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Pokémon Nèmesis [zuletzt akt...

#736084 von Rumo
21.11.2010, 18:12
Letzte Aktualisierung: 14.5.:

6. Szene: Mittagsdämmerung


Inhaltsverzeichnis:
Achtung! Die kurzen Texte unterhalb der jeweiligen Kapitelüberschriften sind Zusammenfassungen des kompletten Kapitels. Sie sind daher nicht dazu gedacht, gelesen zu werden, bevor man das jeweilige Kapitel liest, sondern vielmehr um zu erfahren, "was bisher geschah". Also zum Beispiel dann, wenn das letzte Update schon so lange zurück liegt, dass man sich nicht mehr an die vorangegangenen Kapitel erinnern kann, wenn jemand erst später in die Geschichte einsteigen oder aber auch einfach mal zwischendrin das ein oder andere besonders spannende Kapitel überspringen möchte.
Dementsprechend wird es auch zu dem jeweils aktuellsten Kapitel in der Regel noch keine Zusammenfassung geben.
  • Vorspiel
    • Prolog
      Eine Reise mit dem Großen Strom von den schneebedeckten Gipfeln der Hohen Bergen des Nordens, durch den großen Wald und hinab bis zu den unendlichen Weiten des Südmeers.
      Und in der Mitte dieses Stroms eine kleine, auf den ersten Blick ziemlich unscheinbare Insel, gekrönt von einem erstaunlich jungen Vulkanberg, an dessen Füßen man auf den zweiten Blick ein kleines, höchst außergewöhnliches Dorf entdecken kann.
    • 1. Akt - Der Bote
      1. Szene: Durchs Dorf
      An einem wunderschönen Morgen beschließen die Freunde Tesla und Tanur einen kleinen Ausflug zum Großen Strom zu machen, in dessen Mitte ihr Dorf liegt. Genau genommen beschließt das eigentlich nur Tesla - aber Tanurs Neugierde ist schließlich größer als seine Müdigkeit (und sein Hunger), so dass auch er sich auf den Weg macht, seiner Freundin zu folgen.
      Dieser Weg führt die beiden erst einmal quer durch ihr gerade im Erwachen begriffenes Heimatdorf - vorbei am Haus des Dorfweisen te'Laxù-utl und dem Marktplatz des Dorfes, nach einem kurzen (und für Tesla auch schmerzhaften) Zusammentreffen mit Ma'Kanga weiter über einen schmalen Kanal und schließlich durch den Wall und über den Graben, die das Dorf umgeben, aus diesem hinaus.
      Als jedoch Tanur den Rand des Waldes erreicht, der das Dorf von drei Seiten umgibt, ist Tesla breits längst darin verschwunden...
      2. Szene: Im Wald
      Schließlich betritt, nach einigem Zögern, auch Tanur den das Dorf umgebenden Wald und folgt Teslas Spuren. Dabei treibt ihn nicht nur der Ehrgeiz sich von seiner Freundin nicht zu sehr abhängen zu lassen an, sondern vor allem das seltsame Gefühl beobachtet zu werden: Von unsichtbaren Gesitern, den Bäumen, dem Wald - oder vielleicht sogar allen zusammen.
      Umso erleichterter ist er - nach einem kurzen Moment des Erschreckens - als er einer guten Bekannten, der Wabenbiene Apina Suma, begegnet. Denn diese begleitet ihn nicht nur ein Stück des Weges, sondern zeigt ihm auch noch eine Abkürzung, mit deren Hilfe er den Abstand auf Tesla deutlich zu verkürzen hofft. Nur noch ein kurzes Stück entfernt von einem kleinen See, den die Dorfbewohner Fischteich nennen, trennen sich ihre Wege schließlich wieder.
      Als Tanur aber - schon in Hörweite des Sees - eine kurze Rast einlegt und sich dazu an einen der alten Bäume lehnt, macht er eine ebenso unglaubliche wie erschreckende Erfahrung: Der Baum lebt - und er scheint nicht gut auf ihn zu sprechen zu sein...

      .

      3. Szene: Am Fischteich
      Als jedoch wenig später Tesla herbei gelaufen kommt, steht der Baum wieder so still und stumm da, wie jeder andere Baum auch. Trotzdem fühlt sich Tanur an diesem Ort alles andere als wohl und so gehen die beiden zu dem kleinen Waldsee hinab, wo sie sich alsbald an dessen Ufer setzen und sich daran machen ihr Mittagessen zu angeln. Obwohl dies zunächst nicht recht klappen will, beißt schließlich doch noch etwas an - oder besser gesagt: jemand!
      Dieser jemand hört auf den überaus stolzen Namen Lord Moebius von und zu Fischteich und versorgt die hungrigen Wanderern nicht nur mit einer etwas seltsamen Geschichte von Seeköniginnen, Generälen, uralten Verträgen und neuen Bündnissen, sondern auch mit der lang ersehnten Mahlzeit. Frisch gestärkt machen sich die beiden schließlich wieder auf den Weg, als plötzlich ein Baum in ihrem Weg steht - DER Baum! Und inzwischen ist er offenbar wieder aufgewacht.
      So schnell sie nur können, rennen die beiden davon, nur weg von dem Baum und dem See, immer tiefer hinein in den unbekannten Wald...
      4. Szene: In der Grube
      So sind sie schließlich dem Baum entkommen und dafür im Wald gefangen. Denn sich den Rückweg zu merken, daran offenbar hat keiner der beiden gedacht. Glücklicherweise ist Tanur aber ein Bär und wer ein echter Bär sein will, der hat selbstverständlich einen exzellenten Orientierungssinn. Einen Sinn, der einen immer wieder nach Hause führen kann - meistens zumindest und auch nur, wenn man nicht, wie in diesem Fall, plötzlich vor einem tiefen Loch im Waldboden steht und in dieser Grube ein tobendes Männchen namens Colo sitzt. Da eben dieser zwar nicht alleine aus der Grube kommt, dafür aber sicher weiß, wohin es zurück zu dem kleinen Dorf geht, liegt es natürlich nahe sich gegenseitig zu helfen - zumindest für Tesla und Tanur. Für das seltsame Männchen aber offenbar weniger, denn kaum ist es aus seiner misslichen Lage befreit, verfrachtet es seine beiden Retter in eben diese Grube und macht sich alleine wieder auf den Weg.
      Nun sitzen also die beiden Kinder in dieser verflixten Grube, aus der es ohne Hilfe von außen kein Entkommen zu geben scheint. Zu allem Überfluss naht der Abend und schon bald dringt kein Sonnenstrahl mehr auf den Boden der Grube, als plötzlich ein Schatten am Rand der Grube erscheint - der Schatten eines Baumes...

      .

      5. Szene: Nach Hause
      Besagter Baum jedoch erweist sich nicht nur als weit weniger gefährlich als gedacht, sondern stellt sich darüber hinaus als alter Freund von Tanurs Großvater Tajor heraus. Anstatt aufgefressen zu werden, werden die beiden also aus ihrem Gefängnis geholt und der Baum bietet ihnen an sie nach Hause zu bringen. Arbores heiße er, erzählt ihnen ihr Retter, und noch vieles mehr von Gruben und Spionen, von sich und dem Flüstern des Waldes. Wäre Tanur nicht so unglaublich müde von diesem aufregenden Tag gewesen, er hätte eine Menge interessanter Geschichten erfahren können aus dem Leben eines wandernden Baumes.
      Schließlich verabschieden sie sich am Waldrand voneinander, nicht jedoch ohne noch eine weitere kryptische Botschaft an Tanurs Großvater aufgetragen zu bekommen: Über einen General, der irgendeine Festung verlassen und sich auf den Weg hierher gemacht hätte. Was das zu bedeuten hat erfahren sie jedoch nicht mehr, denn als Tanur endlich zu Hause ankommt, hat Tajor den Dorfweisen te'Laxù-utl zu Gast, mit dem er eine hitzige Diskussion führt. Sein Enkel beschließt diesen Tag so alleine mit einer ausgiebigen Brotzeit in seinem Schlafraum...

    • 2. Akt - Aufstieg
      6. Szene: Mittagsdämmerung
      Das neueste Kapitel vom 14. Mai


Vorspiel


„Ist es soweit?“
„Es ist alles bereit.“

„Aber alles ist so ruhig – die ganze Welt scheint in einen tiefen Schlummer versunken!“
„Die Ruhe ist trügerisch – und die Welt steht kurz vor dem Erwachen.“
„Was ist mit ihm? Ist er denn schon wach?“
„Er schläft schon lange nicht mehr und ist bereits auf dem Weg.“
„Und sie...“
„...haben die Augen noch fest geschlossen und schlafen doch unruhig, von Alpträumen gequält.“
„Einen Traum kann man aber nicht als solchen Erkennen, solange man schläft – geschweige denn ihn deuten.“
„Der Morgen ist bereits angebrochen und des Erwachens nicht mehr fern – denn einen Boten hat er vorausgesandt.“
„So leicht macht er es ihnen? Er selbst weckt seine Feinde am Morgen der Entscheidung?“
„Er will nicht länger warten.“
„Hat er denn nicht alle Zeit dieser Welt?“
„Die hat er – doch ist seine Geduld weit geringer bemessen als seine Zeit. Er wünscht sich den Tag, noch ehe der Morgen begonnen hat.“

„Und wo wird es beginnen?“
„Dort...“
Bild
Pokémon Nèmesis
Prolog


„Dort“ war eine weite, in allen nur erdenklichen Grüntönen gesprenkelte Fläche, die sich erstreckte soweit das Auge reichte: Erst ganz oben, am Rande des Blickfeldes wurde sie zunehmend von grauen, aus dem grünen Teppich herausragenden Falten durchsetzt, gekrönt von kleinen weißen Flecken, die, je weiter man nach oben kam, schnell zahlreicher und größer wurden, bis sie schließlich zu einer einzigen alles überziehenden, makellos weißen Decke verschmolzen. Unten dagegen endete das Grün abrupt, wurde verdrängt von einem tiefen, reinen Blau, in das sich nur einzelne kleine grüne Punkte hinein verirrten, die jedoch schnell weniger wurden je weiter man sich von der großen grünen Fläche entfernte. Diese wiederum ließ ihrerseits so gut wie keinen Raum für andere Farben als grün in allen Schattierungen. Lediglich eine schmale blaubraune, nach unten breiter werdende und schließlich in dem weiten Blau am unteren Ende aufgehende Linie wagte es, das Grün einmal schnurgerade von oben nach unten zu durchschneiden.

„Dort“ war, wie man bei näherer Betrachtung erkennen konnte, ein unglaublich großer Wald, der die gesamte Ebene von der fernen Küste des südlichen Meeres bis hinauf zu den tief verschneiten Bergen des hohen Nordens bedeckte. Durchtrennt wurde er von einem gewaltigen Strom, der hier oben, am Rande des ewigen Winters seinen Ausgang nahm:
Unzählige kleine Rinnsale entsprangen den sich zwischen den Berggipfel hindurchzwängenden Gletscherzungen, plätscherten fröhlich über die davor liegenden Kiesbänke, überkreuzten sich, flossen ineinander und trennten sich wieder, stauten sich in kleinen klaren Pfützen, überwanden die Dämme aus Kies und Geröll und stürzten sich schließlich übermütig die stetig steiler werdenden Abhänge hinab. Immer schneller werdend rauschten sie über Klippen und durch Schluchten, in brausenden Wasserfällen und gurgelnden Strudeln den Tälern entgegen.
Dort angekommen kamen sie ein wenig zur Ruhe, schlängelten sich zwischen den Hohen Bergen hindurch und nahmen dabei die überall von den Hängen herabstürzenden Bäche in sich auf. Weiter ging es mal langsam und gemächlicher durch weite, in längst vergessenen Tagen von gewaltigen Gletschern ausgeschürfte Becken, mal schnell und reißend durch enge erst von den Flüssen selbst in den Berg getriebene Einschnitte, bis die Berge schließlich mit einem Mal ganz zurück traten und die Flüsse über donnernde Wasserfälle hinab in das freie Land brausten.
Doch obwohl sie froh der Enge und dem Schatten der Berge entkommen zu sein munter und das Sonnenlicht genießend durch die weite Ebene flossen, konnten sie sich auch noch nicht ganz von dem Gebiet ihrer Quellen losreißen und so flossen sie am Rand des Gebirges entlang, bis sie sich schließlich am Fuße des am weitesten in den Süden hineinragenden Berges sammelten, um von dort nach einer kurzen Rast in dem flachen, kristallklaren See als ein großer Strom den langen Weg in den fernen Süden anzutreten.
Dieser neue, breite und nahezu sämtliche Flüsse, Bäche und Rinnsale der nördlichen Berge in sich vereinigende Strom bewegte sich kaum weniger schnell, jedoch nicht mehr in munteren Kurven und übermütigen Kaskaden, sondern nahezu perfekt gerade und in stetig gleichem Tempo auf den Rand des Großen Waldes zu, der erst in einigem Abstand von dem eiskalten Gletschersee begann und auch vor dem ihm entspringenden Strom zunächst respektvoll zurückwich. Und erst nach vielen Meilen, in denen die Sonne seine Oberfläche erwärmt und die warmen Wasser der aus dem Wald auf ihn zuströmenden Flüsse sich mit dem seinen vermischt hatten, wagten sich die Bäume vorsichtig näher heran. Zaghaft streckten sie zunächst ihre Wurzeln ein wenig in sein Wasser, wuchsen dann näher an das Ufer heran, darüber hinaus und tauchten schließlich auch ihre Äste ins kühle Nass. Der Rand des Stromes verschwand so allmählich unter einem Geflecht aus Bäumen, Sträuchern und Wasserpflanzen, die in den nun deutlich verlangsamten Randgebieten des Flusses ebenfalls Halt finden konnten.
Davon völlig unbeeindruckt aber rauschte das Wasser in der Mitte des Stroms weiter mit ungebremster Schnelligkeit und unveränderter Richtung gen Süden. Lediglich ein einziges Mal – etwa auf halben Weg von den Bergen des Nordens zum Südmeer – wich der mächtige Strom einmal für eine kurze Strecke von seiner eingeschlagenen Richtung ab, teilte sich in zwei kleinere Arme um Platz zu machen für eine kleine von einem hohen Vulkanberg gekrönte Insel.
Nur äußerst widerwillig ließ sich der Fluss von seinem Weg abbringen, mit voller Wucht prallte er gegen die Flanke des Berges, die er inzwischen zu einer vollkommen glatt polierten, teils senkrechten, teils sogar überhängenden Felswand abgeschmirgelt hatte. Einzelne, hoch aufragende Basaltsäulen, die ihren Platz besonders erbittert verteidigt hatten, standen von weißer Gischt umhüllt einsam inmitten des brodelnden Wassers, das zornig aber letztlich vergeblich gegen die unverrückbare Felswand stieß, von dort zurück prallte, gegen die ständig nach strömenden Wassermassen geworfen und so schließlich doch von seinem eigentlichen Weg ab und nach links und rechts an dem Bergmassiv in seiner Mitte vorbei gedrückt wurde. Kaum war dieses jedoch umflossen, drängten die beiden getrennten Flussarme mit aller Macht wieder zurück in ihr eigentliches Flussbett und vereinigten sich bald darauf erneut zu einem einzigen, mächtigen Strom, der zielstrebig weiter dem Meer entgegen floss.
Dabei wurde er nun, je weiter er nach Süden kam, doch allmählich wärmer, schwerfälliger und breiter. Auch seine Farbe änderte sich von blau zu braun, immer mehr von dem Schlamm und Dreck, den er auf seiner weiten Reise in sich aufgenommen und mitgerissen hatte, lagerte er wieder ab und wurde so zunehmend flacher. Sandbänke tauchten in der Mitte des Flusses auf, kleine Inseln entstanden daraus und teilten ihn in mehr und mehr Arme. Die Ufer traten weiter und weiter zurück, überließen dem Fluss immer mehr Raum und verschwanden schließlich völlig. Der Fluss, endlich an seinem Ziel angelangt, ergoss sich in die warmen Fluten, die ihm hier entgegenkamen, und verschmolz mit dem tiefblauen, unendlich weiten Südmeer.

„Dort“ war die kleine unscheinbare Insel, die sich, einsam und von der Außenwelt abgeschnitten, inmitten des mächtigen Stroms gelegen, auf den ersten Blick in Nichts von den scheinbar grenzenlosen Waldgebieten an den beiden anderen Ufern unterschieden hätte, wäre da nicht der hoch über die gesamte Landschaft aufragende Berg gewesen, der an ihrem nördlichen Ende thronte und, indem er den Großen Fluss dazu zwang von seiner eingeschlagenen Richtung abzuweichen, die Insel erst geschaffen hatte.
Dieser Berg hatte, trotz seiner beeindruckenden Größe und obwohl sein von Wind und Wetter verwittert Gipfel wie ein uralter Überlebender aus längst vergessenen Zeiten wirkte, erst ein erstaunlich kurzes Leben hinter sich – zumindest für einen Berg. Und dennoch hatte er darin schon mehr erlebt als jeder andere Berg und sollte bald auf eine ereignisreichere Geschichte zurückblicken können als selbst sämtliche Berge des Nordens zusammen. Schon seine Geburt war in eine der bewegtesten Epochen der Geschichte gefallen und war doch spektakulär genug gewesen, um alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und so die Geschicke der Welt, in die er soeben erst hineingeboren war, entscheidend zu verändern.
Feuer, Hitze und Rauch begleiteten seine kurze Kindheit und Jugend. In gewaltigen Schüben erhob er sich bis zu seiner heutigen, beeindruckenden Höhe - innerhalb einer Zeitspanne, die für einen Berg kaum mehr als ein paar Augenblicke bedeutete. Dann aber beruhigte er sich ebenso unvermittelt wie er ins Leben getreten war, kühlte ab und schlief schließlich ganz ein – und mit ihm die gesamte Welt.
So lag er nun da, seit zahllosen Wintern und Sommern in tiefem Schlummer, sein nördlicher Fuß umspült von den Wassern des großen Stroms, sein südlicher Fuß fest verwurzelt auf der mit dichtem Wald bewachsenen Insel. Und genau an dieser Stelle, wo Berg und Wald einander berührten, lag etwas, das diese Insel weit und breit, am gesamten Strom, ja vielleicht sogar in der ganze Welt zu etwas wirklich einzigartigem machte: Ein kleines, unscheinbares, kreisrundes Dorf.
Dieses Dorf war nur unwesentlich jünger als der Berg, an dessen Fuß es sich schmiegte, und wenigstens ebenso außergewöhnlich: Kein Haus glich dem anderen, jedes war für sich genommen einzigartig, sei es nun in Form, Farbe oder Größe. Fast hatte es den Anschein, als wäre ein verrückter Architekt mit einer Zeitmaschine kreuz und quer durch alle Epochen und Länder gereist, hätte sich dabei immer wieder einzelne Gebäude herausgepickt und diese dann wild durcheinander gewürfelt über das kleine Dorf verteilt. Und so ließ auch die Verteilung der Häuser und der Aufbau des Dorfes keinerlei Planung oder klare Struktur erkennen. Keine großen, repräsentativen Gebäude gab es hier, keine weiten, geschmückten Plätze, nicht einmal nur eine einzige breite, geteerte Straße, sondern nur schmale, holprige Pfade, die kreuz und quer von Haus zu Haus, wild durcheinander und scheinbar ohne Ziel das Dorf durchzogen.
Ein wirklich seltsames Dorf war es: Keine Karte dieser Welt kannte dieses Dorf, kein Weg führt zu diesem Dorf und kein Schild stand am Eingang dieses Dorfes um den Reisenden, der es besuchte, zu begrüßen und ihm den Namen dieses Dorfes zu verraten. Denn es kamen keine Reisenden in dieses Dorf – schon Jahrzehnte war es her, dass jemand von außerhalb einen Fuß in dieses Dorf gesetzt hatte. Und den Bewohnern dieses Dorfes war das nur recht so.

Das heißt allen, bis auf zwei:
1. Akt - Der Bote
    1. Szene: Durchs Dorf

„He, Tesla, komm doch mal rauf - von hier oben kann man das ganze Dorf sehen. Den ganzen Wald, sogar bis runter zum Großen Fluss kann ich von hier sehen. Worauf wartest du denn eigentlich noch?“
„Oh man, Tanur, das ist gemein – du weißt genau, dass ich nicht so gut klettern kann wie du. Schließlich habe ich auch keine meter-langen Krallen wie du...“
„...aber dafür eine ordentliche Portion Höhenangst. Hier rauf wagen sich eben nur die aller Mutigsten, denen es nichts ausmacht vor einem solchen schwindelerregenden Abgrund zu stehen.“
„Pah - der größte Schwindler hier bist ja wohl immer noch du... “
„...und du versuchst schon wieder vom Thema abzulenken – gib doch einfach zu, dass du dich nicht traust!“
„Ach was – ich will da doch überhaupt nicht rauf“
„Und der tolle Blick von hier oben?“
„Sobald ich mal groß bin, kann ich den auch von hier unten aus genießen ohne auf irgendwelche wackeligen Steine klettern zu müssen.“
„Als ob du jemals groß werden würdest...“
„Warum denn bitte nicht?“
„Wegen der Höhenangst?“
„Blödmann! Du wirst schon noch staunen, wenn ich eines Tages die Flöhe auf deinem Kopf zählen kann.“
„Pfff, dann wachse ich halt einfach schneller als du – mein Großvater ist schließlich auch größer als dein Pa. Und bis dahin genieße ich den Ausblick und beschreibe ihn für die kleingewachsenen Angstschafe: Meister te'Laxus Baumhaus, Ma Kangas Haus, der Dorfplatz, dein Haus, die Felder, Apienax' Burg. Den grünen Wald, aus dem der weiße Morgennebel aufsteigt, der Fluss, auf dem sich die ersten Sonnenstrahlen...“
„Ach, weißt du was? Wenn ich den Fluss unbedingt sehen will, dann schaue ich ihn mir doch lieber gleich aus der Nähe an...“
Und während sie das noch zu ihrem Freund hoch rief, drehte sich Tesla bereits um und rannte in weiten Sätzen den Abhang hinab.
„He, Moment mal, dahin dürfen wir doch gar nicht ... warte doch auf mich – Tesleria!“ Das nämlich war Teslas eigentlicher Name, nur nannte sie niemand so, außer ihren Eltern, wenn sie böse auf sie waren, oder eben Tanur, wenn er so tat als wäre er böse auf seine Freundin. Doch Tesla hörte ihn schon nicht mehr und so blieb Tanur nichts anderes übrig als so schnell er konnte von seinem Ausguck herunter zu klettern und sich an Teslas vier Fersen zu heften, die inzwischen schon fast den Fuß des Berges und damit den Rand des Dorfes erreicht hatten.
„Hey ... HEY! Das ist unfair – du weißt genau, dass ich nicht so schnell rennen kann wie du. Immerhin hast du viel längere Beine als ich – und davon außerdem noch doppelt so viii – ahhh“ und mit einem Mal schien es als hätte er überhaupt keine Beine mehr, sondern wäre nur ein braunes Fellknäul, das immer schneller werdend den Hang hinunter auf das erste Haus zu rollte.
„Ah, Aua, au“, schrie er, was ihn aber, wie er feststellen mussten, kein bisschen langsamer machte, sondern nur dazu führt, dass er auf einmal büschelweise Gras im Maul hatte. Also fuhr er die Krallen aller seiner vier Pfoten aus und versuchte verzweifelt sich irgendwo festzuhalten. Auch das funktionierte zwar nicht ganz so wie gedacht, da der Boden trocken und der Bewuchs daher sehr locker war, aber immerhin führte es dazu, dass er langsamer wurde und so schließlich fast schon sanft gegen die aus Felsbrocken verschiedenster Größe aufgeschichtete Wand eines igluförmigen Hauses kullerte.

Schnell rappelte er sich auf, schüttelte den Dreck aus seinem Fell, spuckte das Gras aus und schaute sich um: Sein ungewollt rasanter Abstieg hatte Teslas Vorsprung ein wenig verkürzt, aber sie war ihm immer noch ein ziemliches Stück voraus und er musste sich beeilen, wenn er sie im Irrgarten der Häuser nicht aus den Augen verlieren wollte.
Unwillig brummelte er und spuckte noch einmal ein paar Grashalme sowie ein Gänseblümchen aus. Seiner Meinung nach war es noch entschieden zu früh am Morgen für so viel Bewegung und überhaupt war es ein Unding am Wochenende noch früher aufzustehen als an Schultagen. Aber als heute morgen mit den ersten Sonnenstrahlen Tesla in seine Höhle gestürmt war, hatte sie ihn nicht nach seiner Meinung gefragt, sondern nur behauptet, dass man so einen wunderschönen Sommertag doch nicht auf der Strohmatte verschlafen dürfe. Tanur war sich da zwar nicht so sicher, aber verpassen wollte er natürlich auch nichts.
Und so blieb ihm jetzt wie schon heute morgen nichts anderes übrig als sich auf seine Hinterbeine zu stellen und in Bewegung zu setzen. So schnell er konnte rannte er dem weißgelben Wollknäuel hinterher, das vor ihm über Stock und Stein hüpfte, merkte aber schon bald, dass er so nicht mit ihr mithalten konnte. Daher ließ er sich im Laufen nach vorne auf alle Viere fallen und sprang nun mehr als dass er lief weiter seiner ihm vorauseilenden Freundin hinterher. Fast sah er dabei mit seinen großen Ohren, seinem buschigen Schwanz und dem Gras, das ihm immer noch zwischen den Zähnen klebte, aus wie ein etwas zu groß geratener Hase.
Selbst der Dorfweise te'Laxù-utl, der sonst viel Wert auf seinen immer ernsten und unbewegten Gesichtsausdruck legt, konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als er Tanur unter seinem Baumhaus vorbeihoppeln sah. Wobei die minimale Veränderung der Stellung seines Unterschnabels sowieso niemand außer ihm als den Ausdruck irgendeiner Emotion hätte deuten können. Vor sich selbst entschuldigte er diesen Ausrutscher damit, dass ihm nun schon seit Tagen kein einziger wirklich erholsamer Schlaf vergönnt gewesen war. Da er aber gleichzeitig als Dorfvorsteher mit gutem Beispiel vorangehen musste, konnte er selbstverständlich auf solche Kleinigkeiten keine Rücksicht nehmen und so trat er auch heute unbeeindruckt davon wie jeden Tag zu dieser Zeit aus seiner Behausung heraus um den Morgen zu begrüßen und sein Tagwerk zu beginnen. Und zwar so exakt zum gleichen Zeitpunkt wie an jedem anderen Tag, dass man seine Uhr danach hätte stellen können – wenn irgendjemand in diesem Dorf eine solche besessen hätte.
Jedenfalls schloss er seine Augen nun wieder, machte einen Schritt nach vorne und schwebte langsam zum Boden hinab. Erstaunlicherweise landete er dabei, an exakt dem Punkt, an dem er schon seit er hier lebte jeden Tag um exakt diese Uhrzeit zu landen pflegt. Noch erstaunlicher aber war, dass er dabei nicht nur die Augen, sondern auch seine Flügel fest geschlossen hielt. Erst in dem Moment, in dem seine Füße den Boden berührten, streckte er schließlich seine weißen Schwingen aus um möglichst viele der warmen Strahlen der erst knapp über den Bäumen stehenden Sonne aufzufangen.

