Laukaps nun sein Vasall war oder ein echter König. Schließlich hatte Laukaps nicht mal ein Königreich.

Doch letzteres stimmte so nicht, wie sich bald zeigen sollte. Snibunna betrat mit seiner sorgenvollen Miene das Zimmer des Königs und vermeldete ihm, dass abertausend Ritter aus dem besetzten Nachbarkönbigreich an den Hof gekommen waren, um die Hochzeit ihres Königs mit anzusehen und Laukaps die Treue zu schwören. Dieser hatte wiederum versprochen, sein Reich nach der Hochzeit zurückzugewinnen. Dann wolle er mit seiner Königin und seinem Schatz dort ein prächtiges Reich aufbauen. Dies gefiel Igastarnish gar nicht, denn nicht umsonst hatte er vor, die weithin bekannte Chillabell zu ehelichen. Er wollte es sein, über den die Spielmänner ihre Lieder sangen. Er wollte den Ruhm, der aber immer nur Laukaps zugesprochen wurde. Und er hatte sich auch mittlerweile an das Gold in seinen Schatzkammern gewöhnt, auch wenn er es nur für Laukaps verwahrte. Da ihm jedoch nichts einfiel, wollte er Snibunna die Angelegenheit überlassen. Sein Berater hatte bislang immer auf alles eine Lösung gefunden.

So kam der große Tag endlich. Igastarnish stand am Altar und ihm verschlug es den Atem, als Chillabell in ihrem Hochzeitskleid den Gang hinauf kam. Ihr Kleid betonte zugleich ihre Schönheit, wie auch ihre amazonenhafte Kraft. Als jedoch Fruyal dahinter in der Kathedrale erschien, ruckten alle Köpfe zu ihr. Es war, als ob die Sonne gerade aufging und durch die Fenster der Kirche strahlte und jeder Gast wurde allein von ihrem Aussehen mit Glück erfüllt. Ihr grünes Haar fiel wie ein seidener Wasserfall unter ihrem Schleier auf das weiße Hochzeitskleid. Nach der Zeremonie begann aber erst die richtige Feier. Spielmänner von überall her waren gekommen ihre Kunststücke zu zeigen. Es wurde ein festliches Rittermahl aufgetragen und Snibunna erzählte von Igastarnishs Heldentaten und seiner Stärke im Kampf gegen Chillabell, die von keinem anderen Mann geschlagen werden konnte. Da unterbrach ihn jedoch Fruyal und verkündete leichthin, dass Laukaps das wohl auch leicht gekonnt hätte.

Dies brachte Igastarnish sehr ins Schwitzen und je länger die peinliche Pause andauerte, desto ungemütlicher wurde es. Chillabell indes verließ die Feier und kehrte mir einer Wende auf ihr Zimmer zurück. Igastarnish folgte ihr, doch als er in ihr Zimmer kam, nahm sie einen Gürtel und wickelte Igastarnish, der darauf die Nacht auf dem Boden verbrachte. Zum Glück war es Laukaps, der ihn in dieser misslichen Lage vor Chillabells Tür fand. Er erlöste den König von den Fesseln und hörte sich an, was passiert war. Da bat Igastarnish, Laukaps würde Chillabell ihr Wahlband abnehmen, sodass sie ihre Stärke verlor. Er musste beharrlich bleiben, denn Laukaps war gar nicht begeistert von dem Vorschlag. Doch letztendlich stimmte er zu, setzte seine Tarnkappe auf und als Igastarnish wieder in Chillabells Gemach trat, half Laukaps seinem Freund die Braut zu überrumpeln und ihr das Item abzunehmen.

Als Igastarnish am nächsten Morgen aufwachte, schien es ihm, als wäre er der glücklichste Mensch auf Erden. Er stolzierte förmlich ins Speisezimmer, wo das Frühstück schon auf ihn wartete. Und leider auch eine gehörige Ernüchterung, denn offenbar stritten sich seine Frau und Schwester lautstark, sodass es jeder auf dem Stockwerk hören konnte. Chillabell meinte gerade, warum eine Rangniedere wie Fruyal sich erdreiste, neben der Königin Platz zu nehmen. Dies empörte Fruyal heftigst, sodass sie zurückfragte, wie sie es sich erdreisten konnte, sich und ihren Gemahl als Rangniedere zu bezeichnen. Schließlich war Laukaps ebenso ein freier König, wie es Igastarnish war. Doch Chillabell tat das ab, denn Laukaps sei doch der Diener Igastarnishs und ein Schwächling.
Igastarnish wollte sich schon wieder abwenden, denn er hatte nicht vor in diesen Streit mit hineingezogen zu werden. Doch Fruyals Worte schlugen bei allen Ohren ein wie Meteoriten.
„Mein Mann ein Schwächling? Dann verrate ich dir etwas. Mein Mann besitzt eine Tarnkappe und er war es, der dich in den Nordlanden schlug und dir im Gemach meines Bruders das Wahlband wegnahm. Laukaps ist der stärkste Mann auf der Erde und der Lickitungenschatz macht ihn zum reichsten König, der je regierte. Wage es nicht noch einmal, so mit uns zu reden!“

