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Braut auf der Flucht

#1309084 von KleinKokuna
09.08.2018, 17:42
Braut auf der Flucht: Die abenteuerliche Reise der Altan-Tschitschik


Vorwort:

Tjaaa, nachdem ich vor bald sieben Monaten meine erste FF hier beendet habe, wird es nun doch langsam Zeit für eine Neue :lol:! Man kann einem alten Kater eben keine neuen Tricks beibringen^^.

Diese FF ist hauptsächlich inspiriert von Evalis tollem Pixelart, welches ihr hier bestaunen könnt, und ist nebenbei eine kleine Hommage an ein paar andere Lieblingsspiele nebst Pokémon. (An dieser Stelle übrigens nochmals ein dickes Dankeschön an Evali, dass ich es hierfür verwenden darf :up:!)

Da die Überschrift und das Pixelart - und nicht zuletzt mein Kommentar in der Fanart-Galerie dazu :P - schon grob verraten, worum es in dieser Story geht, will ich mich mal bedeckt halten - lasst euch einfach überraschen^^.
Und darum wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen und hoffentlich gefällt sie euch :).
Inhaltsverzeichnis:

1.Kapitel:
1.1: Ein neuer Tag
1.2: Der Herr des Turms
1.3: Freundinnen unter sich
1.4: Goldblumes Erwachen
1.5: Die Flucht
2.Kapitel:
2.1: Die Jagd beginnt!
2.2: Verzweiflung
2.3: Arceus' Intervention
2.4: Murphy
2.5: Zu zweit durch den Sumpfwald
2.6: Nanettes Rache!
Zuletzt geändert von KleinKokuna am 22.09.2018, 16:26, insgesamt 6-mal geändert.
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Re: Braut auf der Flucht

#1309085 von KleinKokuna
09.08.2018, 17:43
1.Kapitel

1.1: Ein neuer Tag

(Da ich das bei Ayrons und Vampirbiss' FFs so toll fand, will ich es auch mal mit Musik versuchen^^. Darum hier als Hintergrundmelodie: Rayman 2 - The Fairyglade Part 1: https://www.youtube.com/watch?v=SNAN10DwpQg

Altan-Tschitschik schlug die Augen auf, gähnte kurz herzhaft und blickte sich noch etwas verschlafen in ihrer Kammer um. Die feingliedrige hochgewachsene Frau lag in einem hellblau bezogenen, unfassbar weichen Himmelbett und trug selbst ein elegantes, silbergraues Nachthemd aus purer Seide, das sich herrlich luftig anfühlte und ihrer zarten, hellen Haut angenehm schmeichelte.

Ihr Schlafgemach selbst war ein eher kleiner Raum mit einer äußerst ungewöhnlichen Grundfärbung: Der Boden, die Wände und auch die Decke waren nämlich mit Fließen aus pechschwarzen, poliertem Obsidian belegt, was dieser Kammer natürlich eine ziemlich düstere, wenngleich durchaus edle Ausstrahlung verlieh. Um diese ein wenig aufzuhellen befanden sich neben einer Kommode, einem kleinen Tisch und einem Schrank aus betont hellem Holz, einige dekorative Ornamente aus Gold, Silber oder Kristall an den Wänden. Noch dazu ließen eine große Glastür, die zu einem schmucken Balkon führte, und ein ovales Fenster daneben die sanften, goldgelben Strahlen der aufgehenden Morgensonne ins Zimmer dringen. –Wobei diese von malvenfarbenen, mit goldenen Stickereien verzierten, Vorhängen gedämpft wurden, damit Altan-Tschitschiks Schlummer nicht vor der Zeit gestört wurde.

Nun stand diese allerdings auf, zog die Vorhänge beiseite, öffnete Fenster und Tür und trat auf den Balkon hinaus, um die frische Morgenluft hereinzulassen und einen tiefen Atemzug davon zu nehmen. Sich an das metallene und ebenfalls schwarze Geländer, welches aus verflochtenen Metallstangen bestand, lehnend, betrachtete die junge Frau die eigenwillige und doch faszinierende Aussicht, die sich ihr bot.

Soweit man sehen konnte, spiegelten sich die Morgensonne sowie der strahlend blaue Himmel auf den unzähligen glitzernden Wasserflächen, die sich ringsherum erstreckten. Nur hie und da ragten ein paar kleine Erdhügel, welche mit allerlei niederen und mit tau geschmückten Pflanzen bewachsen waren, aus dem morastigen Wasser. Dazu noch einige wenige Holzstege, welche die einzigen trittsicheren Pfade hier bildeten, und fertig war die Sumpflandschaft, in der sich Altan-Tschitschik befand. –Lediglich am Horizont zeichnete sich eine dichtere Vegetation ab, die auf einen Sumpfwald schließen ließ.

Die Spiegelung des Wasser sorgte auch dafür, dass Goldblume – wie Altan-Tschitschik auch genannt wurde – stets sehen konnte, wo sie wohnte:

In einem riesigen Turm, der seinerseits ebenso komplett aus pechschwarzem Obsidian bestand, und sich spiralförmig wie die Schale eines Muschas, welches sich in den Schwanz eines Flegmon verbissen hatte, mehrere Meter in die Höhe erstreckte und so als unübersehbarer Punkt in der Landschaft thronte. An der Spitze dieses Turmes waren noch fünf große, zackenförmige Gebilde angebracht, sodass das ganze Bauwerk einem gewaltigen Arm samt einer Hand mit gezackten Klauen glich, welche sich drohend und gierig nach dem Himmel ausstreckte, als wolle sie nach diesem greifen.

Diese unheilige Ausstrahlung des Gebäudes musste es wohl sein, die dafür sorgte, dass auffällige Stille hier im Sumpf herrschte und man auch kaum Pokémon zu Gesicht bekam, obwohl dieser Ort einen idealen Lebensraum darstellte. Ein paar Piccolente, die mühelos über die Wasserflächen glitten. Das Glitzern der Schuppen einiger Fisch-Pokémon wie Karpador, Barschwa, oder auch Barschuft und ein Schwarm Käferpokémon, bestehend aus einigen Illumise und Volbeat, welche in niedriger Höhe in der Luft herumtänzelten und sich auf den Weg zu einer Ruhestätte machten…

…Vielmehr war nicht zu sehen, zumal die Pokémon es vermieden, dem Turm zu nahe zu kommen. (Er sah aber auch nicht wirklich einladend aus – ganz sicher ein Patzer des Architekten…)

Trotzdem überwogen die positiven Aspekte und die ganze, friedliche Szenerie würde den meisten wohl ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Doch Altan-Tschitschik lächelte nicht. Ihr Kopf brummte und sie fühlte sich wie nach einem aufwühlenden Traum, der so lebhaft war, dass man selbst nach dem Aufwachen immer noch nicht klar sagen konnte, was zur Wirklichkeit zählte und was nicht.

Seufzend ging die junge Frau wieder hinein und ließ sich auf einem gemütlichen Stuhl vor dem Tisch nieder. Mit den Ellenbogen darauf und den Kopf auf ihre beiden Hände gestützt, starrte sie so nachdenklich in den großen schmucken Wandspiegel gegenüber. Das ebenmäßige rundliche Gesicht einer wunderschönen Frau Anfang dreißig mit schneeweißem Haar im Pagenschnitt starrte von dort aus unverwandt zu ihr zurück. Die Iriden der großen hübschen Augen stachen besonders hervor; wirkten sie doch mit ihrer lila Färbung, die zur Pupille hin ins Türkise übergingen, ausgesprochen exotisch.

Allerdings waren auch diese sogenannten ‚Fenster zur Seele‘ genauso von dumpfer Grübelei und unbestimmten Zweifeln getrübt wie der Rest des Gesichts auch. ‚Wer bin ich bloß?‘, schien das Spiegelbild Goldblume stumm zu fragen, worauf diese nur den Kopf schütteln konnte.

Sie wusste es nämlich selbst nicht sicher. All das hier: Der finstere Turm, ihr Schlafgemach, die Aussicht auf die Sumpflandschaft und noch vieles mehr wirkten so vertraut, als kenne sie dies schon lange. Seltsamerweise hatte sie aber keine einzige konkrete Erinnerung an irgendein Erlebnis hier. Keine einzige Anekdote kam ihr in den Sinn, kein Bild eines besonders schönen Tages, den sie hier verbracht hatte.

Genauso verhielt es sich mit ihrer Kindheit. Altan-Tschitschik glaubte zwar zu wissen, wie und wo sie aufgewachsen ist; als einziges Kind einer verarmten Adelsfamilie vom Lande und so weiter und so fort…

…aber irgendwie fühlte sich das so allgemein und nicht richtig an, als wäre das eine x-beliebige Kindheit gewesen und nicht ihre eigene. Auch hier hätte sie auf die Frage nach einem wunderschönen Erlebnis, welches ihr als Kind widerfahren war, passen müssen. Ihr fiel nämlich rein gar nichts Genaues ein. Es war wie verhext!

Goldblume seufzte erneut, schüttelte leicht den Kopf und lächelte die hübsche Frau im Spiegel schwach an. „Was ich mir immer für Gedanken am Morgen mache…“, murmelte sie mit ihrer klangvollen und zarten wie kräftigen Stimme ironisch und spürte endlich so etwas wie Zuversicht und Freude in sich aufsteigen. Denn trotz dieser ganzen Grübelei fühlte sie in sich eine Art schier übermächtige Gewissheit, die ihr versicherte, dass alles so ist, wie sie es erlebt hatte. –Ob sie sich nun daran erinnern konnte oder nicht.

Endlich guter Dinge erhob sich Altan-Tschitschik und begann sich vergnügt pfeifend aus dem Schrank ihre Garderobe für den Tag zu holen, ehe sie für eine Dusche ins gegenüberliegende Badezimmer verschwinden würde. Dabei prickelte ihr ganzer Körper voller Vorfreude, schließlich kam ihr in den Sinn, dass ja Morgen ihr großer Tag sein würde!

„Der schönste Tag im Leben^^.“, kicherte die junge Frau freudig bei dem Gedanken daran und spürte zufrieden bei jeder ihrer Bewegungen das Spiel ihrer sehnigen, straffen Muskeln unter der Haut, denn obwohl Goldblume so zierlich aussah, steckte enorme Kraft in ihrem Körper.

Und dennoch…

Für einen kurzen Augenblick konnte Altan-Tschitschik nicht anders, sondern warf nochmals einen gar sehnsüchtigen Blick nach draußen gen Horizont. Der wohlige Mantel des Gefühls, das alles in Ordnung ist und ihr eine wundervolle Zukunft bevorstand, konnte nicht verhindern, dass sich für einen Moment tief in ihrem Inneren eine Art stummer Aufschrei regte.

Ein Schrei nach Freiheit…

1.2: Der Herr des Turms

Frisch gewaschen und fertig angekleidet prüfte Goldblume eine Weile später ein letztes Mal ihr Aussehen im Spiegel, ehe sie sich hinab in den großen Speisesaal für ein ausgiebiges Frühstück begeben würde. Sie trug nun ein einfaches aber dennoch edles dunkelblaues Gewand, das ihre Figur schmeichelnd betonte und nach unten hin in einen langen, wallenden Rock überging. Abgerundet und verziert wurde ihre Kleidung noch von kunstvoll verschnörkelten Stickereien aus silbernen Fäden, die sich an den Säumen ihrer Ärmel und ihres Rockes befanden. Auf Schmuck beziehungsweise Make-up verzichtete sie fast gänzlich da Altan-Tschitschik Wert auf natürliche Schönheit legte von der sie ja mehr als genug besaß^^.

Lediglich ein goldenes Kettchen fand den Weg um ihren Hals; darauf verzichtete die junge Frau nämlich niemals. Es stand ihr, nach ihrer Meinung nach, einfach zu perfekt und sie hatte beinahe das Gefühl, dass dieses Kleinod beinahe wie ein Körperteil zu ihr gehörte. So seltsam es sich auch anhörte.

Jetzt lächelte Goldblume ihr Spiegelbild breit an und vollführte voller Übermut eine kleine Drehung. Die erfrischend warmen, perlenden Wasserstrahlen der Dusche hatten ihr richtig gut getan und die letzten Zweifel sowie sinisteren Gedanken endgültig verjagt. Jetzt war sie definitiv bereit für einen wundervollen Tag!

Da klopfte es unvermittelt dezent an ihrer Zimmertüre, was Altan-Tschitschik lächeln ließ, da sie selber nur darauf gewartet hatte. „Komm doch rein Nanette!“, sprach die junge Frau einladend und freundlich und kicherte verschmitzt: „Nach all der Zeit solltest du doch wissen, dass ich um die Zeit schon längst salonfähig bin, hihi.“

„Oh da klingt aber jemand gut gelaunt.“, fand eine leblose Stimme, die deshalb trotz ihres freudigen Klanges befremdlich wirkte: „Aber kein Wunder, Morgen ist ja Ihr großer Tag Mylady, haha.“

Die Tür öffnete sich und herein trat eine durch und durch groteske Gestalt:

Eine Art lebensgroße Marionette eines Guardevoir, die wirklich, wie von unsichtbaren Fäden geleitet, unnatürlich herum tänzelte. Anstatt normaler Augen besaß Nanette nur zwei große runde und pechschwarze Knöpfe und ihr zu einem ständig schiefen Grinsen verzogener Mund war; einer Vogelscheuche gleich; mit schwarzen Fäden vernäht.

Nicht wenige hätten angesichts dieser absonderlichen Kreatur ein unbehagliches Gefühl bekommen, vielleicht sogar die Flucht ergriffen.- Oder es sofort voller Abscheu mit einer Dynamischen Maxiflamme angegriffen. Aber Goldblume zeigte keine dieser Verhaltensweisen. Schließlich kannte sie Nanette schon seit dem Tag, an dem dieser Turm ihre neue Heimat wurde. Anfangs hauptsächlich als Kammerzofe für Altan-Tschitschik zugeteilt, hatte die junge Frau rasch hinter die zugegeben äußert merkwürdige Fassade Nanettes sehen können, sodass aus den beiden unzertrennliche Freundinnen wurden.

Jedenfalls griente sie ihre skurrile Freundin an und meinte fröhlich: „Aber Hallo! Wer würde sich da denn nicht freuen :D?“ Goldblume ergriff Nanettes Hand – sie fühlte sich an wie ein Filzhandschuh – zog sie mit nach draußen in den Gang und sprach dabei munter weiter: „Ich hoffe doch sehr, dass du mir nur sagen wolltest, dass die Tafel fertig gedeckt ist, nicht? So langsam habe ich nämlich richtig Hunger!“

Auf dieses Stichwort hin knurrte ihr Magen sogleich heftig und die Kammerzofe machte eine vergnügte Geste und meinte höflich: „Gewiss doch Mylady! Es ist alles bereit. Nur der Meister wird etwas später erscheinen. Durchlaucht ist noch völlig erschöpft von seiner gestrigen Anstrengung.“

„Ach ja? Immer am Schaffen der Kerl, hihi.“, kicherte Altan-Tschitschik mit einem verträumten Gesichtsausdruck. Denn mit jenem ‚Meister‘ war ihr Geliebter und Verlobter gemein. Jener Mann, dem der Turm hier gehörte und den sie über alles liebte, weshalb sie überhaupt hierhergezogen ist. Und eben auch jener Mann den sie morgen schon endlich heiraten würde!

„Ja so ist Durchlaucht nun mal, haha.“, lachte Nanette wieder mit ihrer leblosen Stimme, die jede Emotion falsch wirken ließ, aber vielleicht konnte man von einer lebenden Marionette auch nicht mehr erwarten… (Sofern wir das Pokémon Banette außer Acht lassen versteht sich :P.)

Eine schmale Wendeltreppe führte die beiden über unzählige Stufen, vorbei an mehreren anderen Etagen des Turmes, hinab ins Erdgeschoss, in dem sich auch der Speisesaal befand. Da auch das Innere des restlichen Turmes ebenso mit Obsidian (was denn auch sonst?) verkleidet war, herrschte auch hier eine nach wie vor düstere, geheimnisvolle Stimmung. Durch geschickt platzierte Dekoration und Beleuchtung in Form von Fenstern und – etwas aus der Reihe tanzend – LED-Lampen, wurde dieser Effekt noch verstärkt, sodass man sich ganz und gar an einem mystisch-magischen Ort wähnte.

Goldblume mochte diese Atmosphäre sehr und erfreute sich jedes Mal aufs Neue daran, obwohl sie diese bereits zur Genüge kannte. –Wobei sie sich momentan noch viel mehr auf ein leckeres Frühstück freute^^.

Der Speisesaal war an sich kein übermäßig großer Raum, doch durch seine kuppelartige Decke, opulenten Feuerschalen und schmalen Fenstern aus Buntglas, wirkte er wie ein solcher. Wände wie die Decke selbst waren mit kunstvollen Mosaiken geschmückt, die, passend zum Ambiente, verschiedene Beeren, Früchte und allerlei andere Köstlichkeiten darstellten, sodass man spätestens beim Betreten des Saals fast unweigerlich Hunger bekam. Daneben waren noch allerlei Pokémon abgebildet, die sich glücklich an den reichen Gaben labten und sich des Lebens freuten. Über diese harmonische Szenerie wiederum wachte Xerneas, das Pokémon des Lebens, mit farbenfroher Krone und umhüllt mit einer goldenen Aura, welche seine Feenaura symbolisierte.

Eine Wand, genauer die Nordwand, nahm sich allerdings aus dieser Idylle heraus: Hier stieg Yveltal, das Pokémon des Todes, von seiner roten, unheiligen Dunkelaura umhüllt, hinauf zur Decke. Unter seinen mächtigen Schwingen fanden sich bloß noch verdorrte Pflanzen und die leblosen Körper jener Pokémon, denen es das Leben ausgesaugt hatte. Kurzum gab es auf dieser Seite nur noch Asche zu sehen; Asche und Tod…

Darüber prangte in großen, goldenen Lettern mahnend ‚Memento-Mori – Bedenke, dass du sterben musst!‘, was in diesem Fall daran erinnern sollte, auch die alltägliche Freude einer guten Mahlzeit zu schätzen und bewusst zu genießen. Gewiss, vielleicht war das Ganze für einen Speisesaal ziemlich übertrieben und zu dramatisch gestaltet, doch seinen Zweck verfehlte es keinesfalls.

Altan-Tschitschik jedenfalls fand, dass erst durch diese düstere Mahnung, der schöne, lebensfrohe Teil des Mosaiks so richtig zur Geltung kam. Wobei ihr es dennoch mehr als recht war, dass man mit dem Rücken zur Nordwand saß und diese normalerweise zum Teil mit ellenlangen, dicken Vorhängen aus feuerrotem Samt verdeckt wurde.

Genau gesagt war heute einer der wenigen Tage, an denen man das prächtige Wandbild vollständig betrachten konnte, denn schließlich fand morgen ja eine Hochzeit statt. Da mussten auch die Wände ordentlich gesäubert und die Vorhänge gewaschen werden. – Auch die, die man bei der gewöhnlichen Reinigung außer Acht lässt^^.

Aus diesem Grund herrschte im Speisesaal eine deutlich größere Betriebsamkeit als sonst. Neben der Magd, ihrem Dienstmädchen und ihren beiden Vegimak; welche wie üblich Goldblume gerade ihre ausgesuchten Speisen und Getränke auftrugen; wuselten noch etliche andere Diener samt Pokémon umher, die alles sauber machten. Wablu wischten mit ihren watteartigen Flügeln sowohl das Mosaik und die Fenster blitzeblank. Eine Gruppe Alpollo prüfte gemeinsam mit zwei Dienern; welche mittels der Fäden einiger Ariados an den Wänden herumturnten; jeden einzelnen Stein auf eventuelle Beschädigungen. Und zu guter Letzt stand eine weitere Zofe mit ihrem Schlapor da und gemeinsam begutachteten sie eindringlich den ganzen Raum und machten sich Notizen, wo, wie viel und was für eine Dekoration morgen für die Feierlichkeiten angebracht werden sollten.

Interessiert sah Goldblume dieser eifrigen Betriebsamkeit eine Zeit lang zu, während sie zuerst ein belegtes Brot und dann einige köstliche Sinel- und Pirsifbeeren zu sich nahm und dabei genießerisch einen Beerensaft; gepresst aus mehreren Beeren und mit einem exquisiten Geschmack; trank. Sie warf gelegentlich Nanette, die ohne etwas zu essen neben ihr saß und ihrer Freundin zulächelte, einen vergnügten Blick zu und spürte wieder dieses Prickeln in ihrem Körper.

Sie konnte es gar nicht realisieren, aber das waren die Vorbereitungen für IHRE Hochzeit! Wie aufregend war das denn?!

Mit einem Mal allerdings verlor all dies an Bedeutung:

Urplötzlich unterbrachen alle, Menschen wie Pokémon, ihre Arbeit und verneigten sich – selbst Nanette erhob sich und tat es den anderen gleich. Altan-Tschitschik wusste, was dies zu bedeuten hatte, aber kaum, dass sie ihn sah, wurden ihr die Knie trotzdem ganz weich und ihr Herz machte einen freudigen Hüpfer!

Stand im Türrahmen doch ihr innig geliebter Nepomuk Balthazar von Sonnenstich, der Herr dieses Turmes und ihr zukünftiger Ehemann!

Bei diesem handelte es sich um einen mittelgroßen, hageren Mann Anfang dreißig, mit kantigem, scharfgeschnittenem Gesicht und einer großen Hakennase, die dem Schnabel eines räuberischen Vogelpokémon glich. Nichtsdestotrotz verliehen ihm sein ganzes würdevolles, maskulines Auftreten, sein zartbrauner Teint, die seidigen, schulterlangen, gelockten und rotbraunen Haare, sowie die klugen, einnehmenden und charismatischen goldgelben Augen und seine vollen, roten Lippen, das Aussehen eines begehrten Jünglings.

Passend zur farblichen Gestaltung seines Heims trug auch Balthazar von Sonnenstich – er hasste seinen ersten Namen und wollte ihn daher nicht hören – hauptsächlich schwarze und ausgesprochen edle Kleidung, die seinen Status aus Spross einer hochangesehenen Adelsfamilie deutlich unterstrich:

Eine majestätische Robe aus Samt, sowie ein prächtiger Seidenanzug darunter; beides mit blattgrünen Stickereien verziert, die geheimnisvolle Runen kunstvoll darauf woben und fein gegerbte, glänzende Lederstiefel aus gefärbten Dratinileder.

Dazu trug der blaublütige Herr – im völligen Gegensatz zu seiner Verlobten - auffällig viel Schmuck in Form von zahlreichen goldenen und silbernen Ringen, die an seinen langen, dünnen Fingern glänzten. Auch Armreife und Ohrringe zählten dazu, sowie gleich mehrere Ketten um den Hals an denen Amulette und ähnliche Talismane baumelten. –Alles reich mit verflochtenen Mustern, eingefassten Diamanten, Perlen, Rubinen, Saphiren oder Smaragden verziert, sodass man augenblicklich wusste, wie vermögend ihr Besitzer doch sei.

Nur sein ansonsten so tadelloses Antlitz war, wie von Nanette bereits angedeutet, regelrecht von Erschöpfung verwüstet, was sich in den müden, tief in ihren Höhlen liegenden Augen, dazugehörigen Ringen, Bartstoppeln sowie einer gewissen Blässe sofort erkennen ließ. Man hätte fast meinen können, dass Balthazar von Sonnenstich vergangene Nacht eine wilde, ausschweifende Kneipentour mit anschließendem Besuch einer ‚süßen Herberge‘ hinter sich hatte…

…Doch Altan-Tschitschik wusste es glücklicherweise besser und fühlte bei diesem Gedanken wieder grenzenlosen Stolz auf ihren Liebsten in sich aufsteigen:

Ihr Zukünftiger war nämlich ein Zauberer und ein begnadeter noch dazu!

So hatte er beispielsweise Nanette vor langer Zeit erschaffen und ihr Leben eingehaucht und Goldblume konnte sich denken, dass die Erschöpfung ihres Verlobten wohl ganz klar auf eine mit Zauberei durchgemachte Nacht herrührte. Denn das Wirken von Magie kostete enorm viel Kraft.

Was genau Balthazar mit seinen Zaubern bezweckte, konnte die junge Frau zwar nicht sagen, aber er hatte ihr versichert, dass es nur für ihr gemeinsames Wohl und zukünftiges Glück sei. Und sie glaubte ihm das.

Jedenfalls wirkte sie darum keinesfalls verwundert, als ihr Geliebter nun mit einer einzigen Geste, den Großteil des Gesindes samt ihrer Pokémon förmlich aus dem Raum schweben ließ, die Türen mit einem Schnipsen schloss und sein gepolsterter Stuhl ihm auf einen Wink bereits entgegenkam.

„Einen wunderschönen Morgen mein Liebster!“, grüßte Altan-Tschitschik ihn freudestrahlend und wirkte ganz aufgekratzt wie eine junge Teenagerin die gerade ihrem größten und begehrtestem Star über den Weg lief. Am liebsten wäre sie ihm sofort um den Hals gefallen, hätte ihn überschwänglich mit Küssen und vielen anderen Zärtlichkeiten überschüttet und war schon regelrecht von ihrem Platz aufgesprungen.

Augenblicklich hob Balthazar, der sich mit einem müden Seufzer in seinen Stuhl hat sinken lassen, weil ihm bereits diese kleine Zauberei heute schon enorm angestrengt hat, abwehrend die Hand. „Noch nicht!“, ermahnte sie der Magier mit einem verstörend herrischen Tonfall, bevor er sich seiner Ruppigkeit offenbar bewusst wurde und deutlich sanfter, mit einem charmanten Lächeln, weitersprach: „Du weißt doch, meine liebe Goldblume, die Formalitäten der Zauberei. Das Glück, welches ich uns unter solchen Mühen mittels Magie gewoben habe, wollen wir doch nicht mit übereilten Anfällen von Begierde zerstören, nicht wahr?“

„Aber natürlich nicht, mein Geliebter.“, meinte Goldblume fröhlich und nicht im Geringsten enttäuscht, nahm geflissentlich wieder Platz und begnügte sich eben damit ihren Zukünftigen mit einem schmachtenden, verträumten Blick anzulächeln. „Hach, Balthazar ist ja immer so bewundernswert vernünftig und auf die Moral bedacht!“, dachte sie sich dabei mit einem wohligen Schauer, der ihren Körper durchfuhr und seufzte vor Wonne.