Aber davon bekamen Tesla und Tanur schon nichts mehr mit, denn sie waren längst ein ganzes Stück weiter und rannten soeben am Marktplatz vorbei, der sich etwa in der Mitte des Dorfes befand und gleichzeitig dessen einziger gepflasterte Platz war.
„Ach weißt du“, rief Tesla gerade nach hinten in die Richtung, in der sie ihren Freund vermutete, „wenn du mir nicht hinterher kommst, kannst du doch auch hier bleiben und einen kleinen Marktbrummel machen. Wenn ich wieder da bin, kann ich den Zurückgebliebenen ja alles Sehenswerte beschreiben: Den dunklen, kühlen Wald, den in der Sonne glitzernden Fluss und was es da eben sonst noch alles zu sehen gibt.“
Tanur brummelte missmutig – die Vorstellung den Vormittag, gemütlich auf dem warmen Pflaster des Marktplatzes zu verbringen, dabei vielleicht noch von dem ein oder anderen Händler die ein oder andere Zwischenmahlzeit geschenkt zu bekommen oder gar von einem der Dorfbewohner zu einem zweiten Frühstück eingeladen zu werden – so man die paar Happen, die er sich heute beim Verlassen der Höhle noch schnell ins Maul gestopft hatte, überhaupt als vollwertiges erstes Frühstück bezeichnen konnte -, war überaus verlockend und machte ihm das Laufen nicht gerade leichter. Zugeben konnte er das aber natürlich auf keinen Fall und so erwiderte er erst einmal gar nichts und sammelte Gedanken und Puste für eine schlagfertige Antwort.
Diese Mühe allerdings hätte er sich sparen können, denn als Tesla den Kopf wieder nach vorne wandte, schob sich plötzlich von links etwas großes braunes in ihr Blickfeld. Vor Schreck vergaß sie vollkommen mit dem Laufen aufzuhören und anzuhalten, was sich jedoch im nächsten Moment sowieso von alleine erledigte. Und da das Hindernis nicht nur groß und braun, sondern auch schwer und ziemlich hart war, sah Tesla infolge des Zusammenstoßes erst einmal nur noch blitzende Funken vor ihren Augen tanzen. Mehrmals schüttelte sie ihren Kopf um diese zu verscheuchen, dann blickte sie vorsichtig nach oben: Ein mit glatten braunen Knochenplatten gepanzertes Bein, ein bis weit über den Rand mit Obst und Gemüse gefüllter Beutel, breite, ebenfalls gut gepanzerte Schultern und schließlich ein gewaltiger Kopf mit verhältnismäßig kleinen Augen, die ein wenig müde und ziemlich überrascht auf das gelbe Wollknäuel herabblickte, das da gerade eben plötzlich von rechts aufgetaucht war.
Doch noch bevor Tesla das Gesicht richtig zuordnen konnte, schob sich schon ein gewaltiger Arm in Teslas Blickfeld und jemand tätschelte sanft ihren blauen Kopf. „Hast du dir weh getan?“, fragte eine sanfte, tiefe Stimme von hoch oben. „Nein, nein, alles in Ordnung“, antwortete Tesla nicht ganz wahrheitsgemäß während sie versuchte wieder auf die Beine zu kommen, „nichts passiert!“
Noch einmal schüttelte sie ihren Kopf, machte zwei Schritte zur Seite und bewegte sich dann vorsichtig wieder nach vorne. Erst als sie schon im Begriff war wieder loszulaufen, kam ihr in den Sinn, dass es ja eigentlich sie gewesen war, die unachtsam und damit Schuld an dem Zusammenstoß gewesen war. „Tschuldigung – ich hab' Sie einfach übersehen“, murmelte sie daher noch im Vorübergehen, diesmal aber ohne den Kopf dabei umzuwenden, und beschleunigte dann wieder ihre Schritte um Tanur keine Möglichkeit zum Aufholen zu geben.
Dieser hatte die ganze Szene aus sicherer Entfernung beobachten können, und war daher nicht nur in der Lage elegant dem immer noch etwas verwirrt dastehenden, braunen Hindernis auszuweichen, sondern konnte ihm auch noch ein freundliches „Guten Morgen, Ma Kanga – wie geht's Kampi? Und Ihnen selbst?“ zurufen. Von Ma Kangas Antwort allerdings bekam er nur noch das „Ebenfalls einen guten Morgen, Tanur! Meinem Sohn geht’s zum Glück schon wieder etwas besser, aber ich habe letzte Nacht kein...“ mit, dann bog er um die nächste Ecke und war bald darauf nicht nur außer Sicht- sondern auch außer Hörweite.

Tesla wiederum war noch eine Ecke weiter und hielt gerade schnurstracks auf einen der kleinen Kanäle zu, die von dem unterhalb des Marktplatzes liegenden See ausgehend das ganze Dorf durchzogen. Genauer gesagt rannte sie in Richtung der schmalen Brücke, die zwei durch den Kanal getrennten Dorfteile miteinander verband. Und diese Brücke war, wie die aus schmerzhafter Erfahrung zwar nicht unbedingt klug aber doch klüger gewordene Tesla diesmal rechtzeitig sah, versperrt. Von einem kleinen, weißen Männchen, welches unter dem einen Arm ein Paket Holzbalken hielt, die mindestens doppelt so lang wie das Männchen hoch waren, mit dem anderen einen riesigen Holzeimer umschlang, aus dem immer wieder Tropfen einer roten Flüssigkeit schwappten, und auf dem Kopf eine randvoll mit allen möglichen Werkzeugen gefüllte Kiste balancierte, die wiederum von einer großen weißen Mütze gekrönt wurde.
Doch gerade als Tesla abbremsen wollte um erst das voll bepackte Männchen die Brücke überqueren zu lassen, machte dieses mit einer ziemlich verwegenen Drehung kehrt und tappte gefährlich schwankend zurück zum anderen Ufer. Tesla nahm dieses Angebot gerne an und rannte weiter auf die Brücke zu, darüber hinweg und mit einem kurzen „Dankeschön, Stavo“ an dem weißen Männchen vorbei.
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„Keine Ursache, Tesla. Ich weiß doch, dass ihr Jungen es immer eilig habt. Und wir Alten sind sowieso für jede Pause dankbar, die man uns gönnt.“, antwortete dieses und winkte der sich schnell entfernenden Tesla freundlich mit seinem in einem grün gefärbten Pinselkopf auslaufenden Schwanz hinterher. Dann gähnte Stavo ausgiebig und machte sich zum zweiten Mal daran seinen Weg fortzusetzen. Doch kaum hatte er den ersten Fuß auf die Brücke gesetzt, den Mund geschlossen und die Augen wieder geöffnet, sah er einen etwas zu groß geratenen, braunen Hasen vom anderen Ufer aus auf die Brücke zu eilen.
Also drehte sich Stavo erneut schwungvoll um, verließ die Brücke und trat einen Schritt zur Seite. „Aber das wäre doch nicht nötig, Herr Fargál“, rief ihm Tanur im Vorüberlaufen zu. „Keine Ursache, Tanur“, gab dieser zurück und schaute den beiden Freunden nach, bis sie schließlich kurz hintereinander um die nächste Häuserecke bogen und aus seinem Sichtfeld verschwanden. „Stavo da Fargál, du wirst allmählich alt.“, sagte er zu sich selbst und gähnte noch einmal herzhaft, „Kaum hast du mal ein paar Nächte keinen Schlaf gefunden, schläfst du schon fast im Stehen ein.“ Dann drehte er sich er sich zum dritten Mal um – diesmal noch schwungvoller als zuvor, um die aufkommende Müdigkeit aus seinem Kopf zu verscheuchen.

Als Stavo da Fargál es, nachdem er sich gleich dreimal vergewissert hatte, dass ihm diesmal niemand die Brücke streitig machen würde, endlich wagte den Kanal zu überqueren, waren Tesla und Tanur bereits am Rand des Dorfes angelangt. Die Häuser wichen weiter auseinander, machten Platz für große Gärten mit Obstbäumen und Gemüsebeeten, der Weg wurde breiter und verlief sich schließlich in einer großen Wiese. Dahinter tauchte nun auch der alte Ringwall auf, der das Dorf von drei Seiten umschloss. Einen großen Schutz bot dieser Wall allerdings schon lange nicht mehr. Die Wallkrone war schon fast überall in den davor liegenden Graben hinabgeruscht, an mehreren Stellen war der Wall ganz eingebrochen und teilweise hatten die Dorfbewohner auch selbst Breschen hineingeschlagen oder erweitert, um außerhalb des Walls zusätzliche Felder und Äcker anlegen zu können.
Und auf eine dieser Lücken hielt Tesla nun geradewegs zu, rannte querfeldein über die Wiese, durch den Wall hindurch, mit einem großen Satz über den ebenfalls schon ziemlich nutzlosen und längst ausgetrockneten Graben hinweg und weiter in Richtung Wald.
Tanur aber, der Tesla inzwischen schon fast eingeholt hatte, zögerte einen Moment, als er das doch ziemlich breite Loch vor sich auftauchen sah. Dadurch wiederum verlor er an Schwung und musste so ganz abbremsen, wenn er nicht zum zweiten Mal an einem Morgen irgendwo hinabpurzeln wollte. Genau an dessen Rand kam er schließlich zum Stehen und schaute zur gegenüberliegenden Seite, an der immer noch einzelne Steinchen herabfielen, die Tesla bei ihrer Landung losgetreten hatte. Dann schaute er auf seine Füße und wieder zurück zur anderen Seite des Grabens. Nein, entschied Tanur schließlich, das war zu weit – jedenfalls mit leerem Magen.
Also wandte er seinen Kopf erst nach rechts und dann nach links, wo er schließlich die Bretter fand, die die Dorfbewohner als Brücke über den Graben benutzten, wenn sie zu ihren außerhalb des Ringwalls gelegenen Felder gelangen wollten. Im Moment allerdings lagen diese Bretter sauber aufeinander geschichtet zwischen Wall und Graben, denn über Nacht wurden die Bretter immer eingeholt – als letztes Zugeständnis an Meister Tajor, der für die Verteidigungsanlagen des Dorfes zuständig war (auch wenn das, außer ihm, fast alle für eine ziemlich überflüssige Aufgabe hielten) und der schon über den Zustand des Walls und erst recht über die Breschen darin alles andere als begeistert war.
„Mist!“, brummelte Tanur vor sich hin und begann vorsichtig in den Graben hinab und auf der anderen Seite wieder hinauf zu klettern. Als er endlich oben angekommen war, spurtete er so schnell er nur konnte los, doch als er den Rand des Waldes erreichte, war Tesla längst darin verschwunden – er hatte sie doch aus den Augen verloren!

Zögernd stand Tanur nun vor den hohen Bäumen, in denen sich die Sonnenstrahlen schnell verloren. Dunkel, kalt und abweisend ragte der große Wald vor ihm auf. Wie riesige, stumme Wächter wuchsen direkt vor ihm zwei gewaltige, schwarzstämmige Buchen empor und überkreuzten oberhalb seines Kopfes ihre Äste – eine deutliche Warnung davor ihr Reich zu betreten.
„Ach quatsch“, versuchte Tanur sich selbst Mut zu machen, „das sind doch bloß ganz normale Bäume, genauso unbeweglich wie stumm. Was sollen die dir denn bitteschön tun? Außerdem warst du doch nun schon oft genug in diesem Wald – wenn auch noch nie allein...“
Schließlich gab er sich einen Ruck, wandte seinen Blick ab von den beiden Bäumen vor ihm und trat zwischen ihnen hindurch in den Wald hinein. Lange würde er ja sowieso nicht alleine bleiben. Weit konnte Tesla schließlich noch nicht sein...
    2. Szene: Im Wald

Der Wald. Von außen eine abweisende, kalte Mauer aus zahllosen, in Reih und Glied dicht nebeneinander stehender, stummer Holzpfeiler. Von innen aber eine weite, hohe und lichte Halle, bedeckt von einem in allen nur erdenklichen Grüntönen schimmernden Blättergewölbe, durch das hier und da einzelne Sonnenstrahlen hindurch fielen, getragen von den mächtigen, ausladenden Schultern der zahllosen hölzernen Pfeiler, die elegant in luftige Höhen wuchsen, zugleich jedoch festverwurzelt im Erdboden standen, und bedeckt von warmem, trockenem Laub, das bei jedem Schritt fröhlich raschelte.
Eigentlich perfekt für einen gemütlichen Morgenspaziergang, dachte sich Tanur, wäre er nicht auf der Suche nach Tesla gewesen, wäre sein Magen nicht so leer gewesen und vor allem wäre sein Großvater nicht erst vor kurzem für mehrere Tage in eben diesem Wald gewesen. Das war zwar an sich nicht ungewöhnliches – sein Großvater war schon oft für einige Tage, früher sogar mehrere Wochen fort gewesen –, aber dieses Mal war etwas anders gewesen: Sonst war er bei seiner Rückkehr immer mit schnellen Schritten durchs Dorf in Richtung seiner Heimathöhle geeilt, unter dem Arm ein kleines Mitbringsel für seinen Enkel und im Gesicht ein gelöstes Lachen, wenn Tanur ihm entgegen gerannt kam. Dieses Mal jedoch war er gebückt und humpelnd ins Dorf heimgekehrt, mitgebracht hatte er nichts als unzählige Schrammen und Kratzer und als Tanur ihn freudig begrüßen wollte, schaffte er es nur kurz seinem ausgezerten Gesicht ein müdes Lächeln aufzuzwingen.
Nur wenig erzählte er seinem Enkel davon, was er erlebt und was ihm zugestoßen war: Dass er die Wächter des Waldes getroffen hätte und dass sich im Wald vieles verändert hätte. Auf jeden Fall, hatte er noch angefügt, würden sie in nächster Zeit wohl keine Waldausflüge mehr machen können. Und Tanur müsse sich ab sofort wirklich einmal daran halten, dass Kinder den Wald nicht ohne Erwachsene betreten dürfen.
Dann hatte er sich völlig erschöpft auf sein Schlaflager geworfen und hatte fast zwei volle Tage durchgeschlafen. Danach war er kaum noch zu Hause gewesen und hatte erst recht keine Zeit mehr für Tanur gehabt, der doch so viele Fragen an seinen Großvater gehabt hätte. Dieser aber hatte die Höhle in den letzten Tagen meist schon vor Sonnenaufgang verlassen und war erst tief in der Nacht wieder zurück gekommen.
Also hatte Tanur gemeinsam mit Tesla auf eigene Faust Nachforschungen angestellt – besonders das mit den Wächtern des Waldes hatte ihr Interesse geweckt. Aber auch wenn fast jeder im Dorf irgendwelche Geschichten über sie wusste - meist von jemand anderem, der jemanden kannte, der jemanden kannte, der den Wächtern einmal begegnet war - schien sie doch niemand tatsächlich selbst gesehen zu haben.
Entsprechend unterschiedlich waren auch die Meinungen zu diesen Wächtern: Manche hielten sie für friedliche Hüter der Bäume, andere für die heimlichen Herrscher des Waldes, wieder andere für grausame Rächer, die alle die verfolgten, die der Natur Schaden zufügten. Nichteinmal bei ihrem Aussehen waren sich die Dorfbewohner einig: Von kleinen unsichtbaren Geistern, über riesige, steinerne Bäume bis hin dazu, dass sie der Wald selbst wären, war so ziemlich alles dabei.
Irgendetwas konkretes jedenfalls hatten ihre Nachforschungen nicht ergeben – außer, dass Tanur sich nun alles andere als wohl fühlt, als er ganz alleine inmitten des Waldes stand und ständig das Gefühl hatte beobachtetet zu werden – von den Bäumen, der Luft, ja sogar dem Wald selbst. Und egal, wie diese Wächter nun tatsächlich aussahen – wobei Tanur das mit den Bäumen am glaubwürdigsten fand – begegnen wollte er ihnen auf keinen Fall, insbesondere nicht alleine. Denn wer auch immer es gewesen war, der selbst seinen Großvater, einen ausgewachsenen Bären und erfahrenen Kämpfer, so hatte zurichten konnte, demjenigen hatte ein kleiner, nicht einmal halb so großer Bär wie er wohl erst recht nichts entgegen zu setzen.
Besser wäre es auf jeden Fall, Tesla so schnell wie möglich wieder zu finden...

Also schaute er sich genauer um: Tesla mochte zwar schneller sein als er – aber von Orientierung und Spurenlesen, da verstand Tanur entschieden mehr. Und so dauerte es auch nicht lange, bis er die ersten Schafsspuren entdeckt und Teslas Fährte aufgenommen hatte. Genau genommen war das allerdings auch kein Kunststück, hatte Tesla doch mehr als deutliche Spuren hinterlassen: Laub aufgewühlt, Äste abgebrochen und vor allem hatte sie nur ein kurzes Stück weiter einen schmalen, sich kreuz und quer durch den Wald schlängelnden Pfad eingeschlagen.
Trotzdem achtete Tanur weiter ganz genau auf alle Spuren, die er entdecken konnte, um nur ja nicht Teslas Fährte zu verlieren. So starr schaute er dabei auf den Boden, dass sein Kopf automatisch immer weiter nach unten wanderte, bis seine Schnauze schließlich fast den Waldboden berührte und er nichts mehr von seiner Umgebung wahrnahm als das kleine Pfadstück direkt vor ihm. Das summende Geräusch, das sich langsam von links näherte, überhörte er so völlig – selbst da noch, als es begann langsam seinen Kopf zu umkreisen.
Umso größer war daher der Schrecken, als plötzlich direkt hinter seinem Kopf eine Stimme ertönte: „Guten Morgen, Meister Tanur“
Mit einem Ruck stieß Tanur nach oben und mit dem Hinterkopf gegen etwas hartes, kantiges. Für einen kurzen Moment schlugen mehrere dünne, scharfkantige Papierstreifen, Blätter oder irgend so etwas mit schnellen Bewegungen gegen seine Ohren, dann machte er einen gewaltigen Satz nach vorne und rannte los, so schnell er nur konnte. Äste peitschen gegen seinen Kopf, trockenes Laub wirbelte unter seinen Pfoten auf und immer wieder stießen sie unter diesem gegen Wurzeln oder dicke Äste, die ihn ein ums andere Mal ins Straucheln brachte, bis sich schließlich beide Vorderpfoten zugleich in einer knapp über dem Boden schwebenden Wurzel verfingen, Tanur sich überschlug und auf dem Rücken zum Liegen kam.

„Hilfe, bitte tu mir nichts!“, schrie Tanur völlig außer Atem und hielt dabei beide Arme schützend vors Gesicht, „ich habe auch noch nie irgendeinem Baum etwas zu leide getan, lieber Baum...“
„Baum? Wieso Baum? Ich bin's doch nur – Apina Suma“
„Suma? Du bist das?“
„Aber natürlich bin ich das! Und wenn du endlich deine Arme herunternehmen würdest, könntest du mich auch sehen...“
Immer noch etwas misstrauisch nahm Tanur also langsam die Pfoten vom Gesicht und öffnete vorsichtig die Augen: Direkt über ihm schwebte ein gelbes, auf dem Kopf stehendes Dreieck mit zwei langen, dünnen Flügeln, die sich in schnellen, gleichmäßigen Schlägen absolut synchron auf und ab bewegten. Genaugenommen bestand das Dreieck aus drei einzelnen Sechsecken, die an je zwei Seiten miteinander verbunden waren. Dabei hing an den oberen jeweils einer der Flügel, aus dem unteren aber schaute ein freundliches, aber auch leicht verdutzt dreinblickendes Gesicht auf Tanur herab:
„Noch einmal einen guten Morgen, Meister Tanur.“
„Eh … ebenfalls einen guten Morgen, Suma“, erwiderte Tanur, der sich allmählich wieder beruhigte, nachdem er sich nun sicher war, dass ihm kein Waldgeist, sondern nur eine der Arbeiterinnen aus Apienax' Gefolge auf den Fersen gewesen war.
„Warum bist du denn heute so schreckhaft? Hast du schlecht geschlafen?“
„Ich … nein, nein, geschlafen habe ich ganz hervorragend – ich … ich fühle mich nur einfach nicht besonders wohl in diesem Wald.“
„Und wieso machst du dann ausgerechnet einen Waldspaziergang, wenn es dir im Wald nicht gefällt?“
„Wollte ich ja gar nicht, aber Tesla wollte unbedingt runter zum Großen Strom – und da konnte ich sie ja schlecht alleine in den Wald gehen lassen...“
„Dann solltest du dich aber ein wenig beeilen – Fräulein Tesla ist nämlich schon vor ein paar Minuten an mir vorbei gerauscht. Und sie hatte es offenbar ziemlich eilig...“
„Bin schon unterwegs“, rief Tanur noch und wollte gerade wieder lossprinten, als Suma plötzlich wieder vor seinem Gesicht auftauchte und aufgeregt auf und ab schwebte.
„Warte doch mal. So schnell wie deine Freundin rennt, holst du sie so nie ein – wenn du willst, könnte ich dir aber eine Abkürzung zeigen.“
„Eine Abkürzung? Und du bist dir sicher, dass ich Tesla so finde?“
„Aber selbstverständlich bin ich mir sicher – ich bin eine Kundschafterin. Und ich kenne den Wald wie meine Honigwabe.“
Und schon flog sie los, im Zickzack zwischen den Baumstämmen hindurch – und Tanur hinter ihr her.

„Warum fürchtest du dich eigentlich so vor dem Wald?“, rief die Wabenbiene in fröhlichem Plaudersummton nach hinten, „Es ist ein wunderbar warmer, sonniger Frühlingsmorgen, die Vögel zwitschern, die Blumen duften – schöner ist es selten in diesem Wald. Und außerdem warst du doch auch schon oft hier. Beim Pilze sammeln, beim Fischen am Unteren Waldsee, einmal, hast du mir erzählt, warst du sogar schon am Ufer des Großen Stroms...“
„Schon“, erwiderte Tanur, dem das Reden deutlich schwerer fiel, da er im Gegensatz zu seiner geflügelten Führerin, ständig irgendwelchen Hindernissen am Boden ausweichen, über sie drüber springen oder sogar darüber hinweg klettern musste, „aber heute ist das irgendwie anders. Alles wirkt irgendwie viel bedrohlicher – und außerdem war ich noch nie alleine hier“
„Alleine? Und dadurch wird der Wald bedrohlicher?“
„Ja ... nein – das heißt ... Ja, irgendwie schon...“
„Interessant – weißt du, ich war eigentlich noch nie alleine. Die ersten Monate, nachdem ich geschlüpft bin, habe ich ja zusammen mit meinen gut hundert Geschwistern in unseren Kinderwaben gelebt. Das war vielleicht ein Gewusel und Gesumme, kann ich dir sagen, da hätte man sich manchmal gewünscht allein zu sein. Naja, und nachdem ich ausgewachsen war, wurde ich sofort vereinigt – noch bevor ich unsere Waben das erste Mal verließ. Und seitdem habe ich meine zwei besten Freunde sowieso immer bei mir.
Das heißt, wenn sie nicht gerade einmal wieder schlafen.“, fügte sie mit einem verschwörerischen Blick nach oben hinzu, „Aber selbst dann bin ich ja nicht richtig alleine. Naja, und den Wald kenne ich inzwischen sowieso so gut – da wüsste ich gar nicht, wovor ich Angst hier haben sollte...“
„Hast du eigentlich“, unterbrach sie Tanur, der sich allmählich selbst etwas albern vorkam und dem seine grundlose Angst vor dem Wald mehr und mehr peinlich wurde, „hast du eigentlich schon einmal einen von diesen Wächtern des Waldes getroffen?“
„'Wächter des Waldes'? Meinst du vielleicht die Waldgeister, die in den alten Bäumen wohnen sollen?
Aber vor denen muss man doch keine Angst haben!“, schwatzte Suma munter weiter, noch bevor Tanur genug Puste für eine Antwort hatte sammeln können, „Die tun niemandem etwas – zumindest nicht solange man ihnen nichts tut. Naja, oder einem ihrer Freunde – also den Bäumen. Aber was könnte eine kleine Biene wie ich einem großen, starken Baum schon antun, nicht wahr?
Aber nein, begegnet bin ich noch keinem von ihnen – eine der älteren Kundschafterinnen hat mir aber einmal erzählt, dass man sie sowieso nur sehr schwer erkennen kann. Denn wenn sie schlafen, sehen sie so aus wie ein ganz normaler Baum – und wenn sie schon schlafen, dann sollte man sie vermutlich auch besser nicht wecken, oder?
Naja, Angst habe ich vor ihnen jedenfalls nicht. Wäre ja auch dumm – dann müsste ich mich ja vor jedem Baum hier fürchten...“
„Wie geht’s denn dir eigentlich so?“, versuchte Tanur noch einmal das Thema zu wechseln, wobei er möglichst unauffällig die Bäume rechts und links musterte. Dass sich diese Wächter, Waldgeister oder wie auch immer sie nun hießen, einfach in irgendwelchen Bäumen verstecken konnte, klang in seinen Ohren nicht unbedingt beruhigend. Und wer weiß, vielleicht war ein solcher Baum ja schon beleidigt, wenn man ihm nur auf eine seiner Wurzel stieg. Er jedenfalls war das schon, wenn ihm jemand auf die Tatzen trampelte.
„Mir? Also mir geht’s gut – ein bisschen viel Arbeit zur Zeit, aber darum bin ich ja auch eine Arbeiterin, nicht? Hihi...
Aber unsere arme Majestät Königin leidet zur Zeit unter Schlafproblemen, habe ich gehört. Schlechte Träume hätte sie, heißt es. Und da sind jetzt natürlich alle sehr besorgt. Und...“
Und so ging es in einem Fort weiter: Die Kundschafterin Apina Suma flog munter schwatzend, mal nach vorne, meistens aber nach hinten gewand vorneweg, und Tanur rannte keuchend und schwitzend hinter her, nur hin und wieder ein kurzes gebrummeltes „Aha“ oder „Mhm“ einwerfend. Bis sie schließlich den Fuß eines langgezogenen, kleinen Hügels erreichten.
„So, da wären wir. Gleich hinter diesem Hügel liegt der untere Waldsee – oder Fischteich, wie ihr ihn, glaube ich, nennt. Da endet auch der Weg, den Fräulein Tesla eingeschlagen hat. Und wenn du mir den Ratschlag gestattest, an dem solltet ihr eine kleine Pause einlegen und danach wieder den Weg zurück ins Dorf nehmen. Bis runter zum Großen Strom schafft ihr es heute sowieso nicht mehr. Und außerdem habe ich gehört, dass es in diesem See sehr schmackhafte Fische geben soll.“
„Oh ja“, meinte Tanur, dem schon bei der bloßen Erinnerung an seinen letzten Angelausflug mit seinem Großvater das Wasser im Maul zusammenlief, „Ich habe sowieso einen Bärenhunger!“
„Ach, wenn das so ist – eine kleine Stärkung könnte ich dir noch mit auf den Weg geben. Was meinst du?“, fragte da Suma, die nun ein Stück oberhalb seines Kopfes schwebte.
„Dass das eine hervorragende Idee ist, meine ich – was denn sonst?“, rief Tanur freudig.
Dann legte er den Kopf in den Nacken, öffnete das Maul und schloss die Augen – letzteres nicht nur um keinen Honig in die Augen zu bekommen, sondern vor allem weil er er es immer noch höchst unappetitlich fand, beim Essen daran erinnert zu werden, dass eben dieses Essen schon einmal jemand anders im Mund gehabt hatte. Dieser Gedanke aber verschwand schnell, als die ersten Tropfen der zähen, klebrigen Masse seine Zunge berührte und der zuckersüße Geschmack begann sich im ganzen Mund auszubreiten.
„Mmm – vielen, vielen Dank! So einen guten Honig habe ich schon lange nicht mehr gekostet“, urteilte Tanur, nachdem er sich auch den letzten Tropfen Honig von seiner Schnauze geleckt hatte.
„Das will ich doch hoffen – er ist schließlich für den Einschlaftrank unserer Königin gedacht.
So jetzt muss ich aber weiter. Ich habe schließlich noch zu arbeiten. Viel Spaß, wünsche ich dir noch – und keine Angst vor den Bäumen, die haben noch niemanden gefressen!“, sagte Suma, drehte sich um und entschwand zwischen den Bäumen.
„He, aufwachen ihr zwei Schlafmützen da oben! Die Arbeit ruft...“, hörte Tanur noch, dann wurde es still um ihn und er war wieder allein. Aber immerhin war er auf einem Weg, dem er folgen konnte, und hatte – so hoffte er zumindest – auch Teslas Vorsprung ein wenig verkürzt. Und er hatte sein zweites Frühstück gehabt – das machte einen enormen Unterschied!

