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Braut auf der Flucht

#1309084 von KleinKokuna
09.08.2018, 16:42
Braut auf der Flucht: Die abenteuerliche Reise der Altan-Tschitschik


Vorwort:

Tjaaa, nachdem ich vor bald sieben Monaten meine erste FF hier beendet habe, wird es nun doch langsam Zeit für eine Neue :lol:! Man kann einem alten Kater eben keine neuen Tricks beibringen^^.

Diese FF ist hauptsächlich inspiriert von Evalis tollem Pixelart, welches ihr hier bestaunen könnt, und ist nebenbei eine kleine Hommage an ein paar andere Lieblingsspiele nebst Pokémon. (An dieser Stelle übrigens nochmals ein dickes Dankeschön an Evali, dass ich es hierfür verwenden darf :up:!)

Da die Überschrift und das Pixelart - und nicht zuletzt mein Kommentar in der Fanart-Galerie dazu :P - schon grob verraten, worum es in dieser Story geht, will ich mich mal bedeckt halten - lasst euch einfach überraschen^^.
Und darum wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen und hoffentlich gefällt sie euch :).
Inhaltsverzeichnis:

1.Kapitel:
1.1: Ein neuer Tag
1.2: Der Herr des Turms
1.3: Freundinnen unter sich
1.4: Goldblumes Erwachen
1.5: Die Flucht
2.Kapitel:
2.1: Die Jagd beginnt!
2.2: Verzweiflung
2.3: Arceus' Intervention
2.4: Murphy
2.5: Zu zweit durch den Sumpfwald
2.6: Nanettes Rache!
3.Kapitel:
3.1: Zu früh gefreut
3.2: Murphys wahre Macht!
3.3: Offenbarungen
3.4: Böse Ränke
3.5: Das große Ziel
4.Kapitel:
4.1: Die Sinnjoh-Zuflucht
4.2: Skurrile Typen...
4.3: Alltag in der Zuflucht
4.4: Trügerische Idylle
4.5: Auf zu neuen Abenteuern!
5.Kapitel:
5.1: Eine Ballonfahrt, die ist lustig...
5.2: Durch den Sturm!
5.3: Vom Regen in die Traufe
5.4: Die schwarze Blume!
Zuletzt geändert von KleinKokuna am 23.01.2019, 15:08, insgesamt 12-mal geändert.
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Re: Braut auf der Flucht

#1309085 von KleinKokuna
09.08.2018, 16:43
1.Kapitel

1.1: Ein neuer Tag

(Da ich das bei Ayrons und Vampirbiss' FFs so toll fand, will ich es auch mal mit Musik versuchen^^. Darum hier als Hintergrundmelodie: Rayman 2 - The Fairyglade Part 1: https://www.youtube.com/watch?v=SNAN10DwpQg

Altan-Tschitschik schlug die Augen auf, gähnte kurz herzhaft und blickte sich noch etwas verschlafen in ihrer Kammer um. Die feingliedrige hochgewachsene Frau lag in einem hellblau bezogenen, unfassbar weichen Himmelbett und trug selbst ein elegantes, silbergraues Nachthemd aus purer Seide, das sich herrlich luftig anfühlte und ihrer zarten, hellen Haut angenehm schmeichelte.

Ihr Schlafgemach selbst war ein eher kleiner Raum mit einer äußerst ungewöhnlichen Grundfärbung: Der Boden, die Wände und auch die Decke waren nämlich mit Fließen aus pechschwarzen, poliertem Obsidian belegt, was dieser Kammer natürlich eine ziemlich düstere, wenngleich durchaus edle Ausstrahlung verlieh. Um diese ein wenig aufzuhellen befanden sich neben einer Kommode, einem kleinen Tisch und einem Schrank aus betont hellem Holz, einige dekorative Ornamente aus Gold, Silber oder Kristall an den Wänden. Noch dazu ließen eine große Glastür, die zu einem schmucken Balkon führte, und ein ovales Fenster daneben die sanften, goldgelben Strahlen der aufgehenden Morgensonne ins Zimmer dringen. –Wobei diese von malvenfarbenen, mit goldenen Stickereien verzierten, Vorhängen gedämpft wurden, damit Altan-Tschitschiks Schlummer nicht vor der Zeit gestört wurde.

Nun stand diese allerdings auf, zog die Vorhänge beiseite, öffnete Fenster und Tür und trat auf den Balkon hinaus, um die frische Morgenluft hereinzulassen und einen tiefen Atemzug davon zu nehmen. Sich an das metallene und ebenfalls schwarze Geländer, welches aus verflochtenen Metallstangen bestand, lehnend, betrachtete die junge Frau die eigenwillige und doch faszinierende Aussicht, die sich ihr bot.

Soweit man sehen konnte, spiegelten sich die Morgensonne sowie der strahlend blaue Himmel auf den unzähligen glitzernden Wasserflächen, die sich ringsherum erstreckten. Nur hie und da ragten ein paar kleine Erdhügel, welche mit allerlei niederen und mit tau geschmückten Pflanzen bewachsen waren, aus dem morastigen Wasser. Dazu noch einige wenige Holzstege, welche die einzigen trittsicheren Pfade hier bildeten, und fertig war die Sumpflandschaft, in der sich Altan-Tschitschik befand. –Lediglich am Horizont zeichnete sich eine dichtere Vegetation ab, die auf einen Sumpfwald schließen ließ.

Die Spiegelung des Wasser sorgte auch dafür, dass Goldblume – wie Altan-Tschitschik auch genannt wurde – stets sehen konnte, wo sie wohnte:

In einem riesigen Turm, der seinerseits ebenso komplett aus pechschwarzem Obsidian bestand, und sich spiralförmig wie die Schale eines Muschas, welches sich in den Schwanz eines Flegmon verbissen hatte, mehrere Meter in die Höhe erstreckte und so als unübersehbarer Punkt in der Landschaft thronte. An der Spitze dieses Turmes waren noch fünf große, zackenförmige Gebilde angebracht, sodass das ganze Bauwerk einem gewaltigen Arm samt einer Hand mit gezackten Klauen glich, welche sich drohend und gierig nach dem Himmel ausstreckte, als wolle sie nach diesem greifen.

Diese unheilige Ausstrahlung des Gebäudes musste es wohl sein, die dafür sorgte, dass auffällige Stille hier im Sumpf herrschte und man auch kaum Pokémon zu Gesicht bekam, obwohl dieser Ort einen idealen Lebensraum darstellte. Ein paar Piccolente, die mühelos über die Wasserflächen glitten. Das Glitzern der Schuppen einiger Fisch-Pokémon wie Karpador, Barschwa, oder auch Barschuft und ein Schwarm Käferpokémon, bestehend aus einigen Illumise und Volbeat, welche in niedriger Höhe in der Luft herumtänzelten und sich auf den Weg zu einer Ruhestätte machten…

…Vielmehr war nicht zu sehen, zumal die Pokémon es vermieden, dem Turm zu nahe zu kommen. (Er sah aber auch nicht wirklich einladend aus – ganz sicher ein Patzer des Architekten…)

Trotzdem überwogen die positiven Aspekte und die ganze, friedliche Szenerie würde den meisten wohl ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Doch Altan-Tschitschik lächelte nicht. Ihr Kopf brummte und sie fühlte sich wie nach einem aufwühlenden Traum, der so lebhaft war, dass man selbst nach dem Aufwachen immer noch nicht klar sagen konnte, was zur Wirklichkeit zählte und was nicht.

Seufzend ging die junge Frau wieder hinein und ließ sich auf einem gemütlichen Stuhl vor dem Tisch nieder. Mit den Ellenbogen darauf und den Kopf auf ihre beiden Hände gestützt, starrte sie so nachdenklich in den großen schmucken Wandspiegel gegenüber. Das ebenmäßige rundliche Gesicht einer wunderschönen Frau Anfang dreißig mit schneeweißem Haar im Pagenschnitt starrte von dort aus unverwandt zu ihr zurück. Die Iriden der großen hübschen Augen stachen besonders hervor; wirkten sie doch mit ihrer lila Färbung, die zur Pupille hin ins Türkise übergingen, ausgesprochen exotisch.

Allerdings waren auch diese sogenannten ‚Fenster zur Seele‘ genauso von dumpfer Grübelei und unbestimmten Zweifeln getrübt wie der Rest des Gesichts auch. ‚Wer bin ich bloß?‘, schien das Spiegelbild Goldblume stumm zu fragen, worauf diese nur den Kopf schütteln konnte.

Sie wusste es nämlich selbst nicht sicher. All das hier: Der finstere Turm, ihr Schlafgemach, die Aussicht auf die Sumpflandschaft und noch vieles mehr wirkten so vertraut, als kenne sie dies schon lange. Seltsamerweise hatte sie aber keine einzige konkrete Erinnerung an irgendein Erlebnis hier. Keine einzige Anekdote kam ihr in den Sinn, kein Bild eines besonders schönen Tages, den sie hier verbracht hatte.

Genauso verhielt es sich mit ihrer Kindheit. Altan-Tschitschik glaubte zwar zu wissen, wie und wo sie aufgewachsen ist; als einziges Kind einer verarmten Adelsfamilie vom Lande und so weiter und so fort…

…aber irgendwie fühlte sich das so allgemein und nicht richtig an, als wäre das eine x-beliebige Kindheit gewesen und nicht ihre eigene. Auch hier hätte sie auf die Frage nach einem wunderschönen Erlebnis, welches ihr als Kind widerfahren war, passen müssen. Ihr fiel nämlich rein gar nichts Genaues ein. Es war wie verhext!

Goldblume seufzte erneut, schüttelte leicht den Kopf und lächelte die hübsche Frau im Spiegel schwach an. „Was ich mir immer für Gedanken am Morgen mache…“, murmelte sie mit ihrer klangvollen und zarten wie kräftigen Stimme ironisch und spürte endlich so etwas wie Zuversicht und Freude in sich aufsteigen. Denn trotz dieser ganzen Grübelei fühlte sie in sich eine Art schier übermächtige Gewissheit, die ihr versicherte, dass alles so ist, wie sie es erlebt hatte. –Ob sie sich nun daran erinnern konnte oder nicht.

Endlich guter Dinge erhob sich Altan-Tschitschik und begann sich vergnügt pfeifend aus dem Schrank ihre Garderobe für den Tag zu holen, ehe sie für eine Dusche ins gegenüberliegende Badezimmer verschwinden würde. Dabei prickelte ihr ganzer Körper voller Vorfreude, schließlich kam ihr in den Sinn, dass ja Morgen ihr großer Tag sein würde!

„Der schönste Tag im Leben^^.“, kicherte die junge Frau freudig bei dem Gedanken daran und spürte zufrieden bei jeder ihrer Bewegungen das Spiel ihrer sehnigen, straffen Muskeln unter der Haut, denn obwohl Goldblume so zierlich aussah, steckte enorme Kraft in ihrem Körper.

Und dennoch…

Für einen kurzen Augenblick konnte Altan-Tschitschik nicht anders, sondern warf nochmals einen gar sehnsüchtigen Blick nach draußen gen Horizont. Der wohlige Mantel des Gefühls, das alles in Ordnung ist und ihr eine wundervolle Zukunft bevorstand, konnte nicht verhindern, dass sich für einen Moment tief in ihrem Inneren eine Art stummer Aufschrei regte.

Ein Schrei nach Freiheit…

1.2: Der Herr des Turms

Frisch gewaschen und fertig angekleidet prüfte Goldblume eine Weile später ein letztes Mal ihr Aussehen im Spiegel, ehe sie sich hinab in den großen Speisesaal für ein ausgiebiges Frühstück begeben würde. Sie trug nun ein einfaches aber dennoch edles dunkelblaues Gewand, das ihre Figur schmeichelnd betonte und nach unten hin in einen langen, wallenden Rock überging. Abgerundet und verziert wurde ihre Kleidung noch von kunstvoll verschnörkelten Stickereien aus silbernen Fäden, die sich an den Säumen ihrer Ärmel und ihres Rockes befanden. Auf Schmuck beziehungsweise Make-up verzichtete sie fast gänzlich da Altan-Tschitschik Wert auf natürliche Schönheit legte von der sie ja mehr als genug besaß^^.

Lediglich ein goldenes Kettchen fand den Weg um ihren Hals; darauf verzichtete die junge Frau nämlich niemals. Es stand ihr, nach ihrer Meinung nach, einfach zu perfekt und sie hatte beinahe das Gefühl, dass dieses Kleinod beinahe wie ein Körperteil zu ihr gehörte. So seltsam es sich auch anhörte.

Jetzt lächelte Goldblume ihr Spiegelbild breit an und vollführte voller Übermut eine kleine Drehung. Die erfrischend warmen, perlenden Wasserstrahlen der Dusche hatten ihr richtig gut getan und die letzten Zweifel sowie sinisteren Gedanken endgültig verjagt. Jetzt war sie definitiv bereit für einen wundervollen Tag!

Da klopfte es unvermittelt dezent an ihrer Zimmertüre, was Altan-Tschitschik lächeln ließ, da sie selber nur darauf gewartet hatte. „Komm doch rein Nanette!“, sprach die junge Frau einladend und freundlich und kicherte verschmitzt: „Nach all der Zeit solltest du doch wissen, dass ich um die Zeit schon längst salonfähig bin, hihi.“

„Oh da klingt aber jemand gut gelaunt.“, fand eine leblose Stimme, die deshalb trotz ihres freudigen Klanges befremdlich wirkte: „Aber kein Wunder, Morgen ist ja Ihr großer Tag Mylady, haha.“

Die Tür öffnete sich und herein trat eine durch und durch groteske Gestalt:

Eine Art lebensgroße Marionette eines Guardevoir, die wirklich, wie von unsichtbaren Fäden geleitet, unnatürlich herum tänzelte. Anstatt normaler Augen besaß Nanette nur zwei große runde und pechschwarze Knöpfe und ihr zu einem ständig schiefen Grinsen verzogener Mund war; einer Vogelscheuche gleich; mit schwarzen Fäden vernäht.

Nicht wenige hätten angesichts dieser absonderlichen Kreatur ein unbehagliches Gefühl bekommen, vielleicht sogar die Flucht ergriffen.- Oder es sofort voller Abscheu mit einer Dynamischen Maxiflamme angegriffen. Aber Goldblume zeigte keine dieser Verhaltensweisen. Schließlich kannte sie Nanette schon seit dem Tag, an dem dieser Turm ihre neue Heimat wurde. Anfangs hauptsächlich als Kammerzofe für Altan-Tschitschik zugeteilt, hatte die junge Frau rasch hinter die zugegeben äußert merkwürdige Fassade Nanettes sehen können, sodass aus den beiden unzertrennliche Freundinnen wurden.

Jedenfalls griente sie ihre skurrile Freundin an und meinte fröhlich: „Aber Hallo! Wer würde sich da denn nicht freuen :D?“ Goldblume ergriff Nanettes Hand – sie fühlte sich an wie ein Filzhandschuh – zog sie mit nach draußen in den Gang und sprach dabei munter weiter: „Ich hoffe doch sehr, dass du mir nur sagen wolltest, dass die Tafel fertig gedeckt ist, nicht? So langsam habe ich nämlich richtig Hunger!“

Auf dieses Stichwort hin knurrte ihr Magen sogleich heftig und die Kammerzofe machte eine vergnügte Geste und meinte höflich: „Gewiss doch Mylady! Es ist alles bereit. Nur der Meister wird etwas später erscheinen. Durchlaucht ist noch völlig erschöpft von seiner gestrigen Anstrengung.“

„Ach ja? Immer am Schaffen der Kerl, hihi.“, kicherte Altan-Tschitschik mit einem verträumten Gesichtsausdruck. Denn mit jenem ‚Meister‘ war ihr Geliebter und Verlobter gemein. Jener Mann, dem der Turm hier gehörte und den sie über alles liebte, weshalb sie überhaupt hierhergezogen ist. Und eben auch jener Mann den sie morgen schon endlich heiraten würde!

„Ja so ist Durchlaucht nun mal, haha.“, lachte Nanette wieder mit ihrer leblosen Stimme, die jede Emotion falsch wirken ließ, aber vielleicht konnte man von einer lebenden Marionette auch nicht mehr erwarten… (Sofern wir das Pokémon Banette außer Acht lassen versteht sich :P.)

Eine schmale Wendeltreppe führte die beiden über unzählige Stufen, vorbei an mehreren anderen Etagen des Turmes, hinab ins Erdgeschoss, in dem sich auch der Speisesaal befand. Da auch das Innere des restlichen Turmes ebenso mit Obsidian (was denn auch sonst?) verkleidet war, herrschte auch hier eine nach wie vor düstere, geheimnisvolle Stimmung. Durch geschickt platzierte Dekoration und Beleuchtung in Form von Fenstern und – etwas aus der Reihe tanzend – LED-Lampen, wurde dieser Effekt noch verstärkt, sodass man sich ganz und gar an einem mystisch-magischen Ort wähnte.

Goldblume mochte diese Atmosphäre sehr und erfreute sich jedes Mal aufs Neue daran, obwohl sie diese bereits zur Genüge kannte. –Wobei sie sich momentan noch viel mehr auf ein leckeres Frühstück freute^^.

Der Speisesaal war an sich kein übermäßig großer Raum, doch durch seine kuppelartige Decke, opulenten Feuerschalen und schmalen Fenstern aus Buntglas, wirkte er wie ein solcher. Wände wie die Decke selbst waren mit kunstvollen Mosaiken geschmückt, die, passend zum Ambiente, verschiedene Beeren, Früchte und allerlei andere Köstlichkeiten darstellten, sodass man spätestens beim Betreten des Saals fast unweigerlich Hunger bekam. Daneben waren noch allerlei Pokémon abgebildet, die sich glücklich an den reichen Gaben labten und sich des Lebens freuten. Über diese harmonische Szenerie wiederum wachte Xerneas, das Pokémon des Lebens, mit farbenfroher Krone und umhüllt mit einer goldenen Aura, welche seine Feenaura symbolisierte.

Eine Wand, genauer die Nordwand, nahm sich allerdings aus dieser Idylle heraus: Hier stieg Yveltal, das Pokémon des Todes, von seiner roten, unheiligen Dunkelaura umhüllt, hinauf zur Decke. Unter seinen mächtigen Schwingen fanden sich bloß noch verdorrte Pflanzen und die leblosen Körper jener Pokémon, denen es das Leben ausgesaugt hatte. Kurzum gab es auf dieser Seite nur noch Asche zu sehen; Asche und Tod…

Darüber prangte in großen, goldenen Lettern mahnend ‚Memento-Mori – Bedenke, dass du sterben musst!‘, was in diesem Fall daran erinnern sollte, auch die alltägliche Freude einer guten Mahlzeit zu schätzen und bewusst zu genießen. Gewiss, vielleicht war das Ganze für einen Speisesaal ziemlich übertrieben und zu dramatisch gestaltet, doch seinen Zweck verfehlte es keinesfalls.

Altan-Tschitschik jedenfalls fand, dass erst durch diese düstere Mahnung, der schöne, lebensfrohe Teil des Mosaiks so richtig zur Geltung kam. Wobei ihr es dennoch mehr als recht war, dass man mit dem Rücken zur Nordwand saß und diese normalerweise zum Teil mit ellenlangen, dicken Vorhängen aus feuerrotem Samt verdeckt wurde.

Genau gesagt war heute einer der wenigen Tage, an denen man das prächtige Wandbild vollständig betrachten konnte, denn schließlich fand morgen ja eine Hochzeit statt. Da mussten auch die Wände ordentlich gesäubert und die Vorhänge gewaschen werden. – Auch die, die man bei der gewöhnlichen Reinigung außer Acht lässt^^.

Aus diesem Grund herrschte im Speisesaal eine deutlich größere Betriebsamkeit als sonst. Neben der Magd, ihrem Dienstmädchen und ihren beiden Vegimak; welche wie üblich Goldblume gerade ihre ausgesuchten Speisen und Getränke auftrugen; wuselten noch etliche andere Diener samt Pokémon umher, die alles sauber machten. Wablu wischten mit ihren watteartigen Flügeln sowohl das Mosaik und die Fenster blitzeblank. Eine Gruppe Alpollo prüfte gemeinsam mit zwei Dienern; welche mittels der Fäden einiger Ariados an den Wänden herumturnten; jeden einzelnen Stein auf eventuelle Beschädigungen. Und zu guter Letzt stand eine weitere Zofe mit ihrem Schlapor da und gemeinsam begutachteten sie eindringlich den ganzen Raum und machten sich Notizen, wo, wie viel und was für eine Dekoration morgen für die Feierlichkeiten angebracht werden sollten.

Interessiert sah Goldblume dieser eifrigen Betriebsamkeit eine Zeit lang zu, während sie zuerst ein belegtes Brot und dann einige köstliche Sinel- und Pirsifbeeren zu sich nahm und dabei genießerisch einen Beerensaft; gepresst aus mehreren Beeren und mit einem exquisiten Geschmack; trank. Sie warf gelegentlich Nanette, die ohne etwas zu essen neben ihr saß und ihrer Freundin zulächelte, einen vergnügten Blick zu und spürte wieder dieses Prickeln in ihrem Körper.

Sie konnte es gar nicht realisieren, aber das waren die Vorbereitungen für IHRE Hochzeit! Wie aufregend war das denn?!

Mit einem Mal allerdings verlor all dies an Bedeutung:

Urplötzlich unterbrachen alle, Menschen wie Pokémon, ihre Arbeit und verneigten sich – selbst Nanette erhob sich und tat es den anderen gleich. Altan-Tschitschik wusste, was dies zu bedeuten hatte, aber kaum, dass sie ihn sah, wurden ihr die Knie trotzdem ganz weich und ihr Herz machte einen freudigen Hüpfer!

Stand im Türrahmen doch ihr innig geliebter Nepomuk Balthazar von Sonnenstich, der Herr dieses Turmes und ihr zukünftiger Ehemann!

Bei diesem handelte es sich um einen mittelgroßen, hageren Mann Anfang dreißig, mit kantigem, scharfgeschnittenem Gesicht und einer großen Hakennase, die dem Schnabel eines räuberischen Vogelpokémon glich. Nichtsdestotrotz verliehen ihm sein ganzes würdevolles, maskulines Auftreten, sein zartbrauner Teint, die seidigen, schulterlangen, gelockten und rotbraunen Haare, sowie die klugen, einnehmenden und charismatischen goldgelben Augen und seine vollen, roten Lippen, das Aussehen eines begehrten Jünglings.

Passend zur farblichen Gestaltung seines Heims trug auch Balthazar von Sonnenstich – er hasste seinen ersten Namen und wollte ihn daher nicht hören – hauptsächlich schwarze und ausgesprochen edle Kleidung, die seinen Status aus Spross einer hochangesehenen Adelsfamilie deutlich unterstrich:

Eine majestätische Robe aus Samt, sowie ein prächtiger Seidenanzug darunter; beides mit blattgrünen Stickereien verziert, die geheimnisvolle Runen kunstvoll darauf woben und fein gegerbte, glänzende Lederstiefel aus gefärbten Dratinileder.

Dazu trug der blaublütige Herr – im völligen Gegensatz zu seiner Verlobten - auffällig viel Schmuck in Form von zahlreichen goldenen und silbernen Ringen, die an seinen langen, dünnen Fingern glänzten. Auch Armreife und Ohrringe zählten dazu, sowie gleich mehrere Ketten um den Hals an denen Amulette und ähnliche Talismane baumelten. –Alles reich mit verflochtenen Mustern, eingefassten Diamanten, Perlen, Rubinen, Saphiren oder Smaragden verziert, sodass man augenblicklich wusste, wie vermögend ihr Besitzer doch sei.

Nur sein ansonsten so tadelloses Antlitz war, wie von Nanette bereits angedeutet, regelrecht von Erschöpfung verwüstet, was sich in den müden, tief in ihren Höhlen liegenden Augen, dazugehörigen Ringen, Bartstoppeln sowie einer gewissen Blässe sofort erkennen ließ. Man hätte fast meinen können, dass Balthazar von Sonnenstich vergangene Nacht eine wilde, ausschweifende Kneipentour mit anschließendem Besuch einer ‚süßen Herberge‘ hinter sich hatte…

…Doch Altan-Tschitschik wusste es glücklicherweise besser und fühlte bei diesem Gedanken wieder grenzenlosen Stolz auf ihren Liebsten in sich aufsteigen:

Ihr Zukünftiger war nämlich ein Zauberer und ein begnadeter noch dazu!

So hatte er beispielsweise Nanette vor langer Zeit erschaffen und ihr Leben eingehaucht und Goldblume konnte sich denken, dass die Erschöpfung ihres Verlobten wohl ganz klar auf eine mit Zauberei durchgemachte Nacht herrührte. Denn das Wirken von Magie kostete enorm viel Kraft.

Was genau Balthazar mit seinen Zaubern bezweckte, konnte die junge Frau zwar nicht sagen, aber er hatte ihr versichert, dass es nur für ihr gemeinsames Wohl und zukünftiges Glück sei. Und sie glaubte ihm das.

Jedenfalls wirkte sie darum keinesfalls verwundert, als ihr Geliebter nun mit einer einzigen Geste, den Großteil des Gesindes samt ihrer Pokémon förmlich aus dem Raum schweben ließ, die Türen mit einem Schnipsen schloss und sein gepolsterter Stuhl ihm auf einen Wink bereits entgegenkam.

„Einen wunderschönen Morgen mein Liebster!“, grüßte Altan-Tschitschik ihn freudestrahlend und wirkte ganz aufgekratzt wie eine junge Teenagerin die gerade ihrem größten und begehrtestem Star über den Weg lief. Am liebsten wäre sie ihm sofort um den Hals gefallen, hätte ihn überschwänglich mit Küssen und vielen anderen Zärtlichkeiten überschüttet und war schon regelrecht von ihrem Platz aufgesprungen.

Augenblicklich hob Balthazar, der sich mit einem müden Seufzer in seinen Stuhl hat sinken lassen, weil ihm bereits diese kleine Zauberei heute schon enorm angestrengt hat, abwehrend die Hand. „Noch nicht!“, ermahnte sie der Magier mit einem verstörend herrischen Tonfall, bevor er sich seiner Ruppigkeit offenbar bewusst wurde und deutlich sanfter, mit einem charmanten Lächeln, weitersprach: „Du weißt doch, meine liebe Goldblume, die Formalitäten der Zauberei. Das Glück, welches ich uns unter solchen Mühen mittels Magie gewoben habe, wollen wir doch nicht mit übereilten Anfällen von Begierde zerstören, nicht wahr?“

„Aber natürlich nicht, mein Geliebter.“, meinte Goldblume fröhlich und nicht im Geringsten enttäuscht, nahm geflissentlich wieder Platz und begnügte sich eben damit ihren Zukünftigen mit einem schmachtenden, verträumten Blick anzulächeln. „Hach, Balthazar ist ja immer so bewundernswert vernünftig und auf die Moral bedacht!“, dachte sie sich dabei mit einem wohligen Schauer, der ihren Körper durchfuhr und seufzte vor Wonne.

Altan-Tschitschik war in Gegenwart ihres Liebsten längst nicht so beherrscht. Seine warme, sonore Stimme ließ sie jedes Mal dahinschmelzen und seine Blicke, ganz gleich wie anzüglich sie manchmal auch sein mochten, schmeichelten ihr, weil sie sich so begehrt und geliebt fühlte. Und Goldblume spürte genau, wie sehr sich ihr Zukünftiger zusammennahm, wenngleich er es sich nicht anmerken ließ, um seinerseits nicht schwach zu werden. –Das erfüllte sie wieder mit Stolz: Ihr Geliebter verausgabte sich schier mit seiner Zauberei und hielt sich im Zaum, nur damit ihnen beide eine Zukunft voller Glück und Erfüllung sicher ist...

Und sie war überzeugt, dass sie sich einen besseren Ehemann gar nicht wünschen hätte können!

Indessen schaufelte dieser sich gerade gierig wahllos Beeren, belegte Semmeln und Brote mit bloßen Fingern in einem Tempo in sich hinein, dass die Magd mit dem auftragen schier nicht hinterherkam. Genauso verhielt es sich mit seinem Kelch, den Balthazar stets in einem Zug leerte.

„Hihi, Eure gestrige Zauberei war wohl unfassbar kräftezehrend, was mein Liebster?“, fragte die junge Frau ihren Verlobten mit einem verliebt, vergnügten Kichern, weil dieser jetzt einem ausgehungerten Relaxo mehr ähnelte, als einem adeligen Zauberer, der für gewöhnlich auf seine Etikette achtete^^.

Ein undeutliches Brummen war die Antwort darauf, denn Balthazar von Sonnenstich unterbrach seine Mahlzeit deswegen nicht; dafür brauchte er diese Energie viel zu dringend. Altan-Tschitschik störte sich nicht daran, sondern grinste wissend und gab sich damit zufrieden. Stattdessen beobachtete sie ihren Zukünftigen einfach fasziniert und vergaß dabei alles um sich herum. Wie für rettungslos Verliebte üblich, konnte sie ihn ewig lang schmachtend betrachten, ohne, dass ihr langweilig geworden wäre.

Als der Magier sein Mahl nach einer Weile beendet hatte, schnippte er erneut mit den Fingern, wobei dies diesmal lediglich ein Zeichen für die Magd und ihre Helfer war, dass sie abdecken und sich entfernen konnten. Und nur noch zu dritt – immerhin blieb Nanette stets einem stummen Schatten gleich an ihrer Seite – wandte er sich endlich richtig seiner Goldblume zu.

„Verzeiht mir bitte meinen kühlen Empfang, liebste Goldblume.“, begann er sogleich entschuldigend, ging sogar vor ihr auf die Knie, nahm sachte ihre Hand in die seine und sah sie treuherzig mit seinen goldgelben Augen an: „Wie Ihr schon vermutet habt, hat mich meine Magie enorm geschwächt… Ich war beim aufstehen immer noch ganz ausgelaugt und brauchte daher unbedingt etwas zu Essen, um wieder halbwegs klar bei Verstand sein zu können. Darum konnte ich Euch nicht die Aufmerksamkeit schenken, die Ihr, meine liebste Goldblume, eigentlich verdient habt… Darum möchte ich Euch nochmals vielmals um Verzeihung bitten!“

„Ach, was für ein Charmeur!“, schoss es der jungen Frau, die ob der ganzen Szenerie schon hochrot wurde, geschmeichelt durch den Kopf und fand ganz gerührt: „Ihr braucht Euch doch dafür nicht entschuldigen, mein Geliebter. Eure Anstrengung dient doch unserem gemeinsamen Glück, das verstehe und schätze ich sehr wohl. Wie könnte ich Euch da böse sein, wenn Ihr deswegen einmal zuerst an Euch selbst denken müsst?“

Jetzt strahlte das Gesicht von Balthazar vor Freude, Erleichterung und Liebe und er meinte dankbar: „Meine wundervolle Goldblume, danke! Was bin ich froh, Euch als meine künftige Ehefrau zu wissen!“

Entgegen seiner sonstigen Zurückhaltung schenkte er ihr eine zärtliche Umarmung und fügte anschließend mit einem verlegenen, zuckersüßen Lächeln hinzu: „Ich hoffe, Ihr versteht es darum auch, dass ich mich für den Rest des Tages zurückziehen werde – es gibt noch so vieles, was für Morgen vorbereitet werden muss.“

„Selbstverständlich, mein Geliebter.“, antwortete Altan-Tschitschik freudestrahlend und fühlte bei dem Gedanken an den kommenden Tag erneut dieses wundervolle Prickeln in sich, was ihre Verliebtheit noch verstärkte: „Und außerdem müssen Nanette und ich ja auch noch einiges tun, bei dem der zukünftige Ehemann nicht Dabeisein darf, hihi.“

„Hach, die Vorbereitungen der Braut, ich weiß.“, seufzte Balthazar betört und er tauschte einen letzten verliebten Blick mit seiner Goldblume aus: „Dann bis Morgen meine Liebste. Auf das wir eine wunderschöne Hochzeit haben werden!“

Mit diesen Worten entfernte sich der Magier und entschwand mit wehendem Umhang aus dem Speisesaal, während Altan-Tschitschik ihm noch lange verträumt nachsah. „Ja, bis Morgen mein Geliebter…“, flüsterte sie entzückt und fühlte sich wie ein einem wunderschönen Traum: „Bis Morgen zu unserer Hochzeit…“

„Wollen wir dann Mylady?“

Die leblose Stimme von Nanette holte Goldblume zurück in die Gegenwart und diese lächelte ihre puppenhafte Freundin aufgeregt an. „Aber gewiss doch! Lasst uns beginnen, es gibt immerhin viel zu tun!“

1.3: Freundinnen unter sich

Lautstark knallte das Buch sowie das Wasserglas, welches darauf gestanden und glücklicherweise aus Plastik war, auf den Boden und sorgte erneut für eine große Pfütze, die Nanette augenblicklich wegwischte.

„Uff! Das ist gar nicht so leicht…“, stöhnte Altan-Tschitschik genervt, ließ sich aber nicht entmutigen und startete sofort einen neuen Versuch. Seit fast einer Stunde übte sie sich bereits darin Buch und Glas auf ihrem Kopf zu balancieren, um so ihren korrekten Gang und Haltung während der Hochzeitszeremonie und dem anschließenden Tanz zu perfektionieren.

Immerhin beehrten morgen zahlreiche geladene Gäste – viele von Adel übrigens – die Feierlichkeiten mit ihrer Anwesenheit, sodass die junge Frau nur zu gerne sicherheitshalber ausgiebig das höfische Zeremoniell und die nötigen Bewegungsabläufe nochmals studierte. –Alles musste perfekt sein, denn keinesfalls wollte Goldblume sich oder ihren Gatten morgen mit einem Fehltritt blamieren!

„Seid unbesorgt Mylady, Ihr werdet mit jedem Mal besser darin.“, versicherte die lebende Marionette und platzierte geschickt die beiden Gegenstände wieder auf dem Kopf ihrer Freundin, wobei Nanette einen kleinen Schemel zu Hilfe nehmen musste, da sie fast 30 Zentimeter kleiner war. „Im Grunde beherrscht Ihr all das ja schon – es liegt Euch quasi im Blut, haha.“, fuhr die skurrile Wesenheit heiter fort: „Allein die Aufregung vor dem morgigen Tag lassen Euch so fahrig werden. Und vielleicht wäre es auch besser gewesen, wenn wir nicht ausgerechnet im Ballsaal dafür ausgesucht hätten? Nicht, dass Euch dies zu sehr ablenkt.“

„Nein Nanette, das geht schon so!“, fand Goldblume bestimmt, stakste dabei mit der Last auf ihrem Haupt wieder ein paar Schritte und merkte ganz langsam, wie sie ein Gefühl dafür bekam, was sie in ihrem Willen bestärkte: „Siehst du? Ich muss mich nur konzentrieren, das ist alles. Zumal du weißt, dass ich nirgends lieber als genau hier üben möchte!“

Die lebende Marionette nickte verständig, weil sie den Wunsch ihrer Freundin nur zu gut nachvollziehen konnte:

Denn schließlich würde genau hier, in diesem prächtigen Raum, morgen ihre Hochzeit stattfinden! Noch stand der Ballsaal komplett leer, aber selbst in diesem Zustand strahlte er etwas Erhabenes aus. Fast eine ganze Etage des Turmes einnehmend, wurde er beinahe ringsum von deckenhohen Fenstern regelrecht mit Licht durchflutet, sodass sich die Sonnenstrahlen in den polierten, pechschwarzen Obsidianfliesen nur so spiegelten. Prächtige, mit Kristallen behangene, goldene Kronleuchter hingen von der Decke hinunter und würden am Abend die Feierlichkeiten mit ihrem Lichtspiel erhellen und in eine besondere Atmosphäre tauchen. Dann, wenn sie mit ihrem Geliebten endlich als Mann und Frau tanzen würden…

Ja, die junge Frau hatte keine Mühe, sich vorzustellen, wie herrlich der Saal morgen aussehen würde, sobald er geschmückt und eingerichtet war. Hier die schönen Teppiche auf dem Boden, an den Fenstern dann die feinen, goldfarbenen Seidenvorhänge und, und, und…

Sie wähnte sich bereits inmitten der ausgelassen feiernden Gäste, hörte die Musik im Hintergrund und…

*Auf den Boden knall!*

*Platsch!*

„Verflixt!“, fluchte Altan-Tschitschik und wurde unsanft aus ihren Träumereien geholt. Die süßen Gedanken hatten sie abermals dermaßen abgelenkt, dass ihr das Buch samt Glas vom Kopf gerutscht war. Schweigend wischte Nanette die Pfütze auf, ohne, dass man aus ihrer Fratze mit dem genähten, verzogenen Mund oder den schwarzen, wortwörtlichen Knopfaugen etwas lesen konnte.

Sie nickte ihrer Freundin lediglich aufmunternd zu und fragte fürsorglich: „Gleich nochmal, oder wärt Ihr von einer Pause nicht abgeneigt, Mylady?“

Goldblume schüttelte entschieden den Kopf und sagte sofort: „Gleich nochmal Nanette! Eine Pause gibt es erst, wenn ich das einwandfrei beherrsche!“ Nanette deutete eine Verneigung an und sagte, durchaus belustigt vom Eifer der jungen Frau: „Wie ihr wünscht Mylady.“

Auf diese Weise verging der ganze Tag fast wie im Fluge, da es so vieles zu lernen beziehungsweise zu verinnerlichen galt. Gestärkt, ja förmlich elektrisiert durch den Gedanken an Morgen ging Altan-Tschitschik hartnäckig und voll Hingabe eine Lektion nach der anderen an. Und sie zeigte sich erst zufrieden, wenn sie diese gemeistert hatte, um sich dann sogleich der nächsten zu widmen.

Goldblume ging mit einer solchen Rührigkeit ans Werk, dass sie von Nanette regelrecht zu Pausen gezwungen werden musste und erst bei einer solchen merkte, wie hungrig oder erschöpft sie war. Das brachte sie dann wieder zum Lachen und allgemein kam die Freude an diesem Tag keinesfalls zu kurz.

Die beiden Freundinnen scherzten was das Zeug hielt, sodass die Wangen der jungen Frau bald vor lauter Lachen ganz gerötet waren und ihre Augen ganz nass voller Freudentränen. Diese Heiterkeit sorgte dafür, dass sie mit der Zeit lockerer und entspannter wurde. So konnte sie nach und nach herzlich über ihre kleinen Patzer kichern; machte gar einen richten Spaß daraus. Sie spürte doch, dass sie all das eigentlich schon konnte und trotzdem stellte sie sich so ungelenk an.

„Meine Güte Nanette!“, prustete sie bei einer ihrer Pausen amüsiert: „Was macht diese Aufregung bloß mit mir :D? So wie ich mich heute aufführe könnte man glauben, ich mache das alles zum ersten Mal in meinem Leben, haha. Verrückt, nicht wahr?“

„Na und ob, Mylady.“, erwiderte ihre groteske Freundin glucksend: „Aber vielen Leuten gelingen vor einem wichtigen Ereignis die selbstverständlichsten Dinge nicht mehr. Das ist nur natürlich und hört auch wieder auf. Man darf sich nur nicht verrückt wegen so etwas machen lassen.“

Altan-Tschitschik nickte ernsthaft bei diesen Worten und meinte: „Da sagst du was!“ Anschließend erhob sie sich dank der kleinen Pause wieder voller Energie und Enthusiasmus, sah hinaus zum Fenster und merkte, dass der Himmel sich schon langsam rötlich färbte.

Die junge Frau lächelte Nanette auffordernd an und sprach: „Aber so oder so: Es ist bald Abend. Lass uns noch flink die letzten Dinge durchgehen, ja?“ „Gewiss doch Mylady.“, antwortete die lebende Marionette eiligst und versicherte: „Allzu viel gibt es ohnehin nicht mehr zu tun. Ihr habt so gut wie alles, was Ihr wissen müsst, gewissenhaft in Euch wieder wachgerufen. Seid gewiss: Die Hochzeit morgen wird ein voller Erfolg und wahrlich der schönste Tag in Eurem Leben werden Mylady!“

„Etwas anderes erwarte ich auch nicht!“, fand Goldblume mit kecken Grinsen, theatralisch verschränkten Armen und witzelte weiter: „Und deshalb bringen wir es zu Ende. Nicht, dass ich noch zu spät ins Bett kommen und womöglich morgen gar verschlafe, hihi!“

„Oh das wollen wir nun wirklich nicht Mylady.“, entgegnete Nanette vergnüglich, nahm die Hand ihrer Freundin und gemeinsam eilten sie kichernd und voller Tatendrang zurück in den Ballsaal…

Punkt acht Uhr abends stand Altan-Tschitschik dann auch bereits vor der Tür ihres Schlafgemaches und wechselte einige letzte Worte für heute mit ihrer skurrilen Freundin. Obschon erschöpft von diesem anstrengenden Tag, strahlte Goldblume dennoch wie eine aufgehende Sonne, weil sie vollauf zufrieden mit dessen Verlauf und auch ihrer eigenen Leistung war. Zudem prickelte ihr Körper mehr denn je, weil ihr jetzt erst so richtig bewusst wurde, dass ihr Hochzeit nun zum greifen nah war: Sie brauchte nur noch diese eine Nacht schlafen und dann war es soweit!

„Boah, ich kann es immer noch kaum glauben, dass wir den ganzen Tag so flugs rumgebracht haben!“, meinte die junge Frau aufgekratzt zu Nanette, als sie derweil ihr Zimmer betrat und sich für die Nach kleidete: „Und wie viel Spaß wir gehabt haben! Mir tut jetzt noch der Bauch weh vor lauter Lachen^^.“

Sie schlüpfte in ihr Nachthemd und ließ einen Stoßseufzer los: „Aber was bin ich froh, dass die ganze Warterei nun vorbei ist – viel länger hätte ich es wohl nicht mehr ausgehalten, hihi! Und jetzt, ja jetzt bin ich dank dir, Nanette, bereit für meine Hochzeit :]!“

Bei diesen Worten blitzen die Knöpfe von Nanette auf und sie flüsterte ganz bedeutsam und geheimnisvoll: „Noch nicht ganz Mylady! Das wichtigste fehlt noch. Entschuldigt mich für einen Moment…“

Die lebende Marionette flitzte mit ihrem schrägen Tänzeln den Gang entlang, bog um eine Ecke und kam nach nicht mal drei Minuten mit einem schlichten Päckchen in den Armen zurück.

„Hier Mylady, das werdet Ihr morgen ganz sicher brauchen können.“, sprach Nanette feierlich mit ihrer leblosen Stimme beim überreichen und ihr Gegenüber begriff sofort.

„Ist das etwa…?“, hob Altan-Tschitschik beinahe andächtig und mit leuchtenden Augen an.

„Genau das Mylady.“, offenbarte ihre groteske Freundin lächelnd, weil sie um die Wirkung dieser Geste wusste, und verneigte sich zum Abschied: „Ich wünsche Euch nun eine gute Nacht Mylady. Doch denkt daran: Ihr dürft es erst Morgen anziehen – so sieht es der Brauch vor. Aber nun träumt gut Mylady und freut Euch auf das Glück, dass Euch bevorsteht.“

Nach einem abermaligen Verneigen entfernte sich Nanette und schloss die Tür hinter sich, sodass Goldblume nun allein wie gelähmt in ihrer Kammer stand und das Päckchen in der Hand hielt. Rührung schnürte ihr die Kehle zu: Hielt sie doch soeben ihr Hochzeitskleid in den Händen!!

Sogleich brach die junge Frau in euphorischen Jubel aus, drückte das Paket an sich und tanzte wie wild in ihrer Kammer umher, um ihrem Glücksgefühl Ausdruck zu verleihen. Am liebsten hätte sie sofort hineingelinst, denn auch sie, die Braut selbst, wusste nämlich im Vorfeld nicht, wie ihr Kleid aussah. –Nanette hatte ihrer Freundin erklärt, dass dies so ein alter, schöner Brauch aus der Familie ihres geliebten Balthazars sei. Genauso, wie sie ihr versichert habe, dass es auf der Welt kein Kleid gäbe, dass schöner sei oder besser zu ihr passen würde.

Freilich taugte diese Aussage kaum dazu, die Neugier zu dämpfen und der Versuchung besser wiederstehen zu können. Altan-Tschitschik gelang es dennoch dagegen anzukämpfen und legte das Päckchen darum sorgsam in ihren Kleiderschrank und schloss eiligst die Tür.

„Bestimmt liegt da auch ein guter Zauber meines Liebsten darauf.“, murmelte sie dabei und musste schmunzeln, da ja im Grunde genommen so oder so ein besonderer Zauber auf solchen Kleidungsstücken lag…

Mit einem Mal musste Goldblume heftig gähnen und sie fühlte eine geradezu bleierne Müdigkeit in sich aufsteigen, die sämtliche Glieder schwer werden ließ. „Höchste Zeit ins Bett zu kommen…“, dachte sie sich darum, schlurfte zu diesem und wurde dort, kaum dass sie die Decke über sich gezogen hatte, regelrecht in einen traumlosen, tiefen Schlaf gezogen. Ja, sie glitt in ein wohliges, tiefes, tiefes Nebelnichts des Vergessens…

1.4: Goldblumes Erwachen

Irgendwann im Verlauf dieser Nacht änderte sich dies allerdings schlagartig und die junge Frau fand sich alsbald in einem wilden, aufwühlenden Traum wieder. Vor ihrem Inneren Auge sah sie scheinbar wahllos und in schneller Folge zig verschiedene Bilder an ihr vorbei ziehen:

Orte und Erlebnisse beispielsweise, die sie unmöglich kennen konnte und dir ihr nichts sagten – so glaubte sie zumindest. Denn obwohl sie so fremd wirkten und die einzelnen Bilder viel zu schnell wieder verschwanden, wirkten sie zugleich seltsam vertraut, berührten schier direkt ihr Herz und sorgten dafür, dass sich tief in ihrem Inneren etwas regte…

Es war eine unerklärliche, heftige Sehnsucht, die diese Bilder mehr und mehr in Altan-Tschitschik wachrüttelten, gleich einer schlecht gelöschten Glut, die von einem Windhauch wieder angefacht wurde. Und sie wurde von Minute zu Minute stärker, brannte bald wie ein loderndes Feuer in ihrem Inneren, so heiß, schmerzhaft und intensiv, dass sie es binnen kürzester Zeit nicht mehr ertragen konnte!

Ihr schlafender Körper wälzte sich immer unruhiger hin und her, wobei ein gequältes Wimmern ihren Lippen entfuhr. „Aufhören, bitte Aufhören!“, jammerte sie derweil im Traum – oder wohl eher Alptraum - selber verzweifelt und fürchtete schon, gleich innerlich zu verbrennen, so beängstigend und ungestüm war dieses Empfinden, welches sie immer stärker quälte: „Bitte, ich halte das nicht mehr aus! Ich will aufwachen! Bitteee!!!“

Wie auf dieses Stichwort hin fand diese Marter tatsächlich ein Ende und Goldblume stand plötzlich in einem großen, weißen und wie von warmen Sonnenstrahlen gefluteten Raum. Erschöpft sank sie schwer atmend auf die Knie und genoss die zarte Wärme und Geborgenheit, die dieser Ort ausstrahlte; wohlwissend dass sie nach wie vor schlief.

Unversehens drehte sich das Licht, sodass ihr Schatten in ihr Sichtfeld rückte. Die junge Frau stutzte, sah ihre Silhouette doch merkwürdig verzerrt aus. Aber auch hier regte sich etwas in ihr und sie fühlte wieder diese seltsame Vertrautheit bei diesem Anblick in sich aufsteigen.

Noch ehe sie groß darüber nachdenken konnte, erhob sich eine klangvolle, gebieterische und trotzdem einfühlsame Stimme, die zu ihr sprach: ‚Sei unbesorgt, Altan-Tschitschik! Du wirst die Schatten, die dich zu fangen suchen, hinter dir lassen! Der erste Schritt ist hiermit schon getan. Nun erwache! Erwache und erkenne, Altan-Tschitschik…!‘

Da zerstob der ganze Traum zu Staub und mit einem Aufschrei schreckte Altan-Tschitschik aus ihrem Schlummer. Verwirrt blinzelte sie und brauchte eine ganze Weile, bis sie sich gesammelt hatte und ihr wieder bewusst wurde, dass sie sich in ihrem Schlafgemach befand.

„Was für ein verrückter Traum…“, stöhnte sie und hielt sich die Schläfen, weil ihr Kopf brummte wie nach einer wilden Feier, sie völlig verschwitzt und sowohl ihre Haare sowie ihr Bett völlig zerwühlt waren, als hätte sie in diesem einen Kampf ausgefochten. Zudem fröstelte ihr und sie fühlte sich weiterhin dermaßen durcheinander, dass sie so schnell nicht ans weiterschlafen denken konnte. Stattdessen stand sie auf und ging rastlos durch ihr dunkles Zimmer, da es noch mitten in der Nacht war und wegen der Vorhänge das sanfte, bleiche Mondlicht nur gedämpft hereinscheinen konnte.

Rasch zog Goldblume sie beiseite und ging hinaus auf den Balkon. Die angenehm kühle, feuchte Nachtluft umfing sie augenblicklich in Form einer sanften Brise, während der Mond als schmale, goldgelbe Sichel, ähnlich dem zusammengekniffenen Auge eines Katzenpokémon, tief am Himmel stand und sich in den vielen Wasserflächen spiegelte. Schwärme von Volbeat, angeleitet von den Illumise, zeichneten mit ihren leuchtenden Hinterteilen zahlreiche formschöne Muster am Firmament und schienen dabei mit den Sternen wetteifern zu wollen. Zudem zirpten in der Ferne einige Zirpeise, Quaxo sangen ihre Lieder und die Schreie jagender Noctuh hallten durch den Sumpf.

Mit beiden Händen das Geländer des Balkons umfassend stand sie einfach da und ließ das Panorama auf sich wirken, um sich zu beruhigen und ihre Gedanken zu sortieren. Doch dieser intensive Traum hielt sie fest, dafür hatte er viel zu real, viel zu… ja viel zu wichtig gewirkt.

„Als hätte er mir etwas mitteilen wollen…“, murmelte sie verwirrt, schüttelte heftig den Kopf, ohne jedoch damit etwas gegen die Zweifel des gestrigen Morgens, die erneut ihr wach wurden, bewirken zu können. Und diesmal wollte sich diese wohlige, beruhigende, ja gar einlullende Gewissheit, dass alles in Ordnung sei, beim besten Willen nicht einstellen.

Nein, dieses Mal blieben die Zweifel und zwar noch stärker als zuvor. Sie bohrten in ihrem Kopf und stellten alle Gewissheiten infrage. Zum allem Überfluss gesellte sich auch noch ein unbestimmtes, inneres Drängen dazu, dass es nicht zum aushalten war!

„Argh! Was ist nur mit mir los? Was soll das? Woher kommen diese verdammten Zwiespalte in mir?!“, sprach die junge Frau verwirrt wie verzweifelt zu sich selbst, weil sie sich all dies nicht so recht erklären konnte – oder wollte. „Verflixt nochmal, ich heirate doch morgen den besten Mann der Welt! “, rief sie wütend aus, in der Hoffnung so dieses widerliche Gedankenkarussell zum Schweigen zu bringen.

Sie hielt kurz inne und grinste triumphierend, da ihr gerade ein brillanter Einfall in den Sinn kam. „Ich hab‘s!“, meinte Altan-Tschitschik erleichtert und schnippte – ganz in der Art eines gewissen Wicki-ngerjungen^^ - mit den Fingern: „Wenn ich das mache, ist dieser blöde Traum ganz sicher ausgeträumt!“

Goldblume rauschte zurück in ihre Kammer, öffnete den Schrank und holte das Päckchen hervor. Einen Moment lang zögerte sie, weil es ja nicht ganz in Ordnung war, aber nicht lange. Dafür wühlten diese wirren Gedanken sie viel zu sehr auf und sie spürte, dass sie erst wieder Ruhe finden würde, wenn sie sich in ihrem eigenen Brautkleid gesehen hatte. –Sie war sich sicher, dass die damit verbundene Freude dieses Anblicks stark genug sei, um all diese diffusen Zweifel und Ungewissheiten, samt dieses komischen Traums, wieder zurückzudrängen.

Sorgsam öffnete sie also das Päckchen, hielt dabei andächtig den Atem an und bekam leuchtende Augen, als sie den reinweißen Stoff sowie die rosé- beziehungsweise goldfarbenen Accessoires vor sich hatte. Innerlich wie ein kleines Kind, welches gerade voller Freude etwas Verbotenes tat, jubelnd, schlüpfte die junge Frau eiligst hinein, kicherte dabei verstohlen und bemühte sich, nicht zu laut zu sein. Schließlich sollte ja niemand davon etwas mitbekommen^^.

Dermaßen in die Anprobe versunken, vergas sie alles um sich herum. Ja selbst der Aufruhr in ihrem Inneren war passé, weil sich ein völlig anderes Gefühl in ihr breit machte: Nämlich, dass sie das Richtige tat.

Fertig angezogen betrachtete sich Altan-Tschitschik im Spiegel und musste sich auf die Zunge beißen, weil sie sonst lauthals gejauchzt hätte, so sehr bewegte sie ihr Aussehen!

Sie trug nun einen langen, wehenden, weißen und beinahe durchsichtigen Schleier, der von einer roséfarbenen Perlenkette zusammengehalten und an einer Art einem goldenen Diadem befestigt wurde. Zwei lange, dünne, gummiartige und ebenfalls weiße Bänder mit goldenen Kugeln an deren Enden waren je an den äußersten ‚Spitzen‘ dieses Krönchens angebracht und bogen sich, anmutig und Fühlern gleich, gen Erdboden. An den Ohren hingen nun hübsche, roséfarbene Perlenohrringe und ein goldener Ring schmückte sowohl ihren Hals sowie ihren linken Oberarm. Ihre Hände und Unterarme steckten nun in langen, weißen und eleganten Handschuhen, während sich ihre Füße in goldenen High Heels befanden, die bequemer und trittsicherer waren, als es den Anschein machte.

Das Brautkleid selbst bestand schlussendlich aus mehreren übereinander gelagerten, weiten, trichterförmigen Segmenten, die ihrerseits auch aus weißen Stoff waren und das vorne über der Brust noch eine schmucke, roséfarbene Brosche zierte.

Alles in allem wirkte Goldblume so prächtig und wunderschön in dieser Aufmachung, dass sie gar nicht mehr den Blick vom Spiegel wenden konnte. Ihr Herz pochte wie wild und die junge Frau bekam den beinahe schon verstörenden Eindruck, dass dieses Kleid ihr nicht nur auf den Leib geschneidert war. Nein! Sie hatte das Gefühl, dass dieses Brautkleid wirklich ein Teil ihres eigentlichen Selbst war…

…ein Teil ihres Körpers…

…ihr wahres Ich…

Jäh zog sich ihre Brust zusammen und ihr entfuhr ein gequälter Aufschrei. Ganz so, als hätte dieser Anblick dafür gesorgt, dass sich tief in ihrem Inneren etwas endgültig von seinen Fesseln befreien und sich nun mit aller Gewalt aufbäumen konnte!

Völlig erstarrt, mit schmerzendem Kopf und rasendem Puls, konnte Altan-Tschitschik nur noch weiter wie gebannt auf ihr Spiegelbild starren. Dieses geriet in Bewegung, veränderte sich. Nicht viel, aber dennoch sah man nun keine Frau in einem hübschen Brautkleid mehr, sondern etwas völlig anderes…

…die wahre Erscheinung…

Wimmernd brach Goldblume zusammen und kauerte in Embryonalhaltung vor dem Spiegel, während die Bilder ihres Traumes jetzt in aller Deutlichkeit ihren Geist gleich einer mächtigen Woge überrollten. Ehe die junge Frau komplett erschöpft von diesem Gefühlsausbruch ohnmächtig wurde krächzte sie mit ihrer nun brüchigen Stimme noch ein einziges Wort:

„Sch… Scha…

…Schabelle…“

1.5: Die Flucht

Der Morgen graute: Ein schmaler, erst grauer und bald goldgelber Schimmer der sich am östlichen Horizont über den dampfenden Wäldern ausbreitete und rasch heller wurde. Nach und nach wurde das nächtliche Stahlblau des Himmels zurückgedrängt und zunächst durch ein zartes Rosarot ersetzt, ehe das Firmament im satten Hellblau eines weiteren Tages erstrahlen würde. Sterne und Mond verblassten immer mehr und ein kräftiger Windhauch zerstob die dichten Nebelschwaden des Sumpfes, die sich immer um diese Zeit bildeten, sodass man auch heute wieder ungetrübt die aufgehende Morgensonne in all ihrer Pracht bestaunen konnte. Wie sie sich in den Wasserflächen spiegelte und die Tautropfen zum glitzern brachte. Kurzum: Das so alltägliche wie dennoch wunderschöne Schauspiel eines neuen, anbrechenden Tages nahm seinen Lauf.

Altan-Tschitschik hatte heute für dieses Wunder nicht das Geringste übrig; nahm es wahrscheinlich gar nicht mal wahr. Bereits seit Stunden saß sie völlig regungs- und teilnahmslos, regelrecht wie in Schockstarre, einfach nur auf dem Balkon und wirkte weit, weit entfernt mit ihren Gedanken. Bleich wie eine Leiche, mit leeren Augen und den Mund zu einem schmalen Strich zusammengepresst war ihr die blanke Fassungslosigkeit nur zu deutlich anzusehen. Und diese war nur zu berechtigt, angesichts der furchtbaren Ungeheuerlichkeit, die man ihr angetan hatte!

Seitdem sie nämlich aus ihrer Ohnmacht wieder erwachte, wusste die junge Frau endlich wieder, wer sie wirklich ist, denn die verstörenden Erlebnisse der letzten Nacht hatten die Wahrheit auf schmerzvolle Weise wieder zutage treten lassen:

Goldblume war eigentlich – so unglaublich das auch klingen mochte - ein Pokémon, genauer gesagt sogar ein Schabelle; also eines jener fremdartigen Wesen, die man ‚Ultrabestien‘ nannte!

Mit unfassbarer Gewalt wurde sie vor nunmehr erst zwei Tagen mittels schwarzer Magie aus ihrer Heimat gerissen, in die Gestalt einer Menschenfrau gezwungen und versucht, ihre Erinnerungen an ihr Leben als Ultrabestie zu versiegeln – um ein Haar sogar mit Erfolg! Überdies flößte man ihr eben jene halbgaren, falschen Gewissheiten ein, an die sie bis vor ein paar Stunden sogar noch felsenfest geglaubt hatte...

…Doch nun wusste das verwandelte Eleganzpokémon, dass all ihre verschwommenen Erinnerung an ihr angebliches Leben und auch die scheinbare Freundschaft zu Nanette lediglich nur dreckige Lügen, aufgezwungene Illusionen waren!

Und all dies, damit sie zu einer gefügigen Ehefrau für diesen Mistkerl von Nepomuk Balthazar von Sonnenstich werden sollte!

Ja, bei all dem handelte es sich um die größenwahnsinnige und grausame Tat jenes Magiers, in dessen dunklen Turm sie nun eingesperrt war und der sie hat glauben lassen, dass sie ihn geradezu abgöttisch liebte. Aber das stimmte so wenig, wie Altan-Tschitschik freiwillig in diesem öden Ort inmitten dieses Sumpfes versauern wollte, schon gar nicht mit dieser Gewissheit, dabei um ihr eigentliches freies und unbeschwertes Leben als Pokémon betrogen zu werden! –Nein, sie wollte, musste von hier um jeden Preis fliehen, denn auf gar keinen Fall würde sie dieser dreckige Halunke in seine Finger bekommen!

Der Schock ob dieser unmenschlichen Tat wich nur äußerst langsam, wobei man dies nur zu gut nachvollziehen konnte. Genauso wie man es verstanden hätte, dass Goldblume nun ihren aufwallenden, überkochenden Gefühlen, wie beispielsweise dem grenzenlosen Schmerz und der lodernden Wut, die ihren Körper schier zerbarsten, lauthals und tobend Luft machte. Sich alles von der Seele schrie, um nicht daran ersticken zu müssen und am besten noch diesen elenden Zauberer mehrfach verfluchen, der ihr das angetan hatte!

Die junge Frau jedoch reagierte völlig anders: Beinahe instinktiv ergriff ein kühles, berechnendes Wesen von ihr Besitz, welches einem Schutzmantel gleich sowohl ihre heftigen Emotionen, wie auch ihre immer deutlich aufkeimenden, schmerzlich wehmütigen Erinnerungen an ihr wirkliches Leben vorerst verdrängten, weil sie dies nur lähmen und ablenken würde. Für eine Flucht von hier brauchte man einen kühlen Kopf, das spürte und wusste Schabelle genau. Sie würde darum ihren Gefühlen erst später freien Lauf lassen können…

Keine Viertelstunde später klopfte es bereits wie erwartet an der Tür ihrer Kammer und Altan-Tschitschik hatte sich glücklicherweise schon zumindest äußerlich soweit wieder fangen können, dass Nanette, diese skurrile Stoffpuppe, nichts von ihrem Inneren Aufruhr oder gar ihrem Erwachen merken würde. Sie prüfte nochmals blitzschnell ihr untadeliges Aussehen im Spiegel, ehe sie, um den normalen Klang ihrer Stimme bedacht, die ‚üblichen‘ einladenden Worte zu ihrer vermeintlichen ‚Freundin‘ sprach.

