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[Diskussion] FanFiction - Die ...

#999417 von Rumo
08.09.2013, 17:48



Auf die Frage, welche Tipps er angehenden Autoren geben könne, antwortet George R. R. Martin (der Autor von "Das Lied von Eis und Feuer") unter anderem:

Schreibe. Schreibe jeden Tag, selbst wenn es nur ein oder zwei Seiten sind. Je mehr du schreibst, desto besser wirst du. Schreibe aber nicht in meiner Welt, oder in Tolkiens, im Marvel-Universum, im Star Trek-Universum oder in irgendeiner anderen geliehenen Welt. Jeder Autor muss lernen seine eigenen Charaktere, Welten und Szenarien zu erschaffen. Einfach die Welt eines anderen zu benutzen ist der faule Weg. Wenn du diese "literarischen Muskeln" nicht trainierst, wirst du sie nie entwickeln. Quelle

Sind FanFictions also - überspitzt formuliert - die Geschichten von Autoren, die zu faul sind sich selbst eine eigene Welt auszudenken?
Was denkst du über FanFictions? Ist es sinnvoll solche zu schreiben oder zu lesen? Oder sind "richtige Geschichten" einfach besser?




Da wir hier im Forum den Begriff FanFiction zum Teil etwas ungenau verwenden, hier noch eine kurze Definition, damit wir auch alle über das gleiche reden:

FanFiction bezeichnet Geschichten über Charaktere oder Welten aus anderen Werken (Büchern, Filmen, etc), die nicht vom ursprünglichen Autor, sondern von einem Fan dieser Werke geschrieben werdenQuelle. Konkret sind also zum Beispiele alle Geschichten in diesem Unterforum, die von Pokémon handeln, "echte" FanFictions. Denn deren Autoren nehmen dafür von anderen erfundene Wesen (Pokémon) und schreiben mit diesen eigene Geschichten.
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Re: [Diskussion] FanFiction - ...

#999446 von FirstGlumanda
08.09.2013, 19:48
Wirklich ein sehr interessantes Thema.
Im Grunde finde ich das Zitat richtig, denn bei 90% aller Fan-Fictions ist nur die Story anders, am Beispiel der Pokemon z.B. dass die Charaktere Trainer und Pokemon sind, die Welt eine der Regionen (Oder aber eine daran angelehnte Welt) und nur die Erlebnisse unterscheiden sich von denen der Charaktere im Anime/Manga.

Aber es kann auch Spaß machen, vorgegebene Charaktere neues erleben zu lassen, und bei Fanfictions kann man ja auch viele neue Elemente einbauen, wie neue Pokemon, eine radikalisierte Welt ect.

Ich denke, wenn man mal eine Fiction schreibt, macht es Spaß, selbst wenn es nicht so viel Fantasie erfordert, wie eine Komplett eigene Geschichte.

Und zum Aspekt der Faulheit: Viele Welten sind ziemlich komplex, und es kann sehr anstrengend sein, in einer komplizierten Welt zu schreiben, in der es z.B. viele Fachbegriffe gibt.
Um mal auf die Beispiele einzugehen, so finde ich es ziemlich kompliziert, eine Star Trek-Fanfiction zu schreiben, aufgrund der vielen "Fremdwörter" und der Komplexheit...
MfG, FirstGlumanda.
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Re: [Diskussion] FanFiction - ...

#999491 von DerSpieler
08.09.2013, 23:35
Es ist natürlich absurd irgendeine Ausprägung von Kunst als minderwertig oder einer anderen Kunstform unterlegen zu bezeichnen.
Abgesehen davon, ist die These auch in anderer Hinsicht unhaltbar. Nach dieser Logik dürfte es keine Romane, Filme o.ä. geben, die in der realen Welt oder an einem historischen Ort spielen, denn man hätte ja einige Aspekte der Welt nicht selbst erfunden. Konsequenterweise gäbe es dann keine Kunst mehr, denn alle Noten, Farben und Materialen wurden ja bereits in der Vergangenheit verwendet O.o
Jede Kunstform bedient sich bestimmter Muster, sonst wäre sie nichts als ein Haufen undefinierbares Zeug...
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Re: [Diskussion] FanFiction - ...