Altan-Tschitschik war in Gegenwart ihres Liebsten längst nicht so beherrscht. Seine warme, sonore Stimme ließ sie jedes Mal dahinschmelzen und seine Blicke, ganz gleich wie anzüglich sie manchmal auch sein mochten, schmeichelten ihr, weil sie sich so begehrt und geliebt fühlte. Und Goldblume spürte genau, wie sehr sich ihr Zukünftiger zusammennahm, wenngleich er es sich nicht anmerken ließ, um seinerseits nicht schwach zu werden. –Das erfüllte sie wieder mit Stolz: Ihr Geliebter verausgabte sich schier mit seiner Zauberei und hielt sich im Zaum, nur damit ihnen beide eine Zukunft voller Glück und Erfüllung sicher ist...

Und sie war überzeugt, dass sie sich einen besseren Ehemann gar nicht wünschen hätte können!

Indessen schaufelte dieser sich gerade gierig wahllos Beeren, belegte Semmeln und Brote mit bloßen Fingern in einem Tempo in sich hinein, dass die Magd mit dem auftragen schier nicht hinterherkam. Genauso verhielt es sich mit seinem Kelch, den Balthazar stets in einem Zug leerte.

„Hihi, Eure gestrige Zauberei war wohl unfassbar kräftezehrend, was mein Liebster?“, fragte die junge Frau ihren Verlobten mit einem verliebt, vergnügten Kichern, weil dieser jetzt einem ausgehungerten Relaxo mehr ähnelte, als einem adeligen Zauberer, der für gewöhnlich auf seine Etikette achtete^^.

Ein undeutliches Brummen war die Antwort darauf, denn Balthazar von Sonnenstich unterbrach seine Mahlzeit deswegen nicht; dafür brauchte er diese Energie viel zu dringend. Altan-Tschitschik störte sich nicht daran, sondern grinste wissend und gab sich damit zufrieden. Stattdessen beobachtete sie ihren Zukünftigen einfach fasziniert und vergaß dabei alles um sich herum. Wie für rettungslos Verliebte üblich, konnte sie ihn ewig lang schmachtend betrachten, ohne, dass ihr langweilig geworden wäre.

Als der Magier sein Mahl nach einer Weile beendet hatte, schnippte er erneut mit den Fingern, wobei dies diesmal lediglich ein Zeichen für die Magd und ihre Helfer war, dass sie abdecken und sich entfernen konnten. Und nur noch zu dritt – immerhin blieb Nanette stets einem stummen Schatten gleich an ihrer Seite – wandte er sich endlich richtig seiner Goldblume zu.

„Verzeiht mir bitte meinen kühlen Empfang, liebste Goldblume.“, begann er sogleich entschuldigend, ging sogar vor ihr auf die Knie, nahm sachte ihre Hand in die seine und sah sie treuherzig mit seinen goldgelben Augen an: „Wie Ihr schon vermutet habt, hat mich meine Magie enorm geschwächt… Ich war beim aufstehen immer noch ganz ausgelaugt und brauchte daher unbedingt etwas zu Essen, um wieder halbwegs klar bei Verstand sein zu können. Darum konnte ich Euch nicht die Aufmerksamkeit schenken, die Ihr, meine liebste Goldblume, eigentlich verdient habt… Darum möchte ich Euch nochmals vielmals um Verzeihung bitten!“

„Ach, was für ein Charmeur!“, schoss es der jungen Frau, die ob der ganzen Szenerie schon hochrot wurde, geschmeichelt durch den Kopf und fand ganz gerührt: „Ihr braucht Euch doch dafür nicht entschuldigen, mein Geliebter. Eure Anstrengung dient doch unserem gemeinsamen Glück, das verstehe und schätze ich sehr wohl. Wie könnte ich Euch da böse sein, wenn Ihr deswegen einmal zuerst an Euch selbst denken müsst?“

Jetzt strahlte das Gesicht von Balthazar vor Freude, Erleichterung und Liebe und er meinte dankbar: „Meine wundervolle Goldblume, danke! Was bin ich froh, Euch als meine künftige Ehefrau zu wissen!“

Entgegen seiner sonstigen Zurückhaltung schenkte er ihr eine zärtliche Umarmung und fügte anschließend mit einem verlegenen, zuckersüßen Lächeln hinzu: „Ich hoffe, Ihr versteht es darum auch, dass ich mich für den Rest des Tages zurückziehen werde – es gibt noch so vieles, was für Morgen vorbereitet werden muss.“

„Selbstverständlich, mein Geliebter.“, antwortete Altan-Tschitschik freudestrahlend und fühlte bei dem Gedanken an den kommenden Tag erneut dieses wundervolle Prickeln in sich, was ihre Verliebtheit noch verstärkte: „Und außerdem müssen Nanette und ich ja auch noch einiges tun, bei dem der zukünftige Ehemann nicht Dabeisein darf, hihi.“

„Hach, die Vorbereitungen der Braut, ich weiß.“, seufzte Balthazar betört und er tauschte einen letzten verliebten Blick mit seiner Goldblume aus: „Dann bis Morgen meine Liebste. Auf das wir eine wunderschöne Hochzeit haben werden!“

Mit diesen Worten entfernte sich der Magier und entschwand mit wehendem Umhang aus dem Speisesaal, während Altan-Tschitschik ihm noch lange verträumt nachsah. „Ja, bis Morgen mein Geliebter…“, flüsterte sie entzückt und fühlte sich wie ein einem wunderschönen Traum: „Bis Morgen zu unserer Hochzeit…“

„Wollen wir dann Mylady?“

Die leblose Stimme von Nanette holte Goldblume zurück in die Gegenwart und diese lächelte ihre puppenhafte Freundin aufgeregt an. „Aber gewiss doch! Lasst uns beginnen, es gibt immerhin viel zu tun!“

1.3: Freundinnen unter sich

Lautstark knallte das Buch sowie das Wasserglas, welches darauf gestanden und glücklicherweise aus Plastik war, auf den Boden und sorgte erneut für eine große Pfütze, die Nanette augenblicklich wegwischte.

„Uff! Das ist gar nicht so leicht…“, stöhnte Altan-Tschitschik genervt, ließ sich aber nicht entmutigen und startete sofort einen neuen Versuch. Seit fast einer Stunde übte sie sich bereits darin Buch und Glas auf ihrem Kopf zu balancieren, um so ihren korrekten Gang und Haltung während der Hochzeitszeremonie und dem anschließenden Tanz zu perfektionieren.

Immerhin beehrten morgen zahlreiche geladene Gäste – viele von Adel übrigens – die Feierlichkeiten mit ihrer Anwesenheit, sodass die junge Frau nur zu gerne sicherheitshalber ausgiebig das höfische Zeremoniell und die nötigen Bewegungsabläufe nochmals studierte. –Alles musste perfekt sein, denn keinesfalls wollte Goldblume sich oder ihren Gatten morgen mit einem Fehltritt blamieren!

„Seid unbesorgt Mylady, Ihr werdet mit jedem Mal besser darin.“, versicherte die lebende Marionette und platzierte geschickt die beiden Gegenstände wieder auf dem Kopf ihrer Freundin, wobei Nanette einen kleinen Schemel zu Hilfe nehmen musste, da sie fast 30 Zentimeter kleiner war. „Im Grunde beherrscht Ihr all das ja schon – es liegt Euch quasi im Blut, haha.“, fuhr die skurrile Wesenheit heiter fort: „Allein die Aufregung vor dem morgigen Tag lassen Euch so fahrig werden. Und vielleicht wäre es auch besser gewesen, wenn wir nicht ausgerechnet im Ballsaal dafür ausgesucht hätten? Nicht, dass Euch dies zu sehr ablenkt.“

„Nein Nanette, das geht schon so!“, fand Goldblume bestimmt, stakste dabei mit der Last auf ihrem Haupt wieder ein paar Schritte und merkte ganz langsam, wie sie ein Gefühl dafür bekam, was sie in ihrem Willen bestärkte: „Siehst du? Ich muss mich nur konzentrieren, das ist alles. Zumal du weißt, dass ich nirgends lieber als genau hier üben möchte!“

Die lebende Marionette nickte verständig, weil sie den Wunsch ihrer Freundin nur zu gut nachvollziehen konnte:

Denn schließlich würde genau hier, in diesem prächtigen Raum, morgen ihre Hochzeit stattfinden! Noch stand der Ballsaal komplett leer, aber selbst in diesem Zustand strahlte er etwas Erhabenes aus. Fast eine ganze Etage des Turmes einnehmend, wurde er beinahe ringsum von deckenhohen Fenstern regelrecht mit Licht durchflutet, sodass sich die Sonnenstrahlen in den polierten, pechschwarzen Obsidianfliesen nur so spiegelten. Prächtige, mit Kristallen behangene, goldene Kronleuchter hingen von der Decke hinunter und würden am Abend die Feierlichkeiten mit ihrem Lichtspiel erhellen und in eine besondere Atmosphäre tauchen. Dann, wenn sie mit ihrem Geliebten endlich als Mann und Frau tanzen würden…

Ja, die junge Frau hatte keine Mühe, sich vorzustellen, wie herrlich der Saal morgen aussehen würde, sobald er geschmückt und eingerichtet war. Hier die schönen Teppiche auf dem Boden, an den Fenstern dann die feinen, goldfarbenen Seidenvorhänge und, und, und…

Sie wähnte sich bereits inmitten der ausgelassen feiernden Gäste, hörte die Musik im Hintergrund und…

*Auf den Boden knall!*

*Platsch!*

„Verflixt!“, fluchte Altan-Tschitschik und wurde unsanft aus ihren Träumereien geholt. Die süßen Gedanken hatten sie abermals dermaßen abgelenkt, dass ihr das Buch samt Glas vom Kopf gerutscht war. Schweigend wischte Nanette die Pfütze auf, ohne, dass man aus ihrer Fratze mit dem genähten, verzogenen Mund oder den schwarzen, wortwörtlichen Knopfaugen etwas lesen konnte.

Sie nickte ihrer Freundin lediglich aufmunternd zu und fragte fürsorglich: „Gleich nochmal, oder wärt Ihr von einer Pause nicht abgeneigt, Mylady?“

Goldblume schüttelte entschieden den Kopf und sagte sofort: „Gleich nochmal Nanette! Eine Pause gibt es erst, wenn ich das einwandfrei beherrsche!“ Nanette deutete eine Verneigung an und sagte, durchaus belustigt vom Eifer der jungen Frau: „Wie ihr wünscht Mylady.“

Auf diese Weise verging der ganze Tag fast wie im Fluge, da es so vieles zu lernen beziehungsweise zu verinnerlichen galt. Gestärkt, ja förmlich elektrisiert durch den Gedanken an Morgen ging Altan-Tschitschik hartnäckig und voll Hingabe eine Lektion nach der anderen an. Und sie zeigte sich erst zufrieden, wenn sie diese gemeistert hatte, um sich dann sogleich der nächsten zu widmen.

Goldblume ging mit einer solchen Rührigkeit ans Werk, dass sie von Nanette regelrecht zu Pausen gezwungen werden musste und erst bei einer solchen merkte, wie hungrig oder erschöpft sie war. Das brachte sie dann wieder zum Lachen und allgemein kam die Freude an diesem Tag keinesfalls zu kurz.

Die beiden Freundinnen scherzten was das Zeug hielt, sodass die Wangen der jungen Frau bald vor lauter Lachen ganz gerötet waren und ihre Augen ganz nass voller Freudentränen. Diese Heiterkeit sorgte dafür, dass sie mit der Zeit lockerer und entspannter wurde. So konnte sie nach und nach herzlich über ihre kleinen Patzer kichern; machte gar einen richten Spaß daraus. Sie spürte doch, dass sie all das eigentlich schon konnte und trotzdem stellte sie sich so ungelenk an.

„Meine Güte Nanette!“, prustete sie bei einer ihrer Pausen amüsiert: „Was macht diese Aufregung bloß mit mir :D? So wie ich mich heute aufführe könnte man glauben, ich mache das alles zum ersten Mal in meinem Leben, haha. Verrückt, nicht wahr?“

„Na und ob, Mylady.“, erwiderte ihre groteske Freundin glucksend: „Aber vielen Leuten gelingen vor einem wichtigen Ereignis die selbstverständlichsten Dinge nicht mehr. Das ist nur natürlich und hört auch wieder auf. Man darf sich nur nicht verrückt wegen so etwas machen lassen.“

Altan-Tschitschik nickte ernsthaft bei diesen Worten und meinte: „Da sagst du was!“ Anschließend erhob sie sich dank der kleinen Pause wieder voller Energie und Enthusiasmus, sah hinaus zum Fenster und merkte, dass der Himmel sich schon langsam rötlich färbte.

Die junge Frau lächelte Nanette auffordernd an und sprach: „Aber so oder so: Es ist bald Abend. Lass uns noch flink die letzten Dinge durchgehen, ja?“ „Gewiss doch Mylady.“, antwortete die lebende Marionette eiligst und versicherte: „Allzu viel gibt es ohnehin nicht mehr zu tun. Ihr habt so gut wie alles, was Ihr wissen müsst, gewissenhaft in Euch wieder wachgerufen. Seid gewiss: Die Hochzeit morgen wird ein voller Erfolg und wahrlich der schönste Tag in Eurem Leben werden Mylady!“

„Etwas anderes erwarte ich auch nicht!“, fand Goldblume mit kecken Grinsen, theatralisch verschränkten Armen und witzelte weiter: „Und deshalb bringen wir es zu Ende. Nicht, dass ich noch zu spät ins Bett kommen und womöglich morgen gar verschlafe, hihi!“

„Oh das wollen wir nun wirklich nicht Mylady.“, entgegnete Nanette vergnüglich, nahm die Hand ihrer Freundin und gemeinsam eilten sie kichernd und voller Tatendrang zurück in den Ballsaal…

Punkt acht Uhr abends stand Altan-Tschitschik dann auch bereits vor der Tür ihres Schlafgemaches und wechselte einige letzte Worte für heute mit ihrer skurrilen Freundin. Obschon erschöpft von diesem anstrengenden Tag, strahlte Goldblume dennoch wie eine aufgehende Sonne, weil sie vollauf zufrieden mit dessen Verlauf und auch ihrer eigenen Leistung war. Zudem prickelte ihr Körper mehr denn je, weil ihr jetzt erst so richtig bewusst wurde, dass ihr Hochzeit nun zum greifen nah war: Sie brauchte nur noch diese eine Nacht schlafen und dann war es soweit!

„Boah, ich kann es immer noch kaum glauben, dass wir den ganzen Tag so flugs rumgebracht haben!“, meinte die junge Frau aufgekratzt zu Nanette, als sie derweil ihr Zimmer betrat und sich für die Nach kleidete: „Und wie viel Spaß wir gehabt haben! Mir tut jetzt noch der Bauch weh vor lauter Lachen^^.“

Sie schlüpfte in ihr Nachthemd und ließ einen Stoßseufzer los: „Aber was bin ich froh, dass die ganze Warterei nun vorbei ist – viel länger hätte ich es wohl nicht mehr ausgehalten, hihi! Und jetzt, ja jetzt bin ich dank dir, Nanette, bereit für meine Hochzeit :]!“

Bei diesen Worten blitzen die Knöpfe von Nanette auf und sie flüsterte ganz bedeutsam und geheimnisvoll: „Noch nicht ganz Mylady! Das wichtigste fehlt noch. Entschuldigt mich für einen Moment…“

Die lebende Marionette flitzte mit ihrem schrägen Tänzeln den Gang entlang, bog um eine Ecke und kam nach nicht mal drei Minuten mit einem schlichten Päckchen in den Armen zurück.

„Hier Mylady, das werdet Ihr morgen ganz sicher brauchen können.“, sprach Nanette feierlich mit ihrer leblosen Stimme beim überreichen und ihr Gegenüber begriff sofort.

„Ist das etwa…?“, hob Altan-Tschitschik beinahe andächtig und mit leuchtenden Augen an.

„Genau das Mylady.“, offenbarte ihre groteske Freundin lächelnd, weil sie um die Wirkung dieser Geste wusste, und verneigte sich zum Abschied: „Ich wünsche Euch nun eine gute Nacht Mylady. Doch denkt daran: Ihr dürft es erst Morgen anziehen – so sieht es der Brauch vor. Aber nun träumt gut Mylady und freut Euch auf das Glück, dass Euch bevorsteht.“

Nach einem abermaligen Verneigen entfernte sich Nanette und schloss die Tür hinter sich, sodass Goldblume nun allein wie gelähmt in ihrer Kammer stand und das Päckchen in der Hand hielt. Rührung schnürte ihr die Kehle zu: Hielt sie doch soeben ihr Hochzeitskleid in den Händen!!

Sogleich brach die junge Frau in euphorischen Jubel aus, drückte das Paket an sich und tanzte wie wild in ihrer Kammer umher, um ihrem Glücksgefühl Ausdruck zu verleihen. Am liebsten hätte sie sofort hineingelinst, denn auch sie, die Braut selbst, wusste nämlich im Vorfeld nicht, wie ihr Kleid aussah. –Nanette hatte ihrer Freundin erklärt, dass dies so ein alter, schöner Brauch aus der Familie ihres geliebten Balthazars sei. Genauso, wie sie ihr versichert habe, dass es auf der Welt kein Kleid gäbe, dass schöner sei oder besser zu ihr passen würde.

Freilich taugte diese Aussage kaum dazu, die Neugier zu dämpfen und der Versuchung besser wiederstehen zu können. Altan-Tschitschik gelang es dennoch dagegen anzukämpfen und legte das Päckchen darum sorgsam in ihren Kleiderschrank und schloss eiligst die Tür.

„Bestimmt liegt da auch ein guter Zauber meines Liebsten darauf.“, murmelte sie dabei und musste schmunzeln, da ja im Grunde genommen so oder so ein besonderer Zauber auf solchen Kleidungsstücken lag…

Mit einem Mal musste Goldblume heftig gähnen und sie fühlte eine geradezu bleierne Müdigkeit in sich aufsteigen, die sämtliche Glieder schwer werden ließ. „Höchste Zeit ins Bett zu kommen…“, dachte sie sich darum, schlurfte zu diesem und wurde dort, kaum dass sie die Decke über sich gezogen hatte, regelrecht in einen traumlosen, tiefen Schlaf gezogen. Ja, sie glitt in ein wohliges, tiefes, tiefes Nebelnichts des Vergessens…

1.4: Goldblumes Erwachen

Irgendwann im Verlauf dieser Nacht änderte sich dies allerdings schlagartig und die junge Frau fand sich alsbald in einem wilden, aufwühlenden Traum wieder. Vor ihrem Inneren Auge sah sie scheinbar wahllos und in schneller Folge zig verschiedene Bilder an ihr vorbei ziehen:

Orte und Erlebnisse beispielsweise, die sie unmöglich kennen konnte und dir ihr nichts sagten – so glaubte sie zumindest. Denn obwohl sie so fremd wirkten und die einzelnen Bilder viel zu schnell wieder verschwanden, wirkten sie zugleich seltsam vertraut, berührten schier direkt ihr Herz und sorgten dafür, dass sich tief in ihrem Inneren etwas regte…

Es war eine unerklärliche, heftige Sehnsucht, die diese Bilder mehr und mehr in Altan-Tschitschik wachrüttelten, gleich einer schlecht gelöschten Glut, die von einem Windhauch wieder angefacht wurde. Und sie wurde von Minute zu Minute stärker, brannte bald wie ein loderndes Feuer in ihrem Inneren, so heiß, schmerzhaft und intensiv, dass sie es binnen kürzester Zeit nicht mehr ertragen konnte!

Ihr schlafender Körper wälzte sich immer unruhiger hin und her, wobei ein gequältes Wimmern ihren Lippen entfuhr. „Aufhören, bitte Aufhören!“, jammerte sie derweil im Traum – oder wohl eher Alptraum - selber verzweifelt und fürchtete schon, gleich innerlich zu verbrennen, so beängstigend und ungestüm war dieses Empfinden, welches sie immer stärker quälte: „Bitte, ich halte das nicht mehr aus! Ich will aufwachen! Bitteee!!!“

Wie auf dieses Stichwort hin fand diese Marter tatsächlich ein Ende und Goldblume stand plötzlich in einem großen, weißen und wie von warmen Sonnenstrahlen gefluteten Raum. Erschöpft sank sie schwer atmend auf die Knie und genoss die zarte Wärme und Geborgenheit, die dieser Ort ausstrahlte; wohlwissend dass sie nach wie vor schlief.

Unversehens drehte sich das Licht, sodass ihr Schatten in ihr Sichtfeld rückte. Die junge Frau stutzte, sah ihre Silhouette doch merkwürdig verzerrt aus. Aber auch hier regte sich etwas in ihr und sie fühlte wieder diese seltsame Vertrautheit bei diesem Anblick in sich aufsteigen.

Noch ehe sie groß darüber nachdenken konnte, erhob sich eine klangvolle, gebieterische und trotzdem einfühlsame Stimme, die zu ihr sprach: ‚Sei unbesorgt, Altan-Tschitschik! Du wirst die Schatten, die dich zu fangen suchen, hinter dir lassen! Der erste Schritt ist hiermit schon getan. Nun erwache! Erwache und erkenne, Altan-Tschitschik…!‘

Da zerstob der ganze Traum zu Staub und mit einem Aufschrei schreckte Altan-Tschitschik aus ihrem Schlummer. Verwirrt blinzelte sie und brauchte eine ganze Weile, bis sie sich gesammelt hatte und ihr wieder bewusst wurde, dass sie sich in ihrem Schlafgemach befand.

„Was für ein verrückter Traum…“, stöhnte sie und hielt sich die Schläfen, weil ihr Kopf brummte wie nach einer wilden Feier, sie völlig verschwitzt und sowohl ihre Haare sowie ihr Bett völlig zerwühlt waren, als hätte sie in diesem einen Kampf ausgefochten. Zudem fröstelte ihr und sie fühlte sich weiterhin dermaßen durcheinander, dass sie so schnell nicht ans weiterschlafen denken konnte. Stattdessen stand sie auf und ging rastlos durch ihr dunkles Zimmer, da es noch mitten in der Nacht war und wegen der Vorhänge das sanfte, bleiche Mondlicht nur gedämpft hereinscheinen konnte.

Rasch zog Goldblume sie beiseite und ging hinaus auf den Balkon. Die angenehm kühle, feuchte Nachtluft umfing sie augenblicklich in Form einer sanften Brise, während der Mond als schmale, goldgelbe Sichel, ähnlich dem zusammengekniffenen Auge eines Katzenpokémon, tief am Himmel stand und sich in den vielen Wasserflächen spiegelte. Schwärme von Volbeat, angeleitet von den Illumise, zeichneten mit ihren leuchtenden Hinterteilen zahlreiche formschöne Muster am Firmament und schienen dabei mit den Sternen wetteifern zu wollen. Zudem zirpten in der Ferne einige Zirpeise, Quaxo sangen ihre Lieder und die Schreie jagender Noctuh hallten durch den Sumpf.

Mit beiden Händen das Geländer des Balkons umfassend stand sie einfach da und ließ das Panorama auf sich wirken, um sich zu beruhigen und ihre Gedanken zu sortieren. Doch dieser intensive Traum hielt sie fest, dafür hatte er viel zu real, viel zu… ja viel zu wichtig gewirkt.

„Als hätte er mir etwas mitteilen wollen…“, murmelte sie verwirrt, schüttelte heftig den Kopf, ohne jedoch damit etwas gegen die Zweifel des gestrigen Morgens, die erneut ihr wach wurden, bewirken zu können. Und diesmal wollte sich diese wohlige, beruhigende, ja gar einlullende Gewissheit, dass alles in Ordnung sei, beim besten Willen nicht einstellen.

Nein, dieses Mal blieben die Zweifel und zwar noch stärker als zuvor. Sie bohrten in ihrem Kopf und stellten alle Gewissheiten infrage. Zum allem Überfluss gesellte sich auch noch ein unbestimmtes, inneres Drängen dazu, dass es nicht zum aushalten war!

„Argh! Was ist nur mit mir los? Was soll das? Woher kommen diese verdammten Zwiespalte in mir?!“, sprach die junge Frau verwirrt wie verzweifelt zu sich selbst, weil sie sich all dies nicht so recht erklären konnte – oder wollte. „Verflixt nochmal, ich heirate doch morgen den besten Mann der Welt! “, rief sie wütend aus, in der Hoffnung so dieses widerliche Gedankenkarussell zum Schweigen zu bringen.

Sie hielt kurz inne und grinste triumphierend, da ihr gerade ein brillanter Einfall in den Sinn kam. „Ich hab‘s!“, meinte Altan-Tschitschik erleichtert und schnippte – ganz in der Art eines gewissen Wicki-ngerjungen^^ - mit den Fingern: „Wenn ich das mache, ist dieser blöde Traum ganz sicher ausgeträumt!“

Goldblume rauschte zurück in ihre Kammer, öffnete den Schrank und holte das Päckchen hervor. Einen Moment lang zögerte sie, weil es ja nicht ganz in Ordnung war, aber nicht lange. Dafür wühlten diese wirren Gedanken sie viel zu sehr auf und sie spürte, dass sie erst wieder Ruhe finden würde, wenn sie sich in ihrem eigenen Brautkleid gesehen hatte. –Sie war sich sicher, dass die damit verbundene Freude dieses Anblicks stark genug sei, um all diese diffusen Zweifel und Ungewissheiten, samt dieses komischen Traums, wieder zurückzudrängen.

Sorgsam öffnete sie also das Päckchen, hielt dabei andächtig den Atem an und bekam leuchtende Augen, als sie den reinweißen Stoff sowie die rosé- beziehungsweise goldfarbenen Accessoires vor sich hatte. Innerlich wie ein kleines Kind, welches gerade voller Freude etwas Verbotenes tat, jubelnd, schlüpfte die junge Frau eiligst hinein, kicherte dabei verstohlen und bemühte sich, nicht zu laut zu sein. Schließlich sollte ja niemand davon etwas mitbekommen^^.

Dermaßen in die Anprobe versunken, vergas sie alles um sich herum. Ja selbst der Aufruhr in ihrem Inneren war passé, weil sich ein völlig anderes Gefühl in ihr breit machte: Nämlich, dass sie das Richtige tat.