Die Tür öffnete sich, doch anders als gestern betrat nicht nur die lebende Marionette sondern auch Balthazar den Raum und grüßte ‚seine Zukünftige‘ überschwänglich. „Einen wunderschönen guten Morgen meine liebste Goldblume!“, schleimte er mit seiner wohlklingenden Stimme, hinter der die Angesprochene – endlich wieder völlig bei Verstand - nun überdeutlich die anzügliche Lust und Gier nach ihrem Körper heraushören konnte, was sie grenzenlos anekelte :down:!

„Ich hoffe Ihr hattet einen süßen und erholsamen Schlummer, meine liebste Goldblume.“, säuselte der Magier, der augenscheinlich nichts von der Wandlung ‚seiner liebsten Goldblume‘ mitbekam, in einem fort: „Heute ist schließlich endlich unser großer Tag! Der Tag unserer Hochzeit!“

„Oh, ich weiß mein Geliebter! Ich kann es kaum erwarten (von hier wegzukommen…)! Und glaubt mir: Meine Nachtruhe war fabelhaft. Ich fühle mich wie neugeboren!“, antwortete die junge Frau gekonnt wie eine geübte Schauspielerin und stellte insgeheim zufrieden fest, dass niemand von den beiden die Ironie in ihren Worten wahrnahm. Vor allem bei Nepomuk mochte dies vorrangig daran liegen, dass er nach wie vor völlig entkräftet und erschöpft von seiner elenden Zauberei war und sogar beinahe noch schlimmer als gestern aussah.

‚Junge, du gehörst eindeutig zu der Sorte von Kerlen, die eine schöne, große Morgenzeitung lesen sollten, um ihr Umfeld nicht zu erschrecken!‘, schoss es dem verwandelten Pokémon gehässig durch den Kopf und voller Genugtuung fügte sie für sich hinzu: ‚Geschieht dir recht, du dreckiges Lustmorlord!‘

„Das höre ich gern, meine liebste Goldblume! Und da heute endlich unser großer Tag ist, müssen wir und nun nicht mehr so in Züchtigkeit üben…“, faselte der Magier weiter, als er unversehens mit einem frivolen Lächeln näher kam, sacht ihre Hände ergriff und sie sogleich begierig mitten auf den Mund küsste, ohne dass es ihn groß kümmerte, ob seine Liebste das wollte oder nicht. Und es war noch nicht mal ein besonders romantischer oder wenigstens erotischer Kuss, sondern ein regelrechter ‚Fracking-Kuss‘, der scheinbar darauf abzielte mit der rotierenden Zunge zu den Speichelreservoirs in den Tiefen der Mundhöhle des anderen vorzudringen und diese abzubauen.

„Grmpfl…!“, konnte Altan-Tschitschik nur machen und es verlangte ihr enorm viel Kraft ab, diesem anmaßendem Kerl nicht sofort einen, oder gleich fünfundzwanzig(!), Tritte zwischen die Beine zu verpassen und sich somit zu verraten. Nein, stattdessen sah sie sich gezwungen dieses widerliche Schauspiel über sich ergehen zu lassen und sogar noch zu tun, als ob ihr das gefallen würde, während sie innerlich jedoch vor Ekel förmlich bebte! Ein ‚Glück‘ nur, das der Magier ihre Hände hielt und ihm nicht auch noch einfiel, sie betatschen zu wollen…

„Hach, wie lange haben wir darauf gewartet uns endlich solchen Genüssen hingeben zu können, nicht wahr meine liebste Goldblume?“, sprach Nepomuk anschließend, als er endlich genug von ihrem Speichel aufgesaugt hatte, allen Ernstes und bemühte sich um einen romantisch, verliebten Gesichtsausdruck, der seine blanke Wollust nicht im Geringsten überdecken konnte.

Da er offensichtlich glaubte, dass seine Liebste, ganz ‚berauscht‘ von diesem ‚Kuss‘, sowieso kein Wort herausbringen würde schickte er sich – zu Goldblumes maßloser Erleichterung – an, zu gehen und meinte zum Abschluss noch mit einem anzüglichen Zwinkern: „Seht es als kleinen Vorgeschmack auf unsere Hochzeitsnacht an, ja? …Ich erwarte Euch, meine liebste Goldblume, dann jedenfalls in einer Stunden unten im Ballsaal, wo wir – hach! - nach all der langen Zeit endlich den Bund fürs Leben knüpfen werden. Meinen letzten Zauber zu unserem Glück will ich noch wirken und dann werde ich sehnsüchtig auf Euch warten, wenn ich Euch in Eurem Hochzeitskleid sehen kann… Bis gleich, meine liebste Goldblume!“

Jetzt erst, nach dieser unnötig langen Rede, öffnete der Zauberer auch die Tür, ging hinaus nur um dann in der Schwelle stehen zu bleiben und sich nochmals umzudrehen. Mit entrücktem Blick brabbelte Balthazar von Sonnenstich ein paar fremdartig klingende Wörter in Form eines rhythmischen Singsangs und fuhr mit seinen Händen dabei den Türrahmen entlang. Für den Bruchteil einer Sekunde sah man an dieser Stelle nun einen lila leuchtenden Schild, wie eine Art Vorhang oder Portal, aufblitzen, ehe er wieder verschwand.

Nach getaner Arbeit wirkte Nepomuk plötzlich noch erschöpfter als vorher und schlurfte verschwitzt, müde und mit bleichem Antlitz schwer atmend davon, da ihn Magie nach wie vor äußerst anstrengte. Seine Augen jedoch hatten ganz kurz zufrieden und voll Heimtücke aufgeblitzt, was Schabelle nicht entgangen war. Ihre Sinne und Instinkte waren auch in diesem Menschenkörper beinahe genauso scharf, wie in ihrer eigentlichen Gestalt als Ultrabestie. Und deswegen spürte sie sofort, dass sie nun niemals auch nur einen Schritt durch diese Tür machen durfte, wenn sie nicht schon wieder verflucht, hypnotisiert oder anderweitig gefügig gemacht werden wollte!

Genau dies hatte aber – Wunder oh Wunder! – Nanette vor, als sie ihrer ‚Freundin‘ ihre Filzhand reichte und einladend mit ihrer leblosen Stimme sprach: „Nun denn Mylady. Höchste Zeit, Euch frisch zu machen, damit wir mit der Anprobe Eures Kleides beginnen können! Ihr könnt es doch sicherlich kaum erwarten, hihi.“

Die junge Frau hätte beinahe zu lange mit einer Antwort gebraucht, da die lebende Marionette schon einfach nach ihr greifen wolle, als sie gerade noch rechtzeitig einen Schritt zurücktrat und eiligst sagte: „Ähm, weißt du Nanette, dass geht mir alles fast ein bisschen ZU schnell… Jetzt wo es soweit ist… Uff, ich bin so aufgeregt das ich… Uuuhhh, mir wird ganz anders… Gib mir bitte fünfzehn Minuten um mich zu sammeln und zu beruhigen, ja?“

Um ihren Worten die nötige Echtheit zu verleihen, hielt sich das verwandelte Eleganzpokémon dabei den Bauch und wirkte mit dem bleichen, schmerzverzerrten Gesicht, den traurigen, hilfesuchenden Augen und ihrer kläglichen Stimme absolut Glaubwürdig. Dies fiel Altan-Tschitschik allerdings im Moment auch nicht schwer, denn schließlich waren diese Gefühle sogar echt – selbst beim Grund hatte sie nicht gelogen: Der Gedanke an eine Hochzeit mit diesem notgeilen Zauberer; der ihr nach seinen ‚Küssen‘ zu urteilen wohl am liebsten einen Strohhalm in den Mund gesteckt hätte; ließ wirklich grässliche Übelkeit in ihr hochkommen :P.

Jedenfalls zweifelte sie nicht daran, dass Nanette ihrer Bitte nachgehen würde, wenngleich es schwer war, aus ihrer verzerrten Fratze überhaupt irgendetwas deuten zu können. Tatsächlich nickte die lebende Marionette aber sogleich und meinte mit freundlicher Höflichkeit: „Wie Ihr wünscht Mylady. Aber wirklich bloß fünfzehn Minuten! Wir haben einen straffen Zeitplan und was noch wichtiger ist: Eure Aufregung wird nicht schwächer, wenn Ihr es weiter hinauszögert Mylady. Ich werde vor der Tür auf Euch warten, ruft mich, wenn Ihr soweit seid.“

„Vielen Dank Nanette, du bist die beste Freundin, die man sich wünschen kann!“, freute sich Goldblume und rang sich zu einer Umarmung durch, wohlwissend, dass sie mit diesem Ding, welches dieser Mistkerl wohl aus irgendeiner Schublade gezogen hatte, niemals richtig befreundet sein könnte. Doch das machte in diesem Moment nichts, solange sie nur die Zeit bekam, einen Plan auszuhecken um von hier verschwinden zu können. –Man konnte also auch in diesem Fall sagen, dass Schabelles Freude über Nanettes Einsicht ebenfalls der Realität entsprach^^…

Stumm stand die groteske Gestalt inzwischen schon seit annähernd 11 Minuten – Nanette besaß ein perfektes Zeitgefühl – vor dem Schlafgemach und lauschte den undeutlichen Geräuschen daraus, ohne sich etwas dabei zu denken. Erst das Klirren von Glas ließ sie aufhorchen, dazu Altan-Tschitschiks panische Stimme: „Nanette komm schnell!“

(Und passend zur Situation: Rayman 2 – The Fairyglade Part 2: https://www.youtube.com/watch?v=dDkqMPyvD-0)

Sofort stürmte die lebende Marionette in die Kammer – sie hätte es übrigens auch getan, wenn man sie nicht gerufen hätte, denn mittlerweile ahnte sie allmählich, das irgendetwas hier nicht stimmte!

Ihr bot sich ein Bild des Chaos: Der Kleiderschrank stand sperrangelweit offen und sämtliche Kleidungsstücke lagen weithin im Zimmer verstreut herum. Dazu gesellten sich die Glassplitter des großen Wandspiegels, der völlig zerdeppert wurde. Die Vorhänge waren abgerissen und nicht mehr zu sehen und zu guter Letzt war auch die Tür zum Balkon offen, sodass ein sanfter Windhauch durch das verwüstete Schlafgemach wehte.

„Was ist passiert Mylady?! Und wo steckt Ihr?!“, verlangte Nanette unverzüglich zu wissen, wobei ihre ansonsten so leblose Stimme nun regelrecht vor Unverständnis und, ja, purer Feindseligkeit troff. Da erblickte sie, das am Geländer des Balkons etwas befestig war…

…Eine Art Seil, wie in den alten Filmen aus Vorhängen und Bettlacken geknotet, mit denen die Protagonisten aus ihren augenscheinlich sicheren Gefängnissen flohen.

„Nein!“

Nanette stürzte zum Balkon, sah sich zunächst prüfend und dann zunehmend verwirrt um. Am Seil kletterte niemand mehr, doch sie konnte auch keine flüchtende Silhouette ausmachen, was nicht sein konnte! Soweit konnte die Braut ihres Herrn nicht gekommen sein, wenn sie gerade eben noch gerufen hatte – wo steckte diese vermaledeite Ultrabestie also?!

Noch ehe die lebende Marionette sich am Seil zu schaffen machen konnte, um sich dann in aller Ruhe im Zimmer umzusehen, trat Altan-Tschitschik aus ihrem Versteck heraus und überrumpelte die groteske Gestalt. In ihrer Hand hielt sie nämlich eine scharfkantige Scherbe des Spiegels und damit schnitt sie mit einer einzigen, pfeilschnellen Bewegung, die unsichtbaren, aber nichtsdestotrotz vorhandenen, magischen Fäden durch, an denen Nanette bis eben noch zappelte.

Augenblicklich sackte Nanette zusammen, verwandelte sich in einen wehrlosen, zeternden Haufen Stoff, der von Goldblume ungerührt in den Schrank gesperrt wurde. Es fiel auf, dass die junge Frau sich aus ihren Kleidern auf die Schnelle halbwegs alltagstaugliche Klamotten gebastelt hatte und ihr Hochzeitskleid sogar den größten Teil davon ausmachte. Nur auf den unnötigen Schmuck hatte sie logischerweise verzichtet – mit Ausnahme des goldenen Rings um ihren Hals. Deshalb verwunderte es ein wenig, dass sie sich für die goldenen High Heels als Schuhwerk entschieden hatte, doch nur auf den ersten Blick. Immerhin lief sie ja auch als richtiges Schabelle auf zwei äußerst spitzen Füßen und war deswegen mehr als vertraut mit dieser Gangart, was ihr flinker Angriff deutlich gezeigt hatte.

„Verflucht, wie kann das möglich sein?! Der Herr hatte euch doch bereits in seiner Gewalt!“, schimpfte die lebende Marionette unentwegt und warf dem verwandelten Eleganzpokémon einen hasserfüllten Blick zu: „Damit kommst du nicht durch! Der Herr wird dich finden, wird dich kriegen… Du kannst nicht entfliehen!“

Eiskalt blickte Schabelle mit versteinerter Miene und verschränkten Armen auf den Haufen Stoff herab und flüsterte mit gefährlich leiser Stimme, die ihre verletzten Gefühle glücklicherweise überdeckte, herausfordernd: „DAS wollen wir erst mal sehen! Ich bin glücklicherweise gerade noch rechtzeitig ‚aufgewacht‘! Sag deinem lüsternen Drecksack von Meister, dass er mich niemals kriegen und es eines Tages bereuen wird! Und damit… au revoir!“

Ungeachtet der weiteren Verwünschungen, die Nanette unausgesetzt ausstieß, verschloss Altan-Tschitschik den Kleiderschrank, eilte zum Balkon und begann behände mithilfe des Seils den Turm hinabzuklettern. Zwar reichte dieses nicht ganz bis zum Boden, es fehlten gut eineinhalb Meter, aber das hielt Goldblume nicht auf: Sie stieß sich von der Wand des Turmes ab, ließ das Seil los und landete elegant mit allen Vieren, um den Stoß abzufedern, auf dem Holzsteg, ehe sie ohne Übergang in Richtung des Sumpfes davoneilte…

***

Unter den restlichen Bewohnern des dunklen Turmes blieb dieser Vorfall zunächst völlig unbemerkt, da dort geradezu hektische Betriebsamkeit herrschte, um die letzen Vorbereitungen für die ‚Hochzeit‘ zwischen dem Meister und seiner Goldblume zu Ende zu bringen.

Spätestens jetzt aber wurde klar ersichtlich, dass es sich bei dieser nur um eine schöne Illusion, einer hübschen Lüge handelte: Es gab gar keine geladenen Gäste, niemand würde dieser Zeremonie beiwohnen. Auch die Tafel war ausschließlich für den Herrn selbst gedeckt und Altan-Tschitschik wurde lediglich ein simpler Schemel als Sitzgelegenheit zur Rechten ihres ‚Gemahls‘ zugedacht. –Denn zu diesem Zeitpunkt würde sie ohnehin nur noch eine willenlose Sklavin in der völligen Gewalt des Magiers sein…

Ja, der ganze Pomp diente einzig und allein dem Zweck, dass Nepomuk Balthazar von Sonnenstich sich selbst und seinen ‚Erfolg‘, eine Ultrabestie zu ehelichen, ausgiebig feiern und dabei sein gewaltiges Ego streicheln konnte!

‚Blitzblank blitzt das Besteckt. Silberleuchter, Meistergedeck…‘, summte das Gesinde unterdessen unentwegt die Zeilen eines Liedes aus einem Musical, welches dem Zauberer gefiel.

Just in diesem Moment wurde die Tür zum Ballsaal aufgestoßen und fast wie gerufen betrat Balthazar von Sonnenstich den Raum. Er sah nach wie vor äußerst ausgelaugt aus, doch dies tat seinem hochherrschaftlichen, ja arroganten Auftreten keinen Abbruch. Mit strengem Blick beäugte er die letzten Vorbereitungen, schritt durch den Raum und gebärdete sich vollends wie ein eitler, eingebildeter Geck, weil er nun unbedingt seine Lieblingsstelle aus eben jenem Lied zum Besten geben musste: ‚Macht weiter mit der Arbeit, steht nicht faul herum! Mein Palast ist kein Elysium! Ich fordere Demut, Fleiß und Disziplin… Der dem das nicht passt, soll ins Armenhaus zieh’n!...‘

Schlussendlich nahm er mit einem selbstgefälligen Lächeln Platz und ließ ein zufriedenes und zutiefst erleichtertes Grunzen vernehmen: Jetzt musste er endlich (!) niemals mehr den edlen, verständigen Ritter spielen; eine Rolle, die ihm bereits nach diesen zwei Tagen schon zum Hals heraushing und die er gehasst hatte! Sie war nur nötig gewesen, damit der Zauber auch seine Wirkung voll entfalten konnte und nicht gefährdet wurde.

Die Belange oder gar Gefühle dieser Ultrabestie kümmerten ihn in Wahrheit nämlich nicht im Geringsten – nur er allein war wichtig! Dieses Schabelle hatte er nur in einen Menschen verwandelt, um seine Pläne und Ziele verwirklichen; sie war nur eine Spielfigur in seinem Plan. Und eine äußert attraktive noch dazu, wofür er sich selbst und sein Können lobte und was ihm selbstredend besonders wichtig war, wollte er doch noch ganz andere Dinge von ihr…

Wohlig rekelte Nepomuk sich bei diesem anzüglichen Gedanken in seinem bequemen Stuhl und sah vor seinem geistigen Auge bereits, wie SEINE Goldblume, durch den letzten nötigen Vorbereitungszauber in Bann geschlagen, gleich durch diese Tür schreiten und ihm das ‚Ja‘-Wort geben würde. Und dann, ja dann würde der Fluch endlich, endgültig und unumkehrbar seine wahre Macht entfalten! Von diesem Zeitpunkt an wäre sie schließlich rettungslos verloren und vollkommen sein Eigentum!

Wie vom Voltula gestochen fuhr der Zauberer jedoch völlig Unvermittelt in die Höhe; war urplötzlich ganz verschwitzt, noch blässer als zuvor und seine Augen waren vor Schreck so weit aufgerissen, dass man fürchtete, sie fallen jeden Moment aus ihren Höhlen. Seine magischen Fühler hatten soeben etwas Ungeheuerliches erspürt. Etwas, was überhaupt nicht möglich sein konnte…!

„Verflucht nochmal, nein, nein, nein!!!“

Sein lauter, zorniger Schrei hallten einem Donnergrollen gleich durch den Saal und ließ alle vor Schreck erstarren, während der Magier selbst mit geballten Fäusten und einem vor Wut schon ganz irren Gesichtsausdruck aus dem Saal stürzte. Wutschnaubend eilte er hinauf zum Schlafgemacht von Altan-Tschitschik, in dessen Kleiderschrank Nanette immer noch zeternd eingesperrt war.

Nepomuk wusste sofort beim ersten Blick Bescheid, wusste, dass er spät, viel zu spät hier war, rannte deshalb hinaus zum Balkon und stieß wie von Sinnen ein regelrechtes Brüllen hinaus in den Sumpf, doch es half alles nichts mehr:

Seine Braut war geflohen!

2.Kapitel


2.1: Die Jagd beginnt!

Schnell wie der Wind jagte Altan-Tschitschik schon seit bald einer Stunde durch den Sumpf, flog selbst jetzt noch förmlich elegant dahin, da ihre Füße scheinbar überhaupt nicht den Boden berührten. Weder die teilweisen morschen oder unebenen Holzstege, noch die rutschigen, schlammigen Inseln mit ihren nassen Gräsern vermochten ihr Tempo zu drosseln. Und wo sich ein Hindernis in Form eines dornigen Gestrüpps oder ein zu großer Abstand zwischen zwei der Inselchen auftat, überwand Goldblume dieses beinahe mühelos mit einem gewaltigen Satz und setzte so ihren Weg ungehindert fort.

Obwohl diese phänomenale Leistung und Ausdauer selbst Spitzensportler vor Neid erblassen lassen würde, kam sich Schabelle selbst total langsam und ungelenk vor. Denn mochte die Physis ihres Menschenkörpers noch so grandios im Vergleich mit anderen Menschen wirken: Den Fähigkeiten, die sie eigentlich als Ultrabestie besaß, konnte dieser Körper niemals das Wasser reichen. –Das war wohl der Preis dafür, dass die junge Frau wieder um ihr wahres Ich wusste…

Natürlich hatte diese von außen vielleicht verwirrend wirkende Einschätzung auch noch einen anderen, nachvollziehbaren Grund: Das verwandelte Eleganzpokémon wollte so schnell und so weit wie möglich weg von diesem vermaledeiten dunklen Turm und auch raus aus dieser offenen Sumpflandschaft, die ihr keine Deckung bot!

Geradezu sehnsuchtsvoll steuerte sie deswegen immer gen Osten zu den Sumpfwäldern, in denen sie sich verstecken, sammeln und die nächsten Schritte überdenken wollte. Blanke Abscheu und purer Hass auf diesen Magier und seine verruchte Tat trieben Altan-Tschitschik ebenso an wie die Furcht, es vielleicht nicht zu schaffen. Denn diese schlang sich wie eine würgende Ranke um sie und wurde stärker, je länger es dauerte die Wälder zu erreichen.

Aus diesem Grund wagte es Goldblume auch nicht, sich auch nur einmal umzusehen, einfach aus der diffusen Angst heraus, der Turm würde sich sonst nach ihr ausstrecken und sie packen wollen. Selbstredend schalt sich die junge Frau selbst für diesen verrücken Gedanken eine Närrin, doch sie fühlte sich einfach gerade so ohnmächtig, weil ihr nichts anderes übrigblieb, als wie ein gehetztes Beutetier vor seinem Jäger zu fliehen.

Genau in diesem Augenblick hallte das beinahe schon urweltliche, zornige Brüllen des Magiers durch die Sumpflandschaft, was unzählige Pokémon aufschrecken und ängstlich fliehen ließ. Ironischerweise huschte Schabelle im Gegensatz dazu ein zufriedenes, schadenfrohes Lächeln übers Gesicht, da ihr Plan immerhin soweit schon mal aufgegangen ist. Sie hat damit gerechnet, dass Nepomuk wegen seiner Erschöpfung eine Weile brauche würde, bis seine magischen Fühler ihre Flucht überhaupt bemerken würden. Und so wie es nun aussah, hatte er wohl fast eine Stunde dafür gebraucht – schlecht für ihn, gut für sie :P.

Dann jedoch wurden die Gesichtszüge des Verwandelten Eleganzpokémon wieder ernst, wusste sie doch, dass dieser Mistkerl ganz sicher nun versuchen würde, sie wieder zu bekommen! Also verbannte sie jeden unnötigen Gedanken aus ihrem Kopf, konzentrierte sich wieder voll und ganz auf ihre Atmung, ihren Körper, den Weg vor ihr und versuchte ihren Spurt noch eine Spur zu beschleunigen und hoffte, dass die Reserven ihres menschlichen Körpers das noch lange genug aushalten würden…

Kurze Zeit später; der Wald lag bereits zum greifen nah; bestätigten sich die Befürchtungen von Altan-Tschitschik:

Sie hörte zunächst ein fernes Rausche, welches immer näherkam und dabei zunehmend anschwoll, ehe sie auch schon die dafür verantwortlichen vier Jet-Ski ausmachen konnte, die natürlich direkt auf sie zuschossen! Gesteuert wurden diese von Ass-Trainern, die unter der Kontrolle des Magiers standen, was man an ihrem leichten lilafarbenen Schatten über dem Gesicht und ihren entrückten Blicken erkennen konnte. –Sie selbst merkten übrigens gar nicht, dass sie unter fremdem Einfluss standen, da sie sich freiwillig der Magie von Nepomuk ausgesetzt hatten, weil er mit seinen süßen Lügen ihren Ehrgeiz; einer der besten Trainer sein zu wollen; angesprochen und sie so eingewickelt hatte. Auf diese trickreiche wie miese Weise hatte Balthazar von Sonnenstich bereits viele Menschen unwissentlich unter seine Herrschaft gezwungen.

Jetzt jedenfalls hatten die Trainer ihrerseits auch die flüchtende Goldblume entdeckt, deuteten mit einem überheblichen und triumphierenden Grinsen auf sie und zückten jeweils einen Pokéball.

„Da vorne ist sie ja!“, sprach es der Anführer des Quartetts, ein vielleicht gerade erst 20 Jahre alt gewordener, sportlicher Jüngling mit blau gefärbten Haaren, aus, lachte selbstgefällig und meinte im Brustton der Überzeugung: „Hehe, weglaufen kann das Fräulein ja noch ziemlich gut, aber gegen ECHTE Pokémon hat sie als Mensch nicht den Hauch einer Chance! Los Leute, die fangen wir schneller ein als ein paralysiertes Karpador mit einem KP!“

Die anderen drei Trainer bekundeten laut grölend ihre Zustimmung, als auch schon alle ihre Bälle warfen, sodass sich nun ein Machomei, ein Lektrobal, ein Ariados und schlussendlich ein Shnurgarst daran machten, das verwandelte Eleganzpokémon zu verfolgen.

Die Taktik der Vier war relativ simpel doch äußert effizient und beinahe schon idiotensicher:

Das extrem schnelle Ballpokémon sollte die junge Frau ein- und dann überholen, um ihr den Weg abzuschneiden. In genau diesem Moment würde Ariados sie mit seinem Klebenetz bewerfen, um sie zu fesseln und ihre Bewegungsfreiheit so enorm einzuschränken. Shnurgarst sollte sie, als zweitschnellstes Pokémon, anschließend zu Fall bringen und solange am Boden fixieren, bis Machomei zur Stelle sein würde, um sie mit seinen vier kräftigen Armen zu packen, sodass eine Flucht nicht mehr möglich war.

Ein gewöhnlicher Mensch hätte angesichts dieses schier gewaltig übertriebenen Manövers nicht den Hauch einer Chance gehabt, worum es den Trainern auch vorrangig ging: Der Meister wollte seine Braut so schnell wie möglich wieder haben und darum war es besser, gleich mit Kanonen auf Taubsis zu feuern!

Was das Quartett in seiner Überheblichkeit allerdings schlicht nicht bedacht hatte (und auch gar nicht erwartete), war der Umstand, dass es ich bei Schabelle eben NICHT um eine gewöhnliche Menschenfrau handelte!

(Hier eine kleine Melodie für einen deftigen Kampf^^: Legend of Kay [OST] #10: Battlehttps://www.youtube.com/watch?v=BrtQO_qU10w)

So kam es, dass Altan-Tschitschik die Strategie ihrer Gegner schnell durchschaut hatte und den Überraschungseffekt nutzte, um ihnen eins auszuwischen. Zunächst spielte sie mit, tat so als liefe sie weiter davon und würde erschrocken abbremsen, weil das Elektropokémon sich grinsend vor ihr aufbaute. Aber anstatt zu verharren und vom Klebenetz erwischt zu werden, machte Goldblume urplötzlich einen mächtigen Satz in die Luft, sodass Lektrobal an ihrer statt getroffen und verlangsamt wurde.

Noch während des Falls vollführte sie eine leichte Drehung in der Luft, womit der Angriffssprung – zudem Shnurgarst eiligst angesetzt hatte – sie knapp verfehlte. Dafür verpasste das verwandelte Eleganzpokémon der fetten Katze einen kraftvollen Tritt in den Allerwertesten, der das Normalpokémon aufjaulen ließ, bevor es ungelenk auf dem schlammigen Boden krachte und von dort in das morastige Wasser purzelte.

Kaum selbst wieder auf dem Boden hielt die junge Frau sofort auf das Fadenwurfpokémon zu, welches hektisch versuchte sich mit weiteren Klebenetzen und Schattenstößen zu erwehren. Doch dessen Gegnerin war viel zu flink für das eher langsame Käfer/Giftpokémon, weshalb sie Ariados sogleich mit einem blitzschnellen Hebelgriff umgeworfen und anschließend an seinen Beinen auf dem Hinterleib gepackt hatte. Dann begann sie sich wie eine Hammerwerferin mit ihrem Gegner im Kreis zu drehen und schleuderte das Fadenwurfpokémon nach ein paar Umdrehungen mit aller Wucht weit hinaus in den Sumpf, wo ein weit entferntes ‚Platsch!‘ deutlich machte, dass es im Wasser gelandet ist.

Schabelle hatte Ariados kaum losgelassen, da duckte sie sich bereits, um ihrerseits dem eisernen Klammergriff zu entgehen, mit dem Machomei sie zu packen suchte. So schnell sie konnte machte sie anschließend eine Rolle rückwärts, weil das Kraftprotzpokémon reaktionsschnell schon zu einem heftigen Fußtritt ausholen wollte. Rasch setzte das Kampfpokémon ihr jedoch nach und war im Begriff erneut nach ihr zu greifen, doch das verwandelte Eleganzpokémon war schneller!

Mit einem wilden Schrei sprang Altan-Tschitschik in die Luft und attackierte ihren Gegner mit einem Dreifachkick in den sie all ihre Wut legte.

Ein Treffer!

Zwei Treffer!

Volltreffer!

Wie ein Kartätschenfeuer donnerten die drei Tritte in schneller Folge auf die Brust Machomeis und obwohl diese Pokémon robust und ausdauernd waren, steckte es diesen Angriff nicht einfach so weg, zumal die High Heels die Tritte noch schmerzhafter machten. Der erste Kick lähmte das Kraftprotzpokémon förmlich, der zweite ließ es schon schwanken und mit dem dritten schaffte Goldblume es, auch diesen Gegner in den Sumpf zu katapultieren.

Jetzt musste sie sich nur noch um Lektrobal kümmern, wobei Eile geboten war, denn das Elektropokémon hatte sich bald schon wieder aus dem Klebenetz befreit und gegen dessen Tempo hätte die junge Frau keine Chance gehabt. Zu allererst bewarf sie deshalb das Gesicht des Ballpokémon wieseniorflink mit Schlamm, damit ihr Gegner geblendet war und attackierte diesen ausschließlich mit präzisen und heftigen Tritten, da ihre Schuhe keinen Strom leiteten.

Auf diese Weise wollte sie der paralysierenden Statik von Lektrobal entgehen und es dennoch reizen und dort platzieren, wo Schabelle es haben wollte. Den blindlings abgefeuerten Donnerblitzen und –wellen wich sie geschmeidig aus und mehrte somit den Ärger ihres Gegners noch weiter, bis das Elektropokémon genug hatte!

Egal wie gut trainiert und beherrscht; ein Lektrobal konnte sich schlussendlich seiner Natur niemals gänzlich verwehren: Wenn es voll Energie steckte und sich dazu noch über alle Maßen ärgerte würde es früher oder später immer auf das Gleiche hinauslaufen: Es explodierte.

…Doch nicht beim verwandelten Eleganzpokémon!

Mit einem letzten, beherzten Kick gelang es Altan-Tschitschik das kurz vor der Detonation stehende Ballpokémon von sich wegzutreten. Und zwar genau auf die vier Ass-Trainer, die bis dato wie ein stummer Chor mit offenem Mund einfach auf ihren Jet-Ski gesessen waren!

Man muss an dieser Stelle nämlich erwähnen, dass dieser ganze, heftige Kampf keine fünf Minuten gedauert hat – eine Leistung, welche die Trainer Goldblume in ihrer menschlichen Gestalt nie im Leben zugetraut hätten. Deswegen waren sie auch die ganze Zeit über noch völlig Starr vor Verblüffung und völlig unfähig, ihren nicht minder überraschten und so überrumpelten Pokémon irgendwelche Befehle erteilen zu können. –Wenn sie das getan hätten, wäre der Kampf höchstwahrscheinlich ganz anders ausgegangen.

Aber nun blieb ihnen nichts anderes übrig, als mit vor Schreck aufgerissenen Augen zuzusehen, wie das bedrohlich glühende Lektrobal auf sie zuflog. Lediglich ihre Sprache hatten sie rechtzeitig wiedergefunden, weshalb sie panisch ein einziges, doch äußerst zutreffendes Wort stammelten:

„Fuck! Fuck! Fuck! :o“ (Wobei einer unter ihnen – ein ‚Zugreister‘ – lieber geradezu innbrünstig ein einziges ‚Allmächd!‘ über seine Lippen kommen ließ^^.)

-Kabumm!-

Mit einem lauten Getöse explodierte das Elektropokémon noch in der Luft, wobei es ganz streng genommen nicht richtig detonierte, sondern viel eher seine ganze Kraft in Form einer mächtigen und zerstörerischen Schockwelle ausstieß. (Überlegt doch mal: Würden Pokémon wortwörtlich explodieren müsste es sie doch in tausend Teile zersprengen und sie wären schlicht und ergreifend danach tot :whistle:…)

Jedenfalls hatten sich die Trainer im allerletzten Moment doch noch aus ihrer Starre befreien können und waren ins rettende Wasser abgetaucht, sodass es nur die Jet-Ski erwischte. Prustend kamen sie wieder an die Oberfläche, hielten sich an den Wracks ihrer Fahrzeuge fest und betrachteten mit ziemlich säuerlicher Miene das Bild, das sich ihnen bot:

Lektrobal dümpelte besiegt und komplett ausgelaugt zwischen ihnen im Wasser, Ariados paddelte mühsam auf sie zu, während sich die anderen beiden Pokémon bereits wieder auf die Insel gerettet hatten und dort kleinlaut herumsaßen und auf den Boden starrten. Die Scham, sich trotz ihres außerordentlich guten Trainingszustands dermaßen von diesem verwandelten Eleganzpokémon übertölpeln und vorführen zu lassen, stand ihnen überdeutlich ins Gesicht geschrieben.

Tja und Schabelle selber…

…war schon längst in das Dickicht des Sumpfwaldes entkommen, wo es deutlich schwieriger sein würde, sie erneut aufzuspüren und zu stellen.

Einer der Trainer – der Zugreiste, der ein schmächtiger Bursche Ende zwanzig, mit kurzen, dunkelbraunen Haaren war – kratzte sich darum verlegen am Kopf und fand ziemlich passend: „Also etz hämma a Problem…“

2.2: Verzweiflung

Keuchend kämpfte sich Goldblume in der Zwischenzeit durch das stellenweise schier undurchdringliche Gewirr aus tiefhängenden, belaubten Zweigen, den Lianen und Ranken und dichten, oftmals auch dornigen Büschen. In ihrer Not sah sie sich gezwungen durch diese hindurch zu kriechen, was angesichts des feuchten, schlammigen Erdreichs keine angenehme Aufgabe darstellte. Bereits nach kurzer Zeit waren daher ihr Körper, als auch ihre Kleidung völlig zerkratzt, nass und schmutzig, ihr Haar durcheinander und voller Blätter und Zweige. Darüber hinaus setzte ihr auch noch die schier unerträgliche heiße, schwüle Luft zu, welche das Atmen und jede weitere anstrengende Bewegung zu einer Qual machte und sie in Strömen Schwitzen ließ, ohne, dass es Kühlung verschaffen konnte.

Trotzdem biss Altan-Tschitschik die Zähne zusammen und mühte sich weiter voran, um den Abstand zu den Trainern so weit zu vergrößern, wie es ihr möglich ist. Denn allzu weit entfernt von ihnen, wie diese vielleicht dachten, war sie in Wahrheit überhaupt nicht.

Die wilde Flucht und der harte Kampf von eben forderten nun ihren Tribut:

Die junge Frau hatte beinahe ihre sämtlichen Kräfte verbraucht, auch die lodernde Wut auf den Magier, die ihr geholfen hatte gegen die Pokémon zu bestehen, war völlig verflogen. Sie fühlte nur noch Asche in sich; komplett leer und ausgebrannt. Selbst der Wille, weiterzumachen, schwand Zusehens dahin.

Aus diesem Grund ‚flog‘ das verwandelte Eleganzpokémon auch nicht mehr, sondern stolperte und rutschte nur noch hustend und schwer Atmend auf unsicheren Beinen umher und es kostete sie immer mehr Überwindung, sich wieder und wieder durch die unzugänglichsten Stellen durchzuzwängen. Doch sie konnte unmöglich die einfacheren Wege durch den Wald nehmen. Zu groß war die Angst, dass einer der Schergen des Magiers, die sicher bald den Ort durchkämmen würden, sie so entdecken würde. –Schabelle wollte wenigstens um jeden Preis vermeiden, dass ihre Gegner zu früh merken, dass sie längst nicht so stark und ausdauernd war, wie es den Eindruck gemacht hatte…

Goldblume rang sich noch dazu durch, einige Meter zu gehen, dann konnte sie einfach nicht mehr. Sie brauchte dringend eine Pause, fühlte sich so grässlich hilflos, schwach und verletzlich in dieser menschlichen Gestalt, sodass sie sich geradezu schmerzlich nach ihrem Chitinpanzer, ihren Fühlern, ach, eben nach ihrer wahren Gestalt und ihren Fertigkeiten als Käfer/Kampfpokémon sehnte.

Unwillkürlich füllten sich ihre Augen mit Tränen und eiligst kroch sie unter das erstbeste, halbwegs sichere Versteckt unter einem Gesträuch und igelte sich ein. Der Schutzmantel, der ihre Gefühle bis jetzt unterdrückt hatte, löste sich durch die Erschöpfung viel schneller auf als geplant und nun kamen all die verdrängten Emotionen auf einmal hoch. Sie brachen hervor wie Wassermassen aus einem übervollen Staudamm, der dem Druck nicht länger standhalten konnte und deswegen barst, sodass Altan-Tschitschik regelrecht von ihnen übermannt wurde und sich ihnen zwangsläufig stellen musste.

Deswegen begann sie bitterlich zu weinen, ein heftiges Schluchzen kollerte in ihrer Brust und ihr Körper brach in unkontrollierbares Zittern aus. Das ganze verstörende Ereignis, mit all dem Schmerz, dem Leid und der Abscheu, zog überdeutlich vor ihrem geistigen Auge vorbei:

Sie sah sich selbst in ihrer wahren Gestalt als Schabelle, wie sie gerade in vollem Lauf durch die wunderschönen Weiten ihrer Heimat, der Ultrawüste, sauste. Ein sorgloses, wildes Leben voller Freiheit führend, in dem eines der größten Glückgefühle war, so schnell zu sein, dass man schier eins mit dem Wind wurde und elegant dahinflog…

…Bis urplötzlich der Boden zu beben begann und pechschwarze, komplett unnatürliche Wolken den Himmel bedeckten!

Die anderen Schabelle, mit denen Goldblume unterwegs gewesen war, flohen voller Panik. Doch sie konnte nicht, war wie festgewachsen und gezwungen zuzusehen, wie die dunklen Wolken sich direkt über ihrem Haupt zu einem wirbelnden Mahlstrom formten. Immer schneller und schneller drehten sie sich, bevor sie langsam, aber bedrohlich und unaufhaltsam zu ihr hinab wuchsen.

Verzweifelt wollte sich Altan-Tschitschik aus dieser seltsamen Starre kämpfen, um Himmels Willen fliehen, wie ihre Artgenossen, aber sie kam einfach weiterhin nicht vom Fleck, es fühlte sich beinahe so an, als würde irgendetwas sie festhalten. Eine schreckliche, nicht zu beschreibende Furcht überkam sie, als die dunklen, unentwegt wirbelnden Wolken sie schließlich umhüllten, beinahe so, als stünde sie inmitten eines Tornados, der an Ort und Stelle verharrte.

Kaum war dies geschehen, ergriff sie ein mächtiger Sog, welcher sie brutal in die Höhe zog – gleich einer kräftigen Hand, die sie unvorstellbar fest gepackt hielt, sodass sie sich nicht mal im Geringsten dagegen hätte wehren können. Ohnmächtig und ängstlich musste Goldblume es über sich ergehen lassen, dass sie hinauf ins Zentrum des Mahlstromes gezogen wurde, wo sich in dessen Auge mit einem mal eine Art Portal auftat in welchem sie verschwand.

Ein greller Lichtblitz, ein schmerzhafter, elektrischer Impuls, der ihren Körper heftig durchzuckte, dann fand sie sich bereits auf dem Boden einer großen, komplett mit Fliesen aus pechschwarzen Obsidian bedeckten Kammer wieder – dem dunklen Turm des elenden Magiers!

Und hier nahm der für sie schlimmste Teil dieses ganzen Alptraums seinen Lauf:

Schabelle lag völlig wehrlos am Boden, von Fesseln aus schwarzer Magie umwickelt, und wand sich unter unvorstellbaren Qualen und blanker Furcht, weil sie nicht ahnen konnte, was mit ihr passierte. Keinen Meter entfernt von ihr stand derweil komplett ungerührt Nepomuk Balthazar von Sonnenstich und fuhr mit seinem finsteren Werk fort; sich um die Leiden von Altan-Tschitschik einen Dreck scherend. Zauberspruch um Zauberspruch; welche der Schwarzmagier in einem unheilvoll klingenden Singsang mit zig wechselnden Tonlagen und unterstützt durch rhythmische Gesten von sich gab; verwandelten das Eleganzpokémon nach und nach gegen ihren Willen mit aller Macht in eine Menschenfrau.

Und als wäre die schon nicht schlimm genug, musste sie auch noch die widerlichen Blicke dieses Drecksacks ertragen!

Durch alle Schleier der Angst und der Leiden hindurch konnte Goldblume genauestens spüren, wie er ihren unverhüllten Menschenkörper gierig, wie eine ihm zustehende Ware, von allen Seiten schamlos betrachtete, förmlich abtastete! Und das so grauenvoll intensiv, dass sie sich allein dadurch schon beinahe körperlich geschändet, beleidigt und entehrt von ihm fühlte und ihr bereits beim Gedanken daran ganz schlecht wurde!

Mochte ihr Martyrium nur einige Minuten gedauert haben; sie selbst empfand es als halbe Ewigkeit, bis ein letzer Schmerz durch ihren gepeinigten und verwandelten Körper fuhr, der sie sich nochmals aufbäumen und einen gequälten Schrei ausstoßen ließ. Erst danach sank sie fast wie tot zusammen, alles verschwamm vor ihren Augen und ihr Bewusstsein versank scheinbar rettungslos in einer undurchdringlichen Schwärze, die alles auslöschen wollte…

Kein Wunder, dass sie am Morgen darauf, trotz ihrer falschen Erinnerungen, so aufgewühlt war! Mochte man ihren Verstand mittels Magie auch geblendet haben, ihr Unterbewusstsein hat dieses unsagbare Erlebnis nicht vergessen, und versucht ihr dies Mitzuteilen, was letztendlich ja auch glücklicherweise noch erfolgreich gewesen war.

Aber nun, wo sie sich dessen erst so richtig bewusst wurde, fing der Schmerz erst richtig an! Sie war ein Wesen in einem fremden Körper, in einer fremden Welt und gejagt von dem Monster, welches für all das verantwortlich ist! –Diese fürchterliche Gewissheit musste nun genauso verarbeitet werden, wie all die verletzten Gefühle jetzt endlich aus ihr heraus mussten!

Daher weinte Altan-Tschitschik unendlich traurig und verletzt in ihrem Versteck, weinte und schluchzte, ließ alles, was sie quälte, hinaus. Und zwar so lange und heftig, bis sie keine Tränen mehr übrig hatte, nichts mehr fühlen oder denken konnte, sondern auf der Stelle in einen erschöpften Schlaf fiel.

Goldblume konnte zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, dass ihr Schmerz nicht ungehört bleiben sollte. Genauso wenig, wie das sie diese Reise und all die damit verbunden Herausforderungen auch nicht allein stemmen musste…

2.3: Arceus‘ Intervention

(Findet ihr nicht auch, dass diese Melodie auch für Arceus komponiert hätte sein können? Rayman 2 – Polokus – Spirit of the World https://www.youtube.com/watch?v=IOwboApWGdc)


Zur gleichen Zeit an einem anderen, fernen und wundersamen Ort…

…Nun ja, zumindest theoretisch ‚zur gleichen Zeit‘, weil es hier gar keine richtige Zeit gab, sondern die Ewigkeit herrschte. Ein widersprüchlich und letztlich doch harmonischer Bund aus stetem Wandel und Unveränderlichkeit, welcher das Vorstellungsvermögen gewöhnlicher Sterblicher schier überforderte…

Der Himmel hier besaß eine mysteriöse und gleichzeitig entspannende hellviolette Färbung. Abertausende, funkelnde Sterne, ja sogar ganze Planeten, die wie vielfarbige Edelsteine strahlten und so das Firmament schmückten, waren dort zu beobachten. Und obwohl keine Sonne in der Nähe war, erhellte ein sanftes Licht die Szenerie, welches man unmöglich einer Tageszeit zuordnen hätte können.

Eine weite, leicht hügelige Graslandschaft breitete sich vor einem aus, bewachsen mit Pflanzen, die man auf der Erde nirgends finden würde. Die farbenfrohen Gräser mit ihren flauschigen, wie Pinsel wirkenden, Rispen, waren hüfthoch und unfassbar zart und weich, schmeichelten der Haut wie eine seidene Decke, anstatt das man sich wie hierzulande an den scharfkantigen Blättern schneiden würde. Dazwischen reckten sich die Kelche und Blüten zahlloser fremdartiger und doch wunderschöner, ätherischer Blumen in die Höhe. Eine jede von ihnen verströmte schon für sich allein einen wundervollen Duft und gemeinsam balsamierten sie die Luft förmlich mit ihrem herrlichen Odeur und trugen so ihren Teil zur erhabenen Aura dieser Welt bei. –Jeder hätte nur einen Atemzug davon nehmen müssen und schon hätte er alle irdischen Unzulänglichkeiten abgestreift, wäre Teil dieses reinen, friedlichen Ortes und bereit für dieses Leben in der Zeitlosigkeit geworden.

Unentwegt wehte überdies eine angenehme, laue Brise über die Landschaft, liebkoste förmlich die Pflanzen mit unsichtbaren Fingern, sodass sie sich im Takt des Windes wiegten und man sich wie beim Betrachten eines sanft wogenden Ozeans fühlte.

Und inmitten dieses sacht rauschenden Pflanzenmeeres saß ein einziges, großes und erhaben wirkendes Pokémon – Arceus, der Schöpfer der Pokémonwelt!

Das entfernt an die Gestalt des weißen Stiers - welche Zeus, der oberste Gott der griechischen Antike einstmals angenommen hatte um Europa zu entführen - erinnernde Alphapokémon hatte sein Haupt gesenkt, hielt die Augen geschlossen und wirkte in tiefer Mediation versunken. Völlig reglos verharrte das machtvolle Normalpokémon schon seit einer geraumen Weile in dieser Position, weil es seinen Geist auf eine Reise geschickt hatte. -Einzig der zarte Wind zauste das kurze, hauptsächlich weiße Fell und brachte den ‚Haarschopf‘ am Hinterkopf dazu sich im Gleichtakt mit den Blumen und Gräsern zu wiegen.

Mit einem mal jedoch öffneten sich die grünroten Augen von Arceus, es nickte bedächtig und murmelte scheinbar mehr für sich selbst: „Ja, lass es heraus… Reinige dein Herz vom bitteren, zerstörerischen Gift… Du bist bereit, ich fühle es... Die Zeit ist gekommen!“

Auf dieses Stichwort hin erhob sich der ‚Gott‘ der Pokémon von seinem Lager, wobei sich die niedergedrückten Pflanzen wie von Zauberhand wieder vollständig aufrichteten und intakt waren, und setzte sich mit würdevollen Schritten in Bewegung.

Allerdings sollte man an dieser Stelle unbedingt erwähnen, dass Arceus die Bezeichnung als ‚Gott‘ zutiefst missfiel und sie entschieden ablehnte!

Dieser Begriff war dem Alphapokémon mit viel zu vielen schier unvorstellbaren Erwartungen und Ansprüchen beladen, den dazu noch zig Gruppierungen für sich beanspruchten und in ihrem Sinne auslegten, sodass man nur den Kopf darüber schütteln mochte…

Ein Gott, das war in den Vorstellungen vieler ein Überwesen welches lediglich mit dem Finger schnipsen oder bloß pusten musste und schon würde der Himmel auf Erden herrschen und alles wäre perfekt…

…Doch so einfach war das nun mal nicht!

Selbst ein Machwesen wie Arceus zweifelsohne eines war, konnte nicht tun und lassen, was es wollte. Auch es war gewissen unabänderlichen Regeln und Gesetzen unterworfen, wenn es das Gleichgewicht und damit sogar schlussendlich seine eigene Existenz nicht gefährden oder gar zerstören wollte!

Denn was die meisten Menschen nicht verstanden war der Umstand, dass alles, wirklich alles in Verbindung miteinander stand; sogar die riesigen Sphären der unterschiedlichen Welten, Universen und Dimensionen. Jede kleine Veränderung hatte Auswirkungen auf das große, allumfassende Ganze, mag sie für den gewöhnlichen Betrachter noch so trivial bis völlig unbedeutend wirken. Aber sie WAREN nun mal da und nur Wesen wie das Alphapokémon, besaßen die nötige Weitsicht und Weisheit, um zu ahnen, was für Folgen das nach sich ziehen würde. –Am ehesten würden wohl die Gelehrten Sinnohs begreifen, was damit gemeint war, da diese die Legenden um Palkia, Dialga und Girantina bewahrten und um die Verbindung zwischen ihrer Welt und beispielsweise der Zerrwelt wussten. Ganz besonders nach den Ereignissen rund und mit Team Galaktik.

Aus diesem Grund hatte Arceus oftmals mehr die Rolle eines Beobachters inne, der den Dingen – guten wie schlechten, weil beide notwendig waren und nun mal unweigerlich zusammengehörten – ihren Lauf lassen musste. Denn der unbedachte Einsatz seiner Macht würde in den meisten Fällen mehr schaden als nutzen.

Jedoch…

Völlig untätig war das Alphapokémon auch wieder nicht! Wenngleich es niemals gravierend in seine Schöpfung eingreifen konnte und wollte; hin und wieder bot sich die Gelegenheit, einen kleinen Impuls auszusenden, um etwas in eine gewünschte Richtung zu lenken.

Und genau dies hatte Arceus nun vor!

Zielstrebig schritt das machtvolle Normalpokémon deshalb durch die paradiesische Landschaft, die nach wie vor mehr einer Welt aus einem Traum glich, hin zu einem kleinen Hain Bäume, dessen schmale, silberfarbene Stämme miteinander verflochten waren und deren goldene Blätter klingenden Glöckchen gleich im Wind rauschten. Im Inneren dieses Wäldchens traf das Alphapokémon, wie erwartet, ein kleines, junges Pokémon an; einen seiner Schüler.

Dieser war gerade so auf sein Training fixiert, dass er das Auftauchen seines Meisters zunächst gar nicht bemerkte. Und Arceus selbst wiederum gab sich auch nicht sofort zu erkennen, sondern beobachtete das kleine Wesen, welches voll jugendlichem Eifer und beinahe schon Übermütig an seinen Fertigkeiten feilte, mit einer Mischung aus Vergnügen und Stolz. Sein jüngster Schützling hatte sich inzwischen äußerst gut gemacht und viele der gelernten Lektionen verinnerlichen und vervollkommnen können.

Diese Erkenntnis – egal wie oft sie auch schon eingetreten sein mochte - sorgte bei Arceus jedes Mal für ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit, der Hoffnung – und der Verbundenheit mit seiner Schöpfung. Denn jenes Empfinden hatte das Alphapokémon unter anderem auch bei all den Trainern wahrnehmen können, denen es bei seinen kleinen Ausflügen zur Erde begegnet war.

Ab und zu nämlich, wenn es das Gefüge der Dimensionen zuließ, legte Arceus einen Teil seiner Macht ab und begab sich bisweilen sogar für die Reise eines ganzen Lebens in die Obhut eines ausgewählten Menschen, um zu lernen und sich einen direkten Blick auf die aktuelle Lage der Welt zu verschaffen. -Ganz so, wie man es sich auch über die beiden legendären Drachen Zekrom und Reshiram erzählte.

Arceus jedenfalls verband zahlreiche freudige und lebendige Erinnerungen mit diesen Exkursionen, dachte gerne an die vielen freundlichen Menschen, denen es begegnete, zurück. Und wenngleich es auch dunkle und schlechte Erfahrungen machen musste – die Guten überwogen diese um Längen und solange dies so blieb, war der Welt aller Dunkelheit zum Trotz auch weiterhin eine verheißungsvolle Zukunft beschieden…

In diesem Moment wurde sein Schüler Arceus‘ Anwesenheit gewahr, sodass er mitten in einer Übung überrascht stockte. „Hei… Whoa!“, entfuhr es dem kleinen Pokémon deshalb erstaunt und aus seiner Konzentration gerissen plumpste es ungelenk auf den weichen Boden.

Rasch hatte es sich aber gefangen, verneigte sich vor seinen Meister und grüßte ihn. Und wenngleich die Worte angesichts des Alphapokémon flapsig wirken mochten, lag doch deutlich hörbar der größte Respekt und grenzenlose Bewunderung in der hellen, freundlichen Stimme des Schülers: „Hey Boss, was steht an :)?“

„Mein jüngster Schüler.“, hob das machtvolle Normalpokémon, nachdem es den Gruß seines Schützlings mit einem würdevollen Nicken erwidert hatte, unverzüglich an, wobei es innerlich lächelte, da ihm die Wirkung der folgenden Worte durchaus bewusst war: „Du hast in deinem Training beachtliche Fortschritte erzielen können und viel gelernt! Daher denke ich, nein, weiß ich, dass du nun bereit für deine erste Mission bist!“

Mehr musste Arceus zunächst nicht sagen; dies allein hatte bereits genügt, um die Augen des kleinen Wesens gaaanz groß vor Ungläubigkeit und immer stärker aufwallender Freude werden zu lassen^^.

„Wie? Wo? Was?“, stammelte der Kleine als er anfangs seine Sprache wiedergefunden hatte, ehe er endlich begriff und plötzlich himmelhoch jauchzend wie ein Kugelblitz durch den ganzen Hain wuselte, mehrfach das Alphapokémon umkreiste und sein Glück kaum fassen konnte.

„Boss meint ihr das wirklich voll im Ernst? Ich darf endlich auf eine Mission? Mich endlich beweisen?!“, sprudelte es aus dem kleinen Pokémon, weiterhin seinen Meister umkreisend, freudig und total aufgeregt heraus: „Oh das ist ja total klasse, wundervoll, toll… Ja regelrecht wundertoll xD!!!“

Belustigt und angetan von der so offen gezeigte und unverhüllten Begeisterung bekräftigte Arceus seine Aussage: „Ja, mein Schüler, dies ist mein voller Ernst! Es sind Dinge im Gange, denen wir nicht tatenlos zusehen können und du hast das Zeug dazu, helfend einzugreifen und alles zum Guten zu wenden.“

Der Gesichtsausdruck des Alphapokémons wurde nun allerdings wieder schlagartig ernster, was seinen Schüler dazu veranlasste, sich zusammenzunehmen und ganz still dazusitzen. Selten waren solche Missionen ein Spaziergang und deswegen wollte das kleine Pokémon zeigen, dass es auch wirklich bereit dafür war!

„Nun denn mein Schüler.“, begann Arceus, zufrieden mit der Ernsthaftigkeit, welche sein Schützling an den Tag legen konnte, auch schon mit bedeutungsvoller Stimme: „Ich erkläre dir nun genau, worum es geht. Höre mir gut zu…“

2.4: Murphy

„Ja Sack Zement is der Wald groß! Die Braud vom Herrn könnerd überall sein!“, fluchte gerade der Zugreiste, welcher mit zwei weiteren Ass-Trainern und deren Pokémon auf neuen Jet-Ski durch die Wasserflächen des Sumpfwaldes glitt und wachsam, jedoch erfolglos die Gegend absuchte, wobei er eine ärgerliche Gebärde machte: „Hab mer zwar scho dacht, dass‘ schwer werd, aber des is wirklich a g‘scheids g’freck! *Seufz* Hät i doch auf mei Mudder g’hört und wär in Franken blie’m…“

Nach einer Weile entfernte sich die kleine Gruppe wieder und kaum, dass dies geschehen war, schälte sich Altan-Tschitschik aus ihrem Versteck, blickte sich kurz prüfend um und lief dann ihrerseits weiter.

Es war früher Morgen, genau einen Tag nach ihrem Zusammenbruch gestern – was bedeutete, dass sie fast einen ganzen Tag lang geschlafen hatte. Und diese Ruhepause war bitter nötig gewesen und hatte ihr verdammt gut getan! Goldblume würde es wahrscheinlich einem anderen gegenüber niemals zugegen, aber jetzt, wo sie ihre verletzten Gefühle endlich herauslassen konnte, fühlte sie sich gleich viel besser und wenigstens etwas befreit.

Der eiserne Wille, diesem dreckigen Magier zu entkommen, war jedenfalls wieder zurück und stärker denn je. Und mehr noch: Gleich nach dem Aufwachen schwor sich Schabelle, dass sie einen Weg finden würde, sich zurück zu verwandeln und in ihre Heimat zu gelangen…

…Nachdem sie diesem Drecksack zuvor in ihrer wahren Gestalt den heftigsten Turmkick in seinen A**** verpassen würde, zudem sie imstande wäre!

Überdies fühlte sich auch ihr Körper heute wieder viel besser an, als gestern. Er hatte sich von den Strapazen größtenteils während dieses langen Schlummers erholen können und zudem beherrschte die junge Frau einige Techniken, mit dem sie ihre verspannten Muskeln rasch wieder lockern konnte. Darüber hinaus war sie als eigentliche Wüstenbewohnerin äußerst zäh und genügsam: Ein paar kräftige Schlucke halbwegs sauberes Wasser, hier eine Beere, dort eine nahrhafte Wurzel, sich den gröbsten Schmutz abwaschen, die Schnitte und Kratzer mit etwas Spucke und Heilkräutern einreiben - schon war sie bereit loszuziehen!

Glücklicherweise war das verwandelte Eleganzpokémon auch nicht ganz so etepetete wie man es sich allgemein über diese Ultrabestien nachsagte, die andere Welten für unrein hielten und mit nichts in Berührung kommen wollten. –Das konnte sich Altan-Tschitschik in ihrer Situation auch gar nicht erlauben, wenngleich ihr eine schöne, warme Dusche trotzdem sehr zusagen würde^^.

Nichtsdestotrotz konnte sie sich selbstredend schönere Orte vorstellen, als durch diesen zwielichtigen, feuchtwarmen Urwald mit seinen zähfließenden, schlammigen Wasserläufen und morastigen Böden zu schleichen. Aber immerhin bot er ihr vorläufig den nötigen Schutz, den sie brauchte, bis sie wusste, wie es konkret weitergehen sollte. Außerdem war sie heute nicht mehr so ausgelaugt und verstört, sodass nicht die Notwendigkeit bestand, sich weiterhin extra durch die unwegsamsten Stellen kämpfen zu müssen. Nein, erholt, frisch und wieder voller Selbstvertrauen, hatte Goldblume nun halbwegs ein Gefühl, zu was ihr menschlicher Körper imstande war und wie viel sie ihm abverlangen konnte. Deshalb bewegte sie sich - soweit man das von ihrer Lage sagen konnte – weitgehend frei durch den Sumpf. Bemerkte sie durch ihre feinen Sinne herannahende Schergen des Magiers doch rechtzeitig und wusste, sich erfolgreich vor ihnen zu verbergen. –Auf einen weiteren Kampf konnte und wollte sie sich nämlich nicht mehr einlassen; das kostete sie zu viel Kraft und zudem würden ihre Gegner ihr kein zweites Mal den Gefallen tun, sie zu unterschätzen.

Die Chancen aber, einer solchen Konfrontation zu entgehen standen äußert gut für sie, denn sogar den Großteil der gegnerischen Pokémon – selbst die Geistpokémon - konnte sie austricksen: Mithilfe stark duftender Blätter überdeckte sie ihren – ihrer Meinung nach leider ziemlich muffigen - Eigengeruch so weit wie möglich und durch höchste Konzentration gelang es ihr auch, ihre Aura nicht für alle Welt spürbar zu machen. –Sie hatte sich zur berühmten ‚Nadel im Heuhaufen‘ gemacht und war sicher, dass man sie SO leicht nicht aufspüren würde!

An der Stelle vermisste sie allerdings dennoch ziemlich ihre Pheromone, die sie als Schabelle einsetzen konnte; hätten jene ihre Bemühungen zur Tarnung doch erheblich vereinfacht. Und allgemein verfügte ihr Menschenkörper stellenweise über Dinge, bei denen sie froh war, dass ein Schabelle sie nicht hatte…

Doch Schabelle vergeudete nicht zu viele Gedanken daran, sondern fokussierte ihre Konzentration wieder auf das Hier und Jetzt. Gerade nutzte sie die Deckung einer Reihe Bäume, die kürzlich abgestorben waren und deren kahle Kronen wie knöcherne Finger in den Himmel ragten, um ungesehen rasch am Rande einer ansonsten völlig freien, großen, grünen Wasserfläche entlangzulaufen. –Die kleine Gruppe Ass-Trainer, welche soeben auf dieser herannahte und sich prüfend umsah, bemerkten sie nicht. Ebenso wenig, wie ihre Pokémon, die sie zur Sicherung der Umgebung herausgelassen hatten. Zu diesem Zeitpunkt hatte das verwandelte Eleganzpokémon sowieso schon das dahinterliegende Dickicht erreicht und eilte flinken Fußes weiter. Stets bereit, sich auch bei den nächsten Begegnungen förmlich ‚unsichtbar‘ für ihre Verfolger zu machen^^.

