Schreibe eigene Geschichten über Pokémon und deine Lieblings-Charaktere.

Re: Auf in die Welt

#1309613 von Donnerkralle
02.09.2018, 20:07
:amazed: Vielen vielen Dank für deinen Kommentar, KleinKokuna!! Mir fehlen echt die Worte (*-*)

Es freut mich wahnsinnig, dass es dir so gefallen hat. Ich muss zugeben, dass ich etwas Angst hatte, die 2 Kapiteln nicht spannend genug erzählt zu haben. Zum Glück konnte ich deinen Geschmack treffen. An manchen Stellen musste ich echt kreativ werden. Du weißt gar nicht, wie lange ich auf die Offenbarung von Team Alpha gewartet habe. Ich wollte endlich etwas Licht ins Dunkle bringen :lol:

Über Trikephalo's Herkunft habe ich mich an Cheatprogrammen für Pokèmon inspirieren lassen. Dort werden ja durch ein paar Mäuseklicks perfekt gezüchtete Pokèmon erstellt. Da wollte ich mal ein wenig meine Meinung über das Ercheaten von 6 DV Shinys verpackt zeigen.

Zur Erschaffung der Zeros: Unfassbar, dass du es tatsächlich erraten hast! :amazed:
Die Diamant Edition war mein erstes Pokèmon und Nintendo Spiel. Bin deshalb mit Team Galaktik aufgewachsen und fand ihre Idee bzw. ihr Ziel sehr cool und interessant. Deshalb habe ich sie ein wenig aufgefrischt und damit Team Alpha erschaffen. Kurz und knackig: Ja, diese Behälter sind quasi die Brutstätte für die Zeros. Echt cool, dass du das sofort erkannt hast :lol:

Das nächste Kapitel wird auch eine kleine Wende haben ^^
Auf jedenfall bin ich dir sehr dankbar für deine tolle Unterstützung! Ich glaube, dein Feedback war das netteste, was ich in letzter Zeit so gelesen habe. Ich lese immer gerne deine Kommentare :)

P.S: Apropos turbulente Woche; ab morgen geht die Schule wieder für mich los. :P
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Re: Auf in die Welt

#1310199 von Donnerkralle
06.10.2018, 19:32
Kapitel 42: Zerrissen
Warme Sonnenstrahlen schienen durch das Fenster und erhellten den Raum. Müde öffnete Leon seine Augen. Er streckte seine Gliedmaßen aus. Langsam erhob er sich aus dem weichen Doppelbett. Marco schlief ruhig auf der anderen Seite. In der Decke verkrochen, erreichten ihn die Sonnenstrahlen nicht. Halbschlafend torkelte Leon ins Badezimmer, nahm aber vorher noch sein Trainergewand mit. Leon schloss die Tür hinter sich und zog ruhig seinen niedlichen Pyjama aus. „Hmm, diese Flemmli´s sind so süß, aber der ganze Pyjama ist einfach so angenehm zu tragen. Wie könnte ich ihn schon ersetzen?“, murmelte der schwarzhaarige Trainer und grinste.

Nachdem Leon sich umgezogen hatte, warf er seinen heißgeliebten Pyjama in den Wäschekorb und verließ munter das Badezimmer. Er seufzte. Sein blonder Freund schlief immer noch seelenruhig. Kopfschüttelnd sah er eine Weile zu. Dann entschloss sich der Trainer vorsichtig die Decke wegzuziehen. „Morgen, Marco. Es ist Zeit zum Aufstehen“, weckte Leon sanft seinen treuen Freund. „Was? Wo? Leon, chill doch mal! Heute ist kein Turniertag! Also lass mich ausschlafen“, maunzte Marco und vergrub sein Gesicht im Polster.

„Es ist schon halb elf! Ich möchte endlich frühstücken und dann unsere Freunde besuchen“, erwiderte Leon und schüttelte seinen Freund wach. „Ist ja schon gut. He, lass das!“, zischte Marco und rollte zur Seite. Allerdings fiel er aus dem Bett. „Wa-“, japste Marco. *Plumps!*

Leon konnte sich sein Lachen nicht verkneifen. „Hahahaha!!“, lachte er kurzzeitig. Marco erhob sich. „Sehr witzig, sehr... besser kann ich mir ein Aufstehen echt nicht vorstellen“, erwähnte der blonde Trainer.

„Ach komm, sei doch nicht so. Es war lustig. Aber im Ernst, wir sollten nicht so viel trödeln“, erinnerte der schwarzhaarige Trainer. „Zu wem möchtest du überhaupt hin?“, fragte Marco und kratze sich am Rücken. „Zu Ill und Riccardo. Ich bestehe darauf, dass sie über das Aktuellste aufgeklärt sind“, meinte Leon. „Fein. Du hast irgendwie schon recht. Immerhin waren sie beim Halbfinale nicht dabei. Ob sie sich Sorgen machen?“, meinte der blonde Trainer.

„Was meinst du? Das Halbfinale haben sie sich höchstwahrscheinlich am PC von Riccardo angesehen. Ich möchte sie eher über Team Alpha aufklären“, erklärte Leon und verschränkte seine Arme. „Ach so! Und das obwohl Zero dagegen ist?“, die letzten Worte sprach er mit einer arroganten Stimmlage. „Zero...Gamma ist nicht mein Vater. Außerdem spricht nichts dagegen“, erwiderte Leon und sah zu Boden. „Aber auch nicht viel dafür“, konterte Marco. „He, auf welcher Seite bist du eigentlich? Gamma oder auf meiner?“, klagte Leon.

„Auf deiner, du Mäusehirn. Aber wie auch immer. Tu was du nicht lassen kannst“, sagte Marco gleichgültig. „Bitte was?“, zischte der schwarzhaarige Trainer. „War nur ein Witz. Los gehen wir“, meinte der blonde Trainer. „Gut, aber zieh dich noch vorher um“, wies Leon an. „Hätte ich ja beinahe vergessen.“

Der herrliche Duft von frischgebackenen Gebäck erfüllte die zweite Lounge. Dort durfte man sich selbst sein Frühstück zaubern. Leon nahm ein großes Tablett und stellte zwei leere Teller darauf. Danach marschierte er zur „Backtheke“ und nahm sich frischgemachte Semmeln. Während Leon für das Essen zuständig war, holte Marco die Getränke.

Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, setzten sich die Freunde auf einen großen Zweiertisch und genossen ihr Frühstück. „Mhmm, Schwarztee ist so köstlich!“, schwärmte Leon. „Ich trinke lieber Kakao“, warf Marco ein. „Wir sollten für Ill und die anderen auch ein paar Semmeln besorgen“, schlug der blonde Trainer vor. „Gute Idee. Vielleicht sollten wir uns langsam beeilen. Wir frühstücken sehr spät. Hier wird bald weggeräumt und der Raum wird geschlossen“, erinnerte Leon. „Ja, kein Wunder warum hier so wenig los ist“, stimmte Marco zu. „Das kommt davon, wenn man sich Verschwörungstheorien von fremden Typen anhört“, scherzte Leon und grinste.

Marco sah ihn mit einem schiefen Blick an. „Lassen wir das lieber“, empfahl der blonde Trainer. Leon kratzte sich am Kopf. „Gut. Ich wäre dann soweit fertig“, hob Leon an. „Gleichfalls“, erwiderte sein Freund und trank den letzten Schluck Kakao runter. Leon winkte dem Kellner zu. Dieser wartete nur auf die Geste. Schließlich hätte der Kellner nun auch die letzten Gäste freundlich das Tablett abserviert. Die beiden Freunde verließen die zweite Lounge mit vollem Magen.

„Jetzt schnell noch Zähneputzen und dann nichts wie hin zu Ill“, meinte Leon. „Okay, fahren wir mit dem Lift?“, schlug Marco vor. Sein Freund nickte. Im schönen Hotelzimmer angekommen, bemerkten die beide, dass das Zimmer äußerst ordentlich aufgeräumt war. „Echt praktisch“, meinte Leon und freute sich innerlich, dass er das große Doppelbett nicht mehr machen musste. „Jep, ich könnte mich daran gewöhnen“, stimmte der blonde Trainer zu. „Ach ja? Interessant, ich dachte ich bin der Gast dieses Hotelzimmers“, neckte Leon. Marco seufzte. „Natürlich, aber ich bin doch der beste Freund vom Gast, nicht wahr?“, erwiderte er.