Fertig angezogen betrachtete sich Altan-Tschitschik im Spiegel und musste sich auf die Zunge beißen, weil sie sonst lauthals gejauchzt hätte, so sehr bewegte sie ihr Aussehen!

Sie trug nun einen langen, wehenden, weißen und beinahe durchsichtigen Schleier, der von einer roséfarbenen Perlenkette zusammengehalten und an einer Art einem goldenen Diadem befestigt wurde. Zwei lange, dünne, gummiartige und ebenfalls weiße Bänder mit goldenen Kugeln an deren Enden waren je an den äußersten ‚Spitzen‘ dieses Krönchens angebracht und bogen sich, anmutig und Fühlern gleich, gen Erdboden. An den Ohren hingen nun hübsche, roséfarbene Perlenohrringe und ein goldener Ring schmückte sowohl ihren Hals sowie ihren linken Oberarm. Ihre Hände und Unterarme steckten nun in langen, weißen und eleganten Handschuhen, während sich ihre Füße in goldenen High Heels befanden, die bequemer und trittsicherer waren, als es den Anschein machte.

Das Brautkleid selbst bestand schlussendlich aus mehreren übereinander gelagerten, weiten, trichterförmigen Segmenten, die ihrerseits auch aus weißen Stoff waren und das vorne über der Brust noch eine schmucke, roséfarbene Brosche zierte.

Alles in allem wirkte Goldblume so prächtig und wunderschön in dieser Aufmachung, dass sie gar nicht mehr den Blick vom Spiegel wenden konnte. Ihr Herz pochte wie wild und die junge Frau bekam den beinahe schon verstörenden Eindruck, dass dieses Kleid ihr nicht nur auf den Leib geschneidert war. Nein! Sie hatte das Gefühl, dass dieses Brautkleid wirklich ein Teil ihres eigentlichen Selbst war…

…ein Teil ihres Körpers…

…ihr wahres Ich…

Jäh zog sich ihre Brust zusammen und ihr entfuhr ein gequälter Aufschrei. Ganz so, als hätte dieser Anblick dafür gesorgt, dass sich tief in ihrem Inneren etwas endgültig von seinen Fesseln befreien und sich nun mit aller Gewalt aufbäumen konnte!

Völlig erstarrt, mit schmerzendem Kopf und rasendem Puls, konnte Altan-Tschitschik nur noch weiter wie gebannt auf ihr Spiegelbild starren. Dieses geriet in Bewegung, veränderte sich. Nicht viel, aber dennoch sah man nun keine Frau in einem hübschen Brautkleid mehr, sondern etwas völlig anderes…

…die wahre Erscheinung…

Wimmernd brach Goldblume zusammen und kauerte in Embryonalhaltung vor dem Spiegel, während die Bilder ihres Traumes jetzt in aller Deutlichkeit ihren Geist gleich einer mächtigen Woge überrollten. Ehe die junge Frau komplett erschöpft von diesem Gefühlsausbruch ohnmächtig wurde krächzte sie mit ihrer nun brüchigen Stimme noch ein einziges Wort:

„Sch… Scha…

…Schabelle…“

1.5: Die Flucht

Der Morgen graute: Ein schmaler, erst grauer und bald goldgelber Schimmer der sich am östlichen Horizont über den dampfenden Wäldern ausbreitete und rasch heller wurde. Nach und nach wurde das nächtliche Stahlblau des Himmels zurückgedrängt und zunächst durch ein zartes Rosarot ersetzt, ehe das Firmament im satten Hellblau eines weiteren Tages erstrahlen würde. Sterne und Mond verblassten immer mehr und ein kräftiger Windhauch zerstob die dichten Nebelschwaden des Sumpfes, die sich immer um diese Zeit bildeten, sodass man auch heute wieder ungetrübt die aufgehende Morgensonne in all ihrer Pracht bestaunen konnte. Wie sie sich in den Wasserflächen spiegelte und die Tautropfen zum glitzern brachte. Kurzum: Das so alltägliche wie dennoch wunderschöne Schauspiel eines neuen, anbrechenden Tages nahm seinen Lauf.

Altan-Tschitschik hatte heute für dieses Wunder nicht das Geringste übrig; nahm es wahrscheinlich gar nicht mal wahr. Bereits seit Stunden saß sie völlig regungs- und teilnahmslos, regelrecht wie in Schockstarre, einfach nur auf dem Balkon und wirkte weit, weit entfernt mit ihren Gedanken. Bleich wie eine Leiche, mit leeren Augen und den Mund zu einem schmalen Strich zusammengepresst war ihr die blanke Fassungslosigkeit nur zu deutlich anzusehen. Und diese war nur zu berechtigt, angesichts der furchtbaren Ungeheuerlichkeit, die man ihr angetan hatte!

Seitdem sie nämlich aus ihrer Ohnmacht wieder erwachte, wusste die junge Frau endlich wieder, wer sie wirklich ist, denn die verstörenden Erlebnisse der letzten Nacht hatten die Wahrheit auf schmerzvolle Weise wieder zutage treten lassen:

Goldblume war eigentlich – so unglaublich das auch klingen mochte - ein Pokémon, genauer gesagt sogar ein Schabelle; also eines jener fremdartigen Wesen, die man ‚Ultrabestien‘ nannte!

Mit unfassbarer Gewalt wurde sie vor nunmehr erst zwei Tagen mittels schwarzer Magie aus ihrer Heimat gerissen, in die Gestalt einer Menschenfrau gezwungen und versucht, ihre Erinnerungen an ihr Leben als Ultrabestie zu versiegeln – um ein Haar sogar mit Erfolg! Überdies flößte man ihr eben jene halbgaren, falschen Gewissheiten ein, an die sie bis vor ein paar Stunden sogar noch felsenfest geglaubt hatte...

…Doch nun wusste das verwandelte Eleganzpokémon, dass all ihre verschwommenen Erinnerung an ihr angebliches Leben und auch die scheinbare Freundschaft zu Nanette lediglich nur dreckige Lügen, aufgezwungene Illusionen waren!

Und all dies, damit sie zu einer gefügigen Ehefrau für diesen Mistkerl von Nepomuk Balthazar von Sonnenstich werden sollte!

Ja, bei all dem handelte es sich um die größenwahnsinnige und grausame Tat jenes Magiers, in dessen dunklen Turm sie nun eingesperrt war und der sie hat glauben lassen, dass sie ihn geradezu abgöttisch liebte. Aber das stimmte so wenig, wie Altan-Tschitschik freiwillig in diesem öden Ort inmitten dieses Sumpfes versauern wollte, schon gar nicht mit dieser Gewissheit, dabei um ihr eigentliches freies und unbeschwertes Leben als Pokémon betrogen zu werden! –Nein, sie wollte, musste von hier um jeden Preis fliehen, denn auf gar keinen Fall würde sie dieser dreckige Halunke in seine Finger bekommen!

Der Schock ob dieser unmenschlichen Tat wich nur äußerst langsam, wobei man dies nur zu gut nachvollziehen konnte. Genauso wie man es verstanden hätte, dass Goldblume nun ihren aufwallenden, überkochenden Gefühlen, wie beispielsweise dem grenzenlosen Schmerz und der lodernden Wut, die ihren Körper schier zerbarsten, lauthals und tobend Luft machte. Sich alles von der Seele schrie, um nicht daran ersticken zu müssen und am besten noch diesen elenden Zauberer mehrfach verfluchen, der ihr das angetan hatte!

Die junge Frau jedoch reagierte völlig anders: Beinahe instinktiv ergriff ein kühles, berechnendes Wesen von ihr Besitz, welches einem Schutzmantel gleich sowohl ihre heftigen Emotionen, wie auch ihre immer deutlich aufkeimenden, schmerzlich wehmütigen Erinnerungen an ihr wirkliches Leben vorerst verdrängten, weil sie dies nur lähmen und ablenken würde. Für eine Flucht von hier brauchte man einen kühlen Kopf, das spürte und wusste Schabelle genau. Sie würde darum ihren Gefühlen erst später freien Lauf lassen können…

Keine Viertelstunde später klopfte es bereits wie erwartet an der Tür ihrer Kammer und Altan-Tschitschik hatte sich glücklicherweise schon zumindest äußerlich soweit wieder fangen können, dass Nanette, diese skurrile Stoffpuppe, nichts von ihrem Inneren Aufruhr oder gar ihrem Erwachen merken würde. Sie prüfte nochmals blitzschnell ihr untadeliges Aussehen im Spiegel, ehe sie, um den normalen Klang ihrer Stimme bedacht, die ‚üblichen‘ einladenden Worte zu ihrer vermeintlichen ‚Freundin‘ sprach.

Die Tür öffnete sich, doch anders als gestern betrat nicht nur die lebende Marionette sondern auch Balthazar den Raum und grüßte ‚seine Zukünftige‘ überschwänglich. „Einen wunderschönen guten Morgen meine liebste Goldblume!“, schleimte er mit seiner wohlklingenden Stimme, hinter der die Angesprochene – endlich wieder völlig bei Verstand - nun überdeutlich die anzügliche Lust und Gier nach ihrem Körper heraushören konnte, was sie grenzenlos anekelte :down:!

„Ich hoffe Ihr hattet einen süßen und erholsamen Schlummer, meine liebste Goldblume.“, säuselte der Magier, der augenscheinlich nichts von der Wandlung ‚seiner liebsten Goldblume‘ mitbekam, in einem fort: „Heute ist schließlich endlich unser großer Tag! Der Tag unserer Hochzeit!“

„Oh, ich weiß mein Geliebter! Ich kann es kaum erwarten (von hier wegzukommen…)! Und glaubt mir: Meine Nachtruhe war fabelhaft. Ich fühle mich wie neugeboren!“, antwortete die junge Frau gekonnt wie eine geübte Schauspielerin und stellte insgeheim zufrieden fest, dass niemand von den beiden die Ironie in ihren Worten wahrnahm. Vor allem bei Nepomuk mochte dies vorrangig daran liegen, dass er nach wie vor völlig entkräftet und erschöpft von seiner elenden Zauberei war und sogar beinahe noch schlimmer als gestern aussah.

‚Junge, du gehörst eindeutig zu der Sorte von Kerlen, die eine schöne, große Morgenzeitung lesen sollten, um ihr Umfeld nicht zu erschrecken!‘, schoss es dem verwandelten Pokémon gehässig durch den Kopf und voller Genugtuung fügte sie für sich hinzu: ‚Geschieht dir recht, du dreckiges Lustmorlord!‘

„Das höre ich gern, meine liebste Goldblume! Und da heute endlich unser großer Tag ist, müssen wir und nun nicht mehr so in Züchtigkeit üben…“, faselte der Magier weiter, als er unversehens mit einem frivolen Lächeln näher kam, sacht ihre Hände ergriff und sie sogleich begierig mitten auf den Mund küsste, ohne dass es ihn groß kümmerte, ob seine Liebste das wollte oder nicht. Und es war noch nicht mal ein besonders romantischer oder wenigstens erotischer Kuss, sondern ein regelrechter ‚Fracking-Kuss‘, der scheinbar darauf abzielte mit der rotierenden Zunge zu den Speichelreservoirs in den Tiefen der Mundhöhle des anderen vorzudringen und diese abzubauen.

„Grmpfl…!“, konnte Altan-Tschitschik nur machen und es verlangte ihr enorm viel Kraft ab, diesem anmaßendem Kerl nicht sofort einen, oder gleich fünfundzwanzig(!), Tritte zwischen die Beine zu verpassen und sich somit zu verraten. Nein, stattdessen sah sie sich gezwungen dieses widerliche Schauspiel über sich ergehen zu lassen und sogar noch zu tun, als ob ihr das gefallen würde, während sie innerlich jedoch vor Ekel förmlich bebte! Ein ‚Glück‘ nur, das der Magier ihre Hände hielt und ihm nicht auch noch einfiel, sie betatschen zu wollen…

„Hach, wie lange haben wir darauf gewartet uns endlich solchen Genüssen hingeben zu können, nicht wahr meine liebste Goldblume?“, sprach Nepomuk anschließend, als er endlich genug von ihrem Speichel aufgesaugt hatte, allen Ernstes und bemühte sich um einen romantisch, verliebten Gesichtsausdruck, der seine blanke Wollust nicht im Geringsten überdecken konnte.

Da er offensichtlich glaubte, dass seine Liebste, ganz ‚berauscht‘ von diesem ‚Kuss‘, sowieso kein Wort herausbringen würde schickte er sich – zu Goldblumes maßloser Erleichterung – an, zu gehen und meinte zum Abschluss noch mit einem anzüglichen Zwinkern: „Seht es als kleinen Vorgeschmack auf unsere Hochzeitsnacht an, ja? …Ich erwarte Euch, meine liebste Goldblume, dann jedenfalls in einer Stunden unten im Ballsaal, wo wir – hach! - nach all der langen Zeit endlich den Bund fürs Leben knüpfen werden. Meinen letzten Zauber zu unserem Glück will ich noch wirken und dann werde ich sehnsüchtig auf Euch warten, wenn ich Euch in Eurem Hochzeitskleid sehen kann… Bis gleich, meine liebste Goldblume!“

Jetzt erst, nach dieser unnötig langen Rede, öffnete der Zauberer auch die Tür, ging hinaus nur um dann in der Schwelle stehen zu bleiben und sich nochmals umzudrehen. Mit entrücktem Blick brabbelte Balthazar von Sonnenstich ein paar fremdartig klingende Wörter in Form eines rhythmischen Singsangs und fuhr mit seinen Händen dabei den Türrahmen entlang. Für den Bruchteil einer Sekunde sah man an dieser Stelle nun einen lila leuchtenden Schild, wie eine Art Vorhang oder Portal, aufblitzen, ehe er wieder verschwand.

Nach getaner Arbeit wirkte Nepomuk plötzlich noch erschöpfter als vorher und schlurfte verschwitzt, müde und mit bleichem Antlitz schwer atmend davon, da ihn Magie nach wie vor äußerst anstrengte. Seine Augen jedoch hatten ganz kurz zufrieden und voll Heimtücke aufgeblitzt, was Schabelle nicht entgangen war. Ihre Sinne und Instinkte waren auch in diesem Menschenkörper beinahe genauso scharf, wie in ihrer eigentlichen Gestalt als Ultrabestie. Und deswegen spürte sie sofort, dass sie nun niemals auch nur einen Schritt durch diese Tür machen durfte, wenn sie nicht schon wieder verflucht, hypnotisiert oder anderweitig gefügig gemacht werden wollte!

Genau dies hatte aber – Wunder oh Wunder! – Nanette vor, als sie ihrer ‚Freundin‘ ihre Filzhand reichte und einladend mit ihrer leblosen Stimme sprach: „Nun denn Mylady. Höchste Zeit, Euch frisch zu machen, damit wir mit der Anprobe Eures Kleides beginnen können! Ihr könnt es doch sicherlich kaum erwarten, hihi.“

Die junge Frau hätte beinahe zu lange mit einer Antwort gebraucht, da die lebende Marionette schon einfach nach ihr greifen wolle, als sie gerade noch rechtzeitig einen Schritt zurücktrat und eiligst sagte: „Ähm, weißt du Nanette, dass geht mir alles fast ein bisschen ZU schnell… Jetzt wo es soweit ist… Uff, ich bin so aufgeregt das ich… Uuuhhh, mir wird ganz anders… Gib mir bitte fünfzehn Minuten um mich zu sammeln und zu beruhigen, ja?“

Um ihren Worten die nötige Echtheit zu verleihen, hielt sich das verwandelte Eleganzpokémon dabei den Bauch und wirkte mit dem bleichen, schmerzverzerrten Gesicht, den traurigen, hilfesuchenden Augen und ihrer kläglichen Stimme absolut Glaubwürdig. Dies fiel Altan-Tschitschik allerdings im Moment auch nicht schwer, denn schließlich waren diese Gefühle sogar echt – selbst beim Grund hatte sie nicht gelogen: Der Gedanke an eine Hochzeit mit diesem notgeilen Zauberer; der ihr nach seinen ‚Küssen‘ zu urteilen wohl am liebsten einen Strohhalm in den Mund gesteckt hätte; ließ wirklich grässliche Übelkeit in ihr hochkommen :P.

Jedenfalls zweifelte sie nicht daran, dass Nanette ihrer Bitte nachgehen würde, wenngleich es schwer war, aus ihrer verzerrten Fratze überhaupt irgendetwas deuten zu können. Tatsächlich nickte die lebende Marionette aber sogleich und meinte mit freundlicher Höflichkeit: „Wie Ihr wünscht Mylady. Aber wirklich bloß fünfzehn Minuten! Wir haben einen straffen Zeitplan und was noch wichtiger ist: Eure Aufregung wird nicht schwächer, wenn Ihr es weiter hinauszögert Mylady. Ich werde vor der Tür auf Euch warten, ruft mich, wenn Ihr soweit seid.“

„Vielen Dank Nanette, du bist die beste Freundin, die man sich wünschen kann!“, freute sich Goldblume und rang sich zu einer Umarmung durch, wohlwissend, dass sie mit diesem Ding, welches dieser Mistkerl wohl aus irgendeiner Schublade gezogen hatte, niemals richtig befreundet sein könnte. Doch das machte in diesem Moment nichts, solange sie nur die Zeit bekam, einen Plan auszuhecken um von hier verschwinden zu können. –Man konnte also auch in diesem Fall sagen, dass Schabelles Freude über Nanettes Einsicht ebenfalls der Realität entsprach^^…

Stumm stand die groteske Gestalt inzwischen schon seit annähernd 11 Minuten – Nanette besaß ein perfektes Zeitgefühl – vor dem Schlafgemach und lauschte den undeutlichen Geräuschen daraus, ohne sich etwas dabei zu denken. Erst das Klirren von Glas ließ sie aufhorchen, dazu Altan-Tschitschiks panische Stimme: „Nanette komm schnell!“

(Und passend zur Situation: Rayman 2 – The Fairyglade Part 2: https://www.youtube.com/watch?v=dDkqMPyvD-0)

Sofort stürmte die lebende Marionette in die Kammer – sie hätte es übrigens auch getan, wenn man sie nicht gerufen hätte, denn mittlerweile ahnte sie allmählich, das irgendetwas hier nicht stimmte!

Ihr bot sich ein Bild des Chaos: Der Kleiderschrank stand sperrangelweit offen und sämtliche Kleidungsstücke lagen weithin im Zimmer verstreut herum. Dazu gesellten sich die Glassplitter des großen Wandspiegels, der völlig zerdeppert wurde. Die Vorhänge waren abgerissen und nicht mehr zu sehen und zu guter Letzt war auch die Tür zum Balkon offen, sodass ein sanfter Windhauch durch das verwüstete Schlafgemach wehte.

„Was ist passiert Mylady?! Und wo steckt Ihr?!“, verlangte Nanette unverzüglich zu wissen, wobei ihre ansonsten so leblose Stimme nun regelrecht vor Unverständnis und, ja, purer Feindseligkeit troff. Da erblickte sie, das am Geländer des Balkons etwas befestig war…

…Eine Art Seil, wie in den alten Filmen aus Vorhängen und Bettlacken geknotet, mit denen die Protagonisten aus ihren augenscheinlich sicheren Gefängnissen flohen.

„Nein!“

Nanette stürzte zum Balkon, sah sich zunächst prüfend und dann zunehmend verwirrt um. Am Seil kletterte niemand mehr, doch sie konnte auch keine flüchtende Silhouette ausmachen, was nicht sein konnte! Soweit konnte die Braut ihres Herrn nicht gekommen sein, wenn sie gerade eben noch gerufen hatte – wo steckte diese vermaledeite Ultrabestie also?!

Noch ehe die lebende Marionette sich am Seil zu schaffen machen konnte, um sich dann in aller Ruhe im Zimmer umzusehen, trat Altan-Tschitschik aus ihrem Versteck heraus und überrumpelte die groteske Gestalt. In ihrer Hand hielt sie nämlich eine scharfkantige Scherbe des Spiegels und damit schnitt sie mit einer einzigen, pfeilschnellen Bewegung, die unsichtbaren, aber nichtsdestotrotz vorhandenen, magischen Fäden durch, an denen Nanette bis eben noch zappelte.

Augenblicklich sackte Nanette zusammen, verwandelte sich in einen wehrlosen, zeternden Haufen Stoff, der von Goldblume ungerührt in den Schrank gesperrt wurde. Es fiel auf, dass die junge Frau sich aus ihren Kleidern auf die Schnelle halbwegs alltagstaugliche Klamotten gebastelt hatte und ihr Hochzeitskleid sogar den größten Teil davon ausmachte. Nur auf den unnötigen Schmuck hatte sie logischerweise verzichtet – mit Ausnahme des goldenen Rings um ihren Hals. Deshalb verwunderte es ein wenig, dass sie sich für die goldenen High Heels als Schuhwerk entschieden hatte, doch nur auf den ersten Blick. Immerhin lief sie ja auch als richtiges Schabelle auf zwei äußerst spitzen Füßen und war deswegen mehr als vertraut mit dieser Gangart, was ihr flinker Angriff deutlich gezeigt hatte.

„Verflucht, wie kann das möglich sein?! Der Herr hatte euch doch bereits in seiner Gewalt!“, schimpfte die lebende Marionette unentwegt und warf dem verwandelten Eleganzpokémon einen hasserfüllten Blick zu: „Damit kommst du nicht durch! Der Herr wird dich finden, wird dich kriegen… Du kannst nicht entfliehen!“

Eiskalt blickte Schabelle mit versteinerter Miene und verschränkten Armen auf den Haufen Stoff herab und flüsterte mit gefährlich leiser Stimme, die ihre verletzten Gefühle glücklicherweise überdeckte, herausfordernd: „DAS wollen wir erst mal sehen! Ich bin glücklicherweise gerade noch rechtzeitig ‚aufgewacht‘! Sag deinem lüsternen Drecksack von Meister, dass er mich niemals kriegen und es eines Tages bereuen wird! Und damit… au revoir!“

Ungeachtet der weiteren Verwünschungen, die Nanette unausgesetzt ausstieß, verschloss Altan-Tschitschik den Kleiderschrank, eilte zum Balkon und begann behände mithilfe des Seils den Turm hinabzuklettern. Zwar reichte dieses nicht ganz bis zum Boden, es fehlten gut eineinhalb Meter, aber das hielt Goldblume nicht auf: Sie stieß sich von der Wand des Turmes ab, ließ das Seil los und landete elegant mit allen Vieren, um den Stoß abzufedern, auf dem Holzsteg, ehe sie ohne Übergang in Richtung des Sumpfes davoneilte…

***

Unter den restlichen Bewohnern des dunklen Turmes blieb dieser Vorfall zunächst völlig unbemerkt, da dort geradezu hektische Betriebsamkeit herrschte, um die letzen Vorbereitungen für die ‚Hochzeit‘ zwischen dem Meister und seiner Goldblume zu Ende zu bringen.

Spätestens jetzt aber wurde klar ersichtlich, dass es sich bei dieser nur um eine schöne Illusion, einer hübschen Lüge handelte: Es gab gar keine geladenen Gäste, niemand würde dieser Zeremonie beiwohnen. Auch die Tafel war ausschließlich für den Herrn selbst gedeckt und Altan-Tschitschik wurde lediglich ein simpler Schemel als Sitzgelegenheit zur Rechten ihres ‚Gemahls‘ zugedacht. –Denn zu diesem Zeitpunkt würde sie ohnehin nur noch eine willenlose Sklavin in der völligen Gewalt des Magiers sein…

Ja, der ganze Pomp diente einzig und allein dem Zweck, dass Nepomuk Balthazar von Sonnenstich sich selbst und seinen ‚Erfolg‘, eine Ultrabestie zu ehelichen, ausgiebig feiern und dabei sein gewaltiges Ego streicheln konnte!

‚Blitzblank blitzt das Besteckt. Silberleuchter, Meistergedeck…‘, summte das Gesinde unterdessen unentwegt die Zeilen eines Liedes aus einem Musical, welches dem Zauberer gefiel.

Just in diesem Moment wurde die Tür zum Ballsaal aufgestoßen und fast wie gerufen betrat Balthazar von Sonnenstich den Raum. Er sah nach wie vor äußerst ausgelaugt aus, doch dies tat seinem hochherrschaftlichen, ja arroganten Auftreten keinen Abbruch. Mit strengem Blick beäugte er die letzten Vorbereitungen, schritt durch den Raum und gebärdete sich vollends wie ein eitler, eingebildeter Geck, weil er nun unbedingt seine Lieblingsstelle aus eben jenem Lied zum Besten geben musste: ‚Macht weiter mit der Arbeit, steht nicht faul herum! Mein Palast ist kein Elysium! Ich fordere Demut, Fleiß und Disziplin… Der dem das nicht passt, soll ins Armenhaus zieh’n!...‘

Schlussendlich nahm er mit einem selbstgefälligen Lächeln Platz und ließ ein zufriedenes und zutiefst erleichtertes Grunzen vernehmen: Jetzt musste er endlich (!) niemals mehr den edlen, verständigen Ritter spielen; eine Rolle, die ihm bereits nach diesen zwei Tagen schon zum Hals heraushing und die er gehasst hatte! Sie war nur nötig gewesen, damit der Zauber auch seine Wirkung voll entfalten konnte und nicht gefährdet wurde.

Die Belange oder gar Gefühle dieser Ultrabestie kümmerten ihn in Wahrheit nämlich nicht im Geringsten – nur er allein war wichtig! Dieses Schabelle hatte er nur in einen Menschen verwandelt, um seine Pläne und Ziele verwirklichen; sie war nur eine Spielfigur in seinem Plan. Und eine äußert attraktive noch dazu, wofür er sich selbst und sein Können lobte und was ihm selbstredend besonders wichtig war, wollte er doch noch ganz andere Dinge von ihr…

Wohlig rekelte Nepomuk sich bei diesem anzüglichen Gedanken in seinem bequemen Stuhl und sah vor seinem geistigen Auge bereits, wie SEINE Goldblume, durch den letzten nötigen Vorbereitungszauber in Bann geschlagen, gleich durch diese Tür schreiten und ihm das ‚Ja‘-Wort geben würde. Und dann, ja dann würde der Fluch endlich, endgültig und unumkehrbar seine wahre Macht entfalten! Von diesem Zeitpunkt an wäre sie schließlich rettungslos verloren und vollkommen sein Eigentum!