Auf diese Weise verstrich der Tag und Altan-Tschitschik kam gut und ohne jegliche Zwischenfälle voran. Nach wie vor schlug sie sich Richtung Osten durch, es war fast schon eine Art Instinkt, der sie dorthin trieb. Zwar wusste sie nicht im Geringsten, was nach diesem Sumpfwald kam – sie konnte ja nicht einmal sagen, wo genau sie sich überhaupt befand:

Einer Insel? Einem Kontinent? Am A**** der Welt? (Sie tippte persönlich übrigens, allein beim Hinblick auf den Magier; welcher ja wohl der größte A**** überhaupt war, auf Letzteres :P.)

Und deswegen wusste lediglich eines ganz genau: Es war nie verkehrt, so viel Abstand wie möglich zwischen sich und diesem elenden Nepomuk und seinem dämlichen finsteren Turm zu gewinnen! Genauso, wie sie lieber heute als morgen diese ganze modrige, feuchte Sumpflandschaft hinter sich lassen wollte, völlig egal, was für danach auf sie warten mochte!

Schutz hin oder her: Goldblume fühlte sich einfach total unwohl hier, spürte, dass sie es, als Wesen, welche endlose Weiten gewohnt war, nicht auf Dauer aushalten würde. Insbesondere diese stickige, faulige Luft setzte ihr sehr zu, machte selbst jetzt, wo sie wieder bei Kräften und klarem Verstand war, jeden Atemzug zu einer Anstrengung. Allgemein lastete auf diesem Ort unentwegt irgendetwas auf ihr. Fast so wie die drückende, spannungsgeladene und schwüle Atmosphäre kurz vor einem heftigen Gewitter.

Diese merkwürdige Stimmung mochte wohl auch der Grund sein, wieso der jungen Frau in all der Zeit so gut wie keine wilden Pokémon mehr begegnet waren. Der Sumpfwald wirkte wie ausgestorben; alles Leben schien sich völlig verschreckt versteckt zu haben…

…Wobei…

Mittlerweile, es war inzwischen schon später Abend geworden und durch das dichte und immer dunkler werdende Blätterdach konnte man die beinahe blutrote Dämmerung erahnen, änderte sich an dieser drückenden Atmosphäre kurzeitig schlagartig etwas!

Das verwandelte Eleganzpokémon schob sich gerade ein paar fade, aber immerhin nahrhafte Beeren während des Laufs in den Mund und suchte, wenn auch widerstrebend, einen geeigneten Platz für die Nacht. Widerstrebend deshalb, weil sie durchaus noch die Energie hätte, um ein oder zwei Stunden lang noch auf den Beinen zu sein. Der Grund lag vielmehr an den äußerlichen Einflüssen:

Mit dem Ende des Tages versank der Sumpfwald nämlich äußerst schnell in einer pechschwarzen Dunkelheit, die alle Konturen auslöschte und ein Weiterkommen viel zu gefährlich machte. Selbst in ihrer eigentlichen Gestalt sähe sich Schabelle zu einer Pause gezwungen, sie war eine solche Dunkelheit, wie sie in dichten Wäldern fern der Zivilisation üblich war, einfach nicht gewohnt und wollte nichts riskieren. –Allein schon, weil sie in dieser Finsternis keine Chance gegen die Geist und Unlichtpokémon ihrer Verfolger gehabt hätte.

Urplötzlich schien es jedoch irrtierenderweise wieder heller zu werden und ein bemerkenswert frischer, kräftiger Wind kam auf, der das Blätterdach zum Rauschen brachte und auch dafür sorgte, dass Altan-Tschitschik wenigstens für einen Augenblick befreit durchatmen konnte. Ein helles Funkeln am Himmel erregte ihre Aufmerksamkeit und zuerst glaubte sie, dass eine besonders hell flammende Sternschnuppe am Firmament entlang flog…

…Schnell erkannte sie allerdings ihren Irrtum; die Schnuppe flog viel eher direkt auf sie zu!

Dennoch bewegte sich Goldblume nicht, weil sie bemerkte, dass diese Sternschnuppe, je näher sie kam, langsamer wurde und sich in Wahrheit als kleiner, gleißender Lichtball entpuppte, deren Anblick verwirrenderweise für ein wohliges Gefühl in ihr sorgte. Dieser leuchtender Ball kam schlussendlich etwa einen Meter von ihr entfernt und auf Augenhöhe sacht zum stehen und schwebte so kurz in der Luft.

Dann jedoch blitzte der Ball nochmals hell auf und aus diesem strahlenden Licht kam ein kleines Pokémon zum Vorschein: Ein Fleknoil – und zwar ein ganz besonderes!

Es hatte schneeweißes, fast silbriges, schimmerndes Fell und die Flügel sowie seine große Nase mit dem herzförmigen Muster erstrahlten in einem edlen Goldton. Einzig die Flügelspitzen stachen hervor, waren sie doch schwarz und wirkten beinahe so, als hätte man sie in ein Fass Tinte getaucht.

Und als wäre dies noch nicht genug, glomm und funkelte dieses außergewöhnliche Psycho/Flugpokémon weiterhin wie ein kleiner Stern und zeigte sogleich, dass es auch sprechen konnte, weil es mit heller und hallender Stimme freudig verkündete:

„Murphy, das Geschenk von Arceus an die Menschen und Pokémon ist hier! Servus :)!“

Das Fledermauspokémon deutete eine Verneigung an, flatterte fröhlich auf und ab und plauderte ausgelassen und zunächst mehr zu sich selbst weiter: „Wunderbar! Die Reise in diese Welt hat ja schon mal richtig gut geklappt! Haha, gut dass ich auf den Rat vom Boss gehört und auf die passende Ausfahrt geachtet habe^^.“

„So…“, hob nun das Fleknoil, welches sich selbst Murphy genannt hatte, heiter und gedehnt an, um die Spannung zu steigern, und wollte sich direkt der jungen Frau zuwenden: „Und du möchtest doch jetzt sicherlich zu gerne wi… He?!“

Höchst verdattert musste Murphy nämlich feststellen, dass Altan-Tschitschik gar nicht mehr neben ihm weilte, sondern ihm stattdessen den Rücken gekehrt und sich wieder in Bewegung gesetzt hatte, sodass sie bereits einige Meter entfernt war. Schleunigst flatterte das kleine Fledermauspokémon ihr nach und rief dabei immer noch ziemlich verwundert und auch etwas empört: „Hey, du kannst doch nicht einfach so weitergehen!“

Ohne zu verlangsamen oder gar anzuhalten entgegnete Goldblume kühl: „Oh doch, dass kann ich sehr wohl. Wie du siehst, bin ich ja wohl gerade dabei. Also mach die Flatter, klar?“

Doch so leicht ließ Murphy nicht locker und sich schon gar nicht verscheuchen, schließlich hatte er ja einen Auftrag! Deshalb folgte er dem verwandelten Eleganzpokémon einfach weiter und meinte beharrlich: „Jetzt warte doch bitte einen Moment, damit wir uns vorstellen, miteinander reden können! Glaub mir, dass ist sehr, sehr wichtig für dich. Ich weiß nämlich sehr gut, wie du dich im Moment fühlst und wer du bist. Also höre mir wenigstens für einen Augenblick zu, bitte!“

Tatsächlich hielt Schabelle wirklich kurz inne und drehte sich zu ihrer flauschigen Klette um. Allerdings hatte sie dabei einen finsteren, fast schon Blitze schleudernden Blick drauf, ihre linke Hand in die Hüfte gestemmt während sie den Zeigefinger ihrer rechten Hand in Fleknoils ausgesprochen kuscheliges Fell bohrte, um ihren Worten den nötigen Nachdruck zu verleihen.

„Jetzt hörst du MIR mal genau zu!“, brauste sie auch schon auf: „Ich habe keine Ahnung, was du mit deinem großartigen Auftritt bezwecken willst und wer du überhaupt bist. Aber weißt du was? Es interessiert mich auch einen feuchten Dreck! Lass mich einfach in Ruhe und kümmere dich um deinen eigenen Kram und zwar schnell, kapito?! Niemand weiß, wer ich bin und schon gar nicht, wie ich mich gerade fühle!! Absolut Niemand…!“

Unwirsch wandte sich die junge Frau schleunigst wieder vom kleinen Psycho/Flugpokémon ab, ging weiter und beschleunigte ihren Schritt sogar noch. So sehr sie sich auch aufgespielt hatte; die Stimme wäre ihr beinahe bei den letzten Worten versagt. Holten sie doch diesen heftigen Schmerz wieder hervor und ließen ihr die Tränen in die Augenwinkel steigen. Die seelischen Wunden, welche Balthazars furchtbare Tat ihr zugefügt hatten, waren einfach noch viel zu frisch.

Und genau diese Tränen, welche die Verletzlichkeit, diese empfindlichen, blutenden Wunden in ihrem Innersten erkennbar machen würden, sollte auf gar keinen Fall jemand zu Gesicht bekommen! Schon gar nicht dieses dahergelaufene Fleknoil, das so tat, als könne es auch nur ansatzweise verstehen, wie es ihr ging! Altan-Tschitschik meinte ihre letzten Sätze vollkommen ernst: Sie war überzeugt, dass niemand sonst auf der Welt etwas ähnlich Schlimmes durchleben musste. (Klar war das übertrieben, aber hey: In einer solchen Situation kümmert das einen wohl kaum…)

„Du arme, stolze Ultrabestie, was hat man dir bloß angetan…“, seufzte Murphy mitfühlend und blickte Goldblume nachsichtig hinterher: „Es ist also noch schlimmer, als ich gedacht habe… Gut! In diesem Fall muss ich wohl ganz direkt werden!“

Fleknoil fasste sich ein Herz, holte tief Luft und sprach mit sanfter, eindringlicher Stimme: „Du irrst dich, ich weiß genau wer du bist!

Dein Name lautet Altan-Tschitschik – auch Goldblume geheißen – und du bist in Wahrheit gar keine wunderschöne Menschenfrau sondern eine Ultrabestie, genauer ein Schabelle. Der niederträchtige Schwarzmagier Nepomuk Balthazar von Sonnenstich hat dich gewaltsam mit seiner finsteren Zauberei aus deiner Heimat gerissen, in seinen dunklen Obsidianturm verschleppt und wollte dich durch die Verwandlung zu seiner willenlosen Sklavin machen. -Doch glücklicherweise ging sein Plan schief, dir gelang die Flucht und tapfer wie du, Altan-Tschitschik, bist, hast du dich ganz allein bis hierher durchgeschlagen.

Aber natürlich hat die abscheuliche Tat dieses Magiers schmerzliche Spuren in deinem Herzen hinterlassen, die du durch dein kühles, forsches Auftreten zu verbergen suchst. Denn nach wie vor bist du ein stolzes, ungebundenes Schabelle, dass niemanden zeigen möchte, wie entsetzlich schwach und verletzlich es sich schlussendlich in dieser menschlichen Gestalt fühlt…

…So in etwa kann man deine aktuelle Situation doch zusammenfassen, nicht?“

Ruhig wartete das Fledermauspokémon die Wirkung seiner Worte ab und wurde nicht enttäuscht. Schon bei der Erwähnung ihres Namens war das verwandelte Eleganzpokémon regelrecht zusammengezuckt und erstarrt. Und als Murphy geendet hatte, drehte sie sich wirklich wieder um und blickte das kleine, plüschige Psycho/Flugpokémon rundheraus verwundert mit großen Augen und hängenden Armen an.

„Woher weißt du…?“, konnte sie für den Augenblick nur ungläubig stammeln, weshalb Murphy ihr unverzüglich freundlich und weiterhin einfühlsam antwortete: „Wie ich schon anfangs sagte: Ich bin Murphy, ein Geschenk Arceus‘ – an dich! Ein Gesandter, der dir, Goldblume, helfend zur Seite stehen wird. Du musst und wirst diesen Weg nicht alleine gehen. Nein, gemeinsam werden wir diese Reise zu einem glücklichen Ende bringen! Wie du gerade erfahren hast, weiß ich gut über dich Bescheid und kann wirklich verstehen, wie du dich momentan wohl fühlen musst. –Freilich niemals bis in die letzte Konsequenz, als Außenstehender würde ich mich nie anmaßen, dies zu behaupten. Aber dennoch…“

Das Fledermauspokémon begann sich mit seinen Psychokräften in der Schwebe zu halten, um Altan-Tschitschik einladend und lächelnd seinen rechten Flügel entgegenzustrecken, während es sprach: „Vertrau mir bitte und nimm meine Hilfe an, ja?“

„Hm…“, machte Schabelle zunächst und betrachtete das kleine Fellknäul eindringlich mit verschränkten Armen. Hart im Nehmen wie sie war, hatte sie sich bereits schon wieder größtenteils von dieser überraschenden Offenbarung erholt und dachte ernsthaft über Murphys Angebot nach. Offensichtlich wusste der Kleine ja einiges und konnte ihr vielleicht tatsächlich eine Hilfe sein, wobei sie einen hinterhältigen Trick des Magiers sofort ausschloss. Goldblumes Intuition sagte ihr einfach überdeutlich, dass dieses Fleknoil es ernst meinte und nichts mit diesem Mistkerl zu schaffen hatte, diesem scheinbar sogar feindlich, wenigstens ablehnend gesinnt war. –Was definitiv einen Pluspunkt darstellte^^.

„Also schön!“, meinte sie deshalb bereits nach wenigen Minuten und bemühte sich um einen schroffen Klang ihrer Stimme. Ihr Gegenüber sollte ja nicht sofort bemerkten, dass sie schon durchaus erleichtert war, sich doch nicht wie befürchtet mutterseelenallein durch diese fremde Welt kämpfen zu müssen :P

„Ich lass mich darauf ein, aber bevor ich einschlage, schreibst du dir besser eines hinter die Löffel, Miffy!“

„Das heißt Murphy.“

„Ist doch egal…“, winkte die junge Frau ab und erklärte: „Jedenfalls sobald ich merke, dass du mir nur im Weg stehst und mich aufhältst, bin ich raus aus der Nummer und du ziehst Leine, klar?!“

„Klar wie Kloßbrühe :lol:!“, jauchzte Murphy überglücklich und leuchtete noch etwas heller, als Altan-Tschitschik nun einschlug und somit den Bund besiegelte, womit die erste Hürde genommen wäre. Darum tänzelte er anschließend so fröhlich umher das man sogar glaubte, festliche Musik zu hören und rief heiter: „Oh wie Klasse! Von nun an sind wir ein Team Goldblume! Wir werden zusammenhalten wie Pech und Schwefel, gehen durch dick und dünn und werden diesem bösen Zauberer eines Auswischen! Jetzt kann nur noch alles besser werden, juchhe!“

„Übertreibs nicht und setz dich lieber endlich in Bewegung.“, herrschte das verwandelte Eleganzpokémon das fluffige Fledermauspokémon streng an, während es selber schon zu laufen begonnen hatte: „Wir eiern schon viel zu lange hier an Ort und Stelle rum, also lass uns abzischen.“

„Natürlich, natürlich!“, antwortete das kleine Psycho/Flugpokémon eifrig, flatterte voll übermütiger Freude wie ein gaukelndes Falterpokémon um Goldblumes Kopf herum, was diese zu einem genervten Augenrollen veranlasste, und zeigte erneut, dass es Ahnung hatte, indem es sagte: „Immerhin wird bald eine Gruppe aus Traunfugil, Gengar und Snibunna hier eintreffen, da sollten wir schon verschwunden sein^^. Und du wolltest ja sowieso gerade einen sicheren Platz für die Nacht suchen, bevor ich dir dazwischengefunkt bin, hehehe.“

„Pfff…“, machte Altan-Tschitschik bloß mit gleichgültiger Miene, wobei man auch aus diesem Luftzug deutlich heraushören konnte, dass sie sich tief beeindruckt von den feinen Sinne ihres brandneuen ‚Partners‘ zeigte, da sie ebenfalls das herannahen dieser Pokémon vorzeitig bemerkt hatte. Deswegen rang sie sich dann doch zu einem trockenen Kommentar durch: „Na immerhin muss ich dich nicht an der Hand nehmen. Das ist wenigstens ein Anfang.“

Hier gab sich Murphy taktvoll und lächelte einfach in sich hinein…

Eine knappe Stunde später, als der Sumpfwald nun in völliger Dunkelheit versunken war, hatten die beiden ein passendes Lager für die Nacht ausfindig machen können: Der schon seit einiger Zeit verlassene Bau eines Grebbit, dessen Eingang gut versteckt im Wurzelgeflecht eines alten Baumes lag. Obwohl der Großteil der weitverzweigten Behausung des Baugräberpokémon wegen der feuchten, weichen Erde und des stätig wechselnden Wasserstandes größtenteils eingestürzt beziehungsweise geflutet war, bot der Eingangsbereich immer noch genug Platz und war wenigstens halbwegs trocken.

Gut möglich, dass das Grebbit, als wasserempfindlicher Bodentyp, deswegen sein Heim und wahrscheinlich gleich den ganzen Sumpf verlassen hatte. Schabelle jedenfalls hätte dies als Grund nur gut verstehen können, denn ideal war dieses dunkle, lehmige Loch mit seiner modrigen Luft nicht gerade. Aber sie würden nun mal nichts Besseres finden, zumal man auch erwähnen sollte, dass dieser Ort wirklich ein gutes Versteck bot.

Aus diesem Grund seufzte die junge Frau einfach, fand sich damit ab und kuschelte sich so gut es ging in ihr ‚Bett‘ aus trockenen Blättern. Neben ihr flatterte Murphy immer noch unentwegt herum und obwohl er sein Licht ‚gedimmt‘ hatte, erhellte das kleine Pokémon den Raum immer noch sanft, was eine beruhigende Atmosphäre schaffte.

Eine Weile sah das verwandelte Eleganzpokémon dem kleinen Wuschel schweigend zu, ehe sie sich entschloss zu sprechen. Seit ihrer Begegnung hatte sie nichts mehr gesagt, weil sie über so vieles nachdenken musste. Doch damit einhergehend waren ihr nach und nach einige drängende Fragen in den Sinn gekommen, die ihr auf der Zunge lagen und sie unbedingt noch vor dem Einschlafen wissen wollte.

„Woher und was genau weißt du eigentlich über mich und diese ganze Geschichte hier, Murray?“, begann Goldblume deswegen neugierig.

„Das heißt Murphy.“

„Ist doch egal.“, erwiderte sie: „Und jetzt sag schon: Woher weißt du das alles? Ich meine, du fällst wortwörtlich aus heiterem Himmel und tust so, als hättest du die Weisheit mit Löffeln gefressen… Das kommt doch nicht von ungefähr! Genau verhält es sich mit meiner Lage: Ich werde das Gefühl nicht los, dass du eine Ahnung hast, wie ich diese erbärmliche Erscheinung wieder loswerden kann. Also raus mit der Sprache! …Ähm, ich meine natürlich bitte.“

„Das alles möchte ich dir gerne sagen.“, hob das Fleknoil an, machte aber sofort eine bedauerliche und entschuldigende Geste: „Aber noch ist nicht die Zeit dafür. Wir müssen erst raus aus diesem verfluchten Sumpf Goldblume! Wenn uns dies geglückt ist, werde ich dir alles erzählen, dass verspreche ich dir!“

„Hmpf… Na schön, deine Entscheidung.“, fand Schabelle mit einer Mischung aus Enttäuschung und Verständnis, weil der Kleine ebenfalls nicht viel von diesem Ort zu halten schien, womit sie auch in diesem Punkt ja einer Meinung waren^^. Und da es damit nichts mehr zu sagen gab, drehte sie sich auf die Seite und schloss die Augen.

„Warte kurz noch Altan-Tschitschik.“, fügte Murphy eiligst hinzu und sein Gesicht hellte sich mit einem verschmitzten Grinsen auf: „Solltest du heute Nacht ein Kopfkissen oder etwas warmes, weiches zum Kuscheln brauchen stehe ich dir gerne zu Verfügung. Denn wenn ich mich aufplustere bin ich…“

-Poff!-

Schon hatte das Fleknoil durch kurzes, heftiges Schütteln das Volumen seines Fells verdoppelt, sodass es aussah, wie ein Pompon und beendete seinen Satz großspurig:

„…Superflausch 8)!“

Altan-Tschitschik sagte nichts dazu. Mit großen Augen hatte sie diese putzige Showeinlage verfolg und mühte sich redlich darum, nicht zu lächeln oder gar zu lachen. –Sie hatte einfach zu viel in den letzten Tagen durchmachen müssen, als dass sie ihren Stolz so mir nichts dir nichts über Bord werfen konnte und wollte.

Stattdessen drehte sie sich schnell wieder auf die andere Seite, gähnte herzhaft und schloss die Augen. Rasch entspannte sich ihr Körper und im Wegdämmern spürte sie etwas unglaublich wohltuend und wärmend Flauschiges in ihrem Rücken. Das war Murphy, der es sich dort bequem machte und ihr ein noch ein ‚Gute Nacht Goldblume‘ zuflüsterte.

Das Fleknoil erhielt zwar keine wörtliche Antwort, doch es bemerkte durchaus, dass die junge Frau in einen ruhigen, traumlosen Schlaf hinübergeglitten war. –Zum ersten Mal seit Tagen war es ihr vergönnt gewesen, einfach so einschlafen zu können. Und dies musste ihr offenkundig kurz zuvor noch bewusst geworden sein, denn ein sanftes Lächeln umspielte ihr ruhendes Gesicht, welches dadurch erst so richtig schön wirkte.

Und eben jenes Lächeln, das von der sanften Zuflucht eines erholsamen Schlummers kündete, war für Murphy Antwort genug…

2.5: Zu zweit durch den Sumpfwald

Noch vor bevor der Morgen des nächsten Tages richtig graute und der Wald sich darum zuerst nur zaghaft erhellte, erwachte das verwandelte Eleganzpokémon wieder. Schabelle waren nämlich ausgesprochene Frühaufsteher, zumal es in Anbetracht der aktuellen Lage ohnehin besser war, so zeitig wie möglich aufzubrechen.

Trotzdem gönnte sich Goldblume für einen kurzen Moment den Luxus, sich nochmals wohlig in ihrem Lager zu rekeln und mit geschlossenen Lidern noch etwas zu dösen. Lange hatte sie nicht mehr so gut geschlafen, weshalb sie das unbedingt auskosten wollte! Schlussendlich öffnete sie dann doch die Augen und blickte direkt in Murphys lächelndes Gesicht, welches ganz dicht vor ihr schwebte.

„Einen wunderschönen guten Morgen Altan-Tschitschik!“, kam es prompt vom gutgelaunten, plüschigen Psycho/Flugtypen, wohingegen diese furchtbar erschrak.

„Wah!“, schrie sie deshalb, rutschte zuerst auf allen vieren rückwärts, bis sie begriff und sich sogleich darüber ärgerte, dass sie sich so leicht aus der Fassung hat bringen lassen. Unsanft schob sie das Fleknoil entschieden von sich und murrte: „Mach das niemals wieder, verstanden?! Ich hab sonst was befürchtet, also mach dich erst mal bemerkbar, bevor du mir unvermittelt irgendwelche unnötigen Morgengrüße ausrichten willst!“

„Verzeihung Goldblume, aber du hast deinen Halbschlaf gerade so schön genossen, dass ich ihn nicht kaputtmachen wollte.“, entschuldigte sich Murphy mit ungebrochen heiterer Stimmung so aufrichtig, dass die junge Frau ihm sofort glaubte und sich wieder beruhigte, ja fast ein wenig belustigt darüber war. (Was sie natürlich nicht zeigte^^.)

„Aber nun, da du ja wach bist, kannst du dich gleich ans Frühstück machen: Ich hab ein paar Beeren und frisches Wasser für dich besorgt… Schau nur, wie es dich anlächelt :D!“, fuhr das kleine Pokémon ausgelassen fort und deutete auf ein kleines Nest aus sauberen Blättern. In diesem waren nebst gerollten, großen Blättern, die somit Trinkgefäßen ähnelten, und die mit klarem Tauwasser gefüllt waren, sechs prächtige, aromatisch duftende Beeren, die geradezu darum bettelten, gegessen zu werden.

Alles in allem stand dieses kunstvolle Gebilde einer reich gedeckten Frühstückstafel in nichts nach; tatsächlich waren überdies die sechs Beeren so angeordnet, dass sie einen lächelnden Smiley bildeten, was ungefähr so aussah:

Bild

„Wo hast du denn die bloß her?“, wollte Schabelle ganz erstaunt und zugleich skeptisch wissen, während ihr Anblick und Duft dieser Delikatessen bereits das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ und ihren Magen lauthals und gierig zum knurren brachte. Selbstredend freute sie sich insgeheim riesig über diese angenehme Überraschung. Diese üppige Mahlzeit würde schließlich für den ganzen Tag vorhalten und war dazu noch ein Gaumenschmaus; ganz anders als die faden Sachen, die sie sich gestern in den Mund schieben musste. –So etwas wusste das verwandelte Eleganzpokémon, gerade weil sie sehr genügsam war, sehr zu schätzen, keine Frage.

Aber genau dieser Umstand irritierte sie zugleich so. Derlei schmackhafte Beeren; noch dazu so seltene wie die Wasmell- oder die Durinbeere; hatte sie gestern nicht mal Ansatzweise gesehen. Ja, sie war sich sogar sicher, dass solche Beeren garantiert nicht in so einem fauligen Sumpf wuchsen, weshalb sie ihre Frage wiederholte: „Jetzt sag schon, wo hast du diese Beeren aufgetrieben, Milly?“

„Och, ich hab da so meine Quellen… Mehr kann ich momentan nicht dazu sagen.“, entgegnete Murphy geheimnisvoll lächelnd und korrigierte abermals: „Übrigens heiße ich immer noch Murphy… Aber ehe du mir wieder sagen möchtest, dass das egal ist, würde ich lieber vorschlagen, du haust ordentlich rein, damit wir aufbrechen können^^.“

„Meine Rede.“, fand Altan-Tschitschik sogar mit einem ganz leichten, schelmischen Grinsen und ließ sich nicht bitten, sondern langte augenblicklich tüchtig zu. Zuerst verschwand die Durinbeere ratzfatz in ihrem Mund, da deren ausgesprochen bitterer Geschmack einem starken Kaffee Konkurrenz machen konnte und sich darum perfekt eignete, die Lebensgeister in einem wachzurufen. Anschließen verputzte sie eifrig eine Beere nach der anderen, wobei man sagen musste, dass sie zwar schnell, jedoch weiterhin sittsam und mit Genuss aß, sodass es irgendwie Spaß machte, ihr dabei zuzusehen. Murphy für seinen Teil war vollends zufrieden damit, dass es Schabelle schmeckte und er ihr somit den Start in den Tag versüßen konnte. Was wollte man denn mehr?

„Bereit Madame?“, wollte Fleknoil etwa zwanzig Minuten später ausgelassen und enthusiastisch von Goldblume wissen, die gerade in diesem Augenblick aus dem Bau des Grebbit ins Freie kroch und sich wieder zu dem kleinen Pokémon gesellte. Dieses hatte nämlich nach dem Frühstück draußen höflich auf sie gewartet, damit Altan-Tschitschik ungestört noch gewisse andere, notwendige Dinge erledigen konnte, bei denen absolut niemand Zuschauer brauchte…

Ihre Antwort bestand aus einem knappen Nicken, sodass der flauschige Psycho/Flugtyp heiter meinte: „Nun noch schnell etwas Musik… Und fertig, jetzt können wir – auf ins Abenteuer :D!“

(Und zwar diese Melodie hier – perfekt für den Sumpf und dazu eine der Gründe, warum ich unbedingt das mit den Links hier machen wollte^^. Darum hier: Rayman 2 Soundtrack – The Bayou - Part1: https://www.youtube.com/watch?v=NwcqOCO50vY)

„Was zum?!“, entfuhr es der jungen Frau völlig verdutzt, als sie plötzlich wirklich eine Melodie hören konnte. Und dass Verrückte daran war, dass sich diese scheinbar in ihrem Kopf abspielte, wie bei einem Ohrwurm nur nicht so nervig sondern eher angenehm. Und dennoch nahm sie völlig ungetrübt die Vorkommnisse ihrer Umgebung wahr. Eindringlich sah sie ihren pelzigen Begleiter an und verlangte zu wissen: „Verflixt, wie hast du das jetzt gemacht?! Erst die Beeren, jetzt Musik – was für ein abgedrehter Freak bist du eigentlich?“

„Haha, alles zu seiner Zeit Altan-Tschitschik, alles zu seiner Zeit.“, antwortete Murphy lachend und fügte glücklich hinzu: „Aber schön, dass ich dich neugierig mache und du dich für mich interessierst… Das heißt, ich bin dir schon jetzt nicht egal^-^.“

Eine Sekunde lang konnte Schabelle angesichts dieser Aussage nur verblüfft mit offenem Mund dastehen, dann aber verschränkte sie die Arme und setzte sich, ohne weiter darauf eingehen zu wollen, eiligen Schrittes in Bewegung. Dabei stöhnte sie lediglich theatralisch: „Hrmpf… Jetzt hab ich blödes Miltank mich tatsächlich auf einen neunmalklugen, dauergrinsenden Fellball eingelassen, der zu allem Überfluss auch noch eine Minijukebox darstellt… DAS kann ja heiter werden :roll:!“

Freilich konnten diese Worte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das verwandelte Eleganzpokémon heilfroh über diesen schönen Start in den Tag war, denn nur zu bald hatte sie der zwielichtige Sumpf mit seinen Gefahren wieder und zwang beide weitgehend zum vorsichtigen Schweigen. An der drückenden, bleiernen Atmosphäre hatte sich zudem seit gestern nichts geändert, ganz im Gegenteil: Sie schien sogar noch etwas stärker geworden zu sein und lastete darum umso ärger auf der jungen Frau.

Murphy hingegen schien diese Aura nicht so sehr zuzusetzen, oder vielleicht konnte er es auch einfach besser verbergen – wer wusste das schon bei dieser plüschigen Wundertüte?

Jedenfalls ertappte sich Altan-Tschitschik unterwegs immer wieder dabei, wie sie das kleine Pokémon gelegentlich für eine Weile interessiert aus den Augenwinkeln beobachtete, natürlich ohne, dass sie ihre Deckung vernachlässigen würde. Doch sie musste sich schon eingestehen, dass Murphy ihre Neugierde geweckt hatte, verfügte er ganz offensichtlich über einige, wundersame Fähigkeiten die sicherlich weit über das ‚herbeizaubern‘ von delikaten Beeren oder das Abspielen von Musik hinausreichten…

Und das Fleknoil selbst tat seiner Reisegefährtin den Gefallen und sagte glücklicherweise nichts zu deren neugieriger Musterung. Stattdessen flatterte es weiterhin fröhlich umher und summte leise. Lediglich sein Lächeln sprach Bände, aber dies musste sich Goldblume eben gefallen lassen :P.

Jäh war dies auch nicht mehr wichtig, weil Ärger in Verzug war!

Absolut zeitgleich hatten die beiden das Herannahen einer Gefahr bemerkt und brauchten nur einen geradezu vertrauten, kurzen und verständigen Blickt miteinander wechseln, bevor sich ein jeder im nahen Gebüsch versteckte. So konnte diesmal die junge Frau, die sich dicht an einen Baumstamm schmiegte und reglos verharrte, nicht sehen, wie Murphy gleich einem Kecleon mit dem Untergrund verschmolz und schier unsichtbar wurde.

Nicht mal ganz zwei Minuten verstrichen als von einer nahen Wasserfläche fünf Jet-Ski hier anlangten. Anders als gestern, sprangen die Ass-Trainer heute von ihren Fahrzeugen ab, entließen einige Magnayen, Golbat und auch ein Zwirrfinst sowie ein Luxtra aus ihren Bällen und suchten gemeinsam mit den Pokémon gefährlich gründlich die Umgebung ab.

Dabei war den Fünfen deutlich an ihren Gesichtern abzulesen und an ihren Stimmen zu hören, dass sie – man musste das wirklich so sagen – extrem ‚angepisst‘ waren. Höchstwahrscheinlich deshalb, weil es ihnen immer noch nicht gelungen war, Altan-Tschitschik wieder einzufangen und ihnen deswegen der Magier tüchtig den Kopf gewaschen haben musste.

„Himmel, Arceus und Wolkenbruch!“, fluchte passenderweise soeben der Anführer der Gruppe; der 20-Jährige Jüngling mit den blauen Haaren; dessen Gesicht ganz grün vor einer Woge Galle wurde, wütend: „Wie schafft es diese elende -dieses Wort wollt ihr nicht lesen^^- nur, sich immer wieder in Luft aufzulösen?!! Wir finden jedes Mal nur den Hauch einer Spur, die sich dann schon wieder verflüchtigt… Wie kann das sein? Sie ist doch nur noch ein Mensch, verflucht nochmal!“

Viel hätte nicht gefehlt und der Trainer hätte vor lauter Zorn einem der Pokémon mächtig eine gepfeffert, um seinen Frust herauszulassen. Er beherrschte sich jedoch gerade so, obwohl seine Wut kurzfristig noch zunahm, weil er bemerkte, wie die Pokémon immer unsicherer und hilfloser wurden, weil sie die Spur wieder verloren hatten. Selbst der Röntgenblick von Luxtra erzielte keinen Durchbruch; kein Wunder bei diesem wuchernden Dickicht, bei dem man erst mal die richtige Stelle hätte finden müssen.

Gleich mehrmals liefen sie einfach an jenem Baum vorbei, an dem sich Schabelle versteckte. Doch das dichte Blattwerk, das Spiel der Schatten, die teilweise betäubenden Düfte der Pflanzen sowie der üble Mief der Luft und des morastigen Wassers zusätzlich gepaart mit ihrer absolut konzentrierten Reglosigkeit machten es schier unmöglich, sie zu finden. Darüber hinaus sorgte der Umstand, dass die Trainer und ihre Pokémon ja unter magischer Kontrolle standen, dafür, dass ihr Verstand und ihre Sinne ein klein wenig getrübt waren. –Nicht viel, aber in so einem Fall stellte dies eben das Zünglein an der Waage dar.

Nach reichlichen zwanzig Minuten entfuhr dem Anführer ein zutiefst resigniertes, erschöpftes Seufzen, welches hörbar machte, wie müde und ausgelaugt sie zu allem Überfluss waren. Klar: Wenn ihm schon die Schmerzen und das Leid von Altan-Tschitschik herzlich egal waren, scherte sich Nepomuk Balthazar von Sonnenstich auch nicht darum, dass seine Untergebenen, deren Kräfte er schamlos ausnutzte, mal eine Pause brauchten. Eine solche würde es erst geben, wenn seine Braut gefunden und gefangen wurde, oder sie einfach entkräftet zusammenbrachen…

„Genug Leute, das wird so nichts!“, verkündete der Ass-Trainer darum ganz ausgezehrt und rieb sich mit Daumen und Zeigefinder der linken Hand seine müden Augen: „Auf diese Weise finden wir sie ja doch nicht… Wir machen etwas anderes: Lasst alle eure Pokémon laufen und sie den Sumpfwald alleine durchkämmen. Sagt das auch den anderen Einheiten, und wenn das geschehen ist, treffen wir uns alle mit Nanette beim ‚König‘, klar? Wir müssen erst mal dafür sorgen, dass sie den Sumpf nicht verlässt, dann kann sie auf Dauer nicht mehr entkommen! Habt ihr verstanden? Also los!“

Auf diesen Befehl hin zerstreuten sich die Pokémon der Ass-Trainer und nachdem einer von ihnen mittels seines Holo-Logs diese Anweisung weitergeleitet hatte, düsten sie wieder auf ihren Jet-Ski davon.

Nur etwas später war die Luft bereits wieder rein und Altan-Tschitschik und Murphy konnten sich aus ihren Verstecken schälen. Da sie alles genauestens gehört hatten, konnte sich Goldblume schon grob zusammenreimen, was sie vorhatten und wollte darum von ihrem flauschigen Begleiter wissen: „Die wollen den Sumpfwald abriegeln… Das hat was mit diesem ‚König‘ zu tun, nicht?“

„Gut kombiniert!“, lobte Fleknoil und nickte ernsthaft: „Der König ist ein uraltes, schillerndes Trombork, welches viel größer und stärker als seine Artgenossen ist – fast so wie ein Herrscherpokémon aus der Alola-Region – und eben somit der König der hiesigen Trombork, die bevorzugt am Rande dieses Sumpfwaldes leben. Dummerweise ist der Gute inzwischen fast ZU alt und sein Geist umnachtet, sodass der Magier ihn unter seiner Kontrolle hat…“

„…Und somit auch die anderen Trombork, welche die Grenze zuwachsen lassen wollen. War ja irgendwie schon klar, dass die mit sowas in der Art kommen.“, schloss die junge Frau ironisch, bekam jedoch gleich ein schadenfrohes, herausforderndes Grinsen: „Aber wenn diese Tölpel und diese dämliche Puppe von Nanette glauben, dass uns ein paar Wurzeln von den Geisterbäumen aufhalten können, sind die mächtig schief gewickelt :evil:! Und dazu haben uns die Trottel auch fast den Weg frei gemacht… Tch, sie unterschätzen mich wohl immer noch… Komm Murphy, Zeit die Beine in die Hand zu nehmen! Diese Chance aus dem Wald herauszukommen dürfen wir uns nicht entgehen lassen!“

„Aye, aye Käpt’n Goldblume :D!“, rief der kleine Fellball euphorisch und strahlte dabei wie ein Sonnenschein. Während sich die beiden also in Bewegung setzten fragte das verwandelte Eleganzpokémon schlussendlich doch seinen Begleiter: „Warum grinst du eigentlich jetzt schon wieder so, Muffty?“

„Also erstens heißt das immer noch Murphy.“, hob der Psycho/Flugtyp an und fuhr dann schnell und äußerst glücklich fort: „Und zweitens… Du hast eben von ‚UNS‘ gesprochen, als du den Plan der Trainer verlacht hast – du bedenkst mich also mit. Ist das nicht schön :herz:? Nicht mehr lange und wir sind die besten Freunde :lol:!“

„Uff…“, stöhnte Schabelle erneut über diese blumige, küchenphilosophische Aussage und entschied weise, besser nichts darüber zu sagen, sondern sich voll und ganz auf das Vorwärtskommen zu konzentrieren^^…

So schnell sie konnten, bahnten sich die Zwei deshalb ihren Weg durch den Sumpf und versuchten dabei nun ihrerseits, grob der Route zu folgen, welche die Ass-Trainer genommen hatten. Das verwandelte Eleganzpokémon hatte nämlich mit seinen feinen Sinnen festgestellt, dass sich deren Pokémon absichtlich zuerst gezielt in anderen Richtungen verteilt hatten; sie also zumindest für eine Weile halbwegs freie Bahn hatten.

Soweit ging ihr Plan auch auf: Nur selten bestand jetzt noch die Notwendigkeit, sich zu verstecken, weil beispielsweise eine kleine Gruppe Blanas, angeführt von einem Tengulist, an ihnen vorbeizog. Auch waberten nach wie vor Geister wie Traunmagil oder Ninjatom gelegentlich durch das Geäst, doch keines der Pokémon konnte die beiden ausfindig machen.

Ein großes Problem bestand jedoch weiterhin: Diese unheilvolle, belastende Aura des Sumpfwaldes selbst.

Je weiter sie sich durch das Dickicht kämpften, die schlammigen Wasserläufe und Sumpfflächen überwanden, desto mehr Anstrengung und Kraft musste Altan-Tschitschik dafür aufbringen. Auch ihre Beine fühlten sich ganz allmählich immer bleierner an und der Boden zäh und klebrig. Dazu bekam sie grundsätzlich den Eindruck, dass alles sich absichtlich weiter entfernte, als es eigentlich ist, sich quasi der ganze Sumpf wie ein Kaugummi in die Länge zog…

Mit einer bemerkenswerten Zähigkeit bot sie jedoch dieser diffusen Belastung bravourös die Stirn, denn ihre Ausdauer und ihr Willen waren einfach zu stark, als dass sie sich so leicht in die Knie zwingen ließ. Trotzdem kam sie nicht umhin, während einer kleinen Pause am frühen Nachmittag energisch an ihrer inzwischen merklich zerschlissenen Kleidung, die wegen der Feuchtigkeit unangenehm an ihr klebte, zu zupfen und dabei endlich ihrem Herzen Luft machte: „Meine Güte, das ist ja nicht zum aushalten hier! Da ist doch was faul an dieser Atmosphäre, nicht wahr?“

„So ist es Altan-Tschitschik.“, bestätigte Murphy mit seiner unerschütterlich guten Laune und erklärte: „Was dich hier wie so belastet ist Nepomuks finstere Magie, mit der er den Sumpfwald eingehüllt und vergiftet hat. Ansonsten wäre dieser Ort gar nicht sooo schlimm, sondern eigentlich ein schönes Plätzchen inmitten der Natur, aber ich schweife ab…

Jedenfalls hält jenes dunkle Zauberwerk die meisten Pokémon und Menschen die hier leben unter seiner Kontrolle beziehungsweise schwächt diejenigen, die er nicht braucht, sodass sie keine Gefahr für ihn darstellen. Dich belastet sie natürlich besonders stark, weil der Zauberer sie bewusst auf dich konzentriert, damit es dich zermürbt. Das ist auch der Grund, warum sich alles so in die Länge zu ziehen scheint, aber lass dich nicht täuschen und gib die Hoffnung nicht auf! Wir werden nur noch eine Nach hier verbringen müssen, dann sind wir draußen, glaub mir :D!“

Kurz hielt Fleknoil inne, betrachtete nachdenklich die Umgebung und ungewöhnlich ernst, was Goldblume aufhorchen ließ, fügte es hinzu: „Allerdings ist die Intensität dieser Zauberei ein Quäntchen stärker, als angenommen… Normalerweise würde sie dich erst kurz vor der Grenze so dermaßen quälen…“

„Goldblume, ich möchte dich etwas sehr wichtiges fragen!“, hob Murphy völlig unvermittelt und eindringlich an und sah Schabelle unverwandt direkt in die Augen: „Sie wird dir nicht gefallen und dich zuerst wütend machen… Doch du musst bitte ernsthaft darauf antworten: Hat der Magier dich irgendwie am Tag deiner Flucht noch berührt, was mehr war als Händchenhalten oder dergleichen?“

Augenblicklich stieg in der Tat eine Woge aus blanker Abscheu und lodernder Wut in der jungen Frau angesichts dieser Frage auf. Allein der Gedanke an diesen Mistkerl brachte sie schon hoch und die Erinnerung daran, dass er sie so nahe war, war schier unerträglich!

Um ein Haar wäre ihr wohl ein zorniges ‚Was fällt dir ein?!‘ statt einer zufriedenstellenden Antwort entschlüpft. Doch das kleine Pokémon blickte sie weiterhin todernst und zudem so aufrichtig bittend an, dass das verwandelte Eleganzpokémon seine überkochenden Emotionen in den Griff bekam und sich dazu durchringen konnte, zu sprechen.

„Er… Er hat mir einen… Kuss gestohlen an diesem Morgen…“, presste sie mühsam, gar gequält hervor und zog eine Grimasse, als würde sie bei jedem Wort bitteres Gift schlucken müssen. Ihren Körper durchlief vor abgrundtiefem Ekel ein regelrechter Schauer und sie kam nicht umhin voller Verachtung auszuspucken. Allerdings war dies jetzt immerhin gesagt, sodass es ihr deutlich leichter fiel weiterzusprechen und sie deswegen abfällig ergänzte: „Wobei man eher behaupten kann, dass er hauptsächlich meine Spucke hat trinken wollen. Und zwar so gierig, als wäre sie ein Erfrischungsgetränk :down:.“

„Hm… Dann wohl besser ein Energydrink…“, murmelte Murphy mit einem Gesichtsausdruck, den man unmöglich deuten konnte, wohingegen seine Aussage so klang, als habe ihm die Antwort von Altan-Tschitschik alles erklären können. Anstatt dieser jedoch zu erläutern, was er genau damit meinte, fand der flauschige Psycho/Flugtyp seine heitere Stimmung rasch wieder und sprach stattdessen aufmunternd und herausfordernd zu seiner Begleiterin: „Im Grunde ist es auch egal! Selbst wenn der Zauberer unsere Reise zu verzögern versucht… Aufhalten kann er uns nie im Leben :]! Also lass uns stolz erhobenen Hauptes weitergehen, ja?“

„Nur zu gerne!“, beeilte sich Schabelle zu antworten, da dieses unangenehme Gespräch sie noch mehr als nötig angetrieben hat, weiterzumachen, um diesem elenden Nepomuk zu entkommen. Zudem war sie Murphy aufrichtig dankbar, dass er es vorzog, zu dieser Sache vorerst zu schweigen und zeigte dies ganz offen. Sie würde sicherlich noch früh genug erfahren, was Fleknoil konkret damit meinte und ihr Bauchgefühl verriet ihr jetzt schon, dass dies nichts Gutes sein würde…

2.6: Nanettes Rache!

Der weitere Gang durch den Sumpfwald verlief – abgesehen von dieser miesen, dunklen Zauberei die Goldblume weiterhin quälte – erstaunlich ereignislos, fast schon eintönig. Das Verstecken beziehungsweise Umgehen der Pokémonsuchtrupps war inzwischen beinahe belanglose Routine, wobei Altan-Tschitschik den Verdacht hegte, dass ihre Gegner die eigentliche Suche bereits aufgeben hatten. Der ganze Mummenschanz diente jetzt wohl eher dem Zweck, ihre Reise zur Grenze hinauszuzögern, damit sie umso länger von Nepomuks Magie verpestet und so hoffentlich davon fertig gemacht wird.

Bei diesem Gedanken verzog en sich ihre Lippen jedoch kurz zu einem geringschätzigen, überlegenen Lächeln, denn darauf würden sie lange warten können!

Allein das Wissen, dass es sich hierbei um einen weiteren feigen, dreckigen Trick des Zauberers handelte, hatte genügt, um ihrem Stolz den nötigen Ansporn zu geben erst recht durchzuhalten. Unerschütterlich lief die junge Frau deshalb weiter flinken Schrittes neben Murphy, welcher unausgesetzt fröhlich summte und wie ein Falterpokémon herumflatterte, her und kämpfte tapfer und erfolgreich gegen diese Aura an. –Wenn Nepomuk, dieser schlappe Waschlappen, nicht mannsgenug war, selbst zu versuchen, sie zu holen und stattdessen zu solchen Kinkerlitzchen griff, war das eben sein Pech!

Trotz allem zehrte der anstrengende Marsch gerade wegen dieser elenden Magie an Schabelles Kräften und wie von Murphy prophezeit, gelang es ihnen auch nicht mehr, an diesem Tag die Grenze zu erreichen. Dies lag nicht zuletzt auch daran, dass sie größere Umwege in Kauf nahmen, weil sie den Menschensiedlungen, die sich inmitten des Sumpfes befanden, ausweichen wollten. (Irgendwoher müssen ja die Trainer und das Gesinde von Balthazar auch stammen^^.)

Da auch diese Bewohner und deren Pokémon jederzeit nach Belieben von Nepomuk kontrolliert werden konnten, hatte das verwandelte Eleganzpokémon sofort zugestimmt, als Fleknoil ihr diesen unschönen Umstand erklärte.

„Na dann brauchen wir viel lieber etwas mehr Zeit, als das wir uns mit einem Haufen ‚Zombies‘ herumärgern müssen.“, fand Goldblume dazu trocken, was Murphy ein heimliches Lächeln entlockte. Der Psycho/Flugtyp wusste nämlich sofort, dass seine Reisegefährtin ihre Aussage ganz anders meinte: Mitfühlend wie sie im Grunde nun mal war, wollte sie in Wahrheit einfach auf gar keinen Fall unnötig Unschuldige mit in diese üble Sache hineinziehen^^…

Schlussendlich behielt Murphy jedoch auch mit seiner zweiten Aussage Recht: Alle diese störenden Umstände verzögerten nur ihr Vorwärtskommen, konnte es aber nicht stoppen. Sie schafften nämlich trotzdem noch ein gutes Stück an diesem Tag, bevor sie wieder ein Lager für die Nacht suchen mussten. Und nach einer erneuten, ausgesprochen erquickenden Nachtruhe samt köstlichem Frühstück am Morgen darauf für Altan-Tschitschik, konnten sie umso beschwingter ihre Reise wieder aufnehmen. -Nun war die Grenze nicht mal mehr einen halben Tagesmarsch entfernt, also quasi zum greifen nah!

Allerdings…

Je näher sie dieser kamen, umso mehr veränderte sich der Sumpfwald und zwar nicht zum Guten!

Nach und nach zog nämlich ein unheilvoller, grünbrauner Nebel auf der – was denn auch sonst? – immer dichter und dichter wurde, bis er schließlich alles umhüllte, in ein schummriges Zwielicht tauchte und verseuchte. Die Wasserflächen verwandelten sich unter dessen Einfluss in bräunliche, schlammige Brühen aus denen unentwegt faulige Gase blubberten. Sämtliche Pflanzen waren verdorrt und ließen ihre welken, schwarzen Blätter traurig hängen – was nebenbei bemerkt anzeigte, dass dieser Nebel noch nicht allzu lange hier sein konnte. Allgemein war jedes Lebewesen, auch die gegnerischen Pokémon, aus diesem Bereich des Sumpfes geflohen und wem dies nicht geglückt war, nun ja, dessen Überreste faulten hier nun in Rekordtempo vor sich hin und verpesteten die schlechte Luft zusätzlich.

Wohl oder übel mühte sich Altan-Tschitschik mit ihrem pelzigen Begleiter durch diese Todeszone, wobei sie sich nicht wirklich überrascht davon zeigte. Schließlich war es ja leicht vorhersehbar gewesen, dass Nepomuk seine finstere Magie vor der Grenze noch mehr ballen würde, um sie ja noch aufzuhalten.

Dennoch war dieser Gang alles andere als ein Kinderspiel: Die , stinkende, vergiftete Luft brannte förmlich ihn Goldblumes Lungen und zudem lastete nun ein solcher Druck auf ihrem Brustkorb und ihren Schultern, dass ihr die Quälerei zuvor verglichen damit jetzt wie ein Kuraufenthalt vorkam. Aber noch hielt sie eisern durch, wenngleich sie zu ihrem tiefsten Missfallen feststellen musste, dass sie schon sehr bald ihre Belastungsgrenze erreicht haben würde und es darum langsamer angehen musste.

„Uff… Was… Was kommt eigentlich nach diesem elendigen Sumpf für ein Ort?“, wollte die junge Frau mühevoll keuchend von Murphy wissen. Sie stellte diese Frage natürlich aus Neugierde, doch in diesem Augenblick hauptsächlich deshalb, um sich durch dieses kleine Gespräch wenigstens ein bisschen von dieser Anstrengung ablenken zu können.

„Oh eine wundervolle Gegend und zwar die Nebelwälder!“, antwortete Fleknoil, welches nach wie vor immun gegen die Magie wirkte, strahlend: „Anders als dieser zwielichtige Sumpf sind diese ein lichtdurchfluteter Hochwald mit einem riesigen, klaren Fluss wo morgens Nebelschwaden geisterhaft und zugleich schön durchs Geäst uralter Bäume wabern… Hach! Das musst du dir selbst ansehen, das ist viel besser als man es beschreiben könnte. Und noch dazu ist dieses Gebiet nicht von der schwarzen Magie Nepomuks verdorben, dort wird es dir gleich viel besser gehen, Altan-Tschitschik. –Aus diesen Grund zieht es dich übrigens auch ganz instinktiv in diese Richtung, weil man dort am schnellsten aus dem Einflussbereich des Magiers herauskommt.“

Plötzlich sah Murphy das verwandelte Eleganzpokémon ganz komisch und irgendwie auch verständig an, bevor er völlig ohne Übergang sagte: „Ich möchte das du eines weißt: Du bist NICHT schwach Goldblume sondern bewundernswert stark und ausdauernd – selbst jetzt als Mensch! Du könntest selbst diesen Teil der Strecke wenn es sein müsste ohne Hilfe schaffen, wenngleich es dir all deine Kräfte abverlangen würde. Doch…“

Jetzt landete der kleine Fellball auf Goldblumes Kopf, was wie ein komischer, flauschiger Hut wirkte, und kaum war dies passiert, atmete diese erleichtert und überrascht auf, weil mit einem Mal die Wirkung der Magie einfach aufhörte. Sie perlte regelrecht von ihr ab, als wäre sie mit Teflon übergossen worden. Und zufrieden Lächelnd beendete der Psycho/Flugtyp seinen Satz: „Doch ich für meinen Teil weiß, dass du ebenfalls in der Lage bist, wahre Stärke zu zeigen indem du Hilfe annimmst, wenn du sie brauchst um dich nicht verausgaben zu müssen. Ist es nicht so :)?“

„Hmpf… Dann warst das also auch du…“, murmelte Schabelle mit einem verhaltenen, dankbaren Grinsen statt einer Antwort. Denn nun hatte sie die eindeutige Gewissheit, dass diese kleine Filzkugel für ihren erholsamen Schlaf verantwortlich war, indem der Kleine sie auch dort vor der Magie geschützt hatte. Murphy erwiderte indessen ihr Lächeln und derart und wortwörtlich ‚wohlbehütet‘, ging es gleich wieder deutlich schneller voran.

Alsbald hatten die beiden nun fast die Grenze erreicht, wobei man wegen der dicken Nebelwand natürlich nicht sehen konnte, wo genau dieser Sumpfwald zu Ende war. Doch fürs Erste kümmerte sie das auch nicht, weil sie die Gegend umso vorsichtiger im Auge behalten mussten. Was Altan-Tschitschik durchaus erstaunte – und beunruhigte - war der Umstand, dass sie noch keinerlei Abriegelung vorfand. Nach dem belauschten Gespräch der Ass-Trainer gestern hatte sie geglaubt, Nanette würde sofort den Trombork sofort den Befehl erteilen, einen Wall aus Wurzeln zu bilden, damit niemand hindurch könne. (Dornröschen lässt grüßen :P.)

Ihr ungutes Gefühl wurde noch weiter bestätigt, da sie und Fleknoil gelegentlich zwischen all den toten oder sterbenden Bäumen jetzt ganz ‚besondere‘ Exemplare ausmachen konnten. Das waren Trombork in Ruhestellung, die sich ironischerweise gerade wegen ihrer grünen Blätter und makelloser Borke verrieten, welche ihnen sonst samt ihrer allgemeinen Physis eine perfekte Tarnung boten. Und da sie ja unter der Kontrolle von Balthazar standen, waren sie natürlich auch unempfindlich gegenüber dessen fürchterliche Magie.

Noch wurden die Urgehölzpokémon nicht aktiv, dafür waren sie zu weit von den beiden entfernt und zudem schienen sie auch noch auf ein Zeichen zu warten. Außerdem stellten manche von ihnen sowieso keine Gefahr mehr dar: Denn auf dem zweiten Blick erkannte man hie und da auch ‚tote‘ Trombork, also jene Pflanze/Geistpokémon, deren hölzerner Körper im Verlauf der Jahrhunderte so morsch und verrottet war, dass der Geist darin diesen wieder verließ und so nur Totholz zurückließ. –Was wiederum die Grundlage für ihre Vorstufe Paragoni bildete, die ja aus Seelen beziehungsweise Geistern entstehen, welche sich in verrotteten Baumstümpfen einnisteten, sodass auch in diesem Fall wieder ein ewiger Kreislauf der Natur gebildet wurde^^.

Selbstredend hatte Goldblume, im Gegensatz zu Murphy, in diesem Moment rein gar nichts übrig für diese romantisch-philosophische Erkenntnis. Doch beide waren sich einig darin, dass diese angespannte Stimmung, die sich hier immer weiter aufbaute, nur zu bald schlagartig entladen würde!

Und das passierte dann auch:

Nach ein paar weiteren Metern nahm die junge Frau plötzlich eine kaum merkliche Bewegung aus ihren Augenwinkeln war und setzte reaktionsschnell zu einem gewaltigen Sprung nach vorn an. Und das keine Sekunde zu früh, da absolut gleichzeitig eine gewaltige Wurzel aus dem schlammigen Boden herausschoss und zwar genau aus eben jener Stelle, an der sie gerade noch gestanden hatte. Schabelle selbst landete sicher in einiger Entfernung und nahm die Beine in die Hand, denn damit war das Zeichen zum Angriff gegeben und der ganze Sumpfwald geriet in Aufruhr!

Eine Wurzel nach der anderen kam nun blitzschnell aus dem Erdreich hervor; trachtete danach, sie zu fassen und zu umschlingen. Weil dies jedoch nicht gelingen wollte, verfolgten die hölzernen Fesseln sie unnachgiebig und trieben das verwandelte Eleganzpokémon vor sich her. Die Trombork, welche sich nun enttarnt hatten, hielten sich selbst derweil im Hintergrund – wohlwissend, dass sie zu langsam für dieses Unterfangen waren – und bündelten ihre Kraft und Konzentration voll und ganz auf ihren kombinierten und somit äußerst mächtigen Waldesfluch.

So kam es das ein regelrechtes Heer aus verschlungenen und sich windenden Wurzeln nun Jagd auf Altan-Tschitschik machte. Wo es möglich war, versuchten sie ihr, den Weg abzuschneiden, indem sie sich zu einer schier undurchdringlichen Wand verflochten, welche Altan-Tschitschik jedoch mittels flinker Sprünge und Haken zu umgehen wusste.

Rasch hatte Goldblume überdies bemerkt, dass die Urgehölzpokémon sie gezielt an eine ganz bestimmte Stelle des Waldes treiben wollten und sie konnte sich schon denken, was sie dort erwarten würde. Notgedrungen musste sie sich trotzdem darauf einlassen, wobei Schabelle natürlich nicht Schabelle wäre, wenn ihr dabei nicht eine gute Idee gekommen wäre, diese Situation zu ihren Gunsten auszunutzen^^. –Murphy blieb nebenbei bemerkt regungslos und wie festgeklebt auf ihrem Kopf sitzen. Als Psychopokémon konnte es selbstverständlich auch Gedanken lesen und die junge Frau hatte ihn auf diese Weise eindringlich gesagt, er solle ihr diese ekelhafte Magie weiterhin von der Pelle halten. Dann wäre sie auf jeden Fall in der Lage, sich um den Rest zu kümmern…

Jedenfalls fand sich das verwandelte Eleganzpokémon nach kurzer Zeit auf einer großen Lichtung wieder und augenblicklich hörten die Wurzeln auf, sie zu jagen. Dafür umflochten sie nun großflächig diesen Platz, sodass man nicht ohne weiteres wieder von dort verschwinden konnte.

Zunächst erschien dieser Ort komplett leer: Mehrere verschieden große Inseln voll von nun verdorrten Büschen und Sträuchern zwischen denen sich die jetzt vergifteten, blubbernden Wasserflächen erstreckten. Und in der Mitte ragte noch ein größerer Hügel heraus, auf dem ein paar moosbewachsene, verkrüppelte und uralte Bäume sich sogar tatsächlich noch gegen die schädliche Magie behaupten konnten. Urplötzlich ertönte genau von diesem Hügel aus ein tiefes, knurriges Brüllen und bestätigte somit die Gedankengänge von Altan-Tschitschik: Die Trombork hatten sie zum König gebracht!

Die alten Bäume raschelten und erzitterten wie bei einem heftigen Sturm als sich zwischen ihnen ein schier gewaltiges, schillerndes Urgehölzpokémon zu seiner vollen Größe aufrichtete und allein schon dadurch zeigte, warum es der König genannt wurde! Ganze sechs Meter – also viermal größer als ein gewöhnliches Exemplar - ragte dieser Koloss in die Höhe, sein extrem dunkles, rotbraunes Laub glänzte beinahe wie Blut, wohingegen seine ansonsten ja silbergraue Rinde ebenfalls über und über von Moosen und Flechten bewachsen war. Doch genau deshalb wirkte der König erst recht wie ein weiser, alter Anführer, dessen bloße Präsenz ehrfurchtgebietend war.

…Zumindest theoretisch, denn sowie man in das Gesicht dieses Trombork blickte, wurde einem die Aussage von Murphy wieder schmerzlich bewusst. Das violette Auge des Königs wirkte stumpf und leer, kündete von seinem hohen Alter und seiner beginnenden, geistigen Umnachtung, welche ihn nun zu einer leichten Beute für die Magie des Zauberers gemacht hatte. Dazu passte es perfekt, dass jemand ganz bestimmtes in dessen Krone saß und ein hohes, lebloses Hohngelächter hinab zu Goldblume erschallen ließ.

„Nanette!“, zischte die junge Frau verächtlich und sah kämpferisch hinauf zu jener grotesken, knopfäugigen Guardevoirmarionette, die ihr Nepomuk als beste Freundin weismachen wollte, obwohl sie dessen treue Dienerin war. Diese erwiderte den Blick von Schabelle unverwandt, wobei ihre Knopfaugen voller Hass funkelten.