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt und bald wusste ein jeder Stallbursche von der List, mit der Igastarnish sich Chillabell erschlichen hatte und dass eigentlich Laukaps hinter allem steckte. Vollkommen blamiert mussten Igastarnish und Chillabell mit anhören, wie vor den Fenstern über sie gelacht wurde. Der König konnte sich damit abfinden, denn vielleicht war alles morgen schon vergessen. Chillabell jedoch war zornentbrannt und verkündete, sie würde sich nicht mehr aus ihrem Zimmer begeben, bis Laukaps erschlagen war.
Überraschend kam Snibunna Chillabell zur Hilfe und beschwor Igastarnish, den elenden Freund, der nur Unglück an den Hofe gebracht hatte, umzubringen. Igastarnish tat dies zuerst ab, denn schließlich war Laukaps unverwundbar. Doch hier überraschte ihn Snibunna, denn dieser wusste von einer verwundbaren Stelle am Rücken des Drachentöters. Als er das hörte, lies Igastarnish Snibunna freie Hand. Er solle Laukaps töten und somit die Schmach aus aller Leben tilgen. Doch ob es Snibunna gelingt, unseren Helden zu besiegen, erfahren wir erst morgen.


Kapitel 6 - Lodernder Feuerfänger

Es dämmerte schon fast, als Fruyal aus dem Schlaf fuhr. Im Traum hatte sie ein Navitaub steigen lassen, doch zwei Ibitak hatten den Vogel gepackt und zu Boden geworfen. Sie war sich sicher, dass der Traum etwas zu bedeuten hatte und gleichzeitig ergriff sie eine lähmende Angst. Sie weckte Laukaps und bat ihn, sie sollten aufbrechen, irgendwo hin, nur wollte sie nicht bleiben. Doch ihr Mann fuhr ihr zärtlich übers Haar und versuchte sie zu beruhigen. Igastarnish wollte mit seinem Hofstaat und seinen Freunden auf die Jagd gehen und so musste Laukaps mitkommen – gerade weil in letzter Zeit so viel zwischen den Freunden vorgefallen war. Und so sehr Fruyal ihn auch umarmte und bat, nicht zu gehen - letzten Endes rüstete sich Laukaps und ging auf die Jagd.

Der Tag schien endlos zu werden und als die Sonne unterging, kamen die Männer von der Jagd zurück. In ihrer Mitte auf einer Bahre lag Laukaps. Ein Eisspeer hatte sich von hinten in seinen Rücken gebohrt, gerade da, wo er verwundbar geblieben war. Fruyal stolperte auf den Körper ihres Gemahls zu und weinte bitterlich. Doch dann entflammte eine Raserei in ihr. Sie konnte nicht sagen woher, doch sie wusste, dass es Snibunna gewesen war. Er war der Mörder ihres Mannes und da saß er auf seinem Pampross und grinste höhnisch. „Mörder!“ Schrie sie ihn und ihren großen Bruder an. „Ich weiß, dass ihr es wart, die meinen Mann heimtückisch ermordet haben. Seine eigenen Freunde, die wie Brüder für ihn waren!“
Dann fiel sie nieder. Die Kraft hatte sie verlassen und sie zitterte nur noch am ganzen Leib. Igamaro brachte sie auf ihr Zimmer und versprach, am Körper des Toten Wache zu halten, wie es nach dem alten Glauben verlangt war. Doch Fruyal dachte von diesem Moment an nur noch über ihre Rache nach. Sie schickte nach den Rittern aus Laukaps Königreich, die ihrem Mann die Treue geschworen hatten. Es waren so viele zu ihrer Hochzeit gekommen. Mit dieser Armee würde sie Snibunna und ihren Bruder zur Rechenschaft ziehen. Die Ritter aber wollten nicht für einen toten König und dessen Witwe in die Schlacht ziehen.

Dies ärgerte Fruyal, doch hatte ihr Mann ihr ein Vermögen hinterlassen. Der Schatz der Lickitungen gehörte ihr und damit konnte sie bestimmt einige Söldner bezahlen. So kam es dann auch und immer mehr Ritter traten ihrer Leibgarde bei, um eine gute Bezahlung zu erhalten. Doch darauf ließ Igastarnish die Tür zur Schatzkammer austauschen, denn er wollte nicht dass das Geld dafür ausgegeben würde, ihm und Snibunna zu schaden. Verzweiflung ergriff Fruyal, denn nun verließen sie ihre Ritter wieder. Sie blieb zurück, ohne einen Mann oder eine Krone, ohne einen Ritter und auch ohne Gold. So vergingen weitere Tage und selbst als sie selbst mit einem Rasierblatt in Snibunnas Unterkunft eindringen wollte, lachte dieser nur und warf sie vor die Tür. Sie konnte einfach nicht mehr. Ihre Kraft war Hoffnungslosigkeit gewichen und so musste sie sich eingestehen, dass sie keine Chance auf Rache hatte und vom Hofe wegziehen musste. Sie packte ihre Sachen zusammen und da fiel ihr ein Band auf. Er war Chillabells Wahlband und die nordische Königin hatte durch es ihre Kräfte bekommen. Ob all dem Unrecht, das sie der anderen Frau angetan hat, wollte Fruyal wenigstens eine gute Tat vollbringen und ging zu Chillabells Kammer, um ihr das Item zurückzugeben.

