Youtube versus Politik? - Was ...

#1315559 von Soemwriter
25.05.2019, 11:30
Youtube versus Politik?


Hallihallo alle miteinander,

diese Woche war ordentlich was los auf unserem Kontinent! Die Regierung unseres Nachbarn Österreich zerbricht an einem geleakten Video, Großbritanniens Premierministerin Theresa May weigert sich die Brexit-Farce im Parlament weiter zu unterstützen und bei uns in Deutschland sorgt ein Youtube-Video für gewaltiges Aufsehen.

Am letzten Samstag hat der Youtuber "Rezo ja lol ey" ein Video mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU" auf seinem Kanal hochgeladen. Bis heute wurde es insgesamt über 9 Millionen mal angeklickt. Darin rechnet der Künstler in jugendlicher Sprache konsequent mit der Politik der Unionsparteien (CDU/CSU) ab und führt darüber eine seitenlange Liste an Quellen für seine Ausführungen an - doch auch SPD und AfD bekommen ihr Fett weg. Natürlich reagierten die angesprochenen Politiker wenig erfreut und bezeichneten Rezos durchaus emotionales Meinungsbild als Propaganda. Die Krönung gestern: Rezo und über 90 Youtube-Kollegen posten auf ersteres Kanal einen offenen Brief auf dem die Zuschauer dazu aufgerufen werden, am Sonntag keine der vorher genannten Parteien zu wählen.

Und jetzt möchte ich wissen: was denkt ihr darüber? Findet ihr es gut, dass junge Menschen sich offen gegen die lahme Politik wehren? Oder findet ihr eher, dass hier eine klare Linie überschritten und der Versuch unternommen wird, auf junge Menschen bei der Wahl Einfluss zu nehmen? Würdet ihr das Video vielleicht sogar als Propaganda einstufen? Bitte bleibt in der Diskussion respektvoll und achtet andere Meinungen.

Und bitte: Wenn ihr bereits wahlberechtigt seid, geht morgen wählen!! Es geht um unser aller Zukunft. (außer ihr seid AfD-Anhänger - dann geht bitte am Montag wählen)


Ab hier beginnt meine eigene Meinung von daher: solltet ihr das Video noch nicht gesehen haben, würde ich euch empfehlen euch erst eine eigene Meinung darüber zu bilden. Das Video tauchte bereits am Montag in meinen Youtube-Empfehlungen auf, wo ich es ob des sehr provokanten Titels erstmal bewusst ignoriert habe. Für mich war klar: hier handelt es sich um einen lahmen Click-Bait. Ich bin am Mittwoch allerdings von Freunden darauf angesprochen worden und habe den Link in mehreren Whatsapp-Gruppen gesehen. Also entschied ich mich dem Trend zu folgen und mir das Video anzusehen.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits das Wort Propaganda in gewissen Chats gefallen und ich konnte mich nach wenigen Minuten dieser Meinung anschließen. Der junge Rezo instrumentalisiert Hintergrundmusik und eine emotionale Art der Anrede seinen Zuschauern gegenüber, um seine Darbietung zu unterstützen, was nichts mit seriösem Journalismus zu tun hat. Obwohl seine gelieferten "Fakten" 100% mit meiner Wahrnehmung und Meinung übereinstimmten, sah mich daher erstmal genötigt die Glaubwürdigkeit sämtlicher Quellen zu überprüfen. Das Ergebnis: die Anführungszeichen kann man weglassen - es sind Fakten!
Und da stehen wir mal auf einem komplett gegenteiligen Standpunkt zur CDU. Diese wirft nämlich in der Debatte nur mit inhaltsleeren Floskeln um sich, diffamiert Künstler wie Viewer gleichermaßen ("Jeder Like ein Armutszeugnis", FAZ) und bleibt am Ende sogar ein Antwort-Video schuldig.

Summa summarum bewerte ich demnach den Inhalt als Top, die Art der Präsentation als Flop. Aber halt! Das ist meine persönliche Meinung. Objektiv betrachtet, ist auch die Art der Präsentation eine Meisterleistung, denn sie hat dazu geführt, dass dieses Video viral ging und es sogar in die öffentlich rechtlichen und Print-Medien geschafft hat. Es ist ein weiterer Meilenstein in der Bewegung, die sich mit Fridays for Future angekündigt hat: Die Jugend dieses Landes wird immer politischer und plakatiert immer deutlicher, dass der Kurs der Bundesregierung in den letzten Dekaden zwar wirtschaftlich erfolgreich sein mag, aber uns alle die Zukunft kostet und zu einer größeren Schere zwischen Arm und Reich geführt hat, als in den letzten hundert Jahren.