#999506 von Majiata
09.09.2013, 10:45
DerSpieler hat geschrieben:Nach dieser Logik dürfte es keine Romane, Filme o.ä. geben, die in der realen Welt oder an einem historischen Ort spielen, denn man hätte ja einige Aspekte der Welt nicht selbst erfunden.

Nein. Zumindest Urban Fantasy wäre auch nach dieser Argumentation haltbar, weil man zusätzlich zur realen Welt auch die eigenen Gesetze von Magie oder was auch immer man einbringt, schaffen muss. Samt einer hinreichenden Erklärung, warum der "normale" Mensch in der realen Welt nichts von der Magie (oder was auch immer) mitbekommt. Sprich, man erfindet nicht nur "einige Aspekte" neu bei Urban Fantasy, sondern praktisch die halbe Welt, mit dem Zusatz, dass man sinnvoll erklären muss, weshalb die andere Hälfte nichts von der einen weiß. Zudem spielt ein Urban Fantasy-Plot normalerweise in der selbst geschaffenen Hälfte, was meiner Einschätzung nach einer selbst geschaffenen Welt ziemlich nahe kommt. Da sollen die Charaktere dann halt von mir aus mit der U-Bahn einer Stadt in der realen Welt fahren, weil das ist dann ja wirklich das kleinste Problem.
Bei wirklicher Reallife-Literatur (sprich, wo tatsächlich die reale Welt ohne Änderungen verwendet wird) zieht deine Argumentation natürlich.

Ich persönlich bin der Meinung, dass es bis zu einem gewissen Maßstab die Frage ist, wie sehr man sich an die vorgegebene Welt anlehnt. Um das Beispiel des Pokémon-Fandoms zu bringen (da ich hier einfach mehr FFs kenne als bei sonstigen Fandoms), sind natürlich 0815-Reisestorys, die praktisch der Storyline des Animes folgen, nicht sonderlich kreativ, insbesondere, wenn man so sehr mit den Charakteren in die Tiefe geht wie beim Pokémon-Anime (abgesehen von Lucias Charakterentwicklung in DP, die war ja wirklich ganz gut ... für Pokémon-Verhältnisse). Andererseits halte ich solche Texte für einen guten Einstieg ins Schreiben. Ich selbst habe eigentlich auch mit etwas Ähnlichem angefangen, nur dass ich dann zwischendurch (nach drei Orden und damit 25 Kapiteln oder so) aufgehört und später begonnen habe, die gesamte FF zu überarbeiten und selbst einige zusätzliche Fantasy-Elemente einzubringen. Insbesondere bei solchen Storylines halte ich es für durchaus sinnvoll, Fanfiction zu schreiben. Man schafft eben doch etwas Eigenes (in einem gewissen Maßstab), sodass man irgendwann dann auch Lust bekommt, etwas vollkommen Eigenes zu entwickeln. Einfache Rechnung. Es muss eben nur die Idee kommen (und diese nicht nach Ende eines Animes, den man zwei Wochen, nachdem man die Idee hatte, begonnen hat, in eine FF mit eigenen Charakteren umwurschtelt ...) - wenn man dann schon im Schreiben ist, tut man sich leichter, die Gesetze der Welt, die Welt selbst, die Charaktere ... umzusetzen und tatsächlich auch das Projekt in Angriff zu nehmen.
Was die Verwendung von Charakteren aus einem bestehenden Fandom für eine FF angeht, will und kann ich nicht mitreden, da ich nicht über etwas sprechen kann, was ich selbst nicht ausprobiert habe, weil es mir schlichtweg schwer fällt.