Wie vom Voltula gestochen fuhr der Zauberer jedoch völlig Unvermittelt in die Höhe; war urplötzlich ganz verschwitzt, noch blässer als zuvor und seine Augen waren vor Schreck so weit aufgerissen, dass man fürchtete, sie fallen jeden Moment aus ihren Höhlen. Seine magischen Fühler hatten soeben etwas Ungeheuerliches erspürt. Etwas, was überhaupt nicht möglich sein konnte…!

„Verflucht nochmal, nein, nein, nein!!!“

Sein lauter, zorniger Schrei hallten einem Donnergrollen gleich durch den Saal und ließ alle vor Schreck erstarren, während der Magier selbst mit geballten Fäusten und einem vor Wut schon ganz irren Gesichtsausdruck aus dem Saal stürzte. Wutschnaubend eilte er hinauf zum Schlafgemacht von Altan-Tschitschik, in dessen Kleiderschrank Nanette immer noch zeternd eingesperrt war.

Nepomuk wusste sofort beim ersten Blick Bescheid, wusste, dass er spät, viel zu spät hier war, rannte deshalb hinaus zum Balkon und stieß wie von Sinnen ein regelrechtes Brüllen hinaus in den Sumpf, doch es half alles nichts mehr:

Seine Braut war geflohen!

2.Kapitel


2.1: Die Jagd beginnt!

Schnell wie der Wind jagte Altan-Tschitschik schon seit bald einer Stunde durch den Sumpf, flog selbst jetzt noch förmlich elegant dahin, da ihre Füße scheinbar überhaupt nicht den Boden berührten. Weder die teilweisen morschen oder unebenen Holzstege, noch die rutschigen, schlammigen Inseln mit ihren nassen Gräsern vermochten ihr Tempo zu drosseln. Und wo sich ein Hindernis in Form eines dornigen Gestrüpps oder ein zu großer Abstand zwischen zwei der Inselchen auftat, überwand Goldblume dieses beinahe mühelos mit einem gewaltigen Satz und setzte so ihren Weg ungehindert fort.

Obwohl diese phänomenale Leistung und Ausdauer selbst Spitzensportler vor Neid erblassen lassen würde, kam sich Schabelle selbst total langsam und ungelenk vor. Denn mochte die Physis ihres Menschenkörpers noch so grandios im Vergleich mit anderen Menschen wirken: Den Fähigkeiten, die sie eigentlich als Ultrabestie besaß, konnte dieser Körper niemals das Wasser reichen. –Das war wohl der Preis dafür, dass die junge Frau wieder um ihr wahres Ich wusste…

Natürlich hatte diese von außen vielleicht verwirrend wirkende Einschätzung auch noch einen anderen, nachvollziehbaren Grund: Das verwandelte Eleganzpokémon wollte so schnell und so weit wie möglich weg von diesem vermaledeiten dunklen Turm und auch raus aus dieser offenen Sumpflandschaft, die ihr keine Deckung bot!

Geradezu sehnsuchtsvoll steuerte sie deswegen immer gen Osten zu den Sumpfwäldern, in denen sie sich verstecken, sammeln und die nächsten Schritte überdenken wollte. Blanke Abscheu und purer Hass auf diesen Magier und seine verruchte Tat trieben Altan-Tschitschik ebenso an wie die Furcht, es vielleicht nicht zu schaffen. Denn diese schlang sich wie eine würgende Ranke um sie und wurde stärker, je länger es dauerte die Wälder zu erreichen.

Aus diesem Grund wagte es Goldblume auch nicht, sich auch nur einmal umzusehen, einfach aus der diffusen Angst heraus, der Turm würde sich sonst nach ihr ausstrecken und sie packen wollen. Selbstredend schalt sich die junge Frau selbst für diesen verrücken Gedanken eine Närrin, doch sie fühlte sich einfach gerade so ohnmächtig, weil ihr nichts anderes übrigblieb, als wie ein gehetztes Beutetier vor seinem Jäger zu fliehen.

Genau in diesem Augenblick hallte das beinahe schon urweltliche, zornige Brüllen des Magiers durch die Sumpflandschaft, was unzählige Pokémon aufschrecken und ängstlich fliehen ließ. Ironischerweise huschte Schabelle im Gegensatz dazu ein zufriedenes, schadenfrohes Lächeln übers Gesicht, da ihr Plan immerhin soweit schon mal aufgegangen ist. Sie hat damit gerechnet, dass Nepomuk wegen seiner Erschöpfung eine Weile brauche würde, bis seine magischen Fühler ihre Flucht überhaupt bemerken würden. Und so wie es nun aussah, hatte er wohl fast eine Stunde dafür gebraucht – schlecht für ihn, gut für sie :P.

Dann jedoch wurden die Gesichtszüge des Verwandelten Eleganzpokémon wieder ernst, wusste sie doch, dass dieser Mistkerl ganz sicher nun versuchen würde, sie wieder zu bekommen! Also verbannte sie jeden unnötigen Gedanken aus ihrem Kopf, konzentrierte sich wieder voll und ganz auf ihre Atmung, ihren Körper, den Weg vor ihr und versuchte ihren Spurt noch eine Spur zu beschleunigen und hoffte, dass die Reserven ihres menschlichen Körpers das noch lange genug aushalten würden…

Kurze Zeit später; der Wald lag bereits zum greifen nah; bestätigten sich die Befürchtungen von Altan-Tschitschik:

Sie hörte zunächst ein fernes Rausche, welches immer näherkam und dabei zunehmend anschwoll, ehe sie auch schon die dafür verantwortlichen vier Jet-Ski ausmachen konnte, die natürlich direkt auf sie zuschossen! Gesteuert wurden diese von Ass-Trainern, die unter der Kontrolle des Magiers standen, was man an ihrem leichten lilafarbenen Schatten über dem Gesicht und ihren entrückten Blicken erkennen konnte. –Sie selbst merkten übrigens gar nicht, dass sie unter fremdem Einfluss standen, da sie sich freiwillig der Magie von Nepomuk ausgesetzt hatten, weil er mit seinen süßen Lügen ihren Ehrgeiz; einer der besten Trainer sein zu wollen; angesprochen und sie so eingewickelt hatte. Auf diese trickreiche wie miese Weise hatte Balthazar von Sonnenstich bereits viele Menschen unwissentlich unter seine Herrschaft gezwungen.

Jetzt jedenfalls hatten die Trainer ihrerseits auch die flüchtende Goldblume entdeckt, deuteten mit einem überheblichen und triumphierenden Grinsen auf sie und zückten jeweils einen Pokéball.

„Da vorne ist sie ja!“, sprach es der Anführer des Quartetts, ein vielleicht gerade erst 20 Jahre alt gewordener, sportlicher Jüngling mit blau gefärbten Haaren, aus, lachte selbstgefällig und meinte im Brustton der Überzeugung: „Hehe, weglaufen kann das Fräulein ja noch ziemlich gut, aber gegen ECHTE Pokémon hat sie als Mensch nicht den Hauch einer Chance! Los Leute, die fangen wir schneller ein als ein paralysiertes Karpador mit einem KP!“

Die anderen drei Trainer bekundeten laut grölend ihre Zustimmung, als auch schon alle ihre Bälle warfen, sodass sich nun ein Machomei, ein Lektrobal, ein Ariados und schlussendlich ein Shnurgarst daran machten, das verwandelte Eleganzpokémon zu verfolgen.

Die Taktik der Vier war relativ simpel doch äußert effizient und beinahe schon idiotensicher:

Das extrem schnelle Ballpokémon sollte die junge Frau ein- und dann überholen, um ihr den Weg abzuschneiden. In genau diesem Moment würde Ariados sie mit seinem Klebenetz bewerfen, um sie zu fesseln und ihre Bewegungsfreiheit so enorm einzuschränken. Shnurgarst sollte sie, als zweitschnellstes Pokémon, anschließend zu Fall bringen und solange am Boden fixieren, bis Machomei zur Stelle sein würde, um sie mit seinen vier kräftigen Armen zu packen, sodass eine Flucht nicht mehr möglich war.

Ein gewöhnlicher Mensch hätte angesichts dieses schier gewaltig übertriebenen Manövers nicht den Hauch einer Chance gehabt, worum es den Trainern auch vorrangig ging: Der Meister wollte seine Braut so schnell wie möglich wieder haben und darum war es besser, gleich mit Kanonen auf Taubsis zu feuern!

Was das Quartett in seiner Überheblichkeit allerdings schlicht nicht bedacht hatte (und auch gar nicht erwartete), war der Umstand, dass es ich bei Schabelle eben NICHT um eine gewöhnliche Menschenfrau handelte!

(Hier eine kleine Melodie für einen deftigen Kampf^^: Legend of Kay [OST] #10: Battlehttps://www.youtube.com/watch?v=BrtQO_qU10w)

So kam es, dass Altan-Tschitschik die Strategie ihrer Gegner schnell durchschaut hatte und den Überraschungseffekt nutzte, um ihnen eins auszuwischen. Zunächst spielte sie mit, tat so als liefe sie weiter davon und würde erschrocken abbremsen, weil das Elektropokémon sich grinsend vor ihr aufbaute. Aber anstatt zu verharren und vom Klebenetz erwischt zu werden, machte Goldblume urplötzlich einen mächtigen Satz in die Luft, sodass Lektrobal an ihrer statt getroffen und verlangsamt wurde.

Noch während des Falls vollführte sie eine leichte Drehung in der Luft, womit der Angriffssprung – zudem Shnurgarst eiligst angesetzt hatte – sie knapp verfehlte. Dafür verpasste das verwandelte Eleganzpokémon der fetten Katze einen kraftvollen Tritt in den Allerwertesten, der das Normalpokémon aufjaulen ließ, bevor es ungelenk auf dem schlammigen Boden krachte und von dort in das morastige Wasser purzelte.

Kaum selbst wieder auf dem Boden hielt die junge Frau sofort auf das Fadenwurfpokémon zu, welches hektisch versuchte sich mit weiteren Klebenetzen und Schattenstößen zu erwehren. Doch dessen Gegnerin war viel zu flink für das eher langsame Käfer/Giftpokémon, weshalb sie Ariados sogleich mit einem blitzschnellen Hebelgriff umgeworfen und anschließend an seinen Beinen auf dem Hinterleib gepackt hatte. Dann begann sie sich wie eine Hammerwerferin mit ihrem Gegner im Kreis zu drehen und schleuderte das Fadenwurfpokémon nach ein paar Umdrehungen mit aller Wucht weit hinaus in den Sumpf, wo ein weit entferntes ‚Platsch!‘ deutlich machte, dass es im Wasser gelandet ist.

Schabelle hatte Ariados kaum losgelassen, da duckte sie sich bereits, um ihrerseits dem eisernen Klammergriff zu entgehen, mit dem Machomei sie zu packen suchte. So schnell sie konnte machte sie anschließend eine Rolle rückwärts, weil das Kraftprotzpokémon reaktionsschnell schon zu einem heftigen Fußtritt ausholen wollte. Rasch setzte das Kampfpokémon ihr jedoch nach und war im Begriff erneut nach ihr zu greifen, doch das verwandelte Eleganzpokémon war schneller!

Mit einem wilden Schrei sprang Altan-Tschitschik in die Luft und attackierte ihren Gegner mit einem Dreifachkick in den sie all ihre Wut legte.

Ein Treffer!

Zwei Treffer!

Volltreffer!

Wie ein Kartätschenfeuer donnerten die drei Tritte in schneller Folge auf die Brust Machomeis und obwohl diese Pokémon robust und ausdauernd waren, steckte es diesen Angriff nicht einfach so weg, zumal die High Heels die Tritte noch schmerzhafter machten. Der erste Kick lähmte das Kraftprotzpokémon förmlich, der zweite ließ es schon schwanken und mit dem dritten schaffte Goldblume es, auch diesen Gegner in den Sumpf zu katapultieren.

Jetzt musste sie sich nur noch um Lektrobal kümmern, wobei Eile geboten war, denn das Elektropokémon hatte sich bald schon wieder aus dem Klebenetz befreit und gegen dessen Tempo hätte die junge Frau keine Chance gehabt. Zu allererst bewarf sie deshalb das Gesicht des Ballpokémon wieseniorflink mit Schlamm, damit ihr Gegner geblendet war und attackierte diesen ausschließlich mit präzisen und heftigen Tritten, da ihre Schuhe keinen Strom leiteten.

Auf diese Weise wollte sie der paralysierenden Statik von Lektrobal entgehen und es dennoch reizen und dort platzieren, wo Schabelle es haben wollte. Den blindlings abgefeuerten Donnerblitzen und –wellen wich sie geschmeidig aus und mehrte somit den Ärger ihres Gegners noch weiter, bis das Elektropokémon genug hatte!

Egal wie gut trainiert und beherrscht; ein Lektrobal konnte sich schlussendlich seiner Natur niemals gänzlich verwehren: Wenn es voll Energie steckte und sich dazu noch über alle Maßen ärgerte würde es früher oder später immer auf das Gleiche hinauslaufen: Es explodierte.

…Doch nicht beim verwandelten Eleganzpokémon!

Mit einem letzten, beherzten Kick gelang es Altan-Tschitschik das kurz vor der Detonation stehende Ballpokémon von sich wegzutreten. Und zwar genau auf die vier Ass-Trainer, die bis dato wie ein stummer Chor mit offenem Mund einfach auf ihren Jet-Ski gesessen waren!

Man muss an dieser Stelle nämlich erwähnen, dass dieser ganze, heftige Kampf keine fünf Minuten gedauert hat – eine Leistung, welche die Trainer Goldblume in ihrer menschlichen Gestalt nie im Leben zugetraut hätten. Deswegen waren sie auch die ganze Zeit über noch völlig Starr vor Verblüffung und völlig unfähig, ihren nicht minder überraschten und so überrumpelten Pokémon irgendwelche Befehle erteilen zu können. –Wenn sie das getan hätten, wäre der Kampf höchstwahrscheinlich ganz anders ausgegangen.

Aber nun blieb ihnen nichts anderes übrig, als mit vor Schreck aufgerissenen Augen zuzusehen, wie das bedrohlich glühende Lektrobal auf sie zuflog. Lediglich ihre Sprache hatten sie rechtzeitig wiedergefunden, weshalb sie panisch ein einziges, doch äußerst zutreffendes Wort stammelten:

„Fuck! Fuck! Fuck! :o“ (Wobei einer unter ihnen – ein ‚Zugreister‘ – lieber geradezu innbrünstig ein einziges ‚Allmächd!‘ über seine Lippen kommen ließ^^.)

-Kabumm!-

Mit einem lauten Getöse explodierte das Elektropokémon noch in der Luft, wobei es ganz streng genommen nicht richtig detonierte, sondern viel eher seine ganze Kraft in Form einer mächtigen und zerstörerischen Schockwelle ausstieß. (Überlegt doch mal: Würden Pokémon wortwörtlich explodieren müsste es sie doch in tausend Teile zersprengen und sie wären schlicht und ergreifend danach tot :whistle:…)

Jedenfalls hatten sich die Trainer im allerletzten Moment doch noch aus ihrer Starre befreien können und waren ins rettende Wasser abgetaucht, sodass es nur die Jet-Ski erwischte. Prustend kamen sie wieder an die Oberfläche, hielten sich an den Wracks ihrer Fahrzeuge fest und betrachteten mit ziemlich säuerlicher Miene das Bild, das sich ihnen bot:

Lektrobal dümpelte besiegt und komplett ausgelaugt zwischen ihnen im Wasser, Ariados paddelte mühsam auf sie zu, während sich die anderen beiden Pokémon bereits wieder auf die Insel gerettet hatten und dort kleinlaut herumsaßen und auf den Boden starrten. Die Scham, sich trotz ihres außerordentlich guten Trainingszustands dermaßen von diesem verwandelten Eleganzpokémon übertölpeln und vorführen zu lassen, stand ihnen überdeutlich ins Gesicht geschrieben.

Tja und Schabelle selber…

…war schon längst in das Dickicht des Sumpfwaldes entkommen, wo es deutlich schwieriger sein würde, sie erneut aufzuspüren und zu stellen.

Einer der Trainer – der Zugreiste, der ein schmächtiger Bursche Ende zwanzig, mit kurzen, dunkelbraunen Haaren war – kratzte sich darum verlegen am Kopf und fand ziemlich passend: „Also etz hämma a Problem…“

2.2: Verzweiflung

Keuchend kämpfte sich Goldblume in der Zwischenzeit durch das stellenweise schier undurchdringliche Gewirr aus tiefhängenden, belaubten Zweigen, den Lianen und Ranken und dichten, oftmals auch dornigen Büschen. In ihrer Not sah sie sich gezwungen durch diese hindurch zu kriechen, was angesichts des feuchten, schlammigen Erdreichs keine angenehme Aufgabe darstellte. Bereits nach kurzer Zeit waren daher ihr Körper, als auch ihre Kleidung völlig zerkratzt, nass und schmutzig, ihr Haar durcheinander und voller Blätter und Zweige. Darüber hinaus setzte ihr auch noch die schier unerträgliche heiße, schwüle Luft zu, welche das Atmen und jede weitere anstrengende Bewegung zu einer Qual machte und sie in Strömen Schwitzen ließ, ohne, dass es Kühlung verschaffen konnte.

Trotzdem biss Altan-Tschitschik die Zähne zusammen und mühte sich weiter voran, um den Abstand zu den Trainern so weit zu vergrößern, wie es ihr möglich ist. Denn allzu weit entfernt von ihnen, wie diese vielleicht dachten, war sie in Wahrheit überhaupt nicht.

Die wilde Flucht und der harte Kampf von eben forderten nun ihren Tribut:

Die junge Frau hatte beinahe ihre sämtlichen Kräfte verbraucht, auch die lodernde Wut auf den Magier, die ihr geholfen hatte gegen die Pokémon zu bestehen, war völlig verflogen. Sie fühlte nur noch Asche in sich; komplett leer und ausgebrannt. Selbst der Wille, weiterzumachen, schwand Zusehens dahin.

Aus diesem Grund ‚flog‘ das verwandelte Eleganzpokémon auch nicht mehr, sondern stolperte und rutschte nur noch hustend und schwer Atmend auf unsicheren Beinen umher und es kostete sie immer mehr Überwindung, sich wieder und wieder durch die unzugänglichsten Stellen durchzuzwängen. Doch sie konnte unmöglich die einfacheren Wege durch den Wald nehmen. Zu groß war die Angst, dass einer der Schergen des Magiers, die sicher bald den Ort durchkämmen würden, sie so entdecken würde. –Schabelle wollte wenigstens um jeden Preis vermeiden, dass ihre Gegner zu früh merken, dass sie längst nicht so stark und ausdauernd war, wie es den Eindruck gemacht hatte…

Goldblume rang sich noch dazu durch, einige Meter zu gehen, dann konnte sie einfach nicht mehr. Sie brauchte dringend eine Pause, fühlte sich so grässlich hilflos, schwach und verletzlich in dieser menschlichen Gestalt, sodass sie sich geradezu schmerzlich nach ihrem Chitinpanzer, ihren Fühlern, ach, eben nach ihrer wahren Gestalt und ihren Fertigkeiten als Käfer/Kampfpokémon sehnte.

Unwillkürlich füllten sich ihre Augen mit Tränen und eiligst kroch sie unter das erstbeste, halbwegs sichere Versteckt unter einem Gesträuch und igelte sich ein. Der Schutzmantel, der ihre Gefühle bis jetzt unterdrückt hatte, löste sich durch die Erschöpfung viel schneller auf als geplant und nun kamen all die verdrängten Emotionen auf einmal hoch. Sie brachen hervor wie Wassermassen aus einem übervollen Staudamm, der dem Druck nicht länger standhalten konnte und deswegen barst, sodass Altan-Tschitschik regelrecht von ihnen übermannt wurde und sich ihnen zwangsläufig stellen musste.

Deswegen begann sie bitterlich zu weinen, ein heftiges Schluchzen kollerte in ihrer Brust und ihr Körper brach in unkontrollierbares Zittern aus. Das ganze verstörende Ereignis, mit all dem Schmerz, dem Leid und der Abscheu, zog überdeutlich vor ihrem geistigen Auge vorbei:

Sie sah sich selbst in ihrer wahren Gestalt als Schabelle, wie sie gerade in vollem Lauf durch die wunderschönen Weiten ihrer Heimat, der Ultrawüste, sauste. Ein sorgloses, wildes Leben voller Freiheit führend, in dem eines der größten Glückgefühle war, so schnell zu sein, dass man schier eins mit dem Wind wurde und elegant dahinflog…

…Bis urplötzlich der Boden zu beben begann und pechschwarze, komplett unnatürliche Wolken den Himmel bedeckten!

Die anderen Schabelle, mit denen Goldblume unterwegs gewesen war, flohen voller Panik. Doch sie konnte nicht, war wie festgewachsen und gezwungen zuzusehen, wie die dunklen Wolken sich direkt über ihrem Haupt zu einem wirbelnden Mahlstrom formten. Immer schneller und schneller drehten sie sich, bevor sie langsam, aber bedrohlich und unaufhaltsam zu ihr hinab wuchsen.

Verzweifelt wollte sich Altan-Tschitschik aus dieser seltsamen Starre kämpfen, um Himmels Willen fliehen, wie ihre Artgenossen, aber sie kam einfach weiterhin nicht vom Fleck, es fühlte sich beinahe so an, als würde irgendetwas sie festhalten. Eine schreckliche, nicht zu beschreibende Furcht überkam sie, als die dunklen, unentwegt wirbelnden Wolken sie schließlich umhüllten, beinahe so, als stünde sie inmitten eines Tornados, der an Ort und Stelle verharrte.

Kaum war dies geschehen, ergriff sie ein mächtiger Sog, welcher sie brutal in die Höhe zog – gleich einer kräftigen Hand, die sie unvorstellbar fest gepackt hielt, sodass sie sich nicht mal im Geringsten dagegen hätte wehren können. Ohnmächtig und ängstlich musste Goldblume es über sich ergehen lassen, dass sie hinauf ins Zentrum des Mahlstromes gezogen wurde, wo sich in dessen Auge mit einem mal eine Art Portal auftat in welchem sie verschwand.

Ein greller Lichtblitz, ein schmerzhafter, elektrischer Impuls, der ihren Körper heftig durchzuckte, dann fand sie sich bereits auf dem Boden einer großen, komplett mit Fliesen aus pechschwarzen Obsidian bedeckten Kammer wieder – dem dunklen Turm des elenden Magiers!

Und hier nahm der für sie schlimmste Teil dieses ganzen Alptraums seinen Lauf:

Schabelle lag völlig wehrlos am Boden, von Fesseln aus schwarzer Magie umwickelt, und wand sich unter unvorstellbaren Qualen und blanker Furcht, weil sie nicht ahnen konnte, was mit ihr passierte. Keinen Meter entfernt von ihr stand derweil komplett ungerührt Nepomuk Balthazar von Sonnenstich und fuhr mit seinem finsteren Werk fort; sich um die Leiden von Altan-Tschitschik einen Dreck scherend. Zauberspruch um Zauberspruch; welche der Schwarzmagier in einem unheilvoll klingenden Singsang mit zig wechselnden Tonlagen und unterstützt durch rhythmische Gesten von sich gab; verwandelten das Eleganzpokémon nach und nach gegen ihren Willen mit aller Macht in eine Menschenfrau.

Und als wäre die schon nicht schlimm genug, musste sie auch noch die widerlichen Blicke dieses Drecksacks ertragen!

Durch alle Schleier der Angst und der Leiden hindurch konnte Goldblume genauestens spüren, wie er ihren unverhüllten Menschenkörper gierig, wie eine ihm zustehende Ware, von allen Seiten schamlos betrachtete, förmlich abtastete! Und das so grauenvoll intensiv, dass sie sich allein dadurch schon beinahe körperlich geschändet, beleidigt und entehrt von ihm fühlte und ihr bereits beim Gedanken daran ganz schlecht wurde!

Mochte ihr Martyrium nur einige Minuten gedauert haben; sie selbst empfand es als halbe Ewigkeit, bis ein letzer Schmerz durch ihren gepeinigten und verwandelten Körper fuhr, der sie sich nochmals aufbäumen und einen gequälten Schrei ausstoßen ließ. Erst danach sank sie fast wie tot zusammen, alles verschwamm vor ihren Augen und ihr Bewusstsein versank scheinbar rettungslos in einer undurchdringlichen Schwärze, die alles auslöschen wollte…

Kein Wunder, dass sie am Morgen darauf, trotz ihrer falschen Erinnerungen, so aufgewühlt war! Mochte man ihren Verstand mittels Magie auch geblendet haben, ihr Unterbewusstsein hat dieses unsagbare Erlebnis nicht vergessen, und versucht ihr dies Mitzuteilen, was letztendlich ja auch glücklicherweise noch erfolgreich gewesen war.

Aber nun, wo sie sich dessen erst so richtig bewusst wurde, fing der Schmerz erst richtig an! Sie war ein Wesen in einem fremden Körper, in einer fremden Welt und gejagt von dem Monster, welches für all das verantwortlich ist! –Diese fürchterliche Gewissheit musste nun genauso verarbeitet werden, wie all die verletzten Gefühle jetzt endlich aus ihr heraus mussten!

Daher weinte Altan-Tschitschik unendlich traurig und verletzt in ihrem Versteck, weinte und schluchzte, ließ alles, was sie quälte, hinaus. Und zwar so lange und heftig, bis sie keine Tränen mehr übrig hatte, nichts mehr fühlen oder denken konnte, sondern auf der Stelle in einen erschöpften Schlaf fiel.