Schlussendlich gelang es den Trainern das das Fünf-Sterne-Hotel Perolga zu verlassen. Verschiedenste Fahrzeuge befuhren die breiten Straßen. Das großartige Hotel stand ziemlich im Zentrum der Stadt und nicht weit weg von der Empire Arena. Gemeinsam marschierten die Freunde los. Auf den Gehsteigen wurden ebenfalls auch hübsche Blumen, Sträucher und Busche gepflanzt. Hin und wieder waren auch kleine Bäume mit starken, grün übersäten Blättern. „Sag mal, erinnerst du dich noch, wie man zu ihrem Geheimversteck kommt?“, hob Marco plötzlich an. Leon blieb stehen.

„Verdammt...ich habe keine Ahnung“, gestand der schwarzhaarige Trainer. Hoffnungsvoll blickte er seinen Freund an. „Tut mir leid, aber dieses Mal kann ich dir auch nicht weiterhelfen“, verriet Marco und dachte nach. Leon grübelte verbissen. Auf einmal sah Leon auf. „Ich hab´s!“, rief er erfreut. „Erinnerst du dich daran, wie wir damals vom Nationalpark rauskamen und kurz darauf Indra entdeckten? Er ist ja heimlich in so einer Gasse gehuscht und dort befand sich ein Kanaldeckel.“

„Ah, ich verstehe. Du willst also zum Nationalpark und unsere Schritte reproduzieren“, erriet der blonde Trainer in Sekundenschnelle. „Ganz genau. Am besten suche ich gleich mit Pokéearth nach dem Park“, bot Leon an. „Schon erledigt“, kicherte Marco. „Ach komm schon...“, seufzte der Trainer, musste dann aber lachen.

„Oh ja richtig, der Nationalpark ist ja in unmittelbarer Nähe vom goldenen Globus“, erinnerte sich Marco. „Du meinst den Empire Global?“, hob Leon an. Der blonde Trainer nickte. Plötzlich schnippte Leon mit dem Finger. Eilig kramte er in seinem Rucksack herum. Schließlich zog er endlich einen Pass. „Mit meinem Premium-Pass darf ich sogar kostenlos mit einem Taxi fahren“, sagte Leon und wedelte aufgeregt mit seiner glänzenden Plastikkarte. „Ja du kannst kostenlos fahren, aber ich habe leider keinen ach so tollen P-r-e-m-i-u-m Pass“, maunzte Marco. „Mit ein bisschen Glück kontrolliert der Fahrer nur meinen Pass“, erklärte Leon und zwinkerte. „Wenn du meinst...“, murmelte der blonde Trainer.

Leon rief mit seinem Pokétech ein Taxi zu sich. Nach zwei Minuten erschien schon ein dunkelgelbes Fahrzeug. Die Freunde stiegen ein und Leon zeigte dem jungen Fahrer seinen Premium-Pass. Dabei konnte sich der schwarzhaarige Trainer ein dickes Grinsen nicht verkneifen. „Oh, ihr seid wohl Trainer vom Auswahlturnier. Ich feiere eure Stärke so hart, Alter!“, meinte der Taxifahrer und versuchte cool rüber zu kommen. Leon steckte seinen Pass wieder ein. „Ähm...danke...Alter.“

Das dunkelgelbe Taxi setzte die Trainer in der Nähe vom goldenen Globus ab. Nach den wenigen Seitenwechseln, den Ausweichen der Spaziergänger und den gemütlichen Marsch, standen Leon und Marco anschließend vor dem hiesigen, goldenen Globus, dem Wahrzeichen der Stadt. Gleich dahinter befand sich der größte Nationalpark.

„Hast du vorhin die ganzen Plakate gesehen? Anscheinend soll bald ein großer Lebensmittelmarkt stattfinden“, erwähnte Marco. „Ja klar, es waren auch viele Bilder von Obst drauf. Aber wegen ein paar Äpfel wird wohl niemand freiwillig dort hingehen“, meinte Leon gelassen. Marco schüttelte den Kopf. „Ich denke, dass er eine ziemlich große Rolle in Empire City spielt. Aber wie auch immer. Hier ist der Globus.“

„Wir wollten damals zu einem kleinen Restaurant gehen“, erinnerte sich Leon und tippte hastig seinen Wunschort ein. Danach gingen sie die gleiche Route nochmal. Die Sonne erreichte schon den höchsten Punkt und wärmte die Stadt. Die Fotovoltaikanlagen freuten sich und verschlangen gierig die Strahlen.

Entspannt spazierten sie den Weg. Allmählich kamen die Erinnerungen hoch. Marco erkannte die Seitengasse anhand der kaputten Lampe. „Du hast dir das gemerkt?“, staunte Leon. „Ja, selbst die unwichtigsten Merkmale können durchaus von Nutzen sein“, gab der blonde Trainer zurück.

Sie gingen zur Seitengasse. Selbst am helligsten Tag wirkte sie unheimlich. Anschließen bogen sie in eine weitere Gasse. Dieses Mal war sie noch enger. Doch schon bald stießen sie auf eine Sackgasse. „Bingo! Wir sind wieder hier“, jubelte Marco leise. „Ich speichere mal diese Gasse als Interessanten Ort in Pokéearth ein“, meinte Leon. Währenddessen räumte sein Freund die Müllsäcke zur Seite. Dabei entblößte er den verdeckten Kanaldeckel. Gemeinsam schoben sie ihn zur Seite. „Runter?“, fragte Marco, obwohl er bereits die Antwort kannte. „Runter.“

Gekonnt kletterten Leon und Marco eine kleine Gitterleiter hinunter in die Kanalisation. „Wie ich diese Dunkelheit hasse. Ich sehe doch sowieso fast nichts!“, flüsterte Leon ärgerlich. Vorsichtig stieg er dann ab. Sein Freund gesellte sich zu ihm. Kein einzige Licht drang herein. Der Raum war komplett in Finsternis umhüllt. Nur das Tropfen einer alten und undichten Wasserleitung war zu hören.

Still bewegten sich die Freunde in der düsteren Kanalisation. Mit scharfen Sinnen suchten sie nach dem passenden Eingang. „Ich hoffe, dass sich hier kein weiteres Monster aufhält“, seufzte Leon. „Stell dir vor, Rockstars Freunde würden plötzlich auftauchen“, scherzte Marco. Ihre Stimmen hallten durch den Raum. Die Freunde marschierten schon gute zehn Minuten, aber von der geheimen Öffnung fehlte jede Spur. Der Weg selber schien endlos zu sein. Leon fühlte sich unwohl, in der Dunkelheit blindlings zu tappen.

Marco blieb stehen. Leon sah ihn an. „Sieh mal, da ist das Rohr von Riccardo“, bemerkte der blonde Trainer und zeigte auf das altgerostete Rohr. Marco begutachtete die Wand. Schließlich entdeckte er das kleine schwarze x.

Leon wollte schon die Stelle nach hinten schieben, doch Marco hielt ihn davon ab. „Warte, ein paar Schritte entfernt vom Loch befindet sich noch eine Markierung, mit einem größeren X“, erinnerte sein Freund. „Dort sollte sich eine stabile Leiter befinden, die uns bis zur letzten Holzstufe bringt“, erklärte Marco gelassen. Leon und er machten ein paar Meter. Tatsächlich fanden sie rasch die besagte Stelle. Gemeinsam stemmten sie ihren Körper gegen die Wand. Kurz daraufhin flog sie ohne Klang um. Hinter der Wand verbarg sich eine rostige Leiter, die nach oben führte. Warme Luft strömte von der Oberfläche. Leon nickte anerkennend.

Marco ließ seinen Freund den Vortritt. Hastig kletterte der schwarzhaarige Trainer hinauf. Oben musste er feststellen, dass es nicht mehr weiterging. Nachdem sich seine hübschen blauen Augen komplett an die Finsternis gewöhnten, erspähte er eine weitere Markierung an der Decke. Das nenne ich mal einen unfairen Hinweis. Wie soll man in dieser Dunkelheit so kleines schwarzes x erkennen? Leon drückte die Decke mit Leichtigkeit nach oben. Helles Licht stürzte sich direkt in die Kanalisation. Fast hätte Leon die Leiter losgelassen, nachdem ihn das Sonnenlicht plötzlich blendete. Ich hasse die Kanalisation...