Also machte sich Tanur wieder auf den Weg, erst langsam, dann jedoch immer schneller werdend. Zu schnell wie er bald darauf schmerzhaft feststellend musste. Denn gutes Essen und schnelles Laufen, das vertrug sich einfach nicht und führte unweigerlich zu ziemlich unangenehmem Seitenstechen. Und nicht nur das, durch das zweite Frühstück war er nicht nur satter, sondern auch deutlich schwerer geworden – oder zumindest kam es ihm so vor. Jedenfalls war er, als er den Gipfel des Hügel erreichte, auch noch völlig außer Puste, so dass ihm schließlich nichts anderes übrig blieb als eine kurze Pause einzulegen. Schwer atmend, einen Arm in die schmerzende Seite gestemmt, ließ er sich so gegen einen besonders stark vom weichen Moos bewachsenen Baumstamm fallen.
Ein angenehm kühler Lufthauch stricht durch Tanurs Fell. Er schloss die Augen und atmete tief ein und aus. Irgendwie roch die Luft hier anders als noch zuvor. Nach Wasser, frischem, kühlen Wasser. Und wenn er ganz genau hinhörte, dann drang da sogar ein schwaches Plätschern an sein Ohr. Der Fischteich, der eigentlich gar kein Teich, sondern vielmehr ein richtiger See war, aber aus unerfindlichen Gründen trotzdem Teich hieß, konnte nicht mehr weit sein. Und mit Sicherheit wartete an dessen Ufer schon Tesla auf ihn.
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Nachdem er so nicht nur neue Puste sondern auch frischen Mut gefunden hatte, wollte er sich gerade wieder auf den Weg machen, als die Rinde an seinem Rücken plötzlich anfing seltsam zu zucken. Und noch bevor er sich darüber angemessen wundern konnte, prallte plötzlich ein schwerer Ast von oben auf Tanurs Kopf, dann drehte sich der komplette Baum hinter ihm plötzlich um seine eigene Achse und rückte schließlich ein ganzes Stück nach hinten.
Entsetzt sprang Tanur auf, stieß einen schrillen Angstschrei aus und machte einen gewaltigen Satz nach vorne. Er warf sich auf den Boden, hielt seine Tatzen schützend über seinen Kopf und lauschte angestrengt hinter sich. Dort aber blieb es vollkommen still. Kein Knarzen alter Rinde, kein Knacken eines brechenden Astes, nicht einmal ein Rascheln im trockenen Laub konnte er hören. Ganz langsam und vorsichtig drehte er sich schließlich um und schaute zurück: Der Baum stand wieder genau so still und regungslos da wie zuvor, nur eben einen knappen Meter von der Stelle entfernt, an der er zuvor noch gestanden hatte. Und obwohl Tanur nicht genau wusste woran genau er das erkannte, war er sich doch absolut sicher, dass auch einer der beiden kräftigen Äste, die ein gutes Stück oberhalb seiner Kopfhöhe in zwei entgegengesetzte Richtungen aus dem Stamm wuchsen, irgendwie anders geformt war als noch vor wenigen Augenblicken.
Zaghaft und möglichst geräuschlos machte Tanur schließlich einen Schritt nach hinten, weg von diesem seltsamen Ort. Dann noch einen und noch einen, ohne aber dabei diesen seltsamen Baum aus den Augen zu lassen. Als dieser auch jetzt nicht die kleinste Regung zeigte, wagte es Tanur sich noch etwas schneller von diesem zu entfernen. Er drehte sich um, rannte los – und stieß gegen etwas weiches, kribbelndes. Sein Fell knisterte, seine empfindliche Nase erhielt einen kräftigen Schlag und mit einem mal standen ihm sämtliche Haare zu Berge...
    3. Szene: Am Fischteich

„Hey, Tanur – warum schreist du denn so?“
„Wa...? Wie...? Oh, hallo Tesla. Der... der... der Baum...“
„Der Baum? Was soll denn mit dem Baum sein – und welchen Baum meinst du überhaupt? Hier steht schließlich nicht nur einer herum.“
„Der da!“, antwortete Tanur, atmete einmal tief durch und zeigte auf den Baum, der – eben noch erschreckend lebendig – jetzt wieder so ruhig und leblos dastand wie man das von einem Baum normalerweise erwarten konnte. „Der Baum da wollte mich angreifen!“
„Der Baum wollte dich angreifen? Dafür sieht er gerade aber ziemlich friedfertig aus...“
„Ha-ha! Ich meine das ernst: Der Baum hat sich bewegt!“
„So, meinst du?“
„Und wie ich das meine! Ich wollte mich gerade etwas ausruhen, da hat mir der Baum auf einmal mit einem seiner Äste ein Kopfnuss verpasst!“
„Eine Kopfnuss? Und du bist dir sicher, dass du das nicht einfach nur geträumt hast?“
„Und woher kommt dann die Beule auf meine Kopf?“, fragte Tanur halb triumphierend, während er mit einer Tatze über die besagte Beule strich.
„Vielleicht bist du ja auch einfach im Schlaf mit dem Kopf gegen den Baumstamm gestoßen – oder aber...“, fügte Tesla mit einem aufgeregten Glitzern in den Augen an, „oder aber in dem Baum da wohnt einer von diesen Waldgeistern, von denen die Wabenbienen immer erzählen. Das muss ich mir anschauen!“
Und schon wollte Tesla auf den Baum zu laufen, den Tanur noch immer misstrauisch aus den Augenwinkeln beobachtete.
„Halt! Bist du denn wahnsinnig?“, schrie er ihr zu und grub seine Tatzen tief in ihr Fell um sie zurück zu halten. „Was auch immer in diesem Baum wohnt, ich glaube im Moment schläft es wieder. Und ich wäre dir sehr dankbar, wenn du es nicht noch einmal wecken würdest“, erklärte er der unschlüssig zwischen ihm und dem Baum hin und her blickenden Tesla.
„Na von mir aus, du kleiner Angsthase.“, lenkte sie schließlich ein, „dann solltest du aber auch nicht so schreien!“
„Abgemacht!“, flüsterte er ihr zu und bevor sie es sich noch anders überlegen konnte, tapste er bereits hangabwärts. So blieb Tesla also nichts anderes übrig als ihm zu folgen und nur wenig später hatte sie den ungewöhnlichen Baum schon wieder vergessen:
„Was meinst du, sollen wir an dem See da unten eine kleine Pause einlegen? Es ist schließlich schon fast Mittag – und der Fluss läuft uns ja nicht davon.“
Eine Pause! Selbstverständlich war Tanur damit einverstanden und so erreichten sie nach einen kurzen Fußmarsch das Ufer dieses Sees, den die Dorfbewohner Fischteich nannten. Zum ersten Mal seitdem er den Wald am Morgen betreten hatte, sah Tanur zwischen den Stämmen etwas anderes als immer nur weitere endlose Reihen von Stämmen: Direkt vor ihnen lag – nur von einem schmalen Streifen Kies vom Wald getrennt – der See, auf dessen nahezu perfekt glatter Oberfläche sich die ihn umgebenden Bäume sowie der strahlend blaue Himmel spiegelten. Ein Bild wie es idyllischer kaum sein konnte und ein Ort wie es keinen geeigneteren geben konnte für eine kurze oder, wie Tanur bei sich dachte, gerne auch etwas längere Rast.

Das schönste aber war – Tanur kannte diesen Platz: Er war schon einige Male mit seinem Großvater hier gewesen, zum Angeln. Und obwohl das letzte Mal nun schon zwei oder drei Jahre zurück lag, erinnerte sich Tanur noch ganz genau: Nur ein kleines Stückchen weiter flussaufwärts, dort wo eine kleine Kiesbank ein wenig in den Fluss hineinragte, da waren sie gemeinsam gesessen, hatten ihre selbstgebastelten Angeln ausgeworfen, hatten stundenlang in völliger Stille gewartet, bis endlich einmal ein Fisch anbiss, hatten diese dann mit vereinten Kräften aus dem Wasser gezogen und schließlich abends über einem Lagerfeuer gegrillt. Und ganz in der Nähe von dieser Stelle, nur ein paar Schritte in den nahen Wald hinein, da mussten noch...
„He Tesla, komm mal her – schau was ich gefunden habe!“, rief Tanur freudig und hielt dabei zwei lange, leicht gebogene Stöcke in die Luft, deren eines Ende angespitzt war und an deren anderem Ende eine lange Schnur gefestigt war.
„Was soll denn das sein?“, wollte Tesla wissen, nachdem sie sie von allen Seiten angeschaut hatte.
„Das sind Angeln!“, antwortete dieser strahlend.
„Und das heißt?“, fragte Tesla, die sich immer noch keinen rechten Reim darauf machen konnte, warum ihr Freund so begeistert von diesen zwei langweiligen Stöcken war, noch einmal nach.
„Das heißt, dass unser Mittagessen gerettet ist“, antwortete Tanur, der inzwischen schon begonnen hatte, die ziemlich verhedderten Schnüre wieder zu entwirren.
„Wir können uns damit unsere eigenen Fische fangen.“, fügte er noch hinzu, als er sah, wie Tesla die beiden Stöcke nun erst recht skeptisch betrachtete.
„Achso, und ich dachte schon du wolltest mir erzählen 'Stock an alter Schnur' wäre eine neue Spezialität aus dem Hause Tajor.“
„Pff – Pflanzenfresser gibt es in deiner Familie ja wohl eindeutig mehr als bei uns.“
„Na und? Pflanzen sind gesund!“
„Außer wenn sie um sich schlagen“, entgegnete Tanur, wobei er sich demonstrativ mit der einen Hand über die inzwischen schon fast wieder verschwundene Beule an seinem Hinterkopf strich.
„Na, dann pass bloß auf, dass dich nicht auch noch einer von deinen beiden Stöcken da hinterrücks angreift.“
„Tja, dann ist es doch gut, dass sie so fest angeleint sind“, erwiderte Tanur – selbst überrascht über seine schlagfertige Antwort – und zog gleichzeitig einmal fest an den beiden Schnüren, wodurch sie sich endlich vollständig von einander trennen.
„So, und jetzt zeige ich dir, wie man sich mit zwei gezähmten Ästen ein hervorragendes Mittagessen fangen kann“
Und mit diesen Worten überreichte er Tesla, deren Interesse nun endlich auch geweckt war, eine der Angeln und trat mit der anderen ans Ufer des Fischteichs. Dann holte er weit aus, schwang die Angel hoch über seinen Kopf und lies so das Ende der Schnur ein ganzes Stück vom Strand entfernt ins Wasser fallen. Während er nun den Stock in den Boden rammte und dort so fest wie möglich verankerte, beobachtete er mit einiger Schadenfreude wie seine Freundin für die gleiche Prozedur nicht weniger als fünf Versuche brauchte. Fairerweise musste er aber eingestehen, dass er das wohl auch nicht viel besser geschafft hätte, wenn er wie Tesla die Angel dabei im Maul hätte halten müssen.
Schließlich aber steckten beide Äste fest am Ufer des Sees, die Enden der daran befestigten Schnüre trieben ein Stück davon entfernt im Wasser und die beiden Angler saßen auf dem schmalen Kiesstrand und sahen einem Baumstamm zu, der weiter draußen von einer unsichtbaren Strömung getrieben langsam im Kreis herum schwamm.

Ein Fisch aber ließ sich nicht blicken und so saßen die beiden da und warteten. Tanur hatte dagegen nichts einzuwenden – seiner Meinung nach hatte er heute sowieso schon mehr als genug Abenteuer erlebt und sich ein wenig Ruhe verdient. Tesla hingegen wurde des Wartens schon bald überdrüssig. Erst versuchte sie sich abzulenken indem sie mit ihren Füßen Figuren in den Kiesstrand zeichnete, dann begann sie gelangweilt am Ufer entlang auf und ab zu traben, schließlich jedoch hielt sie die Stille nicht mehr länger aus:
„Also wenn sich dein Mittagessen nicht allmählich mal ein bisschen beeilt, überlege ich mir doch nochmal das mit dem 'Stock à la Carte'“
„Tja, beim Angeln muss man eben ein bisschen Geduld haben“, erwiderte Tanur, dessen Magen das aber offenbar ein wenig anders sah und lautstark protestierte.
„Hunger sollte man dagegen offenbar nicht haben, wenn man sich sein Essen erangeln möchte“, entgegnete Tesla schnippisch.
„Ach, Vorfreude ist doch die – He, schau mal, ich glaube da hat was angebissen!“, rief er freudig und stürzte zu seiner Angel, die tatsächlich deutlich zuckte.
Mit beiden Händen packte er sie und zog daran. Die Angel aber bewegte sich kein Stück – jedenfalls nicht in seine Richtung. Vielmehr bog sich diese immer stärker in Richtung Wasseroberfläche.
„Das ist ja mal ein fetter Brocken – hilf mir doch mal, Tesla!“
Die ließ sich das nicht zweimal sagen, sprang herbei, packte den Stock mit dem Maul, stemmte alle vier Beine fest in den Boden und zog so fest sie nur konnte. Und Tatsächlich bewegte sich die Angel – allerdings nur ein paar Zentimeter, dann hing sie erneut fest, die Schnur zum Zerreißen gespannt.
„Ich glaube,“, keuchte Tanur, „wenn wir den rausbekommen, dann haben wir genug für Mittag- und Abendessen zusammen.“
„Mh-m“, stimmte Tesla zu, ohne ihr Maul zu öffnen, um die Angel und das daran hängende Festmahl auf keinen Fall entwischen zu lassen
„Noch mal auf drei“, rief ihr Tanur zu, „Eins – zwei – DREI!“
Und plötzlich ging alles ganz schnell. Die Angel schnellte zurück, die beiden Angler purzelten übereinander und ein gewaltiger hellblauer Brocken flog im hohen Bogen über die beiden hinweg. Ein Stück hinter ihnen schlug er mit einem gewaltigen „Platsch“ auf dem Waldboden auf, rutschte noch ein Stück über das nasse Laub und prallte dann mit dem Kopf gegen einen Baumstamm.
„Das ist aber ein seltsamer Fisch, den wir uns da eingefangen haben“, meinte Tesla, die sich als Erste wieder halbwegs aufgerappelt hatte, „der hat ja Arme und Beine.“
„Egal – hauptsache es hat überhaupt mal einer angebissen“, erwiderte Tanur, der zwar immer noch auf dem Rücken lag, aber zumindest den Kopf so weit gedreht hatte, dass er seinen Fang begutachten konnte. Es war allerdings, da musste er seiner Freundin recht geben, in der Tat ein höchst merkwürdiger Fisch: Er war gut doppelt so groß wie Tanur, hatte zwei Arme, zwei Beine und einen Schwanz, ein riesiges Maul, zwei kleine, schwarze Knopfaugen und auf dem Rücken eine lilanes, wellenförmiges Muster sowie einen dünnen, ebenfalls gewellten Rückenkamm. Eine seltsame Mischung aus einem felllosen Biber, einem zu dick geratenen Salamander und einem Chamäleon, das aus unerfindlichen Gründen beschlossen hatte das Blau des Himmels zu imitieren.
Gerade wollte Tanur aufstehen um diesen ungewöhnlichen Fisch auch einmal von der anderen Seite zu begutachten, da ertönte auf einmal eine tiefe, gurgelnde Stimme:
„Tut mir wirklich Leid, aber ich fürchte ich muss euch enttäuschen. Zum Ersten bin ich kein Fisch, zum Zweiten habe ich nicht angebissen, sondern mich an eurer Angel festgehalten und zum Dritten bin ich als Mittagessen auch nicht besonders geeignet – zumindest sagt man mir nach, dass ich ziemlich zäh bin...“
Sprachlos starrten Tanur und Tesla auf ihren Fang. Dieser Fisch – oder wie er selbst behauptete: Nicht-Fisch konnte sprechen!
„Warum schaut ihr denn so? Was habt ihr denn erwartet, wer da anbeißen soll? Doch nicht etwa ein Fisch?“
„Doch, doch, eigentlich schon“, erwiderte Tesla, die als am schnellsten ihre Sprache wieder gefunden hatte. „Wir haben nämlich Hunger“, ergänzte Tanur
„Dann solltet ihr vielleicht auch einen Köder an eure Angeln hängen. Die Fische, die sich mit trockenen Schnüren fangen lassen, sind nämlich leider schon ausgestorben“, erklärte das blaue Wesen während es sich langsam aufrichtete und dabei mit einer Hand über die beachtliche Beule an seinem Kopf fuhr.
„Ein Köder?“, fragten Tesla und Tanur zugleich – erstere neugierig interessiert, letzterer aber peinlich überrascht. Doch noch bevor sein Fang zu einer Antwort ansetzen konnte, fragte er lieber selbst weiter:
„Wer bist du denn nun eigentlich, wenn du schon kein Fisch sein willst?“
„Oh, natürlich – ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Lord Moebius Pas Carl Friedrich Puetagora Tschebschow II. von und zu Fischteich – aber ihr dürfte mich Moebius nennen.
Und du musst Tanur sein, Meister Tajors Enkel“, wandte er sich an den darüber sehr erstaunten kleinen, braunen Bären.
„Dich kenne ich allerdings nicht“, fügte er mit einem Blick auf das nun ein wenig enttäuscht dreinschauende blaue-gelbe Schäfchen hinzu.
„Nun, ich bin Tesleriam, Tochter von Cyrieliam und Amperlas – aber du darfst mich Tesla nennen“, antwortete selbige, wobei sie sich alle Mühe gab wenigstens ebenso stolz und majestätisch zu klingen wie Lord von und zu Fischteich.
„Eine Tochter von Cyrieliam und Amperlas?“ In einer einzigen Bewegung wandelte sich Moebius' Gesichtsausdruck von misstrauisch über erstaunt zu erfreut und schließlich stellte er zufrieden fest: „Hab' ich's doch gewusst, dass die beiden noch irgendwann mal zusammenfinden. Ihr müsst nämlich wissen, die beiden waren wie Hund und Katze als sie - und meine Wenigkeit – so jung waren wie ihr. Aber ungleiche Ladungen ziehen sich ja bekanntlich an, nicht war? Quo-quo-quo...“, lachte der Lord glucksend über das seiner Meinung nach überaus gelungene Wortspiel.
„Aber eigentlich bin ich ja nicht hier um in alten Erinnerungen zu schwelgen.“, ermahnte er sich selbst, als er die etwas irritierten Blicke der beiden Kinder bemerkte, „Ich warte hier schon seit Wochen auf Meister Tajor – was für ein glücklicher Zufall, dass er mir nun seinen Enkel vorbeigeschickt hat.“
„Naja, vorbeigeschickt‘ trifft es eigentlich nicht ganz, eigentlich... Au!“, brummte Tanur infolge eines ziemlich schmerzhaften Stromschlages, den er soeben in die Seite bekommen hatte.
Diesmal war es Tesla, die von der Richtung, die das Gespräch gerade einzuschlagen droht, nicht besonders angetan war.
„Warum wartest du denn auf Großvater Tajor?“, fragte daher Tesla schnell.
„Nun, ich bin ihm noch etwas schuldig – und ich denke jetzt ist der Zeitpunkt gekommen diese Schuld zu begleichen. Ich habe nämlich eine Information, die für Meister Tajor von größter Wichtigkeit sein dürfte:
Der alte Vertrag der Völker gilt nicht mehr. Der General und unsere Majestät, die Queen der See, haben ein Bündnis geschlossen und neue Abkommen getroffen. Das meiste daraus ist geheim - so geheim, dass niemand außer den beiden Herrschern selbst es weiß.
Eines aber habe ich in Erfahrung bringen können: Der Übertritt über den großen Strom ist fortan allen Erwachsenen vollständig untersagt, allen anderen dafür in unbegrenzter Zahl. Unsere Majestät ließ verlauten, dies sei kein Vertragsbruch, da es im Einklang mit den Absichten des alten Vertrages stünde. Ich aber glaube, obgleich ich an den ehrenvollen Absichten der Queen keinen Zweifel hege, dass der General diese Änderung kaum ohne irgendwelche Hintergedanken durchgesetzt haben wird.
Jedenfalls bin ich überzeugt, dass dieser neue Vertrag nicht ohne Auswirkungen bleiben wird. Merke dir also gut, was ich gesagt habe, kleiner Tanur, und berichte es deinem Großvater.
Meister Tajor soll sich vorsehen - denn der große Strom ist kein verlässlicher Schutz mehr! Das muss er erfahren!“
Damit beendete der Lord seinen Vortrag und schaute erwartungsvoll auf die beiden Kinder hinab. Diese wussten erst nicht recht, wie sie darauf reagieren sollten, dann aber platzte es aus ihnen heraus:
„Welcher Vertrag?“ „Was für eine Kwien?“
„Ein General?“ „Meinst du etwa die Seekönigin?“
„Was will dieser General denn?“ „Gibt es sie wirklich?“
„Und was hat das mit meinem Großvater zu tun?“ „Kann ich sie dann einmal besuchen?“
„Was...?“ „Wer...?“, stellen sie nun all die vielen Fragen zugleich, die sich im Laufe von Moebius' Monolog auf ihren Zungen gesammelten hatten.
„Moment, Moment!“, unterbrach er schließlich belustigt den auf ihn einstürmenden Fragensturm. „Wisst ihr, ich würde euren Wissensdurst ja nur zu gerne stillen, aber obgleich das alles einfache Fragen sind, gibt es auf keine davon eine einfache Antwort – und schon erst recht keine kurze. Außerdem glaube ich nicht, dass Meister Tajor oder Amperlas es gut heißen würde, wenn ich euch mit diesen Dingen belasten würde.“
„Aber...“
„Kein Aber! Außerdem muss ich jetzt auch wieder los. Wichtige ...öhm … Staatsgeschäfte ...öh... und so. Ihr versteht schon.“
Und obwohl sie das keinesfalls taten, versuchten Tanur und Tesla beide möglichst verständnisvoll zu nicken.
„Na, dann ist ja alles gut. Und vergiss nicht meine Botschaft auszurichten, Tanur: Der Vertrag wurde geändert. Der General und die Queen der See haben ein Bündnis geschlossen. Und kein Erwachsener darf den Strom mehr überschreiten, dafür aber alle noch nicht ausgewachsenen. “
„Ist klar!“, antwortete Tanur erneut nicht ganz wahrheitsgemäß. Zumindest aber war er sich ziemlich sicher, dass er die Botschaft, wenn schon nicht verstanden, so sich doch wenigstens gut gemerkt hatte.
„Also dann: Macht es gut! Hat mich gefreut dich kennenzulernen, Tesla, und dich einmal wiederzusehen, Tanur“, sagte Lord Moebius und beschloss das Gespräch mit einem – selbst für die Ausmaße seines Mauls - beeindruckend breiten Grinsen. Dann ließ er sich rückwärts ins Wasser fallen und begann langsam mit seinen Armen zu rudern, wodurch er sich schnell vom Ufer entfernte.
„Wieso ‚wieder sehen‘? Hast du diesen Fisch schon mal getroffen?“, fragte Tesla, die das Gefühl nicht loswurde, dass der Lord von und zu Fischteich ihren Freund irgendwie für wichtiger hielt als sie.
„Nicht dass ich wüsste.“, erwiderte dieser, „Bis jetzt habe ich eigentlich auch noch jeden Fang verspeist, den mein Großvater und ich an diesem See gemacht haben. Allerdings war bis jetzt auch noch keiner so gesprä...“
„Rumms“, unterbrach ihn das schon beim bloßen Hören schmerzhaft klingende Geräusch, verursacht durch das Aufeinandertreffen des über den See treibenden Baumstammes und Moebius' Hinterkopf, infolgedessen letzterer – samt zugehörigem Körper – mit einem lauten „plotsch“ unterging.
„MOEBIUS!“, riefen Tanur und Tesla zugleich, doch noch bevor sich die beiden entscheiden konnten, was sie tun sollten, tauchte ein ganzes Stück weiter draußen etwas rundes, hellblaues aus dem See auf.
„Macht euch keine Sorgen – mir geht’s bestens“, rief ihnen der Lord quer über den See zu und rieb sich dabei mit einer Hand an seinem Hinterkopf, dem es offensichtlich doch nicht ganz so bestens ging, „Und damit ihr nicht heute Nacht noch mit leeren Mägen hier am Strand sitzt, habe ich hier noch ein kleines Abschiedsgeschenk für euch.“ Dann warf er irgendetwas längliches hoch in die Luft und tauchte selbst wieder ab.
Sein Geschenk hingegen flog im hohen Bogen über das Wasser Richtung Strand. Genau genommen waren es zwei Geschenke, wie Tanur jetzt erkannte. Zwei dicke Fische waren es, stellte Tanur erfreut fest, als sie ihn schon fast erreicht hatten. Zwei Fische, die genau auf ihn zu kamen, bemerkte Tanur plötzlich völlig überrascht und warf sich im selben Moment zu Boden, denn da flogen die beiden ehemaligen Seebewohner auch schon über ihn hinweg und prallten gegen den hinter ihm stehenden Baum.
„Hmm – fliegende Fische“, bemerkte Tesla trocken, ließ ein kurzes, unterdrücktes Kichern hören und brach dann in schallendes Gelächter aus, in das Tanur, nachdem er zuerst mehrmals völlig verdutzt von seiner Freundin zu den Fischen und zurück geblickt hatte, freudig einstimmte.