Goldblume konnte zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, dass ihr Schmerz nicht ungehört bleiben sollte. Genauso wenig, wie das sie diese Reise und all die damit verbunden Herausforderungen auch nicht allein stemmen musste…

2.3: Arceus‘ Intervention

(Findet ihr nicht auch, dass diese Melodie auch für Arceus komponiert hätte sein können? Rayman 2 – Polokus – Spirit of the World https://www.youtube.com/watch?v=IOwboApWGdc)


Zur gleichen Zeit an einem anderen, fernen und wundersamen Ort…

…Nun ja, zumindest theoretisch ‚zur gleichen Zeit‘, weil es hier gar keine richtige Zeit gab, sondern die Ewigkeit herrschte. Ein widersprüchlich und letztlich doch harmonischer Bund aus stetem Wandel und Unveränderlichkeit, welcher das Vorstellungsvermögen gewöhnlicher Sterblicher schier überforderte…

Der Himmel hier besaß eine mysteriöse und gleichzeitig entspannende hellviolette Färbung. Abertausende, funkelnde Sterne, ja sogar ganze Planeten, die wie vielfarbige Edelsteine strahlten und so das Firmament schmückten, waren dort zu beobachten. Und obwohl keine Sonne in der Nähe war, erhellte ein sanftes Licht die Szenerie, welches man unmöglich einer Tageszeit zuordnen hätte können.

Eine weite, leicht hügelige Graslandschaft breitete sich vor einem aus, bewachsen mit Pflanzen, die man auf der Erde nirgends finden würde. Die farbenfrohen Gräser mit ihren flauschigen, wie Pinsel wirkenden, Rispen, waren hüfthoch und unfassbar zart und weich, schmeichelten der Haut wie eine seidene Decke, anstatt das man sich wie hierzulande an den scharfkantigen Blättern schneiden würde. Dazwischen reckten sich die Kelche und Blüten zahlloser fremdartiger und doch wunderschöner, ätherischer Blumen in die Höhe. Eine jede von ihnen verströmte schon für sich allein einen wundervollen Duft und gemeinsam balsamierten sie die Luft förmlich mit ihrem herrlichen Odeur und trugen so ihren Teil zur erhabenen Aura dieser Welt bei. –Jeder hätte nur einen Atemzug davon nehmen müssen und schon hätte er alle irdischen Unzulänglichkeiten abgestreift, wäre Teil dieses reinen, friedlichen Ortes und bereit für dieses Leben in der Zeitlosigkeit geworden.

Unentwegt wehte überdies eine angenehme, laue Brise über die Landschaft, liebkoste förmlich die Pflanzen mit unsichtbaren Fingern, sodass sie sich im Takt des Windes wiegten und man sich wie beim Betrachten eines sanft wogenden Ozeans fühlte.

Und inmitten dieses sacht rauschenden Pflanzenmeeres saß ein einziges, großes und erhaben wirkendes Pokémon – Arceus, der Schöpfer der Pokémonwelt!

Das entfernt an die Gestalt des weißen Stiers - welche Zeus, der oberste Gott der griechischen Antike einstmals angenommen hatte um Europa zu entführen - erinnernde Alphapokémon hatte sein Haupt gesenkt, hielt die Augen geschlossen und wirkte in tiefer Mediation versunken. Völlig reglos verharrte das machtvolle Normalpokémon schon seit einer geraumen Weile in dieser Position, weil es seinen Geist auf eine Reise geschickt hatte. -Einzig der zarte Wind zauste das kurze, hauptsächlich weiße Fell und brachte den ‚Haarschopf‘ am Hinterkopf dazu sich im Gleichtakt mit den Blumen und Gräsern zu wiegen.

Mit einem mal jedoch öffneten sich die grünroten Augen von Arceus, es nickte bedächtig und murmelte scheinbar mehr für sich selbst: „Ja, lass es heraus… Reinige dein Herz vom bitteren, zerstörerischen Gift… Du bist bereit, ich fühle es... Die Zeit ist gekommen!“

Auf dieses Stichwort hin erhob sich der ‚Gott‘ der Pokémon von seinem Lager, wobei sich die niedergedrückten Pflanzen wie von Zauberhand wieder vollständig aufrichteten und intakt waren, und setzte sich mit würdevollen Schritten in Bewegung.

Allerdings sollte man an dieser Stelle unbedingt erwähnen, dass Arceus die Bezeichnung als ‚Gott‘ zutiefst missfiel und sie entschieden ablehnte!

Dieser Begriff war dem Alphapokémon mit viel zu vielen schier unvorstellbaren Erwartungen und Ansprüchen beladen, den dazu noch zig Gruppierungen für sich beanspruchten und in ihrem Sinne auslegten, sodass man nur den Kopf darüber schütteln mochte…

Ein Gott, das war in den Vorstellungen vieler ein Überwesen welches lediglich mit dem Finger schnipsen oder bloß pusten musste und schon würde der Himmel auf Erden herrschen und alles wäre perfekt…

…Doch so einfach war das nun mal nicht!

Selbst ein Machwesen wie Arceus zweifelsohne eines war, konnte nicht tun und lassen, was es wollte. Auch es war gewissen unabänderlichen Regeln und Gesetzen unterworfen, wenn es das Gleichgewicht und damit sogar schlussendlich seine eigene Existenz nicht gefährden oder gar zerstören wollte!

Denn was die meisten Menschen nicht verstanden war der Umstand, dass alles, wirklich alles in Verbindung miteinander stand; sogar die riesigen Sphären der unterschiedlichen Welten, Universen und Dimensionen. Jede kleine Veränderung hatte Auswirkungen auf das große, allumfassende Ganze, mag sie für den gewöhnlichen Betrachter noch so trivial bis völlig unbedeutend wirken. Aber sie WAREN nun mal da und nur Wesen wie das Alphapokémon, besaßen die nötige Weitsicht und Weisheit, um zu ahnen, was für Folgen das nach sich ziehen würde. –Am ehesten würden wohl die Gelehrten Sinnohs begreifen, was damit gemeint war, da diese die Legenden um Palkia, Dialga und Girantina bewahrten und um die Verbindung zwischen ihrer Welt und beispielsweise der Zerrwelt wussten. Ganz besonders nach den Ereignissen rund und mit Team Galaktik.

Aus diesem Grund hatte Arceus oftmals mehr die Rolle eines Beobachters inne, der den Dingen – guten wie schlechten, weil beide notwendig waren und nun mal unweigerlich zusammengehörten – ihren Lauf lassen musste. Denn der unbedachte Einsatz seiner Macht würde in den meisten Fällen mehr schaden als nutzen.

Jedoch…

Völlig untätig war das Alphapokémon auch wieder nicht! Wenngleich es niemals gravierend in seine Schöpfung eingreifen konnte und wollte; hin und wieder bot sich die Gelegenheit, einen kleinen Impuls auszusenden, um etwas in eine gewünschte Richtung zu lenken.

Und genau dies hatte Arceus nun vor!

Zielstrebig schritt das machtvolle Normalpokémon deshalb durch die paradiesische Landschaft, die nach wie vor mehr einer Welt aus einem Traum glich, hin zu einem kleinen Hain Bäume, dessen schmale, silberfarbene Stämme miteinander verflochten waren und deren goldene Blätter klingenden Glöckchen gleich im Wind rauschten. Im Inneren dieses Wäldchens traf das Alphapokémon, wie erwartet, ein kleines, junges Pokémon an; einen seiner Schüler.

Dieser war gerade so auf sein Training fixiert, dass er das Auftauchen seines Meisters zunächst gar nicht bemerkte. Und Arceus selbst wiederum gab sich auch nicht sofort zu erkennen, sondern beobachtete das kleine Wesen, welches voll jugendlichem Eifer und beinahe schon Übermütig an seinen Fertigkeiten feilte, mit einer Mischung aus Vergnügen und Stolz. Sein jüngster Schützling hatte sich inzwischen äußerst gut gemacht und viele der gelernten Lektionen verinnerlichen und vervollkommnen können.

Diese Erkenntnis – egal wie oft sie auch schon eingetreten sein mochte - sorgte bei Arceus jedes Mal für ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit, der Hoffnung – und der Verbundenheit mit seiner Schöpfung. Denn jenes Empfinden hatte das Alphapokémon unter anderem auch bei all den Trainern wahrnehmen können, denen es bei seinen kleinen Ausflügen zur Erde begegnet war.

Ab und zu nämlich, wenn es das Gefüge der Dimensionen zuließ, legte Arceus einen Teil seiner Macht ab und begab sich bisweilen sogar für die Reise eines ganzen Lebens in die Obhut eines ausgewählten Menschen, um zu lernen und sich einen direkten Blick auf die aktuelle Lage der Welt zu verschaffen. -Ganz so, wie man es sich auch über die beiden legendären Drachen Zekrom und Reshiram erzählte.

Arceus jedenfalls verband zahlreiche freudige und lebendige Erinnerungen mit diesen Exkursionen, dachte gerne an die vielen freundlichen Menschen, denen es begegnete, zurück. Und wenngleich es auch dunkle und schlechte Erfahrungen machen musste – die Guten überwogen diese um Längen und solange dies so blieb, war der Welt aller Dunkelheit zum Trotz auch weiterhin eine verheißungsvolle Zukunft beschieden…

In diesem Moment wurde sein Schüler Arceus‘ Anwesenheit gewahr, sodass er mitten in einer Übung überrascht stockte. „Hei… Whoa!“, entfuhr es dem kleinen Pokémon deshalb erstaunt und aus seiner Konzentration gerissen plumpste es ungelenk auf den weichen Boden.

Rasch hatte es sich aber gefangen, verneigte sich vor seinen Meister und grüßte ihn. Und wenngleich die Worte angesichts des Alphapokémon flapsig wirken mochten, lag doch deutlich hörbar der größte Respekt und grenzenlose Bewunderung in der hellen, freundlichen Stimme des Schülers: „Hey Boss, was steht an :)?“

„Mein jüngster Schüler.“, hob das machtvolle Normalpokémon, nachdem es den Gruß seines Schützlings mit einem würdevollen Nicken erwidert hatte, unverzüglich an, wobei es innerlich lächelte, da ihm die Wirkung der folgenden Worte durchaus bewusst war: „Du hast in deinem Training beachtliche Fortschritte erzielen können und viel gelernt! Daher denke ich, nein, weiß ich, dass du nun bereit für deine erste Mission bist!“

Mehr musste Arceus zunächst nicht sagen; dies allein hatte bereits genügt, um die Augen des kleinen Wesens gaaanz groß vor Ungläubigkeit und immer stärker aufwallender Freude werden zu lassen^^.

„Wie? Wo? Was?“, stammelte der Kleine als er anfangs seine Sprache wiedergefunden hatte, ehe er endlich begriff und plötzlich himmelhoch jauchzend wie ein Kugelblitz durch den ganzen Hain wuselte, mehrfach das Alphapokémon umkreiste und sein Glück kaum fassen konnte.

„Boss meint ihr das wirklich voll im Ernst? Ich darf endlich auf eine Mission? Mich endlich beweisen?!“, sprudelte es aus dem kleinen Pokémon, weiterhin seinen Meister umkreisend, freudig und total aufgeregt heraus: „Oh das ist ja total klasse, wundervoll, toll… Ja regelrecht wundertoll xD!!!“

Belustigt und angetan von der so offen gezeigte und unverhüllten Begeisterung bekräftigte Arceus seine Aussage: „Ja, mein Schüler, dies ist mein voller Ernst! Es sind Dinge im Gange, denen wir nicht tatenlos zusehen können und du hast das Zeug dazu, helfend einzugreifen und alles zum Guten zu wenden.“

Der Gesichtsausdruck des Alphapokémons wurde nun allerdings wieder schlagartig ernster, was seinen Schüler dazu veranlasste, sich zusammenzunehmen und ganz still dazusitzen. Selten waren solche Missionen ein Spaziergang und deswegen wollte das kleine Pokémon zeigen, dass es auch wirklich bereit dafür war!

„Nun denn mein Schüler.“, begann Arceus, zufrieden mit der Ernsthaftigkeit, welche sein Schützling an den Tag legen konnte, auch schon mit bedeutungsvoller Stimme: „Ich erkläre dir nun genau, worum es geht. Höre mir gut zu…“

2.4: Murphy

„Ja Sack Zement is der Wald groß! Die Braud vom Herrn könnerd überall sein!“, fluchte gerade der Zugreiste, welcher mit zwei weiteren Ass-Trainern und deren Pokémon auf neuen Jet-Ski durch die Wasserflächen des Sumpfwaldes glitt und wachsam, jedoch erfolglos die Gegend absuchte, wobei er eine ärgerliche Gebärde machte: „Hab mer zwar scho dacht, dass‘ schwer werd, aber des is wirklich a g‘scheids g’freck! *Seufz* Hät i doch auf mei Mudder g’hört und wär in Franken blie’m…“

Nach einer Weile entfernte sich die kleine Gruppe wieder und kaum, dass dies geschehen war, schälte sich Altan-Tschitschik aus ihrem Versteck, blickte sich kurz prüfend um und lief dann ihrerseits weiter.

Es war früher Morgen, genau einen Tag nach ihrem Zusammenbruch gestern – was bedeutete, dass sie fast einen ganzen Tag lang geschlafen hatte. Und diese Ruhepause war bitter nötig gewesen und hatte ihr verdammt gut getan! Goldblume würde es wahrscheinlich einem anderen gegenüber niemals zugegen, aber jetzt, wo sie ihre verletzten Gefühle endlich herauslassen konnte, fühlte sie sich gleich viel besser und wenigstens etwas befreit.

Der eiserne Wille, diesem dreckigen Magier zu entkommen, war jedenfalls wieder zurück und stärker denn je. Und mehr noch: Gleich nach dem Aufwachen schwor sich Schabelle, dass sie einen Weg finden würde, sich zurück zu verwandeln und in ihre Heimat zu gelangen…

…Nachdem sie diesem Drecksack zuvor in ihrer wahren Gestalt den heftigsten Turmkick in seinen A**** verpassen würde, zudem sie imstande wäre!

Überdies fühlte sich auch ihr Körper heute wieder viel besser an, als gestern. Er hatte sich von den Strapazen größtenteils während dieses langen Schlummers erholen können und zudem beherrschte die junge Frau einige Techniken, mit dem sie ihre verspannten Muskeln rasch wieder lockern konnte. Darüber hinaus war sie als eigentliche Wüstenbewohnerin äußerst zäh und genügsam: Ein paar kräftige Schlucke halbwegs sauberes Wasser, hier eine Beere, dort eine nahrhafte Wurzel, sich den gröbsten Schmutz abwaschen, die Schnitte und Kratzer mit etwas Spucke und Heilkräutern einreiben - schon war sie bereit loszuziehen!

Glücklicherweise war das verwandelte Eleganzpokémon auch nicht ganz so etepetete wie man es sich allgemein über diese Ultrabestien nachsagte, die andere Welten für unrein hielten und mit nichts in Berührung kommen wollten. –Das konnte sich Altan-Tschitschik in ihrer Situation auch gar nicht erlauben, wenngleich ihr eine schöne, warme Dusche trotzdem sehr zusagen würde^^.

Nichtsdestotrotz konnte sie sich selbstredend schönere Orte vorstellen, als durch diesen zwielichtigen, feuchtwarmen Urwald mit seinen zähfließenden, schlammigen Wasserläufen und morastigen Böden zu schleichen. Aber immerhin bot er ihr vorläufig den nötigen Schutz, den sie brauchte, bis sie wusste, wie es konkret weitergehen sollte. Außerdem war sie heute nicht mehr so ausgelaugt und verstört, sodass nicht die Notwendigkeit bestand, sich weiterhin extra durch die unwegsamsten Stellen kämpfen zu müssen. Nein, erholt, frisch und wieder voller Selbstvertrauen, hatte Goldblume nun halbwegs ein Gefühl, zu was ihr menschlicher Körper imstande war und wie viel sie ihm abverlangen konnte. Deshalb bewegte sie sich - soweit man das von ihrer Lage sagen konnte – weitgehend frei durch den Sumpf. Bemerkte sie durch ihre feinen Sinne herannahende Schergen des Magiers doch rechtzeitig und wusste, sich erfolgreich vor ihnen zu verbergen. –Auf einen weiteren Kampf konnte und wollte sie sich nämlich nicht mehr einlassen; das kostete sie zu viel Kraft und zudem würden ihre Gegner ihr kein zweites Mal den Gefallen tun, sie zu unterschätzen.

Die Chancen aber, einer solchen Konfrontation zu entgehen standen äußert gut für sie, denn sogar den Großteil der gegnerischen Pokémon – selbst die Geistpokémon - konnte sie austricksen: Mithilfe stark duftender Blätter überdeckte sie ihren – ihrer Meinung nach leider ziemlich muffigen - Eigengeruch so weit wie möglich und durch höchste Konzentration gelang es ihr auch, ihre Aura nicht für alle Welt spürbar zu machen. –Sie hatte sich zur berühmten ‚Nadel im Heuhaufen‘ gemacht und war sicher, dass man sie SO leicht nicht aufspüren würde!

An der Stelle vermisste sie allerdings dennoch ziemlich ihre Pheromone, die sie als Schabelle einsetzen konnte; hätten jene ihre Bemühungen zur Tarnung doch erheblich vereinfacht. Und allgemein verfügte ihr Menschenkörper stellenweise über Dinge, bei denen sie froh war, dass ein Schabelle sie nicht hatte…

Doch Schabelle vergeudete nicht zu viele Gedanken daran, sondern fokussierte ihre Konzentration wieder auf das Hier und Jetzt. Gerade nutzte sie die Deckung einer Reihe Bäume, die kürzlich abgestorben waren und deren kahle Kronen wie knöcherne Finger in den Himmel ragten, um ungesehen rasch am Rande einer ansonsten völlig freien, großen, grünen Wasserfläche entlangzulaufen. –Die kleine Gruppe Ass-Trainer, welche soeben auf dieser herannahte und sich prüfend umsah, bemerkten sie nicht. Ebenso wenig, wie ihre Pokémon, die sie zur Sicherung der Umgebung herausgelassen hatten. Zu diesem Zeitpunkt hatte das verwandelte Eleganzpokémon sowieso schon das dahinterliegende Dickicht erreicht und eilte flinken Fußes weiter. Stets bereit, sich auch bei den nächsten Begegnungen förmlich ‚unsichtbar‘ für ihre Verfolger zu machen^^.

Auf diese Weise verstrich der Tag und Altan-Tschitschik kam gut und ohne jegliche Zwischenfälle voran. Nach wie vor schlug sie sich Richtung Osten durch, es war fast schon eine Art Instinkt, der sie dorthin trieb. Zwar wusste sie nicht im Geringsten, was nach diesem Sumpfwald kam – sie konnte ja nicht einmal sagen, wo genau sie sich überhaupt befand:

Einer Insel? Einem Kontinent? Am A**** der Welt? (Sie tippte persönlich übrigens, allein beim Hinblick auf den Magier; welcher ja wohl der größte A**** überhaupt war, auf Letzteres :P.)

Und deswegen wusste lediglich eines ganz genau: Es war nie verkehrt, so viel Abstand wie möglich zwischen sich und diesem elenden Nepomuk und seinem dämlichen finsteren Turm zu gewinnen! Genauso, wie sie lieber heute als morgen diese ganze modrige, feuchte Sumpflandschaft hinter sich lassen wollte, völlig egal, was für danach auf sie warten mochte!

Schutz hin oder her: Goldblume fühlte sich einfach total unwohl hier, spürte, dass sie es, als Wesen, welche endlose Weiten gewohnt war, nicht auf Dauer aushalten würde. Insbesondere diese stickige, faulige Luft setzte ihr sehr zu, machte selbst jetzt, wo sie wieder bei Kräften und klarem Verstand war, jeden Atemzug zu einer Anstrengung. Allgemein lastete auf diesem Ort unentwegt irgendetwas auf ihr. Fast so wie die drückende, spannungsgeladene und schwüle Atmosphäre kurz vor einem heftigen Gewitter.

Diese merkwürdige Stimmung mochte wohl auch der Grund sein, wieso der jungen Frau in all der Zeit so gut wie keine wilden Pokémon mehr begegnet waren. Der Sumpfwald wirkte wie ausgestorben; alles Leben schien sich völlig verschreckt versteckt zu haben…

…Wobei…

Mittlerweile, es war inzwischen schon später Abend geworden und durch das dichte und immer dunkler werdende Blätterdach konnte man die beinahe blutrote Dämmerung erahnen, änderte sich an dieser drückenden Atmosphäre kurzeitig schlagartig etwas!

Das verwandelte Eleganzpokémon schob sich gerade ein paar fade, aber immerhin nahrhafte Beeren während des Laufs in den Mund und suchte, wenn auch widerstrebend, einen geeigneten Platz für die Nacht. Widerstrebend deshalb, weil sie durchaus noch die Energie hätte, um ein oder zwei Stunden lang noch auf den Beinen zu sein. Der Grund lag vielmehr an den äußerlichen Einflüssen:

Mit dem Ende des Tages versank der Sumpfwald nämlich äußerst schnell in einer pechschwarzen Dunkelheit, die alle Konturen auslöschte und ein Weiterkommen viel zu gefährlich machte. Selbst in ihrer eigentlichen Gestalt sähe sich Schabelle zu einer Pause gezwungen, sie war eine solche Dunkelheit, wie sie in dichten Wäldern fern der Zivilisation üblich war, einfach nicht gewohnt und wollte nichts riskieren. –Allein schon, weil sie in dieser Finsternis keine Chance gegen die Geist und Unlichtpokémon ihrer Verfolger gehabt hätte.

Urplötzlich schien es jedoch irrtierenderweise wieder heller zu werden und ein bemerkenswert frischer, kräftiger Wind kam auf, der das Blätterdach zum Rauschen brachte und auch dafür sorgte, dass Altan-Tschitschik wenigstens für einen Augenblick befreit durchatmen konnte. Ein helles Funkeln am Himmel erregte ihre Aufmerksamkeit und zuerst glaubte sie, dass eine besonders hell flammende Sternschnuppe am Firmament entlang flog…

…Schnell erkannte sie allerdings ihren Irrtum; die Schnuppe flog viel eher direkt auf sie zu!

Dennoch bewegte sich Goldblume nicht, weil sie bemerkte, dass diese Sternschnuppe, je näher sie kam, langsamer wurde und sich in Wahrheit als kleiner, gleißender Lichtball entpuppte, deren Anblick verwirrenderweise für ein wohliges Gefühl in ihr sorgte. Dieser leuchtender Ball kam schlussendlich etwa einen Meter von ihr entfernt und auf Augenhöhe sacht zum stehen und schwebte so kurz in der Luft.

Dann jedoch blitzte der Ball nochmals hell auf und aus diesem strahlenden Licht kam ein kleines Pokémon zum Vorschein: Ein Fleknoil – und zwar ein ganz besonderes!

Es hatte schneeweißes, fast silbriges, schimmerndes Fell und die Flügel sowie seine große Nase mit dem herzförmigen Muster erstrahlten in einem edlen Goldton. Einzig die Flügelspitzen stachen hervor, waren sie doch schwarz und wirkten beinahe so, als hätte man sie in ein Fass Tinte getaucht.

Und als wäre dies noch nicht genug, glomm und funkelte dieses außergewöhnliche Psycho/Flugpokémon weiterhin wie ein kleiner Stern und zeigte sogleich, dass es auch sprechen konnte, weil es mit heller und hallender Stimme freudig verkündete:

„Murphy, das Geschenk von Arceus an die Menschen und Pokémon ist hier! Servus :)!“

Das Fledermauspokémon deutete eine Verneigung an, flatterte fröhlich auf und ab und plauderte ausgelassen und zunächst mehr zu sich selbst weiter: „Wunderbar! Die Reise in diese Welt hat ja schon mal richtig gut geklappt! Haha, gut dass ich auf den Rat vom Boss gehört und auf die passende Ausfahrt geachtet habe^^.“

„So…“, hob nun das Fleknoil, welches sich selbst Murphy genannt hatte, heiter und gedehnt an, um die Spannung zu steigern, und wollte sich direkt der jungen Frau zuwenden: „Und du möchtest doch jetzt sicherlich zu gerne wi… He?!“

Höchst verdattert musste Murphy nämlich feststellen, dass Altan-Tschitschik gar nicht mehr neben ihm weilte, sondern ihm stattdessen den Rücken gekehrt und sich wieder in Bewegung gesetzt hatte, sodass sie bereits einige Meter entfernt war. Schleunigst flatterte das kleine Fledermauspokémon ihr nach und rief dabei immer noch ziemlich verwundert und auch etwas empört: „Hey, du kannst doch nicht einfach so weitergehen!“

Ohne zu verlangsamen oder gar anzuhalten entgegnete Goldblume kühl: „Oh doch, dass kann ich sehr wohl. Wie du siehst, bin ich ja wohl gerade dabei. Also mach die Flatter, klar?“

Doch so leicht ließ Murphy nicht locker und sich schon gar nicht verscheuchen, schließlich hatte er ja einen Auftrag! Deshalb folgte er dem verwandelten Eleganzpokémon einfach weiter und meinte beharrlich: „Jetzt warte doch bitte einen Moment, damit wir uns vorstellen, miteinander reden können! Glaub mir, dass ist sehr, sehr wichtig für dich. Ich weiß nämlich sehr gut, wie du dich im Moment fühlst und wer du bist. Also höre mir wenigstens für einen Augenblick zu, bitte!“

Tatsächlich hielt Schabelle wirklich kurz inne und drehte sich zu ihrer flauschigen Klette um. Allerdings hatte sie dabei einen finsteren, fast schon Blitze schleudernden Blick drauf, ihre linke Hand in die Hüfte gestemmt während sie den Zeigefinger ihrer rechten Hand in Fleknoils ausgesprochen kuscheliges Fell bohrte, um ihren Worten den nötigen Nachdruck zu verleihen.

„Jetzt hörst du MIR mal genau zu!“, brauste sie auch schon auf: „Ich habe keine Ahnung, was du mit deinem großartigen Auftritt bezwecken willst und wer du überhaupt bist. Aber weißt du was? Es interessiert mich auch einen feuchten Dreck! Lass mich einfach in Ruhe und kümmere dich um deinen eigenen Kram und zwar schnell, kapito?! Niemand weiß, wer ich bin und schon gar nicht, wie ich mich gerade fühle!! Absolut Niemand…!“

Unwirsch wandte sich die junge Frau schleunigst wieder vom kleinen Psycho/Flugpokémon ab, ging weiter und beschleunigte ihren Schritt sogar noch. So sehr sie sich auch aufgespielt hatte; die Stimme wäre ihr beinahe bei den letzten Worten versagt. Holten sie doch diesen heftigen Schmerz wieder hervor und ließen ihr die Tränen in die Augenwinkel steigen. Die seelischen Wunden, welche Balthazars furchtbare Tat ihr zugefügt hatten, waren einfach noch viel zu frisch.