Leon kletterte weiter. Schließlich kam er endlich heraus. Endlich draußen. Aber diese kleine Hürde darf keine Hürde mehr für mich sein. Wenn ich nicht an sowas vorbeikomme, wie soll ich gegen Indra und Team Alpha antreten? „Leon?“, sagte eine vertrauliche Stimme und riss den Trainer aus seinen Gedanken.

„Huh? Marco, du bist schon oben?“, hob Leon verwirrt an. „Ja, ich bin dir auch gleich gefolgt. Hast du das nicht bemerkt?“, antwortete Marco mit einem Grinsen. Leon sah sich um. Der Boden war weich und teilweise aufgewühlt. Ach stimmt, letzte Nacht hat es ja geschüttet. Kein Wunder, warum es hier so aussieht.

Die Trainer wanderten los. Dabei fühlte sich der Erdboden matschig an. Ein unangenehmes Gefühl für Leon. Das Gras hörte beim Weitergehen auf zu wachsen. Nur noch aufgewühlte Erde erstreckte sich.

Je näher sie dem Lager entgegenkamen, umso mehr konnte Leon erkennen. Etwas größere Steine steckten in der weichen Erde und dienten als Weg-Spur. Auf der Stelle stach das große weiße Zelt ins Auge. Es überragte die anderen, die verstreut aufgeteilt waren. Leon erblickte die feuerroten Haare des Anführers.

„Leon, Marco! Schön euch zu sehen!“, begrüßte Ill freundlich. Der rothaarige Junge trug sein bequemes, seidiges Hemd, die seiner Haarfarbe ähnelte. Dazu noch eine tiefschwarze Hose und Schuhe. „Tag, Ill. Wo sind die anderen?“, hob Leon gleich an.
„Auf Nahrungssuche. Ricky und ich sind momentan die einzigen Leute hier“, erklärte der Junge gelassen, „Aber sie sollten bald eintreffen, so lange wie die schon unterwegs sind.“

Verdammt! Wir hätten ihnen doch sicherlich ein paar Semmeln vom Frühstück mitnehmen können. Wieso habe ich darauf vergessen! Marco streckte sich. „Wir müssen mit euch reden“, brachte der blonde Trainer hervor. Ill wirkte neugierig. Er nickte und gemeinsam marschierten sie zum türkisen Zelt.

„He, Ricky! Besuch ist da“, erwähnte Ill, nachdem er den Zeltvorhang zur Seite schob. Das Genie saß an seinem PC. Am Bildschirm konnte man die Namen der Waisenkinder ablesen. Riccardo wandte sich an seine Freunde. „Oh, guten Tag ihr zwei. Was gibt´s?“, grüßte er. Leon holte tief Luft.

„Wir haben vorkurzem eine Menge an wichtigen Informationen erhalten. Dabei sind wir der Meinung, dass ihr ebenfalls ein Recht auf diese habt“, begann der schwarzhaarige Trainer. Ill verschloss derweil den Zelteingang. Riccardo überlegte kurz. „Ich verstehe, setzt euch“, bot er an.

Alle drei setzten sich auf das Bett. Doch beim Erzählen musste Leon aufstehen. Plötzlich fühlte sich sein Mund trocken an. Wieso bin ich so aufgeregt? Mein Herz klopft wie verrückt! Dabei sind es doch nur meine Freunde. Warum fürchte ich mich? Ich möchte doch, dass sie es erfahren.

Leon holte tief Luft. „Okay, fangen wir gleich an. Ich werde euch nun das wahre Ziel von Team Alpha offenbaren“, erzählte der Trainer. Seine Freunde spitzten die Lauscher. Leon schilderte langsam und detailreich den Plan. Besonders Ill wirkte aufgebracht. Allerdings verschwieg der schwarzhaarige Trainer den Jugendlichen die Geburtsstunde der Organisation. Marco bemerke dies, doch mischte sich nicht ein.

Nach der langen Rede musste Leon feststellen, dass er die beiden total geschockt hatte. Selbst Riccardo hatte keine Antwort parat. Ill fing an zu zittern. „Also...deswegen ist Judal bei Team Alpha? Damit sie ein perfektes Universum für jeden schaffen? Mithilfe eines legendären Pokémon?“, stammelte Ill. Seine Gelassenheit war komplett verschwunden. „Ich weiß, dass das Ganze hier sehr weit hergeholt klingt, aber die Informationen stammen aus einer vertrauten Quelle“, versuchte Leon seine Freunde zu beruhigen.

Ill sprang auf. Kopfschüttelnd murmelte er vor sich hin. Leon erschauderte. Ill bekommt ja gleich einen Nervenzusammenbruch! Augenblicklich meldete sich Riccardo zu Wort. „Ill, bitte beruhige dich. So kennen wir unseren Anführer nicht.“ Ill keuchte. „Du hast recht. Ich sollte mich besser beherrschen.“ Der rothaarige Junge hielt sich die Hand vor das Gesicht. „Oh Judal! Bist du deswegen auf ihrer Seite? Weil jeder ein perfektes Leben haben wird?“, hauchte Ill.

„Das ist allerdings nur eine faustdicke Lüge!“, warf Marco ein, „Es gibt kein perfektes Universum noch Leben! Das entspricht nicht der Natur!“ Ill wandte sich rasant zu Marco. Die Hand hielt er immer noch hoch. „Aber...Leon sagt es doch selber...niemand kennt die Antwort, was am Ende geschehen wird!“, sagte der Junge mit einem scharfen Unterton. „Beruhigt euch doch alle mal!“, rief Leon gereizt. „Danke“, erwiderte Riccardo. Wenigstens einer, der noch normal ist.

Plötzlich stürmte Ill aus dem Zelt. Leon konnte gerade noch ausweichen. „Ihm nach!“, wies Riccardo an. Die Gruppe gelang nach draußen. Ill stand mit gekrümmter Haltung vor Nadira, Anna und Dan. „Was wollt ihr denn von mir!“, blaffte der rothaarige Junge. Anna und Dan wichen zurück. Nur Nadira blieb standhaft. „Was ist denn mit dir los? Hast du Fieber?!“, zischte sie. Riccardo eilte herbei.

„Ill komm wieder runter!“, befahl er. Ill erstarrte. „W-was ist in mich gefahren?“, flüsterte er voller Furcht. Er richtete seine Haltung. Allmählich beruhigte sich die Situation. „Es tut mir leid“, entschuldigte sich der Anführer und senkte den Kopf. Nadira blinzelte ein paar male. „J-ja, schon gut. Wir haben zwar kein Essen mitgebracht, aber dafür eine super Stelle gefunden. Dort-“, das Mädchen mit den langen schwarzen Haaren brach ab.

Ill torkelte einfach weg. Jeder beobachtete die Szene. Im Lager wurde es unheimlich still. Ill kletterte mühevoll auf einen großen, kantigen Felsen. Alle sahen zu ihm auf. Es wirkte, als hätte jeder vergessen zu atmen. „Meine geliebten Freunde! Nein, meine geliebte Familie! Ich habe schle... – Neuigkeiten für euch. Ich, der Anführer des geschätzten Phoenix Clan, verlasse euch und löse damit den Phoenix Clan für immer auf!“, jaulte Ill energisch.

Die Augen aller Beteiligten weiteten sich auf. Die Mitglieder des Clans wirkten geistesabwesend. Nur Leon und Marco konnten die Nachricht verarbeiten. „Was soll das heißen?!!“, brüllte Nadira plötzlich. „Du hast mich gehört! Ich habe es satt, in Müll zu leben! Das ist kein Leben! Verstehst du es nicht?! Ich will ein Dach über den Kopf, ich möchte ein gescheites Klo, eine Dusche, ein Bett. Ich möchte jeden Tag drei Mahlzeiten die mich satt machen! Ich will nicht mehr meine Geliebten sterben sehen! Es reicht!“, brüllte Ill. Tränen flossen aus seinen smaragdgrünen Augen.

Dieser Aufruf traf sogar Leon hart. Mit offenen Mund stand er und sein Freund da und beobachteten das Szenario. „Also gibst du einfach auf?! ich dachte bei uns kann sich jeder auf jeden verlassen! Gemeinsam würden wir alle Probleme aus der Welt schaffen!“, kreischte Nadira aufgebracht. Ill knirschte mit den Zähnen.

„Versteh doch! Ich tu das auch für euch, für uns alle! Es ist besser für euch, wenn ihr in ein Heim landet! Wir können doch nicht für den Rest unseres Lebens damit verbringen, nach Nahrung zu suchen und ums Überleben kämpfen! Wollt ihr wirklich hier weiterleben und so tun als wäre alles in Ordnung?! Das ist kein Leben! Ein Leben in Armut ist kein Leben!“, schrie Ill.