Einige Zeit später saßen die beiden Freunde wieder zusammen am Strand – diesmal aber starten sie nicht auf die reglose Wasserfläche des Fischteichs, sondern auf den kleinen Haufen mit trockenem Reisig, der zwischen den beiden aufgeschichtet war und den Tanur nun zu entzünden versuchte. Wie es ihm sein Großvater bei ihrem letzten gemeinsamen Angelausflug gezeigt hatte, hatte er sich dazu zwei Steine gesucht, von denen er meinte, dass es solche waren wie sie sie auch damals verwendet hatten, und schlug diese nun immer und immer wieder fest gegeneinander.
Tesla hatte ihn dabei zuerst interessiert, inzwischen aber mit immer größer werdender Ungeduld beobachtet, bis sie – oder eigentlich eher ihr Magen - endlich eine Entscheidung traf:
„Tanur, ich glaube, wenn wir die Fische noch essen wollen, solange sie gut sind, sollte das mit dem Feuer vielleicht doch besser ich machen, oder?“
Der so angesprochene hielt in seiner Tätigkeit kurz inne und wollte zuerst eigentlich ablehnen, doch dann hörte er aus seiner Bauchgegend ein sehr überzeugendes Grummeln, das eindeutig stärker war als sein Stolz. Also warf er die beiden Steine resignierend zur Seite und beobachtete nun seinerseits Tesla, wie sie sich über den Reisighaufen beugte, die Augen zu Schlitzen verengte und konzentriert nach unten starrte. Erst dachte er schon, sie würde es ebenfalls nicht schaffen, das Holz zum brennen zu bringen, doch dann sah er wie kleine Funken anfingen um ihre Ohren zu tanzen. Erst nur einige wenige, dann immer mehr. Ihr Fell begann zu knistern, selbst die Luft um sie schien sich langsam aufzuladen. Plötzlich vernahm Tanur ein lautes elektrisches Zischen, unmittelbar gefolgt von einem nahen Donner, und für einen kurzen Moment entstand eine leuchtend helle, zuckende Verbindung zwischen Tesla und dem Reisighaufen. Dann verschwand der Blitz, ebenso schnell wie er erschienen war, aus dem Reisighaufen aber stieg feiner Rauch auf.
Geistesgegenwärtig bückte sich Tanur zu ihm hinab und blies kräftig in das gerade entstehende Feuer hinein, dass darauf schnell größer wurde und bald zu einem großen, wild flackernden und angenehm prasselnden Lagerfeuer heranwuchs, über dem die beiden Abenteurer nun endlich ihr langersehntes Mittagessen braten konnten.
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Schließlich, als vom Feuer nur noch die letzten Reste schwach vor sich hin glimmten, von den Fischen nur noch die sauber abgenagte Gräten übrig waren und die Sonne längst ihren Zenit überschritten hatte, standen die Freunde langsam auf und beratschlagten, was sie nun tun sollten. Zum Fluss hinab, das musste auch Tesla inzwischen zugeben, würden sie es heute mit Sicherheit nicht mehr schaffen. Im Wald übernachten, das war, auch wenn es natürlich keiner zugeben wollte, erst recht keine Alternative. Blieb also nur noch die Möglichkeit zurück ins Dorf zu gehen – wie Tanur nicht ohne eine gewisse Erleichterung feststellte.
Und so löschten sie schließlich die letzten Reste des Lagerfeuers, riefen ein „Auf Wiederseh'n und vielen Dank für den Fisch“ in Richtung See und machten sich bereit zum Aufbruch. Doch gerade als sie sich umdrehten um nach Hause zu gehen, da entfuhr Tanur ein spitzer Schrei und beide blieben wie versteinert stehen: Direkt vor ihnen stand ein Baum! Nicht irgendein Baum natürlich – nein, es war der Baum, dem sie schon auf dem Hügel vor dem Fischteich begegnet waren, der Baum, der lebte. Und der ihnen offenbar gefolgt war!
Als erstes löste sich Tanur aus seiner Erstarrung. Er packte Tesla an der Schulter und wollte schon los rennen, da flüsterte ihm diese plötzlich etwas ins Ohr: „Eigentlich ist ein Baum doch auch nur Holz, oder? Und trocken sieht es auch aus...“ Und noch bevor Tanur darauf antworten konnte, hatte sie ihren Blick bereits zurück auf den Baum gewandt. Absolut konzentriert und mit einer Ruhe, die Tanur für diese Situation höchst bewundernswert fand, starrte sie den hölzernen Riesen an. Funken begannen um ihren Kopf zu tanzen, die Luft knackte, ihr Fell knisterte. Dann entlud sich die gesammelte Ladung begleitet von einem gewaltigen Donner in einem dünnen, grellen Blitz, der genau in die Mitte des mächtigen Stammes einschlug.
Dort aber verschwand er nicht, vielmehr prallte er von der Rinde zurück, hing einen Moment zögernd in der Luft, sprang wieder zurück zu seinem ursprünglichen Ziel, umzuckte hilf- und wirkungslos Zweige, Äste und Stamm. Dann verschwand er im laubbedeckten Waldboden.
Der Baum aber stand noch immer da, scheinbar ebenso reglos wie unbeeindruckt. Plötzlich jedoch kam Bewegung in den stummen Riesen: Langsam hob er erst seine beiden kräftigsten Äste, dann fing auch der Stamm selbst an sich knarzend nach vorne zu neigen.
Da nun endlich gab es kein Halten mehr für die zwei Kinder. Als wären sie und nicht der Baum vom Blitz getroffen worden, rannten sie los. Sie wussten nicht wohin sie wollten, nur von wo sie weg wollten. Weg vom See und weg von dem Baumgeist! „Weg nur weg hier“, war der einzige klare Gedanke, den sie fassen konnten. Und so rannten sie und rannten, über Wurzeln und Äste, Steine und Pfützen, hinauf und hinab, nur immer weiter, bis sie schließlich völlig erschöpft auf einer kleinen Lichtung zum Stehen kamen.
Angstvoll blickten sie sich um, aber der Baum war nicht zu sehen.
„Wie haben es geschafft, wir haben ihn abgehängt!“, rief Tesla begeistert. Doch gerade als auch Tanur in ihren Jubel einstimmen wollte, wurde ihm schlagartig bewusst, dass es für Erleichterung eigentlich keinen Anlass gab. Denn natürlich hatten sie nicht darauf geachtet, in welche Richtung sie ihre wilde Flucht geführt hatte. So aber standen sie nun inmitten eines endlosen Meeres aus Bäumen und hatten nicht die leiseste Ahnung, wo sie waren und wohin sie sich nun wenden sollten.
Dem Baum waren sie zwar entkommen, doch dafür nun im Wald gefangen.
    4. Szene: In der Grube


Erst nach einer Weile bemerkte Tesla, dass Tanur bei Weitem nicht so begeistert wirkte wie sie selbst es war und stattdessen angespannt die Bäume in seiner Nähe untersuchte.
„Also, auf nach Hause!“, rief sie ihm aufmunternd zu, doch Tanur zeigte keinerlei Reaktion und starrte weiter suchend auf die Bäume am Rand der Lichtung. „Was ist denn? Willst du hier etwa Wurzeln schlagen? Ich jedenfalls würde mich ganz gerne auf den Heimweg.“
„Ach, weißt du denn, wo der ist?“, erwiderte Tanur nun endlich, zu Teslas Erstaunen aber in einem ganz und gar nicht euphorischen Tonfall.
„Wo wer ist?“
„Na, der Heimweg. Also“, fügte er an und ließ dabei seinen Blick vielsagend einmal über die Lichtung schweifen, „in welche Richtung es nach Hause geht!“
„Oh!“, war alles was Tesla darauf als Antwort einfiel. Eben noch war sie fest entschlossen einfach loszulaufen, in die Richtung, die ihr gerade die richtige schien. Aber je länger sie nun darüber nachdachte, desto klarer wurde ihr, dass sie sich gar nicht sicher war, ob das der richtige Weg war. Ja, genaugenommen hatte sie noch nicht einmal die leiseste Ahnung, wo es nach Hause ging. Die Bäume jedenfalls sahen in allen Richtungen gleich aus und woher sie auf diese Lichtung gekommen waren, daran konnte sie sich beim besten Willen nicht mehr erinnern.
„Oh!“, machte sie noch einmal, als ihr langsam klar wurde, was dieser Gedanke bedeutete, „und du weißt es auch nicht?“
„Nein, ich weiß ja nicht einmal, wo wir sind – aber du bist doch voraus gelaufen, also müsstest du doch wissen, wo wir sind, oder?!“, erwiderte er und versuchte dabei möglichst vorwurfsvoll zu klingen, jedoch nur um die eigene aufkommende Panik zu überdecken.
„Aber ich bin ein Schaf – und ein Schaf muss nicht wissen, wo es lang geht. Schafe sind Herdentiere und in einer Herde reicht es, wenn einer den Weg kennt. Und dafür gibt es in jeder Herde einen Leithammel“, versuchte sich Tesla zu verteidigen.
„Ach, und dieser Hammel soll jetzt ich sein, oder wie?“
„Na, zumindest bist du doch angeblich ein Bär – und wie jeder weiß haben Bären einen ausgezeichneten Orientierungssinn...“
„Hab ich ja auch!“, entgegnete Tanur beleidigt.
„Und warum fragst du dann nicht einfach mal den, wohin wir müssen?“
„Weil er so nicht funktioniert. Nur wer weiß, wo er ist, kann auch wissen, wohin er geht.“, rezitierte er einen Spruch seines Großvaters, den dieser bei jedem ihrer Ausflüge mindestens einmal zum Besten gab.
„Macht ja nicht gerade besonders viel Sinn dieser Sinn“, kommentierte Tesla diese Weisheit schnippisch.
„Macht er doch – und ich könnte dir auch ganz genau sagen, in welche Richtung wir gehen müssen, wenn du nur wüsstest, wo wir sind.“
„Naja, wir stehen gerade auf einer runden Wiese, umgeben von einer Menge Bäumen“, versuchte es Tesla zaghaft, wurde aber gleich wieder von Tanur unterbrochen: „Über uns ist der Himmel, unter uns die Erde und um uns herum der Wald und der große Strom – ja, ich weiß. Das hilft uns nur leider alles kein bisschen weiter...“
Darauf sagte erst einmal keiner mehr etwas und die beiden schauten demonstrativ aneinander vorbei, in den Wald hinein, der, obgleich kein Baum dem anderen glich, doch irgendwie in jeder Richtung gleich aussah und der vielleicht ganz in der Nähe, vielleicht aber auch auf der anderen Seite der Insel ihr kleines Dorf verbarg.
Schließlich unterbrach Tesla die Stille, die ihr allmählich noch unangenehmer wurde als zuzugeben, dass sie doch nicht ganz unschuldig daran war, dass sie sich so verlaufen hatten: „Tut mir ja leid, aber wir sollten vielleicht trotzdem weiter gehen – denn wenn wir nur hier stehen bleiben, kommen wir sicher nicht wieder nach Hause“.
„Mhm“, brummte Tanur, froh darüber nicht mehr schmollen zu müssen, zugleich aber nicht besonders überzeugt von der Idee, einfach in irgendeine Richtung loszulaufen.
„Und im schlimmsten Fall kommen wir eben irgendwann zum Großen Strom“, fügt sie noch an, als sie den zweifelnden Blick ihres Freundes bemerkte, „und dann wissen wir zumindest, dass das die falsche Rich...“
Doch weiter kam sie nicht mehr, denn in dem Moment sprang Tanur völlig unvermittelt mit einem Freudenschrei auf und rief begeistert: „Das ist es! Der Fluss! Tesla, du bist genial!“
„Ach?“, war alles, was ihr dazu einfiel, ihr aber nicht gerade besonders genial vorkam. Aus Tanur indes sprudelte es plötzlich nur so hervor: „Erinnerst du dich noch an …?“
„Der Wassermann mit der roten Perle auf der Stirn, der immer die ganzen tolle Geschichten erzählt, von der Seekönigin, der Schneeriesen, den Ballgeistern, den...“
„Ja, ja – genau der!“, Tanur war nun nicht mehr zu bremsen, „Und der hat uns doch auch erklärt, dass wir, wenn wir ihm einmal einen Brief schreiben wollten, den einfach in eine Flasche stecken, sie fest verschließen und dann in den Dorfteich werfen sollten. Und weil alles Wasser miteinander verbunden ist, würde es so irgendwann bei ihm ankommen – wo auch immer er gerade ist.“
„Und jetzt willst du ihm einen Brief schreiben?“; fragte Tesla verständnislos.
„Nein, natürlich nicht. Aber er hat doch damals auch eine Karte gezeichnet, um uns zu zeigen, wie genau das ganze Wasser miteinander verbunden ist: Der Weiher mit den Kanälen, die Kanäle mit dem Graben, der Graben mit dem kleinen Fluss, der kleine Fluss mit dem großen Strom, der große Strom schließlich mit dem Meer...“
„Und...?“
„Und das heißt, dass unsere Insel von dem kleinen Fluss, der von unserem Dorf bis runter zum großen Strom fließt, in zwei Teile zerschnitten sind. Wir sind heute morgen Richtung Sonnenuntergang gelaufen, also sind wir auf der linken Seite. Wenn wir jetzt nur lang genug Richtung Sonnenaufgang laufen, werden wir irgendwann auf diesen kleinen Fluss stoßen.“
„Und dann stopfen wir uns selbst in eine Flasche und hoffen, dass wir so irgendwann im Dorfweiher ankommen?“
„Quatsch! Aber wir gehen einfach an ihm entlang, und zwar so lange bis er auf den Dorfgraben stößt – und schon sind wir daheim! Klar?“
„Klar“, antwortete Tesla, der eigentlich gar nichts klar war. Sie hatte sich zwar wirklich bemüht Tanurs begeisterten Ausführungen und vor allem seinen Tatzen zu folgen, mit denen er Toras' Karte in die Luft zeichnete, aber irgendwo zwischen Graben, Fluss und Meer war sie wohl falsch abgebogen. Jedenfalls hatten sich ihre Gedanken nun so dermaßen verlaufen, dass sie sich nicht sicher war, ob diese überhaupt jemals wieder zu ihr zurück finden würden.
„Und wo die Sonne untergeht, das sagt mir mein Orientierungssinn.“
„Klar“, sagte Tesla erneut und war dabei heilfroh, dass sie so etwas nicht hatte, so einen Orientierungssinn. Denn wenn man da schon allein vom Zuhören solche Kopfschmerzen bekam, dann wollte sie lieber gar nicht wissen, was dieser komische Sinn anstellte, wenn man ihn erst mal im Kopf hatte.
Anstatt sich also noch weiter in solchen Gedanken zu verheddern, vertraute sie daher lieber darauf, dass ihr Freund wusste, was er tat und rannte als Aufwärmung schon mal eine Runde um die Lichtung, solange Tanur sich noch mit seinem Orientierungssinn beratschlagte. Denn – das wusste sie aus Erfahrung – nichts half so gut gegen verknotete Gedanken wie Bewegung – wenn man sie nur lange genug durchschüttelte, dann gaben sie irgendwann von selber auf.

So machten sich die beiden schließlich überaus zuversichtlich wieder auf den Weg. Ihr Streit war schnell vergessen und sie liefen munter in die von Tanur gewiesene Richtung, wobei dieser hin und wieder stehen blieb und einen der alten Bäume untersuchte um festzustellen, ob die Richtung noch stimmte. Denn, so erklärte er Tesla unterdessen, auf der Seite der Stämme, an der das Moos am dichtesten wuchs, auf dieser Seite lag Mittag. Weil nämlich das Moos am liebsten dort wächst, wo viel Regen hinkommt. Und der Regen kommt nun mal immer von Süden, vom fernen Meer her... Und je mehr Tanur so erzählte, desto sicherer wurden sich die beiden, dass sie auf dem richtigen Weg waren und dass sie schon bald wieder zu Hause sein würden.
Es war ja auch ein guter Plan - oder zumindest wäre es eine solche gewesen, wenn nicht schon so viele Jahre vergangen wären, seit Toras' letztem Besuch und wenn sich seit dem nicht so vieles verändert hätte. Der kleine Fluss jedenfalls, der einstmals das Dorf mit dem Großen Strom verbunden hatte, hatte sich schon vor vielen Jahren ein anderes Bett gesucht: Zwar floss er immer noch, gespeist vom Wasser des Dorfteichs, aus dem Dorf hinab in den Wald, doch kaum war das Dorf außer Sicht, verschwand er gurgelnd unter der Erde und ergoss sich in ein weit verzweigtes Höhlensystem, das fast die gesamte Insel durchzog. An der Oberfläche aber war sein frühere Flussbett längst verschwunden. Laub und andere Pflanzenreste hatten sich darin gesammelt, waren zu Humus zerfallen und wieder mit neuem Laub bedeckt worden. Erste Keimlinge sprossen auf dem neuen Boden, wuchsen zu kleinen Büschen heran, die bald schon ihrerseits von jungen Bäumen überragt wurden. Auch die letzten Spuren des ehemaligen Flusslaufs waren so schon bald vollkommen mit der Umgebung verschmolzen und nur ein sehr aufmerksamer Beobachter hätte noch vereinzelt Hinweise auf den früheren Flusslauf finden können.
Tanur und Tesla aber waren das nicht, schließlich erwarteten sie irgendwann auf einen richtigen Fluss zu stoßen. Und so hatten die beiden Freunde ihn schließlich überquert, ohne es überhaupt bemerkt zu haben, und wären wohl noch den ganzen Tag weiter in diese Richtung gegangen, wenn nicht Tanur plötzlich eine ferne Stimme vernommen hätte:
„Hilfe“, wiederholte er das Gehörte, „Da ruft jemand um Hilfe!“
„Sicher?“, fragte Tesla, die inzwischen wieder die Führung übernommen hatte und ein ganzes Stück vorneweg lief, irritiert zurück, „ich höre nichts.“
„Sicher!“, antwortete Tanur knapp, lauschte noch einmal und zeigte dann in die Richtung, aus der ihm der Ruf zu kommen schien, „Da kommt es her!“

Und tatsächlich – nachdem sie ein Stück weit in diese Richtung marschiert waren, vernahm auch Tesla etwas – zwar keinen Hilferufe, aber doch so etwas ähnliches.
„Verdammter Wald, dämlicher!“, und das dumpfe Geräusch von kräftigen Schlägen gegen eine weiche Wand hörten sie, als sich plötzlich direkt vor ihnen ein nahezu perfekt kreisrundes Loch im Waldboden auftat. Darin sahen sie ein kleines, aber ziemlich muskulöses graues Männchen, das tobte und zeterte, die Wurzeln, die Bäume und den Wald verfluchte und dabei mit seinen kräftigen Fäusten die Erdwand vor ihm bearbeitete. So vertieft war er in diese Beschäftigung, dass er gar nicht bemerkte, wie zwei Beobachter am Rand seiner Grube erschienen und halb irritiert, halb belustigt auf das sich ihnen bietende Schauspiel hinabblickten.
„Ich glaube nicht, dass dich das Loch wieder gehen lässt, wenn du es verprügelst“, griff schließlich Tesla in den wenig erfolgversprechenden Kampf des Männleins ein, woraufhin dieses sofort von der Grubenwand abließ, seine vor Zorn funkelnden, roten Augen zu der Sprecherin empor richtete und ihr herausfordernd seine Fäuste entgegenreckte.
„Wer bist du? Und was willst du?“, rief er ihr zu als säße er nicht in einer dreckigen Grube, sondern in einem prachtvollen Thronsaal, und als wäre Tesla nicht gekommen um ihm zu helfen, sondern um ihn um Hilfe anzuflehen.
„Ich bin Tesla. Und eigentlich wollten wir dir helfen...“
„Wir? Wer ist da noch?“
„Ich!“, antwortete Tanur und trat einen Schritt näher an den Rand der Grube trat, sodass das darin gefangene Männchen nun auch ihn sehen konnte.
„Name?“
„Tanur.“
„Und du bist?“, fragte nun Tesla zurück, der inzwischen aufgefallen war, dass sich dieses Männchen eigentlich ganz schön aufspielte, dafür dass es dort unten, sie selbst hingegen hier oben stand.
„Colo – Fähnrich Colo!“
„Aha....“
„Und wie ihr ja vielleicht schon bemerkt habt, bin ich hier wohl in so eine Art Falle geraten...“
Tatsächlich hatten sie das bislang noch nicht – aber jetzt fiel es ihnen auch auf: Das war nicht einfach nur ein normales Loch – dieses Loch hatte jemand gegraben und dann sorgfältig mit Ästen, Zweigen und Blättern bedeckt, die aber inzwischen in die Grube gefallen waren – wohl zusammen mit deren jetzigem Insassen.
„Richtig – und deswegen sind wir ja auch gekommen. Um dir zu helfen...“
„Ich brauche aber keine Hilfe!“
„Achso...“, Tesla, die es sowieso allmählich leid wurde sich von einem in einem Erdloch festsitzenden Männchen herumkommandieren zu lassen, zuckte resigniert mit den Ohren und drehte sich um.
„Halt, wartet...“
„Brauchst du nun doch unsere Hilfe?“
„Nein!“
„Nein?“
„Nein! Ein Soldat braucht keine Hilfe von Zivilisten...“
„Zivilisten?“
„...aber wenn es nicht anders geht, handelt er mit ihnen.“
„Ach? Und was gibt es hier zu handeln?“
„Nun, ihr sorgt dafür, dass ich hier raus komme und ich gebe euch dafür...“, der Fähnrich blickte sich suchen um, „...naja, was ihr eben dafür wollt.“
„Eigentlich wollen wir aber gar nich...“
„Doch, wir wollen etwas“, mischte sich nun Tanur wieder in die Verhandlungen ein, „und zwar nach Hause!“
„Wo seid ihr denn zu Hause?“
„In dem Dorf, genau in der Mitte der Insel - weißt du wo das ist?“
„Ja, das weiß ich – das ist nämlich auch mein Ziel. Also, dann sind wir uns ja einig: Sobald ich hier heraus bin, sage ich es euch.“
„Perfekt!“, rief Tanur begeistert und machte sich umgehend daran die Umgebung nach einem passenden Werkzeug abzusuchen. Als er einen Ast gefunden hatte, der ihm sowohl lang als auch kräftig genug erschien, schleifte er diesen zurück zu der Grube.
„Na, dann werden wir mal unsere Angel auswerfen“, meinte Tesla grinsend, packte das hintere Ende des Astes und stemmte die Füße in den Boden, während Tanur die Angel langsam in die Grube hinab gleiten ließ.
„Ich glaube, da hat was angebissen.“, rief er nach hinten, sobald Colo den Ast zu fassen bekommen hatte, „Auf drei: Eins – zwei – DREI!“ Und schon hing der Gefangene in der Luft, baumelte ein ganzes Stück über dem Boden der Grube hin und her. Ein weiterer Ruck, noch einer und schon lag das graue Männchen auf dem Waldboden, den Ast immer noch fest umklammernd.
„Was für ein Fang – wenn das mal nicht ein echter Fähnrichsfisch ist“, bemerkte Tesla lachend und für einen kurzen Moment schien sich auch auf dem Gesicht des jungen Soldaten so etwas wie ein Lächeln anzubahnen. Dann schluckte er einmal und es war wieder verschwunden.
Er rappelte sich auf, zupfte sich ein Laubblatt aus einem der seinen Kopf zierenden, braunen Knochenkämme und holte aus einer kleinen Tasche an seinem Gürtel ein akkurat gefaltetes, weißes Blatt Papier hervor. Darauf war ein Muster zu erkennen aus feinen, schwarzen Linien, Symbolen und Buchstaben.
„Ihr habt euren Teil der Abmachung erfüllt, jetzt erfülle ich meinen.“
„Eine Karte!“, rief Tanur begeistert. Er liebte Karten, zu Hause in seiner Höhle hatte er in jahrelanger Arbeit eine große Karte des ganzen Dorfes in die Felswand geritzt. Von einer solchen Karte der ganzen Insel träumte er schon lange – auch wenn ihm inzwischen klar geworden war, dass die Höhlenwand dafür nicht ausreichen würde...
Fasziniert betrachtete er daher Colos Karte, während dieser mit dem Finger seine bisherige Reiseroute nachzog:
„Also, heute morgen bin ich hier gestartet“, begann er, wobei er auf ein offenbar von ihm selbst auf die Karte gemaltes Kreuz zeigte, „und von dort aus sechs Stunden nach Westen marschiert, habe eine halbe Stunde Rast gemacht und bin dann weitere zwei Stunden Richtung Nordwesten gegangen. Wir sind jetzt also hier und euer Dorf“, sagte er, nun laut und zu seinen Rettern gewandt, „liegt demnach ein Stück weiter Richtung Nordwest, das heißt“, er blickte suchend gen Himmel.
„Dort!“, platzte es aus Tanur heraus, der schnell erkannt hatte, dass der Fähnrich mit „Westen“ Sonnenuntergang meinte und mit „Norden“ die Richtung, in der die fernen Schneeberge lagen.
„Genau“, bestätigte ihn Colo, als er endlich die momentan durch eine Wolke fast völlig verdeckte Sonnenscheibe ausgemacht hatte.

„Na, dann – auf was warten wir noch? Gehen wir los“, meldete sich Tesla wieder zu Wort. Die Begeisterung ihres Freundes für Karten konnte sie zwar nicht so recht teilen, aber dass sie nun wieder wussten, wo es nach Hause ging, das zumindest hatte sie verstanden. Tanur nickte und wollte sich gerade in Bewegung setzen, als sich plötzlich Colo ihm in den Weg stellte.
„Ich befürchte, das war nicht Teil unserer Abmachung!“
„Was war nicht Teil der Abmachung?“, fragte Tanur verwirrt.
„Dass wir zusammen weiter gehen – ich habe nur versprochen euch zu sagen, wo euer Dorf liegt. Das habe ich getan und damit meine Pflicht erfüllt.“
„Na gut, dann gehen wir halt ohne dich...“, warf Tesla ein, der dieses komische Männlein allmählich ziemlich auf die Nerven ging.
„Das wird leider ebenfalls nicht möglich sein!“
„Wieso...“, setzte nun wieder Tanur an, doch weiter kam er nicht mehr. Denn da spürte er plötzlich einen heftigen Schmerz in der Magengegend, fiel nach hinten und landete, ehe er recht wusste wie ihm geschah, auf dem Boden der Grube, an deren Rand er eben noch gestanden hatte.
„HE! Was soll das?“, hörte er Tesla oben rufen. Die Luft begann zu knistern, ein kurzes Zischen und gleich darauf ein lauter Donnerknall waren zu hören. Dann flog auf einmal ein Schatten über den Rand der Grube, schlug im Fall einen Salto und landete direkt auf einem kleinen, vor Überraschung immer noch vollkommen regungslos daliegenden Bären – nicht ohne ihm dabei noch einen kräftigen elektrischen Schlag zu verpassen.

„So ein Mistkerl – der hat uns reingelegt“, schimpfte Tesla, während sie sich langsam wieder aufrappelte, „Verdammter Fähnrich!“
„Dämlicher!“, ergänzte Tanur. Doch den mit diesen Worten Bedachten interessierte das entweder nicht oder er war schon außer Hörweite. Jedenfalls mussten die beiden bald einsehen, dass ihnen das Schimpfen auch nicht half aus dieser Falle zu entkommen. Das hatte schließlich auch ihr Vorgefangener schon zur Genüge und vor allem vergeblich versucht.
Also verlegten sie sich darauf in gewissen Abständen laut um Hilfe zu rufen, während sie gleichzeitig versuchten irgendwie aus eigener Kraft aus diesem Loch zu entkommen. Von Erfolg gekrönt war jedoch weder das eine noch das andere. Die Wände waren zu glatt um daran emporzuklettern, die wenigen Wurzeln, die aus ihnen herausragten zu schwach um sich an ihnen fest zu halten. Die Grube selbst war so tief, dass Tanur nicht einmal dann deren Rand erreichen konnte, wenn er sich auf Teslas Rücken stellte, und außer ihnen war offenbar niemand mehr hier in dieser Gegend des Waldes – oder zumindest niemand, der ihnen helfen wollte.
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So gaben sie schließlich beides auf, setzten sich erschöpft in eine Ecke und beobachteten schweigend den Schatten des Grubenrandes, wie er mit der sinkenden Sonne langsam an der gegenüberliegenden Wand empor kletterte und sie allein auf dem Boden zurückließ.
Sie waren müde und bekamen allmählich auch wieder Hunger, doch sie wussten, dass sie niemand vermissen würde, bevor es dunkel wurde – schließlich trieben sie sich oft bis spät Abends irgendwo im Dorf herum ohne ihren Eltern Bescheid gesagt zu haben – und dann würde sich niemand mehr auf die Suche nach ihnen machen können. Vor morgen konnten sie folglich nicht auf Rettung hoffen – und das wiederum hieß, dass sie die Nacht hier ver...
Mit einem Mal kam wieder Leben in die beiden. An der Wand vor ihnen bewegte sich etwas: Ein Schatten, grotesk verzerrt durch die tief stehende Sonne – aber wenn man genau hinsah, konnte man doch etwas erkennen: Etwas großes rundes, darunter zwei längliche Gliedmaßen – Arme! Ein Kopf!
Tesla wollte schon laut rufen um, wer auch immer da oben stand, ihn auf sich aufmerksam zu machen, bevor er wieder verschwand, da schob sich das Wesen noch etwas näher an den Rand der Grube und sein Schatten wurde schärfer: Die Arme waren lang und knorrig! Und der „Kopf“ war bedeckt mit Blättern...
„Der BAUM!“, schrie Tanur und schlug noch im gleichen Moment die Tatze vor den Mund. Aber zu spät, der Baum hatte sie bereits entdeckt...
    5. Szene: Nach Hause


Wie in Zeitlupe bewegten sich die beiden langen, knorrigen Äste immer weiter in die Grube hinein, wandten sich tastend mal hier hin mal dort hin und verharrten jedes Mal für einen Augenblick, wenn sie eine der feinen, aus der Grubenwand ragenden Wurzeln streiften. Ebenso langsam bog sich knirschend auch der Stamm nach vorne und reckte dabei die mit Blättern der verschiedensten Baumarten behangene Krone über den Rand der Grube, gefolgt von dem, was bei einem gewöhnlichen Baum einfach das obere Ende des Stammes gewesen wäre.
Dies aber war kein gewöhnlicher Baum und so lagen knapp unterhalb der Stelle, an der sich der Stamm in die beiden gewaltigen, die ausladende Krone tragenden Äste aufteilte, zwei kleine, dunkle Höhlen in der Rinde. Und für einen kurzen Moment blitzte etwas in ihnen auf, als die tief darin verborgenen Augen endlich das erblickten, was sie gesucht hatten: Direkt unter ihm, eng an die Wand gekauert, saßen zwei kleine zitternde Wesen – eines gelb mit vier blauen Beinchen, eines braun mit einem gelben Halbmond auf der Stirn.
Eine ganze Weile verharrte der Baum so und begutachtete seinen Fang, dann setzten sich die Armäste wieder in Bewegung, auf die beiden Kinder zu, während sich im Stamm selbst ein Stück unterhalb der Augenhöhlen ein schmaler Spalt in der Rinde öffnete, der allmählich zu einem breiten, schwarzen, zahnlosen Maul heranwuchs, aus dem eine tiefe, raue und vollkommen unverständliche Stimme drang:
„E-ra? … E-ommte … e … esse … O-e?“
Dann verstummter sie wieder, der Baum blickte in die Grube hinab und wartete auf eine Antwort.
Die beiden Gefangenen dort unten jedoch gaben keinen Laut von sich, sondern starrten nur regungslos auf den riesenhaften Schatten ihres Wächters, der ebenso schweigend und scheinbar völlig bewegungslos am Rand der Grube stand und in die Stille des Waldes hinein lauschte.
Doch in eben dieser Stille hörte der Baum den Wald zu sich sprechen: In tausend feinen Stimmen erzählte er ihm eine Geschichte von einem kleinen Bären und einem kleinen Schaf, einer fleißigen Honigsammlerin, einem dicken Teichbewohner und einem grauen Männchen. Vieles davon wusste der Baum bereits, aber einiges war ihm neu – und dann waren da noch zwei Namen...