Und genau diese Tränen, welche die Verletzlichkeit, diese empfindlichen, blutenden Wunden in ihrem Innersten erkennbar machen würden, sollte auf gar keinen Fall jemand zu Gesicht bekommen! Schon gar nicht dieses dahergelaufene Fleknoil, das so tat, als könne es auch nur ansatzweise verstehen, wie es ihr ging! Altan-Tschitschik meinte ihre letzten Sätze vollkommen ernst: Sie war überzeugt, dass niemand sonst auf der Welt etwas ähnlich Schlimmes durchleben musste. (Klar war das übertrieben, aber hey: In einer solchen Situation kümmert das einen wohl kaum…)

„Du arme, stolze Ultrabestie, was hat man dir bloß angetan…“, seufzte Murphy mitfühlend und blickte Goldblume nachsichtig hinterher: „Es ist also noch schlimmer, als ich gedacht habe… Gut! In diesem Fall muss ich wohl ganz direkt werden!“

Fleknoil fasste sich ein Herz, holte tief Luft und sprach mit sanfter, eindringlicher Stimme: „Du irrst dich, ich weiß genau wer du bist!

Dein Name lautet Altan-Tschitschik – auch Goldblume geheißen – und du bist in Wahrheit gar keine wunderschöne Menschenfrau sondern eine Ultrabestie, genauer ein Schabelle. Der niederträchtige Schwarzmagier Nepomuk Balthazar von Sonnenstich hat dich gewaltsam mit seiner finsteren Zauberei aus deiner Heimat gerissen, in seinen dunklen Obsidianturm verschleppt und wollte dich durch die Verwandlung zu seiner willenlosen Sklavin machen. -Doch glücklicherweise ging sein Plan schief, dir gelang die Flucht und tapfer wie du, Altan-Tschitschik, bist, hast du dich ganz allein bis hierher durchgeschlagen.

Aber natürlich hat die abscheuliche Tat dieses Magiers schmerzliche Spuren in deinem Herzen hinterlassen, die du durch dein kühles, forsches Auftreten zu verbergen suchst. Denn nach wie vor bist du ein stolzes, ungebundenes Schabelle, dass niemanden zeigen möchte, wie entsetzlich schwach und verletzlich es sich schlussendlich in dieser menschlichen Gestalt fühlt…

…So in etwa kann man deine aktuelle Situation doch zusammenfassen, nicht?“

Ruhig wartete das Fledermauspokémon die Wirkung seiner Worte ab und wurde nicht enttäuscht. Schon bei der Erwähnung ihres Namens war das verwandelte Eleganzpokémon regelrecht zusammengezuckt und erstarrt. Und als Murphy geendet hatte, drehte sie sich wirklich wieder um und blickte das kleine, plüschige Psycho/Flugpokémon rundheraus verwundert mit großen Augen und hängenden Armen an.

„Woher weißt du…?“, konnte sie für den Augenblick nur ungläubig stammeln, weshalb Murphy ihr unverzüglich freundlich und weiterhin einfühlsam antwortete: „Wie ich schon anfangs sagte: Ich bin Murphy, ein Geschenk Arceus‘ – an dich! Ein Gesandter, der dir, Goldblume, helfend zur Seite stehen wird. Du musst und wirst diesen Weg nicht alleine gehen. Nein, gemeinsam werden wir diese Reise zu einem glücklichen Ende bringen! Wie du gerade erfahren hast, weiß ich gut über dich Bescheid und kann wirklich verstehen, wie du dich momentan wohl fühlen musst. –Freilich niemals bis in die letzte Konsequenz, als Außenstehender würde ich mich nie anmaßen, dies zu behaupten. Aber dennoch…“

Das Fledermauspokémon begann sich mit seinen Psychokräften in der Schwebe zu halten, um Altan-Tschitschik einladend und lächelnd seinen rechten Flügel entgegenzustrecken, während es sprach: „Vertrau mir bitte und nimm meine Hilfe an, ja?“

„Hm…“, machte Schabelle zunächst und betrachtete das kleine Fellknäul eindringlich mit verschränkten Armen. Hart im Nehmen wie sie war, hatte sie sich bereits schon wieder größtenteils von dieser überraschenden Offenbarung erholt und dachte ernsthaft über Murphys Angebot nach. Offensichtlich wusste der Kleine ja einiges und konnte ihr vielleicht tatsächlich eine Hilfe sein, wobei sie einen hinterhältigen Trick des Magiers sofort ausschloss. Goldblumes Intuition sagte ihr einfach überdeutlich, dass dieses Fleknoil es ernst meinte und nichts mit diesem Mistkerl zu schaffen hatte, diesem scheinbar sogar feindlich, wenigstens ablehnend gesinnt war. –Was definitiv einen Pluspunkt darstellte^^.

„Also schön!“, meinte sie deshalb bereits nach wenigen Minuten und bemühte sich um einen schroffen Klang ihrer Stimme. Ihr Gegenüber sollte ja nicht sofort bemerkten, dass sie schon durchaus erleichtert war, sich doch nicht wie befürchtet mutterseelenallein durch diese fremde Welt kämpfen zu müssen :P

„Ich lass mich darauf ein, aber bevor ich einschlage, schreibst du dir besser eines hinter die Löffel, Miffy!“

„Das heißt Murphy.“

„Ist doch egal…“, winkte die junge Frau ab und erklärte: „Jedenfalls sobald ich merke, dass du mir nur im Weg stehst und mich aufhältst, bin ich raus aus der Nummer und du ziehst Leine, klar?!“

„Klar wie Kloßbrühe :lol:!“, jauchzte Murphy überglücklich und leuchtete noch etwas heller, als Altan-Tschitschik nun einschlug und somit den Bund besiegelte, womit die erste Hürde genommen wäre. Darum tänzelte er anschließend so fröhlich umher das man sogar glaubte, festliche Musik zu hören und rief heiter: „Oh wie Klasse! Von nun an sind wir ein Team Goldblume! Wir werden zusammenhalten wie Pech und Schwefel, gehen durch dick und dünn und werden diesem bösen Zauberer eines Auswischen! Jetzt kann nur noch alles besser werden, juchhe!“

„Übertreibs nicht und setz dich lieber endlich in Bewegung.“, herrschte das verwandelte Eleganzpokémon das fluffige Fledermauspokémon streng an, während es selber schon zu laufen begonnen hatte: „Wir eiern schon viel zu lange hier an Ort und Stelle rum, also lass uns abzischen.“

„Natürlich, natürlich!“, antwortete das kleine Psycho/Flugpokémon eifrig, flatterte voll übermütiger Freude wie ein gaukelndes Falterpokémon um Goldblumes Kopf herum, was diese zu einem genervten Augenrollen veranlasste, und zeigte erneut, dass es Ahnung hatte, indem es sagte: „Immerhin wird bald eine Gruppe aus Traunfugil, Gengar und Snibunna hier eintreffen, da sollten wir schon verschwunden sein^^. Und du wolltest ja sowieso gerade einen sicheren Platz für die Nacht suchen, bevor ich dir dazwischengefunkt bin, hehehe.“

„Pfff…“, machte Altan-Tschitschik bloß mit gleichgültiger Miene, wobei man auch aus diesem Luftzug deutlich heraushören konnte, dass sie sich tief beeindruckt von den feinen Sinne ihres brandneuen ‚Partners‘ zeigte, da sie ebenfalls das herannahen dieser Pokémon vorzeitig bemerkt hatte. Deswegen rang sie sich dann doch zu einem trockenen Kommentar durch: „Na immerhin muss ich dich nicht an der Hand nehmen. Das ist wenigstens ein Anfang.“

Hier gab sich Murphy taktvoll und lächelte einfach in sich hinein…

Eine knappe Stunde später, als der Sumpfwald nun in völliger Dunkelheit versunken war, hatten die beiden ein passendes Lager für die Nacht ausfindig machen können: Der schon seit einiger Zeit verlassene Bau eines Grebbit, dessen Eingang gut versteckt im Wurzelgeflecht eines alten Baumes lag. Obwohl der Großteil der weitverzweigten Behausung des Baugräberpokémon wegen der feuchten, weichen Erde und des stätig wechselnden Wasserstandes größtenteils eingestürzt beziehungsweise geflutet war, bot der Eingangsbereich immer noch genug Platz und war wenigstens halbwegs trocken.

Gut möglich, dass das Grebbit, als wasserempfindlicher Bodentyp, deswegen sein Heim und wahrscheinlich gleich den ganzen Sumpf verlassen hatte. Schabelle jedenfalls hätte dies als Grund nur gut verstehen können, denn ideal war dieses dunkle, lehmige Loch mit seiner modrigen Luft nicht gerade. Aber sie würden nun mal nichts Besseres finden, zumal man auch erwähnen sollte, dass dieser Ort wirklich ein gutes Versteck bot.

Aus diesem Grund seufzte die junge Frau einfach, fand sich damit ab und kuschelte sich so gut es ging in ihr ‚Bett‘ aus trockenen Blättern. Neben ihr flatterte Murphy immer noch unentwegt herum und obwohl er sein Licht ‚gedimmt‘ hatte, erhellte das kleine Pokémon den Raum immer noch sanft, was eine beruhigende Atmosphäre schaffte.

Eine Weile sah das verwandelte Eleganzpokémon dem kleinen Wuschel schweigend zu, ehe sie sich entschloss zu sprechen. Seit ihrer Begegnung hatte sie nichts mehr gesagt, weil sie über so vieles nachdenken musste. Doch damit einhergehend waren ihr nach und nach einige drängende Fragen in den Sinn gekommen, die ihr auf der Zunge lagen und sie unbedingt noch vor dem Einschlafen wissen wollte.

„Woher und was genau weißt du eigentlich über mich und diese ganze Geschichte hier, Murray?“, begann Goldblume deswegen neugierig.

„Das heißt Murphy.“

„Ist doch egal.“, erwiderte sie: „Und jetzt sag schon: Woher weißt du das alles? Ich meine, du fällst wortwörtlich aus heiterem Himmel und tust so, als hättest du die Weisheit mit Löffeln gefressen… Das kommt doch nicht von ungefähr! Genau verhält es sich mit meiner Lage: Ich werde das Gefühl nicht los, dass du eine Ahnung hast, wie ich diese erbärmliche Erscheinung wieder loswerden kann. Also raus mit der Sprache! …Ähm, ich meine natürlich bitte.“

„Das alles möchte ich dir gerne sagen.“, hob das Fleknoil an, machte aber sofort eine bedauerliche und entschuldigende Geste: „Aber noch ist nicht die Zeit dafür. Wir müssen erst raus aus diesem verfluchten Sumpf Goldblume! Wenn uns dies geglückt ist, werde ich dir alles erzählen, dass verspreche ich dir!“

„Hmpf… Na schön, deine Entscheidung.“, fand Schabelle mit einer Mischung aus Enttäuschung und Verständnis, weil der Kleine ebenfalls nicht viel von diesem Ort zu halten schien, womit sie auch in diesem Punkt ja einer Meinung waren^^. Und da es damit nichts mehr zu sagen gab, drehte sie sich auf die Seite und schloss die Augen.

„Warte kurz noch Altan-Tschitschik.“, fügte Murphy eiligst hinzu und sein Gesicht hellte sich mit einem verschmitzten Grinsen auf: „Solltest du heute Nacht ein Kopfkissen oder etwas warmes, weiches zum Kuscheln brauchen stehe ich dir gerne zu Verfügung. Denn wenn ich mich aufplustere bin ich…“

-Poff!-

Schon hatte das Fleknoil durch kurzes, heftiges Schütteln das Volumen seines Fells verdoppelt, sodass es aussah, wie ein Pompon und beendete seinen Satz großspurig:

„…Superflausch 8)!“

Altan-Tschitschik sagte nichts dazu. Mit großen Augen hatte sie diese putzige Showeinlage verfolg und mühte sich redlich darum, nicht zu lächeln oder gar zu lachen. –Sie hatte einfach zu viel in den letzten Tagen durchmachen müssen, als dass sie ihren Stolz so mir nichts dir nichts über Bord werfen konnte und wollte.

Stattdessen drehte sie sich schnell wieder auf die andere Seite, gähnte herzhaft und schloss die Augen. Rasch entspannte sich ihr Körper und im Wegdämmern spürte sie etwas unglaublich wohltuend und wärmend Flauschiges in ihrem Rücken. Das war Murphy, der es sich dort bequem machte und ihr ein noch ein ‚Gute Nacht Goldblume‘ zuflüsterte.

Das Fleknoil erhielt zwar keine wörtliche Antwort, doch es bemerkte durchaus, dass die junge Frau in einen ruhigen, traumlosen Schlaf hinübergeglitten war. –Zum ersten Mal seit Tagen war es ihr vergönnt gewesen, einfach so einschlafen zu können. Und dies musste ihr offenkundig kurz zuvor noch bewusst geworden sein, denn ein sanftes Lächeln umspielte ihr ruhendes Gesicht, welches dadurch erst so richtig schön wirkte.

Und eben jenes Lächeln, das von der sanften Zuflucht eines erholsamen Schlummers kündete, war für Murphy Antwort genug…

2.5: Zu zweit durch den Sumpfwald

Noch vor bevor der Morgen des nächsten Tages richtig graute und der Wald sich darum zuerst nur zaghaft erhellte, erwachte das verwandelte Eleganzpokémon wieder. Schabelle waren nämlich ausgesprochene Frühaufsteher, zumal es in Anbetracht der aktuellen Lage ohnehin besser war, so zeitig wie möglich aufzubrechen.

Trotzdem gönnte sich Goldblume für einen kurzen Moment den Luxus, sich nochmals wohlig in ihrem Lager zu rekeln und mit geschlossenen Lidern noch etwas zu dösen. Lange hatte sie nicht mehr so gut geschlafen, weshalb sie das unbedingt auskosten wollte! Schlussendlich öffnete sie dann doch die Augen und blickte direkt in Murphys lächelndes Gesicht, welches ganz dicht vor ihr schwebte.

„Einen wunderschönen guten Morgen Altan-Tschitschik!“, kam es prompt vom gutgelaunten, plüschigen Psycho/Flugtypen, wohingegen diese furchtbar erschrak.

„Wah!“, schrie sie deshalb, rutschte zuerst auf allen vieren rückwärts, bis sie begriff und sich sogleich darüber ärgerte, dass sie sich so leicht aus der Fassung hat bringen lassen. Unsanft schob sie das Fleknoil entschieden von sich und murrte: „Mach das niemals wieder, verstanden?! Ich hab sonst was befürchtet, also mach dich erst mal bemerkbar, bevor du mir unvermittelt irgendwelche unnötigen Morgengrüße ausrichten willst!“

„Verzeihung Goldblume, aber du hast deinen Halbschlaf gerade so schön genossen, dass ich ihn nicht kaputtmachen wollte.“, entschuldigte sich Murphy mit ungebrochen heiterer Stimmung so aufrichtig, dass die junge Frau ihm sofort glaubte und sich wieder beruhigte, ja fast ein wenig belustigt darüber war. (Was sie natürlich nicht zeigte^^.)

„Aber nun, da du ja wach bist, kannst du dich gleich ans Frühstück machen: Ich hab ein paar Beeren und frisches Wasser für dich besorgt… Schau nur, wie es dich anlächelt :D!“, fuhr das kleine Pokémon ausgelassen fort und deutete auf ein kleines Nest aus sauberen Blättern. In diesem waren nebst gerollten, großen Blättern, die somit Trinkgefäßen ähnelten, und die mit klarem Tauwasser gefüllt waren, sechs prächtige, aromatisch duftende Beeren, die geradezu darum bettelten, gegessen zu werden.

Alles in allem stand dieses kunstvolle Gebilde einer reich gedeckten Frühstückstafel in nichts nach; tatsächlich waren überdies die sechs Beeren so angeordnet, dass sie einen lächelnden Smiley bildeten, was ungefähr so aussah:

Bild

„Wo hast du denn die bloß her?“, wollte Schabelle ganz erstaunt und zugleich skeptisch wissen, während ihr Anblick und Duft dieser Delikatessen bereits das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ und ihren Magen lauthals und gierig zum knurren brachte. Selbstredend freute sie sich insgeheim riesig über diese angenehme Überraschung. Diese üppige Mahlzeit würde schließlich für den ganzen Tag vorhalten und war dazu noch ein Gaumenschmaus; ganz anders als die faden Sachen, die sie sich gestern in den Mund schieben musste. –So etwas wusste das verwandelte Eleganzpokémon, gerade weil sie sehr genügsam war, sehr zu schätzen, keine Frage.

Aber genau dieser Umstand irritierte sie zugleich so. Derlei schmackhafte Beeren; noch dazu so seltene wie die Wasmell- oder die Durinbeere; hatte sie gestern nicht mal Ansatzweise gesehen. Ja, sie war sich sogar sicher, dass solche Beeren garantiert nicht in so einem fauligen Sumpf wuchsen, weshalb sie ihre Frage wiederholte: „Jetzt sag schon, wo hast du diese Beeren aufgetrieben, Milly?“

„Och, ich hab da so meine Quellen… Mehr kann ich momentan nicht dazu sagen.“, entgegnete Murphy geheimnisvoll lächelnd und korrigierte abermals: „Übrigens heiße ich immer noch Murphy… Aber ehe du mir wieder sagen möchtest, dass das egal ist, würde ich lieber vorschlagen, du haust ordentlich rein, damit wir aufbrechen können^^.“

„Meine Rede.“, fand Altan-Tschitschik sogar mit einem ganz leichten, schelmischen Grinsen und ließ sich nicht bitten, sondern langte augenblicklich tüchtig zu. Zuerst verschwand die Durinbeere ratzfatz in ihrem Mund, da deren ausgesprochen bitterer Geschmack einem starken Kaffee Konkurrenz machen konnte und sich darum perfekt eignete, die Lebensgeister in einem wachzurufen. Anschließen verputzte sie eifrig eine Beere nach der anderen, wobei man sagen musste, dass sie zwar schnell, jedoch weiterhin sittsam und mit Genuss aß, sodass es irgendwie Spaß machte, ihr dabei zuzusehen. Murphy für seinen Teil war vollends zufrieden damit, dass es Schabelle schmeckte und er ihr somit den Start in den Tag versüßen konnte. Was wollte man denn mehr?

„Bereit Madame?“, wollte Fleknoil etwa zwanzig Minuten später ausgelassen und enthusiastisch von Goldblume wissen, die gerade in diesem Augenblick aus dem Bau des Grebbit ins Freie kroch und sich wieder zu dem kleinen Pokémon gesellte. Dieses hatte nämlich nach dem Frühstück draußen höflich auf sie gewartet, damit Altan-Tschitschik ungestört noch gewisse andere, notwendige Dinge erledigen konnte, bei denen absolut niemand Zuschauer brauchte…

Ihre Antwort bestand aus einem knappen Nicken, sodass der flauschige Psycho/Flugtyp heiter meinte: „Nun noch schnell etwas Musik… Und fertig, jetzt können wir – auf ins Abenteuer :D!“

(Und zwar diese Melodie hier – perfekt für den Sumpf und dazu eine der Gründe, warum ich unbedingt das mit den Links hier machen wollte^^. Darum hier: Rayman 2 Soundtrack – The Bayou - Part1: https://www.youtube.com/watch?v=NwcqOCO50vY)

„Was zum?!“, entfuhr es der jungen Frau völlig verdutzt, als sie plötzlich wirklich eine Melodie hören konnte. Und dass Verrückte daran war, dass sich diese scheinbar in ihrem Kopf abspielte, wie bei einem Ohrwurm nur nicht so nervig sondern eher angenehm. Und dennoch nahm sie völlig ungetrübt die Vorkommnisse ihrer Umgebung wahr. Eindringlich sah sie ihren pelzigen Begleiter an und verlangte zu wissen: „Verflixt, wie hast du das jetzt gemacht?! Erst die Beeren, jetzt Musik – was für ein abgedrehter Freak bist du eigentlich?“

„Haha, alles zu seiner Zeit Altan-Tschitschik, alles zu seiner Zeit.“, antwortete Murphy lachend und fügte glücklich hinzu: „Aber schön, dass ich dich neugierig mache und du dich für mich interessierst… Das heißt, ich bin dir schon jetzt nicht egal^-^.“

Eine Sekunde lang konnte Schabelle angesichts dieser Aussage nur verblüfft mit offenem Mund dastehen, dann aber verschränkte sie die Arme und setzte sich, ohne weiter darauf eingehen zu wollen, eiligen Schrittes in Bewegung. Dabei stöhnte sie lediglich theatralisch: „Hrmpf… Jetzt hab ich blödes Miltank mich tatsächlich auf einen neunmalklugen, dauergrinsenden Fellball eingelassen, der zu allem Überfluss auch noch eine Minijukebox darstellt… DAS kann ja heiter werden :roll:!“

Freilich konnten diese Worte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das verwandelte Eleganzpokémon heilfroh über diesen schönen Start in den Tag war, denn nur zu bald hatte sie der zwielichtige Sumpf mit seinen Gefahren wieder und zwang beide weitgehend zum vorsichtigen Schweigen. An der drückenden, bleiernen Atmosphäre hatte sich zudem seit gestern nichts geändert, ganz im Gegenteil: Sie schien sogar noch etwas stärker geworden zu sein und lastete darum umso ärger auf der jungen Frau.

Murphy hingegen schien diese Aura nicht so sehr zuzusetzen, oder vielleicht konnte er es auch einfach besser verbergen – wer wusste das schon bei dieser plüschigen Wundertüte?

Jedenfalls ertappte sich Altan-Tschitschik unterwegs immer wieder dabei, wie sie das kleine Pokémon gelegentlich für eine Weile interessiert aus den Augenwinkeln beobachtete, natürlich ohne, dass sie ihre Deckung vernachlässigen würde. Doch sie musste sich schon eingestehen, dass Murphy ihre Neugierde geweckt hatte, verfügte er ganz offensichtlich über einige, wundersame Fähigkeiten die sicherlich weit über das ‚herbeizaubern‘ von delikaten Beeren oder das Abspielen von Musik hinausreichten…

Und das Fleknoil selbst tat seiner Reisegefährtin den Gefallen und sagte glücklicherweise nichts zu deren neugieriger Musterung. Stattdessen flatterte es weiterhin fröhlich umher und summte leise. Lediglich sein Lächeln sprach Bände, aber dies musste sich Goldblume eben gefallen lassen :P.

Jäh war dies auch nicht mehr wichtig, weil Ärger in Verzug war!

Absolut zeitgleich hatten die beiden das Herannahen einer Gefahr bemerkt und brauchten nur einen geradezu vertrauten, kurzen und verständigen Blickt miteinander wechseln, bevor sich ein jeder im nahen Gebüsch versteckte. So konnte diesmal die junge Frau, die sich dicht an einen Baumstamm schmiegte und reglos verharrte, nicht sehen, wie Murphy gleich einem Kecleon mit dem Untergrund verschmolz und schier unsichtbar wurde.

Nicht mal ganz zwei Minuten verstrichen als von einer nahen Wasserfläche fünf Jet-Ski hier anlangten. Anders als gestern, sprangen die Ass-Trainer heute von ihren Fahrzeugen ab, entließen einige Magnayen, Golbat und auch ein Zwirrfinst sowie ein Luxtra aus ihren Bällen und suchten gemeinsam mit den Pokémon gefährlich gründlich die Umgebung ab.

Dabei war den Fünfen deutlich an ihren Gesichtern abzulesen und an ihren Stimmen zu hören, dass sie – man musste das wirklich so sagen – extrem ‚angepisst‘ waren. Höchstwahrscheinlich deshalb, weil es ihnen immer noch nicht gelungen war, Altan-Tschitschik wieder einzufangen und ihnen deswegen der Magier tüchtig den Kopf gewaschen haben musste.

„Himmel, Arceus und Wolkenbruch!“, fluchte passenderweise soeben der Anführer der Gruppe; der 20-Jährige Jüngling mit den blauen Haaren; dessen Gesicht ganz grün vor einer Woge Galle wurde, wütend: „Wie schafft es diese elende -dieses Wort wollt ihr nicht lesen^^- nur, sich immer wieder in Luft aufzulösen?!! Wir finden jedes Mal nur den Hauch einer Spur, die sich dann schon wieder verflüchtigt… Wie kann das sein? Sie ist doch nur noch ein Mensch, verflucht nochmal!“

Viel hätte nicht gefehlt und der Trainer hätte vor lauter Zorn einem der Pokémon mächtig eine gepfeffert, um seinen Frust herauszulassen. Er beherrschte sich jedoch gerade so, obwohl seine Wut kurzfristig noch zunahm, weil er bemerkte, wie die Pokémon immer unsicherer und hilfloser wurden, weil sie die Spur wieder verloren hatten. Selbst der Röntgenblick von Luxtra erzielte keinen Durchbruch; kein Wunder bei diesem wuchernden Dickicht, bei dem man erst mal die richtige Stelle hätte finden müssen.

Gleich mehrmals liefen sie einfach an jenem Baum vorbei, an dem sich Schabelle versteckte. Doch das dichte Blattwerk, das Spiel der Schatten, die teilweise betäubenden Düfte der Pflanzen sowie der üble Mief der Luft und des morastigen Wassers zusätzlich gepaart mit ihrer absolut konzentrierten Reglosigkeit machten es schier unmöglich, sie zu finden. Darüber hinaus sorgte der Umstand, dass die Trainer und ihre Pokémon ja unter magischer Kontrolle standen, dafür, dass ihr Verstand und ihre Sinne ein klein wenig getrübt waren. –Nicht viel, aber in so einem Fall stellte dies eben das Zünglein an der Waage dar.