„Haha, so ist es meine ‚liebste Freundin‘!“, bestätigte Nanette mit einem triumphalen, hämischen Gelächter, machte eine tadelnde Geste und fuhr mit ihrer leblosen Stimme, die dennoch voll Feindseligkeit troff, fort: „Dein kleiner Ausflug ist hiermit zu Ende, Altan-Tschitschik! Du hast dich sowohl mir gegenüber als Freundin als auch deinem künftigen Gemahl äußerst ungebührlich verhalten und ihm somit viel unnötigen Kummer und Ärger bereitet. Eigentlich hättest du dir eine gehörige Strafe mehr als verdient. Doch der Herr ist in seiner unendlichen Güte freilich gewillt, bei seiner Zukünftigen Milde walten zu lassen…

…Also sei klug und komm freiwillig wieder zu ihm zurück. Denn sieh es doch ein: Wo willst du denn hin, hä? Dies ist weder deine Welt noch dein richtiger Körper, nirgends würdest du hier glücklich werden können und niemals, hörst du, NIEMALS wirst du dich jemals zurückverwandeln können! Und irgendwann wirst du unweigerlich an diesem Umstand verzweifeln, vielleicht sogar verrückt werden oder daran zerbrechen…“

Die skurrile Wesenheit vollführte plötzlich eine versöhnliche Gebärde und sprach nun fast wie ein Prediger, der vom Paradies kündete: „Ob du es glauben willst oder nicht: Dein Platz ist an der Seite des Herrn. Er wird dich glücklich machen, gerade weil er dir die Gnade des völligen Vergessens schenken wird. Sowie die Zeremonie abgeschlossen ist, musst du dich nie mehr mit solchen quälenden Erinnerungen von einem Leben, welches längst unwiederbringlich vergangen ist, abmühen. Das du überhaupt dieses Wissen zurückerlangt hast, ist einem kleinen Fehler geschuldet, welcher dein Zukünftiger zutiefst bedauert. Du siehst ja, was dieses Umstand angerichtet hat…“

Jetzt streckte sie symbolisch ihre Filzhand nach dem verwandelten Eleganzpokémon aus, wobei der König als ihre Marionette ebenfalls seine gewaltige Pranke einladend vor diesem hielt, sodass sie theoretisch nur noch aufspringen hätte müssen. Und mit hallender, beinahe hypnotischer Stimme beendete Nanette ihre maßlos ausufernde Rede: „Doch nun komm zurück Goldblume! Zurück zu deinem dich innig liebenden Gemahl und schließe den Bund der Ehe mit ihm, sodass du auf ewig in einem Traum voll Glückseligkeit verweilen darfst; fern allen Elends dieser Welt.“

„Ach halt die Luft an Nanette!“, stieß Goldblume trocken und von all dem Gerede gänzlich unbeeindruckt bis lediglich angewidert hervor, verschränkte die Arme, spuckte demonstrativ und meinte mit einem beleidigend, sarkastischem Lächeln: „Ist dir überhaupt bewusst, dass du wie ein schmieriger Gebrauchtwagenhändler klingst? Und wie ein schlechter noch dazu – da würde ich eher bei Kater Karlo einkaufen; der versteht wenigstens was von seinem Job :P! Denn der Müll, den du mir da allen Ernstes anpreist, gehört augenblicklich in die Schrottpresse!“

„Wirst du wohl still sein, du dämliche Ultrabestie!“, brauste die groteske Marionette, deren versöhnliche Fassade bei diesen Worten sofort wieder zusammengebrochen war, voller Aversion gegen Schabelle auf und verstellte sich somit nicht länger: „Du elendiges, stures, dickköpfiges, eigensinniges, widerspenstiges Pokémon schlägst in deinem widerlichen, kindlichen Trotz also einfach so die Gnade des großen Herrn aus?! Das ich nicht lache! Der Herr wird dich trotzdem kriegen, dafür sorge ich; hier ist das Ende der Fahnenstange! Ich habe es im Guten versucht, aber nun werde ich andere Saiten aufziehen und dann wirst du dir wünschen, du wärst freiwillig darauf eingegangen!!“

(Das muss jetzt einfach sein: Pokémon Sun & Moon: Totem Battle^^ https://www.youtube.com/watch?v=NRTX51y2U4Y)

Augenblicklich wurden dunkle Fäden aus schwarzer Magie in den Händen der skurrilen Wesenheit sichtbar und sie begann, den König damit zu steuern und auf das verwandelte Eleganzpokémon zu hetzen. –Dies läutete den Anfang des Kampfes ein, welchen Altan-Tschitschik seit Beginn dieses Auftrittes vorausgesehen, erwartet und durch ihre Wortwahl schlussendlich auch provoziert hatte, weil sich ihr so eine Möglichkeit zur Flucht bieten würde^^.

Zunächst aber galt es dennoch, sich dem König zu stellen, was kein Zuckerschlecken darstellte!

Zwar war dieser genauso langsam wie die gewöhnlichen Trombork, doch wegen seiner gewaltigen Größe besaßen seine mächtigen Arme ebenfalls eine enorme Reichweite, welche den ganzen, von den Wurzeln umschlungenen Platz, umfassen konnten. Mittels waghalsiger Sprünge wich die junge Frau den gewaltigen Pranken des Urgehölzpokémon, mit denen dieses sie zu packen suchte, aus und musste sich vorsehen, da Nanette die Arme des Königs asynchron steuerte.

Dieses Unterfangen gestaltete sich mit zunehmender Kampfdauer immer Kräftezehrender, denn der Boden wurde mehr und mehr aufgewühlt, rutschig und schlammig. Zudem ließ Nanette den König regelmäßig mit Spukball und Samenbomben angreifen. Zwar war Schabelle viel zu flink für diese Angriffe, doch darum ging es auch gar nicht: Jeder Treffer sprengte Unmengen Erdreich in die Luft oder brachte das Wasser zum spritzen, was die Sicht des verwandelten Eleganzpokémon einschränken sollte und den Boden noch unwegsamer machte. Allgemein erkannte Schabelle schnell, dass ihr Gegenüber sie vorrangig zermürben und auslaugen und keinesfalls ernsthaft verletzen oder gar töten wollte. Was ja auch Sinn machte, denn tot hätte sie keinen ‚Nutzen‘ mehr für den Magier gehabt. –Also eine gewiefte Taktik, die durchaus zum Erfolg hätte führen können, wenn dieser Umstand nicht gleichzeitig der größte Trumpf für Goldblumes Strategie, welche sie in petto hatte, darstellte!

Aber es galt schnell zu handeln, denn der Kampfplatz glich mittlerweile einem zerbombten Schlachtfeld auf dem selbst sie kaum noch festen Stand finden konnte! Eine Weile wich sie den immer schneller nach ihr packenden Pranken des Königs noch aus, dann sah sie ihre Gelegenheit: Altan-Tschitschik sprang erneut und tat so, als hätte sie sich verschätzt. Sie rutschte bei der Landung ab, blieb scheinbar mit dem rechten Fuß in einem Schlammloch stecken und brauchte einige wertvolle Sekunden, bis sie sich wieder befreien konnte.

Darauf hatte Nanette derweil nur gelauert! Ihre schwarzen Knopfaugen blitzen hämisch auf und mit einem schrillen, hysterischen Lachen ließ sie beide Arme des Königs auf die Braut ihres Herrn herabfahren. Sie gackerte triumphierend, wähnte sich schon als Siegerin, als sie urplötzlich stutzte. Der König hatte ins Leere gegriffen, seine Klauen stecken nun seinerseits wirklich kurz im Erdreich fest, während die junge Frau diesen mit einem gekonnten Sprung ausgewichen war.

Dann ging alles blitzschnell: Goldblume landete auf dem Handrücken von Trombork und spurtete dessen Arme in vollem Tempo hinauf zur Krone, wo Nanette viel zu verdutzt und überrumpelt dastand und gar nicht zu wissen schien, wie ihr geschah. Ohne dieser grotesken Gestalt Beachtung zu schenken, sauste Schabelle an ihr vorbei, sprang mit aller Kraft vom Kopf des Königs und überwand dank dessen Größe so weitläufig den Wurzelwall, sodass ihr nun der Weg aus dem Sumpfwald freistand!

Oder?

Jäh schrie das verwandelte Eleganzpokémon schmerzhaft auf und wäre beinahe der Länge nach auf den Boden geplumpst. Sie sah an sich hinunter und erkannte schockiert, dass es Nanette gelungen war, während ihres Sprunges ihren Oberkörper samt den Armen mit einer dieser dunklen Fesseln zu umwickeln!

„Nicht so schnell meine liebste Freundin, hähä!“, spottete die skurrile Wesenheit darum siegessicher und zog mit aller Macht an dem Faden, der sich dadurch nur noch enger und schmerzhafter zuzog, und zerrte somit die junge Frau langsam wieder zu sich heran: „Ich sagte doch bereits, dass deine Reise hier zu Ende ist. Da helfen dir auch deine kleinen Tricksereien nichts mehr, hähä! Du kommst jetzt schön zurück in den Obsidianturm des großen Meisters!“

Altan-Tschitschik bäumte sich auf, wehrte sich mit allem, was ihr Körper hergab, doch es half nichts; sie verstärkte nur den quälenden Würgegriff der Fesseln. Stück für Stück ging es darum wieder zurück zu den Wurzeln und zum König, denn die groteske Wesenheit zog brutal und mit schrillem Hohngelächter daran.

Ihre Augen funkelten gehässig, als sie bemerkte, dass Goldblumes Gegenwehr immer schwächer wurde und sie sprach voll Genugtuung: „Weißt du, ich hasse alle Pokémon so sehr! Ihr freier Wille, ihr eigener Kopf, ihre Gefühle… Ihr ganzes Naturell ist mir zutiefst zuwider! Hehe, aber wenn der Meister dich erst zu einer willenlosen Puppe gemacht hat, kann ich mir gut vorstellen, dass ich dich dann sogar leiden mag. Trotz der Ärgernisse, die du bereitet hast!“

Und in ihrem blinden Hass bemerkte Nanette nicht, dass sie gerade längst auf einen Uralttrick hereingefallen war:

Die junge Frau hatte nur vorgetäuscht, dass ihr die Kräfte versagen, um die skurrile Wesenheit zur Nachlässigkeit zu verleiten, damit der schmerzhafte Zug nachlässt. Nun spannte Schabelle jedoch ihre ganzen sehnigen Muskeln an und zerrte nun ihrerseits zum ersten Mal mit ihrer wirklich ganzen Kraft an diesem Seil. Nanette hatte dem nichts entgegenzusetzen. Völlig überrumpelt wurde die groteske Marionette vom Kopf des Königs gerissen, ließ das Seil los und stürzte kreischend in eines der schlammigen Wasserlöcher.

Postwendend lösten sich die dunklen Fesseln in Rauch auf, sodass das verwandelte Eleganzpokémon erleichtert seufzte. Zu Nanette gewandt machte sie eine sarkastisch gemeinste Abschiedsgeste und sagte frech grinsend noch eine Strophe eines Kinderliedes auf: „Und fällt sie in den Sumpf, macht die Nanette plumps^^.“

Dann aber spurtete Altan-Tschitschik los; endlich und unaufhaltsam der Grenze entgegen! Das schrille, ohnmächtig wütende Protestgeheul der skurrilen Wesenheit dröhnte schier betäubend in den Ohren, denn natürlich akzeptierte Nanette ihre Niederlage nicht. Aber selbst der Umstand, dass die Wurzeln die Jagd umso wilder und maßloser wieder aufnahmen, konnte nichts mehr ändern! Zu allem Entschlossen sprang, schlüpfte und rannte Goldblume durch das Gewirr der hölzernen Schlingen, welches vergeblich sie richtig einzuholen und fangen zu suchte. Immer dem Licht entgegen, welches sie und Murphy bereits jenseits dieses finsteren Nebels ausmachen können.

Und dann schließlich prallten die Wurzeln an einer Art unsichtbaren Mauer ab – sie hatten es geschafft! Der Sumpfwald lag hinter ihnen!

3.Kapitel


3.1: Zu früh gefreut

Eine schier überwältigende, kaum in Worte zu fassende Euphorie breitete sich in Altan-Tschitschik aus, als sie die giftigen Nebel des elenden Sumpfwaldes durchquert hatte und sich nun in einem deutlich helleren, freundlicheren Wald wiederfand – den Nebelwäldern!

Ihr Herz hüpfte vor Freude und purer Erleichterung, weil sie und Murphy nun endlich aus dem Einflussbereich dieses miesen Zauberers heraus waren. Geradezu genießerisch sog Goldblume die reine, würzige Waldluft ein und stellte verzückt fest, dass sie auch ohne die Hilfe des kleinen Fellballs wieder richtig und völlig befreit durchatmen und sich bewegen konnte. Keine dunkle Magie lastete mehr auf ihr und dadurch wurde ihr erst bewusst, wie herrlich dies war!

Voll Übermut vollführte die junge Frau darum sogar ein kleines Tänzchen in welches sie sogar freiwillig Murphy, der sich nicht weniger darüber freute, mit einbezog, womit sie ihm auch indirekt für seine Hilfe dankte. Danach stellte sie sich noch einmal demonstrativ vor die Nebelwand hin und zeigte spöttisch ihre beiden Mittelfinger.

„Tja, da waren es wohl deine billigen Tricks, die nichts gebracht haben, schlapper Dummkopf!“, feixte Schabelle ausgelassen und meinte nun doch sogar lobend zu ihrem plüschigen Begleiter: „Saubere Arbeit, Marley :up:!“

„Oh danke sehr Goldblume :D!“, freute sich Fleknoil überschwänglich über dieses Lob, sodass freudestrahlend in der Luft herumtänzelte und ganz verschmitzt hinzufügte: „Dir bereitet es wohl scheinbar viel Spaß, meinen Namen bewusst falsch auszusprechen, was?“

„Blitzmerker :P!“, sagte Altan-Tschitschik einfach und war so gelöst, dass sie das Lächeln ihres Gegenübers offen erwiderte. Anschließend steuerte sie einen kleinen Teich, welchen sie rasch erspäht hatte, an, um sich dort den gröbsten Schmutz abzuwaschen und ihre Wunden besser begutachten zu können. Der Anblick ihres Spiegelbildes sorgte jedoch zunächst bei ihr für einen so heftigen Lachanfall, dass sie sich auf den Boden setzten musste.

Diese verdreckte, zerzauste, muffige Frau aus dem Sumpf mit den zerschlissenen Kleidern und einer so guten Laune, dass ein Außenstehender schon von Verrücktheit sprechen würde, war tatsächlich sie selbst^-^!

Wäre sie in ihrer eigentlichen Gestalt als Pokémon sich so begegnet, hätte sie höchstwahrscheinlich angewidert die Nase gerümpft und ohne weiteres auf und davon gelaufen. Jetzt aber war Goldblume ihr Aussehen herzlich egal! Sie freute sich einfach am Leben zu sein, in gewisser Weise auch endlich frei zu sein, ganz gleich, ob sie noch immer in diesem Menschenkörper steckte. Hauptsache, sie war dem Zauberer fürs erste entronnen und konnte so in aller Ruhe einen Weg finden, wieder zu der zu werden, der sie eigentlich ist.

„Zeigst du mir deine Verletzungen bitte mal Goldblume?“, bat Murphy sie ein wenig später, als sie fertig mit waschen war. Das Fleknoil hatte bis eben geflissentlich weggesehen, damit die junge Frau sich in aller Ruhe und ungestört saubermachen konnte. Nun flatterte der flauschige Psycho/Flugtyp aufmerksam um sie herum und begutachtete die blutroten Schnitte, Striemen und Abschürfungen, die hauptsächlich von Nanettes Fesseln herrührten.

„Ist alles nicht so schlimm.“, wiegelte diese ab, denn wenngleich die Wunden fürchterlich brannten und schmerzten und auch wegen der Reinigung wieder leicht bluteten wusste sie, dass sie lediglich oberflächlicher Natur waren: „Wir machen einfach eine Paste aus Heilkräutern drauf und morgen ist alles schon unter einem schützenden Grind verborgen.“

„Hm… Das wäre natürlich auch eine Möglichkeit, aber ich weiß noch was vieeel besseres :D!“, meinte Murphy geheimnisvoll und grinste dabei vorfreudig wie ein Honigkuchenponita: „Pass mal auf!“

Fleknoil fing an zu leuchten und mit einem Mal wirkten auch seine Flügelspitzen so, als wären sie gerade eben in ein Fass Tinte getaucht worden. Dann malte es damit einen schimmernden Kreis um Schabelle, sodass ein angenehmes, intensives Prickeln durch ihren Körper fuhr. Plötzlich war das ziepen der Wunden verschwunden, sie blickte an sich hinab und erkannte zutiefst erstaunt, dass die Verletzungen komplett verheilt waren! Nicht eine einzige Narbe oder hellere Stelle an ihrer wieder makellosen Haut konnte man erkennen, als wäre sie niemals verletzt worden!

„Wie hast du…?“, brachte das verwandelte Eleganzpokémon nur hervor und sah den fluffigen Psycho/Flugtyp komplett verblüfft an. Natürlich wusste sie von Heilattacken, über die manche Pokémon verfügten, aber dies hier war noch etwas ganz anderes! So schnell und gründlich waren weder eine Heilwoge noch ein Wunschtraum – diese brachten zwar wieder Energie zurück und halfen bei der Heilung der Wunden; konnten diese aber nicht augenblicklich völlig wieder verschwinden lassen.

„Heute Abend Altan-Tschitschik.“, begann Murphy verständig: „Heute Abend machen wir ein wunderschönes Lagerfeuer und dort löse ich mein Versprechen ein und werde die so einiges erzählen. Aber nun…“

Der kleine Fellball plüschte sich wieder auf, bemühte sich um einen seriösen wie verwegenen Gesichtsausdruck und beendete ganz pathetisch seinen Satz: „Wollen wir den Rest des Tages nutzen und in den Nebelwäldern vordringen :]! Glaub mir Altan-Tschitschik, die werden dir viel besser gefallen, als der Sumpfwald! Darum… Musik! Und los geht’s!“

(Wunderbar entspannend^^: Legend of Kay [OST] #12: Meridional Forest https://www.youtube.com/watch?v=0MZdN5gmSL4)

„Hach, wenn’s denn sein muss…“, seufzte diese erneut theatralisch bezüglich des letzten Punktes, da nun wieder eine schöne Melodie in ihrem Geist ertönte, und setzte sich voll Tatendrang und dank Murphys ‚Zauber‘ komplett erholt in Bewegung.

„Aber mach das nicht ZU oft, klar? Da wird man doch irgendwann verrückt von.“, ermahnte sie ihren Begleiter noch schnell, worauf dieser eifrig nickte und spitzbübisch lächelnd erwiderte: „Gewiss doch. Nicht, dass du Gefallen daran findest und es vermissten wirst, wenn unsere Reise eines Tages zu Ende ist^^.“

„Ey, Vorsicht Kleiner!“, warnte Goldblume ihn nicht wirklich ernst gemeint: „Ich mag zwar gute Laune habe und du hast unbestreitbar einen gewissen Anteil daran, doch überspann den Bogen nicht, klar? Und darum Klappe zu jetzt!“

Daraufhin grinste Fleknoil nur vielsagend und gemeinsam machten sie sich auf den Weg. Wie von Murphy prophezeit sagte dieser Ort ihr deutlich mehr zu. Denn die Nebelwälder waren trotz ihrer gewaltigen, uralten und moosbewachsenen Urwaldriesen; von denen sich manche mehr als 30 Meter in die Höhe reckten und Stammdurchmesser besaßen, in denen man schier eine Wohnung hinein bauen hätte können; viel lichter und einladender, als die düsteren Sümpfe. –Deren mickrige Bäumchen im Übrigen – selbst der König – wie Streichhölzer im Vergleich dazu wirkten :P.

Es gab auch kaum Unterholz: Hier und da einige Gruppen niedriger Beerensträucher und Hecken. Dort einige ‚halbwüchsige‘ Bäume, die sich kreisförmig um einen der großen Riesen scharten und warteten, bis einer von ihnen in ferner Zukunft dessen Platz einnehmen würde. Ansonsten nur halbhohe Gräser, Farne und Moose, welche den Boden angenehm polsterten. Und natürlich Blumen, zahllose zart duftende Blumen in zig verschiedenen Rot, Blau und Gelbtönen, die gefühlt überall ihre Kelche aus dem Boden streckten, oder wie schmückende Girlanden als Rankpflanzen um die mächtigen Stämme wuchsen. So oder so sorgten sie für zahlreiche, schöne Farbtupfer in dieser ansonsten hauptsächlich von Grün und Brauntönen dominierten Landschaft.

Da es ja früher Nachmittag war, hatte sich der namensgebende Nebel zwar bereits verflüchtig, doch dafür glitzerten sanfte, warme Sonnenstrahlen durch das rauschende Laub und sprenkelte den Boden mit einem stetig wechselnden Schattenspiel. Anders als im Sumpf brummte und summte hier das Leben! Die junge Frau konnte hier binnen kürzester Zeit etliche verschiedene Pokémonarten ausmachen – von so ziemlich jedem Falterpokémon bis hin zu noch so vielen verschiedene anderen, denen der Wald eine Heimat bieten konnte, dass man sie schier unmöglich aufzählen hätte können.

Es herrschte allgemein eine äußert ruhige, entspannende Atmosphäre hier, auf die sich Schabelle nach dem ganzen Ärger gerne einließ. Man konnte ihr förmlich dabei zusehen, wie sie ihre Anspannung langsam ablegte und dafür umso leichtfüßiger und beschwingter mit Murphy voranschritt. Endlich einmal nicht wie ein Wachpokémon ständig auf Bereitschaft sein, sondern einfach ohne sinistere Befürchtungen mal den Blick durch die malerische Gegend schweifen lassen tat ihr richtig gut.

Noch dazu war der Weg hier erheblich leichter. Die stetige Steigung, das Überwinden, beziehungsweise durchklettern mannshoher Wurzeln, umgestürzter Bäume oder hie und da herausragender Felsnasen, stellte für das verwandelte Eleganzpokémon mehr eine gute Gelegenheit dar, ihren Körper in Form zu halten. Die würzige, belebende Waldluft und das unbesiegbare, schöne Gefühl, Nepomuks direktem Zugriff entkommen zu sein, taten ihr übriges. –Und sowieso war alles besser, als sich durch schlammige Pfade und dorniges Gestrüpp zu mühen und ständig nasse, dreckige Füße und Kleider dabei zu bekommen^^.

Ein paar Stunden später hatten die beiden den Fluss erreicht: Ein tosendes, breites, smaragdgrün schimmerndes Band, welches sich durch sein tiefes, felsiges Bett durch die Landschaft schlängelte. Von diesem zweigten sich gelegentlich ruhigere Nebenarme ab, welche sich schlussendlich in den vielen kleinen Teichen und dem Erdreich selbst verloren und so eine Art natürliches Bewässerungssystem darstellten.

Altan-Tschitschik war ganz bezaubert von dessen schroffen Schönheit – kannte sie doch keine so großen, mächtigen Wasserströme aus ihrer Heimat – und willigte darum sofort ein, als Murphy ihr Vorschlug, eine Weile direkt an diesem entlangzugehen. Unentwegt warf Goldblume dabei immer wieder einen faszinierten, neugierigen Blick hinunter zum rauschenden Nass und bewies, dass sie enorm schwindelfrei war, denn sie stand bisweilen ganz am Rand des steinernen Ufers, welches steil fast fünf Meter bis zum Fluss selbst abfiel.

Ein ausgesprochen friedlicher Tag nahm so seinen Lauf und als die Sonne sich allmählich dem westlichen Horizont zuneigte und die Schatten immer Länger und das Licht dafür immer schöner und goldener wurde, verließen die beiden den Fluss wieder. Die Nacht wollten sie doch lieber im Schutz des Waldes verbringen und suchten sich darum ein geeignetes Plätzchen sowie das nötige Holz für ein Lagerfeuer. Die junge Frau spürte dabei eine gewisse, ungeduldige, vorfreudige Neugierde in sich aufsteigen, schließlich wollte sie ja zu gerne wissen, was Murphy ihr wohl alles zu sagen hatte.

Je schneller sie also das Holz beisammen hatten, umso besser :D!

Mit einem gelösten vor kindlicher Freude strahlenden Gesicht überquerte sie gerade eine weitläufige Lichtung auf der Suche nach trockenem Fallholz, während Fleknoil das gleiche auf der anderen Seite tat, als die Dinge urplötzlich eine Wendung zum Schlimmen nahmen!

Ohne ersichtlichen Grund; einfach alarmiert durch ihren scharfen Instinkt; schreckte Schabelle auf und setzte reaktionsschnell zu einem Sprung rückwärts an…

…Doch zu spät!

Noch während sie sich in der Luft befand sauste ein besonderer Pfeil auf sie herab – nämlich ein Federpfeil, also eine Schattenfessel! Mindestens genauso flink abgefeuert von einen Silvarro, welches nun auf einem Ast viele Meter über ihr aus seiner Deckung gekommen war! In einem Wald waren diese eulenartigen Pflanze/Geistpokémon dank ihrer Tarnung und schnellen Reflexe eine ernstzunehmende Gefahr, was sich nun deutlich zeigte.

Das verwandelte Eleganzpokémon konnte der dunklen Explosion, die dieser Angriff verursachte, zwar noch entkommen, aber ihr Schatten war trotz allem festgenagelt. Ungelenk landete sie unsanft rücklings auf dem Boden und wusste, dass sie nicht mehr fliehen konnte.

„Haha! Gut gemacht Robin!“, lobte eine inzwischen bekannte Stimme das Pfeilflügelpokémon und aus ihrem Versteck, einem hohlen, großen Baumstumpf einige Meter entfernt, kamen drei Ass-Trainer zum Vorschein! Es waren der blauhaarige Jüngling, der Zugreiste und ein finster dreinschauendes Mädchen mit langen, schwarzen Haaren und ebensolchen Klamotten. Auf allen dreien breitete sich ein gieriges Lächeln auf ihren entrückten Gesichtern aus und der Zugreiste meine zufrieden: „So! Etz häm mer dich und etz entkommst uns nimmer!“

3.2: Murphys wahre Macht!

Langsam umkreisten die drei Trainer Altan-Tschitschik und wirkten dabei eher wie ein Rudel ausgehungerter, blutgieriger Magnayen, die nun eine saftige Beute gestellt und um jeden Preis erlegen wollten. Bei genauer Betrachtung erkannte man nämlich deutlich, wie müde und ausgezehrt die drei eigentlich waren, sowie auch ihre Erleichterung darüber, sie gefunden zu haben. –Ganz offensichtlich hatte ihnen lediglich der Zufall in die Hände gespielt.

„Du bist ein durchtriebenes kleines Biest!“, knurrte der Jüngling derweil ärgerlich und wohl benebelt von der Kontrolle und der Müdigkeit gestand er indirekt sogar: „So oft hast du uns in den letzten Tagen an der Nase herumgeführt. Ja sogar Nanette, welche den König unter ihrem Befehl hatte, konntest du übertölpeln… Das hätten wir nie für möglich gehalten! Ein Glück, dass uns der Meister geraten hatte, auch die Nebelwälder zu durchsuchen, auch wenn wir lediglich Dusel hatten, dich hier überhaupt ausfindig machen zu können…“

Da zupfte ihn der Zugreiste am Ärmel und flüsterte eindringlich: „Des hät‘s fei ned unbedingt wissen müssen…“

„Ist doch sowas von egal!“, mischte sich nun die schwarz gekleidete Trainerin mit einem hämischen Grinsen ein und holte wie die anderen ein paar feste Seile aus ihren Taschen: „Nun gibt es wirklich kein entrinnen mehr!“

„Oh ja!“, stimmte der blauhaarige Jüngling gehässig zu: „Und diesmal legen wir selbst Hand an; das ist viel persönlicher, hehe! Und mach keine Dummheiten, sonst…“

Er deutete hinauf zu seinem Silvarro, welches bereits einen weiteren Federpfeil angelegt hatte und jederzeit bereit war, diesen abzufeuern. Eine unmissverständliche Warnung für Goldblume, stillzuhalten! Sie durften sie zwar nicht töten oder zu sehr verletzten, aber wer konnte schon sagen, wie weit Nepomuk wirklich gehen würde, um sie zu kriegen?

Dennoch war die junge Frau keineswegs großartig eingeschüchtert oder entmutigt angesichts dieser Situation. Trotzig reckte sie das Kinn vor und erwiderte herausfordernd den grimmigen Blick der drei. Und mit einem kühlen, überlegenen Lächeln meinte sie: „Wollt ihr wissen, warum ihr mich die ganze Zeit nicht kriegen konntet? Weil ihr mich unterschätzt habt! Und das immer und immer wieder; ihr oder besser euer beknatterter Meister lernt es wohl einfach nicht. Haha, selbst jetzt glaubt ihr, ihr hättet leichtes Spiel und begeht erneut denselben Fehler.“

„Schwafel hier keinen Kokolores!“, blaffte der Jüngling ungehalten. Und wütend funkelte er die andern beiden Trainer, die wegen ihres bisschen Verstanden, den sie scheinbar noch hatten, sogar etwas zurückgewichen waren, mit seinen Flammenaugen zornig an und erklärte: „Jetzt macht euch nicht gleich ins Hemd ihr Helden! Sie blufft doch bloß! Was soll sie denn…“

Mitten im Satz stockte der Ass-Trainer plötzlich, weil unvermittelt ein pfeilschneller Luftschnitt zischend über ihre Köpfe hinweg flog, direkt auf das völlig überraschte Silvarro zu! Der Angriff landete einen heftigen Volltreffer, der stark genug war, das Pfeilflügelpokémon augenblicklich K.O. zu schlagen, sodass es besiegt vom Baum kippte und das verwandelte Eleganzpokémon somit nicht mehr länger gefangen war.

„Ja Birnbam, Hollerstrauch, was is etz des scho widder?!“, verlangte der Zugreiste, welcher als erste der drei Trainer seine Sprach wiederfand, von Schabelle zu wissen. Diese lächelte weiterhin überlegen und sagte nur: „Ich habe doch schon erwähnt, dass ihr erneut den gleichen Fehler macht. Ich mag jetzt vielleicht nicht viel ausrichten können, aber er hier schon :evil:!“

Damit deutete sie auf Murphy, der blitzschnell angeflattert kam und sich schützend vor seiner Reisegefährtin aufbaute. Er hatte im kompletten Gegensatz zu sonst nun einen grimmigen, kämpferischen Gesichtsausdruck und sein Körper leuchtete nicht nur, nein, er glühte förmlich. Sein ganze Auftreten und seine Ausstrahlung hatten trotz seiner geringen Größe irgendetwas an sich, das man ernst nehmen sollte. Seine klare, hallende und jetzt auch drohende Stimme tat ihr übriges: „Wagt es nicht, sie anzurühren, ihr von der Dunkelheit verführten Schläfer! Altan-Tschitschik steht unter meinem Schutz, dem Gesandten von Arceus! Zieht euch lieber zurück, sonst gibt es Krach!“

Unwillkürlich wichen die drei Ass-Trainer sogar wirklich eingeschüchtert vor Fleknoil zurück, worüber sie sich ärgerten, als ihnen dies bewusst wurde. Sie rückten wieder näher heran, knurrten aggressiv und der blauhaarige Jüngling meinte herablassend: „Da hast du dich aber mit einem süßen kleinen Fratz als Pokémon angefreundet, haha! Nicht mal eine Woche ein Mensch und du versuchst dich als Trainer, das ich nicht lache! Ein begabter Schauspieler ist der Kleine ja durchaus, aber was wird davon nach einem Kampf übrigbleiben?“

Die drei grinsten böse, zückten je einen Pokéball (sie hatten ja den Großteil ihrer Pokémon bereits verpulvert :P) und ein jeder ließ dazu einen Schlüsselstein, angebracht an einem Amulett aus Obsidian, vielsagend aufblitzen, ehe der Blauhaarige gehässig fortfuhr: „Einem Kampf ohne Regeln, ohne Gnade und gegen unsere drei stärksten Pokémon gleichzeitig! Finden wir es heraus! Und danach bist du fällig Goldblume, dass das klar ist!“

Sie warfen ihre Bälle und schon sah sich der flauschige Psycho/Flugtyp den drei vollentwickelten Hoennstartern - Sumpex, Gewaldro und Lohgock, allesamt prächtige, durchtrainierte Exemplare mit passenden Megasteinen ausgerüstet - gegenübergestellt. Augenblicklich aktivierten deren Trainer ihre Schlüsselsteine, sodass diese ihre Megaentwicklung vollführten und nun lauernd ihren scheinbar deutlich unterlegenen Gegner umkreisten.

Wie Altan-Tschitschik zuvor, zeigte sich Murphy auch unbeeindruckt von dieser Übermacht. Er warf Goldblume einen Seitenblick zu, grinste schelmisch und meinte noch schnell geradezu beiläufig: „Tritt zurück Goldblume und genieß einfach die Show^^! Glaub mir, die werden sich gleich wundern!“

Und zu seinen Kontrahenten gewandt verkündete Fleknoil herausfordernd: „Wenn ihr es unbedingt auf die harte Tour wollt, dann los doch! Ich bin mehr als bereit!“

Eine rasche Bewegung noch, die dafür sorgte, dass der Kampf für alle gut hörbar von passender Musik untermalt wurde – dann flogen schon die Fetzen^^!

(Und zwar die hier: Okami OST – Ushiwaka’s Dancehttps://www.youtube.com/watch?v=60FJDw9qcFk)

Dermaßen angestachelt ließen sich die Trainer nämlich nicht lange bitten und gaben ihren Pokémon das Zeichen zum Angriff. Mehr mussten sie nicht tun, denn die drei waren perfekt aufeinander abgestimmt und darauf trainiert, ohne die Anweisungen ihrer Trainer zu kämpfen.

Sofort machte Mega-Lohgock den Anfang, preschte mit einem Wahnsinnssatz auf Murphy zu und wollte diesem mit seiner flammenden Pranke einen Abschlag verpassen. Und selbst wenn Fleknoil ausweichen wollte, würde das Großbrandpokémon seinen Gegner somit in die unfassbar kräftigen Arme von Mega-Sumpex treiben. Mega-Gewaldro hatte sich derweil vom direkten Getümmel entfernt, blitzschnell einen Baum erklommen, nahm den Psycho/Flugtyp von dort mit seinen scharfen Augen ins Visier und sammelte sich für einen Drachenpuls, welcher den Rest erledigen sollte, sofern seine Kampfgefährten etwas übrig lassen würden…

…Allerdings hatte Altan-Tschitschik recht mit ihrer Aussage, dass ihre Gegner ständig denselben Fehler machten, denn sie unterschätzen auch Murphy. –Ein Umstand der sich rasch rächen würde, denn der kleine Fellball wusste sich durchaus trickreich zu wehren!

Noch während Mega-Lohgock auf es zustürmte ‚malte‘ Fleknoil flink zwei horizontale Linien in die Luft, was einen seltsamen Nebel aufkommen ließ, der fast wie ein Bizarroraum wirkte. Nur mit dem Unterschied, dass er bloß die gegnerischen Pokémon verlangsamte!

Somit hatte Murphy genug Zeit, das Feuer/Kampfpokémon mit Psychokinese zu packen und in den Drachenpulsangriff des Dschungelpokémon zu schleudern. Dann wandte er sich dem Lehmhüpferpokémon zu, dessen wuchtigen Eishieben es dank einer ‚Auffrischung‘ des Nebels mühelos ausweichen konnte. Hier tupfte der Kleine nun symbolisch mehrmals auf den Boden vor dem Wasser/Bodenpokémon, sodass urplötzlich Pflanzenranken wie bei einem Strauchler herausschossen, welche ihren davon völlig überraschten Gegner so umso heftiger trafen und zu Fall brachten.

Nun wirbelte Fleknoil herum, um sich wieder den andern beiden zu widmen, denn noch war Mega-Lohgock noch lange nicht K.O. und Mega-Gewaldro hatte noch überhaupt keinen Schaden einstecken müssen. Die beiden extrem schnellen Megapokémon wollten ihren Gegner von zwei Seiten aus und mit zeitversetzten Angriffen in die Zange nehmen. Dies schien zunächst auch zu klappen, denn Murphy sah sich zum Ausweichen gezwungen, was ihm aber dank seiner außergewöhnlichen Techniken nicht allzu schwer fiel.

Eine Weile lang wurde aus diesem Kampf dadurch mehr ein wilder Tanz, was die drei Megas enorm frustrierte. Ihre machtvollen, aufeinander abgestimmten Angriffskombos wurden von diesem kleinen Flauscheball einfach ausgehebelt oder gar umgelenkt, sodass nach und nach nur jedes der drei Pokémon wieder und wieder einen Treffer einstecken musste, während ihr Kontrahent unversehrt blieb. Und dies wiederum verpasste ihrer Moral einen herben Schlag. Auf eine solche Gegenwehr waren sie nie und nimmer vorbereitet gewesen, geschweige denn, dass sie überhaupt mit einer solchen gerechnet haben!

Als der Psycho/Flugtyp den schwindenden Kampfeswillen seiner Gegner bemerkte, sah er die Chance gekommen, die Sache rasch zu beenden. Er zeichnete einen Wirbel in die Luft, welcher einen kurzen, aber wilden Orkan entfachte, der den letzten, verzweifelten Angriff des Trios unterband und sie stattdessen durch die Gegend wirbelte. Sofort setzte Murphy mit ein paar Luftschnittangriffen nach, wodurch es ihm gelang seine Widersacher eng zusammenzutreiben.

„So jetzt habe ich euch!“, frohlockte der Kleine triumphierend: „Ladys und Gentlemen! Zeit für das grande Finale!“

Unverzüglich zog Fleknoil schnell eine gerade Linie quer entlang der drei Megapokémon, fast so, als wolle er eine imaginäre Sanctoklinge oder eher ein Mystoschwert ausführen, was der Sache sehr nahe kam. Denn kaum war der Strich gezogen, wurde er schon wie alles zuvor zu einer realen Energieklinge, welche alle Pokémon gleichzeitig erwischte und sie keuchend nach hinten schleuderte.

Obwohl sich die drei Starter immer noch in ihrer Megaform befanden, erkannte Murphy, dass sie genug hatten und ließ darum von einem weiteren solchen Angriff, zu dem er schon ansetzen wollte, ab. Der enorme Schaden, denn sie bis jetzt schon eingesteckt haben, würde sie alsbald sowieso in die Knie zwingen. Ganz davon abgesehen, dass sie ohnehin viel zu verdattert waren, als dass sie überhaupt noch etwas tun konnten.

Blieben nur noch die Trainer, die ganz grün und blau vor Ärger waren, da ihnen bewusst wurde, dass sie sich erneut übertölpeln haben lassen. Diesmal von einem windigen Fleknoil, welches mit Kräften hantierte, die sie nie und nimmer auf der Rechnung hatten – eine Geschichte um die Krise zu kriegen, waren sie doch SO nah dran gewesen, Schabelle endlich wieder einzufangen!

Bevor die Ass-Trainer aus ihrer Fassungslosigkeit heraustreten und auch nur auf den Gedanken kamen, irgendwelche Mätzchen zu machen, hob der Psycho/Flugtyp sie mit seiner Psychokinese in die Luft und beförderte sie zu deren Pokémon. Anschließend zeichnete er einen Kreis, an den er oben einen Strich hinzufügte – schon erschien direkt neben dem Sextett, deren Augen kreisrund vor Schock wurden, eine prächtige Bombe mit fast abgebrannter Lunte!

„Nehmt es mir nicht übel, aber ich kann euch leider nicht befreien. Darum wünsche ich euch einen schönen Flug und keine Angst, im Sumpf werdet ihr schön weich landen!“, sprach Fleknoil abschließend mit seinem freundlichsten Lächeln versöhnlich. Daraufhin explodierte die Bombe, wie Kopplosios Knallkopfangriff, in einem wunderschönen, farbenfrohen Feuerwerk und schleuderte die Sechs davon.

Die Detonation war übrigens weder tödlich noch überhaupt großartig schmerzhaft, weshalb die Trainer in der Luft die Zeit hatten, äußerst missvergnügt die Arme zu verschränken und sich ins Unabänderliche zu fügen.

„Nicht schon wieder…!“, stöhnte der blauhaarige Trainer dabei innbrünstig, während sich das schwarz gekleidete Mädchen gekränkt schweigend in ihrer Würde verschloss und der Zugreiste folgerichtig erkannte: „Jessas na! Des hat uns etz g’scheit auf‘m falschen Fuß derwischt!“

Unterdessen entfuhr Murphy ein zutiefst erleichtertes und glückliches Seufzen, während sein Körper aufhörte zu glühen. Er war zum einen froh, diese Auseinandersetzung so schnell zu einem Ende gebracht zu haben, und zum anderen natürlich außerordentlich Stolz, dass er das Gelernte aus seinem langen Training so gekonnt hat umsetzten können^^.

Als er sich dann umdrehte stand der fluffige Psycho/Flugtyp Altan-Tschitschik gegenüber, welche ihn trotz dieses Spektakels eben ziemlich gefasst und lediglich sehr, sehr neugierig ansah. Fleknoil wirkte nicht überrascht darüber, schließlich war ihm nicht entgangen, dass seine Reisegefährtin wohl seit geraumer Zeit ahnte, dass er wohl über besondere Kräfte verfügen musste. Immerhin besaß das verwandelte Eleganzpokémon eine ausgesprochen feine Intuition; was auch der Grund sein mochte, weshalb sie sich auch nicht vom Überfall der Ass-Trainer eben aus der Ruhe hat bringen lassen. Sie hatte einfach gespürt, dass er etwas ausrichten konnte, weshalb sie fest damit gerechnet hatte – und Recht behielt.

„Sag jetzt nichts!“, hob die junge Frau inzwischen sofort an und hielt dabei bereits wieder trockenes Holz in den Armen: „Es wird bald dunkel und wir wollten doch ein Lagerfeuer machen. Also hilf mir, damit das auch bis dahin was wird. Und dann…“

Jetzt stahl sich ein wissbegieriges, erwartungsvolles Lächeln in ihr Gesicht.

„…Und dann bin ich mal wahnsinnig gespannt auf deine große Story, du Gesandter von Arceus :D!“

3.3: Offenbarungen

Etwas später saßen die beiden dann auch in einer geschützten, felsigen Senke des Waldes um besagtes Feuer, wobei Murphy auch hier nochmals seine besonderen Fähigkeiten zeigte. Anstatt es nämlich irgendwie mit herkömmlichen Pfadfindermethoden wie Feuersteinen oder ähnlichem zu entfachen, hatte er lediglich eine liegende Acht über dem Holzhaufen gezeichnet. Und schon war ein kleiner Flammenball aufgetaucht, der das Holz flugs entzündet hatte.

Nun hielt der pelzige Psycho/Flugtyp mittels seiner Psychokräfte ein paar Beeren darüber, sodass sie schön geröstet wurden und einen verführerischen, aromatischen Duft verbreiteten. Trotz ihrer immer größer werdenden Neugierde, obsiegte bei Altan-Tschitschik deswegen sogar der Hunger, weshalb sie und ihr kleiner Begleiter genussvoll ihr Abendessen zu sich nahmen und auch so einfach die Wärme und Behaglichkeit des Lagerfeuers genossen. –Denn die Nächte in den Nebelwäldern konnten durchaus ziemlich kühl werden, auch im Sommer.

Dann aber wurde es an der Zeit, dass Fleknoil sein Versprechen einlöste und darum begann dieses, nach den richtigen Worten zu suchen.

„Gut, am besten machst du dir es nochmals schön bequem Goldblume, denn das könnte eine längere Geschichte werden.“, hob Murphy alsbald an und wollte freimütig wissen: „Womit soll ich anfangen?“

„Erzähl erst mal was über dich.“, entschied Goldblume schnell, wobei ihre Augen in kindlicher Neugierde funkelten: „Woher hast du zum Beispiel diese Kräfte und was ist ein Gesandter von Arceus eigentlich genau?“

„Ohoho, über mich gleich :oops:?“, kicherte der Kleine geschmeichelt und obwohl er als Fledermauspokémon über und über mit Fell bedeckt war, konnte man trotzdem sehen, dass er ganz rot deswegen würde: „Wie lieb von dir, dass du das zuerst wissen möchtest :herz:!“

„Lass den Mist und spann mich nicht länger auf die Folter als nötig, sondern fang endlich an!“, drängte die junge Frau die vor Ungeduld schon ganz hibbelig wurde; wollte sie doch endlich ein paar Antworten! Glücklicherweise erkannte dies ihr Gegenüber sofort, sodass er, lediglich untermalt von einer raschen, entschuldigenden Geste, ohne Umschweife begann:

„Nun gut, dass hängt alles zusammen, denn unter ‚Gesandten von Arceus‘ versteht man eine Gruppe besonderer Pokémon, die vom Boss, ähm, also Arceus selbst, mit außergewöhnlichen Kräften versehen und von ihm in seiner Welt trainiert werden. Droht irgendwo eine finstere Macht dermaßen zu erstarken, dass die hiesigen Kräfte überhaupt keine Chance mehr haben und sogar das ganze Gefüge in Gefahr gerät, schlägt unsere Stunde :]! Dann schickt der Chef einen der Unsrigen dorthin, sodass wir eben als Gesandte von ihm mit unseren herausragenden Fähigkeiten jenen konspirierenden Mächten Einhalt gebieten. –Daher der Name^^.

Wir sind jedoch nur wenige, denn nur selten wird es so eng, dass Arceus unseren Einsatz in Erwägung ziehen muss – was ja im Grunde auch gut ist. Deswegen sind unsere Aufträge, welche wir selbst Missionen nennen, etwas besonderes, vor allem aber oftmals eine mächtige Herausforderung, für die man sich gut vorbereiten und die nötige Erfahrung mitbringen muss. Tja, hehe, und in diesem Zusammenhang sollte ich erwähnen, dass ich der Jüngste von allen bin. Das hier ist meine allererste Mission :D!“

„Aha, Arceus schickt mir demnach seinen grünen Azubi? Die Sache muss ihm ja seeehr wichtig sein.“, stichelte Altan-Tschitschik schelmisch grinsend, wobei sie sich das ja schon fast gedacht hatte. Der Kleine tat ja gar so eifrig, euphorisch und aufgeregt und nur aus Spaß fragte sie: „Wie alt bist du denn? 10 Jahre? 5?“

„Nicht ganz, in dieser Daseinsform existiere ich schon seit 3 000 Jahren, haha. Bin halt noch ein junger Hüpfer^^.“, offenbarte Murphy lachend und nahezu beiläufig. Erst als er Goldblumes ungläubigen, erstaunten Blick sah, wurde ihm wieder bewusst, dass auf dieser Welt die Zeit in ‚etwas‘ anderen, kleineren Maßstäben gehandhabt wurde, weshalb er rasch erklärte: „Vor dieser Zeit war ich ein normales Fleknoil, das das Pech hatte zu jener Epoche in Kalos zu leben. Da herrschte ja dieser schreckliche, verheerende Krieg, der in dem Bau und Einsatz der unheilvollen, ultimativen Waffe mündete, wie du vielleicht weißt. Na ja, ohne viel Tamtam drum zu machen: Mich hat es, wie so viele andere Menschen und Pokémon auch, eben erwischt und ich verlor meinen alten Körper.“

„Du bist gestorben?“, unterbrach Goldblume ihn erschüttert und ihre Stimme war voll Mitgefühl, doch der flauschige Psycho/Flugtyp lächelte sie nur breit und aufmunternd an und fuhr mit unbesiegbar guter Laune fort: „Haha, deine Anteilnahme ehrt mich, Altan-Tschitschik, aber du musst dir echt keinen Kopf deswegen machen. Es ist so lange her und ging so schnell; ich hab ja anfangs gar nicht gewusst was passiert ist. Erst wurde es ganz hell, dann dunkel, und plötzlich stand ich vor Arceus in meiner jetzigen, enorm edlen und schmucken Gestalt^^. Es war fast so, als wäre ich nur aus einem langen, tiefen Schlaf erwacht.

Auf jeden Fall hat mich der Boss in die Gruppe der Gesandten aufgenommen. Und weil ich verglichen mit den meisten anderen eine eher schwächliche Physis besitze, hat das Alphapokémon ein anderes Machtwesen kontaktiert und so wurde ich, unter anderem, in die Geheimnisse der ‚göttlichen Pinseltechnik‘ eingeweiht 8)! –Das ist das, was du heute beim Kampf gegen die Pokémon der Ass-Trainer gesehen hast.

Mithilfe ‚magischer Tinte‘; in meinem Fall nichts weiter als meine manifestierte Endlosenergie; die meinen Flügelspitzen entweicht, wie die Farbe an Farbeagels Schweif, kann ich durch das malen bestimmter Muster allerlei Tricks anwenden und eben auch mächtige Attacken entfesseln, die ich eigentlich gar nicht erlernen könnte. Natürlich kostet das ganze schon einiges an Kraft, ein solches Feuerwerk wie heute kann ich nicht jedes Mal abbrennen^^.

Selbstredend bin ich deshalb nicht unbesiegbar; hätten die drei Megas gewusst, was sie erwartet, wäre der Kampf deutlich länger und härter ausgefallen. Und im Sumpf konnte ich überhaupt nicht groß darauf zurückgreifen, weil Nepomuks Magie mich sonst zu sehr geschwächt und er uns vielleicht ausfindig hätte machen können…

Nichtsdestotrotz ist das eine verdammt coole Fähigkeit und ich bin enorm stolz, sie für den Kampf gegen das Böse einsetzen zu dürfen :up:!“

„Das stimmt allerdings.“, pflichtete die junge Frau dem kleinen Wuschel ernsthaft bei, während ihr insgeheim so langsam alles klar wurde. Mit solchen Kräften waren alle dieser wundersamen Begebenheiten wirklich kein Problem. Dadurch war allerdings auch der Bogen zum unangenehmen Teil der Erzählung gespannt, doch Schabelle rang sich dazu durch, als Erste dieses Thema anzuschneiden: „Hat Arceus dich vielleicht deshalb für diese Mission ausgewählt? Weil dieser Mistkerl von Nepomuk nicht darauf vorbereitet war? Und *Schauder* warum ist der Kerl so versessen auf mich? Er ist doch ein Zauberer, wenn er wollte kann er doch fast jede Frau haben, oder sich sogar eine machen. Ja, das wäre am klügsten, dann hätte er gleich eine dumme Puppe, wie er es immer wollte :down:…“

Murphy lächelte sie zunächst anerkennend an, weil er ihre Stärke immer wieder aufs Neue bewunderte. Sogar jetzt ergriff sie die Initiative, obwohl man ihrer Haltung und ihrem Gesichtsausdruck überdeutlich ansehen konnte, dass sie niemals gern über dieses niederträchtigen Zauberer sprach, der ihr all dies erst eingebrockt hatte.

„Gut möglich, dass der Boss mich vielleicht gerade deshalb ausgewählt hat, aber er tut ja immer so geheimnisvoll, es ist manchmal selbst für Meinesgleichen schwer zu deuten, was in ihm vorgeht, haha.“, hob Fleknoil lachend an, bevor es ernster wurde: „Und was die Beweggründe von Nepomuk angeht…

…Da steckt ein ganz böser, hinterhältiger Plan dahinter! Er hat dich nicht nur entführt und in eine Menschenfrau verwandelt um, um…“

„Sprich es ruhig aus.“, übernahm das verwandelte Eleganzpokémon und schnaubte verächtlich und angeekelt: „Er wollte mich zu seiner willfährigen Sklavin machen, weil er zu blöd ist, eine richtige Frau haben zu können! Aber warum ausgerechnet ich, beziehungsweise unbedingt eine Ultrabestie? Es gibt genug Pokémon in dieser Welt, die er für seine dreckigen Gelüste verwandeln hätte können – wobei ich keinem einzigen dieses Schicksal wünsche. Aber bei denen hätte er nicht so viel Energie verbrauche müssen, dass er für die nächsten Tage wie ein hässlicher Zombie durch die Gegend wanken müsste.“

„Aber es musste eine Ultrabestie sein, weil nur ihr etwas in euch tragt, dass er haben will.“, erklärte Murphy und brachte die Sache auf den Punkt: „Er möchte durch die – du weißt schon was - mit dir das ‚Licht Necrozmas‘ stehlen und für seine Zwecke missbrauchen!“

„Ach, den ‚Bestien-Boost‘?“, fragte Altan-Tschitschik neugierig und etwas verwirrt, während sie in das Lagerfeuer starrte und mit einem Stock darin herumstocherte, sodass ein paar Funken stoben. Zweifelsohne beruhigte sie der Anblick des Feuers, denn ihre Gesichtszüge hatten sich wieder entspannt. Und sie wusste genau, wovon der Kleine sprach: Von der besonderen Fähigkeit der Ultrabestien, nach jedem Besiegen eines Gegners stärker und stärker zu werden. Die Vorfahren aller Ultrabestien reisten schon lange, ob gewollt oder nicht, durch Ultrapforten zwischen den Welten und sammelten so diese besondere Energie; das sogenannte Licht Necrozmas; in sich an. Und da dies eine mächtige Fähigkeit war, setzte sie sich im Lauf der Zeit immer mehr durch, bis sie schließlich zur einzigen Fähigkeit der Ultrabestien wurde. –So hatte Goldbluem es damals, als sie noch ein ganz junges Schabelle war, von ihren Eltern beigebracht bekommen.

So schön das Ganze auch klingen mochte, es hatte einen Haken und dieser Umstand war der Grund, warum die junge Frau das Bestreben dieses Mistkerls nicht ganz nachvollziehen konnte. Und deshalb sagte sie auch sogleich: „Aber die wirkt doch nur für die Dauer eines Kampfes. Nach einer Weile ist die ganze Kraft wieder verpufft.“

„Im Normalfall!“, warf der Psycho/Flugtyp ein und wurde düster: „Nepomuk Balthazar von Sonnenstich hat einen Weg gefunden, wie dieser Kraftschub dauerhaft anhalten kann!“

Schabelle, die den Ernst der Lage augenblicklich verstand, sah ihr Gegenüber erstaunt an und frage nur: „Wie das?“

„Er ist vor langer Zeit in den Besitz eines machtvollen, dunklen Grimoire, also eines Zauberbuches, gekommen.“, erklärte Murphy ernst: „Erst durch diesen finsteren Gegenstand und all die abscheulichen, schwarzmagischen Hexereien darin konnte er sich jene Macht ergaunern, die er nun besitzt. Zudem haben manche Sprüche darin gesorgt, dass er seine heimtückischen Pläne und Handlungen lange Zeit im Verborgenen ausführen konnte. Erst so konnte der Magier überhaupt sich sein dunkles Reich inmitten des Sumpfes schaffen und alle darin lebenden Wesen versklaven…“

„Aber natürlich gibt sich dieser Mistkerl damit längst nicht zufrieden sondern giert, wie jeder ‚lupenreine‘ Despot, nach noch viel mehr Einfluss und Herrschaft, weil er davon nie genug haben kann.“, beendete das verwandelte Eleganzpokémon, welches ja schon hinter die scheinheilige Fassade des Zauberers geblickt hatte, den Gedankengang und ergänzte ironisch: „Warum nur überrascht mich das jetzt nicht? Aber gut, und ich, beziehungsweise meine Fähigkeit, die er mir stehlen will, soll ihm den Weg dafür ebnen?“

„So ist es, Altan-Tschitschik.“, bestätigte Fleknoil und beschwor entgegen seiner Art ein finsteres Szenario herauf: „Sobald Nepomuk sich erst mal das Licht Necrozmas angeeignet hat, würde er sofort jedes Lebewesen in seiner Umgebung besiegen und dadurch immer und immer stärker werden. Denn es zählt ja nicht, ob es ein würdiger Gegner ist oder nicht. Und nur zu bald wäre der Zauberer so mächtig, dass ihn niemand mehr aufhalten könnte – noch nicht mal die legendären Pokémon. Und… irgendwann sogar selbst der Boss nicht mehr...“

„Das wäre ja grauenvoll!“, entfuhr es Altan-Tschitschik schockiert, bis sie jäh zusammenzuckte, da ihr das eine Gespräch im Sumpfwald wieder in den Sinn kam und es ganz ängstlich aus ihr herausplatzte: „Und was ist mit dem Kuss, den er mir gestohlen hat? Du sagtest ja was von einem Energydrink… Ist es womöglich schon zu spät?!“

„Beruhige dich bitte Goldblume.“, hob Murphy mit sanfter Stimme an und wirkte untröstlich: „Verzeih mir bitte, die Kleinigkeit habe ich nicht bedacht. Ich wollte dir wirklich keine Angst machen; so schlimm ist das mit dem Kuss nicht. Gewiss, der Zauberer wird dadurch wieder schneller zu Kräften kommen, als ursprünglich gedacht, aber mehr auch nicht. Um das Licht Necrozmas zu stehlen ist weitaus schlimmeres nötig, dem du ja glücklicherweise entgangen bist.“

„Uff...“, stöhnte Goldblume und war so dermaßen erleichtert, dass sie nicht mal daran dachte, aufzubrausen, angesichts des Schreckens, den ihr Gegenüber ihr eingejagt hatte. Stattdessen bemerkte sie, dass der kleine Fellball bereits wieder breit griente, was sie gleich noch mehr beruhigte, und sie kombinierte haarscharf: „So wie du jetzt guckst, muss der ‚liebe‘ Nepomuk scheinbar bei seinem Plan eine Kleinigkeit nicht bedacht haben, nicht^^?“

„Durchaus! Und diese Schwachstelle bist DU, Altan-Tschitschik!“, eröffnete der Psycho/Flugtyp geradezu feierlich und geheimnisvoll zugleich und deutete mit den Flügelspitzen auf seine Reisegefährtin. Diese begriff zuerst gar nichts und widerholte deshalb zunächst reichlich verwirrt: „Ich?!“

„Jepp! In seinem Hunger nach mehr Macht ist der Magier eines Tages in seinem Grimoire auf das Licht Necrozmas gestoßen und da kam ihm gleich ein weiterer böser Gedanke: Wenn er schon eine Ultrabestie für sein Unterfangen brauchte, würde er sich gleich die schönste von allen nehmen und zu seiner Sklavin machen. Womit die Wahl ja logischerweise auf die Schabelle und so indirekt auf dich fiel.“, erläuterte Fleknoil, wobei er verschwörerisch lächelte: „Mit der Zeit haben ihn diese beiden Begierden so sehr gepackt und schier verblödet, dass er tatsächlich das Risiko eingegangen und diesen Wahnsinn in die Tat umsetzte…

…und dieser Wahnwitz hat ihn schlussendlich verraten! Denn dieser unfassbar hohe magische Kraftaufwand, den deine Entführung und Verwandlung ihn gekostet hat, hat auch dafür gesorgt, dass Arceus auf ihn Aufmerksam wurde. Natürlich hat der Boss postwendend invertiert und so dieses Zauberwerk von Anfang an sabotiert. Darum auch diese ganzen Zweifel und drängenden Fragen, auch dieser seltsame Traum vor deiner Flucht und natürlich der Umstand, dass du dich so schnell in deiner menschlichen Gestalt zurechtgefunden hast und sogar Sinnbilder und Sprüche benutzt, die du unmöglich in deiner Heimat gelernt haben konntest. -Das war alles der Chef, der dir persönlich geholfen hat :]!“

„Ach so, das war das also…“, murmelte Altan-Tschitschik verstehend und sie konnte sich eines herzhaften Gähnens nicht erwehren. Sie hatte so viel erfahren, dass sie schier benommen davon und auch müde wurde, denn das alles musste erst mal mit einem Schläfchen verdaut und verarbeitet werden. Noch riss sie sich jedoch zusammen, denn eines begriff sie immer noch nicht ganz, weshalb sie sogleich fragte: „Aber wie genau gefährde ausgerechnet ich jetzt die Pläne dieses Mistkerls?“

„Es ist ganz einfach: Nepomuk Balthazar von Sonnenstich hat sich in seiner Gier durch die mit dir verbundene Zauberei völlig übernommen und so nachhaltig geschwächt. Ungewollt hat er damit einen Pfad beschritten, den er nicht mehr verlassen kann. Er BRAUCHT nun ironischerweise das Licht Necrozmas von dir, wenn er überhaupt wieder seine komplette frühere Stärke zurückerlangen möchte.“, stellte Murphy klar und beendete seine Ausführungen mit zwei bedeutungsschweren Sätzen: „Seine ganze Macht ist nur durch die Begierde, dich zu kriegen, angreifbar geworden und so zerbrechlich wie Glas. Sowie du es schaffst, dich zurück zu verwandeln, wird alles bald in Scherben liegen und zu Staub zerfallen.“

„Verstehe… Aber wenn quasi alles davon abhäng, dass ich wieder ein Schabelle werde… Wieso hat Arceus mich nicht gleich wieder in ein solches verwandelt und zurückgebracht?“, wollte Goldblume verständnislos wissen und musste erneut gähnen: „Dann wäre alles doch viel einfacher gewesen.“

„Oh, so leicht wie du dir das vorstellen magst, ist das leider nicht. Abgesehen davon, dass der Boss so gut wie nie so dermaßen stark in die Geschehnisse eingreifen kann, liegt es am bösen Zauber selbst. Er ist so komplex mit dir verwoben, dass selbst der Boss nichts dagegen machen kann; er würde dich schlimmstenfalls nur in Gefahr bringen.“, erklärte Fleknoil bedauerlich, ehe seine Stimme ganz heiter und warm vor Zuversicht wurde: „Aber deswegen hat er ja mich zu dir gesandt und mir gesagt, wie ich dir helfen kann :D! Allerdings glaube ich, dass ich mir das für Morgen aufheben sollte, du siehst ziemlich müde und benommen aus. –Kein Wunder bei dem ganzen Schwall an Informationen, haha.“

„Hmpf! Ich bin doch kein Schlüpfling mehr, den man ins Bett schicken muss.“, gab die junge Frau schnippisch zurück, grinste allerdings dabei amüsiert. Murphy hatte ja recht: Sie war todmüde und ihr Kopf brummte schier angesichts des Ganzen, was sie gerade gehört hatte. Es war wirklich besser, jetzt aufzuhören. Eine einzige Frage wollte sie jedoch noch unbedingt stellen: „Und worin besteht jetzt aber deine Mission?“

„Ich soll eine Reise mit dir unternehmen und dich nach Kräften auf dieser unterstützen, Altan-Tschitschik.“, antwortete der fluffige Psycho/Flugtyp gedehnt, um ein letztes Mal an diesem Abend die Spannung nochmals aufzubauen, bis er endlich eröffnete: „Und zwar auf einer Reise zu…

…Xerneas, dem legendären Pokémon des Lebens!“

3.4: Böse Ränke

Unterdessen im dunklen Obsidianturm des Zauberers…

(Und dazu diese Melodie^^: Rayman 2 Soundtrack - Meanwhile, in the Pirate Prison Ship https://www.youtube.com/watch?v=JqgCod_IrI8)


„Ihr inkompetenten Griffel!!“, keifte Balthazar kochend vor Wut und warf zornig seinen Weinpokal nach den drei Ass-Trainern, die sich ängstlich duckten, sodass das kostbare Gefäß an der Wand zersplitterte und der Inhalt sich als kleine Pfütze am Boden sammelte. Der Zauberer saß auf seinem bequemen, erhöhten Thron aus schwarzem Ebenholz, der reich mit allerlei Geschmeide und Edelsteinen verziert war und in seinem ‚Thronsaal‘ in der höchsten Etage des Turmes stand.