Mittlerweile bekam jeder feuchte Augen. Es stimmt, was er sagt. Ich würde es auch nicht wollen. Niemand würde es wollen. Ein Leben in Armut. Aber was kann ich dagegen unternehmen? Nadira schrie auf. „Macht doch alle was ihr wollt! Ich hasse euch alle!“, kreischte sie und stolzierte wütend Richtung Geheimeingang. „Geh in ein Heim! Und besuch die Schule!“, rief Ill ihr nach. Doch das Mädchen ignorierte ihn vollkommen.

Anna und Dan sahen sich verzweifelt an. „Bitte, verlasst diesen Ort. Hier liegen all unsere zerbrochenen Träume begraben. Es ist das Beste für euch, Anna! Dan!“, rief der rothaarige Junge. Er konnte kaum seine Gefühle zurückhalten. Ohne ein Wort marschierte Anna los. Mit weinenden und schmerzgerissenen Blick folgte sie Nadira. Dan brach zusammen. Er heulte.

Riccardo tappte zu ihm. „Dan, sei tapfer! Finde einen Beamten, er wird dir weiterhelfen“, versprach das Musiktalent und tröstete seinen jungen Freund. Augenblicklich nahm der blonde Junge mit den verkrüppelten Fingern Reißaus. Selbst ohne Schuhe rannte er wie der Wind.

Ill holte tief Luft. „Lebt wohl...“, flüsterte er und sank seinen Kopf. Marco schlich zu seinem Freund. „Und jetzt?“, flüsterte er Leon ins Ohr. Und jetzt? Was jetzt? Ich habe keine Ahnung. Ill sprang hinunter. „Es tut mir leid, dass ihr da mitreingezogen wurdet“, hob der Junge gleich an.

„Schon in Ordnung“, gab Leon zurück. „Ill“, meldete sich Riccardo. „Was hast du jetzt vor?“ Nachdem sich Ill die Tränen abwischte, blickte er starr zum Himmel. „Es tut mir leid, Judal. Aber den Phoenix Clan kannst du nicht mehr retten...“

„Ill?“, wiederholte das Genie. Der Junge mit den feuerroten Haaren stolzierte schließlich zum Rest der Gruppe. „Als Erstes müssen wir die Zelte abbauen. Danach versiegeln wir den Geheimgang für immer“, antwortete der alte Anführer. Langsam kam seine gewöhnliche Art zurück. „Warum willst du das machen?“, fragte Leon leicht verwundert.

„Ich möchte alles, was wir damals aufgebaut haben, niederreißen. Es soll nur noch die Spur von diesem Lager übrigbleiben“, erzählte Ill und schloss für eine Weile die Augen. „Was meinst du?“, fragte Leon Riccardo. „Ich denke, dass er die Zelte abbauen will, aber sie gleichzeitig hier liegen lassen“, überlegte das Musiktalent.

„Okay, dann fangen wir lieber mal an. Es stehen hier einige Zelte rum!“, motivierte Marco und klatschte in die Hände. „Moment, in den Zelten liegen noch so viele Wertgegenstände. Sollen die hier einfach verrotten?“, schaltete sich Leon ein. „Stimmt. Allerdings kann ich zum Beispiel meinen PC nicht einfach herumtragen. Er muss wohl hierbleiben. Aber ein paar Bücher würde ich gerne mitnehmen“, hob Riccardo an.

Ill wandte sich der Gruppe. „Leon, Marco. Könnt ihr euch kurz gedulden? Ricky und ich werden schnell die Zelte durchsuchen und alles was uns wichtig ist, in unseren Rucksäcken stopfen“, bat der alte Anführer. „Alles klar“, sagten die beiden Trainer. „Komm mit, die Rucksäcke sind in meinem Zelt“, wies Ill seinen besten Freund an.

Es dauerte eine ganze Weile, bis die Suche beendet wurde. Ill und Riccardo verbrachten die restlichen zwei Stunden damit, ihre Habseligkeiten zu sammeln. Währenddessen saßen Leon und Marco am großen Felsen und schauten zu. „Glaubst du es war richtig von mir?“, hob der schwarzhaarige Trainer plötzlich an.

„Was war richtig?“, fragte Marco verwirrt nach. „Die Geschichte von Team Alpha preiszugeben“, flüsterte Leon. „Hörzu, ich denke, dass es richtig von dir war. Ich bin mir sicher, dass Ill auch ohne dich eines Tages durchgedreht wäre. Selbst für ihn war die Verantwortung viel zu groß. Und das kann ihn niemand übelnehmen“, schilderte der blonde Trainer seine Vision.

Leon lächelte. „Da hast du wieder mal recht, danke“, flüsterte er. Die Trainer erhoben sich, nachdem die Waisenkinder auf sie zu kamen. „Wir haben alles Nötige gepackt. Lass uns schnell die Zelte einfach abbauen, bevor die Sonne untergeht“, schlug Ill gleich vor. „Am besten wir nehmen gemeinsam ein Zelt nach dem anderen ins Visier. So sind wir am schnellsten“, erklärte Riccardo.

Hastig marschierten sie zu viert zum pinken Mädchenzelt. Als erstes hoben Leon und Marco den gesamten Zeltvorhang, während Ill und Riccardo auf der anderen Seite anzogen. Nach einigen heftigen Ziehen gelang es ihnen schließlich, das Zelt abzuziehen. Danach nahmen sich das Gerüst auseinander.

Dies taten sie bei jedem Zelt gleich. Nur das große weiße Zelt erwies sich als besonders schwer. Alle vier mussten auf einer Seite stehen, um überhaupt den Zeltvorhang zu heben. Danach hüpfte Leon auf Marco und Ill auf Riccardo auf die Schultern. Die beiden, die oben saßen, versuchten den Vorhang nach oben zu schmeißen. Nach einigen Fehlschlägen gelang es ihnen doch noch.

Hastig hüpften sie zur anderen Seite. Währenddessen ging langsam die Sonne unter. Erneut bildeten die Jugendliche zwei kleine Räuberleiter. Leon und Ill zerrten mit ganzer Kraft das Zelt hinunter. Dabei flog Leon sogar von Marcos Schultern runter. „Whaa!“, jaulte er und plumpste zu Boden. Besorgt untersuchte Marco seinen Freund. „Bist du verletzt?“, fragte er gleich. Leon richtete sich auf. „Mir geht’s gut, danke“, keuchte er. Nachdem sich alle vergewisserten, dass ihm nichts zugestoßen sei, machten sie sich weiter an das Gerüst.

„Und da geht sie dahin“, murmelte der blonde Trainer. Die hübsche Feuerkugel tauchte unter dem Horizont. Allmählich brach die Nacht ein. Die ersten Sterne begannen zu funkeln. „Puh, das war eine Menge Arbeit“, keuchte Leon. Auch Ill war aus der Puste. „Wir müssen nur noch den Eingang versiegeln“, meinte er. Eine kühle Woge erfüllte das Lager.

Sie stapften durch das bereits nasse Gras, wo sich durch die kühle Luft schon ein paar Matschpfützen bildeten. Mit einem merkwürdigen Gefühl marschierten sie zum Geheimgang. Rasch hüpften sie die schon deutlich zu sehenden morschen Holzstufen hinunter.

Der Geheimgang stand offen. „Anscheinend hat ihn niemand mehr zugemacht“, murmelte Ill finster. „Was hast du denn erwartet?“, flüsterte Riccardo und holte tief Luft. Sie alle zwängten sich durchs Loch. Schlussendlich standen alle in der dunklen Kanalisation. „Ich sehe überhaupt nichts mehr“, jammerte Leon.

Marco schaltete sein Pokétech ein. Das Licht von dem Bildschirm spendete ein wenig Licht. Leon ahmte seinen Freund nach. „Besser als gar nichts“, murmelte der blonde Trainer. „Das ist gar nichts“, entgegnete Leon und blinzelte. „Ruhe, ich muss mich konzentrieren. Marco, leuchte bitte in meinen Rucksack hinein“, forderte Ill plötzlich auf.