Nach reichlichen zwanzig Minuten entfuhr dem Anführer ein zutiefst resigniertes, erschöpftes Seufzen, welches hörbar machte, wie müde und ausgelaugt sie zu allem Überfluss waren. Klar: Wenn ihm schon die Schmerzen und das Leid von Altan-Tschitschik herzlich egal waren, scherte sich Nepomuk Balthazar von Sonnenstich auch nicht darum, dass seine Untergebenen, deren Kräfte er schamlos ausnutzte, mal eine Pause brauchten. Eine solche würde es erst geben, wenn seine Braut gefunden und gefangen wurde, oder sie einfach entkräftet zusammenbrachen…

„Genug Leute, das wird so nichts!“, verkündete der Ass-Trainer darum ganz ausgezehrt und rieb sich mit Daumen und Zeigefinder der linken Hand seine müden Augen: „Auf diese Weise finden wir sie ja doch nicht… Wir machen etwas anderes: Lasst alle eure Pokémon laufen und sie den Sumpfwald alleine durchkämmen. Sagt das auch den anderen Einheiten, und wenn das geschehen ist, treffen wir uns alle mit Nanette beim ‚König‘, klar? Wir müssen erst mal dafür sorgen, dass sie den Sumpf nicht verlässt, dann kann sie auf Dauer nicht mehr entkommen! Habt ihr verstanden? Also los!“

Auf diesen Befehl hin zerstreuten sich die Pokémon der Ass-Trainer und nachdem einer von ihnen mittels seines Holo-Logs diese Anweisung weitergeleitet hatte, düsten sie wieder auf ihren Jet-Ski davon.

Nur etwas später war die Luft bereits wieder rein und Altan-Tschitschik und Murphy konnten sich aus ihren Verstecken schälen. Da sie alles genauestens gehört hatten, konnte sich Goldblume schon grob zusammenreimen, was sie vorhatten und wollte darum von ihrem flauschigen Begleiter wissen: „Die wollen den Sumpfwald abriegeln… Das hat was mit diesem ‚König‘ zu tun, nicht?“

„Gut kombiniert!“, lobte Fleknoil und nickte ernsthaft: „Der König ist ein uraltes, schillerndes Trombork, welches viel größer und stärker als seine Artgenossen ist – fast so wie ein Herrscherpokémon aus der Alola-Region – und eben somit der König der hiesigen Trombork, die bevorzugt am Rande dieses Sumpfwaldes leben. Dummerweise ist der Gute inzwischen fast ZU alt und sein Geist umnachtet, sodass der Magier ihn unter seiner Kontrolle hat…“

„…Und somit auch die anderen Trombork, welche die Grenze zuwachsen lassen wollen. War ja irgendwie schon klar, dass die mit sowas in der Art kommen.“, schloss die junge Frau ironisch, bekam jedoch gleich ein schadenfrohes, herausforderndes Grinsen: „Aber wenn diese Tölpel und diese dämliche Puppe von Nanette glauben, dass uns ein paar Wurzeln von den Geisterbäumen aufhalten können, sind die mächtig schief gewickelt :evil:! Und dazu haben uns die Trottel auch fast den Weg frei gemacht… Tch, sie unterschätzen mich wohl immer noch… Komm Murphy, Zeit die Beine in die Hand zu nehmen! Diese Chance aus dem Wald herauszukommen dürfen wir uns nicht entgehen lassen!“

„Aye, aye Käpt’n Goldblume :D!“, rief der kleine Fellball euphorisch und strahlte dabei wie ein Sonnenschein. Während sich die beiden also in Bewegung setzten fragte das verwandelte Eleganzpokémon schlussendlich doch seinen Begleiter: „Warum grinst du eigentlich jetzt schon wieder so, Muffty?“

„Also erstens heißt das immer noch Murphy.“, hob der Psycho/Flugtyp an und fuhr dann schnell und äußerst glücklich fort: „Und zweitens… Du hast eben von ‚UNS‘ gesprochen, als du den Plan der Trainer verlacht hast – du bedenkst mich also mit. Ist das nicht schön :herz:? Nicht mehr lange und wir sind die besten Freunde :lol:!“

„Uff…“, stöhnte Schabelle erneut über diese blumige, küchenphilosophische Aussage und entschied weise, besser nichts darüber zu sagen, sondern sich voll und ganz auf das Vorwärtskommen zu konzentrieren^^…

So schnell sie konnten, bahnten sich die Zwei deshalb ihren Weg durch den Sumpf und versuchten dabei nun ihrerseits, grob der Route zu folgen, welche die Ass-Trainer genommen hatten. Das verwandelte Eleganzpokémon hatte nämlich mit seinen feinen Sinnen festgestellt, dass sich deren Pokémon absichtlich zuerst gezielt in anderen Richtungen verteilt hatten; sie also zumindest für eine Weile halbwegs freie Bahn hatten.

Soweit ging ihr Plan auch auf: Nur selten bestand jetzt noch die Notwendigkeit, sich zu verstecken, weil beispielsweise eine kleine Gruppe Blanas, angeführt von einem Tengulist, an ihnen vorbeizog. Auch waberten nach wie vor Geister wie Traunmagil oder Ninjatom gelegentlich durch das Geäst, doch keines der Pokémon konnte die beiden ausfindig machen.

Ein großes Problem bestand jedoch weiterhin: Diese unheilvolle, belastende Aura des Sumpfwaldes selbst.

Je weiter sie sich durch das Dickicht kämpften, die schlammigen Wasserläufe und Sumpfflächen überwanden, desto mehr Anstrengung und Kraft musste Altan-Tschitschik dafür aufbringen. Auch ihre Beine fühlten sich ganz allmählich immer bleierner an und der Boden zäh und klebrig. Dazu bekam sie grundsätzlich den Eindruck, dass alles sich absichtlich weiter entfernte, als es eigentlich ist, sich quasi der ganze Sumpf wie ein Kaugummi in die Länge zog…

Mit einer bemerkenswerten Zähigkeit bot sie jedoch dieser diffusen Belastung bravourös die Stirn, denn ihre Ausdauer und ihr Willen waren einfach zu stark, als dass sie sich so leicht in die Knie zwingen ließ. Trotzdem kam sie nicht umhin, während einer kleinen Pause am frühen Nachmittag energisch an ihrer inzwischen merklich zerschlissenen Kleidung, die wegen der Feuchtigkeit unangenehm an ihr klebte, zu zupfen und dabei endlich ihrem Herzen Luft machte: „Meine Güte, das ist ja nicht zum aushalten hier! Da ist doch was faul an dieser Atmosphäre, nicht wahr?“

„So ist es Altan-Tschitschik.“, bestätigte Murphy mit seiner unerschütterlich guten Laune und erklärte: „Was dich hier wie so belastet ist Nepomuks finstere Magie, mit der er den Sumpfwald eingehüllt und vergiftet hat. Ansonsten wäre dieser Ort gar nicht sooo schlimm, sondern eigentlich ein schönes Plätzchen inmitten der Natur, aber ich schweife ab…

Jedenfalls hält jenes dunkle Zauberwerk die meisten Pokémon und Menschen die hier leben unter seiner Kontrolle beziehungsweise schwächt diejenigen, die er nicht braucht, sodass sie keine Gefahr für ihn darstellen. Dich belastet sie natürlich besonders stark, weil der Zauberer sie bewusst auf dich konzentriert, damit es dich zermürbt. Das ist auch der Grund, warum sich alles so in die Länge zu ziehen scheint, aber lass dich nicht täuschen und gib die Hoffnung nicht auf! Wir werden nur noch eine Nach hier verbringen müssen, dann sind wir draußen, glaub mir :D!“

Kurz hielt Fleknoil inne, betrachtete nachdenklich die Umgebung und ungewöhnlich ernst, was Goldblume aufhorchen ließ, fügte es hinzu: „Allerdings ist die Intensität dieser Zauberei ein Quäntchen stärker, als angenommen… Normalerweise würde sie dich erst kurz vor der Grenze so dermaßen quälen…“

„Goldblume, ich möchte dich etwas sehr wichtiges fragen!“, hob Murphy völlig unvermittelt und eindringlich an und sah Schabelle unverwandt direkt in die Augen: „Sie wird dir nicht gefallen und dich zuerst wütend machen… Doch du musst bitte ernsthaft darauf antworten: Hat der Magier dich irgendwie am Tag deiner Flucht noch berührt, was mehr war als Händchenhalten oder dergleichen?“

Augenblicklich stieg in der Tat eine Woge aus blanker Abscheu und lodernder Wut in der jungen Frau angesichts dieser Frage auf. Allein der Gedanke an diesen Mistkerl brachte sie schon hoch und die Erinnerung daran, dass er sie so nahe war, war schier unerträglich!

Um ein Haar wäre ihr wohl ein zorniges ‚Was fällt dir ein?!‘ statt einer zufriedenstellenden Antwort entschlüpft. Doch das kleine Pokémon blickte sie weiterhin todernst und zudem so aufrichtig bittend an, dass das verwandelte Eleganzpokémon seine überkochenden Emotionen in den Griff bekam und sich dazu durchringen konnte, zu sprechen.

„Er… Er hat mir einen… Kuss gestohlen an diesem Morgen…“, presste sie mühsam, gar gequält hervor und zog eine Grimasse, als würde sie bei jedem Wort bitteres Gift schlucken müssen. Ihren Körper durchlief vor abgrundtiefem Ekel ein regelrechter Schauer und sie kam nicht umhin voller Verachtung auszuspucken. Allerdings war dies jetzt immerhin gesagt, sodass es ihr deutlich leichter fiel weiterzusprechen und sie deswegen abfällig ergänzte: „Wobei man eher behaupten kann, dass er hauptsächlich meine Spucke hat trinken wollen. Und zwar so gierig, als wäre sie ein Erfrischungsgetränk :down:.“

„Hm… Dann wohl besser ein Energydrink…“, murmelte Murphy mit einem Gesichtsausdruck, den man unmöglich deuten konnte, wohingegen seine Aussage so klang, als habe ihm die Antwort von Altan-Tschitschik alles erklären können. Anstatt dieser jedoch zu erläutern, was er genau damit meinte, fand der flauschige Psycho/Flugtyp seine heitere Stimmung rasch wieder und sprach stattdessen aufmunternd und herausfordernd zu seiner Begleiterin: „Im Grunde ist es auch egal! Selbst wenn der Zauberer unsere Reise zu verzögern versucht… Aufhalten kann er uns nie im Leben :]! Also lass uns stolz erhobenen Hauptes weitergehen, ja?“

„Nur zu gerne!“, beeilte sich Schabelle zu antworten, da dieses unangenehme Gespräch sie noch mehr als nötig angetrieben hat, weiterzumachen, um diesem elenden Nepomuk zu entkommen. Zudem war sie Murphy aufrichtig dankbar, dass er es vorzog, zu dieser Sache vorerst zu schweigen und zeigte dies ganz offen. Sie würde sicherlich noch früh genug erfahren, was Fleknoil konkret damit meinte und ihr Bauchgefühl verriet ihr jetzt schon, dass dies nichts Gutes sein würde…

2.6: Nanettes Rache!

Der weitere Gang durch den Sumpfwald verlief – abgesehen von dieser miesen, dunklen Zauberei die Goldblume weiterhin quälte – erstaunlich ereignislos, fast schon eintönig. Das Verstecken beziehungsweise Umgehen der Pokémonsuchtrupps war inzwischen beinahe belanglose Routine, wobei Altan-Tschitschik den Verdacht hegte, dass ihre Gegner die eigentliche Suche bereits aufgeben hatten. Der ganze Mummenschanz diente jetzt wohl eher dem Zweck, ihre Reise zur Grenze hinauszuzögern, damit sie umso länger von Nepomuks Magie verpestet und so hoffentlich davon fertig gemacht wird.

Bei diesem Gedanken verzog en sich ihre Lippen jedoch kurz zu einem geringschätzigen, überlegenen Lächeln, denn darauf würden sie lange warten können!

Allein das Wissen, dass es sich hierbei um einen weiteren feigen, dreckigen Trick des Zauberers handelte, hatte genügt, um ihrem Stolz den nötigen Ansporn zu geben erst recht durchzuhalten. Unerschütterlich lief die junge Frau deshalb weiter flinken Schrittes neben Murphy, welcher unausgesetzt fröhlich summte und wie ein Falterpokémon herumflatterte, her und kämpfte tapfer und erfolgreich gegen diese Aura an. –Wenn Nepomuk, dieser schlappe Waschlappen, nicht mannsgenug war, selbst zu versuchen, sie zu holen und stattdessen zu solchen Kinkerlitzchen griff, war das eben sein Pech!

Trotz allem zehrte der anstrengende Marsch gerade wegen dieser elenden Magie an Schabelles Kräften und wie von Murphy prophezeit, gelang es ihnen auch nicht mehr, an diesem Tag die Grenze zu erreichen. Dies lag nicht zuletzt auch daran, dass sie größere Umwege in Kauf nahmen, weil sie den Menschensiedlungen, die sich inmitten des Sumpfes befanden, ausweichen wollten. (Irgendwoher müssen ja die Trainer und das Gesinde von Balthazar auch stammen^^.)

Da auch diese Bewohner und deren Pokémon jederzeit nach Belieben von Nepomuk kontrolliert werden konnten, hatte das verwandelte Eleganzpokémon sofort zugestimmt, als Fleknoil ihr diesen unschönen Umstand erklärte.

„Na dann brauchen wir viel lieber etwas mehr Zeit, als das wir uns mit einem Haufen ‚Zombies‘ herumärgern müssen.“, fand Goldblume dazu trocken, was Murphy ein heimliches Lächeln entlockte. Der Psycho/Flugtyp wusste nämlich sofort, dass seine Reisegefährtin ihre Aussage ganz anders meinte: Mitfühlend wie sie im Grunde nun mal war, wollte sie in Wahrheit einfach auf gar keinen Fall unnötig Unschuldige mit in diese üble Sache hineinziehen^^…

Schlussendlich behielt Murphy jedoch auch mit seiner zweiten Aussage Recht: Alle diese störenden Umstände verzögerten nur ihr Vorwärtskommen, konnte es aber nicht stoppen. Sie schafften nämlich trotzdem noch ein gutes Stück an diesem Tag, bevor sie wieder ein Lager für die Nacht suchen mussten. Und nach einer erneuten, ausgesprochen erquickenden Nachtruhe samt köstlichem Frühstück am Morgen darauf für Altan-Tschitschik, konnten sie umso beschwingter ihre Reise wieder aufnehmen. -Nun war die Grenze nicht mal mehr einen halben Tagesmarsch entfernt, also quasi zum greifen nah!

Allerdings…

Je näher sie dieser kamen, umso mehr veränderte sich der Sumpfwald und zwar nicht zum Guten!

Nach und nach zog nämlich ein unheilvoller, grünbrauner Nebel auf der – was denn auch sonst? – immer dichter und dichter wurde, bis er schließlich alles umhüllte, in ein schummriges Zwielicht tauchte und verseuchte. Die Wasserflächen verwandelten sich unter dessen Einfluss in bräunliche, schlammige Brühen aus denen unentwegt faulige Gase blubberten. Sämtliche Pflanzen waren verdorrt und ließen ihre welken, schwarzen Blätter traurig hängen – was nebenbei bemerkt anzeigte, dass dieser Nebel noch nicht allzu lange hier sein konnte. Allgemein war jedes Lebewesen, auch die gegnerischen Pokémon, aus diesem Bereich des Sumpfes geflohen und wem dies nicht geglückt war, nun ja, dessen Überreste faulten hier nun in Rekordtempo vor sich hin und verpesteten die schlechte Luft zusätzlich.

Wohl oder übel mühte sich Altan-Tschitschik mit ihrem pelzigen Begleiter durch diese Todeszone, wobei sie sich nicht wirklich überrascht davon zeigte. Schließlich war es ja leicht vorhersehbar gewesen, dass Nepomuk seine finstere Magie vor der Grenze noch mehr ballen würde, um sie ja noch aufzuhalten.

Dennoch war dieser Gang alles andere als ein Kinderspiel: Die , stinkende, vergiftete Luft brannte förmlich ihn Goldblumes Lungen und zudem lastete nun ein solcher Druck auf ihrem Brustkorb und ihren Schultern, dass ihr die Quälerei zuvor verglichen damit jetzt wie ein Kuraufenthalt vorkam. Aber noch hielt sie eisern durch, wenngleich sie zu ihrem tiefsten Missfallen feststellen musste, dass sie schon sehr bald ihre Belastungsgrenze erreicht haben würde und es darum langsamer angehen musste.

„Uff… Was… Was kommt eigentlich nach diesem elendigen Sumpf für ein Ort?“, wollte die junge Frau mühevoll keuchend von Murphy wissen. Sie stellte diese Frage natürlich aus Neugierde, doch in diesem Augenblick hauptsächlich deshalb, um sich durch dieses kleine Gespräch wenigstens ein bisschen von dieser Anstrengung ablenken zu können.

„Oh eine wundervolle Gegend und zwar die Nebelwälder!“, antwortete Fleknoil, welches nach wie vor immun gegen die Magie wirkte, strahlend: „Anders als dieser zwielichtige Sumpf sind diese ein lichtdurchfluteter Hochwald mit einem riesigen, klaren Fluss wo morgens Nebelschwaden geisterhaft und zugleich schön durchs Geäst uralter Bäume wabern… Hach! Das musst du dir selbst ansehen, das ist viel besser als man es beschreiben könnte. Und noch dazu ist dieses Gebiet nicht von der schwarzen Magie Nepomuks verdorben, dort wird es dir gleich viel besser gehen, Altan-Tschitschik. –Aus diesen Grund zieht es dich übrigens auch ganz instinktiv in diese Richtung, weil man dort am schnellsten aus dem Einflussbereich des Magiers herauskommt.“

Plötzlich sah Murphy das verwandelte Eleganzpokémon ganz komisch und irgendwie auch verständig an, bevor er völlig ohne Übergang sagte: „Ich möchte das du eines weißt: Du bist NICHT schwach Goldblume sondern bewundernswert stark und ausdauernd – selbst jetzt als Mensch! Du könntest selbst diesen Teil der Strecke wenn es sein müsste ohne Hilfe schaffen, wenngleich es dir all deine Kräfte abverlangen würde. Doch…“

Jetzt landete der kleine Fellball auf Goldblumes Kopf, was wie ein komischer, flauschiger Hut wirkte, und kaum war dies passiert, atmete diese erleichtert und überrascht auf, weil mit einem Mal die Wirkung der Magie einfach aufhörte. Sie perlte regelrecht von ihr ab, als wäre sie mit Teflon übergossen worden. Und zufrieden Lächelnd beendete der Psycho/Flugtyp seinen Satz: „Doch ich für meinen Teil weiß, dass du ebenfalls in der Lage bist, wahre Stärke zu zeigen indem du Hilfe annimmst, wenn du sie brauchst um dich nicht verausgaben zu müssen. Ist es nicht so :)?“

„Hmpf… Dann warst das also auch du…“, murmelte Schabelle mit einem verhaltenen, dankbaren Grinsen statt einer Antwort. Denn nun hatte sie die eindeutige Gewissheit, dass diese kleine Filzkugel für ihren erholsamen Schlaf verantwortlich war, indem der Kleine sie auch dort vor der Magie geschützt hatte. Murphy erwiderte indessen ihr Lächeln und derart und wortwörtlich ‚wohlbehütet‘, ging es gleich wieder deutlich schneller voran.

Alsbald hatten die beiden nun fast die Grenze erreicht, wobei man wegen der dicken Nebelwand natürlich nicht sehen konnte, wo genau dieser Sumpfwald zu Ende war. Doch fürs Erste kümmerte sie das auch nicht, weil sie die Gegend umso vorsichtiger im Auge behalten mussten. Was Altan-Tschitschik durchaus erstaunte – und beunruhigte - war der Umstand, dass sie noch keinerlei Abriegelung vorfand. Nach dem belauschten Gespräch der Ass-Trainer gestern hatte sie geglaubt, Nanette würde sofort den Trombork sofort den Befehl erteilen, einen Wall aus Wurzeln zu bilden, damit niemand hindurch könne. (Dornröschen lässt grüßen :P.)

Ihr ungutes Gefühl wurde noch weiter bestätigt, da sie und Fleknoil gelegentlich zwischen all den toten oder sterbenden Bäumen jetzt ganz ‚besondere‘ Exemplare ausmachen konnten. Das waren Trombork in Ruhestellung, die sich ironischerweise gerade wegen ihrer grünen Blätter und makelloser Borke verrieten, welche ihnen sonst samt ihrer allgemeinen Physis eine perfekte Tarnung boten. Und da sie ja unter der Kontrolle von Balthazar standen, waren sie natürlich auch unempfindlich gegenüber dessen fürchterliche Magie.

Noch wurden die Urgehölzpokémon nicht aktiv, dafür waren sie zu weit von den beiden entfernt und zudem schienen sie auch noch auf ein Zeichen zu warten. Außerdem stellten manche von ihnen sowieso keine Gefahr mehr dar: Denn auf dem zweiten Blick erkannte man hie und da auch ‚tote‘ Trombork, also jene Pflanze/Geistpokémon, deren hölzerner Körper im Verlauf der Jahrhunderte so morsch und verrottet war, dass der Geist darin diesen wieder verließ und so nur Totholz zurückließ. –Was wiederum die Grundlage für ihre Vorstufe Paragoni bildete, die ja aus Seelen beziehungsweise Geistern entstehen, welche sich in verrotteten Baumstümpfen einnisteten, sodass auch in diesem Fall wieder ein ewiger Kreislauf der Natur gebildet wurde^^.

Selbstredend hatte Goldblume, im Gegensatz zu Murphy, in diesem Moment rein gar nichts übrig für diese romantisch-philosophische Erkenntnis. Doch beide waren sich einig darin, dass diese angespannte Stimmung, die sich hier immer weiter aufbaute, nur zu bald schlagartig entladen würde!

Und das passierte dann auch:

Nach ein paar weiteren Metern nahm die junge Frau plötzlich eine kaum merkliche Bewegung aus ihren Augenwinkeln war und setzte reaktionsschnell zu einem gewaltigen Sprung nach vorn an. Und das keine Sekunde zu früh, da absolut gleichzeitig eine gewaltige Wurzel aus dem schlammigen Boden herausschoss und zwar genau aus eben jener Stelle, an der sie gerade noch gestanden hatte. Schabelle selbst landete sicher in einiger Entfernung und nahm die Beine in die Hand, denn damit war das Zeichen zum Angriff gegeben und der ganze Sumpfwald geriet in Aufruhr!

Eine Wurzel nach der anderen kam nun blitzschnell aus dem Erdreich hervor; trachtete danach, sie zu fassen und zu umschlingen. Weil dies jedoch nicht gelingen wollte, verfolgten die hölzernen Fesseln sie unnachgiebig und trieben das verwandelte Eleganzpokémon vor sich her. Die Trombork, welche sich nun enttarnt hatten, hielten sich selbst derweil im Hintergrund – wohlwissend, dass sie zu langsam für dieses Unterfangen waren – und bündelten ihre Kraft und Konzentration voll und ganz auf ihren kombinierten und somit äußerst mächtigen Waldesfluch.

So kam es das ein regelrechtes Heer aus verschlungenen und sich windenden Wurzeln nun Jagd auf Altan-Tschitschik machte. Wo es möglich war, versuchten sie ihr, den Weg abzuschneiden, indem sie sich zu einer schier undurchdringlichen Wand verflochten, welche Altan-Tschitschik jedoch mittels flinker Sprünge und Haken zu umgehen wusste.

Rasch hatte Goldblume überdies bemerkt, dass die Urgehölzpokémon sie gezielt an eine ganz bestimmte Stelle des Waldes treiben wollten und sie konnte sich schon denken, was sie dort erwarten würde. Notgedrungen musste sie sich trotzdem darauf einlassen, wobei Schabelle natürlich nicht Schabelle wäre, wenn ihr dabei nicht eine gute Idee gekommen wäre, diese Situation zu ihren Gunsten auszunutzen^^. –Murphy blieb nebenbei bemerkt regungslos und wie festgeklebt auf ihrem Kopf sitzen. Als Psychopokémon konnte es selbstverständlich auch Gedanken lesen und die junge Frau hatte ihn auf diese Weise eindringlich gesagt, er solle ihr diese ekelhafte Magie weiterhin von der Pelle halten. Dann wäre sie auf jeden Fall in der Lage, sich um den Rest zu kümmern…

Jedenfalls fand sich das verwandelte Eleganzpokémon nach kurzer Zeit auf einer großen Lichtung wieder und augenblicklich hörten die Wurzeln auf, sie zu jagen. Dafür umflochten sie nun großflächig diesen Platz, sodass man nicht ohne weiteres wieder von dort verschwinden konnte.

Zunächst erschien dieser Ort komplett leer: Mehrere verschieden große Inseln voll von nun verdorrten Büschen und Sträuchern zwischen denen sich die jetzt vergifteten, blubbernden Wasserflächen erstreckten. Und in der Mitte ragte noch ein größerer Hügel heraus, auf dem ein paar moosbewachsene, verkrüppelte und uralte Bäume sich sogar tatsächlich noch gegen die schädliche Magie behaupten konnten. Urplötzlich ertönte genau von diesem Hügel aus ein tiefes, knurriges Brüllen und bestätigte somit die Gedankengänge von Altan-Tschitschik: Die Trombork hatten sie zum König gebracht!

Die alten Bäume raschelten und erzitterten wie bei einem heftigen Sturm als sich zwischen ihnen ein schier gewaltiges, schillerndes Urgehölzpokémon zu seiner vollen Größe aufrichtete und allein schon dadurch zeigte, warum es der König genannt wurde! Ganze sechs Meter – also viermal größer als ein gewöhnliches Exemplar - ragte dieser Koloss in die Höhe, sein extrem dunkles, rotbraunes Laub glänzte beinahe wie Blut, wohingegen seine ansonsten ja silbergraue Rinde ebenfalls über und über von Moosen und Flechten bewachsen war. Doch genau deshalb wirkte der König erst recht wie ein weiser, alter Anführer, dessen bloße Präsenz ehrfurchtgebietend war.

…Zumindest theoretisch, denn sowie man in das Gesicht dieses Trombork blickte, wurde einem die Aussage von Murphy wieder schmerzlich bewusst. Das violette Auge des Königs wirkte stumpf und leer, kündete von seinem hohen Alter und seiner beginnenden, geistigen Umnachtung, welche ihn nun zu einer leichten Beute für die Magie des Zauberers gemacht hatte. Dazu passte es perfekt, dass jemand ganz bestimmtes in dessen Krone saß und ein hohes, lebloses Hohngelächter hinab zu Goldblume erschallen ließ.