Dieser gewaltige Raum mit seiner kuppelförmigen Decke war, ähnlich des Speisesaals, von oben bis unten mit Mosaiken verziert, die sämtliche legendären Pokémon abbildeten. Malvenfarbene und mit goldenem Brokat versehene Seidenvorhänge und diverse Wandteppiche schmückten hie und da zusätzlich die Wände und auch so manches mächtiges Regal in dem wertvolle Bücher als auch diverse Utensilien für die Zauberei zu finden waren, befand sich hier. Fenster hingegen hatte dieser finstere Raum nicht, stattdessen erhellten merkwürdige Kristalle diesen mit ihrem schaurigen, blaugrauen Glühen.

Von seiner hohen Warte aus sah Nepomuk derweil wütend und ohne jegliches Mitleid in wortwörtlich beiderlei Hinsicht auf die drei jämmerlichen Gestalten herab, die eigentlich durchaus erbarmungswürdig aussahen. Sie waren völlig durchnässt, verdreckt und nach all diesen tagelangen Anstrengungen und Fehlschlägen körperlich wie auch geistig am Ende.

All dies interessierte Balthazar von Sonnenstich; welcher im Übrigen wieder deutlich erholter aussah, als noch vor einigen Tagen; natürlich herzlich wenig. Seine Hände krallten sich zitternd vor Zorn in die Armlehnen des Throns, er atmete schwer und sein Gesicht zuckte unaufhörlich. Und dieser wilde Groll steigerte sich noch weiter, weil er schier krank vor unerfüllter Begierde war.

Altan-Tschitschik, SEINE Braut und Schöpfung, die er um ein Haar vollständig in seinen Bann geschlagen hätte, sodass er sie endlich schamlos wie eine Dirne ausnutzen und gleichzeitig in den Besitz des heiß ersehnten Licht Necrozmas kommen könnte…

…Des Bestien-Boosts mit dessen Hilfe er zum unangefochtenen Herrscher der Welt, ach was!, gleich des ganzen Universums werden konnte, weil seine Kräfte dann ins unermessliche steigen würden…

…Sie war geflohen, bevor er überhaupt etwas von ihr haben konnte, außer einem einzigen läppischen Kuss!

Und alle bisherigen Versuche, sie wieder zu kriegen, waren kläglich gescheitert und dieser Umstand machte ihn erst recht rasend, sodass er augenblicklich weiter tobte: „Ihr habt auch ganze Linie versagt, ihr dämlichen Tölpel! Da leiste ich euch sogar Hilfestellung und ihr kriegt es trotzdem nicht auf die Reihe sie zu fangen! Und ihr wollt Ass-Trainer sein?! Da hätte ich lieber eine Schar Vorschüler schicken sollen! Ihr unfähigen Taugenichtse! Selbst Milch kann mehr als ihr: Die kann nämlich schlecht werden, ihr hingegen könnt rein gar nichts…!!!“

Balthazar überschüttete sie nun einen Moment lang mit entwürdigenden Sinnbildern und geißelte sie mit so unflätigen Flüchen und Ausdrücken, die man nicht sagen konnte. Die drei bemitleidenswerten Gestalten jedenfalls wurden von dieser Standpauke, welcher einer Tracht Prügel in nichts nachstand, heftig zusammengestaucht und vollends fertig gemacht.

„A…Aber… Herr!“, begehrte da der blauhaarige Jüngling irgendwann verzweifelt auf und wollte die Sache erläutern, die Gründe für ihr Scheitern offenlegen. Einfach, damit diese unsägliche Situation ein Ende findet.

Ein Fehler!

„Schweig still!“

Schon hatte der dunkle Magier eine große, rauchförmige Hand aus schwarzer Magie erschaffen, mit der er den bemitleidenswerten Trainer an der Gurgel packte und heftig gegen die Wand presste. Während dieser gequält keuchte, stöhnte und wimmerte und dabei gleich einem Fischpokémon am Haken hilflos zappelte, funkelte Nepomuk den Zugreisten und das schwarzhaarige Mädchen böse mit seinen unheimlichen Augen an. Lauernd wie belustigt über deren nackte Angst in den Gesichtern fragte er sie spöttisch: „Will einer von euch auch noch unbedingt etwas dazu sagen, hä?“

Die Zwei schüttelten schnellstmöglich panisch den Kopf, sodass sie nur ein verächtliches, beleidigendes Hohngelächter über sich ergehen lassen mussten und Balthazar hämisch knurrte: „Gut!“

Er ließ die dunkle Hand wieder verschwinden und der Jüngling sank keuchend und sich seinen schmerzenden Hals haltend zu Boden, wo ihn immerhin die anderen beiden aufstützten. Der Zauberer hingegen machte eine abfällige Handbewegung, schnippte mit den Fingern wodurch sich die verschnörkelte, edle große Holztür öffnete und murrte abschließend: „Und jetzt hinaus mit euch Versagern! Und du auch Nanette! Raus, raus mit euch allen! Ich will allein sein, ALLEIN!“

Das letzte Wort hatte er regelrecht gebrüllt, sodass der ganze Saal bebte und die Ass-Trainer trotz ihrer bleischweren Müdigkeit sich erst recht beeilten, diesen zu verlassen. Hinter ihnen schlich tatsächlich Nanette, welche sich bis eben hinter dem Thron versteckt hielt, geduckt wie ein geprügeltes, gedemütigtes Pokémon, ebenfalls aus dem Raum. Und es wurde sofort ersichtlich, dass sie ihre Strafe für ihren Misserfolg bereits erhalten hatte und deswegen auch nicht von den Trainern vorzeitig gesehen werden wollte:

Nepomuk hatte ihre schwarzen Knopfaugen durch himmelblaue ersetzt und ihren Körper Gold und Rosa gefärbt, sodass sie jetzt wie ein quietschfröhliches Plüschtier wirkte. –Für ein Wesen, welches hauptsächlich von Hass und purer Bosheit angetrieben wurde ein schweres Los^^.

Als sich die Tür hinter der grotesken Wesenheit schloss, erhob sich Balthazar von Sonnenstich grimmig und ging in finsterer Grübelei versunken zu einem der Regale. Auf einem Pult davor lag ein dicker alter Schmöker in schwarzem, mit schwarzmagischen Symbolen versehenem Ledereinband, der eine unheilvolle Ausstrahlung verbreitete – jenes düstere Grimoire, auf dem seine ganze Macht fußte.

Vor tausend Jahren von einem gewissen ‚Salazar‘ verfasst, hatte jeder Zauber, jeder Spruch, jeder Trank und jedes darin beschriebene Ritual immer einwandfrei und ohne ungewünschte Nebenwirkungen funktioniert. Diese Grimoire war unbestreitbar das Vermächtnis eines Meisters der dunklen Künste und Nepomuk Balthazar von Sonnenstich hatte sich stets blind darauf verlassen können, bis auf…

„Ausgerechnet diese eine Ritual…“, dachte er sich erbost und schlug routiniert eben jene Seite auf und las den Text, obwohl er diesen bereits auswendig kannte: „Ich habe alles richtig gemacht, penibel jede Bewegung ausgiebig studiert und mich genauestens an alle Anweisungen gehalten: Vor, während und nach dem Ritual… Es hätte eigentlich nichts schief gehen können!“

Er wandte sich vom Buch ab und ging mit hinter dem Rücken verschränkten Armen energisch auf und ab und dachte angestrengt nach. Während seiner ‚Belehrung‘ des Ass-Trainers hatte er gleichzeitig den Geist und das Gedächtnis dieses jämmerlichen Burschen bis in den letzten Winkel durchleuchtet, sodass alles, was er in den letzten Tagen erlebt hat, nun auch ihm zu Eigen war.

Und jäh fiel es ihm wie Schuppen von den Augen! Der Zauberer stürzte zurück zum Grimoire und fand alsbald die Antwort: Eine kleine, aber eindringliche Warnung des Verfassers gegen Ende der Seite, die er großzügig übersehen hatte, weil er sie für unbedeutend hielt. Doch nun wurde ihm alles klar.

„Das ist es also!“, rief Nepomuk erkennend aus: „ICH habe alles richtig gemacht! Jemand anderes hat es gewagt, in mein großes Werk hineinzupfuschen und es sabotieren zu wollen!“

Erneut kehrte er dem Grimoire den Rücken und hob drohend die Faust hinauf zum Zentrum der Kuppel über ihm. Dort befand sich das Mosaik von Arceus, welches fast mit einem mahnenden Blick zum Magier hinuntersah, als wolle es die stumme, ausdrückliche Warnung aussprechen, nicht zu weit zu gehen.

Natürlich scherte dieser sich nicht um solch subtile Botschaften sondern zürnte: „Na warte nur, du Möchtegern! Magst du dich auch noch so sehr versuchen einzumischen, meine Pläne wirst du trotzdem nicht gefährden!“

Und mit einem mal verzerrte sich sein Gesicht zu einer finsteren, triumphalen Grimasse, denn ihm war spontan ein Einfall gekommen und er höhnte in Richtung des Alphapokémon: „Nun, dann werde ich eben einen anderen Weg wählen. Hähä, einen Weg, dem DU nichts entgegensetzen kannst, mwahaha!“

3.5: Das große Ziel

Am frühen Morgen des darauffolgenden Tages durchwanderten Altan-Tschitschik und Murphy indessen bereits wieder die Nebelwälder und nun konnte die junge Frau diese endlich in ihrer namensgebenden Pracht sehen und zeigte sich beeindruckt. Feine, vom fernen Sonnenlicht zart vergoldete Nebelschwaden waberten mysteriös und wunderschön zugleich zwischen den Stämmen der riesigen Bäume in der kühlen, feuchten und reinen Luft umher. Ihre ohnehin schon fernen Kronen wirkten dadurch wie geheimnisvolle Orte aus einer anderen Welt und luden schier dazu ein, sie zu betrachten und von geheimen Wundern und Schätzen, welche wohl dort verborgen im Schutz des Nebels liegen mochten, zu träumen.

Allgemein verlieh der Nebel dem ganzen Wald etwas Mysteriöses. Sämtliche Geräusche wirkten gedämpft und wie von weit her und die Silhouetten der vorbeiziehenden Pokémon wurden zu undeutlichen Schemen, die verschwommen kurz durch das Blickfeld huschten. Dennoch hatte dies nichts Bedrohliches sonder vielmehr etwas zutiefst entspannendes an sich; man hatte das Gefühl, wie durch einen angenehmen Traum zu wandeln.

Dass es dezent kühl war, bemerkte Goldblume nicht, denn sie war ganz betört von diesem filigranen Zauber und der weiterhin anspruchsvolle Weg tat sein übriges, dass ihr rasch warm wurde. Heute Morgen sah die junge Frau jedoch etwas blass und übernächtig aus, denn nach diesem langen, aufklärenden Gespräch gestern Abend war sie trotz ihrer Müdigkeit lange wach gelegen. Sie hatte so viel unglaubliche wie auch ungeheuerliche Dinge erfahren, dass dies ihren Geist furchtbar aufgewühlt hatte und sie erst mal zur Ruhe kommen musste.

Dennoch wirkte sie alles andere als müde oder schlapp sondern ganz im Gegenteil richtig munter, regelrecht elektrisiert und barst schier vor Tatendrang. Der kurze aber intensive Schlaf hatte ihr geholfen diese ganzen Informationen wenigstens grob einzuordnen, zu verarbeiten und miteinander in Zusammenhang zu bringen. Und nach dem Aufwachen sah sie die Welt wirklich mit anderen Augen!

Endlich wusste sie Bescheid, wusste, warum ihr dieses üble Schicksal widerfahren ist und noch viel wichtiger: Jetzt hatte sie ein konkretes Ziel vor Augen auf das sie ihre ganze Energie und Aufmerksamkeit richten konnte!

Xerneas, das legendäre Pokémon des Lebens also war laut der Aussage ihres kleinen, außergewöhnlichen Weggefährten der Schlüssel, wie sie wieder zu einem Schabelle werden konnte und somit auch die wahnwitzigen, brandgefährlichen Pläne von Nepomuk vereiteln würde. –Allein dieses Wissen motivierte sie mehr als nötig, unbedingt weiterzumachen. Es war wie ein inneres heiß loderndes Feuer, welches diese Erkenntnis in ihr entfacht hatte und nun so dermaßen antrieb, dass es dem verwandeltem Eleganzpokémon nun gar nicht mehr schnell genug gehen konnte^^.

Obwohl dieser Aspekt gestern von Murphy lediglich nur angerissen wurde, hatte sich Altan-Tschitschik seit dem ganzen Morgen schon so ihre Gedanken darüber gemacht. Und irgendwann beendete sie darum auch das angenehme Schweigen, in welchem die zwei bisher einträchtig und geradezu andächtig inmitten dieses malerischen, nebelverhangenen Waldes wanderten.

„Diese Reise zu Xerneas…“, hob sie nun neugierig an und lächelte geheimnisvoll: „Wie genau wird diese denn verlaufen, Murphy?“

Der heitere kleine Fellball, welcher bis eben leicht glimmend und leise summend neben ihr her geflattert ist, wäre vor Erstaunen beinahe auf den Boden geplumpst. Er blickte ihr mit großen Augen ins Gesicht und sah dort ihr ehrliches und amüsiertes Lächeln, weil Fleknoil so überrascht darüber war, dass sie seinen Namen richtig ausgesprochen hatte. Goldblume lachte fröhlich und gestand freimütig: „Was denn? Ich müsste ein arrogantes, verwöhntes Prinzesschen sein, wenn ich deine gestrige Leistung nicht anerkennen würde. Du hast dir meinen Respekt mehr als verdient^^.“

Murphy wurde ganz rot vor Verlegenheit; nie hätte er gedacht, dass seine Reisegefährtin ihm so schnell ihre Achtung bekunden würde. Er war ja beileibe kein Angeber der Eindruck schinden wollte und um Bewunderung heischte. Mit seinen Aktionen wollte er bloß seine Pflichten erfüllen und vor allem Altan-Tschitschik helfen, wo er nur konnte, um zu zeigen, dass sie sich auf ihn verlassen und ihm vertrauen konnte. Ein solches Zugeständnis von ihr stellte für den fluffigen Psycho/Flugtyp daher ein sehr, sehr großes Lob dar, weshalb er geehrt sprach: „Oh, vielen Dank Goldblume :D!“

Da schnaubte diese allerdings schon wieder, rollte theatralisch mit den Augen und meinte mehr belustigt als genervt: „Jetzt bausch das bitte nicht auch wieder so auf und lass die Küchenphilosophie stecken! Rück lieber raus mit der Sprache: Wohin müssen wir denn? Und was macht diese Reise; abgesehen von diesem dämlichen Zauberer; so schwierig, dass es gleich eine kleine Wundertüte wie dich braucht, um sie zu bewältigen?“

„Nun das liegt zum einem am Ort, an dem Xerneas lebt und zum anderen an unserem Aufenthaltspunkt selbst.“, begann Fleknoil sogleich mit freudigem Feuereifer: „Ersteres lebt, wie du sicherlich weißt, am sagenumwobenen ‚Baum des Lebens‘ im Wald des Anfangs, der auf einer geheimnisvollen Insel liegt, die nur mit gewissen Voraussetzungen erreichbar ist. Und mit diesem Ort ist es ähnlich: Wir befinden uns nämlich ebenfalls auf einer großen Insel namens ‚Bernik‘, welche vor langer Zeit vom mysteriösen Pokémon Hoopa mittels seiner Ringe ‚entführt‘ wurde, weil es hier angeblich einen kostbaren Schatz gegeben haben soll, den es für sich haben wollte.

Dies war jedoch nur der Trick eines dunklen Zauberers, der lange vor Nepomuk hier gelebt hat und dieses Eiland von der Außenwelt größtenteils abschneiden wollte. Ist ihm aber nicht gut bekommen, denn als Hoopa spitzgekriegt hatte, dass es reingelegt wurde, hat es sich übel an diesem gerächt. Keiner weiß, was das Plagegeistpokémon genau mit ihm angestellt hat, doch man hat ihn seitdem nie mehr gesehen…

Jedenfalls ist es seit diesem Vorfall äußerst schwer, diesen Ort aufzusuchen oder gar, ihn wieder zu verlassen – fast wie die Insel im Süden oder die wundersamen Orte in der Hoenn-Region eben.“

„Also habe ich schon richtig gelegen: Wir befinden uns hier am A**** der Welt.“, stellte Schabelle sarkastisch fest und hatte bereits die richtigen Schlüsse gezogen, weshalb sie sagte: „Und ich nehme mal stark an, dass ‚mein‘ Zauber meine Reisefreiheit noch weiter einengen wird, nicht wahr?“

„Im Grunde schon: Balthazars Fluch kettet dich an diese Insel, sodass selbst die wenigen Möglichkeiten, wie man Bernik normalerweise verlassen kann, bei dir nicht funktionieren würden. Sowie du die Grenzen Berniks überschreiten wolltest, würdest du gegen eine unsichtbare Wand laufen an der es kein vorbeikommen gibt.“, erklärte Murphy, wobei sein verschwörerisches Grinsen deutlich zeigte, dass dies nicht alles war weshalb er sogleich freudig fortfuhr: „Allerdings hat der Boss auch hier was gedreht, sodass es einen besonderen Weg gibt, der diese magische Wegsperre aushebelt ^^.“

Der kleine Wuschel begann, mit seiner Flügelspitze grob die Umrisse von Bernik in die Luft zu zeichnen – die doch ziemlich große Insel ähnelte nebenbei bemerkt einer verhutzelten, langgezogenen Kartoffel – und deutete auf einen weit im Südosten gelegenen ‚Zipfel‘.

„Dort liegt das ‚Tal der Ruhe‘; ein geweihter Grund, der für finstere Mächte unantastbar ist. Und an dessen ‚Bucht der Träume‘ wir trotz deines Zaubers sowohl Bernik verlassen, als auch den Wald des Anfangs erreichen können.“, eröffnete Fleknoil bedeutungsvoll und sah zu seiner größten Freude, wie das Gesicht des verwandelten Eleganzpokémon ebenfalls noch mehr strahlte und sie ganz enthusiastisch meinte: „Okay, dann ist dies also unser großes Ziel hier auf der Insel? Na dann nichts wie los :D! Hast du schon eine ungefähre Reiseroute?“

„Nicht direkt, ich möchte mich nämlich nicht festlegen, sondern flexibel bleiben. Denn Nepomuk wird ganz Gewiss weiterhin versuchen unsere Reise auf die eine oder andere Weise zu torpedieren, was sie freilich nicht ungefährlicher machen wird.“, entgegnete Murphy trotzdem weiterhin ausgelassen: „Aber ein paar Fixpunkte gibt es natürlich und hier in den Nebelwäldern liegt einer davon: Die Sinjoh-Zuflucht!

Das ist eine ehemalige Tempelanlage inmitten der Nebelwälder, welche damals von Nachfahren der Bewohner der Alph-Ruinen und eben auch der Sinjoh-Ruinen erbaut wurden, um dort diversen legendären Pokémon, unter anderem auch dem Boss selbst, zu huldigen. Heute nutzen die Nachfahren dieser Nachfahren diese Zuflucht hingegen nun als Basis für ihren Widerstand gegen den bösen Zauberer. Sind zwar nur eine Handvoll Leute und deren Pokémon, aber sie haben es bis jetzt geschafft, dass Vordringen Nepomuks zu unterbinden, indem sie zum Beispiel den Nebel des Waldes mit weißer Magie angereichert haben. –Darum sind die Wurzeln der Trombork an der Grenze auch plötzlich abgeprallt.

Und das Beste ist: Sie werden uns helfen und warten bereits auf unser Kommen, auch wenn es noch ein bis zwei Tagesmärsche dorthin dauern wird, aber egal...

Dort können wir uns kurz ausruhen und für unsere weitere Reise vorbereiten. Du wirst dich zum Beispiel sicherlich über neue Klamotten und ein schönes Bad freuen, nicht? Und ich müsste dringend mal in aller Ruhe meditieren. Darüber hinaus haben sie angedeutet, dass ihnen vielleicht eine Idee gekommen ist, wie wir einen Teil des Wegs überbrücken können, klingt gut nicht :)?“

„Was redest du denn da? Das klingt nicht gut, sondern perfekt :D!“, korrigierte Altan-Tschitschik vor Begeisterung strahlend, erfüllte sie doch bereits der Gedanke an diese so scheinbar simplen, selbstverständlich wirkenden Genüsse mit sehnsüchtiger Freude, weshalb sie geradezu ungeduldig drängte: „Was stehen wir hier überhaupt noch rum und halten Maulmenkis feil? Ab mit uns!“

„Bin dabei!“, rief der pelzige Psycho/Flugtyp ausgelassen, flatterte mit flinkem Flügelschlag neben seiner zügig schreitenden Weggefährtin her und wirkte immer noch überglücklich über Goldblumes Lob. Diese lächelte ebenfalls, allein schon, weil es so schön anzusehen war, dass sich der Kleine dermaßen über ihre Aussage, welche sie durchaus ernst meinte, freute^^.

Gerade in diesem Augenblick lichtete sich durch den kräftigen Schein der Mittagssonne der Nebel und zwar so plötzlich, dass er von einem Moment auf den anderen verschwunden war, wie eine Illusion, sodass die Nebelwälder wieder zu ihrer lichtdurchfluteten Schönheit der zweiten Tageshälfte wechselten. Und diese Atmosphäre passte wunderbar zur Stimmung der beiden Reisenden, welche, wieder im aufmerksamen Schweigen versunken, diese beschwingt durchwanderten.

Tags darauf schlug das Wetter jedoch jäh um und sollte so das weitere Fortkommen der beiden erschweren und ungemütlicher machen. Bereits beim Aufstehen bemerkte Schabelle sofort, dass etwas anders war, denn der Nebel fehlte und es war deutlich wärmer als gestern um diese Zeit. Dazu wehte ein kräftiger Wind, der dicke, bleigraue Wolken vor sich her trieb und kaum, dass die Zwei aufgebrochen waren, öffnete der Himmel seine Schleusen und ein feiner, lauer Sommerregen ging hernieder.

Zunächst fand das verwandelte Eleganzpokémon; welches eine solche Witterung aus ihrer Heimat fast nicht kannte; es sogar ganz angenehm, so durch den Regen zu spazieren. Die Tropfen fielen sanft auf ihre Haut, deren nasse Kälte sie wohlig schaudern ließen und ein angenehmes, monotones Rauschen und Tröpfeln erfüllte den Wald…

…Doch als der vermeintliche Schauer nach einer guten halben Stunde nicht aufhören wollte sondern sich zu einer hartnäckigen Sintflut entwickelte, die laut Murphy mitunter hier tagelang anhalten konnte, war das Ganze nicht mehr so schön :P.

Der sich nach und nach mit Wasser vollsaugende Boden begann unter ihren Schritten zu schmatzen, wurde an manchen Stellen weich und nachgiebig, was das Laufen beinahe so anstrengend wie durch den Sumpf machte. Die kleinen Wasserläufe und Nebenflüsse schwollen enorm an und machten hin und wieder Umwege nötig. Zudem wurden die Hindernisse wie Wurzeln oder Felsnasen beispielsweise durch die Nässe ganz glitschig und nur noch mit Mühe und Konzentration einigermaßen passierbar.

Und wo wir schon von Nässe sprechen: Altan-Tschitschik selbst erging es nicht besser, sondern war ebenfalls alsbald von oben bis unten völlig durchnässt bis auf die Knochen und tropfte genauso munter wie ihre Umgebung. Ihre zerschlissene und klitschnasse Kleidung klebte überdies wieder unangenehm an ihrem Körper und drohte sogar, sich unter diesem Dauerregen langsam aufzulösen, was ihr aber wiederum ein sarkastisches Lächeln entlockte. Von dem Umstand mal abgesehen, dass diese feinen Röcke und Kleider; so gut sie diese auch mit Müh und Not alltagstauglich gebastelt hatte; ohnehin kaum brauchbar für eine Reise durch die wilde Natur waren, hatte sie festgestellt, dass die meisten Sachen nur gut aussahen, aber von minderer Qualität waren. –Mit Ausnahme des Hochzeitskleides und wenigen anderen, hatte Nepomuk hauptsächlich ihren Kleiderschrank mit billigen Imitaten ausgestattet, um sich Geld zu sparen. Aber klar, eine Puppe, die sowieso nur ständig in einem trockenen Turm umhertippelte, brauchte ja nichts kostspieliges :down:

Gegen diese Naturgewalt konnte ihr auch Murphy nicht wirklich helfen. Der kleine Fellball sah ja seinerseits inzwischen mehr wie ein nasser Wischmop aus. Immer wieder flog er etwas zur Seite und schüttelte sich kräftig, um das ganze Wasser aus seinem Fell zu kriegen, was einen Schauer im Schauer verursachte. Dennoch bot der flauschige Psycho/Flugtyp seiner Reisegefährtin an, ihn in die Arme zu nehmen, wenn ihr zu kalt werden würde, damit er sie wärmen konnte. Doch freundlich lehnte Goldblume ab, lächelte sogar schon wieder verwegen, weil so ein bisschen Regen doch das Feuer der Entschlossenheit in ihrem Inneren nicht löschen konnte :]!

So unangenehm diese Sintflut auch war, die junge Frau musste nur an ihre Marter beim Durchqueren des Sumpfwaldes denken und schon hatte die Witterung ihren Schrecken verloren. Selbst die zwei unschönen bitterkalten Nächte in irgendwelchen halbtrockenen Plätzen wie einer kleinen Höhle, welche sie und Fleknoil durchmachen mussten, konnten nichts daran ändern. Nächte, in denen sie sich frierend mit klammen Fingern aus ihren Kleiderfetzen, welche ihr sonst noch weiter die Wärme entzogen hätte, schälte, um sich dann zitternd in einem Haufen aus halbwegs getrocknetem Moos und Farnen einzugraben. Sowie Murphy ihre Klamotten mittels seiner Kräfte getrocknet hatte, gesellte er sich eiligst zu ihr, kuschelte sich an ihren Rücken und begann, wie eine Wärmflasche zu glühen, sodass es Schabelle bald wohlig warm wurde und sie entspannt einschlafen und dadurch auch gleich viel erholter wieder aufwachen konnte.

Diese Unerschütterlichkeit sollte sich nach der zweiten Nacht bezahlt machen, denn irgendwann im Verlauf dieses regnerischen Morgens erklärte der kleine Fellball aufgeregt, dass sie nun kurz vor der Zuflucht standen. Sofort blickte sich das verwandelt Eleganzpokémon mit einer Mischung aus Erleichterung und Neugierde um, konnte jedoch nichts Besonderes entdecken. Nur ein paar weitere gewaltige, knorrige Bäume, welche auf einem felsigen Hügel emporwuchsen, sonst nichts.

„Haha! Du suchst an der falschen Stelle Goldblume.“, lachte Murphy angesichts der ungeduldigen Vorfreude in deren Gesicht und deutete auf einen der Bäume: „Wir müssen da rauf, um den Eingang zu erreichen.“

„Sag das doch gleich.“, entgegnete diese grinsend, verpasste ihrem Begleiter einen leichten, gutgemeinten Knuff und ging entschlossen auf den Baum zu. Seine Borke war ausgesprochen glatt und würde durch die Nässe noch weniger Halt bieten, aber dennoch würde dies Altan-Tschitschik nicht aufhalten können! Immerhin war sie doch äußerst gelenkig und der Gedanke, dass nur noch dieses Gewächs zwischen ihnen und einer erholsamen Pause im trockenen lag, spornte sie zusätzlich an.

Trotz ihrer klammen Hände kämpfte sie sich darum hinauf und auch wenn sie ab und zu wieder mehrere Meter abrutschte gewann sie, hartnäckig wie sie nun mal war, doch stetig an Höhe. Und spätestens bei den ersten Ästen wurde die Sache gleich leichter. Derweil flatterte Fleknoil neben ihr umher und lächelte sie aufmunternd an. Wohlweislich verzichtete er darauf, ihr anzubieten, sie mit einfach mit seinen Psychokräften hochzuhieven. Er sah ja durchaus, dass Goldblume es gut allein schaffte, war sie doch eine starke Frau, die man nicht unnötig an der Hand nehmen musste. –Und überdies hätte sie das auch gar nicht gewollt; schließlich brauchte sie ja auch eine Herausforderung^^.

Nach einer Weile hatten sie die Krone fast erreicht, als sie eine Art Hängebrücke aus Ranken, gut mit zusätzlichen Moos getarnt, erblickten, die sich zwischen diesem Baum und einem kleinen Plateau auf dem Hügel spannte. Und dort, gleichfalls perfekt versteckt zwischen weiteren Bäumen, Hecken und Rankpflanzen, konnte man einen kunstvoll aus dem gelblichen Stein gehauenen Torbogen ausmachen, der von geschwungenen Reliefs besonderer Pokémon; nämlich Icognito; verziert war. –Zweifelsohne musste dies einfach der Eingang zur Sinjoh-Zuflucht sein!

Die zwei hasteten vorfreudig darauf zu und die junge Frau brauchte bloß einmal kräftig am massiven Holztor anklopfen, ehe auch schon ein Sehschlitz an einer kleinen Tür, die in das Tor eingebaut war, geöffnete wurde. Sie blickten nun in die grimmigen Augen eines Pandagro, welches, typisch für seine Art, unfreundlich brummte: „Pandagro?“

Da die beiden ja ebenfalls Pokémon waren, verstanden sie augenblicklich, was das Gaunerblickpokémon von ihnen wollte, nämlich gleich zwei Parolen. Hier konnte Murphy aushelfen in dem er freundlich sagte: „Kommt sofort: ‚Arceus Gesandter und die verzauberte Schönheit sind hier.‘ Und natürlich auch: ‚Pandagros fliegen um Mitternacht!‘

„Panda!“, schnaubte der Kampf/Unlichttyp zufrieden und öffnete die Tür: ‚Gut ihr seid es wirklich. Rein mit euch, man erwartet euch nämlich schon!‘

„Pandagros fliegen um Mitternacht, ja? Was soll das denn bitte für eine sinnfreie Parole sein?“, fragte Schabelle das Gaunerblickpokémon beim hineingehen ziemlich irritiert. Dieses grinste lediglich schelmisch und begann sehr gestenreich von seinem Cousin namens ‚Po-Bär‘ und dessen Trainer zu erzählen. Die beiden zechten äußerst gern und wenn Po-Bär betrunken war, bekam er immer solche Blähungen und wenn man dann ein entzündetes Streichholz nimmt…

„Stopp!“ unterbrach das verwandelte Eleganzpokémon das Pandagro eiligst: „SO genau wollte ich das gar nicht wissen :o!“

Amüsiert fing das Kampf/Unlichtpokémon daraufhin an zu lagen, machte aber angesichts des finsteren Blicks von Altan-Tschitschik eine fast schon entschuldigende Gebärde und bedeutete ihnen kleinlaut einfach dem Gang zu folgen. Damit zufrieden nickte Goldblume dem Gaunerblickpokémon nachsichtig zu und konnte sich eines breiten Lächelns auch nicht mehr erwehren. Dieser kurze Ärger war längst verflogen, weil ihr klar wurde, dass sie und Murphy, der sich passenderweise schon kräftig ausschüttelte, nun fürs Erste diesem lästigen Dauerregen entgangen waren und nun einen warmen und trocknen Zufluchtsort hatten.

Und was noch weitaus bedeutsamer war:

Sie hatten damit einhergehend nun eine weitere wichtige Etappte auf ihrem Weg zu Xerneas erreicht!

4.Kapitel


4.1: Die Sinjoh-Zuflucht

(Hier wieder ne hübsche Melodie für den Hintergrund: Legend of Kay [OST] Hideout oft he Avalanche:https://www.youtube.com/watch?v=-wLD-dbI9fA)


Wie es sich für einen altertümlichen Tempel gehörte, waren auch die felsigen, gelbgrauen und glatten Wände dieses Ganges Übersät mit weiteren Icognitoreliefs und wurden ‚stilecht‘ mit Feuerschalen erhellt. Ähnlich den Alph- und Trostu-Ruinen in Johto beziehungsweise Sinnoh oder den diversen Kammern, welche man auf Eiland Sieben in Kanto finden konnte, waren die Symbolpokémon auch hier freilich so abgebildet worden, dass sie Wörter und Sätze bildeten, die eine Geschichte zu erzählen schienen. –Selbstredend in einer alten, längst vergessen Sprache, weshalb deren Inhalt zumindest Goldblume verborgen blieb.

Manchmal hingen jedoch auch echte Icognito an den Wänden, welche sich, kaum dass die junge Frau und ihr Begleiter daran vorbeischritten, von dieser lösten und stattdessen die beiden begleiteten. Allgemein kamen nach und nach von irgendwoher noch viele weitere dieser Psychopokémon angeschwirrt, welche die beiden Neuankömmlinge mit freundlicher Neugierde beäugten und ihre Körperform nutzten, um sie im wahrsten Sinne des Wortes Buchstäblich willkommen zu heißen:

Bild


Schabelle musste lachen, so süß und drollig kam ihr diese Begrüßung vor. Überhaupt wirkten die Icognito mit ihrer unschuldigen, kindlichen Freude und ihrer Verspieltheit richtig liebenswert; irgendwie musste man sie einfach auf den ersten Blick gern haben^^. Und doch ahnte das verwandelte Eleganzpokémon gleichzeitig ganz genau, dass auch die verborgene Macht dieser Pokémon wohl eine große Rolle im Widerstand gegen diesen elenden Magier spielen musste.

„Damit sind sie ja fast ein bisschen so wie Murphy.“, schoss es ihr belustigt durch den Kopf und warf einen Blick auf diesen, dem dieser freudige Empfang ebenso rührte. Sie spürte überdies, wie der kleine Fellball, sich eifrig mit den Icognito unterhielt, indem er auch jene elektromagnetischen Wellen ausstrahlte, mit welchen die Symbolpokémon untereinander kommunizierten. –Obwohl Icognito nämlich als Psychopokémon gelten, beherrschen sie keinerlei telepathischen Fähigkeiten und diese und andere Gründe sorgen dafür, dass Generationen von Forschern bis heute darüber streiten, ob man sie wirklich zu den Pokémon oder einer völlig anderen Art von Lebewesen zählen sollte.

Doch dies nur am Rande angemerkt, die Icognito jedenfalls reagierten entzückt, weil Fleknoil mit ihnen wortwörtlich auf einer ‚Wellenlänge‘ lag. Sie drehten sich um die eigene Achse und umschwirrten alle beide übermütig und glücklich wie ein Schwarm Wadribie, die gerade ein üppiges Blumenfeld gefunden hatten^^.

Von dieser fidelen ‚Eskorte‘ begleitet langten die Zwei kurz darauf am Ende des Ganges an und fanden sich nun in einer Art ‚Eingangshalle‘ wieder: Einem großen, von vier massiven Säulen aus weißen und schwarzen Stein gestützten Raum, der anders als man von einem Platz unter der Erde erwarten mochte, richtig lichtdurchflutet war. Nebst einigen Feuerschalen, waren dafür zig schmale Fenster in der Nähe der Decke dafür verantwortlich, dessen einfallendes Licht mittels eines komplizierten Systems aus Spiegeln verstärkt wurde. Direkt in der Mitte dieser Halle führte eine wuchtige, steinerne Wendeltreppe viele Stufen in die Tiefe, wo sich wohl das Herzstück dieses Tempels befinden musste.

Die Eingangshalle selbst machte allerdings auch schon einiges her, setzten sich hier doch auch die Icognitoreliefs fort und wurden nun mit kunstvollen Wandmalereien ergänzt. Diese zeigten verschiedenen Szenen des Zusammenlebens zwischen den hiesigen Menschen und Pokémon von einst und selbst wenn man den Text dazu nicht lesen konnte, sorgten diese Bilder dafür, dass man ansatzweise verstand, was hier erzählt wurde. –Die Geschichte eines Stammes, der vor langer Zeit seine alte Heimat in den Alph-Ruinen in Johto zum Schutz der dort lebenden Icognito aufgegeben hatte, um hier einen Neuanfang zu wagen und völlig unverhofft hier ebenfalls auf diese besonderen Pokémon zu stoßen. Und dadurch wurde das neue Leben dieser Menschen deutlich vertrauter als angenommen^^.

Das Hauptaugenmerk von Altan-Tschitschik und Murphy galt allerdings einer alten Frau und einem alten Mann, die bis eben, umschwirrt von den heiteren Icognito, zusammen mit einem Simsala und einem Somnivora ruhig und beinahe reglos vor der Wendeltreppe gewartet hatten. Kaum hatte diese aber die Neuankömmlinge entdeckt, gingen sie mit bedächtigem, aber sicherem und festen Schritt und mit einem freundlichen, einladenden Gesichtsausdruck auf sie zu.

Die beiden Alten trugen indigofarbene, traditionelle Kleidung, wie man sie auch in ähnlicher Weise bei den Weisen und Gelehrten aus Johto kannte, hatten einen gelblichen Teint, wache graugrüne Augen und besaßen langes, schlohweißes Haar. Die Frau hatte sich ihres zu einem großen Dutt geflochten und mit schmucken, silbernen Haarnadeln befestigt, wohingegen der Mann seines als Zopf trug und dazu einen langen, dünnen Schnurrbart besaß. Alles in allem wirkten diese Zwei sehr weise und voll von Lebenserfahrung.

Höflich verneigten sie sich vor den beiden, ehe die alte Frau zu sprechen begann: „Ah, da seid ihr ja auch schon, Altan-Tschitschik; die verwandelte Schönheit und Murphy; der Gesandte von Arceus! Obgleich es die Icognito schon vorweggenommen haben, möchte ich euch nochmals herzlich in der Sinjoh-Zuflucht willkommen heißen. Ich bin Lyra und mein Mann hier hört auf den Namen Xaver. Wir beide sind die Vorsteher dieses Tempels hier und zugleich leiten wir auch den Widerstand gegen diesen fürchterlichen Magier Nepomuk Balthazar von Sonnenstich. Wie du, Goldblume, sicherlich von deinem Gefährten bereits erfahren hast, sind wir zwar nicht viele Leute hier, doch wir und unsere treuen Pokémon tun unser Bestes um zusammen mit der Macht der Icognito das Vordringen des Magiers wenigstens zu bremsen.“

Ein mitfühlendes, verständiges Lächeln huschte beim Anblick der tropfnassen und ein wenig frierenden jungen Frau über das Gesicht der beiden Alten und Lyra beeilte sich darum, zum Ende zu kommen: „Aber das hier nur am Rande. Ihr habt eine beschwerliche Reise durch den verfluchten Sumpf und jetzt auch noch durch diesen Sturzbach in den Nebelwäldern hinter euch und eine Pause redlich verdient. Arceus Höchstselbst hat uns über die Icognito über euer Kommen informiert, weshalb wir bereits die nötigen Vorbereitungen getroffen haben, um euch einen angenehmen Aufenthalt bieten und euch so gut wie möglich für euren weiteren Weg vorbereiten zu können.

In diesem Sinne: Genießt unsere Gastfreundschaft hier in der Sinjoh-Zuflucht und kommt wieder zu Kräften!“

Dies war das Stichwort für ihren Mann, welcher sofort einen Schlägel in die Hand nahm und damit einen großen Gong neben der Wendeltreppe ertönen zu lassen. Der kräftige melodische Klang hallte durch den Raum und war noch nicht mal ganz verklungen, als sich bereits eine Tür öffnete. Eine junge, verwegene und sportliche Ass-Trainerin mit Sommersprossen in ihrem kantigen Gesicht, einer wilden Mähne aus feuerroten Haaren, die Ähnlichkeit mit der eines Luxtra hatte und in der typisch modischen, jedoch äußerst abgetragenen Kluft dieser Trainerklasse trat ein. Insgesamt wirkte diese junge Frau mehr wie eine vagabundierende Abenteuerin als wie ein Elitetrainer und dennoch hatte sie eine frappierende Ähnlichkeit mit dem blauhaarigen Ass-Trainer aus dem Gefolge des Magiers.

Entgegen ihres wilden Aussehens besaß sie durchaus Manieren, denn sie verneigte sich zuerst ehrerbietig vor den beiden Alten, bevor sie sich wissend Goldblume und Murphy zuwandte und ihnen auch mit einem Knicks die Ehre erwies.

„Seid mir gegrüßt ihr zwei! Mein Name ist Zora und ich bin, ohne übertreiben zu wollen, eine der besten Trainerinnen des Widerstandes!“, sprudelte es aus der Trainerin mit einem selbstbewussten und entwaffnendem Lächeln heraus: „Vorrangig kümmere ich mich darum, ab und an jemanden mit meinen Pokémon aus dem Herrschaftsgebiet des Zauberers zu entführen, damit wir ihn dann hier aus dessen Kontrolle befreien können. –Ist keine leichte und schon gar nicht schöne Aufgabe, sag ich euch. Da muss man schon einiges auf den Kasten haben, wie ich eben :]!

Denn dieser Tyrann ist leider äußerst stark und ein geborener Verführer; er hat so viele von uns damals mit seinen fadenscheinigen Versprechungen überzeugen können, sich freiwillig seiner Magie auszusetzen, ohne, dass wir geahnt hatten, was er wirklich vorhatte…

Und genau deswegen sehe ich es eben als äußerst wichtige Aufgabe an, so viele Leute wie möglich aus den Fängen dieses miesen Despoten zu befreien. Zudem ärgert es ihn jedes Mal ungemein, wenn sich sein ‚Hofstaat‘ dank unserer Mühen wieder und wieder verkleinert, hihi :P.“

Jäh erstarb Zoras Lächeln aber und ein Schatten fiel über ihr Gesicht, weil sie den misstrauisch fragenden Blick von Schabelle richtig zu deuten wusste, und sie gestand umgehend: „Ja, der blauhaarige Ass-Trainer, dem ihr offenbar schon des Öfteren begegnet seid, ist mein großer Bruder Milan. Er war einer der Ersten, die Nepomuk auf den Leim gegangen sind, weil er unbedingt stärker werden wollte und meine Warnungen in den Wind schlug…

Und jetzt ist er wegen dieses miesen Zaubers einer seiner treusten Anhänger und tut gewissenlos alles, was dieser Dreckskerl ihm aufträgt, obwohl er doch in Wahrheit so ein gutes Herz hat. Ihn eines Tages vielleicht von dieser Kontrolle befreien zu können ist mein höchstes Ziel und der Ansporn, Tag für Tag all meine Kraft in den Kampf gegen diesen bösartigen Magier zu stecken!“

Die Stimme der rothaarigen Trainerin bebte bei diesen Worten, weil ihr allein der Gedanke an diesen Umstand jedes Mal sehr nahe ging. Dann jedoch stahl sich bereits wieder ein kämpferisches, hoffnungsvolles Funkeln in ihre schmalen, smaragdgrünen Augen: „Aber nun steht ja mit dir, Altan-Tschitschik, die Hoffnung auf ein baldiges Ende dieser Schreckensherrschaft direkt vor mir und dann werden Milan und alle anderen endlich wieder frei sein können!“

Abrupt hielt sie jedoch erschrocken inne, wurde leicht rot und lachte verlegen: „…Oh, aber was mache ich denn da überhaupt?! Du bist patschnass und sicherlich müde und trotzdem kau ich dir und deinem kleinen, süßen Gesandten ein Ohr mit meinen Sorgen und Problemen ab, ahaha, sorry :oops:…“

Eiligst hielt Zora deswegen Schabelle ihre Hand hin und meinte: „Also wollen wir? Ein warmes Bad, unsere ‚Modefee‘ und unsere ‚Psychotante‘ warten schon auf dich :)!“

„Gerne!“

Sofort schlug das verwandelte Eleganzpokémon freudig ein; ihr gefiel diese Zora auf Anhieb. Zudem sorgten dieser ganze freundliche Empfang und die Aura dieses Tempels dafür, dass sie sich wirklich wie in einer sicheren Zuflucht fühlte und sofort ein Gefühl der Vertraut- und Geborgenheit bekam…

…Auch irgendwie so, wie beim ersten Treffen mit Murphy^^.

4.2: Skurrile Typen…

Nachdem Altan-Tschitschik sich noch schnell bei Murphy und den beiden Tempelvorstehern vorläufig verabschiedet hatte, ließ sie sich auch schon von diesem energetischen Wirbelwind aus der Eingangshalle führen. Sie durchquerten einen weiteren, verwinkelten Gang voller spielender Icognito und nach einer dieser Biegungen standen sie vor einer verschlossenen, hölzernen Schiebetür.

Zora holte den passenden Schlüssel hervor und Altan-Tschitschik offenbarte sich ein kleines, mit orangefarbenen Fliesen ausgelegtes Badezimmer, in dem eine große, weiß glänzende Badewanne stand. In einem leicht von dort aus zu erreichendem Regal warteten diverse Seifen, Schampoos, Badeessenzen und ein Schwamm auf ihren Einsatz. Und gleich neben der Wanne hingen ein frisches, weißes Handtuch, ein minzgrüner Bademantel, sowie ein Spiegel und Kamm. All dies wurde mit schmucken LED-Leuchten erhellt, denn in diesem Teil der Zuflucht waren gut versteckt elektrische Leitungen verlegt worden, damit deren Bewohner nicht gänzlich auf den Komfort der modernen Welt verzichten mussten :P.

„Klasse was?“, merkte die rothaarige Trainerin grinsend beim verzückten Gesichtsausdruck von Goldblume an und gab ihr den Schlüssel: „Hier, viel Spaß! Und weich dich ruhig solange ein, wie du magst. Sobald du fertig bist musst du einfach nur den Icognito Bescheid geben und…“

„Gütiger Arceus im Himmel!“, erscholl plötzlich ein entsetzter Schrei, der Zoras Ausführungen unterbrach und ein dürrer, wie eine hochgewachsene Bohnenstange wirkender Kerl von vielleicht Mitte Vierzig in grellbunten, eigenwilligen Designerklamotten stakste aufgeregt mit seinen dünnen, viel zu langen Beinen auf sie zu. Er hatte eine rosarote Brille mit kreisrunden Gläsern auf, halblange, zur Seite gegelte, hellbraune Haare und wirkte vom Anblick des verwandelten Eleganzpokémon ganz schockiert, weshalb er eine fassungslose Gebärde machte und erneut keuchte: „Gütiger Arceus im Himmel, DAS ist ja noch schlimmer als ich dachte!!! GUT, dass ich mir das sofort ansehen kann, auch wenn es den Augen WEHTUT. Mein Herzchen mit diesen billigen Lumpen musstest du die GANZE Zeit herumlaufen?! Ach nein, ach nein, das ist das ENDE aller Menschlichkeit!! Was für ein GRAUSAMER Typ ist dieser Magier denn nur?!!“

„Ähm… ja… :tja:“, stammelte Zora peinlich berührt, weil sie sich für dieses Gebaren schämte und erklärte rasch: „Darf ich eben jetzt schon vorstellen? Das ist Julian, unsere ‚Modefee‘. Er ist Modedesigner und ihm gehört zugleich die Boutique von ‚Waldstett‘; eine kleine Stadt, die direkt hinter diesem Tempel liegt und wie Baumhausen City in den Kronen der Bäume errichtet wurde. Eigentlich ist dies ja unsere Heimat, aber seitdem Nepomuk einen Großteil der Einwohner unter seine Knute gezwungen hatte, haben wir uns eben hierher in den Schutz der Icognito geflüchtet.

Ähm ja… Jetzt kümmert sich Julian eben um unsere Kleidung und hat sich auch bereiterklärt, für dich passende Klamotten zu schneidern. Er ist zwar, äh, etwas merkwürdig manchmal, aber ganz in Ordnung, irgendwie… Jedenfalls versteht er sein Handwerkt, das kannst du mir glauben!“

Julian hatte indessen gar nicht zugehört, schien die verstörten Gesichter von Zora und Altan-Tschitschik gar nicht zu bemerken, sondern holte seine Partner; ein Wattzapf und ein Matrifol; aus ihren Bällen und riss Schabelle einen Fetzen ihres ohnehin schon zerschlissenen Ärmels ab. Gemeinsam betrachteten sie diesen ernst mit gerunzelter Stirn, beinahe so, als hätten sie hier ein schlimmes Sakrileg vor sich.

„Diese… Diese mindere Qualität… Nein, dafür DARF man nicht mal das Wort ‚Qualität‘ verwenden, so schlecht ist dieser Stoff!“, ereiferte sich Julian deswegen und wirkte so, als würde er sich gleich die Haare raufen und seine Pokémon empört aufheulen: „Wie kann man nur ÜBERHAUPT auf den Gedanken kommen, sowas zu Kleidung zu verarbeiten… Das ist, ja PERVERS ist das, genau! Aber das PASST ja zu diesem schmierigen Magier, der glaubt, sein feines Geschmeide und sein teurer Schmuck könnte über seine modische Geschmacklosigkeit hinwegtäuschen!! Und du, Herzchen, warst GEZWUNGEN so einen Schund, der dir so gar nicht steht, anzuziehen, oh weh! Das ist GRAUSAM sag ich dir, GRAUSAM! Und ich seh’s SOFORT: Diesen modischen Affront hast du unter ZEITDRUCK zusammenmurksen müssen; bestimmt unter 15 Minuten… 15 Minuten!!! Das ist VIEL zu wenig und in Anbetracht dieses, dieses Mülls schlichtweg reine ZEITVERSCHWENDUNG!“

Der Designer ballte wütend die Faust, nickte seinen Pokémon zu und verkündete pathetisch, einem Kriegsherren gleich, der sein Heer in die Schlacht führen wollte: „Leute, da MÜSSEN wir auf der Stelle etwas tun! So ein VERBRECHEN an der Mode und dem guten Geschmack dürfen wir nicht ungesühnt lassen! Holt DAS Maßband heraus!“

„Huch?!“, konnte Goldblume nur höchst verwundert machen, als Julian bereits sein grellgelbes Bandmaß aus seiner Westentasche herausgefischt hatte und es nun in Windeseile überall an der jungen Frau anlegte. Seine beiden Pokémon halfen ihm dabei mit geübten, einstudierten Handgriffen und notierten die Daten, samt ersten Ideen für geeignete Kleidung, auf einem kleinen Block.

Hier musste man wirklich anmerken, dass Zoras Aussage vollkommen zutraf: Dieser Designer war ein echter Vollprofi! Schabelle spürte vom Maßband gerade mal einen Hauch und selbst an den sensibelsten Stellen war es ihr nicht im Geringsten unangenehm, oder fühlte sich gar belästigt. Vor allem aber war es auch wirklich nur das Maßband, das ihren Körper berührte – die Hände von Julian blieben schön bei ihm!

„So Herzchen, deine RETTUNG naht! Mit diesen Informationen werden meine Pokémon und ich dir ein paar ECHTE Kleidungsstücke erstellen, welche dir förmlich auf den Leib geschneidert sein werden und dir helfen, dich von dieser Modesünde ERHOHLEN zu können“, erklärte der Designer anschließend heroisch während er hochzufrieden alle Angaben auf dem Block nochmals überprüfte.

Eigentlich wollte er noch etwas sagen, aber nun mischte sich Zora energisch ein: „Jetzt lass mal gut sein Julian! Wir haben Altan-Tschitschik schon lange genug von ihrem Bad abgehalten, also sehen wir zu, das wir sie nun auch endlich mal alleine lassen, ja?“

„Wie? Zora, seit wann bist du denn hier?“, fragte der Designer zunächst verwirrt, wartete jedoch keine Antwort von der zunehmend genervt wirkenden rothaarigen Trainerin ab, sondern schnüffelte dezent an Schabelle, verzog das Gesicht und nickte sogleich eifrig zustimmend: „Ja, ja ein langes, intensives Bad ist GENAU das richtige, was du jetzt brauchst, Herzchen. Und in der Zwischenzeit werde ich dir einen MÜLLEIMER für deine Lumpen bringen, sowie aus meinem Lagerbestand einen passende Garderobe für dich zusammenstellen, bis ich deine persönliche Kleidung geschneidert habe. Gut, dann wollen wir mal nicht weiter stören…

Ach und Zora: Da du offensichtlich gerade nur herumlungerst könntest du mir ja gleich zur Hand gehen, nicht wahr?“

„Ich lungere überhaupt nicht herum, ich habe…“, wollte die rothaarige Ass-Trainerin schon aufbegehren, überlegte es sich aber doch anders, weil sie wusste, dass es keinen Sinn hatte und sie ja damit immerhin Altan-Tschitschik helfen konnte, weshalb sie stöhnte: „*Seufz* Ach egal, komme schon du große Modefee :roll:…“

„Grins jetzt du wenigstens nicht so frech!“, zischte Zora noch Goldblume zu, wobei ihr eigenes Lächeln deutlich zeigte, dass sie nur Spaß machte: „Geh lieber baden und putz dir das dabei besser auch von der Backe xD.“

„Bin schon weg^^.“, lachte das verwandelte Eleganzpokémon und tauschte noch einen freundschaftlichen, vielsagenden Blick mit der rothaarigen Trainerin aus, ehe diese dem schlaksigen Designer folgte und sie selbst nun im Badezimmer verschwand…

Beinahe zwei Stunden lang rekelte sich Schabelle nun genüsslich im warmen, schaumgekrönten Wasser und fand es herrlich, wieder sauber, aufgewärmt und wohlduftend zu sein und dazu einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Mit allen Sinnen kostete sie diesen Luxus wohlig aus, denn als eigentlich sparsames Wesen würde sie sich niemals alle Tage so ein intensives Vollbad gönnen. Jetzt aber streckte sie sich mehrmals, um ihre Muskeln schön zu lockern, seufzte erleichtert und lehnte sich komplett entspannt zurück. Ab und an nahm sie auch eine Handvoll Schaum, blies diesen auseinander und betrachtete versunken die einzelnen Seifenblasen, wie sie schillernd durch die dämpfige Luft flogen.

„Ach du meine Gute! DAS hab ich jetzt wirklich gebraucht!“, sagte die junge Frau gutgelaunt und hochzufrieden zu sich selber, als sie aus der Wanne stieg, in den flauschigen Frotteebademantel schlüpfte und sich vor dem Spiegel schnell die Haare kämmte. Draußen vor der Tür fand sie tatsächlich bereits einen Mülleimer vor, sowie eine große Tüte mit dem Label von Julians Boutique darauf, in welcher der Designer einige seiner Meinung nach passende Klamotten eingepackt hatte.

Neugierig nahm sie diese mit zu sich hinein, zog sich an und war begeistert! Dieser Julian besaß ein gutes Händchen, dass stand fest, denn von der Unterwäsche bis zum Oberteil passte alles perfekt und fühlte sich gleich deutlich besser und viel robuster an als ihre Lumpen. Und noch dazu sah sie verdammt gut aus: Altan-Tschitschik betrachtete sich mit einer gewissen Faszination im Spiegel und durfte nun feststellen, dass Kleider in der Tat Leute machten.

Sie trug nun eine ähnliche Kluft wie die weiblichen Pokémon Ranger aus der Hoenn-Region und wirkte dadurch gleich viel abenteuerlustiger als vorher. Lediglich die rot-schwarze Färbung sagte ihr nicht so zu, schließlich war sie ja immer noch ein Schabelle und wollte das auch gerne zeigen. Außerdem passte die Farbgebung nicht zu ihrem goldenen Halskettchen und High Heels, aber bei dieser trivialen Erkenntnis schüttelte sich Goldblume vor Lachen.

„*Kicher* Jetzt mach ich mir schon Gedanken um meine Garderobe…“, dachte sie sich amüsiert: „Als ob ich nichts Wichtigeres zu tun hätte, hihi.“

Einmal noch betrachtete sie sich dennoch mit ihrem neuen Outfit im Spiegel, lächelte ihr Spiegelbild an und war schlussendlich vollauf mit ihrem Aussehen zufrieden – Farbe hin oder her :P.

Rasch brachte die junge Frau das Bad soweit in Ordnung und pfefferte mit unverhohlener, hämischer Freude die zerfetzten Lumpen; und somit sinnbildlich auch den Magier selbst^^; in den Mülleimer. Als dies getan war suchte sie, wie von Zora geraten, ein paar Icognito in der Nähe auf und bat diese, ihr den Weg zu dieser ‚Psychotante‘ zu zeigen, die ja auch auf sie wartete und auf die Schabelle umgekehrt auch neugierig war. Was für eine Frau mochte das wohl sein und was genau würde sie mit ihr machen?

„…Okay…?“, murmelte Altan-Tschitschik ziemlich irritiert: „Damit habe ich, äh, schon mal nicht gerechnet…“

Schabelle saß jetzt in einem Lavendelfarben gestrichenen Raum mit dezenter Beleuchtung und vielen Topfpflanzen, während sie von einem Lautsprecher mit monotoner ‚Fahrstuhlmusik‘ berieselt wurde. Dazu lag ein komischer, muffiger Duft in der Luft und Goldblume kam nicht umhin, sich wie in einem Wartezimmer aus einer dieser uralten Arztpraxen zu fühlen…

Gegenüber der Tür, durch die sie hier gelandet war, waren zwei blickdichte Perlenvorhänge angebracht und nach einigen Minuten des verdutzten Wartens wurde jetzt der linke zur Seite geschoben. Eine kleine Frau, welche wohl Anfang fünfzig sein mochte, schlurfte gemächlich auf ihren braunen Filzpantoffeln herein und wirkte vom ganzen Aussehen her wie eine Mischung aus einer Hexe und einer Ärztin. Sie trug einen mit Bügelfalten übersäten, graustichigen Arztkittel, besaß lange, ungekämmte, violette Haare, die vorn lediglich von einem lila Haarband ein bisschen in Zaum gehalten wurden und hatte sich auch ihre Fingernägel violett lackiert.

Stutzig machte das verwandelte Eleganzpokémon aber ganz besonders der Blick dieser Dame: Wie von manchen Hexen bekannt, wirkten auch ihre graublauen Augen ganz entrückt, ja sogar etwas verrückt und in diesem Fall waren auch die Augenlider auf Halbmast. Noch dazu verströmte sie ganz stark diesen komischen Duft und Altan-Tschitschik konnte noch in den Raum, aus dem diese ‚Psychotante‘ heraus geschlurft war, hineinlinsen, ehe der Vorhang wieder zugezogen wurde. Dort stand tatsächlich eine Wasserpfeife um dich sich ein Sen-Long, ein Irokex und ein Duflor versammelt hatten und abwechselnd einen tiefen Zug daraus nahmen – und ganz offensichtlich hatte auch diese komische Schrulle selbst bis eben auch noch eifrig mitgemacht!

„Große Klasse.“, dachte sich Goldblume da sarkastisch: „Die Tante hat ja ordentlich einen durchgezogen… Kann die denn überhaupt noch was Vernünftiges mit mir machen? *Seufz* In was bin ich denn da wieder reingeraten :huh:?!“

„Tach, bin Ramona.“, eröffnete derweil die merkwürdige Frau mit ihrer rauen, kratzigen Stimme knapp und sogar ein wenig gelangweilt – was vielleicht am ‚Stoff‘ liegen mochte: „Aber alle hier nennen mich nur die Psychotante – was auch ganz gut passt. Bin hier die Ärztin, Psychologin und noch etwas mehr, eben von allem ein bisschen was… Für nen richtig geilen Job in der Hauptstadt von Bernik hat’s nich gereicht… Und ne Karriere als Trainerin is auch nie so in die Gänge gekommen, aber hier in Waldstett bin ich auch ganz glücklich geworden. Aber gut, will nich zu weit ausschweifen…

Du bist jedenfalls Altan-Tschitschik, das verwandelte Schabelle richtig? Haste irgendwelche Fragen?“

„Durchaus.“, erwiderte diese sofort und zeigte in Richtung der Wasserpfeife: „Was ist da drin?“

„Öhm… Kohlrabi vielleicht?“

„Sicher :x!“, kam es von Schabelle gedehnt und ungläubig.