Der rothaarige Junge öffnete den alten Rucksack. Während Marco ihm Licht spendete, kramte Ill nach etwas. Schließlich nahm er zwei kleine Gegenstände heraus. „Ricky, halte bitte den Edding“, bat der alte Anführer, „Ich muss die Wand am Rand mit Superkleber beschichten.“

Ich verstehe. Damit will er also den Geheimeingang versiegeln. Coole Idee. Vorsichtig schraubte Ill die Kappe runter. Danach beschmierte er den Rand der Wand. Nun folgte der neuere Geheimgang. Auch dieser wurde mit Superkleber überzogen. Nachdem er die ganze Tube verbrauchte, schoben Riccardo und er die Wände in ihren ursprünglichen Positionen zurück. Danach schmiss Ill die leere Tube weg.

„Bitte den Edding“, forderte der rothaarige Junge auf. Sein Freund überreichte ihm den dicken Stift. Ill schüttelte ein wenig. Danach strich er das schwarze x durch. Auch das große X, welches sich ein paar Schritte daneben befand, wurde durchgestrichen. X x

„Auf nimmer Wiedersehen“, flüsterte Ill schlussendlich. Das Licht vom Pokétech ging aus. Genervt drehte Leon es wieder auf. Für eine Weile sagte niemand etwas. „Und jetzt? Was habt ihr vor?“, wollte Marco wissen und brach das Schweigen. Ill schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung“, gestand er offen und ehrlich. Leon seufzte. „Kommt doch einfach zu uns. Das Hotelzimmer wird zwar etwas eng, aber zum Schlafen reicht es“, bot Leon herzlich ein.

Ill und Riccardo lächelten. „Gerne doch. Danke!“, sagten sie. Ein paar Tränen flossen. Ihnen fiel der Abschied von ihrem Lager sehr schwer. Nach all den Jahren die sie dort verbracht hatten, so war nun der Moment des Abschieds gekommen. „Gehen wir“, meinte Leon. Schweigsam marschierte die Gruppe weiter...


Eine kleine Neuigkeit: Es wird bald ein kleines, neues Special geben
Viel Spaß!
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Re: Auf in die Welt

#1310202 von KleinKokuna
07.10.2018, 12:29
Juchhu, ein neues Kapitel von dir :D!

Am Anfang hab ich noch den Eindruck gehabt, dass dieses lediglich eine kleine 'Verschnaufspause' wird, aber weit gefehlt! Jetzt mach ich mir ernsthafte Sorgen um Ill: So wie ich das aufgefasst habe, scheint er den wahnsinnigen Plan von Team Alpha allen ernstes nicht als solchen zu erkennen, sondern wirklich als Chance auf eine bessere Welt anzusehen :o! -Gerade für mich als in solchen Dingen eher pessimistischer Mensch ('Des klappt doch eh net^^.) nur schwer verständlich ;) ...

Und dann der Oberhammer: Er löst einfach so seine Gruppe auf - das zu lesen war echt bitter :/...

Ich hab immer noch dein Special über Indra vom Anfang des Jahres im Hinterkopf, wo du deine sympathische Truppe der Waisenkinder so schön vorgestellt hast und wie sie trotz aller Widrigkeiten zusammengehalten und auch den ein oder anderen schönen Moment erleben durften...

...Und jetzt soll das alles vorbei sein?! 'Danke' an Team Alpha, das sie dies indirekt möglich gemacht haben :down:...

Damit hätten wir noch einen Grund Team Alpha aufzuhalten; ich drück Leon jedenfalls weiterhin die Daumen :x !

Bleibt bloß zu hoffen, dass dies nicht das tatsächliche Ende deiner Gruppe darstellt, aber jedenfalls hast du es wieder geschafft, mich zu überraschen^^. Ich bin darum nach wie vor gespannt, wie es wohl weitergehen wird und auf dein nächstes Special freue ich mich ebenfalls.

In dem Sinne: Hau feste in die Tasten xD!
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Re: Auf in die Welt

#1310219 von Donnerkralle
07.10.2018, 20:06
Vielen lieben Dank für deinen Kommentar! :)

Mir fiel die Trennung ebenfalls sehr schwer, nachdem ich damals bei meinem Special so viel Herzblut in die Gruppe gesteckt hatte ~ ich habe die Gruppe echt gern gehabt.

Früher oder später hätte es einfach passieren müssen. Egal ob Kinder oder Erwachsene, das Leben in Armut ist kein Leben... Jeden Tag ums Überleben kämpfen ist anstrengender als man denkt. Zum Glück bin ich nicht davon betroffen, aber viele andere Menschen immer noch.

Ill hat tatsächlich nach der Offenbarung komplett die Hoffnung verloren. Eigentlich wollte ich nicht so viel Negatives schreiben. Aber wir alle wissen, dass die Realität eben so ist :/

Aber erstmals genug davon. Das Special wird eher in eine fröhlicheren Stimmung gehen. :lol:
Ich hoffe, dass ich genügend Zeit finde, um daran weiterzuarbeiten (und hoffentlich du auch an deiner Story ^^)
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Re: Auf in die Welt

#1311610 von Donnerkralle
02.12.2018, 18:09
Kapitel 43: Der stärkste Herausforderer
Leon schlug die Augen auf. Das Hotelzimmer war in Dunkelheit gefüllt. Der Trainer lag im großen Doppelbett eingekuschelt. Leon drehte langsam sein Kopf nach rechts. Auf dem feinen Nachtkästchen leuchtete sein Pokétech. Zitternd hob er seinen tauben Arm und griff vorsichtig nach dem Pokétech. Leon blinzelte. Er hatte vor wenigen Minuten eine spezielle Nachricht von der Pokémon Liga erhalten. Seufzend legte er das moderne Armband wieder hin und vergrub sich unter der Decke.

Plötzlich tauchte Leon wieder auf. Dabei rieb er an seinen müden Augen. Eine Silhouette einer Person stand vor dem mittelgroßen Fenster. Leise verließ Leon das warme Bett. Auf Zehenspitzen schlich er unbemerkt zu der Person. „Kannst du nicht schlafen?“, flüsterte Leon, nachdem er leicht die Schulter der Person berührt hatte.

„Leider nicht“, flüsterte Ill zurück. „Ich verstehe. Komm, lass uns ins Badezimmer gehen. Dort können wir uns ungestört unterhalten“, schlug Leon leise vor. Der rothaarige Junge seufzte nur. Gemeinsam schlichen sie wie Ninjas zum Badezimmer. Vorsichtig öffnete Ill die Tür. Hastig huschten sie hinein.

Bedachtsam schloss Leon die braune Holztür und drehte das Licht auf. Aufgrund der Helligkeit musste der schwarzhaarige Trainer blinzeln. „Solltest du lieber nicht schlafen? Ich mein, das Turnier beginnt wieder morgen“, begann Ill leise. Leon gähnte. „Eigentlich heute. Es ist kurz nach Mitternacht. Aber das Turnier fällt aus“, meinte er und setzte sich auf den kühlen Fliesenboden.

„Verstehe. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?“, hob Ill vor. Leon gähnte erneut. „Nur wegen Umbauarbeiten. Sie wollen die Arena in puncto Sicherheit verbessern“, murmelte der schwarzhaarige Trainer. „Also hast du heute auch frei“, flüsterte der rothaarige Junge.

Stille umhüllte das Badezimmer. Schweigend saß Leon am Boden und war kurz vor dem Einnicken. Ill schaute gedankenverloren den Fliesenboden an. Eine unheimliche Stimmung breitete sich in Leons Brust aus.

„Also...willst du nicht auch mal schlafen?“, hob Leon zögernd an, „Zumindest, wenn du fertig mit Fliesenzählen bist.“ Ill sah auf. Danach richtete er seinen Blick auf den Trainer. Leon würdigte seinen Blick. Schmerz und Trauer lagen in den Augen von Ill. „Ich bin ein nutzloser Idiot“, gestand der rothaarige Junge. Verwirrt sah Leon ihn an.

„W-was meinst du damit?“, fragte er vorsichtig. „Ich habe so viele gute Freunde verloren. Und warum? Weil ich als Anführer versagt habe. Statt ihnen Mut zu machen, habe ich alle verscheucht. Ob nun Judal oder Nadira und die anderen. Sie alle sind weg. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Riccardo verschwindet“, bekennte sich Ill.

Leon erstarrte. Er hatte Riccardo gesagt. Normalerweise nennt er ihn Ricky. Er muss wirklich verzweifelt sein. Aber was kann ich nur tun? Denk nach Bursche! Sonst wird er eventuell zu Team Alpha überlaufen.