Knirschend beugte sich der Baum wieder über die Grube und räusperte sich, gefolgt von einem trockenen Husten. Staub und kleine Steinchen purzelten aus seinem Maul, purzelten über den Rand der Grube und rieselten hinab auf die beiden zitternden Wesen darin.
Tanur zuckte vor Schreck zusammen, als ihn eines dieser Steinchen am Ohr traf, und erstarrte sofort wieder, als er unvermittelt jemanden seinen Namen rufen hörte:
„Tanur? … Tesla?“
„Ja, das sind wir“, antwortete letztgenannte erfreut.
„Nein, sind wir nicht!, rief Tanur schnell hinterher.
„He,“, zischte Tesla zu ihrem Freund hinüber, „was soll das?“
„Wir sollten nicht mit ihm reden“, gab dieser so leise wie nur möglich zurück, „Wir wissen doch gar nicht, was er von uns will. Vielleicht will er uns ja fressen...“
„Fressen?“, tönte nun wieder die raue Stimme vom Rand der Grube hinab, „Ha, wie kommt ihr denn darauf? Warum sollte ich euch denn fressen?“
„Weil … weil du ...“, setzte Tanur zaghaft zu einer Antwort an.
„Weil du ein böser Waldgeist bist!“, platze es aus Tesla heraus.
„Ein Waldgeist? Ha, das ist ja, Ahaha, das ist ja zu komisch – Ahahaha...“, lachte der Riese donnernd, schüttelte dabei seine belaubte Krone wild hin und her und fast schien es als lachte der Wald mit ihm. Und in der Tat hallte das Echo noch weit entfernt zwischen den Stämmen der Bäume wieder, erreichte selbst noch die Ohren eines kleinen Männchen, das soeben mit einem großen Satz und überaus erleichtert diesen seltsamen und unheimlichen Ort hinter sich ließ, als es vor sich endlich sein von den letzten Strahlen der untergehenden Sonne beschienenes Ziel erblickte.
Irgendwo inmitten dieses Waldes aber saßen noch immer zwei kleine Kinder in einer tiefen, dunklen Grube und starrten entgeistert hinauf zu diesem offenbar vollkommen verrückten Baum, der sich dort oben vor Lachen schüttelte. Nur langsam beruhigte sich dieser schließlich und beugte sich wieder hinab zu dem Loch vor seinen Wurzeln, deren feine Ausläufer dabei immer noch vergnügt auf und ab wippten:
„Nein, ha, da müsst ihr euch wirklich keine Sorgen machen – ich habe bisher noch niemanden gefressen. Und schon erst recht nicht würde ich die Enkel meiner besten Freunde verspeisen. Ich nämlich, müsst ihr wissen, bin Arbores aus dem Steineichenwald, ein sehr alter Freund deines Großvaters, Tanur, und der Eltern deines Vaters, Tesla. Wir kennen uns noch aus den alten Tagen und … aber,“ unterbrach er sich selbst mit einem Blick auf seine immer noch etwas verwirrt dreinschauenden Zuhörer, „vielleicht sollte ich euch erst da heraus helfen, nicht wahr? Auf dem Heimweg müsst ihr mir dann aber unbedingt erklären, wie ihr darauf gekommen seid, ein Baum könnte euch verschlingen, ha!“, fügte er, schon wieder lachend, an.

Das taten sie dann auch, Tanur fröhlich in der großen Astgabel unterhalb der Krone sitzend und Tesla unter einen der Arme des großen Baumes geklemmt und immer wieder unsicher nach unten blickend. Während Arbores sie mit behutsamen und doch gewaltigen Schritten durch den Wald trug, erzählten sie ihm von Großvater Tajors letztem Ausflug in den Wald und wie er erschöpft und mit Kratzern und Schrammen übersät wieder nach Hause gekommen war. Arbores Reaktion darauf war ein erneuter, donnernder Lachanfall, Teslas aber ein spitzer Schrei des Entsetzens, da sie das Gefühl hatte der Baum ließe sie vor Lachen fallen. Der aber hielt sie weiter fest mit allen Zweigen seines rechten Armes umfasst und setzte endlich zu einer Erklärung an:
„Wisst ihr, in den alten Tagen hätte man das wohl eine Ironie des Schicksals genannt: Denn ich war tatsächlich dabei, als dein Großvater so zugerichtet wurde, aber wir haben nicht miteinander gekämpft, sondern zusammen gearbeitet. Und wisst ihr, was wir da getan haben? Nein, ihr werdet es nicht erraten, denn das ist die Pointe: Wir haben Gruben ausgehoben, so wie die, in der ich euch gefunden habe! Ha, was für eine Ironie...“
Auch wenn sie nicht so genau wussten, was dieser Baum daran so lustig fand oder was eine „Ironie“ und eine „Pointe“ waren, verblüfft waren die beiden Kinder doch sehr über diese unerwartet Wendung.
„Aber, warum sollte denn mein Großvater mitten im Wald Löcher graben?“
„Wolltet ihr damit etwa Kinder fangen, die ohne Erlaubnis in den Wald gehen?“, vermutete Tesla.
„Euch? Ha, nein, daran haben wir eigentlich nicht gedacht. Fangen aber wollten wir tatsächlich jemanden – nur keine Kinder, sondern Spione.“
„Spione?“, fragten Tanur und Tesla gleichzeitig. Das schien ja doch noch eine spannende Geschichte zu werden.
„Ja, Spione! Dein Großvater hat das schon lange vermutet und offenbar hatte er recht. Der junge Mann, dem ihr da aus der Falle geholfen habt – ich verwette meine Krone darauf, dass er nicht nur ein einfacher Bote ist. Er ist ein Späher, davon bin ich überzeugt und er urde e-er on em E-era ... e-eck e ...!“
Er räusperte sich, wieder vielen kleine Steinchen aus seinem Maul und auf den trockenen Waldboden.
„Entschuldigt bitte, aber wisst ihr, ich ja rede sonst nicht so viel – eigentlich rede ich ja gar nichts, sonst. Denn die meisten Bäume sind doch sehr wenig gesprächig und die, die sprechen können, denen hat man dann nichts zu sagen, weil wir ja längst alle alles im Flüstern des Waldes gehört haben und was sollte man sich da noch erzählen, nicht wahr? Das ist ja eigentlich auch schön, weil so niemand ein Geheimnis haben kann, aber man hat dadurch leider auch kaum noch eine Möglichkeit sich zu unterhalten und...“
Und deshalb nutzte Arbores diese seltene Gelegenheit nun offenbar umso ausgiebiger. Eine Unterhaltung allerdings konnte man das nicht wirklich nennen, redete er doch ununterbrochen und ließ Tanur oder Tesla gar nicht erst zu Wort kommen. Denen wiederum war das aber durchaus recht, denn sie fühlten sich nun, da die Aufregung endlich vorbei war, plötzlich sehr, sehr müde. Sie lauschten also nur mit einem Ohr den Geschichten des alten Baumes und mit dem anderen dem für sie zwar unverständlichen, aber doch beruhigenden Rauschen der Blätter.

Und so erreichten sie schließlich den Waldrand. Die Sonne war lange schon hinter dem Horizont verschwunden und der Mond tauchte das kleine Dorf vor ihnen in ein silbernes Licht. In den Fenstern der Häuser war es längst dunkel, nur aus zwei Behausungen fiel noch ein schwacher Schein nach draußen: Aus Amperlas Holzhütte in der Mitte des Dorfes und aus Meister Tajors Höhle am Fuß des Berges.
„Auf, ihr zwei – eure Eltern erwarten euch.“, bemerkte Arbores lachend, nachdem er Tesla auf dem Boden abgesetzt und Tanur beim Herunterklettern geholfen hatte.
„Vielen Dank!“, riefen ihm die beiden Kinder von unten zu.
„Keine Ursache.“, erwiderte der Baum, „Aber Tanur, es gibt noch etwas, dass du für mich tun könntest. Es gibt da ein Gerücht, dass ich aus dem Wald von der anderen Seite des Flusses gehört habe, und ich glaube deinen Großvater wird das sehr interessieren.“
Tesla verdrehte die Augen, sie wollte jetzt nur noch nach Hause und nicht noch eine weitere von Arbores‘ Geschichten hören. Doch entweder hatte der diesen Blick gesehen oder selbst er hatte inzwischen genug für einen Tag geredet, denn seine Botschaft bestand nur aus einem einzigen Satz:
„Es heißt, der General selbst habe seine Festung verlassen und sei auf dem Weg hierher. Richte das bitte Tajor aus. Gute Nacht euch beiden“, dann schloss sich der Spalt in der Rinde, der sein Mund gewesen war, wieder. Seine Wurzeln gruben sich in den Waldboden, das Funkeln in seinen Augen erlosch und es stand nur noch ein ganz normaler Baum da am Rand des Waldes – einer inmitten unzähliger anderer.
Tanur und Tesla aber wandten sich um und gingen erst langsam, dann immer schneller werdend auf das Dorf zu, kletterten durch den leeren Graben und über den verfallenen Wall, liefen durch die vertrauten Gassen und über die kleinen Brücken den Weg zurück, den sie heute morgen schon einmal genommen hatten, nur das es jetzt dunkel und die Wege verwaist waren.
Schließlich erreichten sie ein großes, ganz aus Holz gebautes Haus, über dessen Tür eine kleine Glaskugel hing, mit einem Glühdraht darin, der einen hellen Lichtschein auf die Wiese vor dem Eingang warf. Unter dem Türrahmen aber wartete ein Schatten von ähnlicher Form wie Tesla, aber größer und aufrecht sitzend.Als er die beiden Heimkehrer erblickte, seufzte er erleichtert und winkte ihnen zu, „Da kommt ihr ja endlich – unsere Mutter hat sich schon Sorgen gemacht, Tesla!“
„Ach Webbla, wir waren doch nur ein wenig länger im Dorf unterwegs – was sollte uns da schon passieren?“, entgegnete diese, verabschiedete sich von Tanur und ging mit ihrer großen Schwester in das Haus. Webbla wünschte Tanur ebenfalls noch eine gute Nacht, dann schloss sie die Tür hinter sich und die Lampe über dem Eingang erlosch.
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Tanur stand nun alleine im nächtlichen Dorf und obwohl ihm die Umgebung vertraut war und der Mond immer noch hell zwischen den kleinen Häusern hindurch schien, fühlte er sich irgendwie unwohl so einsam inmitten all der großen, kalten Schatten der Häuser und ganz besonders der einzelnen Bäume, die in dem ein oder anderen Garten standen. Trotzdem ging er nun deutlich langsamer, denn er war müde und außerdem quälte ihn die Frage, was er seinem Großvater sagen sollte. Schließlich musste er ihm doch Moebius‘ und Arbores‘ Botschaften überbringen und konnte daher schlecht wie Tesla einfach behaupten er wäre den ganzen Tag im Dorf gewesen. Wenn er diesen absonderlichen Baum und den nicht weniger sonderbaren Fisch getroffen hatte, dann war er auch im Wald gewesen – und das, obwohl Großvater es ihm ausdrücklich verboten hatte.
Je mehr er über dieses drohende Gespräch nachdachte, desto langsamer ging er. Nicht, dass er Angst gehabt hätte vor seinem Großvater – Großvater Tajor würde nicht wütend werden, er würde ihn nicht bestrafen, er würde ihn noch nicht einmal wirklich schimpfen. Er würde vielmehr sagen, dass er froh wäre, dass Tanur nichts passiert und er nun wieder daheim sei. Aber er würde auch sagen, dass er enttäuscht davon wäre, dass sein Enkel noch immer so unvernünftig sei und nicht auf ihn höre. Und er würde Tanur dabei auf eine Weise anschauen, nur für einen kurzen Moment, aber dafür so durchdringend, dass diesen noch Tage später ein schlechtes Gewissen plagen würde.
Schon jetzt, wo er nur daran dachte, stiegen erste Gewissensbisse in ihm auf. Aber es half nichts: Er war müde und hungrig und allmählich wurde es auch kalt hier draußen. Also atmete er noch einmal tief durch und betrat mit pochendem Herzen die von einem kleinen Feuer erhellte Höhle, vor deren Eingang er inzwischen angekommen war.

Als er jedoch in den ersten größeren Raum kam, bemerkte er überrascht, dass noch jemand anders zu Besuch war. Aus einem der kleineren Nebenräume hörte er Stimmen: Die von seinem Großvater und die von Meister te'Laxù-utl. Letzteren konnte er auch sehen. Der Dorfälteste stand mit dem Rücken zur Eingangshalle und gestikulierte wild mit seinen Flügeln.
„Einen mondhellen Abend wünsche ich dir, Tanur“, rief er dem Neuankömmling zu ohne den Kopf von dem mit zahllosen alten Pergamenten bedeckten Tisch vor ihm ab zu wenden. „Auf dass der Mond sein Glück über uns verteile“ erwiderte Tanur den Gruß automatisch „Ist Großvater auch bei dir?“
„Ja, ich bin auch hier, Tanur.“, kam dessen Stimme von irgendwo weiter hinten aus dem Nebenraum, „Ich kann heute leider nicht mit dir zu Abend essen, weil ich noch einiges mit te'Laxu besprechen muss. Aber ich habe dir etwas in deiner Kammer hergerichtet. Und leg dich dann bitte bald schlafen – es ist, glaube ich, schon ziemlich spät.“
„Das ist es allerdings.“, bestätigte der Dorfälteste, der offenbar selbst im Inneren einer Höhle noch die genaue Tageszeit erkennen konnte, „Mögest du im Traume auf der Insel des vollen Mondes wandeln.“
„Und die Insel des neuen Mondes von Wolken verhüllt bleiben – Gute Nacht euch beiden!“, verabschiedete sich Tanur und sprintete voller Vorfreude in den hinteren Teil der Höhle, in dem auch sein kleiner Bereich war. Die Aussicht auf ein gutes Abendessen hatte ihn mit einem Mal wieder hellwach werden lassen.
Und er wurde nicht enttäuscht: Auf dem kleinen Tischchen neben seinem Nachtlager standen eine Schale mit blauen und roten Beeren, ein Krug mit klarem Wasser und ein Kännchen mit dunklem Waldbeerensirup, ein Glas mit Erdbeerkompott, fünf Scheiben knusprigen Schwarzbrotes und natürlich ein großer Topf mit frischem Honig...

Als er sein Abendmahl endlich beendete, standen nur noch einige klägliche Reste auf dem Tisch vor ihm und nach kurzem Überlegen entschied er sich dafür das wenige, was noch da war, dort stehen zu lassen. Morgen früh würde er schließlich sicher wieder Hunger haben und dann froh sein, gar nicht erst aufstehen zu müssen um diesen zu stillen. Also stellte er nur alles etwas ordentlicher zusammen und ließ sich dann erschöpft zurück auf seine Strohmatratze fallen, in der Erwartung sofort in einen tiefen Schlummer zu versinken.
Da aber meldete sich auf einmal sein Magen zu Wort und erinnerte ihn mit lautem Rumoren daran, warum sich Tanur schon so oft vorgenommen hatte, vor dem Schlafengehen nicht mehr so viel zu essen. Nur dass diese Mahnung wie immer zu spät kam, ihn dafür aber noch eine ganze Zeit wach halten würde – diesmal in Teamarbeit mit den zahllosen Gedanken und Erinnerungen an das heute Erlebte, die in seinem Kopf hin und her rasten und wild durcheinanderpurzelten – so wie auch die Beeren, das Brot, die Marmelade und der Honig in seinem Magen.
Und dann waren da noch die Stimmen aus dem Nebenraum, mal lauter und mal leiser, zusammenhangslose Fetzen aus dem Gespräch der beiden Oberen des Dorfes.
„...vielleicht ist es ja auch gar nicht wahr!“
„Und die Träume...?“
„...kann doch nicht sein!“
„Du weißt doch selbst, dass es sein kann!“

„Sollten wir dann nicht lieber...?“
„Nein!“
„Und wenn es eine Falle ist? Du kennst ihn doch...“
„Wir kennen ihn beide!“
Mit Vehemenz vorgebrachte Argumente wechselten sich ab mit beruhigenden Worten, unterbrochen immer wieder von längeren Pausen und dem Rascheln von trockenem Pergament.
„Warum du?“
„Weil es sein muss! Außerdem bin ich sowieso schon...“
„Und ich bin noch älter – wir haben beide schon viel länger gelebt als wir es uns jemals hätten erhoffen dürfen.“
„Aber du wirst noch gebraucht!“
„Und du etwas nicht?! ...“

„Glaubst du vielleicht, du kannst so das wettmachen, was du damals glaubst verkehrt gemacht zu haben?“
„Bist es nicht eher du, der das versucht … und dabei genau das tut, womit ich schon einmal gescheitert bin...“
„Wir beide haben Entscheidungen getroffen, mit denen wir seit damals hadern – und doch...“
„Und doch ist das nun meine Aufgabe – die Zeit für deine Heldentaten wird, so fürchte ich, noch früher kommen als uns lieb sein kann...“

Schließlich beruhigte sich Tanurs Magen, die Stimmen wurden leiser und endlich fiel Tanur in einen tiefen, erholsamen Schlaf.
Zum letzten Mal, für eine lange Zeit...
2. Akt - Aufstieg
    6. Szene: Mittagsdämmerung

Tanur war allein.
Allein inmitten fast vollkommener Dunkelheit. Nur die Umrisse einiger, scheinbar ins Nichts wachsender Baumstämme konnte er vor sich ausmachen. Ein eintöniges, unverständliches Flüstern umgab ihn, hoch über ihm rauschten die unsichtbaren Kronen und wie zur Antwort hauchte ein sanfter Windstoß auch den Blättern zu seinen Füßen ein kurzes Leben ein. Munter umtanzten sie den kleinen Bären in ihrer Mitte, streiften seinen Nacken, kitzelten sein Fell und sanken dann wieder zu Boden.
Eine zweite, stärkere Böe brauste durch den Wald: Blätter wurden von den Zweigen gerissen, Äste knarzten und selbst die mächtigen Stämme bogen sich ächzend hin und her. Oder waren vielmehr sie es, die durch ihre Bewegung die Luft vor sich her trieben? Denn als die schattenhaften Riesen zur Ruhe kamen, war auch kein Wind mehr zu spüren und es wurde wieder vollkommen still.
Vorsichtig machte Tanur einen Schritt nach vorne. Ein trockener Zweig knackte unter seinen Tatzen. Er machte einen weiteren Schritt. Irgendetwas raschelte unter ihm. Dann über ihm. Rechts von ihm. Links von ihm. Hinter ihm. Dann vor ihm. Vorsichtig hob er den Kopf. Tanur war nicht allein!
Ein kleines Stück vor ihm stand ein weiteres Wesen. Es hatte ihm den Rücken zugewandt, doch seine Gestalt glich unverkennbar der Tanurs. Nur war der andere Bär kräftiger und, obgleich er den Kopf und die breiten Schultern nach vorne gebeugt hatte, deutlich größer als er.
Gerade wollte er erleichtert auf diesen zulaufen, da erblickte Tanur eine dritte Gestalt. Sie hatte etwa seine Größe und war ebenso grau wie alles andere in der Nacht. Nur dieses Wesen schien die völlig Abwesenheit echter Farben nicht zu stören, vielmehr wirkte es, als hätte sich die Umgebung an dieses angepasst, als gehorchte sie damit nur einem Befehl des kleine, farblosen Wesens.
Zufrieden grinsend blickte das Männchen hinauf in die Augen seines Gegenübers, sagte aber nichts.
„Was willst du hier? – Spion!“, durchbrach schließlich Tanurs Großvater die Stille.
„Spion? Ich? Nein,“ lachte das Männchen, „das bin ich nicht. Wir wissen doch schon längst alles was wir wissen müssen. Ich bin nur sein Bote an euch – sein erster und sein letzter!“
„Sein? Für wen spricht du da?“
„Nicht einmal das weißt du? O, die Berichte von deiner Weisheit müssen dann wohl weit übertrieben sein, wenn dir nicht einmal das bekannt ist.“, erwiderte der Bote triumphierend.
Wortlos standen sich die beiden Aug in Aug gegenüber. In regelmäßigen, kurzen Abständen stiegen kleine Nebelwolken aus Tajors Mund auf, der graue Mann jedoch schien entweder gar nicht zu atmen oder er stieß die Luft ebenso kalt und trocken aus wie er sie einatmete. Tanur, der sich inzwischen zitternd hinter einem der Baumstämme versteckt hatte, wagte kaum Luft zu holen.
„Nun, dann sollst du es jetzt erfahren: Der General hat seine Festung verlassen und ist schon auf dem Weg hierher.“
„Nein!“, Tajor schüttelte ungläubig seinen Kopf, „Nein, das ist nicht wahr! Das … das kann nicht sein!“
„Ach, glaube doch was du willst – es spielt sowieso keine Rolle mehr. Nicht für dein Dorf, nicht für deine Freunde und für dich erst recht nicht mehr...“, verächtlich schaute der graue Riese auf den verwirrt um sich blickenden alten Bären hinab. Angriffslustig funkelten die Augen des Boten unter der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze auf, dann wandte er sich um und verschwand mit wehendem Mantel in der Dunkelheit.
Im gleichen Moment kam wieder Bewegung in das am Boden liegende Laub, Blätter stiegen auf, umwehten den regungslos zurückgebliebenen Tajor und sanken wieder zu Boden. Diesmal jedoch kamen sie dort nicht zur Ruhe, sondern umkreisten ihn weiterhin, immer schneller werden und mehr und mehr Laub mit sich reißend.
Fassungslos starrte Tanur auf den Blätterstrudel, der sich um seinen Großvater gebildet hatte und in dem dieser langsam zu versinken begann. Sein Enkel wollte ihm helfen, aber er traute sich nicht auch nur einen Schritt nach vorne zu machen – spürte er doch selbst bereits die Blätter am Boden auch an seinen Füßen zu zerren.
„Warum?“, war das einzige, was der kleine Bär schluchzend hervorbracht, „Warum?“
„Weil du“, antwortete da von der Seite eine tiefe, raue Stimme, „meine Warnung nicht ausgerichtet hast!“
„Aber …“, doch noch bevor Tanur etwas erwidern konnte, riss ihn die immer stärker werden Strömung von den Beinen. Wie wild strampelte er mit mit seinen Gliedmaßen im vergeblichen Versuch wieder festen Grund zu finden. Eine Woge kalten Laubs begrub den verzweifelt kämpfenden Bären unter sich. Hustend und Blätter spuckend tauchte er wieder an die Oberfläche, gerade in dem Moment als er über die Kante des trockenen Malstroms gespült wurde und hinab in die bodenlose Tiefe fiel...

Im nächsten Moment prallte Tanurs Hinterkopf auf kalten, harten Stein. Immer noch hustend öffnete er die Augen und sah direkt auf eine glatte, graue Felswand. Er spuckte einige halbzerkaute Pflanzenfasern aus und schaute dann genauer hin: Der ihn umgebende und sich über ihn wölbende Granit war überzogen von zahllosen feinen Linien, die kreuz und quer über den ganzen Fels verliefen, sich kreuzten, verbanden und wieder trennten. Mal wild durcheinander, mal geordnet oder in kleineren Gruppen, bildeten sie Muster und Symbole, schufen zusammen ein gewaltiges Bild. Da waren Häuser zu sehen und Bäume, Wege und Brücken, Plätze und Seen und etwa in der Mitte ein großer Berg mit einem Krater an der Spitze.
Das war eine Karte! Eine Karte seines Dorf und eines Teils der Insel, auf der es lag. Die Karte, die er selbst in den letzten Jahren an die Wand seines Schlafraumes geritzt hatte.
Tanur lag auf dem Boden neben seinem Bett, mit schmerzendem Hinterkopf, eingewickelt in eine Wolldecke und über und über mit dem trockenen Stroh aus seiner Matratze bedeckt. Als er sich endlich aus seiner Decke befreit hatte, begann er sich das Stroh aus dem Fell zu zupfen und versuchte gleichzeitig seine Erinnerungen an das Erlebte zu ordnen.
„Nein, nicht erlebt“, verbesserte er sich selbst, „erträumt! Und was für einen Unsinn ich da mal wieder geträumt habe. Laubstrudel, wachsende, graue Männchen, sprechende Bäume … moment!“, Tanur stutzte, als sein Blick auf die Reste seines gestrigen Abendessens fiel, „Im Wald war ich doch wirklich, oder? Na klar! Deswegen hatte ich doch so großen Hunger, gestern Abend. Hab ich deswegen so wild geträumt? Weil ich mir vor dem Einschlafen noch den Magen vollgeschlagen habe? Vielleicht – aber einen sprechenden Baum habe ich doch auch getroffen! Und der Baum, Arbores, hat mir tatsächlich eine Warnung mitgegeben – oder zumindest eine Botschaft...“
„Opa, OPA!“, rief er laut und sprang dabei auf, „Opa?“ Er horchte kurz, ob eine Antwort käme, dann rannte er los. Zuerst lief er zum Schlafbereich seines Großvaters, aber dieser war bereits leer. Also ging es weiter: In den Wohnraum, die Arbeitshöhle und die Speisekammer, aber auch dort war niemand. So eilte er zurück zum Eingangsbereich und stellte überrascht fest, dass es draußen zwar taghell war, die Sonnenstrahlen selbst jedoch kaum noch in die Höhle herein kamen. Die Sonne musste bereits ziemlich hoch stehen, der Morgen jedenfalls war sicher schon vorbei und es schien auf Mittag zuzugehen. Das erklärte natürlich, warum sein Großvater nicht mehr da war – er war sicher unterwegs im Dorf, besorgte vielleicht schon die Zutaten für das Mittagessen.
Gerade wollte sich Tanur also erleichtert nach draußen in die Sonne setzen, als ihm ein Zettel auf dem kleinen Tischchen neben dem Eingang auffiel:
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„Lieber Tanur,“, stand darauf in der schnörkeligen Halbschrift seines Großvaters,
„musste überraschend weg und konnte mich leider nicht mal von dir verabschieden. Werde für einige Tage unterwegs sein.
Du kannst für die Zeit aber sicher bei Faradela und Amperlas wohnen.