„Ne mach nur Spaß^^.“, löste Ramona auf, lachte, was in einem kleinen Hustenanfall endete und erklärte: „Is nur Duflorhonig. Echt krasser Stoff und in der Luft völlig unbedenklich. Musst also nich deine Atmung verstellen, dass bisschen hier macht nich benommen oder sonst was. ‚Bekifft‘ oder so bin ich nebenbei bemerkt auch nich – meine Sinne sind nur etwas ‚erweitert‘. Kann dich auf jeden Fall behandeln, obwohl du das Gegenteil bei meinem Auftritt gedacht hast, nich?“

Die junge Frau sog, durchaus erstaunt, geräuschvoll die Luft ein und hauchte mit dem Ansatz eines anerkennendes Lächelns: „Nicht schlecht!“

In der Tat hatte sie sowohl das eine über Ramona gedacht und auch wegen des komischen Geruchs bis eben nur noch vorsichtig Luft geholt – was man ihr jedoch beides nicht so leicht anmerkte. Die gute Beobachtungsgabe dieser ‚Psychotante‘; trotz ihres ‚Zustandes‘^^; beeindruckte sie also durchaus und sorgte so dafür, dass das Eis gebrochen war.

„Tja bin gut, gell?“, erwiderte die Ärztin grinsend, weil sie spürte, dass sie das Vertrauen ihrer neuen Patientin soeben gewonnen hatte und plauderte deshalb gleich deutlich munterer: „Lass uns in den Praxisraum gehen, dann sag ich dir, was ich mit dir vorhabe und warum.“

Sie schlurfte zum anderen Vorhang hinter dem ein eigenwilliger, Grellgrün gestrichener Behandlungsraum zum Vorschein kam. Dort bedeutete sie dem verwandelten Eleganzpokémon sich bäuchlings auf eine spezielle Liege zu legen, welche etwa auf Kopfhöhe ein Loch hatte, sodass Schabelle bequem lag, weil ihr Gesicht frei war und sie so auf den hellbraunen Laminatboden sehen konnte.

„Also dann schauen wir zuerst mal, was wir da haben... Ich darf doch?“, murmelte Ramona konzentriert und tastete Altan-Tschitschiks Rücken in einem bestimmten Rhythmus ab; ein wenig so, als würde sie auf einem Klavier spielen. Dabei legten ihre Hände ein stetes Wechselspiel aus zarten Berührungen und derben Druck an den Tag, was irgendwas in Goldblumes Körper in Wallung brachte. Dieser verspannte sich nämlich ganz plötzlich, weshalb die junge Frau das Gesicht verzog und ihr ein gequältes Stöhnen entfuhr.

Augenblicklich hörte die Ärztin damit auf, schien bestätigt zu nicken – zumindest stellte sich Schabelle vor, dass sie das tat, sie konnte ja von ihrer Position aus Ramonas Gesicht nicht sehen – und sagte deshalb: „Ja, sowas hab ich mir schon gedacht… Ich kann deine üblen seelischen Verspannungen ganz deutlich spüren… Na, da müssen wir zu härteren Mitteln greifen!“

„*Schluck* Ist das wirklich nötig?“, wollte Goldblume unbehaglich wissen, denn der gewisse Unterton in der Stimme der Ärztin bei diesem letzten Satz verhieß nichts Gutes! Wieder schien Ramona zu nicken und erläuterte: „Allerdings! Hast ne Menge schlimmer Dinge durchgemacht, was seine Spuren hinterlassen hat. Bist zwar ne verdammt starke Frau, wofür ich dich jetzt schon bewundere, die mit diesem Trauma auch allein fertig werden würde – doch mit professioneller Hilfe geht’s einfach viel besser und schneller. Außerdem wirst du ohnehin deine volle Kraft brauchen, wenn du und dein kleiner Gesandter ihre Reise erfolgreich fortsetzen und beenden wollen.“

Plötzlich glaubte das verwandelte Eleganzpokémon, dass die Ärztin verschwörerisch und vor allem frivol grinste, als sie abschließend meinte: „Und jetzt mal ganz ehrlich und offen, so von Frau zu Frau: Du würdest dich doch sicherlich gleich viel wohler fühlen, wenn du nicht jedes Mal beim Gedanken, dass dir dieser Magier so nahe war und du ihm in der Zeit deiner Verzauberung am liebsten an die Wäsche gegangen wärst, vor Scham und Abscheu erstarren und zugleich so total wütend sein müsstest, nich wahr :P?“

Bei diesen Worten zuckte Schabelle regelrecht zusammen, ganz so, als hätte man ihr einen Fausthieb ins Gesicht verpasst. Diese unschöne Wahrheit so offen gesagt zu bekommen, stand nämlich einem solchen Schlag in nichts nach, weil Ramona voll ins Schwarze getroffen hatte! Tatsächlich quälte sie dieser widerliche Gedanke immer wieder und war mindestens genauso schlimm, wie das, was Nepomuk ihr angetan hatte. –Vielleicht waren härtere Mittel doch nicht so unangebracht, wenn sie dafür endlich Ruhe davon hätte?

Diesem Gedankengang folgend fragte Altan-Tschitschik zögerlich: „Und was genau darf ich mir unter ‚härteren Mitteln‘ vorstellen?“

„Eine Massage!“

„Was eine läppische…?!“, wollte Goldblume schon aufbegehren, doch in diesem Moment fixierte die Ärztin bereits ihre Gliedmaßen, sowie ihren Hals mittels gepolsterter Riemen an der Liege, sodass die junge Frau von einem Moment auf den anderen komplett bewegungsunfähig war.

Währenddessen ergänzte Ramona grinsend: „Nein, eine ‚Spezial‘-Massage und nich nur die eine! Denke das mindestens morgen und übermorgen noch eine solche Sitzung fällig wird… Doch zurück zur Sache! Vergiss den Wellnesskram, den du dir darunter vorstellst, am besten gleich, dass hier wird nämlich kein Spaß, sondern könnte eventuell ganz unschön werden. Darum hab ich dich auch besser fixiert, hehe:evil:! Du wirst mich dafür hassen, aber glaub mir, das hier wird dir wirklich helfen, versprochen. “

„Ach du Schande…“, stöhnte Altan-Tschitschik unbehaglich angesichts dieser Aussage, doch da sie sich ja nicht im Geringsten bewegen konnte, fügte sie sich notgedrungen in ihr Schicksal. Zuerst hörte sie, wie die Ärztin ein Pokémon aus einem Ball entließ, sodass daraufhin das Brüllen eines Fuegro durch den Raum hallte. Und als wäre das nicht schon beunruhigend genug, spürte Goldblume auf einmal eine äußerst vertraute Kraft – das Licht eines Z-Kristalls, den sich Ramona nun anlegte!

„Oh, oh…“, schoss es der jungen Frau noch alarmiert durch den Kopf, während Ramone derweil ihren Z-Kristall aktivierte und ihrem Fuegro befahl:

„So alter Junge, lass die Muskeln spielen! Zeit für die…

HYPER

DARK

CRUSHER


Massage!“


4.3: Vom Alltag in der Zuflucht

„Einen wunderschönen guten Morgen Goldblume! Na hattest du eine schöne, erholsame Na…“, wollte Murphy am nächsten Morgen seine Reisegefährtin eigentlich herzlich begrüßen. Doch als er Altan-Tschitschik gegenüberstand, wie sie bleich, mit äußerst säuerlicher Miene und unsicher wie ein betrunkenes Pandir aus ihrem Schlafzimmer heraus torkelte, blieben ihm die Worte im Hals stecken. Stattdessen fragte der kleine Fellball; welcher seinerseits übrigens bestens erholt aussah; ganz besorgt: „Meine Güte Goldblume, wie siehst du denn aus? Was ist passiert?“

„Urks… Ramona und ihr Fuegro… Die sind mir passiert; haben mich beinahe passiert wie eine Tamotbeere, wenn man es so sagen möchte…“, stöhnte Goldblume dünnhäutig und mit einem ironischen Ton, wobei sie sich Mühe gab, nicht zu patzig zu klingen, obwohl sie in fürchterlicher Stimmung war. Ramona hatte Recht behalten: Die junge Frau ‚hasste‘ sie nun in der Tat nach dieser ‚Spezial‘-Massage, weil sie sich nun einfach total besch***en fühlte!

Ihr ganzer Körper war ein einziger, fürchterlich schmerzender Muskelkater, der selbst bei der kleinsten Bewegung bereits spürbar protestierte. Damit nicht genug hatte sie auch noch mit grässlichen Launen zu kämpfen, als wäre sie schwanger oder in den Wechseljahren. Und schließlich war auch ihr Schlaf alles andere als erholsam gewesen, sondern unruhig und von aufwühlenden Träumen durchsetzt…

Auf den ersten Blick konnte man schon meinen, dass Ramonas Behandlung nach hinten losgegangen ist, doch Schabelle selbst wusste es besser. Fuegros abgewandelte Z-Attacke hatte lediglich dafür gesorgt, dass die physischen und psychischen Selbstheilungskräfte ihres eigenen Körpers erst so richtig angekurbelt und auf Hochtouren gebracht wurden. Dass sie sich nun so schrecklich fühlte war lediglich die notwendige Folge dieses Prozesses und würde nicht lange anhalten. Denn langfristig, das spürte sie ganz deutlich in ihrem Innersten, würden ihr diese und auch die noch anstehenden Behandlungen wirklich dabei helfen, dieses lästige Trauma erheblich schneller und leichter zu verarbeiten. –Gute Medizin war nun mal in den meisten Fällen sehr, sehr bitter; wobei man diese Weisheit der jungen Frau aktuell besser nicht noch unter die Nase reiben sollte :P.

„Ach, darum hast du dich gestern auch angehört, als würdest du unter eine Dampfwalze geraten, haha!“, witzelte Murphy heiter, fing sich dafür allerdings einen bösen Blick vom verwandelten Eleganzpokémon ein, weshalb er um sie herum flatterte, nickte und aufmunternd meinte: „Aber Ramona und ihr Fuegro verstehen ihr Handwerk. Diese eine Behandlung hat dir schon erheblich geholfen; ich kann deutlich fühlen, wie diese dunklen Erfahrungen in dir an Kraft verlieren. Du weißt ja gar nicht wie glücklich mich das macht, Goldblume! So gut hätte ich dich nie und nimmer dabei unterstützen können.

Und jetzt versuch zu lächeln Goldblume, dann wird es dir gleich viel besser gehen :)! Außerdem wartet bereits ein leckeres Frühstück und ein ausnahmsweise angenehm ruhiger und schöner Tag auf uns!“

„Hmpf…“, machte Altan-Tschitschik zunächst mürrisch, musste aber angesichts dieses fröhlichen kleinen Sonnenscheins tatsächlich alsbald anfangen zu schmunzeln und das half. Dankbar und freundschaftlich wuschelte sie dem Kleinen durch sein flauschiges Fell und sagte: „Du bist echt was ganz Besonderes Murphy, danke.“

Eiligst hob sie mahnend den Finger und ergänzte jetzt ganz offen und breit grinsend: „Tu mir jedoch einen Gefallen und sag jetzt bitte nichts dazu. Beschränk dich einfach auf dein heiteres Lächeln und zeig mir lieber wo wir langmüssen. Ich hab jetzt irgendwie enormen Hunger bekommen :D!“

Im einladen hellen Raum, in dem sich die reich gedeckte Frühstückstafel befand, wurden die zwei auch schon von einer grienenden Zora und ihrem Porenta begrüßt, welche sich hastig und hungrig einige große, mit reichlich Honig bestrichene Stullen beziehungsweise eine Schale voll Beeren schmecken ließen. Ihr noch zerzausteres, nasses Haar und die feuchten Klamotten, sowie die Wasserperlen auf dem Gefieder des Wildentenpokémon ließen darauf schließen, dass die junge Trainerin und ihr Pokémon bereits draußen unterwegs gewesen sein mussten und wohl daher auch ihr Kohldampf herrührte.

„Guten Morgen, Murphy und Altan-Tschitschik, habt ihr gut geschlafen?“, hob Zora gut aufgelegt an und feixte verschmitzt bei Schabelles Anblick: „Wobei es bei dir gestern wohl noch später wurde, was Goldblume :P?“

Dabei zwinkerte sie verschwörerisch und vielsagend mit den Augen, wodurch das verwandelte Eleganzpokémon sofort begriff und dies mit einer entsprechenden Gebärde zum Ausdruck brachte.

„Okay, okay Zora, hab schon verstanden.“, sagte Goldblume deswegen und grinste genauso breit und schelmisch zurück: „Gestern hab ich über dich gegrinst, heute ist es umgekehrt. Ich schätze, dass wir jetzt wohl Quitt sind, was :D?“

„Stimmt!“, entgegnete Zora lachend, rückte bereits einen Stuhl neben sich zurecht und fuhr mit einer einladenden wie mitfühlenden Geste fort: „Aber jetzt setzt euch beide erst mal, Murphy und Goldblume. Vor allem du siehst nämlich aus, als würdest du gleich aus den Latschen kippen, haha! Kein Wunder nachdem dich unsere Psychotante so zurechtgerückt hat. Ist nicht schön, aber…“

„…Nur zu meinem Besten, nicht wahr?“, beendete Altan-Tschitschik den Satz und versuchte taper zu lächelnd, während sie sich ächzend und ziemlich ungelenk auf den Stuhl sinken ließ und dabei der jungen Ass-Trainerin dankbar zulächelte.

„Ihr beiden kommt ja jetzt schon ziemlich gut miteinander aus, haha.“, merkte Murphy sichtlich glücklich über diesen Umstand an, als er ebenfalls Platz nahm. Bei dieser Bemerkung mussten die beiden Frauen verschmitzt grinsen, weil es ja stimmte und ganz besonders Schabelle fühlte sich so wohl dabei, dass ihre Schmerzen sogar für eine Weile vergas und einem schönen Frühstück nichts mehr im Wege stand.

„Ach ja: Mein treuer Partner hier hört übrigens auf den Namen Alfred; das hätte ich ja beinahe vergessen. *Kicher*“, stellte die junge Ass-Trainerin unterdessen hastig noch ihr Porenta den beiden vor. Dieses störte sich kein bisschen daran, sondern quakte fröhlich: „Porenta!“ ‚Bin gleichfalls sehr erfreut euch kennenzulernen :D!‘

„Wo sind denn alle anderen?“, wollte Schabelle nach einer Weile durchaus mit einer gewissen Neugierde wissen, denn mit Ausnahme der allgegenwärtigen, heiteren Icognito, saßen die vier beinahe etwas verloren und nur unter sich in diesem Raum. Das verwandelte Eleganzpokémon wollte nämlich durchaus zu gerne noch erfahren, wer sonst noch alles Teil dieses Widerstandes war, beziehungsweise auch, wer überhaupt alles hier in dieser Zuflucht lebte.

„Fast alle bereits fertig mit Frühstück und schon Unterwegs; sei es in der Zuflucht selbst oder draußen in den Nebelwäldern.“, antwortete Zora prompt: „Die Tempelvorsteher haben das bewusst so eingerichtet, damit du heute ungestört und frei von neugierigen Fragen schnabulieren kannst. –Sie wussten ja, dass es dir heute Morgen nicht sooo gut gehen wird, hihi^^.“

„Porenta.“, fügte Alfred verschmitzt hinzu. ‚Bis auf unser ‚Liebespaar‘, aber die werden euch ohnehin kaum bemerken :P.‘

Wie auf Kommando kamen in genau diesem Augenblick Ramona und Julian aus der angrenzenden Küche hinzu. Sie schlurfte wie gehabt eher gelangweilt und gemütlich, vielleicht auch noch etwas schläfrig, mit einer übergroßen Schale voll dampfendem Milchkaffe, in den gleichen abgetragenen Klamotten daher und hatte ihr langes Haar noch nicht mit ihrem Band befestigt, sodass es dieses locker mit Zoras Mähne aufnehmen konnte. Er hingegen; ein winziges Tässchen mit extra starkem Espresso halten; stakste so elegant es eben mit seinen langen Beinen ging, energisch, frisch frisiert, eine Wolke feinen Parfüm verströmend, in den Raum und trug überdies neue, jedoch weiterhin eigenwillige Designerkleidung.

Bei diesem Anblick tauschten Altan-Tschitschik und Murphy kurz einen verwunderten Blick miteinander, weil Ramona und Julian so nebeneinander zu sehen einen durchaus heftigen Kontrast darstellte. Vor allem mit Hinblick auf Alfreds Bemerkung, denn die Zwei waren tatsächlich in eine hitzige Diskussion vertieft, hatten nur Augen für den jeweils anderen und grüßten demensprechend die anderen eher halbherzig und geistesabwesend.

„Wenn ich es dir doch sage Ramona!“, ereiferte sich der Designer gerade, trank sein Tässchen in einem Zug leer und machte eine weit ausholende Gebärde: „Du würdest deinem Stil einen GROSSEN Gefallen tun, wenn du deine ganzen alten Kleider in den MÜLL wirfst und dich von MIR einkleiden lassen würdest! Außerdem brauchst du DRINGEND mehr Auswahl… Ich, ich wechsle jeden TAG meine Kleidung – wenn ich mich anstrenge sogar öfters.“

„Wieso? ‚N paarmal im Monat reicht doch…“, brummelte die Ärztin lapidar und knapp, schlürfte geräuschvoll aus ihrer Schale ehe sie hinzufügte: „Klamotten und Aussehen sind doch eh nich alles… Die inneren Werte sind viel wichtiger… Hauptsache, man fühlt sich wohl in seiner Haut… Sollen die anderen über einen doch denken, was sie wollen… Du solltest da mal ruhig etwas lockerer werden Julian…“

Dies konnte der Designer, ein Verfechter des guten Stils und Geschmacks, natürlich nicht einfach so stehen lassen und holt zu einer entsprechenden Antwort aus…

…Und währenddessen sahen Goldblume und Murphy; beide dezent irritiert; die schelmisch Grinsende Zora und ihr Porenta fragend an.

„Sind die immer so zueinander :huh:?“, kam es darum von den Zweien wie im Chor. Die rothaarige Trainerin lachte belustigt, nickte zustimmend und meinte: „Ständig, hihi! Seit sie sich das erste Mal vor Jahren begegnet sind geht das schon so – fast wie bei einem alten Ehepaar :P.“

„Renta!“, quakte Alfred bestätigend. ‚Jepp, die stehen voll aufeinander, wollen es aber nicht zugeben, obwohl ein blindes Tauboss mit gestutzten Flügeln das auf Anhieb erkennen würde.‘

„Die haben aber auch mehr gemeinsam, als man denken möchte.“, sinnierte Zora mit einem belustigten Blick auf die beiden Leute, deren Gezanke in der Tat etwas Vertrautes hatte, ehe sie sich anschickte aufzustehen und zu Schabelle und Murphy gewandt sagte: „Da ihr ja ohnehin so gut wie fertig mit dem Frühstück seid, wollen wir unser Liebespärchen mal besser allein lassen, nicht? *Kicher* Lyra und Xaver wollten dich nämlich sowieso anschließend sehen. Und meine Pokémon und ich müssen auch zu ihnen, also können wir ja gleich alle zusammen gehen, oder :)?“

„Freilich!“, antwortete Altan-Tschitschik freudig und räumte trotz ihres schmerzendes Körpers und unsicheren Gangs in Windeseile zusammen mit den anderen den Tisch, weil sie das erhebende Gefühl in sich spürte, jetzt schon in Zora eine echte Freundin gefunden zu haben. Gut gelaunt ging es für die Drei darum zurück in Richtung der Eingangshalle und unterwegs fragte Goldblume wissbegierig und scharfsinnig: „Was machen wir denn bei den beiden Tempelvorstehern? So wie ihr beiden tut, muss es ja etwas wichtiges sein.“

„Wir werden meditieren Goldblume.“, entgegnete die rothaarige Ass-Trainerin bedeutungsvoll und machte aus Spaß eine theatralische Geste, wobei der Unterton in ihrer Stimme zeigte, dass sie dieses Ritual dennoch sehr ernst nahm: „Ein jeder, der hier in der Zuflucht lebt, macht das mindestens einmal am Tag. Das ist wichtiger als du vielleicht jetzt denken magst.“

„Du erinnerst dich doch sicherlich noch daran, was ich dir in den Nebelwäldern über den Widerstand gesagt habe, nicht wahr Altan-Tschitschik?“, schaltete sich Murphy ein und sah sofort, dass das verwandelte Eleganzpokémon wusste, was der kleine Fellball meinte.

„Ach, auf diese Weise wirkt ihr also eure weiße Magie gegen diesen Dämlack?“, entfuhr es der jungen Frau deswegen erkennend und sie meinte ehrlich: „Ich hatte eigentlich etwas pompöserer erwartet…“

Dann zuckte sie jedoch sogleich mit den Schultern und ergänzte lächelnd: „Aber oftmals sind es die einfachen Dinge, die viel bewirken können, richtig?“

„Exakt!“, kam es fröhlich von Zora und deutete auf die vielen Icognito um sie herum: „Weißt du, die Icognito besitzen ja die Fähigkeit, die Gefühle aller anderen Wesen lesen zu können, auch die von uns Menschen. Durch die Meditation lassen wir sie an unseren positiven Emotionen teilhaben und mithilfe der Magie, über welche unsere Tempelvorsteher verfügen, ist es den Icognito möglich, daraus eine ganz besondere Kraft zu gewinnen mit der sie die dunkle Magie von Nepomuk in Schach halten können.“

„Und nebenbei ist so eine intensive Meditation eine Wohltat für Körper und Geist gleichermaßen.“, fügte Murphy heiter hinzu: „Ich habe beispielsweise gestern fast nichts anderes gemacht und Lyra und Xaver beim wirken ihrer Magie unterstützt. Deswegen sehe ich jetzt auch wieder so taufrisch und voll Energie aus. Und verzeih mir die Bemerkung Goldblume, aber nach Ramonas Behandlung wird dir eine solche Meditation erst recht guttun, haha.“

„Pfff…“ machte Goldblume lediglich schmunzelnd, denn sie wusste ja selbst, dass sie momentan wie eine Vogelscheuche aussehen musste^^.

Der wuchtigen steinernen Wendeltreppe in der Eingangshalle folgend, erreichten die Drei indessen das ‚Heiligtum‘ der Sinjoh-Zuflucht:

Eine große unterirdische Halle in deren Mitte sich eine Stufenpyramide erhob und an deren Wänden, umrahmt von weiteren Icognitoreliefs, diverse Schöpfungsmythen und Legenden aus der Welt der Pokémon abgebildet waren. Die oberste Ebene der Pyramide war dem legendären Trysteriumsaltar nachempfunden; auf dem Arceus der Legende nach die Eier der legendären Drachenpokémon Palkia, Dialga und Giratina erschaffen konnte; und wurde dementsprechend von einer großen, majestätisch anmutenden Jadestatue des Alphapokémons geschmückt. Eine Art Z-Kristall, welcher an der Stirn der Statue befestigt war, erhellte diese Halle zusammen mit den unzähligen Feuerschalen mit einem sanften, warmen Licht und die Luft war erfüllt vom balsamischen, entspannenden Duft diverser Rauchwaren.

Am Fuße dieses Bauwerks wurden sie auch schon von den beiden Tempelvorstehern Lyra und Xaver herzlich empfangen. Geradezu freundschaftlich wurden ein paar Worte gewechselt und höflich erkundigten sich die beiden Alten besonders nach dem Befinden von Altan-Tschitschik, wobei diese glaubte, eine Spur von Mitleid in deren Stimme zu hören. –Offensichtlich waren Ramonas Behandlungsmethoden berühmt und berüchtigt, ganz gleich wie effizient sie auch sein mochten.

Freilich gingen die Tempelvorsteher nicht näher darauf ein, sondern führten Schabelle auf einen scheinbar wahllos ausgesuchten Platz auf einen der vielen Ebenen dieser Pyramide, wo sie sich im Schneidersitz hinhocken sollte. Ein Unterfangen, dass der Ärmsten ein gequältes Stöhnen entfahren ließ, so sehr sie sich auch zusammennahm. Doch dieser Schmerz war sogleich vergessen, weil sie in das frech grinsende Gesicht von Zora blickte, welche mit ihren Pokémon auf der anderen Seite Platz genommen hatte, und sie dieses einfach erwidern musste.

„Lasst uns sodann beginnen!“, hob Xaver, der zusammen mit Lyra neben der Statue von Arceus stand und von den aufgeregten Icognito umschwirrt wurde, nun mit feierlichem Ernst an. Obwohl er und seine Frau mehrmals am Tag diese Zeremonie durchführten, war sie auch für die Zwei jedes Mal etwas Besonderes und wichtiges, sodass sie größte Sorgfalt auf deren Ablauf legten und sich anstrengten, egal, wie viele Leute ihr beiwohnten.

„Schließt eure Augen, sammelt eure Gedanken, atmet bewusst und öffnet euren Geist!“, riefen beide und begannen, mittels altertümlichen Musikinstrumenten; welche aus Johto stammten, eine beruhigende Melodie zu spielen und wurden dabei von Murphys Gabe als kleine Jukebox unterstützt^^. Wie der kleine Fellball fingen die Tempelvorsteher selbst an, leicht dabei zu schimmern – das war ihre weiße Magie, welche sie nun entfesselten. Die Icognito hörten auf, wirr umherzufliegen, sondern schwebten nun in bestimmten Mustern und Formationen durch die Halle und gaben zum Takt der Instrumente fühlbar ihre elektromagnetischen Wellen ab, die man als sanftes Prickeln auf der Haut spüren konnte.

Im Zusammenspiel mit dem Räucherwerk entstand so eine angenehme, schützende Aura, welche Goldblume sofort in einen tranceartigen Zustand tiefster Entspannung versetzte. Sie war wie von sich selbst losgelöst, fühlte sich sicher und geborgen und war zudem dennoch irgendwie bei Bewusstsein, weil sie spürte, dass sie jederzeit wieder Aufwachen konnte. Da dies jedoch nicht vonnöten war, erfreute sich das verwandelte Eleganzpokémon einfach an dieser ungeheuren Seelenruhe und gab dieses schöne Gefühl wie selbstverständlich an die Icognito weiter, die daraus wie schon erwähnt jene Kraft woben, mit der sie die Nebelwälder wie einen Schutzschild umhüllten.

Altan-Tschitschik konnte den reinweißen Schleier förmlich sehen, an dem die dunklen Ausläufer von Nepomuks Magie; welche sich wie ein ekelhafter Schimmelpilz zu verbreiten suchten; einfach abprallten, sooft sie es auch versuchten. Und das tat diese finstere Zauberei unentwegt, sodass sie dadurch begriff, wie wichtig es war, dieses Ritual regelmäßig zu widerholen. Komplett erstaunt war sie allerdings, als sie sich selber betrachtete, denn die junge Frau war so in Trance, dass sie das Gefühl hatte, neben sich selbst zu stehen.

Sie sah sich nämlich in ihrer eigentlichen Gestalt als Schabelle dort im Schneidersitz; zutiefst entrückt, mit einem sanften Lächeln und von einer goldenen Aura umhüllt – dem Licht Necrozmas beziehungsweise dem Bestien-Boost, welcher ihr entströmte. Dieser Anblick stimmte sie vollends glücklich, bewies es doch, dass sie trotz ihres Äußeren immer noch ein Pokémon war und sie die Gewissheit erlangte, dass sie sich niemals verlieren würde.

Viel zu früh nach ihrem Ermessen gelangte diese Zeremonie zu ihrem Ende und beinahe widerwillig, kehrte Goldblume aus ihrer Trance zurück ins Hier und jetzt. Gerne hätte sie noch deutlich länger in diesem wohligen Zustand verweilt; allein schon, damit sie noch mehr von ihrer Kraft beisteuern konnte, um die Magie dieses Mistkerls in ihre Schranken verweisen zu können :P. Noch leicht benommen und schier überwältigt von dieser wundervollen Erfahrung, die jetzt schon Lust auf mehr solcher Meditationen machte, erhob sich die junge Frau und stellte ganz verwundert fest, dass ihr Körper fast nicht mehr schmerzte! Es war nur noch ein leichtes ziepen zu spüren, kein Vergleich zu vorher und dazu fühlte sie sich jetzt ganz ausgeglichen und in sich selbst ruhend. –Eben taufrisch und voller Energie, wie es Murphy beschrieben hatten.

„Es ist unglaublich, nicht wahr?“, sagte der kleine Wuschel, welcher gerade zu ihr geflattert war, auch schon wie aufs Stichwort zu seiner Reisegefährtin und lächelte sie freundlich an. Diese nickte zustimmend und hauchte ganz ehrfürchtig und begeistert: „Und wie! Jetzt kapier ich, warum dir das so gutgetan hat. Das machen wir doch noch öfters, oder?“

„Haha, natürlich, natürlich Goldblume! Werden immerhin noch einige Tage hier verbringen und somit auch regelmäßig daran teilnehmen können.“, erklärte der fluffige Psycho/Flugtyp lachend, weil er das heiße Verlangen der jungen Frau nach weiteren solchen Zeremonien nur zu gut verstehen konnte. Schließlich hatte sie einiges durchgemacht und sehnte sich innerlich zutiefst einfach nach etwas Ruhe, um wieder richtig Kraft sammeln zu können. –Dies war eine der Hauptgründe, warum Murphy die Sinjoh-Zuflucht aufgesucht hatte und es freute ihn enorm, dass Schabelle bereits so früh Zeichen der Erholung zeigte.

Da soeben Zora zu ihnen trat merkte Murphy augenzwinkernd an: „Weißt du Goldblume, ich für meinen Teil werde mich wohl für den Großteil unseres Aufenthalts in der Zuflucht rarmachen. Du weißt schon, um Lyra und Xaver zur Hand zu gehen, die weiteren Reisevorbereitungen zu planen und noch einiges mehr... Du verstehst sicherlich schon worauf ich hinaus will?“

„Logo! Du willst den beiden einfach mit deiner Macht helfen, solange wir schon hier sind und damit ich nicht alleine bin, kann ich ja mit Zora durch die Gegend tingeln, klare Sache :D.“, entgegnete das verwandelte Eleganzpokémon grinsend und wuschelte ihrem Begleiter wieder durchs flauschige Fell: „Dann sehen wir uns später, Kumpel!“

Sie nahm Zora erneut an der Hand und gemeinsam stürmten sie lachend hinaus ins Freie, begleitet vom warmen, glücklichen Blick Murphys, der so froh darüber war, dass Goldblume nun wenigstens eine Weile lang eine unbeschwerte Zeit genießen konnte.

4.4: Trügerische Idylle

Tatsächlich sollten die folgenden Tage für Altan-Tschitschik als sorglose Momente voller Lachen und Glück, interessanter Begegnungen und neuer Freundschaften für immer in Erinnerung bleiben. Denn nach und nach lernte sie die restlichen Bewohner der Zuflucht kennen, welche hauptsächlich einfache, aber herzliche Leute aus den Dörfern der Nebelwälder waren, die sich Zuhause nicht mehr sicher genug fühlten und daher Schutz in dieser alten Tempelanlage suchten. –Dabei erfuhr Goldblume auch, dass die Sinjoh-Zuflucht nicht von ungefähr diesen Namen trug, sondern seit jeher zu einem solchen Zweck stets von Generationen von Menschen regelmäßig ausgebaut und intakt gehalten wurde. Leider gab es nämlich bereits in der Vergangenheit immer wieder diverse Bedrohungen, welche die hiesige Bevölkerung veranlasste, die Hilfe der Icognito in Anspruch zu nehmen. Dies mochte wohl der Grund dafür sein, warum die Leute hier äußerst bewusst die Erinnerungen und Erfahrungen ihrer Vorfahren wachhielten und sorgsam pflegten.

Ein besonderes Interesse galt der jungen Frau natürlich den anderen Trainern, welche sich aktiv am Widerstand beteiligten und zu denen sie äußerst schnell einen guten, vertrauensvollen Draht aufbauen konnte, weil sie deren Fähigkeiten schätzte und dies auch umgekehrt der Fall war. Zora mit einberechnet waren dies zwar nicht mehr als Neun Personen, doch sie alle besaßen ungeheures Selbstvertrauen, einen fantastischen Umgang mit ihren Pokémon und wurden zusätzlich durch den Willen geeint, dem elenden Magier die Stirn zu bieten.

Hervorheben sollte man hier vor allem Knut Ragnarson, einen charismatischen, stämmigen Hünen Mitte dreißig, mit langen, brünetten Haaren, verflochtenem Bart und einem Thorshammer als Amulett, sodass er wie ein waschechter Wikinger wirkte. Daneben gab es noch eine bleiche, geisterhafte Frau mit halblangen, pechschwarzen Haaren, die sich passenderweise Hel nannte und hinter ihrer unterkühlten, verschwiegenen Fassade eine fürsorgliche, freundliche Person war. Gemeinsam mit Zora stellten sie die stärksten Trainer des Widerstandes dar und waren somit quasi die Anführer dieser Gruppe, deren Worte und Meinungen von allen respektiert und geachtet wurden.

Ferner gab es da noch die emsige Käfersammerlin und angehende Imkerin Jasmin, welche für das Sammeln von Früchten und freilich dem Erzeugen des Honigs zuständig war. Die redseligen Zwillinge Martina und Martin, die Aussahen, als seien sie Kinder des Hoenn-Champs Troy Trumm und die ironischerweise sogar äußerst versiert mit einem Mega-Stolloss und einem Mega-Stahlos waren. Den hitzköpfigen Mustafa mit seinen pfeilschnellen Vogelpokémon, die für das Überbringen von Botschaften und das Überwachen des Luftraumes benutzt wurden. Und zu guter Letzt das ältere Ehepaar Karoline und Bernhard Meyer, welche hauptsächlich überhaupt erst so engagierte Trainer wurden, da all ihre Kinder im Obsidianturm des Zauberers schuften mussten. –Ein Umstand, der nebenbei bemerkt auf so ziemlich alle zutraf: Kaum ein Trainer oder sonst ein Bewohner hier in der Zuflucht, der nicht mindestens einen Freund oder ein Familienmitglied unter der Kontrolle des Magiers wusste.

Alles in allem stellte diese ganze sympathische Truppe, so klein sie auch sein mochte, eine ernstzunehmende Kraft im Kampf gegen Nepomuk dar. Kombiniert mit der Macht der Icognito und der Magie der Tempelvorsteher wurde Schabelle sofort klar, warum sie Nepomuk so lange erfolgreich in Schach halten konnten. Daher erachtete sie es als selbstverständlich, diese so gut zu unterstützen, wie es ihr nur möglich war. Sei es beim direkten Training oder einfach durch aufschlussreiche Gespräche zwischen Mensch und Pokémon, um die Bande weiter zu festigen. Schließlich war sie ja immer noch selbst in Wahrheit ein Pokémon und machte sich hier diesen Umstand zunutze, damit vor allem die Trainer die bisher kaum bekannten Seiten, Wünsche und Träume ihrer Schützlinge kennenlernen durften, was äußerst oft zu sehr spaßigen und zugleich herzerwärmenden Aha-Erlebnissen führte.

Allgemein hatte das verwandelte Eleganzpokémon sichtlich seinen Spaß dabei und fühlte sich Wohl unter diesen Trainern, welche sie so bereitwillig in ihre Mitte aufgenommen hatten und bereits als treue Gefährtin betrachteten. Daher dauerte es nicht lange bis Altan-Tschitschik sie auch auf ihren Missionen begleiten durfte. In den meisten Fällen waren dies Patrouillen durch die Nebelwälder und Besuche bei jenen Bewohnern der einzelnen Dörfer darin, die Zuhause geblieben waren. Also nichts weltbewegendes, was Goldblume nicht verwunderte, denn sie konnte sich schon denken, dass man sie bewusst keiner großen Gefahr aussetzen wollte. Dennoch empfand sie diese Ausflüge als wunderschön und trotzdem wichtig, weil sie ihren Teil für die Menschen hier beitragen konnte, so klein er auch sein mochte^^.

Nichtsdestotrotz verbrachte die junge Frau natürlich sooft es ging die Zeit am liebsten allein mit Zora und deren Pokémonteam. Dieses bestand neben Alfred noch aus einem Palimpalim namens ‚Glöckchen‘; ‚Findus‘, dem Tagform Wolwerock und ‚Miss Piggy‘, einem Flambirex, welches die rothaarige Trainerin damals noch als Floink zum offiziellen Start ihrer Trainerkarriere erhalten hatte. –Wenngleich sie Porenta schon seit ihrer Kindheit besaß und dieses somit indirekt ihr Startpokémon darstellte.

Jedenfalls schloss Schabelle mit diesen ebenso rasch Freundschaft wie mit Zora selbst und bald galten die Zwei als unzertrennlich. Und wahrlich: In der lebhaften Ass-Trainerin fand das verwandelte Eleganzpokémon endlich jene vertraute, enge Freundin, die ihr Nanette bloß vorgespielt hatte. Sie konnten stundenlang etwas zusammen unternehmen, ohne dass es langweilig wurde. Im Gegenteil: Sie machten unentwegt Späße und lachten so herzlich und lange, dass ihnen schier die Luft wegblieb und manchmal erst spät abends völlig atemlos und gelöst mit rot glühenden Wangen in die Zuflucht zurückkehrten.

Oft genug plauderten die beiden Frauen aber einfach miteinander, sprachen über ihre Sorgen, Wünsche, Träume und geheimsten, innigsten Sehnsüchte. Und dies so offen und vertraut, als würden sie sich schon seit Jahren kennen. Hier entpuppte sich Zora als geduldige, aufmerksame Zuhörerin die oftmals mit geistreichen Anmerkungen ihr Gegenüber in Erstaunen versetzte. So brachte sie einmal den interessanten Gedanken zum Ausdruck, dass sie sich ohne Schabelles ungewollter Verwandlung ja wahrscheinlich niemals begegnet wären – und schon gar nicht hätten sie so leicht Freundschaft geschlossen.

„So gesehen hat dieses miese Verbrechen von Nepomuk ja auf diese Weise immerhin eine gute Seite an sich.“, schloss die rothaarige Trainerin grinsend, woraufhin Altan-Tschitschik zuerst überrascht stutzte, dann jedoch nachdachte und schlussendlich vergnügt lachend zustimmte: „Weißt du was? Du hast Recht Zora, so hab ich das ja noch gar nicht gesehen, haha :D! Wäre ich dir überhaupt in meiner wahren Gestalt begegnet, hätten wir uns gar nicht so kennenlernen können, wie es jetzt ist. *Kicher* Sicherlich hättest du versucht mich zu fangen, oder? Schließlich trifft man ja nicht alle Tage auf eine Ultrabestie, haha.“

„Oh, glaub mir Goldblume, ich würde dich niemals versuchen gegen deinen Willen zu fangen, haha! Ich bin kein solcher Trainer, ich habe mich mit jedem meiner Pokémon zuvor angefreundet, ehe ich einen Ball nach ihnen werfe.“, versicherte Zora amüsiert von diesem Gedanken und fügte ehrlich hinzu: „Außerdem weiß ich doch, wie sehr du dich nach deiner Heimat sehnst. So etwas würde ich dir nie und nimmer antun wollen…“

Das stimmte: Ganz gleich, wie viel Goldblume die Freundschaft mit der rothaarigen Ass-Trainerin und all den anderen auch bedeuten mochte, wie viel Freude sie hier hatte…

…In ihrem Innersten herrschte nach wie vor eine unsagbar tiefe Sehnsucht, wieder Nachhause in die Ultrawüste zu gelangen, aus der sie gewaltsam herausgerissen wurde. Und selbst wenn Schabelle dies nicht zugeben wollte, vielleicht gar nicht richtig ermessen konnte, hatte ihre neue Freundin dieses Sehnen von Anfang an deutlich gespürt. Denn wann immer die junge Frau von ihrer Heimat erzählte, vom reinweißen Sand, den ästhetischen, türkisfarbenen Kristallstrukturen oder den geheimnisvollen Pyramiden, die sich dort hie und da auftürmten…

…Jedes Mal lag dabei ein besonderer Glanz in ihren Augen und ohne es selbst zu merken, schlich sich ein schmerzlicher, begehrlicher Unterton in ihre Stimme, weil sie so gerne wieder dorthin zurück wollte.

Zora ging dieser innige Wunsch ihrer Freundin sehr nahe, konnte ihn gut nachvollziehen und wenngleich sie nicht wirklich etwas tun konnte, um ihn wahr werden zu lassen, gab sie ihr Bestes, damit sich Goldblume wenigsten hier so glücklich sein konnte, wie nur irgendwie möglich.

Und dies gelang ihr und den anderen Bewohner der Zuflucht geradezu exzellent^^:

Von dieser stetigen, leisen Wehmut mal abgesehen, strahlte das verwandelte Eleganzpokémon beinahe unentwegt schier vor Freude und Glück. Sie fühlte sich richtig Wohl hier, genoss die Wärme und Geborgenheit, welche so eine eingeschworene Gemeinschaft einem zu bieten vermochte und blühte richtig auf. Und da sie so selbstverständlich, ja regelrecht mit offenen Armen einfach so in diese aufgenommen wurde, war es ihr wichtig, dieser etwas zurückzugeben.

Ohne, dass man sie darum gebeten hätte, half sie beispielsweise gelegentlich in der Küche bei der Zubereitung des Essens. Lies sich für diverse Reinigungsarbeiten einteilen, arbeitete eifrig an den Vorbereitungen für ihre Weiterreise oder kümmerte sich bei Bedarf um die kleinen Kinder, da viele junge Familien in der Zuflucht zugegen waren. Gerade diese Knirpse vergötterten Altan-Tschitschik förmlich und verhielten sich bei ihr mitunter braver und manierlicher, als bei ihren eigenen Eltern. –Immerhin war sie ja ein verwandeltes Pokémon, also eine verwunschene Prinzessin wie aus einem Märchen sozusagen. Und auf eine Märchenfigur hörte man freilich viel eher als auf Mama und Papa :P.

‚Prinzessin‘ war übrigens ein gutes Stichwort für eine der wenigen Wehrmutstropfen, an denen sich das verwandelte Eleganzpokémon störte: Fast alle Bewohner, Menschen wie Pokémon gleichermaßen, behandelten sie so übertrieben respektvoll, nicht zu sagen ganz ehrfürchtig, als sei sie eine höher gestellte Person oder gar eine Heilige oder Göttin. Nicht nur, dass sich ‚St. Goldblume‘ total bescheuert anhörte; eine bevorzugte Sonderstellung war das Letzte, was die junge Frau wollte!

Sie wollte normal wie alle anderen behandelt werden, obschon sie natürlich wusste, woher dieses Verhalten herrührte: Murphy hatte ihr ja schon eröffnet, dass der Magier durch ihre Verwandlung seine Macht aufs Spiel gesetzt hatte. Gelang es ihr, wieder ihre wahre Gestalt anzunehmen, waren er und seine Schreckensherrschaft am Ende. Von daher war es nur logisch, dass diese gepeinigten Menschen hier in ihr die Verkörperungen ihrer Hoffnungen sahen und sie demensprechend mit ausgesuchter Höflichkeit und Achtung entgegentraten. Dies konnte sie sogar ein Stück weit verstehen und da sie an diesem Umstand ohnehin nichts würde ändern können, nahm sie ihn zähneknirschend hin, verdrängte aber für sich selbst den Gedanken um ihre angebliche Wichtigkeit. –Was für ein Glück in diesem Zusammenhang, dass Zora und die anderen Trainer nicht so waren, oder dies wenigstens gut verbargen^^.

Aber dies nur am Rande angemerkt, denn diese Kleinigkeit konnte natürlich nicht wirklich die Freude der jungen Frau trüben. Dafür war das zeitweilige Leben in der Sinjoh-Zuflucht einfach viel zu schön, ruhig und harmonisch. Anstatt sich zu groß zu ärgern kostete sie lieber jeden Moment in vollen Zügen aus und erlaubte sich, zumindest für eine Zeit lang, einfach sorglos im hier und jetzt zu leben.

Und dies bekam ihr offensichtlich sehr: Von Tag zu Tag sah Schabelle immer fitter und erholter aus und sprühte nur so vor Kraft und Lebensfreude. Auch Ramonas Behandlungen hatten ihren Anteil daran und machten enorme Fortschritte. Das von Nepomuk verursachte Trauma, dieser große Schmerz und diese heftige Abscheu vor dem was er getan hatte und noch tun wollte… All dieses Finstere wurde nach und nach in einen dunklen Winkel ihres Herzens zurückgedrängt und dort für alle Ewigkeit hinter Schloss und Riegel verbannt. Fast kam es Altan-Tschitschik nach einer Weile so vor, als würde Fuegros Z-Attacke genau darauf abzielen, diese störenden, dunklen Emotionen sinnbildlich dorthin zu prügeln^^.

Auf jeden Fall verloren die ‚Massagen‘ der Ärztin ausgesprochen schnell ihren Schrecken, war ja schon die zweite längst nicht mehr so schlimm und bald sogar zählten sie zu jenen schönen Ritualen, auf die sich Goldblumes schon beim Aufwachen freute. –Ein Umstand, den sie nach dem ersten Mal nie für möglich gehalten hätte! Doch sie spürte den Wohltuenden Effekt dieser Behandlung jeden Tag deutlicher, sodass sie dieser zutiefst dankbar war. Abend für Abend warf sie sich daher freiwillig in die Liege und meinte vorfreudig lachend zu Ramona und ihrem Fuegro: „Also dann legt mal los, Leute :D!“

…Dass diese heitere Zeit irgendwann ihr Ende finden sollte, das war der jungen Frau durchaus bewusst. Schließlich mussten sie und Murphy ja beizeiten ihre Reise wieder aufnehmen, so gerne sie eigentlich so lang wie möglich hiergeblieben wäre. Was Schabelle jedoch nicht wissen konnte war der Umstand, dass dieses Ende viel plötzlicher eintreten sollte, als ihr lieb war und sie zudem auf äußerst unsanfte Weise mit der Realität konfrontieren würde…

Trotz der vielen Möglichkeiten, die sich ihr boten, gab es nämlich immer wieder Augenblicke, in denen sie allein war. Solche Momente nutzte das verwandelte Eleganzpokémon dazu aus, die weit verzweigten Gänge der Sinjoh-Zuflucht zu erkunden. Und das waren wirklich eine Menge Gänge! Man hätte sicherlich Tage damit verbringen können und würde es dennoch nicht schaffen, alle zu erforschen. Angst, sich zu verlaufen hatte sie natürlich nicht, schließlich gab es überall hilfsbereite Icognito, die sie notfalls zurückführen hätten können. Zudem hatten ihr die Tempelvorsteher explizit erlaubt, die Zuflucht ganz nach Belieben zu durchschreiten; es gab also auch keine ‚verbotenen‘ Orte, an denen sie sich nicht aufhalten durfte.

Aber dennoch erreichte sie eines Tages – sie und Murphy waren in der Zwischenzeit schon seit etwa eineinhalb Woche hier – einen tiefen, versteckt liegenden Gang, dem etwas bedrückendes, düsteres anhaftete. Allein das war schon komisch, denn normalerweise herrschte in der ganzen Zuflucht etwas Familiäres, Warmes und Freundliches – eine wohlige Aura eben. Hier jedoch nicht, sogar die hiesigen Icognito wirkten viel ernster und konzentrierter als sonst, weshalb Altan-Tschitschik nur zögerlich diesen Gang betrat. Und kaum hatte sie ein paar Schritte zurückgelegt Schlug es ihr unverhofft und mit voller Wucht entgegen, gleich einem Hieb in die Magengrube!

Die Magie! Sie spürte diese verhasste, ekelhafte Magie von Nepomuk, die ihr all das angetan hatte hier und jetzt in diesem Gang und zwar so deutlich, als würde er vor ihr stehen!

Nun kam der Moment, indem sich die eigenwillige Behandlung Ramonas richtig auszahlte! Wäre Schabelle davor noch vor Schreck und Ekel förmlich erstarrt und hätte keinen klaren Gedanken mehr fassen können, hatte sie sich nun viel besser im Griff. Nach dem ersten Schock atmete sie tief durch und erlangte so augenblicklich die Kontrolle über ihren zunächst unwillkürlich zitternden Körper zurück. Sie war nur böse überrascht worden, doch dank Ramona fürchtete sie die Magie des Zauberers kaum noch, hatte dieses üble Trauma fast verarbeitet. Deswegen ging sie sogleich weiter, vorsichtig zwar, weil sie beim besten Willen nicht wissen konnte, was hier los sein mochte, aber nicht eingeschüchtert oder verängstigt!

Trotzdem wagte sie es nicht, eine der wenigen Türen, die sich hier befanden, zu öffnen. Es war fast eine Art innerer Instinkt, der ihr eindringlich davon abriet. Abgesehen davon fühlte sie sich nicht willkommen hier, ihr war ganz Unbehaglich zumute und sie spielte schon mit dem Gedanken, wieder zu gehen und später Murphy oder die Tempelvorsteher zu fragen, was es mit diesem finsteren Ort auf sich habe.

Jäh wurde aber eine Tür aufgestoßen und zu Goldblumes größtem Erstaunen war es Zora, die völlig aufgelöst und fertig, den Tränen nahe, herausrannte! Die Ärmste war scheißgebadet, rang um Atem und schien ihre Freundin nicht bemerkt zu haben, da sie sich mit geschlossenen Lidern rücklings an die Wand lehnte. Unfreiwillig konnte die junge Frau unterdessen einen Blick in eine dunkle Kammer werfen und was sie dort sah, versetzte ihr einen heftigen Stich ins Herz!

An einer aufgestellten Liege war ein Trainer, fast noch ein Jugendlicher, festgebunden, den sie als einer der Handlanger des Magiers erkannte. Er zuckte wie wild, versuchte vergebens freizukommen, während sich auf seinem Gesicht groteske Grimassen wie bei einem Besessenen abzeichneten. Dabei gab er entsetzlich gequälte Laute von sich, fast so, als wolle man in umbringen und die einem beim Zuhören das Blut in den Adern gefrieren ließen. Um ihn herum standen Lyra und Xaver und ein Schwarm Icognito, welche ihre Macht bündelten und auf den armen Tropf richteten, ohne auf den ersten Blick viel bewirken zu können. Ein wenig entfernt konnte die junge Frau überdies Knut Ragnarson, Hel sowie eine zierliche Frau und einen ebensolchen Mann ausmachen, die höchstwahrscheinlich die Eltern des Jungen sein mochten.

Die beiden Trainer waren wohl, genau wie Zora, zugegen, um den Icognito einerseits ihre Kraft und gleichzeitig den Eltern Trost zu spenden. Denn die sonst so geisterhafte Hel und der starke Knut hielten die bedauernswerten Leute ganz sacht in ihren Armen, weil sie sicherlich mit ihrem Kind litten. Unentwegt stammelten die Zwei unter Tränen: „Unser armer Junge… Unser armer, armer Junge…“

Da sah Knut unvermittelt auf, erblickte das verwandelte Eleganzpokémon welches beschämt eiligst auf den Boden starrte, da sie keinesfalls gaffen wollte und schritt zur Tür, um sie ohne ein Wort zu sagen zu schließen. Die einzige kleine Erleichterung in diesem Augenblick war, dass Altan-Tschitschik in seinem groben, bärtigen Gesicht keinen Vorwurf oder Tadel ausmachen konnte, sondern mehr so etwas wie Verständnis. Immerhin konnte Schabelle ja unmöglich wissen, was hier vor sich ging.

„Goldblume?“

Die fragende, schwache Stimme Zoras lenkte Schabelles Aufmerksamkeit wieder zurück auf ihre Freundin, die soeben, um eine ruhige Atmung bemüht, die Augen geöffnet und sie erkannt hatte. Deren Anblick versetzte dem verwandelten Eleganzpokémon einen weiteren Stich ins Herz: Sah die sonst so taffe, lebhafte rothaarige Trainerin mit einem Mal so zerbrechlich und schwach aus.

„Und wie jung sie doch ist…“, schoss es Goldblume unwillkürlich und bestürzt durch den Kopf, weil es ihr erst jetzt so richtig bewusst wurde, war ihr ein schlechtes Gewissen einbrachte: „Noch keine achtzehn Jahre und dennoch muss sie sich mit so etwas abplagen…“
„Goldblume, was machst du hier?“, fragte Zora erneut, wobei sie nicht groß überrascht klang – allerdings auch nicht wirklich erfreut. Aus ihren Gedanken gerissen stammelte diese anfangs kleinlaut wie ein ertapptes Schulmädchen: „Ich also… Ich bin zufällig hier gelandet… Wenn ich gewusst hätte…“

Dann fasste sich die junge Frau ein Herz, sah ihrer Freundin direkt in die Augen und wollte mitfühlend wissen: „Das meintest du damit, dass es keine leichte Aufgabe ist, die Leute aus der Kontrolle des Zauberers zu befreien, richtig? Ist es wirklich so schlimm?“

„Es ist grauenvoll!“, antwortete Zora heftig mit bebender Stimme, ehe sie leise flüsterte: „Wenn sich einer freiwillig unter magische Kontrolle bringen lässt, kostet es unsäglich viel Kraft, diesen wieder davon zu befreien… Mehr als einen einzigen in der Woche schaffen wir einfach nicht… Und sie wehren sich dabei noch nach Leibeskräften, dass man es kaum aushält… *Seufz* Obwohl ich so stark bin, fühle ich mich manchmal einfach sooo ohnmächtig dabei…“

„Oh Zora, ich wusste ja nicht…“, entgegnete Altan-Tschitschik betroffen und hätte nun ihrerseits ihre Freundin am liebsten tröstend in die Arme genommen, während sie sagte: „Kann ich irgendwas für dich tun?“

„Nur zwei Dinge Goldblume.“, meinte die rothaarige Trainerin, die sanft die Umarmung ablehnte und deren Stimme schon wieder an Kraft gewann und sich bereits der Anflug eines bittenden, wie kämpferischen Lächelns auf ihrem Mund abzeichnete: „Bringe mit Murphy deine Reise zu einem erfolgreichen Ende! Und solange du hier bist bitte ich dich inständig als deine Freundin: Suche niemals mehr diesen Ort hier auf, versprichst du mir das?“

„Hoch und heilig!“, beeilte sich Schabelle zu sagen, drückte noch rasch Zoras Hände und sah zu, dass sie diesen Gang und seine dunklen Schrecken schnellstmöglich hinter sich ließ. Es verlangte ihr einiges an Selbstbeherrschung ab, nicht davonzurennen, denn der Klang in der Stimme ihrer Freundin war unmissverständlich gewesen.

Niemals hätte diese gewollt, dass das verwandelte Eleganzpokémon das hier mitbekommen sollte, doch nun war es geschehen und die sorglose Heiterkeit somit unwiederbringlich vorbei…

4.5: Auf zu neuen Abenteuern!

Seit diesem erschütternden Vorfall war alles anders für Altan-Tschitschik. Sie hatte ungewollt einen Blick auf die unschönen Seiten im Leben der Sinjoh-Zuflucht geworfen, wusste nun um den tagtäglichen, harten und teils grausamen Kampf gegen den dunklen Einfluss des Magiers. So viele Mühen und Anstrengungen waren nötig, um gerade mal einen einzigen aus dessen Kontrolle befreien zu können. Und dann noch die Verzweiflung und Ohnmacht, die Zora und die anderen Trainer dabei immer wieder empfanden und der sie sich jedoch jedes Mal aufs Neue aussetzten, um zu helfen…

...All dies hatte Goldblume mit gnadenloser Härte ihre besondere Stellung in diesem Kampf ins Bewusstsein gerückt.

Ob sie wollte oder nicht: Sie war unfreiwillig das Symbol des Widerstandes; vom Erfolg ihrer Reise hing das Wohl und Wehe all dieser Menschen, vielleicht auch von ganz Bernik und dem Rest der Welt ab! Sie hatte nicht darum gebeten und wurde leider auch nicht gefragt, aber die elende, finstere Magie von Nepomuk hatte nun mal sie erwischt und somit in diese Situation manövriert.

Die junge Frau haderte noch mit dieser bitteren Gewissheit, doch nun musste sie sich diesem Gedanken stellen und konnte nicht mehr ausweichen. All dieses Übel, die besessenen Trainer, die traurigen, verzweifelten Angehörigen und die unmenschlichen Mühen von Leuten wie Zora; die doch noch so jung war und eigentlich ein schönes Leben mit ihren Pokémon führen sollte; hätten schlagartig ein Ende, wenn sie wieder ein Schabelle wäre.

Diese Tatsache lastete seitdem schwer auf ihr, weil sie das bittere Gefühl in ihr wachrief, eine ungewollte Teilschuld am Schicksal dieser armen Menschen zu haben. Damit einhergehend wuchs mehr und mehr eine gewaltige Ungeduld und Unruhe in ihr.

Sicher: Sie erfreute sich immer noch am harmonischen Leben hier und erlebte noch zahllose kostbare und schöne Momente mit Zora und den anderen, die ihr diesen Vorfall nicht im Geringsten übelnahmen. Auch die Meditationen waren weiterhin genauso wundervoll wie sonst Aber so langsam gab es gar eben einfach keinen Grund mehr, hier zu verweilen. Ramonas Behandlungen waren schon seit einigen Tagen vorbei und nicht mehr vonnöten. Und Julian hatte ihr inzwischen eine Ansehnliche Garderobe wunderschöner, funktionaler und extrem robuster Outdoorkleidung geschneidert, alles in den Farben Weiß und Gold, wie sie es gewünscht hatte.

Noch dazu hatte er diese in einer eigens dafür inszenierten Modeschau allen Vorgeführt, was einen weiteren unvergleichlich heiteren und herrlichen Augenblick darstellte, keine Frage. Sogar einen kleinen, leichten, wetterfesten Rucksack hatte er entworfen, indem Altan-Tschitschik ihre Wechselkleidung bequem transportieren konnte.

Aber auch in diesem Fall lag die Betonung eben auf ‚hatte‘! Der Designer war fertig und eigentlich waren alle Vorbereitungen, an denen sie mitwirken konnte, seit Tagen abgeschlossen. Dennoch war nirgends von Aufbruch die Rede, weder Murphy noch die Tempelvorsteher oder sonst wer verlor nur ein Wort darüber. Ja nicht mal Zora sagte etwas dergleichen, wich sogar ihren Fragen bewusst aus und brummelte lediglich sowas wie: „Das liegt nicht in meinem Ermessen Goldblume. Es ist soweit, wenn es soweit ist^^.“

Schabelle hätte sich die Haare raufen können! Sie waren bald ganze drei Wochen hier und es gab rein gar nichts mehr zu tun, auf was warteten sie denn noch?! Eine schriftliche Einladung von Arceus? Darauf, dass es Nepomuk irgendwann gelang, mit seiner dunklen Magie doch noch in die Nebelwälder vorzudringen und an die Tore der Zuflucht anklopfte?

Irgendwann hielt sie es nicht mehr aus, stapfte wutentbrannt und zu allem entschlossen ins Heiligtum und riss Murphy, der dort gerade eifrig meditierte, aus seiner Versunkenheit, sodass der kleine Wuschel überrascht auf den Boden plumpste.

„Murphy, wir müssen reden!“, sagte sie, die Hände energisch in die Hüften gestemmt, in einem eindringlichen Tonfall, der kein Wenn und Aber zuließ und richtig verzweifelt wie ungeduldig platzte es aus ihr heraus: „Wann gedenkst du, dass wir unsere Reise endlich fortsetzten, hä? Wie lange sollen wir denn noch untätig in der Zuflucht verharren, während da draußen dieser Mistkerl immer mehr Zeit bekommt, um seine Macht auszubauen? Ich für meinen Teil habe mich genug erholt, bin längst bereit den Weg wieder aufzunehmen!“

Das verwandelte Eleganzpokémon senkte seine Stimme, wobei diese nicht an Nachdruck verlor, sich aber ein zutiefst flehender Ton einschlich, als sie weiter sprach: „Bitte Murphy, lass uns so schnell wie möglich weitergehen! Ich, ich kann es nicht verantworten, Zora und all den anderen antun, länger als nötig hierzubleiben… Ich habe das Dunkle gesehen und weiß um meine Mitschuld daran… Also lass uns gehen und diesem Spuk ein Ende setzen, bitte!“

Mit großen, traurigen Augen blickte sie dabei den kleinen Wuschel geradezu bettelnd an und viel hätte nicht gefehlt, und sie hätte geweint. Schlichen sich ja bereits die ersten Tränen in ihre Augenwinkel. Denn es war ihr todernst mit ihrer Bitte: Sie wollte um jeden Preis aufbrechen und dem Magier das Handwerk legen, je eher desto besser! Niemals würde es sie sich nämlich verzeihen können, wenn sie die armen Bewohner dieser Zuflucht hier, die sie so ins Herz geschlossen hatte, länger als nötig mit dieser Bürde belastete.