„Ganz ruhig, Ill. Du hast niemanden verscheucht. Indra ist von selbst aus gegangen. Den anderen hast du nur die Wahrheit erzählt und ihnen sogar Ratschläge gegeben. Am Ende müssen sie sich selber entscheiden, welchen Weg sie gehen werden. Außerdem ist Riccardo doch bei dir“, versuchte Leon seinen Freund zu überzeugen.

Ill schüttelte den Kopf. „Sobald ich Riccardo die Wahrheit über mich erzähle, wird er ebenfalls von mir gehen“, flüsterte er und senkte den Kopf. „Du hast also noch ein weiteres Geheimnis?“, schlussfolgerte Leon. Ein Schauer lief ihm über den Rücken.

„Weißt du, ich habe jeden erzählt, dass ich meine Familie verlassen habe, obwohl sie steinreich sind, weil sie mir auf den Strich gegangen sind. Allerdings stimmt das nur teilweise“, begann Ill zaghaft. Leon hörte aufmerksam zu. Seine Müdigkeit verflog in binnen von Sekunden. „Ich habe sie verlassen, um mir ein Bild von der Welt zu machen. Ich stritt mich dabei mit meinen Eltern. Es ging darum, ob ich das Phoenix Haus alleine in den Sommerferien verlassen darf oder nicht. Nichtsdestotrotz bin ich weggelaufen. Die Sache ist die, dass sich mein Haus ebenfalls in Empire City befindet“, erzählte Ill.

Leons Augen weiteten sich vor Überraschung. „Das bedeutet, ich hatte jederzeit die Möglichkeit nach Hause zu laufen und dabei meine Freunde in Stich zu lassen. Allerdings hätte ich auch sie zu mir bringen können. Wenigstens Nahrung hätte ich locker besorgen können. Doch ich erwähnte nie ein Sterbenswörtchen über die Villa von Phoenix im Westen. Ich habe so viele gute Freunde auf dem Gewissen...“, flüsterte Ill und fing an zu weinen.

Verdammt! Das ist echt hart! Ich kann ihn nicht trösten. Unmöglich! Ich bin doch selber ein nutzloser Idiot, der nur an seinen eigenen Erfolg als Trainer denkt. So viel Schmerz und Leid habe ich wie Ill und seine Truppe nicht erlebt. Ich bin machtlos.

Ill wischte sich die Tränen ab. „Es tut mir leid. Meine dumme Geschichte interessiert dich doch nicht. Ich war nur etwas überfordert mit den ganzen Schuldgefüh-
„Du bist nicht schuld. Ich bin mir sicher, niemand gibt dir die Schuld für irgendetwas. Ganz im Gegenteil. Sie alle waren dankbar, dass du die ganze Zeit bei ihnen warst, obwohl die Lage ganz und gar nicht gut war. Du bist immer noch ein guter Mensch. Hut ab, Ill“, predigte Leon mit einem entschlossenen Blick.

„Dankeschön...“, flüsterte der rothaarige Junge. Beide schwiegen. Leon erhob sich von seinem Platz. „Komm, lass uns schlafen“, schlug der Trainer vor. „Ja. Ich werde danach Ricky alles beichten. Nach dem Turnier werde ich wohl zu Hause vorbeischauen“, meinte Ill unentschlossen.

„Und was ist mir Riccardo?“, hob Leon fragend an. „Er kann gerne mitkommen“, murmelte Ill, „Falls er noch was mit mir unternehmen möchte.“ Leon schüttelte den Kopf. „Ganz bestimmt. Keine Sorge, ich werde Judal für euch zurückholen. Danach seid ihr wieder vereint. Versprochen“, erklärte Leon stolz.

„Das wäre zu schön um wahr zu sein“, hauchte der rothaarige Junge. „Apropos, wann wirst du dich ihm stellen? Indra Hunter natürlich“, wollte Leon wissen. „Er hat uns längst bemerkt, nicht wahr?“, flüsterte Ill. Der Trainer nickte. „Reden wir später darüber. Erstmals sollten wir wirklich schlafen gehen“, schlug Leon vor. Ill gähnte.

„Gut. Ich werde mich wieder auf die die Sofacouch legen“, sprach Ill mit leiser Stimme. Plötzlich hielt er inne. Dann holte er tief Luft. „Danke für das Gespräch, Leon. Ich fühle mich schon besser.“ „Gern geschehen. Und jetzt, gute Nacht.“


„Morgen Leute!“, weckte Marco seine Freunde. Genüsslich streckte der blonde Trainer seine Gliedmaßen und hüpfte energiegeladen aus dem weichen Doppelbett. Leon vergrub sein Gesicht unter dem Polster. „Ach sei doch still...“, murmelte er schläfrig. Riccardo gähnte. „Morgen allerseits!“

Marco grinste schelmisch. „Hehe. Zeit für das Spiel: Weck den verschlafenen Trainer!“, kicherte der blonde Trainer. Blitzartig zog er die Decke von Leon weg. Danach vergriff er sich an dem dicken Polster und zog ihn hastig weg. Leon schlug genervt seine blauen Augen auf.

„Du blonder Mistkerl...“, knurrte der schwarzhaarige Trainer. „Kommt wieder runter ihr Streithähne“, mahnte Riccardo. Ill gesellte sich zu ihnen. „Was ist hier schon wieder los?“, brummte der rothaarige Junge und rieb an seinen Augen. Leon hüpfte aus dem Bett. „Leute, hört her. Heute ist kein Turniertag. Er wurde auf morgen verschoben“, erklärte Leon und nahm sein Pokétech an sich.

„Ach nein? Was wirst du nun machen?“, fragte Marco überrascht. Leon grinste. „Na ganz einfach. Ich werde heute ordentlich trainieren. Dazu werde ich einen Trainerpark besuchen. Und du Marco, kommst natürlich mit. Ich möchte wieder einmal gegen dich kämpfen“, meinte Leon motiviert. Entschlossenheit spiegelte sich in seinen blauen Augen.
„Gegen mich, ja? Gerne doch. Dann kann ich Ill und Riccardo zeigen, dass ich der bessere Trainer von uns beiden bin“, erwiderte der blonde Trainer ehrgeizig. „Das werden wir noch sehen“, flüsterte Leon. „Aber gut. Lass uns erstmal frühstücken“, empfahl Leon.


Die Gruppe verließ das 5-Sterne-Hotel mit gefülltem Bauch. „Das war echt köstlich“, staunte Riccardo. „Es ist schon eine Weile her, dass wir so gut gegessen haben, nicht wahr?“, meinte Ill gelassen. Leon erkannte aus dem Blickwinkel, dass der rothaarige Junge ein wenig zitterte. Er ist immer noch verunsichert. Armer Ill.

„Wie auch immer. Lass uns endlich zum Park gehen. Laut Pokéearth sind wir am schnellsten, wenn wir gleich die erste Seitengasse erwischen“, hob Marco an und stolzierte los. Leon zuckte mit den Schultern und folgte seinem Freund.

Es war ein herrlicher Morgen. Der hellblaue Himmel erstreckte sich über die gesamte Stadt. Einige Wolken schwebten ruhelos umher und verdeckten hin und wieder die warme Sonne. Die Gruppe spazierte ein gutes Stück auf den breiten weißen Gehsteig. Schließlich bogen sie nach rechts in die enge Seitengasse. Hier drang nur wenig Licht herein. Große Wohnhäuser standen dicht nebeneinander. Ein grüner Müllcontainer, der gänzlich überfüllt war, hatte einen unangenehmen Gestank.

Uff. Ich hasse solche Abkürzungen. Hier stinkt es gewaltig! „He! Wartet!“, schrie eine unbekannte Stimme. Leon drehte sich langsam um. Diese Stimme. Sie kommt mir doch bekannt vor... Das ist doch! Leon weitete die Augen vor Schreck. Vor ihm stand ein junger Mann mit grauweißen Haare, die aufgestellt waren. Dabei trug er noch einen dunkelblauen Lederanzug.

„Anubias Horridian!“, platzte es aus Leon. Anubias stolzierte mit einem schelmischen Blick auf sie zu. „Ganz recht“, bestätigte der Trainer gelassen. Seine bernsteinfarbenen Augen glänzten in der Dunkelheit. „Hast du uns etwa verflogt?“, hob Marco an. Dabei verschränkte er seine Augen zu Schlitzen.