Deshalb auch meine Bitte: Wenn ihr wählen dürft, dann geht wählen. Wenn ihr nicht wisst, wen ihr wählen sollt, dann stimmt ungültig ab, indem ihr den Stimmzettel irgendwie bemalt. Macht eure Stimme geltend - ob für eine Partei oder einfach nur gegen den aktuellen Kurs (aber bitte um Himmels Willen nicht für die AfD). Informiert euch und informiert eure Familie über den Zustand unserer Erde. An dieser Stelle würde ich euch gerne noch ein Video von maiLab und Eckart von Hirschhausen empfehlen - es ist eigentlich ein Reaktionsvideo auf Rezo, aber viel wichtiger wird hier in 22 Minuten der Zustand unseres Planeten und die Folgen des Klimawandels näher beleuchtet. Schaut euch zumindest die letzten drei Minuten an, wenn ihr nicht mehr Zeit habt!

In diesem Sinne! Haut rein und euch ein wunderschönes Wochenende!
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Re: Youtube versus Politik? - ...

#1315568 von TTJonas19
25.05.2019, 23:39
Ich gehe komplett mit deiner Meinung, Soem.

Rezos Video hatte natürlich nichts mit klassischem Journalismus zu tun, aber durch die Art und Weise wie er es präsentiert hat, gelangte es in alle (!) Medien und auch die CDU konnte es nicht länger unbeachtet lassen.

Die Hauptbotschaft aus diesem Video ist für mich: Junge Menschen werden weiterhin diskreditiert, ihre Bedürfnisse nicht ernst genommen und es wird über unsere Köpfe hinweg, über eine Zukunft entschieden, die unsere Generation direkt betrift, die machthabenden jedoch nicht mehr.

Und damit sich dies ändert, schließe ich mich Soems Aufruf an. Geht morgen zur Wahl. Denn nur wenn unsere Generation zu einem hohen Prozentsatz an der Wahl teilnimmt, raffen die Parteien, dass sie uns in ihrer Politik berücksichtigen müssen!
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Re: Youtube versus Politik? - ...

#1315585 von Pyro-Trainer
27.05.2019, 13:21
Politik ist ein sehr hoch sensibles Thema und mit großer Vorsicht zu genießen. Was hier klar und deutlich fehlt ist...
... Aufklärung! Und zwar aktive Aufklärung. Dies sollte optimal in der Schule geschehen und damit meine ich nicht,
dass man Abgesandte von den einzelnen Parteien in die Schule einlädt, dass sie ihr Programm runter beten und
parallel Einfluss auf die nächste Generation aus zu üben, sondern die einzelnen Parteien anhand ihrer offiziellen
Programme im Unterricht durch genommen werden:
- Was haben wir hier für eine Partei?
- Was bedeutet ihr Name ausgeschrieben?
- Was hat die vorliegende Partei für ein Programm?
- Was bedeutet dieses Programm?
- Welchen Einfluss könnte dieses Programm auf unser Leben/unsere Zukunft haben?
Und so weiter. Schlicht und einfach eine Analyse, welche sich die Schüler selbstständig erarbeiten müssen - zum
Beispiel im Fach "Politik".

Kritik an der Politik ist gut und schön, allerdings wird solche von der Politik sehr gerne ab geblockt. Sei es unter
"schlechter Propaganda" oder unter "Rechtsextremismus", auf diesem Wege geht man nicht aufeinander zu sondern
verschärft die Fronten eher - was eben wieder rum ein gefundenes Fressen für die rechtsorientierten Parteien ist -
oder wir stehen im schlimmsten Fall wieder da, wo die Weimarer Republik scheiterte - am mangelnden Engagement
der Bürger. Ergo, Kritik an sich finde ich gut. Aufmerksamkeit erregen finde ich gut. Aber an der richtigen Stelle um
dabei die richtigen Hebel zu bewegen und dafür ist neutrale Aufklärung unerlässlich. Wenn man die Politik richtig
verstehen lernt, kann man an der richtigen Stelle die richtigen Fragen stellen um es den Politikern möglichst schwer
zu machen gezielten Fragen aus zu weichen.

Es liegt sowie an uns den Kindern (und somit den neuen Wahlberechtigten) eine Welt zur Verfügung zu stellen, in der
sie vernünftig aktiv am Leben in der Bundesrepublik Deutschland - und somit in der Europäischen Union - teilnehmen
können. Und hier stehen sowohl wir, die Politiker und die kommenden Wähler in der Pflicht gemeinsam daran zu
arbeiten. Denn oftmals sind es auch wir Eltern (Familie überhaupt), Freunde und Bekannte welche den Kindern das
Gefühl vermitteln, dass die Politik (Demokratie) im Grunde sinn - und nutzlos ist, da wir eh keinen gezielten Einfluss
darauf haben und unsere Politiker (Vertreter) doch sowieso nur das tun was sie wollen - ihre eigenen Interessen zu
vertreten.
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