Überrumpelt und bestürzt über diesen Gefühlsausbruch beeilte sich Murphy tröstend zu antworten: „Aber, aber Goldblume, jetzt beruhige dich doch bitte! Fang nicht an zu weinen! Wir können jederzeit los, wenn du das möchtest. Von mir aus sogar gleich sofort.“

„Aha!“, brauste Altan-Tschitschik zuerst wieder auf, da sie so fest damit gerechnet hatte, mit einer ausweichenden Antwort abgespeist zu werden, dass sich ihr der Sinn von Murphys Worten erst einen Augenblick später erschloss. Aus diesem Grund stutzte sie gleich darauf und es entgleisten ihr geradezu die Gesichtszüge.

„M… Moment, wie war das? Was hast du gesagt?“, stammelte Goldblume deswegen verwundert von dieser schnellen Zusage und sah den fluffigen Psycho/Flugtyp ratlos an: „Wir können aufbrechen? Einfach so?“

„Jepp!“, entgegnete der kleine Fellball eifrig nickend und geheimnisvoll lächelnd: „DU hast nämlich soeben das Zeichen dazu gegeben. Mehr war nicht nötig.“

„Also das kapier ich jetzt nicht ganz…“, gab die junge Frau zunehmend verwirrt zu: „Was hab ich denn damit zu tun?“

„Eine Menge!“, hörten die beiden hinter sich die ruhige und weise Stimme von Xaver plötzlich sagen und der alte Tempelvorsteher trat mit einem höchst erfreuten Ausdruck in seinem Gesicht auf sie zu: „Dein kleiner Freund, der Gesandte Arceus‘, hat es treffend ausgedrückt: Du musstest das Zeichen zum Aufbruch geben, Altan-Tschitschik. So sehr dir dieser Gedanke auch missfallen mag, doch es häng alles von dir ab. DU musstest bereit dafür sein, eure Reise wieder aufzunehmen und das du es bist, hast nun überdeutlich gezeigt und bewiesen.“

„Oh…“, machte Schabelle zunächst, eher sie schon weiterdachte und den Alten scharf ins Auge fasste: „Also haben du und Lyra mir mit Absicht erlaubt, die komplette Zuflucht zu erkunden! Ihr wolltet, dass ich irgendwann auf diesen dunklen Gang stoße, damit ich es mit eigenen Augen sehe und meine Rolle somit nicht mehr leugnen oder verdrängen konnte, stimmt’s oder hab ich recht :x?“

„So ist es, mein Kind.“, sprach nun Lyra, die ebenfalls dazukam, langsam und bedächtig: „Weißt du, oftmals muss man im Leben auch unangenehme Erfahrungen machen. Solche die einem wehtun, einem schmerzen… Gerade diese bringen einen erst zum Nachdenken und im Nachhinein ist man sogar froh, sie gemacht haben zu dürfen, weil einem sonst vielleicht niemals eine wichtige Erkenntnis gekommen wäre. Du musstest diese schlimmen Dinge sehen, weil deine Reise sich nicht nur äußerlich, sondern auch in deinem Herzen abspielt. Und ich kann dir jetzt schon sagen, dass dies nicht das letzte Mal sein wird... Doch nun kommt! Wir haben eine letzte Überraschung für euch…“

Ohne auch nur auf eine Reaktion des verwandelten Eleganzpokémon zu warten, machten die beiden Alten kehrt, führten sie und Murphy zurück in die Eingangshalle zu einer scheinbaren Steinwand. Dort warteten bereits Zora und alle anderen der neun Trainer des Widerstandes ebenso wie Ramona und Julian. Allesamt mit einem Gesichtsausdruck der Bände sprach.

„Hast du es also rausgekriegt, was?“, sprach es die rothaarige Trainerin lachend aus, klang jedoch dabei auch ein klein wenig traurig, da ja somit auch die Zeit des Abschieds Schlag auf Schlag gekommen war. Schnell fügte sie, die im Gesicht ihrer noch ziemlich überraschten Freundin wie in einem Buch lesen konnte, dann hinzu: „Glaub mir, dass du dieses Grauen unbedingt sehen musstest, wusste ich nicht; hätte ich auch niemals zugelassen! Die Tempelvorsteher haben mir nur gesagt, dass du darüber entscheidest, wann eure Weiterreise stattfinden wird. Tja und nun ist es wohl soweit…“

Dann schüttelte Zora ihren Kopf, sodass ihre wilde Mähne hin und her flog und meinte fröhlich: „Aber machen wir kein Drama daraus! Die anderen wollen sich nur von euch kurz, aber in aller Herzlichkeit stellvertretend für alle Bewohner der Zuflucht verabschieden.“

Auf dieses Stichwort hin wurden Goldblume und Murphy über und über mit guten Wünschen für ihre weitere Reise überschüttet und auch von den zahllosen Icognito ein letztes Mal noch freudig umschwirrt. Die junge Frau und der flauschige Psycho/Flugtyp wiederum bedankten sich ihrerseits überschwänglich, für diese wundervolle Zeit, die sie hier verbringen durften.

„Trage deine neue, modische Kleidung mit STOLZ!“, sagte Julian da beispielsweise und Ramona ergänzte: „Und denk auch an deine innere Stärke. Der Magier kann dich nie mehr verletzten, auch wenn er dich vom Gegenteil überzeugen will!“

„Mögen euch die Götter wohlgesonnen sein!“, kam es von Knut, der dabei seinen Thorshammer berührte, und verpasste Schabelle noch einen festen Händedruck. Hel hauchte ihrerseits mit einem leichten Lächeln ein: „Macht’s gut ihr zwei…“

Ein jeder verabschiedete sich nach und nach mit solch knappen Worten von den beiden, doch diese waren so ernst und aufrichtig gemeint, dass mehr nicht nötig war. Tatsächlich war der ganze Abschied eine bündige, intensive Angelegenheit, was Altan-Tschitschik ganz benommen machte, weil alles so schnell vonstattenging. –Aber vielleicht war genau dies auch besser, als ein unnötig in die Länge gezogenes Lebewohl.

„Und was ist mit dir Zora?“, wollte Altan-Tschitschik anschließend, als dies vorbei und alle anderen gegangen waren, von ihrer Freundin mit belegter Stimme wissen, da diese sich gar nicht daran beteiligt hatte. Für diese Frage erntete sie von dieser zuerst ein keckes Grinsen, ehe sie stolz verkündete: „Keine Angst, du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich eine meiner engsten Freundinnen ohne ein Wort gehen lassen, oder? Wir haben nämlich noch einen kleinen Moment. Doch nun sieh erst mal zu und staune!“

Die rothaarige Trainerin entfernte sich ein paar Schritte von der Steinwand, damit sich die beiden Tempelvorsteher davor positionierten konnten. Sofort begann Lyra irgendwas in einer fremden Sprache zu murmeln, während Xaver ein paar bestimmte Stellen an der Wand drückte und die Icognito allen Ernstes den Satz ‚Sesam öffne dich!‘ bildeten. Kaum war dies geschehen rumpelte und knirschte es, als die Wand sich zur Seite schob und einen geheimen Gang freigab. –Auch ganz so, wie man es von einem altertümlichen Tempel erwarten würde^^.

„Nun denn…“, begann Xaver mit knappen Worten: „Am Ende dieses Ganges werde ihr unsere Überraschung vorfinden mit der ihr einen Teil eures Weges überbrücken könnt. Mehr muss ich dazu nicht sagen, sobald ihr sie seht, werdet ihr es ohnehin verstehen.“

„Und damit möchten wir nun auch uns von euch verabschieden, Altan-Tschitschik und Murphy.“, übernahm Lyra und lächelte dabei leicht belustigt, als sie hinzufügte: „Zora hat darum gebeten, euch beide allein dorthin zu begleiten und diesen Wunsch wollten wir ihr gerne erfüllen.“

Dann wurden die Gesichter der Tempelvorsteher jedoch ernster und warnend erklärte Xaver ihnen: „Versucht so weit wie nur irgend möglich zu kommen! Denn sowie ihr die Nebelwälder verlasst kann euch unsere Magie nicht mehr selbstverständlich vor Nepomuk Balthazar von Sonnenstich beschützen, sodass es ihm leichter fallen wird, euch mit seiner Zauberei zu orten und zu behindern! Wir werden selbstreden alles unternehmen, um ihn so lange aufzuhalten, wie es geht, doch ihr solltet dennoch gewarnt sein! Er mag wie ein faules Webarak in seinem Turm sitzen, aber seine Macht ist nicht zu unterschätzen!“

Mit einem Ausdruck von Milde und Gewissheit meinten die zwei Alten aber abschließend voller wohlwollen: „Trotzdem sind wir überzeugt, dass eure Reise von Erfolg gekrönt sein wird und wünschen euch alles Glück der Welt und Arceus Segen auf diesem Weg! Wir verlassen euch jetzt, doch seid gewiss, dass wir uns ganz sicher nicht das letzte Mal gesehen haben werden. Auf Wiedersehen, ihr zwei.“

Nach einer letzten Verneigung schritten die Tempelvorsteher von dannen und einen Moment lang, konnte Altan-Tschitschik ihnen nur nachsehen. Sie war immer noch ganz aufgewühlt: Vor nicht mal zehn Minuten wäre sie vor Wut fast geplatzt oder hätte geweint, weil sie hier regelrecht ‚versauerten‘ und jetzt verließen sie tatsächlich von einem Augenblick auf den anderen jenen Ort, an dem sie so viel Freude und Glück erlebt hatte.

Ein sachtes Zupfen an ihrem Ärmel ließ sie herumfahren und sie blickte in die sanften Gesichter von Murphy und Zora.

„Komm doch Goldblume.“, sagte der kleine Wuschel ganz sanft und tröstlich: „Es ist nicht gut, einen Abschied in die Länge zu ziehen. Verwahre diese schöne Zeit in deinem Herzen und lass und gehen, ja? Schließlich hilfst du doch damit den Leuten in der Zuflucht und das wolltest du doch.“

„Dein flauschiger Kumpel hat vollkommen Recht.“, stimmte freilich auch die lebhafte Trainerin mit ein und wirkte ganz aufgeregt: „Außerdem wartet wirklich der absolute Oberhammer auf euch! Wir haben wochenlang daran heimlich gewerkelt; nur für euch. Also schlagen wir hier keine Wurzeln sondern guck es dir an!“

Da musste Goldblume plötzlich herzlich lachen und sie fühlte sich getröstet.

„Danke Leute.“, hauchte sie und fühlte die wohlige Vorfreude eines bevorstehendes Aufbruchs endlich in sich aufsteigen, sodass sie verwegen grinsend hinzufügte: „Na dann wollen wir diese Überraschung mal in Augenschein nehmen!“

Zu dritt eilten sie darum den kurzen, gewundenen Gang entlang an dessen Ende sich eine große Kammer mit einer Art ‚Dachluke‘ befand. Und was die junge Frau dort zu sehen bekam, ließ ihre Augen ganz groß vor Staunen werden:

Von Zora mit einem überschwänglichen ‚Tadaaa!‘ untermalt schwebte dort tatsächlich ein kleines Luftschiff!

„Wow!“, konnte Schabelle anfangs nur baff machen, denn wenngleich dieses wannenförmige Konstrukt aus Holz und Metall mit seinem walzenförmigen Ballon darüber schlicht und zweckorientiert wirkte, hatte sie dennoch das Gefühl, noch niemals ein schöneres Gefährt gesehen zu haben. Immerhin hatten die Bewohner der Zuflucht das nur für sie und Murphy gebaut.

„Klasse, nicht?“, freute sich die rothaarige Trainerin sowohl mit ihrer Freundin, als natürlich auch über die gelungene Überraschung. Sie begann die beiden herumzuführen und erklärte eifrig und atemlos: „Also das Teil ist ganz leicht zu steuern, du musst nur das Steuerruder dort hinten am Heck bedienen, total easy. Und weil der Wind ja nicht immer mag, hat das Baby auch diesen Propeller hinten dran. Dieser wird von einem Elektromotor angetrieben, denn du mit dieser fahrradartigen Vorrichtung immer wieder aufladen kannst. Außerdem bekommst du so die nötige Bewegung während der Fahrt Goldblume :P. Überdies ist der Ballon mit einer Hülle aus den abgeworfenen Multischuppen eines Dragoran überspannt und darum äußerst stabil wie reißfest…“

Eine Weile nur dauerten die diversen weiteren Erläuterungen von Zora, dann war der Zeitpunkt des Abschieds endgültig gekommen. Mittels einer Winde öffnete die rothaarige Trainerin die Luke im Dach und gab so den Blick auf die grauen, nebelverhangen Wipfel der morgendlichen Nebelwälder frei.

„Also dann…“, hob Zora ungewohnt zögerlich an und sah ihre Freundin mit einem traurigen Lächeln an: „Ich wünsche dir und deinem Begleiter auch alles Gute für eure weitere Reise… Ihr packt das schon, da bin ich mir sicher!“

„Ach Zora…“, murmelte Goldblume gerührt, überlegte kurz, doch dann umarmte sie die Trainerin ganz fest und flüsterte: „Danke für alles!“

Nachdem Zora sich auch von Murphy verabschiedet hatte, bestiegen die beiden das Schiff und lösten die Seile, welche dieses bis eben fixiert hatten. Sofort stieg es langsam hinauf und das verwandelte Eleganzpokémon, welches bereits wieder lächeln konnte, rief ihrer Freundin noch zu: „Keine Angst, wir schaffen das schon! Der Magier kriegt noch, was er verdient, wirst schon sehen :D!“

„Nichts anderes wollte ich von dir hören Goldblume!“, kam es von Zora lachend zurück und winkte den beiden solange zu, wie sie sie sehen konnte.

„Es ist schön, sich mit einem Lächeln Lebewohl sagen zu können…“, dachte sich Schabelle glücklich, nahm, umschwirrt vom heiteren Murphy, ihren Platz am Steuerruder ein, blickte nach vorne und fühlte es überdeutlich:

Sie war bereit für dieses Abenteuer!

***

Unterdessen, nahezu zeitgleich im dunklen Obsidianturm des Zauberers…

Mit ärgerlicher Miene saß Nepomuk Balthazar von Sonnenstich auf seinem Thron und sah hochnäsig zu seinem ‚Besucher‘, welchen er soeben empfangen hatte, herab. Bei diesem handelte es sich um eine geheimnisvolle Gestalt, welche sich von oben bis unten mit einem schwarzen Mantel und schwarzen Tüchern verhüllt hatte, sodass man unmöglich sagen konnte, ob dieser jemand nun ein Mensch, ein Pokémon oder etwas völlig anderes war. Lediglich die zwei glühenden, giftgrünen Augen leuchtenden aus dem Dunkel des Gesichtsschleiers und strahlten etwas kühles, bedrohliches aber auch unerschütterliches Selbstvertrauen aus. Denn trotz der geringen Größe dieses Wesens, die nur etwas mehr als einen Meter betrug, und dem Umstand, dass der Magier düster und herrisch von seinem Thron aus auf es herabsah, hätte ein Betrachter unweigerlich das Gefühl bekommen, dass es dennoch andersherum war. Jedenfalls ließ sich diese düstere Wesenheit nicht im Geringsten von Nepomuks Gehabe beeindrucken.

Ganz sicher merkte dies der Zauberer auch selbst und herrschsüchtig wie er war, wurmte ihn dies fürchterlich, doch er versuchte, sich dies nicht zu sehr anmerken zu lassen und knurrte stattdessen böse: „Warum erscheinst du erst jetzt, obwohl ich dich sooft habe rufen lassen? Seit fast drei Wochen musste ich auf dich warten!!“

„Ihr wolltet einen der besten aus meinem Metier.“, sprach die Gestalt zuerst statt einer Antwort mit einer eiskalte Gelassenheit ausstrahlenden, heiseren Stimme: „Aber einen solchen bekommt nur jener, der unsere Dienste auch wirklich verdient und die Hartnäckigkeit besitzt, uns oft genug anzufordern.“

„Grmpf… Blödes Geschwätz!“, blaffte Balthazar, der sich verdrossen in seinen Thron lehnte, ein Bein auf das andere legte und höhnisch fragte: „Und hältst dich also für so gut, hä?“

„Will ich meinen.“

„Ach ja?“, ätzte der Magier und ließ mithilfe seiner Magie ein Buch herbeifliegen, welches sich an einer bestimmten Stelle öffnete und so ein prächtiges Bild von Arceus, umringt von seinen Gesandten, zu sehen war.

„Gut genug, um damit fertig zu werden?“, hakte er abschätzig nach und umkreiste einen dieser Gesandten; ein Fleknoil (wer das wohl sein mag?^^); um ihn hervorzuheben.

„Allerdings.“, bekräftigte das Wesen erneut, wobei beim Anblick dieses Bildes dessen Augen kurz unheilvoll aufgeblitzt hatten und um dem Zauberer das Wasser abzugraben erläuterte es kühl: „Euer Spott trifft bei mir auf taube Ohren, Balthazar von Sonnenstich. Ihr habt nach mir rufen lassen, weil ich eure Braut zurückholen und diesen Gesandten von Arceus unschädlich machen soll. Seid versichert, dass ich beide Aufgaben zu eurer vollsten Zufriedenheit erfülle – sofern ihr euren Teil der Abmachung auch einhalten werdet.“

„Hm, hm… Schön.“, brummelte Nepomuk der sich ganz als großer Herr aufspielte und mit den Fingern seine Haare zwirbelte, ehe er finster lächelnd fand: „Dann beweist es mir! Beweist mir, dass ihr mehr könnt, als hohle, hochtrabende Worte von euch zu geben, hähä!“

Man merkte es der dunklen Gestalt nicht an, doch in diesem Augenblick entfuhr ihr innerlich ein entnervter Stoßseufzer. Jedes Mal die gleiche Leier! Immer bestanden ihre Auftraggeber auf eine Kostprobe ihres Könnens, die sie mitunter mit haarsträubenden, hanebüchenen und vor allem absolut realitätsfernen Tests prüfen wollten. Und bei diesem Magier würde es nicht anders sein; ahnte das Wesen ja schon bereits, dass es Balthazar vor allem darum ging, mit seiner Macht zu prahlen :roll:...

Aber gut, das gehörte halt zu den Tücken dieses… Berufs und solange die Bezahlung stimmte war alles paletti. Darum nickte die Gestalt einfach brav und sprach wie gewünscht: „Wenn ihr das begehrt, gerne. Ich bin bereit.“

„Gut, gut, dann sehen wir uns dein ‚Talent‘ mal ganz genau an, hähä!“, lachte Balthazar von Sonnenstich dreckig und formte eine pechschwarze Sphäre zwischen seinen Händen, die er auf seinen Besuch richtete, sodass dieser darin verschwand.

Von jetzt auf gleich befand sich das Wesen in einer surrealen Schattenwelt voll wirbelnder, schwarzer Wolken – der dunklen Magie Nepomuks. Urplötzlich formten sich daraus allerlei grässliche, unförmige Kreaturen, die alle grunzend und knurrend auf die Gestalt losgingen…

…Beziehungsweise losgehen wollten, doch da waren sie auch schon längst wieder zerlegt!

Ein gelangweiltes Gähnen unterdrückend hatte das Wesen bloß ein winzig kleines Messer zücken und ein Quäntchen seiner Geschwindigkeit und Geschmeidigkeit an den Tag legen brauchen. Ein Stich hier, kurz ausweichen, dort zuschlagen, ducken, jetzt doch mal ausgiebig gähnen, das Messer kurz wie einen Bumerang werfen uuund fertig!

Die Viecher lösten sich noch wieder krächzend auf, als die Gestalt sich auch eigenständig aus dieser Sphäre wieder befreite, sodass sie wieder an der gleichen Stelle wie zuvor stand. Die Sphäre zerplatzte wie eine Seifenblase und durch diesen Schock drückte es den Zauberer ruckartig nach hinten, sodass er schmerzhaft mit dem Hinterkopf gegen seinen Thron knallte. Doch er schien den Schmerz gar nicht zu spüren, ärgerte sich auch nicht mehr, sondern blinzelte positiv überrascht – ja fast schon beeindruckt.

„Gut, DAS hat mich überzeugt!“, gab Nepomuk unumwunden, sogar mit einem Hauch Anerkennung, zu: „Ich denke, es wird Zeit unsere Abmachung zu besiegeln und deswegen…“

Er schnipste kurz mit den Fingern und eine Kiste, randvoll mit Gold, erschien wie aus dem Nichts.

„Hier die Anzahlung, die du von mir verlangt hast.“, hob der Zauberer wieder an: „Es stimmt bis auf die letzte Münze. Die gleiche Menge erwartet dich, sowie du mir meine Goldblume zurückgebracht hast. Und sobald ich endlich das Licht Necrozmas in mir trage und zu unermesslicher Macht gelangt bin, werde ich auch deinem ganz speziellen Wunsch nachkommen.“

Balthazar von Sonnenstich erhob sich vom Thron, ging zu seinem Besucher und streckte ihm die Hand entgegen.

„Abgemacht?“

Die dunkle, verhüllte Wesenheit schlug sofort mit seiner kleinen, in einem schwarzen Handschuh steckenden Hand, ein.

„Abgemacht!“

Somit war der Vertrag besiegelt und die Gestalt ging zur Wand, um dort eine Art Paragleiter zu nehmen, während Nepomuk mittels Magie ein Portal erschuf, durch das sein Gast nach draußen gelangen konnte, ohne extra durch den ganzen Turm laufen zu müssen.

„Ich werde die beiden mithilfe meiner Magie aufspüren und dir ihren Standpunkt übermitteln, ganz gleich wie sehr sich diese zwei lächerlichen Alten mir in den Weg stellen werden.“, erklärte der Zauberer selbstsicher und fasste sein Gegenüber, welcher gleich durch das Portal springen und sich in die Lüfte erheben würde, nochmals scharf ins Auge: „Und du garantierst mir den Tod des Gesandten?“

„Aber sicher doch!“, bekräftigte das Wesen mit unheimlicher Stimme und man konnte trotz des Schleiers förmlich merken, wie sich dabei ein kaltes, bittersüßes Lächeln auf dessen Gesicht abzeichnete.

„…Denn töten macht mir Spaß!“

5.Kapitel

5.1: Eine Ballonfahrt, die ist lustig…

(Dazu eine herrliche Melodie für eine solche Fahrt. Auch wenn der Titel nach Action klingen mag^^: Legend of Kay [OST] #23: Boat Race: https://www.youtube.com/watch?v=TzUjMqAZUDc)

Nun waren sie also wieder draußen und auf sich allein gestellt!

Altan-Tschitschik beschlich angesichts dieses Gedankens ein erstaunlich wohliges und belebendes Gefühl der Vorfreude und Abenteuerlust. So sehr es ihr auch in der Sinjoh-Zuflucht gefallen hatte, es war trotzdem einfach herrlich, wieder losziehen zu können. Besonders, da sie nun überdeutlich wusste, welch wichtige Bedeutung ihrer Reise innewohnte. Allein schon, um Zora und den anderen Bewohnern der Zuflucht wieder ein unbeschwertes Leben zu ermöglichen, war Goldblume noch entschlossener als davor, Xerneas zu erreichen!

Wie eine kühne, stolze Kapitänin, die mehrmals die Weltmeere durchquert hatte, stand die junge Frau deswegen jetzt am Steuer, fiel es doch durchaus nicht schwer, sich auf diesem Luftschiff wie auf hoher See zu fühlen:

Das Schiff selbst schaukelte ja sanft auf und ab, als würde es auf unsichtbaren Wellen reiten. Dabei knarzte es auch leise während das große Steuersegel, welche wie eine Art Schwanzflosse am Heck angebracht war, im Wind flatterte. Und unter ihnen erstreckten sich die dampfenden Wipfel der Nebelwälder bis an den Horizont und wirkten so wie ein endloser grüngräulicher, wabernder Ozean. Darüber spannte sich das wolkenverhangene, in unzähligen Grautönen gefärbte Himmelszelt. Eine steife Brise trieb dicke, dunkle Wolkenfetzen vor sich her und ein feiner Sprühregen ging hernieder, der nun Schabelle dank ihrer neuen, wasserfesten Klamotten allerdings herzlich egal sein konnte^^.

Zufrieden bemerkte das verwandelte Eleganzpokémon überdies, dass sie ordentlich an Fahrt aufgenommen hatten und wohl binnen der nächsten Tage die Wälder hinter sich lassen würden. Und das wollte schon etwas heißen, denn erst aus der Luft wurde ersichtlich, wie riesig die Nebelwälder überhaupt waren! Ein richtiger Urwald eben, dessen Durchquerung zu Fuß mindestens doppelt so lange gedauert hätte; selbst wenn sie am dünner bewachsenen Fluss entlanggelaufen wären.

So aber flogen sie nun einfach darüber hinweg und wenn alles glatt lief, würden sie auf diese Weise auch die weite Savanne, welche sich dahinter erstreckte, blitzschnell durchquert haben. Dann wäre ihr nächstes Ziel schon fast erreicht: Brinquetville; die Hauptstadt von Bernik, die man auch ‚Die alte Stadt‘ nannte!

Dort wollten Murphy und sie eine kurze Rast einlegen und den Bewohnern der Zuflucht eine Nachricht zukommen lassen, da Mustafa sein Fiaro ebenfalls dorthin geschickt hatte und dort auf sie warten würde. Tja und dann würden sie alsbald weiterziehen zur ‚Regenbogenschlucht‘, um sich eine – laut dem kleinen Fellball – äußerst wichtige Weissagung von einem Pokémon namens Xatu anzuhören. Und anschließend war es dann tatsächlich schon so weit, dass sie das Tal der Ruhe und somit den Weg zu Xerneas ansteuern würden…

Aber halt!

Altan-Tschitschik schüttelte leicht den Kopf, um wieder zurück in die Gegenwart zu kommen. Sie durfte sich nicht solchen süßen, voreiligen Gedanken hingeben. Im Kopf, ja da ist alles ganz leicht und sie wären ratzfatz am Ziel, doch so wird es gewiss nicht sein! Erstens kommt ja immer alles anders und zweitens als man denkt und drittens gab es zudem immer noch die eindringliche Warnung der Tempelvorsteher vor Nepomuk. Und das war ja wohl so sicher wie das ‚Amen‘ in der Kirche, dass dieser Mistkerl sich nicht so einfach geschlagen geben und sie ohne weiteres ziehen lassen würde!

Es war also besser, auf der Hut zu sein und die Augen aufzuhalten. Nichtsdestotrotz wollte sich Goldblume nicht die Laune dadurch verderben lassen, dafür war sie momentan einfach zu glücklich. Die herrliche, ungewohnte Aussicht auf die vorbeiziehende Landschaft von oben hatte etwas Beruhigendes an sich und half einem dabei, seine Sorgen und Nöte nicht mehr zu ernst zu nehmen. Und mindestens genauso großartig war es auch, dieses Luftschiff zu steuern, dass gestand sich die junge Frau zu gerne ein^^.

Es war in der Tat nicht schwer und schon jetzt, nach wenigen Stunden, hatte Schabelle schon ein gutes Gefühl für die Steuerung und das Gefährt im Allgemeinen entwickelt. Geradezu souverän, als hätte sie nie etwas anderes gemacht, nahm sie jetzt ein paar kleine Kurskorrekturen vor und prüfte penibel, dass die eingeschlagene Richtung exakt mit den von Zora notierten Koordinaten übereinstimmte. Da der Wind auch weiterhin beständig aus der gleichen Richtung wehte, war das Einschalten des Propellers momentan nicht nötig. Auch gab es nun die Möglichkeit, dass Steuer für eine Weile zu verlassen, sodass sie dieses mit geübten Handgriffen einrasten ließ. –Selbst wenn sich der Wind schlagartig drehen oder er abflauen sollte, wäre sie schnell genug zu Stelle, um den Kurs wieder einzuschlagen. Außerdem gab es im absoluten Notfall ja immer noch Murphy und seine Kräfte, mit denen alles wieder ins Lot gebracht werden könnte.

Aus diesem Grund machte sich das verwandelte Eleganzpokémon keine großen Sorgen und ging vor zum Bug des Schiffes, damit sie dort die Aussicht eine Weile lang genießen konnte. Sofort gesellte sich der fluffige Psycho/Flugtyp zu ihr und weil seine Reisegefährtin unentwegt ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht hatte, merkte er verschmitzt an: „Es gefällt dir wohl unheimlich, Kapitän Goldblume zu sein, was :D?“

„Nun, es ist nicht übel^^.“, untertrieb die junge Frau grinsend, wobei man ihr an der Nasenspitze ansehen konnte, wie viel Spaß es ihr in Wirklichkeit machte. Sie lehnte sich an die hölzerne Reling und betrachtete verträumt die unter ihr vorbeiziehenden Wipfel der Bäume, die sich immer deutlicher abzeichneten, weil sich der Nebel nun langsam verflüchtigte. Murphy tat es ihr gleich, bis er irgendwann fragte: „Die Welt aus der Perspektive eines Vogelpokémon zu sehen, hat schon etwas wundervolles an sich, nicht wahr?“

„DAS kannst du laut sagen!“, pflichtete Schabelle ihm bei, ohne ihren Blick vom Panorama abzuwenden. Nach einer Weile seufzte sie jedoch unvermittelt, hob den Kopf und sah ihrem Freund ernst in die Augen: „Wenn wir die Nebelwälder überflogen haben… Was glaubst du wie lange Lyra und Xaver diesen Mistkerl aufhalten können, bevor er versuchen kann, uns ausfindig zu machen?“

„Das vermag ich dir leider nicht sagen zu können.“, gestand der kleine Fellball ehrlich, weil er nichts beschönigen wollte: „Die Tempelvorsteher besitzen dank der Icognito eine nicht unerhebliche Macht, doch Balthazar von Sonnenstich wird ganz gewiss seinerseits seine ganze Magie darauf konzentrieren, um unsere Spur aufzunehmen. Und eines Tages, wird ihm das auch gelingen, doch das ahnst du ja schon selber, Goldblume.“

„Na aber immerhin hat das ja auch etwas Gutes!“, erwiderte Altan-Tschitschik und gab sich ganz optimistisch: „Wenn dieser Trottel all seine magische Kraft für die Suche nach uns einsetzt, lässt er solange die Bewohner der Sinjoh-Zuflucht in Ruhe!“

Sie ballte kämpferisch die Faust und verkündete resolut: „Soll er doch ruhig kommen! Wenn es soweit ist, werden wir schon bereit sein, ganz gleich, was er im Schilde führt! Außerdem werde ich das Gefühl nicht los, dass du und die Tempelvorsteher noch einen heimlichen Notfallplan ausgeheckt haben, stimmt’s oder hab ich recht Murphy?“

„Durchaus :D!“, bestätigte dieser lachend: „Wobei ich hoffe, dass wir ihn nicht brauchen werden, aber gut, lassen wir das.“

Die beiden nickten einander zu, erklärten somit dieses Thema im stillen Einverständnis für beendet und da justament genau in diesem Augenblick Schabelles Magen knurrte, meinte Murphy lächelnd: „Ich glaube, es ist Zeit für das Essen, haha. Kein Wunder, wir sind ja auch schon seit über einem halben Tag unterwegs.“

Der flauschige Psycho/Flugtyp flatterte heiter zu einer Luke, die im Boden des Decks eingearbeitet worden war und in den Bauch des Schiffs führte. Dort gab es neben einem Schlafraum und der Kammer, in der man den Elektromotor wieder aufladen konnte, eben auch eine kleine Vorratskammer. Diese war randvoll mit getrockneten Beeren und ähnlich haltbaren Speisen, sowie einem großen Wasserfass gefüllt.

„Oh ja, ein kleiner Imbiss wäre nun wirklich nicht schlecht.“, fand das verwandelte Eleganzpokémon ausgelassen, während ihr schon das Wasser im Munde zusammenlief. Wusste sie doch inzwischen, dass ihr Begleiter zwar keine Nahrung ‚herbeizaubern‘, dafür aber mit seiner Macht das Vorhandene zu wahren Köstlichkeiten ‚aufwerten‘ konnte. –Auf diese Weise hatte Murphy auch die faden Beeren des Sumpfwaldes in deutlich exquisitere Exemplare verwandelt. Solange sie also nur ein paar Brocken essbares hätte, würde der kleine Wuschel immer in der Lage sein, für ausreichend Verpflegung zu sorgen. Ein unschätzbarer Vorteil, wenn man lange unterwegs ist^^.

„Und guck mal, Zora hat auch ein paar Sportgeräte eingepackt.“, stellte Murphy unterdessen freudig fest und konnte sich diese Bemerkung nicht verkneifen: „Somit ist sichergestellt, dass du nicht dem Müßiggang anheimfällst und aus der Form kommst, solange wir in der Luft sind, haha.“

Dafür fing er sich natürlich einen freundschaftlichen Knuff von Goldblume ein, die ihn belustigt mahnte: „Ich hab dir doch schon gesagt, dass du nicht frech werden sollst Murphy, oder^^?“

„Haha, jetzt sei doch nicht so Goldblume.“, lachte der kleine Wuschel und hielt seiner Gefährtin eine kleine Schachtel unter die Nase: „Schau mal, das hat uns Zora auch mitgeben: Ein Brettspiel, damit wir uns die Zeit versüßen können!“

„Und was für eines ist es?“, wollte die junge Frau neugierig wissen, da auf der Schachtel keine Abbildung drauf war, wobei sie ahnte, dass sich ihre Freundin gewiss einen Scherz erlaubt hatte. Dies war auch der Fall, denn Murphy hob den Deckel und verkündete fast feierlich: „Es ist…

‚Mensch ärgere dich nicht‘!

„Große Klasse!“, konnte Schabelle nur noch sagen, ehe sie ob dieses gelungenen Streichs in spontanes Gelächter ausbrach und sich, den Bauch vor Lachen haltend, dachte: „Das wird noch eine tolle Fahrt hier werden xD!“

5.2: Durch den Sturm!

So sacht und unaufgeregt, wie das Luftschiff am Himmel entlangflog, zogen auch zunächst die Tage ins Land, was Altan-Tschitschik jedoch sehr begrüßte. Ihr wurde die Zeit an Bord nämlich überhaupt nicht lang, im Gegenteil sogar. Ganze Wochen hätte sie so in der Luft verbringen können!

Dieses atemberaubende Gefühl, hoch oben dahinzuschweben, begeisterte Goldblume immer noch pausenlos, die Arbeiten und Murphys Einfälle, den Tag zu gestalten, erfüllten sie und dann war da ja auch noch dieses Panorama!

Wann immer es möglich war, lehnte sich die junge Frau mit ihrem Kumpel an die Reling und sah mitunter stundenlang hinab, ohne sich je sattsehen zu können. Das Wetter hatte sich inzwischen gänzlich aufgeklart, sodass eine warme Sommersonne am blauen, wolkenlosen Himmel die sattgrünen Wipfel der Nebelwälder strahlen ließ. Bald schon änderte sich die Landschaft, der Wald lichtete sich und eines Morgens flogen sie auch schon über eine saftige, blühende Savanne voller Leben.

Fasziniert beobachte Schabelle beispielsweise eine riesige Herde aus Tauros, Zebritz und Bisofank, die kraftvoll in vollem Lauf über das Grasland donnerten. Ein andermal sah sie gespannt zu, wie ein Rudel Luxtra einen Revierkonflikt mit einem Rudel Pyroleo austrug. Derweil zogen Grypheldis, Washakwil und andere mächtige Vogelpokémon ihre Kreise am Himmel und flogen manchmal nur wenige Zentimeter neben dem Schiff hier.

Nein, langweilig wurde es ihr ganz bestimmt nicht auf diesem Schiff! Noch weniger, weil über all dem die wunderbare Gewissheit lag, dass ihre Reise dabei unentwegt rasch vorrankam. Jeden Tag, ja sogar jede Stunde, die so ruhig verstreichen konnte, brachte sie weiter. Daher hatte eine betörende Seelenruhe Besitz vom verwandelten Eleganzpokémon ergriffen und es fürchtete sich nicht im Geringsten vor jenem Augenblick, an dem dieser Friede vorbei sein würde.

Und nach knapp eine Woche, seit sie wieder aufgebrochen waren, war es dann soweit:

Es war ein herrlich friedlicher, sonniger Sommertag, den ein kräftiger Wind erfrischte und bei dem niemand je auf den Gedanken kommen würde, dass diese Idylle mit einem Schlag vorbei sein könnte. Altan-Tschitschik und Murphy hatten gerade ihr Mittagessen beendet und die junge Frau nahm wieder ihren Platz am Steuer ein, als ein warnendes Gefühl die Köpfe der Beiden herumfahren ließ.

Dort hinten im Westen, wo man noch schemenhaft die Nebelwälder erahnen konnte und sich noch weiter westlich der verfluchte Sumpfwald befand, konnte man nun ein bedrohliches, schwarzrotes Band ausmachen. Gleichsam einer gewaltigen Welle brandete Nepomuks schwarze Magie unentwegt gegen den magischen Schild – zunächst erfolglos wie es schien.

Aber Goldblume und ihr Begleiter ließen sich nicht täuschen! Sie spürten, dass es diesmal soweit sein würde. Nicht zuletzt deswegen, weil Balthazar von Sonnenstich eine solche Show abzog. Seine bisherigen Angriffe waren alle unsichtbar gewesen, doch nun wollte dieser eitle Angeber, dass alle Welt es sehen konnte. Vor allem natürlich Schabelle, aus der boshaften Freude daran, sie einschüchtern zu können.

„Aber da hat sich dieser Dummbeutel mächtig geschnitten!“, knurrte das verwandelte Eleganzpokémon kämpferisch und absolut unbeeindruckt. Sie sah Murphy ernst an und meinte: „Auch wenn du es schon bist… Mach die bereit Kumpel! So leicht werden wir es ihm nicht machen :x!“

„Aye, aye Käpt’n Goldblume!“, antwortete der fluffige Psycho/Flugtyp entschlossen, begann sogleich wieder so zu glühen, wie damals beim Kampf gegen die drei Trainer und sagte: „Der kann was erleben!“

Just in diesem Augenblick gab es ein lautes, zischendes Geräusch, das einer abgefeuerten Silvesterrakete ähnelte und in etwa so sah es auch aus, als ein kleiner Funken von Nepomuks Zauberei die Nebelwälder überwand. Damit war die unheilvolle Überbrückung geglückt, sodass die zwei nicht mehr auf den Schutz der Tempelwächter hoffen konnten!

Schlagartig breitete sich nun jene pechschwarze, unnatürliche Wolkenfront bedrohlich über der Savanne aus, die Altan-Tschitschik schon von ihrer Entführung aus der Ultrawüste kannte. In Windeseile hatte sie das Luftschiff eingeholt und eingeschlossen. Sturmwind und peitschender, heftiger Regen kamen auf, blutrote Blitze zuckten am Himmel und die Welt war in ein diffuses, unheilvolles Zwielicht getaucht. Die Pokémon unter ihnen flohen voller Panik, sodass das weite Grasland wie ausgestorben wirkte. Goldblume jedoch hob kühn und trotzig das Kinn, als sich aus den Wolken direkt vor ihr das Antlitz Balthazars von Sonnenstich formte.

„Oh meine geliebte Goldblume, so sehen wir uns also nach so langer Zeit wieder.“, säuselte das Wolkengesicht mit hämisch blitzenden Augen: „Nanette hat es dir ja schon zu erklären versucht, aber du wolltest ihr ja nicht glauben. Doch nun sieh her! Du kannst mir nicht entkommen, du gehörst zu mir! Sieh es endlich ein, oder…“

„Oder was?“, schnitt sie ihm energisch das Wort ab und spottete schlagfertig: „Willst du mich etwa mit dem allergleichen Schmarrn zutexten, wie Nanette? Ganz schön erbärmlich sowas zweimal zu probieren! Es läuft doch so oder so darauf hinaus, dass du zum Angriff bläst – freiwillig kehre ich niemals in deinen muffigen Turm zurück, das weißt du doch selbst.“

Plötzlich lächelte sie zuckersüß und legte bewusst den Finger in die Wunde: „Du hast doch nur Angst davor, dass ich wieder ich selbst werde, weil dann deine ganze Macht futsch wäre. Und noch dazu bist du selbst schuld an deiner Misere… Muss doch furchtbar wurmen, oder? In der Hinsicht passt dein jetziges Aussehen perfekt: Du bist aufgeblasen und hast deinen Kopf so hoch oben in den Wolken, dass du…“

„SCHWEIG STILL, DU AUFMÜPFIGES WEIB!“, donnerte der Zauberer rasend vor Wut, da er niemals auch nur den geringsten Widerspruch geduldet hatte – schon gar nicht, wenn man ihm seine Missgeschick vorhalten wollte! Alles hatte IHM zu gehorchen, denn ER war der Meister!

Das Wolkengesicht löste sich auf und wirbelte herum, während Balthazar grollte: „Du gehörst mir und ich werde dich kriegen, auf die ein oder andere Weise! Selbst dein lächerlicher Gesandter wird dir nicht mehr helfen können, muhaha! Sieh dem Ende deines Trotzes ins Auge!!“

Kaum waren diese Sätze verklungen hatten sich die Wolken zu etwas anderem geformt und zwar zu einem riesigen Zapdos!

(Der Name sollte alles sagen: Rayman Origins soundtrack 31 Bonus Track – Boss Bird: https://www.youtube.com/watch?v=om-yjNiOQOE)

Diese pechschwarze Wolkengestalt war doppelt so groß, wie das echte legendäre Elektropokémon und hatte glühende, pupillenlose gelbe Augen. Vor allem jedoch verfügte dieses Abbild über die gleichen Kräfte! Mit einem einzigen Flügelschlag entfachte es sofort einen Ladungsstoß, der von Murphys Kräften allerdings mit Leichtigkeit umgelenkt wurde.

Das Unwesen kreischte angriffslustig und tauchte hinab in die wirbelnden Wolken. Von allen Seiten schossen nun Donnerangriffe auf das Luftschiff zu, sodass der kleine Fellball einen Schutzschild um dieses bildete, an dem die Elektroattacken abprallten. Unvermittelt brach das falsche Zapdos aus seinem Versteck heraus und wollte den Ballon mit Bohrschnabel attackieren, fing sich dafür aber bloß selbst einen mächtigen ‚Kraftstreich‘ Murphys ein. Noch ehe der fluffige Psycho/Flugtyp zu einem weiteren Angriff ansetzten konnte, war sein Gegner schon wieder ‚abgetaucht‘, um erneut immer wilder mit Blitzen um sich zu schleudern…

Für eine lange Zeit wurde dieses stürmische Gefecht so ausgetragen, wobei die junge Frau sich nicht wirklich darauf konzentrieren konnte. Sie hatte selbst alle Hände voll zu tun, das Luftschiff angesichts dieses heftigen Unwetters stabil und auf Kurs zu halten, was kein Zuckerschlecken war! Sie musste sich mit ihrer ganzen Kraft ins Steuerrad legen, um den brutalen Böen zu trotzen und noch dazu war dieses wegen des Starkregens klatschnass und drohte ihr mehr als einmal, aus den Händen zu rutschen.

Zu allem Übel erschütterten die Angriffe des Wolkenzapdos das Schiff zusätzlich, selbst wenn Murphy die eigentlichen Attacken abwehren konnte. Doch Schabelle jammerte nicht und dachte erst recht nicht ans Aufgeben! Mochten ihre Muskeln ruhig schmerzen und aufheulen, wegen dieser ungewohnten Anstrengung, sie würde die Zähne zusammenbeißen und durchhalten! Hatten sie und ihr Reisegefährte doch inzwischen längst durchschaut, dass es Nepomuk darauf anlegte, sie zum Absturz zu bringen.

„Diesen Triumph werden wir ihm nicht gönnen!“, dachte sich Goldblume grimmig, kämpfte weiterhin gegen den Sturm an und vertraute darauf, dass Murphy sich gegen diesen Gegner behaupten würde.

Und dies schien auch der Fall zu sein. Der Kampf zog sich weiter in die Länge und ganz allmählich ging dem falschen Zapdos die Puste aus. Kein Wunder, wo doch Balthazar von Sonnenstich seit Tagen seine Kräfte beim Versuch, die Nebelwälder zu überwinden, verpulverte. Der kleine Wuschel hingegen war ausgeruht und strotzte vor Kraft. Wie ein kleiner, strahlender Stern leuchtete Murphy inmitten des tobenden Unwetters und setzte seinem Gegner mit seinen Luftschnitten und diversen Spezialtechniken immer weiter zu.

Nicht lange darauf verlor der Gewittersturm sogar spürbar an Intensität und das falsche Zapdos begann sich aufzulösen. Das Unwesen ächzte und stöhnte gemeinsam mit den Wolken voll wildem Groll. Denn freilich ärgerte sich der Magier fürchterlich darüber, nicht der Stärkere sein zu können.

Jäh heulte das Wolkenwesen jedoch böse auf, verdichtete sich ein letztes Mal und rauschte im Sturzflug mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit auf den Ballon zu. Einen verzweifelten Angriff wollte das falsche Zapdos noch unternehmen, was Murphy fast schon wie erwartet mit einem weiteren, machtvollen Luftschnitt zu verhindern wusste…

…Was der flauschige Psycho/Flugtyp in seinem Übereifer allerdings übersah, war der Umstand, dass es sich hierbei nur um einen Bluff handelte!

Das Unwesen hatte in Wahrheit gar keine Power mehr, war nur noch eine Illusion, die bei der kleinsten Berührung durch die Luftklinge schlicht zu einer Rauchwolke verpuffte. Und dies hatte fatalerweise zur Folge, dass Murphys eigener Angriff den Ballon traf und sauber in zwei Hälften schnitt! –Gegen die Macht eines Gesandten von Arceus konnte selbst eine Multischuppe nichts ausrichten.

„Oh,oh :sack:…“, stammelte der kleine Fellball verdattert und zutiefst beschämt, als er realisierte, was er da angerichtet hatte. Dieser peinliche Fauxpas brachte ihn so aus dem Konzept, dass Nepomuk, dessen dröhnendes Hohngelächter sie von überall her zusätzlich geißelte, sogar noch ein paar Blitze ungehindert einschlagen lassen konnte.

In Brand gesteckt und seines Auftriebs beraubt stürzte das Luftschiff nun rasend schnell gen Erdboden. Altan-Tschitschik, die diesen heimtückischen Streich einen Tick früher – aber leider nicht früh genug – erahnt hatte, packte ihren immer noch verstörten Kumpel darum eiligst und rette sich dann durch einen beherzten Sprung.

Das holte Murphy schlagartig zurück in die Gegenwart und sofort hielt er seine Reisegefährtin mittels Psychokinese in der Luft. Schweigend sanken sie langsam hernieder, während sie, mit dem bitteren Geschmack der Niederlage in ihren Mündern, dabei zusahen, wie das Luftschiff als brennendes Wrack am Boden zerschellte…

5.3: Vom Regen in die Traufe

Lange noch hallte das hämische, triumphale Gelächter Nepomuks über die Graslandschaft, obschon sich das Unwetter und damit seine Magie schon längst aufgelöst und zurückgezogen hatten. Aus den hellgrauen Wolken fiel stattdessen bloß noch ein sachter Nieselregen, welcher mehr wie ein feiner Nebel wirkte, der die Gegend einhüllte.

Inmitten dieser zugegeben etwas trostlos wirkenden und darum ziemlich passenden Szenerie stand Goldblume, die mit verschränkten Armen und finsteren Blick auf ihren Begleiter herabsah. Dieser drückte sich verlegen ins nasse Grass, war untröstlich und wollte schon etwas sagen, um dieses eisige Schweigen zu durchbrechen.

Schabelle kam ihm zuvor, bedeutete mit einer strengen Geste, dass er den Mund halten solle und machte ihren dafür auf: „Murphy, dir ist schon bewusst, dass ich dich jetzt am liebsten erwürgen möchte, oder?! Wenn du nur ein Fünkchen besser aufgepasst hättest, wäre dir sofort aufgefallen, dass der letzte Angriff dieses Mistkerls nur ein Trick war! Aber nein, jetzt hat dieser Drecksack sich seine Genugtuung holen können und wir dürfen den Rest des Weges wieder zu Fuß gehen! Und dabei haben uns die Tempelvorsteher extra noch gewarnt!“

„Goldblume, bitte, es tut mir so leid!“, beeilte sich Murphy zutiefst beschämt zu sagen und gab ohne zu beschönigen zu: „Du hast allen Grund, böse auf mich zu sein. Ich, ich hätte das selber merken müssen… Im Kampf werde ich bisweilen immer so übereifrig und unaufmerksam – mein uralter Fehler, den ich nie ganz ausmerzen konnte… Ich, ach es tut mir so leid :cry:!“

Wie ein kleines, durchnässtes Häuflein Elend saß der Kleine jetzt da und sah die junge Frau mit großen, kummervollen Augen an. Da ließ das verwandelte Eleganzpokémon all seinen Ärger mit einem Stoßseufzer hinaus, bevor es sich mit deutlich sanfterer Miene zum kleinen Wuschel hinab beugte. Altan-Tschitschik war ja schließlich nicht bösartig; sie sah deutlich, dass ihr Gegenüber sich ehrlich dafür schämte. Und es tat ihr im Herzen weh, Murphy so zu sehen.

„Hey, schon gut Murphy, du musst dich nicht gleich so fertig machen.“, beschwichtigte sie darum ihren Freund und stellte klar: „Ich muss mich eigentlich bei dir entschuldigen. Schließlich wusste ich ja auch von der Warnung und nur weil uns dieser Trottel einmal auf dem falschen Fuß erwischt hat, darf ich mich nicht gleich so aufregen und dir Vorwürfe machen. Denn mal ehrlich: Was zählt dieser kleine Fehler denn im Vergleich zu all dem, was du schon für mich getan hast? Also denken wir besser gar nicht mehr daran, okay?“

„Meinst du das ernst?“, fragte Murphy erwartungsvoll und erntete ein breites, freundliches Lächeln von seiner Reisegefährtin, als sie antwortete: „Jepp! Vergeben und vergessen :)!“

„Danke!“, hauchte der fluffige Psycho/Flugtyp ganz gerührt, sodass er endlich wieder wie eine kleine Sonne strahlte und sich sogleich das Wasser aus seinem Fell schüttelte. Am liebsten hätte er sich dankbar an Goldblume geschmiegt, doch das ließ er für den Moment doch lieber sein.

Dafür umarmte diese ihn einfach und witzelte: „Du machst es schon wieder: Du bauscht das Ganze so extrem auf, haha! Um es nochmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Es ist schon gut! Machen wir einfach weiter. Der Magier hat erst dann gewonnen, wenn wir aufgeben!“

Gut gelaunt und enthusiastisch schulterte sie ihren Rucksack, den sie geistesgegenwärtig gerettet hatte, und fügte hinzu: „Schauen wir mal, ob wir noch was verwertbares aus dem Wrack bergen können. Und dann würde ich gerne weiterziehen. Ein paar Stunden bis Sonnenuntergang haben wir noch und hier möchte ich auf gar keinen Fall eine Pause machen.“

„Alles klar, Kapitän Goldblume!“, stimmte der kleine Wuschel fröhlich mit ein und umkreiste diese wieder ausgelassen. Ja, er wirkte sogar noch fröhlicher als zuvor, weil er nun wusste, dass Goldblume ihm verziehen hatte.

Allzu viel fand sich in den verkohlten Trümmern des Luftschiffs nicht mehr. Zwar hatte der Regen das Feuer schnell gelöscht, doch der Aufprall hatte ausgereicht, um so gut wie alles zu zerstören. Einzig einige der getrockneten Vorräte hatten den Absturz halbwegs unbeschadet überstanden, auch diverses Kleinzeug, wie ein Kamm, ein Becher usw. waren heil davon gekommen. Aber mit in etwa sowas hatte die junge Frau auch gerechnet und ihr ging es ohnehin besonders um die Vorräte.

Dennoch überkam sie ein bisschen Wehmut beim Anblick des Wracks. Hatten die Bewohner der Zuflucht es ja extra für Murphy und sie gebaut und nun war es hinüber. Doch Schabelle wollte sich nicht mit solchen Gefühlsduseleien aufhalten, sie mussten weiter! Und vielleicht hatten die Tempelvorsteher ja schon geahnt, dass dies passieren würde? Xavers Worte lauteten ja: ‚Versucht so weit wie nur irgend möglich zu kommen!‘

Wie dem auch sei: Rasch war alles Brauchbare im Rucksack verstaut und sie waren bereit zum Aufbruch!

Tagelang durchwanderten sie nun wieder zu Fuß die ebene, weitläufige Savanne, ohne auf eine Menschenseele zu treffen oder gar erneut Ärger mit Nepomuk zu bekommen. Nur Pokémon gab es hier zuhauf. Alle nur erdenklichen Arten bevölkerte diesen malerischen Flecken unberührter Natur und es herrschte eine reiche Fülle an Flora und Fauna. Denn anders als man vom Namen her denken mochte, war es gar nicht heiß und trocken, sondern angenehm mild. Saftige bisweilen mehr als hüfthohe Gräser und viele andere, krautige Pflanzen wuchsen auf dem feuchten, lehmigen Boden und boten den pflanzenfressenden Pokémon reichhaltige Weidegründe. Nur gelegentlich fanden sich Gruppen größerer Gehölze wie Büsche und Bäume, sowie natürlich der gleiche große Fluss, der hier träge in Richtung der Nebelwälder mäanderte.

Die meisten Pokémon beachteten Altan-Tschitschik und Murphy auch gar nicht, während andere sie neugierig bis misstrauisch beäugten. Denn eigentlich war es nur bis auf wenigen Ausnahmen Menschen gar nicht gestattet, hier zu sein, weil es sich um ein Naturschutzgebiet handelte. Besonders von den großen Rudeln der Luxtra, Pyroleo, Voltenso und Hundemon hätten sie sich reichlich Zoff einhandeln können, da diese sich als Hüter dieses Graslandes verstanden. Erst recht vermeintliche Trainer, die in ihrem Übermut vielleicht sogar auf die Idee kommen könnten, einen Pokéball gedankenlos zu werfen und somit quasi zu ‚wildern‘, oder irgendwelche unnötigen Kämpfe abzuhalten, sahen sie gar nicht gerne in ihrem Revier!

Doch nachdem sich die junge Frau und ihr Begleiter erklärt hatten; und dadurch ihre Gegenüber auch in blankes Staunen versetzten – ein altes, weises Pyroleo meinte gar: ‚Ein Pokémon, dass in einen Menschen verwandelt wurde… Unfassbar, ich dachte, das passiert sonst immer andersherum!‘ – wurden sie in Ruhe gelassen. Und zwar so vollkommen, dass sie gänzlich ungestört weiter ihre Wege ziehen konnten.

Sie kamen gut voran und hätten eigentlich heiter sein können. Es war nämlich äußerst angenehm, durch diese Savanne zu flanieren, noch dazu, weil ein herrliches, angenehm warmes Sommerwetter herrschte. Außerdem war Brinquetville nicht mehr als ein paar Tagesreisen von ihnen entfernt, sie hatten es also dennoch bald geschafft.

Über eine Sache zerbrach sich Goldblume aber stattdessen weiterhin den Kopf: Nepomuk hatte einen solchen Aufwand geleistet, um sie zu finden und um ihr Luftschiff zum Absturz zu bringen. Doch gleich darauf hatte er sich zurückgezogen und ist bis jetzt nicht mehr aufgetaucht… Wo steckte der Sinn dahinter?

Sie hatte diesen Gedankengang Murphy schon dargelegt und dieser stimmte voll und ganz zu, dass da etwas faul sein musste. Er verzog das Gesicht und meinte ungewohnt düster: „Er führt was im Schilde und ich befürchte, dass es sich um etwas handeln muss, dass uns enorme Schwierigkeiten einbrocken wird!“

Was genau er damit sagen wollte, verriet der Kleine allerdings nicht, doch die junge Frau war bereits genug gewarnt. Ihr Reisegefährte musste eine dunkle Ahnung haben, soviel stand fest. Und das reichte, dass auch sie wieder verstärkt ihre Umgebung im Auge behielt. Sie konnte zwar beim besten Willen nirgends eine Spur von Nepomuks Magie fühlen, aber ohne Grund wurde Murphy niemals so ernst!

Nicht lange darauf machten die beiden gerade Rast unter dem weiten Blätterdach einer mächtigen, uralten Esche, nachdem sie fast einen ganzen Tag lang auf den Beinen waren. Da es in ihrem Schatten so angenehm war, hatten die Zwei beschlossen, für heute hier zu verweilen und die Nacht zu verbringen. Überdies konnte man an diesem Ort gut die Umgebung im Auge behalten, sodass der kleine Fellball sich sicher genug fühlte, um kurz in einer tiefen Meditation zu versinken. Schabelle hingegen lehnte sich entspannt an den Stamm und schloss die Augen, weil sie kurz etwas dösen wollte. Gleichwohl übernahm sie es, Wache zu halten, denn Aufmerksam wie sie durch ihre feinen Sinne nun mal war, würde sie eine herannahende Gefahr rechtzeitig bemerken.

Darum war sie sofort wieder hellwach, als sie ein verdächtiges Geräusch herumfahren ließ! Sie spähte nach dem Verursacher und entdeckte ein nahes, raschelndes Grasbüschel. Gut, eigentlich war dies gar nichts Verdächtiges. Ihren Sinneswahrnehmungen nach handelte es sich wohl bloß um ein kleines Pokémon, das seinen Tätigkeiten nachging. Ihre Intuition indes sagte etwas ganz anderes – und das machte die Sache merkwürdig. Offenbar schien irgendetwas nicht mit diesem ‚Pokémon‘ zu stimmen!

Argwöhnisch und so leise wie möglich näherte sich das verwandelte Eleganzpokémon der Geräuschquelle, um sich Gewissheit zu verschaffen. Langsam und ganz vorsichtig bog sie die Halme beiseite und erblickte den Rücken eines…

„Ein Lilminip?!“, entfuhr Altan-Tschitschik ziemlich irritiert, bis sie ihren Fehler erkannte und sofort erschrocken zurückwich. Denn der Körper dieses vermeintlichen Pflanzenpokémon war aus dunkelgrauem, vernietetem Metall und spätestens, als sich dieses Wesen blitzartig umdrehte und man sein mechanisches Gesicht sah begriff die junge Frau: Das war keines dieser kleinen, süßen Pflanzenpokémon, sondern eine Art Cyborg oder Roboter, der nur so aussah wie ein solches!

Ungefähr so:

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„Minip!“, dröhnte es mit lebloser, blecherner Stimme, während es Goldblume mit seinem unheimlich rot glühenden Auge anstarrte. Die drei stählernen Blätter des Roboters fingen an, sich wie bei einem Hubschrauberrotor zu drehen und mit einem beinahe unhörbaren Surren erhob er sich pfeilschnell in die Lüfte. So schnell sie konnte, wollte Schabelle da zu Murphy eilen, doch ihr wurde der Weg von zwei weiteren dieser Kreaturen abgeschnitten, welche bis dato völlig unbemerkt in der Nähe verborgen waren!

„Minip! Minip!“, krächzten auch diese Roboter und umkreisten ihr Opfer immer enger. Was sie mit ihr schlussendlich mit ihr machen wollten, erfuhr das verwandelte Eleganzpokémon glücklicherweise nicht. Von einer Sekunde auf die andere wurden sie nämlich bereits von psychokinetischer Energie umhüllt und mit aller Macht weit, weit davon geschleudert.

„Murphy!“, schrie Goldblume bloß unendlich erleichtert und blickte in das todernste Gesicht des fluffigen Psycho/Flugtyps, der eindringlich erwiderte: „Wir müssen sofort weg von hier Goldblume! Also Lauf, lauf so schnell du kannst!!“

5.4: Die schwarze Blume!

Von diesen unheimlichen Robotern gejagt, rannte Altan-Tschitschik nun also im Schein der beinahe blutroten Abendsonne durch das hohe Gras der Savanne und gab alles, um ihre lästigen Verfolger abzuschütteln. Sie schlug wilde Haken und holte das, was nach diesem langen Tag an Tempo und Ausdauer noch in ihrem Körper zu finden war, heraus. Aber vergebens!

Waren diese mechanischen Biester nämlich ihrerseits auch unverschämt flink und wendig und blieben ihr so hartnäckig auf den Fersen. Zudem schossen von überallher weitere dieser Roboter aus ihren Verstecken, sodass bald darauf ein regelrechter Schwarm von diesen Viechern hinter ihr her war. Und als wäre dies nicht schon schlimm genug, feuerten sie dabei unablässig heftige, explodierende Energiebälle oder warfen Elektronetze, um sie zu bremsen und einzufangen. –Ein untrügliches Zeichen für die junge Frau, dass diese Monster irgendwie mit Nepomuk zusammenhängen mussten!

Am erschreckendsten an diesen Robotern war aber wohl ihre immense Zähigkeit!

Sie konnte sogar ein paar Treffer von Murphys machtvollen Techniken – der natürlich seine Reisegefährtin vor diesen Biestern zu beschützen suchte – einstecken, ehe sie funkensprühend explodierten. Einem Volltreffer hingegen hätten auch diese Roboter nichts entgegenzusetzen gehabt, doch ihre enorme Wendigkeit und Wehrhaftigkeit verhinderten, dass der kleine Fellball zu viele von ihnen zerstören konnte. Nicht zuletzt schien es der Psycho/Flugtyp auch gar nicht darauf anzulegen, mehr seiner Kräfte als nötig gegenüber diesen Kreaturen einzusetzen. Er wusste nämlich schon längst, dass dies nur ein perfides Spiel war…

„Oh Mann, da hab ich aber in ein Bibornest gestochen!“, dachte sich Schabelle derweil zynisch, weil diese wilde Hatz ja so plötzlich durch ihre unfreiwillige ‚Entdeckung‘ ihren Anfang genommen hatte. Die Energiebälle und Elektronetze flogen ihr regelrecht um die Ohren, genauso wie das fürchterliche, leblos mechanische ‚Minip!‘ unablässig in diesen dröhnte. Und kein Ende in Sicht! Mit einer grenzenlosen Ausdauer – Wunder auch, waren es ja Maschinen – wurden sie und Murphy kreuz und quer durch die Savanne gejagt, ohne dass sich ihnen eine Chance geboten hätte, sie loszuwerden.