„So ungefähr. Es ist nämlich wichtig“, erklärte Anubias hochnäsig. „Leon Drazzer“, wandte sich der Trainer zu Leon, „Ich habe ein Gefallen an dich. Ich möchte gegen dich kämpfen. Als Gegenleistung kannst du mich alles fragen und ich werde alles beantworten.“

Leon erwiderte den schelmischen Blick von Anubias. „Wieso wartest du nicht bis morgen?“, antwortete der schwarzhaarige Trainer. Anubias lächelte. „Ganz einfach. Es besteht die Gefahr, dass du im Halbfinale rausfliegen wirst, bevor ich überhaupt die Gelegenheit dazu habe, dich zu besiegen“, meinte der mysteriöse Trainer.

„Ha? Wieso willst du unbedingt gegen mich antreten? Und was soll das Ganze mit: Ich beantworte dir jede Frage Geleier“, entgegnete Leon und ging ein Schritt zurück. „Tja, ich wette du hast jetzt schon jede Menge Fragen, zum Beispiel warum ich dich als Gegner ausgewählt habe. Wenn du meine Herausforderung annimmst, wirst du von mir den anderen Teil erfahren“, versprach der Trainer.

„Kann ich dir vertrauen?“, erwiderte Leon und verschränkte die Arme. „Um Vertrauen geht es hier nicht. Sondern um Erkenntnis und Wissen. Ich möchte einfach nur etwas überprüfen. Außerdem hast du damals in der Vorrunde mit Indra Hunter eine ganz schöne Show abgeliefert. Es ist nur ein einfacher Trainingskampf, sonst nichts. Immerhin bist du ja sowieso auf dem Weg zum Trainerpark. Ich biete mich kostenlos als Übungspartner an“, erzählte Anubias gelassen.

„Also hast du uns verfolgt. Na schön. Ich nehme an. Aber mach keine halben Sachen“, warnte Leon und wandte sich vom mysteriösen Trainer ab. Anubias grinste. „Fein. Dann lass uns gemeinsam gehen“, schlug er vor. „Du führst doch was im Schilde“, unterstellte Marco ihm beim Gehen. Anubias zuckte mit den Schultern. „Wer weiß.“

Nachdem die Gruppe aus der Seitengasse herauskam, blendete sie gleich das helle Leuchten der Sonne. Doch sogleich schob sich eine grauweiße Wolke dazwischen und verdeckte die Sonne. Sie überquerten hastig die vierspurige Straße. Das Hupen der Autofahrer störte sie nicht.

Sie marschierten weiter. Der Gehsteig führte sie schließlich zu einem grün-gepflasterten Weg. Dieser schlangenförmige Weg brachte sie direkt zum Trainerpark. Man hörte schon die ersten Kampfgeräusche.

Als sie den Park betraten, kämpfte eine junge Frau gegen einen jungen Mann. Ihr Lohgock setzte das Flamara mächtig unter Druck. „Hier ist ja einiges los“, staunte Leon. Die Gruppe trabte weiter und suchte nach einem freien Kampfplatz. Schlussendlich entdeckte Ill einen freien Platz. „Hier drüben sieht es gut aus“, sagte der rothaarige Junge und zeigte auf das grüne Kampffeld.

„Perfekt“, sprach Anubias mit einer arroganten Stimme. Die zwei Trainer begaben sich zügig auf Position während die anderen sich auf eine Holzbank setzten und eine gute Aussicht auf das Kampffeld hatten.

„Bist du bereit?!“, rief Leon und zückte seinen Pokéball. „Immer! Aber ich muss dich warnen! Ich bin schließlich der stärkste Herausforderer! Nur ich allein darf die Pokémon Liga in Unorga herausfordern. Ich trage diesen Titel, da ich schon seit zwei Jahren auf Rang 6 bin. Deswegen nennen mich manche auch den ewigen Herausforderer. Aber das tut jetzt nichts zur Sache!“, erzählte Anubias und holte seinen Pokéball im geschlossenen Modus hervor.

Leon erstarrte. „D-das i-ist d-doch ein M-Meisterball?“, stammelte er ehrfürchtig. Anubias drückte auf den mittleren Knopf. Auf der Stelle vergrößerte sich der Meisterball. Der mysteriöse Trainer streckte seinen Arm aus. „Bist DU bereit?!“, rief er arrogant.

Der schwarzhaarige Trainer knirschte mit den Zähnen. „Na warte! Los, Lohgock!!“, schrie Leon willensstark. Er warf messerscharf den Pokéball bis zur Mitte des Kampffeldes. Als der Ball hart aufprallte, öffnete sich die Kapsel und das Großbrand Pokémon erschien mit einem wilden Ruf.

„Loh!!“, brüllte es. Anubias fuhr mit der Zunge über seine Lippen. „Wie erwartet“, flüsterte er und warf seinen Meisterball mit Schwung. Mitten in der Luft öffnete sich die violette Kapsel. Ein helles Licht blendete die Umgebung.

Nachdem das Licht verschwand, wurde es auf einmal dunkel. Frischer Wind wehte durch den Park. „Was ist denn jetzt los?“, fragte sich Leon. Unbehaglich blickte er nach oben. Schwarze Wolken verdeckten den Himmel. Ein fernes Grollen war zu hören. Der Wind blies kräftiger. Marco und die anderen wirkten erschrocken.

„Ein Unwetter?“, murmelte Leon verwundert. Die ersten Tropfen fielen. Der schwarzhaarige Trainer sah zu Anubias. „Was hast du getan?“, rief er zu ihm. Der mysteriöse Trainer grinste nur und sah nach oben. Leon folgte seinem Blick.

Plötzlich zuckte ein hellblauer Blitz über die Köpfe der Anwesenden. Auf der Stelle folgte der laute Donner. Leon starrte mit offenen Mund den pechschwarzen Himmel an. Danach wandte er sich Anubias zu. Der Nieselregen wurde heftiger. Die Regentropfen prasselten schneller zu Boden.

Augenblicklich war der Park in gleißende Helle getaucht. Ein weiterer Blitz zerriss den Himmel. Der laute Knall ließ den Boden unter den Füßen von Leon beben. „Wir müssen hier schnell weg!!“, schrie Leon panisch und wollte Lohgock in den Pokéball bringen. „Warte!“, rief Anubias.

„Warum...“, Leon brach ab. Auf einmal schwebte eine kleine Wolke von oben herab. Leon kniff die Augen zusammen. Ist das etwa ein Pokémon? Kann das wirklich sein? Ein blaues Wesen, das auf einer Wolke saß, stieg vom Himmel herab. Es befand sich unmittelbar vor Lohgock.

Das Wesen hatte einen menschenähnlichen Körperbau mit einer überwiegenden blauen Färbung. Der Kopf war mit einer blitzförmigen Frisur und einem zackigen Bart verziert. Es besaß gelbe Augen und ein lilanes Horn. Sein Oberkörper, welcher blau und mit einigen lilanen Flecken verziert war, ragte aus einem wolkenähnlichen Gebilde und trägt zwei muskulöse Arme.

Hinten aus der Wolke befand sich ein violett-farbiger Schweif. Dabei war der Schweif mit einigen Kugeln, welche jeweils einen Stachel trugen, bestückt. Der Schweif verlief bis zur Brust. Elektrische Ladungen umhüllten seinen Körper.

„Darf ich vorstellen. Das ist Voltolos, das legendäre Elektro-Flug Pokémon aus der Einall Region“, rief Anubias begeistert. Mittlerweile war Leon komplett vom Regen durchnässt worden. Seine ungewöhnlichen blauen Augen starrten das Torpedo Pokémon an.

„Ein legendäres Pokémon“, wiederholte Leon langsam. „Du bist im Besitz von so einem Wesen...“, murmelte Leon. „Hast du was gesagt? Ich kann dich nur schlecht beim Nuscheln verstehen!“, erwiderte der mysteriöse Trainer laut.

Leon schüttele den Kopf. „Ganz gleich welcher Gegner sich mir und meinem Team in den Weg stellt. Wir werden ihn bezwingen!!“, schrie der schwarzhaariger Trainer voller Stolz. „Lohgock, setz Feuerfeger ein!“

Aus den Gelenken von Lohgock schossen heiße Flammen hervor. „Lohgock!!!“ Auf der Stelle stürmte das Großbrand Pokémon los. Dabei fingen seine flinken Füße Feuer. Lohgock sprang in die Höhe und vollführte eine rasche Drehung.