„Nanette!“, zischte die junge Frau verächtlich und sah kämpferisch hinauf zu jener grotesken, knopfäugigen Guardevoirmarionette, die ihr Nepomuk als beste Freundin weismachen wollte, obwohl sie dessen treue Dienerin war. Diese erwiderte den Blick von Schabelle unverwandt, wobei ihre Knopfaugen voller Hass funkelten.

„Haha, so ist es meine ‚liebste Freundin‘!“, bestätigte Nanette mit einem triumphalen, hämischen Gelächter, machte eine tadelnde Geste und fuhr mit ihrer leblosen Stimme, die dennoch voll Feindseligkeit troff, fort: „Dein kleiner Ausflug ist hiermit zu Ende, Altan-Tschitschik! Du hast dich sowohl mir gegenüber als Freundin als auch deinem künftigen Gemahl äußerst ungebührlich verhalten und ihm somit viel unnötigen Kummer und Ärger bereitet. Eigentlich hättest du dir eine gehörige Strafe mehr als verdient. Doch der Herr ist in seiner unendlichen Güte freilich gewillt, bei seiner Zukünftigen Milde walten zu lassen…

…Also sei klug und komm freiwillig wieder zu ihm zurück. Denn sieh es doch ein: Wo willst du denn hin, hä? Dies ist weder deine Welt noch dein richtiger Körper, nirgends würdest du hier glücklich werden können und niemals, hörst du, NIEMALS wirst du dich jemals zurückverwandeln können! Und irgendwann wirst du unweigerlich an diesem Umstand verzweifeln, vielleicht sogar verrückt werden oder daran zerbrechen…“

Die skurrile Wesenheit vollführte plötzlich eine versöhnliche Gebärde und sprach nun fast wie ein Prediger, der vom Paradies kündete: „Ob du es glauben willst oder nicht: Dein Platz ist an der Seite des Herrn. Er wird dich glücklich machen, gerade weil er dir die Gnade des völligen Vergessens schenken wird. Sowie die Zeremonie abgeschlossen ist, musst du dich nie mehr mit solchen quälenden Erinnerungen von einem Leben, welches längst unwiederbringlich vergangen ist, abmühen. Das du überhaupt dieses Wissen zurückerlangt hast, ist einem kleinen Fehler geschuldet, welcher dein Zukünftiger zutiefst bedauert. Du siehst ja, was dieses Umstand angerichtet hat…“

Jetzt streckte sie symbolisch ihre Filzhand nach dem verwandelten Eleganzpokémon aus, wobei der König als ihre Marionette ebenfalls seine gewaltige Pranke einladend vor diesem hielt, sodass sie theoretisch nur noch aufspringen hätte müssen. Und mit hallender, beinahe hypnotischer Stimme beendete Nanette ihre maßlos ausufernde Rede: „Doch nun komm zurück Goldblume! Zurück zu deinem dich innig liebenden Gemahl und schließe den Bund der Ehe mit ihm, sodass du auf ewig in einem Traum voll Glückseligkeit verweilen darfst; fern allen Elends dieser Welt.“

„Ach halt die Luft an Nanette!“, stieß Goldblume trocken und von all dem Gerede gänzlich unbeeindruckt bis lediglich angewidert hervor, verschränkte die Arme, spuckte demonstrativ und meinte mit einem beleidigend, sarkastischem Lächeln: „Ist dir überhaupt bewusst, dass du wie ein schmieriger Gebrauchtwagenhändler klingst? Und wie ein schlechter noch dazu – da würde ich eher bei Kater Karlo einkaufen; der versteht wenigstens was von seinem Job :P! Denn der Müll, den du mir da allen Ernstes anpreist, gehört augenblicklich in die Schrottpresse!“

„Wirst du wohl still sein, du dämliche Ultrabestie!“, brauste die groteske Marionette, deren versöhnliche Fassade bei diesen Worten sofort wieder zusammengebrochen war, voller Aversion gegen Schabelle auf und verstellte sich somit nicht länger: „Du elendiges, stures, dickköpfiges, eigensinniges, widerspenstiges Pokémon schlägst in deinem widerlichen, kindlichen Trotz also einfach so die Gnade des großen Herrn aus?! Das ich nicht lache! Der Herr wird dich trotzdem kriegen, dafür sorge ich; hier ist das Ende der Fahnenstange! Ich habe es im Guten versucht, aber nun werde ich andere Saiten aufziehen und dann wirst du dir wünschen, du wärst freiwillig darauf eingegangen!!“

(Das muss jetzt einfach sein: Pokémon Sun & Moon: Totem Battle^^ https://www.youtube.com/watch?v=NRTX51y2U4Y)

Augenblicklich wurden dunkle Fäden aus schwarzer Magie in den Händen der skurrilen Wesenheit sichtbar und sie begann, den König damit zu steuern und auf das verwandelte Eleganzpokémon zu hetzen. –Dies läutete den Anfang des Kampfes ein, welchen Altan-Tschitschik seit Beginn dieses Auftrittes vorausgesehen, erwartet und durch ihre Wortwahl schlussendlich auch provoziert hatte, weil sich ihr so eine Möglichkeit zur Flucht bieten würde^^.

Zunächst aber galt es dennoch, sich dem König zu stellen, was kein Zuckerschlecken darstellte!

Zwar war dieser genauso langsam wie die gewöhnlichen Trombork, doch wegen seiner gewaltigen Größe besaßen seine mächtigen Arme ebenfalls eine enorme Reichweite, welche den ganzen, von den Wurzeln umschlungenen Platz, umfassen konnten. Mittels waghalsiger Sprünge wich die junge Frau den gewaltigen Pranken des Urgehölzpokémon, mit denen dieses sie zu packen suchte, aus und musste sich vorsehen, da Nanette die Arme des Königs asynchron steuerte.

Dieses Unterfangen gestaltete sich mit zunehmender Kampfdauer immer Kräftezehrender, denn der Boden wurde mehr und mehr aufgewühlt, rutschig und schlammig. Zudem ließ Nanette den König regelmäßig mit Spukball und Samenbomben angreifen. Zwar war Schabelle viel zu flink für diese Angriffe, doch darum ging es auch gar nicht: Jeder Treffer sprengte Unmengen Erdreich in die Luft oder brachte das Wasser zum spritzen, was die Sicht des verwandelten Eleganzpokémon einschränken sollte und den Boden noch unwegsamer machte. Allgemein erkannte Schabelle schnell, dass ihr Gegenüber sie vorrangig zermürben und auslaugen und keinesfalls ernsthaft verletzen oder gar töten wollte. Was ja auch Sinn machte, denn tot hätte sie keinen ‚Nutzen‘ mehr für den Magier gehabt. –Also eine gewiefte Taktik, die durchaus zum Erfolg hätte führen können, wenn dieser Umstand nicht gleichzeitig der größte Trumpf für Goldblumes Strategie, welche sie in petto hatte, darstellte!

Aber es galt schnell zu handeln, denn der Kampfplatz glich mittlerweile einem zerbombten Schlachtfeld auf dem selbst sie kaum noch festen Stand finden konnte! Eine Weile wich sie den immer schneller nach ihr packenden Pranken des Königs noch aus, dann sah sie ihre Gelegenheit: Altan-Tschitschik sprang erneut und tat so, als hätte sie sich verschätzt. Sie rutschte bei der Landung ab, blieb scheinbar mit dem rechten Fuß in einem Schlammloch stecken und brauchte einige wertvolle Sekunden, bis sie sich wieder befreien konnte.

Darauf hatte Nanette derweil nur gelauert! Ihre schwarzen Knopfaugen blitzen hämisch auf und mit einem schrillen, hysterischen Lachen ließ sie beide Arme des Königs auf die Braut ihres Herrn herabfahren. Sie gackerte triumphierend, wähnte sich schon als Siegerin, als sie urplötzlich stutzte. Der König hatte ins Leere gegriffen, seine Klauen stecken nun seinerseits wirklich kurz im Erdreich fest, während die junge Frau diesen mit einem gekonnten Sprung ausgewichen war.

Dann ging alles blitzschnell: Goldblume landete auf dem Handrücken von Trombork und spurtete dessen Arme in vollem Tempo hinauf zur Krone, wo Nanette viel zu verdutzt und überrumpelt dastand und gar nicht zu wissen schien, wie ihr geschah. Ohne dieser grotesken Gestalt Beachtung zu schenken, sauste Schabelle an ihr vorbei, sprang mit aller Kraft vom Kopf des Königs und überwand dank dessen Größe so weitläufig den Wurzelwall, sodass ihr nun der Weg aus dem Sumpfwald freistand!

Oder?

Jäh schrie das verwandelte Eleganzpokémon schmerzhaft auf und wäre beinahe der Länge nach auf den Boden geplumpst. Sie sah an sich hinunter und erkannte schockiert, dass es Nanette gelungen war, während ihres Sprunges ihren Oberkörper samt den Armen mit einer dieser dunklen Fesseln zu umwickeln!

„Nicht so schnell meine liebste Freundin, hähä!“, spottete die skurrile Wesenheit darum siegessicher und zog mit aller Macht an dem Faden, der sich dadurch nur noch enger und schmerzhafter zuzog, und zerrte somit die junge Frau langsam wieder zu sich heran: „Ich sagte doch bereits, dass deine Reise hier zu Ende ist. Da helfen dir auch deine kleinen Tricksereien nichts mehr, hähä! Du kommst jetzt schön zurück in den Obsidianturm des großen Meisters!“

Altan-Tschitschik bäumte sich auf, wehrte sich mit allem, was ihr Körper hergab, doch es half nichts; sie verstärkte nur den quälenden Würgegriff der Fesseln. Stück für Stück ging es darum wieder zurück zu den Wurzeln und zum König, denn die groteske Wesenheit zog brutal und mit schrillem Hohngelächter daran.

Ihre Augen funkelten gehässig, als sie bemerkte, dass Goldblumes Gegenwehr immer schwächer wurde und sie sprach voll Genugtuung: „Weißt du, ich hasse alle Pokémon so sehr! Ihr freier Wille, ihr eigener Kopf, ihre Gefühle… Ihr ganzes Naturell ist mir zutiefst zuwider! Hehe, aber wenn der Meister dich erst zu einer willenlosen Puppe gemacht hat, kann ich mir gut vorstellen, dass ich dich dann sogar leiden mag. Trotz der Ärgernisse, die du bereitet hast!“

Und in ihrem blinden Hass bemerkte Nanette nicht, dass sie gerade längst auf einen Uralttrick hereingefallen war:

Die junge Frau hatte nur vorgetäuscht, dass ihr die Kräfte versagen, um die skurrile Wesenheit zur Nachlässigkeit zu verleiten, damit der schmerzhafte Zug nachlässt. Nun spannte Schabelle jedoch ihre ganzen sehnigen Muskeln an und zerrte nun ihrerseits zum ersten Mal mit ihrer wirklich ganzen Kraft an diesem Seil. Nanette hatte dem nichts entgegenzusetzen. Völlig überrumpelt wurde die groteske Marionette vom Kopf des Königs gerissen, ließ das Seil los und stürzte kreischend in eines der schlammigen Wasserlöcher.

Postwendend lösten sich die dunklen Fesseln in Rauch auf, sodass das verwandelte Eleganzpokémon erleichtert seufzte. Zu Nanette gewandt machte sie eine sarkastisch gemeinste Abschiedsgeste und sagte frech grinsend noch eine Strophe eines Kinderliedes auf: „Und fällt sie in den Sumpf, macht die Nanette plumps^^.“

Dann aber spurtete Altan-Tschitschik los; endlich und unaufhaltsam der Grenze entgegen! Das schrille, ohnmächtig wütende Protestgeheul der skurrilen Wesenheit dröhnte schier betäubend in den Ohren, denn natürlich akzeptierte Nanette ihre Niederlage nicht. Aber selbst der Umstand, dass die Wurzeln die Jagd umso wilder und maßloser wieder aufnahmen, konnte nichts mehr ändern! Zu allem Entschlossen sprang, schlüpfte und rannte Goldblume durch das Gewirr der hölzernen Schlingen, welches vergeblich sie richtig einzuholen und fangen zu suchte. Immer dem Licht entgegen, welches sie und Murphy bereits jenseits dieses finsteren Nebels ausmachen können.

Und dann schließlich prallten die Wurzeln an einer Art unsichtbaren Mauer ab – sie hatten es geschafft! Der Sumpfwald lag hinter ihnen!
Zuletzt geändert von KleinKokuna am 22.09.2018, 16:33, insgesamt 10-mal geändert.
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Re: Braut auf der Flucht

#1309086 von KleinKokuna
09.08.2018, 17:46
Nun denn: Meine neue FF ist online 8) ! Hab das erste Kapitel erst zum Teil reingestellt, weil ich überhaupt sehen will, wie das ganze in dieser schnieken Box überhaupt aussieht - wobei mir es gefällt :D. Den Rest gibt es im Verlauf des Wochenendes.

Doch nun erstmal viel Vergnügen beim Lesen :)!
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Re: Braut auf der Flucht

#1309132 von Donnerkralle
11.08.2018, 08:03
Yeah, endlich bist du zurück, KleinKokuna! Neues Leben im
FF-Bereich!
Wundervoll, gleich mal zur neuen FF:
Sehr interessant. Es hat mich echt gepackt. Nette Idee mit der Musik am Beginn - war sehr passend. (Sollte ich vielleicht auch machen :P )

Altan-Tschitschik (doch nicht etwa Altan-Kitschig :lol: ) ist sehr sympathisch (auch wenn ich Sven momentan mehr mag) und fast schon eine Art Prinzessin. Ich frage mich, wie ihre Vergangenheit aussieht, ihre Herkunft. Immerhin hat sie ja keine wirklichen Erinnerungen.

Dafür hat sie eine tolle Freundin an ihrer Seite, Nanette, die am Anfang etwas creepy wirkte, aber innerlich ein großes Herz zu haben. (Ob nun wirklich ein Banette sie besessen hat. Hat der gute Zauberer etwa dies getan?)

Balthazar, der Zauberer, wie stark wohl seine Kräfte sind, und ob er eventuell 'Schwarze Magie' beherrscht? Wie du siehst, tummeln sich in mir einige Fragen auf.

Und natürlich darf ich die tolle Beschreibung nicht vergessen. Das Schloss hat ja mal eine interessante Form außerhalb. Am besten gefielen mir die Mosaiken und die Abbildung und Darstellung von Xerneas und Yveltal.

Bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht! :)
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Re: Braut auf der Flucht

#1309153 von KleinKokuna
12.08.2018, 10:08
Hehe, Dankeschön :). (Irgendwann wollte ich einfach wieder was reinstellen^^.)

Und schön, dass dir die Story bis jetzt soweit gefällt :D.
Allgemein ist die ganze FF hier eher experimenteller Natur, darum werde ich das noch öfter mit den Videos probieren. (An der Stelle möchte ich aber nochmals auf die FFs von Ayron und Vampirbiss hinweisen - von den beiden habe ich die Idee mit den Videos überhaupt.)

Wobei ich jetzt schon sagen kann, dass die nächsten Abschnitte wohl einige Überraschungen bereithalten werden, die dich deinen Standpunkt vielleicht noch überdenken lassen werden^^. Du kannst also gespannt sein :D.

Und btw:
Altan-Tschitschik ist übrigens mongolisch und heißt soviel wie 'Goldblume', das hab ich auch einem historischen Roman (Der schwarze Wolf von Kurt David).
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Re: Braut auf der Flucht

#1309166 von KleinKokuna
12.08.2018, 17:53
Sodala, die Unterkapitel 1.4 und 1.5 sind nun ebenfalls online, und damit ist das erste Kapitel vollendet :)!

Wünsche weiterhin viel Vergnügen^^.
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Re: Braut auf der Flucht

#1309213 von Donnerkralle
14.08.2018, 09:19
Okay, wow! Damit hätte ich jetzt wirklich nicht gerechnet! :amazed:
Ich habe schon letztes Mal erwähnt, dass ich über die Herkunft von Goldblüte sehr interessiert bin. Aber die plötzliche Wendung hat bei mir großes Staunen hinterlassen.

Ich dachte sie wäre ein einfaches Mädchen gewesen, dass seit Jahren im Turm eingesperrt worden war. Aber niemals erwartet, dass sie ein Pokèmon wäre, ein Schabelle :o
Gut, dass sie Nanette 'aus dem Weg geräumt hat'. So eine Fake-Freundin hat es verdient.

An dieser Stelle möchte ich meinen Lob aussprechen: Du hast mich echt überrascht und gleichzeitig die Story spannender gemacht! :up:

Und wer hätte gedacht, dass der gute Zauberer in Wirklichkeit ein richtiges Ar******* ist. Dazu beherrscht er noch Schwarze Magie und ist pervers. Zum Glück ist Goldblume entkommen, möchte echt nicht wissen, was sonst in der Hochzeitsnacht passieren würde. :~

Jetzt bin ich neugierig und hoffe, dass es bald weitergeht.

P.S. Coole Namensherkunft von Altan-Tschitschik. Passt ja perfekt. :lol:
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Re: Braut auf der Flucht

#1309219 von KleinKokuna
14.08.2018, 18:28
Hey, danke wieder für dein schönes Feedback und dein Lob Donnerkralle :)!

Freut mich echt riesig, dass dir die Wendungen und Offenbarungen so zusagen und dich gleich so überraschen. -Dann haben sich meine Intentionen für das erste Kapitel erfüllt, klasse^^.

Die erste Hälfte des zweiten Kapitels werde ich vielleicht noch dieses WE oder wenigstens Anfang nächster Woche schon hochladen können. (Aber dann und 'darf' ich mal wieder ordentlich in die Tasten hauen, damit es auch weitergehen kann :D :tja:...)

Und so ganz nebenbei: Es macht schon irwie Spaß, sich Mistkerle für seine Story auszudenken :P.
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Re: Braut auf der Flucht

#1309394 von KleinKokuna
21.08.2018, 18:40
Nun denn, die ersten zwei Unterkapitel des 2.Kapitels sind nun online - ich wünsche wieder viel Spaß :).
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Re: Braut auf der Flucht

#1309441 von Donnerkralle
24.08.2018, 10:10
Wunderschöne zwei Unterkapitel!

Im ersten Teil geht es um die wilde Hetzjagd. Sehr coole Stellen beim Sumpfland. Man spürt so richtig den Drang und den Druck, die Goldblume zerdrücken. Meine Lieblingsstelle war natürlich der Kampf. Nachdem du die originelle Strategie der vier Trainer erklärt hast, war ich sehr gespannt, wie Altan-Tschitschik damit klar kommen würde. Ich wurde nicht enttäuscht :P

Die mehr als passende Musik kombiniert mit deinem Schreibstil machten den unfairen Kampf spannend, wild und schnell. Selbst als Mensch schlägt sich Goldblume wirklich stark. (Wünschte, ich könnte mich auch so bewegen :lol: )

Das Ende war recht amüsant zu lesen. Ich konnte mir sehr gut die Szene bildlich darstellen. Wie Lektrobal am Ende das tat, wofür es eben bekannt ist, und langsam auf die Trainer zuflog, hatte mir ein Grinsen gezaubert. :lol:

Im zweiten Abschnitt wurde es noch emotionaler. Die Art und Weise, wie Schabelle zuerst glücklich in ihrer Heimatdimension mit ihren Artgenossen ihr Leben verbrachte und dann ganz plötzlich erstarrte, während ihre Freunde panisch flohen --> hat bei mir ein trauriges Gefühl hinterlassen.

Sehr schön hast du den innerlichen Zusammenbruch von Altan-Tschitschik beschrieben. Hoffe, sie schafft es, wieder auf die Beine zu kommen. War ja klar, dass der Zauberer die Gefühle anderer ignoriert und sich einen Dreck schert. Hauptsache er bekommt seine Sache.

Das arme Wesen wurde von einem notgeilen Magier gefangen genommen und brutal in den Turm geworfen. Und dann musste sie die grässliche Verwandlung miterleben. Du hast es geschafft, KleinKokuna. Ich hasse den Typen mehr denn je. Seine Gier nach einer schönen Frau bzw. Sklavin ist so ... wäh! :twisted:

Freu mich schon auf mehr! :)
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Re: Braut auf der Flucht

#1309686 von KleinKokuna
06.09.2018, 19:46
So, jetzt möchte ich mich endlich wieder für dein wunderschönes, ausführliches Feedback bedanken Donnerkralle :)!

Es ist echt schön zu lesen, dass du deinen Spaß an der Story hast und dich die Geschehnisse darin nicht kalt lassen. -Das du den Zauberer jetzt hasst, sehe ich sogar als besonderes Kompliment: Anders als in meiner vorherigen FF wollte ich diesmal einen echten, unsympathischen Mistkerl als Bösen machen...

...Und offensichtlich ist es mir gelungen, mwahaha :lol:!

Und dadurch angespornt hab ich wieder in die Tasten gehaut und kann daher die nächsten beiden Unterkapitel 2.3 und 2.4 prästenieren 8)! Damit ist das zweite Kapitel zwar noch nicht ganz beendet, aber da vor allem 2.4 etwas länger geworden ist, wollte ich lieber nur die beiden hochladen^^.

In diesem Sinne dir und freilich auch den (hoffentlich) anderen Lesern wieder ganz viel Spaß :)!
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Re: Braut auf der Flucht

#1309713 von Donnerkralle
08.09.2018, 16:35
Das waren wirklich zwei tolle Kapiteln! Ich merke schon, es wird immer spannender! Ich war ziemlich überrascht, das plötzlich in der Überschrift Arceus vorkommt :o Auf jeden Fall hast du den "Himmel" sehr schön beschrieben. Würde auch gerne mal dort vorbeischauen :P Bin gespannt, ob Arceus weitere Rollen einnehmen wird. Ebenfalls finde ich den Charakter vom "Gott" interessant. Dass er sogar diesen Ausdruck nicht bevorzugt zaubert mir ein Lächeln. Ein toller Einfall war auch, wie Arceus seine Meinung über diese Welt bekommen hat. Dass er sich zu verschiedenen Zeiten in einen Menschen verwandelt hat und mit ihnen auch Zeit verbracht hat, war ziemlich raffiniert und gut durchdacht.

Hier folgt ein versteckter Text. Fahre mit der Maus über den Text, um diesen anzuzeigen!
…Nachdem sie diesem Drecksack zuvor in ihrer wahren Gestalt den heftigsten Turmkick in seinen A**** verpassen würde, zudem sie imstande wäre!
- Diese Zeile hat mir definitiv den Rest gegeben xD Ganz ehrlich, ich teile die Meinung von Goldblume. Hoffentlich bekommt sie ihre Chance

Aber das Highlight war eindeutig Murphy!

Ich weiß nicht, wie du es geschafft hast, aber ich liebe diesen kleinen Fellknödel jetzt schon. Am Anfang dachte ich, dass der Schüler von Arceus einfach ein "Baby-Arceus" sei, was aber irgendwie unlogisch wäre (Zwei Pokémongötter zur gleichen Zeit?). Aber dieses Fleknoil ist irgendwie so putzig rübergekommen in dem Kapitel. Dabei leuchtet es schön in Gold, quasi ein Engel.

Vorher galt für mich das Pokémon Fleknoil als uninteressant. Ich hatte nie wirklich an dieses Pokémon jemals gedacht. Aber als Murphy plötzlich auftauchte, änderte sich meine Meinung schlagartig. Jetzt sehe ich in diesem Pokémon einen herzliebsten Reisegefährten. Sein Charakter ist so gut geschrieben. Also zusammengefasst: Murphy ist klasse! :up:

Ich freue mich schon wahnsinnig auf die Fortsetzung. Ich frage, welche Mission nun der kleine Racker erfüllen muss. Arceus scheint ja ihm richtig zu vertrauen. Ich denke, er wird Goldblume tatkräftig unterstützen. Auf Murphy freue ich mich schon total! Der bringt sicher noch sehr viel Leben ins Geschehen.

Wie du sicherlich schon bemerkt hast, hast du mit Murphy bei mir ein Volltreffer gelandet! :lol:

Das (momentane) letzte Kapitel war sehr angenehm zu lesen. Dann hau mal schön weiter in die Tasten, KleinKokuna!
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Re: Braut auf der Flucht

#1309726 von KleinKokuna
09.09.2018, 06:43
Oh, gleich nochmals Danke für deinen Kommentar Donnerkralle, das ist echt lieb *-*!

Klasse, dass dir Murphy gleich so zusagt, denn du hast es auf Anhieb richtig erfasst: Der kleine Wuschel ist Goldblumes eifriger und hilfsbereiter Gefährte und soll durch sein sonniges Gemüt zudem eine Art Gegenpool für Schabelle darstellen :D. Und außerdem kannst du mir wohl zustimmen, wenn ich sage, dass es mehr Spaß macht, wenn man mindestens zwei Charaktere als einen allein auf reisen schickt^^. -Warum ich ausgerechnet ein Fleknoil ausgesucht habe, kann ich gar nicht genau sagen, doch es hat zum Teil schon damit zu tun, dass mich diese Pokémon an die bösen, schwarzen Lums aus Rayman 3 erinnern. (Und - natürlich - wollte ich wieder einen Underdog ins Rampenlicht rücken, wie Rocara :P...)

Was für eine Mission der Kleine hat, wirst du in ein paar Unterkapiteln erfahren; genauso, was für einen wahren, bösen Plan der Zauberer verfolgt, denn er will nicht nur Goldblume als seine Sklavin, so viel will ich schon verraten, also sei gespannt :lol:!

P.S: Es freut mich auch, dass dir meine Darstellung von Arceus so gefällt. Da habe ich nämlich meine eigenen Ansichten und Meinung bezüglich Götter/Religion einfließen lassen. Allerdings wird Arceus - zumindest vordergründig - keine große Rolle mehr einnehmen; dafür ist doch Murphy da :D.
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Re: Braut auf der Flucht

#1309959 von KleinKokuna
Gestern, 16:41
Nun denn, Zeit wieder was hochzuladen :D!
Ich war -nicht zuletzt wegen des großartigen Lobes - dermaßen motiviert und voller Einfälle, dass ich das Zweite Kapitel gleich um zwei weitere Unterkapitel statt wie geplant um lediglich eines erweitert und damit abgeschlossen habe 8)! Damit verzögert sich zwar die große Offenbarung noch etwas länger, aber das kommt schon noch^^.

Jedenfalls wünsche ich auch weiterhin wieder viel Spaß beim Lesen :).
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