„Verflixt nochmal! Was zum Grypheldis sind das für Teile, Murphy?!“, verlangte das verwandelte Eleganzpokémon irgendwann keuchend von seinem Begleiter zu wissen. Dieser zeichnete gerade das Kanji für den Feuersturm in die Luft und konnte so zumindest zwei dieser unheimlichen Roboter unschädlich machen, bevor er atemlos antwortete: „Das sind ‚Mechaminip‘! Roboterschergen, die, weil sie keine Lebewesen sind, ihre Aura nahezu perfekt verbergen können. Wahrscheinlich haben sie uns schon seit Tagen beobachtet und auf eine günstige Gelegenheit wie diese gewartet.“

„Ach, das hat dieser Mistkerl mit seiner Aktion bezwecken wollen!“, erkannte Altan-Tschitschik grimmig: „Durch seinen Angriff wollte er dafür sorgen, dass diese Biester wissen, wo wir sind und sich zudem unbemerkt verteilen konnten, richtig?“

„Genau das!“, bestätigte Murphy düster, während er weiterhin die Mechaminip auf Abstand hielt und menetekelte: „Ich hatte schon befürchtet, dass Nepomuk früher oder später zu solchen Mitteln greift, nachdem weder seine Magie, noch die Trainer oder Nanette mit dem König etwas ausrichten konnten. Wegen seiner Zauberei konnte ich allerdings nicht schnell genug erfassen, dass es jetzt schon soweit ist… Und nun ist es ohnehin zu spät! Seit wir die Savanne betreten haben, treibt jemand in seinem Auftrag sein heimtückisches Spielchen mit uns! Aber stell jetzt bitte keine weiteren Fragen dazu Goldblume, sondern versuch durchzuhalten! Die Mechaminip dürfen dich nicht erwischen, sonst ist es sowieso vorbei!“

Da es dazu ja nun wirklich nicht viel zu erwidern gab, nickte Schabelle lediglich bloß kämpferisch und gab ihr Bestes, um diesen mechanischen Monstern weiterhin auszuweichen. Trotz dieser bedrohlichen Lage, fühlte sie dabei sogar eine geradezu befremdliche Zuversicht in sich aufsteigen. Zum einen mochte dies darin liegen, dass Goldbluem durchaus noch genug Energie besaß, um diese Hatz noch einige Zeit lang mitmachen zu können. Und zum anderen hatten Murphys Worte dafür gesorgt, dass im Verhalten ihrer Gegner ein Muster erkennen konnte.

Wie ihr flauschiger Gefährte es schon gesagt hatte: Jemand spielte mit ihnen und auch diese wilde Jagd; ja selbst diese war lediglich Teil dieses Spiels!

Die Flucht vor den Wurzeln der Trombork damals im Sumpfwald diente hauptsächlich dazu, sie zu Nanette und dem König zu treiben. Die Mechaminip dagegen wollten sie an keinen bestimmten Ort scheuchen. Diese Treibjagd an sich, das Austesten des Durchhaltevermögens ihrer Gegner, das war das Ziel welches sie für ihren unbekannten Meister verfolgten. Und daher konnte sich die junge Frau schon ziemlich genau denken, dass diese Hetze sogar gar nicht den Hauptzweck verfolgte, sie gefangen zu nehmen, sondern einfach der Belustigung dieses Verrückten dienen mochte*. –Ergo würde sie auch so oder so einmal vorüber sein. (*Mal ehrlich: Wer für diesen Trottel von Zauberer arbeitet, muss verrückt sein^^.)

Und Goldblumes Einschätzung sollte sich als richtig erweisen, denn nachdem sie schon seit mehreren Stunden vor den Mechaminip auf der Flucht waren und es mittlerweile schon längst Nacht war, hörte die Jagd einfach auf. Genauso plötzlich wie sie begonnen hatte, hielten die Roboter, deren Augen abrupt aufleuchteten, nun einfach inne und ließen von den beiden ab; zogen jedoch nicht ab!

Stattdessen verharrten sie reglos an Ort und Stelle und wirkten so mit ihren im Dunkeln leuchtenden roten Augen und dem matten Schimmer, den ihnen der aufgehende Halbmond verlieh, wie besonders gruselige Vogelscheuchen. Nichtsdestotrotz erlaubte es sich das verwandelte Eleganzpokémon kurz, erleichtert aufzuatmen, blieb allerdings weiterhin gespannt. Sie hatte schon bemerkt, dass Murphy seinerseits ernst geblieben war und nun den Himmel absuchte. Altan-Tschitschik folgte dem Blick seines Freundes aufmerksam, ohne dabei die Mechaminip außer Acht zu lassen, konnte allerdings anfangs nichts Außergewöhnliches ausmachen…

Halt! Was war das?!

Wie aus dem Nichts tauchte dort jäh ein pechschwarzer Paragleiter auf, der lautlos auf direkt auf sie zusteuerte. Noch in der Luft ließ der Pilot, ein kleines, schwarz verhülltes Wesen mit glühenden, giftgrünen Augen, den Gleiter los, vollführte eine akrobatische Drehung in der Luft und landete gelenkig wie ein Ninja elegant auf dem Boden. Sein Gefährt faltete sich derweil wie auf ein unsichtbares Kommando hin zusammen und wurde augenblicklich von zwei Mechaminip in Empfang genommen.

Erst jetzt wandte sich die düstere Gestalt Goldblume und Murphy zu, musterte sie ausgiebig mit einem merkwürdigen Blick, den man nicht zu deuten wusste, ehe sie mit heiserer Stimme fast nur wisperte: „Respekt! Nicht jeder besteht so lange gegen meine Schergen… Wobei, von einem Gesandten Arceus‘ habe ich nichts anderes erwartet… Und von dir, Altan-Tschitschik; dem Pokémon im Frauenkörper… Nun ich muss sagen, dass ich durchaus beeindruckt bin… Solch eine Ausdauer hätte ich dir nicht zugetraut, habe gedacht, dass du vollends von deinem kleinen Gesandten da abhängig bist… Offenbar habe ich mich da aber geirrt, es steckt wohl noch mehr Pokémon in dir, als deine äußere Hülle vermuten lässt, haha.“

„Hör auf solche Reden zu schwingen!“, forderte Goldblume ihr Gegenüber streng und unbeeindruckt von dessen Auftreten auf: „Sag gefälligst, wer du bist und was du mit diesem Vollhorst zu schaffen hast!“

„Du hast Mumm in den Knochen, das gefällt mir!“, entgegnete das verhüllte Wesen amüsiert und man glaubte wieder dieses kalte, bittersüße Lächeln durch den Schleier hindurch sehen zu können: „Wer ich bin, fragst du? Hehe, dein kleiner Kumpel hier weiß es sicher schon, doch ich will dich nicht länger auf die Folter spannen. Ich bin…“

Begleitet von einem wunderschönen – selbst in dieser Lage gab es keine treffendere Bezeichnung – Wirbel aus tiefschwarzen Blütenblättern vollführte die Gestalt eine anmutige Drehung, gleichsam einer formvollendeten Balletvorführung. Mit einer geradezu grazilen und flüssigen Handbewegung entledigte sie sich dabei ihrer Verschleierung und offenbarte sich so als…

Dressella!

Genauer als dunkles, biomechanisches Dressella!

Und noch genauer als…

Black Blossom – die Kopfgeldjägerin!“

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„Und damit sollte auch klar sein, warum ich für Balthazar von Sonnenstich arbeite, nicht wahr?“, fuhr das ungewöhnliche Blumenzierpokémon mit seiner heiseren Stimme fort und schien belustigt über die erschrockene Reaktion der jungen Frau. Schabelle spürte nämlich in der Tat beim Anblick dieses dunklen Pflanzenpokémon wieder einen solchen Stich in ihrem Herzen, wie neulich im düsteren Gang der Sinjoh-Zuflucht. Was musste diesem Dressella Schreckliches widerfahren sein, dass aus ihm dieses finstere Mischwesen wurde?

Ungeachtet dessen offenbarte die Kopfgeldjägerin derweil beinahe nebensächlich: „Der Zauberer hat mich angeheuert, dich zurückzuholen, Altan-Tschitschik. Und da er mich gut bezahlt hat, werde ich diesen Auftrag auch unverzüglich erfüllen.“

„Versuchs doch!“, gab das verwandelte Eleganzpokémon verwegen zurück, während sich Murphy, der in all der Zeit kein Wort gesprochen hatte und ungewohnt angespannt war, schützend vor seiner Reisegefährtin aufbaute. Das ließ die grünen Augen Black Blossoms unheimlich aufflammen und wieder mit diesem merkwürdigen Lächeln im Gesicht flüsterte sie bedrohlich wie begierig: „Oh, das trifft sich gut, hehe… Der Magier wollte nämlich noch etwas von mir… Und zwar deinen Tod, Gesandter! Und glaube mir, nichts wünsche ich mir auch selbst sehnlicher, als das! Darum zeige mir deine Macht, Gesandter von Arceus, haha!“

(Wenngleich ich die Überschrift nicht lesen kann, passen das Bild und die Melodie einfach perfekt für diesen Kampf^^: Crawk - 弥久之神楽 (びきゅうのかぐら) : https://www.youtube.com/watch?v=JVa2tDvatV8)

Ohne Vorwarnung schoss die Kopfgeldjägerin nun in einem erneuten Wirbel aus schwarzen Blütenblättern auf den kleinen Fellball zu und gab eine Kostprobe ihrer Fähigkeiten, die ihr biomechanischer Körper zu bieten hatte! Ihre beiden mechanischen, feingliedrigen Hände transformierten sich binnen Sekundenbruchteilen zu zwei langen, stählernen ‚Laubklingen‘, mit denen sie gekreuzt auf ihren Gegner losging.

Der Angriff ging so schnell vonstatten, dass Murphy nicht dazu kam, die Zeit zu verlangsamen sondern mit einem Luftschnitt kontern musste, sodass er sich zurückziehen konnte. Seinerseits blitzschnell entfachte er einen Feuersturm auf Black Blossom, die jedoch -*Zapp!*- einfach verschwand und so nur ein großes Loch ins hohe Gras gebrannt wurde. –Teleport!

Dressella kam direkt hinter dem Psycho/Flugtyp wieder zum Vorschein, der diesen Streich allerdings geahnt hatte und sofort mit seiner Energieklinge, die zu einem Mystoschwert wurde, attackierte. Die Kopfgeldjägerin hatte keine Chance mehr, zu entkommen. Doch sie überraschte alle beide damit, dass sie rasch eine bestimmte Verteidigungshaltung einnahm. Mit einem metallischen Klirren prallte die Energieklinge ohne sichtliche Wirkung einfach an ihr ab!

Unverzüglich verschwand das Pflanzenpokémon da wieder und tauchte diesmal ganz unvorhergesehen nicht wieder bei Murphy sondern direkt vor Goldblume auf! Viel zu überrumpelt davon, konnte die junge Frau sie nur starr vor Schreck ansehen. Zynisch grinsend jagte ihr Black Blossom da bereits eine Donnerwelle mit ihren Händen durch den Körper und meinte: „Damit du keine Dummheiten machst. Mein Klient möchte dich unversehrt, Prinzesschen, hehe.“

„Urgh…“, mehr als diese plumpe Geräusch vermochte Schabelle nicht mehr von sich zu geben. Ihr ganzer Körper erschlaffte, kaum, dass dieser prickelnde Stromstoß sie durchflutete. Das tat nicht weh, was die Sache aber umso schlimmer machte: Es war ein so widerwärtig, warmes, weiches Gefühl, dass sie lähmte und dem sie sich nicht erwehren konnte. Wie eine Stoffpuppe wäre sie wohl einfach auf den Boden geplumpst, wenn die Mechaminip sie nicht sogleich umkreist und so in eine Art Kraftfeld in der Luft gehalten hätten. Reglos schwebte das verwandelte Eleganzpokémon in dieser Sphäre, war aber bei Bewusstsein, sodass sie ohnmächtig zusehen musste, wie ihr Freund sich gegen diese mächtige Gegnerin zu behaupten versuchte.

Soviel stand fest: Black Blossom wusste von der göttlichen Pinseltechnik und wie man ihr begegnete. Sie war in der Lage einige von Murphys Techniken abzuwehren oder gar zu vereiteln und ihn mit ihren eigenen Angriffen mächtig unter Druck zu setzen!

Gerade in diesem Moment hatte sie ihre Hände zu zwei Gewehrläufen transformiert und vernichtete mit einer doppelten Kugelsaat die Salve Eisspeere ihres Gegners. Einer Kugelsaat wohlgemerkt, die mit der Heftigkeit einer Maschinenpistole abgefeuert wurde! Nur durch das Erschaffen eines Infernos konnte der kleine Fellball Schlimmeres abwehren. Und prompt schickte er einen Blizzard auf die Kopfgeldjägerin los, die mit einem Blütenwirbel aus diesmal stählernen Blütenblättern antwortete.

Alles in allem war dieser heftige Schlagabtausch vor allem eines: Ein Ab- und Herantasten an den jeweiligen Gegner. Es war zu diesem Zeitpunkt unmöglich zu sagen, wer von den Zweien als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen würde. Die Kontrahenten schienen momentan schlicht gleichstark zu sein.

Was Altan-Tschitschik aber gleich bemerkte, war der Umstand, dass ein jeder von ihnen dieses Gefecht anders empfand. Black Blossem ergötzte sich daran. Für sie war auch dieser Kampf gleichsam nur ein weiterer Teil ihres eigenen perfiden Spiels, dessen Regeln nur sie allein kannte. Ein kaltes, zynisches Grinsen zeichnete sich auf ihrem von finsteren Schatten verdunkelten Gesicht ab und ihre Augen flammten förmlich vor Genugtuung und Rachsucht. –So sehr, dass es Goldblume eiskalt den Rücken runter lief. Woher, so fragte sie sich, mochte dieser grenzenlose Hass auf den fluffigen Psycho/Flugtyp nur stammen?

Noch mehr in Furcht versetzte es sie aber, als sie Murphy sah. Der Kleine hatte eine ganz verbissene Miene und kämpfte, als hinge sein Leben davon ab. Gut, das stimmte ja nach den Worten der Kopfgeldjägerin auch. Doch in seinen Augen flackerte zudem eine solche Angst auf, welche die junge Frau zutiefst bestürzte! Murphy und Angst – das passte doch so gut zusammen wie Essig und Milch oder Feuer und Wasser! Er war doch normalerweise ein heiterer, kleiner Sonnenschein, der selbst in den bisherigen Kämpfen sich lediglich von einer lockeren Ernsthaftigkeit zeigte, weil er um die Überlegenheit seiner Macht wusste. –Doch ganz offensichtlich war dies hier nicht der Fall; stellte Black Blossom eine brandgefährliche Gegnerin dar!

Und diese Tatsache erklärte sofort, warum dieser Drecksack von Nepomuk diese Kopfgeldjägerin auf sie und ihren Freund angesetzt hatte. Ebenso wie sie den Grund für dessen düstere Vorahnung sein mochte. Ganz schockiert erkannte Schabelle nämlich, dass Black Blossom schon bei diesem einen Versuch näher am Ziel war, als der Zauberer in all seinen Bestrebungen zuvor: Sie war gefangen und Murphy trug den bisher härtesten Kampf ihrer ganzen Reise aus.

„Komm schon Murphy, du packst das! Ich weiß, dass du sie besiegen kannst! Ich zähl auf dich und… Ich vertraue dir!“, wollte das verwandelte Eleganzpokémon dem kleinen Wuscheln am liebsten zurufen, ihn nach Kräften anfeuern. Ach, wenn es möglich wäre, würde sie sofort mit in den Kampf einsteigen! Aber kein Laut drang aus ihr heraus, kein einziger ihrer Muskeln wollte sich rühren. Sie war immer noch ganz schlaff, schaffte nicht mehr, als ihre Augen zu bewegen, um den Kampf verfolgen zu können. Deswegen konzentrierte sie ihre ganze Kraft auf ihre Gedanken, hoffte sehnlichst, dass er spürte, wie sie ihn damit zu unterstützen suchte…

Unterdessen wurde das Gefecht auch weiter mit aller Härte ausgetragen. Der Kampfplatz ähnelte inzwischen einem wüsten Schlachtfeld und immer noch attackierte Black Blossom ihren Gegner wild und unnachgiebig mit ihren ausgefeilten Angriffen. Sie wechselte völlig übergangslos zwischen Nah- und Fernkampf hin und her, tanzte geradezu einen Kampftanz bei dem sie eine Attacke auf die andere lancierte.

Murphy hatte sich jedoch auch seinerseits immer mehr auf seine Gegnerin einstellen können! Ganz gleich, ob er die gedankliche Unterstützung seiner Reisegefährtin spürte oder nicht, war ihm im Gegensatz zu den anderen beiden eine entscheidende Sache aufgefallen. Ja, die Kopfgeldjägerin kannte die göttliche Pinseltechnik, was sie von allen anderen Gegnern zuvor unterschied. Und sie verfügte über eine beeindruckende Kraft und Technik, mit der sie genau dieser die Stirn bieten konnte. –Doch der springende Punkt war, dass sie diese nur in der Theorie kannte!

Je mehr der Kleine begann, seine einzelnen Techniken zu kombinieren, desto mehr Schwierigkeiten bekam das biomechanische Dressella damit, sie abzuwehren oder auch nur vorherzusehen. Quälend langsam, doch stetig, gewann der fluffige Psycho/Flugtyp somit die Oberhand in diesem zähen Kampf. Damit einhergehend wurde er wieder lockerer, was sich wiederum positiv aus seine Kräfte auswirkte. Fast wieder der Alte, tänzelte nun Murphy umher, fintierte, griff an und blockierte, bis er sogar Black Blossom endlich einen Volltreffer mit seiner Energieklinge verpassen konnte!

Die Kopfgeldjägerin wurde zurückgeschleudert, aber ehe sie weiter attackiert werden konnte, teleportierte sie sich jäh weg. Zunächst erwartete der kleine Fellball einen weiteren Angriff, dann jedoch zogen sich auch die Mechaminip zurück. Leise surrend stiegen sie in den nächtlichen Himmel auf und verschwanden. Ja sie ließen sogar Altan-Tschitschik einfach wieder frei. Diese plumpste jetzt ungelenk und hustend auf den Boden und erlangte nur mit viel Mühe die Gewalt über ihren Körper zurück. Schleunigst flatterte Murphy, Erschöpfung hin oder her, zu ihr und half der jungen Frau beim aufstehen.

Da hörten sie die heisere Stimme Black Blossoms von irgendwoher: „Haha, gut gekämpft, Gesandter! Die erste Runde geht an dich… Freu dich schon mal auf unseren nächsten Kampf, hehe…“

„Puh…“, stöhnte der flauschige Psycho/Flugtyp daraufhin und sank ganz erledigt ins hohe Gras. Er hatte seine Kräfte ziemlich überstrapaziert. Erst die wilde Hatz und nun dieser langwierige, brutale Kampf; das hatte ihn total erschöpft. Goldblume merkte dies freilich. Sie setzte sich neben ihrem Reisegefährten hin, wuschelte diesem aufmunternd durch sein Fell und meinte lächelnd: „Ist doch egal was sie sagt. Du hast schlussendlich das Gefecht für dich entscheiden können und dir jetzt ein bisschen Ruhe sauer verdient. Beim nächsten Mal wird sie es nicht mehr so leicht haben :]!“

Dankbar für diesen Zuspruch lag Murphy eine Weile lang einfach da und atmete bewusst ein und aus, um sich wenigstens ein bisschen sammeln zu können. Dann jedoch seufzte er und blickte Schabelle mit ernster Besorgnis in die Augen.

„Goldblume, du sollst wissen, dass ich deinen Trost und deinen Optimismus sehr zu schätzen weiß.“, hob er umständlich an, lag es ja nicht in seiner Art, die Hoffnungen anderer zu enttäuschen, und schnitt die Sache darum unverzüglich an: „Aber es DARF kein nächstes Mal geben; das wäre unser beider Ende!“

„Wie meinst du das?“, fragte das verwandelte Eleganzpokémon sichtlich irritiert, so kannte sie Murphy wirklich nicht. Und insgeheim hatte sie schon gehofft, dass er nach diesem Sieg endlich wieder seine Unbekümmertheit zurückerlangen würde.

„Wie ich es sage.“, antwortete der Kleine ernst und erklärte schleunigst: „Ich habe diesen Kampf nur gewonnen, weil Black Blossom die göttliche Pinseltechnik trotz allem nicht gut genug gekannt hatte. Nun tut sie dies aber! Sie ist eine Meisterin des Kampfes und wird genau in diesem Moment schon unser Duell präzise analysieren. Und in spätestens drei oder vier Tagen greift sie uns wieder an – erholt und noch besser auf meine Kräfte vorbereitet!

Ich hingegen müsste mindestens einen ganzen Tag lang meditieren, bis ich in dieser Zeitspanne wieder annähernd gänzlich bei Kräften wäre. Außerdem gibt es immer noch ihre Schergen, die Mechaminip, die uns auch weiterhin heimlich beobachten…

Ach… Goldblume ich will dir nichts vormachen: Brinquetville liegt zwar nicht mehr fern, doch wir würden niemals dort ankommen. Zuvor fängt uns Black Blossom ab und das war‘s dann! Verstehst du? Wir können unsere Reise nicht wie geplant einfach fortsetzen.“

„Ach so…“, machte Altan-Tschitschik nun viel sanfter und verständnisvoll, ja auch etwas eingeschüchtert. Mit dieser Kopfgeldjägerin war definitiv nicht zu spaßen, soviel stand fest! Plötzlich hellte sich ihr Gesicht aber auf, ihr war wieder etwas in den Sinn gekommen, das ihr Freund vor einiger Zeit gesagt hatte.

„Dann ist es jetzt wohl Zeit für deinen geheimnisvollen Notfallplan?“, riet sie und war heilfroh, dass ihr Gegenüber nun tatsächlich auch wieder etwas freundlicher dreinschaute. Murphy nickte eifrig und sagte: „Jepp! Das wird zwar ein riesiger Umweg für uns. Ist aber die einzige Möglichkeit die wir aktuell haben, um unsere Reise erfolgreich zu Ende zu bringen.“

Der kleine Wuschel warf einen Blick zum nächtlichen Himmel, sah, dass der Mond inzwischen schon wieder untergegangen war und meinte: „Alles genau erläutert will ich dir aber erst morgen Goldblume. Die Nacht ist schon zur Hälfte vorbei, lass uns den Rest davon ruhen. Im Morgengrauen brechen wir auf, okay?“

„Gut, aber nur unter einer Bedingung!“, verlangte Goldblume mit strenger Miene und stemmte dabei die Hände in die Hüften. Murphy blickte sie ganz überrascht an. Müde wie er momentan war, fiel es ihm ziemlich schwer, sich einen Reim darauf zu machen. So kam er nicht umhin nachzufragen: „Huch? Welche wäre das denn?“

Da ließ die junge Frau ihre Fassade fallen und lachte ausgelassen, ja gar herausfordernd und schier unwiderstehlich: „Hör bitte, bitte auf, so ernst zu sein^^! Das passt nicht zu dir, sei ausgelassen und fröhlich wie immer, ja? Wir packen das schon – das sagst du mir doch selbst auch immer wieder, haha.“

Unvermittelt wurde der flauschige Psycho/Flugtyp davon angesteckt und schüttelte sich vor Lachen. Nach all dem, was sie in den letzten Stunden durchmachen mussten, hatte dies etwas so wunderbar Befreiendes an sich. Minutenlang lachten sie so, bis ihnen die Luft wegblieb. Gelöst und entspannt machten die zwei es sich anschließend in einer Graskuhle bequem und diesmal war es sogar Murphy, der zuerst und völlig Übergang vom Schlaf übermannt wurde. Hochzufrieden sah Schabelle, dass der Kleine dabei selig lächelte, sodass sie nun ebenfalls die Augen schloss und beim hinüberdämmern noch grinsend murmelte: „Na also. Mission erfüllt :lol:!“
Zuletzt geändert von KleinKokuna am 23.01.2019, 15:09, insgesamt 21-mal geändert.
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Re: Braut auf der Flucht

#1309086 von KleinKokuna
09.08.2018, 16:46
Nun denn: Meine neue FF ist online 8) ! Hab das erste Kapitel erst zum Teil reingestellt, weil ich überhaupt sehen will, wie das ganze in dieser schnieken Box überhaupt aussieht - wobei mir es gefällt :D. Den Rest gibt es im Verlauf des Wochenendes.

Doch nun erstmal viel Vergnügen beim Lesen :)!
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Re: Braut auf der Flucht

#1309132 von Donnerkralle
11.08.2018, 07:03
Yeah, endlich bist du zurück, KleinKokuna! Neues Leben im
FF-Bereich!
Wundervoll, gleich mal zur neuen FF:
Sehr interessant. Es hat mich echt gepackt. Nette Idee mit der Musik am Beginn - war sehr passend. (Sollte ich vielleicht auch machen :P )

Altan-Tschitschik (doch nicht etwa Altan-Kitschig :lol: ) ist sehr sympathisch (auch wenn ich Sven momentan mehr mag) und fast schon eine Art Prinzessin. Ich frage mich, wie ihre Vergangenheit aussieht, ihre Herkunft. Immerhin hat sie ja keine wirklichen Erinnerungen.

Dafür hat sie eine tolle Freundin an ihrer Seite, Nanette, die am Anfang etwas creepy wirkte, aber innerlich ein großes Herz zu haben. (Ob nun wirklich ein Banette sie besessen hat. Hat der gute Zauberer etwa dies getan?)

Balthazar, der Zauberer, wie stark wohl seine Kräfte sind, und ob er eventuell 'Schwarze Magie' beherrscht? Wie du siehst, tummeln sich in mir einige Fragen auf.

Und natürlich darf ich die tolle Beschreibung nicht vergessen. Das Schloss hat ja mal eine interessante Form außerhalb. Am besten gefielen mir die Mosaiken und die Abbildung und Darstellung von Xerneas und Yveltal.

Bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht! :)
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Re: Braut auf der Flucht

#1309153 von KleinKokuna
12.08.2018, 09:08
Hehe, Dankeschön :). (Irgendwann wollte ich einfach wieder was reinstellen^^.)

Und schön, dass dir die Story bis jetzt soweit gefällt :D.
Allgemein ist die ganze FF hier eher experimenteller Natur, darum werde ich das noch öfter mit den Videos probieren. (An der Stelle möchte ich aber nochmals auf die FFs von Ayron und Vampirbiss hinweisen - von den beiden habe ich die Idee mit den Videos überhaupt.)

Wobei ich jetzt schon sagen kann, dass die nächsten Abschnitte wohl einige Überraschungen bereithalten werden, die dich deinen Standpunkt vielleicht noch überdenken lassen werden^^. Du kannst also gespannt sein :D.

Und btw:
Altan-Tschitschik ist übrigens mongolisch und heißt soviel wie 'Goldblume', das hab ich auch einem historischen Roman (Der schwarze Wolf von Kurt David).
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Re: Braut auf der Flucht

#1309166 von KleinKokuna
12.08.2018, 16:53
Sodala, die Unterkapitel 1.4 und 1.5 sind nun ebenfalls online, und damit ist das erste Kapitel vollendet :)!

Wünsche weiterhin viel Vergnügen^^.
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Re: Braut auf der Flucht

#1309213 von Donnerkralle
14.08.2018, 08:19
Okay, wow! Damit hätte ich jetzt wirklich nicht gerechnet! :amazed:
Ich habe schon letztes Mal erwähnt, dass ich über die Herkunft von Goldblüte sehr interessiert bin. Aber die plötzliche Wendung hat bei mir großes Staunen hinterlassen.

Ich dachte sie wäre ein einfaches Mädchen gewesen, dass seit Jahren im Turm eingesperrt worden war. Aber niemals erwartet, dass sie ein Pokèmon wäre, ein Schabelle :o
Gut, dass sie Nanette 'aus dem Weg geräumt hat'. So eine Fake-Freundin hat es verdient.

An dieser Stelle möchte ich meinen Lob aussprechen: Du hast mich echt überrascht und gleichzeitig die Story spannender gemacht! :up:

Und wer hätte gedacht, dass der gute Zauberer in Wirklichkeit ein richtiges Ar******* ist. Dazu beherrscht er noch Schwarze Magie und ist pervers. Zum Glück ist Goldblume entkommen, möchte echt nicht wissen, was sonst in der Hochzeitsnacht passieren würde. :~

Jetzt bin ich neugierig und hoffe, dass es bald weitergeht.

P.S. Coole Namensherkunft von Altan-Tschitschik. Passt ja perfekt. :lol:
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Re: Braut auf der Flucht

#1309219 von KleinKokuna
14.08.2018, 17:28
Hey, danke wieder für dein schönes Feedback und dein Lob Donnerkralle :)!

Freut mich echt riesig, dass dir die Wendungen und Offenbarungen so zusagen und dich gleich so überraschen. -Dann haben sich meine Intentionen für das erste Kapitel erfüllt, klasse^^.

Die erste Hälfte des zweiten Kapitels werde ich vielleicht noch dieses WE oder wenigstens Anfang nächster Woche schon hochladen können. (Aber dann und 'darf' ich mal wieder ordentlich in die Tasten hauen, damit es auch weitergehen kann :D :tja:...)

Und so ganz nebenbei: Es macht schon irwie Spaß, sich Mistkerle für seine Story auszudenken :P.
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Re: Braut auf der Flucht

#1309394 von KleinKokuna
21.08.2018, 17:40
Nun denn, die ersten zwei Unterkapitel des 2.Kapitels sind nun online - ich wünsche wieder viel Spaß :).
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Re: Braut auf der Flucht

#1309441 von Donnerkralle
24.08.2018, 09:10
Wunderschöne zwei Unterkapitel!

Im ersten Teil geht es um die wilde Hetzjagd. Sehr coole Stellen beim Sumpfland. Man spürt so richtig den Drang und den Druck, die Goldblume zerdrücken. Meine Lieblingsstelle war natürlich der Kampf. Nachdem du die originelle Strategie der vier Trainer erklärt hast, war ich sehr gespannt, wie Altan-Tschitschik damit klar kommen würde. Ich wurde nicht enttäuscht :P

Die mehr als passende Musik kombiniert mit deinem Schreibstil machten den unfairen Kampf spannend, wild und schnell. Selbst als Mensch schlägt sich Goldblume wirklich stark. (Wünschte, ich könnte mich auch so bewegen :lol: )

Das Ende war recht amüsant zu lesen. Ich konnte mir sehr gut die Szene bildlich darstellen. Wie Lektrobal am Ende das tat, wofür es eben bekannt ist, und langsam auf die Trainer zuflog, hatte mir ein Grinsen gezaubert. :lol:

Im zweiten Abschnitt wurde es noch emotionaler. Die Art und Weise, wie Schabelle zuerst glücklich in ihrer Heimatdimension mit ihren Artgenossen ihr Leben verbrachte und dann ganz plötzlich erstarrte, während ihre Freunde panisch flohen --> hat bei mir ein trauriges Gefühl hinterlassen.

Sehr schön hast du den innerlichen Zusammenbruch von Altan-Tschitschik beschrieben. Hoffe, sie schafft es, wieder auf die Beine zu kommen. War ja klar, dass der Zauberer die Gefühle anderer ignoriert und sich einen Dreck schert. Hauptsache er bekommt seine Sache.

Das arme Wesen wurde von einem notgeilen Magier gefangen genommen und brutal in den Turm geworfen. Und dann musste sie die grässliche Verwandlung miterleben. Du hast es geschafft, KleinKokuna. Ich hasse den Typen mehr denn je. Seine Gier nach einer schönen Frau bzw. Sklavin ist so ... wäh! :twisted:

Freu mich schon auf mehr! :)
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Re: Braut auf der Flucht

#1309686 von KleinKokuna
06.09.2018, 18:46
So, jetzt möchte ich mich endlich wieder für dein wunderschönes, ausführliches Feedback bedanken Donnerkralle :)!

Es ist echt schön zu lesen, dass du deinen Spaß an der Story hast und dich die Geschehnisse darin nicht kalt lassen. -Das du den Zauberer jetzt hasst, sehe ich sogar als besonderes Kompliment: Anders als in meiner vorherigen FF wollte ich diesmal einen echten, unsympathischen Mistkerl als Bösen machen...

...Und offensichtlich ist es mir gelungen, mwahaha :lol:!

Und dadurch angespornt hab ich wieder in die Tasten gehaut und kann daher die nächsten beiden Unterkapitel 2.3 und 2.4 prästenieren 8)! Damit ist das zweite Kapitel zwar noch nicht ganz beendet, aber da vor allem 2.4 etwas länger geworden ist, wollte ich lieber nur die beiden hochladen^^.

In diesem Sinne dir und freilich auch den (hoffentlich) anderen Lesern wieder ganz viel Spaß :)!
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Re: Braut auf der Flucht

#1309713 von Donnerkralle
08.09.2018, 15:35
Das waren wirklich zwei tolle Kapiteln! Ich merke schon, es wird immer spannender! Ich war ziemlich überrascht, das plötzlich in der Überschrift Arceus vorkommt :o Auf jeden Fall hast du den "Himmel" sehr schön beschrieben. Würde auch gerne mal dort vorbeischauen :P Bin gespannt, ob Arceus weitere Rollen einnehmen wird. Ebenfalls finde ich den Charakter vom "Gott" interessant. Dass er sogar diesen Ausdruck nicht bevorzugt zaubert mir ein Lächeln. Ein toller Einfall war auch, wie Arceus seine Meinung über diese Welt bekommen hat. Dass er sich zu verschiedenen Zeiten in einen Menschen verwandelt hat und mit ihnen auch Zeit verbracht hat, war ziemlich raffiniert und gut durchdacht.

Hier folgt ein versteckter Text. Fahre mit der Maus über den Text, um diesen anzuzeigen!
…Nachdem sie diesem Drecksack zuvor in ihrer wahren Gestalt den heftigsten Turmkick in seinen A**** verpassen würde, zudem sie imstande wäre!
- Diese Zeile hat mir definitiv den Rest gegeben xD Ganz ehrlich, ich teile die Meinung von Goldblume. Hoffentlich bekommt sie ihre Chance

Aber das Highlight war eindeutig Murphy!

Ich weiß nicht, wie du es geschafft hast, aber ich liebe diesen kleinen Fellknödel jetzt schon. Am Anfang dachte ich, dass der Schüler von Arceus einfach ein "Baby-Arceus" sei, was aber irgendwie unlogisch wäre (Zwei Pokémongötter zur gleichen Zeit?). Aber dieses Fleknoil ist irgendwie so putzig rübergekommen in dem Kapitel. Dabei leuchtet es schön in Gold, quasi ein Engel.

Vorher galt für mich das Pokémon Fleknoil als uninteressant. Ich hatte nie wirklich an dieses Pokémon jemals gedacht. Aber als Murphy plötzlich auftauchte, änderte sich meine Meinung schlagartig. Jetzt sehe ich in diesem Pokémon einen herzliebsten Reisegefährten. Sein Charakter ist so gut geschrieben. Also zusammengefasst: Murphy ist klasse! :up:

Ich freue mich schon wahnsinnig auf die Fortsetzung. Ich frage, welche Mission nun der kleine Racker erfüllen muss. Arceus scheint ja ihm richtig zu vertrauen. Ich denke, er wird Goldblume tatkräftig unterstützen. Auf Murphy freue ich mich schon total! Der bringt sicher noch sehr viel Leben ins Geschehen.

Wie du sicherlich schon bemerkt hast, hast du mit Murphy bei mir ein Volltreffer gelandet! :lol:

Das (momentane) letzte Kapitel war sehr angenehm zu lesen. Dann hau mal schön weiter in die Tasten, KleinKokuna!
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Re: Braut auf der Flucht

#1309726 von KleinKokuna
09.09.2018, 05:43
Oh, gleich nochmals Danke für deinen Kommentar Donnerkralle, das ist echt lieb *-*!

Klasse, dass dir Murphy gleich so zusagt, denn du hast es auf Anhieb richtig erfasst: Der kleine Wuschel ist Goldblumes eifriger und hilfsbereiter Gefährte und soll durch sein sonniges Gemüt zudem eine Art Gegenpool für Schabelle darstellen :D. Und außerdem kannst du mir wohl zustimmen, wenn ich sage, dass es mehr Spaß macht, wenn man mindestens zwei Charaktere als einen allein auf reisen schickt^^. -Warum ich ausgerechnet ein Fleknoil ausgesucht habe, kann ich gar nicht genau sagen, doch es hat zum Teil schon damit zu tun, dass mich diese Pokémon an die bösen, schwarzen Lums aus Rayman 3 erinnern. (Und - natürlich - wollte ich wieder einen Underdog ins Rampenlicht rücken, wie Rocara :P...)

Was für eine Mission der Kleine hat, wirst du in ein paar Unterkapiteln erfahren; genauso, was für einen wahren, bösen Plan der Zauberer verfolgt, denn er will nicht nur Goldblume als seine Sklavin, so viel will ich schon verraten, also sei gespannt :lol:!

P.S: Es freut mich auch, dass dir meine Darstellung von Arceus so gefällt. Da habe ich nämlich meine eigenen Ansichten und Meinung bezüglich Götter/Religion einfließen lassen. Allerdings wird Arceus - zumindest vordergründig - keine große Rolle mehr einnehmen; dafür ist doch Murphy da :D.
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Re: Braut auf der Flucht

#1309959 von KleinKokuna
22.09.2018, 15:41
Nun denn, Zeit wieder was hochzuladen :D!
Ich war -nicht zuletzt wegen des großartigen Lobes - dermaßen motiviert und voller Einfälle, dass ich das Zweite Kapitel gleich um zwei weitere Unterkapitel statt wie geplant um lediglich eines erweitert und damit abgeschlossen habe 8)! Damit verzögert sich zwar die große Offenbarung noch etwas länger, aber das kommt schon noch^^.

Jedenfalls wünsche ich auch weiterhin wieder viel Spaß beim Lesen :).
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Re: Braut auf der Flucht

#1310047 von Donnerkralle
28.09.2018, 18:22
*aus dunklem Loch kriech* So dann würde ich gerne nach einer stressigen Woche ein Feedback abgeben. :D

Murphy war mal wieder klasse! Ein angenehmer Reisegefährte mit interessanten Tricks und Kenntnissen. Immerhin ist er der Schüler von einem Gott.

Der Hass gegenüber Nepomuk bleibt bestehen. So ein Penner! Kontrolliert den gesamten Sumpf und die unschuldigen Bewohner. Coole Idee mit dem Nebel bzw. die dunkle Magie, die den Sumpf umgibt. Da ich selber ziemlich müde und erschöpft bin, kann ich sehr gut nachvollziehen, wie sich Altan-Tschitschik da drinnen gefühlt hat.

Aber das Highlight war eindeutig das vorerst letzte Kapitel. Da waren so viele coole Szenen dabei. Die düstere Atmosphäre hast du so großartig beschrieben. Ich konnte mir alles super gut vorstellen!

Wie die Trombork mit Waldesfluch angriffen: Wurzeln schossen aus der Erde und versuchten Goldblume zu schnappen. Die wilde Verfolgungsjagd und dann der plötzliche Kampf gegen den König. Und natürlich der Drahtzieher vom König: Nanette
Fazit: Perfekt

Ich weiß noch, wie ich in den ersten Kapiteln Nanette als höfliches Dienstmädchen und beste Freundin von Altan-Tschitschik angesehen habe.

Jetzt hasse ich sie genau wie Nepomuk. Ich hätte nichts dagegen, wenn diese Puppe auch einmal einen saftigen Turmkick abbekommt :]

Hilfreich war natürlich auch Murphy, der die böse Aura von Goldblume fernhielt. Ich muss sagen, ich fühle eine Woge der Befreiung. Endlich haben sie den Sumpf verlassen. Jetzt geht es wohl so richtig los.

Ich hätte jetzt auch Lust darauf, wenn mir Murphy ein paar Beeren zaubert.

Freue mich schon auf weitere Kapiteln von dir! :)
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Re: Braut auf der Flucht

#1310071 von KleinKokuna
30.09.2018, 12:32
:lol:

Und wieder vielen Dank für dein schönes Feedback Donnerkralle :)!
Freut mich immer jedes Mal ungemein, dass du dir solche Mühe machst und der FF so viel abgewinnden kannst ^-^. Und ja, Nanette ist eben ganz nach ihrem Meister geraten, wobei sie auch einen kleinen Seitenhieb auf Doleres Umbrige aus Harry Potter und der alten Vettel aus dem Film 'Coraline' darstellt. -Beides Leute, die ich gerne auch mal in den Sumpf schubsen würde :P.

Und weil mein Betriebsurlaub sich dem Ende zuneigt, hab ich diese letzte Woche intensiv genutzt, sodass ich nun die ersten drei Unterkapitel des dritten Kapitels präsentieren kann! Unter anderem ist dort nun endlich die von mir angekündigte Offenbarung enthalten, was aber wirklich einen Schwall Informationen darstellt. -Die volle Dröhnung also :!: xD.

Aber gerade deswegen hoffe ich, dass es dir und allen anderen Lesern gefällt und sich so die ein oder andere Frage damit beantworten lässt. Jedenfalls wünsche ich auch hier wie gehabt viel Spaß :).

P.S: Und dir Donnerkralle wünsche ich auch ganz, ganz viel Motivation für deine eigene FF, auf deren Fortsetzung ich mich ebenso freue, wie auf deine schönen Kommentare :D.
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Re: Braut auf der Flucht

#1310197 von Donnerkralle
06.10.2018, 19:18
Das 3. Kapitel also :)

Hier war Murphy eindeutig der Hauptcharakter! Es waren unterhaltsame, aber auch spannende Unterkapiteln.
Hier folgt ein versteckter Text. Fahre mit der Maus über den Text, um diesen anzuzeigen!
Danach stellte sie sich noch einmal demonstrativ vor die Nebelwand hin und zeigte spöttisch ihre beiden Mittelfinger.
= xD

So fange ich gerne ein Kapitel an. Am Anfang ging es ziemlich ruhig her, doch am Ende wurde Goldblume eiskalt erwischt. Insgeheim hatte ich es mir gewünscht, dass du ein Silvarro in Sumpf- oder Nebelwald in Szene setzt. Und ich wurde nicht enttäuscht! Ich liebe seine Signatur-Attacke, Schattenfessel. Echt cool, dass du die Mechanik dieser Attacke verwendet hast. Seien wir doch ehrlich, Silvarro ist für diese Szene am besten geeignet. Und der Spitzname Robin ist wohl mehr als nur passend :P

Nach der Gefangennahme, und als plötzlich drei Mega Pokémon auftauchten, war ich sehr gespannt darauf, wie sie da jemals rauskommen würde(n). "Aber wofür gibt es denn Murphy?" - Der kleine Racker hat sich wacker geschlagen. Seine Kampfkünste sind ja echt berauschend und gut ausgedacht (wirklich kreativ)! Soweit ich das verstanden habe, werden seine Flügeln mit Tinte "gefüllt" und kann, indem es Muster/Zeichen malt, Attacken einsetzen, die es eigentlich gar nicht beherrschen kann.

Heiliger Arceus! Solche Kräfte zu haben, ist bestimmt nützlich. Aber auch das ist sehr einfallsreich von dir! Meine Güte, Murphy, du beeindruckst mich immer mehr. Nach dem Murphy das Trio in die Luft schickte, musste ich unverzüglich an ein gewisses Trio denken *hust Team R hust* (zumindest wirkst das so auf mich ^^)

Der Höhepunkt dieses Mal war natürlich die Offenbarung. Die Vergangenheit von Murphy hätte ich wahrscheinlich auch so erzählt ^^. Interessant für mich als Leser ist noch der Fakt, dass es weitere Gesandten von Arceus gibt. Ob die auch mal vorkommen werden?

Jetzt weiß ich, dass Arceus die ganze Zeit schon Schabelle unterstützt hat. Wie Murphy sicherlich sagen würde: Ein toller Boss! :up:

Aber ebenfalls spannend und wichtig war die Aufklärung über den bösen Plan von Nepomuk. Der Mistkerl macht sich einfach so unbeliebt bei mir :P - ein gut-geschriebener Charakter/Antagonist eben.
Ich habe schon ein paar Spekulationen, was das "Licht Necrozmas" anbelangt, aber ich warte erstmals ab.

Bin schon sehr gespannt, wie die beiden ihr nächstes Reiseziel erreichen. :)
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Re: Braut auf der Flucht

#1310203 von KleinKokuna
07.10.2018, 13:01
So und hier gleich wieder vielen Dank für deinen Kommentar :)!

Ich kann mich eigentlich nur wiederholen, aber möchte dennoch jedes Mal aufs Neue sagen, wie sehr es mich freut, dass dir meine FF so gefällt und ganz besonders auch das ein oder andere Easteregg a lá 'Das war wieder ein Schuss in den Ofen!' :tja: :lol:.

Die Idee mit Silvarro war übrigens zufälliger Natur; bei so vielen Pokémon verliert man gelegentlich doch den Überblick^^. Aber du hast vollkommen recht: So ein 'Bogenschütze' passt wunderbar in einen Wald und der Spitzname musste einfach sein :P.

Und du hast die Funktionsweise der göttlichen Pinseltechnik komplett erfasst. Wobei ich erwähnen muss, dass ich sie mir nicht ausgedacht, sondern mich vom Spiel 'Okami' hab inspirieren lassen. -Da spielt man die Sonnengöttin Amaterasu in Gestalt eines weißen Wolfes, welche ebenfalls durch das Malen bestimmter Muster ihren Feinden zu Leibe rückt bzw. Hindernisse überwindet und ähnliches. Doch ich persönlich finde, dass so eine Fähigkeit auch perfekt in die Welt der Pokémon passen würde und irgendwie muss sich ja der eher kleine Murphy behaupten können, nicht :D?

Tja an der Offenbarung bin ich auch eine Weilchen gesessen, damit das am Schluss alles schön verständlich wird. Allerdings fürchte ich, dass mir das beim 'Licht Necrozmas' nicht ganz gelungen ist :tja:...

Deshalb will ich das nochmal kurz erörtern:

Für mich ist das Licht Necrozmas und der Bestien-Boost ein und dasselbe - so habe ich es zumindest in USUM verstanden. Explizit möchte der Magier also Goldblumes Bestien-Boost stehlen; der ja durch das Licht von Necrozma entstanden ist; und in verbesserter Form für sich missbrauchen um so unbesiegbar zu werden. -Mehr steckt da gar nicht dahinter, ein einfacher, aber perfider und fataler Plan eben^^. Ich benutze halt lieber das 'Licht von Necrozma' statt 'Bestien-Boost' als Begriff, weil ersterer halt viel eindrucksvoller klingt :smart: .

Ich hoffe, ich konnte so etwas Klarheit schaffen und freue mich auch in Zukunft weiter auf deine schönen Kommentare :)!
(Und jetzt sollte ich auch wieder in die Tasten hauen^-^.)
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Re: Braut auf der Flucht

#1310733 von KleinKokuna
28.10.2018, 06:39
Denke es ist höchste Zeit für ein Lebenszeichen meinerseits hier^^. (Die Arbeit fordert ihren Tribut, jetzt geht es leider nicht mehr so schnell wie ich es gerne hätte :'D...)
Und aus diesem Grund kann ich nun die nächsten beiden Unterkaptiel des dritten Kapitels präsentieren, womit dieses auch abgeschlossen ist. -Hatte eigentlich noch ein sechstes geplant, aber da fällt mir so viel dazu ein, dass ich glatt ein eigenes Kapitel draus gemacht habe :lol:.

So oder so, ich wünsche wieder viel Spaß beim lesen :)!
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Re: Braut auf der Flucht

#1310752 von Donnerkralle
29.10.2018, 09:30
Super, es geht weiter! :)

Schon der Anfang gefiel mir sehr, wie sich Nepomuk aufregt. Die Ass-Trainer sind schon zu bemitleiden, da sie unter einem Bann stehen und einem riesen Ar*** dienen. Und die eine Stelle, wo Nepomuk mit seiner Magie den Trainer gegen die Wand drückt, war richtig cool geschrieben.

Nanette's Bestrafung war amüsant zu lesen. Die hatte es verdient. Richtig peinlich für sie (und so nebenbei: guter Einfall). Das Schloss von Nepomuk ist ja mal richtig schick.

Währenddessen kämpfen sich Altan-Tschitschik und Murphy durch den Nebelwald. In dem Kapitel geht es etwas ruhiger zu. Dafür kommen sich die beiden nahe.

Sie haben sich tapfer geschlagen, das schlechte Wetter konnte ihnen nichts anhaben. Und Murphy ist eben Murphy und unterstützt Altan-Tschitschik mit seinen beeindruckend Fähigkeit. Wäre ich so lange unterwegs, hätte ich gegen ein gemütlichen Unterschlupf und ein warmes Bad auch nichtsdagegen ^^

Es ist echt belustigend, die Dialoge der beiden zu lesen. Erstmals kommen sie ja zum geheimnisvollen Sinjoh-Tempel. Da bin ich wirklich gespannt, wie es weitergeht.

P.S. Ich hatte ja glatt vergessen, dass Goldblume die Pokèmon Sprache versteht :lol:
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Re: Braut auf der Flucht

#1311003 von KleinKokuna
11.11.2018, 11:26
Sooo, mit reichlich Verspätung möchte ich mich jetzt endlich wieder für deinen weiteren schönen Kommentar bedanken, Donnerkralle :D :tja:.

Ich alter Dickkopf wollte aber unbedingt gleich noch was nachlegen, weshalb ich jetzt auch die ersten beiden Unterkapitel des vierten Kapitels online gestellt habe^^. In diesem Zusammenhang wünsche ich auch weiterhin viel Spaß beim Lesen :).

Allgemein wird es in diesem Kapitel deutlich ruhiger zugehen, doch dafür kommt es im Fünften Knüppeldick für die beiden. Ist also quasi die Ruhe vor dem Sturm, wobei sich die zwei ja auch eine kleine Pause schon verdient haben, nicht? Jedenfalls hoffe ich, dass dir, Donnerkralle, und natürlich all die anderen - hoffentlich vorhandenen - Leser auch die ruhigeren Passagen gefallen :).
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Re: Braut auf der Flucht

#1311147 von Donnerkralle
18.11.2018, 12:10
Ich bin's wieder :lol:

Wieder einmal tolle Unterkapitel. Ich finde es richtig toll, wie du dir so viel Mühe bei der Beschreibung des Tempels gegeben hast! Ich konnte es mir gut vorstellen. Nette Idee, dass mit der "Icognito-Willkommen-Anordnung"

Obwohl es ruhig zuging, gab es wie immer lustige und spannende Stellen. Am interessantesten waren natürlich die neuen Charaktere, die du wirklich sehr gut beschrieben hast. Jeder von ihnen ist eine interessante Persönlichkeit.

Ich denke, dass Zora schon ein kleiner Favorit unter den neuen Charakteren geworden ist. "Ob sie wohl eine Anspielung auf ein gewisses Buch sein soll?" :P

Über die Modefee muss ich wohl nicht viel dazusagen. Auf jeden Fall ist er bestens beschrieben.^^

Doch das Ende gab mir wahrhaftig den Rest!! Ich dachte Romana plante eine Stecknadel-Therapie. Aber was danach geschah, wahr einfach nur episch und zum totlachen ^^

Ein göttlicher Abschluss :lol:
Ich frage mich, wo sich Murphy nun aufhält. Und da sich Zora als stärkste Trainerin der Gruppe nennt, dürfte sie hoffentlich eine wichtige Rolle demnächst spielen.

Bin echt gespannt, wie es weitergehen wird. Weiter so!
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Re: Braut auf der Flucht

#1311177 von KleinKokuna
19.11.2018, 15:14
Die Firma dankt :D!(Endlich wieder früher dran mit der Antwort und zur Abwechslung mal was anderers^^.)

Schön, dass es dir auch diesmal wieder gefällt; hatte allgemein bei der Beschreibung des Tempels etwas Sorge, dass das evtl. zu Kurz kam. Und die schrägen Charaktere waren einfach ein Muss, hellen sie doch so schön die Stimmung auf und ich selbst hab beim Schreiben nicht aufhören können zu grinsen xD.

Vor allem zu Ramona möchte ich unbedingt noch erwähnen, dass sie und ihre 'Behandlung' eine Hommage an eine der liebsten Cut-Szenen aus einem meiner Lieblingsspiele ist. Die will ich euch auch nicht vorenthalten, schaut sie euch an, wenn ihr wollt :D:

https://www.youtube.com/watch?v=3Rh9zT-6ldY

P.S: Ich hoffe, dass du demnächst auch wieder was von dir hören lässt :)!
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Re: Braut auf der Flucht

#1312102 von KleinKokuna
20.12.2018, 19:44
So mit Ach und Krach hab ich jetzt doch noch kurz vor Weihnachten die nächsten drei Unterkapitel fertigstellen und hochladen können, womit das vierte Kapitel nun vollendet ist :lol:.

Wie gehabt wünsche ich weiterhin viel Spaß beim Lesen und in diesem Zusammenhang freilich auch eine schöne, besinnliche Weihnachtszeit :).
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Re: Braut auf der Flucht

#1312234 von Donnerkralle
25.12.2018, 12:00
Erstmals, Frohe Weihnachten! :lol:

Bin etwas spät dran, aber ich möchte trotzdem meinen Senf dazugeben. Es hat echt Spaß gemacht, zu lesen, wie Altan-Tschitschik und Murphy sich im Tempel gut eingelebt hatten. Das Verhalten von Goldblume am Anfang zauberte mir ein Lächeln. Immerhin würde ich mich wahrscheinlich auch so fühlen, wenn ich eine derartige Massage abbekommen würde.

Trotzdem ginges zu Beginn ruhig zu, dafür wurden die Charaktere und deren Persönlichkeiten hervorgehoben und sie kamen sich näher. Vor allem Zora und Altan-Tschitschik haben eine besondere Verbindung aufgebaut. Ich hatte ja schon beim letzten Mal angedeutet, dass ich ihren Charakter gut mag. Sie hat echt ein kreatives Team, an der Spitze der gute Alfred.

Die Meditation-Zeremonie ist übrigens sehr ausführlich und verständlich zu lesen. Jetzt verstehe ich, wie sie die dunkle Magie abwehren/blockieren können. Am herzergreifendsten
war natürlich die Stelle, wo Goldblume unabsichtlich in die "dunkle Kamner" hineintapst. Irgendwie unheimlich ging es dort zu. -> gelungene Szene :)

Dennoch hat alles Gute auch ein Ende. So kam es schließlich zum schweren Abschied. Man merkte schon, wie sich Zora als Charaktere weiterentwickelt hatte. Obwohl sie traurig war, hielt sie ihre lockere Art aufrecht und erklärte ganz flockig das überaus praktische Luftschiff.

Aber das Ende war recht düster. Dieses Wesen hat tsächlich vor, diesem dreckigen Nepomuk zu unterstützen und seine "geliebte" zurückzuholen. Und das Wesen will tatsächlich Murphy ausknipsen. :~

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!
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Re: Braut auf der Flucht

#1312244 von KleinKokuna
25.12.2018, 19:37
Oh danke wieder für deinen schönen Kommentar, Donnerkralle :)! (Und das praktischerweise gleich zu Weihnachten^^.)

Es freut mich riesig zu lesen, dass du deinen Spaß an diesem Kapitel hattest. Hatte nämlich schon so meine Zweifel, ob ich die ganze Sache mit dem Leben in der Zuflucht nicht vielleicht etwas zu schnell 'hingeklatscht' habe; aber zum Glück scheinbar nicht :tja: :lol:.

Dieser dunkle Gang mit seinen Schrecken musste, find ich, einfach sein, als eine Art Gegenpool. Sonst hätte das Ganze wohl zu sehr nach lustig, fröhlichen 'Abenteuerurlaub' ausgesehen.

Und ja: Das Ende ist bewusst düster gehalten, denn - soviel kann ich verraten - dieses finstere Wesen wird den Zweien noch das Leben ganz schön schwer machen :evil: .
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Re: Braut auf der Flucht

#1312458 von KleinKokuna
31.12.2018, 19:15
Also jut, kurz bevor dieses Jahr zu Ende ist, will ich auch noch was nachlegen :D!

Ich präsentiere den Großteil des fünften Kapitels :trumpet:!
Die Unterkapitel sind kurz, knackig und wie ich schon erwähnt habe, kommt es hier wieder knüppeldick für die beiden^^. Und ich habe bewusst an dieser Stelle aufgehört, damit wir mit Spannung ins nächste Jahr gelangen :evil:!

Ich wünsche auf jeden Fall wie gehabt viel Spaß beim Lesen und einen guten Rutsch ins neue Jahr :)!
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Re: Braut auf der Flucht

#1312945 von Donnerkralle
12.01.2019, 10:32
Hier melde ich mich mal wieder mit meinem ersten Beitrag für 2019 :lol:

Ich finde dieses Kapitel echt cool und super gelungen! Am Anfang flogen die beiden seelenruhig mit ihren praktischen Luftschiff über die Nebelwälder.

Die Atmosphäre auf dem Schiff ist wirklich angenehm. Mir gefällt es, dass du nochmal das Luftschiff genau erklärt hast. Vor allem aber die Beschreibung der Landschaft hat mich echt beeindruckt.

Es fühlt sich so an, als wäre ich ebenfalls mit auf Bord. Hach, auf so einer Abenteuer Reise hätte ich jetzt auch Lust. :D

Dennoch schaffte es dieser Nepomuk die Reise zu verderben. Er durchbrach das Schild der Tempelvorsteher und schickte sogleich schwarze Wolken.

Dann begann auch schon der spannendste Teil! Während des schweren Sturms, wo blutrote Blitze zuckten, erschuf Nepomuk ein riesiges Wolken-Zapdos! Und das Wesen hatte es in sich!

Es tarnte sich in den Wolken und schickte von allen Seiten seine brutalen Blitze. Zum Glück gibt es Murphy, der die Angriffe aufhalten konnte, während Altan-Tschitschik im Regen versuchte, dass Schiff auf Kurs zu halten.

Murphy konterte schließlich mit Luftschnitt. Doch plötzlich, als das Wesen mit Sturzflug angriff.... und augenblicklich verschwand...Luftschnitt erwischt allerdings den Ballon. Eine raffinierte Idee und eine coole Szene!

Das Ende hat mich echt überrascht. Ich frage mich, was das für gruselige Cyborgs waren...(Der Sprite von Lilminip sieht richtig episch aus. Hast du das selber gemacht? :o )

Ich bin wirklich gespannt auf die Fortsetzung! Ein super Kapitel!
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Re: Braut auf der Flucht

#1312957 von KleinKokuna
12.01.2019, 18:20
Oh, wieder vielen lieben Dank für deinen Kommentar, Donnerkralle :)!

Dass dir das Kapitel bisher und die Beschreibung der Fahrt mit dem Luftschiff im Besonderen so gefällt, freut mich riesig. War eine der frühesten Ideen für diese FF, die ich unbedingt einbauen wollte^^. -Und dass das Luftschiff durch Murphys 'Schuld' abstürzen sollte übrigens auch :D! (Ursprünglich, weil er ein Lagerfeuer auf dem HÖLZERNEN Schiff entzündet, aber das wäre viel zu schusselig für ihn. Außerdem sollte Nepomuk nochmals in Aktion treten, deshalb die Sache mit dem falschen Zapdos und dem fiesen Trick, der viel besser passt^^.

Was es mit diesen Cyborgs auf sich hat, wird sich bald aufklären, doch am nächsten Unterkapitel arbeite ich noch. Da dies ein äußerst wichtiges wird, will ich mir Zeit und Muse lassen. Soviel möchte ich aber verraten: Da kommt es nochmals Hart auf Hart für meine Zwei und ein Kampf wartet auf Murphy, der den gegen das Wolkenzapdos in den Schatten stellen wird :]!

P.S: Jepp, der Sprite ist selbstgemacht. Genauer, hab halt das Original umgefärbt und mit diesen Robo-Details versehen. Soll eine Hommage an die Robo-Piraten aus Rayman 2 sein :D.
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Re: Braut auf der Flucht

#1313275 von KleinKokuna
Gestern, 15:15
Sodala, nun wäre auch das nächste Unterkapitel hochgeladen :)! Ist zwar nur ein einziges, aber es schließt das fünfte Kapitel ab und ist deutlich umfangreicher, als die drei davor. Und wie beim letzten Mal erwähnt, könnt ihr euch hier auf einen heftigen Fight und einen ganz besonderen Gegner freuen^^.

Damit wünsche ich viel Spaß beim Lesen und noch etwas Ruhe bis das Jahr wieder richtig anläuft :)!
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