Doch kurz bevor der brennende Fuß Voltolos traf, wich dieser gekonnt nach hinten und ließ den Angriff ins Leere laufen. Plötzlich sammelte das legendäre Pokémon Elektrizität in seinem Schweif. Rasch flog es zu Lohgock, der gerade aufkam und peitschte es heftig aus. Dabei erlitt das Feuer Pokémon einen Stromschlag.

Blitzartig holte Voltolos mit dem Schweif aus und traf Lohgock in den Bauch. Die Kugeln enthielten dabei elektrische Ladungen. Plötzlich explodierte die elektrische Ladung und Lohgock wurde nach hinten geschleudert.

„Was zum?“, japste Leon. Ich verstehe. Diese Kugeln entladen sich jedes Mal, wenn sie einen fremden Körper berühren. Was ist das bloß für ein Angriff? „Zeig es ihm, Donner!“, ordnete Anubias an und streckte seine Hand nach oben.

Voltolos tat ihm nach. Am schwarzen Himmel konzentrierte sich eine gewaltige Menge an Energie. Ein hellblaues Leuchten sammelte sich zu einem großen Punkt. Dieser wuchs stetig. Lohgock rappelte sich mühevoll auf. Sein Körper zuckte. Es war paralysiert.

Mit einem schrecklichen Gefühl wagte es Leon nach oben zu schauen. Die gesammelte Energie befand sich direkt über Lohgock. Eher Leon noch schreien konnte, schlug ein gigantischer hellblauer Blitz auf Lohgock ein. Ein lauter Knall explodierte am Boden. Der ganze Park war im gleißenden Licht gefüllt. Auf der Stelle verblasste das Licht.

Voltolos schwebte unbeeindruckt auf der gleichen Position. Leon erstarrte. Danach gab er auf und fiel in die Knie. Der grüne Rasen auf Leons Hälfte war komplett verkohlt. Lohgock lag in mitten des verbrannten Ringes bewusstlos am Boden.

So schnell und so stark... Lohgock hatte nicht einmal den Hauch einer Chance... Das ist... Leon knirschte mit den Zähnen. Langsam stand er auf. Wortlos holte er sein geschlagenes Pokémon zurück.

„Hahahahaha, eine tolle Darbietung von dir, Voltolos!“, jubelte Anubias amüsiert. „Du Dreckskerl! Kennst du keine Grenzen!“, brüllte Leon mit Tränen in den Augen. Na warte, ich bin noch nicht am Ende!! „Aghh! Los, Lanturn!!“, schrie der schwarzhaarige Trainer und warf den Tauchball.

Auf der Stelle tauchte Lanturn auf. „Huh?“, Anubias wirkte überrascht. „Du kämpfst also weiter, ja? Na schön.“ „Lanturn, ich verlasse mich auf dich!“, rief Leon zu seinem Pokémon. „Lanturn! Lan!“, rief das Wasser-Elektro Pokémon motiviert.

Lanturn, Donnerblitz!“, befahl Leon. Ein kräftiger Donnerblitz zielte auf Voltolos. Das Torpedo Pokémon machte keine Anstalt auszuweichen. Es bekam die volle Ladung ab. Doch es steckte die Attacke locker weg. „Schick ihnen den Donner!“, wies Anubias an und grinste.

Voltolos umhüllte sich mit blauer Elektrizität. Mit seinen Händen formte er eine Energiekugel. Blitzartig schoss er einen mächtigen Strahl. Lanturn wurde in Sekundenschnelle getroffen. Allerdings explodierte der Angriff nicht. Stattdessen leuchtete Lanturn auf. Plötzlich absorbierte das Wasser-Elektro Pokémon die gewaltige Ladung. „Lanturn! Lan! Lan!“, rief es fröhlich im Regen.

Sein gelbes Organ, welches am Ender seiner Antenne hing, leuchtete stark. Anubias schnippte mit dem Finger. „Dachte ich mir’s doch. Es besitzt also die Fähigkeit Voltabsorber. Das macht es eindeutiger robuster. Aber das wird trotzdem nicht reichen!“, fasste der mysteriöse Trainer zusammen und lachte.

Leon grinste. Er sah nach oben. Der starke Regen hatte nicht nachgelassen. Perfekt. Jetzt ist es an der Zeit, die neue Attacke auszuprobieren. Elektro Attacken haben auf Lanturn keine Wirkung. Voltolos kann uns also nichts anhaben. „Lanturn, nutze das Wetter zu deinem Vorteil! Los, Surfer!“, befahl der schwarzhaarige Trainer.

Augenblicklich erzeugte Lanturn unter ihm eine riesige Menge an Wasser. Schnell verformte sich das Wasser zu einer riesigen Welle und stieg hoch empor. Lanturn schickte die gewaltige Flutwelle auf Voltolos. Strömendes Wasser näherte sich unheimlich rasant dem legendären Pokémon.

„Schnell, Schlammwoge!“, ordnete Anubias an. Voltolos beschwor eine giftige Schlammwelle und schickte sie als Gegenangriff. Die beiden Attacken kollidierten und verschmolzen miteinander. Doch Surfer war viel gewaltiger und drängte die Schlammwoge nach hinten. Voltolos versuchte standhaft zu bleiben, doch seine Welle zerbrach und Surfer überschwemmte ihn.

Die Flutwelle ergoss das Kampffeld. „Saustark!“, lobte Leon. Allmählich ging das Wasser zurück. Plötzlich zerriss ein Blitz den Himmel. Gleichzeitig schoss Voltolos nach oben und blickte grimmig...


Viel Spaß mit dem neuen Kapitel. Aufgrund der langen Prüfungsphase kam ich bis jetzt nicht wirklich zum Schreiben. Erst zu Weihnachten sollte sich alles beruhigt haben, falls ihr wissen wollt, warum das ganze so lange dauert :tja:
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Re: Auf in die Welt

#1311819 von KleinKokuna
08.12.2018, 17:35
Ohne große Umschweife (oder ellenlangem lamentieren über eine stressige Woche^^) will ich über dein neuestes Kapitel gleich eines loswerden: Mir fällt ein Stein vom Herzen das Ill doch nicht völlig die Nerven verloren hat - hatte schon irgendeine schlimme Dummheit befürchtet ;) . Wobei sein 'Geständnis' nach etwas Überlegen doch ziemlich heftig ist; ganz besonders wenn man an all die Dramen aus deinem Special denkt...

Vorwürfe kann ich ihm allerdings dennoch keine geben. Schließlich tut man sich ja als Außenstehender total leicht, alles besser zu wissen^^.

Tja und dann enthüllst du, dass dieser Anubias Horridan nicht umsonst einer der stärksten Trainer in diesem Turnier ist - mit einem Legi hätte ich jetzt nicht gerechnet :o! (Übrigens schön, dass du die Sache mit dem Gewitter wie in den Spielen eingebaut hast.) Dass er aber so regelrecht herablassend Leon zum Kampf auffordert und ihn dort gleich mit Voltolos enorm unter Druck setzt lässt ihn allerdings - auf den ersten Eindruck wohlgemerkt - ganz schön Arrogant wirken.

Aber noch ist der Kampf ja nicht entschieden und zudem bin ich auch neugierig auf seine Antworten, die er liefern will - vielleicht steckt ja ein ganz anderer Typ hinter dieser Fassade?^^

Bleibt mir abschließend nur; wie immer eigentlich; zu sagen, dass ich gespannt auf weitere Kapitel bin und wünsche dir, dass du bald wieder mehr Zeit fürs schreiben findest :).

(Ich für meinen Teil hoffe, dass bald Weihnachten und der Stress bald vorbei ist. Kann keine Plätzchen oder Lebkuchen mehr sehen... Und jetzt entschuldige mich bitte: Ich muss mit griesgrämigen Gesicht durch das vorweihnachtliche, viktorianische London steifen und dabei leise 'Humbug' vor mich hin murmeln xD.)
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Re: Auf in die Welt

#1311839 von Donnerkralle
09.12.2018, 09:16
Vielen lieben Dank für deinen Kommentar, KleinKokuna :lol:
Schön, dass dir das Kapitel gefallen hat.

Nach dem Kampf werde ich wieder einmal Einiges offenbaren. Ich selber betrachte die Enthüllung als wichtige Grundlage für die kommende Wende. Seid gespannt.

Ich hoffe ebenfalls darauf, dass bald Weihnachten ist und ich mich vom Lernen etwas distanzieren kann :D
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