Zudem ist aber noch zu völlig freien Arbeiten zu sagen, dass da eigentlich auch nur am Anfang, vor dem Schreiben, ein wenig mehr Arbeit anfällt (aus der Sicht des Plotters, die ich nur völlig theoretisch betrachten kann, gesehen). Charaktere mit Entwicklung und die Storyline muss man immer erschaffen, da ist die Welt nur ein kleiner Teil des Ganzen. Und selbst, wenn man eine FF schreibt, muss man sich dennoch über die Welt informieren, denn kaum jemand wird alle Eventualitäten eines bestehenden Fandoms im Kopf haben; abgesehen davon, dass man auch neue, noch nicht im Fandom festgelegte Wahrscheinlichkeiten schaffen wird.
Und mal abgesehen davon geht es beim Schreiben doch primär darum, seinen eigenen Stil zu finden. Und das geht nur mit Lesen und Schreiben gleichermaßen, egal, was man nun liest und schreibt.
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Re: [Diskussion] FanFiction - ...

#999525 von gasi
09.09.2013, 15:18
DerSpieler hat geschrieben:Konsequenterweise gäbe es dann keine Kunst mehr, denn alle Noten, Farben und Materialen wurden ja bereits in der Vergangenheit verwendet O.o
Ich verstehe zwar auf was du hinauswillst, aber ich glaube du denkst in diesem Fall zu kleinteilig. Es wurden ja auch schon alle Buchstaben verwendet und (vermutlich) auch alle (anerkannten) Wörter der deutschen Sprache. Trotzdem würde niemand einen Text sofort als Teil einer unterlegenen Kunstform bezeichnen, denn die Sprache ist ein elementarer Baustein, den man nicht einfach so ändern oder neu erfinden kann - ebenso wie beispielsweise die Noten in der Musik. Hier geht es vielmehr um die Aneinanderreihung von Wörtern oder Noten, die letztendlich ein einzigartiges Gesamtwerk ergeben sollen. Erst dadurch werden ja Vorstellungskraft, Gedankenleistung, Kreativität usw. vereint. Erst was daraus dann entstanden ist kann man dann beurteilen und eben als mehr oder weniger ausgereift bezeichnen.

Nun aber zum Thema an sich:

Natürlich bringt eine FanFiction ganz andere Voraussetzungen mit als ein komplett selbst ausgedachter Komplex. Wie Majiata vor mir schon geschrieben hat, sehe auch ich FFs vor allem als guten Einstieg in das kreative Schreiben. Hier muss man sich nämlich nicht darauf konzentrieren, dass eine ganze Welt in sich logisch aufgebaut ist, sondern kann sich erst auf "kleinere" Dinge wie Charaktere stürzen. Zudem hat man dadurch auch viel mehr Zeit um sich über den eigenen Stil klar zu werden usw. Das ist bei komplett selbst erfundenen Welten natürlich schwerer.

Trotzdem hat die FF an und für sich durchaus ihren Reiz und kann durchaus auch als "Königsdisziplin" betrieben werden. Natürlich steckt eine andere Art von Gedankenleistung hinter der Verwendung vorhandener Strukturen, doch ist diese nicht zu verachten. Schreibt man z.B. eine Pokemon-FF, dann muss man sich immerhin auch an gewisse Vorgaben halten, die man nicht einfach verändern kann. Ich denke hier an bestehende Pokemon, Entwicklungen, Typeneffektivitäten usw. Man ist in seinem Handlungsspielraum also eingeschränkt und muss sich an bestimmte Regeln halten. Bricht man diese, besteht nämlich die Gefahr, dass die Geschichte von den Lesern nicht mehr akzeptiert wird und außerdem die Welt nicht mehr logisch ist.

Man übernimmt in einer FF demnach nicht nur vorgegebene Strukturen, sondern auch die Logik des Urhebers. Man muss sich eine gewisse Denke aneignen, Rahmenbedingungen beachten und ist dadurch immer ein Stück weit eingeschränkt. Nicht jeder Autor kann mit solchen Vorgaben umgehen, weshalb sich nicht jeder im FF-Ressort wohl fühlt. Auch lässt sich somit nicht allgemein sagen, dass jemand, der mit Eigenkreationen glänzt, auch gute FFs schreiben kann. Das trifft selbstverständlich auf umgekehrt zu.

Die aufgestellte These kann also durchaus zutreffen, doch man darf eben nicht verallgemeinern. Ich denke man kann hier in beide Richtungen argumentieren und am Ende kommts einfach darauf an, wie man das Schreiben betreibt.
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