Tajor“

Ratlos stand Tanur neben dem Tischchen und schaute auf den Zettel in seiner Hand. Was sollte er jetzt tun? Ob sein Großvater noch im Dorf war? Oder hatte er es schon verlassen? Und wenn ja, wohin war er dann gegangen?
Es war höchst ungewöhnlich, dass er seinem Enkel nicht einmal das verriet. Zwar war er in letzter Zeit häufiger fort gewesen und hatte ihm nicht jedes Mal erklärt warum. Zumindest aber hatte er immer gesagt, wohin er ging. Und wann er wieder kommen würde. Und er hatte sich verabschiedet – richtig, nicht bloß mit einem Zettel und einer seltsamen Nachricht.

Hilfesuchend blickte sich Tanur um. Im kargen Eingangsbereich fand sich kein Hinweis auf das Reiseziel seines Großvaters. Ein paar leere Honigtöpfe sowie ein lecker Wassertrog und eine alte Schubkarre standen zu seiner rechten. Auf der anderen Seite des Ganges befand sich das Tischchen, auf dem Tanur den Zettel gefunden hatte. Ein Stapel leerer Blätter und eine weiße Schreibfeder lagen noch darauf, eine weitere, grüne Feder war offenbar heruntergefallen. Mechanisch hob Tanur diese auf und entdeckte dabei seinen kleinen Juterucksack, den ihm sein Großvater vor ein paar Jahren zum Geburtstag geschenkt hatte. Er hatte ihn seitdem immer zu ihren gemeinsamen Angelausflügen mitgenommen, um Proviant zum und seinen Fang vom Fischteich tragen zu können.
Ohne groß darüber nachzudenken schnappte er ihn sich nun und trabte zurück in sein Zimmer, wo er begann ihn mit den Resten seines gestrigen Abendessens zu füllen. Als er damit fertig war, prüfte er noch einmal den Inhalt und entschied sich eine weitere der ledernen Trinkflaschen und einen halben Brotleib einzupacken. Dann trug er den Rucksack unschlüssig zurück zum Eingangsbereich.
Dem Gewicht nach musste das für einen tagelangen Ausflug reichen, dachte Tanur, nur wohin sollte ihn dieser führen? Er überflog noch einmal den Brief seines Großvaters, aber er fand darin nicht den geringsten Anhaltspunkt darauf, wo sein Großvater jetzt sein mochte.
Da fiel sein Blick auf die grüne Feder neben dem Zettel: Es war keine Schreibfeder, wie er zunächst gedacht hatte. Der Kiel war abgebrochen, aber ihre Fahne war makellos. Das Grün leuchtete wie Sommergras in der Sonne und dazwischen funkelten vereinzelte graue Fasern. An irgendetwas erinnerte ihn diese Feder! Stimmen eines vergangenen Gesprächs begannen aus Tanurs Erinnerung zu sprechen und mit einem Mal war es ganz offensichtlich, wohin er sich wenden musste.

Ungewöhnlich war es, dass er um diese Zeit noch in seinem Haus war. Normalerweise war er zu dieser Tageszeit längst auf seinem vormittäglichen Spaziergang durch das Dorf, besprach dringende und weniger dringende Angelegenheiten mit dessen Bewohnern, genoss die warmen Sonnenstrahlen, die sanften Regentropfen oder den frischen Wind auf seinen Federn und beschloss seinen Rundgang schließlich mit einem kleinen Mittagsmahl auf dem Marktplatz in der Mitte des Dorfes. Heute aber war es anders.
An diesem Tag hatte er sein Baumhaus noch nicht verlassen, fühlte sich verloren in einer ungewohnten Antriebslosigkeit, gefangen in der Spannung zwischen dem drängenden Wunsch umgehend etwas zu unternehmen und dem lähmenden Wissen um seine Machtlosigkeit. Wach und ohnmächtig zugleich, fast so wie er schon die halbe Nacht zugebracht hatte, mit kurzem traumgeplagten Schlummer unterbrochen von langen Phasen des Halbschlafs, in denen er sich unruhig hin und her gewälzt hatte, sein Wissen und seine Erfahrung durchsuchend nach einem Ausweg – einem besseren jedenfalls als den Weg, den sie am Vortag eingeschlagen hatten.
Das zaghafte Klopfen am Stamm des Baumes, der sein Haus auf den Schultern trug, nahm er zunächst gar nicht war. Erst ungeduldig lauter und kräftiger werdend riss es ihn schließlich aus seiner Trance und ließ ihn langsam wieder zurück finden in Wirklichkeit und Gegenwart.
Er war der Dorfälteste, er konnte sich nicht einfach auf seinem Baum verstecken. Er musste für die Bewohner seines Dorfes da sein – ganz besonders jetzt. Er sammelte sich und ließ dann kraft seiner Gedanken eine Holzplatte zur Seite gleiten, wodurch eine Luke im Boden entstand, die den Blick freigab auf einen kleinen Bären, der unten am Fuß des Baumes stand und erwartungsvoll nach oben blickte.
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„Einen schönen Morgen wünsche ich dir, Tanur!“
„Guten Morgen te'Laxu, ich … Weißt du wo mein Großvater ist? Ich muss ihm etwas sagen – dringend!“
„Ich … “, Meister te'Laxù-utl hatte befürchtet, dass er sich dieser Frage würde stellen müssen – nur eine passende Antwort, die hatte er noch nicht gefunden, „Ja, ich weiß es, aber ich kann es dir leider nicht sagen.“
„Aber … aber ich muss es wissen. Es … ist wirklich … wirklich wichtig!“
Ein kleiner, glänzender Punkt wanderte langsam über die Backe des jungen Bären hinab und lenkte die gesamte Aufmerksamkeit des greisen Vogels auf sich.
„Keine Sorge – er wird bald wieder zurückkommen.“, sagte er, mehr zu sich selbst, um sich dann, als der Punkt auf Tanurs Schulter gefallen und dort im Fell verschwunden war, wieder dem Enkel seines alten Freundes zuzuwenden:
„Tanur, ich verstehe, dass du deinen Großvater sehen möchtest. Ich weiß, dass dich meine Antwort nicht zufrieden stellt, denn ich sehe, dass dich etwas belastet. Und ich bin auch nicht, er aber teile es dennoch mit mir und ich werde versuchen dir zu helfen es zu tragen, bis Tajor wieder bei uns ist.“
„Ich“, kam zögernd die Antwort von unten, „ich habe etwas gesehen, heute Nacht. Während ich geschlafen habe...“
„Du hast geträumt?“
„Ja – nein! Das heißt … eigentlich doch. Aber, es war so echt. Und ich glaube es könnte eine Warnung gewesen sein!“
Te'Laxu schwieg. Er hob den Kopf und schaute in das Blätterdach über ihm. Es war kein gutes Zeichen, wenn nun schon die Kinder solche Träume hatten, selbst die, die eigentlich keine Erinnerungen mehr daran haben konnten. Aber es war ein Zeichen, das stand außer Frage. Es ließ sich nicht mehr leugnen.
„Träume können doch auch Botschaften sein, oder? Du hast das einmal gesagt.“
„Das können sie in der Tat und es lohnt sich sie zu deuten. Das aber ist ein schwieriges Unterfangen, das den Deutenden nur all zu schnell in trügerische Sicherheit zu wiegen vermag. Denn niemand vermag mit Sicherheit zu sagen, woher ein Traum stammt. Auf welcher Seite des Mondes sie geboren wurden. Ob sie vom Vollmond oder vom Neumond stammen. Ob sie uns Warnung oder Drohung sind. Ob sie uns den rechten Weg weisen oder in die Irre führen. Ob...“
„Aber in dieser Nacht war es der Vollmond, das habe ich gesehen!“, warf Tanur ein und schaffte es damit zum ersten Mal an diesem Tag ein kurzes Lächeln in das besorgte Gesicht des Dorfweisen zu legen.
„Gut beobachtet, Tanur! Aber leider ist es so einfach nicht. Es ist mehr wie inmitten des Waldes über eine aus dem Boden ragende Wurzel zu stolpern. Obwohl du vermutlich all die Bäume um dich herum mühelos benennen könntest, wird es dir unmöglich sein zu sagen, zu welchem dieser die besagte Wurzel gehört. Ob zu der Eiche links von dir oder der Buche auf deiner rechten oder einem Baum, den du von hier aus nicht einmal sehen kannst, weil er von anderen Bäumen verdeckt ist.“
„Bäume?“, plötzlich hellte sich auch die Miene von Tajors Enkel auf, „Natürlich, Bäume – das ist es! Vielen Dank!“, rief er noch, dann war er schon verschwunden.

Für einen kurzen Moment überlegte te'Laxu, ob er ihm folgen und doch alles erklären sollte. Aber nein, die Gelegenheit hierfür würde noch früh genug kommen. Für ihn jedoch, das war ihm nun klar geworden, war jetzt die entscheidende Zeit. Er durfte sich nicht weiter auf seinem Baum verkriechen und die Augen vor dem verschließen, was da kommen mochte. Er hatte eine Verantwortung, musste sich und das Dorf vorbereiten auf die Zukunft, die schon vor den Toren stand.
„Danke, Tanur“, flüsterte er leise in die Blätterkrone über ihm.
    7. Szene: ???

Fortsetzung folgt...


Und wer es nun wirklich bis hier her geschafft hat, kriegt hiermit als Belohnung die offizielle Erlaubnis zum Posthunten Kommentieren...
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#736094 von Furanty
21.11.2010, 18:44
Ich muss sagen, mein Kopf musste sich schon lange keine Karten mehr vorstellen, aber aufgrund deines bayrischen Stils, den ich zwar nicht lieben kann, aber doch respektiere, ist es mir doch gelungen, diese Karte zu imaginieren. Ich mag den Prolog, kann aber sonst nicht viel sagen, außer dass du weiterzuschreiben hast, weil ich mich freue und dich gern mal zu was zwingen will. Schließlich bin ich Furanty und du nur ein lahmer BL.
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#736118 von Pokemon Girl
21.11.2010, 19:13
Hay,

Nicht schlecht für den Anfang, toll umschrieben ! :)
Ich hoffe du schreibst weiter !
Viele Grüße,

pokemon Girl
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#739496 von Rumo
06.12.2010, 01:20
Vielen Dank @Pokemon Girl und @Furanty für die netten Kommentare und an ???, der netterweise den ganzen Prolog mal korrekturgelesen hat und dessen Name ich peinlicherweise vergessen habe :oops:


Und weil Furanty mich dazu gezwungen hat, gibt's jetzt auch endlich mal wieder ein neues Kapitel, in dem nun so ganz allmählich auch so etwas wie eine Handlung beginnt. Dummerweise bedeutet das auch, dass ich mich nicht mehr davor drücken konnte, mich auf einige Namen für die ein oder andere Person festzulegen - ganz überzeugt bin ich aber noch von so gut wie keinem, so dass sich da evtl. trotzdem mal noch was ändern könnte...
Falls wieder jemand Lust auf eine fröhliche Fehlerjagd hat, kann ich demjenigen eine reiche Beute versprechen (wenn ich einen Text um 12 Uhr in der Nacht korrekturlese, wird er dadurch nämlich in der Regel eher schlimmer als besser :-)


Bis zum nächsten Update schaffe ich es dann hoffentlich auch endlich ein ordentliches Inhaltsverzeichnis zu basteln und bis dahin gilt: keep on reading ^^...
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#741079 von Beta
12.12.2010, 22:04
Da ja sonst noch nicht viel, auch bezüglich Kapitel 1, gesagt wurde, mach ich mal den Anfang.

Erstmal: Ich muss dich für dieses Werk bewundern. Ja, du bist der erste, der es geschafft hat, allein mit Worten ein solch gigantisches Gefühl an Weite und Größe in mir erzeugt hat, dass es mir jetzt noch schaudert (Btw hab ich in diesem Satz jetzt ca. soviel Kommas benutzt, wie in jedem durchschnittlichen Satz der Geschichte :o ; ist aber kein Minuspunkt, im Gegenteil!). Erinnert mich inhaltlich (also Wald und gewaltiger Strom betreffend) sowie auch ein wenig stilistisch an Fantasy wie Herr der Ringe- das du ja auch afaik gelesen hast, ich jedoch nicht- oder Eragon oder sonstwas. Das wird unterstrichen durch die Namen, bspw. Tanur und Tesla, was das alles ein wenig fantastisch wirken lässt (Beide Wortbedeutungen treffen in diesem Fall zu!). Außerdem erinnern mich die Namen sogar irgendwie an Zelda; ich weiß nicht, wie weit du dich da auskennst.

Also, generell erzählstilistisch und speziell die Beschreibungen betreffend hast du mich auf jeden Fall auf der Seite. Vom Inhalt auch, obwohl der erst so richtig in Kapitel 1 beginnt. Mir gefällt der über das ganze Kapitel gehende Konflikt zwischen den beiden (Haupt-)Protagonisten Tanur und Tesla, ich nehme mal an das sie das auch bleiben werden. Ebenfalls gefällt mir die wörtliche Rede, die ich ja überhaupt nicht beherrsche. Du beschreibst immer nur das Wichtigste und beschränkst dich auf die eigentliche Handlung. Zu der kann man leider noch nicht so viel sagen, aber was man sagen kann, das ist so gut wie ausschließlich positiv. Auch die Personen Ma`Kanga und Stavo gefallen mir, schön charakterisiert, mit nicht zuvielen Wörtern. Leider wüsste ich nicht, welches Pokémon Stavo sein sollte. Übrigens, schön auch, dass du bisher noch nichts über Pokémon erklärt hast, so kann man sich viel besser in die Atmosphäre hineinversetzen. (;

Schade, mir fällt leider nicht viel zum Kritisieren oder Verbessern ein, einzig eine Sache: Ich finde von der Kapitelüberschrift "Der Bote" leider keinen so richtigen Bezug zum Inhalt; aber vielleicht löst sich da ja noch irgendwas auf. Damit belasse ich es dann jetzt bei einem aufmunternden:

Keep on writing! :)
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#742259 von N-Friend
19.12.2010, 03:22
Da du mittlerweile ja auch schon recht viele FFs kommentiert hast stell ich dir mal eine spannende Frage: Hast du manchmal auch das Problem, dass dir beim Lesen einer Story verdammt viel einfällt, was du sagen könntest, allerdings beim Schreiben des Kommentars keine Ahnugn hast, wo du anfangen sollst? Ich habe häufig das Problem, selten allerdings so extrem wie bei dir... und dabei möchte ich gar nicht so viel schreiben, schließlich möchte ich morgen rechtzeitig zum tennis um 15:00 Uhr da sein^^ (es ist jetzt Punkt 1:00 Uhr (; )
Ja und ich löse dieses Problem vorübergehend, indem ich dir diese Frage stelle... und stehe kurz darauf wieder vor dieser Situation.

Kleiner Tipp, bevor du meinen Kommentar liest: Ich neige vor allem wenn ich müde bin und viel schreibe gerne dazu, vollkommen abzuschweifen und total sinnlose Sachen zu schreiben... ich hoffe du verzeihst es mir... so ein Schreibwahn ist echt fies, vor allem um diese Uhrzeit =X

Gut, bin ich mal konsequent und sage dir etwas, worauf du bestimmt schon gespannt bist. Ich habe mich beim Lesen deiner Story als ein totaler Anfänger gefühlt.... um es zu verdeutlichen, die Arroganz in Person fühlt sich um einiges schlechter und hat in dir den Meister gefunden... dieses Gefühl beunruhigt mich einerseits, andererseits bin ich froh, dass du den Weg in den FanFiction bereich gefunden hast. Bei all deinen tollen Spriting Künsten, all deinen Mapping Künsten (ich erinnere an die Mewtu Map) usw. .... FanAfictions kannst du auch richtig gut schreiben.

So zur Geschichte. Inhalt ist vorhanden, allerdings auch nicht so unendlich viel. , ich kann auch zu drei Sätzen verdammt viel schreiben, aber zum Storyverlauf kann ich wenig schrieben, eher ein paar Predictions schreiben...
Der Titel... Pokemon steht im Titel, kann ich ehrlich gesagt wenig mit anfangen, klingt halt nicht so extrem spannend.... dagegen schlägt das Nemesis wie ein Fußball gegen die Fensterscheibe ein. Während das "Pokemon" noch so schön an meine Kindheit erinnert, an die süßes, knuffigen Wesen, die man fangen kann, züchten kann und neuerdings sogar schmücken kann, macht das Nemesis diese blumige Atmosphäre zu Asche. Es klingt srsly nicht wie eine Wir-haben-uns-alle-lieb und Pokemon-fangen-ist-toll Geschichte, sondern eher wie ein todernster Spaß, ein vor Spannung strotzendes und sich nicht vor Ungerechtigkeit fürchtendes Szenario. Sowas liebe ich... und da bin ich imo auch nicht der einizge hier =P
Das Vorspiel (ein text vor dem Prolog, sehr interessant xP) ist nicht sehr lang, ist verschlüsselt, besteht nur aus einem Dialog (bzw. einer Konversation) und lässt zum jetzigen Zeitpunkt wenig auf die Story schließen. Vielleicht kommst du im Verlauf der Geschichte noch häufig darauf zurück, ich sehe es aber erstmal als Warmmachen vor dem Prolog.
Das Bild (ja, muss mit genannt werden^^) ist schön gezeichnet und die Proportionen stimmen... also in Bezug auf die FF ein schöner Banner, sieht so zumindest schön aus. Was vielleicht etwas stören kann ist, dass man schon Pokemon erkennt, die wahrscheinlich nicht nur zum Spaß drauf sind.... aber gut, das das Gengar ein König ist muss ja nicht stimmen...

Und nun zum Prolog. Ich habe echt gedacht mir fallen die Augen raus und ich hab geguckt, ob du diese geschichte nicht irgendwo aus dem Internet kopiert hast. Rumo, der nette bereichsleiter von PF, der gute Spriter und Mapper, eine Person mit der ich gerne im Chat rede.... schreibt so einen verdammt genialen Prolog, der selbst bei Lobeshymnen noch nicht gut genug beschrieben werden kann..... ich würde sagen, das nächste mal wenn du im CHat bist wünsche ich mir von dir ein Autogramm, ich gebe dir meine Adresse... nett wäre auch noch, wenn du mir eine der ersten gedruckten Ausgaben eines deiner Bestseller schicken würdest, schließlich kommentiere ich grade deine FF.. und außerdem war ich immer lieb zu dir! =X
K, ich schweife wieder etwas ab. Dass das Wort "gut" deiner Story nicht würdig ist weißt du mittlerweile, nun aber zum Grund...
Ein Fluss, ein einfacher Fluss, wie wir ihn vielleicht in der Nebenstadt einfach beim Fließen beobachten können, wird so hautnah umschrieben, dass ich gedanklich nicht mehr in meinem zimmer sitze, sondern als Geist über eine detaillierte Landschaft erblicke. Ein Fluss ist ein lebendes Objekt, schließlich bewegt es sich.... aber so viel Leben in einem Fluss zu sehen, dass ist dann auch schon übertrieben gut. Ich bin keine der Personen, die lange Beschreibungen mit der Zeit öde finden. Wenn sie richtig gut fesseln, dann ist man in der Geschichte drin und kann selbst am PC jedes einzelne Wort aufnehmen und verarbeiten... gar nicht vorzustellen, wie gut dein Schreibstil bei einem Buch rüberkommt, bei dem man noch den Duft, das Fühlen der Blätter und das Knarren der umgeschlagenen Seiten hat.
Du hast sehr märchenhaft den Weg des Flusses beschrieben. die Bäume, den Berg und all diese stillen Objekte der Natur hast du so lebhaft gestaltet und sie mit den Fähigkeiten eines Menschen verbunden. So hat ein Berg ein Leben, Erfahrungen, eine Geschichte.... oder die Böume, die sich näher an den Fluss trauten.... du hast dir die Freiheit des Autors echt zunutze gemacht. In dieser Szene warst du total unabhängig von personen, du hast den Leser wie ein geist über die Landschaft treiben lassen, durch die Sicht eines Pokemon wäre dies nicht möglich und grade das ist es, was den prolog ausmacht.
Abgesehen von deinen schönen Be- und Umschreibungen finde ich dieses "Dort" noch spannend. EIne einfache Ortsangabe, mit der du uns duch diese Landschaft führst. Am Anfang jedes Abschnittes wurde es genutzt, schönes Stilmittel (;
Und die letzten Sätze setzten dem noch die Krone auf, ein wirklich sehr gelungener Prolog für die Story... besser konnte es eigentlich nicht werden.

Und es war klar, in den einzelnen Kapiteln hattest du nicht die Freiheit, die du im Prolog hattest. Das war mir bewusst, deswegen hate ich nicht so große Problemem mich umzustellen. Das erste Kapitel war natürlich gebundener und gezielter... du hast Personen vorgestellt, einen kleinen Handlungsablauf gezeigt und warst sozusagen auch in der Zeit (ider Prolog war ja eher zeitlos). Dieser Kontrast von märchenhafter Erzählung zum Dialog zweier Jugendlicher Pokemon.... irgendwie hatte das schon echt stil xD
Wobei, bei diesem DIalog sehe ich schon ein paar Schwächen. Du hast uns standardgemäß die Namen der beiden sofort gesagt, ihr Aussehen noch etwas geheim gehalten, ihre Absichten gezeigt... kann man machen, war gut. Aber ich fand, es klang doch etwas zu vorgeführt. Vor allem diese Rechtfertigungen passten mir gar nicht. Sie sollten den Zweck erfüllen, dem Leser die Situation zu zeigen... aber wenn man sich ins Pokemon hineinversetzten würde... dann wären diese Rechtfertigungen leider etwas unpassend. "[...], auf diesen blöden Felsen." - Kleines Beispiel, dem Leser wird klar, dass sie auf einen Felsen wollen, das Pokemon sagt aber im vorigen Satz schon da... und das passt irgendwie nicht. Naja, ich seh das wohl zu streng, aber irgendwie muss ich ja back in die Realität kommen, das schwärmen eben war genauso nötig wie anstrengend xD
Was mich ebenfalls störte, du hast sie immer abwechselnd sprechen lassen... dennoch hatte ich schon nach ein paar Sprechwechseln Probleme, wer was gesagt hat und selbst bei Zweitem lesen war es wirklich schwierig das zu erkennen. Mir ging da auch etwas der bezug zum Ort verloren, das hätte man vermeiden können indem man den Sätzen schon Aussdruck durch den Sprecher geben würde oder ganz simpel etwas die Natur beschreiben würde. Aber du hast dich dafür entschieden, das Augenmekr auf den Sprechwechsel zu legen, was mit meinen Versuchen nicht wirklich möglich wäre... na gut, lass ich die Szene erstmal bleiben.
Wie gesagt, ich hatte Angst, dass ich bei deiner Geschichte nicht durchblicke, wie es bereits bei deiner Kurzgeschichte der Fall war. Ich wurde zum Glück positiv überrascht und konnte so gut wie alles gut mitverfolgen. Den Pokemon hast du schon gleich interessante Charaktereigenschaften gegeben, die imo im verlaufe der geschichte erweitert und tiefgründiger vermittelt werden. Ich freu mich schon drauf, wenn ich die Protagonisten so gut kenne wie meine Klassenkameraden^^
Dabei hast du sowohl positive als auch negative Eigenschaften gegeben, mir selber passiert es nur zu oft perfekte Charaktere zu Schaffen... aber Helden müssne halt auch Schwächen haben, das ist klar^^
Was mir etwas schwerfiel war, dass ich die pokemon erst später erkannt habe. Letztendlich wurde es klar (nicht zuletzt wegen des banners, den ich noch mal zur Bestätigung überprüft habe^^)... ich möchte das allerdings nicht als Kritik aufführen, ganz im Gegenteil. Es ist schön dass du es nicht so einfach aufgelöst hast und sagtest "Das Voltilam ging blablabla" oder durch die gern gewählte Ausweichmöglichkeit "Das Pokemon schaute in den Spiegel/die Pfütze und sah...".... so wie du es gemacht hast war es gut und im verlauf hast du ja genug Schlüsse gegeben (beim blauen Kopf war ich mir bei Voltilam z.B. endgültig sicher). Das einzige, was mich in dieser Hinsicht irritiert hat, wr, dass du den Vergleich zum Hasen gleich zwei mal genommen hast..... man mag fast meinen, der teddy ist wirklich ein Hase... grad weil das zwei Personen (der Leser, das Farbeagle) glaubten...
Das zweite, das mich irritiert hat (und noch häufig irritieren wird) sind die Namen.... obwohl ich so ein tolles Kurzzeitgedächtnis habe.. Namen kann ich mir nie merken.... und wenn sie dann so total exzentrisch sind wie in dieser Geschichte, dann verzweifle ich vollkommen..
Die Namen der Protagonisten sind ok, da habe ich wenig gegen zu sagen.. klingt zumindest besser als Matthias oder Heiko.... die Dorfbewohner machen mir aber schon Sorgenfalten, passen tun sie allemal, merken kann ich mir sowas aber leider gar nicht. Naja was solls, solange du sie nicht so nennst wie den Vulkan auf Island werde ich wohl oder übel damit leben können^^
Im ersten Kapitel bringst du schön die kindliche Unbekümmertheit rüber. Du gibst sogar einen Kontrast zu den verständnisvollen Alten (Farbeagle usw.) und hast ein interessantes Generationsfeld aufgebaut. Wenn ich den Titel bedenke und die Tatsache, dass noch viel schlimmes passieren kann... oh man, ich freue mich auf die Revenge, den Hass und all das was von diesen eher jüngeren Protagonisten ausgehen könnte^^ Und der Entdeckungswahn ist ja generell bei dieser Altergrußße größer, n dem Sinne sehe ich da wenig Probleme, dass sie plötzlich von einer winterlandschaft einfach so in ein strandparadies gehen wollen... nur so als Beispiel =P
Es wirkt alles noch so friedlich, die Charaktere sind im ersten Moment süß... selbst das steigert meine Spannung, obwohl du auf einen hitzigen Start verzichtet hast. Am Ende hatte ich etwas Angst, dass du aufhören würdest, ohne auch nur irgendwie ein Problem oder so etwas zu zeigen.. aber zum Glück war diese Angst umsonst. Tanur ist alleine im dunklen Wald und hat ein Gefühl, dass schon häufig als Grund für eine spannende Handlung genommen wird. Die Angst - durch sie die Gefühle und Reaktion zu beobachten... das ist wirklich interessant. Ich selber habe nun keine Angst mehr, dass diese geschichte wie ein Kaugummi wird... du lässt den Leser nicht verdursten, d abin ich mir sicher =P
Was ich bei deiner Geschichte gut erkennen konnte: Man hat wirklich von fast allem etwas gehabt. Das keine großen Emotionen da waren eigentlich klar zu diesem Zeitpunkt, aber sogar Witz war dabei. Dieses Gesamtpaket kann eine echt explosive Mischung sein und viele Leser ansprechen.
Seltsamerweise hab ich schon vieles aus dem ersten Kapitel aufgegriffen, die erwähnung des Titels allerdings vollkommen vergessen xP Der Titel war mir ehrlich gesagt etwas schleierhaft. "Der Bote"... ich konnte keinen Boten treffen, keinen Boten irgendwo reininterpretieren, ich kann nur etwas erahnen. Und selbst diese Erahnungen sind zu schmal um sie aussprechen zu können. EIn Titel nimmt gerne schon zentrale Problemstellungen der Story vorweg, hier scheint es mir aber so, dass der Titel etwas aus den nächsten Kapiteln vorwegnimmt.... da hätte ich persönlich doch etwas anderes gewählt (;
Worauf ich im übrigen noch gespannt bin sind die Konflikte. In so gut wie jeder Geschichte gibt es Konflikte, seien es zwischenmenschliche, innere, völkerübergreifende.... es kann alles sein, was es letztendlich wird weist wohl erstmal nur du. Und doch kann ich mir vorstellen, dass die beiden protagonistn untereinander was durchstehen müssen. Die Tatsache, dass es zwei zentrale Pokemon gibt, ist nur ein Hinweis darauf... schon bei Dialog am Anfang gab es eine kleine Meinungsverschiedenheit... mal sehen was kommt.
Wie es aussieht werden die beiden Charaktere ein Abenteuer erleben (zumindest sieht es atm so aus, und Xatu, Uraring, Gengar.. das schreit förmlich danach!)... das Dorf wirkt nicht so extrem interessant um sagenumwobene Schauplätze zu bieten und es ist auch nicht grade so groß, das es genügend Spannung bieten kann... an jeder Ecke ein Dieb wäre nun auch etwas zu wenig oO
Ob du uns das Dorf demnächst noch näher bechreibst weiß ih nicht. Ich persönlich weiß nicht, ob es genügend Potential hat... aber bei dir hat ja sogar ein Berg die Möglichkeit Erinnerungen zu haben xD
Das du schon die Familie von Tesla erwähnst sagt mir, dass sie wohl keine waisen sind und noch recht glücklich. Keine schlimme Vergangenheit, keine verlorenen Eltern... ein weiteres Indiz dafür, dass noch viel schlimmes kommt, auf das dann erst zurückgeführt wird. Rückblenden, die die Protagonisten bereits stark gemacht haben, werden wir wohl so gut wie gar nicht haben^^
Was ich bereits am Anfang beim Dialog kritisiert habe: Die Charaktere zeigen zu wenig Ausdruck. AUch im weiteren Verlauf gab es meiner Meinung nach etwa zu wenig Aussdruck, die Möglichkeit Gefühle auszudrücken wurde nicht wirklich genutzt. Noch sind dem Leser die Charaktere etwas weit entfernt, aber das wird sich wohl mit zunehmenden Profil des Charakters ändern.. ich persönlich kann gut mit Tanlur und seinem Hunger mitfühlen. Btw: Eigenschaften passen auch extrem gut zum Chara, ein aufbrausendes Voltilam, ein chilliges Teddyursa... was möchte man mehr?^^