Sie hatte die Königin schon lange nicht mehr gesehen und diese schien wie sie sehr bedrückt. Schließlich sprach Chillabell: „Weißt du, ich liebte einst einen Mann, von dem ich sicher war die Götter hätten ihn für mich bestimmt und es schien er liebte mich auch. Als er das nächste Mal vor mir stand, war es, als wäre sein Herz blank gewischt worden und es schien, er habe mich komplett vergessen. Er war wie ein Fremder und half seinem Freund, mich zu demütigen.“
Da wurde Fruyal die schreckliche Wahrheit gewahr und sie brach in Tränen aus. Als sie wieder sprechen konnte, da sagte sie: „Oh Chillabell, welch großes Unrecht habe ich euch angetan? Auch ich liebte einst einen Mann, doch er liebte mich nicht. Ich konnte es nicht ertragen und bald darauf erschien Snibunna vor mir mit einem gottlosen Zaubertrank, der alte Liebe vergessen macht und neue entflammen lässt. Er gab Laukaps den Trank zu trinken und so verliebte sich Laukaps in mich. Ach hätte ich nur gewusst, was für ein Unrecht dies alles anrichten würde.“

So hatte Fruyal Chillabell die schreckliche Wahrheit gebeichtet und wollte gerade mit einem Ponita aus der Burg herausreiten, als sie einen Tumult wahrnahm. Igastarnish schrie Snibunna an, denn dieser hatte den Lickitungenschatz auf ein Schiff geladen und wollte damit von dannen ziehen. Doch Snibunna lies sich nicht beirren und stieß Igastarnish von sich, um zu entkommen. Da stellte sich Igamaro dem gerissenen Wiesel in den Weg, sodass Igastarnish wieder aufholen konnte. Jetzt standen die beiden Brüder gegen ihren alten Berater. Doch ungeahnt von allen tauchte ein Kobold aus dem Nichts hinter den Brüdern auf, um Igamaro mit einer Dunkelklaue von den Beinen zu holen. Die Verwirrung nutzte Snibunna, um Igastarnish mit einem Eiszapfhagel zu überschütten.
Viele der Ritter waren herbeigerannt, doch Snibunna versprach jedem reichen Lohn, der ihn von dannen ziehen ließe. Doch eine Person dachte gar nicht erst daran, auf die Hinterlist zu hören. Chillabell, gerüstet in ihren Kriegspanzer, bewaffnet mit Siegfrieds Schwert Durengard und ihrem Wahlband trat sie schweren Schrittes an Snibunna heran. Das Wiesel war gerissen und ein guter Schwertkämpfer, doch hatte er nicht den Hauch einer Chance gegen die flammende Wut, die Chillabell ausstrahlte.

So kamen die Frauen Chillabell und Fruyal doch an ihre Rache und sie packten den Leichnam des armen Laukaps auf das Schiff, das Snibunna mit dem Lickitungenschatz beladen hatten und stießen es vom Ufer. Silvarros feuerten flammende Pfeile, um den Kahn anzuzünden, und so trieb nach dem nordischen Glauben Laukaps auf dem Schiff gen Valhalla und der Schatz würde auf ewig im Fluss versinken. Zwischen dem Feuerwirbel aber sah Fruyal Chillabell stehen. Die Königin stieß sich Durengard durch das Herz und fiel Tod auf den Körper des Käfers, den sie nie aufgehört hatte zu lieben.
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Re: Der Ring der Lickitungen [...

#1308256 von KleinKokuna
08.07.2018, 16:02
Mir gefällt die Umsetzung sehr gut - die Nibelungensage mit Pokémon ist schon eine lustige Idee :D!

Der Text liest sich schön stimmig und deine ausgesuchten Pokémon passen perfekt in die Geschichte hinein - mit vielleicht zwei Ausnahmen: Laukaps als Siegfried und Chillabell als Krimhild wirken wegen ihrer kurzen Ärmchen und Beinchen einfach zu lustig, wenn man versucht sie sich mit Schild, Schwert oder gar einer Axt vorzustellen :lol: .

Der guten Story tut dies natürlich keinen Abbruch^^. (Mich selbst stört eh viel mehr, dass ich die Geschichte erst jetzt entdeckt habe o-O!)
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