Beim lesen deiner Story musste ich nur über einen seltsamen Ausdruck Satz stolpern, bei dem ich mich gefragt habe, ob das denn wirklich so geht. "[...], dann bog er um die nächste Ecke und war außer Hörreichweite." Deinem Satzbau nach zu urteilen bog Tanlur um die Ecke und konnte ab dem Zeitpunkt nichts mehr von ihm hören. Dabei hat mir mein Fahlehrer so schön beigebracht, man kann zwar nicht um die Ecke sehen aber hören... klingt etwas komisch.. aber naja, wie soll man es anders schreiben? Wenn ich morgen aufwache und nicht total übermüdet bin sehe ich es vielleicht anders =P Die Hörreichweite hat mich auch stutzen lassen... es gibt ja die Sichtweite, also warum nicht auch die Hörreichweite... naja, die Sichtweite ist aus Sicht des Sendern, die Hörreichweite aber aus Sicht des Empfängers... und irgendwie klingt es falsch, ich weiß aber auch nicht warum... (ich hasse es zu kritisieren, obwohl ich es nicht erklären kann =/). Wahrscheinlich weil der Teddy selber hört und in diesem Satz mehr aus Sicht des Gesprochenen egsagt wird.... naja k, vergess den letzten Abschnitt, ich weiß selber nicht, warum ich eig etwas gegen dieses Wort habe xD

So, bevor ich hier weiter noch total übermüdet irgendeinen Nonsense schreibe zu den letzten Dingen. Rechtschreibung war eig richtig gut, ich musste nie stolpern.. Zeichensetzung passte auch (wenngleich es etwas schwer war, am Anfang die ganzen Kommas zu lesen.... die Sätze waren mir etwas zu lang im prolog =P)... ein einziges mal hast du ein Wort doppelt geschrieben, weiß leider nicht mehr welches.. irgendwas mit s...

Layout passt auch, ist wirklich einfacher so zu lesen, als wenn der Text über die gesatmte Breite des Forums geschrieben ist. Ich selber krieg sowas aber nicht hin, deswegen profitiere ich nur von euch und kann es leider nicht zurückgeben^^

So und ich bin müde, ich möchte schlafen... wie angekündigt bin ich häufig abgedriftet und hab irgendeinen Müll gelabert, naja ich hab dich ja gewarnt =P
Ich habe sicher etwas vergessen, aber das wusste ich schon als ich mir die Frage gestellt habe, wo ich anfange...

Bleibt mir also nur noch eines zu sagen: Keep on writing und (etwas verspätet) willkommen im FF Bereich =P

mfg
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#746920 von Rumo
04.01.2011, 20:12
Vielen Dank erstmal für die netten (und ausführlichen :o ) Kommentare - und Entschuldigung dafür, dass ich mir mit den Antworten so lange Zeit gelassen habe...


@Beta: Dass es ein wenig an den Herrn der Ringe erinnert kann gut sein - das bzw. genau genommen "Der kleine Hobbit" ist nämlich auch das wichtigste Vorbild für diese Geschichte. Den kleinen Hobbit habe ich auch extra noch einmal gelesen, bevor ich angefangen habe die Geschichte zu schreiben.
Dass die Namen ein wenig an Zelda erinnern, war mir dagegen nicht bewusst - aber jetzt, wo du's sagst, empfinde ich es plötzlich auch so...

Dass du keinen Bezug der Kapitelüberschrift zum Text finden konntest, lässt sich übrigens recht einfach erklären: Es gibt keinen :lol:
Das wiederum liegt zum einen daran, dass das Kapitel noch nicht abgeschlossen ist, da es irgendwie deutlich länger geworden ist als geplant, zum anderen aber auch daran, dass ich extrem schlecht darin bin mir passende Überschriften auszudenken. Den Überschriften sollte daher nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden - teilweise sind sie auch noch experimentell und werden je nach Verlauf der weiteren Geschichte noch geändert...


@N-Friend: Ja, das Problem kenne ich auch - in meinem Alter wird das aber schon von einem anderen Problem überlagert: nämlich dem, dass mir zwar beim Lesen haufenweise Sachen auffallen, die ich dem Autor gerne schreiben möchte, ich aber, bis ich mit der Geschichte fertig bin, die Hälfte schon wieder vergessen habe...
Deine Interpretation des Titels finde ich mal richtig genial - auch wenn ich ehrlicherweise zugeben muss, dass ich mir dabei nicht so viele Gedanken gemacht habe. Da ich mir aber sowieso noch nicht ganz im klaren bin, was eigentlich der zentrale Konflikt der Geschichte werden wird, nehme ich das aber schon mal gerne als Anregung auf (muss ich dich dann eigentlich als Mitautor angeben, wenn ich deine Ideen hier mit verbaue? ^^)
auf das Vorspiel komme ich selbstverständlich später noch das ein oder andere Mal zurück - wirklich aufgeklärt wird es aber (hoffentlich) erst ganz zum Schluss.
Der Prolog ist übrigens auch stark vom kleinen Hobbit inspiriert. Die Personifizierung der Landschaft bzw. Natur gibt es dort nämlich auch immer wieder (wenn auch nicht unbedingt in solcher Ausführlichkeit).
Vielen Dank auch für das kritische Feedback zum Eingangsdialog: Mir hat beim Schreiben einfach die Idee so gut gefallen, das ganze mit einem Dialog beginnen zu lassen, dass ich darüber die ein oder andere Schwierigkeit beim lesen völlig ausgeblendet habe. Im Nachhinein betrachtet muss ich aber auch zugeben, dass es in dieser Form nicht ganz perfekt ist - vielleicht werde ich das auch noch mal ein wenig überarbeiten.
Danke auch dass du das mit der Schwierigkeit angesprochen hast, bei einem solchen langen Dialog zu verfolgen wer was sagt - mir als Autor fällt das nämlich natürlich nicht auf (da ich die Szene ja direkt vor Augen habe und daher genau weiß, wer was sagt). Im neuen Kapitel habe ich da auf jeden Fall etwas mehr darauf geachtet (hoffe ich zumindest).
Zu den verschiedenen Personen habe ich mir eh schon überlegt, vielleicht ne Übersicht aller auftretenden Personen zu erstellen - ich bin mir nur immer noch nicht im Klaren, wie man sowas macht, ohne schon zu viel über die Handlung zu verraten (es macht ja keinen Sinn, wenn man eine solche Übersicht erst anschauen kann, nachdem man die gesamte Geschichte gelesen hat). Mal sehen, ob das noch was wird...
Bei den Namen der Dorfbewohner musst du dir aber keine Sorgen machen - die sind vorerst eh nicht so wichtig :)
Zum Titel: siehe oben - und ja, darauf welche Konflikte sich in dieser Geschichte noch ergeben werden, bin ich auch sehr gespannt ^^
Ein wenig mehr zumindest über Tanurs Charakter erfährt man hoffentlich im neuen Kapitel - Tesla muss aber leider noch etwas warten...
Beim lesen deiner Story musste ich nur über einen seltsamen Ausdruck Satz stolpern, bei dem ich mich gefragt habe, ob das denn wirklich so geht. "[...], dann bog er um die nächste Ecke und war außer Hörreichweite." Deinem Satzbau nach zu urteilen bog Tanlur um die Ecke und konnte ab dem Zeitpunkt nichts mehr von ihm hören. Dabei hat mir mein Fahlehrer so schön beigebracht, man kann zwar nicht um die Ecke sehen aber hören... klingt etwas komisch.. aber naja, wie soll man es anders schreiben? Wenn ich morgen aufwache und nicht total übermüdet bin sehe ich es vielleicht anders =P Die Hörreichweite hat mich auch stutzen lassen... es gibt ja die Sichtweite, also warum nicht auch die Hörreichweite... naja, die Sichtweite ist aus Sicht des Sendern, die Hörreichweite aber aus Sicht des Empfängers... und irgendwie klingt es falsch, ich weiß aber auch nicht warum... (ich hasse es zu kritisieren, obwohl ich es nicht erklären kann =/). Wahrscheinlich weil der Teddy selber hört und in diesem Satz mehr aus Sicht des Gesprochenen egsagt wird.... naja k, vergess den letzten Abschnitt, ich weiß selber nicht, warum ich eig etwas gegen dieses Wort habe xD
Äh ja, da hast du vollkommen recht (hätte ich, nachdem ich schon in Physik Abitur gemacht habe, eigentlich wirklich besser wissen sollen). Ist ausgebessert. Was dich am Wort "Hörreichweite" stört, könnte vllt. sein, dass es das - zumindest meinem Sprachgefühl nach - so eigentlich gar nicht gibt: "Hörweite" hört sich jedenfalls wesentlich besser an (keine Ahnung warum ich überhaupt auf dieses Wort gekommen bin...).
ein einziges mal hast du ein Wort doppelt geschrieben, weiß leider nicht mehr welches.. irgendwas mit s...
Danke - sind ja nur schlappe 472 Wörter, die mit s anfangen. Sollte sich also problemlos aufspüren lassen :D
Layout passt auch, ist wirklich einfacher so zu lesen, als wenn der Text über die gesatmte Breite des Forums geschrieben ist.
Das ist gut - dafür ist das nämlich gedacht ^^
Achja, mir meine unendlich langen Schachtelsätze auszutreiben, daran haben sich schon Generationen von Deutschlehrern vergeblich versucht - das wird also vermutlich nichts mehr :lol:






Ja und nun, gibt es - nach nur einem knappen Monat* - auch einmal wieder ein neues Kapitel. Und also Bonus gibt's noch ein nagelneues Inhaltsverzeichnis gratis dazu!


*An der langen Wartezeit seit ihr aber auch irgendwie selber schuld. Denn nachdem ihr die ersten Kapitel schon so über alle maßen gelobt habt, habe ich mich erst gar nicht mehr getraut weiter zu schreiben, da das nächste Kapitel so eigentlich nur noch schlechter werden konnte.
Also macht das neue Kapitel diesmal lieber ordentlich runter, wenn ihr in absehbarer Zeit eine Fortsetzung haben wollt ^^

Achja - und wenn noch der ein oder andere beim Gedichte-Wettbewerb abstimmen würde (Link in der Signatur), würde mich das natürlich noch ganz besonders zum Weiterschreiben anspornen *WinkmitdemZaunpfahl*
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#748148 von N-Friend
08.01.2011, 23:26
Ok, ich habe jetzt mal etwas an meiner Taktik geändert. Anstatt diese Story in den Himmel zu loben kritisiere ich lieber mal verdammt pingelig jede verdächtige Stelle.... ich lass Lob mal, ist zwar eigentlich nicht im Sinne des guten Feedbacks, aber ich hab oben ja schon genug Hymnen verfasst ;) Außerdem hab ich mir die Sachen beim lesen aufgeschrieben, um nicht wieder so einiges zu vergessen (ja, ich bin mit meinen frischen 17 auch schon anfällig dafür =O)


Beim neuen Kapitel war es wieder der Anfang, den ich etwas schwammig fand. Allein der erste Satz, der über gefühlte 184 Wörter mit gefühlten 35 Komma ging, war schon zu viel für mich. AB diesem Moment wusste ich so ziemlich, ich muss sehr aufmerksam lesen und darf nicht abschweifen (folgende Feedbackstelle wird zensiert, da sie unzählbar viel ob enthalten würde). Bei diesem Satz (ja, ich mach jetzt mal einen auf Sprachwissenschaftler) ist mir vor allem die Konstruktion etwas unschlüssig. Du startest mit "Der Wald" und endest darin, dass du sehr viele Sachen anfügst, die alle im passiv stehen. In etwa "Gregor geht auf den weg zu Sabrina, die eine rote Hose hat, die schön in der kühlen Sonne, welche wie jeden Ttag unglaublich kräfftig strahlte, anhatte und zudem eine Freundin besaß, die ihr mit den Worten, durch die sie immer punktete, erzählte, dass dieser Satz, den ich einfach mal so ohne Motiv erfinde, zu viele Wörte gehabt hatte." - Um in solchen Säzen wirklich die wesentlichen informationen zu filtern erbraucht es schon Mühen, die beim Lesen dieses Chapters eigentlich recht fies sind. Eine neutrale Aussage folgt: Dies hast du im weiteren Verlauf de kapitels allerdings nicht mehr so extrem gemacht. K, ich gebe zu, du weißt selber, dass du recht verchachtelt redest, aber ich möchte es trotzdem hier anmerken =P

Weiter geht es mit Tanlurs Erinnerung an die Story seines Großvaters. Hier hast du den Leser erneut irritiert (zumindest mich), ohne dass du es beim Schreiben wohl gemerkt hast. Insgesamt war dein Stil an dieser Stelle zu Ausweichend, es fällt mir grade schwer das zu erklären, aber du hast häufig Informationen gegeben, die du dann irgendwie doch nicht verraten wolltest. Das ist so wie eine Meldung in der Schule, die beim Drannehmen mit "ne, doch nicht" abgewiesen wird (in der 5. Klasse der bringer zur Verbesserung seiner mündlichen Note... man waren die Mädchen damals noch doof....).
Rumo hat geschrieben:Viel erzählt hatte er seinem Enkel auch nicht, nur[...]

Ein kleines Beispiel, du schreibst etwas, in diesem Fall viel hat er nicht erzählt, und schränkst das im nächsten Moment wieder ein... kann man machen, aber in dieser Masse an Fällen in diesem kleinen Feld hast du den Leser in gewissem Sinne irritiert. Die Wörter wie "außer" waren in diesem Teil, wenn auch immer in einer anderen Form, sehr präsent.

Was mich ebenfalls am Anfang irritierte war, dass der Wald von außen dicht oder, ich beschreib es mal mit deinen Worten, "abweisend und als kalte Mauer erscheinend" betitelt wird. Allerdings erinnere ich, dass Tanur und Tesla in Chapter 1 auf den Berg geklettert sind, um den Fluss oder Teich oder whatever zu sehen.... irgendwie passt das nicht, oder hab ich was falsch verstanden.... ?

Als im Wald das honigmonster kam und sie über den Wald geredet haben, bzw. über die Bäume im Wald, die Waldgeister und was osnst noch im schrecklichen Wald passieren kann 8oder auch nicht passieren kann), hast du sehr gerne das Wort "Wald benutzt" (etwa so wie ich grade eben". Das war zwar so ziemlich die einzige extreme Wortwiederholung aber an dieser Stelle hättest du vielleicht etwas häufiger Synonyme verwenden können. Apropros Synonyme, ein Synonym für Tanur wäre auch mal ganz nett, während du bei vielen Leuten das Aussehen bechreibst und dem leser das Pokemon erraten lässt, sagst du bei Tanur immer Tanur. Ich habe in Kapitel zwei kein mal gelesen, dass du für Tanur z.B. der Bär o.Ä. geschrieben hast. Das hat an einer Stelle zum Beispiel auch zu einer unschönen Wortwiederholung geführt, solche Synonyme sind auch ein Indiz für Abwechslung und ich hätte gerne sowas in diesem Chapter gesehen (hach, die Kritik klingt ja echt fies oO).

Ansonsten noch zu den Charakteristiken: Tesla wird hier als sehr egozentrisch dargestellt. Sie macht sich alleine auf den Weg, als wolle sie nichts mit Tanur zu tun haben..... mensch immer diese Frauen...
Tanur ist aber genauso komisch.. dem kann man es nie recht machen, da bekommt er endlich seine ersehtne Mahlzeit um gestärkt zu sein und dann hat er auch ne Ausrede dafür, dass er nicht laufen kann... tsetse, unmöglich (und ich merke grade, wie das, was ich grade über die Charakteristiken sage, eher in den lob Teil passen würde, da du nie gegenteilige Anzeichen gemacht hast (tief im inneren hab ich auch positive dinge auf meinen Notizblock geschrieben =O))

Zur Rechtchreibung und Zeichensetzung kann ich sagen (achtung, jetzt wird es verdammt kleinkariert.....):
  • Bei einem und hast du das "d" vergessen
  • Hinter dem Wort bedrohlicher (hat die Biene gesagt) fehlt ein Fragezeichen.
  • zu seltsam zucken -> seltsam zu zucken...
Schockieren was man so alles in einem Chapter mit gefühlten 200000 Wörtern findet.....


Abschließend kann ich sagen, dass die Geschichte in ihrem Verlauf zwar schon was interessantes mit den Waldgeistern zeigt, sie aber noch nicht sehr spannend zu diesem Zeitpunkt ist.... ich kann es nicht mehr aushalten... ich muss dieses großartige Kapitel einfach loben, auch wenn ich eine baldige Fortsetzung damit aufs Spiel setzte ;'(

^- Was allerdings auch kein Problem ist, da du mit deinem bestechenden Stil den Leser fesselst und deine story zum jetzigen Zeitpunkt eine klare Linie aufweist!
Um mal ein paar Infos über die FF des Monats Juli-Dezember zu verraten: Knapp hinter den Blaupausen musste sich diese Story stilistisch geschlagen geben.... und das, obwohl sie nur den Prolog und das erste Kapitle zu diesem Zeitpunkt gehabt hatte und noch nicht di vollen stilistischen Mittel auskosten konnte. Mit diesem von der Jury sehr hoch geschätzten Stil konntest du auch in Kapitel 2 Punkten. Der Wald wird einem sehr Nahe gebracht und man kann ihn sich wirklich sehr schön bildlich vorstellen. Das fängt mit der Information an, dass der Wald wie eine Halle wirkt mit vereinzelten Sonnenstrahlen und in dieser Halle an verschiedenen Stellen Äste sind. Die Dichte gibst du dem Leser am Anfang als Hintergrundinformation, die Äste zeigst du dann als besondere Stelle in diesem Wald an.... klasse oO
besonders die genauen Beschreibungen, die du mit Wörtern wie "Blättergewölbe" präsentierst, sind sehr stark.

Ebenfalls gefällt mir das System, dass du die beiden protagonisten erst einmal einzeln beschreibst. Du läufst nicht die Gefahr, dass der Leser Informationen verwechseln kann und sie dem falschen Chara zuornden kann (so wie es in Chap 1 bei der Diskussion noch der Fall war) - man sieht, du bist auf alle Fälle lernfähig =P

Was lässt sich noch sagen.. achja, das Ende. Ich habe ja gesagt, dass Kapitel gefiel mir im Laufe der Zeit immer besser.... und hey, böse Zungen behaupten, es gibt böse Waldgeister... und hey, am Ende wird es interessant und es kommt zur Komplikation. Das nichts spannendes passiert ist übertrieben, man ärgert sich viel mehr, dass dieses Kapitel trotz der 2000000 Wörter so schnell vorbei ist. Denn dein Schnitt zum Schluss ist gut und lässt mich auch eine interesante Fortsetzung hoffen.... vielleicht hab ich es doch so lange geschafft, das Lob außen vor zu lassen, damit ich schnell weiterlesen kann (was ich jetzt aber grade schön versaue xD)....

Besonders genial fand ich die versteckten botschaften... ich war beim Lesen ja sehr aufmerksam um möglichst viele Fehler zu finden. Letztendlich war meine Ausbeute leider nicht so erfolgreich, deswegen hab ich umso mehr jedes einzelne Wort und jeden Satz unter die Lupe genommen, um die Quote zu stärken... und da kamen mir kleine, detailierte Botschaften an den aufmerksamen Leser unter. Ich erinnere an den Bärenhunger, der mich schmunzeln ließ. Du kennst dieses B-ä-r-Wort ja doch =O Außerdem hast du immer wieder auf die ängstliche Charakteristik vom Teddy hingewiesen, was sich in der Schutzposition des Wesens gipfelte. Dass du solche Stilmittel benutzt, einfach nur genial.... deine geschichte ist wirklich lesenswert. Der Titel passt btw auch, du gibst die wesentliche Information an den Leser und lverratest nicht zu viel.... diese kurze Botschaft geht dann unter der schönen (leider aber auch wie egsagt langen) Beschreibung unter und du lässt den Leser gleich in das Kapitel eintauchen, ohne dass er schon etwas vorweggenommen bekam.


Dieses Kapitel ist wirklich gut, du httest ein bestimtmes Ziel vor Augen mit der Charakteristik des teddy (was ich doch mal stark nach deinem Ankündigungspost annehme) und hast dieses sehr gut erfüllt. Good Job!

Hervorheben möchte ich übrigens noch einmal das Inahltsverzeichnis. Wunderschöne Idee, die du auch gut meisterst. Ich hab sie mir zunutze gemacht m mich wirklich an vieles erinnern zu können. Ich bin gespannt wie du sie bei spannenden Passagen einsetzten möchtest^^

Also, lass dir bitte trotz des Lobs nicht allzuviel Zeit beim nächsten Chapter, ich möchte unbedingt weiterlesen

keep on writing ;)
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#764650 von Rumo
01.03.2011, 22:34
So, ganz kurz vor das letzte Update schon wieder zwei Monate zurückliegt gibt es auch schon wieder ein neues Kapitel! Dafür hat es auch mal wieder ein ganz klein bisschen Überlänge (ab dem übernächsten Kapitel wird das aber hoffentlich wieder etwas besser, sprich kürzer :D ):

Fall jemand (also z.B. ich) Interesse an ein paar sinnlosen Statistiken hat: Dieses Kapitel hat
  • gut 21.000 Zeichen
  • in knapp 4000 Wörtern
  • die wiederum 220 Sätze bilden.
Das macht dann
  • 5,1 Zeichen pro Wort
  • und 17 Wörter pro Satz (ist doch eigentlich gar nicht so viel, oder?)

So, und wenn sich jetzt trotzdem noch jemand traut das Kapitel zu lesen, kann er ja mal nachzählen, ob die Word-Lesbarkeitsstatistik auch zuverlässig ist ^^






N-Friend hat geschrieben:Ok, ich habe jetzt mal etwas an meiner Taktik geändert. Anstatt diese Story in den Himmel zu loben kritisiere ich lieber mal verdammt pingelig jede verdächtige Stelle....
Ja! Weiter so :)
Beim neuen Kapitel war es wieder der Anfang, den ich etwas schwammig fand. Allein der erste Satz, der über gefühlte 184 Wörter mit gefühlten 35 Komma ging, war schon zu viel für mich.
Okay, der Satz ist selbst für meine Verhältnisse extrem - steht auch schon ganz oben auf der "Zu-Überarbeiten-Liste" :lol:
Weiter geht es mit Tanlurs Erinnerung an die Story seines Großvaters. Hier hast du den Leser erneut irritiert (zumindest mich), ohne dass du es beim Schreiben wohl gemerkt hast. Insgesamt war dein Stil an dieser Stelle zu Ausweichend, es fällt mir grade schwer das zu erklären, aber du hast häufig Informationen gegeben, die du dann irgendwie doch nicht verraten wolltest.
Interessant - im Gegensatz zu der Sache mit den Schachtelsätzen, ist mir das selbst nämlich nicht aufgefallen. Werde ich beim Überarbeiten aber auf jeden Fall drauf achten!
Als im Wald das honigmonster kam und sie über den Wald geredet haben, bzw. über die Bäume im Wald, die Waldgeister und was osnst noch im schrecklichen Wald passieren kann 8oder auch nicht passieren kann), hast du sehr gerne das Wort "Wald benutzt" (etwa so wie ich grade eben". Das war zwar so ziemlich die einzige extreme Wortwiederholung aber an dieser Stelle hättest du vielleicht etwas häufiger Synonyme verwenden können.
Kennst du ein Synonym für Wald? Mir ist da nämlich irgendwie nichts wirklich brauchbares eingefallen :?
Apropros Synonyme, ein Synonym für Tanur wäre auch mal ganz nett, während du bei vielen Leuten das Aussehen bechreibst und dem leser das Pokemon erraten lässt, sagst du bei Tanur immer Tanur. Ich habe in Kapitel zwei kein mal gelesen, dass du für Tanur z.B. der Bär o.Ä. geschrieben hast. Das hat an einer Stelle zum Beispiel auch zu einer unschönen Wortwiederholung geführt, solche Synonyme sind auch ein Indiz für Abwechslung und ich hätte gerne sowas in diesem Chapter gesehen (hach, die Kritik klingt ja echt fies oO).
Nein, treffend und vor allem konstruktiv. Daher habe ich das im neuen Kapitel auch gleich mal versucht umzusetzen und so viele Synonyme verwendet, wie mir nur eingefallen sind (daher auch immerhin nur 45 Tanurs in fast 400 Wörtern :D )
Wobei es mir bei den Hauptfiguren irgendwie immer besonders schwer fällt Synonyme für sie zu verwenden. Das klingt dann immer gleich so distanziert. Aber zumindest werden ich jetzt jeden Perspektivenwechsel für eine ausgiebige Synonym Verwendung ausnutzen...
Ansonsten noch zu den Charakteristiken: Tesla wird hier als sehr egozentrisch dargestellt. Sie macht sich alleine auf den Weg, als wolle sie nichts mit Tanur zu tun haben..... mensch immer diese Frauen...
Ja, egozentrisch ist sie tatsächlich, die gute Tesla. Aber sind das nicht irgendwie alle Kinder?
Tanur ist aber genauso komisch.. dem kann man es nie recht machen, da bekommt er endlich seine ersehtne Mahlzeit um gestärkt zu sein und dann hat er auch ne Ausrede dafür, dass er nicht laufen kann...
Tja, Bären sind nun mal faul - und lassen keine Ausrede ungenutzt, weiß ich aus Erfahrung :lol:
Zur Rechtchreibung und Zeichensetzung kann ich sagen (achtung, jetzt wird es verdammt kleinkariert.....):
~fixed

Ansonsten natürlich auch vielen Dank für das viele Lob - so hab' ich zumindest ne Ausrede (-> s.o.) warum das neue Kapitel mal wieder auf sich hat warten lassen (und die Auszeichnung zur FFdM ist natürlich auch an mindestens zwei Wochen zusätzlich schuld ^^)

Ein Großes Dankeschön jedenfalls nochmal für diesen langen, ausführlichen und konstruktiven Kommentar :)
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#770167 von N-Friend
13.03.2011, 15:58
So, endlich mal wieder weitergelesen (:

Ich hab jetzt erlich gesagt nicht so die Energie, einen 4000 Wörter Kommentar zu schreiben, da sich viele meiner Kritik- und Lobpunkte aus den vorigen Kapiteln wiederholen würden... aber ich möchte dir dennoch ein gutes Feedback geben.

Was mir schon seit dem ersten Kapitel aufgefallen ist, was ich allerdings nie so richtig beschreiben konnte.... irgendwie ist es schn etwas seltsam, dass dein doch sehr detailreicher, trockener, ernster Schreibstil solche kindlichen Charaktere hat. Du kannst wunderbar beschreiben, hast auch einen Drang zum Übermenschlichen und zeigst einen sehr schönes Eindruck, da sind die Charaktere doch recht paradox. Ist ganz nett, ich denke wenn man deine richtige Stärke sehen möchte muss man wohl deine andere Story lesen. Zu beachten ist aber auch, dass du recht witzig bist und diesen Witz in dieser Geschichte auch gut rüerbringen kannst. Du hast zum Beispiel wunderbare Wortspiele und manchmal kommt es mir auch so vor, dass du fast selbst überrascht davon bist (deine Charaktere sind von ihren Wortspielen schließlich auch überrascht =P). Ein kleines, verdammt gutes Wortspiel ist der Satz: "der Fluss läuft uns nicht davon".... lyrische Qualität, Chef =D

Besonders gefallen hat mir in diesem Kapitel der Informationsfluss. Die Story nimmt Züge an, ersteinmal hast du den Weg zu diesen informationen gut beschrieben, dann diese Informationen auch noch verständlich und gewohnt real rübergebracht... und letztendlich dann viele Fragen offen gelassen, so wie es sich gehört. Gefällt mir!

Was mir am Anfang des Kapitels mal wieder nicht gefallen hat, war das ständige Wiederholen des Wortes "Baum".... ok, ich gebe zu, Baum ist ein verdammt seltsames Wort... aber dennoch gibt es dafür Synonyme. Kleines Beispiel: "hölzernen Riesen" <- du kannst es doch^^

Von der Rechtschreibung... paar kleinere Fehler, nichts dramatisches. Lustig zu sehen war aber, dass Tanurs Deutsch am anfang nicht so bombe war in Sachen Grammatick usw. =P

Zur wörtlichen Rede speziell: Du zeigst in deiner wörtlichen Rede durch bloßes Reden gut die Gefühlslage.. da kann man man darüber hinwegsehen, dass du nicht beschreibst wie sie es sagen, sondern durch Wörter wie "ha-ha" ihre gefühlslage zeigst.. kann man machen, machst du, hab ich bisher wenig gegen einzuwenden.

Komm ich wieder zum guten. ich finde es echt gut, wie du kindliche Konflikte und Meinungsverschiedenheiten in die Story einführst. Die vollkommen verschiedenen Charaktere sind doch gute Freunde und dennoch zeigst du durch Konfliktsituationen wunderbar, dass sie eigentlich Grundverschieden sind. Das gibt deiner Geschichte sehr viel Menschlichkeit und das finde ich, ich wiederhole mich gerne, sehr gut.

Dass du die Pokemon recht detailreich beschreibst ohne genau zu sagen, um welches Pokemon es sich handelt... das ist ebenfalls klasse. Ich musste auch in diesem Kapitel wieder Rätseln und kam nach langem Überlegen dann endlich auf die Lösung. Wäre das ein Gen 5 Monster, ich hätte ewig überlegen können xP Gleiches mach ich übrigens auch bei meiner Spriter's Paradise Story, nur um noch mal zu zeigen, warum ich keien Link in der Story anführe^^

Ich merke langsam wieder, wie ich die Hälfte meiner Feedbackpunkte vergesse... einen letzten möchte ich dennoch noch anführen. Deine Story hat am Ende wieder Spannung erhalten, genau das hab ich n dem Moment auch benötigt. Informationen + Spannung = Klasse! Die jetzige Situation lässt mich natürlich wieder angespannt auf die Fortsetzung warten, ich bin gespannt wie sich das entwickelt. Deswegen sollst du schnell weiterschreiben, denk dran... bei dieser Story handelt es sich um eine FF des Monats, die großen Anklang bei vielen gefunden hat.

Also, keep on writing ;D
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#820696 von Rumo
10.07.2011, 15:29
Nachdem ich vorher intelligenterweise eine alte Version in den Startpost kopiert habe, ist es jetzt hoffentlich endlich die richtige :roll:
Dafür ist jetzt auch die PDF-Version zum Herunterladen fertig. Der Inhalt ist natürlich der gleiche wie hier im Thema, aber das ganze ist etwas schöner formatiert und (mMn) auch angenehmer zu lesen.







So, nach gut vier Monaten harter Arbeit knapp vier Monaten Faulheit und zwei, drei Tage, an denen ich mal wieder etwas geschrieben habe, gibt es auch schon das nächste Kapitel:

Dieses Kapitel ist das vierte der drei geplanten Kapiteln, aus denen der erste Akt eigentlich bestehen sollte, und schließt diesen nun endlich ... immer noch nicht ab :lol: (dafür ist es aber auch nicht so übermäßig lang und das - dann wirklich - letzte Kapitel des ersten Aktes ist auch schon halb fertig (kann sich also nur noch um Monate handeln :-) ).

Falls sich jemand nicht mehr so ganz genau daran erinnern kann, was eigentlich in den letzten Kapiteln so passiert ist (was bei meiner Schreibgeschwindigkeit ja nicht völlig aus der Luft gegriffen ist), verweise ich auch gleich noch auf die (wirklich!) kurzen Zusammenfassungen der vorherigen Kapitel im Inhaltsverzeichnis.






@N-Friend: Wie immer vielen dank für dein ausführliches Feedback und die wirklich sehr konstruktive Kritik (ich lese auch immer, bevor ich mit dem Schreiben eines neuen Kapitels anfange, die Kommentare zu dem jeweils letzten, und versuche die Vorschläge daraus dann auch irgendwie im neuen Kapitel mit umzusetzen (extra für dich habe ich gleich auch einmal das Wort "Bär" eingebaut :D ) - außerdem bin ich momentan schon dabei die ersten Kapitel entsprechend des Feedbacks noch einmal ein klein wenig zu überarbeiten ).
Dass der Stil des Texts manchmal nicht so ganz zum Charakter der beschriebenen Personen passt, fällt mir auch immer wieder auf. Wobei ich mich bei den beschreibenden Passagen ja noch damit herausreden kann, dass der Erzähler eher ein distanzierter Erzähler ist, der einen ganz anderen Charakter hat als etwa Tesla oder Tanur. In den wörtlichen Reden muss ich aber in der Tat sehr aufpassen, da nicht in einen völlig unpassenden Stil zu verfallen (oder es mit den Wortspielen zu übertreiben (im neuen Kapitel ist die Gefahr da mal wieder besonders groß :lol: )).
Die Story nimmt Züge an
Ja - und (voraussichtlich) im übernächsten Kapitel wird die eigentliche Geschichte dann auch schon wirklich losgehen xD
Was mir am Anfang des Kapitels mal wieder nicht gefallen hat, war das ständige Wiederholen des Wortes "Baum"
Hm, okay 31-mal "Baum" in einem Kapitel ist echt etwas viel - im neuen taucht es dafür aber nur 4-mal auf ^^
da kann man man darüber hinwegsehen, dass du nicht beschreibst wie sie es sagen, sondern durch Wörter wie "ha-ha" ihre gefühlslage zeigst
Ich lese zu viele Comics :D

Und vielen, vielen Dank für das viele, viele Lob natürlich* :)
*Das viele "viele" ist hier natürlich kein Mangel an Kreativität, sondern ein Stilmittel! :-P
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#842213 von Rumo
07.10.2011, 15:43
Wer hätte das gedacht - es gibt tatsächlich noch innerhalb dieses Jahres ein neues Kapitel, um genau zu sein sogar schon heute:
(unbedeutende Randbemerkung: Szene 4 erschien am 10.7., Szene 5 am 7.10. :D )

Außerdem sind auch die anderen Kapitel dieses Aktes nochmal ein wenig überarbeitet (v.a. Fehler ausgebessert, ein paar Sätze etwas gekürzt, Wortwiederholungen reduziert und Illustrationen eingefügt) sowie natürlich auch die PDF wieder auf dem neuesten Stand. Achja, und ich habe probeweise noch die Formatierung des Startpostes etwas überarbeitet, damit der Post nicht gar so lang wird - wenn das aber doch eher stört als nutzt, dann sagt es einfach. Ist wie gesagt nur ein Versuch...


Zum neuen Kapitel gibt es eigentlich nicht viel zu sagen: Es ist die letzte Szene des ersten Aktes und schließt daher den ersten größeren Handlungsbogen ab. Wer sich nicht mehr so ganz daran erinnern kann, was eigentlich bisher passiert ist (könnte ja vorkommen ^^), dem empfehle ich wie immer das Inhaltsverzeichnis, in dem sich auch kurze Zusammenfassungen der bisherigen Kapitel befinden. Ach, und falls jemandem manches irgendwie bekannt vorkommt, dann liegt das vermutlich daran, dass das Kapitel zugegebenermaßen teilweise ganz dreist vom Herrn der Ringe geklaut geguttenbergt gehegemannt ^^
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#897966 von Rumo
14.05.2012, 20:59
Mit einer schier unglaublichen Schreibgeschwindigkeit von 11,6 Wörtern pro Tag schreitet die Entwicklung dieser FanFiction weiter rasent schnell voran - und hier ist nun das Ergebnis monatelanger Arbeit*:

Übrigens: Da die bisherigen 5 Kapitel bisher im Grunde nur eine Art Einleitung waren, sollte es im Grunde problemlos möglich sein diese zu überspringen und direkt mit dem neuen Kapitel anzufangen. Eine Zusammenfassung der bisherigen Kapitel findest du oben im Inhaltsverzeichnis.

Zusatzangebot




*kann Spuren von Faulheit und längeren Schreibpausen enthalten
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#905655 von bine
25.06.2012, 17:08
Die geschichte find ich toll geschrieben mehr sag ich jetzt mal dazu nicht und ich weiß das doppelpost in diesem forum nicht erlaubt sind .
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#909378 von N-Friend
17.07.2012, 02:56
Da hab ich doch tatsächlich nur durch Zufall mal wieder ein Kapitel einer anderen FF in diesem Forum gelesen und plötzlich kam wieder dieses Feuer in meine Augen, diese Leidenschaft. Mein Herz entbrannte und erinnerte sich an die Zeit, in der ich ambitionierte Schreiber mit Feedback versorgt habe - wie ein Vater seinem Sohn beim Erwachsenwerden zuschaut, so habe ich die Lehrlinge der schriftstellerischen Kunst beim Reifen mit den Worten zugeschaut. Und ja, kurzum: Ich hab mal wieder richtig Lust gehabt, eine FanFiction zu lesen und eben diese auch zu kommentieren. Diesmal aber nicht von einem Schüler, eher von meinem Chef ;D



Und wie es der Lauf der Gezeiten so will, hat die Vergesslichkeitsebbe wieder voll zugeschlagen. Bei anderen Geschichten wäre das Wasser, die Essenz der Geschichte, sicher in weiter Ferne gewesen, bei dieser Story kam die Erinnerungsflut aber sehr schnell. Und das dank deiner kurzen Inhaltszusammenfassungen.
Dieses Mal musste ich sie tatsächlich nutzen, eben deswegen habe ich nun auch die Möglichkeit, diese zu bewerten. Und ich bin vom Ergebnis keinesfalls überrascht, der Nutzen dieser Zusammenfassungen ist tatsächlich sehr hoch. Es gefällt mir, dass der Text wirklich sehr kurz ist, jedoch jede in meiner erinnerung etablierte Szene genannt wurde. Ich fand schnell wieder zurück auf den letzten Stand und konnte somit ohne Wissenslücken weiterlesen. Wohlgemerkt ab Szene 4, ich hatte nämlich zuvor nur die ersten drei Szenen gelesen. Man kann also sagen: Diese kurzen Texte lohnen sich für den Leser, solte es tatsächlich häufiger geben - zumindest wenn die einzelnen Kapitel so lang sind wie bei dir.


Nun bin ich also auf dem aktuellsten Stand und kann eben deswegen auch etwas zum ersten Akt sagen. Ich weiß nicht, wie viele Akte du machen möchtest, ich gehe einfach mal von 5 Stück aus, da das ja bekanntlich deine Lieblingsform ist. Wie du selber schon gesagt hast, ist der erste Akt nur eine Exposition. Von der SPannung her wird man sanft von Szene zu Szene getrieben, was aber viel mehr an deinen wirklich gelungenen Cliffhängern liegt. Probleme, die im ersten Akt auftreten, werden schnell gelöst - ehe die Protagonisten wieder ins nächste Problem stolpern. Diese Problemstellungen erfüllen ihren Zweck in der Existenz, aber sehr fesseln mögen sie nicht sein. Sie geben dem Leser die Möglichkeit, die Charaktere kennenzulernen oder deinen Schreibstil zu bewundern. Nun, von einer Einleitung mag man tatsächlich nicht so viel in Sachen Spannung erwarten, dass man aber auch erst ab dem zweiten Akt so richtig in die Story einsteigen kann, das glaube ich dir aufs Wort. Denn die meisten Probleme scheinen auch im ersten Akt gelöst worden zu sein, zumeist bevor das nächste in unmittelbarer Nähe lag. Erst in der letzten Szene, wenn das Männchen als Spion betitelt wird und die Botschaft des Baums ausgesprochen wird, beginnt der Faden, der sich durch die Geschichte ziehen wird.
Eine Sache, die ich nun ebenfalls bewerten kann, ist der Titel. "Der Bote", nun endlich weiß man, was damit gemeint ist (zumindest grob), aber meiner Meinung nach passt der nicht ganz so exakt. "Die Botschaft" wäre in meinen Augen besser, immerhin ist sie es, zu der die Einleitung hinarbeitete. Der Bote, damit können Tanur und der Baum gemeint sein. Ersterer erscheint mir im kontext zum Titel allerdings nicht sehr sinnvoll, da Tanur als Protagonist nicht sofort mit einem boten in Verbindung gebracht wird und noch ganz andere Aufgaben in dieser Story zu bewältigen hat. Der Baum allerdings ist auch nicht die zentrale Figur des Aktes... insofern ist eine personifizierte Überschrift in meinen Augen besser durch eine objektive Überschrift auszutauschen, um das Gewicht der Worte auf etwas zweckdienlichem zu verlagern. Aber gut, das ist Kleinkrämerei.
Dennoch ist dieser Akt durchaus gelungen, eben weil er als Einleitung gedacht war und dessen Kriterien durchaus erfüllt. Als wirklichen Kritikpunkt dabei kann man aber sehen, dass du für die Einleitung eine halbe Ewigkeit brauchtest und, nunja, wenn ich das nicht eben alles am Stück durchgelesen hätte, dann wäre es sicher mit der zeit anstrengend gewesen. Aber ok, mein Lesetempo ist auch nur schnell, wenn ich ein Buch vor mir habe, insofern freue ich mich nun auf die Handlung ;D

Und diese beginnt doch schon gleich vielversprechend. Ein weiser Mann sagte einst in diesem Thread: "Keine schlimme Vergangenheit, keine verlorenen Eltern... ein weiteres Indiz dafür, dass noch viel schlimmes kommt, auf das dann erst zurückgeführt wird." Et voila, Tanurs Großvater verschwindet. Für ein Kind wie ihn ist das, wie die Träne ja bereits verratet hat, sicher ein Schock. Und auf diiesem Schok gilt es, die Geschichte aufzubauen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Tanur im laufe der Story über sich hinauswachsen wird. In dieser ersten Szene hast du also schon einem Charakter ein gewisses Ziel in die Augen gesetzt, irgendwie seinem Großvater zu helfen, ihm zu folgen. Der Traum tut in dieser Hinsicht sein übriges.

Ich habe dich schon viel gelobt in den vorangegangenen Kommentaren, besonders hervorheben möchte ich aber noch die Charakteristiken von tesla und Tanur. Ich fand es wieder wirklich sehr gut, wie einfach du diese als Kinder dargestellt hast. Sei es die beschreibung des Kampfes zwischen Tesla und ihrem Verstand, der Umgang der beiden miteinander, ihre durchaus kindlichen Charakterzüge (Naivität, Neugierde) und schließlich sogar die Sprache der Beschreibungen. Ein kleiner Bär "purzelt" gerne, wie du es so schön beschrieben hast. Dieses Wort wäre beispielsweise in einer ernsteren Geschichte nicht möglich. Auch einige Sätze sind komplett durchdacht auf das Niveau eines Kindes gesetzt. Nicht, dass dein Stil darunter leidet, ganz und gar nicht - viel eher zeigst du die Welt sehr gut aus Tanurs oder Teslas Sicht, mit Eindrücken von kindern, aber mit der eleganten Wortgewalt des Autors. Respekt!

Außerdem an dieser Stelle noch ein sehr großes Lob an deine Charakterbeschreibungen: Es macht unheimlich viel Spaß erst nach dem Lesen einiger Sätze zu erkennen, welches Pokemon sich nun tatsächlich hinter der Beschreibung verbirgt. Für gewöhnlich achte ich auf die Farbe des Haares oder die Anfertigung der Kleidung bei Personen selten, für mich zählt immer nur, dass Haare vorhanden sind und dass Kleidung vorhanden ist. Bei dir achte ich aber auf jedes Detail, nur um in den Genuss zu kommen mir das Pokemon so gut wie möglich vorzustellen. Wenn man erstmal Stereotypen im Kopf hat muss man nämlich immer die Details schätzen, um nicht an ein anderes Wesen, was man im ersten Moment damit verbindet, in die Geschichte zu setzen^^

Achja, die Tatsache, dass ich nur einmal eine Wortwiederholung gelesen habe, auf die ich ja bekanntlich allergisch reagiere, freut mich ebenfalls sehr. Nur einmal hast du Tanur mit einer Wolldecke zugedeckt... aber auch das ist eher so eine Alibiwortwiederholung ;)

Ansonsten noch eine kurze Anmerkung zum Männchen: Tanur hört einen Hilfeschrei, bei der Fallgrube angekommen bestreitet dieses Männchen allerdings, Hilfe annehmen zu wollen. Daraus resultierend macht der Hilfeschrei also kein Sinn, er würde viel eher versuchen, sich weiter selbst daraus zu helfen... oder stößt es einfach nur gegen seinen Stolz, dass ausgerechnet zwei kinder ihm zur Hilfe kommen wollen^^


Das war es nun auch erstmal von meinem Post. Ich bin ehrlich gesagt etwas eingerostet, wenn ums Kommentieren geht, ich muss erst nach und nach wieder meine Form finden. Immerhin sehe ich das Kommentieren auch als Kunst, so viel Respekt gebe ich meinen eigenen Wortschöpfungen auf andere Geschichten schon. Dass ich mit diesem Post in die Top 3 der FanArt Poster eintauche, lässt mich ebenfalls schon gierig auf den Absenden" Button stiehlen.^^


Insofern freue ich mich auf eine Fortsetzung und nach langer Zeit mal wieder ein: keep on writing ;D
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Re: Pokémon Nèmesis [zuletzt...

#910329 von Rumo
23.07.2012, 02:10
Oh, es gibt doch kaum etwas schöneres, als abends ins Forum zu schauen und gleich als erstes die eigene FanFiction wieder ganz weit vorne in der Liste der Aktiven Themen vorzufinden. Und wenn dann noch ein gewisser "N-Friend" als Autor des letzten Beitrag in besagtem Thema angegeben wird... :)


Dieses Mal musste ich sie tatsächlich nutzen, eben deswegen habe ich nun auch die Möglichkeit, diese zu bewerten. Und ich bin vom Ergebnis keinesfalls überrascht, der Nutzen dieser Zusammenfassungen ist tatsächlich sehr hoch.
Freut mich sehr, dass die Zusammenfassungen tatsächlich etwas bringen. Also auch jemand anderem als mir selbst, denn bei meinem momentanen Schreibtempo muss ich die tatsächlich auch selbst hin und wieder zur Auffrischung meiner Erinnerung an die vergangenen Kapitel verwenden xD
Nun bin ich also auf dem aktuellsten Stand und kann eben deswegen auch etwas zum ersten Akt sagen. Ich weiß nicht, wie viele Akte du machen möchtest, ich gehe einfach mal von 5 Stück aus, da das ja bekanntlich deine Lieblingsform ist
Das ist bekannt? Wusste gar nicht mehr, dass ich das hier schonmal erwähnt hatte :D
Aber ja, du hast völlig recht - geplant sind zur Zeit fünf Akte (fürs erste).
Eine Sache, die ich nun ebenfalls bewerten kann, ist der Titel. "Der Bote", nun endlich weiß man, was damit gemeint ist (zumindest grob), aber meiner Meinung nach passt der nicht ganz so exakt. "Die Botschaft" wäre in meinen Augen besser, immerhin ist sie es, zu der die Einleitung hinarbeitete. Der Bote, damit können Tanur und der Baum gemeint sein. Ersterer erscheint mir im kontext zum Titel allerdings nicht sehr sinnvoll, da Tanur als Protagonist nicht sofort mit einem boten in Verbindung gebracht wird und noch ganz andere Aufgaben in dieser Story zu bewältigen hat. Der Baum allerdings ist auch nicht die zentrale Figur des Aktes... insofern ist eine personifizierte Überschrift in meinen Augen besser durch eine objektive Überschrift auszutauschen, um das Gewicht der Worte auf etwas zweckdienlichem zu verlagern.
Ja, das mit den Kapitelüberschriften ist bei mir allgemein so ne Sache - im Grunde sind die auch immer nur Provisorien, weil ich selbst nie so richtig von ihnen überzeugt bin. Ein der beiden einzigen Sachen, auf die ich tatsächlich immer ein wenig Wert lege, ist, dass die Überschriften nach Möglichkeit nicht völlig eindeutig sein sollen und mehrere Interpretationen zulassen. Mit der Frage, ob nun Tanur oder Arbores damit gemeint sind, hast du den "Sinn" der Überschrift also im Grunde schon ziemlich genau erfasst.
Wobei sich der Titel ursprünglich eigentlich vor allem auf eine dritte Person bezogen hat - Colo, das kleine graue Männchen. Allerdings hat sich dessen Auftreten im ersten Akt im Verlaufe des Schreibens irgendwie immer weiter nach hinten verlagert und dessen Rolle ist dadurch immer kleiner geworden. Bzw. genau genommen, ist nicht desse Rolle kleiner geworden, sondern das drumherum immer größer geworden (ursprünglich hatte ich ja mal nur zwei bis höchstens drei Szenen für den ersten Akt geplant :D ).
So wie es sich nun entwickelt hat, sollte ich den Titel aber vielleicht wirklich noch mal überdenken - sobald ich einen passenden Ausgleich der Symetrie in den Kapitelüberschriften gefunden habe (diese Symetrie ist nämlich - vermutlich sinnloserweise - der zweite Punkt, auf den ich bei der Wahl der Überschriften achte).
insofern freue ich mich nun auf die Handlung ;D
Nicht nur du - ich freu mich auch schon darauf, endlich mal ein Kapitel mit etwas mehr Handlung schreiben zu können, was - hoffe ich - auch demnächst endlich wird möglich sein.

Ein weiser Mann sagte einst in diesem Thread: "Keine schlimme Vergangenheit, keine verlorenen Eltern... ein weiteres Indiz dafür, dass noch viel schlimmes kommt, auf das dann erst zurückgeführt wird."
Und diese weisen Worte habe ich mir damals gleich notiert, da sie ganz hervorragend zu den bisherigen Plänen gepasst haben und sich zugleich nach einem guten Leitspruch für deren zukünftige Weiterentwicklung anhören.

Es macht unheimlich viel Spaß erst nach dem Lesen einiger Sätze zu erkennen, welches Pokemon sich nun tatsächlich hinter der Beschreibung verbirgt. Für gewöhnlich achte ich auf die Farbe des Haares oder die Anfertigung der Kleidung bei Personen selten, für mich zählt immer nur, dass Haare vorhanden sind und dass Kleidung vorhanden ist. Bei dir achte ich aber auf jedes Detail, nur um in den Genuss zu kommen mir das Pokemon so gut wie möglich vorzustellen. Wenn man erstmal Stereotypen im Kopf hat muss man nämlich immer die Details schätzen, um nicht an ein anderes Wesen, was man im ersten Moment damit verbindet, in die Geschichte zu setzen^^
Das ist auch einfach etwas, was mir selbst beim Schreiben sehr viel Spaß macht. Mir bei den einzelnen Charakteren immer wieder neu zu überlegen, wie man diese am besten "in Szene setzen" kann und welche Beschreibungen am besten zu ihnen passen. Für mich selbst mache ich das sowieso immer, wenn ich die "Recherchen" zu einem neuen Pokémon anstelle, das ich in meine Geschichte einbauen möchte und da liegt es irgendwie nahe, das auch gleich für die Geschichte selbst zu verwenden. Zumal Pokémon hier natürlich den großen Vorteil haben, so verschieden zu sein, dass die Beschreibungen selbst ebenfalls ganz automatisch immer wieder anders und neu ausfallen.
Achja, die Tatsache, dass ich nur einmal eine Wortwiederholung gelesen habe, auf die ich ja bekanntlich allergisch reagiere, freut mich ebenfalls sehr. Nur einmal hast du Tanur mit einer Wolldecke zugedeckt... aber auch das ist eher so eine Alibiwortwiederholung ;)
Stimmt - da hab ich sogar tatsächlich ne ganze Zeit lang daran herumgefeilt, aber irgendwie keine vernünftigen Synonyme dazu gefunden ^^

Ansonsten noch eine kurze Anmerkung zum Männchen: Tanur hört einen Hilfeschrei, bei der Fallgrube angekommen bestreitet dieses Männchen allerdings, Hilfe annehmen zu wollen. Daraus resultierend macht der Hilfeschrei also kein Sinn, er würde viel eher versuchen, sich weiter selbst daraus zu helfen... oder stößt es einfach nur gegen seinen Stolz, dass ausgerechnet zwei kinder ihm zur Hilfe kommen wollen^^
Da ist was dran, ja. Ich selbst habe da natürlich schon den kompletten Charakter vor Augen, sodass dieses Verhalten für mich durchaus Sinn ergibt. Aus dem, was ich bislang über Colo verraten habe, geht das tatsächlich noch nicht so ganz hervor. Ist auf jeden Fall ein Punkt an dem ich entweder nochmal ein wenig arbeiten oder aber ihn später nochmal erklärend aufgreifen könnte.

Dass ich mit diesem Post in die Top 3 der FanArt Poster eintauche, lässt mich ebenfalls schon gierig auf den Absenden" Button stiehlen.^^
Herzlichen Glückwunsch :king: ^^

Insofern freue ich mich auf eine Fortsetzung und nach langer Zeit mal wieder ein: keep on writing ;D
Mach ich, mach ich - und hoffentlich in nächster Zeit auch wieder mit ein wenig erhöhtem Tempo ^^
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